Jan Wallentin – Strindbergs Stern

Die Handlung:

In der verlassenen und gefluteten Mine von Falun findet ein schwedischer Taucher ein geheimnisvolles Artefakt, ein kunstvoll gefertigtes Kreuz. Kurze Zeit später wird er tot aufgefunden und es beginnt eine atemlose Jagd nach dem Kreuz durch ganz Europa. Die Spur führt zurück zu einer mysteriösen Polarexpedition im Jahr 1897, zur Verschwörung einer Sekte und reicht bis in die Gegenwart. Die Jagd hat nur ein Ziel: Dem rätselhaften Kreuz seine magischen Kräfte zu entlocken. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Die Verlagsinfo zum Roman deutet ja irgendwie ein Abenteuer im Indiana Jones-Stil an. Vielleicht haben sich das auch die 23 anderen ausländischen Verlage gedacht, die dieses Erstlingswerk auch angekauft haben, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde.

Die Geschichte ist keine, die man einfach so nebenbei erleben kann. Passt man mal nicht auf, driftet man mit den Gedanken mal eben beim Hören ab, so ist man ganz schnell raus aus der Geschichte. Was nämlich wie ein Krimi anfängt, hat bald nichts mehr mit einem Krimi zu tun. Irgendwie lässt sich die Story auch überhaupt nicht auf ein Genre festnageln, sondern ist eine Kombination aus Mystery und Abenteuer. Alles immer geschickt kombiniert mit gut recherchierten und belegten geschichtlichen Fakten.

Und wenn der Hörer nach ein paar Stunden des Hörens herausgefunden hat, dass der Taucher vom Anfang gar nicht der Hauptheld des Romans ist, fragt er sich, warum nicht schon in den ersten Stunden gekürzt wurde. Gute zehn Stunden ist die Lesung lang, einige davon hätten gut weggelassen werden können. Denn oftmals sind die Beschreibungen, die weder die Story voranbringen noch irgendwie interessant oder spannend sind, schlichtweg zu ausschweifend.

Mit Don Titelman, dem drogensüchtigen Arzt und historisch interessierten Forscher verbringt der Hörer also die weitere Zeit der Lesung, denn er ist der eigentliche Protagonist. Die Hörphasen sollte man aber nicht allzu oft unterbrechen, damit man den Überblick nicht verliert. Kaum hat der Hörer im Kopf ein paar Zusammenhänge und Lösungsansätze formuliert, springt die Handlung und man kann von vorn anfangen. Das ist ja nicht zwangsläufig schlecht, das ist nur schlecht, wenn man das Hörbuch in mehreren Teilabschnitten hören möchte oder muss.

Wer aber konzentriert am Ball bleibt, der findet hier eine spannende und intelligent erzählte Geschichte, die sich nicht in eine Schublade packen lässt, weil sie sich nicht strikt an nur ein Genre hält. Die Abwechslung bietet und auch fesselnd ist, wenn sie dann endlich mal Fahrt aufgenommen hat. Und wenn man am Ende dann alles für sich geordnet hat, dann weiß man auch, was der Autor mit Strindberg, Hedin, den Nazis und vor allem dem Stern und dem Kreuz erzählen wollte und warum so viele hinter ihnen her waren.

Das Hörerlebnis:

Matthias Brandt macht seine Sache gut. Er klingt wie ein ambitionierter Geschichtenvorleser, jedoch nicht wie ein Geschichtenerzähler, aber verleiht den Charakteren dennoch genug Ausdruck, sodass sie beim Hörer ein nettes Kopfkino auslösen.

Als störend empfand ich seine Geschwindigkeitswechsel beim Sprechen, was ja auch aus dramaturgischer Sicht ein Stilmittel sein kann, hier ist es das nicht. Denn er beginnt sehr viele Sätze hektisch schnell und wird dann immer langsamer, das hat mich nicht nur einmal irritiert.

Dennoch schafft er es, den Hörer bei der Stange zu halten, nicht nur, weil dieser wissen will, wohin die Reise geht.

Der Sprecher:

Matthias Brandt wurde 1961 als jüngster Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandts in Berlin geboren. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und war anschließend an verschiedenen Theatern engagiert, u. a. am Bayerischen Staatsschauspiel, dem Schauspielhaus Zürich, dem Schauspielhaus Bochum und dem Schauspiel Frankfurt. Als Hörbuchsprecher war er zuletzt in „Psycho“ von Robert Bloch im Jahr 2010 und „Wir Wirtschaftswunderkinder“ von Rainer Moritz im Jahr 2009 zu hören. (Verlagsinfo und wikipedia)

Die Ausstattung:

Die acht mit dem Titel bedruckten silbernen CDs stecken in durchsichtigen Plastikhüllen. Zusammen mit einem Faltblatt-Booklet, das Kapitelnamen und ein paar Infos zu Autor und Sprecher enthält, befindet sich alles in einer robusten Klappbox aus Pappe.

Mein Fazit:

Ein ungewöhnlicher und interessanter Okkultismus-Mystery-Nazi-Geheimbund-Krimi, der den Hörer belohnt, der am Ball bleibt und aufmerksam zuhört.

Gekürzte Lesung auf 8 Audio-CDs mit 119 Tracks
Gesamtspielzeit: 9:57 Std.
Originaltitel: Strindbergs stjärna
Aus dem Schwedischen von Antje Rieck-Blankenburg
ISBN-13: 978-3867177009
www.hoerverlag.de

 

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