Scott Westerfeld – Die geheime Mission (Leviathan 1)

Die Handlung:

Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf einer alternativen Erde. Prinz Aleksandar, der Sohn des gerade in Sarajevo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, wird von seinen eigenen Leuten gejagt. Er flieht in einem „Stormwalker“. Das ist eine Art Jules-Verne-Ausgabe eines Kampfläufers aus „Star Wars“.

In den Schweizer Alpen trifft Alek auf das lebende britische Luftschiff „Leviathan“, das eigens für die britische Armee erbaut und gezüchtet wurde. Die „Leviathan“ befindet sich auf geheimer Mission ins Osmanische Reich. Mit an Bord ist Deryn, die sich als Junge verkleidet in die Armee der britischen Darwinisten eingeschmuggelt hat. Alek rettet sich an Bord der „Leviathan“ und muss mit Deryn gemeinsame Sache machen … (stark abgeänderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ich mag Steampunk. Ich mag Jules Verne. Und ich mag Jugendbücher, weil sie meist nicht so düster und gewaltverherrlichend sind wie Romane für abgestumpfte Erwachsene, denen „Saw“ nicht blutig und menschenverachtend genug ist.

Aber kann man einen Steampunk-Jugendroman schreiben, der auch funktioniert? Man kann, wie ich feststellen durfte. Und so ließ ich mich auf eine spannende Reise mitnehmen.

Die Protagonisten

Alek und Deryn, ein Junge und ein Mädchen aus zwei unterschiedliche Welten.

Alek, eben noch Prinz, jetzt Gejagter und Waise. Er hätte eigentlich irgendwann einmal den Thron von Österreich-Ungarn besteigen sollen, aber nun trachtet man auch ihm nach dem Leben, nachdem bereits seine Eltern ermordet wurden.

Deryn, die fasziniert ist vom Fliegen, möchte sich der britischen Armee anschließen, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Leider dürfen Mädchen das nicht, und so verkleidet sie sich erfolgreich als Junge und gerät per Zufall auf das Luftschiff „Leviathan“.

Aber die „Leviathan“ ist kein Luftschiff, wie wir es kennen. Sie ist ein aus vielen Lebewesen zusammengezüchteter Organismus der britischen Darwinisten. Auch ein Wal ist darunter, daher ist die Leviathan auch so groß. Auch der Name „Darwinisten“ ist nicht zufällig gewählt worden, denn die Briten setzen auf Tierneuzüchtungen und -kreuzungen, während die Deutschen komplett auf Maschinen fixiert sind. Jede Seite verachtet die andere für ihre jeweiligen Vorlieben. Während die Briten immer neue Tiere für neue Dienste und besondere Aufgaben erschaffen, bauen die Deutschen Panzer mit Beinen. Technik gegen Biologie.

Alek und Deryn treffen auf einem Gletscher aufeinander und freunden sich an, auch wenn beide anfangs sehr zurückhaltend und skeptisch sind. Aber bald bekommen sie eine Sicht auf das Leben des jeweils anderen und entdecken, dass die Gegenseite nicht nur Schlechtes zu bieten hat. Da sowohl Aleks Getreuen als auch die Besatzung der „Leviathan“ von den Deutschen verfolgt werden, beschließen sie zusammenzuarbeiten.

Mit an Bord der „Leviathan“ ist auch die mysteriöse Dr. Barlow, die geheimnisvolle Eier transportiert. Welche Ziele sie allerdings damit verfolgt, wird wohl erst im Folgeband aufgelöst.

Spannung und Enttäuschung

Und da ist dann auch schon die meist übliche Enttäuschung bei ersten Teilen einer Reihe. Gerade, wenn es sich der Leser komplett in der Welt von Alek und Deryn gemütlich gemacht hat und die Story spannend wird, ist das Buch zu Ende. Fortsetzung folgt. Na toll.

Zurück bleibt ein spannender und sehr gelungener Steampunk-Jugendroman mit sympathischen Charakteren, mit denen man hoffentlich in Zukunft noch weitere Abenteuer erleben darf.

Beinahe vergessen hätte ich jetzt, die wunderschönen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Keith Thompson zu erwähnen, die den Leser während seiner gesamten Reise begleiten. Ich fühlte mich direkt an die amerikanischen Ausgaben der „Harry Potter“-Romane erinnert.

Die Fortsetzungen des Romans sollen laut Verlag „in schneller Folge“ veröffentlicht werden. Eine Nachfrage beim Verlag ergab allerdings, dass der zweite Teil voraussichtlich erst im April 2011 in Deutschland erscheinen wird. Wer nicht so lange warten möchte, der kann zum englischen Original greifen, das Anfang Oktober 2010 unter dem Titel „Behemoth“ erschienen ist.

Fazit:

Wer Jules Verne mag und gern Jugendabenteuer liest (und hört), der ist hier absolut richtig. Eine spannend erzählte Geschichte und ein tolles Setting, das Lust auf mehr macht. Ach so, und für die eigentliche vom Verlag angepeilte Zielgruppe im Alter von 12-13 ist der Roman natürlich auch zu empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Originaltitel: Leviathan 1 (2009)
Aus dem Englischen von Andreas Helweg
Mit Zeichnungen von Keith Thompson
ISBN-13: 978-3570139691
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch

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