William Avon – Slaves of the Girlspell (Girlspell 2)

Gestrandet in der Anderwelt: S&M-Abenteuer

Drei junge Frauen werden durch den Zauber einer mysteriösen orientalischen Schatulle in eine andere Welt versetzt. Es ist zwar immer noch das südliche England, aber hier herrschen Großgrundbesitzer mit Gesetzen, die es ihnen erlauben, „Streuner“ aus dem „Ausland“ in Leibeigenschaft zu nehmen. So widerfährt es der Polizistin Melanie Kingston, während die Einbrecherin Amber Jones im Knast und am Pranger landet. Am schlimmsten ergeht es der üppigen Susan, die in die Hände einer grausamen Gutsherrentochter fällt.

„Slaves of the Girlspell“ ist der Mittelband der Girlspell-Trilogie. Hier erfüllt sich das Schicksal der drei jungen Damen, die es in eine Parallelwelt des Jahres 1999 verschlagen hat. Während sie versuchen, wieder in unsere Welt zurückzukehren, muss sie weitere Lektionen lernen. Besonders Melanie erfährt durch Arabella eine grausame Behandlung, doch diese „Beschädigung“ des Eigentums des Majors hat für Arabella, seine Nichte, verhängnisvolle Folgen…

Der Autor

„William Avon“ ist wahrscheinlich ein vom Verlag vergebenes Pseudonym, ein „house name“. Er hat auch „Slaves of the Girlspell“ geschrieben. Natürlich kann ein Autor mehrere „house names“ führen. So taten es bereits Isaac Asimov, Robert Heinlein, die beiden Kuttners und Robert Silverberg (der ja auch mal Erotica schrieb).

Handlung

Amber ist von den Jungs des Internats aus dem Gefängnis entführt worden, doch Sally blieb zurück. Die Jungs erproben an Amber die Lektionen aus dem Buch über Sklavenhaltung, das ihnen die ungewöhnlich aufgeklärte Miss Newcomb geliehen hat. Miss Newcomb ist zwar auf viktorianische Weise streng zu ihnen, aber auch sehr zugeneigt und darum bemüht, ihre Schützlinge zu unterweisen. Erst sehr viel später erfahren die Jungs, was es wirklich mit Miss Newcomb auf sich hat. Sie versuchen jedenfalls, sie nicht zu verärgern, damit sie sie nicht an den Rektor verpetzt, der ihnen womöglich noch strengere Strafen aufbrummen würde. Es ist schon schlimm genug, dass sie in der gegenwärtigen Ferien nicht nach Hause dürfen, sondern vielmehr im Schulgebäude von Cranborough House niedrige Putzdienste verrichten müssen. Miss Newcomb führt ein strenges Regiment, weiß Gott!

Amber Jones

Zu ihrem Erstaunen besteht Amber, die befreite Einbrecherin, darauf, dass sie auch Sally Field aus dem Gefängnis holen. Sie verrät ihnen nicht, dass Sally inzwischen ihre Busenfreundin geworden ist und sich außerdem viel besser mit den hiesigen Verhältnissen auskennt, weil sie hier aufwuchs. Sally ist keine illegal Eingereiste wie Amber, sondern nur eine junge Frau, die sich, ähem, ungern an die Konventionen hält, die für junge Damen gelten sollen. Deshalb landet sie immer wieder am Pranger. Zusammen gelingt es Sally und Amber, die Jungs in deren Drange nach Dominanz in die richtige Richtung zu lenken und sie zu unterweisen. Außerdem haben die Jungs noch mit Arabella Westlake eine Rechnung offen. Und bei Arabella befinden sich zwei weitere „illegal Eingereiste“, Melanie und Sue. Die Jungs sollen sie befreien.

Melanie Kingston

Melanie, die schwarze Polizistin, findet das Leben als Sklavin im Jagdrudel des Majors Westlake-gore gar nicht so übel. Sie hat jede Menge Sex und verbringt viel Zeit an der frischen Luft, die, wie sie bemerkt, viel sauberer und belebender ist als die ihrer eigenen Welt. Sie hat sich für ein Jahr beim Major verpflichtet.

Der Höhepunkt des ersten Jahres ihrer Sklavenexistenz ist die Hetzjagd. Die Mädchen des Jagdrudels bekommen einen Vorsprung und spielen die Füchse, woraufhin die Reiter, die der Major zu diesem sportlichen Ereignis eingeladen hat, die Füchse jagen dürfen. Natürlich dürfen sie sich am gefangenen Fuchs auch ihr Vergnügen gönnen. Melanie ist eine ganz Schlaue und entkommt ihren meisten Verfolgern, indem sie einen Bogen zurück zum Ausgangspunkt der Jagd schlägt. Dort versteckt sie sich, doch sie wird entdeckt. Sir Thomas und seine Gattin vergnügen sich am Abend mit ihr.

Fiese Rache

Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Melanie. Arabella Westlake hat sie immer noch auf dem Kieker. Nicht genug, dass Arabella mit Susan Drake ihre eigene Privatsklavin auf jede erdenkliche Weise erniedrigt und demütigt, strebt sie auch noch nach Rache an Melanie, die ihr der Major vorenthalten hat. Als der Major zu einer Auktion fährt und den Verwalter Platt mitnimmt, sieht Arabella die Gelegenheit gekommen. Sie muss nur noch alles nach Wunsch arrangieren. Es gelingt ihr schließlich, Melanie mit der Hilfe von Belinda Jenkins, ihrer engsten Freundin, nackt durch ein Distelfeld zu schleifen. Die körperlichen und seelischen Folgen für Melanie sind verheerend.

Gerechter Zorn

Als der Major vorzeitig zurückkehrt und seine beste Sprinterin in diesem elenden und schwer lädierten Zustand sieht, bricht es ihm fast das Herz. Er ist wahrlich kein schlechter Gutsherr und Sklavenhalter, sondern sorgt sich um seine Schützlinge. Je mehr und besseres sportliches Vergnügen er seinen Standesgenossen bieten kann, desto höher auch sein eigenes Ansehen. Und nun wurde ein Grundpfeiler dieses sportlichen Vergnügens schwer beschädigt. Schon bald bekommt Arabella am eigenen Leib zu spüren, was der Zorn des Majors für sie zu bedeuten hat…

Susan Drake

Amber Jones hat in nächtelanger Knobelei einen genialen Plan ausgetüftelt, wie sie zwei Fliegen mit einer Aktion fangen kann, ohne einen Finger krumm zu machen. Jemima, eine vormalige Freundin Arabellas, ist zu den Jungs übergelaufen und inzwischen ihre Sklavin. Mit Jems Informationen können die Jungs zunächst Susan Drake befreien. Dann schicken sie Arabella ein Erpresserschreiben. Sie bekäme Sue zurück, wenn sie zu einer bestimmten Zeit am Abend des Jahresballs auf Markham Hall beim Puppenhaus einfände. So etwas nennt man heute wohl „Social Engineering“.

Alle Vorsichtsmaßnahmen nützen Arabella nichts, denn alles geht sehr schnell. Sie wird gefangengenommen und für ihren ganz speziellen Auftritt auf dem Ball vorbereitet. Die clevere Amber sorgt dafür, dass die hochnäsige Aristokratin die Überraschung des Abends sein wird…

Mein Eindruck

Der Roman liest sich so schnell und anschaulich wie ein Filmdrehbuch. Ich habe ihn in zwei Tagen fertiggelesen, und ich bin sicher, es ginge sogar noch schneller. Die Schauplätze sind anschaulich geschildert und wechseln einander ab, so dass nie Langeweile aufkommt und der Leser neugierig bleibt, wie es weitergeht.

Ebenso wichtig ist die Perspektive auf das Geschehen. Manche Autoren treten zurück und tun so, als wären sie objektive Zuschauer, die das Geschehen vom „Spielfeldrand“ betrachten. Das ist langweilig und spricht den Leser kaum an. Ganz anders hingegen „William Avon“ Er ist stets nahe am Geschehen dran, ohne jedoch zudringlich oder gar geschwätzig zu werden. Er kann beim Leser die Kenntnis dessen, was eine Penetration ist oder wie eine Kette aussieht, voraussetzen.

Er braucht ihn nicht mit bekannten Details zu langweilen. Viele wichtiger sind unbekannte, neue Details wie etwa ein Pranger in einer Parallelwelt oder der Zwinger für das „Jagdrudel“ des Majors. Hier beschreibt der Autor genau und zwar stets nur das, worauf es ankommt. Nie lässt er die Reaktion der Neuankömmlinge auf die neuen Umstände aus. Das ist es, was uns interessiert.

Am wichtigsten sind persönliche Entwicklungen unter den Figuren, denn der Leser will wissen, wohin die Geschichte führt und ob es so etwas wie eine Handlung mit Konflikten gibt. Das lässt sich eindeutig bejahen, und auch wenn man lange auf den Konflikt warten muss, so ist doch klar, dass früher oder später Arabella die gerechte Strafe ereilen wird. Und in einem Roman über Sklavinnen kann diese Strafe nur zu einem Ende führen.

Die dynamischste Gruppe sind die fünf Fünfzehnjährigen aus der Schule. Sie machen am meisten Action und lernen am schnellsten, wie man mit so etwas Wunderbarem wie einer privaten Sklavin umgeht. Allerdings erfahren sie auch ihre Grenzen, denn Sally und Amber zeigen ihn, dass manche Dinge eben nicht übertrieben werden dürfen. (Auf der dritten Seite des Buches steht die Empfehlung: „In real life always practise safe sex!“) Also gibt es auch keinen einzigen Toten zu beklagen. Das kann man nur von wenigen Abenteuerromanen und –filmen behaupten.

S&M-Anhänger wollen sicher wissen, welche Praktiken beschrieben werden. Aber ich weigere mich, dies hier zu tun, aus Rücksicht auf andere Leser, die S&M vielleicht grässlich und krank finden. Natürlich auch aus Gründen des Jugendschutzes. Wer das Buch besitzen will, um es selbst zu lesen, findet es leicht im Internet.

Unterm Strich

Obwohl ich in den letzten Jahren kein erotisches Buch gelesen habe, das mich so gut unterhalt hat, fand ich doch auch etliche Schwächen. Es schildert beispielsweise alle Figuren nicht als runde Personen mit einer Geschichte, sondern nur als Handlungsträger, die eine Rolle zu spielen haben. Was fehlt, ist eine ausgebaute Geschichte. Wenn Susan an ihren dominanten Dave zurückdenkt, dann ist das schon der Gipfel an psychologischer Betrachtung. Das Kapitel ist dementsprechend auch nur drei Seiten lang. Weiter mit der Handlung, es muss immer was passieren.

Aber der Autor versteht es auch, Szenen anschaulich zu schildern, Figuren sich entwickeln zu lassen und Begegnungen und Konflikte auf interessante Weise herbeizuführen und wieder aufzulösen. Allerdings könnte es nicht ebensogut um eine andere Spielart von Fetisch handeln, wie etwa erotische Dessous. Dafür sind die Schilderungen doch zu eindeutig für S&M-Anhänger gedacht. Wer also „Die Geschichte der O“ mochte, der kommt hier voll auf seine Kosten. Und die Erlebnisperspektive ist wie bei der O fast immer die der Frau, was ich auch sehr interessant fand.

Im zweiten Band beantwortet der Autor die offenen Fragen, die der Schluss des ersten Bandes aufwarf. Ich fand daher den zweiten Band noch viel dynamischer und actionreicher als den ersten, in dem doch recht viel Platz für die Einführung der Figuren verwendet wurde. Die Dynamik geht soweit, dass im gleichen Kapitel der Schauplatz mehrmals wechselt, dieser Wechsel aber nicht durch eine Leerzeile erkennbar gemacht wird. Das hat mich zunächst ziemlich verwirrt, aber ich habe schon etliche englische Abenteuerromane gelesen, in denen diese verlegerische Missetat ebenfalls auftaucht.

Am Schluss des Bandes ergibt sich nach dem Ballabend mit seiner fulminanten Überraschung eine weitere unerwartete Wendung der Geschichte. Miss Newcomb, über die ich mich schon im ersten Band gewundert habe, entpuppt sich jetzt als alles andere denn als eine Lehrerin. Und die drei Mädels, deren Martyrium so spannend geschildert wurde? Werden sie ihr Ticket nach Hause bekommen? Um dies herauszufinden, sollte man die zwei Bücher und ihre Fortsetzung selbst lesen.

Hinweise

Am Schluss dieses zweiten Bandes bleiben Fragen offen. Diese werden in der Fortsetzung „Arabella’s Revenge“ beantwortet. Meines Wissens wurde die Trilogie noch nicht übersetzt.

Taschenbuch: 240 Seiten
Originaltitel: Slaves of the Girlspell, 2000/2011
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1908252104

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Leider ist der englische Verlag Silver Moon Books inzwischen aufgelöst worden. Offenbar gehört Silver Moon inzwischen zu Cambridge House Publishing Limited in Nottingham. Interessenten finden das Buch im Gebrauchthandel.