Monika Wunderlich (Hrsg.) – Eiszeit – drinnen und draußen. 24 böse Dezembergeschichten

Dezember steht nicht nur für Frost, Schnee, Kindheit, Freude, Weihnachten, Advent, Geschenke, Nikolaus, Christkind …

Dezember steht auch für EISZEIT – und viel öfter, als wir es wahrhaben wollen, bleibt die Kälte nicht nur draußen, wir finden sie auch drinnen – in den Stuben, den Herzen, den Gedanken, den Erinnerungen …

Eine unabhängige Jury hat aus der Vielzahl der Einsendungen Texte folgender Autoren für die Anthologie in der VIRPRIV-Reihe DUNKLE STUNDEN ausgesucht:

Alexander Amberg – Julia Bauer – Fine Braga – Linda Budinger – Charlotte Engmann – Wolf Fischer – Andreas Gruber – Ines Heckmann – Matthias Heyen – Markus Kastenholz – Hildegard Kohnen – Uschi Lange – Stefan Melneczuk – ODeeN – Stephan Peters – Stefan Pinternagel – Stefan Pürner – Heike Rau – M. Franz Rinner – Markus Saxer – Thomas Schweisthal – Andreas Stahlbock – Astrid Theuer – C. J. Walkin|
(Verlagsinfo)

Die Kurzgeschichten haben die gleiche Bandbreite, wie es beim Gros der Anthologien üblich ist. Herausragend war für mich ZUR HÖLLE MIT WEIHNACHTEN von Andreas Gruber, der eine humorvolle Story anbietet, in der Luzifer eine Gegenveranstaltung zu Weihnachten durchführt. Was dem Höllenfürst nicht so recht gelingen will, weil seine Teufelchen und Dämonen ganze Arbeit leisten, mit ihren Pentagramm-Keksen, dem Glühwein und einem Weihnachtsbaum unter der höchsten Kuppel der Hölle, dass es Luzifer angst und bange wird bei all der Gemütlich- und Fröhlichkeit. Diese Story liest man sicher nicht nur im Weihnachtsmonat!

Die für mich zweitbeste Geschichte dieser Sammlung ist DIE SCHWÄBISCHE WEIHNACHT von Wolf Fischer, in der ein geplagter, zum ersten weihnachtlichen Familienfest seit Jahren gen Schwaben angereister Sohn namens Marc tapfer den Verkupplungsversuchen seiner Eltern trotzt und dann der kleinbürgerlichen Enge schnell wieder entflieht und seinen Geburtsort zur marcfreien Zone erklärt.

Ein kleine, feine düstere Geschichte ist auch DIE NACHT, ALS DAS RENTIER STARB von C.J. Walkin, der auf nur knapp vier Seiten eine bissige Atmosphäre zu schaffen versteht, in der ein kleiner Junge den Weihnachtsmann, der seine Mutter vögelt, niederschießt, weil ihm sein Vater immer gesagt hatte, daß „die Roten“ und „die mit den Bärten“ eines Tages kämen und ihnen alles wegnähmen. Astrid Theurer erzählt in MUTTERSÖHNCHEN vom dem tödlichen Ausgang einer jugendlichen Mutprobe. Besonders zu erwähnen bliebe auch noch DIE SYMMETRIE DES BÖSEN von Markus Saxer, dessen Schuld- und Sühnegeschichte erkennen lässt, dass man von diesem Autor sicher noch lesen wird. Ich wünsche es mir jedenfalls. Wenn sich Markus Saxer Zeit für einen Roman und seinen Stil noch reifen lässt, steckt in ihm das Potenzial eines Autors, der seine Leser finden dürfte.

Die anderen Storys von EISZEIT bieten Kurzweil, sind zwar teilweise vorhersehbar, aber dennoch unterhaltend.

Im Gegensatz zu der Innenillustration auf Seite 3, auf die besser hätte verzichtet werden sollen, gefällt mir das Cover ausnehmend gut. Auch das Papier ist gut, somit ist die Aufmachung des Titels ansprechend.

Diese Anthologie ist für den kleinen Lesegenuss zwischendurch daher insgesamt geeignet – nicht nur im Winter!

Taschenbuch: 136 Seiten
www.virpriv.de

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