Zelazny, Roger – Fluch der Unsterblichkeit

„Fluch der Unsterblichkeit“ ist ein echter Klassiker des Science-Fiction-Genres. Das 1966 veröffentlichte Buch „This Immortal“ wurde ausgezeichnet mit dem |HUGO Award|, der begehrten Trophäe, die von den amerikanischen SF-Lesern verliehen wird.

_Handlung_

Nach dem atomaren Holocaust ist die menschliche Zivilisation nur noch ein Schatten ihrer selbst. Immerhin haben die Menschen Kolonien auf dem Mond, den Planeten und den Saturnringen einrichten können.

Die Aliens von der Wega haben auch ein paar Menschen aufnehmen können, doch scheinen sie ihnen nur als Arbeitstiere recht zu sein.

Auf der Erde selbst ist eine verstreute Bevölkerung von Mutanten und anderen Veränderten zurückgeblieben, darunter ein gut betuchter Mann, der sich Conrad nennen lässt und, wenn man entsprechende Recherchen anstellt, sich als praktisch unsterblich entpuppt. „Call me Conrad“ hieß die Story, auf der der Roman basiert.

Conrad verlässt seine griechische Insel und seine Geliebte Kassandra, um einem Ruf des Erdrates zu folgen, den Führer für einen wichtigen Alien-Journalisten zuspielen. Als der zuständige Kommissar für Artefakte, Kunst und antike Stätten soll er diesen bläuhäutigen Alien namens Cort Myshtigo zu den Monumenten des Altertums führen. Wie sich herausstellt, auch als sein Leibwächter.

Die Tour führt von Haiti zu den Pyramiden, dann nach Athen und schließlich in das thessalische Hochland, wo eine Atombombenexplosion jede Menge Mutanten hervorgebracht hat, darunter Satyrn und Albinos.

Genau wie die irdische Widerstandsbewegung befürchtet auch Conrad insgeheim, daß Myshtigo ein verkappter Kundschafter für die Immobilienmakler der Aliens ist, der den Ausverkauf des Disneylands namens Erde vorbereitet. Wie in einem Spionagethriller versucht Conrad die Identitäten und wahren Absichten seiner zahlreichen Begleiter auf dieser Tour zu ergründen. Dabei gerät er in die Lage, Myshtigo bei Anschlägen der Widerstandsbewegung mehrmals das Leben zu retten.

Wie die „Encyclopedia of Science Fiction“ richtig bemerkt, bewältigt er bei diesem Unterfangen einige der zwölf Arbeiten des Herakles, wie etwa den Kampf mit der Lernäischen Schlange und mit einem riesigen thessalischen Eber. Aus dieser speziellen Patsche wird ihm von Kassandra geholfen. Myshtigo kehrt nach diesem glücklichen Ende zur Vega zurück, wo er sich bei seinen Verwandten für die Erde einsetzt.

_Fazit_

„Fluch der Unsterblichkeit“ ist eine faszinierende Mischung aus James Bond, Post-Holocaust- und Picaro-Roman, barock und farbig illustriert mit Elementen aus der griechischen Antike und neuartigen Mutanten. Conrad selbst spielt eine zweideutige Rolle: der Retter des ausbeuterischen Alien wird schließlich zum Hüter und Bewahrer der Erde ernannt. Nun, auch Herakles durfte nach seinem Tod als Halbgott in den Olymp eintreten.

„Fluch der Unsterblichkeit“ stellt unter anderem die Frage, ob es noch eine Zeit für Helden geben kann und unter welchen Umständen sie helfen, die Zivilisation und die Würde des Menschen zu bewahren. Aus dem Fundus der Mythologie bedient er sich dabei, um deren Vorbilder wie zum Beispiel Herakles zu hinterfragen und relativieren. Conrad ist nicht nur der bekannte „Held mit tausend Gesichtern“, sondern auch ein Trickster. Die Dekonstruktion von Mythen hat der New-Wave-Vertreter Zelazny mit großem Erfolg wiederholt: in seinem preisgekrönten Roman „Lord of Light“ (1967; deutsch bei |Heyne|).

|Originaltitel: This Immortal, 1966
Aus dem Amerikanischen von Roland Fleissner|

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