James, Peter – Und morgen bist du tot

_Die „Roy Grace“-Serie:_

01 [„Stirb ewig“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3268
02 [„Stirb schön“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3154
03 [„Nicht tot genug“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5969
04 [„So gut wie tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6003
05 _“Und morgen bist du tot“_
06 „Dead like you“ – noch ohne dt. Titel –

Ein Mann, der zum letzten Mal sein Motorrad besteigt. Seine Frau, die im sechsten Monat schwanger ist. Ein junges Mädchen, das dringend eine Spenderleber braucht. Ihre Mutter, die alles dafür tun würde, ihrer Tochter eine solche zu beschaffen. Ihr Vater, der auf einem Baggerschiff arbeitet, das eine Leiche aus einem Abbaugebiet fischt. Ein Unfall, der zu einem endlosen Stau im morgendlichen Berufsverkehr führt. Ein junges rumänisches Mädchen, das auf der Straße lebt und nachts an einem Heizungsrohr schläft. Und Detective Superintendent Roy Grace, der einen gewaltigen Kater hat und fürchten muss, dass seine Freundin Cleo ihm eine Hiobsbotschaft zu überbringen hat. Dies sind die einzelnen Zutaten für den fünften „Roy Grace“-Fall, den ich bereits mit Spannung erwartet hatte.

_Im Mittelpunkt der_ Geschichte steht die schwerkranke Caitlin, die dringend eine neue Leber braucht. Sie ist ein rebellischer Teenager, der seine Mutter oftmals zur Verzweiflung bringt, dennoch würde Lynn Beckett alles für ihre todkranke Tochter tun. Als sie erfahren muss, dass Caitlin dringend eine Leber braucht, um das diesjährige Weihnachtsfest, das bereits kurz bevorsteht, noch zu erleben, bricht für Lynn eine Welt zusammen. Doch dann erhält sie schnell die frohe Botschaft, dass Caitlin einen Teil einer Spenderleber bekommen kann. Sie begleitet ihre Tochter ins Krankenhaus, nur um dort zu erfahren, dass die Leber leider nicht für zwei Spenden reicht und Caitlin das Nachsehen hat. Die Zeit rennt, denn Caitlin geht es immer schlechter und schlechter. Da kommt ihr Freund Luke auf die Idee, sich im Internet nach Transplantationsfirmen umzusehen, über die man ein Organ kaufen kann.

Zur gleichen Zeit arbeitet Caitlins Vater Malcolm auf einem Baggerschiff, das die Leiche eines jungen Mannes zu Tage fördert. Roy Grace wird mit dem Fall beauftragt und erfährt bald, dass dem jungen Mann lebenswichtige Organe entnommen wurden. Handelt es sich um eine Seebestattung, bei der der Leichnam abgetrieben ist? Mysteriös erscheint aber, dass der junge Mann nur wenige Stunden vor seinem Tod noch eine Mahlzeit zu sich genommen hat. Das spricht gegen eine Organspende, da oftmals viele Stunden vergehen, bis die Transplantationsteams vor Ort sind, um die Organe zu entnehmen. Was also ist dem jungen Mann passiert? Als an derselben Stelle kurz darauf zwei weitere Leichen gefunden werden, denen lebenswichtige Organe fehlen, deutet alles auf Organhandel hin. Und da führt die Spur nach Rumänien. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn dort haben die Menschenhändler bereits ihre nächsten Opfer im Visier …

_Wertlose Menschen?_

Wieder einmal schlägt Peter James von Beginn an ein hohes Erzähltempo an. Jedes Kapitel widmet er einem anderen Handlungsstrang und meistens endet ein Kapitel mit einem Cliffhanger, der es in sich hat. Somit fliegt man anfangs über die Seiten, zumal erst spät klar wird, worauf Peter James hinaus will – nämlich auf den Menschenhandel und die Organspende. Er macht klar, wie viele Menschen in Großbritannien sterben müssen, weil nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan für sie gefunden wurde. In anderen Ländern wie Spanien dagegen muss man der Organspende aktiv widersprechen. Da aber in Großbritannien ein steter Mangel an Spenderorganen besteht, blüht dort der Organhandel. Für zig tausend Pfund können sich verzweifelte Menschen das passende Organ kaufen, das sich die illegalen Transplantationsfirmen von jungen Menschen holen, die sie in Rumänien auf der Straße aufgesammelt und nach England geschleust haben. Liest man über derlei Praktiken, läuft es einem kalt den Rücken hinunter. Ganz neu ist dieses Thema natürlich nicht, doch Peter James schafft eine neue Sicht darauf, indem er uns auf der einen Seite die kranke Caitlin und ihre völlig verzweifelte Mutter vorstellt und auf der anderen Seite die junge Simona, die auf den Straßen Bukarests lebt und nicht mehr viel Hoffnung hat – bis sie eine gut gekleidete deutsche Frau kennen lernt, die ihr eine Zukunft in England verspricht und sie außer Landes bringt. Beide jungen Frauen stellt uns Peter James so vor, dass wir sie beide ins Herz schließen und dadurch in den Zwiespalt kommen, dass wir beiden eine gesunde Zukunft wünschen.

Peter James macht daraus einen Wettlauf mit der Zeit: Caitlin geht es immer schlechter, eine mögliche Transplantation scheitert, weil das Organ doch nicht gut genug ist, um es zu teilen. Stattdessen beschließt Caitlins Mutter Lynn, Kontakt mit einer Transplantationszentrale in Deutschland aufzunehmen und eine Leber zu kaufen – in dem Glauben, dass sie von einem Unfallopfer stamme. Der Leser weiß es aber besser, da er ja bereits Bekanntschaft mit Simona gemacht hat. Diese beginnt von einer Zukunft in England zu träumen – vielleicht als Barkeeperin in einer Cocktailbar? Sie malt sich ihre Zukunft mit ihrem Freund Romeo in England aus und vertraut der deutschen Frau vollkommen, ohne zu ahnen, dass diese nur an Simonas Organen interessiert ist.

Etwas schade fand ich, dass der Spannungsbogen trotz des wichtigen Themas und der dramatischen Geschichte etwas abflacht, da man als Leser ohnehin nicht weiß, ob man mit Caitlin oder mit Simona mitfiebern soll. Beide Mädchen sind einem sympathisch. So versucht die Polizei zwar verzweifelt, Simona zu retten, aber als Leser fiebert man nicht mehr so recht mit, da einem bewusst ist, dass damit Caitlins Hoffnung sterben würde.

_Eine neue Zukunft_

Auch für Detective Superintendent Roy Grace geht es um seine Zukunft: Hat er in den anderen Bänden immer noch intensiv nach seiner Frau Sandy gesucht, die vor etlichen Jahren spurlos verschwunden ist, so beginnt er in diesem Buch, sich von seiner Frau zu lösen. Cleo eröffnet ihm, dass sie ein Kind von ihm erwartet und Grace beschließt, seine Frau nun endlich für tot erklären zu lassen. Doch dann kommt es in München zu einer unerwarteten Begegnung …

Mir gefiel, dass Roy Grace jetzt endlich beginnt, in die Zukunft zu schauen und mit der Vergangenheit abzuschließen. Das Kind, das Cleo und er erwarten, ist endlich der Anstoß, sich von Sandy zu lösen. Dennoch hoffe ich nach wie vor, dass Roy Grace eines Tages erfährt, was mit Sandy geschehen ist, nachdem der Leser nun bereits einen kleinen Einblick in Sandys neues Leben erhalten hat. Doch nach wie vor tappt man weitestgehend im Dunkeln, da Peter James uns bislang nicht verraten hat, aus welchem Grund Sandy damals spurlos verschwunden ist.

In diesem Buch gewinnt auch der unbeliebte Kollege Norman Potting eine sympathische Seite, indem er ehrlich mit Roy Grace über seine unglückliche Ehe spricht und sich tatkräftig in die Ermittlungen stürzt und sehr wichtige Beiträge dazu liefert. Nur Glenn Branson ist nach wie vor der unglückliche Mann, der noch nicht mit seiner gescheiterten Ehe abgeschlossen hat – auch wenn seine Frau nun offensichtlich einen neuen Freund hat.

_Und morgen kommt ein neuer Fall_

Unter dem Strich konnte mich das vorliegende Buch leider nicht ganz überzeugen. Peter James lese ich ausgesprochen gerne, weil er unglaublich packende Bücher schreibt, die oftmals ein ganz neues Licht auf ein Thema werfen bzw. etwas völlig Neues im Thriller-Genre darstellen. Mit dem fünften Fall rund um Detective Superintendent Roy Grace hat James allerdings erstmals nicht viel Innovatives zu bieten. Das Thema Menschenhandel ist zwar sehr brisant, dennoch hat Peter James hier nicht so viel Ideenreichtum bewiesen wie in seinen anderen Roy-Grace-Romanen. Interessant fand ich, dass man in diesem Buch mit beiden Seiten mitfiebert, nur leider führte das auch dazu, dass der Spannungsbogen abflachte, weil man Caitlin durchaus die (illegale) Spenderleber gönnen würde. Ein weiteres Manko des Buches ist, dass man recht schnell die Zusammenhänge ahnt und somit nur noch die Frage im Raum steht, ob Simona und/oder Caitlin gerettet werden können. Große Überraschungen erwarten einen am Ende also nicht mehr. Ich hoffe, dass Peter James in seinem nächsten „Roy Grace“-Fall wieder eine Schippe mehr auflegt, denn, obwohl „Und morgen bist du tot“ durchaus spannend und unterhaltsam war, bin ich doch von Peter James Besseres gewöhnt.

|Hardcover: 528 Seiten
Originaltitel: |Dead Tomorrow|
ISBN-13: 978-3502101970|
http://www.fischerverlage.de/page/scherz

_Peter James bei |Buchwurm.info|:_
[„Mein bis in den Tod“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2493
[„Stirb schön“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=3680
[„So gut wie tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5711

Friedman, Celia – Seelenzauberin, Die (Magister-Trilogie 2)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Legacy of Kings“ (im Original: Mai 2011)

Kamala hatte Glück im Unglück. Obwohl sie mitten im Kampf mit dem Ikata von der Tanslatio überrascht wurde, hat sie überlebt. Ein Nordländer hat die Bestie getötet und Kamala konnte verschwinden. Jetzt will sie Antworten auf ihre Fragen haben. Und so hängt sie sich in der Gestalt eines Habichts an die Fersen jenes Nordländers, der den Ikata getötet hat …

Rhys, der Bruder der Großkönigin Gwynofar, wurde nach seinem Sieg über den Ikata nach Norden geschickt, um einen Blick auf die Speere im Gebiet der Alkalier zu werfen, denn von dort sind seit Monaten keine Berichte mehr eingetroffen. Doch nichts und niemand hätte ihn auf das vorbereiten können, was er in Alkal schließlich vorfindet!

Gwynofar hat unterdessen ihren zweitältesten Sohn Salvator aus dem Kloster zurück gerufen, damit er seinem Vater auf den Thron folgt. Aber kann ein Mann mit den Überzeugungen und dem Lebenswandel der Büßermönche überhaupt ein guter König sein?

Siderea, die Hexenkönigin von Sankara, jedenfalls beabsichtigt, genau diese mönchischen Eigenschaften zu fördern. Ihr unbändiger Lebenswille hat die Frau mit dem erlöschenden Athra dazu gebracht, ein Bündnis mit einem geheimnisvollen Fremden einzugehen, ohne zu versuchen, seine wahren Absichten zu ergründen, oder sich die Mühe zu machen, Erkundigungen über ihn einzuziehen.

Im Großen und Ganzen agieren in diesem zweiten Band des Zyklus‘ noch nahezu dieselben Charaktere wie im ersten Band. Allerdings hat sich das Augenmerk ein wenig verschoben:

Statt Gwynofar steht nun Rhys mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Der mutige Mann ist der Bastardsohn des Erzprotektors von Kierdwyn und damit ein Halb-Lyr. Besonders glücklich ist er über keinen der beiden Umstände, scheint doch die Tatsache, dass er als Halb-Lyr besondere Fähigkeiten im Kampf mit den Ikati besitzt, seinen Sieg über das Ungeheuer zu schmälern. Außerdem fürchtet er – völlig ohne Grund – stets die Ablehnung seiner Stiefmutter. Halt scheint ihm nur sein Glaube an seine Götter und die alten Mythen zu geben. Als er auch diesen verliert, ist er ein gebrochener Mann.

Am anderen Ende der Welt hat sich die Gewichtung von Colivar hin zu Siderea verschoben. Sidereas Verzweiflung angesichts ihres erlöschenden Athras ist so groß, dass sie in der Überzeugung, nichts zu verlieren zu haben, jegliche Vorsicht über Bord wirft. Gleichzeitig entwickelt sie einen ungeheuren Hass auf die Magister, von denen sie sich im Stich gelassen fühlt. Am Ende des Bandes ist diese Frau einer der gefährlichsten Charaktere des gesamten Buches.

Der einzige wichtige Neuzugang, Nyuku, bleibt dagegen fast ein wenig blass. Aus seinem Werdegang werden lediglich einige kurze Ausschnitte erzählt, die aber außer einer wilden Entschlossenheit und einem rücksichtslosen Drang nach Wärme und Licht keine weiteren Eigenschaften verraten. Zumindest vorerst …

Ich fand diese neue Gewichtung innerhalb der Charakterzeichnung sehr gelungen. Es hat bereits interessante Charaktere noch weiter vertieft, ohne dabei die bisherigen zu vernachlässigen. Der einzige, der in dieser Beziehung bisher ausgespart wurde, ist Colivar, was allerdings kein Manko ist, denn schließlich ist seine Figur eines der zentralen Rätsel des Plots.

Der Plot wurde in diesem Band zusätzlich zu den lokalen Handlungssträngen noch um einen zeitlichen erweitert. Nyukus Geschichte wird in Rückblenden erzählt, was sich allerdings erst im Laufe des Buches bemerkbar macht. Eine zusätzliche Kapriole in diesem Strang wurde dann zum endgültigen Stolperstrick: Eine kurze Szene aus der Sicht eines hochrangigen Alkaliers, der sonst nur in der chronologischen Abfolge auftaucht, wird ebenfalls rückblickend erzählt, und der Leser muss erst einmal überlegen, in welchen Zusammenhang dieser Abschnitt gehört.

Ansonsten aber hat die Autorin ihren zweiten Band mit wesentlich mehr Tempo erzählt als den ersten. Das Ende des ersten Bandes wurde ohne überflüssige Weitschweifigkeit noch einmal in den Anfang eingebaut, sodass der Leser sofort wieder direkt im Geschehen ist, ohne sich erst ganze Passagen langweiliger Wiederholungen zu Gemüte führen zu müssen. Und die Spannungskurve wirkt wie eine Börsennotierung: Sie steigt und fällt, verläuft insgesamt aber stetig aufwärts, bis der Leser auf den letzten fünfzig Seiten nicht mehr weiß, woran er seine feuchten Hände noch trocken wischen soll.

Dazu kommen einige beiläufige Anmerkungen, die den aufmerksamen Leser interessiert aufhorchen lassen – zum Beispiel fällt das Wort „Konjunkt“ in diesem Band auch noch in einem ganz anderen Zusammenhang als bisher -, und überraschende Wendungen wie die im Zusammenhang mit der jungen Adligen Petrana, die selbst in den ruhigeren Passagen das Interesse des Lesers jederzeit wach und gespannt halten.

Die Karte, die in der Originalausgabe enthalten ist, hat Piper leider weggelassen.

Um es kurz zu machen: „Die Seelenzauberin“ hat mir, trotz der kleinen Stolperfalle innerhalb des rückblickenden Handlungsstrangs, noch besser gefallen als ihr Vorgänger. Das zügigere Erzähltempo ging weder auf Kosten der Charaktere noch auf die des Weltentwurfs, der Handlungsverlauf war abwechslungsreich und kaum vorhersehbar, die Erweiterung der Grundidee um den Rückblick bot eine weitere Perspektive. Und die kleinen Andeutungen von Colivar versprechen ausgesprochen interessante Aussichten für den Schluss der Trilogie. Die kommt aber leider erst im Mai nächsten Jahres unter dem Titel „Legacy of Kings“ in die amerikanischen Buchläden, da Celia Friedman während der letzten Monate an einem weiteren Band zu ihrer Coldfire-Trilogie saß.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zuwandte. Zunächst schrieb sie Science Fiction, später auch Fantasy, allerdings wurden nicht alle ihre Bücher ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch: 504 Seiten
Originaltitel: Wings of Wrath
Deutsch von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3492267823

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 2,20 von 5)

García-Clairac, Santiago – unsichtbare Buch, Das

_Kein Märchen: das Entstehen des Buches beim Lesen_

Der zehnjährige César ist schlecht gelaunt – schon wieder hat er mit seiner Familie umziehen müssen. Bloß weil sein Vater Kinderbuchautor ist und nicht zwei Bücher in einer Stadt schreiben kann. In der neuen Schule setzt sich ausgerechnet Lucía neben ihn, die selbst Schriftstellerin werden will. Schlimmer hätte es ja wohl nicht kommen können, oder? Doch Lucía entpuppt sich als mutige Helferin, als César vom Schulrowdy Lorenzo getriezt und verprügelt wird.

Zum Dank gibt er Seiten von Papas neuestem Manuskript, das den Titel „Das unsichtbare Buch“ trägt und noch gar nicht gezeigt werden darf – niemandem! Lucía ist davon überaus begeistert. Und im Verlauf dieser verwickelten Diebstahl-und-Lese-Aktion beginnt sich Césars ablehnende Haltung gegen Bücher allmählich zu ändern – mit ungeahnten Folgen …

_Der Autor_

Vom spanischen Autor Santiago García-Clairac erschienen im Baumhaus-Verlag:

1) Die Schwarze Armee: „Das Reich der Träume“
2) Die Schwarze Armee: „Das Reich der Dunkelheit“
3) Die Schwarze Armee: „Das Reich des Lichts“

_Handlung_

Von der neuen Schule erwartet César Durango auch nichts Gutes. Er ist gerade mal eine Woche mit seiner Familie in der Stadt und kennt niemanden – und niemand kennt ihn. Es stinkt ihm inzwischen gewaltig, dass sein Vater, der Kinderbuchautor, sofort in eine andere Stadt umzieht, sobald er ein Buch fertiggestellt und veröffentlicht hat. Das brauche er für seine Inspiration, behauptet Papa. Und keiner in der vierköpfigen Familie wagt dagegen aufzumucken. Nur dass César dabei jedes Mal seine Freunde verliert. Er fühlt sich entwurzelt, wie ein Stück Treibholz. Inzwischen hasst César Bücher und alles, was damit zu tun hat. Aber das soll sich radikal ändern.

Da setzt sich eine neue Mitschülerin neben ihn, und mein Gott, ist die hässlich! Die riesige Brille auf ihrer Nase wirkt wie eine Maske, hinter der sie sich versteckt. Aber sie kriegt den Mund nicht zu, fragt ihm Löcher in den Bauch und stellt sich sogar selbst vor. Sie nennt sich Lucía und will Schriftstellerin werden. Ausgerechnet! Nach einer Weile seines mürrischen Schweigens merkt selbst diese Quasselstrippe, dass sie gefälligst verduften soll.

In der Pause geht César raus auf den Schulhof, um seine Ruhe zu haben. Doch die bleibt ihm verwehrt, denn der Schulrowdy Lorenzo hat es mit seinen Kumpanen auf den Neuen abgesehen. Wird der Neue aufmucken oder sich unterbuttern lassen und ihnen sein Taschengeld überlassen? Aber zu einem Kampf kommt es gar nicht, denn auf einmal stellt sich Lucía vor den friedfertigen César und keift die Rowdies an, bis diese Leine ziehen. Auf ein andermal, drohen sie. Der ältere Javier bringt César nach Hause; auch er hat sich geprügelt.

Um sich erkenntlich zu zeigen, bringt César die ersten Seiten von Papas neuem Manuskript mit und gibt sie Lucía zu lesen. Er hat ihr verraten, dass sein Vater Bücher schreibt. Und als er in einem unbeobachteten Moment den Drucker das Manuskript ausspucken sah, hat er einfach zugegriffen. Lucía ist hingerissen, denn die Geschichte handelt von einer Prinzessin Hanna, die ein unsichtbares Buch findet. Sie will unbedingt herausfinden, was in dem Buch steht und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Ort zu finden, wo das geht: Dieser Ort, so stellt sich heraus, hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Hölle …

Lucía will unbedingt erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Doch Lorenzo macht ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie mögen sich selbst in den Heizungskeller der Schule zurückziehen – was streng verboten ist – er findet sie dennoch und verpetzt sie. Eine ernste Verwarnung vom Direx ist die Folge, der von der Geschichte kein Wort versteht. Was soll sie denn bedeuten, um Himmels willen? Hat man so etwas schon gehört? Ein Buch, das unsichtbar ist – welchen Sinn hat es denn?

Auch César war bisher der Meinung, dass nur Dinge, die man sehen kann, existieren. Aber Javier und Lucía belehren ihn eines Besseren. Denn Luciás Mut und ihre Neugier sind unübersehbar. Und deshalb will auch er jetzt den Rest der Geschichte erfahren. Bis sein Vater sie beide vor seinem Computer ertappt, wie sie sein Manuskript lesen …

_Mein Eindruck_

Der junge Leser mag sich fragen, ob Senor Durango wirklich Märchen erzählt. Unsichtbare Bücher – wie kann es die denn geben? Doch der Leser wird unerwartet mit einer tiefen Einsicht überrascht: Unsichtbare Bücher gibt es wirklich – überall! Und warum? Ganz einfach, weil ihr Inhalt erst dann sichtbar wird, wenn sie gelesen werden. Erst dann erwacht ein Buch quasi zum Leben: im Geist des Lesers.

Das sieht sogar ein Materialist wie César ein. Bis er zu dieser Erkenntnis gelangt, muss er allerdings einen weiten Weg der inneren Reifung zurücklegen. Denn am Anfang seines Weges sind Bücher ja seine Feinde, und er tut alles, um ihnen fernzubleiben. Als Lucía sagt, sie wolle Bücher schreiben, ist sie deshalb sofort bei ihm unten durch.

Doch Lucías Begeisterung wendet das Blatt ebenso wie ihr Mut im Kampf gegen Lorenzo. Nach einigem hin und her nimmt sie ihn mit auf das Abenteuer, das jedes Buch bereithält: die Entdeckungsreise. Und da Vaters Buch erst im Entstehen ist, gestaltet sich die Entdeckung mindestens so abenteuerlich und spannend wie jene Reise, auf die sich Prinzessin Hanna mit ihrem getreuen Sigfrido begibt. Wie Hanna wollen auch César und Lucía ein Geheimnis entdecken. Und dass das Spicken in ein Buch, das erst geschrieben wird, streng VERBOTEN ist, macht die ganze Sache des Entdeckens umso reizvoller.

Lucías Auftauchen in Césars Familie ändert vieles. Nicht nur César erscheint nicht mehr als Störenfried, sondern sie hat auch einen Draht zu seinem Vater – Schriftsteller quasi unter sich. Deshalb ist sie diejenige, die die Haltung von Senor Durango ändert, als er ihre „Untat“ entdeckt. Wie kann er ihnen böse sein, wenn sie neugierig auf den Schluss seines Buches sein? Na, bitte. Und (ganz) vielleicht wird Senor Durango fortan nicht mehr wegziehen, wenn er ein neues Buch schreiben will. Hoffen darf man ja. Aber dann ist da ja noch Lorenzo …

|Die Illustrationen|

Die Schrift ist so groß gedruckt (etwa 12 Punkt), dass sie sich selbst für Omas bestens zum Vorlesen eignet. Auch die Illustrationen, die Katherina Lindenblatt beigesteuert hat, sind kindgerecht: sehr einfache Motive, stets mit einem Kind oder zweien darauf. So ist die Zeichnung auf das Wesentliche reduziert, und es kann zu keinen Missverständnissen kommen. Das Niveau ist insgesamt selbst für Acht- oder Neunjährige kein Problem.

_Unterm Strich_

Das schmale Büchlein mit der großen Schrift nimmt den jungen Leser ab neun oder zehn Jahren mit auf das, was man beim Lesen am liebsten unternimmt: auf eine Entdeckungsreise. Die Reise setzt sowohl für die Figuren der Binnengeschichte als auch für die beiden Leser und Entdecker César und Lucía eine Entwicklung in Gang, die zur Reifung führt – und zu einer wichtigen Einsicht über die wahre Natur eines Buches: Es ist solange unsichtbar, wie es sich nicht im Geist eines Lesers befindet.

Das leuchtet mir völlig ein. Denn man kann nicht aufrichtig über ein Buch sprechen, solange man es nicht gelesen und erlebt hat. Erst dann erwacht es zum Leben. Ganz nebenbei erzählt der Autor eine Geschichte über das Verhältnis des Unsichtbaren zum Sichtbaren in der Welt und unserem Leben – und was für uns eigentlich wichtiger ist.

Solch ein lehrreiches Büchlein sollte man auch mehr Menschen in die Hand drücken. Oder es einfach zu Weihnachten an die Lieben verschenken. Oder solche, die es noch werden sollen.

|Taschenbuch: 143 Seiten
Originaltitel: El libro invisibile (1999)
Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Iillustriert von Katherina Lindenblatt
ISBN-13: 978-3833935985|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

Ken Follett – Sturz der Titanen (Die Jahrhundert-Saga 1)

Die Handlung:

Europa, 1914: Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die durch politische Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen Arbeiterschicht und Adel. Und zwei Brüder aus Russland, die in den Strudel der Revolution geraten und sich auf verschiedenen Seiten gegenüber stehen. Ken Folletts neue Trilogie spielt zwischen 1914 und 1989 und erzählt von drei Familien aus drei Ländern, deren Schicksale auf dramatische Weise miteinander verknüpft sind – und wird Geschichte schreiben! (Verlagsinfo)

Meine Meinung:

Mit diesem Buch startet Follett seine neue Trilogie mit dem Titel „The Century“. In dieser Reihe beschreibt der Autor das 20. Jahrhundert aus der Sicht unterschiedlicher Familien aus Amerika, Deutschland, Russland, England und Wales, die wichtige und bekannte geschichtliche Ereignisse durchleben. Im Speziellen sind das im ersten Band der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution und der Kampf der Frauen um das eigene Wahlrecht in Großbritannien.

Wie schon beim letzten Roman „Die Tore der Welt“ erwartet den Hörer eine gekürzte Lesung, die allerdings auch wieder auf 12 CDs erscheint, was fast die doppelte Menge von dem ist, mit dem andere Verlage bei ihren Hörbuchumsetzungen aufwarten. Eine ungekürzte Lesung mit ca. 40 Stunden Spieldauer, die von Philipp Schepmann gelesen wird, erscheint voraussichtlich im November. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch bei diesem Buch eine Hörspiel-Umsetzung folgen wird, wie es schon nach dem Erfolg von „Die Tore der Welt“ der Fall war.

„Sturz der Titanen“ beginnt im Juni 1911 und endet im Januar 1924, wobei ein großer Anteil der Geschichten sich in der Zeit des Ersten Weltkriegs abspielen. Hier schafft es Follett perfekt, die Schicksale der vielen Charaktere und Familien, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Ländern stammen, miteinander zu verknüpfen. So trifft der Grubenjunge Billy aus Wales auf den Russen Lev, der eigentlich von Russland nach Amerika auswandern wollte, aber betrogen wurde und in Wales gestrandet ist. Und Lady Maud Fitzherbert verliebt sich in den Deutschen Walter von Ulrich.

Viele interessante Charaktere, viele interessante Geschichten, alle irgendwie und irgendwo miteinander verbunden und keine davon auch nur eine Spur langweilig. Jeder Mann und jede Frau ist nicht einfach nur gut oder böse gezeichnet, Follett zeigt dem Hörer auch, warum sie so handeln und denken, wie sie es tun. Die gesellschaftliche Stellung und die Herkunft der Charaktere hat eine Menge damit zu tun, wie sie miteinander interagieren.

Einzig die mir persönlich zu detailliert geschilderten und zu häufig auftretenden Sex-Szenen bremsen die Handlung immer mal wieder ab. Aber auch nicht wirklich lange, denn während sich die einen ausruhen, erleben die anderen wieder etwas Interessantes.

Mein Hör-Eindruck:

Ken Follett persönlich begrüßt den Hörer als Einleitung der ersten CD auf Englisch. Er wünscht eine gute Unterhaltung und spricht am Ende seines Einleitungssatzes den Titel des Romans auch auf Deutsch aus. Dann folgt ruhige Ambientmusik, während eine Frauenstimme den männlichen Sprecher vorstellt. Nach ein wenig mehr Musik beginnt Johannes Steck mit seiner Arbeit, während die Musik ganz langsam ausgeblendet wird. Das schafft eine angenehme Stimmung und nimmt den Hörer ganz vorsichtig mit in die Story.

Und wenn Steck dann beginnt, vom Grubenjungen Billy zu erzählen, fällt dem Hörer gar nicht auf, dass im Hintergrund schon gar keine Untermalung mehr zu hören ist. So schnell schafft es Follett, den Hörer in seinen Bann zu ziehen – oder ist es Steck? Es ist bestimmt die Kombination aus beiden.

Nie aufdringlich oder nervend bearbeitet er die vielen unterschiedlichen Charaktere. Der jeweiligen Gesellschaftsstellung angemessen spricht er aristokratisch oder vulgär und gewöhnlich. Auch mit der Lautstärke seiner Stimme spielt Steck gekonnt. So deutet er nicht nur ein Brüllen an, er brüllt auch, allerdings entfernt er sich dafür vom Mikrofon, was den Effekt aber nicht schmälert. Jedem Charakter wird seine eigene individuelle Note verliehen, die einen hohen Wiedererkennungswert hat.

Steck ist dabei immer klar und deutlich zu verstehen und erzählt mit seiner angenehmen Stimmfarbe eine spannende und überaus interessante Geschichte.

Die Übersetzung

Normalerweise gehe ich nie gesondert auf die Übersetzung ein, besonders nicht bei einem Hörbuch, aber hier ist mir doch etwas äußerst unangenehm aufgefallen. Wie der Übersetzer auf die Idee kommt, dass Wörter wie „giggle“ (kichern) und „pal“ (Kumpel, Kamerad) als Anglizismus Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Kinder oder Näherinnen also „giggeln“, dann klingt es nicht nur unnatürlich, das ist es auch, denn im Gegensatz zum Wort „googeln“ gibt es dieses Wort im deutschen Sprachgebrauch nicht.

Des Weiteren schafft der Übersetzer es auch den derben Witz einer Näherin so seltsam und unlustig zu übersetzen, dass ich im Original nachschlagen musste, weil ich mir nicht erklären konnte, was an dieser Stelle denn nun so witzig sein sollte. Es stellte sich heraus, dass hier „itchy finger“ (juckender Finger) mit „Intimbereich“ übersetzt wurde, was den Witz komplett zerstört.

Und das sind nur die Stellen, die mir direkt aufgefallen sind. Es gibt bestimmt noch weitere, die nicht das wiedergeben, was der Autor beabsichtig hat.

Die Aufmachung

Die Aufmachung dieser Lesung ist wirklich ansprechend gemacht. Komplett auf Plastik verzichtend, kommt das Hörbuch in einem Pappschuber daher, in dem zwei Pappeinschübe stecken, die jeweils sechs CDs enthalten.

Bei den Einschüben hat man sich eine intelligente Aufbewahrungsart einfallen lassen. So stecken die einzelnen CDs jeweils bis zur Hälfte in einer Art Einschubtasche. Sie sind zwar leicht zu entnehmen, sitzen aber fest genug, um nicht herauszufallen. Hinter den CDs und auf den Einschubtaschen sind weitere Informationen zum Buch, Bilder von Autor und Sprecher, Auszüge aus „Sturz der Titanen“, eine Aufstellung der beschriebenen Charaktere, und das sind eine Menge Personen, Schwarz/Weiß-Zeichnungen und bei CD 7 – 12 Werbung für weitere Ken-Follett-Lesungen aufgedruckt. So stört es nicht weiter, dass es kein Booklet gibt.

Was allerdings stört, ist ein starker Geruch nach Chemie, der sich sofort verbreitet, nachdem die Box von der Plastikfolie befreit wurde. Nach ein paar Tagen war dieser Geruch allerdings verflogen.

Die Fortsetzungen

In den nächsten beiden Bänden der Reihe wird Follett den kommenden Generationen der bekannten Familien folgen, die sich mit weiteren geschichtlichen Großereignissen auseinandersetzen müssen. Und Nachwuchs gibt es so viel, wie es in „Sturz der Titanen“ Sex gibt.

Der Sprecher

Johannes Steck, Jahrgang 1966, ist Schauspieler und Sprecher. Nach einer Ausbildung zum Theatermaler am Staatstheater Braunschweig studierte er an der Schauspielschule Prof. Krauss in Wien. Verschiedene Engagement an deutschen Bühnen folgten, zum Beispiel am Schauspielhaus Chemnitz, am Stadttheater Würzburg und am Staatstheater Darmstadt. Danach zog es ihn verstärkt zum Fernsehen. Er war über vier Jahre in einer Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie „In aller Freundschaft“ zu sehen, spielte aber auch in „Forsthaus Falkenau“, „Soko Leipzig“ und „Die Wache“. Seit 2004 widmet sich Johannes Steck verstärkt seiner Leidenschaft – den Hörbüchern. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ein tolles Hörbuch und ein toller Sprecher. Eine sehr gut recherchierte und ebenso spannende Geschichte mit vielen unterschiedlichen Charakteren, die in einer interessanten Zeit leben. Kein Sturz für den Titan Ken Follett.

12 Audio-CDs mit 15:30 Stunden Spieldauer, aufgeteilt auf 157 Tracks
Originaltitel: Fall of the Giants
Gesprochen von Johannes Steck
ISBN-13: 978-3785744000
www.luebbe-audio.de
Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Aufstand der Roboter (Weltraumpartisanen – Band 4)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: _Aufstand der Roboter_

Mit dem Namen Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) kann kaum ein Uneingeweihter etwas anfangen, bei dessen Pseudonym „Mark Brandis“ klingelts bei einigen dann doch. Zumindest wenn sie dereinst Science-Fiction-Infizierte waren. Zwischen 1970 und 1987 verfasste er 31 Bände Weltraumabenteuer mit der gleichnamigen Titelfigur. „Mark Brandis“ gilt damit neben dem Mammutprojekt „Perry Rhodan“ als eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien. Leider waren die |Herder|-Bücher lange Zeit nur noch im Antiquariat aufzutreiben, und von einem letzten halbherzigen Versuch bei |Bertelsmann| im Jahr 2000 einmal abgesehen geriet die Serie in Vergessenheit. Bis der |Wurdack|-Verlag 2008 begann, den Schleier ernsthaft zu lichten und diese Klassiker Stück für Stück wieder zu veröffentlichen: Derzeit erscheinen zwei Bände pro Quartal in neuem Glanz.

_Zur Story_

Das Weltall im Jahr 2072 – Bereits ein Jahr sind Commander Mark Brandis und seine Crew mit der „Delta VII“ auf der Flucht vor den Schergen der „Reinigenden Flamme“, jener faschistoiden Bewegung, welche unter Führung des texanischen Generals Gordon B. Smith die freiheitlich-demokratische Union der Kontinente Europa, Amerika und Afrika (kurz: EAAU) in eine grausige Militär-Diktatur stürzte. Das war 2069. Seither haben Widerstandsgruppen sogar unter Mitwirkung des ehemaligen Erzfeindes VOR (der Vereinigten Orientalischen Republiken) ihm immer wieder empfindliche Schlappen beibringen und seine totale Herrschaft über das gesamte Sonnensystem vereiteln können. Bisher jedenfalls. Doch Smith bastelt mit Vehemenz weiter an seiner Allmacht.

Welche neue Teufelei er ausgeheckt hat, erfährt die Besatzung der „Delta VII“ zufällig und aus einer Notlage heraus. Das Schiff hat es Dank seiner überragenden Geschwindigkeit stets geschafft, seinen Häschern und somit der sicheren Vernichtung zu entgehen, doch ein viel banaleres Problem könnte sie zur Strecke bringen: Hunger. Der Proviant ist aufgebraucht, die tapfere Mannschaft mittlerweile vollkommen entkräftet und Lieutenant Ibaka leidet plötzlich am gefürchteten Raumfieber. Für einen halb Verhungerten ist diese ansonsten eigentlich nie tödliche Krankheit ein Todesurteil. Pilot Captain Monnier hat eine verzweifelte Idee. Eine schwache Hoffnung ist aber besser, als spätestens in einigen Tagen sang- und klanglos zu verrecken.

Der Strohhalm ist eine kleine aufgegebene Raumstation, welche offiziell längst als verglüht gilt. Aus seinen Zeiten bei der Strategischen Raumflotte weiß er aber um das Gerücht, dass die alte „ASTROSTAT“ sehr wohl noch einsam und fast vergessen ihre Bahn durchs Sonnensystem zieht. Da sie recht hastig verlassen wurde, dürften dort die nahezu unendlich haltbaren Verpflegungsrationen vorhanden sein. Tatsächlich findet die Delta VII den ehemaligen Außenposten, der sich sogar in verdächtig gutem Zustand präsentiert. Die Aussicht auf etwas zu Essen macht blind für die lauernde Gefahr. Brandis und seine Kameraden sehen sich auf der Station plötzlich einer „Homo Faktus“-Einheit des Generals gegenüber – Soldaten aus der Retorte.

_Eindrücke_

Showtime. Das Thema: Genmanipulation bzw. Eugenik – in diesem Fall die Zucht des perfekten, gewissenlosen und loyalen Kriegers. Dabei dient Michalewsky das Ideal des seinerzeit von der NSDAP propagierten Ariers als Vorlage. Blond, blauäugig und muskulös sind die Klone, welche – sachlich nicht korrekt – mitunter als (menschliche) Roboter bezeichnet werden, wovon sich auch der Titel ableitet. Dieser verrät eigentlich schon, was passieren wird und auch das Wie kristallisiert sich recht rasch heraus, wenn man auch nur gering fantasiebegabt ist. Fantasie ist übrigens ein Stichwort. Diese braucht man nämlich reichlich, wenn man sich den Plot physikalisch-technisch einmal genauer ansieht. Gerade „Aufstand der Roboter“ hält, bei aller Spannung und Pace, auch so manche Unglaubwürdigkeit parat.

Eine davon kommt beinahe in allen Brandis-Büchern vor: Das Überlisten des Gegners durch Anflug mit der Sonne im Rücken. Die Taktik mag bei Kampffliegern im 2. Weltkrieg gute Dienste geleistet haben, ist jedoch bereits mit real existierenden Radarsystemen im Entstehungsjahr der Serie 1970 ziemlich witzlos und im fiktiven 2072 dann wohl erst recht. Richtig strapaziert wird des Lesers Sinn für Realismus allerdings, wenn den Retortenmenschen mittels einer Art zermahlenem Hirnpulvers die Erfahrungen anderer Individuen injiziert werden. Michalewsky behauptete stets von sich, kein SciFi-Autor zu sein. Obwohl die Serie durchaus etwas anderes beweist, ist man bei derart weit hergeholten Ideen gelegentlich geneigt, dem zuzustimmen.

Doch um Technik und futuristische Elemente zum Selbstzweck geht es ja bei Brandis grundsätzlich auch nie. Man kann über die unbestreitbar vorhandenen kleinen – aber sympathischen – Schrullen hinweg sehen und sie unter „Charakter“ verbuchen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr immer die Menschen, allen voran Brandis als Alter-Ego des Autors, der sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt bzw. oft genug bis zur Schirmmütze im Schlamassel sitzt. Dabei spart er nicht mit Selbstkritik und -zweifeln, ob das, was er sich und seinen Untergebenen im Namen der Freiheit abverlangt, auch wirklich richtig ist. Die dafür gewählte Ich-Form tut ihr Übriges, das Identifikationspotenzial mit der Figur vollkommen auszureizen. Und weil das so gut klappt, wird innerhalb der Reihe auch nur ganz selten mal von dieser Erzählstruktur abgewichen.

_Fazit_

Die Guerillazeiten der „Delta VII“ sind vorbei. Band 4 schließt den „General-Smith-Zyklus“ mit Friede, Freude, (geklonten) Eierköppen und im Finale vielleicht etwas dick aufgetragenem Pathos ab. Es hätte das Ende sein können. Tatsächlich hatte der Herder-Verlag damals lediglich eine kleine Jugend-SciFi-Serie bei Nikolai von Michalewsky in Auftrag gegeben, welche aus drei bis vier Bänden bestehen sollte. Doch Mark Brandis sprach (und spricht) mit seinen sozialkritischen Themen alle Altersklassen dermaßen an, dass auf Grund des großen Erfolges dann noch 27 weitere Bücher folgten. Den Beinamen „Weltraumpartisanen“ hat man beibehalten, wiewohl dieser sich auf die ersten vier Bände bezog. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die untrennbar miteinander verbunden und somit einzeln für Quereinsteiger ungeeignet sind.

|ISBN: 9-783-93806-548-8
190 Seiten, Broschur|

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Stiefvater, Maggie – Nach dem Sommer

_|The Wolves of Mercy Falls|:_

01 _“Nach dem Sommer“_
02 „Ruht das Licht“ (2011)
03 „In deinen Augen“ (nur angekündigt)

_Die 17-jährige Grace_ wurde als 11-Jährige im Winter von Wölfen von ihrer Schaukel gezerrt, in den Wald verschleppt und blutig gebissen. Ein Wolf mit goldenen Augen hat sie damals gerettet. Seit diesem Winter wartet Grace jedes Jahr ab dem Herbst auf ihren Wolf und freut sich, wenn dieser wieder am Waldrand auftaucht und sie ihn beobachten kann.

Die Sommer über vermisst sie ihn, und erst wenn es kühler wird, kann sie ihn weiter beobachten. Was sie nicht weiß, dieser Wolf ist ihr auch im Sommer nah, in dieser Zeit allerdings in Gestalt eines Jungen, Sam. Erst wenn es kälter wird, verwandelt er sich wieder in einen Wolf.

Als in Mercy Falls im September ein Schulkamerad von Grace, Jack, von den Wölfen getötet wird, beginnt eine Jagd auf die Wölfe. Grace, die davon erfährt, versucht die Jäger zu stoppen und sucht ihren Wolf im Wald, um ihn zu retten. Nachdem sie viele Schüsse gehört hat und ihren Wolf nicht finden kann, geht sie völlig verzweifelt nach Hause und findet auf der Veranda einen Jungen, der aus einer Wunde am Hals blutet. Panisch bringt sie ihn ins Haus, um ihn zu versorgen. Als der Junge sie dann aus goldenen Augen anschaut, kann sie es kaum fassen, sollte dies ihr Wolf sein?

Sie bringt Sam in ein Krankenhaus, wo seine Wunde versorgt wird und weicht ihm nicht von der Seite. Als er aus seiner Narkose erwacht, ist von seiner Wunde schon nicht mehr viel zu sehen. Da er ein Werwolf ist, heilen Wunden sehr viel schneller als normal und um nicht aufzufallen, fliehen Sam und Grace aus dem Krankenhaus.

Grace nimmt Sam mit zu sich nach Hause und beide spüren eine tiefe Zuneigung füreinander. Sam erzählt Grace von seinem Leben, und da er instinktiv spürt, dass die letzten Tage seines Menschseins angebrochen sind, erzählt er ihr auch davon, dass er sich nach diesem Winter vermutlich nie wider in einen Menschen verwandeln wird. Grace verzweifelt daran fast und will versuchen ein Heilmittel zu finden. Die Beziehung zwischen Sam und Grace festigt sich schnell und beide kämpfen gegen die Kälte, die Sam seine Menschlichkeit rauben wird an.

_Kritik_

Mit |Nach dem Sommer| hat Maggie Stiefvater den Auftakt zu einer wunderbar romantischen, bewegenden und geheimnisvollen Trilogie rund um Sam, Grace und die Wölfe von Mercy Falls geschrieben.

Mit einem detailreichen und sehr lebendigen und ausdrucksstarken Schreibstil, fesselt die Autorin den Leser direkt an das Geschehen. Der Spannungsbogen ist ab der ersten Seite vorhanden und zieht sich dabei, zu der Geschichte passend, gleichmäßig durch den Roman. Die Umgebung und besonders der Wald, wurde bildreich und ausdrucksvoll beschrieben, sodass der Leser in der Lage ist, die Umgebung sehr bildlich wahrzunehmen.

Einzigartig ist die Idee, die Wandlung der Wölfe Jahreszeiten abhängig zu gestalten und ihr letztendlich auch etwas endgültiges zu geben, da jedem infizierten Menschen nur begrenzte Zeit bleibt, bevor die Wandlung vollständig wird. Glaubwürdig wurde auch der Wandel selber beschieben, der sich als äußerst schmerzhaft und keineswegs romantisch verklärt dargestellt wird.

Kleinere Unstimmigkeiten, die allerdings kaum zu benennen sind und sich in den weiteren Romanen aufklären können, fallen kaum ins Gewicht und beeinträchtigen den Plot im Ganzen kaum. Maggie Stiefvater hat die Geschichte in den verschiedenen Kapiteln mal aus der Perspektive von Grace und mal aus der Sicht von Sam erzählt, was dem Leser beide Charaktere sehr nahe bringt. Viel Gefühl ist in beiden Perspektiven untergebracht, sodass man sie einzeln fast zu spüren vermag und auf jeden Fall berührt wird.

Der Erzählstil ist überzeugend jugendlich, aber mit einer besonderen Tiefe, die besonders in Sams Kapiteln zum Tragen kommt. Die Protagonisten sind jeder für sich glaubwürdig und sehr reell konzipiert. Die eher nüchterne und sachliche Grace, bekommt mit Sam einen gefühlvollen und poetischen Charakter an die Seite gestellt und so entsteht ein sich perfekt ergänzendes Paar. Beide sind lebendig und authentisch dargestellt, wobei Sams Charakter der eindruckvollste ist. Mit seiner Leidenschaft zur Musik, die besonders durch in seinen Gedanken entstehenden Songtexten dargestellt wird, sowie der Liebe zur Literatur, zeigt dieser Charakter, dass es nicht nur düstere Geheimnisse und stattliche Muskeln braucht, um im Leben bestehen zu können. Gerade seine feinfühlige Art macht ihn zu etwas Besonderem und Liebenswertem. Beide, Sam und Grace, wirken einerseits sehr verletzlich, aber dabei auch stark genug, um es mit ihrem Schicksal aufzunehmen.
Auch die übrigen Charaktere sind keinesfalls eindimensional, sondern haben ebenfalls eine Fülle an Charaktereigenschaften vorzuweisen. Jeder hat eine eigene Kraft, die ihn vorwärts treibt.

Die Gestaltung des Covers wirkt nachhaltig und sanft schimmernd. In hellen Farben wird dort mit herbstlichen Tönen gearbeitet und dies passt sich dem Titel „Nach dem Sommer“ somit perfekt an. Die Titel der Trilogie ergeben nacheinander gelesen |’Nach dem Sommer ruht das Licht in deinen Augen’| was direkt zum Träumen einlädt.

_Fazit_

Mit |Nach dem Sommer| hat Maggie Stiefvater den Beginn einer einzigartigen Trilogie geschafften, die durch viel Gefühl besticht. Mit ihren einzigartigen Charakteren und dem außergewöhnlichen und intensiven Plot, hat die Autorin eine Geschichte geschaffen, die zum Träumen einlädt und Lust auf mehr macht.

Ich freue mich schon auf |Ruht das Licht| den zweiten Teil der Trilogie der Trilogie rund um Sam und Grace.

_Autorin_

Maggie Stiefvater, geboren im November 1981 in Virginia, verlebte eine nach eigenen Worten sehr chaotische, aber sehr kreative und musisch geprägte Kindheit und Jugend. Nach dem College versuchte sie u. a. als Kellnerin, Zeichenlehrerin beruflich Fuß zu fassen. Doch sehr bald schon meldeten sich ihre kreativen Talente und verlangten, ausgelebt zu werden – zunächst als Musikerin und Songwriterin, dann zunehmend als bildende Künstlerin.

Für ihre künstlerischen Arbeiten wurde sie inzwischen mit einigen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Seit 2007 hat sich Stiefvater aufs Schreiben konzentriert und zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Autorinnen der Dark-Fantasy.

Ihr aktueller Roman, „Nach dem Sommer“, steht seit seinem Erscheinen ununterbrochen unter den besten Zehn der New-York-Times-Bestseller (Jugendbuch). Wenige Wochen nach Veröffentlichung wurden die Filmrechte an die Produzenten von „Der Herr der Ringe“ und „Der goldene Kompass“ verkauft. „Nach dem Sommer“ wird als „the next big thing“ nach Stephenie Meyer gehandelt.

|Gebundene Ausgabe: 423 Seiten
Originaltitel: Shiver (2009)
ISBN-13: 978-3839001080|
[www.script5.de]http://www.script5.de
[www.maggiestiefvater.de]http://www.maggiestiefvater.de

_Nadine Warnke_

Urbanski, Silke – Störtebekers Henker

_Klaus Störtebekers Legende_ lebt noch 700 Jahre nach seiner Hinrichtung in Hamburg und beschäftigt Autoren oder Regisseure. Das Leben des berühmt-berüchtigten Seeräubers, der zudem noch ein Anführer der Vitalienbrüder gewesen sein soll, wird in vielen Romanen heroisiert. Lange Jahre kämpfte Störtebeker mit Gödeke Michels an seiner Seite gegen die hanseatischen Pfeffersäcke.

In Nord- und Ostsee wurden die Vitalienbrüder schnell zu einer Gefahr für die hanseatischen Städte wie Hamburg und Lübeck. Der gesamte Handel mit Waren aus England und Holland war im Begriff zugrunde zu gehen, so angespannt war die Situation um das Jahr 1400. Am 22. April 1401 wurde Störtebeker in einer Seeschlacht bei Helgoland von der hanseatischen Flotte unter der Führung von Simon von Utrecht gestellt und nach einem heftigen Kampf gefangen genommen. Der 20. Oktober 1401 sollte dann zum Todestag des Seeräubers werden. Zusammen mit 30 Gefährten wurde Störtebeker auf dem Grasbrook in Hamburg enthauptet. Die Köpfe der Enthaupteten wurden entlang des Hafens zur Warnung an der Elbe aufgestellt – ein deutliches Symbol der Abschreckung für alle Seeräuber und Halunken der Meere.

Um seinen Tod, genau wie um seine historische Person, ranken sich zahlreiche Legenden, und in manchen Liedern und Überlieferungen wird Störtebeker als eine Art Freiheitsheld dargestellt. Seine Beute, die er den reichen hanseatischen Kaufleuten abgenommen hat, soll er an die Armen und Bedürftigen verteilt haben. Weiterhin soll er über immense Körperkräfte verfügt und einen Stiefel Bier mit einem Zug leeren gekonnt haben.

Was für eine Mensch war Klaus Störtebeker? Ein brutaler Seeräuber, ein Volksheld oder einfach ein willkommenes Opfer für die Politik der Hansestädte?

Silke Urbanksi, selbst in Hamburg geboren, ist promovierte Mittelalterhistorikerin mit den Schwerpunkten Kloster, Hanse- und Wirtschaftsgeschichte und hat in ihrem Roman „Störtebekers Henker“ den Mythos um den Seeräuber zum Thema gemacht.

_Inhalt_

Richard von Hardin, ein Ritter des Deutschen Ordens, ist das Töten für Gott und den Fürsten leid. Noch immer verfolgt ihn das Blutvergießen in seinen Träumen, die Sünden und die Taten seines ganzen Lebens. Über viele Umwege auf der Suche nach „Arbeit“ wird der ehemalige Deutschordensritter zur persönlichen Eskorte eines Viehtriebes in die Hansestadt Hamburg. Doch das Unglück reist mit dem armen Ritter, und so wird er aufgrund einiger Unstimmigkeiten von seinem Auftraggeber durch das Schnellgericht der Hansestadt angeklagt und am Pranger zum Gespött der Bürger.

Noch verzweifelter als zuvor, schier ohne Perspektive wird ihm ein Auftrag der Stadt angeboten. Der Hanse ist es nach Jahren gelungen, des berüchtigten Vitalienbruder Klaus Störtebeker vor Helgoland habhaft zu werden. Zusammen mit seiner Mannschaft wartet der Seeräuber auf seine nicht mehr vermeidbare Hinrichtung. In Gefangenschaft werden die Gefährten um Störtebeker durch Folter geständig, doch viele sterben lieber als Zugeständnisse zu machen. In der Stadt macht sich schnell Unruhe breit, denn viele sehen in Störtebeker einen Mythos, einen ehrenhaften Mann und würden die Vitalienbrüder lieber frei sehen.

In dieser angespannten Situation halten es die Räte der Stadt für wichtig, die Hinrichtungen nicht lange aufzuschieben. Doch leider ist das Geschick mit dem Richtschwert des amtierenden Henkers nicht wirklich zufriedenstellend. Also sieht man in dem armen, aber sicheren Schwertkämpfer Richard von Hardin angemessen Ersatz …

_Kritik_

„Störtebekers Henker“ von Silke Urbanski ist eine facettenreiche und inhaltlich spannende Geschichte aus der glorreichen Hansezeit. Besonders gut gelungen sind ihre detaillierten Schilderungen der gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge in der Stadt Hamburg und der Hanse überhaupt.

Hauptplot des Romanes ist eine Intrige, die der ehemalige Ritter und jetzige Henker zusammen mit einer heilkundigen Begine aufdeckt. „Störtebekers Henker“ ist also ein historischer Krimi, und ein recht guter dazu.

Silke Urbanski, die studierte Historikerin und deren Schwerpunkt die Hansezeit ist, begeistert und überzeugt mit einer spannenden Geschichte und gut ausgearbeiteten Charakteren. Vielseitig und abwechslungsreich erzählt sie den Mythos um den berüchtigten Störtebeker und entwirft ein kritisches Bild um die damaligen Patrizier und ihre korrupte Machtstellung.

Fakten und Fiktion kombiniert die hanseatische Expertin Silke Urbanski gekonnt und stilistisch einwandfrei. Phasenweise erkennt man allerdings die tiefe historische Verwurzelung, und die Autorin driftet manches Mal zu sehr ab in die sozialen und gesellschaftlichen Gruppen, sodass der Leser manchen Leerlauf in der Handlung über sich ergehen lassen muss.

Die Protagonisten sind überschaubar und absolut gekonnt in die Handlung eingewoben, sodass der Leser sich auch hier nicht von vielen Nebenhandlungen und weiteren Personen verwirren lassen muss. Im Anhang befinden sich neben der Danksagung und dem Nachwort ein Personenregister und ein sehr gutes Glossar, das neben den Personen auch Begrifflichkeiten aus dem Mittelalter und der Hansezeit anschaulich erklärt.

_Fazit_

„Störtekers Henker“ von Silke Urbanski aus dem |Emons|-Verlag wird dem Leser von historischen Romanen und Krimis lange in Erinnerung bleiben. Fabelhaft recherchiert, überzeugt die Geschichte mit viel Hintergrundwissen und einer spannenden Handlung.

|Taschenbuch: 382 Seiten
ISBN-13: 978-3897056701|
[www.emons-verlag.de]http://www.emons-verlag.de

Agus, Milena – Flügel meines Vaters, Die

_Inhalt_

Auf Sardinien gibt es ein paar traumhaft hübsche nebeneinander gelegene Grundstücke, von denen eines ans Meer grenzt. Die Bauherren der Gegend träumen von diesen Grundstücken und täten vieles, um sie in die Hände zu bekommen und ein paar praktische Bungalows darauf zu stellen, aber da macht ihnen Madame einen Strich durch die Rechnung. Madame ist keineswegs Französin, wie ihr Spitzname vermuten lässt, aber sie schwärmt für Frankreich und würde schrecklich gern einmal nach Paris reisen. Einstweilen aber begnügt sie sich damit, auf ihrem unendlich wertvollen Grundstück ein bescheidenes Hotel zu führen und Obst und Gemüse anzubauen, das tatsächlich nach etwas anderem als Wasser schmeckt.

Neben Madame lebt die Familie der Erzählerin – sie ist vierzehn und denkt sich gern Geschichten aus, die schöner sind als die Wahrheit. Sie kommt mit Madame gut zurecht, denn auch Madame versucht die Wahrheit zu beeinflussen, und zwar durch weiße Magie. Zur Familie gehören der Großvater, der einen besonderen Blick auf die Welt hat und meist das Gute sieht, und die Mutter, die nach dem Verschwinden des Vaters, der vor seinen Spielschulden geflohen ist, bettlägerig ist.

Der Mikrokosmos wird ergänzt durch eine weitere Familie mit nicht unproblematischen Mitgliedern und diverse Gäste bzw. Menschen, von denen Madame denkt, dass sie sie liebt. Sie hat ein großes Herz und jede Menge Liebe zu verschenken, aber es gibt so gut wie niemanden, der damit umgehen kann. Das übliche Auf und Ab im Leben, herzergreifend in all seiner Banalität und Wehmut, wird für die halbwüchsige Erzählerin überwacht von den Flügeln ihres Vaters – er ist tot, hat sie gehört, und seitdem kommt er manchmal spätabends ins Zimmer geflogen und bauscht die Vorhänge, bis sie die Decke berühren und wie seine Flügel wirken. Kleine Wunder geschehen in ihrer Nähe, und Beruhigung geht von ihnen aus. Ob sie auch helfen können, wenn ein Unglück geschieht und die kleine Oase in der unberührten Natur in Gefahr gerät?

_Meinung_

„Die Flügel meines Vaters“ kombiniert mit einem guten Schuss Zärtlichkeit Charaktere, die nicht besonders gut zusammenpassen. Manch einer leidet stumm unter seinem Nächsten, aber die räumliche Nähe lässt ein Ende dieses Leidens nicht zu. Träume und Ansichten reiben sich aneinander auf, und wäre da nicht die stille Toleranz im großen Herzen jener, die alles überblicken, wäre der kleine Ort am Meer ein viel hässlicherer Ort. Es ist anrührend, wie die Erzählerin sich ihre eigene kleine Welt zurechtsinnt und darin unauffällig vom Großvater unterstützt wird, der hinter die Fassaden zu schauen im Stande ist.

Die kurzen Kapitel des schmalen Bandes schildern unaufgeregt alles, von Alltäglichkeiten bis zum Abstoßenden, Absurdes mischt sich mit totaler Normalität, Leidenschaft mit Kälte, Zartheit mit Härte. Und über allem schwebt die Sehnsucht nach Liebe; sie durchsetzt die Atmosphäre des Buchs wie der Geruch von Lavendel die Luft über diesem Teil Sardiniens.
Trotz aller Schlichtheit und obwohl es so sachte formuliert, ist „Die Flügel meines Vaters“ ein Buch von Wucht; es bezirzt und umstrickt und weckt Fernweh. Die Kürze des Bändchens, der kleine Ausschnitt aus diesen verschiedenen Leben, der einige Erzählstränge zu Ende führt, viel mehr aber noch nur anreißt, andeutet und schließlich offen lässt, verführt den Leser dazu, nach dem Ende selbsttätig weiterzuträumen. Es ist ein spannendes kleines Werk voller lebensnaher Beschreibungen, ein Werk über Hoffnungen, Träume und menschliche Größe, über Ausbrechen, Fortgehen, Grollen, Heimkehren, übers Nachdenken und übers Verzeihen, über Prinzipien und über das, was das Herz bewegt.

_Fazit_

Milena Agus hat ein wunderschönes Buch geschrieben, das mit sanften Farbtönen ein realistisches und doch versöhnliches Bild von den Menschen malt. Da das kleine Werk nur hundertsechzig Seiten umfasst, kann man es jederzeit benutzen, um einen miserablen Tag zu retten oder sich kurz gedanklich an die Sonne und an den Strand Sardiniens zu versetzen, den Duft italienischer Kräuter einzuatmen und sich durch Madames Magie das Leben etwas schöner zaubern zu lassen. „Die Flügel meines Vaters“ ist hinreißend und rundherum empfehlenswert.

|Taschenbuch: 160 Seiten
Originaltitel: Ali di Babbo
Aaus dem Italienischen von Monika Köpfer
ISBN-13: 9783423139120|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
[Wikipedia – Milena Agus]http://de.wikipedia.org/wiki/Milena__Agus

Englisch, Andreas – Wenn Gott spricht

_Prophezeiungen gibt es_ seit Anbeginn der Menschheit in ihren Mythen, Legenden und Religionen. Erinnern wir uns an die biblische Prophezeiung: Ein Messias – der Sohn Gottes – würde uns am Tag des jüngsten Gerichts besuchen. Oder Moses, der den Pharao (wahrscheinlich) Ramses vor dem Zorn Gottes warnt. Die Prophezeiungen aus dem alten Testament sind uns wohlbekannt, daneben gibt es noch unzählige andere Seher und Deuter, die manchmal in versteckten und verschlüsselten Botschaften zu uns sprechen. Manche erklären, dass sie das Wort Gottes verkünden, andere hingegen plappern vielleicht nur von kommenden Situationen, deren logische Konsequenz aus der Gegenwart resultiert.

Prophezeiungen sind tief in uns gläubigen oder auch ungläubigen Menschen verwurzelt. Genauso wie die Religion, bewegen sie sich zwischen Wahrheit und Fiktion, und der Zwischenraum ist ausgefüllt mit den Hoffnungen und Ängsten der Menschen, die aus reinem Optimismus daran glauben möchten.

Die Vergangenheit kann man nicht ändern, die Gegenwart beeinflussen und die Zukunft …? Nun ja, die Zukunft ist nicht greifbar und ändert sich mit jedem Tag. Sieht man allerdings die Prophezeiungen aus einer religiösen Perspektive, so spricht man von der Botschaft Gottes durch einen Propheten, einen heiligen Mann. Es können aber genauso arme Hirtenjungen und Mädchen sein. Gott scheint nicht besonders wählerisch zu sein, manchmal taucht auch die „Mutter“ Gottes auf und weist uns Wege und (oder) Auswege, gegebenenfalls warnt sie die Menschheit auch. Die Wissenschaft, der oftmals so betitelte „Erzfeind“ der Religion, belächelt eher müde diese Thesen oder verhält sich mathematisch eher logisch und rational.

Andres Englisch, der seit 1987 Vatikan-Korrespondent in Rom ist und engen Kontakt zum Jahrtausend-Papst Johannes Paul II. und auch zu dem deutschen Papst Benedikt XVI. pflegt(e), interpretiert die Worte und die Taten der „heiligen“ Männer als Gottes Botschaft. Waren oder sind einzelne tief gläubige Menschen oder gar Diener der katholischen Kirche Botschafter Gottes – spricht Gott bis heute so mit seinen Schäflein und hatte dies schon Auswirkungen auf historische Ereignisse?

_Kritik _

Andreas Englisch, der Autor des Buches, ist an erster Stelle Journalist. Mit seinem intensiven Wissen rund um die Interna des Vatikans, der Millionen von Menschen fasziniert, gehört er zu den wenigen mit der kirchlichen Kurie Vertrauten.

In seinem vorliegenden Buch gibt es eine Menge Wundergeschichten rund um Jonhannes Paul II. und das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, Benedikt XVI. Zwar betont Andreas Englisch immer wieder, dass man die Prophezeiungen entweder aus der Perspektive eines gläubigen Christen sehen kann oder als Realist diese Vorhersehungen logisch rational erklärbar sieht. Zwar gibt sich der Autor Mühe, dies neutral zu sehen, doch merkt man nach wenigen Seiten, dass Andreas Englisch überzeugt ist, dass Gott durch den Menschen seine Botschaften sendet. Andererseits kritisiert er die oftmals konservative Politik des Heiligen Stuhls und berichtet von einigem Insiderwissen, was sich durchaus kritisch liest.

„Wenn Gott spricht“ von Andreas Englisch hat mich aber insgesamt nicht überzeugen können. Vielleicht liegt es daran, dass ich zwar gläubig, aber nicht naiv bin, dass ich durchaus differenzieren kann, aufgrund logischer Konsequenzen aus Handlungen heraus Situationen interpretieren und Details erkennen, dass es sich hier um keine Prophezeiung handeln kann, sondern nur um menschliche Schlussfolgerungen.

Die Leserschaft wird das Buch sehr konträr sehen. Die einen werden sagen: „Das ist keine Vorhersehung, sondern nur das Resultat von Ereignissen“, andere hingegen, wirklich gläubige Menschen, werden sich in ihren Gedanken sicherlich dort wiederfinden, wohin die Botschaften auch gelangen sollen.

Mit hohem Respekt, und da pflichte ich dem Autor bei, spricht er von den Entscheidungen und politischen Einflussnahmen von Papst Johannes Paul II., denn das katholische Oberhaupt war zugleich auch politischer Monarch seines Kirchenstaates und verstand es, Religion manipulierend einzusetzen.

Viel interessanter geht es im Buch zu, wenn der Autor über die Abläufe und Prozesse innerhalb der vatikanischen Mauern spricht. Sicherlich gibt es zu diesem Thema noch viel mehr Literatur, aber Andreas Englisch hat durchaus Talent darin, dies auch unterhaltsam für den Leser aufzuarbeiten.

_Fazit_

„Wenn Gott spricht“ ist nur bedingt empfehlbar. Wer sich mit dem Thema „Botschaften durch Gott“ oder Prophezeiungen beschäftigen möchte, dem sei von diesem Buch abzuraten. Vielmehr handelt das Buch vom Leben der beiden Päpste und sekundär erst von irgendwelchen Vorhersehungen, die man logisch erklären und deuten kann.

Wer allerdings viel darüber wissen möchte, wie es in Kirchenkreisen zugeht, der wird an dem Buch Gefallen finden, denn hierin liegt das große Wissen des Autors und dort kann er wirklich eindrucksvoll und mit Bravour erzählen.

_Autor_

Andreas Englisch, geboren 1964 in Werl, lebt seit 1987 als Vatikan-Korrespondent in Rom. Er hatte engen Kontakt zu Papst Johannes Paul II. und gehört zu den sechs Journalisten, die Benedikt XVI. auf allen Reisen begleiten dürfen. Er ist Autor der Bestseller „Johannes Paul II.“, „Habemus Papam“ und „Die Wunder der katholischen Kirche“.

_Andreas Englisch auf |Buchwurm.info|:_
[„Habemus Papam – Von Johannes Paul II. zu Benedikt XVI.“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2447

Delaney, Matthew – Golem

_Das geschieht:_

Im New York des Jahres 2049 stellen Biotechnologie-Konzerne die neue ökonomische Elite dar. Seit das menschliche Genom entschlüsselt und somit manipulierbar wurde, können einst tödliche Krankheiten geheilt und der Alterungsprozess radikal verlangsamt werden. Den Patienten werden sogenannte „Samps“ eingepflanzt, die für die gewünschte Abhilfe sorgen. Andere Firmen stellen künstliche Menschen – Transkriptoren – her, die als Arbeitssklaven eingesetzt werden.

Transkriptoren und Samps sind begehrte Spekulationsobjekte geworden. Sie werden wie einst Devisen gehandelt. Dieses Geschäft hat eine eigene Börse geschaffen und generiert astronomische Gewinne. Ganz oben spielt die Firma Genico mit. Als George Saxton, der Gründer und Präsident, in den Ruhestand tritt, verfolgt die Branche dies mit Argusaugen. Wider Erwarten übergibt George die Zügel nicht an Phillip, seinen Sohn und Vizepräsidenten, den er für gierig und moralisch schwach hält, sondern an dessen Stiefbruder Thomas Roosevelt, der Genicos Macht und Geld zum Wohle der Menschheit einsetzen soll.

Damit zieht sich Thomas den Hass des Jüngeren zu. Phillip findet einen Verbündeten in Harold Lieberman, Genicos Geschäftsführer, dem der Profit über alles geht. Skrupellos missbraucht Lieberman das Geheimnis, das Phillip ihm offenbarte: Ohne dass er selbst es wusste, ist Thomas ein Transkriptor! Als solcher gilt er plötzlich als rechtloses Objekt. In einer der Arenen, in denen künstliche Gladiatoren kämpfen, soll der lästige Rivale sein Leben lassen. Aber Thomas gelingt es, sich den Transkriptor-Rebellen anzuschließen, die für ihre Freiheit kämpfen. Gemeinsam mit einem mutigen Polizisten, der einem weiteren Komplott des kriminell umtriebigen Phillip auf die Spur gekommen ist, will Thomas nicht nur den Genicos Machenschaften, sondern auch der Unterdrückung der Transkriptoren ein Ende bereiten …

_Kein Ratespiel: Woher kommt diese Geschichte?_

Möchte man die Inspirationsquellen nennen, aus denen „Golem“ sich speist, kann man diese vier Filme der jüngeren Gegenwart listen:

– |“Blade Runner“| (1981) bzw. |“Die Insel“| („The Island“, 2005) – Künstliche Menschen werden als Sklaven missbraucht, begehren gegen ihr Schicksal auf und finden einen Anführer, der sich selbst als Kunstmensch erkennen muss und auf die Seite seiner Brüder & Schwestern schlägt.

– |“Robocop“| (1987) – Die eigentliche Staatsmacht liegt schon in naher Zukunft nicht mehr bei der Regierung. Globale Konzerne haben sie übernommen und setzen sie unter Ignorierung von Gesetz und Moral ein, um möglichst hohe Profite zu erzielen.

– |“Gladiator“| (2000) – Zwei Brüder buhlen um die Gunst des übermächtigen Vaters; als der ‚Gute‘ zum Erben des Reiches ausgerufen wird, raubt ihm der ‚Böse‘ Status und Familie und lässt ihn anonym im Elend verschwinden, aus dem der ‚Gute‘ sich nicht nur erhebt, sondern auch allerlei Unrecht gutmacht und sich an dem Verräter rächt.

Aus diesen Bausteinen also setzt Matthew Delaney seinen neuen, zumindest in Deutschland sehnlich erwarteten Thriller zusammen. Sieben Jahre hat er sich seit „Dämon“ Zeit gelassen; fünf Jahre waren es hierzulande. Die Fans dieses Erstlings werden auch „Golem“ lieben und die eklatanten Fehler des Nachfolgers entweder ignorieren oder gar nicht bemerken.

|Bestseller vom Reißbrett|

Das größte Manko ist gleichzeitig das schwerste Pfund, mit dem Delaney wuchern kann: „Golem“ ist ein kühles Konstrukt aus Elementen, die sich anderweitig als unterhaltsam bewährt haben. Dieses Buch soll unterhalten. Originelle Einfälle oder raffinierte Schriftstellerkunst sind dabei sekundär bzw. völlig unwichtig. Bücher wie „Golem“ liest ‚man‘ am Urlaubsstrand, während einer Zugfahrt oder nach einem langen Arbeitstag im Bett kurz vor dem Einschlafen: Ein- und Mitdenken ist überflüssig, die Handlung ist vertraut und gleichzeitig so abgewandelt, dass sie dennoch interessiert. Eine stringente Lektüre ist unnötig, „Golem“ lässt sich auch in kleinen Lesehäppchen goutieren.

Abgeschmeckt wird die nur behutsam durch die Mangel gedrehte Mischung aus bekannten Vorbildern mit aktuellen Reiz-Klischees, unter denen das vom bitterbösen Kapitalisten dank spekulationsbedingter Weltwirtschaftskrise am besten sticht. Serviert wird das Ganze in einem Tempo, das die Handlung über manchen toten Punkt trägt, denn obwohl Delaney sich dieses Mal kürzer fasst als in „Dämon“, drischt er weiterhin gern Buchstaben-Stroh, mit dem sich manche Seite füllen lässt. So tragen Roosevelts Arena-Eskapaden wenig zum Fortschritt der Ereignisse bei, bieten aber jenes atemlose Kampfgetümmel, das sich quasi selbst produziert und in Gang hält.

|Thriller-Koloss auf papiernen Füßen|

Das Reißbrett als Hintergrund irritiert vor allem den kritischen Leser (und den Rezensenten). Die weiter oben skizzierte und weniger Ansprüche an die Lektüre stellende Klientel wird sich dem sicherlich nicht anschließen, sondern „Golem“ durchaus legitim als rasanten Page-Turner verschlingen. Action und Drama können freilich nicht durchweg von Elementen ablenken, die Delaney objektiv nicht in den Griff bekam.

Dazu gehört in erster Linie die Figurenzeichnung, die dem Verfasser nicht wirklich vielschichtiger als in „Dämon“ gelungen ist. „Gut“ und „böse“ markieren die beiden Pole, um die sich die Protagonisten scharen. Dazwischen herrscht gähnende Leere, Schattierungen sind Delaneys Sache nicht. Was im Film funktioniert, wird in einem Roman dieser Länge erst deutlich und wirkt dann störend. Phillip Saxton beginnt als skrupelloser aber glaubwürdiger Spekulant. Im Finale ist er zum dauerkoksenden Monster und zur Karikatur eines Bösewichts verkommen. Umgekehrt wird Thomas Roosevelt – schon zu Beginn ein schwer erträglicher Gutmensch – erst zur Kampfmaschine und schließlich zum Messias der Kunstmenschen.

Während Delaney sehr anschaulich jene Atmosphäre aus Gier, Hybris und Gleichgültigkeit zu beschwören weiß, die über den modernen Finanzzentren der Welt wabert, bleibt die Geschichte, die er erzählt, logikfernes Stückwerk. Zum perfekten Funktionieren der geschilderten Geschäftswelt passt nicht, dass sie schließlich durch einen einzigen Menschen zu Fall gebracht werden kann. Zwar ist dies ebenfalls ein bekanntes Konzept – viele Geschichten singen das Lob des wider alle Erwartungen obsiegenden Einzelgängers -, aber es muss sorgfältig konzipiert werden und zumindest im gewählten Rahmen stimmig sein.

Überhaupt ist die Auflösung schwach (und wieder nur aus zweiter Hand: Delaney ließ sich vom Finale des Films „Fight Club“ ‚inspirieren‘). Der Kampf gegen ein realiter global verknüpftes und somit stabil in sich ruhenden Systems wird eleganzfrei versimpelt: Als Genico fällt und die Herkunft der Transkriptoren gelöscht wird, ist die Macht des Kapitals gebrochen, und bessere Zeiten brechen an. So geht’s nicht, und eigentlich wird es jetzt erst interessant – aber Vorsicht: Setzen wir dem Verfasser keinen Floh ins Ohr; sonst beglückt er seine Fans womöglich mit einer Fortsetzung!

|Delaneys treue deutsche Fans|

Zumindest in den USA scheint man auf Delaneys zweiten Roman nicht gewartet zu haben. Der Verfasser legte ihn ohnehin verspätet erst 2009 vor, doch kein Verlag griff zu. So stellte die deutsche Veröffentlichung von 2010 auch die Erstveröffentlichung dar. Hierzulande gelang Delaney mit seinem Erstling „Dämon“ ein auflagenstarker Überraschungserfolg, an den sich der Bastei-Lübbe-Verlag nicht nur gern erinnert, sondern an den er mit „Golem“ anknüpfen möchte. Also erschien „Golem“ – dieser Titel hat zwar keinerlei Bezug zur Handlung, klingt aber zugegebenermaßen besser als das originale „Genome, Inc.“ – nicht als Taschenbuch, sondern wurde in ein Paperback gekleidet, das nicht nur stattlicher aussieht, sondern sich vor allem hochpreisiger verkaufen lässt. Erst Anfang 2011 wird eine erste originalsprachige Ausgabe folgen.

_Autor_

Über Matthew Delaney ist kaum Biografisches bekannt. Am Dartmouth College zu Hanover im US-Staat New Hampshire hat er studiert. Er lebt und arbeitet in Somerville, Massachusetts. 2005 legte er seinen Erstling, den Horror-Roman „Jinn“ (dt. „Dämon“) vor, der (angeblich) verfilmt werden soll, aber seit Jahr & Tag genregerecht in Hollywoods berüchtigter |“development hell“| schmort.

|Paperback: 557 Seiten
Originalausgabe: Genom, Inc. (London : Pan Books 2011)
Übersetzung: Rainer Schumacher
ISBN-13: 978-7857-6037-6|
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_Matthew Delaney bei |Buchwurm.info|:_
[„Dämon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1108

Schami, Rafik – dunkle Seite der Liebe, Die

_Inhalt_

Damaskus, 1969: Über dem Tor der Pauluskapelle wird in dem Korb, in dem ein Märtyrer einst sein Leben aushauchte, ein Toter gefunden. Allerdings handelt es sich nicht um einen Christen, sondern um einen muslimischen Offizier. Kommissar Barudi steht vor einem Rätsel, das ihn reizt, in das er sich aber nicht verbeißen darf: Er wird von höherer Stelle aus zurückgepfiffen. Heimlich ermittelt er weiter und kommt dahinter, dass der Tote in Verbindung mit einer Familienfehde stand, die seit Generationen zwischen den Muschtaks und den Schahins tobt: 1907 nimmt eine blutige, traurige, unversöhnliche Geschichte ihren Anfang mit einer Liebe, die nicht sein darf, sich aber nicht darum schert und trotzdem blüht.

Der Beginn ist märchenhaft, doch der Preis ist hoch, denn wer von Hass und Rachegelüsten zerfressen ist, lebt selten glücklich bis an sein Lebensende. Auch die nächsten Generationen können sich aus den Banden der Feindschaft nicht lösen; sie saugen den Hass auf die andere Partei mit der Muttermilch auf, können gar nicht anders, als ihn als Naturgesetz zu betrachten. 1953 aber, als Farid Muschtak und Rana Schahin aufeinandertreffen, steht die Welt still in ihrem Lauf, hebt die Naturgesetze aus den Angeln und verwandelt für diese beiden Hass in Liebe.

Liebe allerdings hat es schwer in diesen Zeiten der Wut und der Rache, wo die innerfamiliäre Art der Auseinandersetzung mit Renegaten die politische des ganzen Landes widerspiegelt: Mit äußerster Gewalt wird durchgesetzt, was gerade Regel ist. Und Farid macht alles noch komplizierter, indem er zum Kommunisten wird: Er verrät nicht nur seine Familie, sondern obendrein die Regierung. Und während er für seine Überzeugungen in verschiedenen Gefängnissen unter der Folter zu leiden hat, ereilt Rana die Vergeltung des Clans – sie wird nicht wie ihre geliebte Tante erschossen, aber es wird ihr unmissverständlich klargemacht, dass Abweichler nicht geduldet werden. Was die Schahins jedoch nicht wissen, ist, dass es für Rana so lange Hoffnung gibt, wie sie und Farid am Leben sind. Irgendwann wird die Welt wieder innehalten und die Naturgesetze für sie ändern, denn Liebe ist größer als Hass. Der Tote von der Pauluskapelle ist ein Dominostein, einer der letzten in einer langen Reihe, die unausweichlich fallen mussten. Doch selbst Dominosteine können zu Stolpersteinen werden …

_Kritik_

Die lange Sage der beiden verfeindeten Familien bietet ein Gerüst für unendlich viele kleine Geschichten und Anekdoten, die ein facettenreiches, kunterbuntes Bild Syriens und speziell Damaskus‘ zeigen. Das Rot in all dem Kunterbunt ist leider meistens Blut, und so feinsinnig, amüsant und sanft manche der Geschichten sein mögen, so derb, brutal und abartig sind andere. Aber das ist gut so, es ist die Mischung, die die Faszination ausmacht, und wenn man gerade ganz nah an eine der Geschichten herangetreten ist, so trifft die nächste umso unmittelbarer, während man bar jeglicher geistiger Deckung ist.

Schami bietet Geschichten – nun, nicht für tausendundeine Nacht, aber doch immerhin für einige Nächte hintereinander, selbst, wenn man das Buch gar nicht weglegen mag. Er betört mit einem Stil, der die schrecklichsten Dinge wunderschön verpackt und liebevoll präsentiert, so dass man ihm danken möchte, während er eigentlich die Geißel in der Hand hält.

„Die dunkle Seite der Liebe“ ist Poesie in Prosa, wenn man so will: Es nimmt den Leser nach wenigen Seiten an der Hand und führt ihn weit, weit fort, stellt ihn neuen Freunden vor und zeigt ihm das hässliche Antlitz der Feinde. Man ist so nahe an den Figuren, dass man mit ihnen interagieren möchte, und das ist es einfach, was einen guten Erzähler ausmacht. Rafik Schami erzählt zauberhaft, knüpft aus tausenden unterschiedlicher Fäden von zart bis hart einen Teppich, auf dem die Gedanken fliegen lernen.

_Fazit_

„Die dunkle Seite der Liebe“ ist einer der ganz großen Romane der letzten Jahre. Dass der Autor vom ersten kläglichen Versuch als Jungspund bis zur Veröffentlichung 39 Jahre lang daran gefeilt hat, hat sich gelohnt. Zu Recht gibt es bisher so viele gute Kritiken, doch wurden auch andere Stimmen laut: Zu lang sei der Roman, zu unverständlich, man hätte locker fünfhundert Seiten rauskürzen können. Das ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Wem tausend Seiten zu viel sind, der möge etwas anderes lesen. Wer hier mal eben fünfhundert Seiten fortkürzte, der beschnitte dieses Werk herab zu einem normalen Krimi bzw. einer normalen Familiengeschichte und zerbräche dieses unglaubliche Füllhorn an Bildern, Eindrücken und Anekdoten, und schon wäre die Welt wieder ein wenig ärmer. „Die dunkle Seite der Liebe“ ist wundervoll, so wie es ist.

|Taschenbuch: 1040 Seiten
ISBN-13: 9783423135207|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
[www.rafik-schami.de]http://www.rafik-schami.de

_Rafik Schami bei |Buchwurm.info|:_
[„Die dunkle Seite der Liebe“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=2102
[„Märchen aus Lalula“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=2868

Pratchett, Terry (Autor) / Thalbach, Katharina (Sprecherin) – Ruhig Blut! (inszenierte Lesung von der Scheibenwelt)

„Die Scheibenwelt“ könnte man wohl guten Gewissens als Terry Pratchetts Opus Magnus bezeichnen. „Ruhig Blut!“ (oder „Carpe Jugulum“, wie der Roman im Original heißt) ist mitten aus dieser ausufernden Serie heraus gegriffen und doch verspricht der Autor auf seiner Webseite, man könne an jeder Stelle der Scheibenwelt einsteigen. Und so sollte es auch kein Problem darstellen, sich das von Katharina Thalbach meisterhaft eingelesene Hörbuch vorzunehmen und sich in diese bizarre Scheibenwelt entführen zu lassen, die trotz alle ihrer seltsamen Bewohner unserer eigenen Welt doch auf verwirrende Weise ähnelt.

_Worum geht es?_ Dem Königspaar von Lancre ist ein Töchterchen geboren worden. Zur bevorstehende Taufe lädt König Verence natürlich das unterschiedlichste Volk ein und weil er ein besonders offenherziger und moderner König sein will, verschickt er auch an die gräfliche Familie Elstyr eine Einladung … ein großer Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn bei den Elstyrs handelt es sich um Vampire, äh, Vampyre, die sich das Königreich Verences unter den Nagel reißen wollen.

Und zunächst sieht es auch so aus, als hätten die Vier leichtes Spiel. Graf Elstyr ist ebenfalls ein moderner Mann und hat mit klassischer Konditionierung seine Vampirfamilie dazu gebracht, sich vor den traditionellen Vampirwaffen nicht mehr zu fürchten. So hat er seine Kinder mit Weihwasser bespritzt und mit Knoblauch bekocht, damit sie davon abkommen, sich vor diesen Dingen zu fürchten. Gleichzeitig besitzen die Vampyre die Fähigkeit, die Gedanken der umgebenden Menschen zu beeinflussen, sodass plötzlich alle auf der Tauffeier die Vampyre für sympathisch und ungefährlich halten.

Alle? Nicht alle, denn der tapsige Om-Priester Hilbert Himmelwärts und Agnes Nitt, die Hexe mit der gespaltenen Persönlichkeit (in der rundlichen Hexe steckt noch eine viel schlankere Person – und vorlauter ist sie auch) können der Massensuggestion auf seltsame Art widerstehen. So liegt es an ihnen, Lancre vor der vampirischen Übernahme zu beschützen. Mit Verstärkung von Königin Margrat und der schrulligen Oma Wetterwachs machen sie sich auf zum Vampirschloss, um die Vampyre auf eigenem Terrain zu schlagen.

_Terry Pratchett braucht_ eine Weile, bis sein Roman in Schwung kommt. Zunächst wird Lancre mit seinen urigen Gestalten beschrieben, um die Stimmung für die folgende Handlung aufzubauen. Dabei erwächst der besondere Witz zunächst daraus, dass wir es mit völlig abwegigen Charakteren zu tun haben – Zwerge, Vampire, Hexen, Phönixe -, die aber dennoch all den menschlichen Schwächen und Ticks unterworfen sind, die wir von uns selbst kennen. So hat selbst Hexe Agnes trotz ihrer Zauberkünste mit Übergewicht zu kämpfen und muss sich von ihrem schlankeren Selbst Perdita bissige Kommentare anhören.

Wenn dann endlich die Vampyre auftauchen, kann auch die Handlung richtig losgehen. Und obwohl alle Charaktere dieses Buches mit Ironie angelegt sind, so sind die Vampyre hier doch die Stars der Geschichte. Papa Graf entlarvt all die Vorstellungen, die man über Vampyre hat, als festgefahrene und überflüssige Traditionen, die es abzulegen gilt. Dies wirkt umso komischer, als die Familie einen Dienstboten mit sich führt (eine Art Erbstück), der schon dem Vampyr-Vorgänger gedient hat. Das war nämlich ein echter Vampyr! Spielte des nächstens auf seiner Orgel mit extraordinären Geräuschen (Quietschen, Schreie, Wolfsgeheul), um dann Jungfrauen zu jagen – aber nur, wenn sie auch im Negligée gut aussahen. Währenddessen pflegte Diener Igor im Keller die Spinnweben und hantierte so lange an der Eingangstür herum, bis der Quietschton perfekt war. Das waren noch Zeiten, findet Igor, nicht so wie der neue Herr mit seinen modernen Ansichten. Überhaupt gar kein richtiger Vampyr ist das!

Terry Pratchett macht sich gnadenlos über all die Vorstellungen lustig, die wir heute von Vampyren haben – und die hauptsächlich durch Filme (die von Hammer nämlich) geprägt sind. Da gibt es das Theatercape, die Tatsache, dass möglichst viele Requisiten herumhängen sollten, aus denen sich Kreuze basteln lassen, Pflöcke, Weihwasser, alte Schlösser und quietschende Türen. Prachett fährt also das durchschnittliche Inventar eines Vampirfilms auf und zeigt all die unlogischen Einzelheiten, über die sich der aufmerksame Zuschauer schon immer wunderte. All dies hat sich so festgefahren, dass es sogar den Vampyren zuwider ist.

„Ruhig Blut!“ macht Spaß – eigentlich. Katharina Thalbachs Leseleistung schwankt irgendwo zwischen grandios und absolut genial. Was diese Frau mit ihrer Stimme anstellen kann, lässt den Hörer nur sprachlos staunen. Jeder Charakter (und derer gibt es viele) bekommt bei ihr eine ganz eigene Stimme, eine eigene Intonation und in vielen Fällen sogar einen eigenen liebenswerten Sprachfehler. Dies allein macht das Hörbuch absolut lohnenswert.

Doch wo Licht ist, dort gibt es auch Schatten. Denn leider wurde der Roman gekürzt und zwar stellenweise relativ unelegant. So hat man als Hörer wiederholt das Gefühl, Dinge verpasst zu haben. Unter den Kürzungen leiden damit sowohl die Logik der Handlung als auch die beißende Satire gegenüber den fortschrittlichen Elementen des Romans – sowohl König Verence als auch Graf Elstyr. Da bietet der Roman definitiv mehr Witz und Ironie, beim Hörbuch sind große Teile leider der Schere zum Opfer gefallen.

_Für jene, die_ also einen ungefähren Eindruck von der Scheibenwelt erlangen wollen, ist „Ruhig Blut!“ vermutlich ein ebenso guter Einstieg wie jeder andere. Wer allerdings die volle Dosis Pratchett genießen möchte, der sollte sich weiterhin an das geschriebene Wort halten.

Jussi Adler-Olsen – Schändung

Mit „Schändung“ legt der dänische Autor Jussi Adler-Olsen nun den Nachfolgeroman zu seinem vielgepriesenen Debüt „Erbarmen“ vor. Adler-Olsens Chefermittler Carl Mørck rollt am Schreibtisch seines Büros im Keller der Kopenhagener Polizei für das Sonderdezernat Q alte, ungelöste Fälle auf. Ihm zur Seite stehen sein Assistent Hafez el-Assad und die ihm neu zugeteilte Sekretärin Rose.

Jussi Adler-Olsen – Schändung weiterlesen

Weeks, Brent – Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie 2)

Band 1: „Der Weg in die Schatten“
Band 2: „Am Rande der Schatten“

Azoth ist unter seinem neuen Namen Kylar zum besten Blutjungen Cenarias aufgestiegen. Doch Elene zuliebe hat er seinen Beruf aufgegeben und versucht nun, mit ihr und Momma Ks Tochter Uly zusammen, sich im Nachbarland Waedryn ein neues Leben als Kräuterhändler aufzubauen. Es dauert allerdings nicht lange, da holt ihn sein altes Leben wieder ein, in Gestalt seines alten Freundes Jarl …

War im ersten Band Durzo Blint derjenige, der zerrissen und gequält gewirkt hat, so hat diesen Part jetzt Kylar übernommen. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem alten Leben und seiner Liebe zu Elene, die jegliche Gewalt ablehnt.

Elene ist auf Grund der religiösen Erziehung durch ihre Zieheltern in mancher Hinsicht ziemlich naiv. Sie ist so sehr davon überzeugt, dass Gewalt nur neue Gewalt hervorbringt, dass sie für Kylars Tun keinerlei Verständnis aufbringt.

Mit den größten Schwierigkeiten aber hat Logan zu kämpfen. Mit seinem Sprung ins Loch am Ende des ersten Bandes hat er sich selbst in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Der Kampf ums Überleben an diesem Ort öffnet ihm in vielerlei Hinsicht die Augen …

Und dann ist da noch Vi, Hu Gibbets Lehrling. Die junge Frau ist ein seelisches Wrack, das niemandem vertraut und deren einziger Ehrgeiz darin besteht, ihr eigener Herr zu sein. Ein ziemlich ehrgeiziges Ziel, wenn der Gottkönig von Khalidor persönlich ein Auge auf jemanden geworfen hat.

Die übrigen Neuzugänge in der Charakterriege sind nicht ganz so detailliert ausgefallen wie Vi, ingesamt jedoch ist die Darstellung durchaus zufrieden stellend. Logans Entwicklung und auch Kylars Kampf mit sich selbst sind sehr gut gelungen, und Vi, die im ersten Band nur eine kleine Nebenrolle spielte, entwickelt sich zu einer interessanten Person und einem echten Gewinn für das Buch.

Auch in Bezug auf den Entwurf der Welt hat Brent Weeks einiges ausgebaut. Zum ersten Mal taucht so etwas wie eine Gottheit auf, eine äußerst ungemütliche obendrein, sodass der Leser sich unwillkürlich die Frage stellt, ob der Name Khali womöglich mehr als Zufall ist. Und die Vir werden zum ersten Mal und ganz beiläufig als die anderen bezeichnet, als wären sie eigenständige Wesen.

Am stärksten jedoch hat sich das Handlungsfeld ausgeweitet. Nicht nur, dass sich diesmal ein ganzer Handlungsstrang mit Vi beschäftigt. Der Strang um die drei fremden Magier Dorian, Solon und Feir wurde aufgedröselt, weil die drei sich trennen. Curoch, das am Ende des ersten Bandes in die Hände eines unwissenden Khalidori gefallen war, stellt einen eigenen Strang, die Magierinnen aus der Chantry stellen einen und weitere Magier aus dem Süden stellen einen. Viele davon sind nur sehr dünn und kurz, aber alles ist sehr geschickt miteinander verknüpft, bis am Ende des Buches eine völlig veränderte Situation vorliegt, mit einigen Parteien mehr, die sich nun am Kochen diverser Süppchen beteiligen.

Wie bereits im ersten Band ist auch hier die Handlung mit einigen Grausamkeiten gewürzt – eine der härtesten Szenen ist die Strafaktion des Gottkönigs gleich zu Anfang des Buches, aber auch die Darstellung der Erschaffung eines Ferali war starker Tobak – sowie mit einer Menge Action, wenn Kylar wieder einmal seine gesamten Fähigkeiten voll ausschöpft. Die exzessive Gewalt der khalidorischen Kultur gibt dem Buch stellenweise fast etwas philosophisches, zumindest in der kurzen Szene, in der der Gottkönig mit Jenine über das Böse diskutiert.
Zur Spannung hat dieser Aspekt allerdings nicht viel beigetragen. Auch ohne ihn wäre das Buch ein echter Pageturner Dank solcher Szenen wie zum Beispiel der dramatischen Rettungsaktion unter der Burg von Cenaria. Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches und die ausgesprochen überraschende Entdeckung Kylars auf der letzten Seite tun ein Übriges.

Um es kurz zu machen, der zweite Band ist in jeder Hinsicht genauso gelungen wie der erste. Er ist spannend, temporeich und verwickelt, sodass es niemals langweilig wird, und trotzdem haben die Hauptprotagonisten noch genügend Raum für Tiefe und Entwicklung. Die diversen Andeutungen im Zusammenhang mit dem Aspekt der Magie lassen auf mehr hoffen und der Schluss des Buches macht unsagbar neugierig auf die Fortsetzung. Da komme nicht einmal ich umhin, wegen der grausameren Szenen ein Auge zuzudrücken.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ ist seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, deren dritter Band unter dem Titel „Jenseits der Schatten“ im November 2010 in die Buchläden kommt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August diesen Jahres auf Englisch erschien.

Taschenbuch: 704 Seiten
Originaltitel: Night Angel 02. Shadow’s Edge
Übersetzt von Hans Link
ISBN-13: 978-3442266296

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 3,00 von 5)

Melneczuk, Stefan – Geisterstunden vor Halloween

_Inhalt:_

In Herbst- und Winternächten, so sagt man, wenn der Wind landeinwärts zieht, kann man die Todgeweihten auf dem Hungerberg hören. Fünfzig Männer, vierzig Frauen und fünfzehn Kinder, die keinen Frieden finden. Der Wind trägt ihre Gebete und Lieder hinab in die Stadt. Sie dringen durch Türen und Fenster, wie ein Fluss, der kein Ende nimmt und die Torffeuer von Geisterhand erstickt.
 
Stefan Melneczuk kam am 31. Oktober 1970 zur Welt, ist Redakteur bei einer großen Tageszeitung und schreibt seit mehr als zwanzig Jahren unheimliche Geschichten. Sein erster Roman MARTERPFAHL – SOMMER DER INDIANER sorgte im Herbst 2007 landesweit für Aufsehen und erlebte aus dem Stand heraus mehrere Auflagen. Mit den GEISTERSTUNDEN erscheinen nun einunddreißig seiner dunkelsten Erzählungen vor Halloween.
Gespenster-Geschichten ebenso wie Horror-Storys.

 
_Meinung:_

Längst hat sich Stefan Melneczuk aus dem Schatten des „Insider-Tipps“ bewegt – zu Recht. Wie auch diese abwechslungsreiche, stimmungsvolle Storysammlung beweist.

Der Autor erzählt in seinem Vorwort „Wie alles begann …“ – aus der Zeit, als er seine Kurzgeschichten noch auf seiner alten Schreibmaschine tippte. 31 davon hat er in GEISTERSTUNDEN VOR HALLOWEEN vereint. Sie starten am 1.10. und enden natürlich am 31.10., zu „Halloween” – und wissen vortrefflich zu unterhalten!
 
Hier wenige Worte zu jeder von ihnen, ohne zu viel zu verraten, aber hoffentlich als Appetizer dienen:
 
|Hungry Hill – das Jahr des großen Hungers|, Herbst 1845. Ein Prediger steigt mit einhundertfünf „Schäfchen“ seiner Gemeinde auf einen Berg – auf ein Wunder hoffend.
 
|Schacht der Toten| – so wird Schacht 23 genannt. Steiger Paul geht am 02. Oktober 1928 mit neun Freiwilligen hinunter in den Schacht der Toten, die nach einem Unglück nicht geborgen werden konnten. Steiger Paul und seine Männer müssen dort Schreckliches erleben haben, denn sie kehren völlig ohne Verstand zurück.
 
|Geisternacht| – der kleine Frederic wird von seinem Bruder eingesperrt und dazu verdonnert am 31.10. auf dem dunklen Dachboden eine Mutprobe abzuhalten. Frederic denkt voller Furcht, an die Geistergeschichten seines Bruders – z. B. von den Würgegeistern, die sich Kinder holen.
 
|Loch Ness| – zwei Amerikaner begeben sich auf Tauchgang nach dem Ungeheuer von Loch Ness – mit üblem Ausgang.
 
|Sand| – Fay und ihr Mann Neil landen auf der Suche nach einem Motel in dem Kaff Saltpoint. Bei dem Zusatz „Frieden Eurer Asche“ auf dem Wegweiser in die Stadt stockt ihnen der Atem, denn er wirkt wie mit Blut geschrieben – und er ist nicht der Einzige seiner Art.
 
|Die Kinder von Nonstrom| – Norwegen, Helen fährt mit ihrem Mini-Cooper durch ein Unwetter und kreuzt ihren Weg mit einem Pferdegespann, auf dem eine alte Nonne und zehn Kinder sitzen. Als Helen in dem einzigen Wirtshaus in Nonstrom von ihrer Begegnung berichtet, reagieren die Menschen sehr sonderbar.
 
|Der Kongress| – Die Passagiermaschine Flug Nr. 9031 befindet sich in der Gewalt der „Soldaten des Friedens“ – die es mit besonderen Kongressteilnehmern als Reisende zu tun bekommen. Dem Anführer der Geiselnehmer wird bald klar, dass nicht alles koscher ist und er sich den falschen Flug ausgesucht hat.
 
|Invasion| – William Taylor, genannt Foxey, hat im Wald mit seinen Freunden eine schreckliche Begegnung mit blauhäutigen Wesen aus zigarrenähnlichen Raumschiffen.
 
|Smaragd| – eine E-Mail, eine Website und der Tod, der die ereilt, die die Website besuchen und den „Smaragd“ ansehen. Es entbrennt ein Krieg zwischen Internetbenutzern und Computerhassern – doch einer scheint von alledem gefeit.
 
|Zimmer mit Ausblick| – Prince Edwards Islands. Zwei Ermittler gehen in einem Hotel einem mysteriösen Vorgang auf den Grund, denn in Zimmer 206 soll es spuken. Darin wohnte ein junger Mann, der verschwand, nur sein linker Daumen liegt auf dem Laken des Bettes.
 
|Der lachende Mann| – Daniel Wagner hört von seinem Sohn Jonas von dem „lachenden Mann“ im Kindergarten. Doch dort arbeiten nur Frauen. Von der Kindergärtnerin erfährt Jonas‘ Mutter dann, dass ihr Sohn seit Tagen wie ausgewechselt ist, und er hat dort den „lachenden Mann“ gemalt – ein Bild zum Fürchten. Das Unheil nimmt seinen Lauf.
 
|Wölfe| – Howard Jennings und sein Freund Butch gehen auf Wolfjsagd, geraten an ein besonderes Exemplar – und finden eine junge Frau bewusstlos im Schnee.
 
|Irrtum| – David schreibt Geschichten und hofft dafür einen Lektor zu gewinnen. Um sein Glück zu forcieren, besucht er die alte Amalia und bittet sie um ein Erfolgsritual.
 
|Ich weiß, was kommt| – Beate Heinrich sieht sich mit der Aussage der kleinen Tochter ihrer verunglückten Freunde konfrontiert. Die Kleine behauptet vorhersehen zu können, was in der Zukunft passiert.
 
|Der See| – Dike ermordet seine Frau Carol, nachdem sie ihn mit dem Meister ihres Zirkels betrogen hat, um ewiges Leben zu erhalten. Dike versenkt ihre Leiche in einem See – und erlebt das Grauen.
 
|Ezsras Garten| – Birmingham: Tante Ezsra starb, als Greg 14 Jahre alt war, 1940 in den Kriegswirren, wird Greg mit seinem Bruder zu seinem Onkel Dan geschickt – dort angekommen geschehen im Garten der verstorbenen Tante seltsame Dinge.
 
|Der Turm| – erzählt die Geschichte einer mysteriösen Standuhr.
 
|Wasser| – handelt von einem Mann, der nach 50 Jahren seine Geschichte aufschreibt, die mit einem Anruf mitten in der Nacht beginnt, der sein Leben verändert.
 
|Staub| – Die Raumsonde Stardust landet in Utah – mit an Bord ist Staub eines viereinhalb Milliarden Jahre alten Kometen – damit beginnt das Unheil.
 
|Drachentod| – 1263, Carvan der Ritter entführt den Leser in eine Fantasywelt, denn er will es mit einem Drachen aufnehmen, dem jedes Jahr zwei Mädchen als Opfer dargebracht werden.
 
|Langemark| – das Schlachtfeld von Langemark, das Denkmal für die Gefallenen und die Geister/Seelen der im Oktober 1914 Gefallenen, die keine Ruhe finden, bilden den Plot dieser Story.
 
|Die Treppe| – September 1931, der Autor Arthur Simon hat in seinem Haus eine Treppe, die nichts mag, was lebendig ist.
 
|Ferro| – Der Tod kommt mit der Post, in einem DHL-Paket, das das Vermächtnis des verstorbenen Onkels eines Studenten enthält: 42 alte (Ferro)Tonbandkassetten und einen Recorder. Die Bänder enthalten Aufzeichnungen des Onkels, der Kontakt zu Toten aufgenommen hat.
 
|Augen| – Ein alter Mann, der alles beobachtet, sieht an Halloween Tote, die der Kanalisation entsteigen.
 
|Der Koffer| – Ein Koffer mit brisanten Papieren aus dem Zweiten Weltkrieg und Berichte über Kunstmenschen bestimmen den Plot dieser Erzählung.
 
|Der Tank| –  Carsten Bauer (Kommissar) hat einen besonders abscheulichen Fall aufzuklären – den Mord an zwei Jungen und zwei Mädchen, die in einem Tank unter einem Feld gefunden wurden. Bauer befragt den zehnjährigen Jonathan zu sonderbaren Beobachtungen, die der Junge in dem Zusammenhang gemacht hat.
 
|Hände| – En junges deutsches Paar (Vanessa und Thomas) lässt sich von einer alten Rumänin aus der Hand lesen. Thomas verschweigt seiner Frau, was ihm geweissagt wurde.
 
|Ednäh| – Vanessa kehrt zurück in die Karpaten, während ihr Mann im Krankenhaus liegt, denn sie will die alte Wahrsagerin erneut aufsuchen, um endlich zu erfahren, was diese aus Thomas‘ Hand gelesen hatte – und erfährt Ungeheuerliches.
 
|Vogelscheuchen| – Laura Kavanagh geht auf dem Weg zu ihrer Großmutter an Vogelscheuchen vorbei, die mehr als nur gespenstig sind.
 
|Immer noch| – Anja wird polizeilich zu einer mysteriösen Videoaufzeichnung befragt, auf der ein Mann neben ihr zusehen ist, der eigentlich nicht dort sein dürfte.
 
|Das Mädchen am Steg| – Jan wird an einem Steg von den Erinnerungen an ein verstörendes Erlebnis heimgesucht – mit Frieda, einem mysteriösen Mädchen mit langen schwarzen Haaren, das er auf dem Steg traf.
 
Den 31 Geschichten schließt sich mit „Elaine“ eine zusätzliche Story an, gleichzeitig die längste – und beste (was die anderen nicht schmälern soll), die nicht nur Edgar-Allan-Poe-Liebhabern eine Lesefreude sein wird. In „Elaine“ erhält Agenturchef Henry Franklin sonderbare Briefe eines Taylor Collins, der ihn von Frisco aus zu einem Besuch nach Oklahoma bittet und einen phantastischen Fund gemacht haben will. Das weckt Henrys Neugier, besonders als ihn eine seltsame alte Frau davor warnt und danach bei einem Unfall getötet wird.

Bei Collins angekommen, erfährt Henry, dass es sich bei dem Fund um Tagebücher eines Kolonialwarenhändlers handelt, die u. a. offenbaren, dass dieser mit seinen Eltern in Ägypten weilte und ihn der Totenkult und die Bestattungsriten zu interessieren begannen. Vor allem aber halten sie eine wichtige Begegnung mit Edgar Allan Poe fest, von dem er am 20. Dezember 1848 in Providence ein Manuskript erwarb, mit dem er sich zu Grabe tragen ließ. Henry und Taylor Collins beschließen das Grab zu öffnen, um an das Manuskript zu gelangen – doch Collins hat Henry etwas Wichtiges verschwiegen.
 
Stefan Melneczuk verfügt über einen gefestigten Stil und eine professionelle Sorgfalt. Erzählerische Dichte lassen, ebenso wie die enorma Bandbreite der Plots, diesen Kurzgeschichtenband zu einem literarischen Leckerbissen werden. Der Autor lädt die Leser nicht nur zu Reisen durch Deutschland und die USA ein, sondern auch zum Abtauchen in verschiedene Genres. Im Anschluss der Kurzgeschichten erlaubt uns Stefan Melneczuk in seinem Nachwort noch einen Blick „Jenseits der Schreibmachine“ – seiner Schreibmaschine – und lässt mit einer Danksagung den Band ausklingen. Eine runde Sache, die Lust darauf macht, mehr von dem talentierten „Fabulierer“ zu lesen.
 
Auch die Aufmachung des Bandes weiß voll und ganz zu überzeugen, die Entry-Grafik des kleinen handlichen Hardcovers ist der Halloween-Kürbis, der auch schon das Covermotiv ausmacht. Als Besonderheit ist nicht nur der Schutzumschlag mit dem Covermotiv versehen, sondern entfernt man ihn, befindet sich dahinter, nicht wie oft üblich, ein schlichter einfarbiger Einband, sondern ebenfalls das Covermotiv auf dem Buchdeckel. Das Papier und der Satz sind ebenfalls ohne Fehl und Tadel.

 
_Fazit:_

Stimmungsvoller, abwechslungreicher und kurzweiliger Kurzgeschichtenband eines Autors, der zu erzählen versteht. Dazu in einer ansehnlichen und edlen Aufmachung, die keine Wünsche offen lässt. Absolut empfehlenswert.

|Hardcover: 352 Seiten
Titelillustration/Titelgestaltung von Mark Freier
Innenillustration von Mark Freier
ISBN-13: 978-3898402842|
[www.BLITZ-verlag.de]http://www.BLITZ-verlag.de
[www.freierstein.de]http://www.freierstein.de

_Stefan Melneczuk bei |Buchwurm.info|:_
[„Marterpfahl. Sommer der Indianer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4719
[„Absurd. Unheimliche Geschichten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4785

Pötzsch, Oliver – Henkerstochter und der König der Bettler, Die

_Die |Kuisl|-Serie:_

01 [„Die Henkerstochter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4987
02 „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“
03 _“Die Henkerstochter und der König der Bettler“_

_Auch im dritten_ historischen Roman von Oliver Pötzsch, „Die Henkerstochter und der König der Bettler“, geht es rasant und spannend zu, diesmal allerdings muss Jakob Kuisl sich seiner Vergangenheit stellen und erfährt selbst, was die Qualen der Folter einem Mann antun können.

_Inhalt_

Wir befinden uns im Jahr 1662, zwei Jahre nach den Ereignissen in „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“. Der junge Medicus Simon Fronwieser und die Tochter des Schongauer Henkers Jakob Kuisl, Magdalena, sind ein Paar. Doch die verliebte Verbindung der beiden jungen Menschen ist nicht gern gesehen und findet im Verborgenen statt. Magdalena gilt als ehrlos, auch wenn sie zusammen mit einer Hebamme in Schongau arbeitet und das tägliche Leid der Schongauer Bürger behandelt. In deren Augen ist Magdalena eine zu tabuisierende Person, die in „Unehrlichkeit“ als eine Henkerstochter geboren wurde. Ihr Freund Simon Fronwieser ist ein talentierter, aber unausgebildeter Medicus, der sich ständig mit seinem Vater, dem in Schongau ansässigen Arzt, überwirft. Trotzdem verbindet Simon und den Henker Jakob Kuisl eine tiefe und respektvolle Freundschaft.

Nach einem Vorfall bei einem bekannten Ratsherrn hat Magdalena gestrichen die Nase voll und verliert die Geduld mit den Schongauer Bürgern, die ihr mit Hass und Feindlichkeit begegnen, sodass in der Nacht die Situation fast eskaliert. Jakob Kuisl kann seiner Tochter in der gefährlichen Situation nicht zur Seite stehen, da er sich auf die Reise nach Regensburg aufgemacht hat, um seiner Schwester Lisbeth zu helfen, die schwer erkrankt sein soll.

Die Reise nach Regensburg auf dem Floß ist ein gefährliches Abenteuer, und nur mit Hilfe von Jakob Kuisl erreicht das wackelige Floß die Reichsstadt Regensburg. Auf dem Floß folgt dem Henker ein Blick voller Hass, den sich Jakob Kuisl nicht erklären kann: Woher kennt er den Mann? Hat er ihn schon einmal foltern oder aus der Stadt peitschen müssen?

Es scheint wie verflucht zu sein. Kuisl wird von den Stadtwachen vor den Toren der Stadt Regensburg provoziert und sieht sich wenig später im Gefängnis wieder. Allerdings wird er schon nach einer Nacht entlassen und macht sich zum Badehaus seiner Schwester und ihrem Mann auf. Dort findet er die beiden mit durchgeschnittener Kehle im Badezuber vor. Wie bestellt tauchen urplötzlich die städtischen Büttel auf, verhaften den Schongauer Henker und bezichtigen ihn des Mordes.

Jakob Kuisl, der immer und immer wieder seine Unschuld beteuert, macht sich mit seinem Sturschädel nicht gerade beliebt, und vor dem Rat der Stadt gelingt es ihm nicht, die Herren von Regensburg von seiner Unschuld zu überzeugen. In einer peinlichen Befragung soll sein Geständnis erzwungen werden. Der erfahrene Regensburger Henker Teuber zeigt nun seinem inhaftierten Kollegen die fürchterlichen Folterwerkzeuge, die Jakob selbst bald spüren soll: Streckbank, Stachelwalze, Seilzug und Daumenschrauben. Zwar kann Jakob Kuisl seinen Kollegen davon überzeugen, dass es einige Ungereimtheiten bei diesem brutalen Mord gibt, der ihm zur Last gelegt wird, doch muss der Regensburger Henker dem Auftrag des Rates Folge leisten, und die Folter an Kuisl beginnt.

Kuisl ist sich sicher, dass alles eine perfekt inszenierte Falle gewesen ist, und dass jemand, aus welchen Gründen auch immer, den Henker sterben sehen möchte.

Inzwischen entschließen sich die Henkerstochter Magdalana und ihr Liebster Simon, der Stadt Schongau den Rücken zu kehren, die ihr nur mit Hass und nun auch mit Gewalt begegnet. In Regensburg möchte das junge Paar in einer gewissen Anonymität von vorne anfangen und ihre Liebe zusammen ausleben. Als die beiden in Regensburg ankommen, erfahren sie schnell von dem Monster Jakob Kuisl, der seine eigene Schwester brutal umgebracht hat und nun unter den Händen des Henkers seine Tat gestehen soll.

Magdalena und Simon geraten schnell in eine städtische Intrige und haben nur die Möglichkeit, ihr Schicksal in die Hände des Bettlerkönigs zu legen, um Jakob Kuisl zu befreien. Doch auch dieser hat seine eigenen Interessen, die er durchsetzen möchte.

_Kritik_

Es wird nun sehr persönlich für den Henker Jakob Kuisl und seine Familie. Aber auch Simon Fronwieser, der immer wieder nicht einer Meinung mit seinem in Selbstmitleid badenden Vater ist, muss sein Leben und damit auch seine Ziele neu finden.

Der Autor Oliver Pötzsch schleudert seinen Jakob Kuisl in die Konfrontation mit seiner Vergangenheit, die dieser am liebsten aus seinen Leben gestrichen hätte. Im großen Krieg (1618-1648) war Jakob Kuisl Soldat, Offizier einer Bande von brutalen Schlächtern, die mordeten, vergewaltigten und plünderten, wo sie nur konnten. Und so erfährt der Leser viel über die Vergangenheit des brummigen Henkers, der es immer gut verstanden hat, seine Vergangenheit nicht erklären zu müssen. Auch die Vergangenheit seiner Ehefrau, die er über alles liebt, bekommt nun eine vervollständigte, runde Erklärung.

Erzählt wird dieser historische Roman in zwei Handlungssträngen aus der jeweiligen Perspektive der Protagonisten: Jakob Kuisl, der inhaftiert und unter Folter einen Ausweg sucht, und Magdalena und Simon, die unterdessen unter Zeitdruck einen Weg finden müssen, die Intrige aufzuklären, um Jakob Kuisl zu befreien.

Beide Parts sind ungemein spannend, aber hauptsächlich wird sich der Leser auf das Schicksal des Henkers konzentrieren, der nun mit seinem eigenen Beruf konfrontiert wird. Allerdings auf der Seite des hilflosen Opfers, auf das die Tortur wartet, und er vermag nur seinen starken Willen als Waffe einzusetzen. Hier zeigt Jakob Kuisl auch ganz andere Aspekte seines Charakters. Alleine in der Dunkelheit seiner Zelle, kommen die Schatten seiner Vergangenheit näher, und diesmal muss sich der stattliche Henker ihnen stellen. Auch unter der Folter wird ihm klar, dass man ihn brechen kann, und er weiß nicht, wann der Zeitpunkt kommen wird. So stark und bärbeißig er in den letzten beiden Romanen auftrat, so schwach und vor allem verletzlich, auch psychisch gesehen, zeigt sich nun das andere, menschliche Gesicht des Henkers.

Ganz nebenbei vermag es der Autor noch, einen vielschichtigen und realistischen Blick in dieses Jahrhundert zu werfen. Durch die Beschreibung der Politik und der sozialen Strukturen der Gesellschaft ermöglicht es der Autor, dem Leser zu zeigen, wie interessant diese Zeiten waren, aber auch wie schwer es die Bevölkerung hatte und welchen täglichen Gefahren sie ausgesetzt war.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in ´, und das, so erzählt der Autor im Nachwort, ist seine Liebeserklärung an die Stadt. Und er beschreibt so einige Sehenswürdigkeiten und Orte dieser schönen bayrischen Stadt, die eine bewegte Geschichte besitzt. Oliver Pötzsch erzählt in seinem Rundgang mehr über die Orte, die Magdalena und Simon zwangsläufig passieren, was bei dem Leser, der vielleicht selbst in Regensburg oder Umgebung ansässig ist, einige geschichtliche Wissenslücken schließen wird.

Durchweg ist der vorliegende dritte Teil der „Henkerstochter“ der intensivste, was durch die persönlichen Erlebnisse der Protagonisten erklärbar ist. Spannend und abwechslungsreich sind die Erlebnisse der Protagonisten, und die sind vielseitig formuliert, sodass der Leser den Wendungen und Irrungen gut folgen kann. Doch einige Überraschungen wissen den Lesespaß gut zu fördern.

Einen großen Minuspunkt stellt die städtische Intrige da, denn diese ist so haarsträubend, dass man sich als Leser doch am Ende etwas ärgern muss. Unrealistischer kann es gar nimmer sein, und nach der Auflösung war ich doch ein wenig enttäuscht. Doch diesen Aussetzer umschifft Oliver Pötzsch am Ende doch noch, denn wie gesagt: Manchmal ist ein „Ende“ doch nur ein neuer „Anfang“ und der Leser wird sich auf den vierten Teil freuen. Denn das Ende birgt so viel Potenzial, dass man doch zu gerne wissen möchte, wie es denn nun weitergeht.

_Fazit_

Der stärkste, intensivste und zugleich sensibelste Teil um die Abenteuer der Kuisl. Historie kann spannend sein, wenn Oliver Pötzsch sie beschreibt. Fabelhafte Unterhaltung, die überzeugt, Spannung, die sich gezielt aufbaut, und Charaktere, in denen man sich wiederfindet. Bravo, Herr Pötzsch!

|Taschenbuch: 589 Seiten
ISBN-13: 978-3548281148|
[www.oliver-poetzsch.de/]http://www.oliver-poetzsch.de
[www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteinhc]http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteinhc

Cronin, Justin – Übergang, Der

_Justin Cronin hat sich_ der Literatur verschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Hochschullehrer unterrichtet an der Rice University in Housten (USA) Englisch, doch sein Talent und sein Interesse gilt dem aktiven Schreiben.

In seinem Debütroman „Der Übergang“ („The Passage“) schildert der Autor die Apokalypse, das Ende der Menschheit, auf so eindringliche Art, dass alle großen Filmstudios die Filmrechte des Buches kaufen wollten. |20th Century Fox| erhielt den Zuschlag, und nun wird der erste Teil dieser Trilogie höchstwahrscheinlich von Ridley Scott („Gladiator“, „Königreich der Himmel“, „Robin Hood“) verfilmt.

Hält man das Buch in den Händen, so schreckt man doch vor der Dicke des Romans zurück. Satte 1020 Seiten sind doch für so manchen Leser eine galante Herausforderung.

Ist nun „Der Übergang“ wirklich so gut, wie viele Kritiker behaupten, und hält er, was er verspricht, oder gehen die Handlung und die Dramatik im über 1000-seitigen Roman unter?

_Inhalt_

Army Harper Belafonte ist ein besonderes Mädchen. Ihre Mutter weiß es, ist aber mit der Herausforderung und der Verantwortung, eine Tochter zu haben, überfordert, und überlässt sie einem Nonnenkloster.

Zwei FBI-Agenten bekommen von einer hohen Regierungsstelle den Auftrag, zum Tode verurteilte Verbrecher in ihren Todeszellen aufzusuchen und sie für ein höchst geheimes Projekt zu gewinnen. Akzeptieren die zum Tode geweihten Männer und Frauen diesen Vorschlag, so gibt es sie offiziell nicht mehr und sie werden zu einer geheimen medizinischen Forschungseinrichtung in Colorado gebracht.

Auch Amy soll an dieser medizinischen Versuchsreihe teilnehmen und wird kurzerhand von den FBI-Agenten entführt. Doch Brad Wolgast, dessen Leben ein einziges Trümmerfeld nach dem Tod seiner Tochter und der Scheidung ist, überkommen schwere Gewissensbisse. Was gibt ihnen das Recht, dieses sechsjährige Mädchen zu entführen und sie in einer Forschungseinrichtung abzugeben, wo sie vielleicht nur der Tod willkommen heißt?

In der Forschungseinrichtung, in der die höchsten Sicherheitsbedingungen herrschen und die von Soldaten bewacht wird, soll ein Experiment die Menschen unsterblich machen, doch die Probanden, denen ein Virus infiziert wurde, verändern sich. Sie werden zu lichtscheuen, menschenähnlichen Kreaturen, mit nagellangen, spitz zulaufenden Zähnen. Die Gesichter hager und blass, die Gliedmaßen gleichen eher Raubtierkrallen, entwickeln diese eine hohe physische, unmenschliche Kraft. Als das Experiment aus dem Ruder läuft und die Einrichtung von den ehemaligen Häftlingen und nun Monstern überrannt und vernichtet wird, droht ihr Hunger nach Blut alles Leben auf dem amerikanischen Kontinent auszulöschen. Ein Alptraum für die Menschheit, denn sollte es den „Virals“, wie sie später genannt werden, gelingen den Kontinent zu verlassen, so wäre dies die Apokalypse für die Gattung Mensch.

Mit knapper Not gelingt es Wolgast, Amy zu befreien und zu fliehen. Ihr Weg führt sie quer durch die USA, aber mit rasanter Geschwindigkeit breitet sich das Virus aus, und ganze Städte und Regionen werden entvölkert. Abgeschieden verstecken sich die beiden eine Zeit lang, doch es kommt, wie es kommen muss: Das Virus holt sie ein und Wolgast findet den Tod.

Knappe hundert Jahre später: Die Menschheit ist nicht zur Gänze ausgestorben, aber deutlich dezimiert. Die USA gibt es nicht mehr, es gab Hungersnöte, bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, und selbst Nuklearwaffen wurden eingesetzt. Die letzten Überlebenden verschanzen sich in Festungen, die durch hohe Mauern und schwere Scheinwerfer mit enormer Leistung gegen die unzähligen „Virals“ geschützt werden. Es herrschen strenge Gesetze hinter diesen Mauern, denn nur so haben es die Menschen schaffen können zu überleben. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Reserven der Generatoren, die die Scheinwerfer mit Strom versorgen, zur Neige gehen, und mit der Dunkelheit käme das Ende dieser „Kolonie“ von Überlebenden.

Als Amy vor den Toren dieser Kolonie steht, gleicht es einem Wunder, denn bisher gab es nur wenige „Walker“, die überlebt und den Weg hinter die Mauern in den geschützten Bereich gefunden haben. Als während dieser Rettungsaktion „Virals“ auftauchen und Amy dabei verletzt wird, tauchen schnell die ersten Fragen auf: Wer ist das junge Mädchen, das schätzungsweise gerade erst 16 oder 17 Jahre alt sein kann? Und warum verheilen ihre Wunden derartig schnell? Wie konnte sie ganz alleine in der Einöde, die von „Virals“ verseucht ist, überleben?

Es scheint so, dass Amy der Schlüssel zum Überleben und dem Fortbestand der Menschheit ist. Doch auch in der Kolonie gibt es andere Meinungen und ganz persönliche Interessen …

_Kritik_

„Der Übergang“ bedient sich im Grunde einer der vielen bekannten apokalyptischen Ideen. In „The Stand – Das letzte Gefecht“ von Stephen King ist es ebenfalls eine vom Militär entwickelte Waffe, die die Menschheit an den Rand der Vernichtung bringt, und in [„Die Straße“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3648 von Cormac McCarthy macht sich eine fast identische Dramatik breit, wenn der Autor die Regionen und ausgestorbenen Städte beschreibt.

Auch in dem Bestseller-Roman von Justin Cronin ist es das ungefähr gleiche Bild, das sich dem Leser präsentiert. Wie um die These zu beweisen, dass sich die Menschheit am Ende selbst umbringt, beschreibt Cronin eine eindringlich, traurige, depressive Welt.

Im ersten Drittel des Buches beschreibt der Autor quasi in der Einleitung die Experimente und den Ausbruch des Virus‘, aber leider beschreibt er zu wenig, wie Menschen dagegen angehen und es bekämpfen. Nach nur wenigen Seiten ist die Menschheit in geballter Form vernichtet; wie es auf den anderen Kontinenten aussieht, verschweigt Cronin leider. Gibt es dort Hoffnung? Gibt es ein Heilmittel? Offene Fragen, die dem Leser noch nicht befriedigend beantwortet werden.

Die „Virals“, wie sie im Buch genannt werden, sind eine Symbiose aus Vampiren und Zombies; ob sie nun intelligent sind oder einfach nur Bestien, bleibt auch unbeantwortet. Greifen sie aus Instinkt an, oder sind ihre Reaktionen aus Erfahrungen abgeleitet und erlernt? Sie sind jedenfalls auch „sterblich“, wenn auch ihre Achillesferse nicht am Fuß zu finden ist. Ansonsten verfügen sie über immense Körperkraft, können wahnsinnig weit und hoch springen, sind wahre Akrobaten und haben einen unbändigen Appetit auf Blut, der sie fast alles vergessen lässt.

„Der Übergang“ von Justin Cronin ist nur der Auftakt einer Trilogie um Amy, und der versteht sich, so habe ich es beim Lesen empfunden, als eine Einleitung. Der Stil des Autors in seinen Beschreibungen einzelner Szenen ist gewöhnungsbedürftig, manchmal kurz und knapp, manchmal allzu ausführlich, und es gibt so manchen Cliffhanger innerhalb der Geschichte. Doch die Handlung zieht sich gekonnt durch die Geschichte und hält den Spannungsbogen im positiven Bereich.

Der zeitliche Sprung von knapp 90 Jahren war zu schnell. Gerne hätte man doch gewusst, wie es nach dem Ausbruch weiterging. Das wird zwar auch angerissen, aber auch hier wieder nur spärlich. Cronin konzentriert sich auf seine Protagonistin Amy und verfehlt manchmal die Bedeutung von Nebenschauplätzen und Geschichten, die dem Roman noch mehr Tiefe hätten geben können. Zum Beispiel das Leben innerhalb der Kolonie, ohne den für uns täglichen angenehmen Luxus, ohne Nahrungsmittel, derer wir uns unendlich bedienen können, oder kulturelle Unterhaltung. All das passte wohl nicht ins Schema, aber im Grunde hätte es das Gesamtbild viel runder machen können.

Im Grunde – mal abgesehen von der Spannung, die ja vorhanden ist – gibt es zu viele Lücken, die einfach nicht mit interessanten Charakteren oder Nebengeschichten aufgefüllt werden. Das Gerüst der Geschichte steht zwar, meiner Meinung nach aber auf sehr instabilen Grundfesten. Hinzu kommt noch etwas mehr Verwirrung, wenn auf einmal die Rede von gefundenen Berichten ist und man hier auf die Jahreszahl achtet. Z. B. „1003 n. A.“ soll heißen „nach Ausbruch des Virus'“. Wieder eine große zeitliche Lücke, die weitere Fragen aufwirft.

_Fazit_

„Der Übergang“ von Justin Cronin ist mit Sicherheit ein Bestseller, und es ist mit Sicherheit auch dem hervorragenden Marketing zu verdanken, dass sich das Buch in vielen Diskussionen rund um die Literatur wiederfindet. Doch im Grunde ist es nichts Besonderes, es ist, wie gesagt, eine Einleitung, die auf bekannten apokalyptischen Themen fußt. Und da viele Fragen unbeantwortet bleiben, gibt es viel Volumen für den zweiten und dritten Teil.

Man darf gespannt sein auf eine Verfilmung, aber gemessen an dem vielseitigen Buch, darf man vermuten, dass die Umsetzung reines Actionkino sein wird, aber das Buch ist dies nicht, es ist eher vielschichtiger, als es uns lieb sein kann. Vielleicht findet der Autor im zweiten Teil einen gesunden Mittelweg und überzeugt den einen oder anderen Leser mehr.

„Der Übergang“ kann ich bedingt empfehlen. Es ist, wie der Titel schon sagt, eine Passage, und wir dürfen gespannt sein, was uns am Ziel erwartet!

|Hardcover: 1024 Seiten
Originaltitel: The Passage
Aus dem Englischen von Rainer Schmidt
ISBN-13: 978-3442311705|
[www.der-übergang.de]http://www.der-übergang.de
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann

_Justin Cronin bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Übergang“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6541

Marsh, Richard / von Werder, Max – Skarabäus, Der (Nachtmahr 1) (Hörspiel)

_|Nachtmahr|:_
01 _Richard Marsh – „Der Skarabäus“_
02 H. P. Lovecraft – „Das Grauen von Dunwich“
03 M. R. James – „Verlorene Herzen“

_Inhalt:_

London, im ausgehenden 19. Jahrhundert

Sydney Atherton besucht seinen alten Freund Paul Lessingham, einen reisenden Forscher, der völlig aus dem Häuschen gerät, als ein Unbekannter bei ihm einbricht. Noch denkt sich Sydney nichts bei dem Vorfall, doch dann macht er die Bekanntschaft einer unbekannten Frau, die so schön, wie geheimnisvoll ist. Diese trachtet Lessingham nach dem Leben und bietet Sydney die Liebe der bezaubernden Marjorie Lindon an, in die er einst verliebt war, die sich aber schließlich für Paul entschieden hat, wenn er ihr hilft. Sydney lehnt entrüstet ab. Der Einbrecher war ein Landstreicher, der in einem alten Haus eine grauenhafte Entdeckung gemacht hat und sich seitdem an nichts erinnern kann. Gemeinsam mit Marjorie und dem Obdachlosen stattet Sydney dem Haus einen Besuch ab und trifft auf die geheimnisvolle Schönheit, die Marjorie in ihren Bann schlägt. Mit ihrer Hilfe soll ein uralter Fluch seine Erfüllung finden …

_Meinung:_

„Der Skarabäus“ ist die Vertonung des gleichnamigen Schauerromans von Richard Marsh, der zur selben Zeit entstand wie Bram Stokers Dracula, seinerzeit aber eine ungleich höhere Beachtung fand. Mit diesem Hörspiel startet das Newcomer-Label Wolpertinger-Hörbücher seine Reihe NACHTMAHR, in der laut Untertitel, die vergessenen Klassiker der Horror-Literatur erscheinen sollen. Vom Konzept her ähnelt die Reihe dem großartigen GRUSELKABINETT von Titania Medien, doch die Fülle an unheimlichen Erzählungen und Romanen ist derart enorm, dass beide Reihen ihre Existenzberechtigung finden, denn angesichts des hohen Produktionsstandards des Hauses Wolpertinger, bleibt zu hoffen, dass NACHTMAHR noch viele Fortsetzungen erleben wird.

Der Roman von Richard Marsh wurde an vielen Stellen gekürzt und gestrafft, sodass der Hörer letztendlich in den Genuss eines atmosphärisch sehr dichten Hörspiels kommt, das mit einer Laufzeit von 52 Minuten eine optimale Länge besitzt. Der Plot an sich, ist nicht die Neuerfindung des Rades und bietet schaurig schöne Gruselkost im guten alten Gothic-Novelle-Stil. Der Fluch einer ägyptischen Hohepriesterin findet einfach in zu vielen Horror-Storys Verwendung, um wirklich zu überraschen, dennoch findet das Hörspiel in puncto Dramaturgie neue Wege, sodass auch Genre-Kenner ihre Freude an dem Produkt haben werden.

Besetzungstechnisch überzeugt das Hörspiel durch eine ausgewogene Mischung aus bekannten und weniger bekannten Schauspielern. Hans Peter Hallwachs gibt mit seiner kräftigen, dunklen Stimme den Erzähler, an dessen Vortragsstil man sich zugegebenermaßen erst gewöhnen muss. Zunächst wirkt die monotone Art von Hallwachs etwas befremdlich, doch im Laufe der Geschichte gewinnt das Hörspiel, das immerhin im steifen viktorianischen London spielt, dadurch an Intensität und Atmosphäre. Etwas zu theatralisch und überzogen agiert da schon Franziska Pigulla, die als Hohepriesterin nicht unbedingt furchterregend herüberkommt, aber dennoch eine hörenswerte Darbietung liefert. Die Rolle der Marjorie Lindon wurde von Anne Carlsson umwerfend gespielt, ebenso wie der Part von Paul Lessingham von Bernd Rumpf. Als Protagonist ist Wolfram Koch zu hören, der den weltoffenen Lebemann Sydney Atherton kongenial verkörpert. Die Musik ist düster, bedrohlich und absolut passend für ein historisches Gruselhörspiel. Die Stücke laufen dezent im Hintergrund und die Effekte vermitteln einen realistischen Eindruck von der Umgebung. Ein überzeugendes Debüt für ein vielversprechendes Label.

Mit der Aufmachung haben sich die Macher selbst übertroffen! Das Cover ziert eine künstlerisch durchschnittliche Illustration von Felix Gephart, die perfekt zum Titel passt und den Hörer neugierig macht. Aber allein die Ausstattung des Booklets ist grandios. Neben umfassenden Informationen zum Autor und zur Geschichte, gibt es von jedem Sprecher ein Foto in Form einer kleinen Galerie sowie eine detaillierte Karte des Londons im ausgehenden 19. Jahrhundert als Beilage. Die Mühe, die sich mit dem Layout und der Ausstattung gegeben wurde, verlangt einfach nach Beachtung und Anerkennung und sollte beispielhaft für die Produktionen anderer Labels sein.

_Fazit:_

Ein Gruselklassiker als atmosphärisch intensives Hörvergnügen. Tolle Sprecher und eine exorbitante Soundkulisse machen das Debüt der NACHTMAHR-Reihe zu einem vollen Erfolg. Allein die tolle Aufmachung ist jeden Cent wert.

|Audio-CD mit 52 Minuten Spieldauer
Titelillustration von Felix Gephart
Karten von Ida M. Opitz
Fotos von Sabine Weigold
ISBN-13: 978-3941709010|
[www.wolpertinger-hoerbuecher.de]http://www.wolpertinger-hoerbuecher.de

_Florian Hilleberg_

Oelker, Petra – Nacht des Schierlings, Die

_|Rosina und Claes|:_

01 „Tod am Zollhaus“
02 „Der Sommer des Kometen“
03 „Lorettas letzter Vorhang“
04 „Die zerbrochene Uhr“
05 „Die ungehorsame Tochter“
06 „Die englische Episode“
07 „Der Tote im Eiskeller“
08 „Mit dem Teufel im Bunde“
09 „Die Schwestern vom Roten Haus“
10 _“Die Nacht des Schierlings“_

_Inhalt_

Hamburg, 1773: Das Leben ist kompliziert geworden für Molly, die Tochter des verstorbenen Konditormeisters, seit ihre Mutter wieder geheiratet hat. Nicht nur, dass sie ihren Vater vermisst – die Situation im ehemals so fröhlichen Haus ist angespannt. Der neue Meister versteht es blendend, sich in der Stadt Feinde zu machen, und so steht Weddemeister Wagner vor einem Rätsel mit vielen möglichen Antworten, als der leblose Körper des Mannes frühmorgens im Fleet entdeckt wird. Noch ehe sich tatsächlich herausstellt, ob der Mann einem Mord oder einem Unfall zum Opfer gefallen ist, fliegen die Gerüchte nur so durch die Stadt.

Rosina Vinstedt, ehemalige Komödiantin, nun verheiratete brave Bürgerin und Detektivin aus leidenschaftlicher Neugierde, muss einen doppelten Schlag verkraften: Der Fokus der Ermittlungen liegt ausgerechnet auf Muto, dem Akrobaten der Beckerschen Komödiantengesellschaft – auf dem Jungen also, den sie hatte aufwachsen sehen, der wie ein kleiner Bruder für sie war. Während Rosina wie eine Löwin kämpft, um den Verdacht von Muto abzulenken, erscheint auch ein anderer den hamburger Mitbürgern verdächtig: Claes Herrmanns, Rosinas Freund und Gönner, soll sich in jener Nacht eigentümlich verhalten haben, und hatte der Klatsch nicht einmal eine pikante Verbindung zur Stieftochter des Toten geschaffen?

Während der sonst so angesehene Kaufmann und seine reizende Frau Anne herausfinden können, wer tatsächlich ihre Freunde sind und wer plötzlich die Straßenseite wechselt, verstricken sich Wagner und Rosina immer tiefer in die Geschichte des toten Konditormeisters und finden heraus, dass es unter all den Schichten aus Klatsch noch etwas ganz anderes gibt. Speziell für den Weddemeister wird die Ermittlung aber zum Balanceakt, denn wo ein reicher Kaufmann verdächtigt wird, mischt sich gern die Politik ein und pfeift dem treuen Kettenhund, um ihn zu zeigen, welchen Weg er einschlagen soll. Und das mag Wagner so gar nicht …

_Kritik_

Rosinas zehnter Fall vereint all die liebgewordenen alten Freunde wieder: Die Gesellschaft, mit der die junge Komödiantin durch das Land gezogen war, nimmt einen längeren Aufenthalt in Hamburg und hat so jede Menge Möglichkeit, Probleme zu bekommen.

Es macht immer wieder Spaß, auf Petra Oelkers Pfaden durch das Hamburg des achtzehnten Jahrhunderts zu wandern; nicht nur, dass sie sich in ihren Beschreibungen an die Originalkarten hält, nein, sie beleuchtet immer neue Aspekte der damaligen Gesellschaft. Diesmal ist es besonders das Apothekerwesen, das sie bei ihrer sorgfältigen Recherche genau unter die Lupe genommen hat, und die Beschreibungen führen den Leser direkt in die dunklen Räume, in denen Medizin, Quacksalberei und Wunderglaube so nahe beieinander liegen.

Petra Oelker ist unnachahmlich gut in Beschreibungen; ohne aufdringlichen Lehrauftrag vermittelt sie interessant und nachvollziehbar Fakten, während sie ihre fiktive Geschichte erzählt. Eine weitere Stärke der Autorin sind die Charaktere; alle haben sie ihre kleinen Eigenheiten, die sie unverwechselbar machen, ihre Hoffnungen, Ängste, Wünsche, Stärken, Schwächen und Prinzipien. Und wenn diese Dinge bei Nebenfiguren auch nur kurz angerissen werden – denn Oelker verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten -, so hat man doch immer das Gefühl, die jeweilige Person zu kennen.

Ein angenehmer, dem Genre des historischen Kriminalromans angemessener Stil rundet das durchweg positive Bild ab: Es gibt keine Stelle, an der man schmerzlich das Gesicht verziehen müsste, weil die Autorin sich im Tonfall vergriffen hätte. Nach zehn Fällen für Rosina hat sie da wohl auch Routine.

_Fazit_

Wer historische Romane auf hohem Niveau mag und Petra Oelker noch nicht kennt, sollte dieses Versäumnis schnellstmöglich korrigieren. Sie ist ganz klar eine der besten auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum und verknüpft mit ihren Fähigkeiten Erzählkunst, Stilsicherheit, historisches Wissen und Menschenkenntnis zu immer neuen spannenden Abenteuern liebevoll ausgearbeiteter Helden.

|Taschenbuch: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3499254390|
[www.rowohlt.de]http://www.rowohlt.de
[www.petra-oelker.de]http://www.petra-oelker.de

Rickman, Phil – Turm der Seelen, Der

_Die „Merrily Watkins“-Romane:_

01 „Frucht der Sünde“
02 [„Mittwinternacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6067
03 [„Die fünfte Kirche“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6283
04 _“Der Turm der Seelen“_
05 „Der Himmel über dem Bösen“
06 „Die Nacht der Jägerin“ (Januar 2011)
07 „The Smile of a Ghost“ (noch kein dt. Titel)
08 „Remains of an Altar“ (noch kein dt. Titel)
09 „The Fabric of Sin“ (noch kein dt. Titel)
10 „To Dream of the Dead“ (noch kein dt. Titel)
11 „The Secrets of Pain“ (noch kein dt. Titel)

_Inhalt_

Merrily Watkins, Beraterin für spirituelle Grenzfragen des Bistums Herefordshire, wird gleich zweimal um Hilfe gebeten: Die streng gläubigen Eltern der vierzehnjährigen Amy glauben, dass ihre Tochter besessen ist. Tatsächlich verhält sich das Mädchen ausgesprochen unnormal – aber ob tatsächlich das Böse dahinter steckt? Und in einem alten Hopfenturm soll es spuken. Der Besitzer bittet Merrily um einen Exorzismus.

Beide Geschichten entwickeln ein beunruhigendes Eigenleben, das Merrily nur nach und nach durchdringt. Die unheimliche Historie des Hopfenturms führt mehrere Generationen zurück bis zu Differenzen zwischen den Anwohnern und Saisonarbeitern der Roma, und nach und nach legt Merrily den Kern dessen frei, was nach so langer Zeit noch nach Rache sucht. Da man ihr Informationen vorenthält, gerät Merrily unvorbereitet in die Nähe von etwas, das überraschend stark, alt und unversöhnlich ist. Als wäre das nicht kompliziert genug, trifft sie Lol wieder, den sensiblen Musiker, den sie vor einiger Zeit getroffen und beinahe geliebt hätte. Ist es Zufall, dass er in der Gegend ist? Und inwieweit ist er in die Geschehnisse um den Hopfenturm verstrickt?

Kein Wunder, dass sie bei all dem Stress kaum Zeit hat, sich um ihre Tochter Jane zu kümmern. Die Sechzehnjährige hat eigene Probleme, mit denen sie sich herumschlagen muss. Eines davon betrifft Eirion, den stoischen Waliser, mit dem sie seit einigen Monaten liiert ist: Wie soll es mit ihnen weitergehen? Teils geht es Jane nicht schnell genug, teils wird es ihr zu rasant, zu erschreckend ernst mit dem Jungen. Und so ganz nebenbei stolpert sie auch noch in den zweiten Fall, den ihre Mutter zu bearbeiten hat: Die möglicherweise besessene Amy geht auf Janes Schule – und sie hat ein Geheimnis, das aus dem Ruder zu laufen droht …

_Kritik_

Der vierte Fall für Hochwürden Merrily Watkins bringt Dinge in Bewegung, die im letzten Band („Die fünfte Kirche“) auf der Stelle traten. Ab und an fragte man sich schon, ob Merrily irgendwann auch mal ein Erfolgserlebnis haben wird, und jetzt endlich erscheint sie mal ein bisschen souveräner. Lol wieder zu treffen, ist ein wenig wie das Wiedersehen mit einem alten Freund, aber ungleich spannender ist einmal mehr die Entwicklung Janes. Wie Rickman, der selbst keine Tochter hat, die komplizierten Prozesse im Innern einer Heranwachsenden darstellt, ist unglaublich. Mit Eirion ist ein passender Gegenpart zu dem impulsiven Mädchen geschaffen worden, und die alternativen spirituellen Strömungen zur anglikanischen Kirche unter den Jugendlichen in der englischen Provinz, sind einmal mehr nicht nur interessant dargestellt, sondern auch überraschend realitätsnah: Der Wiccaglauben ist die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft der britischen Inseln momentan.

Rickman schreibt stilistisch sauber und dem unterschiedlichen Hintergrund seiner Protagonisten gemäß sowohl passend als auch originell. Die Geschichte der Roma-Arbeiter ist spannend und unmittelbar erzählt, und mit ihnen als Medium ist es fast noch einfacher als sonst, Rickman die untrennbare Verknüpfung von Wissenschaft und Übernatürlichem abzunehmen. Wobei das ja nie ein Problem war: Rickman schlingt die Stränge aus Alltäglichkeiten, kleinen Sorgen und Freuden, aus normaler menschlicher Niedrigkeit und aus Geistererscheinungen so sorgfältig umeinander, dass sie als homogenes Ganzes erscheinen und ein sehr eigenes, zwingendes Muster ergeben.

_Fazit_

Phil Rickmans Reihe um Merrily Watkins und ihre Tochter Jane ist eine gelungene Melange aus Mystery und Krimi, innovativ erdacht und gefällig niedergeschrieben. Die eine oder andere Länge verzeiht man gern, und „Der Turm der Seelen“ selbst hat mir noch einmal mehr Kurzweil bereitet als der vorangegangene Band der Reihe.

Wer sich unter der Mischung einer sehr bodenständigen Exorzismusbeauftragten und unerklärlichen Phänomenen noch nichts vorstellen kann, wer den kalten Schauer des Unheimlichen genauso mag wie die Introspektionen zweier sehr eigener junger Frauen, der sollte hier unbedingt zugreifen. Rickman ist ein sehr, sehr guter Erzähler, und seine Geschichten sind alles andere als alltäglich.

|Taschenbuch: 624 Seiten
Originaltitel: The Cure of Souls
Aus dem Englischen von Karolina Fell
ISBN-13: 978-3499253331|
[www.rowohlt.de]http://www.rowohlt.de
[www.philrickman.co.uk]http://www.philrickman.co.uk