_Taekwondo – jeder wird_ den Begriff schon gehört haben. Dahinter verbirgt sich eine koreanische Kampfsportart, die aus mehreren historischen Kampfkünsten hervorgegangen ist und sich die besten Techniken und Methoden zu eigen gemacht hat. Der Name selbst ist ein zusammengesetztes Wort aus Tae, Kwon und Do, wobei „Tae“ Fuß bedeutet und für alle Fußtechniken des Kampfes steht, „Kwon“ bedeutet Hand oder Faust und steht demnach für die Handtechniken, während „Do“ als philosophischer Bestandteil Weg heißt und für den geistigen Weg der Entwicklung steht, worunter sich jeder seine Vorstellung machen kann, denn es lässt sich schwer beschreiben. Sicher ist, dass ein sogenannter „Taekwondoin“, also ein Ausübender des Sportes, lernen soll, sich seiner Kraft und Fähigkeiten höchst bewusst zu sein und mit Bescheidenheit – ähnlich der Shaolinmönche – das Leben zu meistern. Dass dieser Anspruch in den Niederungen der europäischen Kampfsportszene nachlässiger behandelt wird, ist schon aufgrund der Bezeichnung dieser Bewegungskunst als „Kampfsport“ klar.
Es gibt im Taekwondo natürlich, ähnlich wie in anderen Kampfkünsten, einen durch farbige Gürtel markierten Leistungsgrad, innerhalb dem jeder Ausübende sich weiterentwickeln kann. Die entsprechenden Leistungsprüfungen bestehen aus theoretischen Fragen durch die Prüfer, wie auch aus verschiedenen Aufgaben aus der Technik, die der Prüfling absolvieren muss. Dabei kommen immer die Konzentrations- und Bewegungsübungen in Form von systematisierten Kämpfen gegen imaginäre Gegner zum Zug, die für jeden höheren Grad eine anspruchsvollere Form bereitstellen. Hier gibt es zwei hauptsächliche Klassen: Der Hyong, der die historischen Übungen der Entwickler dieses Kampfsports exakt darstellt, sowie die Poomse, eine leicht abgewandelte Form, die teilweise etwas weniger kompliziert und damit leichter erlernbar ist. Abgenommen werden in Prüfungen beide Formen, so kommt es auf den entsprechenden Trainer an, welche bevorzugt und damit gelehrt wird.
_Dr. Held, der_ das vorliegende Buch konstruierte und verfasste, steht auch selbst Modell für die vielen und ausführlichen Fotoreihen, mit deren Hilfe er die Hyongs anschaulich lehren will. Die Bilder zeugen davon, dass er noch ein junger Mann ist, und die festgehaltenen Positionen, Stellungen und Techniken zeigen abseits von oftmals in anderer Literatur vorgefundenen stilisierten Skizzen sehr genau, wie der Kämpfer zu wirken hat.
Die Fotostrecken bilden den Hauptteil des Buches und nehmen auch den größten Teil der Seiten ein. Schritt für Schritt wird hier dargestellt, wie so ein Hyong abläuft und vor allem auch, mit welchen Kniffen und Rhythmen die richtigen Bewegungen zur richtigen Zeit zu erfolgen haben, um die Form exakt nachvollziehen zu können. Recht knappe wörtliche Anweisungen begleiten die Bilder und greifen dort ein, wo das Bild allein nicht ausreicht, um zum Beispiel die Richtung, die Drehung oder den Rhythmus darzustellen.
Aufgelockert wird die Folge der Übungen von historischen und philosophischen Texten zur Kampfsportart und den geistigen Ansprüchen der Erfinder, die sich durch ihre eigentliche Friedfertigkeit auszeichnen und damit eigentlich im Gegensatz zu der Tatsache stehen, dass Taekwondo eine Kunst des Krieges ist. Doch wie so viele gerade asiatische Kriegsphilosophen und Meister von konzentrationsstarken Kampfkünsten liegt ein Hauptaugenmerk in der mit den Übungen verbundenen Meditation und damit einhergehenden Selbstreinigung, wie man es umschreiben könnte. Die vielzitierte Explosion im plötzlichen Kampf und die Perfektion der Kampfkunst sind nur Ausdruck und Kanalisierung dieser Meditation.
_Insgesamt lässt sich_ sagen, dass das Buch natürlich nicht dazu dienen kann, einem Laien und Nichtsportler das Taekwondo und die prüfungsrelevanten Hyongs beizubringen. Held richtet sich an Ausübende des Sportes, die regelmäßig trainieren und für ihr eigenes Training oder die Prüfungsvorbereitung eine Hilfe oder ein Nachschlagewerk benötigen. Was das Buch trotzdem für Laien interessant macht, sind vor allem die eingeschobenen Textpassagen, die auf ihre Art eindringlich und nachdenklich sind und vielleicht das Interesse an dem Sport wecken, auf jeden Fall aber interessante Rückblicke auf die Geschichte dieser Kunst gestatten.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Die vier Level: Showdown mit dem Schulmeister _
Es ist der 31. Oktober. Ganz Giebelstein feiert Halloween. Bis das Licht ausgeht in der alten Schule – und ein unheimlicher Besucher durch die schwarzen Gänge des Gebäudes streift. Er ist auf der Suche nach Schülern. Denn er ist ihr Direktor – auch wenn er seit vielen Jahren tot ist …
Kyra, Lisa, Nils und Chris ahnen nichts Böses, als sie Nils‘ Monstermasken aus der Schule holen wollen. Doch plötzlich verschwindet Lisa vor den Augen der anderen. Und ein schrecklicher Albtraum nimmt seinen Lauf … (abgewandelte Verlagsinfo)
Dieser achte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
|PROLOG|
Es ist der 31. Oktober, und nicht nur in Giebelstein selbst, sondern auch an der alten Schlossschule feiert man Halloween auf möglichst gruselige Weise. Es ist schon spät, doch der Schüler Toby hat noch Wachdienst in den Gängen des Altbaus, der schon lange von einem Neubau abgelöst worden ist. Die Mumien und PSYCHO-Duschkabinen sind alle verlassen, draußen im Hof spielt eine Heavy-Metal-Band.
Auf einmal fegt ein Windstoß durch die dunklen Gänge. Toby folgt ihm in das Zimmer, in dem Mrs. Bates, die Mutter des PSYCHO-Schlitzers Norman Bates, in einem Lehnstuhl sitzen soll – eigentlich nur tagsüber, dargestellt von einer grässlich fauchenden Schülerin. Doch jetzt sollte der Stuhl leer sein. Doch darin sitzt ein Mann! Er steht auf und stellt sich als Tobys Direktor vor. Die Tür fällt zu, und er ist eingesperrt. Der Mann behauptet, Toby müsse bestraft werden, weil er einem Mädchen nachgehechelt habe. Der Stock des „Direktors“ saust auf Toby hernieder – und der Junge sieht sich in eine Albtraumwelt versetzt: endlose Reihe von Schulbänken und eine endlose Tafel. „Schreib: Ich bin ein böser Junge“, fordert der Direktor …
|Haupthandlung|
Lisa, Kyra, Nils schauen zu, wie Chris eine beeindruckende Show als Zauberer gibt, und die versammelten Schüler der Schloss-Schule applaudieren ebenfalls begeistert. Lisa holt ihren Schwarm Chris hinter der Bühne ab, dann gehen sie los, um sich um Nils‘ Monstermasken zu kümmern, die noch in der Ausstellung sein müssen. Bei ihrem Gang stoßen sie auf den alten Schulmeister, der schon vor hundert Jahren gestorben sein soll. Er wirkt viel zu lebendig. Und zu allem Überfluss melden sich auch noch ihre magischen Siegel: Er ist definitiv böse!
Auf ihrer Flucht durch den Altbau stoßen sie auf eine Feuertreppe, auf der ein Feuer ihnen entgegenlodert – sehr witzig, finden sie. Es ist nur scheinbar vorhanden. Sie eilen weiter auf der Suche nach einem Ausgang und gelangen in das Hexenhaus, das sehr aufwendig gestaltet ist. Unversehens plumpst Lisa in die Öffnung einer Falltür, und diese schließt sich. Lisa ist gefangen. Sie kann die Rufe der anderen hören, sich aber nicht befreien. Auf einmal sieht sie die gelben Augen des alten Schulmeisters nahen und hört ihn rufen: „Böses Mädchen! Du verdienst Strafe!“ Schon bald endet sie am gleichen Ort wie der bedauernswerte Toby …
Kyra, Nils und Chris suchen weiter im Hexenhaus nach dem Ausgang, als sie auf eine Schülerin stoßen, die sie schon im Hof wegen ihres merkwürdigen Benehmens bemerkt haben. Doch Mara ist die Hüterin aller Zimmerschlüssel und hat somit eine gute Ausrede, sich hier aufzuhalten. Keiner glaubt ihr, denn sie scheint nervös zu sein – und etwas hinter ihrem Rücken zu verbergen. Chris schnappt danach und fördert einen Blumentopf zutage: eine Pflanze.
Aber keine Gewöhnliche, erkennt Kyra, die Tochter einer Hexe. „Es ist eine Alraune!“ Allmählich geht ihr ein Licht auf: Mara hält sich selbst für eine Hexe. Sie erklärt Nils, was es mit der Alraune auf sich hat: Im Mittelalter glaubten die Leute, die Wurzeln von Alraunen könnten lebendig werden und einen Geist aufnehmen, beispielsweise von Gehängten unter dem Galgen. Alles Blödsinn, schon klar. Aber warum trägt dann die Wurzel dieser Alraune ausgerechnet das Gesicht von Kyra?!
_Mein Eindruck_
Das Thema dieses achten Abenteuers ist offensichtlich Halloween, aber auch zwei andere Themen: echte und falsche Hexen sowie natürlich superstrenge Schulleiter.
In der Halloween-Dekoration der Schule bietet es sich geradezu an, dass sie lebendig wird und sich verselbständigt. Das Titelbild deutet es bereits an: Eine Schar von Kürbisköpfen macht sich daran, die beiden Mädchen zu „vernaschen“. Und auch das Ungeheuer aus der schwarzen Lagune setzt unseren Freunden heftig zu, ein Werwolf bricht durch die Mauern – alles recht ungemütlich. Doch welche Kräfte stecken dahinter? Der Schulleiter ist offenbar auch nur eines der Ungeheuer, wenn auch dasjenige, das die meiste Furcht verbreitet.
|Vorsicht, Spoiler!|
Das bringt uns zum Thema der echten und der falschen Hexen. Kyra ist die Tochter einer Hexenjägerin und kennt sich mit Hexenmagie bestens aus. Sie weiß, dass man mit solchen Mächten nicht spaßen darf und dass es leicht mit den bösen Hexen des Arkanums zu tun bekommen kann. Mara hingegen hat von alldem keinen blassen Schimmer, aber mit ihrem Übereifer, eine Hexe werden zu wollen, immensen Schaden angerichtet.
Sie ist auf den Rat einer alten Chronik hereingefallen – geschrieben von der Schwester des gelynchten Schulmeisters – und hat vier Alraunen in verschiedenen Ecken des Schulhauses versteckt. Diese magischen Kraftquellen hat nicht Mara geweckt, sondern Kyra. Daher tragen die Alraunen ja auch ihr Gesicht. Nun geht es darum, diese vier Alraunen zu zerstören. Leichter gesagt als getan, wenn einem die Monster zusetzen!
Wie in einem Jump-and-run-Spiel müssen die dreieinhalb Freunde (inkl. Mara) die vier Alraunen und Kraftquellen beseitigen. Doch das letzte Level ist natürlich das schwierigste. Und wo ist überhaupt Lisa abgeblieben?
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird. Die obligatorische doppelte Seite im Innenumschlag wird auch diesmal von einer Ansicht Giebelsteins bestritten.
_Unterm Strich_
Einerseits funktioniert dieses Abenteuer wie schon Folge 6 „Die Nacht der lebenden Scheuchen“, indem nämlich ein Verbrechen, das in der Vergangenheit begangen wurde, in der Gegenwart seine bösen Früchte trägt. Die Träger der Sieben Siegel müssen das wieder zum Leben erwachte Böse erneut in die Finsternis zurückschicken, woher es gerufen wurde. Und zwar durch eine ahnungslose Möchtegernhexe namens Mara.
Damit dies gelingt, sind die Kinder gezwungen, wie in einem alten Spiel vier Level an Gefahren zu bewältigen. Das letzte Level erweist sich natürlich als das schwierigste. Das macht die ganze Sache ja so spannend. Und schließlich müssen sie auch noch die verschwundene Lisa finden. Diese hat sich inzwischen dem ebenfalls entführten Toby angefreundet: In der Not ist man eben zusammen weniger allein.
Insgesamt ist diese Episode unerwartet abwechslungsreich und spannend, mit vielen gruseligen Szenen und einem actionreichen Showdown mit dem Schuldirektor. Und der junge Leser lernt auch gleich, dass es nicht gut ist, sich als Dilettant mit magischen Dingen einzulassen.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
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„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
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„Die Alchimistin“
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Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Mit der Hexe in die Anderswelt: Showdown im Feenreich_
Sie sind betörend schön. Und sie sind Geschöpfe des Bösen. Die Nymphen, die im Schatten der uralten Grabsteine Gestalt annehmen, kennen kein Erbarmen: Sie werden Kyra in die Anderswelt entführen, zu Morgana, der schwarzen Königin des Feenreiches. Doch an Kyras Seite kämpft eine Frau, die der Siegelträgerin wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ihr Name ist Dea, und sie ist eine Hexe … (Verlagsinfo)
Dieser neunte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Kyra will eigentlich bloß ihren Vater, Prof. Rabenson, besuchen, aber dann erlebt sie doch wesentlich mehr. Er ist an einer Ausgrabung im englischen Tintagel beteiligt, in Cornwall an der Küste Südwestenglands. Hier sollen der Sage nach König Artus und seine böse Schwester Morgana geboren worden sein. Zusammen zeugten sie Mordred, der seinen Vater tötete. Kyra merkt gleich, dass hier Artusland ist: Der ganze Ort ist für Touristen eingerichtet.
Leider hat Daddy gerade keine Zeit, und so folgt Kyra einem Tip seines Assistenten Derek, mal das Hexenmuseum in Boscastle zu besuchen. Dort hat sie eine bemerkenswerte Begegnung. Eine rothaarige Frau erzählt ihr, sie sei etwas Besonderes und erklärt, dass die keltische Anderswelt, von der sie hier ein bemerkenswertes Beispiel gefunden hat, überall um sie herum sei – keineswegs das Jenseits der Christen, sondern eine Parallelwelt, in die man, wie weiland Artus von den neun Feen Morganas, leicht entführt werden könne. Kyra solle auf sich achtgeben.
Die Kassiererin hat die rothaarige Besucherin nicht bemerkt. Merkwürdig. Obwohl es bereits spät, will es Kyra erneut bei Daddy versuchen: Sie will unbedingt herausfinden, was mit ihrer Mutter, der Hexenjägerin, passiert ist. Denn allmählich machen sich in Kyra die gleichen Kräfte bemerkbar. Doch auch diesmal wird Kyra abgewiesen. Auf dem Rückweg ist es dunkel und sie verirrt sich. Auf dem Friedhof sieht sie sich plötzlich umringt von nebelhaften Geistern: Nymphen, wie es scheint. Doch Kyras Siegel brennen: Gefahr!
Kyras Flucht scheitert an einem Bach, und die Nymphen tragen sie durch die Luft zu einem kleinen See im Bodmin-Moor. Dort soll sie offenbar Morgana geopfert werden. Allerdings kommt Kyra eine mächtige Kämpferin zu Hilfe: die rothaarige Hexe aus dem Hexenmuseum. Doch kann dies die schwarze Königin der Feen wirklich aufhalten?
Unterdessen versuchen Kyras drei Freunde zu ihr zu gelangen. Doch der Zug wird auf offener Strecke gestoppt: von Dämonenhunden, die aus keltischen Sagen stammen, wie Nils weiß. Und sie sind viel zu bissig, als dass man sie aus dem Weg scheuchen könnte …
_Mein Eindruck_
Diese Episode in der Reihe präsentiert einen vorläufigen Höhepunkt in Kyras Leben. Endlich begegnet sie jener legendären Frau, die sie bislang nur als Jägerin von abtrünnigen Hexen und von Dämonen kennengelernt hat – ihre Mutter. Sie nennt sich Dea und lebt eigentlich in der Anderswelt. Dadurch verletzt sie nicht das Prinzip des Gleichgewichts, das die Megie kontrolliert: sie selbst in der Anderswelt, aber ihre Tochter in der Realwelt. Folglich sind auch ihre Besuche bei Kyra in Tintagel stets recht kurz. Dennoch ist Kyra sehr glücklich, sie gefunden zu haben.
Doch Dea hat in Morgana eine Gegnerin, die angsteinflößend ist. Die Gebieterin über Nymphen, Trolle und anderes Gesocks wird von Dea bereits seit einem Jahrtausend bekämpft, doch nun soll es zu einer Entscheidungsschlacht kommen. Nach einem Flug auf einem fliegenden Teppich gelangt Kyra mit ihrer Mutter, die einen Mistelzweig als Fluggerät benutzt, zum Dozmary Pool der Anderswelt. Hier erhebt sich die Turmfestung der Zauberin Nimue, die einst Merlin unterrichtete. Diesen Turm belagert Morganas Heer seit Jahrhunderten. Nun bringt die vereinte Hexenkraft von Dea und Kyra die Entscheidung …
Der Leser braucht sich über mangelnde Abwechslung oder Spannung nicht zu beklagen. Das Finale mit der bösen Morgana nimmt eine überraschende Wendung – aber natürlich ein gutes Ende. Und so rettet es auch Kyras drei Freunde, die im Zug festsitzen, von einem Drachen zum Frühstück verspeist zu werden.
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät, die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird. Die obligatorische doppelte Seite im Innenumschlag wird diesmal nicht von einer Ansicht Giebelsteins bestritten, sondern von Nimues Turm in der Anderswelt.
_Unterm Strich_
Das Geheimnis, das bislang die ganze Reihe durchzogen hat, ist nun endlich gelüftet: das Schicksal von Kyras Mutter. Kyra hat immer wieder von ihr gelesen und gehört, doch alle Quellen haben hartnäckig die Auskunft verweigert, sei es ihr Vater oder Tante Kassandra oder gar der Stadtarchivar Herr Fleck. Dass ihre Mutter seit einem Jahrtausend in ders Anderswelt lebt und kämpft, hätte sich Kyra nie träumen lassen. Doch nun weiß sie auch, woher ihre eigenen magischen Kräfte stammen. Und bei einem Besuch in der Anderswelt erhält sie Gelegenheit, diese auch nutzbringend einzusetzen.
Dies ist die erste Episode, die sich nur um ein einziges Mitglied der Viererbande dreht. Die drei anderen sitzen im Zug fest und werden belagert. Sehr schön finde ich aber, dass sie ein klein wenig für Abwechslung durch Humor sorgen. Nils und Lisa kabbeln sich ja sowieso ständig, und dass jetzt Lisa mit Toby (aus Band 8) einen neuen Freund hat, hält sie ein wenig auf Abstand zu Chris. Auch dies ist eine neue Entwicklung der Figuren, wie ich sie bereits oben angedeutet habe.
Das Setting dieses Abenteuers ist diesmal die Artus-Legende. Dabei handelt sich keineswegs um eine einzelne Geschichte, sondern um ein ausuferndes Geflecht von Geschichten, die noch heute Stoff für Bearbeitungen bieten. Diesmal treten Morgana, die Feenkönigin, und Nimue auf, aber keiner der Recken der Tafelrunde, was ich persönlich ein wenig schade finde. Nur Artus spielt eine kleine Statistenrolle in der Szene, die im Hexenmuseum spielt. Ich muss sagen, dass die Bearbeitung, die der 2009 verstorbene Robert Holdstock in „Avilion“ (siehe meinen Bericht) geboten hat, mir wesentlich interessanter erscheint.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Die Rache der Vergangenheit: Giebelstein ist umzingelt!_
Nur eine Vogelscheuche, denken Kyra, Chris, Lisa und Nils. Nichts als ein Holzstock und ein altes Hemd. Dann aber entdecken sie den Totenschädel auf dem hölzernen Hals der Scheuche. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Mehr und mehr Scheuchen tauchen rund um Giebelstein auf. Reglos, leblos. Und doch scheinen sie näherzukommen. Die Stadt zu belagern. Die Stadt zu bedrohen. Die Freunde müssen ihnen Einhalt gebieten, ehe Schreckliches passiert … (Verlagsinfo)
Dieser sechste Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Die vier Kinder streifen durch die Umgebung Giebelsteins, als sie auf den alten Schäfer Kropf stoßen. Er berichtet jammernd, dass sein Lieblingsschaf Henrietta tot sei. Aber was das Merkwürdigste daran ist: Gleich daneben steht eine Vogelscheuche. Als die vier Freunde neugierig nachschauen, ob das mit dem Schaf stimmt, stoßen sie auf eine grausige Entdeckung: Das Schaf wurde geradezu durchbohrt – von einer Vogelscheuche? Klingt nicht sehr wahrscheinlich, denn Vogelscheuchen bewegen sich normalerweise nicht. Aber was könnte es sonst gewesen sein?
Als sie sich einmal eine dieser Scheuchen näher anschauen, benutzt Chris, der Mutigste unter ihnen, lieber eine Stange. Der Hut lässt sich leicht genug entfernen, aber die Sackhülle des Kopfes ist schon schwieriger zu heben. Darunter kommt zu ihrem Entsetzen ein Totenschädel zum Vorschein. Das ist nun sicherlich nicht Standardausstattung einer Scheuche, sondern wohl eher eine Spezialanfertigung. Aber wer würde so etwas herstellen? Ihre magischen Siegel beginnen zu prickeln: Diese Scheuche ist dämonischen Ursprungs. Hat sie sich nicht gerade bewegt?
Kyra hat scharfe Augen und erspäht ein weiteres Extra dieses sonderbaren Gebildes: Im Schädel steckt ein Nagel, dessen Kopf ein Muster aufweist. Trickreich fertigt sie mit einem auf Chris’ Stange gesteckten Lehmklumpen eine Kopie dieses Zeichens an – perfekt. Damit eilen sie zu dem einzigen Mann in Giebelstein, der sich intensiv und ausgiebig seit Jahrzehnten mit der Vergangenheit beschäftigt: zu Meister Fleck, dem Archivar des Rathauses.
Umgeben von hohen Bücherstapeln, Regalen voller Papier und in Düsternis getauchten Zugängen zu den Katakomben des Stadtarchivs, erkennt der alte Mann seine jungen Besucher wieder. Sie haben vor einiger Zeit sein Archiv gefunden, als sie sich von einer Lehrveranstaltung ihrer Schule „abseilten“. Freundlich betrachtet er den Lehmklumpen, den sie ihm entgegenhalten. Das eingeprägte Zeichen besteht aus einem Kreis mit einer Sonne in der Mitte. Herr Fleck brummt erst und verkündet dann: „Das Zeichen des Schwarzen Todes.“
Die vier Freunde schnappen erschrocken nach Luft. Meint Fleck etwa die Pest? Ganz genau. Sie wütete im 14. Jahrhundert in ganz Europa, forderte Millionen Opfer und verschonte offenbar auch Giebelstein nicht. Nachdem er eines seiner vielen Bücher konsultiert hat, erzählt Herr Fleck, dass die Nägel den bösen Geist der Krankheit, für die man keine Erklärung hatte, bannen sollte. Ein gewisser Medicus namens Boralus half den Giebelsteiner bei der Bekämpfung der Seuche, offenbar erfolgreich. Allerdings ließ man die Opfer nicht wie üblich verbrennen, sondern in einem Massengrab im Wald verscharren. Chris hält es für möglich, dass dieser Boralus, der zugleich mit der Seuche auftauchte, gar kein Medicus war, sondern ein Dämon. Was, wenn er irgendwo überdauert hat?
Auf einer uralten Karte aus dem 15. Jahrhundert zeigt ihnen der Archivar genau die Stelle, wo das mittelalterliche Massengrab liegt. Und ja, ganz in der Nähe liegt der Hof des Einödbauern Samuel Wolf. Den sollten sie sich vielleicht mal näher anschauen, rät Fleck. Er werde unterdessen mehr über die Vogelscheuchen und ihre Bekämpfung nachlesen. Denn sie haben ihm berichtet, dass sie inzwischen Dutzende davon rings um die Stadt gesehen hätten.
Das alte Massengrab ist mitten im Wald gar nicht so leicht zu finden. Doch dann stoßen sie auf die drei Meter tiefen Gräben, gefüllt mit Gebeinen. Sie schauen mit prickelnden Siegeln nach, was das Geheimnis dieses Ortes ist – und geraten in einen Hinterhalt der Scheuchen. Unterdessen erhält auch Herr Fleck in seinen Katakomben unerwünschten Besuch …
_Mein Eindruck_
Dieser tiefgründige Gruselthriller beginnt wie alle solche Geschichte relativ harmlos: mit einem jammernden Schäfer und einem getöteten Schaf. Dass der Verdacht auf die in der Nähe lauernde Vogelscheuche fallen soll, liegt nun aber nicht gerade nahe, schließlich sind solche Holzgestelle nicht gerade für ihre affenartige Beweglichkeit bekannt. Dennoch weist die Scheuche drei gruselige Details auf, die zu tieferen Nachforschungen einladen: Sie bewegt sich doch; ihr Kopf besteht aus einem Totenschädel; und drittens steckt in diesem Schädel ein höchst seltsamer Nagel.
|Detektive unterwegs|
Wie auf dem Krümelpfad von Hänsel und Gretel bewegen sich die vier Freunde mit prickelnden Siegeln in jene Vergangenheit zurück, aus der dieser Nagel stammt. Dabei folgt die Geschichte dem Muster des Detektivromans. Auch der erste Verdächtige kristallisiert sich heraus: Boralus. Leider lässt er sich nach all den Jahrhunderten nicht mehr ins Kreuzverhör nehmen. Oder doch?
|Die Sünden der Vergangenheit|
Wie es scheint, hat der zwielichtige Medicus aus der Pestzeit in irgendeiner Form überlebt, und dabei hat Kyras ruhmreiche Hexenmutter ihre Finger im Spiel gehabt. Es ist bemerkenswert, wie stark sich die Fähigkeiten und Kenntnisse dieser Mutter in ihrer Tochter manifestieren. So etwas kennt man vor allem aus den „Wüstenplanet“-Romanen Frank Herbert, in denen die Hauptfiguren immer wieder von genetisch weitergegebenen Erinnerungen heimgesucht werden. Aber auch in dem einen oder anderen Horror-Roman soll so etwas schon vorgekommen sein, denn dieses Genre dient dazu, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen. Durch Sühne oder Vergeltung wird Gerechtigkeit herbeigeführt. Falls es dies gibt.
Das Unrecht, das es zu sühnen gilt, besteht nun in dem Verbrechen des Boralus an der Bevölkerung von Giebelstein: Er führte offenbar die Pest ein, ums ich dann als Heiler und retter aufspielen zu können. Eines der Mittel, um mit dem „Übel“ fertigzuwerden, bestand, nach Angaben des Archivars Flecks, darin, den Toten einen Nagel in den Schädel zu hauen, damit „das Böse“, also die Krankheit, darin gebannt bleiben möge. Purer Aberglaube, gewiss, aber magischer Aberglaube, der nun wiedekehrt und sich gegen die Stadt zu kehren scheint. Giebelstein ist von Vogelscheuchen umzingelt …
|Showdown|
„Das ist nicht tot, was ewig liegt“, heißt es bei H.P. Lovecraft immer wieder in den Romanen seines Cthulhu-Mythos. Und so verhält es sich auch in den „Sieben Siegel“-Romanen Kai Meyers, ganz besonders in dem vorliegenden Band. Doch gegen jedes Übel ist ein Kraut gewachsen, und sobald Herr Fleck es schafft, den Kindern dieses Geheimnis zu übermitteln, ist die Katastrophe ausgestanden. Doch bis ihm dies mit Tante Kassandras Hilfe gelingt – er braucht ja einen fahrbaren Untersatz – müssen sich die vier Freunde wacker gegen eine ganze Armee von Feinden zur Wehr setzen. Und nicht alle sind aus Holz und Fetzen …
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät, die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird.
_Unterm Strich_
Auch diese Episode der magischen Abenteuer um die vier Freunde von Giebelstein hat mir wieder ausnehmend gut gefallen. Natürlich gehorcht die Geschichte der Regel des Gruselromans, ist aber wesentlich unheimlicher als etwa ein Harry-Schotter-Roman. Dort kommen ja auch immer hilfreiche Freunde vor, aber auch Gegner, die einen vorzeitigen Sieg des Helden oftmals verhindern. So auch bei Kai Mayer, wo sich die Geschwister Lisa und Nils ständig in den Haaren liegen. Nur Chris und Kyra scheinen konstruktive Vorschläge vorzubringen, die dann von den Geschwistern beifällig begrüßt oder angeekelt abgelehnt werden. Das macht die Geschichte aber auch in menschlicher und emotionaler Hinsicht befriedigender, als bei einer reinen Detektivgeschichte.
Vorkenntnisse braucht der Leser nur wenige mitzubringen. Der Erzähler verweist natürlich auf die Herkunft der sieben Siegel und welche Taten die vier Kinder bislang vollbracht haben. Aber das wars dann auch schon. Hexen werden nur am Rande erwähnt. Das soll sich aber im nächsten Band gründlich ändern, der den Titel „Dämonen der Tiefe“ trägt.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Spannende Zukunftsvision: Warnung vor dem Upgrade!_
Christopher Kidd ist auf der Flucht. Nicht vor dem FBI, sondern vor den Upgradern. Sie wollen ihn zu einem der Ihren machen: per Chip aufgerüstet, um übers Internet von Gehirn zu Gehirn zu kommunizieren. Aber sie dürfen sein Geheimnis nicht finden. Er schlägt sich zu der Untergrundgruppe von Jeremiah Jones durch, dem von den Upgradern zum Terroristen erklärten Kulturkritiker. Nur im Untergrund hat Chris die Chance, gegen die sich ausbreitende Upgrader-Organisation etwas zu unternehmen. Sollte er scheitern, wird keiner mehr allein sein – aber auch niemand mehr lachen …
_Handlung_
(Hinweis: Die Geschichte wird keineswegs chronologisch erzählt, sondern mit vielen Rückblenden. Mein Handlungsabriss ist lediglich eine Annäherung.)
Der weltbeste Computerhacker Christopher Kidd ist ein 17-jähriger Junge aus Deutschland, der weltweit als „Computer Kid“ berüchtigt ist. Gerade befindet er sich in den USA auf der Flucht. Seine Begleiter sind die Kinder des Mannes, dem er sich anschließen möchte. Der Vater von Kyle und Serenity Jones, Jeremiah Jones, war bis vor Kurzem ein unbescholtener Architekturprofessor und Kulturkritiker, bis ihn das FBI zum Terroristen erklärte und zu jagen anfing. Er soll an der Ostküste ein Rechenzentrum in die Luft gejagt haben.
Ob solch ein Mann wohl die passende Gesellschaft für einen Hacker darstellt? Doch Christopher bleibt keine Wahl mehr, denn er wird nicht vom FBI gejagt, sondern von etwas viel Schlimmerem: von den Upgradern. Diese weltweite Organisation hat auch Christopher einen Chip eingepflanzt, mit dessen Hilfe er von Gehirn zu Gehirn kommunizieren könnte. Sein Bewusstsein wäre so Teil einer weltumspannenden Superwesenheit, in der keiner mehr allein ist und jeder alles weiß, weil er auf alle öffentlichen und geknackten Datenbestände der weltweiten Datensysteme Zugriff hat. Niemand verirrt sich mehr, jeder weiß, wo die anderen sind. Alle außer Christopher. Denn er hat seinen Chip deaktiviert. Als einziger Upgrader der Welt. Abtrünnig! Klar, dass die Upgrader ihn wieder in ihre Reihen aufnehmen wollen, koste es, was es wolle.
„Doch wie konnte es dazu kommen?“, fragen ihn Kyle und Serenity auf einer Landstraße in Nevada. Bislang lebten sie friedlich in der Bay Area von San Francisco, sie als Oberschülerin kurz vorm Abitur und Kyle als Student der Umweltbiologie. „Das ist eine lange Geschichte“, warnt sie Christopher. Aber das macht nichts, denn sie haben Zeit. Glauben sie.
|Die Vergangenheit|
Christopher ist als Sohnes eines englischen Softwareentwicklers und einer deutschen Investmentbankerin in Frankfurt/Main aufgewachsen. Sein Großvater stellte Prothesen von menschlichen Gliedern her und seine Oma war bis zu ihrer Erblindung Kunstmalerin. Chris konnte schon mit fünf Jahren lesen und mit acht sein erstes Programm schreiben. Kein Wunder, dass ihm die Schule stets langweilig vorkam. Schon bald knackte er Passwörter und Systemzugänge – nur nicht in der Bank seiner Mutter.
Richtig illegal wurde seine Tätigkeit jedoch erst, als seine Mutter mit dem Banksystem einen Bedienungsfehler machte, der die gesamte Familie aufgrund ihrer persönlichen Haftung ruinieren würde – um Punkt Mitternacht. Der Ausweg bestand in Christophers Hilfe. Leider konnte er die Ausführung dieser Investment-Order nicht mehr rückgängig machen, denn sonst hätten alle anderen beteiligten Systeme die Manipulation bemerkt.
Doch mit 13 denkt Christopher schon seit Langem in größeren Zusammenhängen, in Systemen. Das einzige System, das seine Familie noch vor dem Ruin bewahren kann, ist die Welt. Das Programm, das auf jedes Konto der Welt den Betrag von 1 Milliarde (hier Währung einsetzen) überweist, ist kurz und knackig – die Folgen seiner Ausführung jedoch gigantisch. Was Chris vorausgesehen hat, tritt ein: Um die Weltwirtschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren, müssen die Regierungen alle Systeme vor den Tag X zurückdrehen. Voilà! Natürlich kam die Sache raus, und Mama verlor ihren Job.
Die Familie zog nach England, wo sein Vater begann, Prothesen und Programme zu verbinden. Im Projekt von Dr. Stephen Connery sollte eine Schnittstelle zwischen dem menschlichen Gehirn und einer Maschine (Prothese mit Software) entwickelt werden. Allerdings machte sich der Mitarbeiter Linus Meaney mit den Forschungsergebnissen selbständig und entwickelte den Upgrader-Chip. Bei einem denkwürdigen Besuch, zu dem Linus die Familie von Christopher nach Singapur einlud, demonstrierte er die Gehirn-Gehirn-Kommunikation mit seiner Frau Ayumi: Die beiden sprachen im Chor! Christopher und seinem Vater lief es kalt den Rücken runter. Klammheimlich setzten sich die Kids noch in der gleichen Nacht ab.
Doch den Upgradern entkommt man nicht so leicht. Sie erwischten seinen Vater, dann seine Mutter. Und als sie auch noch Christopher den Chip verpassten, durfte er sich erst nicht anmerken lassen, dass er die Fähigkeit hat, den Chip abzuschalten. Aber er bereitete seine Flucht vor – und landete erst in Mexiko, dann in Kalifornien, bis er auf Kyle und die süße Serenity traf.
|Verfolgt|
Als das Trio in Nevada mal eine Rast an einer Tankstelle einlegt, verrät sich Christopher aus Versehen, indem er mit seiner Fingerspitze einen Sensor berührt. Sofort wird die Information über die Datennetze an den nächsten Upgrader weitergeleitet, der Alarm auslöst. Chris ahnt, was los ist und will schnellstmöglich verduften. Zu spät! Hinter ihnen tauchen vier Hubschrauber auf, die sie auf der Straße verfolgen. Und sie stellen sich keineswegs als harmlose Übungsflieger heraus. Sie beginnen, mit Bordkanonen auf Kyles Geländewagen zu feuern.
Doch als die Ausweichmanöver nichts mehr nützen und Kyle stoppen muss, weiß Christopher noch ein letztes Mittel, um sein Leben und das seiner Freunde zu retten. Er muss sich der „Kohärenz“ stellen, dem weltweiten Verbund aus Gehirnen und Datensystemen. Doch die Gefahr, dass die Kohärenz sein Bewusstsein überwältigt und wieder in sich aufsaugt, ist immens …
_Mein Eindruck_
Ich habe das Buch an nur einem Nachmittag und Abend gelesen. Es ist spannend bis zum Schluss, abwechslungsreich, raffiniert erzählt und enthält sogar Romantik, etwas, das man bislang bei Eschbach etwas vermisst hat. Außerdem entwirft er eine Welt, die wirklich furchteinflößend ist: Wenn alle vernetzt sind und keiner mehr allein, dann sind alle gleichgeschaltet und so etwas wie Gefühle gar nicht mehr nötig. Denn alle müssen bloß noch funktionieren wie Rädchen in einem Getriebe.
Welche Folgen dies haben könnte, erkennt Christopher, der Hacker, der nie mit anderen Menschen als seinen Eltern und Großeltern zusammenlebte, bei der entscheidenden Besprechung mit Jeremiah Jones. (Die Namensähnlichkeit zu „Jeremiah Johnson“, dem Trapper aus dem Film, ist sicher gewollt.) Denn Christopher muss erst noch erkennen, welchen Wert zwischenmenschliche Gefühle haben. Erst als ihm Serenity Jones sagt, dass sie auf gar keinen Fall gleichgeschaltet werden möchte, um ein Upgrader zu werden, wird ihm klar, dass sie ihm bereits zuviel bedeutet, um sie an die Upgrader zu verlieren. Er hat sich verliebt. Und Serenity hat auch eine Menge für ihn übrig – wenn er sie nur etwas mehr beachten würde!
|Cyberspace|
Selbst Leser, die sich nur wenig mit Computern und dem Internet auskennen, dürften durch Eschbachs Erklärungen wenig Mühe haben, den Darlegungen Christophers zu folgen. Die Ideen aus den achtziger Jahren, als SF-Autoren und Designer von der Zusammenschaltung des Gehirns mit der Maschine träumten (und diese Forschung wird bis heute im Medizinbereich vorangetrieben, um bei Prothesen und Locked-in-Syndrom zu helfen), kommen in „Black*Out“ wieder zum Tragen – der sogenannte „Cyberspace“ ist Realität: Der menschliche Geist taucht ein ins Datenmeer.
Und mehr als einmal musste ich bei Christophers Hackereskapaden an William Gibsons bedeutende Hackererzählung „Chrom brennt“ (in der Sammlung „Cyberspace“ und anderswo) denken. Scheinbar mühelos durchbricht der Hacker die Schutzvorrichtungen selbst der gehärtetsten FBI – und NSA-Rechner. Doch eine Glossar-Erläuterung oder Fußnote, was unter einer solchen „brute force“-Attacke zu verstehen ist, sucht man vergeblich. Dabei ist dieser Punkt für den Showdown mit den Upgradern von entscheidender Bedeutung.
|Vorsicht, Spoiler!|
Überhaupt der Showdown. War schon die anfängliche Erzählstruktur der ersten Hälfte ziemlich raffiniert, so ist es das Finale erst recht. Hin und her hüpft die Perspektive, bis der Leser reichlich irregeführt ist und nicht erkennt, was in Wahrheit passiert. Nicht der bis ins letzte Detail eingeübte Plan Christophers wird hier in die Tat umgesetzt, sondern etwas völlig anderes: Christopher hat seinen Vater, einen Upgrader, hierher nach San Francisco gelockt, um ihn mit der Hilfe von Jones’ Männern vom Chip zu befreien. Deshalb war ihm auch der Punkt, dass ein Medomobil, ein fahrbarer Operationsraum, mit von der Partie ist, so wichtig. Bevor die Upgrader es verhindern können, ist Daddys Chip bereits entfernt. Aber wird sich sein Geist von dieser Tortur erholen? Das ist die bange Frage.
(Ende Spoiler)
|Widerstandskampf|
In einer gewissen Weise ist dieses Buch für Eschbachs Sohn geschrieben (ich werde seinen Namen nicht verraten). Schon mit acht oder neun Jahren programmierte dieser kluge Bursche an heimischen PC mit BASIC und anderen Sprachen, wie ich bei Besuchen mitbekam. So verwunderte es mich nicht, dass er später Informatik studierte und heute Computerwissenschaftler ist – schließlich war auch sein Vater Softwareprogrammierer und hatte seine eigene Firma.
Das legt die Vermutung nahe, dass der Roman eine Zukunft für Eschbachs Sohn ebenso entwirft wie eine erschreckende Fehlentwicklung, gegen die der Sohn ankämpfen muss. Wer jetzt an Paul Muad’dib Atreides denkt, liegt nicht völlig verkehrt, andererseits gibt es unzählige Geschichten über junge Männer, die in den Widerstand gehen, um den Tyrannen zu stürzen.
Worauf es jedoch bei der Guerilla ankommt, ist das Ziel und sind die Mittel. Das Ziel besteht löblicherweise darin, zu verhindern, dass ein geliebter Mensch wie Serenity gleichgeschaltet und in die „Kohärenz“ absorbiert wird. Wer dabei an Stephen Baxters „Kinder der Zukunft“ denkt, liegt nicht ganz daneben. Und welchen besseren Grund als die treue Liebe könnte ein junger Mann brauchen?
Die Mittel des Kampfes sollten natürlich über jeden Zweifel erhaben sein. Dass sich die Jones-Leute, bislang unschuldig, aber als Terroristen verleumdet, einfach so mit Sprengstoff anfreunden und diesen auch einsetzen, finde ich dubios. Aber die Praxis sieht dann doch besser aus: Der Sprengstoff soll nur Tür und Tor öffnen, damit Christopher befreit werden kann. Denn natürlich haben die Upgrader ihm eine Falle gestellt. Sie sind mit ihren Millionen Recheneinheiten, vulgo: Humanressourcen, viel zu schnell im Denken, um seinen Plan nicht vorausgesehen zu haben.
Wie die Sache für Christopher ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Aber der Text verrät uns, dass es eine Fortsetzung geben wird.
|Schwächen des Textes|
Ein Satz auf Seite 75 bereitete mir Kopfzerbrechen: „Man konnte förmlich hören, wie er sich wandte.“ Das er gibt erst dann einen Sinn, wenn es „wand“ statt „wandte“ heißt. Der Sprecher windet sich nämlich statt sich abzuwenden.
Seite 355: „Serenity, Senior-Schülerin kurz vor dem Anschluss“. Es sollte natürlich „Abschluss“ heißen.
Seite 445: Christophers Dad soll seinen Sohn in San Francisco treffen, doch an dieser Stelle fliegt er zuerst nach Los Angeles. Sinnvoll oder Fehler, ist die Frage. Sinnvoll ist der Umweg nur dann, wenn Daddy keinen Direktflug nach Frisco bekommen hat und den Umweg über L.A. nehmen musste. Kann man also gelten lassen.
_Der Autor_
Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, bevor er als Software-Entwickler und Berater arbeitete. Schon als Junge schrieb er seine eigenen Perry-Rhodan-Stories, bevor er mit „Die Haarteppichknüpfer“ 1984 seine erste Zeitschriftenveröffentlichung landen konnte.
Danach dauerte es noch elf Jahre bis zur Romanfassung von „Die Haarteppichknüpfer“, danach folgten der Actionthriller „Solarstation“ und der Megaseller „Das Jesus Video“, der mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis für den besten deutschsprachigen Sciencefiction-Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt wurde.
Seitdem sind die Romane „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Die seltene Gabe“, „Das Marsprojekt 1-5“ sowie „Der Letzte seiner Art“ erschienen, einige davon zudem als Hörbuch. Auch das Sachbuch „Das Buch der Zukunft“ gehört zu seinen Publikationen. Eschbach hat mehrere Anthologien herausgegeben und eine Reihe von literarischen Auszeichnungen erhalten. Heute lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller in der Bretagne.
_Unterm Strich_
Dieser Roman ist spannend bis zur letzten Seite, zeichnet ein Schreckensszenario und spendet doch Hoffnung – eben ein typischer Eschbach für die junge Generation. Wie schon beim fünfteiligen „Mars-Projekt“ finden sich hier Jugendliche angesprochen, nicht mit Pappkameraden, sondern mit Jugendlichen, die die gleichen Sorgen haben wie der Leser selbst.
Allerdings sind die Hauptfiguren keineswegs Durchschnitt. Serenity ist eine Amerikanerin, die ohne Handy und MP3-Player aufgewachsen ist, weil ihr Vater ein Kulturkritiker und Naturfreund ist. Christopher selbst ist durchweg zweisprachig aufgewachsen und ein richtiger Computerfreak – wie „normal“ kann er also sein? Doch genau darin liegt seine Überlegenheit, wenn es darum geht, es mit der sich ausbreitenden „Kohärenz“-Bewegung aufzunehmen. Er ist zwar weder Hellseher noch Telepath wie Paul Muad’dib, aber viel fehlt nicht mehr: Chris kann einen doppelbödigen Plan bis ins letzte Detail allein im Kopf austüfteln.
Ich habe nur einen Nachmittag und Abend benötigt, um die 460 Seiten zu lesen. Die Schrift ist groß, viel Text also nicht auf der Seite, und die Story verlangt dank vieler Rätsel und Geheimnisse danach, in einem Stück gelesen zu werden. Ich bin schon auf die versprochene Fortsetzung gespannt.
„Staffel 1 – Folge 1-6“
„Staffel 2 – Folge 7-12“
„Staffel 3 – Folge 13-18“ (erscheint am 30.09.2010)
_Inhalt:_
|Interview mit Ed| (Ivar Leon Menger)
Eine Reporterin der Porterville Times will ein Interview mit dem geheimnisvollen Ed führen, der ein ungewöhnliches Leben führt und bereits als Säugling den Menschen das Leben rettete. Doch was hat Ed mit dem Psychopathen zu tun, der seinen Opfern Tarotkarten schickt?
|Das böse Zimmer (1)| (Hendrik Buchna)
Der Psychotherapeut Dr. Frank Morgan stößt in der Vergangenheit eines Patienten auf ein düsteres Geheimnis, das zu ergründen ihn nicht nur zum Darkside Park führt, sondern auch an die Grenzen seiner Vorstellungskraft …
|Der Gesang der Ratten (1)| (Christoph Zachariae)
Sarah Freeman und ihr Freund Tom Lennox ziehen gemeinsam nach Porterville. Beide sind überglücklich und Sarah bekommt sogar den ersehnten Job in der Stadtbibliothek. Bei einem Stadtspaziergang finden sie eine leerstehende Psychiatrie, in der das Paar auf sonderbare Obdachlose trifft. Doch dann verschwindet Tom Lennox, und Sarah gelingt nur mit Mühe die Flucht aus dem Labyrinth der leerstehenden Gänge. Verzweifelt sucht sie Hilfe bei dem Sheriff von Porterville. Doch der Alptraum hat gerade erst begonnen …
|Das böse Zimmer (2)| (Hendrik Buchna)
Die Suche nach dem dünnen Mann führt Dr. Frank Morgan in die elitären Kreise von Porterville und auf die Spur einer großangelegten Intrige …
|Porterville Times| (Christoph Zachariae)
Martin Prey ist Archivar in der Stadtbibliothek von Porterville und führt ein beschauliches Leben. Gemeinsam mit seiner Ehefrau lebt er bei seiner Schwiegermutter, einer freundlichen, älteren Dame, mit der man gut auskommt, wenn man keine Widerworte hat. Doch dann bittet ihn seine neue Mitarbeiterin Sarah Freeman um Hilfe, denn ihr Freund Tom Lennox ist spurlos verschwunden. Martin Prey beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und wird selbst in den Strudel des Schreckens hineingezogen …
|In den Jagdgründen (John Beckmann)|
Jimmy Barksdale ist Polizist in Porterville. Bei einem Einsatz wird sein Partner getötet. Jimmy Barksdale versucht auf eigene Faust weiterzuermitteln und gerät in die Fänge des düsteren Mysteriums, das den Darkside Park umgibt …
_Meinung:_
Ivar Leon Menger schuf mit DARKSIDE PARK eines der ungewöhnlichsten Hörbuch-Projekte, das schnell zahlreiche Anhänger fand und in Sachen Psychothriller nicht nur ein Novum darstellt, sondern auch eine ernstzunehmende Bereicherung. Der gestandene Hörspiel-Autor („DODO“, „Der Prinzessin“, „Plan B“) hat eigens für die auf drei Staffeln ausgelegte Serie eine Schar versierter Autoren um sich versammelt. In der ersten, vorliegenden Staffel sind das, neben ihm selbst, Christoph Zachariae, Hendrik Buchna und John Beckmann.
Als Sprecher fungiert in jeder Folge ein anderer bekannter Schauspieler, der dem Hörer die Geschichte eines Einwohners aus Porterville aus der Ich-Perspektive erzählt. Till Hagen, Eckart Dux, Nana Spier, Gerrit Schmidt-Foss und Tobias Meister legen dabei eine enorme Intensität an den Tag, so dass die packend geschriebenen Storys so unterhaltsam wie inszenierte Hörspiele wirken. Ganz ohne Musik und Effekte offenbart sich die erste Staffel von DARKSIDE PARK als geniale Sammlung von Psychothrillern von eindringlicher Suspense.
Die Geschichten sind jedoch nicht nur fesselnd und atmosphärisch, sondern auch abwechslungsreich. Dabei zieht sich das Mysterium um den sagenumwobenen Darkside Park wie ein roter Faden durch die einzelnen Geschichten. Täter, Opfer, Zeuge oder aber sekundär Betroffener – allein die unterschiedlichen Perspektiven und die verschiedenen Erzählstile der einzelnen Autoren sorgen für den besonderen Reiz dieses Hörbuches. Selbst als eigenständige Geschichten funktionieren die Folgen prima! Jeder einzelne Sprecher liefert eine Glanzleistung ab, doch am beeindruckendsten hört sich wirklich Nana Spier an, die es schafft, trotz ihrer lieblichen Stimme dem Hörer eine Gänsehaut über den Rücken zu treiben. Ein Muss für jeden Thriller-Fan!
Düster und minimalistisch präsentiert sich die erste Staffel im stabilen, aufklappbaren Karton. Die sechs CDs stecken in Papphüllen, auf deren Rückseite es nicht nur eine kurze Inhaltsbeschreibung gibt, sondern auch eine kleine Vita des jeweiligen Autors.
_Fazit:_
Geniale Thriller-Serie mit Niveau. Großartige Autoren und tolle Sprecher sorgen für ein unvergessliches Hörerlebnis.
|6 Audio-CDs mit 360 Minuten Spieldauer
Coverdesign von Ivar Leon Menger
Fotos von Peepo, Peeter Viisimaa, Selensergen, Nuno Silva
ISBN-13: 9783942261005|
[www.lauscherlounge.de]http://www.lauscherlounge.de
[www.darksidepark.de]http://www.darksidepark.de
Band 1: Barbara Büchner – „Der schwarze See“
Band 2: Marc-Alastor E.-E. – „Geisterdrache – Die Chroniken – Widerparte und Gefolge I – 1984 bis 1996“
Band 3: Marc-Alastor E.-E. – „Geisterdrache – Die Chroniken – Widerparte und Gefolge II – 1997 bis 2009“
Band 4: Alisha Bionda (Hrsg.) – „Sad Roses“
Band 5: _Linda Budinger – „Unter dem Vollmond“_
Band 6: Alisha Bionda (Hrsg.) – „Die Begegnung – und andere düstere Winterlegenden“ (Oktober 2010)
Band 7: Laura Flöter – „Der Engelseher“ (Arbeitstitel) (Oktober 2011)
_Inhalt:_
Verena ist eine fleißige Medizinstudentin, die sich als Krankenschwester in der Nachtschicht ihr Studium finanziert. Seit einem tragischen Unfall in ihrer Kindheit, als sie beide Elternteile und ihre kleine Schwester verlor, hat sie die Gabe, den Gesundheitszustand ihrer Mitmenschen in deren Aura zu sehen. Eine Fähigkeit, die ihr in ihrem Job enorme Vorteile verschafft.
Eines Nachts findet Verena im Park eine schrecklich zugerichtete Leiche. Ein weiteres Opfer des berüchtigten Serienmörders, der von den Medien den Namen „Lumpensammler“ erhalten hat? Zu allem Überfluss verliert die junge Studentin ihren Job, als sich der zuständige Oberarzt von ihrem Urteil bevormundet fühlt. Da kommt das Angebot eines gewissen Wolf von Hagendorf gerade recht, der dringend eine Pflegerin für seine kranke Mutter sucht.
Begeistert nimmt tritt Verena die Stelle auf dem verwunschen wirkenden Herrensitz an. In ihrer Freizeit hofft sie zudem, ausreichend für ihr Studium lernen zu können. Doch irgendetwas stimmt nicht im Haus der Hagendorfs. Welches Geheimnis hütet Sidonie von Hagendorf und woran arbeitet ihr Sohn Wolf in dem verborgenen Labor? Verena kommt einem schrecklichen Familiengeheimnis auf die Spur, das seine Wurzeln in der Vergangenheit hat …
_Meinung:_
Linda Budinger ist als deutsche Fantasy-Autorin kein unbeschriebenes Blatt, und die Herausgeberin der Reihe ARS LITTERAE, Alisha Bionda, hat bereits mehrere Kurzgeschichten der Schriftstellerin in diversen Anthologien veröffentlicht. Mit dem vorliegenden Buch hält der Leser ein komplexeres Werk der Autorin in seinen Händen, das jedoch nicht minder fesselnd und flott geschrieben ist als ihre Kurzgeschichten. Budinger unterhält den Leser durch einen humorvollen und atmosphärischen Schreibstil. Die Charakterisierung der Protagonistin ist ihr zudem hervorragend gelungen und weckt sogleich Sympathien für die junge Medizinstudentin, die in bester Romantic-Thriller-Tradition in einem düsteren Herrenhaus dem tödlichen Familienspuk auf die Schliche kommt.
Doch so klischeebeladen und schlicht, wie es jetzt klingen mag, ist die Geschichte nicht! Die Autorin versteht es geschickt, der Handlung überraschende Wendungen zu verleihen und sie mit selbstironischen Bemerkungen zu würzen. Der Plot ist originell und wurde erstklassig recherchiert, das Finale selbst packt den Leser durch eine temporeiche und dramatische Schilderung der Ereignisse.
Leider bleibt das Ende recht offen und die obligatorische Liebesbeziehung wirkt (zumindest auf den männlichen Leser) reichlich gezwungen und kitschig. Zumal sich der Held wirklich selten dämlich und tollpatschig anstellt. Letztendlich kann man diesen Aspekt aber in Anbetracht des guten Gesamteindrucks verschmerzen. Ein kleines Glossar am Ende des Bandes und ein ausführliches Autorenportrait runden diesen Mystery-Thriller perfekt ab.
Papierqualität und Satzspiegel sind äußerst leserfreundlich, ebenso wie das Paperbackformat, das einerseits nicht zu klobig ist, andererseits aber die Innenillustrationen perfekt zur Geltung bringt. Die Motive der Cover- und Innengrafiken sind kunstvoll und verträumt, wenn auch leider nicht sonderlich aussagekräftig. Das Serienlayout hingegen wirkt sehr edel.
_Fazit:_
„Unter dem Vollmond“ ist ein flott erzählter Mystery-Thriller mit einem originellen und überraschenden Plot. Die ideale Urlaubslektüre: kurzweilig und leicht verdaulich.
|Taschenbuch: 200 Seiten
Titelgestaltung von Agentur Bonzai
Innenillustrationen von Andrä Martyna
ISBN-13: 9783940235916|
[www.sieben-verlag.de]http://www.sieben-verlag.de
Genug der Vampire, jetzt gehen die Engel an den Start! Die junge Autorin Lauren Kate beginnt mit „Engelsnacht“ eine Fantasyreihe, die vor allem Fans der „Bis(s)“-Reihe ansprechen wird.
_Die siebzehnjährige Luce_ muss nach einem merkwürdigen Vorfall, bei dem ihr Freund Trevor ums Leben gekommen ist, auf das Internat Sword & Cross, das sich als Besserungsanstalt für psychisch Kranke und Vorbestrafte entpuppt. Die meisten ihrer Mitschüler sind ziemlich schräg, aber Luce ist auch nicht gerade ohne. Seit ihrer Kindheit sieht sie ständig Schatten um sich herum, die andere nicht wahrnehmen.
Sie lebt sich recht schnell ein und findet in der verrückten Arriane und der strebsamen Penn gute Freundinnen, in dem Punkmädchen Molly aber auch eine Feindin. Außerdem sind da noch zwei Jungen, Cam und Daniel. Beide sind attraktiv und machen Eindruck auf Luce, doch während Cam sich ihr gerade aufdrängt, weicht Daniel ihr aus und weist sie ab. Er ist unglaublich unfreundlich zu ihr, was ihn in ihren Augen aber noch attraktiver macht. Sie beginnt damit, über ihn zu recherchieren, weil sie mehr über ihn herausfinden möchte, doch keine der Informationen bringt sie wirklich weiter. Gleichzeitig wird Cam immer aufdringlicher. Fast schon zu aufdringlich, doch Daniel rettet sie aus einigen brenzligen Situationen – und offenbart dabei, dass sie mehr verbindet als Luce jemals gedacht hat …
_Der Schwerpunkt in_ Kates Roman liegt eindeutig auf der Romantik. Es gibt zwar einige Spannungselemente – das Geheimnis um Daniel und Cam, ein actionreiches Finale -, doch diese sind nur schwach ausgeprägt und werden auch nicht richtig ausgebaut. Ansonsten dreht sich das Buch, das aus Luces Perspektive erzählt wird, aber hauptsächlich um ihre Gefühle und Gedanken. Von diesen gibt es viele. Luce muss den Unfall mit ihrem Freund verarbeiten, sich an die neue Schule gewöhnen, neue Freunde finden und das erste Zusammentreffen mit Daniel stürzt sie in ein schreckliches Gefühlschaos. Ausgewalzt auf über 400 Seiten kann es da schon zu der einen oder anderen Länge kommen. Insgesamt fehlt es dem Aufbau noch etwas an klarer Linie und vielleicht auch etwas mehr Ausgewogenheit zwischen Romantik und Spannung.
Kate greift in ihrem Roman ein hinreichend bekanntes Thema auf: gefallene Engel. Dabei verzichtet sie weitgehend auf religiösen Ballast. Das bedeutet auf der einen Seite ein paar Längen weniger, auf der anderen wirkt das Buch an einigen Stellen allerdings etwas oberflächlich. Hinsichtlich des jungen Publikums ist dieses Vorgehen allerdings sicherlich das bessere.
Luce ist eine Figur, die, ähnlich wie Bella aus der „Bis(s)“-Reihe, viele junge Mädchen ansprechen wird. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, muss Ereignisse aus ihrer Vergangenheit verarbeiten und muss sich mit der Liebe auseinandersetzen. Die inneren Konflikte, die dabei entstehen, beschreibt die Autorin sehr anschaulich in einer mitreißenden, leicht verständlichen Sprache. Bereits nach den ersten Kapiteln hat man sich ein gutes Bild von der Protagonistin gemacht, das auch bis zum Ende konsistent bleibt. Sie ist damit sicherlich nicht der originellste Charakter, aber sie ist interessant und lebendig und besitzt Potenzial.
_Ob sich dieses_ Potenzial auch in der von Lauren Kate geplanten Reihe fortsetzen wird, wird sich zeigen. „Engelsnacht“ hat hinsichtlich der Protagonistin und des verständlichen Schreibstils jedenfalls die richtigen Tendenzen. Die Handlung überzeugt allerdings noch nicht ganz. Etwas mehr Spannung und weniger Längen wären wünschenswert.
Nun ist es endlich soweit. Nach dem „Marsprojekt“ gewährt Andreas Eschbach seinem Geist und seiner Schöpfungskraft einen neuen Ausflug in die Sciencefiction, ein Bereich, den er weitgehend seinen Jugendromanen überlässt. So kündigt sich auch „Black*Out“ als Erster mehrerer Teile an, deren vordergründige Zielgruppe Jugendliche sind. Doch wissen wir nicht alle, dass Eschbachs erwachsene Leser vor seinen vermeintlichen Jugendromanen keinen Halt machen?
Chris, Serenity und ihr Bruder sind in der Wüste Nevadas auf der Flucht. Vor wem, ist den beiden Geschwistern noch nicht richtig klar, doch spätestens, als sie von Militärhubschraubern verfolgt und beschossen werden, nehmen sie Chris‘ Paranoia ernst. Serenitys Vater, der Aussteiger Jeremiah Jones, wird neuerdings ebenfalls von der Regierung verfolgt und für Attentate und Terroranschläge verantwortlich gemacht. Chris behauptet, ihm helfen zu können und bittet die Geschwister deshalb, mit ihm die vagabundierende Gruppe um Jones zu finden. Denn bei Jones, das ist Chris‘ persönlicher Anreiz, befindet sich ein alter Bekannter seiner Familie:
Als Neurologe und Neurochirurg besitzt er die Fähigkeiten, die Christopher braucht, um ein unheimliches Geheimnis und gefährliche Bürde loszuwerden. Ihm wurde ein Chip implantiert, mit dessen Hilfe ihm eine direkte Verbindung ins Internet möglich ist. Der Haken: Alle Träger dieser Chips bilden einen geistigen Verbund, in Folge dessen sie ihre Individualität verlieren und absolut gleichgeschaltet werden – ihre Gedanken sind kohärent wie das Licht eines Lasers, ihr gemeinsames Ziel ist – alles. Und nur Christopher ist durch einen Defekt in der Lage, seinen Chip zu deaktivieren. Er kennt die Kohärenz, wie sich die gleichgeschalteten Menschen nennen. Er ist eine Gefahr für ihr Ziel. Er ist der Sohn eines ihrer Entwickler. Und er soll zurückgeholt werden …
Das Hörbuch ist natürlich eine gekürzte „autorisierte Lesefassung“. Das Manko bei diesen Produkten ist natürlich, dass tiefer gehende Erklärungen und Zusammenhänge oft dem Rotstift zum Opfer fallen und so in manchen Details nach dem Hören weiterer Erklärungsbedarf besteht. Das führte bereits zu Fehlinterpretationen oder auch schlechteren Beurteilungen, als einem Roman angemessen und würdig wäre. Im vorliegenden Fall ist dieser Mangel zu vernachlässigen, denn es wurde eine gute Balance geschaffen zwischen erzählerischem Tempo und nötigen Erklärungen, so dass die Spannung und der innovative Wert der Geschichte erhalten bleiben.
Die letzten Jahre kristallisieren sich immer stärker zu Jahren der medienbezogenen utopischen Literatur, und die Steigerung ist noch nicht abgeschlossen. Denken wir an Autoren wie Cory Doctorow oder Charles Stross, treffen wir auf abgefahrene Abhandlungen – nein, Erzählungen – über Weiterentwicklungen der Medientechnik, des Internets und der Breitbandverbindungen. Gefahren werden aufgezeigt, Möglichkeiten beschworen und dem Trend gefolgt, denn die Apps und Blogs und Plattformen für Handy und Co. bleiben kaum hinter den Utopien zurück.
Griff Eschbach letztens das Thema der computerbasierten Manipulation sehr ernsthaft auf, beschäftigt er sich im vorliegenden Roman zwar noch beängstigender, dennoch aber sehr utopisch, mit den Gefahren, die aus überbordender Vernetzung erwachsen könnten. Direkte Vernetzung von Gehirnen mit dem Internet über implantierte Chips sind doch trotz aller beschworener Schrecken echte Sciencefiction und rufen deshalb neben dem wohligen Schauer das beruhigende Gefühl hervor, davon noch weit entfernt zu sein. Gleichwohl spielt Eschbach auf diese Art kritisch mit dem Problem der Beeinflussung und Gleichschaltung von Gesellschaften. Noch leistet bei uns die Werbeindustrie die Arbeit, die bei Eschbach unumgänglich durch Kohärenz erledigt wird.
Genug der Interpretationen, widmen wir uns lieber den greifbaren Aspekten der Erzählung. Die Charakterentwicklung ist typischerweise bei Eschbach gut nachvollziehbar. So bleibt auch nicht verwunderlich, dass ein junger Mann, der stets allein und mit seinem Genie einsam vor seinen Problemen stand, seinen Plan zwar mit Hilfe von Anderen ausführen will, die wahren Details aber für sich behält. Dass er dabei für seine Helfer eine andere glaubhafte Geschichte inszeniert und sie damit ebenso verkackeiert wie seine Gegner, zeigt nur deutlich, dass er sich weiterhin als Einzelgänger betrachtet.
Die Gefahrenentwicklung für die anderen Beteiligten erleichtert Chris natürlich die Überzeugungsarbeit, um sie für sich zu gewinnen. So bedingen alle Geschehnisse einander und führen zu logischen Konflikten, denen sich die Protagonisten dynamisch nähern und – angewiesen aufeinander – gemeinsam zu Lösen versuchen. Es rennt also nicht ein Teenager durch Amerika und überzeugt ein paar Erwachsene von seinen Ideen, sondern die Ereignisse reißen alle mit in ihren Strudel und sorgen für gegenseitige Abhängigkeit, was die gesamte Geschichte glaubwürdig macht.
Da es sich offenbar um den Start eines Mehrteilers handelt, verbleiben ein paar lose Fäden und offene Fragen in der Geschichte. So das Rätsel um die von der Kohärenz unbemerkt vorgenommene Manipulation an Christophers Chip: Ist er also doch kein Einzelfall? Gibt es noch andere Möglichkeiten, sich von der Masse der Gehirne abzukapseln? Die Gefahr ist alles andere als gebannt, der Überraschungseffekt ist dahin und die Kohärenz wird mit jedem Tag stärker – eine gute Ausgangsbasis für weitere spannende Geschichten.
Ein Wort zum Sprecher: Stefan Kaminski, der seine Fähigkeiten selbst als „Stimmen-Morphing“ bezeichnet, trifft bei jedem Auftritt einer Figur deren Stimme in gleicher Weise, wie er sie einführte. Er liefert eine ausgezeichnete Leistung und ein Hörbuch, bei dem es Spaß macht, zuzuhören.
Ein neuer jugendlicher Eschbach, der weit näher vorstellbar ist als die Vorgänger zum Marsprojekt und neben gefährlichen Visionen auch die Hoffnung für die Zukunft nicht aus den Augen verliert. Und das Wichtigste: Spannende Unterhaltung für Jedermann!
6 Audio-CDs mit ca. 406 Minuten Laufzeit Gelesen von Stefan Kaminski ISBN 13 978-3-401-26062-4
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)
Band 1: _“Ein Sukkubus in Nöten“_
Band 2: „One Way Ticket in die Hölle“ (Dezember 2010)
Band 3: „Hotter Than Hell“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 4: „A Hell of a Time“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 5: „Hell Is Where The Heart Is“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
_Die verführerische Jezebel_ ist ein Sukkubus, der aus der Hölle fliehen musste. Auf ihren Kopf wurde ein Preisgeld ausgesetzt, das nicht nur Dämonen schwach werden lassen würde. Um ihren Häschern zu entgehen, sucht Jezebel Hilfe bei der Hexe Caitlin. Caitlin braut Jezebel, die sich fortan Jesse nennt, einen Trank, der sie in einen Menschen verwandelt. Um sicherzugehen, bekommt Jesse auch einen Schutzstein, der sie vor anderen Dämonen warnt.
Als er zufällig über einen Koffer voller Raubgeld stolpert, gerät ein junger Mann zwischen die wütenden Räuber, seinen exzentrischen Onkel und zwei misstrauische Kriminalbeamte … – Der 21. Band der William-Cromwell-Serie zeigt den Verfasser in ausgelassener Erzähllaune, der sich um die Logik seiner Geschichte wenig kümmert, sondern in kriminalkomödiantischen Szenen schwelgt, in denen karikaturenhaft überzeichneten Figuren seltsames Benehmen an den Tag legen: amüsant! Victor Gunn – Der vertauschte Koffer weiterlesen →
Schon von Kindesbeinen an werden uns die verschiedenen Facetten und Gesichter des Bösen anschaulich präsentiert: Märchen, Fabeln, Legenden, ja selbst der Priester in der Kirche sprechen davon, dem Bösen zu widerstehen und für das Gute einzutreten. Erst im Laufe unserer geistigen Entwicklungen wird uns klar, dass das „Böse“ ein Meister der Tarnung sein kann und die Grenzen zwischen Gut und Böse durchaus fließend sind.
Wo fängt Schuld an und wo endet Sühne? Für die Beamten der Mordkommissionen stellt sich die Frage wahrscheinlich häufiger. Das Grauen, das sie in ihrem Beruf erleben, lässt sich manchmal in dunklen Nächten nicht verdrängen, so dass Bilder vom Tatort, Gedanken über Opfer und Täter, Leichengeruch und ganz sicher auch die Verzweiflung der Angehörigen die Ermittler auf lange Sicht begleiten.
_Inhalt_
Axel Petermann, der Autor des vorliegenden Buches, ist Kriminalbeamter mit langjähriger Erfahrung und einer der ersten und besten Profiler Deutschlands. Sein Interesse daran, das Verhalten des Täters zu analysieren, es zu dokumentieren und sich mit den kleinsten Details des Tatortes zu beschäftigen, legte den Grundstein zu seiner jetzigen Position. Der Bremer Polizist beschäftigt sich permanent mit den Tatorten und den Leichen, sucht aber auch die Täter im Gefängnis auf und spricht über ihre Beweggründe, ihre Motivation. Gerade dieses auch sehr menschliche Verstehenwollen ist hilfreich, um den Täter als Menschen zu sehen – ob nun böse oder nicht, sei erst mal dahingestellt. Wichtig ist es für Axel Petermann, einen Blick hinter die geistigen Kulissen des Mörders zu werfen, um aus dessen Verhalten lernen zu können. Die Beweggründe der Tat sind vielfältig: psychische Krankheiten, moralische oder ethische Gründe, aber natürlich wird auch Morde aus Gier, Rache, Neid usw. – die sieben Todsünden tauchen immer wieder auf.
„Ich weiß nicht, was das Böse ist“, sagt Axel Petermann, und auf den ersten Blick wirkt dieser knappe, persönliche Feststellung für den Leser verwirrend, doch nach und nach offenbart sich der Sinn und der Kern dieser Aussage. Der Profiler sucht nach der Spur des Bösen und analysiert mit wissenschaftlichen Methoden den Tatort, sucht nach Indizien und nach Kleinigkeiten, die ausschlaggebend sein können. Der Profiler weiß, dass das Sichten des Tatortes, der zeitliche Ablauf der Tat usw. primär wichtig sind und eine einmalige Möglichkeit darstellen, um einen ersten Ansatz zu finden. Vergisst oder übersieht der Beamte etwas, so ist es auf immer verloren.
Der Autor Axel Petermann, auch für die Fernsehserie „Tatort“ als Berater tätig, erklärt seine tägliche Arbeit anhand von sieben gelösten Mordfällen. Dabei schildert er diese Fälle recht schonungslos, er beschönigt nichts und gibt auch persönliche Fehler zu, aus denen er gelernt hat. Es sind sehr unterschiedliche Mordfälle, deren Täter ganz ungleiche Motivationen antrieben. Dass ca. neunzig Prozent aller Morde aufgeklärt werden, klingt erst mal recht zuversichtlich und positiv, andererseits vermutet allerdings Axel Petermann, dass die Dunkelziffer nicht erkannter Morde um ein Vielfaches höher liege. Die Aussage „Wenn auf deutschen Friedhöfen bei jedem Verstorbenen, der dort liegt und nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, eine Kerze brennen würde, dann wäre der Friedhof in einer dunklen Nacht ein ziemlich erleuchteter Ort“ stimmt sehr nachdenklich. Es scheint, dass viel vertuscht wird, und dass natürlich aus Kosten- und Zeitgründen weniger Leichen auf den Tischen der Pathologie landen, als es der Fall sein müsste.
Absolut positiv ist, dass der Autor die Täter nicht als „Bestien“ oder als das personifizierte Böse identifiziert, sondern den Menschen als komplexen und fühlenden Wesen erkennt. Alles andere wäre auch zu einfach, und, sagen wir es ruhig, unzivilisiert.
Seinen persönlichen Umgang und dern seiner Kollegen mit dem Verbrechen glorifiziert er in keinem Kapitel. Kriminalbeamte sind Menschen, sie machen Fehler, sie verzweifeln, haben Ängste und erleben in ihrem Beruf immer wieder Situationen, die sie psychisch an ihre Grenzen bringen. Ihre Eindrücke können sie nur bedingt professionell verarbeiten. Hier entwickelt sich schnell Ironie und Zynismus, die helfen, solche Erlebnisse abzuschwächen – ein einfacher und effizienter Schutzmechanismus.
All diese kleinen Szenen bilden in der Gesamtheit ein sehr gutes Buch und geben eine gute und umfassende Momentaufnahme ab. Es räumt auf mit Vorurteilen, die sich immer wieder in Film und Fernsehen, aber auch in der Krimi- und Thriller-Literatur finden.
_Fazit_
„Auf der Spur des Bösen“ von Axel Petermann arbeitet mit dem Ansatz, dass man das „Böse“ nicht einfach finden kann, indem man Spuren verfolgt. Vielmehr stellt sich doch die Frage: Was ist der Auslöser? Wie wird Kriminalität erzeugt und ist nicht auch die Summe unserer Zivilisation bzw. die ansteigende Armut und die Unzufriedenheit, der tägliche Druck, den die Bürger empfinden, der Grund für Verzweiflung? Gewalt ist immer ein Ventil für Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, keinen Ausweg aus ihrer persönlichen Sackgasse finden, doch an solchen Tragödien ist nichts Sensationelles, wie es uns die Medien immer wieder unterhaltsam präsentieren wollen – es ist das Leben, so krank es psychisch und physisch auch sein mag.
„Auf der Spur des Bösen“ ist ein authentisches Buch ohne Sensationsgier, von einem Autor, der nüchtern und vor allem sachlich beschreibt, wozu Menschen fähig sind. Hier stehen das Opfer wie auch der Mensch an sich im Fokus, mit all seinen komplexen Fehlern, und das Buch zeigt sehr deutlich, dass es fühlende Menschen sind bzw. waren, die zu extremen Taten fähig sind.
Das „Böse“ ist und bleibt individuell, es versteckt sich, tarnt sich und offenbart sich manchmal – und es ist komplizierter, als es uns wirklich lieb ist. „Auf der Spur des Bösen“ ist ein großartiges Buch.
Eines unschönen Tages hielt es die Toten weltweit nicht mehr in ihren Gräbern. Als hungrige Zombies kehrten sie zurück und fielen über die entsetzten Hinterbliebenen her. Die menschliche Zivilisation brach binnen weniger Tage zusammen. Während die Zahl der Zombies stetig wuchs, weil nicht allzu heftig angefressene Opfer zu ihnen stießen, wurden die Lebenden zur bedrohten Art. Wer den Untoten entkam, schloss sich schwer bewaffnet zusammen und zog in festungsartig gesicherte Refugien.
„Eden“ nennen die Bewohner ironisch den von einer hohen Mauer geschützten Komplex, den sie sich im New Yorker Stadtteil Queens buchstäblich erkämpft haben. Hier fristen sie inmitten notdürftig angelegter Gärten und Felder ein mühseliges Dasein. So selten wie möglich wagen sie Ausbrüche ins zombieverseuchte Stadtgebiet, um Medikamente und andere Güter zu bergen, die sie nicht selbst herstellen können.
Die Präsenz der unmenschlich geduldig lauernden Untoten und private Tragödien haben die Überlebenden gezeichnet. Alkohol- und Drogensucht sind verbreitete Übel, aber auch Endzeit-Despoten wittern Morgenluft. Ex-Lehrer Harris fällt einem perfiden Mordanschlag zum Opfer: Wohl weil ihn seine schöne Gefährtin Julie nicht verlassen will, lässt ein Nebenbuhler nachts Zombies in sein Haus eindringen. Zwar können die Untoten gestoppt werden, aber Harris wurde gebissen. Binnen 24 Stunden wird er sich verwandeln. Harris schweigt, denn die ihm verbleibenden Stunden will er zur Rache nutzen, seinen Mörder entlarven und ihn strafen.
Die Zeit drängt, denn erste Zeichen der Infektion werden bald sichtbar. Aber Harris nimmt sich die Zeit, Abschied zu nehmen, an die Zeit vor und nach der Epidemie zurückzudenken und eine Todesfalle auszutüfteln, die mindestens so grausam ausfallen soll wie das Schicksal, das ihn erwartet …
_Once bitten, twice shy_
Erstens: Der zwar variierte aber grundsätzlich identische Plot ist vielen Lesern quasi heilig: Sie hassen Überraschungen und das damit verbundene Risiko der Irritation, sondern wünschen in ihrer knappen Freizeit bewährte Zerstreuung. Von dieser Haltung – die der Kritiker gern „Denkträgheit“ nennt – profitieren zahlreiche Autoren, die genau dieses Gewünschte und nicht mehr zu liefern in der Lage sind.
Zweitens: In der (ungerecht wertend) als „trivial“ bezeichneten, primär der Unterhaltung dienenden Literatur gibt es (Sub-) Genres, die durch eng gezogene Grenzen definiert sind. Zu ihnen gehört der Zombie-Horror, der nicht nur im Buch, sondern auch im Film grundsätzlich derselben Storyline folgt: Die Toten kehren als hirnlose Kannibalen zurück und lassen durch ihre schiere Überzahl die Zivilisation enden. Statt sich möglichst wirkungsvoll zu organisieren, arbeiten sich die Überlebenden an den mannigfachen Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Zwietracht ab und zerstören sich selbst; den Rest übernehmen die Zombies.
„Eden“ entspricht diesem Schema exakt. In einer merkwürdigen Mischung aus Fiktion und Vorwort – angeblich wurde dieser Roman von einem unkonventionellen Weltenbummler namens Tommy Arlin verfasst, und Tony Monchinski ist nur sein literarisches Sprachrohr – macht der Verfasser bereits einleitend deutlich, dass er Neues gar nicht anstrebt. Die „Eden“-Zombies sind ausdrücklich als ‚Klassiker‘ und hässliche Zerrbilder des Menschen gestaltet. Sie reden nicht, sie jagen und fressen nur. An eine Verständigung mit ihnen ist nicht zu denken.
|Der Zombie hält den Spiegel|
Nur in Details mochte Monchinski auf Neuerungen nicht verzichten. Im apokalyptisch verheerten New York treiben nicht nur die üblichen Torkel-Zombies à la Romero ihr Unwesen. Die Überlebenden klassifizieren vier Arten: „Schlurfer“, „Hetzer“, „Heuler“ und „Hirne“. Monchinski erkannte, dass langsame, dumme Untote selbst in der Überzahl keine Spannung garantieren. Also erweitert er ihren Handlungsspielraum, indem er die Reihen der trägen Stolper-Leichen durch spurtstarke Läufer und tückisch schlaue Hinterhalt-Jäger ergänzt.
Diese Konstellation sorgt für die übliche Splatter-Action, wenn Mensch und Zombie in dunklen Kellergängen, nur scheinbar verlassenen Lagerhallen oder an ähnlich unübersichtlichen Orten unvermutet aufeinandertreffen. Dazu kommen die beliebten Massenaufmärsche unterschiedlich verwester Untoter, die detailfreudig beschrieben für angenehme Schauer sorgen.
Doch der Zombie fungiert nicht nur als direkte Schreckensgestalt. Er dient in der Masse als gesichtslose Gefahr, der sich die lebendig und damit Individuum gebliebene Rest-Menschheit stellen muss. In dieser Funktion ist die Anwesenheit der Zombies sogar überflüssig. Viele Seiten füllt Monchinski deshalb mit Schilderungen, die sich auf die lebenden Bewohner von Eden konzentrieren. Sie stehen mit dem Rücken so glatt an der Wand, dass die üblichen Beschwichtigungs- und Vertuschungsmechanismen nicht mehr greifen. Die Menschen müssen zueinander finden oder untergehen: An diesem Punkt wird es für den Schriftsteller interessant, denn hier wird er zum Schöpfer eigener Gesellschaftsentwürfe.
|Viele fühlen sich berufen, nur wenige sind auserwählt …|
99 von 100 Apokalyptikern sind Kulturpessimisten. Monchinski gesellt sich zu ihnen, indem er die von außen belagerte Gruppe inneren Zerreißproben aussetzt. In der Not fällt die Maske, der Mensch kehrt in die Regelwelt der Steinzeit zurück, die angeblich durch das Primat des Stärksten und Rücksichtslosesten (aber nicht unbedingt des Klügsten) gekennzeichnet war. Monchinski arbeitet mit bekannten Klischees, lässt Cäsarenwahn, religiöser Fanatismus und feigen Opportunismus wüten, die er durch ostentative Tapferkeit, Pioniertugenden oder einfach Resignation konterkariert.
Die daraus resultierenden Konflikte versucht er kurzweilig abzuwandeln, setzt dabei jedoch erneut auf Klischees: Hauptfigur Harris ist „DOA“, „dead on arrival“; nicht mehr Mensch, aber noch nicht Zombie und ein Opfer, das in den ihm verbleibenden Stunden den eigenen Mörder jagt. Dies ist kein innovatives Konzept, zumal Monchinski sich nicht auf Harris konzentriert, sondern ständig abschweift.
„Eden“ ist kein Roman mit straff gespanntem Handlungsfaden, sondern ein Mosaik kapitelkurzer Schlaglichter auf das Ende der Welt. Wie sein (im Vorwort gelobtes) Vorbild Quentin Tarantino in „Pulp Fiction“ bricht Monchinski mit der Chronologie der Ereignisse, verlässt die Gegenwart, springt in die Zeit vor und zurück, sucht dabei Orte außerhalb der Eden-Festung auf, führt Figuren ein, die sang- und klanglos wieder verschwinden. Die dennoch simple Story vermag der Leser mühelos in die korrekte Reihenfolge zu bringen – und dabei als vordergründig entlarven.
In seinem Debüt-Roman will Monchinski dem ‚dreckigen‘ Horror der 1970er und 80er Jahre spannend seine Reverenz erweisen. Was ihm immerhin gelingt, ist ein unterhaltendes Zombie-Garn der schnell konsumierten und vergessenen Art. (Die zahlreichen Druckfehler der deutschen Übersetzung bleiben dagegen ebenso lange im Gedächtnis haften wie die – rhetorische – Frage, ob es nötig war, ein im Original gerade 268 Seiten zählendes Buch zum 480 Seiten starken und entsprechend teuren Paperback aufzublasen.)
P. S.: Selbstverständlich geht die Schlacht weiter; „Eden: Crusade“ erschien 2010.
_Autor_
Nach Lehr- und Wanderjahren im Dienst des US Peace Corps, die er u. a. in der Karibik und nach Südkorea verbrachte, arbeitet Tony Monchinski, Jahrgang 1973, heute als Lehrer für Politikwissenschaften an der Fox Lane High School in Bedford, US-Staat New York. In seiner Freizeit schreibt und fotografiert er für das Bodybuilder-Magazin „MuscleMag International“. 2008 veröffentlichte Monchinski – zunächst im Selbstverlag – den Horror-Roman „Eden“, den er inzwischen fortsetzte.
|Taschenbuch: 475 Seiten
Originalausgabe: Eden – A Zombie Novel (Mena/Arkansas: Permuted Press 2008)
Übersetzung: Reinhold H. Mai
ISBN-13: 978-3-453-52665-5|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne
_|Stern|-Abonnenten sollten wissen_, worauf sie sich bei einem gefragten Kolumnisten wie Jan Weiler einlassen. Seit geraumer Zeit versorgt der inzwischen auch als Buchautor gefragte Schreiberling ein wachsendes Publikum mit den Geschichten um den pikanten Schwiegervater Antonio, um Sara, die etwas zerstreute Ehegattin, und die beiden Nachzügler Carla und Nick, die erst jüngst hinzugestoßen sind und Weiler allerhand Futter für neue kuriose Geschichten zum ‚ganz normalen‘ Alltag liefern.
61 seiner berüchtigten Kurzabhandlungen hat er nun unter dem Titel „Mein Leben als Mensch“ zusammengefasst und auch über seine populären Kolumnen hinaus für die Nachwelt festgehalten. Und vergleichbar seinem inzwischen bereits verfilmten Klassiker „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ hat Weiler hierbei kein Fettnäpfchen ausgelassen, um seine sarkastisch angehauchte Selbstironie sowie die allzu üblichen Fehltritte des Alltags auf die Schippe zu nehmen bzw. sich am Ende des Tages in erster Linie über sich selbst und seine Sippe zu amüsieren.
Insofern ist „Mein Leben als Mensch“ natürlich vorrangig eine Zusammenfassung der brisantesten Alltags-Storys aus dem Leben einer italienischen Gastarbeiterfamilie, in die der Protagonist vor einiger Zeit eingeheiratet hat. Es geht um Kuriositäten wie die Geschichte mit den ‚Laufenten‘, die Weiler vergeblich einzufangen versuchte, um die Fußball-Weltmeisterschaft, für die Senór Antonio natürlich noch die richtige Flimmerkiste beschaffen musste (mit Flakebild versteht sich), um die Diskrepanzen, die ein Festnetz-Anschluss mit sich bringt, und natürlich um das Au-Pair-Mädchen Natalya, das immer wieder frischen Wind und Denkanstöße in die engmaschige Welt der italienisch-deutschen Verbindung hineinbringt, ohne dabei jedoch den Moralapostel heraushängen zu lassen.
_Aber was genau_ zeichnet Weiler und seine Hommage an den Alltag nun wirklich aus? Nun, es ist der Alltag selber. Es sind außergewöhnliche Storys, die nur das Leben schreibt, die so gewöhnlich und typisch sind, als Anekdoten aus einer völlig normalen Welt, dann aber doch wieder ein wenig absurd erscheinen, fast schon als Persiflage auf das, was Weiler im Titel beschreibt – auf das Leben als Mensch. Die Spanne reicht dabei von kleinen Krisen über einen Hauch von zynischer Situationskomik bis hin zu schwärzlich-humoristischer Satire. Kaum eine Gelegenheit wird dabei ausgelassen, die Klischees der italienischen Hitzköpfigkeit zu betonen, und wenn Weiler seinen Lieblingszögling Antonio mal wieder in den Mittelpunkt rückt, sind die Lacher stets auf seiner Seite.
Dennoch werden sich Liebhaber der vorherigen beiden Bücher zunächst einmal an „Mein leben als Mensch“ gewöhnen müssen, da die jeweiligen Kapitel in sich abgeschlossen und vor allem reichlich kurz sind. Doch inhaltlich entschädigen sie einfach für alles, was sich anfangs gegen die Erwartungshaltung sträubt. Antonios ständige Dispute mit der Technik, Sohnemanns unerschöpfliche Suche nach neuen Wortkreationen, Saras stete Hilflosigkeit und Claras Besonnenheit – hier wird jeder Charakter zu einem Lachmuskelerquicker der besonderen Art. Und zu einem Kurzweil-Garanten für die begrenzte Dauer von immerhin 224 Seiten. Aber die Quantität muss nicht die Sorge des Publikums sein. „Mein Leben als Mensch“ wird zweifelsohne noch einige Brüder zur Seite gestellt bekommen. Denn wenn eines schier unerschöpflich ist, dann Weilers Sinn für liebreizende und vor allem unterhaltsame Geschichten aus dem Alltag einer nicht ganz alltäglichen Familie …
|Hardcover: 224 Seiten
Mit Illustrationen von Larissa Bertonasco
ISBN-13: 978-3463405711|
[www.rowohlt.de/verlag/kindler]http://www.rowohlt.de/verlag/kindler
_Muss man in einen Song_ überhaupt so viel hineininterpretieren, dass er geradezu in jeder Silbe zerpflückt wird und die wahre Schönheit des Liedes im analytischen Kontext seines Genusses verlorengeht? Man kann sicher darüber streiten, zumal die heutige Popkultur mit ihren größtenteils oberflächlichen Inhalten kaum mehr Anlass gibt, den lyrischen Output einer Komposition näher zu diskutieren. Dass dies mal anders war, steht außer Frage, man denke nur auf die intelligenten Geschichten des [Krautrocks,]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1492 die Symbiose aus Wort und Text in den frühen Momenten der progressiven Musik oder schließlich an die Anfänge der Hippie-Singer/Songwriter-Kultur mit Protagonisten wie Bob Dylan und Joan Baez. Doch auch Jahrzehnte vorher entstanden Lieder bzw. in erster Linie Texte, deren Deutung ein Millionenpublikum beschäftigte und deren wortgewandte Wirkung die Gesellschaft in der ganzen Welt in Aufruhr brachte.
Eines der passendsten Beispiele ist sicherlich „Lili Marleen“, jenes Lied, welches womöglich sogar den globalen Soundtrack des Zweiten Weltkrieges abzugeben gezwungen war, da es nicht nur von der Wehrmacht motivierend gesungen wurde, sondern auch im Bereich der Alliierten Anklang und Bewunderung fand. Als Hans Leips Verse, vertont von der legendären Lale Anderson, zu Beginn des „Dritten Reichs“ erstmals beim Militärsender Belgrad gespielt wurde, hatte noch niemand eine Vorstellung davon, welche Wellen das Ganze schlagen sollte. Doch kurzerhand wurde das sehnsüchtige Flehen der Lili Marleen zum Sensationserfolg, zur bittersüßen Kriegssymphonie melancholischer Soldaten, zur Erkennungsmelodie für die verlorenen Hoffnungen von ganzen Armeen, schließlich aber auch zum Schauplatz der bitteren Tragödien, die in diesem Hoffnungsschimmer begraben sind. Letzten Endes avancierten die Rechte und der Ursprung von „Lili Marleen“ zur dramatischen Schlammschlacht.
_Wer sollte sie gewesen sein_, die Lili, die in diesem Song besungen wurde? Welche Zusammenhänge ergeben sich hierdurch für den Textautor Leip und dessen undurchdringliches Liebesleben? Warum ist die Familie des sozioanalytischen Meisters Sigmund Freud ein Teil des Ganzen? Und welche Rolle spielt Marlene Dietrich, die berühmte Diva, die den Welthit auch für den amerikanischen Markt salonfähig machte? Dass ein Lied so viele Fragen aufwirft, scheint übertrieben, vor dem Hintergrund des schlichten Textes sogar regelrecht paradox. Doch gerade vor dem Hintergrund der immensen Nachwirkungen, die das Ganze hinterließ, scheint es sinnvoll, noch einmal näher in das Treiben einzutauchen und den offenen Komplex in einer umfassenden Diskussion zu beleuchten.
Die Frau, die sich dieser Aufgabe angenommen hat, stammt aus Spanien, heißt Rosa Sala Rose und ist dem Song ähnlich verfallen wie die Heerscharen, die vor gut und gerne 70 Jahren gegeneinander in den Krieg zogen. Die Autorin beschreibt vor allem dem Mythos und die Wirkung der Worte, ergründet hierbei Schritt für Schritt die Ursprünge und die hierin verstrickten, tragenden Figuren. Und es sind zumeist hässliche Erlebnisse, Streitereien, Familienzwiste, Fehden um Wahrheit und Betrug und schließlich themenübergreifende, theatralisch inszenierte Dramen, die jedoch den Mythos nur weiter nährten und eine Faszination auslösten, wie sie wohl kein Song zuvor in dieser Vehemenz für sich beanspruchen konnte. Doch das Buch „Lili Marleen“ ist mehr als eine Situationsanalyse respektive eine biografische Aufarbeitung eines Liedes im Zeitraffer eines halben Jahrhunderts. Es ist vielmehr eine Ergründung von bisher noch nicht bestätigten Tatsachen, eine gezielte Auseinandersetzung mit Herkunft, Motiv und Nachwirkung, vielleicht auch die Suche nach noch viel mehr von dem, was zwischen den Zeilen steht, schließlich aber ein Essay der ganz besonderen Art, da es zeigt, was sich aus einem Stück weltlichen Kulturguts alles herausholen lässt, wenn man einmal die nötige Distanz aufgebaut hat, um sich ihm wieder peu à peu anzunähern.
_Zuletzt hat Rosa Sala Rose_ es geschafft, das Interesse zu wecken und etwas Emotionales sachlich und doch fokussiert aufzugreifen, ohne dabei genau jenes Emotionale in seiner Wirkung zu zerstören. Gerade das schmucke Extra, eine CD-Beilage mit elf Fassungen und Abhandlungen des Liedes, beschreibt dabei die Sorgfalt der Autorin, die nichts unversucht gelassen hat, um den Mythos greifbar zu machen, ihn aber auch auf alle erdenklichen Ebenen auszuweiten. Aus diesem Grund muss man weder mit der Komposition selber noch mit dem vertraut sein, was „Lili Marleen“ umgibt. Die spanische Germanistin mit deutschem Ursprung weiß nämlich auch bei fehlendem Background mit einer Hingabe zu fesseln, in die man sich langfristig zu verlieben weiß – ähnlich wie so mancher Soldat in einer der schwierigsten Zeiten seines ganzen Lebens …
|Kartoniert: 239 Seiten mit 21 Abbildungen und Audio-CD
Originaltitel: Lili Marleen – Canción de amor y muerte
Übersetzer: Andreas Löhrer
ISBN-13: 978-3-423-24801-3|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
Es beginnt Anfang des Jahres 3459. Perry Rhodans Gehirn ist in seinen Körper zurückgekehrt, und die Galaxis wartet voller Spannung auf die Konsequenzen, die sich aus dem „Kosmischen Schachspiel“ ergeben könnten. Als dann aber die Sterne erlöschen, kommt alles anders als erhofft. Eine fremde Macht, die Laren, landet im Auftrag des „Konzils der Sieben“ auf der Erde und stellt unmissverständliche Forderungen. Hotrenor-Taak, ihr Sprecher und Anführer, bestimmt Perry Rhodan kurzerhand zum „Ersten Hetran der Milchstraße“. Der Terraner soll im Auftrag des Konzils diktatorisch über die Völker der Galaxis herrschen. Perry Rhodan bleibt nichts anderes übrig, als zum Schein auf die Forderung der Fremden einzugehen und im Untergrund gegen das Konzil der Sieben zu kämpfen. Dabei darf er nicht einmal davor zurückschrecken, zum Schein seinen Freund Atlan zum Tode zu verurteilen – ein Spiel, aus dem tödlicher Ernst wird … (Verlagsinfo für den kompletten Silberband)
_Mein Hör-Eindruck:_
Da ist sie nun, die erste |Silber Edition|, die nicht von Josef Tratnik gelesen wird. Nach 25 erfolgreichen Hörbüchern startet der Verlag, sicher auch auf Drängen der Fans hin, eine Parallelveröffentlichung von weiteren Silberbänden, die im Wechsel von Tom Jacobs und Andreas Laurenz Maier gelesen werden. Und damit man sich selbst nicht in die Quere kommt, beginnen die Lesungen mit Silberband 74, den Tom Jacobs vorliest. Die Silber Edition 75 vertont dann Andreas Laurenz Maier. In der „regulären“ Reihe hatte Josef Tratnik gerade Silberband 25 präsentiert.
Die |Silber Edition| 74 „Konzil der Sieben“ startet den „Konzil“-Zyklus, der sieben Silberbände umfasst. Band 74 selber beinhaltet die Handlung der Heftromane mit den Nummern 650-655. Das sind sechs Hefte, deren Gesamthandlung in vier Teilen vorgetragen werden. Da fragt sich der geneigte Fan mit Vorwissen, wo denn da unterbrochen wird, und der unvorbelastete Hörer freut sich auf weitere Abenteuer mit Perry Rhodan und seinen Freunden.
Es ist schon ein wenig seltsam, nach der altbekannten Titelmusik nicht die Stimme von Josef Tratnik zu hören, besonders für die, die Tom Jacobs nicht von den wöchentlichen Heftlesungen her kennen. Was allerdings ein wenig das Hörvergnügen gleich zu Anfang schmälert, ist die Zeitleiste, die Jacobs vorträgt. Das hatte Tratnik auch schon 25-mal gemacht, natürlich, sie steht ja auch am Anfang jedes Silberbandes, nur erfährt der Hörer der vorherigen |Silber Editionen| jetzt schon Dinge, die er eventuell gar nicht wissen möchte. Denn hier wird die Lücke zwischen Band 25 und 74 im Schnelldurchlauf geschlossen und die Handlung sämtlicher kommender Tratnik-Lesungen schon vorweggenommen. Wer hier also nicht schnell genug auf den „Nächster Track“-Knopf drückt, der bekommt eine Hypnoschulung der unfreiwilligen Art.
|Der erste neue Sprecher|
Tom Jacobs liest gefühlt schneller als Josef Tratnik, dieser Eindruck stellte sich sofort ein. Teilweise klingt er ein wenig unruhig und gehetzt und überträgt eine Art Nervosität. Aber er kann auch langsamer lesen und sich passend mit den bekannten Charakteren auseinandersetzen, so dass es nicht lange seltsam anmutet, dass hier Jacobs liest und nicht Tratnik. Er hat seine eigene Note, kopiert Tratnik nicht und hat es auch nicht nötig.
Einen leichten Einstand hat Jacobs allerdings nicht, so muss er doch gleich zu Anfang einen Xisrapen lesen. Diese amöbenartige Rasse kann die Lautverbindungen „an“ und „in“ mit ihrer Sprechblase nicht erzeugen, und entsprechend schwer hat es der Sprecher, wenn solche Passagen vorzulesen sind. Jacobs spricht den Außerirdischen gequält, gedrungen, bedrückt, fast asthmatisch und irgendwie leidend. Es hat den Anschein, dass hier auch das Leid des Sprechers mit eingeflossen ist. Allerdings hat der Erfinder dieser Rasse 1974 sicher noch nicht daran gedacht, dass in 36 Jahren einmal jemand diese Sprache laut vorlesen würde.
Davon abgesehen macht Jacobs seinen Job wirklich gut und transportiert die Stimmung und die Handlung überzeugend. Insgesamt wirkt sein Vortrag ein wenig lebendiger als der von Tratnik, an dem er sich natürlich messen lassen muss. Tratnik ist eher der ruhigere und gemächlichere Vorleser, wohingegen Jacobs mehr Schauspiel vor dem Mikro und somit ein wenig mehr Action in die Ohren bringt.
Im Speziellen spricht er Gucky nicht wie „Kermit der Frosch“. Zwar auch ein wenig gedrungen, aber nicht so nervend, wie Tratnik diesen Charakter vertont. Und Icho Tolot spricht er nicht wie einen ruhigen Riesen mit tiefer Stimme, wie sein Kollege es tut, sondern kräftig laut und mit Abstand vom Mikrofon.
|Keine neuen Effekte|
In Sachen „Hintergrund“ bleibt der Verlag bei Altbewährtem. So werden die bereits aus den Tratnik-Lesungen bekannten Effekte und Ambientesounds an den Anfang einiger Tracks gestellt. Dies könnte gern öfter und vielfältiger getan werden. Auch die Titelmusik ist gleich geblieben. Lediglich das Ende unterscheidet sich von den Vorgängern durch ein „Ende Teil 1“ des Sprechers statt der bekannten Abspannmusik. Diese wird wahrscheinlich am Ende des letzten Teils wieder zu hören sein und auf der im November erscheinenden Komplett-Ausgabe der |Silber Edition|.
|Die MP3s|
Beim Taggen der 45 Dateien, die in der Qualität 128kbps, 41,1kHz und in Joint Stereo vorliegen, ist ein wenig geschlampt worden. Die ersten 16 Tracks tragen eine andere ID als die folgenden 29. Bei der One-Track-Version gibt es dieses „Problem“ natürlich nicht.
_Mein Fazit:_
Das Experiment, eine neue Parallelreihe mit |Silber Editionen| zu starten, ist geglückt. Es ist keine Blasphemie, wenn Jacobs statt Tratnik zu hören ist, denn auch er versteht es, durch seine Vortragsart den Hörer zu fesseln, und schafft durch unterschiedliche Betonungen und Stimmmodulationen einen Wiedererkennungswert bei den Charakteren.
Eine etwa 7,5 Minuten lange Hörprobe bietet der Verlag [hier]http://www.einsamedien.de/MP3/hoerprobe__se74.mp3 an.
|MP3-Download mit ca. 215 MB Größe
Spieldauer der Lesung: 3:52 h
Sprecher: Tom Jacobs|
[perry-rhodan-shop.de]https://perry-rhodan-shop.de
[perry-rhodan.net]http://www.perry-rhodan.net
Hinweis: Die MP3-Fassung erscheint im November auch auf 2 CDs im Handel.
Band 1: „Felidae“
Band 2: „Francis“
Band 3: „Cave Canem“
Band 4: „Das Duell“
Band 5: „Salve Roma!“
Band 6: „Schandtat“
Band 7: _“Felipolis“_
_Inhalt_
Kater Francis hat eigentlich mit persönlichen Problemen zu kämpfen, als sein alter Freund Blaubart ihn auf eine Artgenossin aufmerksam macht, die in einer prekären Situation steckt: Die reiche und offenbar etwas schrullige alte Besitzerin eines Weltkonzerns hat ihre Katze Domino als Alleinerbin eingesetzt und ist dann gestorben. Das ganze riesige Anwesen wimmelt nun von wütenden Familienmitgliedern und wichtig wirkenden Anwälten, und Francis macht sich ein wenig Sorgen um die Erbin: Wie leicht ist so ein kleiner Katzenhals doch umgedreht, wenn das Tier das einzige Hindernis auf dem Weg zu Milliarden ist?
Er ist allerdings nicht die einzige Samtpfote, die sich auf den Weg zu der über Nacht reich gewordenen Katze macht: Zahlreiche Artgenossen tummeln sich bereits vor der großen Villa – aus deren drittem Stock plötzlich ein Zweibeiner stürzt und sehr tot auf einer Luxuslimousine liegen bleibt. Nun gibt es für Francis kein Halten mehr: Die Erbin muss beschützt werden! Doch er scheint der Einzige zu sein, der sich tatsächlich Sorgen macht: Der Großteil der anderen Katzen weiß offensichtlich sehr genau, wofür das Geld verwendet werden sollte. Und wo so große Summen im Spiel sind, lassen natürlich auch die Dosenöffner (= Menschen) nicht lange auf sich warten. Es entbrennt ein Streit unter militanten Tierrechtlern und Anwälten der Gegenseite, und darüber hinaus sieht Francis sich plötzlich von allen Seiten angegriffen. Was soll das, warum möchte man ihn so dringend tot sehen? Und was zur Hölle ist dieses „Felipolis“, von dem man miauend munkeln hört?
Dieser Fall für Francis hat es tatsächlich in sich; diesmal geht es um Weltpolitik und eiskalte Killer, die auf dem Weg zu ihrem Traumziel auf gar nichts mehr Rücksicht nehmen. Wenn das dem alternden Katerdetektiv mal nicht über den plüschigen Kopf wächst …
_Kritik_
Wer sich damals in „Felidae“ verliebt hat und seitdem die Abenteuer des naseweisen Kater (von Freunden wie Feinden treffend „Klugscheißer“ genannt) mit Spannung verfolgt hat, wird sich freuen, dass es endlich weitergeht. Wie gehabt sind Akif Pirinçcis Katzen sehr anthropomorphe Wesen, aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Der leicht angeberische, clevere Held wächst dem Leser mit seinen Schwächen und seinen Stärken schnell ans Herz, und dass ihn nun langsam einige Alterserscheinungen beuteln, macht ihn umso sympathischer. Der fluchende, kaputte Blaubart mit dem Herz aus Gold ist ein weiteres Highlight dieser Reihe.
Der Fall ist diesmal extrem verwickelt und reicht über Staatsgrenzen hinaus, bis in wissenschaftliche Grenzgebiete hinein und spielt mit archaischen Wünschen, die zwar insgesamt eher in der Welt der Homo sapiens sapiens auftreten dürften, aber nahtlos in die der Felidae übertragen werden können. Es ist ein schon fast weimarerisch anmutendes Politkuddelmuddel, das Pirinçci hier heraufbeschwört – aber was davon nun Schein und was Sein ist, wird erst nach und nach geklärt. Zwar gibt es schon früh deutliche Hinweise darauf, wie das eine oder andere Verbrechen zu erklären ist, aber die letztendlichen Zusammenhänge begreift man dann doch erst, wenn sie restlos aufgeklärt werden.
Der Stil ist natürlich der flapsigen Sprache Francis‘ angepasst und somit eine unterhaltsame Mischung aus Bildung und Gossensprache. Im Großen und Ganzen haben wir hier einen ausgefallenen, spannenden Krimi voller Schnurrhaare, Krallen und extraordinären Einfällen, bei dem sich der Leser schmunzelnd fragt, wie um alles in der Welt man bloß auf so etwas kommt.
_Fazit_
Wie schon mehrfach zuvor liefert Pirinçci wunderbare Unterhaltung: abwegig, manchmal düster, immer spannend und sehr, sehr interessant. Natürlich ist es hilfreich, wenn man den kleinen Samtpfoten auch im wirklichen Leben verfallen ist, Notwendigkeit dafür besteht aber nicht, da die vierbeinigen Protagonisten allesamt eine sehr menschliche Denkweise an den Tag legen.
„Felipolis“ ist wie seine Vorgänger sehr empfehlenswert, eine vergnügliche Lektüre wie ein beunruhigendes Zukunftsbild gleichermaßen. Gönnt euch den Spaß und lest es!
_Was ist bloß_ in Marc Hujer gefahren? Der Autor der aktuellen autorisierten Schwarzenegger-Biographie begeht bereits auf den ersten Seiten seines kürzlich veröffentlichen Werkes künstlerischen Selbstmord, indem er das Objekt seines Interesses im Vorwort als Karikatur darstellt. Hujer beschreibt hier das schwarzeneggersche Treiben in seiner Motorrad-Gang, das Macho-Gehabe, welches selbst von der hohen politischen Verantwortung des derzeitigen Gouverneurs von Kalifornien nicht ad acta gelegt wurde, kommentiert den Aufstieg in die obersten Regionen des größten Staates der USA mit einigen abschätzigen Worten und betrachtet den sogenannten amerikanischen Traum mit dem entsprechenden Zynismus.
Schreibt hier etwa jemand, der mit Staat, Politik und Persönlichkeit in einer Tour abrechnen möchte? Mitnichten! Stattdessen versucht der Autor lediglich all das greifbar zu machen, wofür die lebendige Laufbahn des einstigen Muskelprotzes steht. Er analysiert Systeme und eigenwillige Strukturen, die Macht von Worten und außergewöhnlich gewöhnlichem Gebaren. Dabei produziert er das womöglich abstoßendste Bild eines weitestgehend komischen Helden, ist aber leidenschaftlich darum bemüht, Arnold Schwarzenegger ein Forum zu schaffen, in welchem die Fehlleistungen und Plattitüden eine Möglichkeit bekommen, von der Menschlichkeit und Besonnenheit einer Persönlichkeit kompensiert zu werden, die letzten Endes nicht ohne Grund dort rangiert, wo sie am heutigen Tage positioniert ist.
Und gerade dieser wirklich aufopferungsvoll recherchierte Kampf – und das ist diese Ausgabe in der Tat – für Schwarzeneggers Recht, einfach nur Schwarzenegger zu sein und sich eben nicht immer anpassen zu müssen bzw. unangepasst an die Macht zu kommen, ist in „Arnold Schwarzenegger – Die Biographie“ schlicht und einfach genial herausgearbeitet. Das macht diesen Titel selbst für diejenigen interessant, für die der vermeintliche Titelheld nichts weiter ist als das aufgeblasene Beispiel einer, grob betrachtet, kitschigen Seifenblase im noch kitschigeren Hollywood-Format. Schließlich ist Marc Hujer mit ähnlichen Gedanken an die Sache herangegangen, als er anno 2003 beschloss, dem Phänomen Schwarzenegger etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken …
_Hujer stützt sein Wissen_ hierbei auf zahlreiche literarische Quellen und Zeitzeugen aus dem Umfeld des exilierten Österreichers und baut vor allem die Geschichten über die Bodybuilder-Karriere und den rasanten Aufstieg in den weltweiten Muckibuden auf den Erfahrungen Dritter auf. Dennoch setzt er gerade in diesem Bereich Prioritäten und analysiert, wie der spätere Terminator nicht mit Hirn, aber mit eisernem Willen seine Ziele verfolgt und auch tatsächlich erreicht. Schwarzenegger ist stets dem Spott derjenigen ausgesetzt, die in ihm genau das sehen, was er unterm Strich für eine lange Zeit auch sein wird: Ein eindimensional denkender, plumper Dörfler, der seinen Verstand vorrangig hinter einem mächtigen Oberarmumfang versteckt hat und, das konnten eigentlich die wenigsten verstehen, trotzdem zu einem der extremsten Emporkömmlinge in der gesamten Medienlandschaft avancierte.
Es sind daher auch vor allem die Zeiten, in denen sich Schwarzenegger von Titel zu Titel hangelte, dabei seine voyeuristische Art in allen Zügen auslebte und den eigenartigsten Szene-Publikationen Interviews und Auskunft gab, die in dieser Biographie einen großen Stellenwert bekommen und damit vor allem die Hollywood-Episode quantitativ um ein Vielfaches übertrumpfen. Es ist gerade diese Zeit, die aus heutiger Sicht völlig absurd scheint und in den modernen Beschreibungen des westamerikanischen Gouverneurs zumeist ausgeblendet wird, da die Distanz zwischen dem, was war und ist, kaum mehr fassbar scheint.
Und es sind die harten Trainings, der steinharte Weg, die knallharte Disziplin, die Konzentration auf nichts anderes als das Wesentliche und der brutale Wille, nach oben zu kommen, die aus einer an für sich klassischen Erfolgsbiographie herausragen und wahrscheinlich selten so knallhart ausgeprägt sind wie bei jener Figur des Jahrgangs ’47. All das zu lesen, fordert wider Erwarten jedoch nicht den Proleten im Manne, der hier nach Selbstbestätigung sucht, denn hierzu geht Hujer viel zu kritisch mit seiner literarischen Figur um. Es ist vielmehr ein brillantes Portrait eines sehr eigenwilligen, von seiner nicht immer leichten Jugend geprägten Menschen, der nie den Anspruch erhebt, Vorbild zu sein, sondern stattdessen immerzu kompromisslos seinen Weg geht, nur um sich und seiner selbst willen. Und, das weiß man vom heutigen Standpunkt her: Das hat Arnie definitiv geschafft!
_Das zweite große Kapitel_ dieser chronologisch angeordneten Biographie beschäftigt sich schließlich mit dem Politiker und Republikaner Schwarzenegger, jedoch auch hier nicht ohne auf die Fehltritte und naiven Leichtsinnsaktionen des Steirers einzugehen. Schwarzeneggers Niederlagen im Wahlkampf kommen ebenso ins Gespräch wie der leichtsinnige Feldzug gegen überzeugte Polit-Veteranen, die er seinen Filmrollen gleich aus dem Weg zu räumen versucht, dabei aber die Grundfeste der völkischen Politik Kaliforniens launisch und ohne den entsprechenden Background missachtet. Und auch hier wird Schwarzenegger in Hujers Text nicht bloß an seinen durchaus spürbaren Erfolgen gemessen, sondern in erster Linie an den radikalen Umbrüchen und seiner Überzeugung, überall noch größer und besser sein zu können – und das eben auch mit manch unangenehmem Hintertürchen!
_Zum Ende hin_ spannt der Autor schließlich den Bogen zu seinem gewagten Vorwort und bringt den Personenkult, der nach wie vor um Schwarzenegger betrieben wird, noch einmal auf den Punkt, allerdings mit einem völlig gewandelten Verständnis für das, was Schwarzenegger ist. Hujer hat begriffen, warum die Geschichte um den heutigen Gouverneur von Kalifornien mehr ist als bloß ein mediales Phänomen. Er hat sie haargenau gespürt und gelebt, die Atmosphäre um den einstigen Körpergiganten, seine Lebenseinstellung und seine immer noch konsequente und manchmal auch größenwahnsinnige Art. Und genau diese Erfahrung hat er dem Leser auch geschenkt und mit auf den Weg gegeben, dies eindrucksvoll erzählt und fantastisch aufgearbeitet.
Skepsis soll dennoch erlaubt sein, schließlich ist und bleibt diese Figur eine, die die Gemüter auseinandertreibt und in vielen Belangen polarisiert. Aber was eigentlich viel wichtiger ist: Es lohnt, über sie nachzudenken und sich ihre Biographie anzusehen. So gewöhnlich sie eigentlich ist, so außergewöhnlich wirkt sie in der Inszenierung von Marc Hujer. Insofern ist die Empfehlung ein verdientes Lob für sechs Jahre harte Arbeit und aufopferungsvolle Recherche. Vielleicht auch, weil Biographien über Personen, deren zwiespältiger Charakter nicht zwingend ansprechend ist, oftmals die besten sind …
Band 1: _“Jacob“_
Band 2: „Gideon“
Band 3: „Elijah“
Band 4: „Damien“ (erscheint im November 2010)
Band 5: „Noah“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
_Die Schattenwandler sind_ ein uraltes Dämonenvolk, dem die Liebe zu den Menschen verboten ist, da diese für die Menschen tödlich enden würde. Der Schattenwandler Jacob hat die Fähigkeit, jeden verirrten Dämon aufzuspüren, der versucht, einen Menschen zu verführen, und bringt diese Dämonen wieder auf den rechten Weg. Er selber trotzt der Versuchung schon seit Jahrhunderten. Zudem sucht er auch Dämonen, die von Nekromanten (Magiern) abberufen wurden, um diese, falls eine Rettung unmöglich ist, zu vernichten.
Jacob ist gerade auf der Suche nach einen abberufenen Dämon, als er auf Isabella trifft. Die schöne junge Frau betrachtet gerade den Nachthimmel, als Jacob sie anspricht. Übermütig lehnt Isabella sich zu weit aus dem Fenster und fällt Jacob in die Arme.
Als Isabella Rauch aus einer nahen Lagerhalle riecht, laufen beide dort hin. In der Lagerhalle wütet der transformierte Dämon, den Jacob sucht. Es kommt zu einem Kampf, und als es für Jacob immer schlechter aussieht, tötet Isabella den Dämon überraschend. Jacob ist fassungslos, denn seit er denken kann, ist so etwas noch keinem Menschen gelungen.
Er beschließt, Isabella mit in seine Heimat zu nehmen, um sie dem Dämonenkönig Noah vorzustellen und ihr Geheimnis zu lüften. Was er sich nicht eingestehen will: Er begehrt Isabella und ist nahe dran, das Gesetz der Dämonen selber zu brechen.
_Kritik_
Mit „Jacob“ hat Jacquelyn Frank den vielversprechenden Auftakt zur |Schattenwandler|- Serie geschrieben. Verfasst aus der Perspektive eines Beobachters, findet sich der Hörer schnell in die Geschichte rund um die Schattenwandler ein. Das Hörbuch ist spannend und mitreißend erzählt, die Geschichte der Schattenwandler macht neugierig und sticht aus der breite Masse der momentan gebotenen romantischen Fantasy aus. Die sympathischen und gar nicht bösen Dämonen kann der Hörer direkt ins Herz schließen, und auch Isabella kann punkten.
Die Spannung kommt nicht zu kurz, ein konstanter Spannungsbogen, der im Hörbuch sehr gut umgesetzt wurde, fesselt an das Geschehen und der Hörer wird förmlich in die Geschichte hineingezogen. Den vollen Umfang der Handlung bekommt man in dieser stark gekürzten Lesung leider nicht geboten. Die Geschichte um die Schattenwandler und Isabella entwickelt sich rasch, doch leider kommen dabei in diesem Hörbuch die Protagonisten und die Orte der Handlung etwas zu kurz. Detaillierte Beschreibungen fallen weg und auch die Protagonisten wirken teilweise eindimensional. Zudem hat der Hörer ab und an das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben
_Fazit_
Das Hörbuch „Jacob“ hat mich auf jeden Fall neugierig auf die |Schattenwandler|-Serie von Jacquelyn Frank gemacht. Leider ist dieses Hörbuch viel zu kurz und daher wenig detailgetreu. Ich werde die |Schattenwandler|-Serie auf jeden Fall weiter verfolgen, dabei aber auf eine exklusive und ungekürzte Version, die es ebenfalls gibt, zurückgreifen.
Die Sprecherin Tanja Geke hat mich völlig überzeugt, ihr Timbre und die Betonungen passen wunderbar zu der Geschichte. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme versteht es die Sprecherin, die Geschichte gekonnt in Szene zu setzen. Auch die einzelnen Charaktere bekommen eine eigene Ausdrucksform, so dass man sie schnell unterscheiden kann.
_Autorin_
Jacquelyn Frank wurde in New York geboren und lebt heute mit ihren Katzen in einem großen Haus in North Carolina. Zu ihren Lieblingsautorinnen gehören Christine Feehan, J. R. Ward, Kresley Cole und Sherrilyn Kenyon. (Verlagsinfo)
_Sprecherin_
Die Schauspielerin Tanja Geke, geboren 1971 in Berlin, ist bekannt aus der TV-Serie „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“. Ihre warme, ausdrucksvolle Stimme leiht sie u. a. Kate Hudson und Scarlett Johansson. Zudem arbeitet sie als Sängerin. (Verlagsinfo)
|4 Audio-CDs mit 315 Minuten Spieldauer
Originaltitel: Jacob (2006)
ISBN 9783839810460|
[www.argon-verlag.de]http://www.argon-verlag.de
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
_Nadine Warnke_
Geist ist geil! Seit 2002 – Ständig neue Rezensionen, Bücher, Lese- und Hörtipps