Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Howard, Jonathan L. – Totenbeschwörer (Johannes Cabal 2)

_Die Johannes-Cabal-Trilogie:_

Band 1:[„Seelenfänger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6176
Band 2: _“Totenbeschwörer“_
Band 3: – nur angekündigt –

_Wirklich, man hat_ nichts als Scherereien mit der Welt! Nur weil Johannes Cabal darauf bestanden hat, in der Bibliothek ein Buch auszuleihen, das die Bibliothekare für die Ausleihe gesperrt hatten, steht er jetzt vor der Wahl, seinen Kopf zu verlieren oder einen toten Kaiser wiederzubeleben. Und natürlich landet der geplagte Geisterbeschwörer bei seinen verzweifelten Bemühungen, Unannehmlichkeiten zu vermeiden, nur in noch größeren Unannehmlichkeiten …

_Die meisten_ Charaktere in diesem Band sind neu.

Johannes Cabal ist als Hauptperson natürlich noch immer dabei. Und noch immer ist er so unnahbar und rational wie eh und je. Allerdings hat er inzwischen seine Seele wieder, worüber er durchaus froh ist, wenn sie ihm nur nicht immer wieder Gewissensbisse verursachen würde, die er möglichst zu ignorieren versucht, mit mäßigem Erfolg.
Außerdem zeigt sich in diesem Band ein bisher unerheblicher Charakterzug, nämlich eine geradezu unbezähmbare Neugierde.

Neuer Gegenspieler anstelle des Teufels ist ein mirkarvianischer Kavallerieoffizier namens Comte Marechal. Ein engstirniger, ehrgeiziger und heimtückischer Kerl, der offenbar nicht verwinden kann, dass seine Familie vor ein paar Jahrhunderten in einem Krieg ihre Ländereien verloren hat, und nun geradezu davon besessen ist, in einem neuen Krieg sämtliche verlorenen Gebiete zurückzugewinnen.

Dazu kommt eine Handvoll mehr oder weniger skurriler Nebencharaktere, mit denen Cabal sich herumschlagen muss, fast schon eine Ansammlung überzeichneter Klischees wie das der verwöhnten Adligen, des rebellischen Studenten oder der dominanten Hausfrau, die ihren Mann unterdrückt. Der Autor spielt mit diesen Stereotypen, die durch die leichte Übertreibung fast schon liebenswert wirken, und dadurch plastisch und gleichzeitig ein wenig schräg. Das gilt auch für Cabals Gegenspieler Marechal.

Trug der erste Band noch ein wenig die Züge einer Queste, so hat der Leser es diesmal mit einer Krimikomödie zu tun, die allmählich zu einem internationalen Zwischenfall ausufert. Zwar spielt sich der gesamte Konflikt zwischen fiktiven Zwergstaaten ab, Marechal und Konsorten scheinen aber sozusagen direkt dem preußischen oder österreichischen Militärlexikon entstiegen. Und nicht nur der Militarismus, auch die Spionage kriegt ihr Fett weg.

Der Ort der Handlung ist großteils auf ein Luftschiff beschränkt, das ein wenig an ein U-Boot von Jules Verne erinnert, und dessen Beschreibung allein schon durch die ungewöhnlichen Fremdwörter höchst drollig klingt. Und obwohl Cabal sich bewusst ist, dass er sich nur in Schwierigkeiten bringen wird, wenn er seine Nase in all die Merkwürdigkeiten auf diesem Luftschiff – von der Mannschaft über die Passagiere bis hin zu den Geschehnissen – hineinsteckt, kann er es einfach nicht lassen. Nebenbei kabbelt er sich auch noch mit Leonie Barrow, der Tochter des bärbeißigen Kommissars aus dem ersten Band, die ebenfalls zufällig an Bord ist. Der Schlagabtausch zwischen diesen beiden, die sich offenbar ebenso sehr hassen, wie sie sich gegenseitig bewundern, ist das Sahnehäubchen auf dem ganzen Trubel.

Dabei hätte das alles problemlos vermieden werden können, hätte der Kapitän die Bitte eines Passagiers um Besichtigung nicht zugänglicher Bereiche einfach abgelehnt. Aber dann hätte es schließlich nichts zu erzählen gegeben, und das wäre wirklich unendlich schade gewesen.

_Denn herausgekommen_ ist bei all dem eine Mischung, nicht ganz so knallig wie im Vorgängerband, aber genauso witzig: Wie Cabal und Leonie Barrow aus all den schrägen Vögeln an Bord den Täter herauszufinden versuchen, liest sich genauso amüsant wie die gelungene Persiflage nicht nur auf Militär und Geheimdienste, sondern auch auf romantischen Antimilitarismus und Idealismus. Allein die Szene, in der Cabal mit der jungen Adligen Tee trinkt, ist absolut hinreißend.

Ein wenig ungewöhnlich fand ich das Kapitel „Das Grab von Umtak Ktharl“, eine angehängte Episode von etwa dreißig Seiten am Ende des Buches, wo die Geschichte bereits zu Ende ist. Nicht, dass dieses kurze Anhängsel nicht ebenfalls lesenswert wäre, es steht nur in keinem direkten Zusammenhang zur Handlung des eigentlichen Buches und führt auch nicht zu einem endgültigen Abschluss im Sinne von „nun ist Johannes wieder zu Hause“. Deshalb frage ich mich, warum sie in diesem Band enthalten ist. Vielleicht gibt die Fortsetzung darauf eine Antwort. Ich bin jetzt schon gespannt.

_Jonathan L. Howard_ lebt in Bristol ist seit 1990 ein fester Bestandteil in der Branche Computerspiele, außerdem schreibt er Drehbücher. 2005 erschien seine erste Kurzgeschichte „Johannes Cabal and the Blustery Day“, und nach einer weiteren Kurzgeschichte folgte der erste Band einer Romanreihe über seinen ungewöhnlichen Helden. Der Autor arbeitet zurzeit an Band drei.

|Taschenbuch: 413 Seiten
Originaltitel: Johannes Cabal the Detective
Deutsch von Jean-Paul Ziller
ISBN-13: 978-3442470341|
[www.johannescabal.com]http://www.johannescabal.com

Heitmann, Tanja – Nachtglanz

In vielen Vampirbüchern spielt eine hübsche, meist etwas naive junge Frau die Hauptrolle. Die deutsche Autorin Tanja Heitmann geht einen anderen Weg. Im Mittelpunkt von „Nachtglanz“ steht keine Frau, sondern ein Mann, der von einem Dämonen besessen ist. Doch Adam, so sein Name, hat nicht vor, den letzten Rest seiner Menschlichkeit aufzugeben …

Im 19. Jahrhundert wacht Adam in einer Gasse in Paris auf und weiß weder, wer er ist noch woher er kommt, doch eines weiß er sicher. Irgendetwas stimmt mit ihm nicht – und eine innere Stimme spricht mit ihm und will ihm befehlen, was er tun soll. Und er hat Hunger. Auf Blut. Adam stellt schnell fest, dass er nicht der Einzige ist, der als „Tempel“ für einen Dämon dient. Es gibt einige seiner Art. Während ihnen allen die Unsterblichkeit und der Blutdurst gemeinsam sind, hat jeder von ihnen eine besondere Eigenschaft. Bei Adam ist es die, dass der Dämon sich seiner nicht völlig bemächtigen kann, sondern dass Adams Menschlichkeit erhalten bleibt und den Dämon häufig in seine Schranken weist.

Fast hundert Jahre später, in den 1960ern, wird er nach Los Angeles beordert. Mittlerweile hat er sich einen Namen darin gemacht, solche Leute, die den Dämonen in sich haben und ihn nicht genügend beherrschen können, zu vernichten. Genau eine solche Person sucht gerade L.A. heim und hinterlässt eine Spur aus blutleeren Leichen. Bei seinem Auftrag lernt er die geheimnisvolle Esther kennen. Sie ist ein normaler Mensch und Angestellte des intriganten Anders, der bei Adams Anheuerung zwielichtige Hintergedanken hatte. Adam verliebt sich in Esther, obwohl das in Anbetracht seines immer hungrigen Dämons ein ziemliches Wagnis ist …

Tanja Heitmanns Buch überrascht auf ganzer Linie. Aufgrund des Titels und des Klappentextes erwartet man eher einen Schmachtfetzen im Stil von „Twilight“, aber „Nachtglanz“ ist wesentlich mehr. Natürlich spielt auch die Liebe eine gewisse Rolle, doch die Autorin beschreibt die Annäherung zwischen Adam und Esther frei von Kitsch. Vielmehr rückt sie die kaputten Charaktere der beiden in den Vordergrund und zeigt, wie sie trotz dieser Probleme zueinander finden. Gleichzeitig hat die Geschichte auch eine starke Thrillerkomponente. Die Mordserie, die Adam aufzuklären hat, bringt an den richtigen Stellen einen Schuss Spannung und fesselt dank diverser Verwicklungen.

Was jetzt noch von der Handlung überbleibt, füllt die Autorin mit Adams Vorgeschichte und einer ausführlichen Beschreibung seiner Persönlichkeit. Auch hierbei verzichtet sie auf alle gängigen Klischees. Adam ist kein erotischer Verführer und auch kein blutrünstiges Monster, sondern ein sehr sensibler, innerlich zerrissener Mann. Der ständige Kampf gegen den Dämonen in sich macht ihn zu einem sehr facettenreichen, interessanten Charakter, mit dem man sich schnell identifizieren kann. Seine Handlungen und Gedanken sind gut nachvollziehbar und werden von der Autorin anschaulich aufbereitet.

Heitmanns Schreibstil ist ebenfalls eine kleine Überraschung. Sie schreibt weder reißerisch noch wie in einem typischen Frauenroman, sondern sehr belletristisch. Mit einem gehobenen, unaufgeregten Wortschatz lässt sie eine düstere, traurige Atmosphäre entstehen, die perfekt zu ihrer Hauptperson passt. Die distanzierte Erzählperspektive erhöht diesen Effekt zusätzlich.

Es gibt keine richtigen Vampire in der Geschichte, keine kitschige Romanze – „Nachtglanz“ ist bei weitem nicht das, was man erwartet. Bereits nach den ersten Seiten wird dank des tollen Schreibstils klar, dass Tanja Heitmanns Geschichte ein anderes Kaliber ist. Eine interessante Hauptfigur, eine spannende Handlung – dieses Buch ist definitiv eine Empfehlung wert!

|Gebunden: 477 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-26642-1|
http://www.tanja-heitmann.de
http://www.heyne.de

Larke, Glenda – Wissende, Die (Die Inseln des Ruhms 1)

Die Inseln des Ruhms:

Band 1: „Die Wissende“
Band 2: „Gilfeather“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „The Tainted“ (noch ohne dt. Titel)

Glut ist ein Mischling und als solcher auf den Ruhmesinseln unerwünscht. Allein die Tatsache, dass sie für die Wahrer arbeitet, sorgt dafür, dass sie zumindest geduldet wird. Als sie jedoch den Auftrag erhält, eine junge Frau aufzuspüren, die ausgerissen ist, gerät ihre Weltsicht schon bald ins Wanken …

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt, daher ist Glut die einzige Hauptperson:

Glut ist zäh, abgebrüht und auch nicht dumm. Deshalb ist ihr durchaus bewusst, dass die Wahrer, allen voran ihr unmittelbarer Vorgesetzter Dasrick, sie benutzen. Sie hofft jedoch, für ihre Arbeit irgendwann die Bürgerrechte zu erhalten, die ihr erlauben würden, irgendwo sesshaft zu werden. Dafür ist sie bereit, nahezu alles zu tun. Zumindest, bis sie Flamme trifft …

Flamme ist eine junge Cirkasin mit der Fähigkeit, Silb-Magie zu wirken, was für eine Cirkasin eher ungewöhnlich ist. Vor allem aber beeindruckt sie Glut durch ihre innere Stärke und ihren Mut sowie ihre ausgeprägte Integrität. Zum ersten Mal empfindet Glut so etwas wie Freundschaft für eine andere Person.

Thor Reyder scheint seinerseits einen Narren an Glut gefressen zu haben. Der meist so ernst wirkende Mann hat durchaus Humor, vor allem aber zeichnet er sich durch eine schier übermenschliche Selbstbeherrschung aus. Binnen kürzester Zeit macht er Glut einen Heiratsantrag, hilft ihr mehrfach aus der Patsche. Dennoch wirkt er manchmal seltsam zugeknöpft, als ob er nicht die ganze Wahrheit sagte.

Dasrick dagegen ist ein absolut unsympathischer Zeitgenosse. Trotz der wertvollen Dienste, die Glut ihm leistet, demütigt er sie immer wieder. Dabei ist er von ihr genauso abhängig wie sie von ihm, denn Dasrick ist ehrgeizig. Und für seinen Ehrgeiz ist er bereit, noch viel weiter zu gehen, als Glut es für die Erlangung der Bürgerrechte jemals täte, nur ist er dabei bei Weitem nicht so ehrlich wie sie, sondern beschönigt sein Tun mit dem Mäntelchen ehrbarer Motive.

Der Bösewicht zu guter Letzt ist ein Dunkelmagier, der offenbar vorhat, die Herrschaft über die gesamten Ruhmesinseln zu übernehmen. Wer er tatsächlich ist und was ihn dazu treibt, wurde bisher nur angedeutet. Offensichtlich jedoch ist er ein Sadist, der es genießt, andere zu quälen, und der seine Helfershelfer rücksichtslos ausnutzt und dann fallen lässt.

Dafür, dass die Nebenfiguren lediglich aus Gluts Sicht beschrieben sind, ist die Charakterzeichnung recht ordentlich geraten. Tatsächlich geht jede der Figuren – mit Ausnahme des Bösewichts – über reine Nachvollziehbarkeit hinaus. Selbst der Antagonist wirkt irgendwie getrieben und dadurch eigenständiger als der reine Typus des machthungrigen Bösewichts, obwohl die Informationen zu seiner Person bisher noch recht dürftig sind.

Die Welt, in die Glenda Larke ihre Geschichte eingebettet hat, wirkt ein wenig wie eine Zwiebel. Die gesamte Handlung spielt an einem Ort, der sich Gorthen-Nehrung nennt. Gorthen-Nehrung ist sozusagen Niemandsland, hierher werden alle vertrieben, die auf den übrigen Inseln unerwünscht sind, vor allem Mischlinge, Verbrecher und Kranke. Im Grunde ist die Nehrung nicht mehr als eine schmale, langgestreckte Sandbank, die an einem einzigen, niedrigen Felsen angeschwemmt wurde.

Um diese Nehrung herum befinden sich noch eine Menge anderer, jeweils autonomer Inseln und Inselchen. Alle zusammen nennen sie sich die Ruhmesinseln. Außerhalb dieser Ruhmesinseln gibt es noch in einiger Entfernung ein Land namens Kell. Aus diesem Land stammt der Ethnologe, der im Rahmen seiner Forschungen Glut nach ihren Erlebnissen befragt. Diese Rahmenhandlung spielt fünfzig Jahre später als Gluts Erzählung.

Besonders interessant fand ich den Entwurf der Magie: Es gibt drei unterschiedliche Arten, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten beinhalten, wobei die Weißbegabung etwas aus der Reihe fällt, denn sie kann nichts bewirken, sondern lediglich andere Magie erkennen. Da die Weißbegabten allerdings gegen die Magie anderer immun sind, bedeutet das unterm Strich, dass die einzelnen Formen der Magie sich einigermaßen ebenbürtig sind. Dadurch werden sowohl ein übertrieben übermächtiger Bösewicht als auch ebenso übertriebene Überhelden vermieden.

Aus diesen magischen und politischen Details hat die Autorin ihren Plot aufgebaut:
Da ist Glut mit ihrer Weißbegabung, die auf der Suche nach einer jungen Frau ist; dann Flamme, mit ihrer Silb-Magie einen jungen Mann heilt, der von einem Dunkelmagier angegriffen wurde; Thor Reyden, der nahezu über alles Bescheid zu wissen scheint; und plötzlich taucht auch noch Dasrick auf mit einem ganzen Schiff voller Wahrer. Dieses Aufgebot scheint für die Suche nach einer Frau etwas übertrieben, und überhaupt, warum hat Dasrick überhaupt Glut hergeschickt, wenn er jetzt selber auftaucht?

Erst allmählich stellt sich heraus, dass hier eine ganze Menge nicht so ist, wie es scheint, von der Hälfte aller Personen über ihre wahren Absichten bis hin zu ihren Mitteln. Und bald ist Glut nicht mehr allein damit beschäftigt, die Ausreißerin zu suchen. Stattdessen ist sie zwischen diverse Fronten geraten und muss sich nicht nur gegen einen Feind behaupten, der ihr ans Leder will, sondern auch noch gegen andere, nicht weniger skrupellose …

Zwar könnte ich nicht sagen, dass ich mir beim Lesen vor Aufregung die Fingernägel abgekaut hätte. Tatsächlich muss ich sogar gestehen, dass ich, als Glut zum wiederholten Mal von den Schergen des Dunkelmagiers eingefangen wird, etwas genervt war. Immerhin aber waren die verschiedenen Ausbrüche und Fluchtversuche unterschiedlich genug, um zumindest etwas Abwechslung zu bieten. Das Faszinierende an diesem Buch war daher weniger steigende Spannung als vielmehr die allmähliche Auflösung von Rätseln und Geheimnissen, wobei die Identität der Ausreißerin recht schnell klar war. Mit am besten gefallen hat mir der Entwurf der Ghemfe, einer fremdartigen Rasse, die offenbar aus dem Meer stammt. In diesem Zusammenhang blieben die meisten Geheimnisse erhalten, was vielversprechende Aussichten für den zweiten Band bedeutet. Auch der Ortswechsel auf eine andere Insel bietet jede Menge neues Potential, und die neue Personenkonstellation am Ende des ersten Bandes sowieso. So ist „Die Wissende“ ein nicht unbedingt spannender, aber abwechslungsreicher Auftakt zu einem Zyklus mit der Aussicht auf Steigerung.

Glenda Larke stammt aus Australien und wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Zunächst kam jedoch eine Heirat und ein Lehrerberuf dazwischen. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien kehrte die Lust am Schreiben zurück, seither hat die Autorin den Einzelroman „Havenstar“ sowie die Trilogien The Mirage Makers und The Isles of Glory geschrieben. „Die Wissende“ ist der erste Band der Trilogie Die Inseln des Ruhmes und das erste ihrer Bücher, das ins Deutsche übersetzt wurde. Die Autorin schreibt derzeit an ihrer neuen Trilogie Watergivers, die bisher bis Band zwei gediehen ist.

Taschenbuch: 479 Seiten
Originaltitel: The Isles of Glory 1 – The Aware
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3-442-26760-6

www.glendalarke.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Johnson. Alaya – Moonshine – Stadt der Dunkelheit

_Moonshine_:
Band 1: _Stadt der Dunkelheit_

Urban-Fantasy-Reihen gibt es viele. Da ist es schwierig, sich noch von der Masse abzuheben. Die amerikanische Autorin Alaya Johnson probiert es bei ihrer Reihe „Moonshine“ mit einem besonderen historischen Kontext. Der erste Band der Serie, „Stadt der Dunkelheit“, entführt den Leser in das New York der Goldenen Zwanziger des 20. Jahrhunderts.

Zephyr Hollis wird zu dieser Zeit in einer Welt groß, in der Menschen nicht immer friedfertig mit den so genannten Anderen zusammen leben. Zu diesen Anderen gehören neben Vampiren auch Feen und Dschinns. Sie sind nicht gerne gesehen in New York, doch Zephyr, eine begnadete Kämpferin, setzt alles daran, dies zu ändern. Sie engagiert sich nicht nur in diversen Kommitees, sondern arbeitet auch ehrenamtlich für eine Blutbank und verdingt sich als Lehrerin einer Abendschule für Einwanderer und Andere.

Als sie eines Tages einen Jungen in einer dunklen Gasse findet, der soeben in einen Vampir verwandelt wurde, handelt sie wider ihres besseren Gewissens und beschließt, ihn zu retten anstatt ihn ordnungsgemäß bei der Polizei abzugeben, damit diese ihn pfählt. Kinder und Jugendliche dürfen nämlich eigentlich nicht gewandelt werden, da sie damit nicht zurecht kommen. Was die impulsive Zephyr da macht, ist sogar strafbar. Doch sie bekommt Hilfe von ungeahnter Seite. Amir, einer ihrer Schüler, bietet sich an, sich um den Jungen zu kümmern.

Der geheimnisvolle Fremde, ein Dschinn, wie Zephyr erfährt, bittet sie im Gegenzug um einen Gefallen. Sie soll das Versteck von Rinaldo, dem meistgesuchten Vampir New Yorks, ausfindig machen, da Amir mit diesem noch eine Rechnung offen hat. Zu diesem Zweck nähert sie sich den Turn Boys an, einer Gang jugendlicher Vampire, die mit Rinaldo in Verbindung stehen soll. Das ist kein einfaches Unterfangen und ungefährlich erst recht nicht, denn just in diesem Augenblick wird die Stadt von einer Droge überschwemmt, die Vampire in enthemmte Monster verwandelt …

Die Goldenen Zwanziger – dieser historische Kontext verspricht einiges, ist dieses Zeitalter doch für sein ausschweifendes Nachtleben, die lebhafte Musik und die politischen Querelen bekannt. Leider gelingt es der Autorin nur ansatzweise, dieses zum Leben zu erwecken. Häufig wirkt die Geschichte eher wie eine Aneinanderreihung diverser Szenarien dieser Zeit. Etwas genauere Recherche, exaktere Beschreibungen und wirklich Interessantes, was man als Laienleser nicht unbedingt weiß, hätten dem Buch gut getan.

Die Handlung von „Stadt der Dunkelheit“ ähnelt im Grunde der von ähnlich gearteten Reihen. Eine junge, kämpferische Frau muss sich gegen dunkle Mächte behaupten und verliebt sich dabei in einen zwielichtigen Mann. Zusätzlich hat sie noch ein Geheimnis, von dem niemand etwas weiß. Für eine wirklich spannende Geschichte fehlt es allerdings an entsprechenden Ereignissen und überraschenden Wendungen. Das Buch ist zwar gut konstruiert, doch das entscheidende Bisschen fehlt. Von der Handlung her ist Johnsons Debüt eher Mittelmaß.

Spaß macht hingegen die Hauptfigur. Zephyr ist wie viele ähnliche Figuren eine Kämpferin, aber durch den historischen Kontext wirkt sie dabei sehr authentisch. Als engagierte Vorkämpferin für Frauenrechte, bessere Bedingungen für Andere und alles, wofür es sich sonst noch zu kämpfen lohnt, hat sie etwas ganz Eigenes. Ihr freches Mundwerk tut das seinige. Der auffälligste Charakter neben Zephyr ist ihre Mitstreiterin Lily, eine vornehme Journalistin, die wirklich alles für eine gute Exklusivstory zu tun scheint. Die Klassenunterschiede zwischen den beiden sind immer sehr erheiternd.

Der Schreibstil der Geschichte ist angenehm, lässt aber ebenfalls ein wenig den Flair der Zwanziger Jahre vermissen. Derart hätte auch ein Buch aus der modernen Zeit geschrieben sein können. Bestimmte Begriffe, vielleicht ein anderes Sprachniveau in den Dialogen hätte vielleicht für etwas mehr Pfeffer gesorgt.

„Stadt der Dunkelheit“ ist kein schlechtes Buch. Die Personen beispielsweise sind toll, vor allem vor dem zeitlichen Hintergrund. Trotzdem hätte man mehr aus der Geschichte herausholen können, gerade bei der Beschreibung der damaligen Zeit. Es bleibt also zu hoffen, dass Alaya Johnson in den Folgebänden auf diesem guten Fundament aufbaut und sich dadurch von ähnlichen Reihen abhebt.

|Broschiert: 425 Seiten
Originaltitel: |Moonshine|
Deutsch von Christiane Meyer
ISBN-13: 978-3426507162|
http://www.knaur.de

Eric Nylund – Gemini – Der goldene Apfel (Mortal Coils 1)

Die Mortal Coils-Serie:

Band 1: „Gemini – Der goldene Apfel“
Band 2: „All That Lives Must Die“ (noch ohne dt. Titel)

Die Zwillinge Eliot und Fiona sind nahezu völlig von der Welt abgeschottet aufgewachsen. Erst seit zwei Jahren verlassen sie überhaupt das Haus, und das auch nur, um in einem Restaurant einige Straßen weiter als Bedienung und als Tellerwäscher zu arbeiten. Doch eines Tages bekommt ihre kleine, abgeschlossene Welt Risse: Fremde tauchen vor ihrer Wohnung auf. Einer davon behauptet gar, ihr Onkel zu sein. Und plötzlich ist die Welt nicht nur viel größer, als die Zwillinge gedacht hatten, sie ist auch viel verwirrender, viel magischer und vor allem … viel gefährlicher!

Eric Nylund – Gemini – Der goldene Apfel (Mortal Coils 1) weiterlesen

Pratchett, Terry – Club der unsichtbaren Gelehrten, Der

_Inhalt_

Nutt hat einen ordentlichen Beruf. Oder – na ja, er hat einen Beruf. So in der Art. Er arbeitet jedenfalls in den Kellergewölben der Unsichtbaren Universität und tropft dort die Kerzen vor. Das muss gemacht werden; wer will denn schon in großen alten Leuchtern Kerzen sehen, die nagelneu wirken?

Nutts Kollegen sind überwiegend Geschöpfe, bei denen es für den Rest der Welt besser ist, wenn sie den Großteil ihrer Tage in irgendwelchen Kellergewölben verbringen. Und Nutt selbst …? Er weiß nur, dass er sich als nützlich erweisen muss. Und er muss zuvorkommend sein und höflich. Das hat ihm die Lady gesagt, und die Lady ist gut zu ihm gewesen.

Dann jedoch führt Nutts Weg über Trevor hinauf ins Tageslicht. Trevor ist sein Chef und er findet Gefallen an dem fleißigen kleinen … Kerl. Nutt lernt die Köchin Glenda kennen, und plötzlich überstürzen sich die Ereignisse, vermischen sich die streng getrennten Welten von Dienerschaft und Professoren der Unsichtbaren Universität. Fußball mischt sich (wie überall) plötzlich auch hier ins beschauliche Leben und fordert Aufmerksamkeit, und zwar in besonders unangenehmer Form: Wenn die Zauberer nicht schnell eine Mannschaft ins Leben rufen, verlieren sie den Anspruch auf eine großzügige regelmäßige Zuwendung. Und da das bedeutete, dass die Mahlzeiten weniger üppig ausfielen, sind die zerstreuten Herren alle mit von der Partie.

Trevor kennt sich aus mit Fußball, sein Vater war eine Art Lokalheld und hat auf dem Feld sein Leben gelassen. Trevor kennt sich allerdings auch super damit aus, sich um Arbeit herumzudrücken, während Nutt sich besonders gut mit eigentlich fast allem auskennt und obendrein Organisationstalent besitzt. Glenda kennt sich speziell in ihrer Küche gut aus, nutzt aber den Rest ihrer Talente, um andauernd für andere einzutreten und jemandem gründlich die Meinung zu sagen. Ohne es zu wissen, steuern sie alle gemeinsam eine Geschichte an, die größer ist als alles, was sie sich je erträumen konnten.

_Kritik_

Pratchett ist wieder da! Alle seine Fans laufen also wieder tagelang kichernd mit dem Buch durch die Gegend und zitieren andauernd daraus. Eine schöne Zeit, außer für jene, die nicht schnell genug weglaufen können.

Aber im Ernst: „Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“ ist wie gehabt großartig. Pratchett bereichert seine schon sehr detaillierte Scheibenwelt um ein weiteres Fragment, indem er die Seite der Dienerschaft in der Unsichtbaren Universität schildert, die bisher noch nie vorkam. Die pragmatische, mütterliche Glenda erinnert vom Wesen her ein bisschen an Sam Mumm, und in die Fußballgeschichte mischt sich mittels zweier junger Menschen zwischen den verfeindeten Fan-Fronten ein Hauch von Romeo und Julia.

Wie genau die Zauberer beim Fußballspielen wirken, kann man Leuten, die Pratchett noch nicht kennen, keinesfalls erklären. Und jene, die Pratchett kennen, haben zwar eine ungefähre Vorstellung, möchten aber mit Sicherheit selbst lesen, was geschieht, von daher an dieser Stelle nur der Vermerk, dass die Unterzeichnete herzlich gelacht hat. Das Geheimnis um die Existenz von Nutt zieht sich quasikriminalistisch durch den ganzen Roman und verleiht der Geschichte einen unheimlichen Touch.

Eine ganze Reihe altbekannter Figuren bekommt in diesem Roman erstmals mehr Tiefe verliehen; Lord Vetinari werden einige Facetten hinzuaddiert, Erzkanzler Ridcully läuft zu voller Form auf und Ponder Stibbons erhält bedeutend mehr Tiefe.

Über Stil muss man wohl kaum noch ein Wort verlieren: Pratchett ist einfach ein Meister der mehrfachen Verneinung und der subtilen Neuverortung altbekannter Worte bzw. Silben; wie bei „Boggle“ schüttelt er einen Würfel voller Buchstaben und erschafft daraus etwas, auf das man schrecklich gern selbst gekommen wäre. Ein Wort noch zur deutschen Ausgabe: Der neue Übersetzer hat insgesamt einen guten Job gemacht. Etwas, das so derartig voller Wortwitz und Neologismen steckt, ohne Verluste von einer Sprache in die andere zu transportieren, ist eine heikle Angelegenheit. Im Ganzen ist das sehr gut gelungen; dass sich jetzt aber Ridcully und Vetinari auf einmal siezen, ist ein schmerzhafter Bruch mit den Regeln und hätte nicht sein müssen.

_Fazit_

Lesen. Unbedingt lesen. Pratchett ist einer der einfallsreichsten Autoren der Gegenwart, und das Leben ist ohne seine Werke ärmer.

|Broschiert: 512 Seiten
Originaltitel: Unseen Academicals
Aus dem Englischen von Gerald Jung
ISBN-13: 9783442546732|
[www.randomhouse.de/manhattan]http://www.randomhouse.de/manhattan
[www.terrypratchett.co.uk]http://www.terrypratchett.co.uk

_Terry Pratchett bei |Buchwurm.info|:_
[„Heiße Hüpfer“ (Lesung) 6295
[„Das Licht der Phantasie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=208
[„Das Erbe des Zauberers“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=218
[„Maurice, der Kater“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=219
[„MacBest“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=236
[„Gevatter Tod“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=237
[„Eric“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=239
[„Schweinsgalopp“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id___book=241
[„Wahre Helden“ 247
[„Wachen! Wachen!“ 253
[„Wachen! Wachen!“ (Hörbuch) 787
[„Rincewind, der Zauberer“ 259
[„Kleine Freie Männer. Ein Märchen von der Scheibenwelt“ 1034
[„Kleine freie Männer“ (Hörbuch) 2310
[„A Hat Full of Sky“ 1842
[„Ab die Post“ 2122
[„Pyramiden“ (Hörbuch) 2615
[„Trucker“ (Nomen 1, Hörbuch) 2998
[„Wühler“ (Nomen 2, Hörbuch) 3906
[„Lords und Ladies“ (Hörbuch) 3160
[„Gefährliche Possen und andere Erzählungen“ (Hörbuch) 3406
[„Schweinsgalopp. Das illustrierte Buch zum großen Film“ 4614
[„Ruhig Blut!“ (inszenierte Lesung von der Scheibenwelt)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6428

Hohlbein, Rebecca – Himmelwärts

Bei diesem Nachnamen erwartet man viel: Rebecca Hohlbein ist die Tochter des wohl bekanntesten Autors Deutschlands. Zusammen mit ihrem Vater Wolfgang hat sie bereits einige Romane verfasst, nun veröffentlicht sie mit „Himmelwärts“ ihr erstes ganz eigenes Buch.

Das kleine Örtchen Oberfrankenburg in Franken ist nicht so beschaulich wie es aussieht. Zwei Vampire leben auf Burg Werthersweide, der neue Prophet lebt unerkannt in der Stadt und wird von Alvaro, seinem Schutzengel, davor bewahrt, in Gefahr zu geraten, bevor er seine eigentliche Aufgabe erfüllt hat. Und dann ist da noch die Mafia, die die Ereignisse ins Rollen bringt.

Bei einer Schießerei in einer Kneipe trifft ein Querschläger Lennart, den neuen Propheten, der daraufhin stirbt. Dies ist eine Tragödie für Alvaro, denn sein Auftrag ist damit gescheitert. Um Ärger mit seinem Vorgesetzten, dem Engel Tamino, zu vermeiden, reist er zur Erde, um Lennart wiederzubeleben. Doch auch das geht schief. In Oberfrankenburgs pathologischem Institut findet er den toten Lennart nicht, da dessen Leiche entführt worden ist. Statt dessen verharrt er bei der Leiche einer jungen Frau – die plötzlich die Augen aufschlägt und ihn in den Hals beißt.

Tabea, seit einiger Zeit untot, hat von einem Menschen genascht, der Drogen im Blut hatte, was ihr nicht besonders gut bekommen ist. Alvaro ist da aber auch nicht besser. Nachdem sie ihn gebissen hat, verliert sie vorübergehend ihre Fähigkeit, sich in eine Fledermaus zu verwandeln, Alvaro wird zu einem Normalsterblichen degradiert. Doch dadurch taucht Lennarts Leiche auch nicht wieder auf. Gemeinsam mit Tabea, die sich nicht sicher ist, ob sie den ehemaligen Engel mögen oder hassen soll, begibt Alvaro sich auf die Suche nach dem neuen Propheten. Doch so einfach ist das nicht, denn oberste Mächte sind gegen die beiden …

Was erwartet man, wenn man den Namen Hohlbein auf dem Cover eines Buches liest? Vermutlich nicht das, was man in „Himmelwärts“ bekommt. Rebecca Hohlbein schreibt sehr versiert mit eigener Stimme. Diverse Wortspielereien, eine satte Portion Humor und schlagfertige Dialoge bestimmen die Geschichte. Dabei gelingt es der Autorin, diesen Stil von der ersten bis zur letzten Seite durchzuziehen. Das ist sehr löblich, doch nicht jedem wird diese Erzählweise gefallen. Tatsächlich ist es an der einen oder anderen Stelle etwas zuviel des Guten. Gerade die längeren Sätze wirken manchmal zu verschachtelt und anstrengend.

Ähnlich humorvoll wie der Schreibstil ist die gesamte Geschichte. Hohlbein reiht ein skurriles Ereignis an das andere. Die Handlung ist manchmal geradezu aberwitzig und spielt gewieft mit diversen Klischees. Dabei vergisst sie aber nicht, auch mal ruhige Töne anzuschlagen, zum Beispiel, wenn Tabea entdeckt, dass Alvaro mehr ist als ein durchgeknallter Flattermann. Dessen Versuche, sich in der Menschenwelt zurecht zu finden, werden durch seine naive, durch bedingungslose Nächstenliebe geprägte Sichtweise bestimmt. Die ist teilweise überaus amüsant, teilweise wird dem Leser aber auch ein Spiegel vorgehalten. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Handlung selbst nicht immer überzeugt. Die Geschichte verfranst sich, weil diverse Nebenereignisse miteinbezogen werden. Dadurch geht die Spannung etwas verloren, die unterschiedlichen Motive der Beteiligten erschweren das Verständnis.

Ähnlich humorvoll wie die Handlung sind auch die Charaktere der Geschichte. Tabea und Alvaro geben ein ziemlich ungleiches Paar ab, die freche Vampirin auf der einen, der naive Engel auf der anderen Seite. Beide sind überzeichnet, doch gerade bei Tabea gibt es immer wieder besonnenere Momente. Alvaro hingegen wird meistens ziemlich naiv dargestellt. Daraus resultieren einige lustige Situationen, wenn er versucht, sich in der Menschenwelt zurechtzufinden. Insgesamt fügen sich die beiden, genau wie die übrigen Figuren, nahtlos in die Geschichte ein: Sie sind zumeist sehr amüsant, manchmal zu extrem, dann aber auch an einigen Stellen durchaus tiefgründig.

Mit „Himmelwärts“ zeigt Rebecca Hohlbein, dass sie nicht von ihrem berühmten Nachnamen abhängig ist, um erfolgreich zu sein. Ihr Debütroman ist ein heiteres Stück Literatur, dass mit viel Schwung geschrieben ist. An einigen Ecken ist es sicherlich verbesserungswürdig – die Handlung ist beispielsweise etwas zu ungeordnet -, insgesamt hinterlässt die Autorin aber einen guten Eindruck. Vor allem ihr origineller Schreibstil gefällt.

|Gebunden: 618 Seiten
ISBN-13: 978-3453266889|
http://www.heyne.de

Hallaway, Tate – Vampir sein ist alles (Garnet Lacey 3)

_Die „Garnet Lacey“-Reihe:_

01 [„Nicht schon wieder ein Vampir“ 6402
02 [„Beiß noch einmal mit Gefühl“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6403
03 _“Vampir sein ist alles“_
04 „Biss in alle Ewigkeit“ (Dezember 2010)

_Nachdem das FBI_ die Akten um den Vorfall mit den ermordeten Vatikan-Agenten geschlossen hat, sollten für Garnet Lacey eigentlich ruhigere Zeiten anbrechen. Sie ist dabei, mit Sebastian von Traum einen neuen Hexenzirkel ins Leben zu rufen. Dazu hat Sebastian ihr einen Heiratsantrag gemacht, was Garnet neben dem Glück aber auch viele Gedanken bereitet. Dann taucht der sonst so verlässliche Sebastian bei einem Termin nicht auf und Garnet beginnt, sich Sorgen zu machen. Als er auch am nächsten Tag nichts von sich hören lässt, wird sie deutlich nervös und wendet sich an Sebastians Sohn Màtyas.

In Sebastians Haus finden sie dessen schwarzes Buch, in dem er die Adressen und Telefonnummern seiner Blutspenderinnen notiert hat, und Màtyas schlägt Garnet vor, sich einmal an diese zu wenden. Garnet ist zunächst dagegen, denn sie ist so schon sehr kritisch und auch eifersüchtig gegenüber den Blutspenderinnen.

Beim nächsten Zirkeltreffen, das nun ohne Sebastian stattfindet, taucht ein Garnet nicht bekannter Gast auf, der sich als Micah vorstellt und im Laufe des Abends Garnet das verlockende Angebot macht: Er will sie von der Göttin Lilith befreien. Garnet bittet erst einmal um Bedenkzeit, da sie sich doch bereits an Lilith gewöhnt hat.

Garnet nimmt Kontakt zu einer der Blutspenderinnen, Alison, auf, die dann auch direkt auf Sebastian und seine zukünftige Frau wettert. Alison ist sehr eifersüchtig, da Sebastian mit ihr und auch seinen anderen Blutspenderinnen Schluss gemacht hat. Als dann auch noch Garnets Leben mehrfach in Gefahr gerät und auch von Sebastian weiter kein Lebenszeichen kommt, läuft die Zeit allmählich ab.

Wird Garnet mit Hilfe von Màtyas Sebastian aufspüren und den stellen, der ihr nach dem Leben trachtet?

_Kritik_

„Vampir sein ist alles“ ist der dritte Teil der Reihe um Garnet Lacey von Tate Hallaway. Wieder ist es der Autorin gelungen, einen unterhaltsamen Roman zu schreiben, der Spannung und Witz gekonnt und stimmig verbindet. Lediglich die Romantik kommt in diesem Buch teilweise etwas zu kurz, was aber zu der Geschichte passt und diese glaubhaft macht. Der Fokus liegt hier eindeutig auf der Suche nach Sebastian und den unheimlichen Vorfällen in Garnets Leben.

Der Spannungsbogen baut sich beständig auf, sodass der Leser richtiggehend mit den Charakteren fiebern kann. Zwar kommt es ab und an zu Längen in diesem Roman, diese sind aber meist wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte und somit gerne zu verzeihen.

Tate Hallaway gelingt es, sich über ihre Romane hinweg an ihren Plot zu halten und dabei interessant und unterhaltsam zu bleiben. Präsentiert wird die Geschichte aus der Perspektive Garnets, dabei verliert die Autorin aber auch die weiteren Charaktere nicht aus den Augen und schafft es, auch diese dem Leser nahezubringen.

Die Protagonisten sind vielschichtig und detailliert konzipiert und haben sich in diesem Roman glaubwürdig weiterentwickelt. Garnet bleibt sich selber treu und ist mit ihrer schrulligen Art sehr sympathisch und authentisch entworfen. Auch ihre Angst durch den Verlust Liliths ihre Hexenkräfte nicht mehr wie gewohnt nutzen zu können, ist sehr einleuchtend und nachvollziehbar.

Sehr viel näher wird dem Leser in diesem Roman der Sohn Sebastians, Màtyas, gebracht. Dieser Charakter birgt viel Potenzial, dem die Autorin ausreichend Raum gibt, sich zu entwickeln. In den vergangenen Romanen war er meist der Antagonist, der sich Sebastian und auch Garnet in den Weg gestellt hat und beiden gerne das Leben schwermachte. Trotzdem ist es der Autorin gelungen, diesem Charakter überzeugend einen neuen Weg zu weisen, ohne die Persönlichkeit zu verfälschen.

Auch die Nebendarsteller, bereits liebgewonnene Bekannte wie auch neu dazugekommene, kamen nicht zu kurz. Kein Charakter ist überflüssig, sondern vielmehr wichtig für diesen Roman.

Das Cover und der Innenteil sind ansprechend und zu der Reihe passend gestaltet. Die Kapitelüberschriften sind wieder in astrologische Häuser unterteilt und mit Schlüsselwörtern beschrieben.

_Fazit_

Mit dem dritten Teil der Reihe um Garnet Lacey, „Vampir sein ist alles“, konnte die Autorin mich wieder überzeugen. Mit ihrem gewohnt locker-leichten Schreibstil versteht die Autorin es, den Leser unterhaltsam an die Geschichte zu fesseln.

Ich für meinen Teil kann da nur sagen: „Bitte mehr davon“, und mein Wunsch wird im Dezember mit dem vierten Teil „Biss in alle Ewigkeit“ erfüllt werden.

_Autorin_

Tate Hallaway ist Amateur-Astrologin, praktizierende Hexe und Vampir-Fan, seit sie in der Highschool die Horror-Romane von Poppy Z. Brite gelesen hat. Sie lebt heute mit drei schwarzen Katzen in Minnesota. (Verlagsinfo)

|Broschiert: 316 Seiten
Originaltitel: Romancing the Dead
ISBN-13: 978-3802582868|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de

_Nadine Warnke_

Nuyen, Jenny-Mai – Magierlicht (Die Sturmjäger von Aradon 2)

Die Sturmjäger von Aradon:

Band 1: „Feenlicht“
Band 2: „Magierlicht“

Nach den Ereignissen des ersten Bandes ist Aradon überzeugt davon, dass ein Angriff des Alten Reiches unmittelbar bevorsteht, und rüstet seinerseits zum Krieg. Hel und ihre Gefährten sollen unterdessen unter Führung des Magiers Olowain versuchen, den Isen zu fangen, der durch den Tod des Dämons in den Besitz des Totenlichts gelangt ist.

Karat indessen, der von Oyaras Rebellen gesundgepflegt wurde, hat sich ihrem Kampf nicht angeschlossen. Stattdessen folgt der kaum sichtbaren Schemen, die ständig auf ihn einflüstern und ihn vorantreiben, immer Richtung Norden … und verfolgt von Mercurin.

Neuzugänge bei den Charakteren sind nicht zu verzeichnen, dafür aber durchaus Entwicklung.

Hels Skepsis im Zusammenhang mit den Magiern nimmt immer mehr zu. Als ihre Befürchtungen sich schließlich auf ganz unerwartete und erschreckende Weise bestätigen, nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand. Aber das ist auch nicht ganz einfach. Denn Hel ist sich keineswegs sicher, wie es nun mit ihr weitergehen soll.

Auch Mercurin ist unsicher. Seit er Hel kennt, ist er von der Richtigkeit seines Tuns nicht mehr so vollständig überzeugt, wie es für die Erledigung seiner Aufgabe eigentlich erforderlich wäre. Diese Unsicherheit steigert sich immer mehr, bis er eine ungewöhnliche Entscheidung trifft.

Wie immer hat Jenny-Mai Nuyen ihre Figuren ausgesprochen plastisch und intensiv gezeichnet. Vor allem Mercurins wachsende Zerrissenheit zwischen seiner Zuneigung zu Hel und seinem Auftrag ist sehr gut gelungen.

Die Handlung ist in diesem Band dafür etwas einfacher gestrickt als im Vorgänger. Das Hauptgewicht liegt auf der Gruppe um Hel, die Karat bis an den Rand der Kauenden Klippen folgt. Die übrigen Handlungsstränge, wie der um Karat oder die Druiden aus dem Alten Reich sind nur in kurzen Absätzen dazwischengestreut. Selbst als Hel sich von den Magiern trennt, entsteht kein gleichwertiger neuer Strang, denn das Augenmerk folgt ausschließlich Hel. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Handlung eingleisig oder unkompliziert wäre. Tatsächlich gibt es in jedem Handlungsstrang einen, der nach den Totenlichtern sucht, selbst in Hels Umfeld, und letzten Endes streben sie alle auf denselben Punkt zu. Das Zusammentreffen der einzelnen Parteien verläuft dementsprechend dramatisch, und doch gelingt es der Autorin, dies noch zu toppen. Der eigentliche Showdown findet letztlich in Aradon statt.

Zusätzlich zur langsam steigenden Spannung wird auch der Schauplatz weiter ausgebaut. Zum ersten Mal erfährt der Leser Details über das Alte Reich und sogar einiges von dem geheimen Wissen der Magier wird verraten. Besonders gut aber gefiel mir die Idee der Elfen. Die leuchtenden, schemenhaften Wesen, die Karat nach Norden führen, nennen sich selbst diejenigen, die immer waren und immer sein werden. Sie scheinen ziemlich mächtig zu sein, vor allem aber sind sie zornig. Denn die Menschheit, die ihre Schöpfung ist, hat sie enttäuscht, indem sie sinnlos Lirium verprasst und damit die Erde fast getötet hätte. Nun wollen sie die Menschen bestrafen. Und die Totenlichter sind ihr Werkzeug.

Was diese Geschöpfe letztlich so interessant macht, ist ihre Widersprüchlichkeit. Denn sie schüren genau jene Gefühle in den Menschen, deretwegen sie auf die Menschen so zornig sind: ihre Gier, ihren Ehrgeiz, ihre Eigensucht. Gibt der Mensch ihrem Drängen nach, verhöhnen sie ihn, tut er es nicht, verhöhnen sie ihn ebenso. Es scheint, als könnte es ihnen niemand recht machen, als wüssten sie selbst nicht, was sie wollen. Dennoch beeinflusst ihr Tun das gesamte Geschehen. Es verleiht sämtlichen Beteiligten etwas Getriebenes, Manisches, vor allem im Zusammenhang mit Hel, die unbedingt das Richtige tun will, sich aber nicht sicher ist.

Unterm Strich bleibt der Eindruck einer stimmungsvollen, eindringlichen und gleichzeitig spannenden Geschichte, mit Figuren, in die man sich hervorragend hineinfühlen kann, einer Welt, die fasziniert, und deren Spannungsfeld ohne übermächtigen Bösewicht, unausweichliche Prophezeiungen oder einzig zur Rettung befähigte Helden auskommt. Jenny-Mai Nuyens Bücher zeichnen sich durch einen angenehmen Mangel an Übertreibung aus, und sind trotzdem weder langweilig noch blass. Stattdessen bleiben sie dadurch wesentlich näher am Leser, der schließlich auch nur Durchschnitt ist. Vielleicht ist auch das ein Grund für ihren Erfolg.

Jenny-Mai Nuyen stammt aus München und schrieb ihre erste Geschichte mit fünf Jahren. Mit dreizehn wusste sie, dass sie Schriftstellerin werden wollte. „Nijura“, ihr Debüt, begann sie im Alter von sechzehn Jahren. Inzwischen hat sie eine ganze Reihe von Büchern geschrieben. Die Sturmjäger von Aradon ist ihr erster Mehrteiler.

Gebundene Ausgabe: 377 Seiten
ISBN-13: 978-3570160626

www.jenny-mai-nuyen.de/
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Die Vollstrecker (Weltraumpartisanen – Band 6)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 5: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630

Band 6: _Die Vollstrecker_

Als der Herder-Verlag Anfang der Siebziger eine kleine Jugend-SciFi-Reihe von drei bis vier Bänden bei Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) in Auftrag gab, war der Erfolg keineswegs absehbar. Von Michalewsky brachte unter seinem Pseudonym „Mark Brandis“ bis 1987 insgesamt 31 Bände der
Weltraum-Abenteuerserie mit dem gleichnamigen Helden unters begeisterte Volk. Lange Zeit war es danach still um die deutsche Kult-Serie geworden. |Bertelsmann| machte sich zwischenzeitlich zwar immer wieder an einen Aufguss mit Doppelbänden, welche teils über den hauseigenen Buchclub vertrieben wurden, stellte die Versuche aber im Jahr 2000 endgültig ein. 2008 nahm sich der |Wurdack|-Verlag dem Kleinod mit dem gebührenden Ernst an und präsentiert seither jedes Quartal je zwei Bände als broschierte Sammlerausgabe mit frischer Aufmachung.

_Zur Story_

Nach den Bürgerkriegswirren von 2069 bis 2072 stabilisiert sich die Lage für die Union Europas, Amerikas und Afrikas (EAAU) weiter. Der diktatorische General Smith ist Geschichte, die Demokratie reinstalliert (siehe Band 1 – 4). Die Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA) unternimmt wieder den zivilen Auftrag der Erforschung des Weltalls und das Testen neuer Raumschiffe, wobei man kürzlich erst die bisherigen Grenzen im Sol-System überschritt und bis zum Uranus vorstieß (Band 5). Das zarte außenpolitische Pflänzchen der Entspannung zu den Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) gedeiht offensichtlich ebenfalls langsam aber stetig. Jetzt im Jahre 2074 scheint es tatsächlich so, als wäre ein Riesenschritt in Richtung Frieden möglich.

Die beiden letzten irdischen Machtblöcke aus West und Ost sind einem Abrüstungsabkommen ganz nah. Auf der Raumstation „Interplanar XII“ sollen die Gespräche vertieft und sogar ein diesbezüglicher Vertrag abgeschlossen werden. Dazu kommt es aber erst gar nicht, da die VOR-Delegation noch beim Landeanflug einem hinterhältigen Anschlag zum Opfer fällt. Die terroristische Vereinigung „Die Vollstrecker“ zeichnet sich dafür verantwortlich. Die setzt in letzter Zeit alles daran, die Beziehungen zwischen EAAU und VOR permanent und vollkommen skrupellos zu torpedieren. Man will dadurch einen globalen Krieg anzetteln, an dessen Ende die Menschheit einen kompletten Neuanfang in eine strahlende Zukunft starten soll – natürlich nach den verschrobenen Idealen der „Vollstrecker“, versteht sich.

Diese bemächtigen sich kurz darauf eines kampfstarken Prototypen. Schuld daran soll Robert Monnier haben, der das brutale Shipnapping als einziger überlebt hat und an dessen Darstellung erhebliche Zweifel bestehen. Ausgerechnet sein Freund Mark Brandis soll nun vor Gericht die Position der Anklage vertreten. Die Verteidigung übernimmt VEGA-Chef Harris höchstpersönlich – niemand weiß, dass genau diese Konstellation dazu dient, Monnier raus zu pauken. Noch während des Verfahrens muss Brandis ausrücken, das gekaperte Schiff zu zerstören, bevor es nämlich genau das mit einem zivilen VOR-Außenposten tut. Brandis fordert Monnier für dieses Himmelfahrtskommando als Piloten an, wohl wissend, dass damit auch der letzte Unschuldsbeweis an Bord vernichtet wird. Alte Feindseligkeiten flammen wieder auf. Es soll aber noch viel dicker kommen.

_Eindrücke_

Es scheint, als hätte Nikolai von Michalewsky, der die NS-Zeit und den zweiten Weltkrieg noch bewusst miterlebt hat, diese Erfahrungen zunächst in den ersten vier Bänden der Serie verarbeitet. Dort ging es um ein totalitäres, faschistisches System, welches deutliche Parallelen zur Hitler-Diktatur aufwies. Band 5 zeigte sich dagegen als eher klassisch gestrickte Search and Rescue Mission, in welcher gemeinhin bekannte deutsche Tugenden wie Besonnenheit, Pflichtbewusstsein und Ehrenhaftigkeit gepflegt werden. Eben dies zieht sich übrigens durch die komplette Reihe und wird auch immer wieder gern hervorgehoben.

Immerhin ist sein Alter-Ego im Roman deutscher Abstammung und, ebenso wie von Michalewsky selbst, in der Mark Brandenburg geboren. Davon leitet sich übrigens auch das Pseudonym Mark Brandis ab, welcher quasi seine Memoiren aus der Ich-Perspektive darlegt. Michalewsky schrieb in seinen Romanen stets über das, was ihn grade bewegte. In der Regel sind es irgendwie immer politische und sozialkritische Themen wie Macht (und deren Missbrauch), sehr häufig Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung (davor scheint er sich am meisten gefürchtet zu haben), Rassismus und oft genug geht es gleichzeitig gegen militaristisch-dogmatische Betonköpfe. Auch diesmal.

Dabei zeigt sich hier besonders deutlich, dass die Reihe in den Siebzigern und Achtzigern, also zu absoluten Hochzeiten des Kalten Krieges, entstand. Die Welt stand stets mit einem Bein am Rande des Dritten Weltkriegs. Auch bei Brandis existieren zwei Machtblöcke, welche sich in Ost und West aufspalten und die sich mit nahezu identischen Methoden belauern und bedrohen, wie es die USA/Nato und UdSSR/Warschauer Pakt zu dieser Zeit ebenfalls taten. Eine recht neue Komponente hierbei ist nun der generalstabsmäßig durchgezogene, kompromisslose Terrorismus, welcher den Zweck hat, die Supermächte gegeneinander aufzuwiegeln. Damit bewies von Michalewsky ein erstaunliches Maß an Weitsicht – in unseren Tagen hat die Realität die damalige Fiktion fast eingeholt.

Das gilt auch für die Technik. Vieles hat die Serie heute sogar bereits überflügelt. Technologie ist bei Brandis jedoch nie Selbstzweck – wie übrigens auch der Einsatz von Gewalt als letztes, aber von ihm stets ungewolltes Mittel. Von Michalewsky behauptete von sich kein richtiger SciFi-Autor zu sein (siehe dazu auch das Essay am Ende des Buches). Das stimmt insofern, als dass er das futuristische Umfeld als Kulisse für seine Geschichten nutzte, es aber nie zu einem Götzen erhob, wie andere Serien dies praktizieren. Verschwurbeltes Techno-Gebabbel gibts hier nicht. Die Menschen waren ihm stets wichtiger und daher kann man sich mit seinen Geschichten auch so gut identifizieren. Ein Umstand, den die verwendete Ich-Form sicherlich noch verstärkt.

Allerdings wünscht man sich doch manchmal, er hätte so manche Idee – speziell was das Science in Science Fiction angeht – noch etwas weiter ausgefeilt. Physikalisch-technisch ist ihm nicht immer alles wirklich schlüssig geraten. Allerdings muss man dazu sagen, dass sich die Lage in diesem Punkt fast schon von Band zu Band bessert. Anscheinend hat er sich langsam warm geschrieben und wirklich grobe Schnitzer in Sachen Plausibilität unterlaufen ihm nun seltener. Ein alter und treuer Wegbegleiter bleiben aber seine stets wiederholten Lieblingsmetaphern und -phrasen. Doch damit kann man, eingedenk der spannend-temporeichen Geschichte, gut leben und überliest sie irgendwann im Laufe der fortschreitenden Serie gar. Naja, fast.

Eine Besonderheit weist – der storymäßig etwas kürzer als gewohnt ausfallende – Band 6 am Ende zusätzlich auf: Journalist Alexander Seibold äußert sich in seinem sehr lesenswerten 12-seitigen Essay mit dem Titel „Mark Brandis und sein Zwilling Nikolai von Michalewsky“ über den im Jahr 2000 verstorbene Autor und dessen wohl größtes Werk. Dabei lässt er nicht nur diesen selbst zu Wort kommen, sondern präsentiert auch Zitate von Fans der Serie, die darlegen, warum sie Mark Brandis so schätzen. Den meisten dürften diese Kommentare aus der Seele sprechen.

_Fazit_

„Die Vollstrecker“ ist wieder einmal eine gesellschaftskritische Parabel und dringender Appell für den Weltfrieden. Die Geschichte ist flott präsentiert und spricht das Mitgefühl für die Figuren stark an, lässt aber wirklich innovative oder überraschende Entwicklungen vermissen. Irgendwelche durchgedrehten Putschisten, Mark Brandis in der Zwickmühle und Ruth O’Hara als Faustpfand kennt man jetzt auch schon zur Genüge. Insgesamt betrachtet aber solide Brandis-Kost mit bekannten Zutaten, die auch dem Quereinsteiger gut munden dürfte. Sofern ein bisschen Moralin kein Sodbrennen verursacht.

|ISBN: 978-3-938065-52-5
190 Seiten, Broschur|

Classic Shop


http://www.markbrandis.blogspot.com

Perplies, Bernd – Für die Krone (Magierdämmerung 1)

_Die |Magierdämmerung|-Reihe:_

01 _“Für die Krone“_
02 „Gegen die Zeit“ (Februar 2011)
03 – nur angekündigt –

_Inhalt_

London im Jahre 1897: Jonathan Kentham ist Reporter. Seine momentanen Bestrebungen gelten außer dem Verfassen guter Artikel, vor allem der Hoffnung, vor den hübschen Augen einer gewissen Miss Elizabeth ein gefälliges Bild abzugeben. An und für sich sind das schon zwei erfüllende Aufgaben, aber dann geschieht etwas, das jede Menge Zeit und Nerven Jonathans in Anspruch nimmt: Ein älterer Herr wurde offenbar überfallen und übergibt ihm nachts in einer Gasse sterbend einen Ring, und ab da ist nichts mehr wie zuvor. Eine völlig neue Welt tut sich vor Jonathan auf, eine Welt, die zugleich mit der ihm bekannten Realität existiert – eine andere voller Magie und Gefahren, die er sich nicht hätte träumen lassen. Glücklicherweise stehen ihm von Anfang an einige Vertraute des Toten zur Seite, die ihm erklären können, was er noch nicht versteht. Andererseits wirbeln sie sein normales Leben kräftig durcheinander, und verschiedene Dinge erschließen sich auch ihnen nicht, denn es ist eine Zeit der Veränderung, in der Jonathan die Augen geöffnet werden: Etwas hat die Eingeweihten aufgeschreckt, denn der Fluss der Magie ist unruhig, zu heftig. Hat das mit der Rivalität zwischen zwei politisch konträren Gruppierungen unter ihnen zu tun, oder handelt es sich um eine ältere, urtümlichere Bedrohung?

Während in London verschiedene Personen verzweifelt herauszufinden versuchen, was geschehen ist, fragt sich das in den schottischen Highlands auch ein anderer Magier, der alte Giles McKellen. Er macht sich auf den Weg nach London, um sich mit einem alten Freund zu beraten. Kendra, seine siebzehnjährige Enkelin, begleitet ihn auf diesem Weg, wiewohl ihm das ganz und gar nicht behagt. Aber was soll er machen? Das Kind hat angefangen, mit Magie herumzupfuschen, obwohl es davon fast nichts versteht. Und so nimmt er sie zaudernd unter seine Fittiche – er ahnt, dass die Reise gefährlich wird. Wie gefährlich jedoch, hat er sich beim besten Willen nicht ausmalen können …

_Kritik_

Die Welt der Magie, die sich dem Leser hier darstellt, ist eine sorgfältig erdachte Mischung aus Gesetzmäßigkeiten und bunter Anarchie an jenen Stellen, an denen die magische Intensität zu groß wird. Die Szenen am Anfang, die wohl dazu gedacht sind, dem Leser klarzumachen, wie genau man sich die Eigenheiten dieser anderen Welt zunutze machen kann, erfüllen diesen Auftrag hundertprozentig; das eine oder andere erzeugt so deutliche Bilder, dass man quasi die Verfilmung schon vorm inneren Auge hat. Allerdings bräuchte man dafür jede Menge Spezialeffekte.

Das viktorianische London, das Perplies als Schauplatz gewählt hat, ist zusammengestrickt aus jeder Menge Intertextualität: Hier bastelt jemand die „Nautilus“, dort läuft das lebendige Vorbild Sherlock Holmes‘ herum. Das ist fast immer lustig und charmant gelungen, und wenn man sich auch leise seufzend fragt, ob denn nie ein Rabe jemals irgendwo anders heißen wird als „Nevermore“, so hat man das doch bald wieder vergessen, unter den vielen neuen Eindrücken. Perplies‘ Magierwelt ist spannend und rau, voller Typen, die nicht lange fackeln, und für den bedauernswerten Jonathan erstens voller Feinde und zweitens voller Freunde, neben denen er eigentlich gar keine Feinde mehr bräuchte. Die Charakterbildung gerade jener erwähnter Freunde ist übrigens ziemlich gut gelungen.

Und so war ich dann am Ende des Buches kurz davor, vor Frust in die Tischplatte zu beißen, weil mir aufging, dass es sich um Band eins von drei handelt und dass der Moment, in dem es dann richtig abgeht, Februar 2011 sein wird. Und dann folgt wieder die Wartezeit auf Band drei – „schön“ geht anders, aber man hat ja auch die Pocken überlebt.

_Fazit_

„Magierdämmerung. Für die Krone“ ist ein gelungener Auftakt zu einer Fantasyserie der etwas anderen Art: Erfrischenderweise findet hier kein Halbwüchsiger erstens ein seltsames Schwert und zweitens heraus, dass er ein Thronfolger ist oder so. Stattdessen ist das viktorianische London liebevoll gezeichnet, und die magische Alternativwelt fügt sich harmonisch hinein. Wenn die Serie so weitergeht, wie sie angefangen hat, wird sie rundherum zu empfehlen sein.

Also warten wir auf Februar und hoffen das Beste – speziell auch für Jonathan, für den wirklich alles schiefläuft.

|Broschiert: 448 Seiten
ISBN-13: 9783802582646|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.bernd-perplies.de]http://www.bernd-perplies.de

_Bernd Perplies bei |Buchwurm.info|:_
[„Sohn des Fluchbringers“ (Tarean 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5678

Dmitry Glukhovsky – Sumerki

Ein unbedarfter Bücherwurm gerät an ein uraltes Manuskript, das er allmählich als Programm zum anstehenden Weltuntergang erkennt … – Was zunächst eine weitere Munkel-Mär zum 2012 ablaufenden Maya-Kalender androht, wird zum eigenständigen, nie originellen, aber angenehm unaufgeregten und gut im historischen Gefüge verankerten Mystery-Garn. Dmitry Glukhovsky – Sumerki weiterlesen

Sanderson, Brandon – Sturmklänge

Die junge Siri ist zwar eine idrisische Prinzessin, da sie aber die jüngste von vier Geschwistern ist, ist sie eigentlich ziemlich unwichtig. Zumindest glaubt sie das. Bis ihr Vater zu ihrem Schrecken plötzlich beschließt, sie an Stelle ihrer ältesten Schwester Vivenna als Braut nach Hallandren zu schicken.

Vivenna ist fast so entsetzt wie Siri. Immerhin wurde sie selbst seit frühester Kindheit darauf vorbereitet, Hallendrens Gottkönig zu heiraten. Wozu all diese harten Jahre strengster Erziehung, wenn ihr Vater nun auf einmal die jüngere Schwester ihr vorzieht? Vivenna ist nicht in der Lage, sich mit der neuen Situation einfach abzufinden …

Auch in Hallandren ist man überrascht – und mißtrauisch. Die Jüngste der Prinzessinnen ist ein unbeschriebenes Blatt, da alle hallandrenischen Spione auf die Älteste angesetzt waren. Was hat Hallandren von ihr zu erwarten? Unterwanderung? Ein Attentat? Oder gar Krieg?

Tatsächlich denkt Siri an nichts von all dem. Sie ist ein überschwänglicher Wildfang, der seine Zeit bisher damit verbracht hat, den Unterricht zu schwänzen und stattdessen in der Wildnis herumzustreifen. Aufgrund dieser fehlenden Erziehung ist sie noch ein wenig naiv, äußerst unbefangen und politisch völlig ahnungslos. Auf die neue Umgebung reagiert sie deshalb zunächst mit Angst und Unsicherheit. Da sie jedoch weit aufgeschlossener und unvoreingenommener ist als ihre Schwester, lernt sie mit der Zeit, sich zurechtzufinden.

Vivenna, die Siri nach Hallandren folgt, um sie aus den Fängen des Gottkönigs zu befreien, tut sich wesentlich schwerer damit, sich anzupassen. Die strenge und fromme junge Frau mit der ausgeprägten Selbstbeherrschung fühlt sich im Gegensatz zu Siri von der Flut der Farben und von der ungewohnten Kleidung der Leute in Hallandrens Hauptstadt abgestoßen. Je länger sie sich allerdings dort aufhält und je mehr sie erlebt, desto mehr geraten ihre Überzeugungen und Glaubenssätze ins Wanken …

Lichtsang, der Gott des Heldenmuts, dagegen hat keine Glaubenssätze. Im Gegenteil ist er fest davon überzeugt, kein Gott zu sein. Da er aber keine Möglichkeit hat, sich dem Kult um seine Person zu entziehen, flüchtet er sich in übertriebenen Spott und Leichtfertigkeit und weigert sich beharrlich, sich an den politischen Intrigen der Götter untereinander zu beteiligen.

Und dann wäre da noch Vasher, der Mann in der Rolle des geheimnisvollen Kämpfers. Sein Erscheinungsbild erinnert fast an einen Landstreicher, allerdings besitzt er ein ziemlich ungewöhnliches Schwert, das er auf noch ungewöhnlichere Weise benutzt.

Brandon Sanderson hat hier eine äußerst vielschichtige Charakterzeichnung abgeliefert. Keiner seiner Charaktere lässt sich von Anfang an in eine Schublade stecken, nicht einmal Nebenfiguren wie Blaufinger, der Haushofmeister des Palastbezirks. Gleichzeitig sind sie sehr lebendig und glaubwürdig gezeichnet, sowohl in ihrer Ausgangssituation als auch in ihrer Entwicklung, soweit vorhanden. Vor allem Lichtsang und Vivenna fand ich ausgesprochen gut gelungen, und selbst Vasher, über den man erst spät etwas und dann nur wenig erfährt, entwickelt ein gewisses Maß an Persönlichkeit.

Der Kontext, in den der Autor seine Figuren gesetzt hat, ist ziemlich komplex. Das fängt schon damit an, dass hier Magie und Religion nicht eindeutig zu trennen sind. Magie besteht zunächst darin, mithilfe von Farbe und menschlichem Hauch totes Material zum „Leben“ zu erwecken. Je nach Kommando kann das erweckte Material bestimmte Aufgaben erfüllen, ein Seil zum Beispiel etwas aktiv in die Höhe befördern.

Mit Hauch ist allerdings nicht einfach menschlicher Atem gemeint, sondern eine Art Energie. Jeder Mensch besitzt von Geburt an einen Hauch. Für die meisten Erweckungen ist jedoch mehr als ein Hauch erforderlich, außerdem bedeutet der Besitz einer großen Anzahl Hauche sowohl gesellschaftlichen Status als auch einen Zuwachs an Fähigkeiten und magischer Kraft.

Zugleich ist Hauch aber auch die Nahrung der Götter, die sie von ihren Gläubigen beziehen. Die Menschen können auch ohne Hauch leben, die Götter jedoch sterben, wenn sie nicht jede Woche einen menschlichen Hauch aufnehmen. Dabei besitzen sie selbst ebenfalls einen Hauch, der um ein Vielfaches stärker ist als der menschliche, den sie jedoch nicht einsetzen können, ohne zu sterben.

Der Einfluss der Götter basiert daher weniger auf ihrer im Grunde eher eingeschränkten magischen Macht als vielmehr darauf, dass sie „zurückgekehrt“ sind: Menschen, die aufgrund der besonderen Umstände ihres Todes erneut zum Leben erwacht sind. Das Volk betrachtet sie als besondere Beschützer, an die sie Bittgesuche richten, die sie um Rat fragen und Ähnliches.

Kommt die Politik dazu, wird die Sache noch komplizierter: Offiziell ist Idris lediglich eine Provinz Hallandrens. Allerdings herrschen dort die Nachkommen jener Familie, die einst auf dem Thron von Hallandren saß! Seit dem Vielkrieg, der zu dieser Situation geführt hat, fürchten die Götter und Priester von Hallandren, die Könige von Idris könnten irgendwann die Herrschaft über Hallandren zurückfordern. Dabei ist Idris dazu politisch gar nicht in der Lage, obwohl das kleine Gebirgsland sämtliche Pässe in die nördlichen Königreiche und nahezu sämtliche Kupfervorkommen des Landes kontrolliert.

Tatsächlich fürchtet Idris nichts mehr, als irgendwann von Hallandren doch noch vollständig unterworfen zu werden, denn seine Bewaffnung ist schlecht und die Anwendung von Magie ist in Idris aus religiösen und ethischen Gründen verpönt, Hallandren dagegen verfügt über eine ganze Armee von Leblosen, womit erweckte Leichen gemeint sind. So belauern sich beide Seiten gegenseitig voller Misstrauen und in ständiger Erwartung, dass der andere demnächst angreifen wird.

Dabei bildet der Rat der Götter, der über Hallandren herrscht, keineswegs eine einheitliche politische Front. Kriegsbefürworter stehen Kriegsgegnern gegenüber, und überall wird intrigiert und geschachert. Das geht so weit, dass eine der Göttinnen Siris unschuldige Naivität als Maske abtut, weil sie sich nicht vorstellen kann, dass jemand in dieser Position keine geheimen Absichten verfolgt.

Um das Maß vollzumachen, hat Brandon Sanderson seine Handlung auch noch auf mehrere Stränge verteilt. Während im Palast die verwirrte und eingeschüchterte Siri und der Gottkönig allmählich einander näherkommen, versucht Vivenna mit Unterstützung einer Söldnergruppe, eine Art Partisanenkrieg auf die Beine zu stellen, um den drohenden Krieg wenigstens bis zum Winter hinauszuzögern und Idris so eine bessere Position zu verschaffen. Von den Hallandrenern wird dies wiederum als Vorstufe zu einem Angriff durch Idris verstanden, was dazu führt, dass Lichtsang, der über zehntausend Soldaten der Leblosenarmee das Kommando hat, immer mehr ins Visier seiner göttlichen Kollegen gerät. Und dazwischen huscht Vascher hin und her, ohne dass klar wäre, auf welcher Seite er steht.

Alle diese Handlungsstränge sind nicht nur geschickt miteinander verbunden, sie bedingen einander und führen so zu einer immer stärkeren Zuspitzung der Situation. Und während der gesamten Entwicklung spielt der Autor gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, nur um ihn dann mehrmals kräftig zu überraschen, was nicht nur für Abwechslung sorgt, sondern auch für wachsende Spannung.

Herausgekommen ist dabei ein dichter und facettenreicher Roman, dessen präziser Aufbau den Leser trotz aller Komplexität souverän durch die Handlung führt, der mit seinen ausgesprochen menschlichen und lebensechten Charakteren für jeden Leser eine Identifikationsfigur bietet, trotz aller Konflikte und Kämpfe ohne Splatter auskommt und auch ohne einen absoluten übermächtigen Bösewicht Spannung zu erzeugen weiß. Die einzelnen Aspekte sind hervorragend ausbalanciert, sodass das Buch weder actionlastig noch detailverliebt oder psychologisch überfrachtet daherkommt. Fantasy vom Feinsten!

Brandon Sanderson gehört zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither war er ungemein fleißig. Neben seiner Trilogie Mistborn schreibt er an seinem Jugendbuchzyklus Alcatraz, der inzwischen bis Band vier gediehen ist, sowie an Robert Jordans Zyklus Das Rad der Zeit, dessen vorletzter Band unter dem Titel „Towers of Midnight“ Anfang November in die Buchläden kommt. Außerdem erschien Ende August unter dem Titel „The Way of Kings“ der erste Band seines Zyklus‘ Die Sturmlicht-Chroniken.

Taschenbuch: 762 Seiten
Originaltitel: Warbraker
Deutsch von Michael Siefener
ISBN-13: 978-3453527133

 www.brandonsanderson.com

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Sprunk, Jon – Schattenschwert (Shadow Saga 1)

_Die |Shadow Saga|:_

Band 1: _“Schattenschwert“_
Band 2: „Shadows’s Lure“ (2011, noch ohne dt. Titel)
Band 3: „Shadow’s Master“ (2012, noch ohne dt. Titel)

_Caim ist ein Auftragskiller._ Der Beste in der ganzen Stadt. Zumindest bis zu dem Tag, an dem er den Mann, den er töten soll, bereits ermordet vorfindet und kurz darauf Soldaten auftauchen, um ihm festzunehmen. Caim kann entkommen, doch auf der Suche nach demjenigen, der ihm die Falle gestellt hat, sticht er in ein gefährliches Wespennest …

_Caim entspricht größtenteils_ dem derzeit so beliebten Typus der gnadenlosen, im Grunde aber edlen und gerechten Tötungsmaschine. Ein wenig Persönlichkeit erhält er durch die Erinnerungen an einen blutigen Überfall auf sein Zuhause, den er selbst nach sechzehn Jahren nicht verwunden hat. Die Schatten, mit denen er irgendwie verbunden scheint, machen ihn außerdem auch ein wenig geheimnisvoll.

Noch geheimnisvoller ist Kit, eine körperlose Wesenheit, schön, übermütig und ein wenig unberechenbar. Sie ist zwar Caims Freundin, was genau sie ist, weiß er aber nicht, und der Leser erfährt es deshalb auch nicht.

Dann wäre da noch Josephine, eine junge Adlige, die zunächst nichts als Heiraten im Kopf hat. Als sie ihren Vater, ihr Zuhause und fast auch ihr Leben verliert, ändern sich ihre Interessen allerdings schlagartig.

Der Bösewichte sind es diesmal gleich zwei: Ral entspricht dem Typus Killer, dem das Töten Spaß macht, und gleichzeitig dem Typus Bösewicht, der der Ansicht ist, alle Macht und Annehmlichkeit der Welt stünde ihm von Rechtswegen zu, und zwar ausschließlich ihm. Levictus ist da ein wenig interessanter geraten. Der Mann hat seine Familie an die Inquisition verloren und der Kirche dafür Rache geschworen. Um sein Ziel zu erreichen, ist er sogar bereit, sich mit finsteren Mächten zu verschwören.

Wirklich berauschend fand ich die Charakterzeichnung nicht. Caim und Ral sind zu sehr in Stereotypen verhaftet, und Josephines Entwicklung von naiver, verzogener Oberflächlichkeit zur verantwortungsbewussten Führungsperson ging mir etwas zu schnell. Kit war zwar charmant, allerdings erfährt der Leser so wenig über sie, dass es zu echter Tiefe nicht gereicht hat. Bleibt Levictus, aber selbst ihm fehlt trotz seines finsteren Gehabes und seines Rachedurstes das gewisse Etwas. Zwar ist sein Hass auf die Kirche nachvollziehbar, aber nicht nachfühlbar. Vielleicht hätten auch ihm ein paar echte Erinnerungen, wie Caim sie hatte, gutgetan.

Auch die Erzählung holpert etwas. Manche Ungereimtheiten könnte man vielleicht dem jeweiligen Protagonisten anlasten. Zum Beispiel ist Josephine dabei, als Markus, Soldat der Kirche und Verlobter ihrer besten Freundin, den Befehl gibt, Josephine zu töten. Trotzdem wirft sie kurze Zeit später Caim an den Kopf, Markus hätte ihr nie etwas angetan. Eigentlich fragt man sich, ob jemand so dumm überhaupt sein kann, aber gut.

Einiges dagegen ist einfach schlampig formuliert. Caim springt ins Wasser, die Wellen schlagen über ihm zusammen, er erreicht ein Kanalrohr und holt Luft. Nirgendwo steht, dass Caim inzwischen wieder aufgetaucht wäre. Die Worte, dass er seinen tiefen Atemzug bereut, bezog ich daher zunächst darauf, dass Caim wohl Wasser geschluckt haben muss, und wunderte mich, warum er das tut, wo er doch noch unter Wasser ist. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass das Kanalrohr oberhalb der Wasserlinie mündet.

Und wieder anderes war schlicht unlogisch. Josephine verwendet ihren Unterrock als Verbandsstoff, weil der unter dem Nachthemd nahezu trocken geblieben ist. He, das Mädel ist gerade kopfüber vom Steg gerissen, mehrere Meter durchs Wasser geschleppt worden und hat danach noch einige Zeit bewusstlos halb auf dem Trocknen und halb im Wasser gelegen. Den Unterrock möchte ich sehen, der da noch trocken ist! Und überhaupt: Welche Frau trägt einen Unterrock unter ihrem Nachthemd? Um die Sache zu krönen, freut Caim sich, dass ein Pfeil, der zwischen seiner ersten und zweiten Rippe steckt, nicht tiefer eingedrungen ist, denn sonst hätte er womöglich die Nieren verletzt! Ich kenne allerdings niemanden, bei dem die Nieren hinter den Rippen sitzen.

Dabei fand ich die Idee und den eigentlichen Handlungsverlauf gar nicht so schlecht. Die zunehmende Verstrickung Caims in das politische Komplott, seine wachsende Bedrängnis und die immer größeren Schwierigkeiten, in die Josephine gerät, sind im Großen und Ganzen gut gemacht. Der Plot ist sauber aufgebaut, und der Spannungsbogen strafft sich durchaus spürbar im Laufe der Handlung.

Was allerdings eine Menge Flair gekostet hat, waren die vielen losen Fäden. So erfährt der Leser zwar, dass das Komplott noch weit größer und umfangreicher angelegt war, als den Beteiligten bekannt war. Wie groß genau, wird nicht verraten. Ähnlich Kit: sie sagt, Caims Mutter habe sie gerufen, deshalb sei sie bei ihm. Wie und warum Caims Mutter das gemacht hat, sagt sie nicht, auch nicht, woher sie kommt und wer genau sie ist. Und dann die Schatten: Sie scheinen durchaus nichts Einheitliches zu sein. Einerseits helfen sie Caim, unsichtbar zu werden, andererseits wird er mehrmals von ihnen angegriffen. Und die Wesen aus der Schattenwelt, mit denen Levictus in Kontakt tritt, benutzen ihn zwar als Werkzeug, welchen Zweck sie allerdings verfolgen, bleibt im Dunkeln. So wirkt das Buch am Ende abgehackt und unvollständig, selbst für den ersten Band eines Zyklus.

_Insgesamt gesehen hätte_ das Buch durchaus eine Menge Potential gehabt. Ein etwas genaueres Eingehen auf die Charaktere – zum Beispiel Markus‘ Motivation, bei der ganzen Sache mitzumachen – hätte ein wenig über den schablonenhaften Entwurf von Caim und Ral hinweggetröstet. Und durch eine detailliertere Ausarbeitung des historischen Hintergrunds, der immer nur in Bruchstücken erwähnt wurde, hätten manche Entdeckungen Caims weniger bemüht gewirkt. Bei knapp vierhundert Seiten wäre dafür schon noch Platz gewesen.

Vielleicht werden ja wenigstens in der Fortsetzung all die losen Fäden noch weitergeführt und ausgebaut. Ich hoffe nur, dass keine Schnitzer wie die mit dem Pfeil und dem Unterrock mehr passieren. Einem aufmerksamen Lektor sollte so was eigentlich auffallen, auch in den USA. Ein Lob dagegen an Heyne für das fehlerfreie Lektorat und das gelungene Cover.

_Jon Sprunk entdeckte_ seine Passion fürs Schreiben während seines Literaturstudiums. Seither hat er mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. „Schattenschwert“ ist sein erster Roman.

|Taschenbuch: 395 Seiten
ISBN-13: 978-3453527218
Originaltitel: Shadow’s Son
Deutsch von Ronald Gutberlet|
[www.jonsprunk.com]http://www.jonsprunk.com

Perplies, Bernd – Für die Krone (Magierdämmerung 1)

_Die |Magierdämmerung|-Reihe:_

01 _“Für die Krone“_
02 „Gegen die Zeit“ (Februar 2011)
03 – nur angekündigt –

Weit draußen im Meer, am mittelatlantischen Rücken, ist ein Tauchboot unterwegs. Es ist auf der Suche nach dem versunkenen Atlantis. Der „Professor“, der das Unterseeboot quasi gemietet hat, verfolgt allerdings ein gänzlich anderes Ziel als nur profane Forschung. Er sucht nach etwas, das die gesamte Welt verändern wird … und wird fündig!

Der junge Journalist Jonathan Kentham dagegen hat vorerst ganz andere Probleme. Er zerbricht sich gerade den Kopf darüber, ob er den mächtigen Abgeordneten Holbrook wohl irgendwie davon überzeugen kann, dass er, Jonathan, ein passender Schwiegersohn wäre. Bis er auf dem Heimweg vom Theater das Opfer eines Mordanschlages „findet“. Plötzlich ist er neuer Besitzer eines silbernen Ringes … und damit mächtiger Magie!

Zur gleichen Zeit sieht sich ein junges Mädchen namens Kendra durch eine Verkettung ungünstiger Umstände gezwungen, ihr bisheriges Zuhause in den schottischen Highlands zu verlassen. In Begleitung ihres Großvaters macht sie sich auf den Weg nach London. Doch schon bald stellt sich die Reise als äußerst schwierig heraus.

_Der Akteure gibt es viele:_

Da wäre zunächst einmal Jonathan zu nennen, grundanständig, ein wenig schüchtern und nahezu frei von Abenteuerlust. Aber neugierig ist er, wenn auch nicht gerade mit übermäßigem, detektivischem Spürsinn gesegnet. Und nachdem er erst einmal in diese Sache hineingestolpert ist, stellt er sich auch als durchaus mutig heraus.

Kendra ist ein burschikoser Wildfang, der seine Zeit am liebsten damit verbringt, durch die Wildnis zu schweifen, was im Hinblick auf die restliche Dorfbevölkerung nicht allzu verwunderlich ist. Der einzige Mensch, mit dem sie etwas verbindet, ist ihr Großvater, doch der mag sie offenbar nicht. Aber Kendra ist auch ein Dickkopf, was bedeutet, dass sie sich von dem brummigen Alten nicht einfach abweisen läßt.

Der alte Giles wiederum ist weit mehr als nur brummig. Er ist gewitzt, zäh und vor allem stark. Und er scheint eine ganze Menge mehr zu wissen als die meisten anderen.

Der schillerndste Charakter aber ist ein Magier. Ein lebhafter Mann von sprühender Intelligenz mit einer ausgeprägten poetischen Ader, allerdings dem Alkohol und den Drogen ein wenig zu sehr zugeneigt, launisch, überspannt, exzentrisch. Das Einzige, was bisher fehlt, sind die Depressionen. Vielleicht kommen die noch. Sein Name ist Holmes. Jupiter Holmes.

Der Bösewicht der Geschichte wirkt dagegen ein wenig blssß. Der distinguierte, elegante ältere Herr namens Wellington ist Lordmagier des Ordens des silbernen Kreises und seit Langem erbitterter Gegner des Ersten Lordmagiers Dunholm. Wellington ist mit der Rolle der Magier in der Welt nicht zufrieden. Und auch nicht mit ihrem magischen Potential. Ob er allerdings die Gründe, die er für sein Vorgehen nennt, tatsächlich selber glaubt, ist eher zweifelhaft. Der Mann will einfach so viel Macht, wie er nur irgend bekommen kann.

Einen unerwarteten Hauch von Farbe erhält die Seite der Antagonisten durch einen Killer, den alle nur „Franzose“ nennen. Das Einzige, was für den nahezu gesichtslosen, weil ziemlich vermummten Magier zählt, ist die Erledigung seines Auftrages. Mehr erfährt der Leser nicht über diesen Mann, sodass die Gegner zumindest ein Geheimnis zu bieten haben.

Alles in allem fand ich die Charakterzeichnung abwechslungsreich und ziemlich gelungen. Abgesehen von Wellington, der gern noch ein wenig mehr Charisma entwickeln darf, als er bisher zeigte, waren alle Personen, auch die Nebenfiguren, sehr lebendig geraten. Vor allem Jonathan ist in seiner zutiefst britischen Art sehr gut getroffen, und der alte Giles dürfte noch für eine Menge Überraschungen gut sein. Am besten aber gefiel mir Holmes.

Der Grund dafür liegt nicht allein in der literarischen Vorlage. Die Art und Weise, in der Bernd Perplies Doyles berühmte Figur für sein eigenes Buch sozusagen entliehen hat, kommt mit einem gewissen Augenzwinkern daher, so zum Beispiel in der Erklärung, wo Holmes stets so überraschend all die Informationen über Leute herhat, denen er nie zuvor begegnet ist. Und wenn Holmes selbst erklärt, dass er keineswegs dem berühmtesten Detektiv der Weltliteratur nacheifere, sondern im Gegenteil für die besagte Figur Pate gestanden habe, und gleichzeitig zugesteht, dass sein alter Freund Doyle ihn tatsächlich sehr gut getroffen habe, dann zeugt das von so viel charmanter Dreistigkeit, dass man dem Autor einfach nicht böse sein kann. Zumal Perplies‘ Holmes letztlich vor allem eines ist: eine Hommage an den Erfinder des Meisterdetektivs, Sir Arthur Conan Doyle. Gleiches gilt auch für die |Nautilus|.

Im Übrigen finden sich über das Buch verteilt immer wieder kleine Anspielungen auf andere Werke, zum Beispiel die „Schatzinsel“ oder Poes „The Raven“. Perplies spielt ganz offen mit diesen kleinen literarischen Details, da er sie aber großteils als Bestandteil seiner Geschichte einbaut, verleiht er ihnen damit gewissermaßen Realität und seinem Buch dadurch eine gewisse Note.

Aber auch ohne diese Würze der besonderen Art ist dem Autor die Darstellung seines Hintergrundes hervorragend gelungen. Frei von epischer Weitschweifigkeit, beinahe nebenbei, hat er das Leben in London kurz vor der Jahrhundertwende ausgesprochen treffend skizziert: Theaterbesuche, der Empfang des französischen Botschafters, Spaziergänge auf der Promenade, die Mischung aus Kutschen und frühen Automobilen gehören ebenso dazu wie dunkle Gassen, Schlachthöfe, Kneipen und Schlupflöcher von Verbrechern in verrufenen Vierteln.

Selbst den phantastischen Aspekt hat er passenderweise in einer Geheimloge angesiedelt. Die Magie wird als leuchtende Fäden beschrieben, die alles – je nach Lebenskraft unterschiedlich stark – miteinander verbinden. Man kann sie bündeln, umlenken, voneinander lösen oder miteinander verknüpfen, je nach Bedarf. Eine recht praktische und leicht nachvollziehbare Art und Weise, Dinge ohne sichtbare Beeinflussung zu bewerkstelligen, und wunderbar geeignet für alle möglichen Arten von magischen Duellen.

Dieser Umstand wird auch ausgiebig genutzt. Gleich dreimal, den Showdown nicht eingerechnet, kommt es im Laufe der Handlung zu magischen Handgreiflichkeiten. Und wenn gerade mal nicht gekämpft wird, wird Detektivarbeit geleistet. Beide Aspekte sind nahtlos und fließend miteinander verbunden, und im Falle der Detektivarbeit auch höchst vergnüglich erzählt. Details über das Wesen der Magie und ihre Auswirkungen finden sich in den Gesprächen zwischen Kendra und ihrem Großvater sowie in dem dünnen Handlungsfaden, der im Prolog seinen Ausgang nimmt und dann erst zum Showdown wieder an Bedeutung gewinnt. Im Gegensatz zu diesem feinen Nebenstrang sind die Ereignisse um Kendra ebenfalls mit den Ereignissen in London verknüpft, und auch hier sind die Nahtstellen sauber und glatt gestaltet.

So wirkt die Handlung insgesamt abwechslungsreich und lebhaft, sie ist frei von Längen, Durchhängern oder logischen Brüchen. Gegen Ende nimmt das Erzähltempo noch zusätzlich Fahrt auf, auch der Spannungsbogen wird an dieser Stelle spürbar straffer. Der Showdown schließlich würfelt die Personenkonstellation einmal gehörig durcheinander und schafft eine interessante neue Ausgangssituation für den nächsten Band.

_Um es endlich auf den Punkt zu bringen:_

Dieses Buch war durchweg ein gelungener Wurf. Die Charaktere sind glaubhaft und fast ausnahmslos jenseits des Klischees, die Beschreibung des Hintergrundes lebendig und facettenreich, die Handlung eine spritzige Mischung aus Krimi und Fantasy. Das Ganze gewürzt mit einer Prise Weltliteratur sowie einem Schuss Ironie, und fertig ist der unterhaltsame Lesegenuss. Da stört es auch nicht, dass Jonathan und seine Begleiter auf dem Weg vom Drury Lane Theater zum Trafalgar Square einmal in die falsche Richtung abgebogen sind. Das konnte ich, die ich noch nie in London war, überhaupt nur anhand der sehr gut lesbaren Karte im hinteren Buchdeckel feststellen.

Bernd Perplies studierte Germanistik und Filmwissenschaften und arbeitet seither als Redakteur für filmportal.de sowie als Übersetzer. Bereits mit seiner |Tarean|-Trilogie hatte er großen Erfolg. Die Fortsetzung zu seinem neuen Zyklus |Magierdämmerung| unter dem Titel „Gegen die Zeit“ soll im Februar nächsten Jahres erscheinen.

|Taschenbuch: 439 Seiten
ISBN-13: 978-3802582646|
[www.bernd-perplies.de]http://www.bernd-perplies.de

_Bernd Perplies bei |Buchwurm.info|:_
[„Tarean – Sohn des Fluchbringers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=5678 (Tarean Band 1)

Fink, Torsten – Renegat (Der Sohn des Sehers 3)

_Die „Der Sohn des Sehers“-Trilogie:_

Band 1: [„Nomade“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6314
Band 2: [„Lichtträger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6496
Band 3: _“Renegat“_

Dank Merege ist die Gefahr durch die zornige Wüstengöttin Xlifara Slahan gebannt. Doch Mereges Seele hat ihren Körper verlassen, ohne zurückzukehren, und dann hat Eri auch noch den Heolin gestohlen. Bald darauf erfährt Awin, dass er sich zum Tiudhan, zum obersten Oberhaupt über alle Hakul hat erheben lassen. Doch erst Isparra, die plötzlich vor den Toren Pursus auftaucht, öffnet Awin die Augen über Eris wahre Absichten …

_Awin entwickelt sich_ allmählich zu einer echten Führernatur. Er kann sich durchsetzen und hat gelernt, andere zu überzeugen. Seine Art, in anderen zunächst immer das Gute zu sehen, hat sich dadurch aber nicht verändert, und sein Bemühen um Verständigung und friedliche Einigung ist die Voraussetzung dafür, dass er auf seinem Weg überhaupt vom Fleck kommt.

Der wesentlich interessantere Charakter war diesmal Isparra. Wie schon bei seiner Figur des Tasil in der Trilogie |Tochter des Magiers| ist Torsten Fink auch bei der Windskrole konsequent geblieben. Isparra hilft Awin gelegentlich, wenn sie keine andere Wahl hat, weil sie ihrerseits auf ihn angewiesen ist, aber sie macht keinen Finger mehr krumm als unbedingt nötig, und gelegentlich nutzt sie ihn auch gehörig aus. Ihr Hochmut scheint trotz ihres Machtverlusts kein bisschen gelitten zu haben.

Die übrigen Charaktere weisen keine weitere Entwicklung auf, und die neuen Charaktere kommen nicht über Randfiguren hinaus. Selbst die Darstellung Mahuks, der in diesem Band doch recht wichtig geworden ist, wurde nicht wirklich vertieft. Eine echte Steigerung im Vergleich zum Vorgängerband kann man der Charakterzeichnung daher nicht bescheinigen.

Dasselbe gilt für den Hintergrund. Auch hier hat sich der Autor nicht die Mühe gemacht, noch ein wenig mehr ins Detail zu gehen. Zugegeben, die Handlung ließ dafür nicht allzu viel Raum. Sie mutet ein wenig wie ein Hindernisrennen an. Awin muss Eri zumindest ein-, besser noch überholen, um dessen Absichten zu vereiteln. Doch trotz aller Anstrengungen, die Awins Gruppe unternimmt, hat Eri stets die Nase ein Stück vorn. Dazu kommt, dass Awin ständig irgendwelche Hindernisse überwinden muss, sei es nun ungünstiges Gelände, feindliche Bewohner der Gegend oder höhere Mächte. Einige dieser Hindernisse nimmt Awin erstaunlich leicht, andere nicht ganz so leicht.

Die verschiedenen Schwierigkeiten sind durchaus abwechslungsreich dargestellt, dennoch kommt so etwas wie Spannung nicht so recht auf. Irgendwie zog der Trick mit dem Zeitdruck hier nicht richtig, vielleicht, weil von vornherein klar war, dass Awin Eri einholen muss, damit es überhaupt zum Endkampf kommen kann. Aber selbst gegen Ende, als sich die Lage auf den Showdown zuspitzte, empfand ich eher Ungeduld denn Anspannung. Möglicherweise lag es daran, dass durch Awins Sehergabe schon einige Details des Showdowns vorweggenommen waren; oder auch daran, dass der Oberste der Wächter vor Hochmut so verblendet war, dass es schon unglaubwürdig wirkte. Jedenfalls zog sich die Aufstellung für den Endkampf ein wenig zäh dahin. Das Endergebnis war dann letztlich wenig überraschend.

So war der dritte Band zwar abwechslungsreich, kam gleichzeitig aber nicht so recht in Gang. Zu viele Episoden wirkten lose und ohne echte Auswirkung auf den Handlungsverlauf, so zum Beispiel Awins Besuch beim Orakel der weißen Stuten. Es fehlte der innere Zusammenhang, der dem Geschehen Dynamik verliehen hätte. Stattdessen hakt Awin ein Problem nach dem anderen ab wie Perlen auf einer Schnur. Am Schluss blieben dann sogar Details offen, wie zum Beispiel Awins Verfolgung durch Uqib. Die Trilogie ist zu Ende, wirkt aber dennoch nicht wirklich in sich abgeschlossen. Bei der |Tochter des Magiers| ging es mir ähnlich, allerdings nicht in so starkem Maße wie jetzt beim |Sohn des Sehers|. Und entgegen meiner Hoffnung tauchte Maru in diesem Zyklus nicht mehr auf.

_Bleibt zu sagen_, dass die Trilogie mit vielen Ideen aufwarten konnte, die Ausarbeitung aber eher bescheiden ausfiel. Den Spannungsbogen spürbar zu straffen, ist nicht immer gelungen. Da die Gewichtung zulasten von Charakteren und Hintergrund so stark auf der Handlung liegt, ist das ein echtes Manko. Fazit: nette Unterhaltung, aber nichts, was man unbedingt gelesen haben muss.

Torsten Fink war Journalist und Texter, unter anderem für literarisches Kabarett, ehe er 2008 sein erstes Buch „Die Insel der Dämonen“ veröffentlichte. |Die Tochter des Magiers| war sein erster Mehrteiler, an den |Der Sohn des Sehers| anknüpft.

|Taschenbuch: 574 Seiten
ISBN-13: 978-3442266937|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

_Torsten Fink bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Diebin“ (Die Tochter des Magiers 1) 5775
[„Die Gefährtin“ (Die Tochter des Magiers 2) 5950
[„Die Erwählte“ (Die Tochter des Magiers 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5951

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Vorstoß zum Uranus (Weltraumpartisanen – Band 5)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618

Band 5: _Vorstoß zum Uranus_

Als der Herder-Verlag Anfang der Siebziger eine kleine Jugend-SciFi-Reihe von drei bis vier Bänden bei Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) in Auftrag gab, war der Erfolg keineswegs absehbar. Dieser brachte unter seinem Pseudonym „Mark Brandis“ bis 1987 insgesamt 31 Bände der Weltraum-Abenteuerserie mit dem gleichnamigen Helden unters begeisterte Volk. Lange Zeit war es danach still um die deutsche Kult-Serie geworden. |Bertelsmann| machte sich zwischenzeitlich zwar immer wieder an einen Aufguss mit Doppelbänden, welche teils über den hauseigenen Buchclub vertrieben wurden, stellte die Versuche aber im Jahr 2000 endgültig ein. 2008 nahm sich der |Wurdack|-Verlag des Kleinods mit dem gebührenden Ernst an und präsentiert seither jedes Quartal je zwei Bände als broschierte Sammlerausgabe mit frischer Aufmachung.

_Zur Story_

Normalität ist seit der Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit in der EAAU (Europa-Amerika-Afrika-Union) halbwegs wieder eingekehrt. John Harris hat nach dem unsäglichen, durch den texanischen General Smith angezettelten Bürgerkrieg (vgl. Band 1 – 4) sein Amt als Interimspräsident niedergelegt und die Leitung der Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA) übernommen. Die VEGA ist nun endlich wieder eine zivile Institution und kümmert sich um ihr Kerngeschäft: Die Erprobung neuer Raumschiffe und die gleichzeitige Erforschung des Weltraums. Die „Delta VII“, welche unter Commander Mark Brandis im Partisanenkampf gegen den Diktator Smith eine entscheidende Rolle spielte, ist inzwischen außer Dienst gestellt. Längst wurde diese Baureihe zur Delta IX weiter entwickelt – und genau da drückt der Schuh.

Brandis kommandiert derweil den neuesten Prototyp der EAAU: Die „Hermes“. Das erste Schiff mit revolutionärem Protonenantrieb, welcher Geschwindigkeiten im prozentualen Bereich der Lichtgeschwindigkeit ermöglicht. Seine mittlerweile erweiterte Crew und er werden ausgesandt, um die auf dem weit entfernten Uranus gestrandete „Delta IX“ unter Commander Scott entweder zu reparieren oder zu vernichten, damit dieser Technologieträger den VOR (den Vereinigten Orientalischen Republiken) nicht in die Hände fällt – diese haben Geheimdienstberichten zu Folge nämlich bereits Wind von der Havarie bekommen und ein kampfstarkes Schiff in Marsch gesetzt. Der Funkkontakt zur Delta IX ist zu allem Übel abgebrochen. Die „Hermes“ ist noch nicht vollkommen erprobt. Zudem ist ein bislang ungeklärtes Problem mit einer Art spontanen Teleportation gegeben.

Dennoch ist die „Hermes“ der einzige Raumer, welcher den Uranus rechtzeitig erreichen kann. Zumal, wenn der Commander Brandis heißt. Scott hingegen ist ein richtiger Kotzbrocken und ehemaliger Rivale um die Gunst seiner Verlobten. Die beiden können sich dementsprechend nicht sonderlich riechen, was seine Begeisterung für diese „freiwillige“, nicht ganz ungefährliche Rettungsmission in überschaubaren Grenzen hält. Der Uranus ist bisher unerforschtes und unwirtliches Neuland, für die meisten konventionellen Schiffe sogar unerreichbar. Commander Scott und seine Crew haben dies nach ihrer Bruchlandung schmerzlich erfahren müssen. Zwei Besatzungsmitglieder versuchen unter Einsatz ihres Lebens die Funkverbindung zur Heimat wieder herzustellen, während an Bord ein lebenserhaltenes Aggregat nach dem anderen den Geist aufgibt.

_Eindrücke_

Nach dem Partisanenkrieg der ersten vier Bände ist Band 5 ein geradezu klassischer Fall eines SAR-Kommandos. Natürlich gibt es als zusätzliches Bonbon einen Wettlauf mit der Zeit – genau genommen sogar mehrere, um die Spannung für den Leser aufrecht zu halten. Außerdem erfüllt die Geschichte die Aufgabe, die runderneuerte und personell aufgestockte Crew um Commander Brandis vorzustellen und einzuführen, welche ihn zum Teil auch die nächsten Bände hindurch auf seinen Flügen in unterschiedlichen Raumschiffen treu zur Seite stehen und begleiten wird. Lediglich Navigator Iwan Stroganow ist von der alten Garnitur noch übrig. Wie üblich ist auch diese Mannschaft wieder bunt zusammen gewürfelt, was die ethnische Herkunft bzw. Nationalität angeht und somit beinahe unweigerlich zu kleinen Reibereien an Bord führt.

Wenn es also – wie bei Brandis/Michalewsky eigentlich üblich – eine sozialkritische Komponente in der Geschichte gibt, so sind es hier sicher Rassenkonflikte und Altruismus. Der neue Bordingenieur Xuma ist ein schwarzer Südafrikaner, der Pilot van Kerk gehört zum weißen Teil der Bevölkerung aus der gleichen Gegend. Er betrachtet und bezeichnet den Farbigen als minderwertigen Nigger. Doch auch der darob höchst empörte Commander Brandis hat indes Grund, sich an die eigene Nase zu fassen und seine eigenen Vorurteile abzubauen: Die zur Unterstützung mitreisende Astrophysikerin stört, entgegen seiner Befürchtungen, das Bordleben überhaupt nicht – auch wenn eine chauvinistische Raumfahrer-Grundregel besagt, dass Frauen an Bord stets Ärger bringen.

Man sieht schon, dass es in dieser Search-and-Rescue-Mission zwar turbolent aber doch etwas gemächlicher zugeht als in den voran gegangenen vier Bänden. Die Serie gönnt ihrem Publikum eine kurze Verschnaufpause und gibt ihm die Möglichkeit, die Figuren sacken zu lassen, technische Neuerungen zu verdauen und die VOR wieder ein Stück mehr zu entdämonisieren. Gleichzeitig wird Brandis Dank seiner urdeutschen Tugenden wie Disziplin und Pflichtbewusstsein um eine weitere Stufe erhöht, gerade im Vergleich zum selbstherrlichen Ekelpaket Scott. Brandis ist der Geschichte nach – ebenso wie sein geistiger Vater und Über-Ich Nikolai von Michalewsky – nämlich in der Mark Brandenburg geboren, was unter Anderem zur Namensgebung der Figur führte, die durchaus nicht wenige autobiographische Züge aufweist.

Er ist in seinem bewegten Leben einer Menge zum Teil recht ungewöhnlicher Tätigkeiten nachgegangen, diese immense Lebenserfahrung liest man deutlich heraus. Allerdings – und das hat er von sich selbst behauptet – sah er sich nie als „richtiger“ SciFi-Autor. Diesen Umstand merkt man leider oft. Die angebotene Erklärung für die sporadischen Teleportationen der „Hermes“ passt physikalisch entweder auf ein Schwarzes oder besser noch auf ein Wurmloch, jedoch nicht auf einen Pulsar. Wenig Science, viel Fiction also. Haarspalterei? Vielleicht. Auf jeden Fall ein Zeichen für mangelnde Recherche, eventuell weil in der (Jugend-)SciFi damals ja fast alles möglich schien. Auch, dass die beiden Crewmitglieder einen Rucksack mit Verpflegung auf den atmosphärenlosen Uranus mitnehmen – wie sollen sie diese zu sich nehmen, ohne die Raumanzüge zu öffnen?

Solche nicht immer ganz fertig durchdachten Elemente würde man anderen Serien sicherlich in Bausch und Bogen ankreiden oder umständlich hochtechnisiert zu erklären versuchen. Bei Perry Rhodan, Star Trek und Co. wären solche Nachlässigkeiten nahezu undenkbar. Zudem darf man nicht vergessen, dass etwa bei Rhodan (welcher ja um die gleiche Zeit herum entstand – sogar sieben Jahre früher) sich unter Anderem (Atom-)Physiker als Autoren tummelten. Deren Anspruch an ein wissenschaftlich wasserdichtes und plausibles Setup ist sicher ein anderer, doch bei Mark Brandis tritt der ganze Technik-Kladderadatsch sowieso eher in den Hintergrund und ist nur futuristische Kulisse. Es ist die Geschichte, welche hier zählt – alles andere hat sich ihr unter zu ordnen. Und tatsächlich überliest man solche kleineren Stolpersteine in der Logik irgendwann ebenso, wie die häufig in der Serie verwendeten Standardphrasen von Michalewsky.

_Fazit_

Der „Vorstoß zum Uranus“ ist nach den turbulenten politischen Ereignissen der ersten vier Bände eine kleine Erholungsphase für die Leserschaft – und auch ein Neustart. Nämlich: neues Schiff, (teils) neue Crew und neue Rahmenbedingungen. Das Tempo ist dennoch flott, die Geschichte mit der Rettungsmission an sich jedoch nichts weltbewegend Neues. Trotzdem wird auch hier wieder an einigen Stellschrauben für den späteren Serienverlauf gedreht. Und das betrifft nicht nur die neu zusammen gesetzte Mannschaft, sondern beispielsweise auch den Umgang mit den VOR. Alles in Allem ein kurzweiliges Brandis-Abenteuer, welches erstmals auch für Quereinsteiger geeignet ist.

|ISBN: 978-3-938065-50-1
190 Seiten, Broschur|

Classic Shop

Friedman, Celia – Seelenzauberin, Die (Magister-Trilogie 2)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Legacy of Kings“ (im Original: Mai 2011)

Kamala hatte Glück im Unglück. Obwohl sie mitten im Kampf mit dem Ikata von der Tanslatio überrascht wurde, hat sie überlebt. Ein Nordländer hat die Bestie getötet und Kamala konnte verschwinden. Jetzt will sie Antworten auf ihre Fragen haben. Und so hängt sie sich in der Gestalt eines Habichts an die Fersen jenes Nordländers, der den Ikata getötet hat …

Rhys, der Bruder der Großkönigin Gwynofar, wurde nach seinem Sieg über den Ikata nach Norden geschickt, um einen Blick auf die Speere im Gebiet der Alkalier zu werfen, denn von dort sind seit Monaten keine Berichte mehr eingetroffen. Doch nichts und niemand hätte ihn auf das vorbereiten können, was er in Alkal schließlich vorfindet!

Gwynofar hat unterdessen ihren zweitältesten Sohn Salvator aus dem Kloster zurück gerufen, damit er seinem Vater auf den Thron folgt. Aber kann ein Mann mit den Überzeugungen und dem Lebenswandel der Büßermönche überhaupt ein guter König sein?

Siderea, die Hexenkönigin von Sankara, jedenfalls beabsichtigt, genau diese mönchischen Eigenschaften zu fördern. Ihr unbändiger Lebenswille hat die Frau mit dem erlöschenden Athra dazu gebracht, ein Bündnis mit einem geheimnisvollen Fremden einzugehen, ohne zu versuchen, seine wahren Absichten zu ergründen, oder sich die Mühe zu machen, Erkundigungen über ihn einzuziehen.

Im Großen und Ganzen agieren in diesem zweiten Band des Zyklus‘ noch nahezu dieselben Charaktere wie im ersten Band. Allerdings hat sich das Augenmerk ein wenig verschoben:

Statt Gwynofar steht nun Rhys mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Der mutige Mann ist der Bastardsohn des Erzprotektors von Kierdwyn und damit ein Halb-Lyr. Besonders glücklich ist er über keinen der beiden Umstände, scheint doch die Tatsache, dass er als Halb-Lyr besondere Fähigkeiten im Kampf mit den Ikati besitzt, seinen Sieg über das Ungeheuer zu schmälern. Außerdem fürchtet er – völlig ohne Grund – stets die Ablehnung seiner Stiefmutter. Halt scheint ihm nur sein Glaube an seine Götter und die alten Mythen zu geben. Als er auch diesen verliert, ist er ein gebrochener Mann.

Am anderen Ende der Welt hat sich die Gewichtung von Colivar hin zu Siderea verschoben. Sidereas Verzweiflung angesichts ihres erlöschenden Athras ist so groß, dass sie in der Überzeugung, nichts zu verlieren zu haben, jegliche Vorsicht über Bord wirft. Gleichzeitig entwickelt sie einen ungeheuren Hass auf die Magister, von denen sie sich im Stich gelassen fühlt. Am Ende des Bandes ist diese Frau einer der gefährlichsten Charaktere des gesamten Buches.

Der einzige wichtige Neuzugang, Nyuku, bleibt dagegen fast ein wenig blass. Aus seinem Werdegang werden lediglich einige kurze Ausschnitte erzählt, die aber außer einer wilden Entschlossenheit und einem rücksichtslosen Drang nach Wärme und Licht keine weiteren Eigenschaften verraten. Zumindest vorerst …

Ich fand diese neue Gewichtung innerhalb der Charakterzeichnung sehr gelungen. Es hat bereits interessante Charaktere noch weiter vertieft, ohne dabei die bisherigen zu vernachlässigen. Der einzige, der in dieser Beziehung bisher ausgespart wurde, ist Colivar, was allerdings kein Manko ist, denn schließlich ist seine Figur eines der zentralen Rätsel des Plots.

Der Plot wurde in diesem Band zusätzlich zu den lokalen Handlungssträngen noch um einen zeitlichen erweitert. Nyukus Geschichte wird in Rückblenden erzählt, was sich allerdings erst im Laufe des Buches bemerkbar macht. Eine zusätzliche Kapriole in diesem Strang wurde dann zum endgültigen Stolperstrick: Eine kurze Szene aus der Sicht eines hochrangigen Alkaliers, der sonst nur in der chronologischen Abfolge auftaucht, wird ebenfalls rückblickend erzählt, und der Leser muss erst einmal überlegen, in welchen Zusammenhang dieser Abschnitt gehört.

Ansonsten aber hat die Autorin ihren zweiten Band mit wesentlich mehr Tempo erzählt als den ersten. Das Ende des ersten Bandes wurde ohne überflüssige Weitschweifigkeit noch einmal in den Anfang eingebaut, sodass der Leser sofort wieder direkt im Geschehen ist, ohne sich erst ganze Passagen langweiliger Wiederholungen zu Gemüte führen zu müssen. Und die Spannungskurve wirkt wie eine Börsennotierung: Sie steigt und fällt, verläuft insgesamt aber stetig aufwärts, bis der Leser auf den letzten fünfzig Seiten nicht mehr weiß, woran er seine feuchten Hände noch trocken wischen soll.

Dazu kommen einige beiläufige Anmerkungen, die den aufmerksamen Leser interessiert aufhorchen lassen – zum Beispiel fällt das Wort „Konjunkt“ in diesem Band auch noch in einem ganz anderen Zusammenhang als bisher -, und überraschende Wendungen wie die im Zusammenhang mit der jungen Adligen Petrana, die selbst in den ruhigeren Passagen das Interesse des Lesers jederzeit wach und gespannt halten.

Die Karte, die in der Originalausgabe enthalten ist, hat Piper leider weggelassen.

Um es kurz zu machen: „Die Seelenzauberin“ hat mir, trotz der kleinen Stolperfalle innerhalb des rückblickenden Handlungsstrangs, noch besser gefallen als ihr Vorgänger. Das zügigere Erzähltempo ging weder auf Kosten der Charaktere noch auf die des Weltentwurfs, der Handlungsverlauf war abwechslungsreich und kaum vorhersehbar, die Erweiterung der Grundidee um den Rückblick bot eine weitere Perspektive. Und die kleinen Andeutungen von Colivar versprechen ausgesprochen interessante Aussichten für den Schluss der Trilogie. Die kommt aber leider erst im Mai nächsten Jahres unter dem Titel „Legacy of Kings“ in die amerikanischen Buchläden, da Celia Friedman während der letzten Monate an einem weiteren Band zu ihrer Coldfire-Trilogie saß.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zuwandte. Zunächst schrieb sie Science Fiction, später auch Fantasy, allerdings wurden nicht alle ihre Bücher ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch: 504 Seiten
Originaltitel: Wings of Wrath
Deutsch von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3492267823

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 2,20 von 5)

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Aufstand der Roboter (Weltraumpartisanen – Band 4)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: _Aufstand der Roboter_

Mit dem Namen Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) kann kaum ein Uneingeweihter etwas anfangen, bei dessen Pseudonym „Mark Brandis“ klingelts bei einigen dann doch. Zumindest wenn sie dereinst Science-Fiction-Infizierte waren. Zwischen 1970 und 1987 verfasste er 31 Bände Weltraumabenteuer mit der gleichnamigen Titelfigur. „Mark Brandis“ gilt damit neben dem Mammutprojekt „Perry Rhodan“ als eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien. Leider waren die |Herder|-Bücher lange Zeit nur noch im Antiquariat aufzutreiben, und von einem letzten halbherzigen Versuch bei |Bertelsmann| im Jahr 2000 einmal abgesehen geriet die Serie in Vergessenheit. Bis der |Wurdack|-Verlag 2008 begann, den Schleier ernsthaft zu lichten und diese Klassiker Stück für Stück wieder zu veröffentlichen: Derzeit erscheinen zwei Bände pro Quartal in neuem Glanz.

_Zur Story_

Das Weltall im Jahr 2072 – Bereits ein Jahr sind Commander Mark Brandis und seine Crew mit der „Delta VII“ auf der Flucht vor den Schergen der „Reinigenden Flamme“, jener faschistoiden Bewegung, welche unter Führung des texanischen Generals Gordon B. Smith die freiheitlich-demokratische Union der Kontinente Europa, Amerika und Afrika (kurz: EAAU) in eine grausige Militär-Diktatur stürzte. Das war 2069. Seither haben Widerstandsgruppen sogar unter Mitwirkung des ehemaligen Erzfeindes VOR (der Vereinigten Orientalischen Republiken) ihm immer wieder empfindliche Schlappen beibringen und seine totale Herrschaft über das gesamte Sonnensystem vereiteln können. Bisher jedenfalls. Doch Smith bastelt mit Vehemenz weiter an seiner Allmacht.

Welche neue Teufelei er ausgeheckt hat, erfährt die Besatzung der „Delta VII“ zufällig und aus einer Notlage heraus. Das Schiff hat es Dank seiner überragenden Geschwindigkeit stets geschafft, seinen Häschern und somit der sicheren Vernichtung zu entgehen, doch ein viel banaleres Problem könnte sie zur Strecke bringen: Hunger. Der Proviant ist aufgebraucht, die tapfere Mannschaft mittlerweile vollkommen entkräftet und Lieutenant Ibaka leidet plötzlich am gefürchteten Raumfieber. Für einen halb Verhungerten ist diese ansonsten eigentlich nie tödliche Krankheit ein Todesurteil. Pilot Captain Monnier hat eine verzweifelte Idee. Eine schwache Hoffnung ist aber besser, als spätestens in einigen Tagen sang- und klanglos zu verrecken.

Der Strohhalm ist eine kleine aufgegebene Raumstation, welche offiziell längst als verglüht gilt. Aus seinen Zeiten bei der Strategischen Raumflotte weiß er aber um das Gerücht, dass die alte „ASTROSTAT“ sehr wohl noch einsam und fast vergessen ihre Bahn durchs Sonnensystem zieht. Da sie recht hastig verlassen wurde, dürften dort die nahezu unendlich haltbaren Verpflegungsrationen vorhanden sein. Tatsächlich findet die Delta VII den ehemaligen Außenposten, der sich sogar in verdächtig gutem Zustand präsentiert. Die Aussicht auf etwas zu Essen macht blind für die lauernde Gefahr. Brandis und seine Kameraden sehen sich auf der Station plötzlich einer „Homo Faktus“-Einheit des Generals gegenüber – Soldaten aus der Retorte.

_Eindrücke_

Showtime. Das Thema: Genmanipulation bzw. Eugenik – in diesem Fall die Zucht des perfekten, gewissenlosen und loyalen Kriegers. Dabei dient Michalewsky das Ideal des seinerzeit von der NSDAP propagierten Ariers als Vorlage. Blond, blauäugig und muskulös sind die Klone, welche – sachlich nicht korrekt – mitunter als (menschliche) Roboter bezeichnet werden, wovon sich auch der Titel ableitet. Dieser verrät eigentlich schon, was passieren wird und auch das Wie kristallisiert sich recht rasch heraus, wenn man auch nur gering fantasiebegabt ist. Fantasie ist übrigens ein Stichwort. Diese braucht man nämlich reichlich, wenn man sich den Plot physikalisch-technisch einmal genauer ansieht. Gerade „Aufstand der Roboter“ hält, bei aller Spannung und Pace, auch so manche Unglaubwürdigkeit parat.

Eine davon kommt beinahe in allen Brandis-Büchern vor: Das Überlisten des Gegners durch Anflug mit der Sonne im Rücken. Die Taktik mag bei Kampffliegern im 2. Weltkrieg gute Dienste geleistet haben, ist jedoch bereits mit real existierenden Radarsystemen im Entstehungsjahr der Serie 1970 ziemlich witzlos und im fiktiven 2072 dann wohl erst recht. Richtig strapaziert wird des Lesers Sinn für Realismus allerdings, wenn den Retortenmenschen mittels einer Art zermahlenem Hirnpulvers die Erfahrungen anderer Individuen injiziert werden. Michalewsky behauptete stets von sich, kein SciFi-Autor zu sein. Obwohl die Serie durchaus etwas anderes beweist, ist man bei derart weit hergeholten Ideen gelegentlich geneigt, dem zuzustimmen.

Doch um Technik und futuristische Elemente zum Selbstzweck geht es ja bei Brandis grundsätzlich auch nie. Man kann über die unbestreitbar vorhandenen kleinen – aber sympathischen – Schrullen hinweg sehen und sie unter „Charakter“ verbuchen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr immer die Menschen, allen voran Brandis als Alter-Ego des Autors, der sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt bzw. oft genug bis zur Schirmmütze im Schlamassel sitzt. Dabei spart er nicht mit Selbstkritik und -zweifeln, ob das, was er sich und seinen Untergebenen im Namen der Freiheit abverlangt, auch wirklich richtig ist. Die dafür gewählte Ich-Form tut ihr Übriges, das Identifikationspotenzial mit der Figur vollkommen auszureizen. Und weil das so gut klappt, wird innerhalb der Reihe auch nur ganz selten mal von dieser Erzählstruktur abgewichen.

_Fazit_

Die Guerillazeiten der „Delta VII“ sind vorbei. Band 4 schließt den „General-Smith-Zyklus“ mit Friede, Freude, (geklonten) Eierköppen und im Finale vielleicht etwas dick aufgetragenem Pathos ab. Es hätte das Ende sein können. Tatsächlich hatte der Herder-Verlag damals lediglich eine kleine Jugend-SciFi-Serie bei Nikolai von Michalewsky in Auftrag gegeben, welche aus drei bis vier Bänden bestehen sollte. Doch Mark Brandis sprach (und spricht) mit seinen sozialkritischen Themen alle Altersklassen dermaßen an, dass auf Grund des großen Erfolges dann noch 27 weitere Bücher folgten. Den Beinamen „Weltraumpartisanen“ hat man beibehalten, wiewohl dieser sich auf die ersten vier Bände bezog. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die untrennbar miteinander verbunden und somit einzeln für Quereinsteiger ungeeignet sind.

|ISBN: 9-783-93806-548-8
190 Seiten, Broschur|

Classic Shop

Delaney, Matthew – Golem

_Das geschieht:_

Im New York des Jahres 2049 stellen Biotechnologie-Konzerne die neue ökonomische Elite dar. Seit das menschliche Genom entschlüsselt und somit manipulierbar wurde, können einst tödliche Krankheiten geheilt und der Alterungsprozess radikal verlangsamt werden. Den Patienten werden sogenannte „Samps“ eingepflanzt, die für die gewünschte Abhilfe sorgen. Andere Firmen stellen künstliche Menschen – Transkriptoren – her, die als Arbeitssklaven eingesetzt werden.

Transkriptoren und Samps sind begehrte Spekulationsobjekte geworden. Sie werden wie einst Devisen gehandelt. Dieses Geschäft hat eine eigene Börse geschaffen und generiert astronomische Gewinne. Ganz oben spielt die Firma Genico mit. Als George Saxton, der Gründer und Präsident, in den Ruhestand tritt, verfolgt die Branche dies mit Argusaugen. Wider Erwarten übergibt George die Zügel nicht an Phillip, seinen Sohn und Vizepräsidenten, den er für gierig und moralisch schwach hält, sondern an dessen Stiefbruder Thomas Roosevelt, der Genicos Macht und Geld zum Wohle der Menschheit einsetzen soll.

Damit zieht sich Thomas den Hass des Jüngeren zu. Phillip findet einen Verbündeten in Harold Lieberman, Genicos Geschäftsführer, dem der Profit über alles geht. Skrupellos missbraucht Lieberman das Geheimnis, das Phillip ihm offenbarte: Ohne dass er selbst es wusste, ist Thomas ein Transkriptor! Als solcher gilt er plötzlich als rechtloses Objekt. In einer der Arenen, in denen künstliche Gladiatoren kämpfen, soll der lästige Rivale sein Leben lassen. Aber Thomas gelingt es, sich den Transkriptor-Rebellen anzuschließen, die für ihre Freiheit kämpfen. Gemeinsam mit einem mutigen Polizisten, der einem weiteren Komplott des kriminell umtriebigen Phillip auf die Spur gekommen ist, will Thomas nicht nur den Genicos Machenschaften, sondern auch der Unterdrückung der Transkriptoren ein Ende bereiten …

_Kein Ratespiel: Woher kommt diese Geschichte?_

Möchte man die Inspirationsquellen nennen, aus denen „Golem“ sich speist, kann man diese vier Filme der jüngeren Gegenwart listen:

– |“Blade Runner“| (1981) bzw. |“Die Insel“| („The Island“, 2005) – Künstliche Menschen werden als Sklaven missbraucht, begehren gegen ihr Schicksal auf und finden einen Anführer, der sich selbst als Kunstmensch erkennen muss und auf die Seite seiner Brüder & Schwestern schlägt.

– |“Robocop“| (1987) – Die eigentliche Staatsmacht liegt schon in naher Zukunft nicht mehr bei der Regierung. Globale Konzerne haben sie übernommen und setzen sie unter Ignorierung von Gesetz und Moral ein, um möglichst hohe Profite zu erzielen.

– |“Gladiator“| (2000) – Zwei Brüder buhlen um die Gunst des übermächtigen Vaters; als der ‚Gute‘ zum Erben des Reiches ausgerufen wird, raubt ihm der ‚Böse‘ Status und Familie und lässt ihn anonym im Elend verschwinden, aus dem der ‚Gute‘ sich nicht nur erhebt, sondern auch allerlei Unrecht gutmacht und sich an dem Verräter rächt.

Aus diesen Bausteinen also setzt Matthew Delaney seinen neuen, zumindest in Deutschland sehnlich erwarteten Thriller zusammen. Sieben Jahre hat er sich seit „Dämon“ Zeit gelassen; fünf Jahre waren es hierzulande. Die Fans dieses Erstlings werden auch „Golem“ lieben und die eklatanten Fehler des Nachfolgers entweder ignorieren oder gar nicht bemerken.

|Bestseller vom Reißbrett|

Das größte Manko ist gleichzeitig das schwerste Pfund, mit dem Delaney wuchern kann: „Golem“ ist ein kühles Konstrukt aus Elementen, die sich anderweitig als unterhaltsam bewährt haben. Dieses Buch soll unterhalten. Originelle Einfälle oder raffinierte Schriftstellerkunst sind dabei sekundär bzw. völlig unwichtig. Bücher wie „Golem“ liest ‚man‘ am Urlaubsstrand, während einer Zugfahrt oder nach einem langen Arbeitstag im Bett kurz vor dem Einschlafen: Ein- und Mitdenken ist überflüssig, die Handlung ist vertraut und gleichzeitig so abgewandelt, dass sie dennoch interessiert. Eine stringente Lektüre ist unnötig, „Golem“ lässt sich auch in kleinen Lesehäppchen goutieren.

Abgeschmeckt wird die nur behutsam durch die Mangel gedrehte Mischung aus bekannten Vorbildern mit aktuellen Reiz-Klischees, unter denen das vom bitterbösen Kapitalisten dank spekulationsbedingter Weltwirtschaftskrise am besten sticht. Serviert wird das Ganze in einem Tempo, das die Handlung über manchen toten Punkt trägt, denn obwohl Delaney sich dieses Mal kürzer fasst als in „Dämon“, drischt er weiterhin gern Buchstaben-Stroh, mit dem sich manche Seite füllen lässt. So tragen Roosevelts Arena-Eskapaden wenig zum Fortschritt der Ereignisse bei, bieten aber jenes atemlose Kampfgetümmel, das sich quasi selbst produziert und in Gang hält.

|Thriller-Koloss auf papiernen Füßen|

Das Reißbrett als Hintergrund irritiert vor allem den kritischen Leser (und den Rezensenten). Die weiter oben skizzierte und weniger Ansprüche an die Lektüre stellende Klientel wird sich dem sicherlich nicht anschließen, sondern „Golem“ durchaus legitim als rasanten Page-Turner verschlingen. Action und Drama können freilich nicht durchweg von Elementen ablenken, die Delaney objektiv nicht in den Griff bekam.

Dazu gehört in erster Linie die Figurenzeichnung, die dem Verfasser nicht wirklich vielschichtiger als in „Dämon“ gelungen ist. „Gut“ und „böse“ markieren die beiden Pole, um die sich die Protagonisten scharen. Dazwischen herrscht gähnende Leere, Schattierungen sind Delaneys Sache nicht. Was im Film funktioniert, wird in einem Roman dieser Länge erst deutlich und wirkt dann störend. Phillip Saxton beginnt als skrupelloser aber glaubwürdiger Spekulant. Im Finale ist er zum dauerkoksenden Monster und zur Karikatur eines Bösewichts verkommen. Umgekehrt wird Thomas Roosevelt – schon zu Beginn ein schwer erträglicher Gutmensch – erst zur Kampfmaschine und schließlich zum Messias der Kunstmenschen.

Während Delaney sehr anschaulich jene Atmosphäre aus Gier, Hybris und Gleichgültigkeit zu beschwören weiß, die über den modernen Finanzzentren der Welt wabert, bleibt die Geschichte, die er erzählt, logikfernes Stückwerk. Zum perfekten Funktionieren der geschilderten Geschäftswelt passt nicht, dass sie schließlich durch einen einzigen Menschen zu Fall gebracht werden kann. Zwar ist dies ebenfalls ein bekanntes Konzept – viele Geschichten singen das Lob des wider alle Erwartungen obsiegenden Einzelgängers -, aber es muss sorgfältig konzipiert werden und zumindest im gewählten Rahmen stimmig sein.

Überhaupt ist die Auflösung schwach (und wieder nur aus zweiter Hand: Delaney ließ sich vom Finale des Films „Fight Club“ ‚inspirieren‘). Der Kampf gegen ein realiter global verknüpftes und somit stabil in sich ruhenden Systems wird eleganzfrei versimpelt: Als Genico fällt und die Herkunft der Transkriptoren gelöscht wird, ist die Macht des Kapitals gebrochen, und bessere Zeiten brechen an. So geht’s nicht, und eigentlich wird es jetzt erst interessant – aber Vorsicht: Setzen wir dem Verfasser keinen Floh ins Ohr; sonst beglückt er seine Fans womöglich mit einer Fortsetzung!

|Delaneys treue deutsche Fans|

Zumindest in den USA scheint man auf Delaneys zweiten Roman nicht gewartet zu haben. Der Verfasser legte ihn ohnehin verspätet erst 2009 vor, doch kein Verlag griff zu. So stellte die deutsche Veröffentlichung von 2010 auch die Erstveröffentlichung dar. Hierzulande gelang Delaney mit seinem Erstling „Dämon“ ein auflagenstarker Überraschungserfolg, an den sich der Bastei-Lübbe-Verlag nicht nur gern erinnert, sondern an den er mit „Golem“ anknüpfen möchte. Also erschien „Golem“ – dieser Titel hat zwar keinerlei Bezug zur Handlung, klingt aber zugegebenermaßen besser als das originale „Genome, Inc.“ – nicht als Taschenbuch, sondern wurde in ein Paperback gekleidet, das nicht nur stattlicher aussieht, sondern sich vor allem hochpreisiger verkaufen lässt. Erst Anfang 2011 wird eine erste originalsprachige Ausgabe folgen.

_Autor_

Über Matthew Delaney ist kaum Biografisches bekannt. Am Dartmouth College zu Hanover im US-Staat New Hampshire hat er studiert. Er lebt und arbeitet in Somerville, Massachusetts. 2005 legte er seinen Erstling, den Horror-Roman „Jinn“ (dt. „Dämon“) vor, der (angeblich) verfilmt werden soll, aber seit Jahr & Tag genregerecht in Hollywoods berüchtigter |“development hell“| schmort.

|Paperback: 557 Seiten
Originalausgabe: Genom, Inc. (London : Pan Books 2011)
Übersetzung: Rainer Schumacher
ISBN-13: 978-7857-6037-6|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Matthew Delaney bei |Buchwurm.info|:_
[„Dämon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1108