[Butlers Djihad 827 (Der Wüstenplanet: Die Legende 1)
[Der Kreuzzug 853 (Der Wüstenplanet: Die Legende 2)
[Das Haus Atreides 1621 (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 1)
[Das Haus Harkonnen 1622 (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 2)
[Das Haus Corrino 1623 (Der Wüstenplanet: Die frühen Chroniken 3)
[Der Wüstenplanet 1662 (Dune 1)
[Der Herr des Wüstenplaneten 1637 (Dune 2)
[Die Kinder des Wüstenplaneten 1634 (Dune 3)
Genau ein Jahr ist es jetzt her, dass ich mit der Vorgeschichte zum Wüstenplaneten Dune, sprich mit der „Legende des Wüstenplaneten“ begonnen habe, und auch wenn die Trilogie bis dato bei weitem nicht so stark war wie die Bücher, die in der Zeit danach spielen, so hatten sie immerhin ihren Reiz und vor allem auch ihre Daseinsberechtigung. Dies kann man bezüglich des letzten Bandes „Die Schlacht von Corrin“ allerdings nicht mehr behaupten. Die beiden Autoren Brian Herbert und Kevin J. Anderson ziehen die Geschichte unnötig in die Länge und führen das Buch fernab jeglicher Spannung auf das eh schon vorherbestimmte Ende zu. Was ich nach dem zweiten Band „Der Kreuzzug“ schon befürchtet hatte, bewahrheitet sich nun endgültig: Man hätte „Die Legende des Wüstenplaneten“ ebenso in zwei Bänden abhandeln können und so nicht gewaltig am guten Ruf der Serie gekratzt!
_Story_
Der einst von Serena Butler eingeleitete Djihad ist auch Jahrzehnte später noch immer in vollem Gange. Denkmaschinen und Menschen liefern sich an den verschiedensten Schauplätzen nach wie vor erbitterte Kämpfe, und von Zeit zu Zeit ist die eine oder andere Partei sich fast siegessicher, muss dann aber wieder feststellen, dass sie die endgültige Vernichtung des Gegners doch nicht realisieren kann.
An der Spitze der menschlichen Rebellen befindet sich als einzig verbliebener Anführer noch Vorian Atreides, der aufgrund einer lebensverlängernden Maßnahme, die ihm einst sein mechanischer Vater zugefügt hat, seine einstigen Verbündeten überlebt hat. Mit seinen Faltraumschiffen fliegt er auch weiterhin gegen die von der künstlichen Intelligenz Omnius besetzten Planeten und sprengt die dort vorherrschende Roboterübermacht in die Luft. Doch auch die Maschinen sind nicht untätig und versklaven ganze Völker und nehmen ständig wieder neue Planeten ein. Omnius ist sich seiner Sache immer sicherer und beschließt letztendlich, die Heimatwelt der Menschen, Salusa Secundus, anzugreifen. Mit einer schier übermächtigen Riesenflotte attackiert er die Menschenwelt.
Und so geht der Kampf hin und her, bis Vorian Atreides schließlich bis auf einen Omnius sämtliche künstlichen Intelligenzen ausgerotte hat. Doch der letzte Omnius, der sich auf Corrin befindet, lässt sich nicht so einfach vernichten, und so kommt es zu einer alles entscheidenden Schlacht auf dem Planeten Corrin …
Man mag es der kurzen Beschreibung schon entnehmen können: Besonders viel Handlung gibt es in „Die Schlacht von Corrin“ nicht mehr. Die erste Hälfte des Buches zieht sich dabei wie Käse: Es ist ja ohnehin schon klar, was passieren wird, und dennoch steigern sich die beiden Autoren in ein belangloses Hin und Her hinein, bei dem einem die Details mehr und mehr auf die Nerven gehen. Es werden ziemlich lange Überlegungen angestellt, wie genau man nun die künstliche Intelligenz auslöschen kann, und die Sprache kommt dabei immer wieder auf Atomwaffen. Währenddessen geht der viel zitierte Kampf natürlich immer weiter, und irgendwie wünscht man sich relativ bald, dass Herbert und Anderson endlich mal die Kurve bekommen und die Geschichte zum Abschluss bringen. Der Haken für den Leser: Wenn man schon 1500 Seiten gelesen hat, will man natürlich auch wissen, wie es jetzt zu Ende geht, und so schleppt man sich mühselig durch den letzten Band, durch zahllose Diskussionen und Kämpfe, die das Buch nicht mehr voranbringen können, und schließlich durch eine Endlösung, die irgendwie lächerlich wirkt, weil sie in dieser Form schon längst hätte in die Tat umgesetzt werden können. Aber nein, da kann man ja auch drei Bücher schreiben und den Leser am Ende mal so richtig schön enttäuschen … Man verzeihe mir den Sarkasmus, aber ich hatte sehr große Erwartungen an diese Ausgabe und habe kopfschüttelnd hinnehmen müssen, wie die beiden Autoren die Konsequenzen des Butler’schen Djihad ad absurdum führen.
Die teils sehr uninspirierte, fast schon lustlose Art und Weise, mit der die Geschichte erzählt wird, setzt dem Ganzen dann im negativen Sinne die Krone auf. Zu neuen und eigentlich wichtigen Personen wie zum Beispiel Abulurd Harkkonen oder Gilbertus, dem Schützling des eigenwilligen Roboters Erasmus, findet man so ebenfalls keinen Zugang mehr, und weil fast alle Hauptakteure dieses Buches gänzlich neu sind, ist die Auswirkung all dessen schon verheerend.
Wenigstens die Überleitung zur späteren Geschichte hat man noch ganz ordentlich hinbekommen, aber hier gab es ja auch feste Vorgaben, an die sich Brian Herbert und Kevin J. Anderson halten mussten. Abgesehen hiervon ist „Die Schlacht von Corrin“ daher auch eine riesige Enttäuschung, die dem sonst so guten Ruf der „Wüstenplanet“-Reihe eher schadet als nützt und die Diskussionen, ob dieser Zyklus überhaupt hätte entstehen sollen, wieder von neuem entfachen wird. Ich persönlich schließe mich jedenfalls mittlerweile dem Gedanken an, dass man sich diese Trilogie – zumindest mit so einem unterdurchschnittlichen Abschluss – definitiv hätte schenken können!
Beinahe 20 Jahre ist es her, dass dieser preisgekrönte Roman von Pat Murphy unter dem Titel „The Falling Woman“ veröffentlicht wurde, und genau so lange hat es dann auch gedauert, bis der Titel, der einst den |Nebula Award| erhielt, den Weg in die deutschen Buchhandlungen gefunden hat. Wobei hiermit nicht die klassische Buchhandlung gemeint ist. „Die Geisterseherin“, so der deutsche Titel, bildet nämlich den Auftakt der 2004 gestarteten |Magic Edition| des |BLITZ|-Verlags und ist in der limitierten Auflage von gerade mal 999 Exemplaren nur über die [Homepage]http://www.BLITZ-Verlag.de des jungen Verlagshauses sowie einige ausgewählte Händler wie |amazon.de| erhältlich.
_Story_
Elizabeth Butler arbeitet schon seit mehr als einer Dekade in Mexiko als Archäologin und hat dort inmitten ihres jungen Teams mittlerweile auch eine neue Familie gefunden. Doch nicht nur das Graben nach alten Schätzen erfüllt sie; auch als Autorin versucht sich Liz und bezieht dabei ihr Wissen über das Volk der Maya und natürlich die fundierten Kenntnisse über ihre Arbeit mit ein. Ihre Vergangenheit hat Mrs. Butler gänzlich hinter sich gelassen. Mehr als 15 Jahre ist es nun her, dass sie nach einem Selbstmordversuch in die Psychatrie eingewiesen wurde und sich schließlich von ihrem Mann trennte. Die unglückliche Ehe mit dem langweiligen Robert kümmert sie nicht mehr – bis eines Tages ihre Tochter Diane auftaucht und sie wieder mit den Dämonen der Vergangenheit konfrontiert.
Diane Butler ist völlig am Boden zerstört: Ihr geliebter Vater ist vor zwei Wochen gestorben, und auch die Beziehung zu ihrem verheirateten Freund, der gleichzeitig auch ihr Chef war, ist kürzlich in die Brüche gegangen. Bei ihrer Mutter in Mexiko hofft sie, den inneren Frieden zu finden, weiß aber nicht so recht, was sie dabei erwartet. Bei ihrer Ankunft wird sie dementsprechend auch skeptisch beäugt. Elizabeth scheint es gar nicht recht zu sein, dass ihre Tochter plötzlich auf der Matte steht, doch widerwillig gewährt sie ihr für eine unbestimmte Zeit Unterschlupf. Diane integriert sich fortan immer mehr in das Archäologenteam ihrer Mutter und freundet sich auch ziemlich schnell mit der jungen Barbara an. Trotzdem ist sie unschlüssig, was ihre Zukunft anbelangt. Sie ist sich nicht im klaren darüber, was sie wirklich in Mexiko will bzw. was sie sich von ihrem Besuch bei Elizabeth erhofft. Bei Barbara kann sie dann schließlich ihre Sorgen loswerden und über das gestörte Verhältnis zu ihrer vor 15 Jahren verschwundenen Mutter reden, doch dieses Verhältnis wird dadurch dennoch nicht besser.
Elizabeth wird derweil von einer geisterhaften Erscheinung heimgesucht. Anfangs nur ein unklarer Schatten, sieht sie immer deutlicher die Umrisse der alten Mondgöttin Zuhuy-Kak. Diese hat damals zur Rettung ihres Volkes die eigene Tochter geopfert, um so die angreifenden Tolteken zu vertreiben, aber dennoch unterlag ihr Volk einst den übermächtigen Angreifern. Weil die Tolteken sich vor der Mondgöttin fürchteten, opferten sie Zuhuy-Kak im heiligen Cenote-Brunnen von Chichén Itzá. Doch die Dame überlebte den Sturz und wurde so zur Götterbotin, die sich fortan der Rache an den Tolteken widmete. Über ihr eigenes Opfer ist sie allerdings seitdem nie mehr hinweggekommen; zu tief sitzt der Schmerz über die verlorene Tochter. Deshalb sucht sie plötzlich auch den Kontakt zu Elizabeth und versucht diese dazu zu bewegen, ihre eigene Tochter als Opfer zu bringen, damit Zuhuy-Kaks Macht wieder erneuert werden kann …
_Meine Meinung_
Nach dem Anblick des Covers bzw. der Verinnerlichung des Titels erwartete ich von „Die Geisterseherin“ eine Fantasy-Horror-Story im Stile von Stephen King, nur eben etwas kürzer als die langen Epen der Horror-Legende. Doch der erste Teil der |Magic Edition| hat mit klassischem Horror, geschweige denn Fantasy nur wenig gemeinsam. Pat Murphy stellt vielmehr die ungewöhnliche Beziehung zwischen Mutter und Tochter in den Vordergrund und beweist so einmal mehr ihre Vorliebe für starke, weibliche Charaktere. Wer nun aber einen billigen Groschenroman berfürchtet, kann sofort beruhigt werden, denn die Autorin zeigt enorm viel Tiefgang bei der Beschreibung der beiden Butler-Damen, und weil sie die Geschichte im ständigen Wechsel aus der individuellen Perspektive der Hauptakteure schreibt, kommen so die beiden völlig unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Einstellungen auch noch viel besser zum Vorschein.
Beide haben eines gemeinsam: Ihr Leben ist ziemlich chaotisch und voller dramatischer Schicksalsschläge. Elizabeth hatte eigentlich schon mit ihrem Leben abgeschlossen und sich nach dem Tod gesehnt, als ihr Mann sie auf dem Weg dorthin noch retten konnte. Sie wollte nur noch fliehen und ergriff mit ihrer Arbeit in Mexiko die Chance auf ein harmonisches, erfülltes Leben. Die Vergangenheit zählt nicht mehr, und weil die Kontakte gänzlich abgebrochen sind, erwartet sie von daher auch nichts mehr.
Diane hingegen hat nie so recht verstanden, warum ihre familiäre Situation so chaotisch war bzw. immer noch ist. Als ihre Mutter sie damals an einem Weihnachtsabend verlassen hat, konnte sie dies nicht verstehen, und auch heute noch ist ihr nicht bewusst, warum sie und ihr Vater im Stich gelassen wurden. Weil sie sich jedoch bei ihrem Dad gut aufgehoben fühlte, hegte sie erst gar nicht mehr den Wunsch, sich mit ihrer Mutter zu versöhnen. Nun aber, wo ihr dies der letzte Ausweg scheint, flieht sie nach Mexiko, um dort mit der nahen Vergangenheit abzuschließen und neue Hoffnung zu schöpfen – ähnlich wie damals ihre Mutter, die in der Heimat Los Angeles keinen Halt mehr fand.
Murphy gelingt es sehr gut, diese ständig unter Spannung stehende Beziehung zu beschreiben. So viel Nähe und doch eine so große Distanz, so definiert sich das Verhältnis zwischen Elizabeth und Diane, und obwohl das Umfeld der seltsamen Familie beide Seiten sehr gut nachvollziehen kann, ist doch keine der befreundeten Personen aus dem Archäologenteam in der Lage, zwischen den beiden zu vermitteln.
Eine solche Rolle kommt schließlich der schemenhaften Erscheinung der Mondgöttin Zuhuy-Kak zu, die den Kontakt zu Elizabeth sucht. Hier offenbaren sich schließlich unterschwellige Parallelen, denn in gewissem Sinne hat auch die alternde Butler damals ihre Tochter geopfert, um damit sowohl sich als auch ihre Familie (bzw. im übertragenen Sinne ihr Volk) zu retten. Doch statt eine Versöhnung zwischen den beiden zu ermöglichen, sticht sie mitten in die krisenhafte Beziehung hinein und benutzt die unschlüssige Elizabeth lediglich dazu, ihre alte Machtstellung wieder zurückzuerlangen. Sie kennt die Geschichte der zerstörten Familie nur allzu gut und findet in ihr schließlich das, was sie schon länger gesucht hat. Versucht insbesondere Diane zu retten, was noch zu retten ist, gerät ihre Mutter in eine immer kniffligere Zwickmühle, was ihre Tochter anbelangt, und wirkt letztendlich genauso hilflos wie damals, als sie versucht hatte, sich selbst umzubringen.
Zunächst einmal wirkt die Erzählung ein bisschen langatmig, weil man erst ziemlich spät herausfindet, worauf Pat Murphy eigentlich hinaus will. Vor allem die Motivation der zurückgekehrten Mondgöttin ist lange Zeit unklar, was aber – das weiß man jedoch erst am Ende – genau so auch richtig ist, denn somit bleibt der Autorin genügend Freiraum, um sehr tief in das Seelenleben der beiden Butler-Frauen einzudringen. Es sind jedoch nicht nur Elizabeth und Diane, die im Vordergrund der Handlung stehen; auch das direkte Umfeld spielt eine gewichtige Rolle, der man sich aber auch zunächst nicht bewusst ist. Der Alkoholiker Tony, die smarte Barbara, der Frauenheld Carlos – auch bei ihnen handelt es sich um Personen mit einer ziemlich langen Geschichte, die geradezu prädestiniert für den Umgang mit Elizabeth und Diane scheint. Auch hier hat Pat Murphy sehr gute Arbeit geleistet und die verschiedenen Personen sehr geschickt in das Drama einbezogen. Wenn es überhaupt einen Schwachpunkt gibt, dann ist es die Darstellung der Maya-Kultur, die stellenweise sehr oberflächlich wirkt, an anderer Stelle aber dann auch schon wieder so weit ausholt, dass die Handlung als solche nicht mehr vornan steht. Insofern gefallen mir auch die Passagen, in denen Elizabeth aus ihren Büchern referiert, nicht so gut und wirken für die Erzählung gerade in der ersten Hälfte eher hemmend als förderlich.
Sonst gibt es an „Die Geisterseherin“ allerdings rein gar nichts auszusetzen. Der Auftakt dieser Reihe ist vollends gelungen und bietet eine perfekte Mixtur aus zwischenmenschlichem Drama und einem Schuss historischer Magie. Wichtig ist lediglich, dass man sich vom Cover nicht auf die falsche Fährte locken lässt und sich bewusst macht, worum es in diesem Buch eigentlich geht. Wer nämlich den nächsten großen Schocker sucht, ist bei „Die Geisterseherin“ völlig fehl am Platze. Ansonsten: tolles Buch und der Anfang einer sehr vielversprechenden Reihe!
[Das Wunder von Narnia 1858
[Das Wunder von Narnia – Hörbuch 1991
[Der König von Narnia 1758
[Der König von Narnia – Hörbuch 356
[Der Ritt nach Narnia 1933
[Der Ritt nach Narnia – Hörbuch 1984
Nach ewig langer Ankündigung ist er nun endlich in den Kinos, der Film zu den „Chroniken von Narnia“. Doch trotz guter Kritiken und toller Geschichte bin ich persönlich von der Umsetzung des Streifens sehr enttäuscht. Hat man einmal das Buch zu „Der König von Narnia“ gelesen, wird man vielleicht ähnlich denken und mir zustimmen, dass die eigentliche Magie der Geschichte nicht einmal annähernd eingefangen wurde. Viel Brimborium, wenig Zählbares, so lautet mein Fazit zur cineastischen Variante. Um quasi meinen Frust diesbezüglich zu bewältigen, habe ich mir dieser Tage den vierten Band der siebenteiligen Reihe geschnappt und damit den schwachen Eindruck schnell wieder vergessen. „Prinz Kaspian von Narnia“ ist nämlich meiner Meinung nach die bislang stärkste Ausgabe der Chroniken und mitunter auch die spannendste. Warum? Lest einfach weiter:
_Die Story_
Peter, Suse, Edmund und Lucy befinden sich nach ihrer Regentschaft im Königreich Narnia wieder auf dem Heimweg, als sie unerwartet an einem seltsamen Strand landen. Die Gegend kommt ihnen alsbald bekannt vor, und nach kurzem Überlegen stellt man gemeinsam fest, dass man erneut in Narnia angekommen ist – allerdings ungefähr 1000 Jahre nach dem goldenen Zeitalter. Die bekannten Gebäude sind zu Ruinen verfallen, und das einst so bunte Land hat seine gesamte Pracht eingebüßt. Bevor sich die vier Kinder lange Gedanken darüber machen können, was in Narnia vorgefallen ist, stoßen sie auf einen Zwerg, der ihnen die gesamte Geschichte erzählt:
Miraz, der tyrannischer Herrscher von Narnia, ist seit einiger Zeit an der Macht und regiert grausam über sein Land. Seine Thronfolge soll eines Tages sein Neffe Kaspian antreten. Eigentlich mag Miraz den Jungen nicht, aber weil kein geeigneterer Kandidat in Sicht ist, lässt er sich darauf ein, dass Kaspian eines Tages die Krone übernehmen wird. Dabei wäre Kaspian eigentlich der rechtmäßige Erbe gewesen …
Dann jedoch taucht ein bis dahin unbekannter Sohn von Miraz auf, und für den König steht fest, dass dieser nun der offizielle Thronfolger sein soll. Doktor Cornelius kann Kaspian noch gerade warnen und seine Flucht vorbereiten, als Miraz auch schon über das Schicksal seines jungen Neffen richten möchte. Der Prinz macht sich auf Cornelius‘ Geheiß auf die Suche nach den Bewohnern es alten Narnia und plant mit ihnen einen Aufstand gegen den König.
Doch der muss gar nicht mehr herausgefordert werden, denn kurz nach Kaspians Flucht hat er bereits eine Armee zusammengestellt, die seinen Neffen aufspüren soll. Für Kaspian scheint die Lage aussichtslos; die schier übermächtigen Gegner kann er alleine nicht besiegen. Da jedoch fällt ihm wieder ein, dass er noch im Besitz des uralten Zauberhorns ist, das ihm aus alten Zeiten überlassen wurde. Mit diesem Horn ruft er einige alte Bekannte zurück nach Narnia, die ihm in der entscheidenden und erbitterten Schlacht zur Seite stehen sollen: Peter, Suse, Edmund und Lucy …
_Meine Meinung:_
Nachdem, nein, eigentlich schon während ich das Buch gelesen habe, kam mir in den Sinn, dass „Prinz Kaspian von Narnia“ für eine etwaige Verfilmung ein durchaus besserer Kandidat gewesen wäre als „Der König von Narnia“. Das vierte Buch, das Clive Staples Lewis übrigens direkt nach dem Pendant zum gerade angelaufenen Kinofilm schrieb, bietet schon mal weitaus mehr Action als der indirekte Vorgänger. Kämpfe, Intrigen und das deutliche Mehr an Fantasy-Background – all das sind zwar nicht typische Narnia-Themen, aber im Hinblick auf das, was man von einem spannenden Fantasy-Film erwartet, liefert „Prinz Kaspian von Narnia“ definitiv mehr Sehenswertes. Man muss eben einfach sehen, dass bei „Der König von Narnia“ andere Inhalte im Mittelpunkt standen, und die konnte der Film eben nicht entsprechend herüberbringen.
Aber gut, lösen wir uns trotz des aktuellen Anlasses mal von dem, was gerade durch die Medien geistert, und konzentrieren uns auf die Geschichte im vierten Band der „Chroniken von Narnia“. Dieser enthält nämlich erneut eine sehr schöne Erzählung, die – basierend auf bekannten Charakteren – wieder neue Personen aus der Welt von Narnia vorstellt, mit denen sich der Leser sofort identifizieren kann. Im Mittelpunkt steht natürlich der tapfere Kaspian, der von seinen eigentlichen Besitzansprüchen gar nichts weiß und sich gefügig seinem Onkel, dem grausamen König Miraz, unterwirft. Wohl wissend, dass ihm eines Tages die Rolle des Königs zusteht, akzeptiert er die Rolle des untertänigen Jungen, versucht aber gleichzeitig auch mittels des befreundeten Doktor Cornelius mehr über die Geschichte von Narnia herauszufinden. Erst als er selber in die Opferrolle gerät, wird ihm bewusst, wie skrupellos Miraz regiert, und setzt schließlich alles daran, sich dem König zu widersetzen.
Sein Gegenspieler, der König, hingegen erfüllt alle Kriterien, die ein fürchterlicher Bösewicht erfüllen muss. Kompromisslos, herrschsüchtig und brutal regiert er über das mittlerweile finstere Land, und selbst über seinen Tod hinaus will er die Kontrolle über die Krone behalten. Selbst seinen Neffen verschont er in seinen gemeinen Plänen nicht und unternimmt sein Möglichstes, um Kaspian zur Strecke zu bringen.
Auf der anderen Seite stehen die bekannten Figuren, nämlich die vier Kinder von der Erde, die dem Prinzen schließlich zur Hilfe kommen und entscheidend in die Historie von Narnia eingreifen. Leider jedoch ist ihr Einsatz relativ kurz, denn zum Schluss findet die Geschichte recht zügig ihr Ende und lässt den stetig aufgebauten Höhepunkt für meinen Geschmack zu kurz währen. Hier liegt letztendlich auch die einzige Schwäche dieses Buches begraben: Die Erzählung wird einfach zu abrupt beendet, nachdem der Autor sich vorher die größte Mühe gegeben hat, das Szenario sehr ausführlich zu schildern und die Unterschiede zwischen dem Narnia von damals und jenem von heute deutlich herauszustellen. Doch Clive Staples Lewis hat sich strikt an die Vorgabe der übrigen Bücher gehalten und die Seitenzahl hier auch kaum differieren lassen. Schade, denn ausnahmsweise fehlen hier einige Details.
Nun habe ich aber oben geschrieben, dass „Prinz Kaspian von Narnia“ meiner Meinung nach das bis hierhin beste Buch der Serie ist, und das möchte ich trotz der gerade geäußerten Kritik noch einmal betonen. Zweifellos ist der vierte Band nämlich der spannendste und verknüpft auch am besten bekannte Elemente mit neuen Versatzstücken. Gleichzeitig sind die religiösen Einflüsse dieses Mal gänzlich aus der Handlung verschwunden, was dazu geführt hat, dass man gewisse Passagen nicht mehr im Voraus erahnen kann. Das war besonders bei den ersten beiden Romanen noch ganz anders. Und damit wären wir auch am entscheidenden Punkt angelangt: War bei den vorherigen Büchern im Grunde genommen klar, wie die Geschichte enden wird, bleibt die Spannung diesbezüglich bis zum Schluss bestehen. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, nur dass ich es schön finde, dass nicht immer alles prima und eitel Sonnenschein muss, um ein schönes Ende geboten zu bekommen.
_Fazit_
Ich habe mein persönliches Fazit eigentlich schon mehrmals vorweggenommen: „Prinz Kaspian von Narnia“ sollte man gelesen haben, wenn man bei der gerade präsenten „Narnia“-Mania mitreden möchte. Besser als der missratene Film ist das Buch sowieso, und für meinen Geschmack übertrifft es auch die mir bekannten ersten drei Erzählungen. Wem diese also schon gut gefallen haben, dem ist dieses Buch nur noch umso mehr anzuraten!
Mit Band 22 beginnt in der Reihe der „Titan-Sternenabenteur“ ein gänzlich neuer Zyklus, der zwar auf den bekannten Hauptfiguren aufbaut, sich thematisch aber stark von den bisherigen Teil-Episoden löst. Der |BLITZ|-Verlag nennt den neuen Schwerpunkt Social Fiction und beschreibt damit den vermehrten Einbezug von Szenarien, die such außerhalb des Weltraums abspielen. In „Todesanzeigen“ feiert zudem ein neuer Autor im Rahmen dieser Serie sein Debüt. Jedoch gibt es bislang noch keine detaillierten Informationen zur Person, die unter dem Pseudonym S.H.A. Parzzival schreibt. Feststeht lediglich, dass die Ideen, auf denen die Story im neuen Zyklus beruht, vom leider im letzten Jahr verstorbenen Thomas Ziegler abstammen, dem man mit dem noch unbetitelten Zyklus auch eine Art Tribut zollt.
_Story_
Nach den Anschlägen auf die Asteroidenwerft der CRC bzw. den Abenteuern im fremden Reich innerhalb der Parakonblase haben sich Shalyn Shan und das Team der |TITAN| ein paar Tage Urlaub gegönnt, der von der Kommandantin eines Abends dazu genutzt wird, um zusammen mit dem befreundeten Kollegen, dem Quogonen Sir Klakkarakk, eine prominente Disco zu besuchen. Dort lernt sie die faszinierende Monja kennen, zu der sich Shalyn sofort hingezogen fühlt. Ganz entgegen ihren sonstigen Prinzipien nimmt die Suuranerin die fremde Dame noch am selben Abend mit in ihre Wohnung und beginnt eine leidenschaftliche Beziehung mit Monja.
Die direkte Umgebung Shalyns ist ein wenig irritiert ob der neuen Situation, lässt das lesbische Liebespärchen alerdings gewähren und akzeptiert ihre Zuneigung zueinander. Allerdings ist Amos Carter, Shalyns Chef und der Anführer der CRC, ein wenig beunruhigt, weil es kaum Informationen zur Vergangenheit Monja gibt. Als man schließlich herausfindet, dass beinahe alle Ex-Geliebten der hübschen Fremden kurz nach dem Ende einer Beziehung ums Leben gekommen sind, macht sich auch Shalyn ernsthaft Sorgen und stellt ihre Freundin zur Rede. Erst als sich die Mysterien halbwegs aufdecken lassen und man herausfindet, dass Monja an ständigen Blackouts leidet, beruhigt sich die Kommandantin der |TITAN| wieder. Dann jedoch tritt ein erneuter Todesfall im Umfeld von Monja ein …
Währenddessen herrscht auf der Erde Aufruhr wegen eines plötzlichen Befalls von Rieseninsekten. Die monströsen Viecher haben es in erster Linie auf die WORLD MARKET-Kette des Großinduistriellen Michael Moses abgesehen, doch kurze Zeit später tauchen sie auch in bewohnten Gebieten auf und fordern erste Todesopfer. Die World Police nimmt sich des Falles an und vermutet, dass einige Öko-Terroristen hinter den zahlreichen Anschlägen stecken, deren Ziel es ist, den enorm einflussreichen Moses und dessen weltweites Kartell zu zerstören …
_Meine Meinung_
Eine neue Ära der „Titan-Sternenabenteuer“ und tatsächlich eine völlig neue Perspektive bietet dieser erste Band des neuen Zyklus. S.H.A. Parzzival beschreibt die ‚etwas andere‘ Handlung vornehmlich aus der Sicht von Shalyn Shan, kann den Leser aber anfangs noch nicht sonderlich fesseln. Vor allem die etwas übertrieben dargestellte Faszination für die mysteriöse Monja nimmt zu Beginn der Geschichte viel zu viel Raum ein, und die Betonung, dass man der Fremden trotz aller Begleitumstände nicht böse sein kann, hätte man diesbezüglich – nur um mal ein Beispiel zu nennen – durchaus eingrenzen können. Klar, die Dame spielt die wahrscheinlich tragendste Rolle im gesamten Roman, und daher ist es auch berechtigt, sie in einem besonderen Rahmen vorzustellen und in die Handlung einzuführen, aber da sich diese Haltung selbst in den Szenen, in denen dem neuen Liebespaar eine enorme Gefahr droht, etabliert, wirkt das Ganze auf die Dauer sehr überstrapaziert.
Zu der lesbischen Beziehung, die demzufolge natürlich auch eine sehr große Beachtung findet, kann man hingegen stehen, wie man will. Ich persönlich finde dieses Element recht belebend und erfrischend, was aber sicherlich auch daran liegt, dass S.H.A. sich Details ausspart und lediglich Andeutungen über die Liebeleien der beiden Frauen macht. Tatsächliche Erotik statt lüsterner Beschreibung einer heißen Affäre – damit fährt der Autor (die Autorin?) ziemlich gut, und somit hat die plötzliche Wandlung der Shalyn Shan auch ganz klar eine Berechtigung.
Der neue Zyklus verspricht indes auch spannend zu werden; Parzzival hat im ersten Teil schon so einige Handlungsstränge eröffnet, in denen eine Menge Potenzial steckt. In dieser Hinsicht gefällt mir sehr gut, dass er/sie zum Ende des Buches nur kurze Andeutungen auf die Urheber der globalen Attacken macht, die genauen Umstände aber unerwähnt lässt und so auch die Spannung übr diesen Band hinaus problemlos aufrechterhält. Gleiches gelingt ihm mit der Darstellung der seltsamen Monja sowie den undurchsichtigen Rückblicken auf ihre unbekannte Vergangenheit. Wer ist diese Frau wirklich? Und kann man ihr trauen? Hier wird sich im folgenden Buch „Germania“ sicher mehr ergeben, und die Vorfreude hierauf ist nach dem etwas schwerfälligen Einstieg in den neuen Zyklus dann doch wieder recht groß. Andererseits: Ganz so gut wie der „Parakon-Zyklus“ gefällt mir die neue Reihe noch nicht, was ich in erster Linie auch an der stilistisch ganz neuen Herangehensweise festmache. Fans der Serie sollten sich davon aber nicht beirren lassen und der |TITAN| auch weiterhin treu bleiben. Die Hauptfiguren sind schließlich dieselben, und hat man sich mit diesen einmal angefreundet, kommt man auch nicht mehr von ihnen los.
Es schien wie in einem vergessenen Zeitalter, dass die Wesen jenseits des undurchdringlichen Nebels sich regten und die Lande der Menschen mit Krieg überzogen. Doch der Konflikt hatte nur ausgesetzt. Noch immer forderten die Elben die Gebiete zurück, die ihnen vor langer Zeit an die Menschen verloren gingen. Sie hatten sich nur hinter ihren Zauberwall aus Nebelschwaden und grausamen Illusionen zurückgezogen, um nun das zu beanspruchen, was in ihren Augen schon immer ihnen gehörte.
Die Menschen und auch die Funderlinge in der Südmark haben dabei ihre eigenen Probleme. Ihr Herrscher ist einer Hinterlist zum Opfer gefallen und wird gegen Lösegeld vom Lordprotektor von Hierosol festgehalten. Immer abenteuerlicher werden die Forderungen. Schließlich wagt es der Entführer, die Hand der Fürstentochter zu beanspruchen. Briony Eddon ist davon wenig begeistert und auch ihr Zwillingsbruder hält nicht viel davon. Doch was sind die Überlegungen von Kendrick, der als Stellvertreter seines Vaters über die Mark wacht? Die verschiedenen Berater, Vasallen und Verbündeten bedrängen den jungen Mann. Doch bevor er seine Überlegungen kundtun kann, wird er grausam ermordet. Ausgerechnet der Schwertmeister soll der Attentäter gewesen sein.
Schlimmer könnte es kaum kommen. Die Feinde vor den Toren der Stadt, die Intrigen im Reich und zwei junge Menschen, die sich den Thron und die schwere Bürde teilen müssen, den unmöglichen Aufgaben gerecht zu werden. Doch es |kommt| noch schlimmer.
Die Geschichte der Schattenmark beschäftigt sich nicht nur mit den Erlebnissen der Herrschenden, sondern bezieht eine Vielzahl von Figuren mit ein, deren Schicksal direkt, indirekt oder scheinbar gar nicht mit dem des Landes verbunden ist. Die Rollen der Protagonisten reichen von dem zwergenähnlichen Funderling Chert Blauquarz bis hin zu Qinnitan, der hundertsten Frau des mächtigen Herrschers des Reiches Xand.
Tad Williams begnügt sich nicht damit, die Geschichte einiger weniger Persönlichkeiten und ihres Landes zu erzählen, er zeichnet das Schicksal einer ganzen Welt in seiner neuen Serie. Der vorliegende erste Band ist nur der Anfang, aber ein ereignis- und umfangreicher.
Irritiert mag der geübte Fantasyleser von den „neu“ erfundenen Spezies sein, die doch so sehr dem typischen Zwerg oder dem typischen Dunkelelf oder sonst einer bekannten Fantasyspezies ähneln. Natürlich leben die Pseudozwerge unter der Erde, natürlich haben sie Steine lieb und auch das Gold und sind auch nicht besonders groß. Aber sie Zwerge zu nennen – so das Buch – wäre eine infame Beleidigung. Nach kurzem Nachdenken und einem amüsierten Kopfschütteln gewöhnt man sich daran, die Zwerge halt jetzt Funderlinge zu nennen.
Die Schilderung der Protagonisten ist dem Autor nur bedingt gelungen. Die psychischen Probleme des albtraumgeplagten Barrick kommen genauso wie die emanzipatorischen Wünsche von Briony nur hölzern und klischeehaft herüber. Das mag daran liegen, dass Williams einen strengen und regelmäßigen Wechsel zwischen den Handlungssträngen und Protagonisten durchzieht und gleichzeitig einen hohe Geschwindigkeit der Handlung vorantreibt. Da bleibt scheinbar wenig Raum für die glaubhafte und überzeugende Darstellung des Innenlebens der handelnden Personen.
Tad Williams ist, wie vorauszusehen war, ein sehr gutes, unterhaltsames und spannendes Buch gelungen. Doch stellt es inhaltlich und auch vom Stil her keine Besonderheit dar. Es ist ein gutes Fantasybuch geworden, das es in der Qualität und dem Einfallsreichtum vielfach auf dem Literaturmarkt gibt. Die Erwartungen an den Autor nach der grandiosen „Otherland“-Serie haben sich nur zum Teil erfüllt. Trotzdem kann man jedem Fantasyfan das Buch und vermutlich auch die Folgebände anraten, denn in Hinsicht auf gut lesbare Unterhaltung und Spannung bekommt man hier garantiertes Lesevergnügen geboten.
Mit „Lycidas“ dürfte Christoph Marzi einer der Überraschungserfolge des Jahres geglückt sein, für den der Autor im Oktober obendrein noch den Deutschen Phantastikpreis 2005 als bestes deutschsprachiges Debüt einsacken konnte. Mit „Lilith“ erzählt Christoph Marzi nun, wie es mit Emily, Wittgenstein und all den anderen lieb gewonnenen Figuren weitergeht.
Vier Jahre sind seit den Geschehnissen in „Lycidas“ vergangen. Emily hat sich daran gewöhnt, dass sie als Trickster eine besondere Gabe hat, die sie von den anderen Kindern an der Whitehall-Privatschule in London ausgrenzt und das Mädchen mit dem Mondsteinauge zu einer Außenseiterin macht. Doch Aurora Fitzrovia, die schon seit den Tagen im Waisenhaus von Rotherhithe ihre beste Freundin ist, hält auch weiter zu ihr.
Nach dem eigentlichen Ende der sehr erfolgreichen „Märchenmond“-Trilogie – seit dem Beginn der Serie 1982 gab es immerhin mehr als vier Millionen verkaufte Exemplare alleine in Deutschland – hat sich Wolfgang Hohlbein zusammen mit seiner Frau Heike ein Herz gefasst und doch noch einen vierten Teil nachgeschoben. Die in diversen Foren angemerkte Skepsis eingeschworener Fans ist dabei durchaus zu verstehen; schließlich konnte der Autor mit „Die Zauberin von Märchenmond“ trotz seiner Reputation auch nur verlieren, denn dass er an den Erfolg der alten Bücher anknüpfen würde, war nicht zu vermuten. Doch dann realisiert man irgendwann auch wieder, wer genau dieses Buch verfasst hat, und warum dieser Mann im Fantasy-Bereich einen schier übermächtigen Status hat – und schon muss man wieder zufrieden grinsend anerkennen, dass der Mann ganze Arbeit geleistet hat.
_Story_
Eigentlich hat Rebekka gar keine Lust darauf, zusammen mit ihren Eltern einen Urlaub auf dem Land zu verbringen. Und als sie in besagter Idylle ankommen, fühlt sich das pubertierende Mädchen auch bestätigt, denn der Zielort Craisfelden hat ihr nicht sonderlich viel zu bieten. Auch die Mädchen, mit denen Rebekka dort um die Häuser zieht, gefallen ihr nicht sonderlich, helfen aber zumindest, ihre Langeweile zu unterdrücken. Doch dann ändert Rebekka plötzlich ihre Meinung: In einem Kellergewölbe stößt sie auf das Tor in eine andere Welt, eine Welt, die sie in ihrer Kindheit schon einmal entdeckt hat, nämlich das Land Märchenmond. Allerdings ist dort nichts mehr so, wie es noch damals, bei ihrem letzten Besuch, war. Die träumerische Atmosphäre ist der Finsternis gewichen, und statt Zauberwesen trifft sie auf fiese Ungeheuer, die deren Stelle übernommen haben.
Und diese Ungeheuer werden auch zur größten Bedrohung für Rebekka, denn sie ist die einzige Person, die durch ihre Zauberkraft noch das Ende von Märchenmond abwenden kann. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden, dem Gräuel Schnapp, der stotternden Elfe Scätterling und den Zwillingen Torin und Toran lässt sie sich auf ein gefährliches Abenteuer ein, bei dem sie die Welt von Märchenmond vor dem Unheil retten muss, um wieder zurück nach Hause zu kommen.
_Meine Meinung_
Wolfgang Hohlbein hat einfach einen unheimlich schönen Schreibstil, der uns auch in diesem Buch wieder über die ein oder andere in die Länge gezogene Passage weiterhilft. Denn obwohl die Geschichte im Grunde genommen wieder sehr schön aufgebaut ist, lässt sich nicht leugnen, dass in den mehr als 800 Seiten des Buches so manche Passage enthalten ist, die man etwas kürzer hätte fassen können. Für meinen Geschmack hätte man sich auch in der einleitenen Geschichte um das Mädchen, dass keine Lust auf den langweiligen Urlaub hat, aufs Wesentliche beschränken können, denn im Gegensatz zur Handlung in Märchenmond ist die Erzählung zu Beginn noch ziemlich dröge, und man wartet irgendwann nur noch fiebrig auf den Moment, in dem Rebekka in die Welt eintaucht, die sie in ihrer Kindheit bereits mit ihrem Bruder Kim betreten hat. Andererseits: Zum besseren Verständnis und zur Identifikation mit den Eigenheiten der Hauptdarstellerin kann man den Einstieg durchaus akzeptieren.
Richtig gut wird der Roman dann aber erst, als Rebekka ihre neuen Freunde trifft, die ihr vom Schicksal Märchenmonds erzählen. Mit sehr einfachen Beschreibungen und Darstellungen – schließlich handelt es sich hier eigentlich auch ’nur‘ um Jugendliteratur – gelingt es dem Autor zusammen mit der ebenfalls beteiligten Heike Hohlbein, eine sehr schöne, fast schon märchenhafte (nomen est omen) Atmosphäre zu erschaffen, die einen schönen Unterbau zu den vielen Abenteuern, die Rebekka und ihre Gefolgschaft erleben, bietet.
Schade ist nur, dass es zwischenzeitlich schon einmal etwas unübersichlich wird, weil man trotz des durchaus vorhandenen Raums nicht näher auf Details eingeht und stattdessen einen Handlungsstrang bis zum Schluss hin unbeendet lässt. Hohlbein legt zwar sehr großen Wert auf ständige Veränderung durch die immer neuen Aufgaben, die gelöst werden müssen, vergisst aber zeitweise, einen Gedanken konsequent zu Ende zu führen. Dennoch bricht die Handlung aber nie in Hektik ab, und eigentlich sind die hier beschriebenen Mängel auch nicht so gravierend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, aber trotzdem wünscht man sich, dass der Autor nicht schon auf das nächste Ziel blickt, wenn er die vorangegangene Etappe noch gar nicht gemeistert hat.
Kleine Schwächen, nicht viel mehr, denn ansonsten ist „Die Zauberin von Märchenmond“ ein sehr schönes Buch mit wirklich toll umschriebenen (teils auch schon bekannten) Charakteren und Landschaften, einer sich stets wandelnden Erzählung und durchgängig auf hohem Level angesiedelter Spannung. Ob Hohlbein damit rein erfolgstechnisch an besagte Trilogie wird anknüpfen können, wird sich zeigen, aber abgesehen von den flüchtig auftretenden Kritikpunkten gibt es eigentlich keinen Grund, sich als Fan der Reihe nicht auch den vierten Teil zuzulegen. Hohlbein ist nunmal Hohlbein, und dies zeigt sich gerade in einem solchen Buch, wo das prinzipiell nicht ganz so geniale Resultat durch den tollen Schreibstil wieder weitestgehend kaschiert werden kann. Und erst das macht einen Autor der Extraklase aus …
1997 erschien mit „Meamones Auge“ der letzte Roman Wolfgang Jeschkes. In den folgenden Jahren erschienen Kurzgeschichten in diversen Magazinen und Anthologien, zuletzt „Das Geschmeide“ in Andreas Eschbachs „Eine Trillion Euro“. Mit „Die Cusanische Acceleratio“ veröffentlichte Jeschke 1999 bereits ein Kapitel aus dem groß angelegten Roman, der schon vor seinem Erscheinen als Meilenstein der deutschen Science-Fiction gehandelt wurde.
Wolfgang Jeschke gilt als Großmeister der deutschen Phantastik und arbeitete bis 2001 als Lektor für die SF-Reihe des Heyne-Verlags. Ihm gebührt Hochachtung als Förderer und Mentor der deutschen phantastischen Literatur, die er selbst mit zahlreichen Kurzgeschichten und prämierten Romanen bereicherte – so erschien im Herbst 2005 sein Roman „Der letzte Tag der Schöpfung“ als erster Roman deutschen Ursprungs in der Heyne-Reihe „Meisterwerke der Science Fiction“.
Das Cusanus-Spiel
Eigentlich „Globusspiel“ genannt, ist es ein ausgesprochenes Geduldsspiel, zu dem es jeder Menge Fingerspitzengefühl bedarf. Nicolaus Cusanus war ein Vertrauter und Kardinal des Papstes im 15. Jahrhundert. Außerdem ist er für die Botanikerin Domenica Ligrina die faszinierende Persönlichkeit überhaupt.
Domenica lebt im Rom der Jahre um 2050, in einer Zukunft, in der die Erdölvorräte ausschließlich vom Militär und von Gangsterorganisationen beherrscht werden, nachdem große Kriege für die endgültige Ausbeute der natürlichen Reservoire gesorgt hatten. Im Grunde besteht wieder die Macht des Stärkeren, die Regierungen sind völlig korrumpiert und haben meist als Militärregierung die Demokratien abgelöst. Ein dramatischer Klimawandel bedroht Europa von Süden und Deutschland wurde großenteils Opfer einer schweren Strahlungsseuche.
Domenica schließt sich nach ihrem Studium einer päpstlichen Organisation an, die über so genannte Solitone Reisen in die Vergangenheit unternimmt, um zum Beispiel biologische Proben zu retten und in der Folge die Ökosphäre der Erde zu reparieren.
Die Probleme, die dabei entstehen, sind nicht technischer Art, sondern ziemlich paradox: Das Wissen der Zeitreisenden bedroht die Integrität des Universums und in manchen vergangenen Zeiten auch die Reisenden selbst – so verschlägt es Domenica in die Zeit Kardinal Cusanus‘, die Zeit der beginnenden Hexenverfolgung …
Ratten, Engel, Vergewaltiger
Was als erstes auffällt (nämlich auf der ersten Seite) ist der Gebrauch der überholten Rechtschreibregeln, umso stärker, als dass es sich bei diesem Roman eindeutig um einen Science-Fiction-Roman handelt, dem Zukunftsorientiertheit quasi im Namen steht. Wenn der Leser also mittlerweile an neuere Regeln gewöhnt ist, wird er ab und zu – und natürlich leider an den spannendsten Stellen – aus dem Lesefluss gerissen. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass Jeschke sich um eine möglichst detailierte Schilderung der Zukunft bemüht. In allen Bereichen hagelt es Beschreibungen, sei es nun in der Umwelt oder bezüglich der Charaktere; die Protagonistin ist außerdem Botanikerin, so dass sie ein besonderes Augenmerk auf die Pflanzenwelt richtet und uns an ihrer Kenntnis aller möglichen botanischen Fachbegriffe teilhaben lässt.
Wie bereits erwähnt, wurde der Roman im Vorfeld hoch gepriesen, aber man konnte einigen Stimmen durchaus vertrauen, wie den Aussagen Andreas Eschbachs. Es zeigt sich allerdings, dass derartige Hymnen oft mehr schaden als nutzen, denn durch sie steigt die Erwartungshaltung in Höhen, die das tatsächliche Lesevergnügen erstmal erreichen muss. Andererseits erhält der Roman dadurch eine größere Beachtung, was sich sicherlich auf die Verkaufszahlen auswirkt.
Unzweifelhaft fabuliert Jeschke ein hochinteressantes Thema neu und spickt es mit Ideen und Lösungswegen großer Kreativität. Die Reise in die Vergangenheit, ohne die Möglichkeit, große Zeitparadoxa herbeizuführen – ein Thema, an dem sich schon viele Autoren den Kopf zerbrachen. Bei Jeschke existiert zu der Reise an sich keine Maschine, sondern ein anscheinend natürliches Phänomen. Solitone, das sind Wellen in der Zeit, die sowohl in Richtung Vergangenheit als auch Richtung Zukunft laufen und die Reisenden auf sich „surfen“ lassen, wobei komplizierte Bedingungen jede Reise zu einem Wagnis machen und die Richtung festlegen, so dass die veränderliche Zukunft weiterhin unerreichbar bleibt.
Vordergründige Geschichte des Cusanus-Spiels ist die Frage: Könnte man durch Reisen in die Vergangenheit die Fehler des Menschen (wie die Monokulturisierung großer Erdbereiche) beheben oder zumindest Informationen und Materialien (wie Samen) gewinnen, um sie zu korrigieren? Wie ein paar Nebenepisoden zeigen, lassen sich bestimmte Ereignisse rückgängig machen, andere wiederum scheinen zu stark in der Struktur des Universums verankert zu sein, so dass kein Reisender in zeitlicher Nähe vom Soliton abgesetzt wird.
Was Jeschke hervorragend gelingt, ist die Zusammenführung offener Fäden und Beantwortung verwirrender Fragen, die sich im Laufe der Geschichte ansammeln. Leider drängen sich einige dieser Details gegen Ende des Romans und stehen dadurch im Gegensatz zu den sehr ausführlich geschilderten Passagen, die sich später als nebensächlich erweisen. Trotzdem beschwört Jeschke wundervolle Elemente herauf, in denen sich seine große Meisterschaft zeigt, und gerade in den kürzer gefassten Kapiteln wird die Erzählung stark und mitreißend. Dem obligatorischen SF-Leser scheint der Schwerpunkt falsch gesetzt, mehr zur Normalität auf der Suche nach einer rationalen Erklärung. Die Gratwanderung zwischen den Genregrenzen beraubt den Roman seiner großartigen Möglichkeiten: Unwichtig erscheinen die Darstellungen in den ersten zwei Dritteln des Romans, wo Jeschke zwar mit plakativer Sprache und teilweise obszöner Deutlichkeit ein vorstellbares Bild der menschlichen, nicht allzu fernen Zukunft zur Zeit der letzten Ölvorkommen entwirft, deren Einzelheiten der Geschichte aber wenig Substanz hinzufügen. Ein kurzes Kapitel um den Wendepunkt der Solitone (am Ende der Zeit) wirft ein faszinierendes Schlaglicht auf den Hintergrund, den Jeschke dem Leser weitgehend vorenthält. Möglicherweise rückten Details bei einer zweiten oder dritten Lektüre das Bild zurecht und zeigten es in seiner Vollkommenheit, aber dazu ist es einfach zu umfangreich.
Nebenbei setzt sich Jeschke stark mit ethischen und sozialen Fragen auseinander; so wählt er ja als Handlungsort das Mittelalter, wo die Kirche in hoher Macht steht und die Hexenverbrennungen gerade anlaufen. Einer der wirklich wichtigen Charaktere, jener, den manche Zeitheimische ‚Engel‘ nennen, könnte durchaus Jeschkes moderne Interpretation eines Engels sein. Seine Flügel – nun ja, Geschmacksache. Neben Gott behandelt er auch mehrfach und bildgewaltig das Thema der Vergewaltigungen und verknüpft das mit der Dynamik großer Menschenmassen, die sich schnell von Abscheulichkeiten erregen lassen. Eines Teils ist das ein hoffentlich utopisch bleibender Aspekt seiner Geschichte, mit dem Jeschke das Bild der zerstörten Zukunft noch deutlicher schildert, andererseits lässt er sich auf das unerklärliche Vergnügen der Menschen an dem Leid anderer Menschen beziehen, dem durch die Möglichkeiten des Internet neuer Boden verfügbar gemacht wurde. Trotzdem wirkt diese moralische Note störend, denn sie lässt sich nicht als unabdingbarer Bestandteil der Geschichte ansehen.
Der Titel „Das Cusanus-Spiel“ lässt sich aus einer Textpassage abgeleitet übersetzen:
„[…] wenn wir uns bemühen und es mit Geduld angehen, können wir unserem Ziel doch recht nahe kommen.[…]“
Das Cusanus-Spiel, Kapitel VI „In Vincoli“, Seite 108
In obigem Zitat geht es um den Sinn des Cusanus-Spiels, und übertragen auf den Roman und seine Handlung bedeutet das, dass alles Mühen der Menschheit und des Menschen speziell dem Streben nach Vollkommenheit dient, die nie erreicht werden kann. So betrachtet, gewinnt der Roman in jeglicher Beziehung eine neue Facette. Wichtiges Detail: Domenica, die zum Ende hin fast die Vollkommenheit (zumindest in Bezug auf die Zeitreisen) erreicht, schwindet aus der „realen“ Welt der Zeitheimischen und lässt dadurch wichtige Aspekte ihres Anspruchs zurück.
Übrigens: Was passiert, wenn es Zeitreisen wirklich gibt? Vorstellbar ist, dass es dann überall und zu jeder Zeit nur so von Reisenden wimmeln müsste. Einen kleinen Ausblick darauf liefert Jeschke auch gegen Ende des Romans, aber nicht in voller Konsequenz.
Fazit
Der Knackpunkt zur Bewertung: Wenn ein 700-seitiger Roman trotz einer sichtbaren hervorragenden Thematik bis zur Hälfte nicht in die Gänge kommt, entspricht er nicht einem weit verbreiteten Anspruch an die Qualität von Unterhaltungsromanen. Hier muss man deutlich sagen, dass zu viel drumherum erzählt wird, was uns einen möglichen Zukunftsspiegel vor das Gesicht hält, dem Geschichtsfluss aber nur abträglich ist. Erst in den letzten Kapiteln wird Jeschke seinem Ruf als „Meister der Phantastik“ wirklich gerecht, doch der Part ist zu schade für dieses Buch.
Mit „Auferstehung“ schließt Paul Kemp anstelle des ursprünglich geplanten Autors Mel Odom die sechsteilige AD&D-Serie „Der Krieg der Spinnenkönigin“ ab. Er und fünf weitere Jungautoren erzählten die Geschichte um das Verschwinden der Drow-Göttin Lolth und die Suche einer in sich zerstrittenen Gruppe Drow mit keineswegs uneigennützigen Motiven. AD&D-Starautor R. A. Salvatore selbst begnügte sich mit der Rolle als Schirmherr und konzentrierte sich stattdessen auf die Fortsetzung der Abenteuer des beliebten Dunkelelfen Drizzt Do’Urden (Die Rückkehr des Dunkelelf, Band 1: [Die Invasion der Orks). 476
Bis in den Abgrund der Dämonennetze hat es die Gruppe um die Lolth-Hohepriesterin Quenthel, den Draegloth Jeggred, den Magier Pharaun und die ehemalige Leibsklavin Halisstras, Danifae, bereits gebracht. Den Waffenmeister Ryld Argith hat bereits sein Schicksal ereilt, der Söldner Valas Hune hat sich nach Menzoberranzan abgesetzt, wo der Erzmagier Gromph bereits seinen Sieg über die Verräter aus dem Haus Agrach Dyrr feiert. Halisstra dagegen hat sich von Lolth abgewandt und dient nun Eilistraee, in deren Auftrag sie Lolth töten und Ryld rächen will.
Doch Zweifel plagen sie. Die Macht Lolths ist groß, und Eilistraee hilft ihr nicht wirklich. Zudem hört sie den Ruf Lolths, die nach ihrer Yor’thae – Auserwählten – ruft. Auch Danifae und Quenthel hören ihn, und obwohl Quenthel eine der höchsten Priesterinnen Lolths ist, scheint Danifae ebenfalls hoch in ihrer Gunst zu stehen … Wen wird Lolth erwählen?
Paul Kemp setzt drei Schwerpunkte in „Auferstehung“: Der Zwist zwischen den Drowfrauen und die Zweifel Halisstras treiben sie durch viele Kämpfe und Prüfungen bis hin zu Lolth selbst. Dieser Teil der Geschichte ist besonders gut gelungen, denn es ist wirklich bis zum letzten Satz nicht abzusehen, wen Lolth nun letztlich erwählt. Geschickt lockt Kemp den Leser auf falsche Fährten und regt zum Spekulieren an
In Menzoberranzan stellt er den Erzmagier Gromph hervorragend dar und lässt sich viel mehr einfallen als seine Vorgänger, die ihn hauptsächlich mit Kampfzaubern um sich werfen ließen. Er bindet Gromphs Assistenten in die Handlung ein und schildert höchst unterhaltsam, wie der Magier mit List und Tücke in den Stammsitz des Hauses Dyrr eindringt, um das Seelengefäß des Lich endgültig zu zerstören.
Einzig der Auftritt des Ultrolothen Inthracis schwächelt. Er und die Yugolothen der Blutkluft sind nicht gerade die bekannteste Gruppierung in den Vergessenen Reichen, hier macht sich ein wenig der Zwang der Reihe bemerkbar, wirklich jedes Monster zumindest einmal erwähnt haben zu müssen. Hier ist der einzige Zweck, Quenthel und Danifae auf den Weg zu Lolth eine Armee Yugolothen in den Weg zu stellen – was diese dazu bringen wird, einige noch mächtigere Dämonen zu beschwören, womit wirklich jeder Unhold in dieser Serie vertreten gewesen sein dürfte.
Paul Kemp ist von allen sechs Autoren der Reihe als letzter naturgemäß der mit den meisten zu erfüllenden Vorgaben. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern achtete er auf konsequente Charakterisierung seiner Figuren. So ändert sich der Charakter Quenthels oder Pharauns nicht so drastisch wie bei einigen seiner Vorgänger, was man ihm hoch anrechnen muss. Allerdings liegt seine Stärke weniger in der Charakterisierung oder Hervorhebung eines einzelnen Charakters, er versteht es vielmehr blendend zu unterhalten. Er wechselt oft geschickt den Handlungsort und die Perspektive, spielt vor allem sehr gekonnt mit der brennenden Frage, wer Lolths Yor’thae sein wird. So liest sich „Auferstehung“ kurzweiliger und spannender als manche zu AD&D-regelwerksgetreuen Kampforgien ausgeartete Romane der Reihe.
_Fazit:_
Ein würdiges Finale für den „Krieg der Spinnenkönigin“. Paul Kemp und Richard Lee Byers konnten mich besonders überzeugen, sie können sich durchaus mit Salvatore messen, ohne so verbraucht wie der Altmeister zu wirken. Ideenreich und voller Elan präsentierten sie ihre Geschichten, wobei Byers der Kreativere war, Kemp kann dagegen mit einem wirklich großartigen Finale punkten – etwas, an dem selbst Salvatore oft gescheitert ist. Es ist nicht bekannt, warum der ursprünglich geplante Autor Mel Odom sich aus dem Projekt zurückgezogen hat, allerdings hat sich Paul Kemp als glücklicher Ersatz herausgestellt. Denn Odom hat sich in seiner bisherigen Karriere eher als Autor mit Abschlussschwäche erwiesen, mir persönlich sagt Kemps Schreibstil zudem wesentlich mehr zu.
Die wunderschöne Umschlaggestaltung wurde von |Feder & Schwert| direkt vom englischen Original übernommen, für die ausgezeichnete Übersetzung zeichnete erneut Ralph Sander verantwortlich. Lektorat und Korrektorat verdienen ebenfalls ein Lob, der „Krieg der Spinnenkönigin“ ist qualitativ sicher die beste AD&D-Serie in deutscher Ausgabe.
Für Kenner der Vergessenen Reiche und Freunde der Dunkelelfen gehört der „Krieg der Spinnenkönigin“ einfach zum Pflichtprogramm.
Weitere Besprechungen aus dieser Reihe bei |Buchwurm.info|:
[Zersetzung 183 (Band 1)
[Zerstörung 677 (Band 4)
[Verheerung 1113 (Band 5)
|“Zehn Jahre ist es her, seit Lulatsch, Clown, Grizzly und Madame Trix ihren letzten Coup gelandet haben. Und ein Jahrzehnt ist in der sechsten Welt eine lange Zeit, vor allem für die kurzlebigen Orks und Trolle. Sie haben die Straßen der ADL hinter sich gelassen, aber wie heißt es so schön: Niemand verlässt die Schatten ganz. So holt die Vergangenheit die Runner ein und lässt sie erkennen, dass sie im Jahr 2064 vor allem eines sind: Altes Eisen …“| (Klappentext)
_von Chris Sesterhenn
mit freundlicher Unterstützung unseres Partnermagazins http://www.ringbote.de/ _
_Trockene Fakten – die äußeren Werte:_
„Altes Eisen“ ist ein weiterer „Shadowrun“-Roman aus dem |Heyne|-Verlag. Wie schon so oft, passt das Titelbild nicht besonders gut zu dem Roman, aber es kommt auch viel mehr auf den Inhalt an. Die Geschichte verteilt sich in dem Taschenbuch auf 426 Seiten, was einem sehr guten Durchschnittswert entspricht.
_Worum geht es überhaupt? – zum Inhalt:_
André Wiesler präsentiert mit „Altes Eisen“ einen neuen Roman aus der Welt von „Shadowrun“. Die gesamte Handlung dreht sich um die Runnergruppe „Die Crew“, bestehend aus dem Riesen Lulatsch (Joseph), dem Troll Grizzly (Marko), den beiden Orks Trix (Helen) und Clown (Nikolai) sowie der Elfe Winter und dem Mensch Dietrich. Vor zehn Jahren gelang diesen Runnern ein großartiger Coup. Sie widmeten sich ihrem Privat- und Familienleben, zogen sich mehr oder weniger aus den Schatten zurück. Doch dann ist es nach der langen Zeit des Wartens soweit: Helen, die nach dem erfolgreichen Coup für die Crew ins Gefängnis gegangen ist, wird aus der Haft entlassen und der Zeitpunkt ist gekommen, die verbleibende Beute unter den Teammitgliedern aufzuteilen und einen Lebensabend im Wohlstand zu garantieren. Doch dann kommt alles ganz anders als geplant. Die ehemaligen Runner sind gezwungen, noch einmal zu zeigen, was die Crew wirklich vermag. Und dabei gilt es, die Schatten der Vergangenheit zu bewältigen.
_Zuckerbrot und Peitsche – Pro und Contra:_
Der Roman „Altes Eisen“ von André Wiesler präsentiert eine wirklich gelungene Geschichte. Die einzelnen Szenen sind sehr detailliert und plastisch beschrieben. Jeder Abschnitt lädt zum zügigen Weiterlesen ein, Langeweile kommt in diesem Buch nie auf. Von Kapitel zu Kapitel wechselnd, erfährt der Leser in zwei Handlungssträngen von den aktuellen Ereignissen und den Geschehnissen vor zehn Jahren. Zusammen ergibt dies auf sehr geschickte Art und Weise ein rundum gelungenes Gesamtwerk.
Die Charaktere der Geschichte waren vor zehn Jahren professionelle und sehr begabte Runner. Mit ihren Talenten und ihrer Cyberware gelingt es ihnen, einen nicht für möglich gehaltenen Raub zu begehen. Auch wenn dieser nicht hundertprozentig glatt verlief, so wartet in der „Gegenwart“ dennoch eine beachtliche Beute auf die Helden von damals. In den vergangenen Jahren wurden aus den einzelnen Teammitgliedern ein angesehener Imageberater für Metamenschen (Joseph), das Oberhaupt einer großen Orkfamilie (Nikolai), ein Häufchen Elend, welches nur von der Verpflichtung, einen Hund zu füttern, noch am Leben gehalten wird (Marko) oder eine selbstbewusste Orkfrau, die ihren Lebensabend in Ruhe verbringen will (Helen). Und dieses ‚alte Eisen‘ muss nun zeigen, was es in der Gegenwart noch alles auf dem Kasten hat.
Allein die Idee ist schon lesenswert, aber die Umsetzung macht das Ganze zu einem besonderen Lesevergnügen für „Shadowrun“-Fans und solche, die es noch werden wollen. Sehr gelungen sind die teilweise enormen Unterschiede der einzelnen Charaktere in den beiden Handlungssträngen. Es entbehrt nicht eines gewissen Humors, wenn beispielsweise der ehemalige Straßensamurai eine Waffe aufnimmt und seine Smartgun-Verbindung meldet, dass die Cyberware ein dringendes Update benötigt.
Wer unbedingt auch einen Punkt auf der Contra-Seite haben will, muss schon etwas länger suchen. Unter Umständen könnte die phasenweise etwas sehr auf Erwachsene bezogene Schreibweise nicht gerade für junge Leser geeignet sein (wobei Gewalt eher als letzter Ausweg beschrieben wird). Aber es gibt noch wesentlich schlimmere Szenen in anderen Publikationen.
_Für wen lohnt es sich? – meine Einschätzung:_
Der Roman von André Wiesler ist ein richtiges Highlight unter den Romanen aus dem „Shadowrun“-Universum. Ich kann jedem SR-Fan (und allen, die es noch werden wollen) diesen Roman nur wärmstens ans Herz legen. Der Leser erhält für sein Geld viel Unterhaltung und Kurzweil – seit langer Zeit wieder einmal ein wirklich überzeugender SR-Roman.
_Fazit:_ „Altes Eisen“ von André Wiesler bietet eine hervorragend umgesetzte Idee. Im Vergleich mit anderen Romanen aus der Welt von Shadowrun liegt dieser Roman eindeutig im oberen Bereich der Rangliste. Fans sollten sich dieses Highlight nicht entgehen lassen, daher kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben. Um es mit Grizzlys Worten zu sagen: „So wird das gemacht!“
Die sieben Bände des angelsächsischen Kinder- und Jugendbuchklassikers in einer schön aufgemachten Gesamtausgabe. Narnia ist eine ökologisch korrekte, latent zivilisationsfeindliche, monarchistisch-autoritär regierte ‚Gegenerde‘, in der (guter und böser) Zauber, sprechende Tiere und Fabelwesen zum Lebensalltag gehören. Starke christliche Glaubensvorstellungen und Allegorien fließen in die nur scheinbar einfach gestrickte Handlung ein und verschaffen dem Werk jenseits seiner Qualitäten als spannendes, zeitloses Kinderbuch eine zweite Rezeptionsebene, die aus heutiger Sacht oft aufdringlich wirkt. Clive Staples Lewis – Die Chroniken von Narnia (Gesamtausgabe) weiterlesen →
Schelmenroman: |aus Spanien stammende Romangattung, die im Ggs. zum Ritterroman das Leben spitzbübischer Schelme, Landstreicher und Glücksritter schildert. Die S. sind meist in der Ich-Form erzählt und tragen häufig satir. und sozialkrit. Züge| – so informiert uns der Brockhaus, und so kann man Peter Davids kleinen Geniestreich „Herr Apropos von Nichten“ kurz charakterisieren, mit dieser Ergänzung: Es ist ein Buch voll von Einfällen, Verwirrungen, Wendungen und Sarkasmen aller Art, es bringt einen zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Mitfühlen und zum Lesen mit angehaltenem Atem; spöttisch zerstört es Illusionen über die Gerechtigkeit der Welt oder den Wert des Heldentums, und es präsentiert einen Anti-Helden reinsten Wassers.
Apropos hat’s aber auch nicht leicht. Seine Mutter schlägt sich als Kellnerin in einer heruntergekommenen Spelunke durch. Da sie einmal der Geburt eines Phönix zugesehen hat, glaubt sie, zu Wichtigem bestimmt zu sein – und als sechs Ritter sowie ein Mann im Umhang (vielleicht ein Magier) sie vergewaltigen und sie schwanger wird, glaubt sie um so heftiger daran: Ihr Sohn wird einmal … Sie geht ihrem Beruf weiterhin nach, arbeitet nebenbei auch als Hure und spart, was sie kann, um ihrem Sohn eine Zukunft zu verschaffen. Leider ist der lahm geboren, zum Glück jedoch auch mit einem scharfen Verstand gesegnet; außerdem hilft ihm Tacit, ein junger Robin Hood und Held von echtem Schrot und Korn. Aber gerade diese Freundschaft führt Apropos seine Unzulänglichkeit vor Augen, der Vergleich mit Tacit wird für ihn zur Manie.
Schlüsselstelle des Romans ist die Szene, in der aufgehetzte Bauern die junge Magierin Schari verbrennen wollen. Tacit stürzt los, sie zu retten; Apropos findet das schwachsinnig und überlegt, wie er sich aus der Sache heraushalten kann. Doch als Tacits Versuch scheitert und dieser zusammen mit der Magierin verbrannt werden soll, gibt sich der selbsternannte Egoist („Lieber zehn Minuten lang feige als ein Leben lang tot.“) einen Ruck und kauft die beiden mit Gold und einer List los; woraufhin die Gerettete dem guten Tacit erklärt, wie dämlich sie seine „Rettungstat“ fand. Trotzdem findet Apropos seine eigene Rolle erbärmlich. Und Schari, offensichtlich eine verwandte Seele, verschwindet bald wieder aus seinem Leben.
Kurze Zeit später wird Apropos’ Mutter umgebracht, was den Jungen endgültig aus der „heimischen“ Spelunke forttreibt, an den Königshof, um Gerechtigkeit zu verlangen – Ausgangspunkt einer Kette von Abenteuern, die ihn mal in die Nähe des Todes, dann wieder bis knapp vor den Thron führen … aber keine Sorge: Der Schelm bleibt ein Schelm, und das ist gut, denn von diesem Schelm lebt das Buch. Peter David schildert Apropos’ Innenleben einfühlsam und komisch zugleich, mit viel Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung. Selbst wenn der junge Mann mitten im Geschehen (lies: im Schlamassel) steckt, bleibt er scharfsichtiger Beobachter und scharfzüngiger Spötter: „Unsere Rösser donnerten über die Lichtung, und wir Ritter müssen einen beeindruckenden Anblick geboten haben. Nichts erregt einen wohl so sehr, wie einer Schar Ritter ansichtig zu werden, welche, wenn auch zu spät, zur Rettung heraneilen.“ Er verschont sich selbst ebenso wenig wie seine Umwelt; als er einen Mitknappen als gewissenlos charakterisiert, setzt er hinzu: „Nun gut, schlechtes Gewissen und dergleichen plagten auch mich nur selten bis nie. Aber das ließ sich doch nicht vergleichen. Bei mir stand eine bewusste Entscheidung dahinter, wohingegen Keule einfach zu dumm dafür war.“ Dergleichen bekommt man laufend zu lesen. Was Wunder, ist der Ich-Erzähler doch einer, dem das Leben meist übel mitspielt – besonders immer dann, wenn er seine erste Regel vergisst: sich niemals auf jemanden oder etwas zu verlassen. Natürlich auch nicht auf höhere Mächte. Apropos glaubt zwar an Götter, aber er kommentiert deren Walten in seinem Leben zum Beispiel so: „Ich konnte mir nur einen Grund denken, warum Runzibel mich nicht hatte hinrichten lassen: Die Götter wollten mich noch ein Weilchen länger quälen.“
Eindeutig ist Apropos kein moralisch einwandfreier, positiver Held (er ist ja nicht mal ein Held). Doch David schafft es, ihm alle Sympathie des Lesers zuzuschanzen, selbst wenn er feige oder hundsgemein handelt (was so oft nun auch wieder nicht vorkommt). Ich habe lange kein Fantasy-Buch mit einer so wirklichen Hauptfigur gelesen, und ich hoffe nur, dass der Autor seiner halben Ankündigung im Vorwort noch einen solchen Roman folgen lässt!
Piper legt mit diesem Roman ein kleines Juwel niveauvoller Literatur vor, das mancher vorschnell unter „Kinderliteratur“ einordnen könnte. Nun, „Die Zauberlaterne“ ist ebenso Kinderliteratur wie Harry Potter, Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ oder Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ – will heißen, das Buch hat auch für erwachsene Leser seine Reize; manch ein Vater könnte gar finden, dass es ihm selbst besser zusagt als seinen Sprösslingen, die gerade ungeduldig auf das nächste Abenteuer des berühmtesten Zauberlehrlings der Welt warten. Und ohne J. K. Rowling zu nahe treten zu wollen: An Abwechslungsreichtum der Genres, Töne und Erzählweisen übertrifft Wolfheinrich von der Mülbe sie deutlich; er beherrscht das augenzwinkernde Fabulieren eines Münchhausen ebenso wie den melancholischen Ton eines Hans Christian Andersen, die Parodie nicht schlechter als das romantische Gedicht, das Märchen meistert er genau wie die Liebesgeschichte. 1937 erschienen, im gleichen Jahr wie Tolkiens „Hobbit“, erinnert er auch an diesen; beide Bücher entstanden gewiss unabhängig voneinander, sind sich aber an fröhlichen wie traurigen Stellen mitunter so ähnlich wie eineiige Zwillinge. Und natürlich wandelt sich auch im Verlauf dieser Geschichte ein gutherziger, doch anfangs etwas träger und einfältiger junger Mann zum wahren Helden …
Das Ganze beginnt auf Burg Scharfenstein. Mutter Schute setzt ihrem Sohn Kunibert so lange mit dem ach so leuchtenden Beispiel seines Vaters zu, bis der Junge gemeinsam mit seinem Knappen Schorse, einem ungeschliffenen, aber ergebenen und gutmütigen Burschen, auf Abenteuer auszieht. Gesucht wird eine Prinzessin: Ein Königsschloss wäre ein mehr als passender Ersatz für die Burg. Als die beiden den geheimnisvollen Goldenen Ritter treffen und einen Abend auf dessen Burg verbringen, kommt Bewegung in die Sache. Der zauberkundige Beppo zeigt Kunibert in einer Vision viele phantastische Bilder – wir werden sie alle im Roman wiederfinden. Bald darauf reiten Herr und Knappe, nun endlich gut gekleidet, bestens gerüstet und mit genug Geld versehen, in der schönen und reichen Stadt Marsilia ein; König Kasimir, Herr des gleichnamigen Reiches, will seine Tochter Sonja verheiraten. Natürlich gibt es drei Aufgaben zu bestehen. Die erste meistert Kunibert relativ leicht: Er erkennt in einer Menschenmenge die bisher sorgsam verborgen gehaltene Prinzessin, da sein Herz ihn führt. Die zweite Aufgabe führt ihn lange durch viele fremde Länder und Gefahren: Da kein Hofbarbier Kasimir richtig rasieren kann, soll er das wunderbare Rasierzeug finden, das die Fee Süffisande einst ihrem Geliebten schenkte. Leider ist das Set über die ganze Welt verstreut … Und so lernt Kunibert die Länder der Araber kennen (wo der Ritterroman parodiert wird), zieht durch die Wüste (Hauff und seine Märchen lassen grüßen), durchs Königreich Lappalien (ein Leckerbissen für alle, die Bürokraten hassen), besteht gegen einen äußerst interessanten Drachen, gerät in die Fänge eines bösen Gnoms und einer falschen Schönheit (der traurige, tragische Höhepunkt des Buches) und und und …
Mülbes Einfallsreichtum kennt nahezu keine Grenzen, aber immer schimmert durch die Zeilen die Liebe zu seiner Geschichte und zu seinen Lesern hindurch, und das macht den Zauber des Buches aus. Sicher, er schwingt nicht den groben Comedy-Hammer, sein Humor ist von feinerer Art, aber gerade darum liebenswert. Kurz, hier liegt ein Buch vor, das auf eine wundervoll frische Art altmodisch ist; genau wie die oben genannten Werke. Und es ist wie diese voll von lebendigen Figuren, freundlichen und finsteren, komischen und tragischen, realistischen und fabelhaften … Als Inspiratoren für „Die Zauberlaterne“ werden im Klappentext Tucholsky und Kästner genannt, was zweifelsohne stimmt; aber hierhin gehören auch Andersen, Hauff, Hoffmann, Cervantes, Eulenspiegel und Bürger – die besten Traditionen europäischer phantastischer und satirischer Literatur haben an der Wiege dieses Buches Pate gestanden. Und wenn ich einen von Mülbes Enkeln im Geiste nennen sollte, dann fällt mir sofort dieser Name ein: Michael Ende.
Pittsville, wir kommen! – die amerikanische Bilderbuch-Familie Hastings nämlich: Vater Phil, geachteter Schriftsteller, aber des gemeinen Volkes nicht entrückt, weil außerdem Drehbuch-Autor für rabaukige Hollywood-Blockbuster; Mutter Gloria, einst Schauspielerin ebendort, aber längst Hausfrau & Mutter und glücklich am heimischen Herd, wo ihre Familie sie am liebsten sieht; Sean & Patrick, die achtjährigen Zwillinge, laut aber lieb, dem Baseball-Spiel zugeneigt und somit zwei richtige Jungens, die das Herz jedes braven Bürgers im Leibe lachen lassen, sowie Gabrielle, rollig erblühte Spät-Teenager-Tochter Phils aus einer ersten Ehe (gescheitert, weil die verworfene Ex ihre Karriere mehr liebte als die Familie, weshalb sie von ihrem Kind auch verstoßen wurde – recht so!).
Haben wir noch jemanden vergessen? Richtig! Bad Luck, der nicht besonders kluge, aber ulkige & tapfere Labrador-Familienhund, und Ernie, der Kater, komplettieren das Fleisch gewordene Quintett uramerikanischer Tugenden, das gerade in das kleine Städtchen Pittsville irgendwo dort im Staate New York gezogen ist, wo es noch ländlich und ehrlich zugeht. Phil ist des lockeren Hollywood-Daseins überdrüssig geworden (nachdem er ordentlich abkassiert hatte), besinnt sich tugendhaft auf seine schriftstellerischen Wurzeln und sucht sich ein ruhig gelegenes Haus, um dort endlich wieder ein Buch zu schreiben. Ganz wie im richtigen Leben folgt ihm die Familie freudig ins Exil, das sich als Idylle mit einem gewaltigen Haken entpuppt.
Denn es spukt tüchtig in und um Old Kessler Place, unter der alten Trollbrücke und auf dem Erlkönig-Hügel. Der alte Barney Doyle hat’s gesehen, und da er in Irland geboren ist (und deshalb einem guten Schluck nicht abgeneigt, wie ja die Iren überhaupt fröhliche, meist rothaarige Zecher sind, die gern zur Geige tanzen, wie der gute Amerikaner über dieses Volk weiß), wo die Kobolde seit jeher des Nachts über die Kartoffelfelder klabautern, weiß er sofort, was vorgeht: Die Weiße Königin der Feen hat sich mit ihrem übernatürlichen Hofstaat heuer ausgerechnet in Pittsville niedergelassen! Jeweils in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November – Happy Halloween! – schlägt dieser irgendwo auf der Welt sein Lager auf, um dort seinen übernatürlichen Geschäften nachzugehen. Weil im Geisterreich öfter mal ein Fenster zum Diesseits offen steht, stolpert immer wieder überraschtes Menschenvolk (siehe B. Doyle) in die Feenrunde, was ihm meist nicht gut bekommt.
Dieses Mal ist es sogar schlimmer als sonst, denn der trotz seines Namens eher finster gesonnene „Leuchtende Mann“, das dunkle Gegenstück zur Weißen Königin, hat das auf die Nacht beschränkte Spukdasein satt. Wie wir nach und nach erfahren, lebten Menschen und Elfen einst in wenig friedlicher Nachbarschaft auf dieser Welt, bis nach einem schrecklichen Krieg Erstere die Letzteren ins Exil (bzw. in die Märchenbücher) zwangen, das sie seither nur beschränkt verlassen dürfen. Besiegelt wurde der Vertrag durch ein Pfand – einen gewaltigen Goldschatz, der mit dem Hofstaat reist und folglich in diesem Jahr auf dem Erlkönig-Hügel verborgen wurde. Der Leuchtende Mann lenkt listig die Aufmerksamkeit der Hastings auf diesen Hort, der froh gestimmt – wer könnte es ihnen verdenken – aus dem Erdreich gebuddelt wird. Leider gilt dadurch der besagte Vertrag als gebrochen, was dem Leuchtenden Mann das Recht gibt, seine Herrschaft nunmehr auf das Diesseits auszudehnen. Unterstützt von seinem gruseligen Helfershelfer, dem Bösen Ding, aber immer noch unterworfen den Gesetzen der Feistschen Holzhammer-Dramatik, muss der böse König erst die Hastings aus dem Weg räumen, bevor ihm dies gelingen kann. Ganz souveräner Fürst der Finsternis, raschelt er zunächst Unheil verkündend im Unterholz umher, killt dann die Katze und entführt schließlich, als trotzdem niemand recht von ihm Notiz nehmen mag, einen der Zwillinge, um ihn gegen ein Wechselbalg – ein spukhaftes Ebenbild – auszutauschen. Dass man so vielleicht mit bangbüxigen Franzosen und anderen Europäern (sowie vielleicht noch Kanadiern), aber keineswegs mit echten Amerikanern umspringen kann, muss der Erlkönig auf die harte Tour lernen, als Zwilling Zwei und der erboste Vater im Geisterreich auftauchen, um ihn und seine Spießgesellen Mores zu lehren …
… und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit, wie einst ein bekannter deutscher Komiker kalauerte, den ebenfalls die Zeit einholte und der inzwischen mindestens ebenso tot wie der Erlkönig ist. Mythen sind empfindliche Pflänzchen, die nur auf Humus, aber nicht auf Mist gedeihen. Da Raymond E. Feist den Unterschied nicht zu kennen scheint, wuchert sein „Elfenhügel“ schnell zu einem entarteten Bastard aus Instant-Fantastik, Rotkäppchen-Grusel und Seifenoper heran, der den Leser in Verdruss und Langeweile zu ersticken droht. Die Ausgangsidee ist eigentlich einfach, aber gut und entwicklungsfähig: Neu ist es zwar nicht, auf den Spuren Shakespeares zu wandeln und den „Mittsommernachtstraum“ in neuen Kulissen zu inszenieren. Feen, Elfen, Kobolde und andere Märchenwesen mit der realen Welt des inzwischen 21. Jahrhunderts zu konfrontieren, funktioniert aber immer noch – wenn man mit einem Mindestmaß Talent und Inspiration gesegnet ist. Beides geht Feist offensichtlich ab. Sollte das wundern bei einem Mann, dessen Ruhm und Ruf sich auf ein ebenso endloses wie mittelmäßiges Tolkien-Abklatsch-Fantasy-Epos namens „Midkemia“ gründet?
Dabei sind die echten fantastischen Elemente dem Verfasser noch am besten gelungen. Als das Hastings-Rollkommando das Elfenreich erreicht, merkt man Feist die Erleichterung an, wieder vertrautes literarisches Terrain erreicht zu haben. Die hier spielenden Szenen sprühen zwar ebenfalls nicht vor Originalität, aber sie überzeugen wenigstens und verraten vor allem endlich, wieso Feist ein so beliebter Autor von Unterhaltungsromanen ist. Aber bis es so weit ist, muss der Leser ein weites, bitteres Ödland durchqueren. Der „Elfenhügel“ erhebt sich nicht in der völlig dem Hier & Jetzt enthobenen Fantasy-Welt Midkemias, sondern in der realen Welt der Gegenwart (bzw. des Jahres 1988, denn so ganz taufrisch ist dieser Roman nicht mehr). Damit begibt sich Feist freiwillig aufs Glatteis, denn er muss hier, wo sich seine Leser mindestens genauso gut auskennen wie er, der Realität deutlich stärker Tribut zollen als dem Wunschdenken. Sein Unvermögen in dieser Hinsicht macht „(Der) Elfenhügel“/“Der Märchenhügel“ geradezu erschütternd offenbar.
Die Kritik muss sich noch mehr als am Plot an der Personenzeichnung entzünden. Feist ist Amerikaner; ein Punkt, den es sehr wohl zu berücksichtigen gilt, weil er erklärt, was primär den lesenden Europäer irritiert. Besonders gut lässt sich das am „deutschen“ Handlungsstrang der Geschichte erläutern. Den Elfenspuk und die Einhaltung des Friedens überwacht nämlich ein geheimer, uralter, geheimer Geheimbund freimaurerischer Tempelritter-Illuminaten. Er ist zuletzt in „Süddeutschland“ aktiv geworden, und das muss man in Anführungsstrichen schreiben, denn Feists Vision von Deutschland im Jahre 1905 ist die eines grotesk-pseudomittelalterlichen Märchenlandes, bevölkert von furchtsamen, abergläubischen Bauern, die von der in diesem Landstrich zwei Jahre nach dem ersten Motorflug der Gebrüder Wright offenbar immer noch aktiven Inquisition brutal ausgerottet werden, als sie damit beginnen, den Alten Göttern Menschenopfer zu bringen … Kommentar wohl überflüssig.
Feist hat zwar durchaus begriffen, dass es nicht so ohne Weiteres möglich ist, die Geisterwelt von der Alten in die Neue Welt zu verpflanzen; während die Menschen zu Millionen über den Großen Teich reisten, blieben die Elfen lieber in Europa. Sie wussten schon, wieso sie dies taten, denn Feist konfrontiert sie dort jetzt mit einer kaum erträglichen Bande pappiger Popanze, dem US-Kino oder -Fernsehen dort entsprungen, wo es am verlogensten ist, schrecklicher als jeder Leuchtende Mann und jedes Böse Ding: mit der amerikanischen Durchschnittsfamilie!
„Heim ist, wo das Herz ist“, heißt das Sprichwort, aber nicht nur Al Bundy selig hat es in „…, wo der Horror ist“ abgewandelt. Feist versagt spektakulär, wo Steven Spielberg und Stephen King trotz allen Kitsches regelmäßig an unser Herz rühren: in der Beschreibung jenes seltsamen, ebenso fragilen wie unverwüstlichen, schrecklichen, wunderbaren, unersetzlichen Phänomens, das wir „Familie“ nennen. Die Hastings sind keine Familie. Sie verkörpern stattdessen jenes grässliche Zerrbild (mitsamt treudoofem Hund), wie es bevorzugt konservative Politiker, reaktionäre Kirchenfürsten oder psychisch derangierte Tugendbolde propagieren. Man fiebert und bangt nicht mit den Hastings, sondern wünscht ihnen schon sehr bald einige kräftige Trolle mit scharfen Schwertern auf den Hals. Unter der Schlangenhaut aus Affenliebe und Leutseligkeit tritt eine oberflächliche, engstirnige Gesinnung und die unbarmherzige Diktatur des manisch Tüchtigen zu Tage. Wenn das Elfengold geborgen wird, bewundert man nicht seine Schönheit, sondern taxiert aufgeregt Münze für Münze nach Dollar und Cent. Phil Hastings hält gern weitschweifige Predigten gegen Hollywood-Babylon, das er zum Frommen seiner Familie und um der hehren Kunst willen verlassen hat – um im Finale fürstlich bezahlt für einen weiteren IQ-Null-Blockbuster dorthin zurückzueilen. Der zum scheußlich schäumenden Wechselbalg zitierte Wunderarzt erläutert den gebrochenen, aber zahlungskräftigen Eltern sachlich, wie sie den scheinbar wahnsinnig und damit wertlos gewordenen Sohn in einem weit entfernten Pflegeheim entsorgen können.
Solche Passagen lassen sich viele finden in diesem an Ärgernissen reichen Werk, aber den einsamen Gipfel der Lächerlichkeit erklimmt Feist mit der Schilderung eine Plänkelei zwischen Gabrielle, der überreifen Hastings-Tochter, und Puck, dem fröhlich-geilen Luft- und Lustgeist. Zweifellos als Höhepunkt knisternder Erotik gedacht, produziert der Verfasser einen schier endlosen Schwall schwülstig-verklemmter Schweinigeleien, der peinlich gekrönt wird durch den abrupten Abbruch des Liebesspiels, als es wirklich ernst wird: Im Mutterland der frömmlerischen Doppelmoral muss sich auch ein Puck mit Petting begnügen, wenn ihm ein anständiges Mädchen gegenüberliegt.
Die deutsche Ausgabe aus dem Jahre 2000 prunkt zwar mit einem für ein Taschenbuch recht pompösen Äußeren (für das man aber seinen Preis zu zahlen hat, was unter den beschriebenen Umständen doppelt schmerzt), stützt sich aber leider immer noch auf die Übersetzung der Erstausgabe von 1991 (deren Existenz im Impressum aus unerfindlichen Gründen unterschlagen wird; sie sei an dieser Stelle bzw. weiter unten enthüllt). Diese ist weniger schlampig als schlicht und ergreifend ungenügend, weil hölzern, dilettantisch und heftige Schmerzen auf dem eigentlich kurzen Weg zwischen Sehnerv und Hirn erzeugend. Der gesellt sich dann zu der schrecklichen Leere in der Geldbörse und rundet den unerfreulichen Eindruck ab, gar zu viel kostbare Lebenszeit dem Versuch geopfert zu haben, eine ziemlich taube Nuss zum Keimen zu bringen.
Band 1: [Der lohfarbene Mann 230
Band 2: [Der goldene Narr 232
Band 3: [Der weiße Prophet 1969
außerdem: [Der Adept des Assassinen 229 (Die Legende vom Weitseher 1)
und ergänzend: [Der Ring der Händler 281 (Die Zauberschiffe 1)
„Der Wahre Drache“ stellt die zweite Hälfte des aufgeteilten englischen Originals „Fool’s Fate“ dar und schließt Robin Hobbs in der deutschen Version vier Bände umfassende Trilogie „Die zweiten Chroniken von Fitz dem Weitseher“ ab. Im Mittelpunkt steht das Schicksal des Geschlechtes der Weitseher, das aus der Warte des Weitseher-Bastards FitzChivalric geschildert wird, dessen bewegtes Leben schon in der ersten Trilogie im Mittelpunkt stand.
Gleichzeitig verbindet Hobb damit ihre beiden großen Sagas um die Weitseher und die Zauberschiffe miteinander, denn das Partnerproblem der letzten Drachenkönigin Tintaglia sowie das Schicksal der Bleichen Frau, die in der ersten Weitseher-Trilogie hinter dem Überfall der Roten Korsaren auf die Sechs Herzogtümer und der Entfremdung (grob gesagt, ein Raub der Seele und menschlichen Gefühle) zahlloser Bürger stand.
Tief im Eis der Insel Aslevjal ruht der letzte männliche Drache, Eisfeuer, und Prinz Pflichtgetreu soll ihn auf Wunsch der Narcheska Elliana erschlagen. Ohne diesen Gunstbeweis gäbe es keine Heirat und somit auch kein Bündnis zwischen den Sechs Herzogtümern und den Outislandern. Zwar hegt Elliana mittlerweile echte Gefühle gegenüber Pflichtgetreu, aber sie und ihr Beschützer Peottre werden von der Bleichen Frau erpresst.
Diese wünscht den Tod des Drachen, Fitz zweifelt jedoch immer mehr und neigt dazu, dem Zwiehaften Web und dem Narr zu glauben, die ihn anflehen, Eisfeuer nicht zu töten, da dies die Zukunft der Welt zum Schlechten beeinflussen würde. Fitz und der Narr geraten in die Gefangenschaft der Bleichen Frau und erfahren, womit sie Elliana erpressen konnte. Die Bleiche Frau will etwas von Fitz, und sie foltert den Narren und droht Fitz mit seinem Tod, sollte er Eisfeuer nicht umbringen. Sie droht, ihn an ihren wahnsinnigen, von Hass und Leid genährten Steindrachen zu verfüttern.
Fitz steht vor einer schweren Entscheidung: Ist es wirklich wahr, was der Narr sagte? Würde die Befreiung eines Monsters wie Eisfeuer und damit das Sicherstellen des Überlebens der Drachen als Rasse der Menschheit wirklich eine bessere Zukunft ermöglichen? In diesem Fall muss er ihn opfern; will er ihn retten, muss er den Drachen töten, aber dann könnte die düstere Prophezeiung des Narren wahr werden, und die Bleiche Frau hätte ihr Ziel erreicht.
_Furioser Auftakt, schwaches Ende_
Aufgrund der Teilung des Originals endete der Vorgänger genau an der Drachenhöhle, dem Ort der Entscheidung. Somit beginnt dieses Buch auch furios: Fitz und der Narr werden entführt, erfahren Hintergründe und Geheimnisse in den Kerkern und Gängen im Versteck der Bleichen Frau. Zudem hat diese einen starken und überzeugenden Auftritt, und die Prophezeiung des Narren, er werde auf Aslevjal sterben, scheint sich zu bewahrheiten. Die daraus resultierenden Konflikte innerhalb der Gruppe geben der Handlung Pep und Tempo, so dass dieser wirklich gelungene Teil des Buches sehr spannend und vergnüglich zu lesen ist.
Leider scheinen Hobb dann die Ideen auszugehen. Ob Eisfeuer nun stirbt oder nicht, einen direkten Einfluss auf die Welt oder die Zukunft kann man in diesem Buch beim besten Willen nicht ausmachen. Vielmehr ist man enttäuscht, ebenso über den kurzen Auftritt der Bleichen Frau, die im Nachhinein sogar hinter dem Aufstand der Gescheckten gesteckt haben soll.
Es schließt sich ein langezogenes, antiklimatisches Happyend mit einigen unnötigen Konstruktionen hinsichtlich der Bedeutung und Funktion der weißen Propheten an. Die Hochzeit Pflichtgetreus und Ellianas wird ebenso hinausgeschoben, damit Fitz Gelegenheit hat, seine Familienangelegenheiten zu regeln.
Hobb verschwendet den gesamten Rest des Buchs darauf; leider wird Fitz hier wieder einmal zum Zögerer und Zauderer, ein Charakterzug, der bereits in den ersten beiden Bänden nervte, im dritten begrüßenswerterweise in der Hintergrund trat und nun aufgrund der allgemeinen Trägheit und Belanglosigkeit der Handlung wieder auftaucht.
Das ist schade, denn gerade die Drachen und die Bleiche Frau hätten viel mehr zu bieten gehabt, wohingegen die familiären Probleme von Fitz bereits schon viel zu lange breitgetreten wurden und nicht mehr unterhalten noch überzeugen können. Mehrere logische Brüche werten das Finale zusätzlich ab. Die Bleiche Frau hat den Drachen als Köder für Fitz und den Narren verwendet. Aber warum es ihr und ihren zahlreichen Helfern nicht möglich ist, den eingefrorenen und hilflosen Drachen ohne Hilfe von Fitz und seinen Gefährten zu töten, kann Hobb nicht erklären. Ebenso bleibt Hobb zumindest die Andeutung einer Erklärung schuldig, warum die Rettung der Drachen der Welt nutzen würde, werden sie doch stets als gefährliche Wesen geschildert, denen Tod oder Leben anderer schlichtweg unwichtig ist.
Rainer Schumacher übersetzte wie bereits den Vorgänger auch diesen Roman anstelle von Eva Bauche-Eppers. Dass man gerade das Finale der Trilogie von einem anderen Übersetzer schreiben lässt, ist ziemlich enttäuschend. Allerdings macht er seine Sache sehr gut, leider hat er einige Namen von Nebenfiguren anders übersetzt als Eva Bauche-Eppers und das Korrektorat hat viele Sätze mit falschen Bezügen sowie nicht mehr erkennbaren Sinn und überflüssigen, falschen Wörtern mitten im Satz nicht korrigiert.
_Fazit:_ Nach dem Handlungsteil auf Aslevjal rund um die Bleiche Frau und den Drachen Eisfeuer hätte Hobb zu einem schnelleren Ende kommen sollen. Das Finale zieht sich dahin und bietet nicht die lange erwarteten Höhepunkte, als Zusammenführung der Weitseher- und Zauberschiffe-Trilogie kann man es im Nachhinein nicht mehr bezeichnen. Die Figur des FitzChivalric ist mittlerweile ausgelutscht, ohne seinen Wolf Nachtauge verfällt er immer öfter in die Rolle eines weinerlichen und unentschlossenen Zögerers, sein in der Weitseher-Trilogie noch spannend und bewegend geschildertes Leben ist aus dieser Warte unerträglich und uninteressant geworden. Hobb kann nach wie vor faszinierende Charaktere erschaffen, leider hat sie in diesem Buch die Schwerpunkte falsch gesetzt oder konnte keine angemessen faszinierenden Antworten auf die wirklich interessanten Fragen um die Bleiche Frau und die Drachen bieten.
Viele Fragen bleiben zudem offen. Sollte Hobb sich ihrer in einer weiteren Trilogie annehmen, kann man nur empfehlen, dass sie einen Neuanfang ohne Fitz wagt. Das kitschige Happyend zerstört die Figur Fitz und viele andere leider – oder zum Glück – so vollständig, dass man darauf nur hoffen kann.
Bereits mit dem [ersten Band 635 des neuen Zyklus von Monika Felten hatte ich so meine Probleme. „Das Erbe der Runen“, so der Name der aktuellen Reihe der Autorin, die mit ihrer „Elfenfeuer“-Saga zum ersten Mal sehr positiv aufgefallen war, bot eine Menge Potenzial, das jedoch in einer zu offensichtlichen bzw. vorhersehbaren Handlung und dem zu schleppend vorangehenden Erzähltempo ertränkt wurde. Dass man das Buch dennoch einigermaßen gut lesen konnte, lag vor allem an Feltens eindringlichem Erzählstil, der einen schließlich doch noch über die Zeit retette, die maßgeblichen Mängel aber nicht übertünchen konnte.
Im Grunde genommen könnte ich diese Kritik auch beim zweiten Band dieser Serie genau so stehen lassen. Auch „Die Feuerpriesterin“ bewegt sich nur behäbig voran und ist im direkten Vergleich zum Vorgängerbuch sogar noch eine Nummer schwächer ausgefallen, was vor allem daran liegt, dass die im Buch auftretenden Charaktere noch durchschaubarer sind und der Handlung einen großen Teil der Spannung nehmen – sofern diese überhaupt mal im erwünschten Maße zum Vorschein kommt …
_Story_
Ajana hat mit Hilfe ihres Runenamuletts das Land Nymath gerettet und die Nebel wiederbelebt, bleibt aber dennoch in Aufruhr, weil Vhara, die Dienerin des Dunklen Gottes, dies nicht ungesühnt lassen möchte. Erfüllt von einem ungeheuren Rachedurst, schwört sie, die Nebelsängerin ein für allemal zu zerstören, und mit ihr gleich auch die von ihr geschiedenen Uzoma, mit denen sie nach der Niederlage nicht mehr zusammenarbeiten kann. Dazu sind ihr alle Mittel recht, und so beginnt sie mit ihrem Feldzug samt ihrer Feuerwesen, die in Windeseile das halbe Land in Flammen aufgehen lassen.
Die neutral erscheinenden Uzoma hingegen sind zunächst gar nicht in der Lage, sich gegen die Feuerpriesterin zu stellen, geschweige denn überhaupt irgendetwas auszurichten. Nach dem Kampf sind sie in den Nebeln gefangen und drohen zu erfrieren und zu verhungern. Dann treten jedoch plötzlich die Vaughn auf und bieten ihnen ihre Hilfe an. Zusammen mit drei Fürsten der Vereinigten Stämme sollen sie an einer Versammlung teilnehmen, die den Frieden für Nymath garantieren und die Auslöschung des Bösen einleiten soll.
Doch die gnadenlose Vhara durchkreuzt diese Pläne, und bevor das geplante Tribunal stattfinden kann, legt sie die gesamte Region in Schutt und Asche. Überall sind ihre Feuerwesen aktiv und verbrennen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Ajana tritt ihr schließlich entgegen und macht sich auf, um die Feuerpriesterin mit weiteren Abgeordneten der Stämme zu bekämpfen. Doch dies soll nicht das einzige Problem der Nebelsängerin bleiben: Auch der Dunkle Gott ist wieder aktiv und bedroht Nymath in Abwesenheit der übrigen schlafenden Götter …
_Meine Meinung:_
Wenn man den ersten Band von „Das Erbe der Runen“ bereits gelesen hat – was übrigens nicht dringend erforderlich ist, um in die Geschichte hineinzukommen – wird man sich bereits nach diesem kurzen Überblick vorstellen könne, wie die Erzählung zu Ende gehen wird. Das ist nunmal die große Schwäche, von der auch der zweite Roman aus diesem Zyklus nicht verschont bleibt. Hinzu kommt, dass sich Monika Felten bisweilen auch zu oft an irgendwelchen Belanglosigkeiten aufhält. Es geschehen zwischendurch viele Dinge, die den eigentlichen Plot im Grunde genommen gar nicht voranbringen und lediglich zur Kenntnis genommen werden. So sterben in der ersten Hälfte zum Beispiel einige zunächst wichtig erscheinende Charaktere, die dies aber in letzter Konsequenz dann doch nicht sind. Und da hätten wir direkt auch eine weitere Mangelerscheinung: Die Geschichte kommt einfach nicht so richtig voran. Trotz der Vielzahl der Ereignisse stockt der Hauptstrang immer wieder, und als sich dann endlich eine Art Steigerung ausmachen lässt, ist das Buch auch schon wieder zu Ende, was bei mehr als 500 Seiten ja schon fast Bände spricht. Und ausgerechnet die in Band 1 noch gelobte Stärke, der Erzählstil der Autorin, wird ihr hier zum Verhängnis. Sie verschiebt manchmal die Prioritäten recht ungünstig und hält sich zu lange an Beschreibungen von nicht wirklich interessanten Einzelheiten auf und verschenkt so wichtigen Raum, der ihr zum Ende hin dann fehlt. Selbst der Versuch, durch die Erwähnung einiger nebulöser Personen, die dann später eingeführt werden, Spannung zu erzeugen, schlägt letztendlich fehl, weil das beschriebene Mysterium weitaus unspektakulärer ist, als es hier angedeutet wird.
Zumindest unterlaufen Felten in diesem Werk keine logischen Fehler; alles bleibt schön nachvollziehbar – kein Wunder bei den teilweise sehr ausgiebigen Schilderungen – und wenn man an einen Fantasy-Roman keine großen Ansprüche stellt, wird man hier auch relativ schnell zufrieden sein. Doch beim nach wie vor reichhaltigen Angebot an phantastischer Literatur wird es die preisgekrönte Autorin mit diesem Werk, und letztendlich auch mit dem gesamten Zyklus, schwer haben, vor den kritischen Augen der Leser zu bestehen.
Mein Fazit möchte ich dennoch diplomatisch formulieren: Wer den Zyklus „Das Erbe der Runen“ einmal begonnen hat, und wem die Materie bis dahin gefallen hat, sollte auch „Die Feuerpriesterin“ lesen. Neueinsteigern sei hingegen empfohlen, sich anderweitig umzusehen, denn der Markt gibt weitaus spannenderes Material her als diese Serie. Vielleicht kann mich ja der dritte Band „Der Schrei des Falken“ von Osanna Vaughn am Ende doch noch positiv stimmen, aber nach einem gerade mal ordentlichen und einen recht durchschnittlichen Buch mache ich mir da momentan keine großen Hoffnungen – und bei einem Preis von ca. 20 Euro reicht dann auch die schöne (leider aber sehr kurze) Audio-CD mit Liedern der jungen deutschen Sängerin Anna Kristina als Entschädigung nicht mehr aus …
Nach einem Jahr der Parallexistenz dreier Jahrbücher zur SF kann man deutlich die Trennungslinien zwischen den dreien ausmachen. Wo |Heyne| den Rundumschlag in Sachen SF praktiziert, wobei es jedes Mal einen thematischen Schwerpunkt gibt, und das |ALIEN CONTACT|-Jahrbuch die „Heft“-Inhalte des letzten Jahres mit Schwerpunkt auf Unterhaltung beinhaltet, also deutlichem Primärtextanteil, scheint sich das |Shayol|-SF-Jahrbuch auf die Gesamt- und Überblicksdarstellung der deutsch-sprachigen und ausgewählter Aspekte der internationalen SF zu spezialisieren; ergänzt durch die sehr ausführliche und gediegene Bibliografie.
Die Bibliografie empfand ich im letzten Jahr als nicht so bedeutend, aber diesmal muss ich gestehen, machte sie mir großen Spaß. Es ist ja tatsächlich so, dass man auch als versierter, interessierter und suchender SF-&-Phantastik-Fan kaum noch den Überblick bewahren kann. Die SF wird zunehmend in deutsch-sprachigen Ländern zum Tummelplatz der Klein-, SmallPress- und semiprofessionellen Verlage, ganz zu Schweigen vom Internet und |books on demand|. Hier findet man also eine auf Vollständigkeit getrimmte Übersicht. Das geht so weit, dass Erzählungsbände auf vereinzelte SF- oder artverwandte Storys hin untersucht werden.
Im Einzelnen bedeutet dies: Die beiden (Haupt-)Herausgeber empfanden das vergangene Jahr als Jahr der SF-Erzählung. Wobei sie auch auf die relativ zahlreichen fannischen Buchproduktionen eingingen. Diese gingen oft aus Schreibolympiaden etc. hervor. Da wurde kein Blatt vor den Mund genommen und auch darauf hingewiesen, dass viele Schreibversuche als solche erkennbar sind.
Zwei Artikel widmen sich den Neuerscheinungen in den USA 2004; einmal von einem US-amerikanischen Autor, zum anderen von Hannes Riffel. Beide sind sicher recht subjektiv und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; aber sie geben interessante Einblicke und Kauf- und Leseanregungen – für die Zukunft (so man des Englischen nicht mächtig genug ist). Da kommt einiges auf uns zu!
Das kann man von den anderen Ländern, die hier vorgestellt werden, sicher nicht behaupten. Dabei hätten sie es verdient! Gerade, was so in Polen und Russland vor sich geht, erscheint mitunter sehr interessant. Leider wird da sicher nicht viel ‚rüberwachsen. Vielleicht ja die Bücher zu dem in unseren Kinos laufenden russischen Mysterythriller. Die Bücher zu „Night Watch“ von Sergej Lukjanenkow müssen in Russland ziemlich abgeräumt haben. Ob man da hoffen kann, dass außer dem Auftakt auch die Folgebände ins Deutsche übersetzt werden? Aber wer weiß, ob dies tatsächlich eine Bereicherung darstellen würde, schließlich werden die Filme bei uns auch deshalb gezeigt, weil sie sich an die Machart ihrer Brüder im Geiste aus Hollywood annähern. Bei den Büchern vermute ich dasselbe. Aber besser als nichts. Dabei zeigt der Artikel, dass es im vergangen Jahr tatsächlich einige sehr vielversprechende Veröffentlichungen gab.
Ebenso in Polen; in Griechenland und Bulgarien aus meiner Sicht eher nicht. Die Artikel lesen sich schon ziemlich esoterisch; was es so alles gibt … Auch die Niederlande erschienen mir nicht so sehr interessant. Aber das mag Geschmackssache sein, wichtig ist es auf alle Fälle, mal zu sehen, was da so geschieht.
Bei der Häufung der Länderdarstellungen schleicht sich Routine, wenn nicht gar etwas Langeweile ein. Mehr ist tatsächlich nicht nötig, aber bitte, liebe |Shayol|-Leute, behaltet dies bei!
Die „Länderartikel“ sind allerdings auch mehr als nur Rückschauen auf 2004; sie holen meist weiter aus und zeigen die Entwicklung der SF in dem jeweiligen Land, insbesondere in jenen, von denen man ansonsten ohnehin nie viel mitbekommt.
Insgesamt zeichnen sich die Essays durch einen hohen Grad an Individualität aus; es sind oft sehr persönliche Sichtweisen, auch auf die SF-Serien in der BRD: Perry Rhodan, Bad Earth, oder der von Franz Rottensteiner, die ich wie im letzten Jahr mit großen Vergnügen las! Sein altes Motto: „Wider die verderbliche Schundliteratur!“ kommt hier immer wieder zum Ausdruck.
Gerd Frey hat wie im |Heyne|-SF-Jahrbuch wieder die wichtigsten SF-Spiele vorgestellt. Da mich das Gebiet nicht so sehr interessiert, weiß ich nicht, worin sich die beiden Artikel nun unterscheiden.
Dazu: Filmrückblick, zahlreiche Buchrezensionen, Nachrufe. Alle diese Rubriken findet man natürlich auch im |Heyne|-SF-Jahr. Ob man sich da noch etwas ausdenken könnte, um sich vom Großen Bruder zu unterscheiden? Aber vielleicht ist das auch nicht nötig, man muss sich dann eben nur entscheiden, wem man den Vorzug gibt. Eine solche Entscheidung möchte ich nicht fällen.
In den letzten Jahren haben die australischen Autorinnen unaufhaltsam den deutschen Markt erobert. Nach Sara Douglass und Elisabeth Haydon erscheinen nun auch von Juliet Marillier verstärkt Romane. Schon bei |Knaur| ist eine Trilogie um „Die Tochter der Wälder“ erschienen, in der sie die Zeit des 9 Jh. lebendig werden lässt und ihre keltischen Wurzeln heraufbeschwört.
In ihren neuen Zyklus „Unter dem Nordstern“ entführt sie den Leser in eine frühere Zeit. Im Schottland des 6. Jahrhunderts ringen mehrere gälische und piktische Königreiche um die Macht. In dieser Zeit wird Bridei in Wales geboren, doch seine Eltern geben ihn schon früh in die Obhut des Druiden Broachan, der ihn mit in den fernen Norden nimmt. Von nun an ist das Leben des Kindes von Lernen bestimmt. Dazu gehören nicht nur Lesen, Schreiben und Lehren über die Natur und das Recht, sondern auch handfestere Tugenden wie die Kriegskunst.
Unter den zufriedenen Blicken des alten Druiden und seines Haushaltes entwickelt sich Bridei prächtig. Nur in einem wehrt er sich gegen das Machtwort seines Ziehvaters und der anderen. Er will das zur Wintersonnenwende gefundene Mädchen nicht seinem Schicksal überlassen. Obwohl es kein Mensch zu sein scheint, möchte er die Kleine immer in seiner Nähe wissen und sich um sie kümmern.
So bleibt die kleine Tuala auch im Haushalt des Druiden und widersteht mehreren Versuchen, sie loszuwerden, wenn Bridei nicht da ist und über sie wachen kann. Mit zunehmendem Alter lässt sie sich weniger gefallen, erfährt aber auch von ihrer Herkunft durch zwei geheimnisvolle geflügelte Wesen. Diese machen ihr klar, dass sie ein Kind des Waldes ist – ein Feenmädchen, das den Göttern näher steht als den Menschen.
Als sie fast fünfzehn Jahre alt ist, gibt es jedoch kein Ausweichen mehr. Menschen, die sie früher gemocht haben – so wie ihre Amme, ziehen sich von Tuala zurück, und der Druide verlangt von ihr, dass sie sich nun entweder entschließt, einen Mann zu heiraten, oder aber in die Schule der Weisen Frauen zu gehen.
Das Mädchen hat keine andere Wahl, denn Bridei weilt mittlerweile in einem anderen Haushalt, um dort seine Studien zu vertiefen und eine erste Bewährungsprobe in der Schlacht hinter sich zu bringen. Denn mittlerweile ist er ein Mann und man darf ihm nicht länger vorenthalten, welches Schicksal man ihm zugedacht hat …
Magische Waldwesen, ein Kind, das zwischen den Welten steht und ein auserwählter Junge, der erst noch seine Lehrzeit hinter sich bringen muss – das sind genau genommen die Zutaten fast aller Fantasy-Romane, in denen die mythische Vergangenheit Englands mitsamt den keltischen Wurzeln heraufbeschworen wird.
Da macht auch „Die Königskinder“ keine Ausnahme. Zwar sind Bridei und einige andere Figuren historisch belegte Personen, aber da hört es auch schon auf. Da man im Grunde sehr wenig über die Pikten, ihre Kultur und den Kontrakt/die Vermischung mit anderen Völkern – gerade zu dieser Zeit – weiß, nimmt sich Juliet Marillier die Freiheit, eine Ausbildung zu schildern, die sich überhaupt nicht von denen anderer keltischer Helden unterscheidet.
Da gibt es den weisen Lehrmeister, der seinen Schüler manchmal auch recht despotisch in die Schranken weist, den jungen und allzu klugen Helden, der zu viel zu oft hinterfragt, und das geheimnisvolle Mädchen, das seinen mystischen Weg erst noch entdecken muss und irgendwie doch zu seiner Gefährtin bestimmt ist.
Etwa die Hälfte des Buches wendet Juliet Marillier für die Kindheit von Bridei und Tuala auf, erst dann wird es spannender, als beide ihre eigentlichen Wurzeln entdecken und feststellen müssen, dass sie auch Feinde haben, die ihnen ans Leben oder sie grob voneinander trennen wollen. Es geht dabei sehr gefühlvoll zu – Bridei kommt lange nicht darüber hinweg, dass ein väterlicher Freund den für ihn bestimmten Becher mit Gift getrunken hat.
„Die Königskinder“ dürfte vor allem Lesern gefallen, die von gefühlvollen keltischen Helden und einer scheinbar magischen Liebesgeschichte nicht genug bekommen können und denen es auch nicht wichtig ist, dass die eigentliche Handlung kaum Geheimnisse birgt und eher flach dahinplätschert.
Alle anderen Leser dürften sich mehr oder weniger durch den zähen Roman mit seinen erheblichen Längen, altvertrauten Klischees und flachen Charakteren quälen und ihn vielleicht noch vor dem Ende genervt beiseite legen.
Band 18: [Spur ins Parakon 1951
Band 19: [Tabu-Planet 1966
Band 20: [Die Anachronisten 1967
Nach dem letzten Band hat sich die Spannung des |Parakon|-Zyklus immer näher zu einem Höhepunkt bewegt, der nun mit „Gefrorene Zeit“ wieder langsam abklingt. Im vierten und finalen Buch dieser Serie innerhalb der „Titan“-Reihe wird die gesamte Geschichte aufgelöst, jedoch weitaus schneller, als das so manchem Leser lieb sein mag. Margret Schwekendiek, die hier alleine verantwortlich zeichnet, lässt die Erzählung zum Schluss hin in sich zuammenbrechen und klärt die wichtigsten Ereignisse innerhalb von wenigen Seiten auf. Die gesamte Spannung, die man über immerhin drei Bücher aufgebaut hat, wird mit einem Schlag weggefegt, und irgendwie ärgert man sich darüber auch ein wenig, denn schließlich haben die Autoren auch vorher nie mit genauen Beschreibungen gegeizt und die Geschichte durchgehend schön ausgeschmückt. Dies ist hier allerdings nicht der Fall; im Gegenteil, ständig werden Szenarien aus der Vergangenheit neu zitiert, was für diejenigen, die erst mit diesem Band einsteigen, sicherlich auch willkommen ist. Aber man darf insgeheim ja schon erwarten, dass alle Leser sich dem Zyklus von Anfang an widmen, und genau diese müssen jetzt nicht erneut vorgekaut bekommen, was sich auf dem Planeten T’earr zugetragen hat, oder warum Eleni Demetrios nun in der Krankenstation der Asteroidenwerft liegt. Und das sind nur einige der Fakten, die man hier neu aufgesetzt bekommt …
_Story_
Die Besatzung der TITAN hat sämtliche Systeme auf dem Planeten T’earr mit Hilfe der Antitronik lahmgelegt, um so auch sicherzustellen, dass man auf der Flucht von diesem seltsamen Ort nicht erneut verfolgt und angegriffen wird. Für die T’earron hat dies entsetzliche Folgen: Die gesamte Kontrolle über den Planeten geht verloren und in Windeseile bricht in der sonst so geordneten Welt die Anarchie aus. Weil die stellaren Impulse nun auch nicht mehr empfangen werden können, besteht für die Rasse der T’earron die Gefahr, völlig ausgelöscht zu werden. Doch ein Regierungsmitglied hat für den Ernstfall vorgesorgt und entsendet als letzten Rettungsanker ein verstecktes Schiff, das nicht in den Sog der Antitronik geraten ist, um die Menschen an Bord der |TITAN| um Hilfe zu bitten. Doch die trauen dem Braten nicht ganz, zumal die Besatzung des entsandten Schiffes sich bei der Kontaktaufnahme nicht besonders klug anstellt und versehentlich auf das Schiff der Menschen schießt …
Währenddessen sucht die Spezialeinsatztruppe der Space Police, die Pioneers, weiterhin nach einer Spur der Entführer von Amos Carter. Man hat mittlerweile herausgefunden, wer genau hinter den Anschlägen steckt, und so weiß man auch, dass die Entführer absolut keine Skrupel haben und nicht davor zurückschrecken würden, den Vorsitzenden der CRC auf der Stelle zu töten. Schließlich entdeckt man das feindliche Schiff in den Ringen des Saturn, verliert es aber ständig wieder aus den Augen und plant deshalb, den Entführern bei ihrer Rückkehr zur Asteroidenwerft eine Falle zu stellen. Als Sicherheitschef Thomas Chiavelli dann aber über Funk ein Bild des bereits furchtbar entstellten Carter gesendet bekommt, überschlagen sich die Ereignisse, und die Vorbereitungen für einen Hinterhalt laufen auf Hochtouren …
_Meine Meinung_
Bewegt man sich in der ersten Hälfte des Buches noch vornehmlich auf dem bekannt hohen Niveau – selbst wenn die mehrfachen Rückblenden irgendwann zu stören beginnen – kann es der Autorin später gar nicht schnell genug gehen. Zwischenzeitlich wird man den Eindruck nicht los, als wollte Margret Schwekendiek die Sache endlich zu Ende bringen und keine neuen Gedanken mehr spinnen und verfolgen. Ein sehr gutes Beispiel ist der Zwist zwischen der Besatzung der |TITAN| und den T’earron. Enorm ausschweifend wurde im Voraus die Geschichte dieses Volkes mit all ihren Besonderheiten erzählt, und auch die anarchischen Zustände, die auf dem Planeten T’earr vorherrschen, kommen in „Gefrorene Zeit“ noch sehr gut herüber. Doch dann wird in der Kürze der noch verbleibenden Zeit zügig heruntergerasselt, dass das Volk Hilfe braucht, die |TITAN| trotz aller Bedenken zur Rettung eilt und das war’s dann.
Ein anderes Beispiel ist die Entführung von Amos Carter: So zügig, wie dieser Teil der Handlung auf den letzten Seiten aufgelöst wird, kann die Spannung kaum abflachen. Den Leser hätten hier sicherlich noch einige Einzelheiten mehr interessiert, doch die kann Schwekendiek nicht liefern. Im Grunde genommen wäre hier vorher noch genügend Potenzial für zwei Bände dagewesen, aber man hat sich dann schließlich entschieden, alles in einem zu bündeln. Das hätte ganz bestimmt auch noch irgendwie anständig funktionieren können, jedoch hätte man dann von den vielen Rückblicken auf die vergangene Geschichte absehen sollen, denn die davon betroffenen Tatsachen sind dem Leser zu diesem Zeitpunkt schon allesamt bekannt gewesen.
„Gefrorene Zeit“ ist deswegen zwar immer noch kein schlechtes Buch, aber als Abschluss eines so guten Zyklus hätte man sich eine etwas umfassendere Darstellung und eine breiter gefächerte Auflösung der Story gewünscht. Ich kann meine Enttäuschung jedenfalls nicht verbergen und finde es irgendwie schade, dass man zum Ende die Lektüre nicht in gebührendem Maße abschließen kann. Wer die Serie aber bis hierhin verfolgt hat, muss natürlich auch dieses Buch lesen – trotz aller Kritik.
Und trotz aller Kritik freue ich mich jetzt auch schon auf den neuen Zyklus, bei dem sich die „Titan-Sternenabenteur“ in den Bereich Social-Fiction bewegen werden. Mehr dazu demnächst in der Rezension zu „Todesanzeigen“, dem Folgeband.
Die Hüterin Claire Hansen hat die Aufgabe, die strukturelle Integrität der Barriere zwischen der Welt und der metaphysischen Energie, die sie umgibt, zu bewahren. Dazu kann sie hinter diese Barriere greifen und sich der vorhandenen Möglichkeiten bedienen. Kurz gesagt, sie flickt mit Magie die Hülle des Universums, damit nichts Böses eindringen kann. Zunächst bestand das kosmische Reparaturteam nur aus Claire und ihrem etwas älterem Kater Austin, nachdem Claire jedoch bei ihrer letzten Unfallstelle im Hotel Elysium den Zuschauer Dean McIsaac kennen gelernt hat, ziehen sie nun zu dritt durch Kanada und flicken einen Riss nach dem anderen.
Das Leben könnte so schön sein, gäbe es da nicht Claires kleine Schwester Diana, die über zu viel Macht und zu wenig Verantwortungsgefühl verfügt. Die zukünftige Hüterin handelt ständig äußerst unüberlegt und beschwört damit die größten Katastrophen herauf. Nicht zuletzt war es ja auch Diana, die die böse Hüterin im Hotel Elysium aus ihrem Schlaf weckte und dadurch beinahe alle Macht der Hölle auf die Welt losgelassen hätte. So geht ihr auch dieses Mal ein gut gemeinter Zauber gründlich schief. Aus Versehen fängt sie die Kraft der Liebe zwischen Dean und Claire ein, als diese sich nach einem schlimmen Streit versöhnen. Diese manifestiert sich als Engel, leider jedoch ohne Botschaft und ohne Ziel; so kann er nicht wieder zurückkehren und wandert ziellos durchs Land auf der Suche nach einer zu verkündenden Botschaft oder Aufgabe.
An sich wäre ein Engel auf Erden ja nichts Schlechtes, doch leider erlaubt seine verlängerte Anwesenheit den Mächten der Hölle, einen Dämon auf die Erde zu schicken, der durch die alles überstrahlende Gegenwart des Engels von den Hütern nicht bemerkt werden kann. Während der Engel Samuel sich durch die Sehnsüchte eines sechzehnjährigen Mädchens und die Ängste ihres überfürsorglichen Vaters nicht als geschlechtsloser Rauscheengel, sondern als ein mit Genitalien versehener Teenager mit dem Aussehen eines Boybandmitglieds manifestierte, findet sich der Dämon Byleth plötzlich mit dem voll ausgestatteten Körper eines pubertierenden Mädchens auf Erden wieder. Für beide ist dieser Zustand äußerst ungewohnt und mehr als hinderlich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. So versucht Samuel natürlich, den Menschen zu helfen, wird jedoch durch seine nicht gerade heilige Gestalt ständig missverstanden. Byleth hingegen weiß zwar ganz genau, was ihre Aufgabe ist, nämlich so viel Unheil anzurichten wie nur möglich, wird aber durch ihre menschliche Form daran gehindert, Magie einzusetzen. Natürlich versucht sie so bösartig wie nur menschenmöglich zu sein, verhält sich dabei aber nur wie ein typischer Teenager.
Durch einen Zufall stolpert Claire über den Riss, durch den die Dämonin die Erde betreten hat, und entdeckt dabei Spuren ihrer Anwesenheit. Um sie aufspüren zu können, müssen Claire, Dean und Austin zunächst alles dafür tun, den Engel zu finden und zurückzuschicken. Und zwar schnell, bevor der Dämon zu viel Schaden anrichten kann. Leider hat das Trio die Rechnung ohne Claires vorwitzige Schwester Diana gemacht, die es mal wieder nicht lassen kann, sich einzumischen.
„Auf Teufel komm raus“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Chronik der Hüter“, die aber durchaus für sich alleine gelesen werden kann. Erneut findet man sich in einer absurden Welt voller sprechender Katzen, fluchender Gartenzwerge und göttlichen bzw. höllischen Wesen mit pubertären Problemen wieder. Die Handlung spielt anders als im „Hotel Elysium“ nicht mehr nur an einem Ort, sondern führt mit viel Witz und Tempo quer durch Kanada auf der Suche nach dem Engel und dem Dämon. Äußerst amüsant sind vor allem die Begegnungen der beiden „Besucher“ mit den nichts ahnenden Zuschauern. Die Auflösung der spannenden Geschichte kommt überraschend, denn wer hätte gedacht, dass ein Engel wie eine Katze ist – nur eben anders.
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