Dulac, der Ritter vom See, lebt ein friedliches Leben an den Gewässern seiner Umgebung. Erst als der alte Gwendap nach langer Reise zurückkehrt, soll sich dies ändern, denn er hat beschlossen, dem Jüngling Dulac den letzten Feinschliff in der Ausbildung zum Ritter zu verpassen. Dulac ist wissbegierig und lernt schnell, so dass der Reise zu König Arthur und der Aufnahme in die Tafelrunde nichts mehr im Wege steht. Doch auf der Reise dorthin muss Dulac erst noch einige Abenteuer bestehen und entdeckt nach einem harten Kampf in einer Drachenhöhle auf einem Grabstein eine uralte Prophezeiung, der zufolge er der Königssohn Lanzelot ist, der eines Tages die edle Elaine ehelichen soll. Dulac alias Lanzelot ist von der Offenbarung verblüfft, macht sich jedoch daran, sie zu verwirklichen. Nachdem er am Königshof zum Ritter geschlagen wurde, begibt er sich auf die Suche nach Elaine, um sein Schicksal zu besiegeln.
Erzähler – Hns Paetsch
Becky – Regine Lamster
Tom Sawyer – Florian Kühne
Huckleberry Finn – Wolf Schenke
Indianer-Joe – Horst Fleck
Der Alte – Heinz Fabian
Walliser – Walter Petersen
Mrs. Douglas – Heike Kintzel
Volksmenge, Jungen und Mädchen
_Story_
Nachdem Indianer-Joe als Mörder entlarvt wurde, jedoch noch vor Gericht die Flucht angetreten hat, lebt Tom Sawyer in steter Angst, wohl wissend, dass der Verbrecher Tom wegen seiner Aussage noch belangen möchte. Unterdessen suchen Huckleberry Finn und Tom nach einem geheimnisvollen Schatz, den auch der berüchtigte Indianer entdeckt hat. Auch Becky hat sich den beiden Jungs angeschlossen und befindet sich gemeinsam mit Tom mitten im Schatz-Labyrinth, als Indianer-Joe und sein Helfershelfer den Schatz bergen wollen. Als den beiden Ganoven die frischen Spuren im Versteck auffallen, werden sie misstrauisch und wissen nun, dass sie nicht die Einzigen sind, die von dem Schatz wissen. Von nun an ist Tom gleicht doppelt in der Klemme: Zum einen hat Indianer-Joe seine Rachepläne noch nicht vergessen, und zum anderen ist Tom dem Schurken in der Enge des Labyrinths schutzlos ausgeliefert. Nun liegt es an Huckleberry, der außerhalb des Eingangs Wache schiebt, Tom aus seiner misslichen Lage zu befreien und Indianer-Joe ein für allemal das Handwerk zu legen.
_Meine Meinung_
Im zweiten Teil der Geschichte befinden sich die beiden Jugendlichen mit einem Mal in großer Gefahr. Keiner von ihnen hätte gedacht, dass Indianer-Joe sich dem Richterspruch entziehen könnte, und somit bereut vor allem der junge Sawyer, sich öffentlich gegen den offenkundigen Mörder gestellt zu haben. Es ist an ihm, aus der Stadt zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen, doch seine Liebe zu Becky lässt ihn nicht weiter über diesen Plan nachdenken.
So werfen sich Tom und Huck direkt ins nächste Abenteuer und entdecken dabei einen wertvollen Schatz.
Doch sie sind erneut nicht allein, denn wiederum kommt ihnen der fiese Indianer-Joe in die Quere und offenbart in ihrem verborgenen Beisein die Rachepläne an Tom und der Douglas-Witwe. Erschrocken von der kompromisslosen Art des Verbrechers, überlegt Sawyer weiter, ob es nicht besser wäre, vor dem ausstehenden Anschlag zu fliehen, doch wiederum ist es Becky, die ihn unbewusst zurückhält. Ihre Anwesenheit ermutigt ihn, sich der Konfrontation zu stellen und selbst unliebsame Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Die junge Miss Thatcher, die Tochter des Richters, weiß aber noch nicht, auf welch gefährliches Spiel sie sich einlässt, als sie Tom erneut in das finstere Labyrinth folgt, und gerät unschuldig in eine Falle, bei der nichts sicherer als der Tod zu sein scheint – schließlich macht der gemeine Joe keine halben Sachen.
Tatsächlich ist die zweite Episode des 1967 eingespielten Hörspiels von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ (mit dem Untertitel „… auf gefährlicher Entdeckungsfahrt“) noch einmal eine Steigerung zur bereits durchweg überzeugenden ersten Folge. Prinzipiell sind die Unterschiede dabei nur minimal und konzentrieren sich vorwiegend auf den erhöhten Spannungsanteil, der in diesem Fall von der erheblich gefährlicheren Ausgangslage herrührt. Nun nämlich weiß Indianer-Joe von den beiden herumstreunenden Jungen und ist bereit, Tom Sawyer trotz seiner Jugend ohne jegliche Gewissensbisse auszulöschen. Und da weiß er noch nicht, dass der Knabe auch dieses Mal wieder in seinen Plänen herumpfuscht. So entwickelt sich nach und nach ein spannendes Abenteuerdrama mit einigen überraschenden Wendepunkten, einer prima inszenierten Handlung und gut aufgelegten Sprechern, bei denen vor allem die Rollen der beiden Jungen gut besetzt sind.
Schön ist auch der stringente Aufbau. Das Erzähltempo wurde noch einmal gehörig gesteigert, und dennoch bleibt genügend Raum für mehrere parallel laufende Handlungsstränge, die wiederum für ein Mehr an Spannung bürgen. Letztendlich ist Claudius Brac mit diesem kurzweiligen Hörspiel eine sehr schöne Adaption von Mark Twains weltberühmter Romanvorlage geglückt, die meines Erachtens ebenfalls zu den Highlights der „Europa-Originale“-Reihe zu zählen ist.
Erzähler – Hans Paetsch
Mr. Penncroff, Seemann – Rainer Brönneke
Mr. Smith, Ingenieur – Gerd Martienzen
Mr. Spilett, Reporter – Gernot Endemann
Nab – Joachim Grützner
Harbert – Michael Borgmann
Kapitän Nemo – Horst Frank
_Story_
Fünf Nordstaatler fliehen mit einem Ballon aus der Kriegsgefangenschaft in Richmond und schaffen es tatsächlich, den hartnäckigen Wächtern zu entkommen. Nach einer beschwerlichen Reise über den Ozean landen sie auf einer Insel in der Südsee, jedoch ohne ihren Ingenieur Mr. Smith, der schon vor dem Absturz des Ballons verschwunden ist. Nach drei Tagen entdecken sie ihn und seinen Hund schließlich und suchen nun gemeinsam nach Möglichkeiten, ihr Überleben auf der Insel zu sichern. Doch von Stunde zu Stunde häufen sich die Merkwürdigkeiten, die das Quintett durchlebt. So entdecken sie auf offenem Meer eine Kiste mit nützlichen Gegenstände und finden in einem erlegten Tier eine Schrotkugel – und dies, obwohl niemand die Insel zu bewohnen scheint. Als schließlich aus heiterem Himmel ein Piratenschiff auftaucht und angreift und anscheinend durch Fremdeinwirkung auch wieder versenkt wird, sind sich die fünf sicher, dass sich eine geheime Macht auf der Insel verbirgt. Und tatsächlich begegnen sie eines Tages einem Mann, der trotz großartiger Errungenschaften schon beinahe in Vergessenheit geraten wäre …
_Meine Meinung_
Vielleicht bin ich nun ein Literaturbanause, doch mir war die Geschichte um „Die geheimnisvolle Insel“ von Jules Verne selbst als wiederholtem Leser von „20.000 Meilen unter den Meeren“ bislang nicht bekannt – und dabei handelt es sich hierbei gewissermaßen um eine inoffizielle Fortsetzung samt einem tragenden Charakter des weltberühmten Stücks. Damit habe ich nun auch schon gewisse inhaltliche Eckpunkte vorweggenommen, die jedoch auch schon aus der Besetzungsliste hervorgehen sollten. Um es kurz zu fassen: In „Die geheimnisvolle Insel“ begegnet man erneut dem eigensinnigen Kapitän Nemo, allerdings in recht hohem Alter und kurz vor dem Tode. Er ist mit seinem Unterseeboot im Vulkankrater der Insel eingeschlossen und seit ewigen Jahren nicht mehr in der Lage, die Insel zu verlassen. Immer wieder hat er Mitglieder seiner Besatzung verloren, bis er schließlich zum einzig Verbliebenen wurde.
Dies ist in gewissem Sinne – je nachdem, wie man es nimmt – nur die Rahmenhandlung von „Die geheimnisvolle Insel“. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen nämlich eigentlich die fünf Nordstaatler, die mit recht unkonventionellen Mitteln aus der Gefangenschaft fliehen und auf der unbewohnten Insel eine bis dahin schon lange nicht mehr erlebte Freiheit genießen. Unter ihnen sind neben dem Jüngling Harbert auch einige seltsame Gestalten wie etwa der erfahrene Mr. Penncroff oder der stets rationell denkende Mr. Smith, aber auch der Handlanger des Ingenieurs, Nab, der seinem Meister treu ergeben ist und ihn nach seiner Vermisstenmeldung als Einziger noch nicht aufgibt. Dieser erlesene Haufen ist nun zwar frei, aber komplett auf sich alleine gestellt. Es ist nicht der Traum von der Südseeinel, der sie beflügelt, sondern die Hoffnung, über diese Zwischenstation einen Ort zu finden, an dem sie wieder glücklich und in Frieden leben können. Sie suchen quasi nach einem Ort der Geborgenheit, der im Gegensatz zu Nemos damaligen Bestrebungen nicht in der Abgeschiedenheit des Ozeans zu suchen ist.
Erst mit dem Aufeinandertreffen mit Nemo fügen sich die beiden Geschichten zusammen und stellen eine bis dato niemals vermutete Verbindung auf, die der Story eine ganz andere Tragweite verleiht. Aus der Abenteuerhandlung, die zunächst durch die Suche nach Nahrung und die Verteidigung gegen die Piratengegner geprägt war, wird mit einem Mal ein bewegendes, menschliches Drama, in dem selbst der einst so abscheulich erscheinende Kapitän Nemo das Herz des Lesers bzw. in diesem Fall des Hörers gewinnt.
Die Adaption von Vernes Geschichte aus dem Jahre 1977 ist dabei ein echtes Highlight der Label-Historie und (auch wenn ich dies schon öfter geschrieben habe) eine der besten Erzählungen im Zuge der neu aufgelegten Klassiker von |Europa|. Das Hörspiel ist äußert lebhaft inszeniert und bietet die vielleicht sogar größte Spannung aller „Originale“. Dies ist zum einen sicherlich auf die mir bislang unbekannte Handlung zurückzuführen, definitiv aber auch auf die tolle Bearbeitung samt den stark agierenden Sprecher (unter ihnen auch einmal mehr Hans Paetsch als Erzähler). Selbst die Tragödie um den vom Schicksal geplagten Nemo ist prima aufgefangen worden und frei von jeglichen typischen Klischees. So macht ein Hörspiel wirklich Spaß!
Deshalb gibt es dieser Kritik auch nicht mehr hinzuzufügen außer dem Fakt, dass das Hörspiel mich echt begeistert hat. „Die geheimnisvolle Insel“ wird der alleine schon durch den Autor hervorgerufenen Erwartungshaltung in jeglicher Beziehung gerecht und ist wegen des hohen Maßes an Spannung absolut zu empfehlen.
Erzähler – Hans Paetsch
Bob – Jürgen Strube
Hobble-Frank – Immo Kronenberg
Bloody Fox – Christian Rohde
Helmers – Herbert A. E. Böhme
Tobias Preisegott Burton – Siegmar Schneider
1. ‚Llano-Geier‘ – Joachim Rake
2. ‚Llano-Geier‘ – Rudolf H. Herget
Jemmy – Horst Beck
Davy – Malte Petzel
Eisenherz – Gunther Beth
Old Shatterhand – Karl-Heinz Heß
Sanna – Marga Maasberg
Auswanderer – Herbert Tiede
_Story_
Im Tal des Llano Estacado herrscht der Legende nach ein Geist, dem in den letzten Jahren schon einige Menschen zum Opfer gefallen sind. Als erneut ein Auswanderertreck dort eingezogen ist, werden die Männer auf Helmers Home skeptisch; Old Shatterhand, Bloody Fox und Hobble-Frank befürchten, dass die berüchtigten Llano-Geier einmal mehr einen solchen Treck irreführen wollen, und gehen der Sache auf den Grund.
Etwa zur gleichen Zeit taucht der Mormonenprediger Tobias Burton auf und wird von den Anwesenden auf Helmers Home auch sofort sehr skeptisch beäugt. Irgendetwas stimmt nicht mit dem nach außen hin so sympathischen Mann. Bloody Fox, der bereits seit einer Ewigkeit den Mörder seiner Eltern sucht, taucht in Llano Estacado auf und begibt sich auf der Suche nach der Wahrheit in größte Gefahr.
_Meine Meinung_
Mit „Unter Geiern“ wird ein weiterer Klassiker von Karl May im Rahmen der „Europa-Originale“ als Hörspiel neu aufgelegt. Zwar hat das Stück nicht den Beliebtheitsgrad der „Winnetou“-Saga, aber es gehört zweifelsohne zu Mays besten Werken. Im Hörspiel werden diese Unterschiede jedoch sehr deutlich bemerkbar, denn irgendwie will hier nie so recht Spannung aufkommen. Der Inhalt wird zwar recht detailgetreu wiedergegeben, aber irgendwie läuft Hörspielregisseurin Dagmar von Kurmin der Handlung ein wenig hinterher. Ständig hat man den Eindruck, dass hier einige Punkte vergessen wurden, die dann doch noch plötzlich einbezogen werden, jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Geschichte wieder längst einen Schritt vorwärts bewegt hat. Bisweilen wird der Inhalt daher auch etwas konfus erzählt, zwar lückenlos, aber irgendwie etwas verworren, so dass man nach einiger Zeit den Überblick verloren hat, wer nun welche Rolle im intriganten Spiel der Llano-Geier betreibt – und das ist bezogen auf den Plot sicher nicht beabsichtigt.
Dazu kommt erschwerend, dass diverse Dinge recht seltsam wirken; so wird ein dunkelhäutiger Charakter beispielsweise in sächsischer Sprache wiedergegeben, was dann doch seltsam und auch eher unfreiwillig komisch wirkt. Ob das nun wirklich so sein musste?
Ansonsten sind die Leistungen der Sprecher der einzige echte Glanzpunkt von „Unter Geiern“, jedoch besteht auch hier das Problem, dass die Stimmen manchmal schwer einzuordnen sind und man in einigen Situationen nicht genau sagen kann, welcher Charakter nun gerade in die Handlung eingreift. Aber dies mag sicherlich auch am Datum der grundsätzlich ganz ordentlichen Aufnahmen liegen. Die Geschichte hingegen hätte etwas besser strukturiert werden müssen, wobei die mal wieder recht kurze Vinyl-Spielzeit von ca. 40 Minuten sicherlich ein Hindernis bei der Umsetzung war. Aber das kann aufgrund der starken Konkurrenz aus eigenen Reihen (sprich dem Gros der übrigen Hörspiele dieser Serie) nicht als Entschuldigung gelten. Mir persönlich hat diese Fassung von „Unter Geiern“ nur bedingt gut gefallen. Ein etwas spannungsarmer, nicht wirklich harmonischer Aufbau, dazu eine letztendlich zu stark gestraffte Version des Originals und die zuletzt häufiger aufkeimende Langeweile trüben den Spaß am Hören ungemein und machen „Unter Geiern“ zu einer der schwächeren Episoden der „Europa-Originale“. In diesem Fall würde ich das Buch letztlich vorziehen.
Erzähler – Hans Paetsch
Ali Baba – Benno Gellenbeck
Kasim – Gottfried Lackmann
Räuberhauptmann – Jürgen Pooch
Morgiane – Karin Heine
Kundschafter – Michael Stobbe
Baba Mustafa – Gottfried Lackmann
3. Räuber – Sven H. Mahler
1816 schleuderte ein Vulkanausbruch seine Asche in die Atmosphäre und kühlte das Klima deutlich ab, weshalb, so verrät uns der Prolog dieses nostalgischen Zweiteilers, bis in den Hochsommer hinein Schnee fiel. Während dieser finstren Zeit saßen unter anderem Lord Byron und die 19-jährige Mary Shelley beisammen und gruselten sich zu einem Band alter deutscher Geistergeschichten. Es wurde der Beschluss gefasst, Ähnliches zu vollbringen, aber nur Mary Shelley brachte ihr Werk zu Ende: „Frankenstein oder: Der moderne Prometheus“.
Winnetou – Konrad Halver
Old Shatterhand – Michael Poelchau
Sam Hawkins – Horst Beck
Pida – Hans König
Tangua – Josef Dahmen
Mr. Henry – Konrad Mayerhoff
Harry – Heiner Jahncke
Forster – Rolf Jahncker
Arbeiter – Albert Johannes
Parranoh – Curt Timm
Schwarze Feder – Rudolf Fenner
Colonel – Horst Stark
Old Firehand – Benno Gellenbeck
Rollins – Michael Weckler
Santer – Peter Folken
Regie: Konrad Halver
_Story_
Nach dem Mord an seiner Schwester schwört Winnetou dem fiesen Santer Rache und Vergeltung. Gemeinsam mit Old Shatterhand macht er sich auf die Jagd nach dem Mörder und findet auch schon bald eine heiße Spur. Auch Old Firehand, einer der bekanntesten Krieger des gesamten Westens, schließt sich dem Apachen an. Doch ihre Mission endet zunächst unglücklich; Winnetou und Old Shatterhand geraten in einen Hinterhalt und spüren plötzlich auch die Bedrohung, die von Santer ausgeht. Und außerdem taucht auch noch sein alter Gegenspieler Parranoh auf, der einst Winnetous Geliebte und Old Firehands spätere Frau getötet hat. Wird das neue Dreigespann die kompromisslosen Bleichgesichter bezwingen können?
_Meine Meinung_
Das auch ursprünglich zweigeteilte Hörspiel zu Karl Mays Fortsetzung der beliebten „Winnetou“-Saga setzt genau dort an, wo die vorherige Geschichte abgeschlossen wurde. Direkt nach dem Tod von Winnetous Schwester Nscho-tschi jagt der Apachenhäuptling den hinterhältigen Mörder. Währenddessen sucht sein Kumpan Old Shatterhand den Stamm der Kaiowas auf, um den dort gefangenen Sam Hawkins zu befreien. Hierzu nimmt er den Häuptlingssohn Pida in Gefangenschaft und schließt einen Deal mit dem Stammesführer Tangua, der den Forderungen Old Shatterhands ausweglos stattgeben muss. Anschließend siedelt der Held kurzzeitig nach Europa über, kehrt aber schon bald wieder nach St. Louis zurück, wo er alsbald Bekanntschaft mit dem verwegenen Harry macht, einem mutigen kleinen Jungen, der kaum Respekt vor dem erfahrenen Old Shatterhand zeigt. Harry hingegen stürzt sich mutig in ein gefährliches Abenteuer um Leben und Tod und lässt einen staunenden und zugleich schockierten Old Shatterhand zurück, der sich dem brutalen Kampf, der sich hier anbahnt, nicht stellen will. Dieser Part des Hörspiels ist leider ein wenig misslungen, weil hier der Komplettierung halber Details erwähnt werden, die im Grunde genommen mehr Ausschmückung benötigen, dennoch besser ausgelassen worden wären, weil sie die etwas komplexere Handlung ein wenig ausbremsen.
Genau diese Szene markiert aber auch den Wendepunkt, ab dem die Geschichte wieder richtig Fahrt aufnimmt. Wirken die Situationen bis hierhin etwas unmotiviert und erzwungen, greift man mit einem Mal wieder die anfangs vermisste Action auf, steigert diese im Vergleich zum ersten Teil sogar noch mal gehörig und bietet zudem einige der besten und spannendsten Szenen der gesamten Trilogie auf. Spätestens der Showdown, in dem beide Seiten mit allen bislang wichtigen Beteiligten auftreten, ist ein echtes Highlight, welches hier in punkto Dramaturgie und Effekten dem gleichnamigen TV-Ereignis absolut ebenbürtig ist.
Weiterhin sind die Leistungen aller Sprecher durch die Bank überzeugend. Zwar mutet die kindliche Stimme des jungen Harry in der Gegenüberstellung mit dem sehr männlichen Organ der beiden Protagonisten Konrad Halver bzw. Michael Poelchau schon etwas seltsam an, doch an den einzelnen Performances gibt es nichts zu rütteln. Erschwerend stellt sich hingegen die Tatsache heraus, dass die Stimmen der Hauptpersonen teilweise nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Natürlich ist einem nach einiger Zeit dann klar, wer gerade welchen Text gesprochen hat, aber sofort zu erkennen, wem man da zuhört, ist manchmal recht knifflig.
Insgesamt ist aber auch der zweite Teil von „Winnetou“ in der Hörspiel-Fassung sehr gut gelungen, wenngleich der Anfang ein wenig mühselig gestaltet wurde. Doch nach und nach findet man sich in die Erzählung ein und folgt den Helden in ihren neuen Auseinandersetzungen bis hin zum nächsten dramatischen Abschluss, der schließlich in den letzten Teil übergeht, der aber auch schon im Rahmen der „Europa-Originale“ in der Warteschleife steht. Zwar würde ich im Zweifelsfall auf jeden Fall den zugehörigen Streifen oder das wunderschön erzählte Buch bevorzugen, doch dass „Winnetou II“ auch in der hier vorliegenden Version sehr lohnenswert ist, soll damit nicht ausgeschlossen werden. Was Spannungsaufbau und die Leistungen der Sprecher angeht, ist in diesem Fall nämlich alles im grünen Bereich.
_Ein Mord in der Eifel und leckere Wein- und Kochrezepte_
Julius Eichendorff ist eigentlich Koch und arbeitet gerade verbissen daran, im „Michelin“ als Sternekoch aufgenommen zu werden. Das Leben in der Eifel und an der Ahr ist friedlich und für Julius nur von angenehmen Seiten umgeben … wenn ihn nicht gerade sein Wiener Oberkellner Franz-Xaver ärgert. Die charmante Bissigkeit zwischen Julius und Franz Xaxer ist im Übrigen im gesamten Buch einfach genial. Aber: Der berühmteste Winzer im Ahrtal wird ermordet und in einem Weinbottich tot aufgefunden. Er galt als eigentümliches, unbeliebtes und exzentrisches Weingenie. Er hatte viele Feinde, so dass es genug Motive gab, ihn zu töten. Auch Gourmetkoch und Hobbydetektiv Julius Eichendorff gerät bei der Kripo unter Verdacht und beschließt, auf eigene Faust den Mörder zu suchen, bis es auch für ihn gefährlich wird. Seine Privatermittlungen gefallen vor allem der Kommissarin von Reuschenberg nicht. Doch aus ihren ersten Ressentiments wird dann Sympathie. Vor allem, weil Julius auch Spuren entdeckt, die der Kommissarin verborgen blieben. Bevor aber der Fall gelöst wird, kriegt Julius zunächst Ärger mit der örtlichen Wein-„Mafia“, einem Bund, der die Interessen der Winzer seit Jahrhunderten vertritt. Und dann kommt Julius in ganz große Schwierigkeiten, als er den Mörder entlarvt.
_Autor und Vorleser_
Christian Sebastian Henn wurde 1973 in Köln geboren. Er arbeitet als Autor und Weinjournalist. Seinen bislang drei Romanen mit Julius Eichendorff als Freizeitkriminalist folgte ein neuer Krimi im Mai 2006 mit dem Titel „Vinum Mysterium“.
Der |Emons|-Verlag konnte den bekannten TV-Moderator Jürgen von der Lippe als Vorleser für eine Hörbuchadaption von „In Vino Veritas“ gewinnen. Der 1948 in Bad Salzuflen im Lipperland geborene von der Lippe lieh sich von der Region auch seinen Künstlernamen und wurde zunächst in den siebziger Jahren als Liedermacher bekannt, bis er 1980 als Moderator den Einstieg ins Fernsehen schaffte.
_Eindrücke_
„In Vino Veritas“ ist nicht nur spannend, sondern auch witzig. Neben den Ermittlungen über einen Mord führt der Autor den Leser durch eine Welt kulinarischer Genüsse, was die Story und ihre vielen Rätsel auflockert. Auch das Eifeler Lokalkolorit ist unverkennbar. Vor allem dem Ahrtal wird so charmant gehuldigt, dass es den Leser dazu verführen könnte, diese Region zu besuchen. Weinkenner werden wissen, dass sich das Ahrtal erst seit nur 30 Jahren zu einem der deutschen Mittelpunkte deutscher Weinlese entwickelt hat.
Neben der Mördersuche ist zudem jedes „Intermezzo“, das der Autor bietet, von besonderem Charme. Er entführt den Leser immer wieder in die „Cuisine“ von Julius Eichendorff. Erzählend entdeckt der Leser Kochrezepte, die so reizvoll sind, dass sich anbietet, sie selbst in die Tat umzusetzen. Bestes Beispiel ist die „Herr-Bimmel-Suppe“.
Womit wir beim nächsten Intermezzo wären: Herr Bimmel ist der Kater von Julius, und auf seiner Suche nach einer leckeren Vorsuppe spinnt Julius sich gemütlich im Sessel zusammen, was seinem Kater alles schmeckt (außer Katzenfutter eben). Und so entsteht die zum Nachkochen absolut geeignete „Herr-Bimmel-Suppe“. Nicht zu vergessen sind die Dialoge mit seinem Wiener Oberkellner Franz-Xaver, der stets darauf besteht, „Maitre d’Hotel“ genannt zu werden.
Und bei allem „Intermezzo“ bleibt die Spannung bei der Suche nach dem Mörder und seinen Motiven keinen Augenblick auf der Strecke …
_Buch vs. Hörbuch_
Daher gibt es zwei Wahrheiten: Wer offen für Hörbücher ist, sollte auf das Buch verzichten und genießen, wie Jürgen von der Lippe mit genialer Modulation die Story vorliest. Wer indes nach wie vor einen Roman in geschriebener Form bevorzugt, wird mit viel Lächeln und ebenso häufigem Lachen ein „Problem“ haben, abends die Nachttischlampe auszuschalten, und einfach weiterlesen wollen.
Carsten Sebastian Henn gehört zu den Autoren, die mit gutem Schreibstil und viel Amusement in ihren Schilderungen und Erzählungen für viel Kurzweiligkeit sorgen. Henn macht einfach Lust auf mehr …
Axel – Stefan Schwade
Professor Lidenbrock – Klaus Schwarzkopf
Martha – Marianne Kehlau
Hans – Lutz Mackensy
Regie: Heikedine Körting
_Story_
Professor Lidenbrock entdeckt in einer Bibliothek einen sensationellen Schatz: Das verschollene Buch des berühmten Forschers Arne Saknussemm. In diesem schildert der Mann aus dem hohen Norden den Weg, der von einem isländischen Vulkan direkt ins Innere der Erde bis zu deren Mittelpunkt führt. Lidenbrock ist sofort Feuer und Flamme, den Geheimnissen des Planeten auf die Spur zu kommen und bricht gemeinsam mit dem skeptischen Axel nach Island auf, von wo aus er der Beschreibung Saknussemms folgen möchte. Vor Ort angekommen, stimmen die Erläuterungen des Wissenschaftlers tatsächlich mit der Realität überein. Dies ist für den Professor der endgültige Beweis dafür, dass es einen Weg zum Mittelpunkt der Erde gibt. Axel ist zwar noch immer nicht überzeugt, steigt aber zusammen mit Lidenbrock und dessen Helfershelfer Hans in den Krater ein. Axels Skepsis wird jedoch ein schnelles Ende gesetzt, als sie inmitten der riesigen Höhle den seltsamsten Geschöpfen begegnen.
_Meine Meinung_
Für meinen Geschmack ist [„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ 325 die schönste Geschichte im großen Fundus des legendären Jules Verne, vor allem, weil der phantastische Aspekt der Handlung hier noch weiter ausgebaut wurde. Die Geschichte des Professors, der sich von einem unrealistisch anmutenden Sachbuch dazu hinreißen lässt, eine haltlose Expedition zu starten, beinhaltet so ziemlich alles, was die Phantasie des jungen Lesers bewegt: eine neue Fabelwelt, der Drang, auf Teufel komm raus Neues zu entdecken, ein recht lustiges Entdeckerteam sowie Wesen und Landschaften, die man in dieser Form nur aus seinen schönsten Träumen kennt.
Vergleichbares wurde ja bereits in [„20.000 Meilen unter den Meeren“ 518 entworfen, allerdings wurde dort in erster Linie der menschliche Aspekt betont. In „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ liegt indes der Schwerpunkt auf der puren Abenteuerlust und der natürlichen Vielfalt, die sich den Reisenden auf ihrem außergewöhnlichen Trip offenbart. Weit unter der Erde stoßen sie auf ungeahnte Landschaftsformationen sowie längst als ausgestorben betrachtete Tiere und erleben unzählige unerklärliche Ereignisse, die ihre Weltsicht radikal verändern – bis sie mit einem Mal wieder an der Oberfläche landen und das Ganze wie einen weltfremden Traum erleben.
Die Hörspiel-Fassung von |Europa| geht dabei leider nicht so sehr ins Detail wie der weltbekannte Roman von Jules Verne. Zwar werden hier ebenfalls einige der unglaublichen Phänomene dargelegt, doch wegen der relativ kurzen Spielzeit – nicht selten ein Hindernis bei den ursprünglich auf Vinyl veröffentlichten Geschichten, die als „Europa-Originale“ neu aufgelegt werden – musste sich Regisseurin Heikedine Körting auf ein paar wesentliche Punkte beschränken, die sie dann auch auf angemessene Art und Weise abhandeln kann.
Andererseits kommt der Spaß in den insgesamt 40 Minuten nicht zu kurz, dafür sorgen schon alleine die witzigen Charaktere, allen voran der tollpatschige Hans, der bis auf die Worte ‚ja‘ und ‚richtig‘ nicht wirklich viel herausbekommt. Als Auflockerung ist sein unbeholfener Sprachgebrauch auf jeden Fall ein Highlight. Weiterhin gefallen die Zwiegespräche vom unentschlossenen Axel mit dem euphorischen Professor Lidenbrock. Es ist jedes Mal lustig, wenn Axel eine skeptische beäugte Tatsache plötzlich aus ganz anderen Augen betrachtet und dem Professor ein weiteres Mal in seinem Denken Recht geben muss.
Angenehm ist auch mal die Tatsache, dass sich die Handlung auf wenige Schultern verlagert, die zudem auch noch richtig gut miteinander harmonieren. „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist zwar sicherlich keine komplexe Story, aber man kommt bedingt durch diesen Fakt irgendwie noch viel besser in die Handlung rein, gerade nach dem ziemlich direkten Einstieg.
Halten wir also fest: Die Geschichte ist mit 40 Minuten etwas kurz abgehandelt, macht dieses kleine Mako aber wieder durch fantastische Sprecher (vor allem Klaus Schwarzkopf als Professor Lidenbrock), eine gesalzene Prise Humor und einen immer noch spannenden, unterhaltsamen Szenenaufbau wett. Vielleicht ist das 19. Hörspiel der „Europa-Originale“ nicht das allerbeste dieser Reihe, aber auf jeden Fall noch eines, das man gehört haben sollte.
Erzähler – Hans Paetsch
Siegfried – Konrad Halver
Siegmund – Walter Petersen
Köhler – Rudolf Fenner
Zwerge – Evelyn Jacob u. a.
Alberich – Helmut Kolar
Sänger – Peter Folken
König Gunther – Benno Gellenbeck
Hagen von Tronje – Horst Fleck
Giselher – Hans-Jürgen Wehnert
Kriemhild – Dagmar Dorsten
Ute – Gerda Gmelin
Herold – Peter Folken
Brunhild – Heike Kintzel
Priester – Walter Petersen
Die Sachsen, Krieger, Volksmenge
Bearbeitung und Regie: Claudius Brac
_Story_
Siegfried ist der einzige Sohn des Königspaars von Xanten und zugleich ein furchtloser Abenteurer. Bewaffnet mit seinem Schwert Notum stellt er sich dem gefährlichen Drachen Fafnir und erringt zudem die Tarnkappe von Alberich, dem König der Zwerge erringt. Als er jedoch die junge Kriemhild, die Schwester von König Gunther, kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Er verfällt ihr in Liebe und lässt sich auf einen unehrenhaften Pakt mit Gunther ein, der mit Siegfrieds Hilfe die Gunst der heroischen Brunhilde ergattern will. Der Pakt geht tatsächlich auf, doch Brunhild schmiedet einen finsteren Plan, weil sie in Siegfried nur einen Lehnsmann des Königs sieht und ihn nicht als gleichgestellten Ehrenmann akzeptieren will. Und so wird Siegfried sein Begehren nach Kriemhild bereits bald zum Verhängnis.
_Meine Meinung_
Die vielzitierte Nibelungensage im einstündigen Hörspielformat – kann das funktionieren? Nun, ich finde schon, zumindest wenn man es so anpackt wie Claudius Brac im Jahre 1967, als er die hier vorliegende Produktion unter seiner Regie hat aufzeichnen lassen. Zwar könnte man dem Mann jetzt ankreiden, dass er die Abenteuer, die Siegfried zur Legende machten – so zum Beispiel der an dieser Stelle nur kurz abgehandelte Kampf mit dem mächtigen Drachen oder das Erringen der Tarnkappe -, nur sehr kurz abgehandelt hat, muss dabei aber auch sehen, dass er in der begrenzten Zeitvorgabe für Spannung sorgen musste, und dies ist ihm alles in allem vorzüglich gelungen.
Schwerpunkt dieser Hörspielfassung sind dabei Siegfrieds Liebe zu Kriemhild und die finsteren Intrigen, die seine Hingabe zur Königstochter überschatten. Er, der stets drauf bedacht ist, mit seinen Heldentaten Ruhm und Ehre zu erlangen und somit seiner Geliebten zu imponieren, lässt sich auf einen Kuhhandel mit ihrem Bruder ein und erntet dafür das Versprechen, bei erfolgreich ausgeführter Mission um die Hand Kriemhilds anhalten zu dürfen. Am Ziel seiner Träume angelangt, stürzt sich Siegfried in die entscheidende Schlacht und geht als Sieger hervor. Doch sein Glück soll nicht lange anhalten, weil ihm Gunthers neue Gemahlin seinen Ruf neidet und ihn um jeden Preis erniedrigen möchte – schließlich hat Siegfried auch dazu beigetragen, dass Brunhild in ihrer Ehre schwer verletzt wurde. Allerdings ahnt Siegfried nichts vom gemeinen Spiel, das hinter seinem Rücken ausgetragen wird, und wird als Folge seiner blinden Liebe in eine verhängnisvolle Intrige um Leben und Tod hineingezogen.
Die Nibelungensage gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Überlieferungen der deutschen Geschichte, wurde vor einiger Zeit erneut erfolgreich verfilmt, aber auch schon von Leuten wie Tom Gerhardt gehörig durch den Kakao gezogen. Ein Kernpunkt der Sage ist dabei in der ursprünglichen Fassung Siegfrieds Kampf gegen den weitaus überlegenen Drachen, dem er in einem abgewandelten David-gegen-Goliath-Gefecht den Garaus macht. Dieser Teil der Erzählung wird natürlich auch hier verwendet, jedoch anfangs beinahe nebenläufig in die Abenteuersagen des jungen Protagonisten eingeflochten. Zwar wird auch hier herausgestellt, welche enorme Leistung der furchtlose Schwertkämpfer im Kampf gegen das Fabeltier abgeliefert hat, allerdings zeigt sich dies in der |Europa|-Fasung lediglich als ein kleiner Teil des langen tragischen Ruhmesweges Siegfrieds.
Nichtsdestotrotz haben die Macher des Hörspiels in der recht knappen Zeit eine richtig schönes Heldenepos kreiert, das durch seine altertümliche Sprache zudem recht authentisch, bisweilen gar majestätisch wirkt. Schade (aber nicht wirklich schwach) finde ich nur, dass man am Ende die Fakten etwas abrupt aneinanderreiht und die vorher erzeugte Spannungskurve ziemlich rapide wieder sinken lässt. Aber weil die Adaption der Nibelungensage bis hierhin wirklich eine Menge Spaß gemacht hat, kann man über solche minimalen Vergehen leicht hinwegsehen.
Ich würde zwar im Zweifelsfall auf jeden Fall die niedergeschriebene Sagengeschichte bevorzugen, alleine schon wegen der etwas detaillierteren Wiedergabe, kann den 16. Teil der Europa-Originale aber ebenfalls wärmstens empfehlen, zumal es neben „Die letzten Tage von Pompeji“ bislang das einzige Stück mit epischem Hintergrund ist, das überdies trotz seines altbackenen Sprachgebrauchs zu keiner Sekunde lästig wird.
Erzähler – Hans Paetsch
1. Gast – Rolf E. Schenker
d‘ Artagnan – Konrad Halver
1. Wirt – Claus Wagener
Adjutant – Hans Meinhardt
Monsieur de Tréville – Herbert A. E. Boehme
Athos – Peter von Schultz
Porthos – Rudolf H.Herget
Aramis – Michael Weckler
Jussak – Edgar Machmann
Madame Bonancieux – Sylvia Anders
Monsieur Bonancieux – Rudolf H. Herget
1. Wirtin – Ingeborg Kallweit
2. Gast – Walter Petersen
2. Wirt: Horst Beck
2. Wirtin – Katharina Brauren
Spitzel: Claus Wagener
Kardinal Richelieu – Rolf E. Schenker
König Ludwig XIII. – Edgar Maschmann
Königin – Dagmar von Kurmin
3. Wirt – Walter Petersen
und Gäste, Soldaten, Arbeiter und Diener
Regie: Konrad Halver
_Story_
Der junge d’Artagnan träumt wie so viele andere Männer in seinem Alter davon, eines Tages in die Leibwache des Königs von Frankreich aufzusteigen. Also macht er sich auf den Weg nach Paris, um alsbald die Musketiere aufzusuchen und an ihren tollkühnen Abenteuern teilzuhaben. Binnen kürzester Zeit wird aus dem langjährigen Traum Wirklichkeit, und selbst der höhnische Spott in seiner Umgebung kann ihn jetzt nicht mehr aufhalten. Als „vierter Musketier“ wird er in gefährlichen Missionen geprüft und muss dabei immer wieder seine Fähigkeiten mit dem Degen unter Beweis stellen. Selbst der hinterlistige Kardinal Richelieu bekommt schmerzlich zu spüren, dass mit dem neuen Diener des französischen Königs nicht zu spaßen ist.
_Meine Meinung_
Ich kann mich noch sehr gut an meine Kindheit erinnern, als in der ARD eine Zeichentrickserie mit dem Titel „D’Artagnan und die drei Musketiere“ gesendet wurde, die mich damals regelmäßig vom Bolzplatz in die gute Stube lockte, um den Abenteuern der verwegenen Musketiere und ihres neuen Freundes aus nächster Nähe beizuwohnen. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die tollen Darstellungen der verschiedenen Personen, verkörpert von verschiedenen Tieren, deren grundlegende Eigenschaften von den Charakteren widergespiegelt wurden. Inzwischen wurden die Abenteuer der drei Musketiere vielfach verfilmt und ebenso wie die vielen älteren Kino- und Videoproduktionen des Literatur-Klassikers von Alexandre Dumas unzählige Male im TV gesendet. Es ist also fast unmöglich, die ursprüngliche Geschichte um die Musketiere nicht zu kennen. Das führt natürlich dazu, dass man die einzelnen ‚Produkte‘ miteinander vergleicht und Favoriten herausbildet, wobei es im Falle dieses Stückes schon überraschend gewaltige Qualitätsunterschiede gibt.
Davon ist in gewisser Hinsicht dann auch die im Original 1971 aufgenommene Hörspiel-Version aus dem Hause |Europa| betroffen, deren größtes und eigentlich auch einziges Manko darin besteht, dass sie die Abenteuer der vier stolzen Männer nur sehr oberflächlich erzählt und es dadurch bedingt kaum Freiräume gibt, die eine etwas detailliertere Darstellung der verschiedenen Stationen der Protagonisten ermöglichen würden.
Bei einer Spielzeit von nicht einmal ganz ausgefüllten 30 Minuten ist es aber sowieso schwierig, der Romanvorlage annähernd gerecht zu werden. Dementsprechend ist die 35 Jahre alte Hörspielvariante auch nicht wirklich spannend, zumal sie eher wie ein Bericht aufgebaut ist. Kurz werden einzelne Fixpunkte der Handlung wie beispielsweise (natürlich) das Aufeinandertreffen der Musketiere mit d’Artagnan, die Englandreise und das finstere Spiel, das der Kardinal treibt, angerissen, jedoch nie mit wirklich viel Tiefgang bedacht. Gerade der letztgenannte Punkt, eigentlich das Kernstück des weltberühmten Epos, hätte etwas mehr Inhalt erfordert, entbehrt aber wegen besagter erzählerischer Oberflächlichkeit jeglicher Tiefe und kann so weder für Tragik noch für Spannung garantieren.
Den Sprechern ist hingegen kein Vorwurf zu machen; bei „Die drei Musketiere“ hat sich eine erlesene Auswahl der |Europa|-Riege versammelt und liefert auch eine ausnahmslos makellose, ambitionierte Performance. Doch leider können die vielen Mitwirkenden auch nicht viel daran ändern, dass die hier vorliegende, im Rahmen der „Europa-Originale“ mit der Nummer 30 versehene Adaption von Dumas‘ Meisterwerk nicht mehr ist als eine nette, im Vergleich zu thematisch gleichgelagerten Medien aber doch unterlegene Erzählung. Und das eigentlich nur, weil nach 30 Minuten bereits der abrupte Schnitt folgt …
Erzähler – Hans Paetsch
Huckleberry Finn – Wolf Schenke
Tom Sawyer – Florian Kühne
Muff Potter – Rudolf Fenner
Indianer-Joe – Horst Fleck
Doktor Robinson – Peter Folken
Tante Polly – Gerda Gmelin
Sheriff – Heinz Fabian
Richter Thatcher – Benno Gellenbeck
Pfarrer – Konrad Halver
Becky – Regine Lamster
Lehrer – Walter Petersen
Staatsanwalt – Heinz Fabian
Regie: Claudius Brac
_Story_
Eines Nachts geht der streng erzogene Tom Sawyer gemeinsam mit seinem herumstreunenden Freund Huckleberry Finn auf Wanderschaft, um eine Katze zu begraben. Allerdings wird der nächtliche Ausflug zum Friedhof zu einem fürchterlichen Ereignis, denn die beiden werden unfreiwillig zu Zeugen eines hinterlistigen Mordes. Indianer-Joe, ein berüchtigter Krimineller, der dem Staatsanwalt schon mehrfach entwischt ist, rächt sich mit dem Messer an Doktor Robinson, weil dieser ihn hinter Gittern gebracht hatte. Allerdings will Joe nicht selber für den Mord geradestehen und schiebt ihn stattdessen dem Trunkenbold Muff Potter in die Schuhe, der sich an diesem Abend gar nicht mehr daran erinnern kann, was er im Suff angestellt hat.
Die Sache geht alsbald vor Gericht, und dem bekannten Alkoholiker droht schon in Kürze der Galgen. Dann jedoch wird der junge Tom als letzter Zeuge ins Gericht gerufen und erzählt den Geschworenen die wahre Geschichte.
_Meine Meinung_
Mark Twains Klassiker „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“ gehören zu den tollsten Geschichten der Kinder- und Jugendbuchliteratur und sind sicherlich auch den meisten Bücherwürmern hinlänglich bekannt. Dabei gibt es verschiedene Interpretationen der Geschichten aus den „Mississippi Writings“, soll heißen, die Schwerpunkte sind unterschiedlich gelagert, konzentrieren sich allerdings zumeist ausschließlich auf die von der Mutter des wohlerzogenen Tom nur widerwillig geduldete Freundschaft der beiden ungleichen Jungen.
In der Hörspielfassung von |Europa|, die zuerst im Jahre 1967 veröffentlicht wurde, bleibt dieser Aspekt indes größtenteils außen vor. Stattdessen steht der zwielichtige Mordfall im Mittelpunkt des Geschehens und erschüttert die Heimatstadt der beiden Jungen, denen bei der Aufklärung der grausamen Tat eine entscheidende Rolle zukommt. Beide haben die schreckliche Wahrheit selber beobachten müssen und geraten dadurch in eine verzwickte Lage, in der auch nur sie entscheiden können, ob sie sich in die Sache näher einmischen. Doch es geht um Leben und Tod, und insofern bleibt ihnen auch kaum eine andere Wahl.
Zur gleichen Zeit erfährt Tom seine erste Liebe und schmiedet schon erste Pläne für eine Verlobung mit der gleichaltrigen Becky. Diese zeigt auch Interesse, fühlt sich jedoch später hintergangen, so dass Tom kaum mehr andere Möglichkeiten bleiben, als die Rolle des stillen Helden einzunehmen und ihr damit zu imponieren.
Die erste Folge dieses Zweiteilers beschäftigt sich recht ausführlich damit, die Rahmenbedingungen für die Geschichte abzustecken, die allerdings erst im zweiten Teil so richtig Fahrt aufnehmen soll. Die entscheidende Tat und alle ihre Konsequenzen werden recht ausführlich beleuchtet, wohingegen die zeitgleich ablaufende Liebesgeschichte zwischen Becky und Tom naturgemäß ein wenig kindlich wirkt, jedoch allzu gut den grundsätzlichen Charakter dieser Story beschreibt. Schließlich handelt es sich hier um eine typische Abenteuergeschichte, die vorrangig für das junge männliche Publikum geschrieben wurde und für diese Zielgruppe auch unentbehrlich ist. In Tom Sawyer und Huckleberry Finn findet man gleich zwei heldenhafte Identifikationsfiguren: der eine, weil er sich mutig gegen einen Mörder stellt, und der andere, weil er so unbeschwert und furchtlos durchs Leben zieht. Kurzum, die beiden sind von Autor Twain (eigentlich Samuel Langhorne Clemens, 1835 – 1910) maßgeschneiderte, sympathische und zeitlos relevante Helden, deren Geschichten man wie in diesem Hörspiel gerne lauscht. Während ich schon mit Spannung auf den zweiten Teil vorausblicke, kann ich den ersten schon einmal wärmstens empfehlen.
Folge 1: [„Der dritte Sohn“ 2978
Folge 2: [„Im Reich der Spinne“ 3055
_Story_
Drizzt ist endgültig aus Menzoberranzan geflohen und irrt nun verzweifelt durch die Labyrinthe der Unterwelt. Als Jäger wird er seinem Ruf als gefürchteter Krieger gleich mehrfach gerecht. Doch Drizzt ist dies nicht genug; er macht sich auf den Weg nach Blindgenstein, um dort den einst von ihm geretteten Belwar zu treffen. Der Gnom ist jedoch zunächst skeptisch, lässt sich dann aber auf den Vertreter der verhassten Dunkelelfen ein. Bei den Swirfnebli, Belwars Volk, sucht Drizzt Frieden und Ausgleich nach den fürchterlichen Erfahrungen mit seinem Heimathaus. Doch schon bald wird Drizzt wieder von seiner Vergangenheit eingeholt; Oberin Malice lässt noch immer nach ihm suchen, denn nur mit ihm kann das Haus Do’Urden wieder die Gunst der Spinnenkönigin Lloth zurückerlangen. Und dieses Mal ist Drizzts Volk ein ganzes Stück entschlossener, den abtrünnigen Kämpfer endgültig festzunageln.
_Meine Meinung_
Mit dem dritten und leider schon letzten Teil der „Saga vom Dunkelelf“ endet eine der besten Hörspiel-Serien dieser Tage. So viel kann man schon einmal zu Beginn als Fazit festhalten. Allerdings laufen die Beteiligten in „Der Wächter im Dunkel“ zur absoluten Hochform auf und liefern, unter anderem natürlich auch durch die inhaltliche Steigerung, ihre bisherige Bestleistung ab.
Die Spannung steigt in der Mitte des Hörspiels in Höchstregionen, denn als klar wird, dass die Suche nach dem abtrünnigen Drizzt nach wie vor mit größter Entschlossenheit fortgesetzt wird, ist einem klar, dass nun endgültig ein Rennen um Leben und Tod beginnt und Drizzt sich ein weiteres Mal seinen stammeseigenen Widersachern stellen muss. Hierzu bekommt er in diesem Fall jedoch Schützenhilfe vom Tiefengnom Belwar, der einst von den Dunkelelfen grausam zugerichtet, von Drizzt aber kurz vor dem Tod gerettet wurde. Belwar hat zwar schwere Verletzungen aus diesem Gefecht davongetragen, steht aber dennoch in der Schuld des jungen Do’Urden und gewährt ihm trotz des Widerstands seines Volkes Unterschlupf.
Drizzt beweist gleich mehrfach, dass sein friedliches Ansinnen ernst gemeint ist, und wird schnell zu einem mächtigen Verbündeten – bis ihm dann eines Tages gewahr wird, dass sein Leben auf ewig von ständiger Flucht gekennzeichnet sein wird, wenn er sich nicht erneut seinem Schicksal stellt und die Konfrontation mit seiner bösartigen Familie sucht. Und er hat gar nicht erst viel Zeit, sich nähere Gedanken darüber zu machen, wie dies geschehen wird, denn die Spinnenkönigin fürchtet ihn mittlerweile immer mehr, sodass sie einen schier unbesiegbaren Henker auf Drizzt angesetzt hat, der ihn auch mit sofortiger Wirkung beseitigen soll. Drizzt hatte bereits einige fürchterliche Visionen, doch dieser neue Gegner überschreitet all das, was er sich in seinen finstersten Gedanken ausgemacht hat. Tatsächlich scheint das Ende nahe und sein Tod besiegelt – oder etwa nicht?
Die Geschichte ist also erneut fabelhaft und birgt Spannungspotenzial für mehr als 70 Minuten, wobei es sich in diesem Fall sehr positiv auswirkt, dass man den umfassenden Inhalt in vergleichsweise kurzer Zeit abarbeiten muss. So geht es auch weiterhin Schlag auf Schlag und ohne Unterlass vorwärts, bis der Zuhörer dann zum Schluss endlich wieder Zeit zum Luftholen findet, denn für derartige ‚Banalitäten‘ bleibt beim Genuss des Finales dieser geschätzten Saga definitiv nicht viel Raum.
Begünstigt durch die bombastischen Sounds und Effekte avanciert die Darbietung dabei immer mehr zum groß angelegten Ohrenkino, in dessen Mittelpunkt der stete Wechsel zwischen berauschenden Klängen, glaubhaften Sprecherparts und flotter Action steht. Das Hörspiellabel |Lausch| zeigte ja bereits mit seiner anderen Serie [„Caine“, 2050 was bei der Kombination aus spannender Action-Handlung und Effekfeuerwerk möglich ist. Dies wird nun bis auf den äußersten Punkt der Spitze getrieben, lediglich mit dem Unterschied, dass die Science-Fiction-Elemente in „Caine“ von einem brutalen Fantasy-Spektakel sondergleichen ersetzt werden. Beim Fazit möchte ich mich deswegen auch kein drittes Mal wiederholen. Es sollte sich nämlich mittlerweile im Reich von |Dungeons & Dragons| herumgesprochen haben, dass diese Serie ein Pflichtanteil jeder Hörspiel-Sammlung ist.
Folge 1: [„Der Sternenbastard“ 3030
Folge 2: [„Die Mascantin“ 3031
Folge 3: [„Der Hyperschock“ 3035
_Story_
Die ersten durch die Weltraumbeben ausgelösten Veränderungen machen sich im Kosmos breit. Wie aus dem Nichts erscheint im Hayok-Sternenarchipel ein ganzer Sternenhaufen und gibt Perry Rhodan und seinen Gefährten Rätsel auf. Alsbald begibt sich Rhodan auf einen Erkundungsflug durch den Sternenozean und entdeckt dort gemeinsam mit Atlan und Kantiran einige merkwürdige Dinge. Schritt für Schritt steuern sie auf neue Mysterien zu, bis ihre Reise dann plötzlich ein schreckliches Ende nimmt.
_Meine Meinung_
In der vierten Episode der neuen „Perry Rhodan“-Hörspielserie schreitet der beliebte Weltraumheld zum ersten Mal leibhaftig zur Tat, bleibt aber in seinem Handeln bzw. in der Erzählung recht blass, weil es sich bei „Planet der Mythen“ weitestgehend um einen Monolog des kürzlich verstorbenen Erzählers Joachim Höppner handelt, nicht aber um ein lebendiges Hörspiel, geprägt von ständiger Interaktion. Zwar ist die Reise durch den Sternenozean immer noch sehr spannend dargestellt, allerdings verliert die Serie durch die etwas dröge Vortragsform eindeutig an Farbe, zumal selbst beim vermeintlichen Höhepunkt am Ende des hier präsentierten Teilabschnitts vom „Sternenozean“ keine Steigerung zu erwarten ist.
„Planet der Mythen“ wirkt vergleichsweise gemütlich, kann indes keine echten Akzente setzen. Während die Geschichte von einem Spannungsmoment in den nächsten übergeht, kann die Atmosphäre kaum folgen. So gibt es auf besagtem Planeten gleich mehrere außergewöhnliche Begegnungen, die geradezu nach einer effektiveren klanglichen Untermalung verlangen, aber leider nur über die Stimme des Erzählers bedächtig vorgetragen werden.
Schließlich entsteht so eine Diskrepanz, die mit wachsender Spieldauer immer weiter auseinanderklafft. Interessante, spannendes Haltung vs. eher mittelmäßige Hörspiel-Performance, so in etwa lässt sich die vierte Episode zusammenfassen, und das passt eigentlich so gar nicht in das Bild der bislang durchweg überzeugenden Hörspielserie.
Zumindest entwickelt sich der Inhalt konsequent fort; Rhodan und Co. dringen tiefer in die Mysterien des Sternenozeans ein und stoßen dabei auf verschiedene Hintergründe und unerwartete, seltsame Begebenheiten, bis ihre Reise dann plötzlich von einem verheerenden Ereignis beeinträchtigt wird. Potenzial ist also weiterhin vorhanden – wobei dies sowieso außer Frage stand – nur bei der auditiven Umsetzung hapert es dieses Mal ein Stück weit, im Speziellen bei der Kreation einer adäquaten Science-Fiction-Atmosphäre.
Nun, missen sollte man „Planet der Mythen“ im Rahmen von „Sternenozean“ deshalb nicht, aber man sollte dabei auch nicht übersehen, dass es sich bei der Nr. 4 um einen vergleichsweise enttäuschenden Silberling handelt.
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29
Kapitän Nemo – Horst Frank
Professor Aronnax – Richard Lauffen
Conseil, sein Diener – Hans Hessling
Ned Land, Harpunier – Heinz Trixner
John – Hans Meinhardt
Kapitän der „Abraham Lincoln“ – Rolf Mamero
Admiral Lord Hood – Werner Cartano
Bootsmann der „Nautilus“ – Horst Stark
Und die Mannschaft der „Nautilus“
_Story_
Man schreibt das Jahr 1867: Ein seltsames Meeresungeheuer macht die Ozeane unsicher und hat bereits mehrere Schiffe dem Meeresboden gleich gemacht. Professor Aronnax will dem Treiben mit der Besatzung der |Abraham Lincoln| auf den Grund gehen und macht dabei eine ungewöhnliche Entdeckung. Sein Schiff kollidiert nämlich tatsächlich mit einem kuriosen Objekt, das jedoch für niemanden so recht sichtbar ist. Als Aronnax inmitten des Meeres hilflos umhertreibt, sieht er seinen Kollegen Conseil, wie er auf dem Wasser steht – zumindest glaubt der Professor dies. Dann jedoch merkt er, dass sein Diener auf dem Rücken eines Wales steht – doch auch das ist ein Irrglaube. Mit einem Mal öffnen sich im metallischen Unterbau Luken, durch die Aronnax und Conseil in ein seltsames, maschinisiertes Gehäuse gelangen.
Mit Erstaunen realisieren die beiden, dass sie sich in einem Unterwasserboot befinden. Doch auf die Freude über die ungeheure Entdeckung folgt auch schon bald die Ernüchterung, als Aronnax und sein Untergebener nämlich auf den mürrischen Kapitän Nemo treffen und von ihm erfahren, dass sie auf Lebenszeit in seinem Schiff, der |Nautilus|, gefangen sein werden und somit auch niemandem von dieser technischen Revolution erzählen können. Von Stunde zu Stunde wird ihnen der menschenfeindliche Kapitän unheimlicher, denn das U-Boot ist nicht das Einzige, was er unterm Meer zu verbergen hatte …
_Meine Meinung:_
Das ist doch mal wirklich ein Klassiker; die Kenntnis um die Geschichte von Kapitän Nemo und der Nautilus darf man auf jeden Fall als Teil einer umfassenden Bildung benennen, sei es nun in der immer wieder ausgestrahlten Spielfilm-Variante, in der legendären Buchform von Jules Verne oder eben im Hörspiel, von denen es zu diesem Thema ja auch schon mehrere gibt.
Den Anfang machte allerdings einst die Version von |Europa| unter der Regie von Hörspiel-Göttin Heikedine Körting, die hier eine ihrer besten Arbeiten bis zum heutigen Tage ablieferte. Die spannende Geschichte um den Verbleib der beiden ‚Gestrandeten‘ wird ebenso packend erzählt wie die Diskrepanz zwischen menschlichen Emotionen und wissenschaftlichem Fortschritt, die sicherlich eine tragende Bedeutung in „20.000 Meilen unter dem Meer“ hatte. In einer Paraderolle tritt dabei Horst Frank als misanthropischer Kapitän Nemo auf; er verkörpert den ständig schlecht gelaunten Miesepeter absolut authentisch, lässt indes aber auch die wenigen versteckten Gefühle zum Vorschein kommen, die Nemo seit seiner Abkehr von der Menschheit beibehalten hat.
Ebenfalls sehr gut in ihren Parts sind Richard Lauffen und Hans Hessling als Aronnax und Conseil, weil ihre Darstellung von Ängsten, Erstaunen und dem Wandel von Hoffnungslosigkeit zu Hoffnung und zurück ebenfalls von einer steten Authentizität geprägt ist. Genauso wie diese beiden stellt man sich den wohlhabenden Briten dieser Zeit vor: bedächtig, intelligent, geduldig und dennoch immer kritisch. Gute Arbeit an dieser Stelle, keine Frage.
Mit solch überragenden Leuten in den Hauptpositionen kann daher auch kaum noch etwas schiefgehen, und das tut es auch nicht. Untermalt von realitätsnahen Effekten (das Meeresrauschen zum Beispiel vermittelt wirklich das Gefühl, als wäre man gerade von Wogen umgeben), wird die Geschichte hier ziemlich flott, aber dennoch mit dem Fokus auf alle wichtigen Details wiedergegeben. Sowohl die erste Begegnung als auch der Aufenthalt und die drohenden Gefahren mit bzw. an Bord der |Nautilus| werden ausführlich betrachtet, und dennoch geht es permanent zügig voran, so dass die Aussage, ein Höhepunkt folge dem nächsten, in diesem neu aufgelegten Hörspiel mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit enthält.
Bezogen auf die Soundeffekte und die Bearbeitung des Tons hat „20.000 Meilen unter dem Meer“ sogar von allen Vertretern der „Europa-Originale“-Serie die Nase vorn, doch auch hinsichtlich der Interpretation des ohnehin schon genialen Inhalts hat sich Frau Körting keine Blöße gegeben und den Status des Klassikers nicht nur formal erhalten können. Hier kommt definitiv jeder auf seine Kosten!
Thomas Wanniger aus Berlin plant einen längeren Aufenthalt in Israel. Er hat eine Aufenthaltsgenehmigung für den Kibbuz Broschim bekommen, wo er als Gärtner unte der Aufsicht des Holocaust-Überlebenden Baroch Ben Tov arbeiten soll. Thomas‘ Reise läuft nach einigen Schwierigkeiten am Flughafen problemfrei. Er trifft pünktlich am Flughafen Tel Aviv auf die Ukrainerin Vera Brodsky, die wegen eines schweren Schicksalsschlags nach Israel übergesiedelt ist und im Gegensatz zum Wahrheit suchenden Wanninger im jüdischen Viertel Frieden finden möchte.
In der Akademie von Melee-Magthere hat Drizzt eine gesamte Dekade lang eine harte, doch erfolgreiche Ausbildung zum Schwertkämpfer genossen. Nach und nach ist er dabei zum gefürchtetsten Kämpfer der gesamten Umgebung herangewachsen, was auch der Spinnenkönigin nicht entgangen ist. Widerwillig ordnet er sich ihrer Herrschaft unter und baut in jedem weiteren Gefecht seine Fertigkeiten weiter aus. Allerdings bringt ihm sein konsequenter Aufstieg auch ständig neue Feinde ein. Besonders Alton de Vir, dessen Volk von Drizzts Heimathaus gänzlich ausgelöscht wurde, sinnt auf Rache an den Do’Urdens, und dabei ist ihm der junge Dunkelelf ein willkommenes Ziel.
Währenddessen fühlt sich Drizzt in seiner Rolle immer unwohler; von Tag zu Tag offenbaren sich ihm weitere Grausamkeiten. Und als er dann auch noch bezeugen muss, wie das Haus Do’urden in seinem permanenten Machtbestreben vor keiner Kriegerei zurückschreckt, entscheidet er sich, seinem Volk den Rücken zu kehren. Allerdings kann er diesem Krieg auch im Exil nicht fernbleiben. Schon bald gibt es ein erneutes Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Waffenmeister Zaknafein. Und der ist ihm diesmal alles andere als freundlich gesinnt. Zumindest hat es den Anschein, als wäre dem so …
_Meine Meinung_
Im zweiten Teil der gerade fertiggestellten Hörspielsaga um den Dunkelelfen Drizzt Do’Urden wird die Geschichte aus der Unterwelt rasant weiterentwickelt. In der Zwischenzeit, sprich seit dem Ende des letzten Hörspiels, sind viele Jahre vergangen, in denen Drizzt seinen Status enorm hat aufwerten können. Seine Fähigkeiten mit dem Schwert werden im Reich der Dunkelelfen von allen Stämmen gefürchtet, so dass der Weg zur Macht auch nur über seine Unterstützung oder gegen ihn führt. Drizzt selber ist seiner Einstellung den finsteren Machenschaften seines Hauses gegenüber indes weiterhin treu geblieben, lässt sich aber dennoch von den Abgeordneten des Hauses Do’Urden einlullen, um in Zukunft an ihrer Seite zu kämpfen. Seine Skepsis bleibt allerdings bestehen, jedoch bleibt er seinem Volk vorerst treu. Dann aber wird ihm bewusst, welche abartigen Wesenszüge seine Familie ausmachen; mit eigenen Augen wird er Zeuge einer grausamen Auseinandersetzung, der viele unbewaffnete und unschuldige Geschöpfe zum Opfer fallen. Angewidert probt er den Aufstand und sucht in der Abgeschiedenheit der Unterwelt seinen Frieden. Doch der soll ihm nicht lange gewährt werden; mittlerweile ist Drizzt zum Feindbild verschiedener Machthaber geworden und lebt ständig auf der Flucht. Gemeinsam mit dem Gnom Belwar Dissengulp und dem Panther Guenhwyvar trotzt er den Gefahren, die seinen Weg begleiten. Doch dann trifft er auf einen weiteren mächtigen Kämpfer in Person seines Ausbilders Zaknafein, dem Mann, der jeden einzelnen Zug seines alten Schützlings aus dem Effeff kennt. Und vor ihm kann der junge Drow nicht mehr fliehen.
Ähnlich wie die vorangegangene Debüt-Episode ist auch der zweite Teil der „Saga vom Dunkelelf“ gespickt mit vielen Kampfszenen und opulent inszenierter Action. Das Hörspiellabel Lausch bzw. Regisseur Günter Merlau schöpfen mal wieder aus dem Vollen und sparen in keiner einzigen Szene an Effekten und bombastischer musikalischer Untermalung. Mit einer herrlichen Dynamik ausgestattet, entwickelt sich „Im Reich der Spinne“ immer mehr zum soundtechnischen Referenzwerk in seinem Genre, begleitet von erneut prima agierenden Sprechern, deren Ambition und Motivation jederzeit greifbar erscheint. Besonders hervorzuheben ist hierbei Tobias Meister in der Hauptrolle als Drizzt sowie jede weibliche Sprecherin, die mit ihrer finsteren Stimme die bösartige Ausstrahlung des Stückes nach außen kehrt. Es gibt sogar teilweise Szenen, in denen der Inhalt kaum noch wichtig erscheint, weil die Performance der Akteure wahrlich berauschend wirkt und man beinahe schon von ihrer bloßen Stimme gefesselt wird. Das mag mitunter übertrieben klingen, ist es aber sicherlich nicht, wenn man sich einmal auf die fantastische Interaktion des stark besetzten Sprecherensembles eingelassen hat.
Und während man mit den Ohren an den Boxen klebt, setzt sich der Kampf in der Unterwelt unerbittlich fort, begleitet von weiteren hinterhältigen Intrigen, brutalen Auseinandersetzungen und Dialogen, deren wahren Inhaltes man sich niemals sicher sein kann.
Hatte ich nach dem ersten Hörspiel noch den Eindruck, als könnte die Audio-Adaption der beinahe gleichzeitig veröffentlichten Comic-Fassung aus dem Hause |Panini| nur schwer das Wasser reichen, hat mich die weitaus actionlastigere zweite Episode nun unerwartet umgestimmt. „Im Reich der Spinne“ fehlt es bezogen auf Inhalt und Darbietung an rein gar nichts. Stattdessen hat der sympathische Verlag hier eine Blaupause für ein perfektes Fantasy-Hörspiel abgeliefert, welches ich im Rahmen dieser Serie nicht nur weiterempfehlen kann, sondern auch muss. Selbst Dunkelelf-Schöpfer R. A. Salvatore, die Legende der „Dungeons & Dragons“, wird zugestehen müssen, dass es besser kaum noch geht.
_Relikte alter Stasi-Zeiten im vereinten Deutschland_
Aktuell ist ein älterer Roman von Jacques Berndorf alias Michael Preute als Hörbuch bei |Technisat Digital Division RADIOROPA| erschienen Zuvor erschien er als Taschenbuch im |KBV|. Doch ist die Erstauflage bereits knapp 15 Jahre alt, erschienen nach dem Mauersturz und dem Verfall der DDR.
_Das Thema_
Die Geschichte fängt bekannt idyllisch an, ganz im Stil der Berndorf’schen Eifelkrimis: Katze Krümel und der Journalist Siggi Baumeister leben in sommerlichen Tagen in den Tag hinein. Dann kommt Baumeisters fast vergessene Tante Anni aus Berlin an, eine ehemalige Kriminalkommissarin: Man habe gemeinsam einen Gutshof geerbt.
Neben der unerwarteten und neu entdeckten Verwandschaft beschäftigt Siggi Baumeister ein neuer Fall: Er findet eine Leiche im Wald, die durch eine Art Kunststoff vollkommen aufgequollen ist. Seine Tante Anni ahnt die Lösung, denn in der DDR wurde mit Projektilen experimentiert, die Menschen in dieser Weise töten.
Bald stößt Siggi Baumeister auf eine kleine Firma, die sich auch nach dem Mauerfall auf Verpackungs-Design spezialisiert hat. Letztlich sind es „Ex-Agenten“ aus der Zeit des kalten Krieges. Und das, obwohl die Vereinigung von Ost und West längst vollzogen ist.
Der Bundesnachrichtendienst kommt ins Spiel, Baumeister wird an seinen Recherchen nicht gehindert, aber vor dem Verschwinden von Informationen gewarnt. Kein Wunder aber, dass der Tote nicht die letzte Leiche mit „Plastik im Bauch“ bleibt. Es wird erneut eine Leiche aufgefunden, die ebenfalls diesen qualvollen Tod erlitt. Ein drittes potenzielles Opfer kann Baumeister zum Glück warnen, doch leider wurde dessen Frau ebenfalls ermordet. Baumeister, unterstützt von der leicht debilen Tante Anni, geht weiter auf Spurensuche …
_Berndorf_
Eigentlich heißt er Michael Preute, aber bekannt wurde er unter dem Pseudonym Jacques Berndorf. Bevor er sich seinen Romanen widmete, war Preute ein gefragter freier Journalist für Magazine wie „Stern“ oder „Spiegel“, aber ebenso international für „Paris Match“.
Über ein Dutzend Eifelkrimis gibt es bereits, aber den wenigsten wird bekannt sein, dass er 1977 auch eine Biografie über Elvis Presley schrieb und bereits andere Romane seit dem Beginn der siebziger Jahre veröffentlichte.
Sein neuestes Werk, im Oktober 2006 bei |GRAFIT| erschienen, ist der Roman „Eifel-Kreuz“.
_Spannung_
Angeblich gab es diese Art von tödlichen Projektilen, die Kunststoff aufquellen lassen, tatsächlich. Der Krimi trägt Berndorfs unvergleichliche und typische Handschrift: Eifel als Lokalkolorit, Baumeister als stur recherchierendem Antihelden mit Pfeife und Vorliebe für Katze, und letztlich einem trockenen Humor, der Krimis gut tut. Ebenso tut der Atmosphäre gut, dass eine „Tante Anni“ auftaucht – ganz untypisch für einen Krimi mit Mord und Totschlag. Berndorf ist literarisch individuell.
Dennoch kommen, wie in seinem späteren Werken in und aus der Eifel, noch nicht seine Freunde Rodenstock und „Emma“ ins Spiel. Baumeister also als Einzelkämpfer. Im Gegensatz zu späteren und äußerst erfolgreichen Eifelkrimis fehlt bei „Der letzte Agent“ ein wenig die Atmosphäre, die den Eifelkrimi doch so ausmacht. Der Lokalkolorit ist nicht so ausgeprägt, wie man es ansonsten beim Berndorf’schen Eifelkirimi gewohnt ist. Eine intelligente und spannende Geschichte zeichnet den Roman dennoch aus.
_Der Vorleser und seine Bedeutung_
Ohne Zweifel steht und fällt die Qualität eines Hörbuches mit dem Vorleser. Dieser heißt Georg Jungermann und ist Schauspieler. Über ihn wird im beigefügten Booklet nichts erwähnt. Recherchen im WWW verraten, dass er vorrangig am Theater arbeitet und das Vorlesen von Hörbüchern ein zweites Standbein von Jungermann ist.
Der Zuhörer ist bei anderen Vertonungen von Berndorf-Krimis durch bekannte Schauspieler wie Dietmar Bär und Günter Lamprecht sehr verwöhnt, die zudem szenisch vorlesen. Aber Jungermann gewinnt schnell das Zuhörer-Herz, denn er hat eine feine und präzise Modulation, die auch die Dialoge glänzend umsetzt. Die Stimme des Vorlesers ist weder langweilig noch langatmig. Er kann kritische Momente, Verärgerung oder auch Humor genial in Worte und Stimmbalancen umsetzen.
_Insgesamt_
Mit „Der letzte Agent“ von Jacques Berndorf ist ein brisanter Krimi geliefert worden. Dieser ist spannend und bis zum Schluss verworren, ohne verwirrend zu sein. Blendend ist die Umsetzung zum Hörbuch. Es wurde nichts gekürzt oder gar verändert. Letztlich ist der vorlesende Georg Jungermann eine gute Neuentdeckung für die Vertonung von Büchern.
Praktisch ist ferner, dass der Verlag den Audio-CDs zusätzlich die komplette Geschichte im mp3-Format als Zusatz-CD beifügt. Dieser Bonus wird den modernen CD-Playern gerecht und darf als innovativ bezeichnet werden.
_Klappentext_
|Der Journalist Siggi Baumeister hat alle Hände voll zu tun. Nicht nur mit der grässlich zugerichteten Leiche, die er im Eifelwald findet, gewissermaßen fast vor seiner Haustür. Auch eine resolute alte Dame aus Berlin tritt plötzlich auf den Plan und stellt sich als seine Tante Anni vor. Baumeister hat noch nie von ihr gehört. Und schließlich entpuppt sie sich als eine mit allen Wassern gewaschene Frau vom Fach, eine pensionierte Kripo-Kommissarin. Baumeister kann jede Hilfe gebrauchen, denn die Fährte, die er verfolgt, führt ihn direkt zu einem alten Stasi-Komplott, das man erschreckend wendig der neuen politischen Situation angepasst hat. Nur eines hat man beim Alten belassen: die Entschlossenheit, lästige Störenfriede gnadenlos zu liquidieren … |
|8 Audio-CDs
1 Bonus-CD im MP3-Format
Laufzeit ca. 8:35 Stunden|
http://www.hoerbuchnetz.de/
Eine kurfürstliche Gegend um 1800: Der Amtsschreiber Wilhelm und seine Geliebte Käthchen planen insgeheim ihre baldige Vermählung, benötigen hierzu aber die Zustimmung vom Vater des jungen Mädchens. Allerdings hat dieser klare Vorstellungen, was den Bräutigam seiner Tochter anbelangt, und erwartet, dass sich Käthchen mit einem Förster vermählt. Weil Wilhelm diese Voraussetzungen nach Meinung des alten Herrn aber nicht erfüllt, kommt für ihn keine Hochzeit in Frage.
Dem Amtsschreiber gelingt es aber dennoch, Käthchens Vater Bertram durch Erzählungen von seiner zweijährigen Ausbildung zum Jäger zu überzeugen. Nun muss er nur noch die alte Familientradition aufrechterhalten und zu einem festgeschriebenen Termin das kurfürstliche Probeschießen überstehen. Doch je näher der Tag des entscheidenden Schusses rückt, desto unsicherer wird der offenkundig mäßige Schütze. Ständig geht er bei der Jagd leer aus und erhöht somit die Skepsis des Hausherren. Erst als er des Nachts auf den merkwürdigen Stelzfuß trifft und von ihm Kugeln erhält, mit denen eine absolute Treffsicherheit garantiert ist, ist er optimistisch, den Probeschuss zu bestehen. Jedoch geht sein Kontingent an so genannten Freikugeln sehr schnell zu Neige. Vor lauter Verzweiflung lässt sich Wilhelm auf eine okkulte Zeremonie ein, bei deren Gelingen ihm weitere Freikugeln zugesprochen werden sollen. Gewarnt durch Erfahrungsberichte, macht sich der Freischütz Wilhelm auf den Weg in den Wald, um dem Stelzfuß erneut zu begegnen. Doch dieses Mal soll das Aufeinandertreffen weitaus schlimmere Folgen haben als zuvor …
_Meine Meinung_
„Der Freischütz“ von Johann August Apel ist die mit Abstand untypischste Story aus dem „Gruselkabinett“ von |Titania|. Zumindest wird dieser Eindruck nach dem ersten Drittel der Erzählung geweckt. Bis dorthin entwickelt sich die Geschichte nämlich eher einem Märchen gleich als einer gruseligen, gar horrorlastigen Story. Die Dialoge sind zumeist gezeichnet von nichtssagenden Inhalten, und das ständige Gerede von der Liebe zwischen Käthchen und Wilhelm sowie die fortwährende Erwähnung des Probeschießens strapazieren das Nervenkostüm (für diese Serie) ungewöhnlich hart, so dass man bereits frühzeitig dazu geneigt ist, „Der Freischütz“, zumindest in diesem Rahmen, zu disqualifizieren. Doch da hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
In der zweiten Hälfte offenbaren sich nämlich dann erst das wahre Ausmaß der Handlung und die Hintergründe für den Tod am Galgen, der der erzählenden Figur Wilhelm alias Marius Claren unmittelbar bevorsteht. Er als Protagonist erzählt die Geschehnisse aus seiner Sicht einen Tag vor seiner bevorstehenden Hinrichtung und betont dabei vorrangig das subjektive Empfinden der frustrierten, verzweifelten Hauptfigur. Es geht zunehmend mehr um seine Ängste und den sich mehrfach anbahnenden Wahn, der ihm jegliche Vernunft nimmt und ihn schließlich dahin führt, über ein satanisches Ritual seine befürchtete Bestimmung zu verändern.
Vom Zeitpunkt an, an dem man mehr über die Legende von Bertrams Urahnen Kuno, der ebenfalls angeklagt wurde, mit dem Teufel im Bunde zu sein, erfährt, steigt auch die Spannungskurve und die Relevanz des zunächst gar nicht gruseligen Inhalts. Konsequent wird der Zuhörer in die mysteriösen Geschehnisse in Wilhelms Umgebung einbezogen, bis er mit Erschrecken feststellen muss, zu welch fanatischen Aktionen der unbegabte Gewehrschütze aus reiner Liebe Käthchen gegenüber fähig ist. Als Freischütz kann der Lehrling des Försters schließlich kaum mehr vernünftige Entscheidungen treffen, ist zudem vom Grauen der finsteren Erscheinungen, die ihn bei seiner Zeremonie heimgesucht haben, verwirrt und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich diesen einen Schuss abzufeuern, um dem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Und der Schuss soll kommen, und mit ihm Dinge, die Wilhelm sich nicht einmal in seinen finstersten Nachtmahren erträumt hätte.
Nach der anfänglichen Skepsis entwickelt sich die Geschichte um den vom Schicksal geplagten Amtsschreiber schließlich doch noch zu einem atemberaubenden Hörereignis mit einer erschreckenden Tragik. Dank der ambitioniert auftretenden Sprecher und den stets rasanter werdenden Entwicklungsschritten wird die Diskrepanz zwischen beschaulicher Märchenromantik und beklemmender Dramatik letztendlich überwunden, bis dann schließlich das bitterböse Ende jegliche Zweifel ausräumt, ob „Der Freischütz“ ein würdiger Vertreter dieser prestigereichen Reihe ist – denn das ist die Geschichte, vor allem wegen der spannungsgeladenen zweiten Hälfte definitiv. Schade nur, dass die Story so erschreckend belanglos beginnt. Es mag zwar sicher so sein, dass das Original inhaltlich kaum mehr hergibt als diese ersten flachen Dialoge, doch bislang ist es für Regisseur Marc Gruppe und sein Team noch nie ein Problem gewesen, selbst solche Schwierigkeiten auszuhebeln. Sei’s drum: „Der Freischütz“ ist trotz allem ein hörenswertes Gruselerlebnis, das seinen Platz im „Gruselkabinett“ meines Erachtens auch verdient hat.
Folge 1: [„Der Sternenbastard“ 3030
Folge 2: [„Die Mascantin“ 3031
_Story_
Während die Galaxis von Raumbeben unbekannten Ausmaßes erschüttert wird und kleinere Planeten diesen zum Opfer zu fallen drohen, befinden sich Kantiran und Mal Detair auf der Flucht. Allerdings werden die beiden wegen Kantirans Blauäugigkeit beim Versuch, über das Hauptquartier des Residenten Kontakt zu seinem Vater Perry Rhodan aufzunehmen, entdeckt und trotz des regen Treibens im Solsystem festgenommen.
Jedoch hat diese Festnahme für Kantiran auch positive Auswirkungen, denn er gerät erneut in unmittelbare Nähe des berüchtigten Weltraumhelden und erhofft sich, endlich für längere Zeit Kontakt mit ihm aufzunehmen. Beim zweiten Aufeinandertreffen von Vater und Sohn gerät Kantiran aber gehörig unter Druck, denn als Gefangener muss er Rhodan davon überzeugen, ihn anzuhören, ansonsten droht er, für immer verloren und dem Tode geweiht zu sein. Tatsächlich hört Perry im Beisein seiner Assistentin den Worten seines Jungen zu und erzählt ihm hierbei zum ersten Mal ausführlich über die Kindheit Kantirans und dem, was ihr vorangegangen war. Der ‚Sternenbastard‘ ist geschockt und erfreut zugleich, kann diese Gefühle indes nicht lange auskosten, denn schon bei der nächsten Expedition entdeckt er im Beisein seines Vaters eine außergewöhnliche Planetenkonstellation, die ihn als Sternenozean noch länger beschäftigen soll.
_Meine Meinung_
Ich schrieb bereits in der Rezension zur vorherigen Episode „Die Mascantin“, dass sich die Handlung nach einer kurzen Einleitung ziemlich rasant entwickelt und grobe Umrisse des Gesamtkonstrukts „Sternenozean“ erkennen lässt. Diese Aussage möchte ich nunmehr revidieren, weil in der dritten Folge gänzlich neue Gedankenzüge in die Handlung einfließen, die zum einen den Namen des Zyklus‘ näher erörtern, zusätzlich aber auch wesentlich detaillierter die Richtung der Serie zu bestimmen scheinen, die im Übrigen hier noch einmal einer gehörigen Kurskorrektur unterzogen wird.
Weiterhin werden neue wichtige Charaktere in die Geschichte mit einbezogen und verleihen der ohnehin schon ziemlich umfangreichen Story neue Farben, die von den Machern des Hörspiels auch umgehend zu einer bunten Untermalung verwendet werden. Des Weiteren vollzieht sich in „Der Hyperschock“ einer der sicherlich entscheidendsten Momente mit dem ersten richtigen Aufeinandertreffen der Protagonisten Kantiran und dem bis hierhin kaum in Szene gesetzten Titelhelden. Dieser wird auch dementsprechend majestätisch empfangen, begleitet von einem heroischen Musikstück des Berliner Filmorchesters, und bekommt so auf Anhieb die Stellung des Unantastbaren zugeschrieben. Volker Lechtenbrink scheint seine Sprecherrolle allerdings auch jede Menge Spaß zu bringen, denn seine Darbietung zeugt von Stolz, aber auch von Souveränität, die sich besonders im Dialog mit Kantiran herauskristallisiert.
Mit seinem Hinzukommen nehmen die Dinge erst so richtig ihren Lauf; die Vergangenheit ist gelöst, und nur die Zukunft wird noch in Augenschein gefasst, beginnend mit den tumultartigen Weltraumbeben, die das gesamte All erschüttern, bis hin zu den hierauf bezogenen Entdeckungen, die mit Sicherheit Thema der nächsten Hörspiele sein werden. Außerdem stehen einige aus der Vergangenheit resultierende Ereignisse in unmittelbarer Zukunft zur Diskussion, so wie beispielsweise das Attentat auf Ascari da Vivo, deren geheimnisvolle Aura sich in „Der Hyperschock“ ebenfalls langsam und bedächtig lichtet.
Mittels dieser neuen Aspekte wird das scheinbar unerschöpfliche Potenzial dieser legendären Heftroman-Serie auch gekonnt in die Audio-Fassung übertragen und macht den aktuellen Hörspiel-Zyklus mitunter zur spannendsten, garantiert aber zur am packendsten und am effektivsten inszenierten Variante der bisherigen „Perry Rhodan“-Vertonungen. Ich hoffe bereits zu diesem Zeitpunkt inständig, dass |Lübbe Audio| den geplanten Umfang von „Sternenozean“ auch tatsächlich produzieren und in den Handel bringen werden, vor allem auch, weil die Auswahl an Science-Fiction-Hörspielen derzeit doch ziemlich mangelhaft ist, in erster Linie aber natürlich wegen der genialen Umsetzung, die auch bei „Der Hyperschock“ voll ins Schwarze trifft.
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29
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