Giordano Bruno – Der Kerzenzieher

Giordano Bruno (1548 – 1600) war einer der bedeutendsten Philosophen der Renaissance und ist neben den akademischen Geisteswissenschaften in vielen Szenen ein Begriff, denn sowohl die Mystiker als auch die Okkultisten ebenso wie die Heiden – wobei es sonst selten der Fall ist, dass diese sich für solche Denker interessieren – verehren heute Bruno als Genie, das seiner Zeit weit voraus war. Bruno wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da er nicht bereit war zu widerrufen. Er war zuerst Dominikaner, bevor er der Kirche den Rücken kehrte und zu einem pantheistischen kosmologischen Weltbild fand.

 

Das vorliegende Buch – in der |Philosophischen Bibliothek| erschienen – ist weitgehend unbekannt geblieben und für Philosophie auch sehr ungewöhnlich. Denn es handelt sich um ein Theaterstück, eine Komödie sogar. Bruno versuchte darin, sein Denken in einem neuen Gewand über die Bühne dem einfachen Volk vermitteln zu können. Natürlich ist es hinter der Komödie ein philosophisches Theaterstück, ein literarisches Bravourstück sondergleichen gar. Die Struktur des Stückes ergießt sich in eine kaleidoskopische Vielfalt und ist ständig äußerst zweideutig. Bereits der Titel „Der Kerzenzieher“ sorgt für konträre Assoziationen. Einerseits evoziert es den Lichtbringer Luzifer, andererseits ist es eine damals gängige Bezeichnung für einen passiven Homosexuellen (was in diesem Falle auch inhaltlich passt). Die Kerze fungiert dabei als Metapher für das männliche Geschlecht.

Aber es ist nicht nur eine Parodie, sondern ein Lehrstück in griechischen Mysterien, Philosophie, Alchemie und Religion überhaupt, wobei das Christentum in vielen Anspielungen natürlich kritisch persifliert wird. Ein wahrer Mikrokosmos pervertierter Ideale der Renaissance-Kultur wird hier in derber Sprache selbst dem heutigen Leser verständlich gemacht. Agrippa von Nettesheim hatte zu dieser Zeit gerade auch sein Kompendium magischer Traditionen, „De occulta philosophia“, veröffentlicht, auf die Bruno sehr viel Bezug nimmt.

Inhalt der Komödie ist die Kunst der Transmutation. Die Verwandlung aller Dinge und ihre Beeinflussung wird von den agierenden Personen mit unterschiedlichem Geschick betrieben: Bonifacio will durch die Kraft der Magie eine Transmutation im Objekte seiner Liebe, der Prostituierten, hervorrufen. Sie soll ihn wirklich lieben, damit er nicht bezahlen muss. Dazu lässt er eine Wachspuppe anfertigen, die in einer magischen Prozedur manipuliert wird. Bartolomeo bedient sich einer anderen Art von Alchemie, die aus Dreck Gold machen will. Dabei kommt es zu den häufig in dieser Arkandisziplin angewandten Trickbetrügereien. Es geht vor allem um sexuelle Energie, da Bruno diese auch als Zentrum der Schöpfungskraft begriff. Und da schreckt er vor Obszönitäten nicht zurück: „Warum hat die Möse keine Knöpfe? Weil der Schwanz keine Finger hat, um sie zu öffnen.“ Er versuchte sich mit dieser Komödie als Prophet einer neuen Philosophie und Religion zu inszenieren.

Dem Meiner-Verlag ein großes Lob, einen so ungewöhnlichen und lustvoll zu lesenden Text wieder zugänglich gemacht zu haben.

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

Ardagh, Philip – Schlechte Nachrichten

Diese Geschichte ist der dritte und damit leider schon letzte Teil der Trilogie, die in „Schlimmes Ende“ ihren schlimmen Anfang nahm und in [„Furcht erregende Darbietungen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=367 so grässlich fortgesetzt wurde. Klarer Fall: Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen!

Das drei CDs umfassende Hörbuch dauert 215 Minuten, also etwa dreieinhalb Stunden.

_Der Autor_

Der Ire Philip Ardagh ist über zwei Meter groß und trägt einen buschigen Bart (und ähnelt damit dem Sprecher Harry Rowohlt in frappierender Weise) – wie sein Foto belegt (das sich auf der fabelhaften und unterhaltsamen [Homepage]http://www.philipardagh.com/ des Autors finden lässt). Außerdem hat er mehr als 60 Kinderbücher geschrieben, für Kinder jeden Alters und unter verschiedenen Pseudonymen. „Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie ‚Schlimmes Ende‘ „, verrät der Verlag. Ardagh lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem Küstenort in England. Er arbeitete als Werbetexter, als Krankenhausputzkraft, als Bibliothekar und als Vorleser für Blinde, bevor er aus dem Schreiben einen Fulltime-Job machte. Im Booklet ist ein Porträt zu sehen.

_Der Sprecher_

Auch dieses Buch wurde wieder von Harry Rowohlt übersetzt, und er ist auch der Sprecher des ungekürzten Hörbuchs. Rowohlt lebt in Hamburg, ist Übersetzer, Autor, Rezitator, Zeit-Kolumnist und Gelegenheits-Schauspieler in der „Lindenstraße“. Er hat weit über hundert Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Die Liste der ihm verliehenen Preise würde den Rahmen sprengen. Seine Lesung von „Pu der Bär“ gehört zu den erfolgreichsten Hörbuchproduktionen der letzten Jahre.

_Handlung_

Eddie Dickens soll nach Amerika segeln. Ja, schön, aber warum ausgerechnet Eddie und wozu überhaupt?

Um dies verständlich zu machen, sind natürlich längere Erklärungen notwendig. Eddies Mutter hat eine Artilleriegranate über ihren Gartenzaun geworfen. So etwas tut man nicht alle Tage, nicht ungestraft und schon gar nicht ohne entsprechende Folgen. Die Explosion der Granate tötet einen friedlich unter Rhabarberblättern schlummernden Ex-Soldaten des Wahnsinnigen Onkels Jack (W.O.J.), verteilt seine Bestandteile über den Garten, streckt Mutter Dickens nieder und wirft Vater Dickens aus dem Baum, so dass er fürs Erste nur noch liegenderweise arbeiten kann. Letztere sind also reiseunfähig.

Dass W.O.J. und die Noch Wahnsinnigere Tante (N.W.T.) Maude ebenfalls nicht als Reisende infrage kommen, dürfte wohl einleuchten. Man kann sie einfach nicht auf die Menschheit loslassen. Man engagiert also eine Gesellschafterin, die Eddie auf der Schiffspassage begleiten soll. Lady Constance Bustle spricht zwar schönstes Oxford-Englisch, doch eines an ihr ist merkwürdig: Alle ihre früheren Arbeitgeber sind eines mehr oder weniger unnatürlichen Todes gestorben. Natürlich hat sie deren Erbschaften gerne angenommen und das Testament in keinem Fall angefochten. Ein Frauenzimmer in Zeiten Königin Viktorias muss sehen, wo es bleibt. Außerdem sei sie farbenblind. Welch ein entsetzliches Schicksal.

Der Zweck der Reise ist weniger zwielichtig. Der W.O.J. hatte zwei Brüder, Percy und George. Während Percys Nase stets in einem – und zwar immer demselben – Buch gesteckt hatte, begab sich George auf in die Neue Welt und gründete eine Zeitung, die nur die Wahrheit verkündete: Sie hieß „Schlechte Nachrichten“. In letzter Zeit sind die Rechenschaftsberichte der Betreiber vor Ort ausgeblieben, und als Einziger der Familie Dickens kann sich Eddie nach Amerika begeben, um herauszufinden, ob es Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Schließlich wollen W.O. Jack und sein Bruder, Eddies Vater, wissen, wo ihr Geld geblieben ist. Sie könnten es jetzt, nachdem ihr Zuhause „Schlimmes Ende“ abgebrannt ist, gut gebrauchen.

Auf geht’s! (Endlich, nach zwei Dritteln des Buches!)

Die Bahn bringt Eddie in Begleitung seines W.O. Jack und der Lady Bustle nach Bad Schlammingen, wo auf dem Fluss schon der Segler „Riesenross“ auf ihn wartet. Ein Ruderboot unter dem Kommando eines gewissen „Jolly Roger“ bringt sie an Bord. Eddie entdeckt bald, dass es noch einen dritten Passagier gibt. Öha, es ist der Sträfling Protz, den Eddie in Teil 2, „Furcht erregende Darbietungen“, ins Gefängnis gebracht hatte.

Nach der Abfahrt der „Riesenross“ meldet der W.O. Jack auf der Polizeiwache von Bad Schlammingen, dass er seine Frau, die N.W.T. Maude, vermisse. Der Kriminalinspektor schließt aus Jacks Angaben messerscharf, dass sie sich wohl in Eddies Überseekoffer versteckt habe und sich nun ebenfalls auf der „Riesenross“ befinde. Ob dieses Trio wohl je lebendig in Amerika ankommen wird?

_Mein Eindruck_

Bangen und Zweifel sind durchaus angebracht, denn schließlich fahren ja auch eine vielfache Mörderin und ein entflohener Sträfling mit. Es grenzte an ein Wunder, sollte sich dieser Schlamassel zu einem Happyend entwickeln. Mit Verlaub gesagt: Es |ist| ein Wunder.

Der Autor wendet sich in seinem Buch bzw. Hörbuch natürlich an Kinder, empfohlen ist ein Alter ab zehn Jahren. So alt dürfte nun wohl auch Eddie sein, der Held, dem unsere ganze Sympathie zu gelten hat, denn schließlich hat er es wahrhaftig nicht leicht in einer Welt voller Geisteskranker und Mörder. Und wenn Erwachsene ausnahmsweise einmal weder wahnsinnig noch mörderisch daherkommen, dann sind sie, wie Eddies Eltern oder der Captain der „Riesenross“, garantiert so unterbelichtet und naiv, dass sie den Schurken im Stück nichts entgegenzusetzen haben. Bleibt also nur Eddie übrig, um den Tag zu retten. Ist ja klar: Er ist der Held dieses Stückes, und von ihm hängt es ab, ob das Buch bzw. die Geschichte zu einem glücklichen Ende findet oder nicht. Nicht, dass es ihm irgendjemand danken würde.

Philip Ardagh ist mit keinem anderen Autor, den ich kenne, zu verwechseln. (Oh ja, man kann ihn mit allen möglichen vergleichen, wie etwa Eoin Colfer, aber das bringt nichts.) Keinem gelingen derart skurrile Gestalten und unglaublich verwickelte Situationen (wie jene mit der Granate). Und keiner geht derart gnadenlos mit seiner Hauptfigur um. Dennoch entwickelt die Geschichte von „Schlechte Nachrichten“ wider Erwarten eine Spannung, die von innen heraus kommt, als sich die uns bereits ausführlich vorgestellten Figuren in Machenschaften von großer krimineller Energie verwickelt sehen.

Zu den Eigenarten des Autors gehört eine weitere Marotte: Immer wieder verwendet er kulturelle und sprachliche Rätsel. So kommen einige Details über Schiffstypen der viktorianischen Ära zur Sprache, deren Erklärung lehrreich sein kann. Sprachliche Rätsel sind häufiger. Abgefahrene viktorianische Ausdrücke wie „revivifizieren“ (vulgo: wiederbeleben, im Sinne von „die Lebensgeister wieder erwecken“) oder auch seemännische Ausdrücke wie „krängen“ (vulgo: schwanken, schlingern) werden allsogleich vom Sprecher/Übersetzer erklärt.

Und überhaupt: Wo kommt der Mondschein her, wenn der Mond weder ein inwendiges Feuer besitzt noch einen Satz Batterien? Merke: Der Schein des Mondes stammt von der Sonne. Darauf muss man erstmal kommen. Wie man sieht, lernt man in einem Ardagh-Buch immer etwas dazu.

|Der Sprecher|

Harry Rowohlt macht als Sprecher einen phantastisch guten Job. Er verleiht jeder Hauptfigur ihre eigene Ausdrucksweise. So ist Mrs. Dickens die verhuschte, zurückhaltende viktorianische Dame („seen but never heard“), während die Wahnsinnige Tante Maud ihr „brutalstmögliches“ Gegenteil darstellt: Ihr schnarrendes Gebrüll jagt einem immer wieder den Schreck in die Glieder. Dennoch ist ihr Mann, der W.O. Jack, völlig in sie verknallt.

Klein-Eddie klingt wie die Stimme der Vernunft, der gegenüber der Wahnsinnige Onkel Jack und die Noch Wahnsinnigere Tante Maude – nun, was wohl? – verkörpern. Ihnen gegenüber ist Lady Bustles verfeinertes Upper-Class-Englisch der reinste Wohlklang. Wie doch Stimmen täuschen können! In ihr verbirgt sich das schwarze Herz einer Mörderin.

Hier bringt Rowohlt sein in jahrelanger Übersetzungsarbeit erworbenes und verfeinertes Sprachgefühl ein: Es gibt keine falschen Noten in sprachlicher Hinsicht und schon gar nicht in intonatorischer Hinsicht. Allenfalls über die Betonung des einen oder anderen Satzes könnte man sich streiten. Nicht jedoch bei den VERSALIEN: Man hört förmlich die Großbuchstaben. Ein weiteres Schmankerl ist zu hören, wenn zwei Stimmen gleichzeitig erklingen. Hat sich der Sprecher verdoppelt? Mitnichten, er hat sie nur zeitversetzt aufgenommen und übereinandergelegt.

Einen kleinen Scherz genehmigt man sich schließlich mit Erlaubnis des Autors, als „die Stimme seiner Lektorin“ ertönt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Kastratenversion von Harry Rowohlt, sondern um eine echte Frau, möglicherweise um Wanda Osten, die Regisseurin und Tontechnikerin des Hörbuchs.

Apropos Tontechnik: Die Aufnahmequalität ist vom Feinsten. Denn die Lautstärke des Vortrags schwankt ständig, und einmal klopft der Sprecher sogar an das Mikrofon, um einen entsprechenden Laut zu simulieren. All dies auf höchster Qualitätsebene abzufangen, verlangt schon einige Nerven. Die Technik sei hier ausdrücklich gelobt.

|Das Booklet|

Es kann nicht unterbleiben, das Booklet zu beschreiben. Im Vergleich zu den beiden früheren CDs der Eddie-Dickens-Reihe scheint man sich diesmal viel mehr Mühe bei der grafischen Gestaltung gegeben zu haben. Es enthält sechs Originalillustrationen des unnachahmlichen David Roberts und vermittelt somit eine gute Vorstellung von der grafischen Pracht des Buches.

Nicht genug damit, sind auch die Oberseiten der Discs mit Illustrationen bedruckt (bei den Unterseiten wäre das wohl ein wenig zu viel des Guten gewesen). Sie zu beschreiben, wäre wirklich müßig und würde dem Interessenten die Vorfreude verderben. Muss man einfach selber gesehen haben.

_Unterm Strich_

Wie schon in den zwei Vorgängern dauert es auch in „Schlechte Nachrichten“ erst einmal eine ganze Weile, bis Eddie – und mit ihm der Hörer – weiß, wo’s langgeht und was Sache ist. Siehe meine obigen ersten Fragen. Nach Bewältigung diverser Startschwierigkeiten „geht’s dann los“ – und gleich rein ins Abenteuer, in dem sich unser Held als ebensolcher entpuppt und bewährt.

Die spiralförmige Erzählbewegung, die Ardaghs Markenzeichen geworden ist, mag ja nun nichts jedermanns Sache sein, ist aber unbedingt notwendig, um den Figuren Leben einzuhauchen. Auch wenn sie dabei noch so unwahrscheinlich erscheinen – den Kinder gefällt es bestimmt. Denn idealisierte Helden wie einen gewissen Harry Schotter gibt es schon viel zu viele.

Harry Rowohlts Übertragung ins Deutsche und sein kongenialer Vortrag macht das Hörbuch zum Erlebnis. Allerdings bietet die Erzählung so viele merkenswerte Einzelheiten, dass sich eine mehrfach eingelegte Pause dringend empfiehlt. Es sei denn, man macht sich wie ich laufend Notizen, um nicht den Überblick zu verlieren. (Wer hätte beispielsweise gedacht, dass die Farbenblindheit Lady Bustles noch einmal wichtig werden könnte, hm, wer? Na, also.)

Und endlich: Es gibt eine Altersempfehlung vom Verlag! Man lernt! Ein Lichtblick am umwölkten PISA-Horizont.

Schwarz, Maren – Grabeskälte

Die Göltzschtalbrücke im Vogtland erlangte in den letzten Jahren traurige Berühmtheit, da sie Schauplatz vieler Suizide war. Eines Tages wird dort auch die Leiche der erfolglosen Krimiautorin Cora Birkner gefunden. Auf ihrem Computer findet sich ein Abschiedsbrief – somit ist die Sache für die Polizei klar: Selbstmord. Der Fall wird zu den Akten gelegt. Doch der ermittelnde Kommissar Henning Lüders und der Ehemann der Verstorbenen haben ihre berechtigten Zweifel. Nach seiner Pensionierung ermittelt Lüders auf eigene Faust weiter und entdeckt unheimliche Details in Coras Vergangenheit. Vor über zwanzig Jahren wurde ihre Klassenkameradin auf bestialische Art ermordet. Der Mordfall gilt als aufgeklärt, doch offensichtlich handelte es sich bei dem Täter damals um den falschen Mann. Cora kannte die Identität des wahren Mörders und hatte dieses Geheimnis ihr Leben lang gehütet. Doch von Albträumen und Schuldgefühlen geplagt, entschloss sie sich, mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen – in Form eines Kriminalromans. Nachdem sie das Manuskript an einige Verlage geschickt hatte, starb sie. Lüders begibt sich auf die fieberhafte Suche nach dem Werk, als sich die Ereignisse überschlagen.

Maren Schwarz, Jahrgang 1964, lebt in einer kleinen Stadt im Vogtland und legt mit „Grabeskälte“ ihren zweiten Roman vor. Im Frühjahr 2005 wird ihr dritter Kriminalroman mit dem voraussichtlichen Titel „Dämonenspiel“ erscheinen.

„Grabeskälte“ wird auf dem schön gestalteten Buchumschlag des |Gmeiner|-Verlags als „Roman mit Psychothriller-Qualitäten“ angekündigt. Es handelt sich dabei um eine klassische Whodunnit-Geschichte, bei der der Leser den Kommissar bei seinen Ermittlungen begleitet und ihm hin und wieder einen Blick über die Schulter wirft. Die Grundidee des Romans, auch die Einbindung der Göltzschtalbrücke, ist sehr originell und hat sicherlich Spannungs-Potenzial. Dennoch weist das Werk einige Schwächen auf. Der Prolog ist sehr klischeebeladen und die Sprache mutet eher schwülstig an – weniger wäre sicher mehr gewesen. Danach geht es etwas besser weiter, doch die Sätze und Formulierungen kommen teilweise etwas holprig daher. Gewisse Abläufe und Situationen werden sehr naiv dargestellt und die handelnden Personen bedienen viele Klischees, so zum Beispiel der pensionierte, verwitwete Kommissar, der alle eigenen Interessen hinten anstellt, um den Fall aufzuklären. Dadurch erscheinen die Personen und ihre Handlungsweisen als leicht unglaubwürdig. Die vertrauten Menschen in Coras Umgebung, wie ihre Mutter oder ihr Ehemann Ralph, haben nie eines ihrer Manuskripte gelesen, obwohl Cora seit Jahren schrieb und sehr viel Wert auf die Meinung ihrer Familienmitglieder legte. Diese Tatsache wirkt daher sehr unglaubhaft und zu konstruiert. Trotzdem nimmt die Handlung während der zweiten Hälfte des Buches an Fahrt auf und es wird tatsächlich noch sehr spannend. Die Auflösung der Geschehnisse ist dabei mittelmäßig. Doch ungeachtet dieser Schwächen ist das Buch unterhaltend und stellenweise sehr reizvoll. Es ist sicherlich kein Meisterwerk des Kriminalromans und auch kein richtiger Psychothriller, aber für eine kleine Abwechslung im Wartezimmer oder am Strand durchaus geeignet. Dazu muss gesagt werden, dass aufgrund des geringen Umfangs (ca. 220 Seiten bei großer Schrift) nicht genügend Platz eingeräumt wurde, um die Hauptpersonen in einer adäquaten Art zu entwickeln und hinreichend glaubwürdig darzustellen.

Robert Crais – Feuerengel

In Los Angeles nimmt ein trickreicher Bomberleger die Männer und Frauen des hiesigen Entschärfungskommandos aufs Korn. Trotz diverser Neurosen ermittelt die beste Frau des Teams, woraus sich ein Wettstreit zwischen zwei von Dämonen getriebenen Gegnern entwickelt … – Routinierter Cop-Krimi aus USA. Die Handlung setzt sich bis ins Detail aus längst bekannten Thriller-Elementen zusammen, die Figuren kennen wir aus Film & Fernsehen. Weil der Autor sein Handwerk versteht, begleiten wir ihn trotzdem auf diesen turbulenten Tanz um die Höllenmaschine.
Robert Crais – Feuerengel weiterlesen

Garland, Alex – Koma, Das

Ein junger Mann wird in der Londoner U-Bahn brutal zusammengeschlagen, wird bewusstlos und fällt ins Wachkoma. In der Parallelwelt versucht er zu erkunden, was mit ihm geschehen ist und wie er seine neue Existenzform zu bewerten hat. Am Schluss steht die Erkenntnis: „Du wachst auf, du stirbst.“

_Der Autor_

Der 1970 geborene, britische Autor Alex Garland lieferte mit seinem Aussteiger-Roman „Der Strand“ die Vorlage zu dem erfolgreichen DiCaprio-Film „The Beach“. Doch wesentlich stilvoller sind die verwobenen Erzählungen in dem Nachfolgeroman „Manila “ („Tesseract“). Garland lebt in London, wo sonst.

_Handlung_

Als Carl, ein junger ehrgeiziger Büroangestellter mit der letzten U-Bahn nach Hause fährt, wo seine Freundin Catherine auf ihn wartet, wird er Zeuge, wie vier Rowdies eine junge Frau belästigen. Er versucht, ihr zu Hilfe zu kommen, wird aber daraufhin brutal zusammengeschlagen.

Er erwacht erst nach einigen Tagen tiefer Bewusstlosigkeit im Krankenhaus. Dem Polizisten kann er kaum antworten, denn sein Kiefer ist gebrochen. Etwas später darf er nach Hause zurückkehren, und dabei macht er eine schockierende Entdeckung. Seine Umgebung verändert sich ohne sein Zutun. Die Welt, die ihn umgibt, beginnt, ihm frend zu werden und er hat das Gefühl, sich in einer Traumlandschaft zu bewegen. Traum und Wirklichkeit sind ununterscheidbar geworden.

Da taucht ein Taxifahrer auf, der ihn zurück ins Krankenhaus fährt und ihm ein bestimmtes Bett zeigt. Darauf liegt ein schlafender Mann: Carl selbst. „Dies ist der Koma-Trakt“, sagt der Pfleger. Und wie kommt nun der im Wachkoma liegende Carl zurück in das, was wir als Wirklichkeit anerkennen? Es ist ein langer Weg voller Mühen. Wird das Ziel die Anstrengung lohnen?

_Grafiken_

Die jedem der sehr kurzen Kapitel vorgeschalteten Schwarzweiß-Grafiken sehen ein wenig aus wie Holzschnitte, doch dürfte die Technik eine andere sein. Ich bin dafür kein Experte. Der Künstler heißt Nicholas Garland, offenbar ein Verwandter des Autors. Tipp: Man kann durch schnelles Blättern das Buch auch als Daumenkino benutzen.

_Mein Eindruck_

Der Kurzroman mutet wie eine Phantasie von Philip K. Dick an. Für diesen Altmeister wäre sie allerdings lediglich eine Fingerübung gewesen. Garland beschränkt sich auf Erfahrungen seiner Hauptfiguren, die wir auch nachvollziehen können. Carl schwebt nicht zum Mars oder sonstwohin, sondern bleibt brav in London. Seine geistige Reise führt ihn – wie könnte es anders sein? – zurück in die früheste Kindheit, wo er seinen Eltern begegnet. Aber auch in der Rückbesinnung auf das, was er an jenem Unglücksabend im Büro tat, findet er Hinweise darauf, wie er seine „geistige Gesundheit“ zurückerlangen kann.

Doch der Autor zeigt, dass die Rückkehr keineswegs einfach ist. Das Erinnerungsvermögen des Menschen funktioniert eben nicht linear, sondern assoziativ, und so mag es nicht verwundern, wenn Carls Gedächtnis nur Fragmente von Sätzen aus den Bürodokumenten zusammenkratzt. Drei chinesische Figuren dienen als Haltepunkte – sie teilen den Gesamttext kontrapunktisch in mehrere Segmente auf. Was aber am meisten beunruhigt, ist Carls Erkenntnis: „Du wachst auf, du stirbst.“

Dieser Satz wirft ein Schlaglicht darauf, dass auch das Dasein im Koma eine legitime Existenzform sein kann. Es ist ein Parallel-Leben, nur eben in einer anderen Dimension der Wahrnehmung und Erinnerung. Zahllose Menschen in Krankenhäusern rund um den Globus teilen diese Erfahrung. Auch Douglas Coupland wusste darüber zu schreiben: in „Girlfriend in a Coma“.

Der Durchbruch ins „Wachsein“ ist daher für Carl & Co. keineswegs schmerzlos, sondern wie ein Geburtsvorgang der Austritt ins Ungewisse. Carl überlässt es dem Leser seines Berichts zu erraten, was er als erstes sieht.

_Unterm Strich_

Dies könnte das Vorspiel zu Danny Boyles Horror-Zukunfts-Vision „28 Days“ sein. Die männliche Hauptfigur liegt im Koma und erwacht in einer auf schreckliche Weise veränderten Welt. Doch „Koma“ schildert nicht das Ende, sondern den Anfang dieses Eintritts in eine Parallelwelt. Das Koma als legitime Existenzform hätte sicher auch Philip K. Dicks gebrochenen Helden gefallen.

Hier sind Traum und Wirklichkeit ebenso ununterscheidbar wie die eigene Identität unerkennbar. Die anderen Leute, denen Carl begegnet, scheinen ihn alle zu kennen, doch ist Carl wirklich der, für den sie ihn halten? Seltsame Sprünge geschehen in seiner Zeitwahrnehmung, als sei sein Leben ein Film aus geschnittenen Szenen. Wurde sein Gedächtnis editiert? Carl hat in einem Büro an Dokumenten gearbeitet, die sich mit anderen Staaten wie etwa Columbien befassen. War er ein Regierungsagent? Wurde er überwacht und bei Gefahr „aus dem Verkehr gezogen“?

Uns bleiben nur Spekulationen darüber, was Garland andeuten möchte. Doch es ist festzuhalten, dass die Lektüre anregend ist, denn Carl ist keineswegs blöd. Auch die Grafiken von Nicholas Garland tragen viel zum speziellen Reiz dieses Kurzromans bei (allerdings 160 Seiten statt der bei Amazon angegebenen 120).

Klugmann, Norbert – Schlüsselgewalt

|Mord an einem 17-Jährigen. Dazu ein Keller voll wertvoller Weine. Doch leider kein Raubmord, wie Kommissar Waldmeister feststellt. Und leider kein gewöhnlicher Fall, denn der Junge ist Sohn eines einflussreichen Reeders. Außerdem ist da noch der alte Schlüssel in der Flasche … Wo ist das Motiv?|

_Der Autor_

Norbert Klugmann, Jahrgang 1951, ist Autor zahlreicher Kriminalromane, von denen „Beule oder wie man einen Tresor knackt“ und „Vorübergehend verstorben“ verfilmt wurden. Mit „Rebenblut“ hat der Hamburger seine Reihe „weinhaltiger“ Marchese-Krimis im |Gmeiner|-Verlag gestartet, „Schlüsselgewalt“ soll nicht der letzte sein …

_Inhalt_

Im Weinkeller des Weinliebhabers Grünfeldt wird die Leiche des jungen Felix von Oldenburg, Sohn eines bekannten Lübecker Reeders, gefunden. Zufällig wohnt der Marchese, ein sehr guter Freund von Grünfeldt und legendärer Weinkenner, derzeit bei seinem Freund in Lübeck. Als er morgens erwacht, findet er auf seinem Tisch eine Flasche Wein, in der sich ein alter Schlüssel befindet.

Auf der einen Seite die Polizei um Kommissar Waldmeister, der das öffentliche Interesse an Felix‘ Mord fürchtet, auf der anderen Seite der Marchese, der sich auf eigene Faust an die Ermittlungen macht und der Konkurrenz die Sache mit dem Schlüssel vorenthält. So scheint der Marchese schnell Oberwasser zu gewinnen und kommt auf die Spur eines uralten Hanse-Geheimnisses, zu dem vier gleich alte Schlüssel führen. Waldmeister verkriecht sich schnell in einer Affäre mit der Freundin von Phillip, der seit dem Mord an seinem Freund Felix verschwunden ist. Und irgendwo lauert ein Popstar, auf der Suche nach außergewöhnlichen Weinen.

Obwohl der Marchese schnell an den zweiten Schlüssel gerät, scheint es keine logische Verbindung zu dem brutalen Mord zu geben. Trotzdem gräbt er sich weiter in die Vergangenheit mit seinem untrüglichen Instinkt, dort die entscheidenden Hinweise zu finden. Und tatsächlich fördert er eine Geschichte zutage, die aus den letzten Tagen der Hanse nach der Gegenwart greift:

|»Kennt ihr diese blöden Krimis, wo sie bis zur letzten Seite nach einem Motiv suchen …?«|

Und das Motiv ist wirklich überzeugend …

_Kritik_

|»Heute stieß er sich nicht den Kopf. Daran erkannte er, dass er im Begriff war, sich im Keller wie zu Hause zu fühlen …«|

Ein guter Anfang ist schon die halbe Miete, hört man manchen sagen, der sich auskennt. Klugmann hat einen sehr fesselnden Anfang zustande gebracht – nicht unbedingt von Inhalt und Spannung her, sondern stilistisch. Und so geht es weiter, ständig reißt er den Leser mit seinen plötzlichen Orts-, Zeit- und Personenwechseln … nicht aus dem Lesefluss. Wenn man könnte, würde man lesen, bis die Geschichte endet. Leider machen hier andere Bedürfnisse manchmal ihre eigenen Gesetze. Nein, er reißt uns mit, tiefer in die Geschehnisse hinein, beleuchtet den roten Faden aus verschiedenen Blickwinkeln, mit Hilfe verschiedener Charaktere, die jeder für sich einzigartig und völlig glaubwürdig sind.

Manchmal, vor allem bei Absätzen und Szenenwechseln, die durch ihr perfektes Zusammentreffen mit dem Seitenwechsel gestalterisch unbemerkt kommen, ist es im ersten Moment verwirrend und erfordert höhere Konzentration: Wenn ähnliche Stimmungen gezeichnet werden oder aber gänzlich andersartige Ereignisse in den Vordergrund treten.

Schön ist die Darstellung von Charakterzügen und geschichtlichen Hintergründen zur Hanse, deren Hinterlassenschaften – ob von alten Familien verwaltet oder zeitweise verschollen – gerade in der heutigen Kommerzgesellschaft wieder Einfluss gewinnen könnten. Jahrhundertelange Pflege der Traditionen steht vor dem Ende, wenn die menschliche Gier geweckt wird.

Bei dieser sehr guten Leistung kommt es ein leider klischeehaft daher, wie Kommissar Waldmeister als Junggeselle erstens sich seiner Kollegin gegenüber wie ein Macho verhält und zweitens während der Ermittlungen mit der Freundin von Phillip anbandelt. Man erfährt in einigen Szenen aus Waldmeisters Gedanken, wo seine wahren Interessen liegen:
|»Da irrst du dich, Mädchen! Ich bin dazu da, dass du wach bleibst – die ganze Nacht!«|
So bleibt es auch nicht aus, dass Waldmeister über seine erotischen Fantasien die Ermittlungen aus den Augen verliert – bis sich herausstellt, dass Beheshta, seine kleine Gespielin, nicht ganz so harmlos ist, wie sie aussieht.

Die beiden alten Männer (Grünfeldt und der Marchese) haben nichts gegen den Tod einzuwenden. Nur ist es ihnen zuwider, dass ein Jugendlicher, der sein ganzes Leben vor sich hat, ermordet wurde. Vielleicht kann man so erklären, dass es in den letzten Kapiteln des Buches zu blutrünstigen Szenen kommt, dass es sogar brutale Folterungen – gerade auch im Zeichen des Guten – gibt. Eine Frage stellt sich mir in diesem Kontext: Der millionenschwere Popstar, von einem Profikiller attackiert und misshandelt, zieht mit einer Horde von Amateuren los – warum engagiert er keine Profis?

_Fazit_

Trotz mancher verwirrender Eingriffe ein hervorragend unterhaltender Roman mit nachvollziehbarer Handlung und realistischen Charakteren; der Autor bindet jeden wie hingeworfen erscheinenden Gedanken gekonnt in den Kontext ein, so dass sich alle handlungsrelevanten Fragen wie von selbst beantworten. Die oben erwähnten Mängel schmälern das Lesevergnügen nur marginal und sollten nicht als Kaufkriterien angesehen werden. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Roman, sowohl für hansegeschichtlich Interessierte und Krimifans als auch einfach zur Unterhaltung.

|Weitere Informationen unter http://www.gmeiner-verlag.de/ |

Robert D. Ballard / Rick Archbold / Ken Marschall – Lost Liners

Sic transit gloria mundi – so vergeht der Ruhm der Welt …

Auf kein anderes Verkehrsmittel trifft dieses Zitat mehr zu als auf Transatlantik-Schiffe, denn ihre Zeit ist längst vorbei, dank des Aufkommens der Fliegerei sind diese Ozeanriesen immer mehr in den Hintergrund gedrängt und schließlich komplett obsolet geworden. Doch auch während ihrer Hochzeit war nicht immer alles zum Besten bestellt und spätestens seit dem Untergang der Titanic hat die Technikgläubigkeit der Menschheit einen schweren Schlag erlitten. Seereisen sind gefährlich, die Natur lässt sich selbst mit der ausgeklügelsten Technik nicht überlisten und allzu oft waren Schiffskatastrophen auch durch schlichtes menschliches Versagen gekennzeichnet. Ballard, Archbold und Marschall beleuchten in diesem Band die Geschichte der Passagier-Seefahrt und führen den Leser zu ausgewählten Wracks der einst stolzen und erhabenen Ozeanriesen – gemäß dem Untertitel: „Von der Titanic zur Andrea Doria – Glanz und Untergang der großen Luxusliner“

Robert D. Ballard / Rick Archbold / Ken Marschall – Lost Liners weiterlesen

Lovecraft, H. P. / Carter, Lin / Howard, Robert E. / Smith, D. R. / Aster, Christian von – Cthulhu-Mythos, Der

Zwei dieser Horror-Erzählungen begründeten den |Cthulhu|-Mythos, die anderen führen ihn weiter. Die inszenierte Lesung wird getragen von der beeindruckenden und (in Grenzen) wandlungsfähigen Stimme von Joachim Kerzel. Ein Schmankerl sind die Lebensbeschreibung und die Story-Einführungen von „H. P. Lovecraft selbst“, geschrieben von Verleger Frank Festa.

Dieses Produkt wurde zum „Besten Hörbuch/Hörspiel des Jahres 2002“ (|Deutscher Phantastik-Preis| 2003) gewählt.

_Die Autoren_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die |Großen Alten|, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Robert E. Howard (1906-1936) ist der Schöpfer mehrerer Fantasygestalten, der aber nur wegen einer einzigen in unserer Erinnerung fortlebt: wegen Conan, dem Barbaren. In einem |Heyne|-Sammelband aus dem Jahr 2003 sind diese Erzählungen professionell ediert zu finden, inklusive Varianten. Dass der Mann aus Texas, der ein enger Freund HPLs war, auch anständigen Horror zu schreiben vermochte, belegt die hier aufgenommene Erzählung.

Lin Carter (Pseudonym von Linwood Vrooman Carter, 1930-1988) war ein amerikanischer Herausgeber und Autor, der sich zwar um die Verbreitung von Fantasy in Taschenbüchern und Magazinen verdient gemacht hat, meiner Ansicht nach aber auch HPL einen Bärendienst erwies: Er nahm vom Meister Bruchstücke einer Erzählung oder gar nur Notizen für eine Idee zu einer Story – und baute diese dann im Namen HPLs aus, als wäre er ein regulärer Co-Autor des Meisters aus Providence gewesen. Das führte meines Erachtens dazu, dass seine minderwertigen Arbeiten das Ansehen von HPLs eigenen Arbeiten beeinträchtigte. Die „Encyclopedia of Fantasy“ lobt hingegen seine Leistung als Popularisierer von Fantasy und als Wiederentdecker von William Morris.

Über D. R. Smith (nicht zu verwechseln mit dem Könner Clark Ashton Smith) ist mir leider nichts Näheres bekannt. Der deutsche Autor Christian von Aster hingegen stellt sich ausführlich auf seiner Webseite http://www.vonAster.de vor. Er schreibt in allen Genres der Phantastik, tritt aber auch im Kabarett auf und beteiligt sich an Comic-Projekten.

_Die Sprecher _

Der Erzähler Joachim Kerzel ist Synchronsprecher von Hollywoodstars wie Jack Nicholson und Dustin Hoffman. Durch zahlreiche Bestseller-Lesungen – etwa von Ken Follett und Stephen King – hat er sich einen Namen gemacht.

David Nathan: ein Regisseur und einer der besten Synchronsprecher Deutschlands – die deutsche Stimme von Johnny Depp. Er spricht die Passagen von Lovecrafts fiktivem Ich.

Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian Anderson („Akte X“), spricht die Ansage.

_Die Geschichten_

{Anm. d. Lektors: Wem die Geschichten noch nicht bekannt sein sollten, der möge auf eigene Gefahr die jeweiligen Zusammenfassungen lesen, denn es werden wesentliche Wendungen der Handlung erwähnt.}

|H. P. Lovecraft: „Der Ruf des Cthulhu“ (1928)|

Dies ist die grundlegende Erzählung, die jeder kennen muss, der sich mit dem |Cthulhu|-Mythos und den |Großen Alten|, die von den Sternen kamen, beschäftigt. (Dies ist kein Privatmythos: Seit den 30er Jahren schreiben andere Autoren [s.u.] an diesem Mythos weiter.)

Der Erzähler untersucht die Hintergründe des unerklärlichen Todes seines Großonkels Angell, eines Gelehrten für semitische Sprachen, der mit 92 starb. Angel hatte Kontakt zu einem jungen Bildhauer namens Wilcox, der ein Flachrelief sowie Statuen erschuf, die einen hockenden, augenlosen Oktopus mit Drachenflügeln zeigten. Wie sich aus anderen Quellen ergibt, ist dies der träumende Gott Cthulhu (sprich: k’tulu), einer der |Großen Alten|. Er wird in Westgrönland ebenso wie in den Sümpfen Louisianas verehrt, wo man ihm Menschenopfer darbringt. Am wichtigsten aber ist der Bericht eines norwegischen Matrosen, der im Südteil des Pazifiks auf eine Insel stieß, wo der grässliche Gott inmitten außerirdischer Architektur hervortrat und die Menschen verfolgte – genau zu jenem Zeitpunkt, als Angells junger Bildhauer (und viele weitere Kreative) verrückt wurden. – Der Erzähler hat alle Beweise zusammen: Cthulhu und seine Brüder warten darauf, die Erde zu übernehmen, alle Gesetze beiseite zu fegen und eine Herrschaft totaler Gewalt und Lust zu errichten. Man brauche sie nur zu rufen, und sie würden in unseren Träumen zu uns sprechen …

Die Geschichte ist trotz ihres recht verschachtelten Aufbaus durchaus dazu angetan, die Phantasie des Lesers/Hörers anzuregen und ihn schaudern zu lassen. Das Erzählverfahren ist überzeugend, denn zuerst werden mehrere Berichte eingesammelt und überprüft, bevor im Hauptstück, dem Augenzeugenbericht eines Matrosen, das Monster endlich selbst auftreten darf, um seinen langen Schatten durch die Geschichte/Historie zu werfen.

Kerzel macht nur einen einzigen Aussprachefehler, den aber permanent: Er spricht den Namen der Jacht „Alert“ anders aus, als es ein Englischsprecher täte (nämlich „ejlert“ statt korrekt „ä’lört“).

|Robert E. Howard: „Der Schwarze Stein“ (1931)|

In dem Buch „Die namenlosen Kulte“, das der (fiktive) deutsche Exzentriker von Junst im Jahr 1839 veröffentlichte, findet der Erzähler den Hinweis auf einen schwarzen Monolithen, der Menschen im Umkreis des abgelegenen ungarischen Bergdorfes Stregolczkavar – was „Hexenstadt“ bedeutet – in den Wahnsinn treibt.
Er fährt selbst dorthin und wird, nach einigen unheilvollen Geschichten, zu der Berglichtung gewiesen, auf der der Schwarze Stein steht: eine dunkle Säule von etwa fünf Metern Höhe, die mit nichtmenschlichen Schriftzeichen bedeckt ist. In der Nähe liegt ein Fels, der wie ein Sitz geformt ist: Hier nimmt der Erzähler in der unheilvollen Mittsommernacht Platz – und schläft ein.
Ist’s ein Traum, was er erblickt, als er „aufwacht“? In Tierfelle gehüllte Ureinwohner des Landes tanzen frenetisch vor dem Monolithen, und ein Priester mit einer Goldkette um den Hals peitscht eine junge Tänzerin bis aufs Blut, die schließlich den Fuß der Säule küsst. Denn dort oben hockt ein Monster, das seine Verehrer beäugt und erst zufrieden ist, als ein Säugling an der Säule zerschmettert wird. Da wacht der Träumer auf.
An der Säule findet sich keine Spur, also auch kein Beweis. Doch er erinnert sich an eine türkische Schriftrolle, die 1526 dem ungarischen Verteidiger des Landes in die Hände fiel und mit ihm unter Burgruinen begraben wurde. In ihr findet sich der Beweis, dass der Monolith ein Schlüssel ist …

Auffällig ist die sorgfältige Konstruktion der Geschichte, die sich erst zahlreicher Zeugnisse bedient, bevor die eigentliche Horrorszene beschrieben wird – und die eine effektvolle Pointe nachreicht.

|H. P. Lovecraft & Lin Carter: „Die Glocke im Turm“ (1989)|

Ein frischgebackener Besitzer des verbotenen Buches „Necronomicon“, Williams, erzählt seinem Nachbarn davon, um ihn um Hilfe bei der Übersetzung des altertümlichen Latein zu bitten. Der alte Mann rastet total aus und warnt Williams dringend vor der Lektüre des unheiligen Buches. Der Grund liegt in der Lebensgeschichte dieses Lord Northams selbst. Er stammt aus einem Adelsgeschlecht, das bis in die Römerzeit zurückreicht. Im Stammschloss gibt es daher uralte Gemäuer und Grüfte. Eines Tages durchsuchte er die Familienbibliothek nach mehr esoterischem Wissen. Hinter dem „Necronomicon“ stieß er auf eine Geheimtür und stieg in einen Turm hinauf.
Dort oben befand sich eine leere Schreibstube, die von einer großen silbernen Glocke beherrscht wurde. Die Aufzeichnungen seines Ururgroßvaters erzählten von Experimenten mit dieser Glocke und verwiesen auf eine Stelle im „Necronomicon“: Im „Buch der Pforten“ ist das „Ritual der Glocke“ mit einer dicken Warnung versehen. Northam führt das Ritual elfmal aus und gelangt immer tiefer in eine Anderswelt voll historischer und fremder Wesen – bis er eines Tages von den Anderen erblickt wird. Obwohl er sein Experiment sofort abbricht, transportiert ihn fortan der Klang von Kirchenglocken sofort in diese Furcht erregende Anderswelt, wo Pilger einem hungrigen Gott huldigen …

Leider nur eine minderwertige Story ohne „kosmisches Grauen“, sondern mehr über einen Sucher, der an Dinge rührt, von denen er lieber die Finger lassen sollte.

|D. R. Smith: „Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel“ (1950)|

Al Hazred ist der bereits von Lovecraft zitierte arabische Verfasser des Zauberbuches „Necronomicon“ aus dem 7. Jahrhundert. Erzählt wird eine von Al Hazred als letztes Kapitel wiedergegebene Episode aus dem Leben des Marcus Antonius, der durch seine Affäre mit Königin Cleopatra in die Geschichte einging. Er hat sich mit seinen Soldaten in einem engen kahlen Bergtal in den Alpen verirrt, als er schließlich auf einen Bach und eine finstere Höhle stößt, aus der ein unaussprechlicher Gestank hervorströmt. Als er hineingeht, um das Tier zu erlegen, das dort haust, hören seine Männer Geräusche eines Kampfes. Nach einer Weile kommt ihr Anführer mit einem seltsam schleimigen Wesen heraus, das er ins Feuer wirft und dessen Herz er danach isst. Es handelt sich laut Al Hazred um den Vater der |Großen Alten|, den verstoßenen Erzeuger von Azathoth und Cthulhu etc.

Man darf sich schon etwas verblüfft fragen, was zum Geier ein Obergott in einer obskuren Alpengrotte verloren hat und wie es kam, dass ein simpler Mensch ihn überwältigen konnte. Kein Wunder, dass Al Hazred darüber verrückt wurde.

|H. P. Lovecraft: „Dagon“ (1917)|

… ist der Prototyp zu dem viel besser erzählten „Der Ruf des Cthulhu“. Ein entkommener Kriegsgefangener des 1. Weltkrieg strandet nach einer Irrfahrt auf einer ungastlichen Insel im Südpazifik. Der Strand besteht aus einem schwarzen, toten, schleimigen und ekligen Sumpf, auf dem nichts lebt. Er schleppt sich vier Tage lang (ohne Wasser!) zu einem Hügel hoch, der sich als Vulkankrater entpuppt. Ist dies der Eingang zur Unterwelt?, fragt er sich. Sein Blick fällt auf einen weißen Monolithen auf der gegenüberliegenden Felswand. Er ist bedeckt mit Sinnbildern, Flachreliefs und Schriftzeichen: Zu sehen sind humanoide Fischwesen, die aber so groß wie Wale sind.
Eines dieser Wesen taucht aus dem Kratersee auf, um den Monolithen, einen Altar, zu verehren. Der Gestrandete wird wahnsinnig. Er findet heraus, dass es bei den Philistern der Antike einen Fischgott namens Dagon gab und fragt sich, wann Dagons Geschlecht die im Großen Krieg untergehende Welt übernehmen werde. Da ertönt ein Klopfen an der Tür, eine schuppige Hand zeigt sich. Der Erzähler springt aus dem Fenster seiner Mansardenwohnung. (Zu |Dagon| siehe auch den Kurzroman [„Der Schatten über Innsmouth“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=506 der ebenfalls in der Lovecraft’schen „Bibliothek des Schreckens“ als Hörbuch erschienen ist.)

|Christian von Aster: „Ein Porträt Torquemadas“ (2002)|

Diese ausgetüftelte Erzählung erreichte den 1. Platz in einem Cthulhu-Storywettbewerb.

In einem Hospital sitzt der vom Vatikan geschickte Dominikanermönch Cajetanus am Bett von Felix Ney, um sicherzustellen, dass Neys Aufzeichnungen niemand Unbefugtem in die Hände fallen. Ney war als Kunsthistoriker in München tätig, als er dort in der Pinakothek ein Gemälde zerstörte. Offenbar konnte ihn nur ein Hirntumor zu dieser Wahnsinnstat veranlasst haben. Doch dies ist Neys Geschichte aus seinem Tagebuch:
Ney untersuchte vier Gemälde eines florentinischen Malers des 15. Jahrhunderts auf Geheimnisse. Der Maler Delcandini, so findet er heraus, hat Bruchstücke einer geheimen Botschaft sieben Jahre lang über alle vier Gemälde verteilt. Das letzte Gemälde zeigt den spanischen Großinquisitor Torquemada, der Hunderttausende von Menschen auf den Scheiterhaufen schickte. Das Bücherregal im Bild zeigt – übermalt – das verbotene „Necronomicon“ des Abdul Al Hazred! Auch die anderen Gemälde hätte die Katholische Kirche nicht zerstört und so blieb die Botschaft erhalten.
Diese besteht aus dem Protokoll eines Gesprächs zwischen Torquemada und Papst Ignatius: Sie verbünden sich, um mehr Macht zu gewinnen. Allerdings ist Torquemada ein Anhänger Cthulhus und seiner Brut. Cajetanus befürchtet, dass Torquemadas Nachfolger immer noch im Vatikan wirken. Er ist nämlich selbst ein Handlanger der Inquisition.

Die HPL-Zwischentexte und Vorworte stammen von Verleger Frank Festa, die Ansage von Franziska Pigulla.

Den Abschluss bildet eine vierzehn Minuten lange Hörprobe aus der langen Novelle [„Der Schatten über Innsmouth“:]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=424 ausgezeichnete Einstimmung auf die eigentliche Geschichte aus dem Jahr 1931.

_Die Sprecher_

Joachim Kerzel verleiht den Erzählungen mit seiner tiefen, rauen Stimme erst den eigentlichen gruseligen Touch. Die düsteren Gothic-Chöre, die längere Passagen abtrennen, verstärken den Eindruck dunkler Mächte noch. Kerzel ist aber in „Der Schatten über Innsmouth“ als Zadok Allen noch viel eindrucksvoller.

David Nathan ist nicht sonderlich gefordert, wenn er die Sachtexte liest. Ab und zu hört man mal ein amüsiertes Heben der Stimme.

Was ist eine „inszenierte Lesung“? Es handelt sich um ein Mittelding zwischen Lesung und Hörspiel. Während die Lesung nur auf den Text setzt, bringt das Hörspiel auch Musik und Geräusche ein (von einschneidenden Kürzungen mal ganz abgesehen).

Dem Thema der bösen |Großen Alten| entsprechend, setzt die Musik von Andy Matern auf düstere Effekte à la „Dies irae“, ohne allerdings auf konkrete Vorbilder zurückgreifen. Die kompetente Regie führten Sven Hasper & Oliver Rohrbeck.

_Unterm Strich_

Hoffentlich machen schön inszenierte und rundum informativ gestaltete Hörbücher wie dieses bald Schule! Die Sprecher, die über den Erfolg entscheiden, gehören zu den besten (und bestbezahlten) der Republik (trotzdem ist auch Kerzel nicht gegen Aussprachefehler gefeit, s.o.).

Die Musik verleiht ihnen den emotionalen Rahmen, mit dem sie arbeiten können. Dem nicht genug, bekommt der Hörer auch hilfreiche Informationen zum Autor H. P. Lovecraft geboten. Sie erklären zwar nicht den Zweck des |Cthulhu|-Mythos, machen aber zumindest seine Entstehung verständlich. Diese literaturhistorischen Hinweise sind beim Hörbuch „Der Schatten über Innsmouth“ sogar stärker ausgebaut.

|Umfang: 275 Minuten auf 4 CDs|

Bujold, Lois McMaster – Chalions Fluch

Lupe dy Cazaril hat eine bewegte Vergangenheit. Dem ehemaligen Kastellan und treuen Diener des Königreichs Chalion wurde sein Dienst schlecht gedankt: Durch Verrat wurde er als einziger hoher Offizier bei der Übergabe einer Festung an die Roknari nicht ausgelöst. Zwei Jahre als Rudersklave haben aus Cazaril einen gebrochenen Mann gemacht, sein Rücken ist von Peitschenhieben zerfetzt und sein Körper ausgezehrt. Als stinkender Vagabund tritt er vor die Herzoginwitwe von Baocia und bittet um eine Stellung in ihrem Haushalt, falls er in seinem Zustand überhaupt noch von Nutzen sein kann. Niemals hätte er sich jedoch träumen lassen, als Erzieher der Prinzessin Iselle und ihrer Kammerzofe Betriz angestellt zu werden.

Diese lernen von Cazaril nicht nur fremde Sprachen, sondern auch Raffinesse und Weitsicht, während er ein Auge auf die viel jüngere Betriz wirft. Doch alle seine Träume werden zerstört, als seine Schützlinge nach Cardegoss, dem Sitz König Oricos, bestellt werden. Dessen Kanzler dy Jironal und sein jüngerer Bruder haben ihn damals seinen Feinden ausgeliefert und trachten ihm nun erneut nach dem Leben, während sie Prinz Teidez und Prinzessin Iselle umgarnen – bei ersterem durchaus erfolgreich. Als Iselle an den Bruder des Kanzlers, Dondo dy Jironal, verheiratet werden soll, sieht Cazaril keinen anderen Ausweg mehr, als ihn durch einen Todeszauber daran zu hindern. Der Haken ist: Der Todesdämon fordert stets auch den Tod des Beschwörers … doch Cazaril überlebt, dy Jironal stirbt. Keiner der fünf Götter nimmt sich bei der Beerdigung der Seele dy Jironals an – und Cazaril erfährt mehr über den Fluch von Chalion, den er nun als dunkle Aura um alle Angehörigen des Königshauses erkennen kann. Vor dy Jironal hat er Iselle gerettet, doch nun muss er sie und das Königreich von einem göttlichen Fluch befreien …

_Die Autorin_

Lois McMaster Bujold (* 2. November 1949) ist eine erfolgreiche SciFi- und Fantasy-Autorin, die bereits fünfmal mit dem hoch angesehenen |Hugo Award| und einmal mit dem |Nebula Award| ausgezeichnet wurde. Damit übertrifft sie sogar den bisherigen Rekord (vier |Hugos|) von Altmeister Robert A. Heinlein.

Zu ihren bekanntesten Werken gehört die |Barrayar|-Space-Opera mit ihrem Helden Miles Vorkosigan. Doch auch im Fantasy-Bereich hat die Autorin beachtliche Erfolge aufzuweisen. Dem historisch stark an das mittelalterliche Italien angelehnten „Fiamettas Ring“ folgte 2001 „The Curse of Chalion“ / „Chalions Fluch“, der den |Mythopoeic Award| für Erwachsenenliteratur gewann und für den |World Fantasy Award| 2002 nominiert wurde.

Der noch nicht übersetzte Nachfolger „Paladin of Souls“ / „Paladin der Seelen“ gewann übrigens den |Hugo Award| 2004 und stellt somit ihren fünften |Hugo| für einen Roman dar.

_Die etwas andere Fantasywelt der Lois McMaster Bujold_

Komplexe, faszinierende und dennoch stets glaubhafte und stimmige Fantasywelten ufern in der Regel zu umfangreichen Endloszyklen aus – Robert Jordans „Rad der Zeit“ und George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ lassen grüßen.

Wem der Gedanke, in fester Reihenfolge tausende Seiten Lesestoff aufzuarbeiten, um auf eine Fortsetzung stets bis zu über zwei Jahren warten zu müssen, zuwider ist, sollte aufmerken: Chalion stellt zwar eine komplexe Welt dar, aber alle Geschichten der geplanten Reihe sind in sich abgeschlossen und nur lose miteinander verbunden; die Helden wechseln. So wird Königinwitwe Ista im zweiten Band der Chalion-Welt, „Paladin der Seelen“, die Heldin sein und Lupe dy Cazaril ablösen.

Ein sehr viel versprechendes Konzept, das Abwechslung bei einem gleichzeitig hohen Maß an Komplexität und Hintergrund verspricht, jedoch stets Neulesern einen Einstieg ermöglicht, ohne auf etlichen Vorgängerbüchern aufzubauen.

Die Welt von Chalion hat einen starken spanischen Einschlag, wie man an der leicht verfremdeten Namensgebung, so zum Beispiel „dy Cazaril“ statt „y/de Cazaril“, erkennen kann. Die Königsstadt „Cardegoss“ erinnerte mich an einen Mix aus Cartagena und Saragossa. Einige andere Verfremdungen wie das selten gebrauchte „Ser“ für „Sir“ sowie gewisse Elemente der religiösen Konzeption Chalions sind eindeutig von George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ entlehnt, wie das Götterquintett „Vater, Mutter, Sohn, Tochter und Bastard“.

Jedoch betont Lois McMaster Bujold die Rolle des Klerus stärker, sie bedient sich hierzu freigiebig bei den damals tatsächlich existierenden Ritterorden Spaniens für ihre zwei Ritterorden der „Tochter“ und des „Sohnes“. Der theologische Unterbau ihrer Welt ist ausgeprägter, wesentlich detaillierter, Chalions Priestern kommt eine weitaus bedeutendere Rolle zu als ihren eher unbedeutenden Kollegen in der von Kampf und Machtpolitik geprägten Welt Martins.

Magie wird dementsprechend in Chalion durch göttlichen Beistand erbeten, man zaubert nicht selbst, aber der auf Gerechtigkeit und Ausgleich bedachte Gott „Bastard“ ermöglicht so zum Beispiel nahezu jedermann den verpönten und strengstens verbotenen Todeszauber, der sowohl Opfer als auch Beschwörer das Leben kostet.

Am Hofe Chalions hingegen geht es zu wie im historischen Kastilien und Aragón – Bujold hat diese Zeit gründlich studiert, sie vortrefflich in ihre Fantasywelt übernommen und ihre eigenen Konflikte zwischen Kirche und Staat, den diversen Ritterorden und verfeindeten Nationen daraus entwickelt.

_Eine spannende Geschichte mit Happy End_

Gewiss eine faszinierende Welt, aber was taugt der Roman an sich? Man wird nicht entäuscht, die Geschichte ist gut durchdacht, humorvoll und gewandt erzählt. Was sich bei anderen Endlos-Zyklen oft über Bände hinwegzieht wird hier in einem Roman erzählt, keinerlei Längen hat dieses durch und durch kurzweilige und unterhaltsame Buch.

Es wird durchgängig aus der dritten Person erzählt, allerdings dürfen wir des Öfteren die kursiv gedruckten Gedankengänge Cazarils unmittelbar mitverfolgen, aus dessen Warte man die Handlung erlebt.

Lupe dy Cazaril ist ein wenig an Bujolds |Barrayar|-Helden Miles Vorkosigan angelehnt, was mich jedoch nicht gestört hat, zu sympathisch war mir der im Zentrum der Handlung stehende Antiheld, wenn er von körperlichen Schwächen geplagt wird und sich mit ausweglosen Situationen konfrontiert sieht. Humor beweist die Autorin, als sie ihn seinen beiden Damen das Schwimmen beibringen lässt, die sich einen Spaß daraus machen, ihren älteren Lehrer mit ihren Reizen in Verlegenheit zu bringen …

Ein Tierpfleger, der mehr ist als er scheint, und andere interessante Nebenfiguren wie die Königinmutter Ista, die im Gegensatz zu ihren Kindern von den Fluch weiß und deshalb für die Außenwelt in ihrem Verhalten als halb wahnsinnig erscheint, sind nur einige der vielen gelungenen Nebencharaktere.

Der einzige Vorwurf, den man dem „Fluch von Chalion“ machen kann, ist sein etwas altbackener, klassischer Aufbau: Natürlich gibt es ein Happy End für Cazaril und alle anderen, Bösewichte und gute Jungs sind von vorneherein offensichtlich festgelegt und klar zu erkennen.

Dennoch ist das Buch nicht, wie man befürchten könnte, einfältig simpel. So wird Cazaril mit dem älteren dy Jironal ein gewisses Zweckbündnis aus gemeinsamen Interesse eingehen, das anfangs unverständliche, wahnsinnige Gejammer Istas wird sich im Laufe des Buchs als wahr entpuppen, während sie fälschlicherweise von ihrer Umwelt bedauert und für pflegebedürftig gehalten wird.

_Ein echtes Highlight der Fantasy_

Lois McMaster Bujold hat mit „Chalions Fluch“ ein Meisterwerk geschaffen, das auch für die Zukunft der Serie große Hoffungen weckt. Sowohl Freunde episch breiter Fantasyzyklen als auch Freunde historischer Romane sowie Fantasyeinsteiger werden mit diesem Konzept glänzend bedient.

Die Geschichte an und für sich ist zwar hochgradig konventionell, jedoch auf einem so hohen Niveau, das wohl kaum jemand darüber die Nase rümpfen kann – im Gegenteil: Ich wünsche mir noch viel mehr davon! Zumal auch die Übersetzung von erster Güte ist.

Eine gewisse Ironie liegt im deutschen Titelbild: Es ist das der englischen Ausgabe von George R. R. Martins „Lied von Eis und Feuer“, man erkennt deutlich Melisandre und Robb Stark. Zum Glück verwendet |Lübbe| zumindest konsequent auch für den Folgeband „Paladin der Seelen“ ein englisches Eis-und-Feuer-Cover.

Die offizielle Homepage der Autorin:
http://www.dendarii.com/

David Gemmell – Die steinerne Armee (Rigante 1)

Den abenteuerreichen Aufstieg eines jungen Kriegerführers schildert dieser erste Band eines neuen Heroic-Fantasy-Zyklus des einschlägig bekannten britischen Autors David Gemmell. Der Rigante-Zyklus wendet sich wie schon der Drenai-Zyklus an ein junges männliches Publikum, und dieses weiß er hervorragend zu unterhalten.

Inzwischen sind vier Rigante-Romane veröffentlicht. Man darf davon ausgehen, dass weitere folgen. Die deutsche Ausgabe ist sehr schön aufgemacht – mit einem verzierten Hardcover-Einband. Das Sammeln lohnt sich also.

David Gemmell – Die steinerne Armee (Rigante 1) weiterlesen

William Gibson – Neuromancer

„Case ist 24 und seine Karriere am Ende. Das Nervensystem des abgehalfterten Daten-Cowboys ist zerstört, er hat keinen Zugang mehr zur Matrix des Cyberspace. Bis er Molly kennen lernt, eine durch Implantate getunte Kämpferin. Ein unerwarteter Auftrag führt sie in die gefährliche Auseinandersetzung zwischen den künstlichen Zwillings-Intelligenzen Neuromancer und Wintermute …“ (Klappentext)

Der Autor

William Gibson – Neuromancer weiterlesen

Bunson, Matthew – Buch der Vampire, Das

Bekanntlich treten sich auf der britischen Insel Geister und Gespenster heute noch auf die Lakensäume, und Graf Dracula höchstpersönlich ist im ehrwürdigen London (wieder-)geboren worden; literarisch jedenfalls. Da scheint es nur angemessen, dass sich ein Bürger dieses nebligen Eilandes der geliebten Spukgestalten annimmt und endlich einmal Ordnung in das ektoplasmatische Getümmel bringt!

Wer kann schon ahnen, dass sich hinter dem Schriftsteller mit dem urenglischen Namen „Matthew Bunson“ ein schnöder Kolonialbrite von jenseits des großen Teiches verbirgt? Den Amerikanern ist zweifelsohne ein Primat des Wissens zuzubilligen, wenn es um radioaktiv erzeugte Monster aus der Wüste von Nevada oder das Ungeheuer vom Amazonas geht. Sobald Vampire ins Spiel kommen, wird der Kenner jedoch skeptisch.

Und richtig – das „Buch der Vampire“, wie es im Deutschen (mit Absicht?) vorsichtig heißt (erst im zweiten Untertitel wird von einem „Lexikon“ gesprochen), entpuppt sich fast durchweg als Sammlung recht wahllos zusammengetragener Informationshäppchen, die sich nur einem einzigen Ordnungsprinzip unterordnen: dem alphabetischen nämlich. Das Vorwort gibt da einen ersten Vorgeschmack, denn man kann es wohlwollend als „knapp“, aber genauso gut als „nichts sagend“ bezeichnen.

Schlimmer noch: Bunsons Vampir-Enzyklopädie erreicht nur das Jahr 1993 – wen wundert’s, denn das ist das Veröffentlichungsdatum der Originalausgabe. Nun ist sogar die Welt der Untoten in den seither verstrichenen Jahren nicht stehen geblieben. Es sind auch nach Francis Ford Coppolas bahnbrechender „Dracula“-Verfilmung von 1992 wichtige Beiträge zum Genre erfolgt – und das betrifft nicht nur den Film! Was ist zum Beispiel von einem „Lexikon“ zu halten, das 2001 erscheint und sich über das „Dracula“-Jubiläum von 1997 völlig ausschweigt? Schließlich ist in diesem Jahr sogar die „offizielle“ Fortsetzung des 100-jährigen Kultschockers erschienen (von Freda Warrington; dieses Buch ist auch in Deutschland auf den Markt gekommen – glücklicherweise ziemlich unbemerkt, denn seine Lektüre kann leicht die Sehnsucht wecken, der Autorin mit Holzpfahl und Silberkugel – hilft auch gegen Vampire; Bunson, S. 246 – zu Leibe zu rücken …). In Maßen hätte eine Überarbeitung bzw. Aktualisierung des Bunson-Werkes daher Not getan; sie unterblieb – zweifellos aus Gründen falsch verstandener Sparsamkeit, aber nicht ohne berechtigte Hoffnung, der geblendete Vampirfan werde zumindest bis nach der Entrichtung der Kaufsumme die Rosstäuscherei nicht bemerken.

Bei näherer Betrachtung relativiert sich das düstere Bild glücklicherweise. Machen wir die Probe aufs Exempel – schlagen wir das „Lexikon“ beim Eintrag „Lee, Christopher“ auf. Muss nicht selbst dem Neuling auf dem Feld des Unheimlichen dieser Name wie Donner in den Ohren hallen? Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. Also dann: Lee ist nach Max Schreck (Murnau! „Nosferatu“!) und Bela Lugosi wohl d e r Kinovampir der Filmgeschichte! (Außerdem hält Lee den Guiness-Rekord für den Schauspieler mit der umfangreichsten Filmografie eines noch lebenden Darstellers in der westlichen Hemisphäre – Nr. 250 rückt allmählich in Reichweite; womöglich hat Lee die Rolle des unsterblichen Blutsaugers also nicht nur gespielt …) Siehe da, Bunson gelingt es tatsächlich, Leben und Werk Lees auf gerade einer halben Seite ganz ordentlich in Worte zu fassen. (Seit 1947 ist Lee nonstop im Einsatz? Nun ja; siehe oben …)

Zugegeben: Über die Auswahl der präsentierten Stichwörter lässt sich streiten. Außerdem fallen dem etwas versierteren Leser nicht gerade selten ungenaue oder gar falsche Aussagen auf. Ein beliebig herausgegriffenes Beispiel: Wie um Himmels willen konnte Glenn Strange den „bekanntesten Horrorfilmstars“ zugeschlagen werden? Den zweifelhaften Höhepunkt seiner obskuren Karriere hat dieser Darsteller mit der Rolle des schmirgelpapiergesichtigen Barkeepers Sam in der Endlos-Fernseh-Western-Serie „Gunsmoke“/“Rauchende Colts“ (dessen Hauptdarsteller James Arness alias Matt Dillon allerdings mit der Hartnäckigkeit eines echten Vampirs immer wieder der TV-Gruft entsteigt; hier schließt sich der Kreis …) erreicht, während er unter der Schminke des Frankenstein-Monsters höchstens den echten Kennern des Horrorfilms bekannt geworden ist.

Absolut überflüssig; nein, sogar eindeutig dämlich ist eine ebenso endlose wie nichts sagende Liste deutscher Vampirfilm-Titel auf den Seiten 89-98. Was soll das denn dem Leser nützen, zumal Vampirfilme ihren Titel hierzulande sogar noch öfter wechseln als der Mond seine Phasen? Aber man kann auf diese Weise natürlich ein Menge Seiten schinden … (Eine Ausnahme bildet allerdings auf S. 287 die Liste der Maßnahmen, die man schon vorbeugend gegen das Auftreten von Vampiren treffen kann – damit lässt sich jede Beerdigungsfeier zu einem für alle Beteiligten garantiert unvergesslichen Erlebnis aufwerten!)

Aber das sind Nebensächlichkeiten, sobald man sich von der Erwartung frei machen konnte, Autor Bunson würde tatsächlich ein „Lexikon“ vorlegen. Selbst für den scheinbar ausgewiesenen Fachmann in Sachen Vampire gibt es hier nämlich einiges zu lernen. Wie entstehen beispielsweise überhaupt Untote? In Albanien glaubt(e) man beispielsweise, es reiche schon aus, dass ein wildes Tier über ein Grab springt (S. 11). Angesichts der akuten Karnickelplage auf deutschen Friedhöfen könnte man ob dieser Information leicht ins Schwitzen geraten …

Wer hätte gewusst, dass man nur eine Herde Gänse über einen Friedhof jagen muss, auf dem man einen Blutsauger vermutet? Schon vor den Toren des Gottesackers beginnt das Federvieh erbärmlich zu schnattern und verrät dem Van-Helsing-Jünger, was er wissen muss. (Es könnte natürlich auch sein, dass man statt auf einen Vampir auf eine Gruppe raublustiger Gallier trifft … Achtung: Dies ist ein Gag für Leser mit leicht klassischer Bildung.)

Ist der verdächtige Finsterling etwa bereits aus dem Grab heraus und macht sich während einer Party an die oder den Liebste/n heran? Bunsons Liste der Merkmale, die ihn verraten (S. 78f.), ist unfehlbar: Außer „Fangzähnen“ und „roten Augen“ lesen wir da u. a. von „haarigen Handflächen“, „Mundgeruch“ und „merkwürdiger Kleidung“ – mein Gott, die Welt steckt offensichtlich voller Vampire!

Und hat man den Bösewicht gestellt und in die Enge getrieben, versäume man es nicht, einen Blick auf seine Leber zu werfen – bei einem Vampir ist sie nämlich nicht rötlich-braun (oder säufer-gelb), sondern weiß!

So kann man schließlich doch einiges Vergnügen aus dem angeblichen „Lexikon“ ziehen. Übrigens ist es erstaunlich preisgünstig für ein großformatiges Paperback, das sogar mit einer ganzen Reihe qualitativ hochwertiger Schwarzweiß-Fotos aufwartet (selbst wenn die Auswahl – gelinde gesagt – beliebig ist). Deshalb ist es zu guter Letzt leicht, milde über dieses Werk zu urteilen, das nichts wirklich Neues bieten, aber durchaus unterhalten kann.

Matthew Gregory Lewis / E. T. A. Hoffmann – Der Mönch / Die Elixiere des Teufels

„Der Mönch“

Ambrosio wurde als Säugling auf den Stufen des Klosters gefunden. Die Mönche erzogen ihn, und so war es nicht weiter verwunderlich, dass er selbst die Kutte ergriff. Inzwischen hat das einstige Findelkind sich zu einem Mönch gemausert, der in Madrid zu einer Berühmtheit avanciert, die heutzutage eigentlich nur Popstars genießen. Doch diese Berühmtheit hat einige Nebenwirkungen – unter anderem die, dass Luzifer persönlich auf den frommen Mann aufmerksam wird …

Matthew Gregory Lewis / E. T. A. Hoffmann – Der Mönch / Die Elixiere des Teufels weiterlesen

Ringo, John – Invasion – Der Angriff (Invasion 2)

Die Fortsetzung von „A Hymn before Battle“ fängt zunächst weitaus weniger blutrünstig an, als der erste Teil ([„Der Aufmarsch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=497 ) geendet hatte. Die gesamte erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit den Vorbereitungen auf die Invasion der blutrünstigen „Posleen“, die sich nach zig anderen bewohnten Planeten nun die Erde zum „Abernten“ ausgesucht haben. Im Gegensatz zum Rest der Galaxis sind die Menschen aber nicht als sanftmütiges Schlachtvieh geboren, und diesen Irrtum wollen sie die Angreifer auch spüren lassen! Schlachtpläne werden geschmiedet, Industrien umgepolt, ganze Staaten evakuiert, Millionen von Soldaten ausgebildet und alle übrigen Zivilpersonen im Guerillakrieg geschult.

Was neben viel Konfusion und schlechter Planung nicht ausbleiben kann, ist der Kampf der Politiker hinter den Kulissen. So werden gegen jede Vernunft einige amerikanische Gebiete unter dem Opfer von hunderttausenden Soldaten verteidigt, weil dort historische Stätten des Bürgerkriegs liegen, und deren Verlust Wählerstimmen kosten könnte.

Das gesamte Buch fokussiert sowieso rein auf das Gebiet der USA, der Rest der Welt ist Ringo kaum einer Erwähnung wert. Die Geschichte spielt in der Gegenwart (November 2003 bis Oktober 2004), die beschriebene Waffentechnik ist daher bis auf Ausnahmen weniger SF als blanke Realität. {Anm. d. Lektors: Offenbar wurden hier die Daten in der deutschen Ausgabe nachträglich etwas verschoben, da die Bände bei uns mit etwa drei Jahren Verzögerung veröffentlicht wurden und man den deutschen Leser nicht zu sehr irritieren wollte.}

Bevor es aber zur Landung der Invasoren kommt, werden einige der Hauptpersonen etwas breiter im beruflichen und privaten Umfeld dargestellt. Vor allem Mike O’Neil, den Helden von „A Hymn before Battle“, und seine Familie lernt man etwas näher kennen, als er einen letzten Urlaub an den bereits evakuierten Urlaubsstränden von Florida machen will.

Man erfährt auch andeutungsweise, dass mehrere Gruppen, Menschen und Außerirdische, unter der Oberfläche ihre eigenen Spielchen spielen, und dass wohl in dem ganzen Kriegsszenario noch einige Geheimnisse verborgen sind, die noch gelüftet werden müssen.

Da der Feind sich nicht an den Zeitplan hält und viel zu früh die Invasion der Erde beginnt, werden die amerikanischen Streitkräfte ziemlich unvorbereitet erwischt. Da in einem Amerikaner aber auch immer ein Kämpfer steckt, und zwar oft ein sehr einfallsreicher, müssen die Posleen bald erkennen, dass sie sich einen etwas zu harten Brocken zum Verschlingen ausgesucht haben.

Ringo bemüht sich, dem Leser auch einen Einblick in die Gemüts- und Gedankenwelt der Feinde zu geben, vermenschlicht diese dabei aber zu sehr. Hier passt der entworfene Hintergrund der Schlächterhorden, die bei 70 Planeten keinen nennenswerten Widerstand gespürt haben, nicht ganz zur geschilderten Denkweise, die eher zu erfahrenen Söldnerführern gehört, die ihre Beute z. B. in immer bessere Waffen investieren. Wozu bessere Waffen, wenn eh keiner zurückschießt?

Jedenfalls kommt es jetzt zur Schlacht, besser gesagt zum Schlachten! Ringo lebt seinen Hang zur Massenvernichtung, der auch in den Koproduktionen mit David Weber zu spüren ist, in der zweiten Hälfte des Buches aus. Wenn sich die Leichen so hoch türmen, dass man nicht mehr darüber hinaus schauen kann, werden sie eben von der Artillerie noch einmal durchgehäckselt! Da gibt es reichlich Platz zur Schilderung von Heldenmut und Opferbereitschaft. Sogar der verweichlichte Präsident bekommt kurz vor seinem Tod noch die Gelegenheit, sich als echter Mann zu zeigen!

Reichlich zwiespältig empfand ich die Schilderung der militärischen Führung. Da gibt es zum einen die Generäle, Sesselpfurzer, die laut Ringo meist keine Ahnung von der Wirklichkeit haben und Hunderttausende von Soldaten in den sicheren Tod schicken, weil sie nicht auf die richtigen Profis hören, und dann auf der anderen Seite die echten Helden, die einfach wissen, dass es so, wie sie es planen, richtig ist, und die sich auch nicht scheuen, der Besatzung von drei Panzern, die vor einer Million heranstürmender schwer bewaffneter Feinde fliehen wollen, etwas Rückgrat einzublasen, indem der Kopf eines dieser Feiglinge zwischen den Panzerhandschuhen zerdrückt wird, bis das Gehirn herausplatzt! Ja, da gibt es schon einige heftige Szenen in diesem Buch …

So z. B. auch die Stelle, wo O’Neils achtjährige Tochter einem unwillkommenen Besucher das Gehirn rausbläst, weil der Opa den Gast anscheinend nicht besonders leiden mag. Natürlich hat sie, im Rahmen des Romans, richtig gehandelt, aber bei mir bleibt bei solchen Beschreibungen doch ein starkes Unbehagen zurück. Vermutlich bin ich einfach ein Kind des „alten Europas“.

Das Buch liest sich ansonsten recht flott und spannend, wenn auch viel vom militärischen Jargon einfach an mir vorbei geht, wie auch manche kleine Anspielung, die bei Amerikanern wohl ein Schmunzeln auslösen wird.

Ich habe mir jedenfalls schon die Fortsetzung „When the Devil Dances“ (dt. „Invasion: Der Gegenschlag“, Dezember 2004) bestellt. Will doch wissen, wie das alles weitergeht!

Insgesamt aber nur für wirklich schnell lesende Anhänger militärischer SF geeignet.

_Dr. [Gert Vogel]http://home2.vr-web.de/~gert.vogel/index.htm _

Hohlbein, Wolfgang – Auf der Spur des Hexers

Wolfgang Hohlbein, der selbsternannte Chronist Robert Cravens, liest „Auf der Spur des Hexers“. In dieser Erzählung, welche die Vorgeschichte seiner phantastischen |Hexer|-Saga schildert, dreht sich das Geschehen um Robert Cravens Vater, Roderick Andara.

_Überblick_

Wir schreiben den 9. Juli anno 1862. Seit mehr als zehn Jahren ist Roderick Andara schon auf der Flucht vor den grauenvollen Geschöpfen, die jenseits der Realität, in Nachtmahren und im Wahnsinn hausen – den |GROßEN ALTEN|.

Nun führt ihn sein Weg nach Colorado, in das verschlafene Nest Walnut Falls, um seinen dreijährigen Sohn einer Frau anzuvertrauen, die er nur aus ihren Briefen kennt. Nicht um ihn – wie sie glaubt – aus dem Weg zu haben, sondern um ihm das Leben zu ersparen, zu dem er, Roderick Andara, verdammt ist. Er klammert sich an die Hoffnung, seine Widersacher könnten dem Jungen hier nichts anhaben – viel zu spät erkennt er seinen Irrtum. Robert wird entführt …

Im weiteren Geschehen lernt Roderick Andara einen Mann kennen, der sich ihm als H. P. vorstellt – kein Geringerer als Howard Phillips Lovecraft höchstpersönlich. Doch das erste Zusammentreffen der beiden zukünftigen Kampfgefährten verläuft nicht so harmonisch, wie man es sich vielleicht vorstellen mag. Das Abenteuer, welches die beiden zusammen bestehen müssen, bringt Andara so nahe an seine Feinde heran, wie wohl noch nie einen Menschen zuvor – er kämpft den Kampf seines Lebens; doch kann er ihn auch gewinnen?

_Die Hörbuchserie_

Nachdem vor mittlerweile über 13 Jahren die beiden Hörspiele „Der Hexer von Salem“ (1990) und „Neues vom Hexer von Salem“ (1991) auf den Markt kamen, haben sich Wolfgang Hohlbein und Albert Böhne letztes Jahr dazu entschlossen, eine |Hexer|-Hörbuch-Serie in Angriff zu nehmen. Anlass dafür bot die Hexer-Sammler-Edition im |Weltbild|-Verlag, bei der erstmalig, zum zwanzigjährigen Jubiläum der Hexer-Reihe, alle Hexer-Heftromane komplett in der Originalfassung und von Wolfgang Hohlbein chronologisch geordnet als Hardcover veröffentlicht werden. Geplant ist, zu jedem Buch der Sammler-Edition ein Hörbuch herauszugeben.

Der erste Teil dieser Hörbuch-Reihe ist seit Anfang 2004 auch bei |Lübbe Audio| erhältlich. Wolfgang Hohlbein liest persönlich seinen 1990 erschienen Roman „Auf der Spur des Hexers – Wie der Horror begann“, welcher ursprünglich nicht aus der Heftroman-Serie stammt. Der Vollständigkeit halber erscheint er trotzdem in der Sammler-Edition als erster Band.
Leider gestehen Hohlbein und Böhne den Hörbüchern nur einen Umfang von drei Audio-CDs zu, was gewisse Kürzungen und Bearbeitungen voraussetzt. Sehen wir mal, was daraus geworden ist …

_Bearbeitung und Kürzungen_

Die überarbeitete Fassung beinhaltet zum Glück keinerlei Kürzungen, die dem Gesamtbild der Geschichte großartigen Schaden zufügen, allerdings gehen ein paar schöne Anspielungen auf H. P. Lovecrafts Originalwerke verloren, durch welche den belesenen Lovecraft-Kenner einige Vorahnungen ereilen könnten. Zudem wurde etwa in der Mitte der Geschichte ein kompletter Abschnitt mitsamt den daraus resultierenden Folgeszenen herausgestrichen. Dieser durchaus atmosphärische Teil ist zwar nicht lebensnotwendig für die Erzählung, erklärt aber zu einem Teil Andaras Gemütszustand gen Ende der Geschichte.

Einige Passagen sind, wie ich finde, sinnvoll gekürzt oder um ein paar erläuternde oder der Atmosphäre zuträgliche Sätze erweitert worden, so dass sich der Lesefluss dort durchaus verbessert hat. Glücklicherweise sind auch einige Fehlerteufelchen dem Korrekturstift zum Opfer gefallen, was zum Beispiel den zeitlichen Ablauf der Geschichte im Hörbuch durchaus ein wenig glaubwürdiger erscheinen lässt.

Was ich aber einfach nicht verstehen kann, ist, warum Roderick Andaras Frau im Hörbuch |Victoria| Price heißt, während ihr Name in meiner Ausgabe des Romans |Jennifer| Price lautet. Nicht, dass sie in der Geschichte auch nur einmal in persona aufträte, verstarb sie doch zwei Jahre zuvor, aber das macht das Ganze nicht weniger rätselhaft.

Es sei noch erwähnt, dass die letzten Seiten des Romans – Roberts kurzes Scharmützel mit drei abtrünnigen Templern – aus rein chronologischen Gründen unter den Tisch fallen mussten. Das lässt sich aber auch einigermaßen leicht begründen: Ursprünglich ist dieser Roman zwischen dem zweiten und dritten Hexer-TB erschienen, also zu einer Zeit, als die Hexer-Saga schon dementsprechend weit vorangeschritten war. Nun erscheint er als Vorgeschichte im allerersten Band der Sammler-Edition und von daher scheint es ratsam, die paar Seiten, die im Grunde nichts mit den eigentlichen Geschehnissen zu tun haben, entfallen zu lassen.

_Wenn der Autor selbst erzählt_

Zum Auftakt der Hexer-Hörbücher ließ Wolfgang Hohlbein es sich nicht nehmen, den Part des Erzählers persönlich zu übernehmen. Leider bringt das neben den klaren Vorteilen auch einige Nachteile mit sich. Sicherlich weiß er selbst am besten, welche Stimmungen er erzeugen und wie er die Geschichte gelesen bzw. verstanden wissen will, doch leider wirkt die Umsetzung anfangs eher holprig. Im Laufe der Erzählung wird die Akzentuierung der wörtlichen Rede wie auch der zu erzählenden Passagen immer besser, bis sich die Erzählung am Ende zu einem Hochgenuss steigert. Das Gesamtbild betrachtend, reichen seine Künste leider dennoch nicht an die eines Profis, wie zum Beispiel Joachim Kerzel, heran. Wirklich auffallend ist dies bei zwei Passagen im mittleren Teil der Geschichte – die |Traum-Sequenz| glänzt mit einer prächtig gelungenen sphärischen Hintergrundmusik, doch Hohlbeins kaum veränderte Stimme torpediert die musikalisch wunderbar aufgebaute Atmosphäre; beim Kampf mit dem |Tiefen Wesen| ist es allerdings am schlimmsten, denn da wirken sich sowohl die unpassenden Gitarrenriffs im Hintergrund als auch Hohlbeins Erzählstil sehr schädigend auf die Atmosphäre aus.

Ich muss leider noch etwas Unerfreuliches zur Sprache bringen, denn die Kapitelansagen, die alle zehn bis fünfzehn Minuten von Jürgen Hoppe beigesteuert werden, stören den Hörgenuss in ziemlich hohem Maße.

Neben diesen zum Teil weniger erfreulichen Begebenheiten gibt es aber noch etwas, das ich positiv hervorheben möchte – Roderick Andaras suggestiv verstärkte Befehle werden zweistimmig vorgetragen, dabei scheint die zweite Stimme stark verfremdet und wirkt somit düster und beschwörend. Ein wirklich gelungenes Stück tontechnischer Bearbeitung.

Einen kleinen Brückenschlag zu den alten Hörspielen vollführt Böhne mit Dirk Vogeley, der bereits 1991 dem Erzähler auf „Neues vom Hexer von Salem“ seine Stimme lieh. Auf dem vorliegenden Hörbuch übernimmt er die Stimme aus dem Kristall, die eine Botschaft aus der Vergangenheit zu verkünden weiß.

_Der Ton macht die Musik_

Für die musikalische und klangtechnische Verfeinerung des Hörbuches sorgen Albert Böhne und sein |ANDARA Project|. Die musikalische Begleitung ist im Gegensatz zu den früheren Hexer-Hörspielen zumeist rockig und wird nur in der Traumsequenz und der Botschaft aus der Vergangenheit durch düstere Sphärenklänge stilgerecht unterbrochen. Zudem bietet die CD zwei erstklassige Leckerbissen, aber dazu später.

Betrachten wir zunächst den Titelsong „Warlock“, der den Liebhabern der alten Hexer-Hörspiele im ersten Moment sehr wohl vertraut vorkommen dürfte. Das altbekannte |Hexer-Thema| erklingt genau einmal – auf den Saiten einer E-Gitarre – um dann auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung zu verschwinden. Der Song gleitet in ein orchestrales Thema mit akustischer Gitarre, Cello und Englisch-Horn-Klängen über, wird jedoch plötzlich von rockigen Gitarren und einem Schlagzeug dominiert. Alleine damit sollte allen altgedienten Hexer-Hörern klar sein, dass hier etwas gänzlich Neues seinen Anfang nimmt.

Sieht man einmal von den peinlichen Gitarrenriffs bei der oben erwähnten Kampfszene ab, trifft die musikalisch Untermalung allerorten den richtigen Ton und sorgt während der dramatischen Szenen für eine angenehm unbehagliche Atmosphäre.

Kommen wir nun zum ersten musikalischen Highlight. Für den Gesangspart von „Necron’s Song: Run!“ konnte Albert Böhne den Frontmann von |Accept| und |U.D.O.| verpflichten. Ja, liebe Freunde schwermetallischer Klänge, ihr lest richtig: Udo Dirkschneider bereichert mit seiner unvergleichbaren Stimme „Die Spur des Hexers“. Den Text zu [„Necron’s Song: Run!“]http://www.hohlbein.de/autor/audio/run.txt habe ich euch mal herausgesucht.

Bevor ich euch den zweiten Gaststar vorstelle, möchte ich noch ein paar Worte zur klanglichen Umsetzung des |Cthulhu|-Rituals verlieren. Hier hat sich Albert Böhne selbst übertroffen – durch den Einsatz vieler echter Trommeln und der stark verfremdeten Stimmen, mit denen die Beschwörungsformel zelebriert wird, kommt zum Ende des Hörbuches noch einmal richtige Gänsehaut-Stimmung auf.

|:Cthulhu – Fthagn – Ngai – R’Lyeh!:
Yog – Sothoth – Shudde – Mell
Nyarla – Tothep – Shubb – Niggurath
Azatoth – Glaaki – Wendigo – Hastur
Cthuga – Shodagoi – Dagon – ChoCho
Tsa – Thoggua – Yib – Tsstl
:Cthulhu – Fthagn – Ngai – R’Lyeh!:
R’Lyeh!
R’Lyeh!|

Dieser Part hat mir ehrlich gesagt am besten gefallen, zumal ich jetzt auch endlich weiß, wie all ihre Namen ausgesprochen werden.
|“Sie – das waren die, DEREN NAMEN MAN NICHT AUSSPRECHEN SOLL, will man nicht Gefahr laufen, sie zu rufen und den Preis für ihr Kommen zu zahlen, der schrecklich ist.“|

Zu guter Letzt kommen wir zum zweiten musikalischen Höhepunkt, dem Schlusssong „The Age of Damnation“. Niemand anderer als Steve Whalley, der Sänger der altgedienten Hardrock-Formation SLADE, bringt den glorreichen Abschluss dieser drei CDs.

_Mitwirkende_

|Sprecher:|
Wolfgang Hohlbein – Erzähler
Dirk Vogeley – Stimme aus dem Kristall
Jürgen Hoppe – Einleitung und Kapitelansagen

|Gesang:|
Udo Dirkschneider – „Necron’s Song: Run!“
Steve Whalley – „The Age of Damnation“
Albert Böhne – „Ritual“

|Musiker:|
Albert Böhne – Klavier, Keyboards, Background Vocals
Bernie Adamkewitz – Gitarre
Stefan Kaufmann – Gitarre
Michael Dötsch – Gitarre
Ian Stewart – Bass
Karl Övermann – Schlagzeug, Percussion

|3 CDs, Spielzeit 222 Minuten|

_Schlusswort_

Und nun noch ein paar abschließende Worte zum ersten Teil der neuen Hörbuch-Reihe aus dem Hause Hohlbein. Ich muss leider sagen, dass diese Umsetzung meines Erachtens nicht mehr als befriedigend ausfällt. Es lässt sich zwar nicht leugnen, dass ich am Ende dieses Werkes ein gutes Gefühl verspürt habe, aber das Gesamtbild reflektierend, kann ich diverse Unstimmigkeiten einfach nicht ignorieren. Ich würde mich freuen, wenn Wolfgang Hohlbein auch die anderen Hörbücher dieser Reihe erzählt, aber bitte mit der erzählerischen Finesse der letzteren Szenen. Ich kann eigentlich nur empfehlen, sich die Taschenbücher oder die Sammler-Edition zu besorgen und zu lesen – dieses Hörbuch ist dann sicherlich eine Bereicherung, aber ersetzen kann es das geschrieben Wort Hohlbeins nicht.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich näher mit H. P. Lovecrafts |Cthulhu|-Mythos oder Wolfgang Hohlbeins Hexer-Saga zu beschäftigen, dem seinen zwei meiner Rezensionen ans Herz gelegt:
[„Der Schatten über Innsmouth“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=424 sowie
[„Der Hexer von Salem“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=249

Walther, Christian C. – zensierte Tag, Der

Pünktlich zum dritten Jahrestag des Anschlags auf die Twin-Towers des WTC veröffentlicht der |Heyne|-Verlag das Buch „Der zensierte Tag“ von Christian C. Walther. Der Titel lässt es bereits vermuten, dass dieser von der offiziellen Darstellungsweise augenscheinlich nicht viel hält. Kritische Betrachtungsweisen zum 11. September 2001 gibt es mittlerweile zuhauf. Die meisten davon werden als Spinnerei von unter Paranoia leidenden Verschwörungstheoretikern geschmäht. Gelesen und diskutiert werden sie dennoch gern – wenn auch manchmal hinter vorgehaltener Hand. Fest steht: Die Vorgänge des denkwürdigen Tages sind noch nicht hinreichend erklärt, zu viele Lücken und Fragen tun sich weiterhin auf, daher ist der Untertitel „Wie man Menschen, Medien und Maschinen manipuliert“ recht passend gewählt.

_Corpus Delicti_

Wohl kaum eine Publikation zu explizit diesem Thema kommt ohne zumindest eine grobe Beschreibung der politischen Szene Amerikas und die mannigfaltigen Verquickungen mit der amerikanischen Wirtschaft aus. So natürlich auch hier. Die ersten Seiten rufen ein leicht prickelndes Déjà-vu auf der Haut hervor, oder anders ausgedrückt: Just another von Bülow. Wirklich? Nicht ganz. Allein schon stilistisch unterscheiden sich die beiden, auch wenn sich die dargebotenen Zusammenhänge auf den ersten Blick gleichen. Logisch. Der zweifelhafte Background und die dubiosen Verbindungen von „Dubya“ und Konsorten sind mittlerweile hinreichend (auch von so genannten „seriösen“ Quellen) belegt. Auf das in letzter Zeit immer mehr in Mode kommende „Bush-Bashing“ verzichtet Walther jedoch und reitet nicht gierig auf jedem noch so kleinen Fehltritt des weltweit in Ungnade gefallenen Präsis rum. Auch Antiamerikanismus weist er von sich.

Im Folgenden entfernt und distanziert er sich auch noch von den derzeitig gängigen Konspirationsaposteln. Scheinbar. Der lockere Schreibstil, gewürzt mit Wortwitz und gelegentlichen Zynismuseinlagen, kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass er sich Elemente ihrer Verschwörungstheorien durchaus in Teilen zu Eigen macht, sie jedoch leicht variiert. Immerhin nimmt seine – wie er selbst schreibt – spekulative Rekonstruktion nur knappe drei Seiten in Anspruch. Wobei er sich trotzdem auf die Kernsätze einiger alteingesessener Konspirationspäpste stützt, also ferngesteuerte Flugzeuge, die zudem nicht diejenigen sind, die offiziell in die Türme bzw. ins Pentagon gerauscht sind etc. Klar, dass auch das (angeblich physikalische unmögliche) Zusammensacken der Twin-Towers und des ominösen Gebäudes WTC 7 thematisiert wird. Von dort aus soll die Fernsteuerung vorgenommen worden sein.

Als Beweis dafür, dass die Flugzeuge gar nicht diejenigen waren, in denen die vermeintlichen Attentäter eincheckten, sondern speziell umgebaute Militärmaschinen, dienen in der Hauptsache Fluglotsen-Protokolle über die Flugrouten der Attentatsmaschinen und der aufgestiegenen Abfangjäger. Ein sehr unscharfes Foto kurz vor dem Einschlag soll untermauern, dass dieses kein ziviles Passagierflugzeug ist. Gerade Letzteres ist aber wirklich so unscharf, dass man sich an UFO-Sichtungen erinnert fühlt. Besonders stichhaltig ist dieses Bild als Beweismittel so ohne weiteres nicht. Oft genug haben sich solche Aufnahmen als Fake herausgestellt. Aus gutem Grund werden – zumindest vor deutschen Gerichten – Bilddokumente nur in absoluten Ausnahmefällen als Beweismittel zugelassen. Das Bild ist hinlänglich bekannt, gilt als authentisch, ist aber dennoch oft kontrovers diskutiert worden. Wer weiß schon, ob es nicht doch (von wem auch immer) manipuliert und in Umlauf gebracht wurde?

Wo andere Autoren die Anwesenheit der 19 mutmaßlichen Attentäter (und zum Teil sogar die Existenz der Al-Qaida als solches) komplett verneinen und sich in allerwüsteste Thesen verstricken, bezweifelt Walther deren Teilnahme an der Aktion nicht – wohl aber deren Kenntnis der Ereignisse, die da auf sie zukommen sollten. Sehr befremdlich ist in der Tat das Auffinden von persönlichen Gegenständen und anderen Indizien, die so deutlich auf Al-Qaida hinweisen. Wo doch alles andere an persönlichen Gegenständen (und sogar die Leichen) der restlichen Passagiere an Bord angeblich vollkommen vernichtet wurde. Insofern riecht das Ganze schon danach, als sollte hier absichtlich eine Spur gelegt werden, um den Verdacht gegen die fraglichen Terroristen zu erhärten.

Also doch eine groß angelegte Verschwörung aus dem Inneren? Seiner Meinung nach eher eine in kleinem, überschaubarem, erlauchtem Kreis von Drahtziehern, die aus den Anschlägen ihren Nutzen ziehen und somit ein Motiv haben. Das unterstellte Motiv? Handfeste wirtschaftliche und geo- bzw. auch innenpolitische Interessen, getarnt unter dem Deckmäntelchen der Bekämpfung islamistischer Terrorzellen. Dieser Vorwurf ist weder neu noch von der Hand zu weisen. Stichhaltig nachweisen lässt er sich indes nicht – jedenfalls nicht nach der derzeitigen Informationslage. Es bleibt Vermutung, wenn auch einiges dafür spricht.

Eine globale Konspiration würde jedoch alleine an der menschlichen Natur scheitern, denn je mehr potenzielle Mitwisser vorhanden sind, desto schwieriger ist es dichtzuhalten. Von der schier unlösbaren Aufgabe, so viele Verschwörer zu koordinieren, einmal ganz zu schweigen. Zu komplex, um durchführbar oder gar glaubhaft zu sein. So weit seine Zusammenfassung. Schon recht, da ist was Wahres dran, doch auch sein Szenario erfordert eine schier unüberschaubare Logistik und macht es aus den gleichen Gründen ebenso unwahrscheinlich. Die angebotenen Quellen im Netz sind verifizierbar, doch ist es ein Leichtes, sich aus der Fülle von Informationen eine Hypothese zusammenzustricken, die zu den Fakten passt – hundert Prozent wasserdicht sieht anders aus.

Gegen eine Verstrickung des kompletten Regierungsapparats, Geheimdienstes, Militärs, FAA und FBI spricht die Tatsache, dass die Behörden teilweise gegeneinander arbeiten und zu widersprüchlichen Ergebnissen und Schlussfolgerungen/Ergebnissen kommen – ja geradezu ein Konkurrenzkampf zwischen den Instanzen tobt. Eine übergeordnete, offizielle Aufklärungskommission wurde nur widerwillig und unter Druck eingesetzt, der sind jedoch weitgehend die Hände gebunden und sie hat nur Zugriff auf Protokolle und Aussagen, die auch wir Normalsterbliche entweder über die Presse oder das Internet einsehen können. Eine Menge aufschlussreicher Akten liegen aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen unter Verschluss. Kein Ruhmesblatt, fürwahr. Wenn schon keine Verschwörung zugrunde liegen mag, dann muss man aber den amerikanischen Behörden zumindest Dilettantismus und aktives Werfen von Nebelkerzen bei der Aufklärung vorwerfen.

Ein weiterer Hauptanklagepunkt sind weniger die augenscheinlichen Versäumnisse der amerikanischen Regierung, sondern die Art der Berichterstattung und somit das, was wissentlich oder unwissentlich dank der Massenmedien in den Köpfen der Menschen verankert wird. Ständige Wiederholungen von Falschinformationen machen sie zwar keinen Deut richtiger, doch werden sie gemeinhin als die „Wahrheit“ akzeptiert. Ein altbekanntes Phänomen, nicht nur in diesem Fall. Auch wenn später berechtigte Zweifel auftauchen oder gewisse Dinge nachweislich einfach unter den Teppich gekehrt wurden. Vieles von dem, woran sich offiziell als Erklärung geklammert wird, erweist sich auf den zweiten Blick als physikalisch oder logisch schwer erklär- und manches gar als nicht haltbar.

Es kriegen nicht nur die Boulevardpresse à la |Springer| & Co. ihr Fett weg, sondern Walther prügelt vorzugsweise auf das Nachrichtenmagazin |Der Spiegel| ein. Womit wir beim abschließenden Thema Medienschelte angelangt wären. Doch nicht nur Print- und TV-Medien sollen sich an die Nase fassen, sondern auch gerade wir Konsumenten, die wir danach verlangen, nur leicht verdauliche und verständliche Kost vorgesetzt zu bekommen. Die Kritik an unserer auf Kommerz und Manipulation ausgerichteten Medienwelt (und damit uns selbst) ist nicht unberechtigt und das Plädoyer, den eigenen Verstand öfter zu gebrauchen und nicht alles unbesehen zu schlucken, ehrenrührig. Allerdings dürfte die Zielgruppe dieses Appells nicht zur Leserschaft solcher Bücher gehören, weswegen er ungehört verhallen wird.

_Fazit_

Indem es gekonnt polemisiert und überzogen formuliert, lässt sich das 400-Seiten-Werk locker-flockig lesen. Auffällig jedoch ist, dass der beißende Rhetorikhammer immer dann verstärkt ausgepackt wird, wenn die Luft für die unglaublich klingenden Komplott-Hypothesen merklich dünner wird. Dabei sind einige Gedankengänge gar nicht mal so abwegig und bedürften dieses Tunings eigentlich nicht, eine sachliche Schilderung der oft fragwürdigen Umstände und Zusammenhänge des 9/11 wäre der Sache meiner Ansicht nach dienlicher gewesen.

Das Buch wird die Fronten von Konspirologen und deren Gegnern nicht aufweichen und die Gemüter wieder mal erhitzen. Die zugrunde liegenden Quellen sind verifizierbar, bieten Stoff zum eigenen Nachdenken, präsentieren aber auch nur einen Ausschnitt der Gesamtbilds. Um definitiv zu sagen: „So (und nicht anders) war es!“, reichen die Indizien indes bei weitem nicht aus. Summa summarum muss sich jeder doch wieder aus den zugänglichen Versatzstücken ein eigenes Bild zusammenschustern – auch aus den hier so gescholtenen Massenmedien. Werden wir je die ganze Wahrheit erfahren? Zu hoffen bleibt es …

Alexander, Lloyd – Taran – Der schwarze Kessel

Dies ist der zweite Roman eines fünfbändigen Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

_Der Autor_

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der US-amerikanische Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy-Geschichte für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen zu sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

Der |Taran|-Zyklus:

1. „Taran und das Zauberschwein“ bzw. „Das Buch der Drei“ (engl. The Book of Three) (1964)
2. „Taran und der Zauberkessel“ bzw. „Der schwarze Kessel“ (engl. The Black Cauldron) (1965)
3. „Taran und die Zauberkatze“ bzw. „Die Prinzessin von Llyr“ (engl. The Castle of Llyr) (1966)
4. „Taran und der Zauberspiegel“ bzw. „Der Spiegel von Llunet“ (engl. Taran Wanderer) (1967)
5. „Taran und das Zauberschwert“ bzw. „Der Fürst des Todes“ (engl. The High King) (1968) – Gewinner der Newbery Medal, 1969
6. „Der Findling und andere Geschichten aus Prydain“ (engl. The Foundling) (1973) – Sammlung von Kurzgeschichten, die in Tarans Welt Prydain spielen

_Handlung_

Der Junge Taran lebt als Hilfsschweinehirt beim Schmied Coll und einem Magier namens Dallben. Der Magier hütet das magische „Buch der Drei“, das Taran nicht anfassen darf, selbst wenn der Zauberer, wie so oft, mal wieder schlafend meditiert.

Doch die friedliche Zeit, die auf das Ende seines ersten Abenteuers folgt, hat jäh ein Ende, als sich verschiedene hohe Herrschaften auf dem Gehöft von Dallben und Taran einfinden. Fürst Gwydion hat eine Ratsversammlung einberufen. Der Feldherr von Hochkönig Math fordert die anderen Fürsten auf, auf eine gefährliche Mission ins Reich Annuvin des Todesfürsten Arawn zu ziehen. Solange Arawn mit Hilfe des magischen schwarzen Kessels weiterhin Zombiekrieger erzeugen könne, werde Prydain nicht sicher sein vor seinem Angriff. Und in letzter Zeit sei Arawn dazu übergegangen, nicht nur Tote zu Kesselkriegern zu machen, sondern auch Lebende.

Auf dem Feldzug gerät Taran ständig mit dem hochmütigen Prinzen Ellidyr aneinander, der es wirklich auf den „Schweinejungen“ abgesehen hat. Und auch um den Feldzug ist es nicht gut bestellt, denn als Doli, der Zwerg, der sich unsichtbar machen kann, vom Dunklen Tor, dem Eingang zu Annuvis, zurückkehrt, erzählt er, dass der schwarze Kessel gar nicht dort sei, wo man ihn erwartet habe. Er ist weg!

Doch ein weiterer Zwerg namens Gwystyl beziehungsweise dessen Rabe Kaw wissen, wo der Kessel jetzt ist: in den Marschen von Morva. Und wer wohnt dort? Drei alte Weiber namens Orddur, Orgoch und Orwen, die über Zauberkräfte verfügen. Tarans Gefährten und er selbst entgehen nur dem traurigen Schicksal, gefressen oder als Kröten zertreten zu werden, da Taran erwähnt, dass er in der Obhut des Zauberers Dallben lebt. Die drei Hexen erinnern sich sehr gut an das Knäblein Dallben: Sie haben es selbst aufgezogen.

Zwar entdecken die Gefährten den schwarzen Kessel tatsächlich auf dem Grund und Boden der Hexen, doch das nützt ihnen gar nichts. Sie bekommen ihn nur gegen einen hohen Kaufpreis: Taran muss die Spange des Wissens hergeben, die ihm der Barde Adaon, der Sohn des Oberbarden Taliesin, in Verwahrung gegeben hatte.

Doch das ist noch gar nichts gegen den Preis, den der schwarze Kessel für seine Zerstörung fordert: Ein lebendiger Mensch muss freiwillig in den Kessel springen, dieser werde daraufhin zerbersten. Tatsächlich: Hämmer und Stangen richten gegen das magische Monstrum nichts aus, und so müssen ihn die Gefährten durch die Lande zu Fürst Gwydion schleppen, denn der werde schon Rat wissen.

Allerdings haben sie die Rechnung ohne den Ehrgeiz des Prinzen Ellidyr gemacht.

_Mein Eindruck_

Das Buch lässt sich ohne weiteres in nur fünf Stunden lesen, und doch hat der Leser das Gefühl, eine ausgewachsene, tiefgehende Geschichte erfahren zu haben. Das liegt daran, dass es hier nicht mehr darum geht, Wissen und Gefährten zu erwerben, um schließlich damit den eindeutig erkennbaren Gegner von der Gegenseite zu überwinden.

Diesmal sind die Gegner in den eigenen Reihen zu finden: falscher Ehrgeiz und mehrfacher Verrat vereiteln um ein Haar den Erfolg der Guten, die auf der Seite von Recht und Gesetz stehen; Fürst Arawn tritt überhaupt nicht in Erscheinung, allenfalls seine Häscher, die Kesselkrieger. Und so müssen schon bald die Besten dafür büßen, unter ihnen der kluge, seherisch begabte Adaon. Und obwohl er die nahe Zukunft kennt, überlässt er Taran die Entscheidung, wie man weitermachen will: zurück zu Fürst Gwydion oder doch in die Marschen von Morva?

Dieses Taran-Abenteuer ist sowohl sehr spannend als auch anrührend. Das Fazit, das Gwydion und Taran am Schluss ziehen, ist relativ niederschmetternd: Dies ist also die Welt eines Mannes, eine Welt aus Verrat, Blut, Niedertracht und falschem Ehrgeiz. Kann dies alles sein? Nicht wenn man dem Pfad der Ehre und der Wahrheit und der Liebe folgt.

Doch Liebe hat Taran noch nicht kennengelernt, allenfalls indirekt durch Adaon. Der war nämlich mit Prinzessin Arian Llyn verlobt, und das Unterpfand ihrer Liebe war eben jene Spange, die Taran für den Zauberkessel hergeben musste.

So erwirbt ein Symbol der Liebe ein Werk des Bösen, um dieses der Vernichtung zuführen zu können. Nur ein weiteres Opfer kann die Vernichtung vollbringen. Doch die Wahl des Freiwilligen fällt ganz anders aus als erwartet.

_Unterm Strich_

„Der schwarze Kessel“ ist ein spanenndes Abenteuer, das bereits mehrere unerwartete Wendungen in Tarans Entwicklung enthält und den Helden reifen lässt. Wir wissen immer noch nicht, wer er in Wahrheit ist: ein Findling, aufgezogen von einem anderen Findling, nämlich Dallben. Angesichts der Weisheit und Gerissenheit des Erzählers ist nun mit allem zu rechnen, wenn es in die nächsten drei Abenteuer geht (siehe oben).

Black, Holly / DiTerlizzi, Tony – Gefährliche Suche (Die Spiderwick-Geheimnisse 2)

Die Spiderwick-Saga wird fortgesetzt: Drei junge New Yorker sind mit ihrer Mutter in einem uralten Haus gelandet, indem es offenbar nicht mit rechten Dingen zugeht. Und wenn Jared das Handbuch über Fabelwesen nicht so besitzergreifend behalten hätte, wären auch nicht die Kobolde gekommen und hätten Simons Katze entführt …

_Die Autoren_

Tony DiTerlizzi ist ein mehrfach ausgezeichneter amerikanischer Illustrator von Kinder- und Jugendbüchern sowie Rollenspielbänden. Zu seinen Werken gehören Arbeiten für Bücher von Tolkien, Anne McCaffrey, Peter S. Beagle sowie für das Kartenspiel „Magic the Gathering“ und „Dungeons & Dragons“. Er lebt mit seiner Frau Angela und seinem Mops Goblin (= Kobold!) in Amherst, Massachusetts, einem recht malerischen Städtchen in Neuengland. Lebte nicht auch die Dichterin Emily Dickinson dort? Mehr Infos: http://www.diterlizzi.com.

Holly Black wuchs laut Verlag in einem „alten viktorianischen Haus auf, wo ihre Mutter dafür sorgte, dass ihr die Geister- und Elfengeschichten nie ausgingen“. Ihr erster Jugendroman „Die Zehnte“ (2002) entwirft ein „schauriges Porträt der Elfenwelt“. Es wird von der American Library Association als „Best Book for Young Adults“ bezeichnet, eine gute Empfehlung für politisch korrekte Fantasy.

Holly lebt mit ihrem Mann Theo und einem „beeindruckenden Zoo“ in New Jersey. Mehr Infos: http://www.blackholly.com.

_Handlung_

Im ersten Band der Spiderwick-Saga geschah Folgendes: Die Zwillinge Simon und Jared ziehen mit ihrer älteren Schwester Mallory von New York City aufs Land, nachdem sich ihre Eltern haben scheiden lassen. Sie leben jetzt bei ihrer Mutter, die sich nun keine New Yorker Wohnung mehr leisten kann, aber zum Glück noch ein Domizil von ihrer Großtante Lucinda überlassen bekommt: Haus Spiderwick.

In der verborgenen Bibliothek findet Jared ein Rätsel und woanders das Buch selbst: „Arthur Spiderwicks Handbuch für die fantastische Welt um dich herum“. Das Wichtelmännchen Thimbletack hat Jared gewarnt, das Buch loszuwerden, doch der wollte nicht hören. Nun muss er die Folgen tragen.

Auf der Suche nach seinem verschwundenen Kater Tibbs ist Simon, Jareds Bruder, an den Rand des Gartens geraten. Jared sieht gerade noch, wie Simon mit den Armen fuchtelt, als kämpfe er mit etwas Unsichtbarem. Dann ist sein Bruder verschwunden. Was tun?

Von Thimbletack besorgt sich Jared einen sehenden Stein, den er in ein altes Monokel einsetzt. Jetzt vermag er die „fantastische Welt um sich herum“ wahrzunehmen. Doch da Jared nicht sehr freundlich zu dem Wichtelmännchen war, ist Thimbletack sauer – so muss Jared mit Mallory alleine losziehen.

Leichter gesagt als getan, denn als erstes werden sie von eine Horde Kobolde angegriffen, die sie nur mit Mallorys Florett vertreiben können. Die Kobolde wollten das Handbuch. Als sie ihnen in den düsteren Wald folgen, stoßen sie auf einen gefährlichen Troll, das Versteck der Kobolde und einen zwielichtigen Helfer. Nun muss Jared zeigen, ob er seinen Bruder vor dem Gefressenwerden retten kann.

_Mein Eindruck_

Nachdem im ersten Band der Spiderwick-Saga der Schauplatz innerhalb des Hauses erkundet und eine erste Freundschaft geschlossen wurde, ist es nun an der Zeit, die nächste Umgebung zu erforschen. Dabei spielt die richtige Wahrnehmung eine entscheidende Rolle, um in der Fabelwelt bestehen zu können. Nicht umsonst heißt dieses Abenteuer im Original „The seeing stone“. Dabei handelt sich um eine magische Sehlinse aus Stein, die Jared vom Wichtel Thimbletack erhält.

Zack, schon erweitert sich der Horizont. Leider nicht immer zu Jareds Vergnügen. Er nimmt nun auch die Gefahren des nahen Waldes wahr. Die Kobolde, die bei ihm aufmarschieren, sind nicht die fröhlichsten Gesellen, die man sich vorstellen kann: Sie haben seinen Bruder Simon als Hauptgang bei einem Lagerfeuergelage ausersehen. Und Simons Katze war die Vorspeise …

Wie man sieht, geht es nun ans Eingemachte, denn mit den bislang recht witzigen Elfen im Spiderwick-Haus ist nun Schluss. Die Welt da draußen hält Wunder ebenso bereit wie Schrecken. Zum Beispiel einen ausgewachsenen Greif, den sich die Kobolde schnappen wollen. Aber mehr darf nicht verraten werden.

Die Botschaft hier ist klar, Herr Kommissar: Nur zusammen sind wir stark! Und so ist Jared, der unzufriedene Eigenbrötler, wieder einmal auf fremde Hilfe angewiesen, will er seinen Bruder retten. Er braucht seine ältere Schwester, einen Grünen Kobold (Merke: Nicht alle Kobolde wurden gleich geschaffen!) und jede Menge Grips. Eine wichtige Lektion für alle jungen und jung gebliebenen Leser, auf unterhaltsame Weise vermittelt.

|Gestaltung|

Wieder sind die Illustrationen von Tony DiTerlizzi sehr gelungen, jedenfalls mit Ausnahme des Greifs. Im Text hat das Fabelwesen einen Falkenschnabel, doch auf den Bildern scheint ihm ein gewöhnlicher Gockel vom Misthaufen das Fresswerkzeug vererbt zu haben. Der Text, den Holly Black beigesteuert hat, ist nun auf das Notwendigste verdichtet. Manchmal sogar so sehr, dass sich der Leser wünscht, es ginge ein wenig ausführlicher, denn die gute Mallory ist beileibe nicht oft genug „im Bild“, um eine glaubwürdige Mitspielerin abzugeben. Die ganze Action ist auf Jared zugeschnitten, und das finde ich ein wenig unfair.

Die äußere Gestaltung des Buches ist wieder mal vom Feinsten, aber das habe ich ja schon beim ersten Band geschrieben. Daher brauche ich nicht nochmals alle Details zu wiederholen. Bitte um Vergebung. Der günstige Preis von knapp acht Euro erstaunt mich daher immer wieder – im positiven Sinne.

_Unterm Strich_

Der zweite Band der Spiderwick-Geheimnisse enthüllt uns die nähere Umgebung des von Fabelwesen bewohnten Anwesens. Diesmal sind die Zeitgenossen von Jared & Co. aber weniger friedlich, und spezielle Methoden der Wahrnehmung und des Teamworks sind zu entwickeln.

Die gediegene Gestaltung des Buches, der kurzweilige, groß gedruckte Text und ganz besonders die schönen Zeichnungen tragen zur puren Lesefreude bei. Am Schluss gibt es, wie schon in Band 1, wieder einen Teaser …

|Hinweis: mehr Fabelwesen next time!|

Im nächsten Band treten ein Waldelf auf sowie ein Phooka. Ein Phooka ist ein schwarzes Pferd, das der irischen Sage nach denjenigen in die Irre führt, der ihm blindlings folgt. Na, und wie ein Waldelf aussieht, kann man sich ja (fast) denken – jedenfalls nicht wie Orlando Bloom!

http://www.spiderwick.de

H. P. Lovecraft – Schatten über Innsmouth

Ein junger Mann reist in eine einsame Hafenstadt, die von Teufelsanbetern bewohnt wird. Die angeblichen Nachtmahre entpuppen sich als überaus handfeste und gar nicht übernatürliche Zeitgenossen … – Dieser (Kurz-) Roman von H. P. Lovecraft (1890-1937) ist ein Kernstück des Cthulhu-Mythos’, der die Erde als Spielball übel wollender kosmischer Mächte sieht. Er bietet eher atmosphärische als handlungsbetonte Phantastik, wirkt aber in diesem Rahmen wahrlich unheimlich und ist von beinahe dokumentarischer Überzeugungskraft.
H. P. Lovecraft – Schatten über Innsmouth weiterlesen

Morgan, Richard – Unsterblichkeitsprogramm, Das

Ein neuer Stern leuchtet am Himmel der Cyberpunk-Literatur: Richard Morgan synthetisiert in seinem Debüt-Roman den guten alten Cyberpunk im Stile William Gibsons mit einer Detektivgeschichte, die aus der Feder Raymond Chandlers stammen könnte, zu einem exzellenten Cyberkrimi. „Das Unsterblichkeitsprogramm“ (Originaltitel: „Altered Carbon“, 2002) wurde mit dem |Phillip K. Dick Award| für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet.

Im 26sten Jahrhundert – die Menschheit hat sich über die Galaxien ausgebreitet und ferne Planeten kolonialisiert – hat die Wissenschaft erreicht, was Religionen nur in Aussicht stellen konnten: |das ewige Leben|.

Die Informationstechnik ist an ihrem Höhepunkt angelangt – sie ist in der Lage, das menschliche Bewusstsein in einer Datenbank zu speichern und zu jeder Zeit in einen beliebigen Körper – |Sleeve| genannt – herunterzuladen. Ein |kortikaler Stack|, der im Nacken platziert und an das zentrale Nervensystem angeschlossen ist, fungiert dabei als Speichermedium. Mit dieser Technologie ist der Tod nicht mehr als ein düsterer Schatten vergangener Epochen. Oder doch?
Solange der |kortikale Stack| im Todesfall intakt bleibt, kann jedes Bewusstsein wieder in die Datenbank geladen und zu einem späteren Zeitpunkt |resleevt| werden. Wird der Stack jedoch beschädigt oder gar zerstört, so tritt der |Reale Tod| ein und die Existenz der betreffenden Person ist unwiderruflich beendet. Nur die wenigsten Menschen – jene, welche über das nötige Kleingeld und das entsprechende Maß an Macht verfügen – können sich eine permanente externe Speicherung in einer privaten Datenbank leisten. Sie sind die |Meths| – die Methusalem – deren subjektives Leben Jahrhunderte währt. Je nachdem, in welchen Abständen ein |Meth| sein Bewusstsein extern speichert, verliert er bei einem realen Todesfall nur einige wenige Tage seiner Erinnerungen …

Hier beginnt unsere Geschichte. Laurens Bancroft, ein Meth, dessen subjektives Leben bereits dreieinhalb Jahrhunderte andauert, wird tot in seiner Villa aufgefunden – neben ihm liegt seine eigene Waffe. Sein Kopf und mit diesem der kortikale Stack sind völlig zerstört. Die Abteilung für |organische Defekte| der Polizei von Bay City ermittelt jedoch nur oberflächlich und legt den Fall nach kürzester Zeit zu den Akten – Selbstmord.
Für Bancroft, der umgehend resleevt wird, scheint dieser Tatbestand unvorstellbar, weiß er doch um seine externe Speicherung – doch die einzige Person, die außer ihm Zugang zu seinen Waffen hatte, ist die Frau, mit der er seit hundertfünfzig Jahren verheiratet ist. In der festen Überzeugung, dass weder seine Frau noch er selbst diese Tat begangen haben, heuert er den Privatdetektiv Takeshi Kovacs an, um die Arbeit der Polizei zu einen befriedigenden Ende zu bringen und den wahren Täter zu ermitteln. Genauer gesagt holt Bancroft ihn dank seiner ausgezeichneten Beziehungen aus der Einlagerung in Kanagawa, hundertsechsundachtzig Lichtjahre von der Erde entfernt, wo Kovacs, dessen letzter Auftrag mit seinem Ableben endete, in der Einlagerung verweilt und eine weit über hundertjährige Strafe verbüßt. Der Vertrag läuft zunächst auf wenige Wochen, beinhaltet jedoch bei erfolgreichem Abschluss die Annulierung der restlichen Einlagerungsstrafe, einen Rücktransfer auf seinen Heimatplaneten – Harlans Welt – in einen Sleeve seiner Wahl und eine Gutschrift von 100.000 UN-Dollar. Widerwillig nimmt Takeshi Kovacs die Ermittlungen auf …

Richard Morgan (* 1965 in Norwich, England) studierte Englisch und Geschichte in Cambridge und arbeitete danach lange Zeit als Englischlehrer an der |Strathclyde University| in Glasgow. Sein Erstlingswerk schrieb er neben seiner Lehrtätigkeit, an den Abenden und Wochenenden. Ein Leben als Vollzeit-Autor kam für ihn damals noch nicht in Betracht, war er doch fast 15 Jahre Lehrer und mit seinem Job durchaus zufrieden. Auf die Frage, wann und warum er zu schreiben begann, antwortete Richard Morgan in einem Interview für das „Crowsnest SF e-magazine“: |“Ich denke, ich hatte die gleiche Motivation, wie Asimov – Ich schrieb, weil ich gerne las und ich wollte meine eigenen Geschichten für mich selbst verfassen. Das ist etwas, das bis in meine Kindheit zurückgeht. Ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern, in der ich nicht irgendwas geschrieben habe. (…)“|
Heute verdient Richard Morgan sein Geld ausschließlich als freier Schriftsteller. Leider liegen von den beiden letzten Romanen noch keine deutschen Übersetzungen vor. 2003 erschien „Broken Angels“, der zweite Roman um Takeshi Kovacs und im Frühjahr dieses Jahres „Market Forces“, ein Globalisierungsthriller, der sich jedoch nicht mit den Abenteuern unseres Protagonisten befasst. In der Enstehung befindet sich derzeit der dritte Takeshi-Kovacs-Roman.

Doch nun zurück zum Debütroman …

Richard Morgan beschreibt diesen Roman in einem Satz als |“eine beeindruckend brutale Tragödie über das Wesen der Macht und wie sich zukünftige Technologie darauf auswirken mag.“|

Die düstere und weitestgehend pessimistische Zukunftsvision, die Richard Morgan in dieser Geschichte zeichnet, reflektiert durchaus seine eigene Weltanschauung. Eine |best-case|-Zukunft zu entwerfen, ergibt für ihn keinen Sinn, da ein Blick in die Vergangenheit beweist, dass die Menschheit nicht im Stande scheint, aus irgendeiner Situation das Beste zu machen. So gesehen ist die Welt, in der Kovacs lebt, allerdings kein |worst-case|-Szenario, sondern schlicht eine Extrapolation des derzeitigen menschlichen Strebens.

Wenige Jahrhunderte humanitären Denkens stehen gegenüber den Aeonen, in denen unsere Rasse ihren animalischen Trieben freien Lauf gelassen hat. Anstatt jedoch diesen geistigen Wandlungsprozess voranzutreiben und die immer komplexeren sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zu hinterfragen, flüchten sich viele in die – seit langem obsoleten – Gefilde des |das-geht-mich-doch-nichts-an|-Denkens und laufen mit Scheuklappen durch unsere Welt. Zudem hat uns die Technologie in den letzten hundert Jahren mit ihrer rasanten Entwicklung in die Lage versetzt, unsere Zivilisation mitsamt der menschlichen Rasse zu unterjochen oder gar zu vernichten. In seinem Roman nimmt sich Richard Morgan einer möglichen Entwicklung unserer heutigen Welt an:

Daten sind – wie auch heute – eines der wichtigsten Handelsgüter. Doch die Technologie ist noch einen Schritt weiter; sie ist im Stande, selbst den Menschen (das |Humankapital|) in Bits und Bytes zu speichern und reduziert ihn somit nun auch physisch auf seinen reinen Datengehalt – ein Großteil der Menschheit verkommt ergo zu einer handelbaren Ware von meist minderem Wert. Nur die wenigsten Menschen sind unabhängig und vermögend genug, um diese |technischen Meisterleistungen| nach freiem Willen nutzen zu können.

Diese wenigen Menschen, die Meths, haben beinahe unbeschränkten Zugriff auf die Angebotspalette der Sleeves – selbst die Körper anderer Menschen sind für sie nicht unantastbar. Die Versuchung ist groß, kann doch nun jegliche Handlung – auch ein Verbrechen – in einem Körper verübt werden, dessen registrierter Besitzer vorübergehend in einer privaten Datenbank oder einer Virtuellen Realität verweilt, ohne sich dieses Umstandes unmittelbar bewusst zu sein. Das perfekte Verbrechen?

Wegen der ermöglichten Unsterblichkeit ist ein Wechsel in den Führungspositionen von Politik und Wirtschaft auf natürlichem Wege undenkbar. Daraus folgt, dass sich für die Meths im Laufe der Jahrhunderte die Wahrnehmung der Welt verändert; sie wird zu einem Spielplatz, auf dem mit immer neuen perfiden Manipulationen der Umwelt und der Menschen dem eigenen Degenerationsprozess Einhalt geboten werden soll – das Leben muss doch schließlich noch etwas zu bieten haben. Doch welche Möglichkeiten ergeben sich, um Menschen zu kontrollieren oder zu quälen?

„Ein meisterhaftes Beispiel für einen Cyberkrimi … Der letzte Debütroman, der ähnlich aufregend war, dürfte William Gibsons |“Neuromancer“| gewesen sein.“ (Zeitschrift |Phantastisch|)

Normalerweise halte ich nichts von derartigen Vergleichen, muss in diesem speziellen Falle jedoch zustimmen – beinahe 20 Jahre nach dem „Neuromancer“ erblickt ein Roman das Licht des deutschen Buchhandels, der eine ähnlich düstere Zukunftsvision ausmalt wie Gibsons Erstlingswerk dereinst. Dabei nimmt Morgan den Faden von einer der Informationstechnologie unterworfenen Welt auf und spinnt ihn ein weiteres halbes Jahrtausend in die Zukunft. Während es im „Neuromancer“ noch einzigartig war, dass ein Daten-Cowboy von einer KI digitalisiert und in einem Computerkonstrukt gespeichert wird, ist es fünfhundert Jahre später völlig normal. Dadurch ergeben sich viele neue Möglichkeiten, den gesellschaftlichen Abstieg der menschlichen Zivilisation weiterzudenken.

Neben dieser thematischen Kohärenz der beiden Romane kommen noch zwei weitere Faktoren hinzu – wie einst |Case| im „Neuromancer“, so nimmt uns auch Takeshi Kovacs mit auf eine atemberaubende Reise in eine Welt der Mächtigen und der Ausgestoßenen. Beide Protagonisten gehörten einmal zum Besten, was der |Abschaum der Menschheit| hervorgebracht hat, bis sie, vom System fallen gelassen, ganz nach unten stürzten. Bevor jedoch ihr Ruf in den Nebeln der Zeit vollends verblasst, werden sie vom Schicksal wieder empor gerissen und bekommen eine zweite Chance. Nun könnte der geneigte Leser ob dieser vielen Parallelen dem Irr-Glauben verfallen, Takeshi Kovacs sei nur eine futuristische Kopie von Case – vielmehr drängt sich jedoch die Vermutung auf, dass der Archetyp des Anti-Helden prädestiniert dazu ist, die Misere derer zu verdeutlichen, die entweder wegen ihrer niederen Abstammung oder aber durch vermeintliche Fehler im System dazu verdammt sind, täglich um ihre Existenz zu kämpfen. Im Gegensatz dazu verblasst das Geschrei der Mächtigen zum Gezänk kleiner Kinder, die sich im Sandkasten um eine Schaufel streiten.

Als Drittes fesselt und hypnotisiert „Das Unsterblichkeitsprogramm“ seine Leser ebenso wie damals der Urvater des Cyberpunk. Die erstklassig extrapolierte Technik, die düstere und kantige Erzählweise, welche das Leben am Bodensatz der Gesellschaft wunderbar widerspiegelt, wie auch die durch Sex und Gewalt dargestellten animalischen Triebe, die allen Gesellschaftsschichten immanent sind, verleihen dem Roman den betörenden |neuromantischen| Flair.

Wer sich bis heute noch immer der Illusion der Massenmedien hingibt und sich in einer nahezu |heilen Welt| wähnt, für den wird dieser Roman eine rein fiktive Geschichte beherbergen, die jeglicher gesellschaftskritischen Grundlage entbehrt. Jenen unter euch, die ihren Blick vor der Misere des sozialen Wandels und der fortschreitenden Degeneration unserer Gesellschaft jedoch nicht verschließen, mag dieser Roman in überzeichneter Form eine Welt offenbaren, die aus der unseren durchaus hervorgehen könnte.

Viel Spaß beim Lesen.

_Quellen:_
[Interview für Crowsnest SF e-magazine]http://www.computercrowsnest.com/sfnews/newsd0202.htm
[Interview für Infinity+ e-magazine]http://www.infinityplus.co.uk/nonfiction/intrm.htm