
Lucie Milton analysiert eine rätselhafte chemische Substanz und entdeckt ein entsetzliches Geheimnis. Eine Stunde später ist sie tot.
Inspector Jeff Mulligan, ein abgebrühter Cop, untersucht den Fall. Da erscheint ihm die Tote plötzlich in einer Halluzination und gibt ihm Hinweise zu ihren Mördern. Seine Kollegen erklären Mulligan für verrückt, doch er geht der Sache nach und stößt auf eine unglaubliche Entdeckung: Der älteste Traum der Menschheit, die Erlangung ewiger Jugend, könnte endlich wahr werden. Hatte Lucie etwa die chemische Formel dazu herausgefunden? Wo verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und dem Unerklärlichen?
Auf der Suche nach Antworten gerät Mulligan bald selbst in Gefahr, denn er ahnt nicht, dass er zum Opfer eines schrecklichen Experiments werden könnte.… (Verlagsinfo)
Das Autoren-Team
Mit seinem ersten Roman DER ZORN katapultierte sich ein unbekannter junger Philosophieprofessor aus Lyon an die Spitze der französischen Bestsellerliste. In seinem neuen Thriller „Tödliche Ewigkeit“ zieht Denis Marquet, zusammen mit seiner Koautorin Elisabeth Barrière, den Leser in eine immer bedrohlichere, unkontrollierbare Welt hinein. Sein Szenario des von Menschen verursachten Untergangs der Erde ist aktueller denn je und nicht nur für Fans von Öko-Thrillern und der Serie „Zoo“ empfehlenswert.
Elisabeth Barrière hat Denis Marquet geheiratet. Barrière-Marquet ist bekannt für ihre Arbeit an „Petite chérie“ (2000) und „La squale“ (2000). (Quelle: IMDB.com)
Handlung
Ann Lawrence, die Tochter eines Staranwalts, hat es geschafft: Nach einem Jahr bei der Streifenpolizei von New York City darf die Diplompsychologin ihren Dienst bei den Ermittlern von der Kripo antreten. Der Captain weist sie Sergeant Jeff Mulligan zu, doch der ist wie vom Erdboden verschluckt. So hat sie Gelegenheit, welchen Ruf er in der Truppe genießt: Der ist denkbar schlecht, und üble Nachrede ist der Grundtenor.
Als er sie endlich entdeckt und gleich zur Schnecke macht, nimmt er Ann mit auf einen seiner unkonventionellen Einsätze: Er „verhaftet“ einen Händler von Snuff-Videos unter fadenscheinigen Vorwänden. Ann muss die Miranda-Formel runterrasseln, dann geht’s mit dem Verdächtigen aufs Revier. Falls Ann nicht einverstanden ist – sie muss wohl für Jeff lügen – , dann weiß er, wer der mieseste Anwalt in der ganzen Stadt ist: ihr Vater.
Aber diese riskante Aktion ist noch gar nichts gegen das, was sich Jeff als nächstes leistet. Ein Mann hat einen Raubüberfall begangen und beim Schusswechsel mit den Streifenpolizisten nicht nur einen Beamten erschossen, sondern auch ein unbeteiligtes Kind. Ann muss sich übergeben und kriegt auch sonst eine Panikattacke, denn Jeff entdeckt den Verbrecher in einem Haus auf der gegenüber liegenden Straßenseite.
Zu Anns Erstaunen zieht sich Jeff aus und betritt in Unterhosen das Haus. Sie ist sprachlos. Gleich darauf fallen zwei Schüsse, kurz bevor die Antiterroreinheit eintrifft. Die überholt Ann auf der Treppe und erledigt den „Rest“: Aber der Verbrecher liegt blutend im Treppenhaus – und Jeff raucht ganz ruhig eine Zigarette. Ann zittern die Knie. Hinterher sieht sie sich wider Willen veranlasst, auch diese Eskapade Jeffs zu decken. Dieser Mann ist definitiv verrückt. Und das Tatort-Ü-Video darf niemand außer dem Chef zu sehen bekommen…
Lucie Milton
Der nächste Tatort liegt in einer besseren Gegend. Die Tote, eine gewisse Lucie Milton, liegt angezogen auf ihrem Bett im Schlafzimmer. Ihr wurde die Kehle durchgeschnitten. Ann kennt solche Anblicke und hat schon drei Autopsien hinter sich gebracht. Sie hat erwartet, dass der abgebrühte, todesmutige Jeff Mulligan auch hier kühl reagieren würde, doch das Gegenteil ist der Fall: Er sieht sehr erschüttert aus. Als der Rechtsmediziner den Todeszeit benennt, hakt Mulligan ungläubig nach. Es bleibt bei 5:30 Uhr am Morgen. Was Ann nicht ahnt: Punkt 6:00 Uhr hat Mulligan diese Frau lebendig an der Tür seinem Büro erblickt (denn er schläft praktisch nie). Gleich darauf war die offensichtlich Tote verschwunden. War sie ein also ein Geist? Natürlich kann er diesen Sachverhalt niemandem erzählen, denn das wäre garantiert ein guter Grund, ihn endgültig loszuwerden: Unzurechnungsfähigkeit.
Parallele Ermittlungen
Weil Mulligan sich fortan wie ein Besessener verhält, vernachlässigt er die Grundprinzipien von Ermittlern: Zeugen befragen beispielsweise. So stoßen seine Kollegen auf einen zwielichtigen Typen namens Brooks, der angibt, zwei Ganoven hätten ihm ein Messer abgenommen. Er wird sofort festgenommen und Lieutenant Woodruff als willkommener Sündenbock präsentiert. Als Mulligan davon erfährt, flippt er aus. Wusste Ann von dieser Intrige? Die erklärt sich für neutral und wird fortan von allen geschnitten. Woodruff verteilt sie zum stupiden Aktendienst.
Das hält den besessenen Mulligan nicht davon ab, den Hintergrund von Lucie Milton zu erforschen. Sie kam aus einem Nest in den Adirondack-Bergen, wo sie an einem renommierten Biotech-Institut forschte. Für ein weitaus höheres Gehalt wechselte sie an das AdamTech Institut in New York City, um am Alterungsprozess zu forschen. Ihr Freund Steve Buchanan, ebenfalls ein Biologe, arbeitete mit ihr zusammen, doch an was genau? Im Mai 2007, also vor wenigen Monaten, verschwand er spurlos auf einer Wandertour in den Rocky Mountains von Colorado. Seinen Verlust verschmerzte sie nie, bis ihr jemand die Kehle durchschnitt.
Im Central Park
Mulligan verlegt sich auf die semilegale Nutzung seines Informantennetzwerks. So stößt er in den dunkleren Vierteln New York City auf die Spur jener zwei Ganoven, die Brooks das Messer wegnahmen. Als er Fletcher, einen der beiden, im Auto verhört, wird dieser unvermittelt erschossen und auch Mulligan entkommt dem Beschuss nur um Haaresbreite.
Er verfolgt den Schützen bis in den Central Park, wo jede Menge Zivilisten den Weg versperren. Die Verfolgungsjagd und der anschließende Kampf rufen die Ordnungshüter auf den Plan. Der Schütze, den er zu Fall gebracht hat, flucht auf Spanisch, als wäre er aus Mexiko. Mulligan ist selbst zur Hälfte Mexikaner und versteht ihn ganz genau. Zwei Kugeln aus einem Cop-Revolver, eine in die Schulter, eine ins Bein, können den Ganoven zur Verblüffung aller nicht stoppen. Er steht auf und verschwindet im Gebüsch des Parks.
Lt. Woodruff ist alles andere als erfreut ob dieser und anderer Vorfälle. Er nimmt Mulligan die Dienstmarke ab. Es gibt für den Cop nur noch einen Ausweg, der endgültigen Kündigung zu entgehen: Er muss sich für unzurechnungsfähig erklären und eine gewisse Zeit abseits der Stadt verbringen: in der Irrenanstalt. Doch auch dort lässt ihn Lucie Milton nicht in Ruhe…
Unterdessen in Mexiko
Raúl Espejo war mal beim mexikanischen Geheimdienst, verlor aber durch diverse Umstände seine Frau und seinen Sohn. Sein Frau arbeite jetzt in einer Gringo-Fabriken in Ciudad Juarez, heißt es, gegenüber von El Paso, das ebenfalls am Rio Grande liegt. Wieder einmal ist er auf der Suche, als ein Lieferwagen neben ihm hält und zwei Kerle ihn packen und mitnehmen.
Die Fahrt führt weit hinaus in die Wüste des Bundesstaates Chihuahua, bis der Wagen zu einer hohen Mauer gelangt und durch das Tor gelassen wird. Dahinter erstreckt sich ein grüner Garten, in dem diverse Gebäude verteilt sind. Doch Raúl hat hier keine Rechte, selbst wenn er nicht gefesselt wird. Auch die anderen Insassen dieses schwer bewachten Country Clubs dürften nichts sagen, das ihm weiterhelfen würde.
Endlich führen ihn zwei muskulöse Wärter in einen abseits gelegenes Gebäude hinter einer hohen Mauer. So gelangt er zu laborähnlichen Räumen, in denen ihn eine Art Arzt begrüßt und ihn beglückwünscht: Raúl dürfe der Menschheit einen Dienst erweisen. Das Namensschild des Arztes, der so monoton wie ein Roboter spricht, besagt, dass er Dr. Steve Buchanan heißt. Raúl ahnt, dass er in einer Art Hölle gelandet ist. (Die Realität ist jedoch weitaus schlimmer…)
Ann Lawrence
Ann macht ihr eigenes Martyrium durch. Der Kollege Frank Millar will sie für sich gewinnen, doch seine Zuneigung ist ihr zuwider und so lehnt sie seinen Heiratsantrag ab. Fortan wird sie erneut von allen geschnitten, aber sie bleibt hartnäckig bei ihrem Job, denn ihr Vater, der Richter, will sie für seine Zwecke einspannen. Als eines Tages Jeff Mulligan, den sie in der Irrenanstalt glaubt, bei ihr anruft, schreit sie vor Überraschung auf.
Natürlich eilt sie gleich zu ihm, denn irgendwie gehört ihr Herz schon lange ihm. Doch worum er sie bittet, ist sehr seltsam: Sie soll heimlich gegen Henry Buchanan, den Milliardär, ermitteln – Steve Buchanans Vater…
Mein Eindruck
Ewig zu leben, unsterblich zu werden – das haben sich schon etliche Menschen gewünscht. Die Literatur ist voll von solchen Figuren. Sie enden meist tragisch, damit sie als Warnung an die Lebenden dienen, sich nicht über die Grenzen hinwegzusetzen, die die Natur – oder eine göttliche Instanz – ihnen gesetzt hat.
Doch wer wie Henry Buchanan das nötige Kleingeld und wie Prof. Irkalla (der das Labor in Mexiko gegründet hat) die nötige Skrupellosigkeit mitbringt, den scheren solche Hürden oder Warnungen nicht, ganz im Gegenteil: Sie spornen sie erst recht an, ins unerforschte – oder verbotene – Terrain der Medizin und Biogenetik vorzudringen.
Fachgebiet
An diesem Fachgebiet erweist sich, ob die beiden Autoren ihre Hausaufgaben gemacht haben. Soweit ich es als Laie beurteilen kann, könnte das Konzept, das sie sich haben einfallen lassen, einigermaßen funktionieren. Esa setzt auf den Einsatz von Überträger-RNS und auf die Reparatur von Telomeren, den Endstücken der Chromosomen. Die Telomere degenerieren ab einem bestimmten Alter, doch dieser Prozess lässt sich hinauszögern, wenn auch nicht aufhalten. Dass aber der ganze Organismus verjüngt und sogar Krankheiten wie ALS geheilt werden könne, ist derzeit noch ein Märchen.
Geistergeschichte
Auch in anderer Hinsicht strapazieren die beiden Autoren die Gutgläubigkeit des Lesers. Sie können sich Ann Lawrence anschließen, die bis zum Schluss nicht glaubt, dass Lucie in entstofflichter Form, quasi als Geist, fortexistieren kann. Jeff hingegen ist vom Saulus zum Paulus geworden. Er glaubt daran, dass Lucie, die er kurz nach ihrem Tod im Büro gesehen hat, weiterlebt und ihm hilft. Zu seinem Frust muss er erkennen, dass Lucie dies nicht aus Zuneigung tut, sondern weil er ihren Zielen nützt. Er muss bloß überleben, um seinen Job zu tun.
In Dr. Irkallas Geheimlabor
Denn Lucie hat ja nicht Jeff, den Cop, geliebt, sondern Steve Buchanan, den Berufskollegen. In Irkallas Labor in der mexikanischen Wüste kommen alle Schicksalsgenossen zusammen: Lucie, Steve, Jeff, Ann und Irkalla. In einem recht ordentlichen Finale entscheidet sich das Schicksal der beiden Ermittler ebenso wie das der Mediziner. Ann und Jeff sind in Ciudad Juarez gefangen und ins Labor verfrachtet worden. Nun verabreicht ihnen Steve Buchanan das Ewigkeitsserum.
Eigentlich sollten sie ja dankbar sein, aber das Serum bekommt ihnen überhaupt nicht gut. Insbesondere Ann erleidet einen physischen und psychischen Zusammenbruch. Hätte sie bloß mal an Lucie geglaubt! Denn der gläubige Jeff erhält von Lucie, dem Geist, allerlei Wohltaten, während sie selbst die Computer der Anlage lahmlegt. Ihm steht Raul bei, der ja ebenfalls gefangengenommen wurde. Mehr darf nicht verraten werden.
Das Monster
Seit Mary Shelleys Erfindung von menschengemachten Monstern und unheiligen Medizinern anno 1818 darf ein Ungeheuer nicht in solchen „teuflischen“ Experimenten nicht fehlen. Ann und Jeff stoßen nur auf gelungene Ergebnisse der verbotenen Experimente, doch Raul hat nicht so viel Glück. Bei seinem Fluchtversuch muss er ein Fahrzeug stehlen, und darin befindet sich ein „Patient“. Sobald dieser sein Serum nicht mehr bekommt, verwandelt er sich in etwas Scheußliches. Mehr soll nicht verraten werden.
Power Play
Jeff hat in Spanish Harlem eine mexikanische Freundin, deren Cousin Raul ist. So kommt indirekt eine Verbindung zu Mexiko zustande. Diese wird durch die Tatsache verstärkt, dass Jeff verstorbene Mutter aus Mexiko stammt. Dröselt man all diese Verbindungen auf, so entsteht der Eindruck, dass nur im korrupten Mexiko Unglück herrschen kann und verbotene Experimente nur dort möglich seien.
Das ist wahrscheinlich ein Trugschluss Jeffs, denn er stößt immer wieder auf die Mexiko-Connection, so etwa im Central Park von New York City. Er fragt sich jedoch nie, was die Kartelle, die Irkalla helfen, von Prof. Irkallas Arbeit haben. Gut möglich, dass Irkallas Truppe an seinen Millionen partizipiert und dieses Geld in den Drogenhandel und -schmuggler investiert. An der Grenze zu den USA gibt es ja viele Tunnel, durch die Drogen wie Kokain und Fentanyl in die USA geschmuggelt werden. Erst als Jeff, Raul und die nicht korrupten Cops der Truppe von Irkalla das Handwerk gelegt haben, erscheint ein Happy-end möglich.
Und dieses positive Ende ihrer Romanze mit Jeff hat Ann Lawrence dringend nötig. Ihr Schicksal ist allerdings nicht das Heimchen am Herd, das die Tradwife-Propaganda als Vorbild preist, und auch nicht als Polizistin. Nein, ihre Bestimmung findet Ann als Staatsanwältin. So ist sie in der Lage, Jeff zu helfen und den Kumpeln ihres Vaters das Handwerk zu legen. Daddy wollte sie schon immer eins auswischen.
Die Übersetzung
Die Übersetzung von Barbara Reitz und Eliane Hagedorn ist sprachlich und stilistisch durchaus gelungen. Aber das will nicht viel heißen, denn die meisten Sätze sind sehr kurz, so dass ein Übersetzer praktisch nichts falsch machen kann. Dennoch ist es den Übersetzerinnen gelungen, ein paar Fehler zu fabrizieren, die ich notiert habe.
S. 270: „Er winkte den Kell[n]er herbei, der die Bestellung aufnahm.“ Das N fehlt.
S. 348: „Sie stehen vor einem Gedenkstein zu Ehren der Toten. Erweisen Sie Ihnen Respekt.“ Der Angesprochene kann sich nicht selbst Respekt erweisen, daher sind mit „Ihnen“ die Toten gemeint. Das Wort „Ihnen“ gehört kleingeschrieben.
S. 354: „Ich verdiene meine Plakette nicht.“ Ann meint aber keine Gedenktafel, sondern ihre Dienstmarke.
Unterm Strich
„Ein Spiel am Rande der Psychose und des Übersinnlichen in der Tradition von AKTE X und Michael Crichton“, tönt die Verlagswerbung. Nun, den Auftritt des Übersinnlichen kann ich bestätigen, aber was der Verlag mit der „Psychose“ meint, bleibt unklar. Ist es Jeffs Glaube an einen freundlichen Geist? Ist es Irkallas verbotene Medizin und die daraus abgeleitete Abgestumpftheit seines Assistenten Steve Buchanan? Das sei dahingestellt.
Übersinnlich
Wie bei den ähnlich gelagerten Thrillern von Jean-Christophe Grangé („Die purpurnen Flüsse“, „Das schwarze Blut“ usw.) verbinden die beiden Autoren in diesem Thriller eine spannende Ermittlung mit schier übernatürlichen, gewiss aber übersinnlichen Phänomenen. Diese strapazieren die Gutgläubigkeit des Lesers beträchtlich, wohingegen die Thrillerhandlung einwandfrei funktioniert und ihren Zweck erfüllt, den Leser spannend zu unterhalten. An Michael Crichton reicht der Ideengehalt allerdings nicht heran.
Ideal als E-Book
Diese Tatsache sowie der Umstand, dass die Sätze ebenso kurz sind wie die vielen Kapitel (diese nicht durchnummeriert, aber ich würde auf mindestens 100 Kapitel tippen), verleiteten mich, das Buch so schnell wie möglich zu bewältigen. Es ist also für die Lektüre als E-Book optimal geeignet. Bei einem E-Book wird dem Leser ja sein Fortschritt automatisch angezeigt, und ein rascher Lesefortschritt wirkt einfach befriedigend.
Gebunden: 364 Seiten
Originaltitel : Mortelle Eternité, 2008
Aus dem Französischen von Barbara Reitz und Eliane Hagedorn.
ISBN-13 : 9783785723968
Der Autor vergibt: 



