Till Raether – Meeresdunkel

Worum geht’s?

In „Meeresdunkel“ von Till Raether verbringen zwei Familien durch eine Doppelbuchung gemeinsam ihren Sommerurlaub in einem Ferienhaus auf Mallorca. Was zunächst nach einer ungewöhnlichen, aber durchaus schönen Urlaubssituation klingt, entwickelt sich zunehmend zu einer angespannten und unheilvollen Begegnung. Alte Konflikte, persönliche Geheimnisse und unterschiedliche Vorstellungen vom gemeinsamen Urlaub sorgen für Spannungen. Als schließlich ein Todesfall die vermeintliche Ferienidylle erschüttert, verändert sich die Situation grundlegend und die Beziehungen zwischen den Beteiligten werden auf eine harte Probe gestellt.


Inhalt

Die Geschichte lebt vor allem von den unterschiedlichen Charakteren und den Beziehungen innerhalb der beiden Familien. Nach und nach kommen persönliche Konflikte und Geheimnisse ans Licht, wodurch sich die Stimmung im Ferienhaus immer weiter verändert. Aus einem gemeinsamen Urlaub wird eine Situation, in der Misstrauen und Unsicherheit zunehmend die Oberhand gewinnen.

Dabei legt Till Raether großen Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Figuren und ihre Dynamik stehen deutlich im Mittelpunkt der Handlung. Gerade dadurch entsteht für mich allerdings der Eindruck, dass das Buch stärker die Züge eines Familiendramas mit Thriller-Elementen trägt als die eines klassischen Thrillers.

Mein Eindruck

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der mitnehmende und flüssige Schreibstil. Ich war von Anfang an direkt in der Geschichte und hatte keinerlei Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzufinden. Das Buch lässt sich angenehm lesen und entwickelt gerade zu Beginn einen guten Sog.

Auch die Atmosphäre fand ich gelungen. Die Urlaubskulisse bildet einen interessanten Kontrast zu den zunehmenden Spannungen und der düsteren Entwicklung der Geschichte. Nach und nach bekommt die zunächst normale Urlaubssituation etwas Unbehagliches, und gerade diese Veränderung hat mir gut gefallen.

Allerdings hatte ich aufgrund der Bezeichnung als Thriller eine etwas andere Erwartung. Für mich steht weniger die klassische Spannung eines Thrillers im Vordergrund, sondern vielmehr das Zusammenspiel der Familien, ihre Beziehungen und die persönlichen Konflikte. Die Erzählweise passt daher meiner Meinung nach eher zu einem Familiendrama als zu einem klassischen Thriller.

In der ersten Hälfte hat mich das noch nicht gestört, denn die Geschichte hat mich zu diesem Zeitpunkt sehr gut mitgenommen. Ab etwa der Mitte wurde das Buch für mich allerdings zunehmend schwächer. Die Spannung ließ etwas nach und einige Entwicklungen konnten mich nicht mehr so fesseln wie zu Beginn. Dadurch hatte ich stellenweise das Gefühl, dass die Geschichte etwas an Dynamik verliert.

Das Ende hat mich dann wieder etwas mehr überzeugt. Die Handlung nimmt noch einmal an Spannung zu und die Auflösung empfand ich insgesamt als gelungen. Dadurch konnte das Buch für mich einen etwas schwächeren Mittelteil noch einmal auffangen.

Über den Autor

Till Raether, geboren 1969 in Koblenz, arbeitet als freier Autor in Hamburg, u.a. für das SZ-Magazin. Er wuchs in Berlin auf, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Amerikanistik und Geschichte in Berlin und New Orleans und war stellvertretender Chefredakteur von Brigitte. Sein Kriminalroman Sturmkehre, Band 7 seiner „Danowski“-Reihe, wurde 2025 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet, bereits mit „Treibland“ und „Unter Wasser“ war er nominiert. Sein erster Thriller Meeresdunkel stand 2026 wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Till Raether ist verheiratet und hat zwei Kinder. (Verlagsinfo)

Fazit

„Meeresdunkel“ ist für mich eher ein Familiendrama mit Thriller-Elementen als ein klassischer Thriller. Besonders überzeugt haben mich der flüssige, mitnehmende Schreibstil und der schnelle Einstieg in die Geschichte. Auch die Atmosphäre und die zwischenmenschlichen Spannungen fand ich gelungen.

Etwas enttäuscht hat mich dagegen, dass die Spannung ab der Mitte für meinen Geschmack deutlich nachließ. Dadurch konnte mich das Buch im weiteren Verlauf nicht mehr ganz so stark fesseln wie am Anfang. Das Ende hat mir wiederum gut gefallen und die Geschichte für mich zu einem insgesamt stimmigen Abschluss gebracht.

Insgesamt war „Meeresdunkel“ für mich ein gut lesbarer und unterhaltsamer Roman, der vor allem durch seinen Schreibstil und die familiären Konflikte überzeugt. Wer einen durchgehend spannungsgeladenen Thriller sucht, könnte allerdings eine andere Erwartung an das Buch haben.

Broschiert: 416 Seiten
ISBN: 978-3499017193
www.rowohlt.de

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