Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Greg (Autor) / Hermann (Zeichner) – Comanche 3: Die Wölfe von Wyoming

_|Comanche|:_

Band 1: [„Red Dust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6410]
Band 2: [„Krieg ohne Hoffnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7189
Band 3: [„Die Wölfe von Wyoming“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7190
Band 4: [„Roter Himmel über Laramie“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7191
Band 5: [„Das Tal ohne Licht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7193
Band 6: [„Rote Rebellen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7196
Band 7: [„Der Mann mit dem Teufelsfinger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7197
Band 8: [„Die Sheriffs“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7198
Band 9: [„Die Feuerteufel von Wyoming“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7199
Band 10: [„Das Geheimnis um Algernon Brown“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7200
Band 11: [„Die Wilden“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7201

_Story:_

Comanche und ihre Truppe erwarten den Postkutschenfahrer Sid Bullock, der eine wertvolle Fracht auf die Ranch bringen soll. Als sein Gefährt jedoch die Nähe der Triple Six erreicht, wird Bullock von den Dobbs-Brüdern angegriffen, die seit geraumer Zeit das Land um die Ranch unsicher machen. Erst nach Schützenhilfe von Toby und Clem gelingt es, die Banditen abzuschütteln und die Farm sicher zu erreichen – und das mit einem überraschenden Gast.

Brian Braggshaw, seines Zeichens Prediger und erstaunlich gut mit dem Revolver, berichtet Comanche von einem Täuschungsmanöver, welches den großen Geldbetrag auf anderem Wege zur Ranch bringen sollte. Der Trunkenbold Pharaon Colorado wurde beauftragt, das Geld auf seinem Pferd mitzuführen, während Bullock lediglich eine falsche Fährte legen sollte. Doch nun ist Colorado verschwunden, und mit ihm auch die Fracht.
In kleinen Teams durchkämmen Red Dust, der Prediger und die Arbeiter der Ranch die Gegend und folgen schließlich ihrem Instinkt: Pharaon ist bei einem alten Schnapsbrenner untergekommen und geht dort seiner Passion nach. Als die Reiter ihn jedoch aufspüren, bekommen sie ungebetenen Besuch: Die Dobbs-Brüder haben Lunte gerochen und sind nun auf die verschwundene Beute aus. Doch da haben sie die Rechnung ohne Dust und seinen neuen Begleiter Braggshaw gemacht …

_Persönlicher Eindruck:_

„Comanche“ erzählt Geschichten, wie sie aus dem Western-Lehrbuch kaum authentischer geschildert werden können – daran ändert sich auch mit der dritten Episode des Klassikers aus den frühen 70ern nichts. Nachdem zuletzt eine Fehde mit den Cheyenne-Indianern die Szenerie bestimmte, ist es nun eine leicht abgewandelte Variante des typischen Postkutschenraubs – lediglich mit dem prägnanten Unterschied, dass hier Charaktere auftreten, die eine Menge Witz mitbringen, dazu cooler als 99 Prozent ihrer cineastischen Pendants auftreten und überdies auch bei der Wortwahl mindestens genauso flott sind wie in den entscheidenden Situationen am Abzug. Und gerade das zeichnet das dritte Kapitel der Serie, „Die Wölfe von Wyoming“ aus.

Unterdessen wird die eigentliche Geschichte weiter forterzählt. Der abtrünnige Indianer leistet seinen Dienst auf der Ranch, der Betrieb läuft wieder auf Hochtouren und mit dem Expressgeld sollen weitere Möglichkeiten geschaffen werden, die Triple Six zum florierenden Unternehmen umzugestalten. Doch erstens kommt es wieder anders, und zweitens als man denkt. Autor Greg nutzt dabei die Gelegenheit, mit Brian Braggshaw eine weitere mysteriöse Persönlichkeit in die Handlung einzuführen, von dessen purer Aura schon eine gewisse Spannung ausgeht. Dem gegenübersteht mit den Dobbs-Brüdern eine unglaublich brutale Gaunerbande, die bei ihren Raubzügen keine Kompromisse eingeht und ihren Weg auch schon mit diversen Leichen gepflastert hat. Neue Freunde, neue Gegner, ein peu a peu erweitertes Szenario und dazu wieder reichlich Action – dies ist die Garantie, die der dritte Band über die gewohnte Dauer von 48 Seiten liefert. Und da die Story diesmal nicht exakt so abläuft, wie man es in seinen Vorahnungen vermutet, hat der Autor in „Die Wölfe von Wyoming“ auch noch die Überraschungen auf seiner Seite. Was will man da noch mehr?

Vielleicht wieder das bereits übliche Bonusmaterial, welches den bis dato schönsten Kunstdruck, weitere Hintergrundinformationen, leider aber keine weitere Kurzgeschichte umfasst. Doch alleine hiervon sollte man die Qualität dieses Remakes auch nicht abhängig machen; es ist einmal mehr der herrliche Plot, der „Comanche“ auch nach 40 Jahren noch als eine der stärksten Western-Serien im illustrierten Bereich zurücklässt!

|Graphic Novel: 64 Seiten
ISBN-13: 978-3868690545|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Greg (Autor) / Hermann (Zeichner) – Comanche 2: Krieg ohne Hoffnung

Comanche:

Band 1: „Red Dust“
Band 2: „Krieg ohne Hoffnung“
Band 3: „Die Wölfe von Wyoming“
Band 4: „Roter Himmel über Laramie“
Band 5: „Das Tal ohne Licht“
Band 6: „Rote Rebellen“
Band 7: „Der Mann mit dem Teufelsfinger“
Band 8: „Die Sheriffs“
Band 9: „Die Feuerteufel von Wyoming“
Band 10: „Das Geheimnis um Algernon Brown“
Band 11: „Die Wilden“

Story:

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Tenuta, Saverio – verdorbene Blume des Grauens, Die (Die Legende der scharlachroten Wolken 4)

_|Die Legende der scharlachroten Wolken|:_

Band 1: [„Die Stadt, die zum Himmel spricht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7177
Band 2: [„Wie Blätter im Wind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7178
Band 3: [„Die vollkommene Spur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7179
Band 4: [„Die verborgene Blume des Scheusals“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7180

_Story:_

Nach dem gewaltigen Feuersturm zieht es die Bevölkerung aus der Stadt. Lediglich Kawakamis Armee ist geblieben, um die Mauern zu verteidigen und die letzten verbliebenen zu unterjochen. Der junge Ogi und eine Reihe von Greisen, die Yama-Ikki, bilden einen rebellischen Widerstand und überlisten den grausamen Herrscher kurzzeitig. Als die Lage dennoch auf einen aussichtslosen Ausgang zusteuert, taucht Meiki mit den Izuna-Wölfen auf und lässt Gerechtigkeit walten.

Unterdessen stellt sich Raido Cyam ein letztes Mal seiner einstigen Gefährtin und jetzigen Widersacherin Ryin. Doch bei der erneuten Begegnung kann der Ronin nur noch feststellen, dass die Shogunai dem Wahnsinn vollständig verfallen ist und nur noch von Hass und Machtbesessenheit bestimmt wird. Mithilfe des wiederbelebten Nobu Fudo will sie Raido endgültig in die Knie zwingen. Ein Kampf um Leben und Tod entbrennt – doch es geht noch um viel mehr …

_Persönlicher Eindruck:_

Die größten Teile der Geschichte wurden bereits in „Der perfekte Strich“ aufgelöst; nun kommt es also in der abschließenden Folge von Tanutas Fantasy-Reihe zu einigen endgültigen Entscheidungen – und damit überraschenderweise auch noch zu einigen geheimnisvollen Wendungen. Im Zentrum des Geschehens steht erwartungsgemäß das zweite Aufeinandertreffen von Raido und Ryin, die ihre Fehde außerhalb jedweder natürlicher Gesetzmäßigkeiten austragen. Die Shogunai hat sich in einen finsteren Dämon verwandelt und kann ihr Treiben kaum mehr rational kontrollieren. Der Tod des Ronins ist für sie die letzte Möglichkeit, ihre Würde zurückzuerlangen und ihre Position wieder zu festigen. Doch die Bedingungen haben sich geändert; ihr Reich ist gefallen, ihre Gefolgsleute rebellieren, und die Intrigen haben sie vollends in den Wahn Geetrieben, aus dem sie lebendig auch nicht mehr zurücktreten kann. Doch ihre Flucht nach vorne entpuppt sich als blutiger Racheakt, der der Serie die Spitze der Brutalität aufsetzt, gleichzeitig aber auch erste ernsthafte philosophische Elemente in die Handlung bringt. Und Letztgenannte steht nach einigen klaren Auseinandersetzungen mal wieder Kopf.

Dennoch bleibt auch „Die verdorbene Blume des Schausals“ sehr stringent und zielstrebig. Die Geschichte steuert auf das unvermeidliche, hier auch in aller Breite ausgetragene Finale zu, welches dann auch vorrangig von den Illustrationen des Autors geprägt wird. Der Text tritt zurück, die Bilder sprechen für sich, und erst zum entscheidenden Zeitpunkt, dann, wenn Vergangenheit und Gegenwart endlich eins werden, wagt Tanuta einen Schritt voraus und blickt ein letztes Mal, diesmal aber noch intensiver, hinter die tatsächlichen Persönlichkeiten hinter seinen Charakteren, die sich alles in allem komplexer darstellen als dies beispielsweise noch in „Wie Blätter im Wind“ der Fall war. Die Entwicklungen bei den Zeichnungen der Figuren hat die Story mehrfach überholt, viele zwischenmenschliche Elemente haben Einzug gehalten, während man damit beschäftigt war, den Plot nicht aus dem Auge zu verlieren, und nun, am Ende des kompletten Arrangements erkennt man noch einmal sehr deutlich, wie vielfältig all die einzelnen Fragmente eigentlich gestaltet sind, die zu diesem Comic-Märchen und dessen fantastischem Gelingen beitragen.

Es war zu erwarten, vielleicht nicht in der hier gebotenen Stringenz, dafür aber sicherlich im Hinblick auf die Überzeugungskraft dieses abschließenden Werkes: „Die verdorbene Blume des Scheusals“ setzt einen wohlbekömmlichen Punkt auf eines der besten Fantasy-Comic-Gerichte, die der entsprechende Gourmet je serviert bekommen hat. Bei den Highlights der abgelaufenen Saison ist Servario Tanutas Meisterwerk definitiv ganz oben auf der Liste!

|Hardcover: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868691429|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Tenuta, Saverio – perfekte Strich, Der (Die Legende der scharlachroten Wolken 3)

_|Die Legende der scharlachroten Wolken|:_

Band 1: [„Die Stadt, die zum Himmel spricht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7177
Band 2: [„Wie Blätter im Wind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7178
Band 3: [„Die vollkommene Spur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7179
Band 4: [„Die verborgene Blume des Scheusals“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7180

_Story:_

Der Tod von Kriegsherr und Ryins linker Hand Fudo hat die Stadt ins Chaos gestürzt; die Shogunai verfällt dem Wahnsinn und wird für unzurechnungsfähig erklärt, während der schonungslose Hauptmann Kenzo Kawakami das Zepter übernimmt und seiner Berufung mit harten Maßnahmen folgt. Als er eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, ist die Bevölkerung alarmiert. Dennoch treiben sich zwei Kinder auf der Straße herum, die mit dem Tod bestraft werden sollen. Als Ogis Vater ihnen zur Hilfe eilt, muss er hierfür einen bitteren Preis zahlen – und wird als Warnung für seine Mitbürger auf grausame Art und Weise zur Schau gestellt.

Derweil begibt sich Raido immer weiter in seine eigene Vergangenheit und landet nach einer beschwerlichen Reise durch den Eiswald schließlich in sein Heimatdorf. Dort werden schließlich die finstersten Erinnerungen geweckt, die ihm die Wahrheit über seine Kindheit, sein Schicksal und seinen Werdegang offenbaren. Und auch die spezielle Verbindung zu Meiki, die nach dem Attentat auf die Shogunai spurlos verschwunden ist und schon totgesagt wird, erfährt plötzlich eine ganz besondere Note …

_Persönlicher Eindruck:_

Mit dem dritten Kapitel seiner bis hierhin wirklich fantastischen Comic-Debütserie „Die Legende der scharlachroten Wolken“ öffnet sich Saverio Tanuta verstärkt den brutalen Elementen seiner Story. Köpfe rollen, Schlachten werden in den Träumen und Gedanken des Hauptdarstellers rekapituliert, und überdies fließt in den einzelnen Darstellungen mehr Blut, als man vorab erwartet hatte. Effekthascherei oder nötiger Entwicklungsschritt? Die Tendenz geht klar zu Letztgenanntem, denn nicht nur auf emotionaler, sondern auch auf rein inhaltlicher Ebene ist diese Serie mit harten Bandagen umwickelt und bedarf in den gegebenen Passagen einer etwas krasseren Darstellung – und die liefert Tenuta seinem Publikum hier ohne Rücksicht auf Verluste.

Natürlich bringt dies auch eine kurze Diskussion zur Altersfreigabe von „Die Legende der scharlachroten Wolken“ ins Rollen, denn ganzheitlich jugendfrei sind die Ereignisse in „Der perfekte Strich“ sicher nicht mehr. Doch wie schon angesprochen: Dies geht keinesfalls zu Lasten der Qualität der Handlung, noch lenkt diese Eigenschaft in irgendeiner Form vom tatsächlichen Plot ab.

Nun zur Handlung: Einmal mehr muss man konstatieren, dass „Die Legende der scharlachroten Wolken“ ein wahrhaftig bildgewaltiges Epos ist, das von Tenutas Tusche ebenso lebendig gehalten wird wie von den kunstvollen Dialogen und der bezaubernden Atmosphäre, die aus dieser Verschmelzung hervorgeht. Rein inhaltlich geht „Der perfekte Strich“ noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit und entblößt das wahre Antlitz von Hauptdarsteller Raido Caym. Das anspruchsvolle Fragment der Geschichte wird derweil weiterbelebt, da sich die Erzählung wieder auf mehrere Ebenen verteilt und somit auch die Schauplätze ständig wechselt. Kapitel Nr. 3 ist demnach auch wieder eine ganze Spur anspruchsvoller, selbst wenn logische Probleme oder dergleichen überhaupt nicht zum Wortschatz der hiesigen Bewertung gehören dürfen. Und dennoch geht der Anspruch dahin, ein weitaus größeres Puzzle als zunächst vermutet zusammenzusetzen, immer wieder tiefer zu graben, um die letzten Bausteine einzusammeln, und schließlich einen Konsens zu finden, der all das übertrifft, was man nach dem Genuss des ersten Bandes hätte erahnen können.

Schön ist zuletzt, wie Tanuta Schritt für Schritt die einzelnen Charaktere zusammenführt und das unsichtbare Band mit kleinen Entwicklungen langsam transparenter macht. Bereits zum Ende von „Der perfekte Strich“ ist ein großer Teil des Hintergrunds der Story aufgedeckt; jetzt gilt es nur noch, dem Mythos einen runden Abschluss zu schenken und historische, phantastische und emotional-mitreißende Versatzstücke kulminieren zu lassen und in einem würdigen Finale ein letztes Mal vor dieser großartig illustrierten Kullise zum Leben zu erwecken. Und da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Autor diese fantastischen Voraussetzungen im Abschlussband noch in eine unbefriedigende Richtung lenken würde. Dafür ist das Gesamtkonstrukt auch diesmal viel zu gewaltig und überzeugend!

|Hardcover: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868691412|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Tenuta, Saverio – Wie Blätter im Wind (Die Legende der scharlachroten Wolken 2)

_|Die Legende der scharlachroten Wolken|:_

Band 1: [„Die Stadt, die zum Himmel spricht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7177
Band 2: [„Wie Blätter im Wind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7178
Band 3: [„Die vollkommene Spur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7179
Band 4: [„Die verborgene Blume des Scheusals“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7180

_Story:_

Nachdem der gezeichnete Ronin Raido von seinen schweren Qualen genesen scheint, taucht er erneut in seine Vergangenheit ein und entdeckt immer mehr Spuren, die zu seinem wahren Ich und der Person führen, die vor seinem schmerzlichen Gedächtnisverlust zur Legende wurde. Diese Spuren leiten ihn auch wieder zur Shogunai Ryin, zu der er einst ein sehr inniges Verhältnis führte, die aber nun völlig aus seiner Erinnerung gestrichen ist. Doch dies beruht keinesfalls auf Gegenseitigkeit; die Kunde, dass Raido wieder zurückgekehrt ist, hat längst den Palast der Shogunai erreicht, die nun nach ihm suchen lässt, ihn jedoch lebend sehen möchte. Ihrem Handlanger Nobu Fudo befiehlt sie, Raido ausfindig zu machen und ihn zu ihr zurückzubringen, und dazu bleibt ihm nur eine Option: Den Schreiber Yozeru Masa, der sich seit etlichen Jahren in Gefangenschaft der Shogunai befindet, zu foltern und ihm das Geheimnis um Meikis Heim und damit auch des Ronins Lagerstatt zu verraten. Als eine Eskorte Fudos tatsächlich angreift und die Hausherrin Jera schwer verwundet, reift in Raido der Entschluss, sich tatkräftig seiner Vergangenheit zu stellen. Gemeinsam mit einem kleinen Trupp stürmt er den Palast Ryins‘ und trifft die Frau, die ihm einst so viel bedeutet hat, unter ganz anderen Umständen wieder.

_Persönlicher Einddruck:

Im zweiten Band von „Die Legende der scharlachroten Wolken“ beschreitet ddie Story weitaus stringentere Wege. Bei einer konstanten Tempoerhöhung und mit stärker gefestigten Charakteren taucht Autor Averio Tanuta einmal mehr in die Vergangenheit des Hauptcharakters ein, schwimmt aber nicht mehr so oft zwischen den Ebenen. Die Übergänge sind leichter, die Komplexität ein wenig herausgenommen, der mystische Teil unterdessen, aber auf einem gleichwertigen Spannungsniveau beibehalten. Geblieben sind weiterhin auch die fantastischen Zeichnungen, die einmal mehr eine sehr besondere Atmosphäre ausstrahlen und den Leser ohne Umwege wieder in das Japan des Mittelalters führt, wenngleich hier natürlich auch viele phantastische Momente Basis der Erzählung sind. Doch es fällt sehr leicht, eins mit der Story zu wreden, sich in den Bann nehmen zu lassen und auch mit den Charakteren zu fühlen, zumal die Geschichte auch in „Wie Blätter im Wind“ wieder sehr emotional und finster angelegt ist.

Inhaltlich geht es derweil sehr flott voran; Raido erfährt in einzelnen Etappen stetig mehr über sein Dasein und wird als Figur ein ganzes Stück transparenter als noch im ersten Band. Man erkennt die Verbindungen, versteht sein Leid, wird aber auch mit den schmerzlichen Verlusten und Entwicklungen auf der Gegenseite konfrontiert, sodass die Sympathien zu den Persönlichkeiten der Handlung relativ vielschichtig verteilt sind. Insgeheim fühlt man auch mit der traurigen Ryin, die einen sehr schweren Makel auf ihrer Seele trägt und lediglich von ihrer Leidenschaft und Hoffnung genährt wird, Raido eines Tages für sich zurückzugewinnen. Der wiederum verfolgt andere Pläne, will die Schande besiegen, sein Leben zurückerlangen, Frieden mit sich selbst schließen und schließlich auch für Gerechtigkeit im Reich der Shogunai sorgen – hehre Pläne, die sich in diesem gewaltvollen Zeitalter nur schwer bis unmöglich umsetzen lassen.

Insgesamt verfolgt Tanuta damit zwar mehrere Stränge, lässt sie aber alle Teil des Hauptplots sein, wobei hier immer wieder Spielraum für einzelne Ausbrüche auf Ebene der Charaktere bleibt. Die Tempoverschärfung ist in diesem Sinne erwünscht, da hiermit auch keine Einbrüche beim Spannungsaufbau verknüpft sind. Fraglich bleibt nur, was Tanuta nach dem dramatischen Ende des zweiten Kapitels noch aufbieten kann, um die Story noch einmal herumzureißen. denn inhaltlich geschieht in „Wie Blätter im Wind“ eine ganze Menge, partiell sogar vermeintlich Vorentscheidendes. Aber nach den sehr positiven Eindrücken der ersten beiden Alben darf man diesbezüglich zuversichtlich sein, dass der italienische Debütant noch reichlich aus dieser Serie herausholen wird. So beeindruckend wie hier Bild und Text verschmelzen, ist „Die Legende der scharlachroten Wolken“ nämlich auf dem besten Weg zum Klassiker!

|Hardcover: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868691405|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Tenuta, Saverio – Stadt die zum Himmel spricht, Die (Die Legende der scharlachroten Wolken 1)

_|Die Legende der scharlachroten Wolken|:_

Band 1: [„Die Stadt, die zum Himmel spricht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7177
Band 2: [„Wie Blätter im Wind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7178
Band 3: [„Die vollkommene Spur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7179
Band 4: [„Die verborgene Blume des Scheusals“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7180

_Der Autor:_

Saverio Tenuta ist in der Comic-Welt noch ein relativ unbeschriebenes Blatt – und das ist für einen graduierten Absolventen der „Accademia di belle arti“ in Rom, der zudem Jahrgang ’69 ist, schon relativ ungewöhnlich. Der Autor und Zeichner konnte sich bislang lediglich mit einigen Coverzeichnungen und Kurzgeschichten für diverse italienische Kleinverlage in Szene setzen. Mit „Die Legende der scharlachroten Wolken“ feiert er nun sein Serien-Debüt, welches hierzulande vom Splitter Verlag aufgelegt wird.

_Story:_

Seit längerer Zeit wird die junge Meiki bereits von der Gefolgschaft der grausamen Shogunai Fujiwara Ryin gejagt. Während einer Theater-Aufführung in einem abgelegenen Wirtshaus scheint sie den Wachen nun endgültig zum Opfer zu fallen – bis plötzlich ein junger, mysteriöser Mann auftaucht, der sie sowohl vor der Shogunai, als auch vor der anschließenden Attacke der Izuna-Wölfe bewahrt. Der Mann, dessen Gedächtnis verloren ging, zahlt für die Rettungsaktion jedoch einen hohen Preis; Meiki hievt ihn mit letzter Kraft in die Behausung der Heilerin Jera, wo er, Raido Cyam, ein legendärer Ronin, von den Qualen erholt.

Doch die Stimmen in seinem Kopf wollen nicht verklingen und spielen ihm immer wieder Visionen aus der Vergangenheit vor. Einst kämpfte er Seite an Seite mit dem kräftigen Nobu Fudo für den Shogun, verliebte sich in dessen Tochter Ryin, musste Fudos Machtbesessenheit jedoch mit einem Arm, seinen beiden Schwertern und einem Auge bezahlen. Nun ist Ryin an der Macht, Nobu Fudo ihr treuester Diener und Raido der einzige Kämpfer, der sich dem Weg des Fleisches, den die Shogunai eingeschlagen hat, widersetzen kann. Doch eigenartigerweise bleiben diese klaren Gedanken lediglich präsent, solange er in Meikis Gegenwart ist.

_Persönlicher Eindruck:_

Bildgewaltig – das war der erste Eindruck, den der Auftakt von Tenuta’s Debütserie hinterlassen hat. Es lohnt sich durchaus, zunächst einmal durch die Seiten zu blättern und die illustrierte Kunst zu bewundern, die der italienische Autor hier aufs Papier gebracht hat. Allerdings ist auch die Geschichte aller Ehren wert und startet in „Die Stadt, die zum Himmel spricht“ bereits sehr, sehr viel versprechend.

Dabei ist die erste Episode zunächst gar nicht so leicht zu durchschauen. Tenuta macht es seinem Publikum nicht einfach, die Charaktere als Ganzes zu erfassen und ihre Gedanken zu begreifen. Dies wird vor allem dadurch erschwert, dass die Übergänge zwischen Rückblenden und aktuellen Ereignissen nahtlos sind und man zwischenzeitlich nicht genau abschätzen kann, welcher Akt nun welcher Ära im Leben des Ronins angehört. Erst mit und mit verschmelzen diese Passagen dann miteinander, geben ein klares Bild ab und ordnen die Story dann auch zu einem leichter nachvollziehbaren Konstrukt – auch wenn noch sehr viele Elemente verworren sind und unklar erscheinen. Doch aus diesem Fundus schöpft „Die Legende der scharlachroten Wolken“ schließlich auch seine Spannung; der Autor erschafft einen Mythos im mittelalterlichen Japan, greift hierbei auf die asiatische Märchenkunst zurück, nimmt wiederum einen großen Teil der historischen Kultur aus Fernost auf und verstrebt Fakt und Fiktion zu einer wirklich sehr schönen Geschichte, die bisweilen an die Roman-Reihe „Der Clan der Otori“ erinnert – zumindest im Hinblick auf das sehr schöne, romantische, dann aber auch wieder von grausamen, brutalen Handlungen gezeichnete Stimmungsbild.

Die erste Episode, „Die Stadt, die zum Himmel spricht“ ist daher auch ein wundervoller Auftakt einer Reihe, von der man in den folgenden drei Bänden noch eine Menge erwarten darf. Das Potenzial wird bereits hier vollständig ausgestreut, die Einführung trotz vieler verwobener Stränge problemlos vollzogen und derweil eine Atmosphäre garantiert, die sich sehr schön an die vielen asiatischen Legenden anschmiegt, ddie auch hierzulande immer wieder für bewegte Gemüter sorgen. Zuletzt ist das illustrative Paket faszinierend und schwer beeindruckend – und damit auch der letzte Faktor heilig gesprochen, der diesen Comic auszeichnet. Wunderbar, einfach wunderbar, was hier gestartet wird!

|Hardcover: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868691399|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Bourgeon, Francois – Fest der Narren, Das (Die Gefährten der Dämmerung 3)

_|Die Gefährten der Dämmerung|:_

Band 1: [„Im Zauber des Nebelwaldes]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7170
Band 2: [„Die drei Augen der blaugrünen Stadt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7171
Band 3: _“Das Fest der Narren“_

_Story_

Der Winter ist eingekehrt und zwingt die drei ungleichen Gefährten zu einem längeren Halt. Da bietet sich der Verbleib in der anscheinend noch von der Pest verschonten Stadt Montroy regelrecht an, zumal der gesichtslose Ritter einige seiner Geheimnisse direkt mit diesem Ort verbindet. Vor allem Mariotte ahnt derweil noch nicht, welche finsteren Mysterien sich um die Stadt und die drei Sirenen-Schwestern ranken, die untrennbar mit der Festung und all ihren eigenartigen Gestalten ranken …

Die junge Rothaarige lernt in ihrem zwischenzeitlichen Zuhause den Mönch Aymon kennen, der ihr die Geschichten über die Geheimnisse der Stadt verrät und auch Zugang zu den seltsamen Ereignissen der Vergangenheit verschafft. Aber auch der reumütige Bruder Jacot und die angereiste Komödiantin Anais wecken ihre Aufmerksamkeit und starten Zweckbündnisse mit der hin und her gerissenen Reisenden, die sich alsbald in einem Konstrukt aus Lügen, Intrigen, Verrat und eigenartigen Begebenheiten verstrickt. Während der gesichtslose Ritter anscheinend der Burgherrin Neyrelle verfällt, mit deren ermordeter Schwester Blanche er einst eine enge Verbindung hatte, in der Stadt die Hatz auf die Legende des Werwolfs startet und auch Anicet immer mehr ins Abseits seiner Gefolgschaft gerät, begreift Mariotte langsam aber sicher, welches Spiel tatsächlich in Montroy gespielt wird – und dass sie und ihre Gefährten offenbar ungebremst ins Verderben stürzen …

_Persönlicher Eindruck:_

Erst einmal durchatmen, lange genug Luft holen, und dann verdauen, was Francois Burgeon im dritten und letzten Kapitel seines kleinen Meisterwerks „Die Gefärhten der Dämmerung“ geschaffen hat – denn dieser Wälzer hat es nicht nur inhaltlich in sich, er bietet auch eine Atmosphäre, die im historisch inspirierten Comic seinesgleichen sucht. Hierzu sollte zunächst auch erwähnt werden, dass die noch einmal in vier Teils gesplittete Story nicht wie gewohnt die gewöhnliche Fülle eines Albums aufweist, sondern sich über insgesamt 146 Seiten erstreckt, in denen der Autor und Zeichner in Personalunion sich alle Freiräume nimmt, eine Geschichte reifen zu lassen, die von so vielen einzelnen Fragmenten zehrt, dass man regelrecht von der Fülle an Bildern, Dialogen und entscheidenden Situationen erschlagen wird. Doch trotz der übergeordneten Komplexität, die Bourgeon seinen Lesern hier noch massiver bietet als schon im vorangegangenen Band, bleibt der rote faden kenntlich und hält die Fülle an Informationen und flotten Szenenwechseln immerzu problemlos zusammen – eine Kunst, wie man bestätigen wird, wenn man die Erfahrung namens „Das Fest der Narren“ selber hat machen dürfen.

Dabei scheint der Plot erstmal wieder völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Die Verbindungen zum bisherigen Kern gehen schon am Anfang verloren und scheinen sich in den verwinkelten Gassen von Montroy zu verlieren. Lediglich die drei Protagonisten sind geblieben, allesamt von irgendwelchen Geheimnissen umgeben, ferner von einer gemeinsamen Reise geprägt, die hier jedoch keine allzu große Bedeutung mehr zu haben scheint. „Das Fest der Narren“ könnte auch als eigenständige Erzählung funktionieren, wenngleich es dann weitaus schwieriger wäre, noch einmal erneuten Zugang zu den Charakteren zu bekommen, denn derer gibt es hier noch einmal zwei Hände voll weiterer wichtiger Namen. Und genau mit diesem Element droht auch zunächst eine absolute Überforderung.

Es ist die Masse an Schauplätzen und Sub-Plots, die für eine kurzzeitige Erstickung des Erträglichen sorgen, dann aber wieder in Windeseile aufgelöst werden, um weiteren Nebenschauplätzen Raum zu schaffen und den großen Mythos, der sich um diese Geschichte zieht, weiter zu beleben. Erst im letzten Drittel bekommt man den Durchblick, versteht das Geschehene, wagt einen optimistischen Blick auf die verbleibenden Seite, wird dann aber sogleich wieder in den Bann der Ereignisse gezogen, die hier Schlag auf Schlag folgen und dem Leser keine Sekunde der Ruhe gönnen – aber gleichwohl auch keinen Ausweg aus der Faszination, die die Handlung in sich trägt.

Es ist wahrhaftig außergewöhnlich, wie Bourgeon bei einer solch stattlichen Seitenzahl ein Spannungsniveau aufrechterhält, dessen aufregende Natur dem Leser nur noch Superlative entlockt. Was einst als stringente, noch nicht allzu verworrene Story begonnen hat, mündet hier in einem grandiosen, unendlich anmutenden Finale, welches wirklich alles auffährt, was die illustrierte Kunst ausmacht: Erhabene, dennoch schwer durchschaubare Figuren, ein sehr authentisches Setting, wiederholt Elemente aus der Phantastik, Grausamkeiten im Rahmen des mittelalterlichen Schauplatzes, dann aber auch Freizügigkeit, lockere Zungen und Schonungslosigkeit im Hinblick auf die Entwicklung der Geschichte. Wenn man nach knapp zwei Stunden das Buch zuklappt und die Ereignisse verarbeitet, kommt man schließlich zum einzig möglichen Schluss: „Die Gefährten der Dämmerung“ krönen sich selbst mit einem beeindruckenden Meisterwerk, dessen euphorisierendes Gesamtbild nachhaltig wirkt. Diese Ausgabe setzt ganz klar eine neue Messlatte für den historischen Comic!

|Hardcover: 146 Seiten
Originaltitel: Les Compagnons du Crèpuscule Tome 3: Le Dernier Chant des Malaterre
ISBN-13: 978-3868691467|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Francois Bourgeon bei |Buchwurm.info:|_
[Blinde Passagiere (Reisende im WInd 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6679
[Das Gefangenenschiff (Reisende im Wind 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6680
[Handel mit schwarzer Ware (Reisende im Wind 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6700
[Die Stunde der Schlange (Reisende im Wind 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6849

Bourgeon, Francois – drei Augen der blaugrünen Stadt, Die (Die Gefährten der Dämmerung 2)

_Die Gefährten der Dämmerung:_

Band 1: [„Im Zauber des Nebelwaldes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7170
Band 2: [„Die drei Augen der blaugrünen Stadt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7171
Band 3: „Das Fest der Narren“

_Story:_

Nachdem das ungleiche Trio sich mit den Kobolden versöhnt hat, ziehen der gesichtslose Ritter und seine beiden streitenden Begleiter weiter, um sich der schwarzen Macht zu stellen. Doch ihre Reise wird jäh unterbrochen, als ein Heer Bauern sich in den Weg stellt und die Gefährten zur Flucht zwingt. Mariotte bleibt zurück und ist der mörderischen Willkür des brutalen Volkes ausgeliefert, kann jedoch kurz vor ihrer Hinrichtung fliehen. Kurz darauf landet sie in der Nähe des Meeres bei der jungen Yuna und ihrer Ziehmutter, die jedoch bei einem Brand ums Leben kommt.

Zu jenem Zeitpunkt taucht auch plötzlich Anicet wieder auf, geschmückt mit einem Relikt der Dhuarden, die wiederum die Kobolde versklavt haben und als Diener der schwarzen Macht auch zu den Feinden des Ritters gehören. Gemeinsam mit einem flüchtigen Kobold und einem mitreisenden Troubadour suchen sie den Eingang zur blaugrünen Stadt, um die Königin der Dhuarden zu töten, die weiße Frau zu befreien und ihrem Ziel näher zu kommen. Doch diese Mission verspricht Tod und eine Menge Schmerz …

_Persönlicher Eindruck:_

Es ist manchmal schon beängstigend, wie stark sich der Charakter eine Comic-Serie mit nur einem weiteren Kapitel ändern kann, bzw. inwiefern sich auch Erzählstil und Arrangement unverhofft zu einem sehr komplexen Konstrukt verbünden und damit die Erwartungen überraschend krass modifizieren können. Der zweite Band von Francois Bourgeons Dreiteiler „Die Gefährten der Dämmerung“ eignet sich hier als nahezu perfektes Beispiel für einen sehr heftigen, inhaltlichen Sprung, der das angenehme Tempo, die stringenten Entwicklungen und vor allem die Transparenz auf der Ebene des Plots größtenteils komplett aushebelt. Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig, am Ende aber doch immer wieder nachvollziehbar; der Autor überlässt vielen neuen Personen das Zepter, schwenkt bedeutend häufiger zwischen den einzelnen Sequenzen und Zeiten, verliert die eigentliche Mission dabei auch kurzzeitig aus den Augen und droht stellenweise sogar, den Leser mit der Rasanz der Story und den zunächst undurchschaubaren Entwicklungen zu überfordern – und davon war im, Debüt-Album noch nicht einmal der Ansatz einer Spur.

Andererseits ist dieser außergewöhnliche, insgesamt unerwartete Schritt auch ein echter Fortschritt, von dem die Geschichte merklich profitiert – auch wenn man dies beim ersten Anblick der verkopften Herangehensweise nicht sofort wahrnehmen möchte. Die Geschichte wird mit einem Schlag viel facettenreicher, ist vielleicht manchmal nicht mehr einer nachvollziehbaren Logik unterstellt, wächst aber zum Schluss wieder zusammen, als sich die einzelnen Puzzlestücke langsam aufeinander zubewegen – ohne dabei aber das grundsätzliche Mysterium, das hier noch intensiver über dem Plot schwebt, in irgendeiner Form aufzugeben. Was genau die schwarze Macht ist, wie man zu ihr durchdringt, was genau der gesichtslose Ritter verfolgt und welche Rolle seine Gefährten und die geheimnisvollen neuen Charaktere hierbei spielen, all das bleibt weiterhin in den Ecken der Story verborgen und wartet auf eine Auflösung im folgenden, letzten Band. Bis hierhin darf man sich aber auf jeden Fall über viele außergewöhnliche Entwicklungen, einen sehr unkonventionellen Spannungsaufbau und eine sehr gute, mit tollen, wenn auch immer noch partiell unnahbaren Figuren gespickte Erzählung, freuen, die auch zeichnerisch wieder den hohen Level der ersten Episode bietet. Fans des phantastischen, anspruchsvollen Comics sollten „Die Gefährten der Dämmerung“ spätestens jetzt dringend ins Auge fassen!

|Hardcover: 56 Seiten
ISBN-13: 978-3868691450|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Francois Bourgeon bei |Buchwurm.info:|_
[Blinde Passagiere (Reisende im WInd 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6679
[Das Gefangenenschiff (Reisende im Wind 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6680
[Handel mit schwarzer Ware (Reisende im Wind 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6700
[Die Stunde der Schlange (Reisende im Wind 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6849

Bourgeon, Francois – Im Zauber des Nebelwaldes (Die Gefährten der Dämmerung 1)

_Die Gefährten der Dämmerung:_

Band 1: [„Im Zauber des Nebelwaldes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7170
Band 2: [„Die drei Augen der blaugrünen Stadt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7171
Band 3: „Das Fest der Narren“

_Der Autor:_

Francois Bourgeon, Jahrgang 1945, ist eigentliche eine traurige Figur im Comic-Business. Mit seiner ersten Album-Serie „Reisende im Wind“ erntete er zur Originalveröffentlichung in den 80ern nicht die gebührende Aufmerksamkeit, sodass die Reihe lange Zeit in den Archiven verschwand und gerade auf dem hiesigen Markt ein echtes Sammlerstück wurde. Erst vor zwei Jahren nahm sich der renommierte Splitter-Verlag des Themas wieder an und ließ der Wiederveröffentlichung des Orignals eine Doppelepisode folgen, mit der Bourgeun posthum doch noch entsprechend gewürdigt wurde. Dieser Release bringt nun auch seine zweite Serie wieder in den Fokus: „Die Gefährten der Dämmerung“, wiederum in der fernen Vergangenheit angesiedelt, verspricht bereits vorab einen weiteren Erfolg, nicht zuletzt, weil der Autor und Zeichner seinem eigenwilligen Stil voll und ganz treu geblieben ist. Schade daher, dass seine Ausflüge in dem Comic-Bereich eine echte Rarität geblieben sind.

_Story:_

Der Hundertjährige Krieg versetzt einen großen Teil Frankreichs in Chaos und Verwüstung. Raubzüge, höfliche Intrigen und vom Überlebenstrieb initiierte Schlachten sind an der Tagesordnung und hinterlassen vor allem die kleineren Provinzen in Angst und Schrecken. Die junge Mariotte bekommt in ihrem kleinen Dorf nur wenig von diesen Entwicklungen mit. Sie ist vielmehr damit beschäftigt, ihre körperliche Makel vor den Burschen in der Umgebung zu rechtfertigen und sich vor deren Gemeinheiten zu schützen. Erst als ihr ärgster Widersacher Anicet als letzter Überlebender an einem Baum hängt und schließlich von seinem Peiniger, einem schwer gezeichneten Ritter, erlöst wird und dieser auch Mariotte in sein Gespann aufnimmt, scheint sich ihre Zukunft positiver zu gestalten.

Doch ihre Reise zum Zentrum der schwarzen Kraft, an der sich jener Ritter rächen möchte, wird zu einem unliebsamen Streifzug durch die Einöde. Während ihr Anführer zielgerichtet voranschreitet, feinden sich Ancet und Mariotte immer weiter an und streiten über die Fehlleistungen des jeweils anderen. Erst als sie in einem Wald von einer Koboldrasse festgehalten und beschuldigt werden, ihren Landstrich beschädigt zu haben, ist Zusammenhalt gefragt. Doch auch diesbezüglich bewahrt das ungleiche Trio sehr unterschiedliche Ansichten und scheint das eigentliche Ziel aus den Augen verloren zu haben …

_Persönlicher Eindruck:_

Mit dem Auftakt seines Zweitwerks entführt Francois Bourgeon sein Publikum erneut ins Mittelalter, hinzu aber auch in den phantastischen Bereich, der hier unter anderem durch die außergewöhnlichen Gestalten, aber auch durch das Setting und die allgemeine Ausgangssituation vertreten ist. Der Autor nutzt die sich bietenden Möglichkeiten, driftet kurzzeitig in historische Mythen ab, verbindet diese mit übersinnlichen Anspielungen und bleibt doch stets direkt an der Basis des Geschehens, die einzig und allein durch den Streifzug der drei Protagonisten beschrieben ist.

Dabei macht es Bourgeon seinen Lesern in gewisser Weise gar nicht so leicht, denn wirkliche Sympathieträger hat er weder mit der trotzigen Mariotte noch mit dem gemeinen Anicet und dem undurchsichtigen, aber dennoch kompromisslosen Ritter geschaffen. Es ist gerade auf den ersten Seiten ein ständiger Zwiespalt; man muss sich mit den Figuren arrangieren, sie irgendwie auch mögen, gleichzeitig aber akzeptieren, dass sie einige verabscheuungswürdige Züge in sich vereinen, die den Zugang zu ihnen merklich erschwert. Die Story leidet unter diesem Umstand aber keineswegs; ganz im Gegenteil: Man nähert sich in diesem Fall von einer ganz anderen Seite an die führenden Persönlichkeiten – und irgendwann begreift man auch bei jeder einzelnen Figur, warum sie zu dem geworden ist, was sie hier darstellt.

Bourgeon wandert hierzu öfter in die Vergangenheit, um vor allem die Verbitterung auf Seiten des einsamen Ritters zu erklären. Geschickt wird an den treffenden Stellen der Erzählung ein kurzer Rückblick gewagt, der nicht nur einzelne Gedanken analysiert, sondern auch den Grundgedanken bzw. das Hauptmotiv der Story verinnerlicht. Hintergründe, wenn auch noch nicht zu tief, werden aufgedeckt, die Situation im Hundertjährigen Krieg beleuchtet und somit in Passagen Transparenz geschaffen, in denen diese auch dringend erforderlich ist – schließlich steckt hinter „Die Gefährten der Dämmerung“ mehr als lediglich die unbestimmte Reise dreier völlig verschiedener Menschen.

„Im Zauber des Nebelwaldes“ erfüllt zuletzt die Erwartungen an ein Debüt in sämtlichen Belangen. Man wird in die Handlung eingeführt, gerät schleppend tiefer ins Geschehen, wird aber weder vom angenehmen Tempo noch von zu komplexen Verstrickungen überfordert. Dass die Serie auf lediglich drei Bände beschränkt ist, scheint zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ein wenig seltsam, da der Plot schon einige Fässer geöffnet hat. Aber auch was dies betrifft, darf man Bourgeon – siehe „Reisende im Wind“ – eigentlich blind vertrauen. Hier ist erneut ein Mann am Werk, der seine Arbeit versteht und seine Leserschaft in Windeseile wieder in seinen Bann zieht. Und dafür bedarf es auch heuer lediglich einer vergleichsweise simplen Handlung und dreier sehr einprägsamer Charaktere!

|Hardcover: 47 Seiten
ISBN-13: 978-3868691443|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Francois Bourgeon bei |Buchwurm.info:|_
[„Blinde Passagiere“ (Reisende im WInd 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6679
[„Das Gefangenenschiff“ (Reisende im Wind 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6680
[„Handel mit schwarzer Ware“ (Reisende im Wind 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6700
[„Die Stunde der Schlange“ (Reisende im Wind 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6849

Dorison, Xavier (Autor) / Bec, Christophe (Zeichner) – Moth (Heiligtum 3)

_|Heiligtum|:_

Teil 1: [„USS Nebraska“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7159
Teil 2: [„Der Weg in den Abgrund“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7160
Teil 3: _“Moth“_

_Story:_

Der Ausnahmezustand an Bord der USS Nebraska wird von Minute zu Minute kritischer; der Rumpf des Schiffes droht in Kürze zu zerplatzen, und nachdem das DSRV-Rettungsboot in einem Wahnsinnsakt des Interimskapitäns schwer beschädigt wurde, scheint auch der außergewöhnliche Plan von June endgültig Geschichte. Derweil sind die letzten Verbliebenen des Rettungsteams in den Höhlen des eigenartigen Monuments völlig auf sich alleine gestellt und werden von immer grausameren Wahrheiten überrannt. Der Kampf ums nackte Überleben gegen einen Gegner, dessen wahre Gestalt sich nicht offenbaren will, fordert weitere Opfer – und bringt den Seelenfrieden der einstigen Freunde völlig durcheinander. Das Team an Bord kann nicht mehr verhindern, dass sich ihre einstigen Kumpanen gegenseitig zerfleischen und die Folgen ihrer Mission mit gegenseitigen Schuldzuweisungen verarbeiten. Als schließlich doch noch eine letzte Option zur Rettung des U-Bootes naht, gerät die Situation ein weiteres Mal außer Kontrolle und wird von hilflosen Sabotageakten überschattet. Sind die Seereisenden dem jahrelang eingesperrten Wesen, das im Heiligtum auf seine Befreiung wartet, allesamt schutzlos ausgeliefert?

_Persönlicher Eindruck:_

In der letzten Episode von Xavier Dorion’s Dreiteiler nimtm die Geschichte noch einmal ordentlich Fahrt auf. Die Story verändert ihren Charakter gleich mehrfach und gefällt mit vielen unvorhergesehenen Wendungen, die sich vor allem auch auf die Charakterzeichnungen beziehen. Die Positionen der einzelnen Handelnden variieren noch einmal, ihr wahres Wesen wirft Licht und Schatten auf ihre bisherigen Motive, und bis zum Schluss unterliegt „Heiligtum“ einem inhaltlichen Wechselbad, bei dem der Spannungsgrad das Maximum nicht mehr verlässt – sehr stark!

Im Hinblick auf die Atmosphäre geschieht ferner ebenfalls Maßgebliches. Die mystische Komponente nimmt in den Phasen de Dechiffrierung deutlich zu, während die Horror-Passagen durch die unvorhergesehenen Aktionen der Crew, aber auch des Monsters in den Höhlen mitsamt all seinen morbiden Umgebungen stetig weiter aufkeimen. Hierzu trägt erneut auch Zeichner Christophe Bec bei, der die jeweiligen Szenen oftmals sehr dezent ausmalt, hierbei aber immerzu die Wirkung seiner absolut fokussierten, nicht von Effekten überlagerten Skizzierungen im Hinterkopf hat. Gerade in den Schlusssequenzen erweist eer sich einmal mehr als Meister seines Faches, immer mit dem Blick fürs Wesentliche, obschon die Story ihn mit seiner enormen Geschwindigkeit eigentlich ständig zu überrennen droht.

Andererseits geschieht auch auf Ebene der vielen Hauptfiguren eine ganze Menge; Emotionen kochen über, Intrigen werden gesponnen, Machtspielchen betrieben, aber auch die Situation als solche ständig in den Fokus gerückt. Die Bedrohung lauert allerorts, und abgesehen von June scheint es keinem der Charaktere zu gelingen, sich dem wachsenden Druck vernunftsmäßig zu widersetzen und sich mit der beklemmenden Lage auseinanderzusetzen. Obschon dies nicht die Grundintention der Story ist, vermag Dorison das selbstbezogene Verhalten von Menschen in Ausnahmesituationen hier mit allen zugehörigen Gefühlen darzustellen, allesamt getrieben und beeinflusst vom starken Überlebenstrieb derjenigen Figuren, die nach allen Hindernissen und Rückschlägen noch die Kraft haben, an ihre Rettung zu glauben. Gerade für eine illustrierte Geschichte, von der man eher anderes erwartet, ist dies ein angenehmer, sehr gut inszenierter Nebeneffekt, der der Handlung eine gewisse Würde verleiht.

Um Letztgenannte muss sich der Autor allerdings nie wirklich Sorgen machen. „Heiligtum“ ist auch im abschließenden Band ein Monument der französischen Comic-Kunst, stets aufregend und brisant, partiell übergreifend emotional, dann wieder mystisch und erschreckend und zu guter Letzt mit einem Stimmungsbild ausgestattet, das in diesem Bereich seinesgleichen sucht. Da verzeiht man auch, dass die Verbindungen zwischen den Ereignissen im Dritten Reich und der missglückten Mission der USS Nebraska nicht ganz zufriedenstellend dargestellt werden. Denn was in „Moth“ geschieht, setzt diesem meisterlichen Trio endgültig die Krone auf!

|Broschiert: 66 Seiten
Originaltitel: Sanctuaire – Môth
ISBN-13: 978-3868691504|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Xavier Dorison bei |Buchwurm.info|:_
[„Ante Genesem“ (Prophet 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6411
[„Infernum in Terra“ (Prophet 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6412
[„Pater Tenebarum“ (Prophet 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6413

_Christophe Bec bei |Buchwurm.info|:_
[„Atlantis“ (Promotheus 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6432
[„Blue Beam Project“ (Prometheus 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6433
[„Die Lagune auf Fortuna“ (Carthago 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7102
[„Die Challenger-Tiefe“ (Carthago 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7103

Andreae, Jean-Baptiste (Autor) / Gallie, Mathieu (Zeichner) – Bruderschaft der Krabbe, Die – Teil 1

_|Die Bruderschaft der Krabbe|:_

[Teil 1]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7164
[Teil 2]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7157
[Teil 3]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7158

Mit „Die Bruderschaft der Krabbe“ startete Mathieu Gallié unlängst eine viel versprechende Trilogie um Übersinnliches, Mystisches und verschiedene Charaktere, die in dieser Szenerie eigentlich verloren scheinen. Der Dreiteiler besticht bereits im ersten Buch durch einen extravaganten Kontrast aus herrlicher Atmosphäre – die Illustrationen von Jean-Baptiste Andreae sind mal wieder phänomenal – und komplexer, erstmal absolut nicht durchschaubarer Story. Und damit beginnt ein weiteres Kleinod aus dem Splitter-Verlag langsam aber sicher Formen anzunehmen.

_Story:_

Der junge Mael scheint von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Während er seinem komatösen Zustand über sich ergehen lässt und in einem Krankenbett auf seine bevorstehende Operation wartet, wird er von seinen Zimmerpartnern umringt, die ihm von ihrer Bruderschaft und den Hintergründen seiner Situation zu berichten versuchen. Ihr Anführer Bernardino berichtet von einer geheimnisvollen Krabbe, die sich in jedem Körper der teils noch sehr jungen Kinder befindet, und die nun auch bei Mael operativ entfernt werden soll. Gleichzeitig besteht hierin aber auch Bernardinos größte Sorge, denn jedes Krabbenteil soll dazu beitragen, das große Monstrum zu wecken – und dieses Ereignis steht anscheinend kurz bevor.

Als Mael schließlich völlig genesen vom OP-Tisch in das verriegelte Zimmer der Jungen zurückkehrt, sieht er in einem weiteren Verbleib in der mysteriösen Anstalt keinen Sinn mehr. Er entfernt den Ballon, der ihm Leben spenden soll, und begibt sich auf die Flucht. Doch weder er noch seine eigenartigen Freunde ahnen zu diesem Zeitpunkt, welche schrecklichen Begegnungen sie in den nächsten Minuten ihrer Flucht noch machen werden …

_Persönlicher Eindruck:_

Die erste Episode aus Andreaes neuem Dreiteiler gleicht einer Irrfahrt durch die verschiedenen Genres der illustrierten Phantastik. Die Story beginnt mit vielen mythischen Elementen, ist aber zunächst nicht zu abgehoben, um sich völlig von der Realität zu entfremden. Der Autor entwickelt peu a peu eine kleine Geschichte um den Geheimbund der fünf Jungen, sagt aber noch nicht allzu viel zu den Motiven seiner Schützlinge, sodass er sich die Spannung für die später folgenden Überraschungsmomente problemlos aufbewahren kann. Und tatsächlich sind die ersten Seiten wirklich fantastisch inszeniert und geben der Story bereits ein sehr transparentes, geheimnisvolles Format.

Leider driftet Andreae im zweiten Abschnitt des ersten Buches ein wenig ab und führt einige diffuse Horror-Elemente ein, die sich fürs Erste nicht so recht in den Plot integrieren wollen. Das Auftauchen einiger leicht bekleideter Engel ist zunächst ebenso suspekt wie die Verwandlung eines Wächters in einen Werwolf. Wollte da jemand schon am Anfang viel zu viel? Ist die Szenerie überhastet und überambitioniert in ein hektisches Einerlei verwandelt worden? Nun, das trifft vielleicht nicht ganz zu, jedoch sind manche Tempoforcierungen und Story-Breaks auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar, da sich Andreae stellenweise zu weit von der Basis seiner Erzählung löst. Zwar wachsen die Inhalte nach und nach wieder zusammen, doch was es genau mit den Krabben auf sich hat, in welcher Verbindung sie zu den seltsamen Kreaturen stehen, die plötzlich einen Teil der Handlung einnehmen, und inwiefern der Bund der Krabbe hier eine Rolle spielen kann, wird nicht mehr konkret erörtert.

Diesbezüglich muss man also seine Hoffnung auf die folgenden beiden Kapitel richten, die hoffentlich etwas mehr Transparenz und eine Annäherung an die stringenten Passagen des Auftakts mit sich bringen. Dennoch muss man konstatieren, dass es dem Autor gelungen ist, das Interesse für seine Geschichte zu wecken, nicht zuletzt mit dem überraschenden Ende dieses Debüts. Hinzu kommt eine sehr starke Erzählatmosphäre, die von den wunderbaren Zeichnungen seines alten Sidekicks Gallié ausgelöst wird. Andreaes alter Partner setzt gerade bei der Farbwahl immer wieder Akzente und untermalt die mystische Stimmung der Serie stets mit den passenden Fragmenten. Sollte dies auch dem Texter in den kommenden Ausgaben gelingen, darf man von „Die Bruderschaft der Krabbe“ noch einiges erwarten. Bis hierhin stehen aber erst einmal nur Interesse und ein kleines bisschen Verwirrung im Vordergrund eines nichtsdestoweniger viel versprechenden Comic-Zyklus!

|Hardcover: 55 Seiten
Originaltitel: La confrère du crabe – Première partie
ISBN-13: 978-3868691696|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Dorison, Xavier (Autor) / Bec, Christophe (Zeichner) – Weg in den Abgrund, Der (Heiligtum 2)

Heiligtum:

Teil 1: „USS Nebraska“
Teil 2: „Der Weg in den Abgrund
Teil 3: „Moth“

Story

Die Luft an Bord der USS Nebraska wird immer dünner; 800m unter dem Meeresspiegel ist das U-Boot mit den unkontrollierbaren Druckverhältnissen zunehmend überfordert. Während eine Patrouille nach den Vermissten der Expidition Alpha sucht, die sich kurz zuvor in den eigenartigen Tempel aufgemacht hat, um dort nach Spuren und Hintergründen zu suchen, entbrennt an Bord eine hitzige Diskussion über das weitere Vorgehen. Es verbleiben maximal zehn Stunden, bis die Außenhülle implodiert und das Team dem endgültigen Untergang geweiht ist. Die Führungskräfte sind sich uneinig und wollen sich vor allem nicht dem Druck der wissenschaftlichen Fraktion an Bord beugen, deren einziger Überlebensplan in einem selbstmörderischen Vorgehen besteht. Als schließlich dann auch noch Interimskapitän Kowaks durchdreht und das Boot in einer waghalsigen Aktion verlässt, scheinen die Chancen gegen null zu tendieren. Und als wäre dies nicht schon dramatisch genug, wird die Außenexpedition immer stärker dezimiert und stößt bei ihrer Erkundungsreise auf Dinge, die sie lieber nicht zu Gesicht bekommen hätte …

Persönlicher Eindruck

Die Bedrohung wächst, der Mythos rankt sich durch die einzelnen Elemente der Story, und dennoch bleibt Xavier Dorison im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Basis. Hatte man bereits erahnt, dass die zweite Episode von „Heiligtum“ die vielen Inhalte festigt und der Story noch ein wenig Struktur gibt, erfährt man hier alsbald Bestätigung, und das auf allerhöchstem Niveau. Bec und Dorison erschaffen in „Der Weg in den Abgrund“ ein geradezu beklemmendes Szenario, das sich zwar hier und dort ein wenig an den Legenden eines Jules Verne klammert, aufgrund der vielen mythischen Nebenstränge, der modernen Aufarbeitung und des sehr verschachtelten Hauptplots aber auch sehr schnell wieder von diesem Vergleich löst.

Die Geschichte verläuft dieses Mal noch eine Spur stringenter, auch wenn sich das Szenario erneut auf sehr vielen Ebenen abspielt. Und darin besteht für den Autor auch eine Chance, die er sofort am Schopfe packt; immer dann nämlich, wenn sich an einem Punkt eine Situation zuspitzt, wechselt Dorison wieder das Geschehen und pendelt so ständig zwischen der Meuterei an Bord, den Diskussionen der Verantwortlichen und den einzelnen Expeditionen hin und her. Dennoch hat man nie das Gefühl, er würde sich hierbei übernehmen und den Kern der Story aus den Augen verlieren, weil letzten Endes alles sehr dicht beieinander ist und viele Ereignisse einander bedingen. Selbst die kleinsten Eskalationen bringen keine Unruhe in die Handlung, sondern forcieren umgekehrt noch ddie kontinuierlich wachsende Spannung, die ebenfalls auf allen Leveln ansteigt.

Zum Schluss kulminieren die Geschehnisse in einem vorzeitigen Finale, welches neue Fragen aufwirft und die Neugierde ins Unermessliche treibt. „Heiligtum“ hat noch so viel Potenzial, könnte sicherlich noch mehrere Bände füllen, wartet aber nun schon auf den dritten Comic und damit auf das Ende der Erzählung. Bis hierhin kann man sich nicht nur an einer brillanten Inszenierung laben, sondern vor allem auch am illustrativen Arrangement eines Christophe Bec, der jede Stimmung in seinen Zeichnungen einfach perfekt wiedergibt. Gelegentlich spürt man diese Enge und Bedrängnis an Bord des U-Bootes, während die eigenartigen Umgebungen, in denen sich die Außenteams aufhalten, dem Leser einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Die Symbiose ist grandios, die Aufarbeitung und das Zusammenspiel aus Bild und Text gewaltig – wenn das Duo nun noch einen würdigen Abschluss hinbekommt, darf man „Heiligtum“ definitiv zu den Klassikern des Genres zählen!

Broschiert: 55 Seiten
ISBN-13: 978-9034408945

http://www.splitter-verlag.eu

Xavier Dorison beim |Buchwurm.info|:

[„Ante Genesem“ (Prophet 1)
[„Infernum in Terra“ (Prophet 2)
[„Pater Tenebarum“ (Prophet 3)

Christophe Bec bei |Buchwurm.info|:

[„Atlantis“ (Promotheus 1)
[„Blue Beam Project“ (Prometheus 2)
[„Die Lagune auf Fortuna“ (Carthago 1)
[„Die Challenger-Tiefe“ (Carthago 2)

Xavier Dorison (Autor) / Christophe Bec (Zeichner) – USS Nebraska (Heiligtum 1)

Heiligtum:

Teil 1: _“USS Nebraska“_
Teil 2: „Der Weg in den Abgrund“
Teil 3: „Moth“

Ein renommiertes Team und eine mehr als viel versprechende Story. Die bereits vor 10(!) Jahren in Frankreich herausgegebene Reihe „Heiligtum“ wird nun endlich auch dem deutschen Markt zugänglich gemacht – und präsentiert ein neu geformtes Zweiergespann in Bestform. Xavier Dorison, der bereits die Ideen zu „Das dritte Testament“ und dem ebenfalls beim Splitter Verlag veröffentlichten „Prophet“ beisteuerte hat sich mit dem fantastischen Christophe Bec zusammengetan, der Erfolgsreihen wie „Prometheus“ und „Carthago“ seine Zeichnungen lieh – und gemeinsam haben sie ein Projekt geschaffen, bei dem sich im Nachhinein eine Frage ganz besonders aufdrängt: Warum hat man so lange mit dem Deutschland-Release dieser Trilogie gewartet?
Xavier Dorison (Autor) / Christophe Bec (Zeichner) – USS Nebraska (Heiligtum 1) weiterlesen

Andreae, Jean-Baptiste (Autor) / Gallie, Mathieu (Zeichner) – Bruderschaft der Krabbe, Die – Teil 3

_|Die Bruderschaft der Krabbe|:_

Teil 1
[Teil 2]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7157
[Teil 3]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7158

_Story:_

Die Flucht von Jarvis, Nico, Come, Barnardino und Mael nimmt kein Ende. Wieder wachen sie gemeinsam in einem eigenartigen Zimmer auf, wieder werden sie mit der Krabbenthematik konfrontiert – und wieder gelingt ihnen gemeinsam die Flucht. Als sie dabei in einen enorm großen Krankenhaustrakt geraten und erleben, wie eigenartige Skelettwesen sich daran machen, eine neue Monsterkrabbe zu erschaffen, stehen sie ihrem eigenen Schicksal hilflos gegenüber. Dann jedoch geht einem der Jungen ein Licht auf: All die Geschehnisse der letzten Tage gehen lediglich darauf zurück, dass sie ihr wahres Problem außer Acht lassen – und das ist immer noch die Krabbe in ihrem Körper. Doch als das Quintett realisiert, dass es in erster Linie darum geht, den Feind im eigenen Leib zu bekämpfen, von dem man sich durch Ängste und Furcht hat in die Irre führen lassen, lauert der Tod offensiver als je zuvor …

_Persönlicher Eindruck:_

Die Spannung vor dem dritten und letzten Buch zu „Die Bruderschaft der Krabbe“ war sehr, sehr groß. Einerseits schien überhaupt nicht vorhersehbar, in welche Richtung Jean-Baptiste Andreae seinen eh schon sehr verwirrenden Plot führen wollte. Andererseits konnte man sich kaum vorstellen, dass das Riesenfass, das der Autor mit der Entwicklung unzähliger Sub-Plots geschaffen hat, in nur einem einzigen Comic einen passenden Deckel finden könnte.

Überraschenderweise ist es dem Franzosen dennoch gelungen, seinen Dreiteiler zu einem würdigen, letzten Endes auch nachvollziehbaren Ende zu tragen, obschon er auch hierzu noch einmal sehr weit ausholen muss. Das dritte Buch hat eine sehr philosophische Ausrichtung, drosselt gleichzeitig das Tempo, um der Geschichte einen durchweg logischen Rahmen zu verpassen, findet aber auch für die meisten der ziemlich obskuren Einwürfe der letzten beiden Bände eine annehmbare Erklärung. Andreae begründet seine kurzen Ausflüge in den Horror-Bereich mit den Ängsten, die die Jungen in ihren Träumen befallen, und zieht seinen Kopf damit sehr geschickt aus der Schlinge. Selbst die ziemlich krassen Story-Breaks finden hiermit eine brauchbare Rechtfertigung, wenngleich Andreae’s Gedanken zum Schluss hin immer abstrakter werden – aber „Die Bruderschaft der Krabbe“ wird runder, die einzelnen Ausflüge in die verschiedensten Richtungen nachvollziehbar und der Abschluss dieser sehr außergewöhnlichen Reihe versöhnlich und befriedigend.

Was das dritte Buch weiterhin als Besonderheit auszeichnet, ist die erstmals auftauchende, bedingungslose Symbiose von Wort und Bild. Der Autor überlässt seinem Sidekick Gallié über weite Strecken das Feld und verlässt sich auf dessen gewaltige Illustrationen, die in diesem Fall auch sehr oft für sich sprechen können. Die meisten Worte sind bereits gefallen, und da sich der Abschlussband auch sehr stark auf die Etablierung einer nachdenklichen, übergeordneten Atmosphäre beschränkt, kann man diesen Schritt nur gutheißen – nicht zuletzt, weil die Story hiervon maßgeblich profitiert und die reduzierten Dialoge dem Verständnis keinen Abbruch tun.

Insofern kann man sich zum Ende der Serie doch noch dazu hinreißen laassen, dieser Trilogie eine, wenn auch eingeschränkte, Empfehlung auszusprechen. „Die Bruderschaft der Krabbe“ ist eine schwierige, manchmal nicht ganz übersichtlich anmutende Geschichte – aber man wird schlussendlich nicht bereuen, sie gelesen zu haben! Und das war bis vor Kurzem noch nicht derart ersichtlich!

|Hardcover: 55 Seiten
Originaltitel: La confrère du crabe – Troisième partie
ISBN-13: 978-3868691719|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Andreae, Jean-Baptiste (Autor) / Gallie, Mathieu (Zeichner) – Bruderschaft der Krabbe, Die – Teil 2

_|Die Bruderschaft der Krabbe|-Trilogie:_

Teil 1
_Teil 2_
Teil 3

_Story:_

Die Flucht vor dem Vampir hat die Bruderschaft der Krabbe erneut in eine verzwickte Situation gebracht; erneut sind die Gefangene, dieses Mal jedoch in der nicht ganz so grausamen Obhut des Wissenschaftlers und Barons Viktor und seines naiven Handlangers Fritz. Beim erneuten Rettungsversuch landen sie in Viktors Laboratorien und werden Zeugen einer unglaublichen Begebenheit: Der Baron erschafft aus den Resten menschlicher Körperteile eine neue Kreatur – ein junges Mädchen, welches die fünf Jungs in ihrem Versteck auch sofort ausfindig macht und unfreiwillig verrät. Just in diesem Moment taucht auch der Vampir mit seinem Gefolge wieder auf und fordert die verlorenen fünf Knaben zurück. Doch wieder ist es das wiederbelebte Mädchen, welches die Situation löst – und die Bruderschaft sofort in ein noch viel emotionaleres Chaos stürzt …

_Persönlicher Eindruck:_

Wurde man nicht nur im Laufe des ersten Buches, sondern vor allem auf der Schlussseite ein wenig ins kalte Wasser geschmissen und mit einem Komplex zurückgelassen, dessen Schlüssigkeit sich erst noch herausstellen musste, scheint Autor Jean-Baptiste Andreae mit dem Beginn des mittleren Kapitels seiner Trilogie langsam aber sicher wieder Bodenhaftung aufgenommen zu haben. Der Plot wirkt anfangs wieder runde, die Zusammenhänge werden stetig deutlicher ergründet, und auch der Zugang zu den bis dato noch nicht ganz so sympathisch anmutenden Charakteren ist dieses Mal kein großes Problem mehr.

Schwierig hingegen ist der Umstand, dass sich Andreae in vielen Abschnitten seiner Geschichte das Leben wieder selber schwer macht. Nachdem die ersten Seiten einem stringenten Verlauf folgen und sich der Autor auch die Zeit einräumt, den Dingen eine nachvollziehbare Entwicklung zu schenken, überschlägt er sich nachher wieder selbst. Plötzlich wird die Szenerie wieder von sprunghaft wechselnden Schauplätzen aus dem Konzept gerissen, neue Figuren tauchen genauso schnell auf, wie sie später dann auch schon wieder verschwinden, und als dann der eigentliche Mythos um „Die Bruderschaft der Krabbe“ zum ersten Mal gezielter Erwähnung findet, fehlen die Ideen und vor allem auch ein logischer Strang, welche den Plot zusammenhalten könnten.

Es ist schlichtweg zu konfus, was Jean-Baptiste Andreae seinem Publikum über weite Strecken anbietet und vorlegt. Oftmals entsteht der Eindruck, dass der Autor schon drei Schritte voraus sein möchte, sich aber nicht die Möglichkeit gibt, die Dinge wachsen und mit etwas detaillierten Inhalten reifen zu lassen. Die pikanten Szenen werden nicht entsprechend ausgekostet, wohingegen der Komplex immer mehr Elemente erhält, die er ohne eine aufschlussreichere Darstellung nicht mehr stemmen kann.

Es wird somit schwierig sein, die Handlung mit dem letzten Buch von „Die Bruderschaft der Krabbe“ noch zufriedenstellend abzurunden. Zu viele Fragmente wurden bis hierhin erstellt, zu viel durcheinander geworfen. Buch Nummer drei wird daher eine echte Herausforderung – sowohl für den Autor als auch für den Leser. Aber bis man sich damit überhaupt auseinandersetzt, sollte man erstmal das schlucken, was hier sehr irreführend im aktuellen Band geschieht – und das ist abseits der erneut überragenden, stimmungsvollen Illustrationen von Mathieu Gallié echt durchwachsen!

|Hardcover: 54 Seiten
Originaltitel: La confrère du crabe – Deuxième partie
ISBN-13: 978-3868691702|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Bec, Christophe – Challenger-Tiefe, Die (Carthago 2)

_|Carthago|:_
01 [„Die Lagune der Fortuna“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=7102
02 [„Die Challenger-Tiefe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=7103

_Story:_

Kim Melville und ihre Mannschaft scheinen nach der Attacke des urzeitlichen Megalodons aussichtslos den Tiefen des Meeres ausgeliefert, als in letzter Sekunde schließlich doch noch die unverhoffte Rettung naht. Doch das Team um den Abenteurer London Donovan hat mehr im Sinn als lediglich die Rettung der Passagiere des Forschungstrupps. Unter dem Regeiment des österreichischen Multimillionärs Wolfgang Feiersinger, in dessen Schuld Donovan infolge eines gefährlichen Rettungsversuchs am Kailash-Massiv immer noch steht, plant die Mission, tatsächlich ein Exemplar des Megalodons einzufangen und für wissenschaftliche Zwecke auszunutzen. Feiersinger und seine Begleiter sind in ihren Aussagen überzeugend und verfügen über ein sehr ausgeprägtes Wissen um die Entwicklung einiger urzeitlichen Lebewesen, die allgemein als ausgestorben gelten. Doch gegen Melville sprechen noch mehrere Fakten: Feiersinger hat ihre Tochter in den Karpaten verscharrt und verwendet sie als Druckmittel gegen die renommierte Meeresbiologin …

_Persönlicher Eindruck:_

Analog zur ersten Episode aus Christophe Becs aktueller Serie „Carthago“ steuert der Autor auch im zweiten Teil „Die Challenger-Tiefe“ mit höchstem Tempo vorwärts und hält an den stringenten Entwicklungen von „Die Lagune auf Fortuna“ konsequent fest. Die bis dato noch nicht vorhergesehene, zwingend notwendige Wendung erfolgt unterdessen direkt zu Beginn des angeschlossenen Strangs. Melville und ihr Team werden aus ihrer misslichen Lage befreit und zur Kompromissbereitschaft gezwungen – ein Teil des Plots, auf den Bec sich im weiteren Verlauf nahezu ausschließlich konzentriert. Und ausgerechnet dieser Umstand trägt nicht gerade dazu bei, dass „Carthago“ im Hinblick auf den Spannungsaufbau weitere Fäden aufnimmt.

Denn so knapp und bündig der Einschnitt in die Story auch eingeworfen wird, so langatmig gestaltet sich letzten Endes die weiterführende Ausschmückung. Die Diskussionen zwischen Feiersinger, Donovan und Melville machen die Geschichte zwar vorerst aufschlussreich, ziehen sich dann aber immer weiter in die Länge, ohne die Story damit entscheidend voranzubringen. Das Pro und Contra scheint klar, die letztendliche Entscheidung ist aber auch nur aufgeschoben, schließlich vorhersehbar und im Hinblick auf den gesamten Komplex auch noch gehörig spannungsarm. Selbst die zwischendurch eingeworfenen Nebenschauplätze, die das bereits zuvor angestachelte Mysterium um „Carthago“ belebt haben, können hier keine Entlastung erzielen, zumal die Verbindung zur eigentlichen Story in keinem Fall faktisch hergestellt wird. Und auch das ist ein Problem.

Herausreißen muss es daher Eric Henninot, dessen fabelhafte Illustrationen der Story einen wunderbaren Phantastik-Anstrich verpassen und den Inhalt viel farbenfroher gestalten, als Bec es mit seinen textlichen Ausführungen zu füllen vermag. „Die Challenger-Tiefe“ bringt die Serie daher nur insofern weiter, dass die Story neue Gesichtspunkte geschenkt bekommt, die eine inhaltliche Stagnation vermeiden. Eine bis dato noch nicht ganz ausgereifte Handlung jedoch kontinuierlich weiterzuentwickeln kann der Autor aber mit dieser nicht ganz so gut gelungenen Fortsetzung jedoch nicht,

|Graphic Novel: 56 Seiten
ISBN-13: 9783868691016|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Christophe Bec bei |Buchwurm.info|:_
|Prometheus|
01 [„Atlantis]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=6432
02 [„Blue Beam Project“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=6433

Bec, Christophe – Lagune auf Fortuna, Die (Carthago 1)

_|Carthago|:_
01 [„Die Lagune der Fortuna“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=7102
02 [„Die Challenger-Tiefe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=7103

_Story:_

Während die Erde immer schneller auf eine verheerende ökologische Katastrophe zusteuert, bemühen sich die führenden Energiekonzerne darum, die letzten Ressourcen abzubauen und den Nährboden von Mutter Natur bis in die letzte Faser auszuschöpfen. Das Unternehmen Carthago hat sich auf die Förderung von Unterwasser-Rohstoffen spezialisiert und bohrt derzeit in der Schlucht von Arunkulta, als vier Taucher eine schreckliche Entdeckung machen. Bei der Untersuchung eines Wracks stoßen sie auf eine mysteriöse Höhle und verschwinden kurz darauf für unbestimmte Zeit. Bei der Bergung einer ihrer Leichen entdecken die Forscher schließlich den Zahn eines Megalodons, des mächtigen Vorfahren des weißen Hais, der seit Menschengedenken ausgestorben ist – oder sein soll.

Die Betreiber des Unternehmens verschleiern die Entdeckung jedoch aus der Furcht heraus, dass die jährliche Gewinnspanne hiervon maßgeblich beeinträchtigt werden könnte. Erst viel später bekommt eine militante Umweltorganisation Wind von der Sache und begibt sich ebenfalls an die besagte Stelle im Südpazifik. Doch das naive Team aus fanatischen Öko-Aktivisten scheint nicht wirklich zu ahnen, wie gravierend all das tatsächlich ist, was sich in den bis dato unbehelligten Tiefen des Meeres verbirgt …

_Persönlicher Eindruck:_

Zugegeben: Man kann Christophe Bec in vielen Teilen seines neuen Comic-Epos „Carthago“ vorwerfen, dass er seine Handlung aus der Vorlage vieler bekannten Geschichten zusammenstellt. Doch andererseits ist die Aufmachung bzw. die Präsentation der Story entscheidend, und jene lässt sich im ersten Band seiner neuen, insgesamt auf sechs Episoden angelegten Serie schon sehr gut an.

Gekonnt ist hierbei vor allem die Art und Weise, wie Bec die einzelnen Handlungsstränge miteinander verknüpft und einige bis dato undurchschaubare Mysterien in den Plot integriert. Die Geschichte beginnt prähistorisch und zeigt besagtes Seeungeheuer bei einem Beutezug, dazu eine Jagdszene in einer Eiswüste und schließlich den Sprung ins 20. Jahrhundert, der schließlich auch den Kern der Reihe darstellt. Hierbei ist der Autor auch relativ detailbesessen und schenkt den einzelnen Fäden genügend Aufmerksamkeit, um die Handlung stringent voranzubringen und sich mit den offenkundig tragenden Charakteren vertraut zu machen – auch wenn man noch nicht so recht weiß, inwiefern hier Sympathien zu verteilen sind bzw. in welche Richtung die Motive der einzelnen Handelnden gerichtet sind.

Auf der einen Seite erfährt man vom tragischen Unglück der vier Carthago-Angestellten und der Reaktion ihrer Vorgesetzten auf den Vorfall. Auf der anderen Seite stehen schließlich die Umweltaktivisten, die den historischen Fund für wissenschaftliche Zwecke nutzen wollen, aber offensichtlich noch gar nicht einschätzen können, auf welche Treibjagd sie sich bei ihren Forschungen eingelassen haben. In diesen Punkten bekommt der Leser dann auch schnell Klarheit, da Bec großen Wert auf Transparenz legt und erst gar nicht versucht, Teile der Szenarien zu verschleiern oder einen Komplex zu erstellen, dder zu undurchsichtig erscheint. Erst im weiteren Verlauf kommt es zu kurzen Einsprengseln, die Fragen aufwerfen und sich zunächst auch fernab des Hauptplots bewegen. Eine Szene aus Frankreich, die eine Ansammlung von gestrandeten Walleichen zeigt, dazu ein Eingeborenenstamm, der das Ende der Welt verkündet – all dies macht die größtenteils vorhersehbar ausgemalte Story erst spektakulär und bringt ihr auch erst das Potenzial, sich langfristig spannend zu halten.

Letztgenanntes entpuppt sich nämlich zunächst noch als große Unbekannte: Die Story schreitet im Eiltempo vorwärts, viele Situationen und Begebenheiten bedürfen dementsprechend keiner weiteren Klärung mehr, und man gewinnt schnell den Eindruck, dass die Messe in „Carthago“ schneller gelesen ist, als eine Fülle von weiteren Kapiteln es überhaupt ermöglichen könnte. Bec sollte noch einige Trümpfe in der Hinterhand haben, die den weiteren Verlauf der Serie wendungsreich und vielschichtig gestalten, um diesem anfänglichen Dilemma alsbald entfliehen zu können – und dies ist bis hierhin noch nicht so leicht vorstellbar. Allerdings mag man sich hier für die Zukunft überraschen lassen und die bleibenden, guten Eindrücke von „Die Lagune auf Fortuna“ mitnehmen. „Carthago“ ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch weit davon entfernt, ein Meilenstein der Comic-Geschichte zu sein. Doch als Erweiterung des qualitativ jederzeit hochwertigen Splitter-Programms ist dieser neue Sechsteiler auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert.

|Graphic Novel: 55 Seiten
ISBN-13: 978-3868691009|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_Christophe Bec bei |Buchwurm.info|:_
|Prometheus|
01 [„Atlantis]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=6432
02 [„Blue Beam Project“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=6433

Marazano, Richard / Ponzio, Jean-Michel – Schimpansenkomplex, der – Band 3: Zivilisation

_|Der Schimpansenkomplex|:_

Band 1: [„Paradoxon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5515
Band 2: [„Die Söhne von Ares“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5526
Band 3: _“Zivilisation“_

_Story:_

Als Helen und Aleksa an Bord ihres Raumschiffes erwachen, ist nichts mehr so wie vor ihrem unvorhergesehenen Schlummer. Ihre Kollegen liegen als mumifizierte Leichen an Bord ihres Schiffes, und offenkundig ist seit dem Moment, an den die beiden sich als Letztes erinnern, eine Menge Zeit vorangeschritten. Doch allerhand seltsame Begebenheiten lassen die beiden verbliebenen Astronauten der Mars-Mission schaudern: Zum einen hat sich Kollegin Alex mit ihrem Raumanzug aus dem Staub gemacht; zum anderen ist ihr kleines Schiff an eine Monster-Sonde gekoppelt worden, deren Ursprung für Helen und Aleksa definitiv nicht irdisch sein kann. Als die beiden schließlich an Bord des Mega-Kreuzers gelangen, treffen sie auf eine alte, völlig verrückte Frau – Alex! Und die greise Dame, an der die Spuren der vergangenen 70 Jahre nicht einfach so vorbeigezogen sind, steht inzwischen nicht mehr dringend auf der Seite ihrer beiden einstigen Gefährten …

_Persönlicher Eindruck:_

Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass der dritte und finale Band von „Der Schimpansenkomplex“ letzten Endes doch noch das Licht der Welt erblickt. Immerhin liegen ungefähr sechs Monate zwischen dem Release der ersten beiden Ausgaben und der Abschlussepisode; eine Zeit, in der man irgendwann schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, Richard Marazano respektive der Splitter Verlag als deutscher Herausgeber würden die sehr philosophisch motivierte Science-Fiction-Story doch noch zu Ende bringen.

Mit „Zivilisation“ folgt nun also das Ende einer langen Durststrecke, gleichzeitig aber auch einer der größten Hoffnungsträger im Verlagsprogramm. Denn was der Autor in den beiden Vorgängern in kompakter, aber sehr innovativer Form bündelte, gehört definitiv zum Gaumenschmaus für den Comic-Gourmet.

Umso enttäuschender ist daher, dass die Story eigentlich nur noch mit wenigen fortschrittlichen Ideen ins Ziel gebracht wird. Die philosophischen Inhalte, von denen die Aussagen Gagarins nur einer von vielen bedeutsamen Punkten waren, gehören unverhofft der Vergangenheit an und werden einer ziemlich müden Action-Story geopfert, deren vergleichsweise schmale Dramaturgie nicht einmal im geringsten dafür entschädigt, dass hier ein immens hohes Potenzial mit einem Rutsch verschenkt wurde. Wo zum Teufel ist dieser kreative Output, mit dem Marazano die ersten beiden Folgen füllte? Und was fällt dem Autor überhaupt ein, die Inhalte, die seinen Komplex bis hierhin ausmachten, komplett auszublenden und sich stattdessen einzig und alleine darauf zu beschränken, die Sache noch halbwegs rund zu bekommen – ohne dafür jedoch weiteres Herzblut investieren zu müssen?

Dies ist nämlich der Vorwurf, der im Raume steht und sich so leicht auch nicht abschütteln lässt: Marazano agiert lieblos und uninspiriert, ganz so als sei das innovative Moment seiner Story im Übergang zur letzten Episode auf der Strecke geblieben und unwiderruflich zu den Akten gelegt worden. Der Autor hatte so viele Themen angerissen, anhand von sehr erfrischend ausgebauten Mysterien interessante Wege eingeschlagen und letztendlich eine wunderbare Symbiose aus Action, Drama und Philosophie zusammengestellt. Und mit einem Schlag vernichtet er nun diese herrliche eigene Note, die „Der Schimpansenkomplex“ anhaftete und den Comic zu einem der ganz besonderen im Verlagsprogramm machte.

Denn ganz ehrlich: Zufrieden sein darf man weder mit der Art und Weise, wie die Story inhaltlich abgeschlossen wird, noch mit dem verschwenderischen Umgang mit so vielen tollen Ideen, die dann aber doch nicht konsequent zu Ende gedacht werden. „Zivilisation“ ist daher auch nicht das Kapitel, welches die Serie und ihren ganz speziellen Charakter bereichern kann. Stattdessen ist es schlicht und einfach eine pure Enttäuschung, die den Leser ebenso verunsichern wird wie die ausbleibende Rechtfertigung für die lange Wartezeit. Mit böser Zunge könnte man sogar behaupten, es wäre besser gewesen, Marazano hätte sich diese Nr. 3 gekniffen und sein Publikum lieber weiterhin im Unklaren gelassen.

|Hardcover: 55 Seiten
Originaltitel: : Le complexe du chimpanzé – Civilisation
ISBN-13: 978-3940864307|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Téhy – Yiu – Die Apokalypse: Buch 5 – Der Sturz des evangelistischen Imperiums

_|Yiu – Die Apokalypse|:_

Band 1: [„In der Hölle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6107
Band 2: [„Das Versprechen, das ich dir gab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6140
Band 3: „Heilige Mörder“
Band 4: [„Bete, dass es stirbt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6859
Band 5: _“Der Fall des Evangelischen Imperiums“_
Band 6: „Das Buch des Lichts“
Band 7: „Das letzte Testament“ (erscheint am 15.04.2011)

_Story:_

Einen Tag nach der Geburt des Tieres sieht sich der Klerus bereits gezwungen, aufs Äußerste zu gehen. Die Würdenträger senden mitsamt ihrer Armee zwei Nuklearbomber aus, die das Herz des neuen Jerusalems vernichten und somit auch das Biest zerstören sollen. Allerdings gehen Shiva und sein Volk mit dieser Radikalmaßnahme nicht konform und planen ihrerseits den Aufstand gegen den Klerus. Zum Schutz der heiligen Grundordnung werden die jungfräulichen Göttinnen auf ein brutales Gefecht mit der klerikalen Armee vorbereitet und stellen sich einem brachialen Kampf, der parallel zur Evakuierung der ökumenischen Festung ausgetragen wird.

Unterdessen hat Yiu die Spur des Tieres verloren und rennt immer weiter ins Bodenlose. Als sie ihren alten Kumpanen Daka Daka Dakadiran trifft, scheint die einzig verbliebene Rettung nahe. Yiu bekommt die Gelegenheit, ihr Gehirn zu erforschen und das letzte Wissen zu sammeln, um das Biest zu erlegen. Doch als ihr dies gelingt, scheint das religiöse Gleichgewicht bereits so stark aus den Fugen geraten zu sein, dass die drohende Apokalypse nicht mehr bloß eine Bedrohung scheint …

_Persönlicher Eindruck:_

Man könnte nun spekulieren, dass die ursprüngliche „Yiu“-Reihe niemals so zwiespältig aufgenommen worden wäre (zumindest in den Anfangsepisoden), hätte Autor Téhy sich mit seinen sehr direkten Ergüssen ein bisschen mehr zurückgenommen und die Prioritäten ähnlich stark auf die Entwicklung der Story gesetzt wie bei den jüngsten Ausgaben des Prequels „Die Apokalypse“. Der französische Autor nimmt sich immer mehr das Recht heraus, seinen brutalen Plot mit sehr abwechslungsreichen Arrangements zu würzen, den Background ansprechend progressiv und unberechenbar zu gestalten und zuletzt eine Story zu initiieren, die in ihrer Performance durch und durch komplex und spektakulär bleibt.

Mit dem nunmehr fünften Band „Der Sturz des Evangelistischen Imperiums“ treibt Téhy es nun endgültig auf die Spitze. Die Stränge sind mit einem Mal absolut nicht mehr straight, obschon die Entwicklungen ununterbrochen rasant sind. Dennoch verschwimmen in der aktuellen Ausgabe alle möglichen Aspekte der Handlung, und dies sogar in einem Maße, welches den Grundcharakter der Handlung immens verändert. Plötzlich gibt Yiu ihre Märtyrer-Rolle ab und opfert sie zugunsten einer völlig neuen Schwerpunktverteilung, von welcher die Erzählung wiederum maßgeblich profitiert. Die eskalierenden Momentaufnahmen des klerikalen Treibens stehen unverhofft im Mittelpunkt und ersetzen zumindest zeitweise Yius konsequentes Ringen um die Gesundheit ihres Bruders.

Unterm Strich ist das gesamte Treiben noch viel aufregender, da sich die Action auf ganz unterschiedliche Schauplätze verteilt – anders eben als noch in den letzten Bänden, die relativ zielstrebig und stellenweise auch mit Tunnelblick gen Ziellinie schritten. Ferner hat Téhy im Verbund mit seinen beiden Sidekicks Guenet und Vee die Brutalität der Story nicht mehr so krass hervorgehoben, wie man es aus den vergangenen „Yiu“-Ausgaben schon als Standard gewohnt war. Zwar überschreitet das Gewaltpotenzial immer noch die festgelegten Akzeptanz-Grenzen jedweder Jugendzensur, doch wie die fortschrittlichen Ergebnisse der vergangenen Exemplare bereits untermauerten, ist der zweite Serienabschnitt nicht mehr einzig und allein auf die brutale Action zugeschnitten. Im Gegenteil: „Der Sturz des Evangelistischen Imperiums“ ist mehr Story denn je, zudem opulenter und umfangreicher denn je und inhaltlich sogar das bis dato mit Abstand überzeugendste Werk des eigenwilligen französischen Autors. Doch viel wichtiger noch scheint die Tatsache, dass die Treue der „Yiu“-Anhänger endlich belohnt wird. Lange genug galt die polarisierende Serie als gewaltverherrlichendes Randprodukt. Und genau dieser Charakter wird mit dem fünften von insgesamt sieben Bändern ein für allemal aus der Welt geschafft!

|Graphic Novel: 67 Seiten
Originaltitel: Yiu – La chute de l‘ empire évangeliste
ISBN-13: 978-3868690033|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

_|Yiu|:_
Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289
Band 2: [„Die Auferstehung des Unreinen“ 4290
Band 3: [„Die Kaiserin der Tränen“ 4920
Band 4: [„Der Schwur der Söhne“ 5114
Band 5: [„Operation Geisha“ 5485
Band 6: [„Der Inquisitor und seine Beute“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5968

Istin, Jean-Luc – Druiden, Die – Band 5: Der Schicksalsstein

_Die Druiden:_

Band 1: „Das Geheimnis der Orghams“
Band 2: „Die weiße Stadt“
Band 3: „Die Lanze des Lug“
Band 4: „Der Kreis der Giganten“
Band 5: _“Der Schicksalsstein“_

_Story:_

Wie durch ein Wunder hat Taran seine blutige Verletzung und die Umarmung des Meeres überlebt und kann beim erneuten Landgang seine Kräfte als Heiler vervollständigen. Unter Gwenc’hlans Führung wird die Reise nach Ailbe fortgesetzt, wo sich der Legende nach der Kessel von Dagda befinden soll. Allerdings bleibt die Überfahrt beschwerlich; das kleine Schiff wird von einer Nebelbank nach Canaigh gelenkt, wo die Reisenden von einem Piktenstamm freundlich aufgenommen werden. Von deren Führer erfährt Gwenc’hlan von einer alten Feindschaft mit den Wikingern, die ihrerseits den Schicksalsstein geraubt und in ihre neue Wahlheimat Ailbe verschifft haben. Gemeinsam mit den Pikten führt die Fahrt schließlich auf besagte Insel, bei der Pikten und Druiden erstmals gemeinsame Sache machen sollen: Gwenc’hlan verspricht, bei der Befreiung des Schicksalssteins behilflich zu sein, während die Pikten im Anschluss den Weg zum keltischen Artefakt freimachen wollen. Doch Bruder Brennan, der einst einen Pakt mit den Wikingern geschlossen hat und nur schweren Herzens Verrat begeht, scheint der Sache im Wege zu stehen – ebenso wie die Bruderschafts von Esus, die den Weg nach Ailbe nicht alleine findet, Gwenc’hlan und Co. aber unauffällig folgt. Doch wer behält die Oberhand? Und was soll Bruder Gwenole derweil ausrichten, als die Geschichte um die Christenmörder plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt wird?

_Persönlicher Eindruck:_

Es liegt zwar fern, den vorangegangenen Band „Der Kreis der Riesen“ als Zwischenfall zu bezeichnen – dafür sind Istins Qualitäten einfach zu stark ausgereift und die Atmosphäre zu dicht – doch im Vergleich mit dem, was der französische Autor in der fünften und vorletzten Ausgabe seines Sechsteilers „Die Druiden“ folgen lässt, muss man einfach ganz klar konstatieren, dass es schon einen gewaltigen Unterschied zu dem, was möglich ist, und zu dem, was möglich gemacht wird, besteht – und im aktuellen Falle muss man sich wohl eher auf Letzteres berufen.

Die Story macht wieder rasante Fortschritte und eilt von Schauplatz zu Schauplatz, lässt aber wieder wesentlich mehr Raum für Interaktion und lebendige Handlung. Die Hintergrunderzählung, die ja grundsätzlich über dieser Serie steht, kommt zwar ab und an zum Zuge, überlagert aber nicht gleich wieder die wichtigsten Stränge. Dies macht sich schon auf den ersten Seiten bemerkbar, auf denen man auch Meister Gwenc’hlan und seinen Novizen Taran wieder öfter ‚an der basis‘ erlebt. Ihre Handlungen werden nicht einfach als gegeben geschildert, sondern die Entwicklung ihrer Motive wieder mehr in Augenschein genommen. Derweil erlebt der Plot viele neue Nebenstränge; die Pikten drängen von außen in die Story, die schwarze Bruderschaft wird immer weiter entlarvt, und selbst Bruder Gwenole, dessen Tun und Handeln zuletzt nur sehr oberflächlich geschildert wurde, nimmt wieder eine bedeutsame Position ein, obschon seine eigentlichen Gedanken bis zuletzt nur vage zu erahnen sind – aber auch dies ist eine der Positionen in „Der Schicksalsstein“, die einen wichtigen Anteil an der wieder deutlich angestiegenen Grundspannung hat und im noch unbetitelten Abschlussband einer intensiven Klärung bedarf.

Doch generell darf man nach den Ereignissen der aktuellen Ausgabe sehr gespannt sein, wie Istin seine Geschichte zu einem versöhnlichen Ende bringt. In „Der Schicksalsstein“ werden noch einmal einige gewaltige Fässer aufgemacht, die zu schließen sich hier mit wachsender Seitenzahl zum Mammutakt zu mausern scheint. Der Kampf gegen die Wikinger, das Bündnis mit den Pikten, die Suche nach den Relikten, schließlich die unglaublichen Machenschaften der römischen Kirche – Istin hat ein immenses Potenzial geweckt und sich für die letzte Episode eine schwierige Herausforderung aufgehalst, bei der man nur hoffen kann, dass sie nicht so ruckartig umgesetzt wird wie seinerzeit „Der Stein der Riesen“. Doch wenn man „Der Schicksalsstein“ noch einmal als Ausgangspunkt betrachtet und dessen überzeugende Performance (und dies vor allem auch auf illustrativer Ebene) zum Maßstab kürt, darf man vom Grand Finale zum inoffiziellen „Der Name der Rose“-Äquivalent eine ganze Menge erwarten.

|Graphic Novel: 45 Seiten
Originaltitel: Les Druides – La pierre de destinée
ISBN-13: 978-3940864444|

_Jean-Luc Istin bei |Buchwurm.info|:_
[„Das fünfte Evangelium 1: Die Hand der Fatima“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6437
[„Das fünfte Evangelium 2: Die Höhle Zerberus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6438