Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Andreas Eschbach – Die steinernen Schatten (Das Marsprojekt 4)

_Spannendes Abenteuer: auf einer fremden Welt gestrandet_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitungen zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren, als die Kinder eine aufregende Entdeckung machen.

Während die Forscher noch über den Zweck der seltsamen blauen Türme grübeln, machen sich die Marskinder daran, ihr Geheimnis zu lüften. Was niemand weiß: Die Kinder halten den Schlüssel zu einer anderen Welt in der Hand. Ein kleiner Schritt, die Passage öffnet sich, die Türme sind ein Portal! Bald finden sie sich auf dem geheimnisvollen Planeten wieder und müssen feststellen, dass ihnen der Rückweg nach Hause abgeschnitten ist. Auf sich allein gestellt, schlagen sie sich auf dem unbekannten Planeten durch – einer Welt, die alles andere als verlassen ist …

Das Marsprojekt:

01: [„Das ferne Leuchten“
02: [„Die blauen Türme“
03: [„Die gläsernen Höhlen“
04: [„Die steinernen Schatten“
05: [„Die schlafenden Hüter“

_Handlung_

Elinn ist überzeugt davon, dass die Marsianer sie gerufen haben. Als sie dies jedoch im Rat der fünf Marskinder (da sind noch Carl, Ariana, Ronny und Urs), lehnen diese ihren Plan als zu gefährlich ab. Deshalb macht sie sich auf eigene Faust auf den Weg zum Löwenkopf, wo die zwei blauen Türme der Marsianer stehen. Seit Carl aus einem dieser Türme getreten ist, obwohl er 5000 Kilometer von hier eingetreten war, weiß jedes der Marskinder, dass es sich um das Tor in eine fremde Welt handelt. Nur Elinn jedoch ist überzeugt, dass das marsianische Artefakt mit ihrem Namen darauf ein Schlüssel sein muss – genau wie bei Carl.

Doch der blaue Turm ist umlagert von den Zelten, Männern und Messgeräten Professor Caphurnas, der hier die Aliens untersucht. Dennoch gelingt es ihr, unerkannt mit dem Frachtflugzeug herzukommen und bis zum Zaun vorzudringen – ein Hüpfer in der schwachen Schwerkraft, und sie ist drüber. Noch ein paar Schritte zum Turm, das Artefakt als „Schlüssel“ vorgestreckt, und sie ist durch: auf einer fremden Welt! Doch da packt sie eine gewaltige Kraft und streckt sie zu Boden. Elinn hat eines nicht bedacht: dass die Schwerkraft viel höher ist als auf dem Mars. Und wenn man sie nicht bald rettet, wird sie hier sterben.

Als Carl das Verschwinden seiner Schwester entdeckt, schlägt er Alarm. Seine Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, doch Tom Pigrato, der Gouverneur, behält die Nerven. Er ruft bei Caphurna an. Der ist überrascht, bestätigt aber bald, dass er Elinn jenseits der Barriere auf dem Boden liegen sehen kann. Pigrato bittet Carl und Urs, Elinn zu retten, denn sie sind die Einzigen, die ebenfalls über diese „Schlüssel“ der Aliens verfügen. Ein Versuch von anderen Helfern, zu Elinn vorzudringen, scheitert.

Urs und Carl schleppen ein in aller Eile vorbereitetes Messgerät durch die Barriere. Dann streckt auch sie die hohe Schwerkraft nieder: 1,06 g zeigt das Messgerät, aber auch Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid. Dieser fremde Planet hat eine Atmosphäre, doch es herrscht Nacht, während auf dem Mars die Sonne aufgeht. Erleichtert stellen sie fest, dass Elinn noch lebt, aber sie atmet schwer. Jeder auf dem Mars weiß seit den Tests, die Pigrato durchführen ließ, dass Elinns Lunge nicht unter Erdbedingungen arbeiten kann. Sie hat höchstens zwei Wochen zu leben. Und sie können alle drei nicht zurückkehren: Die Schlüssel funktionieren nur in einer Richtung – und der Turm ist von ihrer Seite aus nicht zu sehen. Sie brechen auf, um diese Welt zu erkunden – und erleben eine große Überraschung!

|Unterdessen …|

Auf dem Mars herrscht große Aufregung wegen der verschwundenen Kinder, die in der fremden Welt gestrandet sind. Und seit der Turm die Barriere geschlossen hat, sind sie auch nicht mehr zu sehen. Da bemerkt Prof. Caphurna, dass auch der andere Turm sich verlangsamt – in sieben Wochen wird auch er zum Stillstand kommen. Wird sich dann ein weiteres Tor öffnen? Leider zu spät, um Elinn zu retten.

Um sicherzugehen, dass keine weiteren Türme mit Tarnvorrichtungen auf dem Mars existieren, lässt Pigrato jenen Motorsegler starten, mit dem der Tarnschirm der Türme zuerst unterflogen wurde. Der einzige Pilot, der das Ding fliegen kann und leicht genug ist, ist Ronny, das Fliegerass. Ronny findet es absolut „galaktisch“, diese Chance erneut geboten zu bekommen und sagt sofort zu. Wenige Stunden später steigt er vom Löwenkopf auf, um den Flieger zur zerstörten Asiatischen Marsstation zu steuern, wo es noch ein Startkatapult für solche Flieger gibt.

|Die fremde Stadt|

Doch bei der Erkundung und Überführung passiert Ronny etwas Merkwürdiges. Als er eigentlich über den Valles Marineris sein sollte, der großen Marsschlucht, fällt sein Blick auf eine große Stadt voller Licht, in der sechs blaue Türme stehen. Da senkt sich ein riesiges Raumschiff auf den Zentralplatz zwischen den Türmen und eröffnet das Feuer. Alles im Umkreis wird zerstört. Dann schließt sich der Blick auf dieses Spektakel wieder. Ronny gelingt es, den Flieger sicher zu landen, als wäre nichts gewesen.

Doch als Pigrato diese Szenen auf den Aufnahmen der automatischen Kamera des Fliegers sieht, bekommt er Zweifel, ob es eine so gute Idee war, alles alleine machen zu wollen. Er wird die Erde informieren müssen, das heißt den Chef der Raumfahrtbehörde, den strengen, zwielichtigen Senator Bjornstadt. Und wenn die „Heimwärtsbewegung“ von den Vorgängen auf dem Mars Wind bekommt, wird sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um jegliche Raumfahrt zum Stillstand zu bringen und die Marssiedler zur Erde zurückzuholen. Dem Statthalter Pigrato stehen schwere Zeiten bevor. Von der Ungewissheit über den Verbleib seines einzigen Kindes Urs ganz abgesehen.

Einige Stunden später erhält Ariana DeJones, Urs’ Freundin, eine erstaunliche, kurze Mail von ihrem Freund …

_Mein Eindruck_

Ich habe diesen spannenden Abenteuerroman in nur zwei Tagen gelesen und bin sicher, man kann ihn auch in nur einem Tag schaffen. Die Geschichte entwickelt sich wendungsreich und unvorhergesehene Richtungen, sodass man stets gespannt ist, wie die Handlung weitergeht. Wird Elinn überleben? Wo befinden sich die Marskinder überhaupt? Wird es für sie eine Rückkehr geben?

Gut fand ich, dass der Autor nicht auf den bisherigen Funden herumreitet und die Leute ewig rätseln lässt, wie die Technik der Aliens auf dem Mars funktioniert. Das bringt nämlich einfach nichts und wäre nur Anlass zu endlosen Diskussionen gewesen, wie sie noch im ersten Band zu finden waren. Stattdessen ergreift wie schon zuvor jeweils eines der Marskinder die – mehr oder weniger vernünftige – Initiative und macht sich daran, eben diese Technik zu nutzen.

Für Elinn könnte dies allerdings fatale Folgen haben. Deshalb müssen ihr Carl und Urs, als personalisierte Inhaber der „Schlüssel“, ihr folgen und helfen. Natürlich macht auch Carl die hohe Schwerkraft zu schaffen, aber Urs hat die Erdschwerkraft noch nicht lange verlassen (er ist erst zwei Monate auf dem Mars) und hält sich am besten auf der fremden Welt, die sie betreten haben. Was das Trio dort vorfindet, soll hier nicht verraten werden, damit die Überraschung erhalten bleibt.

Ziemlich witzig bemerkte ich, dass sich der Autor à la Hitchcock selbst in die Geschichte hineingeschrieben hat. Der Astronaut Peter Eisenhardt ist an Bord eines den Mars umkreisenden Raumschiffs und erzählt seinem Kollegen von einem Großvater, der Science-Fiction-Romane schrieb, darunter auch Zeitreisegeschichten. Da kam mir doch gleich „Das Jesus Video“ in den Sinn. So was nennt man bei Filmen einen Cameo-Auftritt, aber diesmal ist er selbstironisch gemeint.

Außerdem gibt es einen ziemlich witzigen Auftritt eines afrikanischen Künstlers, der sich Kibbi nennen lässt. Wieder mal hat der Autor seine Kultur- und Geschichtskenntnisse ausgegraben und angewandt. Dieser Kibbi hat die Kunst für ein Museum geschaffen, das die Menschheitsgeschichte darstellt, aber mit einer so innovativen Konzeption, der er jeden Handwerker einzeln anleiten muss, um alles richtig zu machen.

Das Museum steht nahe der kenianischen Olduvai-Schlucht, die unter Anthropologen als Ursprung der Menschheit gilt, seit die Familie Leakey hier Knochen von Frühmenschen fand. Doch nun hat man hier einen verstörenden Fund gemacht, der die ganze schöne Theorie von der Entstehung des Menschen über den Haufen wirft: die titelgebenden „steinernen Schatten“ …

_Unterm Strich_

Ich fand diesen vierten Teil des Zyklus‘ fast noch spannender und witziger als den Vorgänger, obwohl der auch schon ziemlich haarsträubend ist. Für Jugendliche ab zwölf bis vierzehn Jahren (und natürlich erwachsene Junggebliebene) bietet der Roman einige überraschende Wendungen, sodass ich mich gut unterhalten fühlte.

Immer wieder beeindruckte mich der Kenntnisreichtum des Autors in der Luft- und Raumfahrttechnik – Kunststück, hat er doch beides studiert. Außerdem finde ich seine süddeutsche Umgangssprache immer sympathischer. Das hebt seinen Erzählstil nämlich wohltuend von den Übersetzungen aus dem Englischen ab, mit denen der deutsche SF-Markt regelmäßig überflutet wird. Genauso würde ich als Schwabe auch erzählen, wenn ich die Zeit (und den Mut) dazu hätte.

|Zur Taschenbuch-Ausgabe|

In dieser Taschenbuchausgabe des 2007 bei Arena veröffentlichten Romans fehlen allerdings die Illustrationen. Trotzdem behauptet der Bastei-Lübbe Verlag, diese Ausgabe sei „Vollständig“. Wahrscheinlich bezieht sich diese Behauptung nur auf den Text.

Die Umschlaginnenseiten der Leinenausgabe bieten nämlich zwei hilfreiche Zeichnungen. Die Hintere ist dem Löwenkopf-Areal gewidmet. Eigentlich hätte sie an den Anfang gehört, weil dort die Handlung einsetzt. Im vorderen Umschlag ist die Raumstation MIR-3 abgebildet, die dem reichsten Mann der Erde, dem Erfinder Yules Whitehead, gehört, und die im letzten Viertel der Handlung eine kleine Rolle spielt. Sie dient als Habitat für Leute, die zum Mars wollen oder von dort kommen. Sie verfügt über einen Mechanismus zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft, wie man ihn aus dem Film „2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen“ kennt (der Mittelteil der „Leonov“ rotiert).

Aber dennoch kann sich der Leser freuen: Die Taschenbuchausgabe ist mit knapp neun Euro einen Fünfer billiger als die Leinenausgabe. Obendrein weist sie ein viel schöneres Titelbild auf, als es die Arena-Ausgabe zu bieten weiß. Natürlich könnte sich der kundige Astronom fragen, was das für ein Riesenplanet sein soll, der da am Himmel hängt. Aber man sollte Titelbilder sowieso nur als poetische Interpretationen des jeweiligen Künstlers auffassen.

Taschenbuch: 334 Seiten
ISBN-13: 978-3404243952
www.arena-verlag.de

RICHELLE MEAD – Dornenthron (Dark Swan 02)

Plötzlich Prinzessin! Die Schamanin Eugenie Markham hat aus Versehen ein Königreich in der Anderswelt geerbt. Nun muss sie im zweiten Band der „Dark Swan“-Serie feststellen, dass dessen Pflege gar nicht so einfach ist. Ihre Pläne, sich endlich von den intriganten Feen fernzuhalten, kann sie jedenfalls nicht umsetzen. Dafür hat sie einfach zu viel zu tun.

Die meisten ihrer neuen Aufgaben sind nicht unbedingt angenehm. Anstandsbesuche bei der schwangeren Exfreundin von Kiyo, ihrem Liebhaber, zum Beispiel. Auch dass er neuerdings soviel Zeit mit Maiwenn und dem ungeborenen Kind verbringt, gefällt ihr nicht. Doch sie wird von diesem Ärger abgelenkt, als sie bei einer Reise durch ihr Reich feststellt, dass ihre Untertanen Hunger leiden. Ihre Bemühungen, dies zu ändern, zwingen sie zu einer Zusammenarbeit mit dem Eichenkönig Dorian. Der wiederum möchte Eugenie nur zu gerne in sein Bett ziehen.

Doch diese Probleme treten in den Hintergrund, als in Eugenies Reich, dem Dornenland, junge Feenmädchen entführt werden. Zuerst hält sie eine der herumstreunenden Diebesbanden für die Täter, doch dann findet sie Spuren, die in die normale Welt führen. Doch welchen Zweck hätte es, Feen in die Menschenwelt zu entführen? Und wer steckt dahinter? Bei ihren Recherchen stößt sie auf einige Ungereimtheiten – und gerät selbst in große Gefahr …

„Dornenthron“ ist ohne Frage eine spannende Fortsetzung zum ersten Band von „Dark Swan“. Dabei machen Geschichte und Hauptperson eine starke Entwicklung durch. Eugenie ist nun nicht mehr nur Schamanin, sondern auch Herrscherin des Dornenlands. Das bringt neue Aufgaben mit sich, an die sie sich erst gewöhnen muss. Gleichzeitig muss sie sich damit auseinandersetzen, dass sie die magischen Fähigkeiten ihres verhassten Vaters geerbt hat und lernen, diese einzusetzen. Die einst unbekümmerte junge Frau mit dem frechen Mundwerk wird dabei nicht nur stärker, sondern auch ernster, die Verlegung des Hauptschauplatzes in die Anderswelt gibt der Geschichte Tiefe.

Die Handlung selbst ist recht konventionell. Mead baut keine großen Überraschungen ein, sondern erzählt die Lösung des Entführungsfalls sehr geradlinig. Sie ist allerdings in einige Nebenhandlungen eingebettet, die jedoch problemlos parallel nebeneinander herlaufen. Da es kaum Längen gibt und die Nebenhandlungen zumeist sehr interessant sind, fällt die einfache Haupthandlung kaum ins Gewicht. Wer noch dazu Freude an deftigen Sexszenen hat, kann mit „Dornenthron“ erst recht nichts falsch machen.

Eugenie Markham ähnelt im Prinzip anderen Frauenfiguren aus ähnlichen Büchern: jung, frech und in der Liebe meistens etwas tollpatschig. Abgesehen davon schafft die Autorin es jedoch, sie mit Leben zu füllen. Im Vergleich mit dem ersten Band entwickelt sie sich weiter, muss mehr Verantwortung übernehmen und wirkt alles in allem erwachsener. Da Mead bereits in ihrer Serie „Vampire Academy“ bewiesen hat, dass sie ein gutes Händchen für die Weiterentwicklung ihrer Figuren hat, ist davon auszugehen, dass Eugenie dem Leser auch in den Folgebänden noch viel Freude machen wird.

Geschrieben ist die Geschichte in gewohnt lockerem Tonfall mit einem ausgewogenen Verhältnis von Witz und Ernst. Mead geht dabei vor allem in den Liebesszenen gerne ins Detail. Insgesamt liest sich „Dornenthron“ jedoch sehr flüssig und interessant.

„Dornenthron“ ist eine gelungene Fortsetzung zu „Sturmtochter“. Das Buch ist spannend, die Hauptperson entwickelt sich weiter – was möchte man mehr?

Broschiert: 358 Seiten
Originaltitel: Thorn Queen
Deutsch von Frank Böhmert
ISBN-13: 978-3802582127

http://www.egmont-lyx.de
http://www.richellemead.com

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Raumsonde Epsilon (Weltraumpartisanen – Band 8)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 5: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 6: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 7: [Testakte Kolibri]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723

_Band 8: Raumsonde Epsilon_

Als der |Herder|-Verlag Anfang der Siebziger eine kleine Jugend-SciFi-Reihe von drei bis vier Bänden bei Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) in Auftrag gab, war der Erfolg keineswegs absehbar. Michalewsky brachte unter seinem Pseudonym „Mark Brandis“ bis 1987 insgesamt 31 Bände der Weltraumabenteuerserie mit dem gleichnamigen Helden unters begeisterte Volk. Das heißt, ein 32. Band („Ambilvalente Zone“) wurde in seinem Todesjahr via |Books on Demand| veröffentlicht, hat aber – bis auf einige Eckpunkte – auch kaum noch etwas mit der eigentlichen Figur gemein.

Schon lange Zeit vor diesem eher umstrittenen Revival war es still um die deutsche Kultserie geworden. |Bertelsmann| machte sich seit Bestehen der Reihe zwar zwischenzeitlich immer wieder mal an einen Aufguss der ursprünglichen Serie mittels Doppelbänden, welche teils über den hauseigenen Buchclub vertrieben wurden, stellte die Versuche aber im Jahr 2000 endgültig ein. 2008 nahm sich der |Wurdack|-Verlag des Kleinods mit dem gebührenden Ernst an und präsentiert seither jedes Quartal je 2 Bände als broschierte Sammlerausgabe mit frischer Aufmachung.

_Zur Story_

Was wäre, wenn plötzlich Wissen einer Zivilisation mit einem technischen Vorsprung von rund 13.000 Jahren zur Verfügung stände? Vor dieser Chance steht die Menschheit im Jahre 2075. Schon im 20. Jahrhundert geisterten Spekulationen über die so genannte Epsilon-Bootes-Zivilisation umher, welche in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitabständen heimlich Sonden in unser Sonnensystem schickt, um die Gattung Homo Sapiens auszuspionieren. Beweisen konnte man dies indes nie. Das hat sich nun geändert. Eine Sonde der etwa 100 Lichtjahre entfernten intergalaktischen Nachbarn im System Epsilon-Bootes hatte offensichtlich eine Havarie und kann nicht nach Hause zurück kehren. Sie treibt irgendwo in der Nähe des Uranus steuerlos durch den Weltraum.

Nach Bekanntwerden dieses Umstands entbrennt alsbald ein heißer Wettlauf, denn keiner der großen beiden letzten Machtblöcke der Erde, weder die Europa-Amerika-Afrika-Union (EAAU) noch die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) wollen sich dieses vermeintliche Machtinstrument durch die Lappen gehen lassen. Wobei beide Regierungen nicht ahnen, dass ihre jeweiligen Militärs hinter ihren Rücken bereits ganz andere Allmachtsfantasien haben. Kurzum: Jan und Mann setzen alles daran die Büchse der Pandora unter die schmierigen Fittiche zu bekommen. Die EAAU schickt ihr bestes (und schnellstes) Pferd ins Rennen: Die „Hermes“ unter dem Befehl von VEGA-Commander Mark Brandis soll die kostbare Technotrophäe aus dem All fischen.

Das gestaltet sich äußerst schwierig. Brandis und seine Crew geraten dabei zwischen verschiedene Fronten, sie werden sogar von einem eigenen Kreuzer beschossen – ein abtrünniger EAAU-Kommandant sieht sich schon als künftiger Sonnenkönig und Herrscher über das Solsystem. Die Mannschaft der „Hermes“ landet in Gefangenschaft. Zunächst auf einer gekaperten Raumstation, wo man unverhofft (Ex-)Testpilot Grischa Romen wieder trifft (vgl. Band 7 – „Testakte Kolibri“), der ihnen zur Flucht verhilft. Dann aber stranden sie erneut, diesmal auf dem Uranus. Dabei wird ihnen sogar die „Hermes“ von den VOR abgeluchst. Damit scheint die Bergung der Sonde durch die VEGA endgültig passé, das Protonenschiff ist schließlich der derzeit schnellste Raumer im bekannten Weltall.

_Eindrücke_

Nikolai von Michalewsky kehrt nach dem schwachen Vorgängerband wieder zu dem zurück, was er am besten konnte: Gesellschaftskritik. Zentrale Frage in dieser flotten Schnitzeljagd im All ist, ob die Menschheit wirklich Gebrauch davon machen sollte, sich einfach überlegene Fremdtechnologie anzueignen, welche nicht in ihren eigenen Köpfen gewachsen ist. Dabei ist die Thematik gar nicht vollends aus den Fingern gesogen, denn tatsächlich behaupteten in den Siebzigern einige (Populär-)Wissenschaftler, es gäbe Anhaltspunkte für Besuch aus dem Nachbarsonnensystem in Form von unbemannten Sonden. NvM verarbeitete stets, was seinerzeit gerade up-to-date war, offensichtlich beschäftigte und beflügelte ihn der damalige Boulevardpresserummel um die angebliche Epsilon-Bootes-Zivilisation zu diesem 1975 erstveröffentlichten MB-Roman.

NvM ist bekannt für seine oft nicht ganz zu Ende gedachten Elemente. Meist handelt es sich dabei um physikalisch-technische Patzer und – nennen wir es mal vornehm – gewisse „Unplausibilitäten“ verschiedener Art. Fans ist das durchaus bewusst und sie sehen seit jeher generös darüber hinweg – die in der Regel etwas jüngere Star Trek Generation mag darüber zwar die Nase rümpfen, doch gerade das macht MB sehr sympathisch, weil eben nicht alles immer 100% durchgestylt ist. Zudem hat NvM eine bekannte Schwäche für bestimmte Phrasen, welche im Laufe der Serie immer wieder gekäut werden. Auch hier finden sich natürlich wieder eine ganze Reihe solcher Kuriositäten, wovon einige als „Charakter“ oder unter „Naja“ verbucht werden können, andere jedoch ziemlich hart am Logikverständnis des Lesers kratzen.

_Achtung Spoilerwarnung !_

Es ist beispielsweise absolut nicht nachvollziehbar, warum jeder meint, wenn er die Sonde nur habe, stünde ihm sofort das Wissen jener Zivilisation zur Verfügung und befähige ihn – quasi per sofort – der Herrscher des Solsystems zu sein. Tatsächlich gelingt es einem Crewmitglied, das Ding zu betreten. Doch selbst wenn das so einfach wäre, es ist höchst unwahrscheinlich, dass man die fremde Technologie dann auch nur ansatzweise versteht. Eine Zivilisation mit einem derartigen Vorsprung wird ihre Errungenschaften vor machtgeil-tölpeligen Primaten wie dem Menschen sicher gut zu schützen wissen, auf dass diese damit keinen Unfug treiben können. Ein Zeichen dafür ist, dass sämtlicher Beschuss der Sonde nichts anhaben kann – selbst das Ach-so-grausige „Kalte Licht“ nicht. Dafür verglüht das Teil am Ende dann sang- und klanglos in der Erdatmosphäre. Soso.

_Spoiler Ende _

Bei der Figurenzeichnung gibt es ebenfalls wieder den Griff in die NvM-Bauteilekiste. Brandis und seine Crew der „Hermes“ kennt man mittlerweile schon aus den voran gegangenen Büchern. Positiv ist anzumerken, dass Grischa Romen nun eine Dauerkarte für die Serie gelöst hat. Auf der anderen Seite sind schon wieder mal machthungrige Militärs am Werk, welche sich dabei – wie üblich – so subtil verhalten wie der Vorschlaghammer vor dem Schaufenster eines Juweliers. Insbesondere der abgespacete Commander des schweren Kreuzers „Zeus“ und Wäre-Gern-Herrscher der Galaxis ist viel zu überzeichnet, als dass man ihn wirklich ernst nehmen könnte. Zudem trägt er (zu) viele Züge des „typischen“ Brandis Bösewichts. Alles irgendwie schon mal da gewesen – nur unter anderen Namen.

Wie man es bereits von den Bänden 6 und 7 der Sammleredition her kennt, gibt es am Ende des Buches einen kleinen Extrabeitrag rund um Autor und sein wohl bekanntestes Werk. Dieser Band enthält das vermutlich letzte Interview mit NvM. Geführt wurde es im September 2000 vom Online-Magazin „Phantastik-News.de“ und beschäftigt sich in der Hauptsache mit dem damaligen Neustart und -ausrichtung der MB-Serie. Die seinerzeit als „Kosmonen-Zyklus“ geplante Fortsetzung kam übrigens wegen seines recht plötzlichen Todes wenige Monate später nicht mehr über den ersten Band hinaus. Solche Goodies sind stets willkommene Zusatzinfos der Neuauflage und in erster Linie natürlich für Fans gedacht.

_Fazit_

Das Grundthema ist interessant und die Pace der Story hoch, die Lösung des Problems gar salomonisch – mit einer Portion Pathos, versteht sich. Das muss bei einem MB-Roman einfach sein. Leider stolpert die Geschichte zwischenzeitlich über mittlere bis kratertiefe Logiklücken und offensichtlich zu sehr konstruierten Figuren sowie ziemlich vorhersehbare Handlungselemente. Originell ist anders. Dennoch zeigt „Raumsonde Epsilon“ wieder einen deutlichen Aufwärtstrend gegenüber dem relativ kruden Vorgänger „Testakte Kolibri“. Ein Quereinstieg ist hier ebenfalls möglich, auch wenn es sicherlich bessere Aushängeschilder für die Reihe gibt.

|ISBN: 978-3-93806-542-6
190 Seiten, Broschur|

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Ilona Andrews – Magische Begegnung (Land der Schatten 1)

_Land der Schatten_:
Band 1: _Magische Begegnung_

Nach „Stadt der Finsternis“ veröffentlicht das Autorenduo Ilona Andrews eine weitere Serie mit dem Namen „Land der Schatten“. In „Magische Begegnung“, dem ersten Band, stellen sie eine sehr interessante Fantasywelt vor, die mit der unseren nur wenig zu tun hat.

Ilona Andrews – Magische Begegnung (Land der Schatten 1) weiterlesen

Charles Eric Maine – Zwei … eins … null

maine-zwei-eins-null-cover-kleinAuf einer einsamen Pazifik-Insel laufen die Vorbereitungen für den Start des ersten per Antischwerkraft ins All beförderten Raumschiffs. Plötzlich beginnen die beteiligten Wissenschaftler wie die Fliegen zu sterben, denn eine fremde Macht womöglich nicht von dieser Welt wünscht keinen Besuch von streitsüchtigen Erdlingen … – Wenig innovativer aber solider, durchweg spannender Science Fiction-Krimi mit Botschaft: „Watch the Skies!“ (besonders gen Osten).

Das geschieht:

Kaluiki, eine öde Insel irgendwo im tropischen Pazifik. Heiß ist es hier und einsam – gerade der richtige Ort für ein Experiment, das Geschichte machen wird: Abseits allzu neugieriger Sowjets, Chinesen und anderer Kommunisten-Strolche erproben Amerikaner und Briten das erste durch Antischwerkraft ins All zu hievende Raumschiff. „Projekt Agnes“ ist top secret, Kaluiki hermetisch vom Militär abgeriegelt. Nur fünf Wissenschaftler blieben unter der Leitung des genialen Professors Guy Strang auf der Insel zurück, zu ihnen gesellen sich der Sicherheitsoffizier George Earl und der Journalist Russ Farrant, der im Auftrag der beteiligten Regierungen Countdown und Start dokumentieren soll.

Die hochkomplexen Vorbereitungen werden sich über 72 Stunden hinziehen, während derer die sechs Männer und zwei Frauen völlig auf sich gestellt bleiben. Farrant langweilt sich und lässt sich daher gern von Earl rekrutieren, der per Radar eine mysteriöse Metallmasse irgendwo auf der Insel geortet zu haben glaubt. Die beiden Männer finden ein merkwürdiges Flugobjekt, doch bevor sie es näher untersuchen können, werden sie geistig von einer unbekannten Macht unterjocht. Earl attackiert Farrant, der seinen Gegner in Notwehr tötet und sogleich die Erinnerung an diese Tat verliert.

Ahnungslos kehrt Farrant ins Lager zurück, wo bald die Hölle losbricht. Auf brutale Weise wird ein Forscher nach dem anderen umgebracht. Jeder verdächtigt und belauert jeden, aber besonders argwöhnisch wird Farrant betrachtet, der für keine Tatzeit ein überzeugendes Alibi vorweisen kann. Der so Bedrängte kämpft gleich an mehreren Fronten: um seine Unschuld, die geliebte Kay Kinley, die misstrauischen Gefährten und den unsichtbaren, mörderischen Feind, der sich nicht unbedingt als außerirdisch erweisen wird …

Großes Drama auf kleiner Insel

Ganz und gar keine große Literatur, aber ein wunderbares, nostalgisches SF-Abenteuer mit ausgeprägten filmischen Qualitäten legt Verfasser Charles Eric Maine hier vor. Die Geschichte ist wahrlich nicht neu; wir kennen sie aus zahlreichen B-Movies der Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg. Das heißt aber nicht, dass wir sie über haben, wenn sie so gut erzählt wird wie hier!

Maine unterhält überaus ökonomisch: Die Kulisse ist überschaubar, die Grenzen sind abgesteckt. Das Personal beschränkt sich auf acht Personen, die sich nach Gestalt, Charakter und Verhalten klar unterscheiden lassen. Der Plot ist simpel, aber bewährt: eine Invasionsgeschichte, die über weite Strecken dem uralten Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“ (die man heute politisch korrekt sicher nicht mehr so nennen darf) huldigt.

So lange unklar bleibt, wer oder was hinter den Morden & Hirnverbiegungen steckt, funktioniert „Zwei … eins … null“ prächtig. Die finale Auflösung enttäuscht ein bisschen, aber das liegt in der Natur von Mysterien. Sie sind gemeinhin interessanter als die Wahrheit, die hinter ihnen steckt. Viele ‚logische‘ Lösungen gäbe es ohnehin nicht. Maine sei aber dafür gelobt, dass er sich trotzdem bemüht, einen Überraschungseffekt einzubauen.

Vorsicht ist besser als Neugier!

Ansonsten lernen wir, dass Misstrauen stets der beste Begleiter des freien Menschen ist. Lange argwöhnen die in Bedrängnis geratenen Wissenschaftler, dass hinter dem üblen Treiben die bösen Roten stecken, die in dieser Zeit des Kalten Krieges – „Zwei … eins … null“ spielt in der unmittelbaren Zukunft des Jahres 1959 – immer und überall darauf lauern, die Weltherrschaft zu übernehmen.

Der ursprüngliche Titel „The Big Countdown“ ist übrigens eine mit britisch schwarzem Humor aufgeladene Zweideutigkeit. Er beschreibt nicht nur die endlosen letzten 72 Stunden des Projektes „Agnes“, sondern auch die Besorgnis erregende Verminderung der Darstellerriege.

Figuren mit klaren Konturen

Russ Farrant ist der Junge, Kay Kinley das Mädchen, womit wir bereits knapp in Worte gefasst haben, dass „Zwei … eins … null“ auch eine Liebesgeschichte der züchtig-korrekten Art erzählt. Den zeitgenössischen Leser mag Kays wissenschaftliche Bildung und ihre Selbstständigkeit verstört haben, aber keine Sorge: Wenn’s richtig gefährlich wird, muss doch wieder ein echter Kerl ‚ran, und ansonsten träumt auch eine gestandene Forscherfrau eigentlich nur davon, endlich geheiratet zu werden.

Wenn er nicht gerade balzt, ist Russ kein besonders schlauer, aber wackerer Streiter für die Dinge, die wirklich zählen im Leben (Vaterland, Job, Kumpels, die Rettung der Welt). Wie es sich für einen echten Helden gehört, steht er sogleich wieder auf, wenn ihn das Schicksal niederwirft (was hier recht häufig geschieht), und setzt den Kampf fort, bis er endlich – natürlich – den Sieg (und das Mädchen) davonträgt.

Die übrigen Darsteller bilden die typische Riege des vordergründig belebten Kanonenfutters, das über einige kräftige Konturen verfügt, damit sie der Leser auseinander halten kann, aber ansonsten ziemlich gesichtslos bleibt. Sie müssen auch gar nicht so markant sein, denn sie werden ohnehin umgebracht und bescheren dann als Leiche den eigentlichen Hauptfiguren schockierende Momente: Auch das belegt das Niveau, auf dem sich dieser Roman bewegt und dabei sehr unterhaltsam bleibt.

Autor

Charles Eric Maine wurde als David McIlwain am 21. Januar 1921 im britischen Liverpool geboren, verbrachte seine Jugendjahre aber in Indien. Nach der Rückkehr wurde er in den späten 1930er Jahren im Science Fiction-Fandom aktiv und gab u. a. gemeinsam mit den späteren Autorenkollegen John Burke ein Fanzine namens „The Satellite“ (1938) heraus. Außerdem schrieb das Duo SF-Geschichten unter dem Pseudonym Charles Eric Maine, das McIlwain später allein übernahm.

Im II. Weltkrieg diente McIlwain als Signaloffizier in der Royal Air Force. 1943 verschlug es ihn nach Nordafrika. Ins Zivilleben zurückgekehrt, wurde er Fernsehtechniker, freier Journalist mit dem Spezialgebiet Elektronik und später Herausgeber einer Zeitschrift für Radio und Fernsehen.

1952 begann McIlwain seine eigentliche SF-Karriere. Er schrieb Hörspiele als Charles Eric Maine, die er, wie gesagt ein ökonomisch arbeitender Autor, zu Romanen und Filmdrehbüchern umarbeitete. In der Filmwelt kreierte Maine solide Durchschnittsware, darunter den gar nicht uninteressanten „Time Slip“ (1955, dt. „Sieben Sekunden zu spät“) über einen zeitversetzten Unglückswurm oder den unterhaltsam-schundigen „Escapement“ (GB 1957, dt. „Mit 1000 Volt in den Tod“).

David McIlwain blieb als Autor aktiv bis zu seinem frühen Tod am 30. November 1981. Zu den wirklich Großen des SF-Genres kann man ihn nicht zählen, aber er hinterließ eine Reihe gut erzählter, spannender Geschichten, was nicht die schlechteste Grabinschrift für einen Schriftsteller ist.

Taschenbuch: 170 Seiten
Originaltitel: The Big Countdown/Fire Past the Future (New York : Ballantine Books 1959)
Übersetzung: Tony Westermayr
http://www.randomhouse.de/goldmann

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Brent Weeks – Jenseits der Schatten (Schatten-Trilogie 3)

Die Schatten-Trilogie:

Band 1: „Der Weg in die Schatten“
Band 2: „Am Rande der Schatten“
Band 3: „Jenseits der Schatten“

Mit „Jenseits der Schatten“, dem letzten Teil der Nachtengel-Trilogie, schließt der amerikanische Autor Brent Weeks seine Saga um den Assassinen Kylar Stern ab.

Als Schüler von Durzo Blint erreichte der noch sehr junge Kylar ein erschreckendes Talent für das Töten seiner Opfer. Und dadurch entwickelte sich ein fast schon legendärer Ruf als |Nachtengel von Cenaria|. Die Invasoren aus Khalidor konnte er retten, den brutalen und grausamen Gottkönig töten, der seine Heimat tyrannisch seinem Willen unterworfen hat.

Doch der Sieg verlangte ihn einen hohen Preis. Seinen rechten Arm hat er verloren, seine Frau Elene ist verschollen und noch dazu ist er durch die Magischen Ringe an Vi, eine ebenfalls tödliche Attentäterin, gebunden. Auch der „Wolf“ in der mystischen Schattenwelt ist alles andere als offen gegenüber dem Blutengel und jetzigen Nachtengel.

Cenaria wird regiert von einer Königin – Terah Graesin – und Logan, dem eigentlichen König Cenarias, und nun sieht sich der militärische Oberbefehlshaber aufgrund weiterer Bedrohungen durch Invasoren genötigt, schnell zu handeln. Doch in ihm sträubt sich alles dagegen, die Königin zu stürzen, um sein rechtmäßiger Erbe anzutreten.

Kylars Plan ist die einzige Chance, um vielleicht den ganzen Kontinent und die angrenzenden Länder zu retten, zumal ein khalidorischer Magier das Ziel verfolgt, die personifizierte Göttin Khali zu beschwören. Ein Alptraum, der darauf abzielt, sich selbst als Gottkönig über alle zu erheben.

Um das Land zu retten, muss Kylar seine Freundschaft zu Logan aufs Spiel setzen und sich töten lassen, aber als Unsterblicher muss er dafür einen Preis zahlen, dessen er sich zu spät bewusst wird …

Kritik

Der dritte und abschließende Roman der Schatten-Trilogie unterscheidet sich enorm von den beiden Vorgänger-Romanen. Auch wenn nun alle Geheimnisse und Fragen gelüftet werden, wird es im Laufe der Handlung, die durch und durch mit Magie versetzt ist, sehr unruhig und manchmal schwer nachvollziehbar.

Der Autor Brent Weeks übertreibt es mit seiner unglaublichen Vielzahl von Charakteren, die den sowieso schon unübersichtlichen Kontinent bevölkern. Auch hier kann man schnell den roten Faden verlieren, denn die eine oder andere Prophezeiung wirkt absolut überdreht und unangemessen.

In „Jenseits der Schatten“ konzentriert sich die Handlung meist auf Kylar und auf Logan. Mit Vi und Elene, die beide um die Liebe des Attentäters buhlen, gibt es zwar eine Nebenhandlung, doch auch hier steht sie parallel zu der des Nachfolgers des Gottkönigs Dorian, der versucht, Khalidor zu schützen, und auch so manches Urteil fällt, von dem er früher zutiefst glaubte, es wäre Unrecht.

Totgeglaubte leben länger! Ein Sprichwort, das sich hier auch gleich manifestiert, denn Durzo Blint, der Meister und Ziehvater Kylars, lebt. Nach ein paar Jahrhunderten der Kämpfe und der politischen Verwicklungen und Leben, die er führen musste, ist er „müde“ geworden und möchte an der Seite von Momo K. und seiner Tochter „alt“ werden. Doch wie auch bei Kylar, kann er sich seinem Schicksal nicht entziehen.

Ein großer Kritikpunkt sind die magischen Elemente. Hier wird munter verzaubert, verflucht, beschworen, verhext, und auch so manches übernatürliche Wesen und einige doch recht muntere Untote versammeln sich zu einem Showdown, der zwar explosiv verläuft, aber deutlich über die Grenzen der beiden ersten Romane hinausgeht.

Auch wenn es sich hier um das Genre Fantasy handelt, wird die Handlung dann leider allzu phantastisch. Doch es gibt auch Momentaufnahmen, die fabelhaft und wirklich großartig erzählt werden. Gerade die Freundschaft zwischen Kylar und Logan – dieser Bruch ist eine der einfühlsamsten und dramatischsten Szenen, die ich je gelesen habe.

Und wenn wir gerade von Dramatik sprechen: Kylars Unsterblichkeit ist mehr Fluch als Segen, und sein Opfer wird den Leser manches Mal schlucken lassen oder gar zu Tränen rühren. Solche Sensibilität hätte ich dem Autor Brent Weeks nicht zugetraut, erzählt er doch die Geschichte eines Berufsmörders, auch wenn dieser eigentlich ein recht guter Kerl ist.

Erfrischende Momente präsentiert uns Vi, ebenfalls eine tragische, geläuterte Figur mit ebenfalls mächtigem, magischem Potenzial. Hinter Klostermauern, und dann noch bei der Unterrichtung von Zaubern, ist ihr nicht wirklich wohl. Sie sehnt sich nach Kylar, in den sie sich auch ohne die magisch bindenden Ringe verliebt hat. Als Elene später noch im gleichen Kloster einquartiert wird, ist das Liebeschaos perfekt.

Dramatisch und vor allem actionreich geht es zu, wenn sich auf dem Schlachtfeld die verschiedenen Staaten mit ihren Armeen einfinden. Hier haben alle Beteiligten ein Wörtchen mitzureden, und neben viel Zauber wird natürlich auch mit konventionellen Waffen gekämpft.

„Jenseits der Schatten“ von Brent Weeks lebt von einer konzentrierten und schweren Tragik. Kylar und Durzo, nein, eigentlich jeder der Charaktere muss Opfer bringen, manche schweren Herzens. Andere hingegen verschreiben sich einer Sache, die größer und wichtiger ist als sie selbst.

Das ist genau der Mittelpunkt und die Botschaft der Geschichte, die Brent Weeks hervorragend vermittelt. Manchmal zwischen den Zeilen, manchmal kann man nur interpretieren oder Vermutungen anstellen. Doch hier dreht sich am Ende alles um Liebe, Vertrauen und darum, dass das eigene Schicksal, gemessen an den vielen anderen Leben, ein Staubkorn im Wind sein kann, der Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Orkan auslösen kann.

Fazit

Trotz der übertriebenen magischen Momente in „Jenseits der Schatten“ ist der vorliegende Roman absolut zu empfehlen.

Die ganze Schatten-Trilogie, wie sie untertitelt ist, übertrifft die Erwartungen und reiht sich als Perle in die Reihe aktueller Fantasyromane ein.

Brent Weeks erschuf mit Kylar und Durzo Charaktere, die man gerne wiedersehen möchte und an deren Schicksal man aktiv teilnimmt. Hier wird getötet, geopfert, geliebt, es werden Fehler begangen und großartige Ziele verfolgt. Und wenn eine Saga Helden hervorbringt, die menschlicher nicht sein können, dann ist dies genau hier passiert.

„Jenseits der Schatten“ ist der Abschluss einer bald legendären Trilogie und hoffentlich nur der Auftakt zu weiteren Abenteuern mit den gleichen oder auch anderen Charakteren dieser Fantasywelt.

Tauchen Sie „Jenseits der Schatten“ ein, es wird Sie in eine Tiefe reißen, aus der Sie gar nicht mehr entkommen wollen.

Taschenbuch: 699 Seiten
Originaltitel: Beyond the Shadows (Night Angel 3)
Übersetzung: Hans Link
ISBN-13: 978-3442266302

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Terry Pratchett – Der Club der unsichtbaren Gelehrten (Lesung)

Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ wächst und gedeiht. Wagt man in einer beliebigen Buchhandlung den Blick ins Fantasyregal in der Hoffnung, dort vielleicht einen der Scheibenwelt-Romane zu finden, wird man schier erschlagen von der Masse der versammelten Pratchett-Werke. Ein Grund, warum mancher vor dem Kauf scheuen könnte – denn wo ist der Anfang? Pratchett verspricht jedem Leser, an jedem Punkt einen Blick auf seine Scheibenwelt wagen zu können, ohne Vorwissen aus anderen Romanen mitbringen zu müssen. Schon das ist ein Kunststück für sich. Davon abgesehen ist die Scheibenwelt eine Schöpfung ohne Gleichen, die jede Beachtung mehr als verdient und mit jedem Roman, jeder Facette grandios unterhält.

Der Fußball. Die Bewohner der Scheibenwelt erfinden ihn neu, während sie ihn traditionell spielen. In den Tiefen der Unsichtbaren Universität bahnt sich ein katastrophaler Einbruch im Haushalt an, als Professor Stibbons herausfindet, dass ein Großteil des Geldes aus einem Fonds stammt, der an die Tradition des Fußballs an der Universität gebunden ist. Da die Zauberer schon lange Jahre kein Spiel mehr gespielt haben, droht der Rückzug der Fördergelder und damit ein radikaler Einschnitt in die Lebens- und vor allem Essgewohnheiten der Zauberer.

Man sucht also händeringend nach einem adäquaten Trainer für das völlig unsportliche Team der Universität, während Herr Nutt, der Kerzentropfer aus den Kellergewölben, mit seinem Freund Trevor Lightley die ersten Erfahrungen im Umgang mit Fußballfans und anderen Menschen im Allgemeinen macht. An Nutt offenbaren sich ständig neue Stärken und verborgene Talente, er überflügelt in einer Diskussion sogar den ehrgeizigen Zauberer Ponder Stibbons mit seinen philosophischen Erläuterungen und hindert einen brutalen Fußballproleten an Mord und Totschlag. Als sich herausstellt, dass Nutt einer der als ausgerottet geltenden Orks ist, gerät Ankh Morpork in hellen Aufruhr …

In der universitären Nachtküche zaubert Glenda Zuckerbohne Pasteten höchster Vollendung und versucht, ihre lebensuntaugliche Freundin Juliet, das neue Haushaltsmädchen, bei dem selbst die zölibatären Zauberer Stielaugen bekommen, vor den Annäherungsversuchen Trevors zu bewahren, den sie als Schwerenöter kennt. Sie bekommt ihre liebe Not, denn eine trendige Zwergenmodedesignerin wird auf Jules aufmerksam und engagiert sie mit einem künstlichen Bart als Model für ihr Label.

Und über allem droht die Unfähigkeit der Zauberer, die Brutalität des Pöbels und die schicksalhafte Begegnung mit Herrn Nutt, die Traditionen und den Fußball verhängnisvoll zu verändern …

Zwar ist der Fußball Anlass dieser Geschichte und zwar spielt er eine recht große Rolle (so entwickeln die Zauberer aus dem illegalen Straßenkicken gegen einen mit Leder umwickelten Holzklotz bei billigen fettigen Pasteten und ohne Blickkontakt zum Spiel für die meisten Zuschauer), doch der eigentliche Gegenstand ist eine Liebesgeschichte, ein unerkannter Ork und die erneute grandiose Charakterisierung der Zauberer. Das sind nämlich ein Haufen alter Säcke, die keine Ahnung von nichts haben und auch nichts mit sich und ihrer Zeit anzufangen zu wissen scheinen, abgesehen von regelmäßigen, häufigen und ausgiebigen Mahlzeiten bei reich gedeckten Buffets jeglicher Ausrichtung. Der Fußball rückt ihnen nur ins Bewusstsein, weil all ihre Annehmlichkeiten (nämlich die Mahlzeiten) aus einem Fonds finanziert werden, der an eine Bedingung geknüpft ist: Mindestens einmal alle zwanzig Jahre ein Fußballspiel zu bestreiten.

Der Vorleser Boris Aljinovic, der sich aufgrund der Geschichte vor allem mit den Stimmen älterer Männer beschäftigen muss, macht einen sehr guten Job, obwohl man im Verlauf der ersten CD manchmal den Eindruck gewinnt, er würde einen Charakter doppelt belegen – so meint man im Erzkanzler Ridcully den Kerzenknappen Trevor Lightley wiederzuerkennen, wobei Letzterer bei einem Aufeinandertreffen der beiden mit einer plötzlich höheren Stimme belegt und dadurch unkenntlich gemacht wird. Es bleibt aber bei diesem einen Fall, im weiteren Verlauf pegelt sich Aljinovic auf jeweils eigenständige Charakterisierungen mit Wiedererkennungswert ein, die auch dem entsprechenden Protagonisten gerecht wird. So bekommt beispielsweise Nutt eine recht hohe, zurückhaltende Stimme mit intellektuellem Touch, während Trevor einen leicht verwaschenen, schwammigen Ausdruck bekommt, der seinen Stand und seinen Umgang mit den Straßenbanden im Fußballfieber verdeutlicht.

Neben den Zauberern, die in ihrer fast unbeschreiblichen Art ein bedeutendes Charisma ausstrahlen, ist Natt ein Hauptinteresseträger der Geschichte. Hier drückt Pratchett auch die nächste Fantasygattung, den Ork, auf seine Scheibenwelt und wirft ein Schlaglicht auf seine Entstehung, seine Geschichte und die Problematik seiner Existenz. In diesem Zusammenhang nimmt die Geschichte eine gewisse Ernsthaftigkeit an, als eine filmähnliche Sequenz von wenigen Sekunden Länge Zeugnis von der Rolle der Menschen bei den brutalen und unbeschreiblich blutrünstigen Kriegen der Orks ablegt und sie als Sklaventreiber offenbart. Damit erhalten die verfolgten Orks auf der Scheibenwelt eine zukünftige Chance, sich zu einem eigenen Volk ohne die Klischeebehaftung als Kopfabreißer zu entwickeln. Nutts Rolle hierbei ist noch nicht beendet – ein interessantes Detail ist seine Begegnung mit dem immer wieder auftauchenden Tod, der Nutts Lebensuhr neu stellt.

Trevor ist der Sohn des Fußballidols aller Fans, der brutal nach einem Spiel ermordet wurde. Er schwor seiner Mutter, dem Fußball zu entsagen, doch vor allem seine unerwartete Romanze, die dem Roman eine auf witzige Weise seicht kitschige Note verleiht, bringt ihn doch ins Team der Zauberer. Und mit Glenda wirkt noch eine resolute junge Frau mit einem großen Herz (und einer herausragenden Qualität in der Küche) mit am Glück des jungen Paares wie auch am Glück der Stadt, der Universität und der Orks, insbesondere Natts.

Es ist also ein pratchetttypisch vielschichtiger Roman, dessen absurde Zusammenhänge, überhaupt die schrägen Entwicklungen, mehr das Charisma der Scheibenwelt transportieren als die Handlung an sich, die trotz des geringen Umfangs schwer in wenige aussagekräftige Worte zu fassen ist, da sie eigentlich recht banal anmutet. Der Fußball ist zwar der Fußball und mag damit für den einen oder anderen Leser abschreckend wirken, doch zumindest in der für das Hörbuch bearbeiteten Fassung überwiegt das Pratchett-Flair mit seinem Witz und seiner ausufernden Skurrilität.

6 Audio-CDs mit 420 Minuten Spieldauer
Deutsch von Gerald Jung
Originaltitel:
Unseen Academicals
ISBN-13: 978-3837104028
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Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

L. Sprague De Camp , P. Schyler Miller – Die neuen Herrscher (Utopia Classics 13)

Das geschieht:

Auf einer Busfahrt durch den US-Staat Pennsylvania werden 28 Menschen gänzlich unterschiedlicher Herkunft während einer Tunnelfahrt Opfer eines Autounfalls. Einer der Passagiere transportierte im Gepäck ein neu entwickeltes Gas, das beim Aufprall entweicht und alle Insassen in eine Art Winterschlaf versetzt, der mehr als eine Million Jahre dauert.

Als sie erwachen und sich zur Oberfläche durchkämpfen, finden sich die Männer und Frauen auf einer gänzlich veränderten Erde wieder. Unberührte und schier unendliche Wälder umgeben sie, und bewohnt werden diese von seltsamen Kreaturen. Riesen-Fledermäuse, bärengroße Nagetiere oder halbintelligente Ratten sind immerhin friedlich, während groteske Räuber schnell die Anzahl der überraschten und entsetzten Neuankömmlinge vermindern.

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John Scalzi (Hrsg.) – Metatropolis

Dieses Buch ist kein Roman. Das ist an sich schon eine recht seltene Form von in Deutschland veröffentlichter Literatur aus Übersee, finden wir in den Buchhandlungen doch vorwiegend backsteinähnliche Klopper von über 500 Seiten Umfang. Nein, dieses Buch hat zwar immerhin 416 Seiten, doch tummeln sich darauf der Autoren ihrer fünf, die sich den Platz für jeweils eine – Kurzgeschichte? Nein, eher Novelle – teilen.

Eine Anthologie also. Typischerweise versammeln sich in Anthologien die Geschichten einiger Autoren, möglicherweise sogar zu einem Thema, doch meist völlig zusammenhanglos. Auch hier macht „Metatropolis“ einen Unterschied: Das Autorenteam entwarf gemeinsam eine utopische Welt, der sie jeweils eigene Facetten durch ihre eigene, von den anderen unabhängig lesbare Geschichte verliehen. Das Gesamtergebnis ist nicht nur eine Sammlung, sondern ein zusammen gewachsenes Ganzes mit fünf spektakulären Blickwinkeln.

Jay Lake, in Deutschland bis dato nicht weiter bekannt, doch von John Scalzi in gleicher Weise wie die anderen Kollegen hochgelobt, erzählt von einer unsichtbaren Stadt, deren Bewohner „ausgestiegen“ sind und sich weitgehend ohne energetische Hilfsmittel bewegen. So sind sie auch für Satellitenüberwachung unsichtbar, zumal sie ihre Hauptarbeitszeit in den dunklen Stunden der Nacht haben. Es sind die hellen Köpfe, die sich hier versammeln und versuchen, ein „footprint-neutrales“ Leben zu entwickeln, um der Menschheit zu retten, was vor einem endgültigen Kollaps noch zu retten ist. In dieser Stadt, Cascadia, die entlang Amerikas Westküste wie eine Kaskade verläuft, finden sich die meisten der revolutionären Techniken, die zwar OpenSource darstellen, von den Vertretern des Kapitals aber unzugänglich gehalten/gemacht werden sollen. Lake berichtet von der Tragödie, die ein paar unabhängige Agenten des Kapitals nach Cascadia verschlägt, wo sie von ihrem Charme belegt werden oder ihr auch ihr Charisma aufprägen, bis sie miteinander und den Zielen konfrontiert werden.

Mit wenigen Worten streut Lake ein blühendes Bild der entworfenen Gesellschaft wie auch der Landschaft, der „grünen“ Stadt, in die Fantasie des Lesers. Er nutzt den knappen Raum und ergeht sich nie in weitschweifigen Erklärungen oder Darstellungen. Zentrum seiner Geschichte sind zwei Protagonisten und ihr menschliches Umfeld, wobei Lake zu einem Mittel greift, was ihm eine Raffung mancher Geschehnisse erlaubt: Auszüge aus Chroniken und Abhandlungen geben den anderen Abschnitten, in denen die Geschichte live erzählt wird, einen tieferen Hintergrund und bereiten das richtige Verständnis beim Leser vor. Umso erstaunlicher ist, wie menschlich die Charaktere in Erinnerung bleiben, selbst wenn die folgenden vier Geschichten mit ihrem eigenen Flair den ersten Eindruck überpinselt haben.

Lakes Geschichte „In den Wäldern der Nacht“ ist ein wunderschöner Einstieg in diesen Band, auch wenn er sich einem Blickwinkel widmet, der in den folgenden Geschichten nur knappe Erwähnung findet – doch vielleicht macht es ihn gerade deshalb so wichtig und bietet den ersten Hintergrund für alles Kommende.

Tobias S. Buckell hat bereits einige Romanübersetzungen nach Deutschland geschafft (falls es für englischsprachige Literatur als Erfolg gilt, ins Deutsche übersetzt zu werden). Er bringt zwei neue Aspekte in das Gesicht dieses Entwurfs ein: Die vertikalen Farmen und das Insten. In seiner Geschichte erfährt man, dass große Häuser, Wolkenkratzer und Ähnliches, zu teuer und zu energieaufwändig sind in diesen Zeiten der Energieknappheit. Um trotzdem mit den vorhandenen Bauwerken etwas anfangen zu können, sollen sie als „Farmen“, als Ackerland umgestaltet und nutzbar gemacht werden – ein übermenschliches Projekt. Hieraus entsteht das „Raumschiff Detroit“, wie der Titel Buckells Geschichte ist. Das Insten ist eine in alle Belange der Dienstleistung verbreitete Form der Auftragsvergabe, die Buckell an den unterschiedlichsten Beispielen beschreibt – sei es nun, dass man ein Paket an eine Straßenecke legt und jemand mit der gleichen Richtung nimmt es ein Stück mit und wird dafür bezahlt, oder man organisiert Aufstände oder Observationen, ohne dass die Auftragnehmer dafür zu belangen sind, da sie zum Beispiel „einfach nur an einer Kreuzung stehen und immer, wenn ein Streifenwagen vorbei fährt, eine SMS an eine bestimmte Nummer schicken“.

Buckell beschreibt anschaulichst die Möglichkeiten mit geinsteten Armeen oder Aufständischen, wenn ein gutes Organisationstalent alle Fäden in der Hand hält. Doch er macht auch auf die moralischen Probleme aufmerksam, die sich hieraus entwickeln. Die Geschichte selbst ist eine Art Heldengeschichte, denn der Protagonist, obwohl durch widrige Umstände am Ende der Gesellschaftsleiter, ist ein Profi und Genie in dem, was Buckell für ihn vorgesehen hat …

Elizabeth Bear ist die Dritte im Bunde und ebenfalls im deutschen Sprachraum unbekannt. Ihr Beitrag wirft allerdings die Frage auf, wieso das so ist.

Sie schickt die einzige Protagonistin ins Rennen, eine charmante Frau mit Dreadlocks und einem schnellenden Mittelfinger, die flott mit dem Fahrrad unterwegs ist, um ihre Tochter zu retten. Bear entwirft eine urbane Subkultur mit Erkennungsmerkmalen, die sie einander zugehörig machen und unabhängig von der öffentlichen sozialen Schicht je nach Leistungen für das gemeinsame Projekt mit entsprechendem Zugang zu den Mitteln der Gruppierung ausstatten. Es ist eine angenehme Erzählung über die Hoffnung, die Gestaltung einer Kultur, die auf Vertrauen basiert und in der jeder zum Wohl der Allgemeinheit Zeit und Energie investiert, wofür er mit Vertrauenspunkten belohnt wird, die ihn in der Kultur quasi aufsteigen lassen. Ein Utopia findet die Protagonistin, allerdings eines, für das es sich zu kämpfen lohnt, denn „Das Rot am Himmel ist unser Blut“ …

John Scalzi selbst widmet sich als Herausgeber, wie er im Vorwort zu seinem Beitrag schreibt, der Aufgabe, zwischen den einzelnen Beiträgen zu kitten, das heißt, ein Loch zu finden, das es noch gilt zu stopfen. Und so nimmt er sich einer einfachen Szenerie an, die mit dem Start eines normalen Jungen in das Berufsleben einer der abgeschotteten Städte beginnt. Hier geht es um Systeme, um die Vor- und Nachteile des Abriegelns, um die Selbstbestimmung und Freiheit. Der Titel ist, wie er selbst kritisiert, kaum auszusprechen, doch „Utere nihil non extra quiritationem suis“ ist so aussagekräftig und erfasst einen Aspekt der neuen Gesellschaften sehr genau, die mit verbesserten Strukturen den Energiemangel auszugleichen angehalten sind: „Nutze alles außer dem Quieken“ – hier bezogen auf Schweine, die gentechnisch soweit verändert sind, dass sie außerordentlich produktiv sind – in jeglicher Hinsicht, wie der Protagonist schmerzlich erfahren muss.

Scalzi erzählt auch, dass es bei abgeschotteten Systemen immer jemanden gibt, der die Informationen zum Allgemeingut machen will – und ebenso, dass auf dieser Revolte gegen die Exklusivität auch stets solche mitreiten, die aus der Sache persönlichen Nutzen ziehen wollen.

Karl Schroeder schwappt derzeit mit einer Romanserie über den großen Teich, in der er selbst eine grandiose Zukunftsgesellschaft entwirft. Auch für Metatropolis hat er laut Scalzi einen Großteil der Ideen beigesteuert, und Scalzi schwärmt in seinem Vorwort zu dieser abschließenden Geschichte „Ins ferne Cilenia“ von einer Bewusstseinserweiterung, an der Schroeder den Leser teilhaben lässt.

Hier geht es um eine ganz andere Form der Stadtentwicklung: Über ARGs, Alternate Reality Games, bildeten sich nicht nur Städte, sondern gar nationsähnliche Gebilde, deren Mitglieder in der zugehörigen Zukunft sogar die Staatsbürgerschaft ihrer „realen“ Staaten ablehnten, weil sie sich anderen Gemeinschaften, die sich über die Kultur, Sozialität und Wirtschaft von onlineunterstützten Spielwelten definieren, stärker verbunden fühlten. Schroeder entführt den Leser in eine umso fremdartigere Welt, als deren Bewohner zwar in realen Städten wie Stockholm „anwesend“ sind, sich durch Overlaybrillen, die sowohl Gegenständen, Häusern und Personen neue Texturen verleihen, beziehungsweise auch Dinge und Personen einblenden, die vielleicht auf der anderen Seite der Welt weilen, jedoch auf einer anderen Realitätsebene befinden und dort engagieren. Und was wäre eine dieser Welten über der Welt, wenn es nicht noch Unterstufen davon gäbe, die verwirren könnten, wenn nicht ein Karl Schroeder ihnen faszinierendes Leben einhauchen würde?

Allen Geschichten zu eigen ist ein ungewöhnlicher Charme, der den Leser sofort in seinen Bann schlägt und nicht wieder entlässt, bis der nächste Erzähler sich zu Wort meldet und seine eigene Epiphanie verbreitet. Es ist ein dünnes, schnelllesiges und fantastisches Buch, das gerade durch die Gemeinsamkeiten der grundlegenden Dinge gewinnt, ebenso wie durch die verschiedenen Blickwinkel über die verschiedenen Schriftsteller und ihren jeweiligen Stil. Scalzi schreibt, dass es ursprünglich als Hörproduktion verfasst wurde, doch es ist ohne Frage eine Produktion, die auch selbst sehr überzeugend lesbar ist. Projekte dieser Art sind gerade in Deutschland ein seltener Genuss, den man aber jedem Leser warm ans Herz legen muss!

Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel:
Metatropolis
Deutsch von Bernhard Kempen
ISBN-13: 978-3453526846

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Moning, Karen Marie – Im Reich des Vampirs

_MacKayla-Lane-Serie:_
Band 1: [Im Bann des Vampirs]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4598
Band 2: _Im Reich des Vampirs_

In Disneyfilmen sind Feen niedliche kleine Wesen mit glitzernden Flügeln und guten Absichten. Die amerikanische Autorin Karen Marie Moning ist da allerdings anderer Ansicht. In ihrer Reihe um die Sidheseherin Mac sind Feen düstere, bösartige Kreaturen, die es nicht gut mit den Menschen meinen. Im zweiten Band der unbetitelten Serie, „Im Reich des Vampirs“, kämpft sie erneut gegen böse Feen, die Unseelie, die Dublin erobern wollen.

_Seit Mac, eigentlich_ eine typische Amerikanerin, nach Irland gekommen ist, um den Mörder ihrer Schwester zu finden, hat sich einiges in ihrem Leben geändert. Sie hat erfahren, dass sie keine normale junge Frau ist, sondern übernatürliche Wesen sehen und bekämpfen kann. Sie muss mit Jericho Barrons, einem düsteren, geheimnisvollen Mann, zusammenarbeiten und ihm bei der Suche nach Feenobjekten helfen. Statt Make-Up und farbenfrohen Klamotten haben plötzlich andere Dinge Priorität.

Sie muss das Sinsar Dubh suchen, ein sagenumwobenes Buch, das seinem Besitzer sehr viel Macht verleiht. Sollte es in die falschen Hände gelangen, kann es das Ende der Menschheit bedeuten. Die falschen Hände sind in diesem Fall der Lord Master, der Mörder von Macs Schwester und Anführer der immer zahlreicher werdenden Unseeliescharen in Dublin, und der Vampir Mallucé. Macs Mitkämpfer Jericho Barrons hat ebenfalls starkes Interesse an dem Buch, doch wieso? Und wer oder was ist er überhaupt? Er kann, anders als normale Menschen, die Feen sehen, doch er ist kein Sidheseher. Welches Spiel spielt er?

_“Im Reich des_ Vampirs“ hat einen Vorteil gegenüber seinem Vorgängerband: Die Verwandlung Macs von einem Püppchen in so etwas wie eine Kämpferin. Die Sidheseherin nimmt allmählich Konturen an, auch wenn sie ihre Vergangenheit nie ganz los wird. Stellenweise wirkt sie immer noch sehr naiv und einfach gestrickt, vor allem, sobald ein attraktives männliches Wesen im Raum ist. In solchen Situationen spart die Autorin kein Detail aus, doch wirklich erotisch ist das nicht, sondern häufig eher unnötig unterwürfig und ein bisschen albern.

Auch wenn sich dieses Buch weiterentwickelt – im Grunde ist es ein Frauenroman. Da helfen auch die fantastischen Wesen nicht, die Dublin bevölkern. Die Seelie und Unseelie bleiben von ihrer Beschreibung her eher blass, auch wenn die Autorin gute Ansätze vorzuweisen hat. Die verlassenen Stadtviertel in Dublin, die von Straßenkarten verschwinden, um Unseelie zu beherbergen, zum Beispiel. Detailliertere Beschreibungen und etwas mehr Mysteriösität hätten der Geschichte gut getan, denn die Handlung selbst plätschert streckenweise seicht vor sich hin.

Sie ähnelt dabei der ihres Vorgängers. Die Suche nach Feenrelikten geht weiter, während der sich Mac immer wieder mit finsteren Gestalten herumschlagen muss. Zu Barrons, dessen Absichten sie noch immer nicht ganz durchblickt hat, gesellen sich dieses Mal weitere Akteure mit ganz eigenen Intentionen. Dadurch entsteht ein stärkeres Beziehungsgeflecht. Die weiteren Sidheseherinnen, die Mac in diesem Buch kennenlernt, versuchen sie auf ihre Seite zu ziehen, indem sie Zweifel über Jericho Barrons Absichten säen. Mac kann nun niemandem mehr richtig vertrauen und hat das Gefühl, der Spielball verschiedener Mächte zu sein. Dadurch kommt etwas Spannung auf, doch die Suche nach weiteren Relikten zieht die Geschichte in die Länge.

Dennoch: Flüßig geschrieben ist das Buch. Es lässt sich leicht und schnell lesen. Die Gefühle und Gedanken der aus der ersten Person erzählenden Hauptperson werden anschaulich dargestellt und lockern die Geschichte auf. Negativ fällt allerdings der mädchenhafte Ton der Autorin auf, der gut zu ihrer Protagonistin passt, dem Leser aber manchmal auf die Nerven geht.

_“Im Reich des_ Vampirs“ ist zwar spannender als „Im Bann des Vampirs“ und weniger barbiehaft. Trotzdem wird die Geschichte nicht jedem gefallen. Die mädchenhafte Protagonistin und die doch eher oberflächliche Fantasy sind eher etwas für Leute, die mit dem Fantasygenre ansonsten nicht viel anfangen können und mehr Wert auf eine sympathische Protagonistin legen.

|Taschenbuch: 354 Seiten
Originaltitel: |Bloodfever|
Deutsch von Ursula Walther
ISBN-13: 978-3548266022|
http://www.ullstein-taschenbuch.de

_Karen Marie Moning beim Buchwurm:_
[Der unsterbliche Highlander]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5227

Cabot, Meg – Eternity

_Es ist einfach nicht_ Meena Harpers Tag. Morgens geht sie noch voller Vorfreude zur Arbeit, die Beförderung zur Head-Autorin der beliebten Fernsehserie „Eternity“ ist so gut wie sicher. Auf dem Weg zum Sender lernt sie im Zug die bildhübsche Yalena kennen. Was daran den Tag verderben kann: Meena weiß, dass Yalena bis zum Ende der Woche tot sein wird. Meena hat die Gabe, den Tod anderer Menschen voraussagen zu können. Keine schöne Gabe, vor allem da ihr kaum jemand glaubt und sie oft als Spinnerin verspottet wurde. Lediglich ihr Bruder und ihre beste Freundin wissen daher um die Gabe und vertrauen Meena.

Auch im Büro wird es für Meena nicht besser. Die so sichere Beförderung zur Head-Autorin platzt, nicht sie, sondern das Party-Girl Shoshona wird befördert, ausgerechnet die Person, die bisher alle Arbeit durch Meena hat machen lassen. Eine Nacht mit dem Produzenten sowie verwandtschaftliche Beziehungen haben Shoshona den Weg geebnet. Doch nicht nur das treibt Meena zur Verzweiflung, auch verlangt Shoshona, dass künftig Vampire in der Serie „Eternity“ einen festen Platz bekommen sollen. Meena kann nur denken: „Ausgerechnet Vampire“ und versucht den Produzenten von dieser, ihrer Meinung nach hirnrissigen Idee, abzubringen. Ohne Erfolg, auch der Produzent ist von Shoshonas Idee angetan.

Am Abend kehrt Meena wütend in ihre Wohnung zurück, im Kopf allerdings schon die Idee, wie sie den Vampiren in Eternity schnell den Garaus macht, die Figur des Vampirjägers nimmt schon Gestalt in ihrem Kopf an.

Schlafen kann Meena nur sehr schlecht und so geht sie nachts noch mit ihrem Hund Jack Bauer eine Runde spazieren. Als sie an einer verfallenen Kirche vorbeikommen, werden Meena und Jack Bauer plötzlich von einem riesigen Schwarm Fledermäuse angegriffen. Gerade als Meena sich schützend über ihren Hund wirft, kommt ein geheimnisvoller und sehr attraktiver Fremder und beschützt Meena vor den angreifenden Fledermäusen. Der Fremde stellt sich als Lucien vor und begleitet Mena noch bis zu ihrer Wohnung, danach ist er verschwunden. Am nächsten Morgen ist Meena nicht sicher, ob sie geträumt hat oder das ganze Wirklichkeit war.

Tags darauf lernt Meena Lucien dann noch mal kennen, auf einer Party ihrer Nachbarin Mary Lou und sie beginnt, sich sehr für den gutaussehenden und charmanten Lucien zu interessieren.

Weiter im Plan den Vampir, der nun in „ihrer“ Serie spielen soll, umkommen zu lassen, ist sie mehr als überrascht, als am folgenden Tag ein Mann in ihre Wohnung eindringt und behauptet, ein eben solcher zu sein! Was aber noch schlimmer ist, er behauptet, dass ihr Lucien der Sohn von Dracula ist. Meena, die die Nase von Vampiren und Co. mehr als voll hat, glaubt dem Vampirjäger Alaric kein Wort. Vampire gibt es nicht … oder doch?

_Kritik_

Mit „Eternity“ hat Meg Cabot ihren ersten Roman im Genre der Romantic Fantasy geschrieben. Mit ihrem aus mittlerweile 40 Büchern bekannten humorvollen und leicht zu lesenden Schreibstil zieht die Autorin den Leser in den Bann. Auch wenn das Genre Romantic Fantasy für die Autorin Neuland sein dürfe, bewegt sie sich in diesem wie ein alter Hase. Sie hat das Gespür für das, worauf es ankommt.

Der Roman ist in verschiedene, anfangs recht kurze Kapitel unterteilt. In diesen lernt man das Leben der unterschiedlichen Charaktere Meena, Lucien und Alaric kennen und bekommt auch eine Ahnung was diese bewegt und welches Ziel die Protagonisten verfolgen. Die Ziele der Gegenspieler bleiben dabei erst einmal unklar, was der Spannung sehr zu Gute kommt.

Sehr geschmackvoll wird auch die Liebesbeziehung von Meena und Lucien beschrieben, auf allzu intime Sexszenen wird verzichtet und der Leser gelangt nur bis zur Schwelle des Schlafzimmers. Dieses ist eine sehr angenehme und nicht weniger erotische Abwechslung zu den üblichen Romanen dieses Genres.

Die Umgebung und die Orte der Handlung werden plastisch beschrieben. Auch die jeweiligen Stimmungen passen gut ins Bild und harmonieren mit den Ereignissen, die gerade stattfinden. Der Leser findet sich so leicht in die Geschichte ein und nimmt die Geschichte reell wahr.

Die Spannung baut sich in der Handlung in kurzen aber intensiven Abschnitten konstant weiter auf, sodass die Charaktere sich immer tiefer dem Ende entgegen entwickeln können. Gegen Ende des Romans wird es dem Leser immer mehr bewusst, dass das Finale sich gleich in einem Feuerwerk entlädt.

Die Figurenzeichnung in „Eternity“ ist psychologisch vielfältig. Das zeigt sich vor allem darin, dass die Autorin ihren Protagonisten mit viel Feingefühl, eine breite Bühne gibt, um sich zu entwickeln und sich damit für einen Fantasy Roman auch glaubhaft zu präsentieren.

Meena, eine junge Frau, die Autorin der erfolgreichen Fernsehserie „Eternity“ ist, fühlt sich in der paranormalen Welt nicht besonders wohl. Als bodenständige Frau ist sie äußerst skeptisch, was übernatürliche Wesen angeht. Sie selbst allerdings trägt ihr eigenes Geheimnis, was für sie mehr Fluch als Segen bedeutet. Sie hat die „Gabe“ den natürlichen wie auch unnatürlichen Tod bei ihren Mitmenschen zu erkennen. Somit erkennt sie, ohne es wirklich zu wollen, dass ihr Gegenüber dem Tode geweiht ist. Dass die sensible junge Frau nur schwer mit dieser Verantwortung umgehen kann, versteht sich von selbst. Wer möchte schon jemanden kennenlernen, der fröhlich und höflich auftritt, und ihn wenig später auf möglichst vorsichtige Art und Weise vor dem Tod warnen? Was Meena verwirrt, ist, dass sie in der Gegenwart Luciens nichts, aber auch wirklich gar nichts Außergewöhnliches wahrnehmen kann.

Die weiteren Charaktere sind ebenfalls vielschichtig und interessant gezeichnet. Jeder Figur kann der Leser die erzählte Geschichte abnehmen, und da sich die Hauptpersonen weiterentwickeln und auch aus dem Geschehen lernen, wirkt das Ganze sehr glaubwürdig und realistisch.

Die Gestaltung der Covers ist sehr ansprechend gelungen, auf schwarzem Hintergrund sieht der Leser eine Frau, die ein Abendkleid trägt. Dieses wirkt schon durch die Farben Schwarz und Blutrot sehr ansprechend. Den Hintergrund verzieren ebenfalls schwarze, verschlungene Ranken, die durch Spotlack hervorgehoben werden. Der Titel und der Name der Autorin sind farblich hervorgehoben.

_Fazit_

Meg Cabot schafft es in „Eternity“ die bekannten Elemente der Romantic Fantasy neu zu mischen und es kommt eine sehr originelle und unterhaltsame Story dabei heraus. Sie erfindet das Genre nicht komplett neu, schafft es aber trotzdem dem Leser in Erinnerung zu bleiben.

Mit viel Humor und Sarkasmus, einer schönen Liebesgeschichte mit einem überraschenden Ende und einer gehörigen Portion Spannung schafft es die Autorin eine Geschichte zu entwickeln, die nicht nur Vampirfans begeistern wird.

Ich habe diesen Roman verschlungen und hoffe sehr auf eine Fortsetzung, das Ende spricht doch sehr dafür.

_Autorin_

Meg Cabot (* 1. Februar 1967 in Bloomington, Indiana; eigentlich Meggin Cabot, Pseudonyme auch Jenny Carroll und Patricia Cabot) ist eine US-amerikanische Autorin und Illustratorin.

Cabot arbeitete nach ihrem Philologiestudium zunächst als Illustratorin, bevor sie unter dem Pseudonym Patricia Cabot einige historische Frauen-Romane schrieb. Inzwischen hat Meg Cabot mehr als 40 Romane verfasst, darunter die erfolgreiche Jugendbuch-Reihe „Plötzlich Prinzessin“. Die Bücher „Plötzlich Prinzessin“ sowie „Power, Prinzessin!“ wurden beide vom Regisseur Garry Marshall unter den Titeln „Plötzlich Prinzessin“ und „Plötzlich Prinzessin 2“ verfilmt. Meg Cabot heiratete in einem kleinen Dorf in Italien und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Katzen in New York City und Florida. (Quelle Wikipedia)

|Broschiert: 512 Seiten
Originaltitel: Insatiable
ISBN-13: 978-3764503772|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

_Nadine Warnke_

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Testakte Kolibri (Weltraumpartisanen – Band 7)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 5: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 6: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636

_Band 7: Testakte Kolibri_

Als der |Herder|-Verlag Anfang der Siebziger eine kleine Jugend-SciFi-Reihe von drei bis vier Bänden bei Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) in Auftrag gab, war der Erfolg keineswegs absehbar. Dieser brachte unter seinem Pseudonym „Mark Brandis“ bis 1987 insgesamt 31 Bände der Weltraumabenteuerserie mit dem gleichnamigen Helden unters begeisterte Volk. Das heißt, ein 32. Band („Ambilvalente Zone“) wurde in seinem Todesjahr via |Books on Demand| veröffentlicht, hat aber – bis auf einige Eckpunkte – auch kaum noch etwas mit der eigentlichen Figur gemein.

Schon lange Zeit vor diesem eher umstrittenen Revival war es still um die deutsche Kultserie geworden. |Bertelsmann| machte sich seit Bestehen der Reihe zwar zwischenzeitlich immer wieder mal an einen Aufguss der ursprünglichen Serie mittels Doppelbänden, welche teils über den hauseigenen Buchclub vertrieben wurden, stellte die Versuche aber im Jahr 2000 endgültig ein. 2008 nahm sich der |Wurdack|-Verlag dem Kleinod mit dem gebührenden Ernst an und präsentiert seither jedes Quartal je 2 Bände als broschierte Sammlerausgabe mit frischer Aufmachung.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Usurpator Smith, der sich im Jahr 2069 an die Macht putschte (vgl. Band 1 bis 4), ist Geschichte. Nicht zuletzt auch durch den tüchtigen Einsatz von Commander Mark Brandis und des Widerstandes. Die Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA), für die Brandis & Co. ihre Testflüge brandneuer Raumschiffprototypen durchführen, ist längst wieder eine zivile Institution – worauf man dort stolz ist.

_Zur Story_

Die VEGA hat ein Problem mit dem brandneuen Mehrzweckflieger des Typs „Kolibri“. Diese sehr vielversprechende Konstruktion ist in der Lage, sich sowohl im Weltraum als auch in planetarer Atmosphäre sowie unter Wasser bewegen zu können. Dabei ist der mit Atomantrieb ausgestattete Einsitzer höchst agil und entsprechend flink unterwegs. Das prädestiniert die Baureihe geradezu, sie als wertvolle Expeditionsausrüstung für etwaige Forschungsflüge zu unbekannten Planeten mit zu führen. Leider scheint irgendwo in seinen hochentwickelten Eingeweiden der Wurm zu sitzen, und zwar einer, der bereits einigen Testpiloten das Leben kostete. Dabei schlägt er stets unter den gleichen Bedingungen zu, ist aber seltsamerweise trotzdem nicht reproduzierbar.

Erst verhalten sich die Maschinen lammfromm, werden sogar nach einigen Testzyklen jedes Mal komplett auf Herz und Nieren gecheckt, allerdings neigen dennoch einige Triebwerke dazu bei einer Tauchtiefe von exakt 2500 Metern den Dienst zu versagen und sich urplötzlich nicht mehr starten zu lassen. Der jeweilige Kolibri sackt in der Folge entweder durch und wird vom Wasserdruck zerquetscht oder aber sein Pilot aktiviert in letzter Sekunde den Notstarter. Das katapultiert ihn jedoch unweigerlich und auf Nimmerwiedersehen ins All, da dann kurioserweise das Triebwerk gnadenlos auf Vollschub blockiert und sich durch nichts deaktivieren lässt. Es ist wie verhext, doch das Projekt zu wichtig, um es einfach aufzugeben.

Man steht unter Erfolgsdruck, die Versuchsreihe endlich erfolgreich abzuschließen, damit das Modell in Serie gehen kann. Regierung und Presse sitzen der VEGA im Nacken. Mark Brandis ist bekanntlich VEGA-Chef John Harris‘ bester Mann und soll’s „freiwillig“ mal wieder richten. Er wird als Einsatzleiter nach Espiritu Santu beordert, den Fehlerteufel zu ertappen und zu eliminieren. Auf der kleinen Pazifikinsel, von wo aus die Vorserienmodelle getestet werden, steht es, auch Dank des bereits bezahlten Blutzolls, moralisch nicht zum Besten. Zudem gehört die Testcrew auch nicht grade zur ersten Garnitur der VEGA. Nahezu jeder der Piloten hat irgendeinen Knacks weg. Die mysteriöse Unfallserie geht indes munter weiter – auch Brandis selbst macht unliebsame Bekanntschaft mit dem Geist in der Maschine.

_Eindrücke_

Die Geschichte ist ein kleiner Meilenstein innerhalb der Serie, denn die Figur des verwegenen Zigeunerpiloten Grischa Romen betritt erstmals die MB-Bühne. Heute würde man das übrigens wohl so nicht mehr schreiben, da es eigentlich – und nicht nur political correct – Sinti oder Roma heißen müsste. Wie dem auch sei, das etwas naiv-romantische Klischee des heißspornigen, fiedelnden Vagabunden des Alls erinnert irgendwie an Karl Mays Winnetou – auch dort wird dem edlen Weißen (hüben wie drüben mit deutschen Wurzeln) ein nicht minder edler „Wilder“ zur Seite gestellt. Grischa Romens Herkunft sowie seine musikalischen Fähigkeiten werden in vielen weiteren Romanen überdies noch häufiger Thema und nicht selten das Zünglein an der Waage sein, daher sei dieser Umstand hier auch so deutlich hervor gehoben.

Scheinbar hatte NvM nicht nur eine besondere Vorliebe für den Volksstamm aus der Puszta, sondern auch eine starke Aversion gegen Rassismus und diverse Vorurteile, gegen die er permanent anschreibt. Dabei bedient er sich grade für seine Hauptfigur ebensolcher, nämlich der allgemein als „typisch deutsch“ angesehenen Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Gründlichkeit, Besonnenheit und ein gewisser Hang zur überzogenen Selbstkritik. NvM nennt Mark Brandis in seinen Büchern gelegentlich den „verdammten Preußen“, womit er sich eigentlich selbst charakterisiert, denn Autor und Figur sind fast untrennbare Zwillinge. Die verwendete Ich-Form passt daher sehr gut ins Gesamtbild. Auch wenn Brandis‘ teutonische Tugendhaftigkeit manchmal etwas moralisierend und over the top wirkt, so ist die Figur nicht minder sympathisch.

_Achtung: Spoilerwarnung!_

NvM behauptete stets kein richtiger SciFi-Autor zu sein. „Testakte Kolibri“ legt beredt Zeugnis darüber ab, dass daran viel Wahres ist. Kaum einer seiner MB-Romane ist vom Setup her so unplausibel bzw. unausgegoren wie dieser. Es ist u.a. nicht nachvollziehbar, dass trotz der sich häufenden Unfälle bei immer wieder der gleichen Wassertiefe die Tests nicht einfach schon einmal in seichtere Gewässer verlegt werden, wo ein eventuelles Absinken auf den Grund vergleichsweise ungefährlich wäre. Ein eigens für Notfälle vorgesehenes Rettungs-U-Boot kommt sowieso irgendwie immer zu spät, was ziemlich konstruiert anmutet. Ein einziges Mal schafft es die rechtzeitige Ankunft, wobei der Pilot in über 3000 Metern Wassertiefe von „Tauchern“ (!) heraus geholt und munter in die Mitte genommen wird. Das ist weder logisch noch physikalisch haltbar.

Auch ins All katapultierte Kolibris, zu denen die Funkverbindung abbricht und welche hernach nicht mehr geortet oder geborgen werden können, wollen nicht so recht einleuchten. In Zeiten, in denen insbesondere die VEGA einen dermaßen hoch entwickelten Fuhrpark hat, wäre es wohl sicher, dass ein schneller Raumer bei einem Prestigeobjekt dieser Größenordnung abgestellt würde, eventuelle Kolibri-Streuner zu verfolgen und nötigenfalls mit einem gezielten Schuss aufs Triebwerk zu stoppen. Es fallen selbst weniger technisch versierten Naturen bestimmt noch eine weitere Reihe von Maßnahmen ein, die den Bodycount erheblich hätten reduzieren könnten. Dies waren jetzt nur die Kardinalschnitzer, im Detail finden sich noch ein paar weitere – mehr oder weniger grobe – Ungereimtheiten. Das betrifft nicht nur die technische Seite, sondern auch den generellen Aufbau der Geschichte.

Natürlich übersteht Brandis selbst einen Unfall, wenig überraschend, als einziger lebend. Dass nichts anderes als Sabotage hinter der Unfallserie stecken muss, wird auch dem fantasielosesten Leser so schnell klar, dass man Brandis ob seiner anhaltenden Betriebsblindheit ein paar weckende Klapse auf den Hinterkopf geben möchte. Ungerührt geht das Zehn-kleine-Negerlein-Spielchen mit zum Teil arg überzogen spinnert-schrägen – zudem leider höchst stereotypen und schablonenhaften – Figuren im kleinen Inselcamp weiter und weiter. Und das so lange bis sich auch das letzte bisschen Dramatik abgenutzt hat und man dem Verlust eines jeden weiteren Kolibri allmählich schon fast mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnet. Wirkliche Tiefe will sich nicht einstellen – und beim hastig hingebastelt wirkenden Ende erst recht nicht.

_Spoiler Ende_

Wie man es bereits vom vorangegangenen Band 6 der Sammleredition her kennt, gibt es am Ende des Buches auch diesmal einen kleinen Extrabeitrag zur Serie. Dabei handelt es sich um die Illustration bzw. einen technischen Aufriss des Namen spendenden „Kolibri“-Mehrzweckfliegers. Keine leichte Aufgabe für den Illustrator, denn „offizielle“ Darstellungen gibt es nicht. Die Beschreibung im Buch beschränkt sich hauptsächlich auf das vage Attribut „flunderförmig“. Der kreative und professionell gestaltete Entwurf dazu ist nett anzuschauen. Allerdings könnten Pedanten anmerken, dass dieses Design für ein VTOL (Vertical Take Off and Landing – sprich: die bei MB ausnahmslos vorkommenden Senkrechtstarter) wohl allein schon von der Triebwerks- und Tragflächenanordnung her eher ungeeignet zu sein scheint.

_Fazit_

Es ist in vielerlei Hinsicht einer der unausgegorensten MB-Romane. Nikolai von Michalewskys teils bekannte Schwächen als SciFi-Autor treten hier auch vielleicht deswegen so deutlich hervor, da keine – sonst so treffende – Gesellschaftskritik die massiven Probleme beim Zusammenspiel von Story, Timing, Logik und Technik zu überdecken vermag. Von der flachen, oft sogar schmerzhaft pathetischen Figurengestaltung mal ganz zu schweigen. Somit ist dieser für die Serie glücklicherweise nicht repräsentative Band für Quereinsteiger zwar prinzipiell geeignet, jedoch nicht zu empfehlen. Fans werden ihn sich wahrscheinlich sowieso ins Regal stellen, sofern noch nicht geschehen.

|190 Seiten, Broschur
ISBN: 978-3-938065-40-2|

Classic Shop

Ashwood, Sharon – Hexenlicht

_|The Dark Forgotten|:_

Band 1: _“Hexenlicht“_
Band 2: „Vampirdämmerung“ (erscheint am 10.01.2011)
Band 3: „Seelenkuss“ (erscheint am 07.06.2011)
Band 4: „Höllenherz“ (erscheint am 12.09.2011)

_Die Hexe Holly Carver_ betreibt eine Agentur zum Entfernen von Geistern, Poltergeistern und anderen unerwünschten Hausbewohnern. Sie ist glücklich mit ihrem Freund Ben und schwärmt heimlich für ihren Partner Alessandro Caravelli, doch dieser ist ausgerechnet ein Vampir.

Der Immobilenmakler Steve Raglan beauftragt sie, ein böses Haus zu neutralisieren. Er verschweigt ihr aber, dass es ein berüchtigtes Flanders-Haus ist. Als beide dort ankommen, ist Holly kurz davor, den Job zu schmeißen, allerdings braucht sie das Geld dringend für die Studiengebühren.

Während der Diskussion erfährt Holly, dass bereits vier Studenten und zwei Professoren der nahen Universität in dem Haus verschwunden sind, die Vertreibung des Bösen ist somit dringend und schnell erforderlich.

Als Hollys Partner Alessandro Caravelli eintrifft, betreten die beiden das Haus und die Suche nach den Vermissten beginnt. Der Geist des Hauses macht Holly schwer zu schaffen, und ein Verbergungszauber macht das Auffiinden der Vermissten schwerer als anfänglich erwartet. Als Holly dann den Rucksack von ihrem Freund Ben, der Professor an der Uni ist, findet, gerät sie fast in Panik. Dieser hat sowieso schon ein Problem mit ihrer Magie, wie wird er da erst dieses Haus verkraften?

Endlich finden Holly und Alessandro die Geiseln, und während Alessandro mit der Bergung beginnt, nimmt Holly den Kampf gegen den Geist des Hauses auf. Da Holly seit einem Vorfall in ihrer Kindheit ein Problem mit ihrer Kraft hat, die ihr große Schmerzen zufügt, verliert sie, nachdem sie den Geist gerade niedergezwungen hat, das Bewusstsein.

Es kommt allerdings noch schlimmer, denn nach dem Vorfall im Flanders-Haus verlässt der traumatisierte Ben Holly. Aber noch schlimmer: Überall öffnen sich Portale der Hölle und ein Dämon und andere Wesen bedrohen die Stadt. Wird Holly es schaffen, trotz ihres Problems damit fertigzuwerden?

_Kritik_

„Hexenlicht“ ist der gelungene Auftakt zur |The Dark Forgotten|-Serie von Shanon Ashwood. Zwar erfindet sie das Genre Urban-Fantasy nicht komplett neu, ihr Konzept geht aber in jedem Fall auf.

Spannung, gepaart mit einer kräftigen Dosis Humor und Erotik sowie einem unterhaltsamen Plot können hier punkten. Der Schreibstil mit klarem Satzbau liest sich flüssig und schafft es, den Leser mitzureißen. Die Sprache passt zum Geschehen und den verschiedenen Protagonisten. Die Handlung hangelt sich an einem roten Faden durch das Buch und es kommt zu keinerlei Umbrüchen.

Die Umgebung wirkt teilweise etwas blass, jedoch ausreichend, um ein Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Vor allem wird das besondere Haus von Holly beschrieben, denn durch Magie, die über Generationen auf dieses Haus gewirkt hat, hat es besondere Fähigkeiten entwickelt. Die Stimmungen sind der Autorin durchaus gelungen; ob nun düster, romantisch oder real, dies alles kommt glaubwürdig beim Leser an. Die Dialoge der einzelnen Figuren sind spritzig und sehr unterhaltsam.

Der Spannungsbogen entwickelt sich in einem angenehmen Tempo gleichmäßig und zum Showdown hin ansteigend. Hin und wieder sackt er ab, wenn einzelne Akteure beschrieben werden, doch dies ist für das Verständnis der Geschichte wichtig, und da der Spannungsbogen niemals ins Bodenlose fällt, wird der Lesefluss dadurch nicht gestoppt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive einer dritten Person, dem Beobachter. Die Protagonisten kommen alle zu Wort, der Erzählstil wechselt zwischen den einzelnen Charakteren, sodass der Leser den Handlungen gut folgen kann und auch Dinge erfährt, die für die anderen Figuren nicht gleich klar sind.

Die Protagonisten sind facettenreich gezeichnet und bringen eine Menge Charaktereigenschaften mit, die sie sehr lebendig machen. Holly wirkt ansprechend und authentisch, eine Protagonistin, die sehr real wirkt, mit Schicksalsschlägen umgehen kann und nicht abgehoben daherkommt. Sie scheint trotz ihrer Fähigkeiten ein Mensch zu sein, der in jeder beliebigen Nachbarschaft zu finden ist. Ihr Partner Alessandro ist sympathisch und als Mann durchaus glaubwürdig gezeichnet. Trotz seines Vampirdaseins bleibt er lebendig und intelligent gezeichnet. Seine große Liebe möchte er vor allem beschützen, ist aber durchaus bereit, sie in ihren Aufgaben und Besonderheiten zu unterstützen.

Auch die weiteren Charaktere sind sehr glaubwürdig und lebensnah entworfen. Jeden Einzelnen nimmt der Leser als realistisch wahr, keiner wirkt zu abgehoben. Selbst die nicht menschlichen Charaktere wirken in ihrem Verhalten doch sehr menschlich, besitzen jedoch eine Menge Fähigkeiten, die ein normaler Mensch nicht aufbieten kann.

Das Cover ist ein echter Hingucker; mit metallischem Druck und einem größeren Format fällt es ins Auge. Das Bild ist ebenfalls gut gewählt und passt zum Buch.

_Fazit_

„Hexenlicht“ von Sharon Ashwood ist ein äußerst lesenswerter Roman der bei mir den |Ein Kapitel noch … und dann noch eines|-Effekt ausgelöst hat und nur schwer aus der Hand zu legen war.

Sympathische Figuren und ein reizvoller Plot, gepaart mit sprühendem Witz, angenehmer Erotik und einem überzeugenden Finale machen „Hexenlicht“ zu einem sehr ansprechenden und unterhaltenden Roman. Lesern, besonders den weiblichen, der Genres Urban- und Romantic-Fantasy ist „Hexenlicht“ sehr zu empfehlen.

_Die Autorin_

Sharon Ashwood lebt in der kanadischen Provinz British Columbia und arbeitet seit ihrem Universitätsabschluss in Englischer Literatur als freie Schriftstellerin und Journalistin. Schon als Kind war sie an Mythen und Märchen interessiert. Heute setzt die Autorin ihre Faszination für alles Seltsame, Unheimliche und Phantastische in erfolgreichen Romantic-Fantasy-Romanen um. Mehr Informationen im Internet unter: [www.sharonashwood.com]http://www.sharonashwood.com (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Originaltitel: The Dark Forgotten 1: Ravenous
Übersetzerin: Sabine Schilasky
ISBN-13: 978-3426652435|
http://www.droemer-knaur.de

_Nadine Warnke_

Brett, Peter V. – Flüstern der Nacht, Das

Letztes Jahr erschien im |Heyne|-Verlag der Debütroman von Peter V. Brett – [„Das Lied der Dunkelheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5791 – und der Autor feierte damit weltweit einen fulminanten Erfolg. Im Genre Fantasy angesiedelt, überzeugte „Das Lied der Dunkelheit“ durch eine spannende Geschichte voller Dramatik und tiefgreifender Charaktere, die sich im Laufe der Handlung weiterentwickelten. So weit, so gut – die Serie ist laut Autor auf fünf Bände ausgelegt.

Wie in vielen Fantasy-Romanen tauchen hier fantastische Wesen auf, die die menschliche Welt bedrohen, doch Peter V. Brett geht neue Wege. Das „Böse“ sind hier die Dämonen der Nacht. Wesen, die das Tageslicht scheuen wie der Teufel das Weihwasser und nach Sonnenuntergang an die Oberfläche gelangen, um mit todbringender Gewalt die Menschen zu terrorisieren, die im Laufe der Jahrhunderte vergessen haben, wie man diese Dämonen bekämpft. Vielleicht wurden ihnen auch diese Mittel genommen. Alles, was ihnen noch nutzen kann, sind magische Verteidigungssiegel, deren Grenzen die Dämonen nicht überschreiten können. Die Dämonen sind vielfältig und den Elementen gleichgesetzt. Es gibt Wind-, Feuer, Stein- und Baumdämonen, und auch die Größe und Bösartigkeit variiert unter ihnen.

Arlen Strohballen, der Held dieser Reihe, verliert in einer schicksalhaften Nacht seine Mutter. Sein Vater, gelähmt vor Angst, findet keine Möglichkeit, seine Frau zu retten. Schwer verletzt gelingt es Arlen, sie hinter den Schutz der Siegel zu retten, doch die Verletzungen sind zu schwer, und so stirbt sie. Arlen, beschämt und wütend über die Feigheit seines Vaters, bricht auf, um einen Weg zu finden, die Dämonen auf immer zu vernichten.

Nach einigen Jahren und unterschiedlichen beruflichen Stationen findet der junge Mann in den Ruinen vergangener Zeiten einen Speer, der mit Kampfsiegeln versehen ist. Im Laufe der Zeit findet er in Ruinen und Bibliotheken wahre Schätze. Aber nicht nach Reichtum strebend, ist er weiterhin getrieben von Rachegedanken und besessen von weiteren Möglichkeiten, die Dämonen zu bekämpfen.

Nach einiger Zeit gibt es Gerüchte in den kleinen Herzogtümern und Regionen darüber, dass der „Erlöser“ wiedergekommen wäre, und er würde mit bloßen Händen die Geschöpfe der Nacht bekämpfen. Gehüllt in einen dunklen Umhang und am ganzen Körper mit Kampfsiegeln tätowiert, ist Arlen, den man nun den „tätowierten Mann“ nennt, eine große Hoffnung auf ein ungestörtes Leben …

„Das Flüstern der Nacht“ ist der zweite Teil aus der Serie und ebenfalls erschienen im |Heyne|-Verlag. Die Handlung konzentriert sich nun auf eine innere Bedrohung, die nicht von den Dämonen ausgeht.

_Inhalt_

In Krasia, weit entfernt von den anderen Herzogtümern, haben die dortigen Menschen gelernt, die Dämonen zu bekämpfen. Doch ist es die vielen Opfer wert? Die Krasianer sind hauptsächlich Krieger, und in strengen sozialen Kasten leben sie inmitten der Wüste. Im Kampf gegen die Dämonen zu sterben, ist für die Krieger absolut akzeptabel, und wirkliche Angst vor dem Tod kennen sie nicht – höchstens vor der Schande, versagt zu haben. Doch die Dämonen sind nicht die einzigen Feinde, denn selbst in den Mauern der Stadt beherrschen gefährliche Intrigen um den Thron und die Macht innerhalb des kleinen Wüstenstaates.

Auch Jardir kämpft des Nachts gegen die Dämonen. Schon von Kindheit an war seine Kampfausbildung von Folter und Qual geprägt. Und nun steigt er in der Hierarchie zum Krieger auf. Seine Laufbahn ist mitunter eine Berg- und Talfahrt, doch protegiert durch eine geheimnisvolle Frau und unterstützt selbst von seinen erbitterten Feinden, raunen bereits viele, er sei der langersehnte Erlöser. Nach und nach wird er zum religiösen Führer der Krasianer und seine Pläne gehen über die Staatsgrenzen weit hinaus. Um den Kreuzzug gegen die Horclinge (Dämonen) um jeden Preis weiter zu intensivieren – auch der Verlust von Kriegern ist für den geistigen Anführer nur Mittel zum Zweck – erwägt er, die kleineren Herzogtümer zu erobern. Mit viel Widerstand rechnet er nicht.

Als er den Krieg beginnt und die ersten Herzogtümer fallen, stößt er allerdings doch auf Widerstand, und noch überraschter ist Jardir, als er gesagt bekommt, dass es einen tätowierten Mann gibt, der auch als „Erlöser“ gilt. Jardir wird später klar, dass es nur Arlen sein kann, sein Freund, sein „Bruder im Geiste“, den er vor Jahren hilflos in der Wüste ausgesetzt hat, um an den Speer zu kommen …

Es wird die Zeit kommen, in der sich die Wege der beiden wieder kreuzen, und nur einer wird überleben …

_Kritik_

Peter V. Brett übernimmt in seinem zweiten Roman um Arlen die politischen Machtkämpfe innerhalb und außerhalb eines Staates in seine Handlung. Und das macht er außerordentlich gekonnt, als hätte er nie etwas anderes geschrieben. Analysiert man zudem die Handlung, so stellt sich dem Leser eine sozialkritische Gesellschaftsstudie dar, und auch die religiösen Machtspielchen sind fester Bestandteil der Erzählung. Bei so vielen unterschiedlichen Komponenten verliert der Leser allerdings niemals den Bezug zur Handlung.

Die Figurenzeichnung ist mustergültig. Vielfältig und auch abwechslungsreich geht es zu in „Das Flüstern der Nacht“. Auch wenn es sich im Roman meistens um Jardir dreht, wird auch Arlen ausreichend zur Wort kommen. Beide sind charakterlich stark und dennoch verloren und manchmal Spielbälle von Intrigen und Interessen, die schwerer zu bekämpfen sind als die Dämonen der Dunkelheit. Jardir beispielsweise kämpft immer an verschiedenen Fronten, und auch die Frauen in seiner Umgebung kämpfen nicht nur mit den Waffen einer Frau um ihn, sondern auch mit allen Mitteln und Waffen, die sie gerade zur Hand haben.

Doch die Ränke sind nicht alles im Roman. Wie schon in „Das Lied der Dunkelheit“, geht es auch hier actionreich zu, mit wilden Kämpfen, denen sich jeder Protagonist stellen muss. Das Niveau der Geschichte hat ebenso wie der Spannungsaufbau positiv entwickelt. Damit ist der vorliegende zweite Teil noch besser und vor allem intensiver geworden. Nicht zuletzt, weil man nun weiß, dass es zwei Protagonisten gibt, die sich gegenseitig vernichten können, aber ihre verfeindete Freundschaft wird sicherlich im dritten Teil näher betrachtet werden.

Wer glaubte, dass die Dämonen intelligenzlose Geschöpfe sind, wird hier eines Besseren belehrt. Es gibt Dämonen, die als „Prinzen“ betitelt werden, welche die Menschen beobachten und auch ihrerseits Angst vor den beiden Erlösergestalten haben. Man darf also gespannt darauf sein, mit welchen hintertriebenen Waffen die Dämonen noch auf die Menschen abzielen werden.

Auch in diesem Roman kommen natürlich die Nebencharaktere wie Leesha und Rojer vor, und auch sie werden Jardir kennenlernen und damit eine völlige andere Mentalität vorfinden, die, untermauert durch Religion und soziale Andersartigkeit, schnell zu komplexen Problemen führt. Völkerverständigung ist halt auch hier ein ernsthaftes Problem.

Es gibt nur wenige Schwächen im Roman anzumerken. Wenn man die Erwartungshaltung hat, dass Arlen die zentrale Rolle alleine ausfüllt, könnte man enttäuscht sein. In „Das Flüstern der Nacht“ geht es eigens um Jardir und seine Biographie. Das ist nur fair, wenn man bedenkt, dass Arlen nun mal im ersten Teil die absolute Hauptrolle innehatte. Es gibt auch kaum langatmige Kapitel, denn es stecken so viele kleine und interessante Details im Geschehen, dass man die eine oder andere Ausführlichkeit gerne in Kauf nimmt, denn die Handlung wird dennoch zunehmend rasant.

_Fazit_

„Das Flüstern der Nacht“ ist der zweite und der bessere Teil der Saga um Arlen. Diese ist auf fünf Teile ausgelegt, und wir dürfen noch gespannt darauf sein, was noch alles passieren wird. Bei so viel neuen Konflikten und aufkommenden Kriegen, verschmähter Liebe und politischen Intrigen wird der nächste Teil hoffentlich vieles auflösen können. Aber wie schon gesagt, die Dämonen sind nicht gewillt, sich von den Menschen abschlachten zu lassen.

Auch wenn „Das Flüstern der Nacht“ ein eigenständiger Roman ist, sollte man den ersten nicht verpasst haben. Das Lesevergnügen könnte sonst erheblichen Schaden nehmen. Wie auch der erste Teil, ist die Fortsetzung mehr als zu empfehlen. Es wird zur Pflicht, „Das Flüstern der Nacht“ zu lesen. Das Buch ist keineswegs ein stilles Flüstern, es ist ein Aufschrei nach Rache, Vergeltung, Liebe und nicht zuletzt nach Erlösung.

|Taschenbuch: 1007 Seiten
Originaltitel: The Desert Spear
ISBN 978-3-453-52611-2|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Peter V. Brett bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Lied der Dunkelheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5791

Silvana de Mari – Der letzte Elf

Die Reihe um Yorsch:

Band 1: „Der letzte Elf“
Band 2: „Der letzte Ork“
Band 3: „Der letzte Zauberer“
Band 4: „Die letzte Königin“
Band 5: „Die Rückkehr der Elfen“

Seit Jahren verwandelt ein ständiger Regen die Welt in einen großen Schlammsee. Die Menschen geben den Elfen und anderen magischen Wesen die Schuld, schließen diese in Reservate ein und vernichten sie auf teilweise grauenvolle Art.

Nicht verwunderlich ist es daher, dass der Unlängstgeborene, der Elf Yorschkrunsquarkljolnerstrink, künftig genannt Yorsch, nur Schlechtes von den Menschen gehört hat. Besonders warnte seine Großmutter Yorsch vor dem Appetit der Menschen auf Elf mit Rosmarin.

Nach einem schlimmen Schicksalsschlag zieht Yorsch alleine durch den Regen, der alles um ihn zu Schlamm verwandelt, als sein persönlicher Albtraum Wirklichkeit wird. Er begegnet seinem ersten Menschen. Sarja und ihr Hund sind ebenfalls in dem nicht aufhören wollenden Regen unterwegs und so treffen die beiden aufeinander. Yorsch schlottert nun nicht mehr nur vor Kälte, sondern auch vor Angst, Sarja könnte Rosmarin finden und ihn fressen.

Aus Einsamkeit und Verzweiflung schließen sich Yorsch und Sarja zusammen, um einen Teil des Weges gemeinsam zu bestreiten. Yorsch lernt dabei eine ihm unbekannte Art des Menschen langsam kennen, nicht alle scheinen ihn als Snack zu betrachteten. Die Angst bleibt allerdings.

Später treffen Yorsch, Sarja und der Hund ohne Namen auf den Jäger Monser, der Yorsch in die nächste Verzweiflung schickt, tötet dieser doch Tiere und damit kann Yorsch gar nicht leben. Die beiden Menschen passen sich dem Unlängstgeborenen aber an, schon allein um seine Tränenflut zu stoppen, die Sarja und Monser regelmäßig zur Verzweiflung treibt.

Zusammen sorgen Sarja und Monser für den kleinen Yorsch, wohl wissend, dass sie sich damit in große Gefahr begeben.

Nicht lange und das Schlimmste passiert, Yorsch, Sarja, Monser und der Hund ohne Namen werden gefangen genommen und in die Verliese der Stadt Daligar gesperrt. Dank Yorschs Fähigkeiten gelingt ihnen aber doch die Flucht und eingemeißelt in einer Mauer findet Yorsch eine Prophezeiung die lautet:

„Erst wenn der letzte Elf
und der letzte Drach sich finden
und sich Vergangenheit und Zukunft verbinden,
werden die Menschen ihr Schicksal überwinden.“

Yorsch wird damit klar, dass er der Letzte überlebende Elf ist und zusammen mit seinen menschlichen Freunden macht er sich auf, seine Bestimmung zu erfüllen.

Kritik

Mit Der letze Elf hat Silvana De Mari den ersten Teil Ihrer Reihe um den Elfen Yorschkrunsquarkljolnerstrink geschrieben, der die Leser zu verzaubern weiß.

Die Zielgruppe junger Leser wird die Autorin mit ihrem leicht zu lesenden Schreibstil erreichen können. Sie verzichtet auf Kompliziertes und so können auch junge Leser dem Geschehen spielend folgen. Die warmherzige, mitfühlende und dabei auch ionisch witzige Sprache zieht den Leser schnell in seinen Bann und der kleine Elf Yorsch gewinnt die Herzen der Leser sehr schnell. Der Stil ist auf jeden Fall ergreifend und Silvana De Mari schafft es, die Geschichte lebendig zu halten.

Die Orte der Handlung werden nicht zu detailliert beschrieben, der Leser kann sich aber trotzdem ein Bild der Umgebung machen und sich die Welt, in der sich die Charaktere bewegen, gut vorstellen. Zwar wird kaum auf die Welt um das Geschehen herum eingegangen, dies ist aber auch nicht zwingend nötig für die Handlung dieses Romans. Wichtiges erfährt der Leser auf jeden Fall.

Aufgeteilt ist die Geschichte in zwei Stränge: Einmal geht es um die Reise und die Erfüllung des unlängstgeborenen Elfen und darauf folgt die Zeit, in der Yorsch auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist. Wo im ersten Teil die Spannung sehr gut erzeugt wird, kommt es im zweiten doch zu kleineren Längen, durch die der Leser auf die nächste Handlung fast warten muss. Dieses tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch, will der Leser doch auf jeden Fall wissen, wie der zweite Teil der Prophezeiung lautet. Diesen konnte Yorsch in der Eile der Flucht aus Daligar leider nicht mehr entziffern und weiß daher selber nicht, was ihn noch erwartet.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines Beobachters, der die Geschichte des Yorsch erzählt und daher ausschließlich das berichtet, was der junge Elf wahrnimmt.

Die Protagonisten sind sehr sympathisch, dabei aber leider nicht sehr facettenreich beschrieben. Eine Vorstellung wie die einzelnen Charaktere aussehen könnten gelingt kaum, hier macht mehr das Wesen die Protagonisten aus. Yorsch ist nicht das, was der Leser vielleicht von einem Elf erwartet, ein noch sehr kleines Kind, das sich sehr von den Menschen unterscheidet. Aus der Sicht eines Menschen, macht er viele Sachen sehr kompliziert wenn nicht sogar falsch. Denkt der Leser aber etwas nach, kann er doch schnell zu einem anderen Urteil kommen. So kommt es dazu, dass der Leser mit diesem kleinen Kerl schnell weint, über seine Art lacht und seine Gefühle teilt. Dieses geht auch Yorschs menschlichen Freunden so, mit ihnen kann man sich sehr gut identifizieren. Yorschs Zauber erliegt daher jeder.

Das Cover ist wirklich sehr schön gestaltet, in Grüntönen gehalten ist eine fantastische Landschaft zu sehen, im Vordergund ein Elf und ein Drache. Der Titel ist in silberner Farbe geschrieben und mit Spotlack hervorgehoben.

Fazit

Silvana De Mari hat mit Der letzte Elf ein zauberhaftes Buch, über Freundschaft, Glück aber auch Verlust geschrieben. Die Geschichte ist einfach als zauberhaft und wundervoll zu bezeichnen. Auch die übermittelten Werte können hier punkten.

Der letzte Elf ist ein Buch, das seine junge Zielgruppe genauso zu verzaubern vermag wie auch den erwachsenen Leser des Genres Fantasy. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung.

Autor

Silvana De Mari lebt mit ihrer Familie und einem riesigen Hund nahe Turin. Sie arbeitete als Ärztin in Italien und Afrika, bevor sie sich zur Psychotherapeutin ausbilden ließ. Nachdem sie schon kürzere Texte in Zeitschriften publiziert hatte, landete sie mit ihrem ersten Kinderbuch „Der letzte Elf“ einen sensationellen weltweiten Erfolg.

Taschenbuch: 367 Seiten
Originaltitel: L’ultimo Elfo
Übersetzer: Barbara Kleiner
Vom Verlag empfohlenes Alter: 11 – 12 Jahre
ISBN-13: 978-3570134788
www.randomhouse.de/cbjugendbuch

Autorin der Rezension: Nadine Warnke

Charles Stross – du bist tot

Es ist fast wie ein Krimi: Während Sue, ihres Zeichens Seargeant bei der schottischen Polizei, in einem Einbruch ermitteln soll, wird die Versicherungsangestellte Elaine zum gleichen Fall hinzugezogen, um eventuelle Haftungsausschlüsse zu eruieren. Die betroffene Firma ihrerseits engagiert einen Spiele- und Softwareentwickler, der durch sein Verständnis der Spielewelten Zugang zu den Schemata und Vorgehensweisen der Täter finden und so den Ermittlern die Möglichkeit geben soll, den Fall zu klären.

Verwirrung stiftet vor allem die Tatsache, dass das Verbrechen in einer Online-Spielewelt verübt wurde. Die betroffene Firma Hayek stellt ihrerseits nämlich die Versicherung einer spielübergreifenden Bank dar, in der die Spieler ihre Beute einlagern und bei Bedarf abholen können. Und in dieser Bank wurden eben jene Artefakte „gestohlen“, was einen Schaden in unvorstellbaren Höhen darstellt.

Die verschiedenen Parteien geraten bei ihren Ermittlungen in einen Strudel geheimdiensttechnischer Absurditäten und undurchschaubarer Zusammenhänge zwischen Onlinespielen, Staatenverwaltung und Mastercodes, sodass als Essenz die Erkenntnis Gestalt annimmt, vor einer allübergreifenden Infiltration und Übernahme des schottischen Verwaltungsapparates zu stehen. Die Verwicklungen reichen bis in die höchsten Machtebenen, bestimmen die Geheimdienste Chinas, Schottlands und der EU und sind nur ein Spielball einer unbekannten Gruppe von Onlinespielern, die sich „Das rote Team“ nennt und mit den Systemen der Staaten eine Art „Capture the flag“ spielen.

Die Handlungsebenen sind vielschichtig und zu Anfang schwer zu durchschauen, da der Blickwinkel von Kapitel zu Kapitel wechselt, wobei der Stil der Erzählung es nicht sofort offenbart, wer sich als Protagonist oder Betrachter oder Angesprochener präsentiert. Nur eine ungünstig platzierte Überschrift in der falznahen oberen Ecke jedes Kapitelbeginns nennt den Namen desjenigen, durch dessen Augen wir die Szenerie betrachten. Stross bedient sich einer ungewöhnlichen Erzählstimme, er schreibt in der Du-Form und spricht damit immer den jeweiligen Protagonisten an, wodurch eine öftere Nennung des Namens entfällt, wie sie beim unpersönlichen Erzähler in der dritten Person sonst gegeben wäre. Damit erreicht er natürlich eine ungeheure Nähe zum Leser, der sich stets vom „Du“ angesprochen fühlt, auch wenn es beispielsweise um Sätze geht, wie „Du setzt deine Datenbrille auf und loggst dich in den Copspace ein“.

Apropos Copspace: Wir befinden uns in einer recht nahen Zukunft, in der sich Schottland Souveränität erworben hat, die EU aber weiterhin existiert und auch sonst noch typische Strukturen vorherrschen. Das Internet ist allgegenwärtig, man ist über die Datenbrillen ständig damit gekoppelt, verfügt somit über direkte Navigation im Straßenverkehr, über immer abrufbare Informationen über seine Umgebung (zum Beispiel das nächste Hotel, Kritiken von Restaurants, Suchergebnisse über unbekannte Personen etc.) und ist immer erreichbar. Ohne Brille fühlt man sich nackt, die Brille bietet eine erweiterte Sicht auf das Umfeld, indem auch Markierungen und Informationen direkt beim Auftauchen von Objekten im Sichtfeld eingeblendet werden. Erweitert wird das Ganze im Copspace, einer den Polizisten vorbehaltenen Ebene, die auch Wohnungen und Personen polizeirelevant charakterisiert.

So viel zum Umfeld. Die Geschichte selbst entwickelt sich anfangs etwas verworren durch oben genannte Charakterzüge und den Umstand, dass die oberflächlichen Probleme recht unbedeutend erscheinen – wie als Mittel zum Zweck, als sei die Zukunftsdarstellung das Motiv der Geschichte. Doch die Täuschung löst sich bald auf, wenn die Zusammenhänge immer undurchsichtiger werden und sich nur langsam ein Bild von den Geschehnissen ergibt, die ein extrapoliertes Gefahrenpotential auch heute schon vorhandener Mängel im digitalen Datenverkehr aufzeigen und thematisieren. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Ansätzen des Genres zu diesem Thema im Jahr 2010 (wie Doctorows „Little Brother“ oder Suarez‘ „Daemon“) umspinnt Stross dieses Zentrum mit einer verwickelten Agenten- und Ermittlungsgeschichte, aus der sich erst spät die Betroffenheit beim Leser herausschält, mit der man als uneingeweihter Bürger, als reiner Nutzer der Datensphäre und machtloses Opfer zahlreicher diesbezüglicher Fehlentscheidungen und -einschätzungen durch Regierungen reagiert, wenn der Daumen so brutal auf die wunden Stellen des ach so hilfreichen, sicheren und allmächtigen Systems der elektronischen Datenverarbeitung und Kommunikation gelegt wird.

Faszinierend für die einen, erschlagend für die anderen und vielleicht oberflächlich für die wenigen ist das Vokabular der Geschichte, wohl je nach Einweihungsgrad des Lesers. Man spricht über Onlinespiele, über Datenerfassung, Vernetzung, entsprechende Gesetze, Gesetzeslücken, Systeme und Protokolle. Dabei dürfte dem interessierten Leser sicherlich der umfangreiche Anhang helfen, auch wenn der Lesefluss es uns eigentlich verbietet, zwischendurch nach hinten zu blättern, um die Erklärung eines Fachausdrucks vielleicht zu finden. Doch muss man hier die Mühe anerkennen, die sich Stross mit seinen nichteingeweihten Lesern gemacht hat, um allen Zugang zu seinem sonst in üblicher Weise hoch unterhaltsamen und spannenden Roman zu ermöglichen.

Bei Stross erkennt man einen Trend in der modernen Sciencefiction. Wie sich schon die herausragenden Autoren früherer Jahre mit den Entwicklungen der Gesellschaft auseinandersetzten und zu extrapolieren versuchten, beschäftigt sich die moderne Genreliteratur mit den bedenklichen oder zu überdenkenden Entwicklungen, die sich aus unserer Gegenwart ergeben – und wo anders, als in Bezug auf das Internet und die Vernetzung der Kommunikation allgemein, erkennt man schon heute lebende Sciencefiction? Unbestreitbar lauern hier noch unbedachte Gefahren, die gerade durch die rasante Entwicklung vielleicht schneller zu globalen Problemen führen können, als man sich auszudenken vermag. Es gibt viele Baustellen für einen kritischen Schriftsteller, aber die Beschleunigung in der Kommunikation lässt sowohl visionäre als auch besorgniserregende Blicke in die Zukunft zu.

Mit „du bist tot“ eröffnet Stross einen unerwartet betroffenen Blick auf einen gefährdeten Nerv unserer Zivilisation – und das macht er blendend unterhaltsam! Ein Höhepunkt des Jahres!

Taschenbuch: 544 Seiten
Originaltitel: Halting State
Deutsch von Usch Kiausch
ISBN-13: 978-3453526877

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Salomon 76 (Weltraumpartisanen – Band 9)

_Mark Brandis:_

Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 5: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 6: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 7: [Testakte Kolibri]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 8: [Raumsonde Epsilon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781

_Band 9: Salomon 76_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessenheit über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Originalserie noch einmal mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Usurpator Smith, der sich im Jahr 2069 an die Macht putschte (vgl. Band 1 bis 4), ist Geschichte. Nicht zuletzt auch durch den tüchtigen Einsatz von Commander Mark Brandis und des Widerstandes. Die Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA), für die Brandis & Co. ihre Testflüge brandneuer Raumschiff-Prototypen durchführen, ist längst wieder eine zivile Institution, worauf man stolz ist.

_Zur Story_

Man schreibt das Jahr 2076. Normalität ist nach dem Bürgerkrieg endlich wieder eingekehrt. Auch beim Testalltag. Derzeit hat Brandis das Kommando über den schweren Kreuzer „Ares I“, den die VEGA-Crew auf Herz und Nieren prüfen sowie die Kinderkrankheiten austreiben soll. Obwohl der Vogel sich gelegentlich ziemlich bockig zeigt, bittet man Brandis, damit einen Spezialauftrag zu übernehmen. Er möge mit der |Ares I| die Aktivierung von SALOMON 76 schützen, des größten je gebauten Superrechners, welcher die Rechtsprechung revolutionieren soll. Der komplette Polizei- und Justizapparat dient fürderhin nur noch als williger Handlanger für die automatisierte Gerechtigkeitsmaschinerie. Das Denken übernimmt ab jetzt der fast allmächtige Orbital-Computer.

Nie mehr menschliche Fehlentscheidungen, Justizirrtümer ausgeschlossen: SALOMON 76 und sein Netzwerk aus planetaren Tochtercomputern auf der Erde und den Kolonien recherchiert akribisch, unbestechlich, effektiv und (ver-)urteilt emotionslos. Sogar Verbrechen präventiv zu verhindern, steht in den Programmroutinen. Er sei „gerechter als Gott“, behauptet sein Erbauer Professor Kalaschnikow stolz. Als sich die ersten Anzeichen von überzogenen Strafen für Lappalien und vollkommen absurde Anklagen mehren, will es kaum jemand wahr haben, dass der derart in den Himmel gelobte Technogötze nicht mehr alle Elektronen beisammen hat. Auch Brandis nicht – bis seine Frau verhaftet wird und er – samt Crew – sich sogar mit der von SALOMON jüngst wieder eingeführten Todesstrafe konfrontiert sehen.

_Eindrücke_

Wie immer im Brandis-Universum steht der Mensch und nicht die Technik im Vordergrund. Meist ordnet sich der technologische Faktor unter und dient eher zweckmäßig als Kulisse. Diesmal ist er mehr als sonst Hauptthema – und ein heikles noch dazu. Sind Computer die besseren Menschen? Oder anders gefragt: Können sie uns besser verwalten und beurteilen, als wir uns selbst? Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Nie darf kalte Logik die menschliche Emotion wegwischen und den Menschen selbst nur auf das rein Stoffliche reduzieren. Als Schutzfunktion finden in der Literatur daher auch immer wieder die Asimov’schen „Robotergesetze“ Anwendung.

SALOMON ist der Gegenentwurf zu Isaac Asimovs Ideen, wie Computer sich zu verhalten haben, bestätigt die Richtigkeit seiner Gesetze aber eben dadurch zu hundert Prozent. Damit ist der Roman quasi eine Blaupause für spätere Science Fiction Stories, welche sich mit einer ähnlichen Ausgangsbasis bedienen, aber dann in teilweise noch fatalere bzw. düsterere Zukunftsvisionen verspinnen. Man denke hier besonders an die „Terminator“-Reihe, wo der globale SkyNet-Rechner ebenfalls alles Menschliche als fehlerbehaftet ansieht und die Ausrottung der Menschheit systematisch beginnt. Auch bei der „Matrix“-Trilogie nimmt das Verhängnis so seinen Anfang. Bei Mark Brandis ist das alles zwar eine ganze Nummer kleiner, ja naiver. Allerdings durchaus schon schlimm genug.

Sicher spielt auch das Entstehungsjahr eine wichtige Rolle. 1974 war noch nicht die Welle des heute bei Stories zu findenden Ultrarealismus angebrochen. Die Erwartungshaltung des Publikums hat sich drastisch gewandelt. Hinzu kommt, dass Computer unserer Tage anders funktionieren, als man sich das damals wirklich vorzustellen vermochte. Das zeigt sich besonders deutlich, als es SALOMON an den Kragen geht. Über einen solch vergleichsweise billigen Trick, wie er hier angewendet wird, würde jeder halbwegs moderne Heim-PC sich vermutlich den USB-Port ablachen, wenn er denn könnte. Dies ist aber eins der ersten Male in der Literatur, dass im Grunde etwas angewendet wird, was heute in der Computerwelt allgemein als „Backdoor“ bekannt ist. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.

Es überrascht den Leser nicht, dass Brandis – natürlich – heil aus der Sache herauskommt. Es sind schließlich seine Memoiren. Wie üblich sorgt die Ich-Form für rasche Identifizierung mit der sympathischen Hauptfigur. Sympathisch allein deswegen, weil Brandis ein ganz normaler Mensch ist, der seine Macken, Schwächen und Vorurteile nicht unter der Decke hält. Dieser geschickte Kniff des Autors überhöht die Figur – sein Alter-Ego – auf eher subtile Art, anstatt ihn platt als den Ich-hab-(immer)-den-vollen-Durchblick-Strahlemann darzustellen. Sein eigentliches Heldentum rührt eher daher, dass er trotzdem das „Richtige“ tut, obwohl er oft von seinen Zweifeln geplagt wird. Das geht leider nicht immer ohne einen untergründig moralisch mahnend erhobenen Finger vonstatten.

Wie in eigentlich allen Bänden frönt NvM durch einschlägige Formulierungen wie: „Es sollte sich später herausstellen, dass…“ o.ä. wieder (zu) häufig der munteren Vorwegnahme und Andeutung kommender Ereignisse. Das ist der Spannung bisweilen verständlicherweise abträglich, aber halt sein Stil. Auch der tiefe und wiederholte Griff in die Kiste seiner offensichtlichen Lieblingsmetaphern gehört zu einem Brandis-Roman wie Krautsalat auf den Döner. Etwa die „Buldogge (meist eine, die sich Terriern stellt)“, oder auch die alte Weisheit, dass „viele Jäger des Hasen Tod sind“. Andererseits unterstützt die bildhafte Ausdrucksweise das Kopfkino selbstverständlich nach Kräften. Jüngere Leser sollten sich zudem mit der alten Rechtschreibung anfreunden – der Text wurde im Original belassen.

Die Neuauflage dieses Bandes enthält übrigens wieder einmal ein kleines Extra-Bonbon: Am Ende findet sich eine übersichtliche (Kurz-)Bio- und Bibliographie des lange Zeit aus dem Verborgenen heraus schreibenden Autors, in welcher sämtliche je von ihm verfassten Titel (nicht nur die MB-Romane) hübsch chronologisch aufgeführt sind. Derlei kennt man inzwischen bereits von den Bänden 6 (Essay von Alexander Seibold über NvM), 7 (Illustration bzw. technische Übersicht des „Kolibri“) und 8 (Interview mit NvM bezüglich MB und seiner Fortsetzung). Solche netten Goodies der Sammleredition sind – zumindest dem Fan – stets willkommene Zusatzinfos.

_Fazit_

Die Frage, wie viel Kontrolle wir elektronischen Helfern überlassen und gestatten können/sollen/dürfen, war nie aktueller. Die Gesellschaftskritik in „Salomon 76“ können wir heute erst richtig ermessen, damals war das Thema Computer noch sehr abstrakt. Mag der Showdown im Roman – mit dem Wissen unserer Zeit – auch etwas zu simpel erscheinen, die Kernaussage ist wahr und manches bereits beängstigend real. Das alles ist eingebettet in eine sehr menschliche Science-Fiction-Story, bei der die Technologie ansonsten wieder einmal die zweite Geige spielt. Das Buch ist übrigens auch für Quereinsteiger geeignet, da es kaum zwingendes Vorwissen der vorangegangenen Bände erfordert – mehr Spaß macht es natürlich, wenn man sie kennt.

|ISBN-13: 978-3-938065-46-4
190 Seiten, Broschur|

Classic Shop

Moning, Karen Marie – Im Bann des Vampirs

_MacKayla-Lane-Serie:_
Band 1: _Im Bann des Vampirs_
Band 2: Im Reich des Vampirs

Der deutsche Titel des Buches ist mehr als irreführend. In „Im Bann des Vampirs“, dem ersten Band einer neuen Fantasyserie von Karen Marie Moning, spielen Blutsauger nur eine sehr untergeordnete Rolle. Stattdessen stehen Feen und Männer mit merkwürdigen Kräften auf dem Programm …

_MacKayla Lane, genannt_ Mac, ist eine ziemlich normale Südstaatenamerikanerin. Sie arbeitet in einer Bar, mag schnelle Autos und beschäftigt sich gerne mit ihrem Aussehen. Sie lebt unbekümmert in den Tag hinein, bis ihre große Schwester Alina während eines Auslandssemesters in Dublin ermordet wird. Macs Welt bricht zusammen. Weil sie das Gefühl hat, dass die irische Polizei sich nicht genug darum bemüht, Alinas Mörder zu finden, reist sie selbst nach Dublin.

Europa stellt sich jedoch als gefährliches Pflaster heraus. Mac muss feststellen, dass sie Feen sehen kann – und dass diese es nicht unbedingt gut meinen mit der Menschheit. Doch sie ist nicht die einzige, die diese Fähigkeit besitzt. Ihre Schwester war ebenfalls eine Sidhe-Seherin, wie sie heraus findet. Das ist nicht die einzige Überraschung. Als sie Alinas Kommilitonen befragt, erfährt sie, dass ihre sonst so lebenslustige Schwester plötzlich verschlossen und deprimiert war. Anscheinend hing das mit ihrem Freund zusammen, den aber niemand kennen gelernt hat. Mac begibt sich auf die Suche nach diesem mysteriösen Typen – und stößt dabei auf einen anderen unheimlichen Mann. Jericho Barrons gibt sich als Buchhändler aus, ist aber eigentlich auf der Jagd nach Feenreliquien mit magischen Kräften. Da kommt ihm Mac gerade recht, denn die spürt, wenn ein solcher Gegenstand in der Nähe ist. Im Gegenzug kann sie bei ihm wohnen und wird vor den Unseelie beschützt, bösen Feenmonstern, die es auf sie abgesehen haben. Doch die Zweckgemeinschaft der beiden wird immer wieder auf die Probe gestellt …

_In „Im Bann_ des Vampirs“ gibt es zwar eigentlich, mit einer Ausnahme, keine Vampire, doch es ist nicht ungeschickt, das Buch für die LeserInnen von romantischer Vampirfantasy interessant zu machen. Genau die werden damit nämlich ihre Freude haben. Das ist bereits nach wenigen Seiten ersichtlich, denn die Protagonistin entspricht der klischeehaften Heldin eines Frauenromans. Sie hat einen tollen Körper, achtet sehr auf ihr Äußeres, ist Single und neigt dazu, in der Gegenwart attraktiver Männer sehr schwach zu werden. Ihre offene und herzliche Art macht sie zwar sympathisch für den Leser, doch so wirklich ans Herz möchte sie einem nicht wachsen. Dafür wirkt sie zu stereotyp – selbst dann, als ihr Leben dank der Feen ordentlich durcheinander gewirbelt wird.

Ähnliches gilt für die übrigen Charaktere, die einer starken Schwarz-Weiß-Zeichnung unterliegen. Die Bösen sind böse, die Guten sind zwar nicht immer wirklich gut, aber immerhin unwiderstehlich männlich. Jericho Barrons beispielsweise, Macs ungewollter Kollege. Er benimmt sich ihr gegenüber zwar nicht unbedingt wie ein Gentleman, doch er sieht sehr gut aus, was sie bei aller Antipathie zugeben muss. Möglicherweise entsteht daraus noch die Liebesgeschichte der Reihe. Im ersten Band ist von Romantik jedenfalls nicht viel zu sehen und auch die „erotischen“ Momente der Geschichte wirken eher albern, was unter anderem mit der mädchenhaften Protagonistin zusammenhängt.

Die Story selbst hat einen eher klassischen Aufbau. Es geht darum, Alinas Mörder und ein besonders wertvolles Feenrelikt zu finden. Die Autorin baut auf dem Weg dorthin allmählich Spannung auf, verlässt ihren ausgetretenen Pfad aber nicht. Die Handlung wirkt etwas bieder, da große Überraschungen fehlen. Der geheimnisvolle Barrons und Macs Auseinandersetzung mit ihrer Andersartigkeit sorgen allerdings dafür, dass die Geschichte recht interessant zu lesen ist. Der Schreibstil tut das seinige, um „Im Bann des Vampirs“ zumindest zu einem netten Buch zu machen. Moning schreibt flüssig und einfach, kann aber mit dem humorigen Lesevergnügen von Kolleginnen wie Kim Harrison nicht mithalten.

_Wer mit Leib_ und Seele Fantasy-Fan ist, wird sich mit Karen Marie Monings Serienbeginn deshalb nicht anfreunden können. „Im Bann des Vampirs“ ist mehr Frauenroman als gelungene Fantasy. Zwar ein recht gut erzählter Frauenroman mit einer stellenweise spannenden Handlung und ohne Beziehungskisten, aber trotzdem ein Frauenroman. Und die liebt man nunmal oder hasst sie.

|Taschenbuch: 361 Seiten
Originaltitel: Darkfever
Deutsch von Ursula Walther
ISBN-13: 978-3548266015|
http://www.ullstein-taschenbuch.de

_Karen Marie Moning beim Buchwurm:_
[Der unsterbliche Highlander]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5227

Minte-König, Bianka – Estelle – Dein Blut so rot (Die dunkle Chronik der Vanderborgs 1)

Bianka Minte-König schreibt eigentlich Jugendbücher für pubertierende Mädchen, gern auch mit tatkräftiger Unterstützung ihrer eigenen Tochter Gwyneth Minte. Mit „Estelle – Dein But so rot“ jedoch, dem ersten Teil der „Dunklen Chronik der Vanderborgs“, wagt sie sich nun vor ins Erwachsenengenre, leicht zu erkennen an der blassen Schönheit auf dem Cover, die lüstern-mysteriös vom Buchdeckel herabschaut. Es fehlt eigentlich nur noch der halbnackte, langhaarige Mann, der sie in seine Arme schließt, um programmatisch klarzumachen, worum es in „Estelle“ geht: Denn natürlich handelt es sich beim vorliegenden Roman um eine dieser Vampirromanzen, die momentan den Buchmarkt zu überschwemmen drohen und innerhalb klar abgesteckter Handlungsschemata immer wieder die gleiche Geschichte erzählen. Immerhin hat Bianka Minte-König versucht, dem Genre ihren eigenen Stempel aufzudrücken, unter anderem auch, indem sie die Handlung ganz bodenständig nach Deutschland verlegt. Zumindest für große Teile …

_Wir befinden uns_ im Berlin der Jahrhundertwende. Vanderborg ist ein Tüftler, der von allem fasziniert ist, was mit Elektrik und Strom zu tun hat. Für den Großen Pilati, einen Zauberkünstler, baut er Maschinen, um dessen Illusionen überhaupt erst möglich zu machen. Seine neueste Erfindung ist eine Vampirfangmaschine, und weil so ein Vampir eine absolute Attraktion in Pilatis Bühnenshow wäre, fährt Vanderborg – seinen Sohn Friedrich, seine Tochter Estelle und eben jene Maschine im Gepäck – nach Polen, um sich dort einen Vampir zu fangen. Das kann so schwierig schließlich nicht sein! Leider geht die ganze Aktion jedoch vollkommen schief. Estelle wird während der Fangaktion vom Blitz getroffen. So scheint es jedenfalls. Was jedoch weder Vanderborg noch Friedrich begreifen ist, dass ihnen tatsächlich ein Vampir ins Netz gegangen ist: Im entscheidenden Moment ist nämlich die Vampirin Eleonore in Estelle gefahren, um fortan in deren Körper zu leben.

Für sie ist es eine Chance und ein Neuanfang. Mit Vanderborg und Friedrich fährt sie zurück nach Berlin. Zwar stellt sie bald fest, dass sie immer noch ein Vampir ist (so verträgt sie kaum Sonnenlicht und braucht regelmäßig Blut), doch eröffnen sich ihr auch ganz neue Möglichkeiten. Zusammen mit den beiden Männern fährt sie zur Weltausstellung nach Paris, da der Große Pilati dort eine Anstellung hat. Seine Illusionsmaschinen werden jedoch nicht geliefert und die ganze Reise endet in der Katastrophe – und in der Pleite. Den Karren aus dem Dreck zu ziehen fällt an Estelle. Sie soll den reichen Bankier Karolus Utz heiraten, um die Familie wieder solvent zu machen. Die Ehe steht jedoch unter einem schlechten Stern. Utz ist nicht gerade ein vorbildlicher Ehemann. Er hat eine Geliebte, die Estelle verabscheut. Doch kann Estelle Utz diese Tatsache moralisch bald nicht mehr vorwerfen, denn als sie den Soldaten Amadeus kennenlernt, beginnt auch sie eine Affäre. Das kann natürlich nicht endlos gut gehen, doch zunächst kommt der Erste Weltkrieg dazwischen und Liebesdinge müssen hintan gestellt werden.

_In vielerlei Hinsicht_ ist „Estelle“ ein Roman wie tausend andere. Die Hauptfigur ist eine vom Schicksal gebeutelte Heroine, wunderschön und eigentlich gutherzig, der jedoch aufgrund der äußeren Umstände ein tragisches Schicksal zugefallen ist. In Estelles (bzw. Eleonores) Fall begann alles damit, dass der Gutsherr ihres Dorfes sie töten ließ. Sterbend, verfluchte sie ihn und sein Geschlecht und kam als Wiedergänger wieder, um jeden in der Familie des Gutsherren ins Jenseits zu befördern. Dass diese Art der Vampirwerdung auch innerhalb des Romans eine Sonderstellung einnimmt (alle anderen Vampire werden klassisch durch Biss vampirisiert), wird zwar thematisiert, jedoch nie logisch aufgeklärt. Vermutlich ging es Minte-König allein darum zu zeigen, dass Eleonore unschuldig an ihrem Schicksal ist, um ihr keine Lesersympathien zu entziehen.

Und natürlich gibt es eine überlebensgroße, alles verschlingende Liebe. Zunächst fühlt sich Estelle zwar zu Friedrich hingezogen, bemerkt aber bald, dass dies eine Sackgasse ist. Nicht nur würde die Welt eine solche Partnerschaft für Inzest halten, auch überkommt sie jedes Mal der Blutdurst, wenn sie Friedrich nahekommt. Als sie dann jedoch Amadeus kennenlernt, wird alles anders. Ihr innerer Vampir meldet sich nicht, wenn sie sich küssen. Das einzige, was zwischen ihnen steht, ist Utz. Zwar versucht Estelle halbherzig, die Affäre zu beenden, doch wird daraus nichts. Eine überlebensgroße Liebe wäre schließlich nicht überlebensgroß, wenn nicht er androhen würde, sich zu erschießen, sollte sie sich entscheiden, ihn nicht wiederzusehen. Und sie wäre ebenso wenig überlebensgroß, würde sie nicht praktisch an Melancholie eingehen, wenn sie von ihm getrennt ist. Dass solcherart destruktive Gefühle nicht wirklich etwas mit Liebe, sondern eher mit pathologischer Besessenheit zu tun haben, wird natürlich nicht thematisiert. Schließlich ist es ein Topos des Liebesromans, dass A ohne B nicht leben kann – eine sehr literarische Vorstellung, die sich im wahren Leben in der Regel nicht bestätigt (zum Glück).

Von den Charakteren und der Liebesgeschichte ist also kaum Überraschendes zu erwarten. Die Beschreibung der Liebesszenen dümpelt auch eher zwischen durchschnittlich und geradezu unterirdisch dahin. Minte-König beweist zumindest genügend Geschmack, die Bettgeschichten nicht überhand nehmen zu lassen und die entsprechenden Szenen immer der eigentlichen Handlung unterzuordnen. Wenn aber Estelle beispielsweise mit ihrem Liebhaber schläft und seine männliche Schönheit vor sich ausgebreitet sieht “wie ein geschmeidiges Wild, frisch erlegt, dem Jäger zum baldigen Genusse präsentiert”, dann ist das so unappetitlich wie metaphorisch schief. Da schaudert es den Leser unwillkürlich. Liebe mag zwar durch den Magen gehen, aber das Sprichwort bezieht sich wohl eher nicht auf einen derartigen Vergleich.

Was „Estelle“ aus der reinen Schnulze heraushebt, ist das gut ausgearbeitete Setting. Dass Bianka Minte-König in Berlin geboren wurde, zeigt sich deutlich. Die Stadt beschreibt sie mit einem guten Blick fürs (auch historische) Detail und so wird der Moloch Berlin bald selbst zum überzeugendsten Charakter innerhalb des Romans. Ebenso gut gelingen ihr die vielen kleinen literarischen Anspielungen, von denen der eine Leser wohl mehr, der andere weniger versteht. So gibt sie literarischen Größen Cameo-Auftritte (z.B. Georg Heym oder Georg Trakl). Sie lässt den berühmten Zille ein Porträt von Estelle malen und legt den handelnden Figuren wiederholt literarische Zitate in den Mund. Diese Passagen geben der doch recht geradlinigen und klischeehaften Handlung eine weitere Dimension und zeigen deutlich die germanistischen Wurzeln der Autorin. Da „Estelle“ noch zwei weitere Romane folgen sollen, darf man gespannt sein, welcher literarischen Epoche sich Minte-König dann so leidenschaftlich widmet.

_Wer Paranormal Romances_ bzw. Vampirroman(z)en mag, der ist mit „Estelle“ in jedem Fall besser bedient als mit der amerikanischen Massenware, die im Buchhandel erhältlich ist. Bianka Minte-König hat sich mit dem gut recherchierten historischen Setting viel mehr Mühe gegeben als es im Liebesroman-Genre in der Regel üblich ist. Dass die Liebesgeschichte dennoch in vorgefertigten Bahnen verläuft, ist vermutlich den Anforderungen des Genres und den Vorlieben des Publikums geschuldet.

|Broschiert: 423 Seiten
ISBN-13: 978-3800095247|

http://www.otherworldverlag.de

Winter, Cay – Hexenwut (Babel 1)

_|Babel|:_

Band 1: _“Hexenwut“_
Band 2: – angekündigt für Frühjahr 2011 –

_Schon früh ist klar,_ dass Babel eine sehr mächtige Hexe werden kann. Schon als Kind hat sie Verbindungen zur Dämonenebene und auch zur Totenebene. Wo andere Hexen Hilfsmittel wie Runen und Zaubersprüche benötigen, hext Babel rein intuitiv. Babels Familie ist darüber nicht besonders glücklich, birgt Babels Talent doch viele Gefahren und kann schnell in die falsche Richtung gehen.

Mit 17 Jahren muss Babel diese Erfahrung auch machen, als ihr Freund Sam, ein Dämonenkind/Mischling, sie zu einer Beschwörung überredet, die dann gründlich schiefgeht. Leider lernt Babel nicht aus diesem Fehler und verfällt Sam immer mehr. Sam überredet Babel immer öfter zu den blutigen Beschwörungen. Die Narben dieser Zeit wird Babel ihr Leben lang tragen müssen.

Gegenwärtig ist Babel 30 Jahre alt und steht mit beiden Beinen fest im Leben. Die Sucht nach der Dämonenebene versucht sie mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker in den Griff zu bekommen. Beruflich hat Babel sich mit Karl, den sie einst von einem Fluch befreit hat, zusammengetan. Ihr Klientel benötigt magische Hilfe bei untreuen Lebenspartnern und Ähnlichem. Da kommt Babels Talent gerade recht.

Als dann eines Tages der Plag Mo in der Kanzlei von Karl und Babel auftaucht und Babel um Hilfe bittet, gerät ihr Leben wieder aus den Fugen. Bei den Plags/Alben kommt es gerade zu einer Mordserie, bei der Plags auf geheimnisvolle Weise getötet werden. Die Polizei steht vor einem Rätsel, und da die Plags davon ausgehen, dass Magie im Spiel ist, haben sie widerwillig dem Vorschlag ihres Sprechers Tom zugestimmt, eine Hexe zu Rate zu ziehen.

Da das Verhältnis zwischen den Plags und den Hexen mehr als nur schwierig ist, stimmt Babel nur widerwillig zu, bei der Aufklärung zu helfen. Als sie sich dann auch noch in den Anführer Tom verliebt, wird es für sie nicht einfacher, und eines Tages steht auch noch Sam vor der Tür …

_Kritik_

Die deutsche Autorin Cay Winter hat mit „Babel – Hexenwut“ den Auftakt zu einer neuen Serie um magische Wesen geschrieben.

Die Autorin bedient sich eines flüssigen Schreibstils, dem leicht zu folgen ist. Interessant beschreibt Cay Winter die Verschmelzungen der magischen und nicht-magischen Welt. Nur magische Wesen sind in der Lage, die Magie wahrzunehmen, die sich ihnen als magisches Netz offenbart. Nicht-magische Menschen nehmen dies kaum wahr, nur anhand eines merkwürdigen Gefühls, eines Prickelns, einer plötzlich auftauchenden Gänsehaut, dem Gefühl, jemandem wehtun zu müssen, oder auch depressiver Gefühle zeigt sich ihnen, dass sie zum Beispiel gerade von deinem Dämon gestreift werden.

Selbstverständlich wird das Vorhandensein nicht als solches erkannt. So lernt der Leser zwar keine neue, aber eine anders dargestellte Welt kennen. Schade ist nur, dass die Autorin die übernatürlichen Wesen und Hexen ihres Romans als an der Grenze zur Legalität lebend darstellt. Als hätten Hexen und Co. nicht die Möglichkeit, gut und integriert zu sein. Dazu hat die Autorin einige sarkastisch-lustige Szenen untergebracht, die den Leser des Öfteren schmunzeln lassen dürften. Auch auf die Erotik wird hier nicht verzichtet, die sehr geschmackvoll untergebracht ist.

Der Spannungsbogen baut sich konstant auf, beruht dabei auch darauf, dass der Leser wissen will, was in Babels Vergangenheit geschehen ist. In mehreren Rückblicken sowie der Stimme ihres Gewissens, das oftmals vor den Folgen ihres Tuns warnt und dabei auf Erlebnisse in der Vergangenheit hinweist, werden dem Leser Rätsel aufgegeben. Dazu kommt natürlich die Suche nach dem Mörder der Plags, die sich als ziemlich verzwickt darstellt. Lediglich das Ende war recht überstürzt und hätte gerne mehr Ausführlichkeit vertragen können.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht eines Beobachters, der sich auf Babel konzentriert. So weiß der Erzähler auch nie mehr als die Protagonistin selbst. Die Protagonisten sind logisch und lebendig konzipiert, der Leser hat die Möglichkeit, diese in vielen Facetten kennenzulernen. Besonders charmant waren da Babel und Tom, aber auch der dämonische Papagei Xotl kann definitiv punkten.

Das Cover ist passend zum Plot sehr düster gehalten. Auf schwarzem Hintergrund sieht man eine Skyline einer Stadt und das Gesicht einer Frau, das mit der Umgebung verschmilzt. Auf der Innenseite des Covers findet sich die Skyline wieder.

_Fazit_

Cay Winter hat mit „Babel – Hexenwut“ einen sehr interessanten Auftakt zu dieser neuen Reihe geschrieben. Sehr düster und geheimnisvoll kommt ihre Protagonistin Babel beim Leser an, wirkt aber durch ihre Reife und die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, sympathisch. Ein paar Schwächen hat dieser Roman zwar, ist aber trotzdem lesenswert. Auf weitere Abenteuer mit Babel bin ich schon sehr gespannt.

_Autorin_

Cay Winter ist eine junge deutsche Autorin. Sie lebt in einer Stadt, deren Name sich auf das slawische Wort „Linde“ bezieht, und hat eine Schwäche für die Filme aus der Zeit des Film Noir – weil Frauen die besseren Bösewichte sind.

|Broschiert: 399 Seiten
ISBN-13: 978-3802582950|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.caywinter.com]http://www.caywinter.com

_Nadine Warnke_