Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Schmidt, Michael – Saramee 9: Himmelsstürmer

_Die „Saramee“-Reihe:_

01 „Der vergessene Friedhof“ – Markus K. Korb
02 „Nachtleben“ – Martin Hoyer
03 „Das Dedra-Ne“ – Sylke Brandt
04 „Saramees Nache“ – Dirk Wonhöfer
05 „Schattenspiele“ – Michael Schmidt
06 „Der Dieb“ – Karl-Georg Müller
07 „Die Ankunft“ – Martin Hoyer & Markus K. Korb
08 „Die Grube“ – Christian Endres
09 _“Himmelsstürmer“_ – Michael Schmidt
10 „Tanz der Bestien“ – Christian Endres
11 „Kronns Rache“ – Markus K. Korb

_Inhalt:_

Ein Licht erscheint zwischen Net und Gret, dem Zwillingspärchen am westlichen Himmelsbild, und die Himmelsstürmer werden aktiv. Die Ankunft ihres Gottes steht bevor. Gleichzeitig beginnt eine Mordserie. Naarson und Ragun machen sich auf, um die mysteriösen Hintergründe aufzuklären. Als sich der Fremde namens Rune Flock zu ihnen gesellt, überschlagen sich die Ereignisse.

_Meinung:_

Die „Himmelsstürmer“ sind eine Vereinigung, die glaubt, dass das Leben von den Sternen kam und dass ihr Schöpfer kommen wird, um nach seiner Schöpfung zu schauen.

Haran Belo verbringt mit seiner Liebsten Bera Bork ein Schäferstündchen und sieht einen sich bewegenden Stern am Himmel, der die Ankunft des Gottes der „Himmelsstürmer“ ankündigen soll. Barmer Org, heimliches Mitglied der „Himmelsstürmer“, erfährt durch Haran davon. Kurze Zeit später wird Haran ermordet.

Ragun – Naarson Gaads Freund – nimmt Naarson mit zu den Himmelsstürmern. Dort wird bei einer Versammlung das Nahen des Schöpfers angekündigt. Ragun und Naarsons sollen dem Mord an Haran Belo auf den Grund gehen. Als sie Honor Bahlung aufsuchen wollen, ist dieser ebenfalls ermordet worden und sie werden von der Stadtwache als Verdächtige verhaftet.

Geldwechsler Balduin Baal leidet unter gesundheitlichen Problemen (Erschöpfungszustände) und ist ebenfalls ein Mitglied der „Himmelsstürmer“. Er lässt vermehrt seine „rechte Hand“, Irrid, die Geschäfte führen, weil er seine Tochter Amata für nicht geeignet hält. Hauptmann Balesh Gaus verhört Ragun und Naarson. Er will sie als Sündenböcke abstempeln. Nur Balduin Baal, in dessen Auftrag sie losgezogen sind, kann sie noch retten. Doch der hat Anderes im Sinn. Er will die Schriften des Stadtvaters von Saramee, die sich mit der Erforschung des Himmelsfirmaments beschäftigen, an sich bringen und stößt auf dessen Tagebuch …

So stellen sich dem Leser einige Fragen: Kommen Ragun und Naarson wieder frei? Wird der Gott der „Himmelsstürmer“ wirklich von den Sternen kommen? Vor allem wird ER ihnen erscheinen? Und was wird dann geschehen?

Michael Schmidt lädt den Leser zu einer sechstägigen Reise nach Saramee ein. Doch nicht nur die bekannteren Charaktere der Serie agieren in diesem souverän geschriebenen Roman. Da ist z. B. noch Dom, der Schatten, der in der Stadt mordet. Und Rune, durch den der Leser auf Aqua trifft, dessen Partner durch Rune zu Tode kam. So wird wieder ein weiteres Mosaiksteinchen dem turbulenten Treiben der Stadt, die diese Serie ausmacht, zugefügt. Und der Leser aller bisheriger Bände, wird sich immer mehr als ein „Mitbewohner“ von Saramee fühlen, immer heimischer durch die Gassen wandeln und gerne wiederkehren …

An den Romantext schließt sich die Vita das Autors und der Künstlerin und ein Mini-Glossar an.

_Fazit:_

Souverän geschriebenes neues „Saramee“-Abenteuer, das Lust auf mehr und komplexe Romane macht.

|Taschenbuch: 72 Seiten
Titelillustration von Chris Schlicht
Innenillustrationen von Chris Schlicht
ISBN-13: 978-3936742718|
[www.atlantis-verlag.de]http://www.atlantis-verlag.de
[www.saramee.de]http://www.saramee.de
[www.dreamspiral.de]http://www.dreamspiral.de

_Mehr aus „Saramee“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Glück Saramees“ 6368

Stephen R. Donaldson – Die wahre Geschichte. Der Schritt in den Konflikt (Amnion 1)

Cliffhanger par excellence – Suchtgefahr

Stephen R. Donaldson ist einer der berühmten, aber merkwürdigen Autoren, merkwürdig in dem Sinne, dass alle seine Werke, die nur in großen Abständen erscheinen, von Charakteren erfüllt sind, die irgendeine Art von seelischem Defekt besitzen: sei es ein Leprakranker wie Thomas Covenant der Zweifler, sei es eine depressive einsame Frau wie Terisa Morgan in „Der Spiegel ihrer Träume“ und ihr Freund, Prinz Geraden – oder wie die Weltraumpolizistin Morn Hyland im neueren Amnion-Zyklus.

Unfreiwillig löst diese neueste „Heldin“ eine Katastrophe aus, in der ihre Familie stirbt, als sie ein Opfer des Hyperspatium-Syndroms wird, das darin besteht, dass sie bei Hochschwerkraft von dem unstillbaren Verlangen erfüllt wird, den Selbstzerstörungsmechanismus ihres Raumschiffs zu aktivieren.

Alle diese Romangestalten wirft Donaldson in eine kritische Situation, so etwa in einer andersartigen Realität, um sie dort einem Verhaltensexperiment auszusetzen – das bis zur Zerstörung ihrer bislang bekannten Realität führen kann. Donaldson ist bekannt für seine extremen Personenkonstellationen und Gefühlslagen – genau das macht den Reiz der meisten seiner Bücher aus. Im Amnion-Zyklus führt er seine Kunst – und die Leser – zu einem neuen Extrem.

Band 1 von 5: „Die wahre Geschichte“

„Die wahre Geschichte“ ist, obwohl in ihrer Kürze untypisch für den Zyklus, ein vielversprechender Auftakt. In einer Dreiecksgeschichte um Morn Hyland, die junge Raumpiratenpolizistin, wechseln die Figuren ihre Rollen: vom Opfer zum Retter, vom Retter zum Bösewicht zum Opfer usw. In diesem „Kammerspiel“ im Weltraum sucht der Außenstehende vergeblich, die „wahre Geschichte“ zu ergründen – diese Spannung bleibt bis Band 5 erhalten!

Der Erzähler/Autor enthüllt sie in Teilen dem gespannten Leser, als würde er die Schichten einer Zwiebel abschälen, um von der Sensationsstory, die den Voyeur anmacht, über die Geschichte der flüchtigen Bekannten des Trios zur eigentlichen Wahrheit vorzudringen, die in keiner Weise zur Befriedigung von Sensationslust geeignet ist: Hier warten Grauen, Leiden und Schmerz, wie man sie in dieser Häufung und Intensität selten in der Literatur findet, allenfalls in einem Thriller von Andrew Vachss. Zartfühlende Gemüter sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen.

Angus Thermopyle ist als skrupelloser Raumpirat im Humankosmos gefürchtet. Bei seiner Verfolgung zerstört Morn Hyland unter dem Einfluss des Hyperspatium-Syndroms, das bei hoher Beschleunigung auftritt, ihr eigenes Schiff, wobei sie vor der völligen Vernichtung nur durch ihren Vater bewahrt wird. Thermopyle betritt das Schiffswrack, erschießt Morns Vater und nimmt Morn, die einzige Überlebende, gefangen. Als er von ihrer Krankheit erfährt, setzt er ihr eine verbotene Gehirnelektrode – das sog. Zonenimplantat – ein, mit der er sie komplett fernsteuern kann – teils um sich zu schützen, teils um seine sadistischen Gelüste zu befriedigen. Morn ist ihm willenlos ausgeliefert.

Als sie zu einer Raumstation des Bergwerkkonzerns VMK zurückkehren, dessen Polizei VMKP Morn angehört, erregt ihre Schönheit die Aufmerksamkeit eines anderen Raumpiraten, Nick Succorso (vielleicht von ital. soccorso: Hilfe, Rettung), der als Doppelagent für die VMK und für die Amnion-Aliens arbeitet. Ihr Schicksal hängt davon ab, ob sie die beiden Rivalen gegeneinander ausspielen kann. In einem furiosen Finale besiegt Succorso Thermopyle, und mit Hilfe eines Komplotts zwischen Succorso und einem korrupten Mitarbeiter der Stationssicherheit gelingt es, Thermopyle zu verhaften.

Zum Erstaunen der Polizisten hat er allerdings zu diesem Zeitpunkt das Kontrollgerät für Morns Implantat nicht mehr bei sich. Dadurch, dass sie das Gerät an sich nimmt, versteckt und eisern schweigt, rettet Morn ihrem Peiniger das Leben – und verrät ihren Ehrenkodex als Polizistin. Angus aber wird der VMK übergeben.

Unterm Strich

Donaldsons Amnion-Zyklus (im Original heißt die Serie der Gap-Zyklus, weil „das Gap“ das Hyperspatium ist, das Morn in die Katastrophe geführt hat) ist zweifelsohne ein weiterer Höhepunkt in seinem Schaffen, aber auch für das Genre – darin sind sich fast alle Kritiker einig. Hier hat der Autor nicht nur hohes Drama verwirklicht, sondern auch die niedrigsten wie auch besten Kräfte im Menschen in Extremsituationen sichtbar und erlebbar gemacht. Dieser Stoff macht süchtig!

Hinweis: Später hat der Autor Band 1 und 2 zusammengelegt. Ergibt Sinn!

Taschenbuch: 237 Seiten
O-Titel: The Gap into Conflict: The Real Story, 1991
ISBN-13: 9783453109384

www.heyne.de

Michael Marcus Thurner – Die Welt der 20.000 Welten (Perry Rhodan 2550, Lesung)

|In der Milchstraße schreibt man das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung – das entspricht dem Jahr 5050 christlicher Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht Frieden: Die Sternenreiche arbeiten daran, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Als die Terraner die Transport-Technologie sogenannter Polyport-Höfe, Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit, zu entschlüsseln beginnen, tritt die Frequenz-Monarchie auf den Plan: Sie beansprucht die Macht über jeden Polyport-Hof.

Mit Raumschiffen aus Formenergie oder über die Transportkamine der Polyport-Höfe rücken die Vatrox vor, und anfangs scheinen sie kaum aufzuhalten zu sein. Dann aber entdeckt man ihre Achillesferse ausgerechnet in ihrer stärksten Waffe: Die Vatrox verfügen mittels ihrer „Hibernationswelten“ über die Möglichkeit der Wiedergeburt. Als die Terraner ihnen diese Welten nehmen und die freien Bewusstseine dieses Volkes einfangen, beenden sie damit die Herrschaft der Frequenz-Monarchie.

Allerdings sind damit nicht alle Gefahren beseitigt: Noch immer gibt es Vatrox, darunter den gefährlichen Frequenzfolger Sinnafoch, und mindestens zwei rivalisierende Geisteswesen, die mit dieser fremden Kultur zusammenhängen. Und zwei Drittel des Raumschiffs JULES VERNE mit Perry Rhodan an Bord wurden am Ende der entscheidenden Schlacht vom Handelsstern FATICO wegtransportiert – in DIE WELT DER 20.000 WELTEN …

(Verlagsinfo)|

_Inhalt_

Zwei Drittel des Hantelschiffes JULES VERNE werden durch einen Polyport-Hof des Handelssterns FATICO nach Anthuresta verschlagen und gelangen an einen uralten Handelsstern, der in eine Psimateriewolke gehüllt ist, die alle höherdimensionalen Vorgänge stört. Das Schiff strandet, die Mannschaft sieht sich mit „Psifolien“ konfrontiert – durch Psimaterie Form gewordene Erinnerungen -, während ein ungreifbarer Einfluss die Geiste und Körper der Menschen schwächt. Perry Rhodan ist an einer schnellen Übernahme des Handelssterns interessiert, um die Initiative zurückzugewinnen und die Gefahren von seiner Mannschaft abzuwenden. Auch um die rätselhafte Herkunft des Handelssterns zu erforschen und Antworten auf die durch ES aufgeworfenen Fragen zu finden, dringt er mit einer kleinen Gefolgschaft in den Handelsstern ein, der wahrhaft gigantische Ausmaße hat und so die Aussicht auf Erfolg mehr als unwahrscheinlich wirken lässt.

Als er endlich doch an eine Datenquelle kommt, erwartet ihn eine Überraschung der besonderen Art: Der Stern scheint umringt von einer Hohlkugel aus 20000 halbkugligen Welten, die jede ein Abbild WANDERERs zu sein scheinen – ES‘ Finger sind lang …

_Kritik_

Wenn man nach 2550 Folgen in eine Serie einsteigt, kann es durchaus zu unverständlichen Anspielungen und Verwirrungen kommen. Wenn dann auch noch der MP3-Player die einzelnen Tracks willkürlich abspielt, ist das Chaos perfekt. Nachdem ich diesen Fehler behoben hatte, kam ich in den Genuss eines Hörheftes mit einigen überraschenden Eigenschaften:

Der Umfang der Romanhefte beträgt ungefähr 59 Seiten, das Hörheft umfasst je nach Sprecher etwa 180-220 Minuten, was dem Hörer erstaunlich lang vorkommt. Der wöchentliche Erscheinungsrhythmus erfordert eine hohe Disziplin an die produzierende Firma der Hörheftadaption, der Sprecher liefert eine anspruchsvolle Leistung ab und verleiht dem Roman durch den Charakter seiner Stimme zusätzlich Niveau.

Was im Moment des Selbstlesens stärker offenbar wird, verschluckt die gut zusammenhängende Erzählweise des Vorlesers zum Vorteil der Geschichte: Mehrfache Wiederholungen von kleinen Details, wiederholte Gedankengänge der Protagonisten, selbst wenn es im Zusammenhang dieses einen Romans steht und sich nicht auf die Serien- oder Zyklusvergangenheit bezieht.

Die Charaktere erhalten erstaunliches Profil, ein Geschehen, das den Romanen der letzten Jahre oft abging. Gerade an Unsterblichen und speziell an Rhodan schreiben sich die Autoren oft die Zähne aus. Aber gerade Rhodan, dem das Exposé eine persönliche Veränderung prophezeiht, wird durch Thurner schön positioniert, wodurch dieser runde Roman deutlich Pluspunkte sammelt.

Sonst ist noch Chucan Tica erwähnenswert, der für den polternden, lockeren Part des Romans zuständig ist. Die Handlung selbst projiziert einen Ausblick kosmischer Tragweite auf die kommenden Serienabschnitte, und wenn das Exposé hält, was Thurner in diesem Roman an Veränderungen ankündigt, wird auf die Serienfiguren wie auf die Leserschaft noch umfangreiches Überraschungsmaterial zukommen.

|MP3-Hörbuch mit 229 Minuten Spielzeit
Gelesen von Renier Baaken
Exklusiv über den [Perry-Rhodan-Shop]http://www.perryrhodanshop.de erhältlich|
[www.EinsAMedien.de]http://www.einsamedien.de
[www.perry-rhodan.net]http://perry-rhodan.net

Benson, Amber – Lieber Tod als Teufel (Jenseits GmbH 1)

_Die „Jenseits GmbH“-Reihe:_

01 „Lieber Tod als Teufel“
02 „Einmal Tod ist nicht genug“ (März 2011)
03 – im Juni 2010 fertiggestellt – Erscheinungsdatum noch nicht bekannt

_Inhalt:_

Calliope Reaper-Jones will eigentlich nur ein ganz normales Leben führen und möglichst wenig mit ihrer Familie zu tun haben. Was gar nicht so einfach ist, wenn man die Tochter des Todes ist. Als ihr Vater, seines Zeichens Chef der Jenseits GmbH, entführt wird, soll Callie seinen Posten übernehmen. Dazu muss sie sich jedoch mit Daniel herumschlagen, dem unverschämt attraktiven Protegé des Teufels, der ihr den Job streitig macht.

|“‚Buffy‘-Star Amber Benson ist ein echtes Multitalent. Ihr erster Roman ist rasant und urkomisch.“| – Romantic Times

_Meinung:_

Calliope Reaper-Jones, die Tochter des Todes, hatte seit ewigen Zeiten kein Date mehr und lässt sich daher auf ein Blind Date mit dem kleinen pummeligen Brian ein. Auch sonst ist ihr Leben turbulent. So hat sie zum Beispiel eine seltsame Begegnung mit einem Obdachlosen, der ihr den Spruch reindrückt: „Du bist die Nächste, Herrin Calliope!“

Calliope hasst ihre Arbeit als Sekretärin bei ihrer Chefin Hyacinth Stewart. Da ändert sich ihr Leben von Grund auf, als der vor drei Jahren auf sie gewirkte Vergessenszauber aufgehoben wird, und Calliope Erinnerungen an die vorherigen 24 Jahren ihres Daseins heimsuchen. Damit nicht genug, Jarvis (ein 1,50 Meter kleiner Faun), der Assistent ihres Vaters, erscheint bei ihr. Er wurde von ihrer Mutter geschickt, um ihr mitzuteilen, dass man ihren Vater – den Tod höchstpersönlich – entführt hat. Calliope soll sofort nach Hause in den Schoß der Famlie zurückkehren.

In „Haus Herrenklippe“, dem Familiensitz, befindet sich im Keller eine Tür zur Hölle. Als Calliope dort wieder auftaucht, merkt sie erst, wie sehr sie ihr Zuhause vermisst hat. Dort trifft sie auf Daniel (hochgewachsen, dunkelhaarig, blauäugig), den Protegé des Teufels, der körperlich höchst anziehend auf Calliope wirkt. Aber natürlich auch auf ihre Mutter (unsterblich, klein, zierlich, goldblondes Haar = wunderschön, eine direkte Nachfahrin der Helena von Troja).

Calliope erfährt von ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Clio, dass man ihren Vater, ihre ältere Schwester Thalia und zwölf der wichtigsten Führungskräfte entführt hat. Nun soll Calliope die Familie retten und dem drohenden Eingreifen des Teufels entgegenwirken. Dieser will nämlich ihrer Familie die Sterblichkeit zurückgeben, sie des Anwesens verweisen, ihren Vater in seinem Elendsloch verrotten lassen und selbst der Tod werden. Nun muss Calliope die Jenseits GmbH leiten.

Auf dem Anwesen taucht Detective Davenport (gutaussehend, überheblich, schlank, athletisch) von der „Ermittlungsbehörde für Übersinnliches“ auf, um Calliope zu ihrer Familie zu befragen, und sie spürt zum ersten Mal die Macht, die sie nun als stellvertretender Tod innehat. Bevor sie das Amt jedoch antreten kann, muss Calliope allerdings drei Prüfungen bestehen. Doch zuvor landet sie in Atlantis. In einer Pagoge begegnet sie einem alten Mann und zwei Frauen: Wodan, Persephone und Kali. Wodan legt Calliope die drei Prüfungen dar, währenddessen taucht plötzlich Daniel wieder auf, betont, dass er der nächste rechtmäßige Tod sei, und droht Calliope damit, sie fertigzumachen.

Die erste Aufgabe lautet: Calliope muss in den Hades und sich einen von Zerberus‘ Welpen holen). So begibt sich Calliope mit Jarvis in die Hölle. Lustig ist, dass eine Strafe der bösen Seelen dort ist, zum Beispiel alle Songs von ABBA auswendig zu lernen und den Dämonen vortragen zu müssen. Und wieder funkt ihr Daniel dazwischen, den sie zwar „rattenscharf“ findet, der aber ihr Gegner ist. So liefert sie sich mit ihm ein Wortgefecht nach dem anderen und kann sich seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Doch als er sie küsst, bricht der Zauber und kehrt sich ins Gegenteil. Und Calliope erfährt noch etwas Wichtiges: Sie besitzt die Gabe, dass sie sich nur etwas zu wünschen braucht und der Äther materialisiert es für sie.

So geht es munter und turbulent weiter. Über Langweile kann sich Calliope und somit der Leser wirklich nicht beklagen. Calliope landet durch Detective Davenport in der Unterstadt. Davenport verdächtigt Calliope, ihren Vater und die anderen entführt zu haben, aber auch Jarvis wird verdächtigt. Doch sie kann mit Jarvis‘ Hilfe entfliehen und befindet sich schon bald wieder auf dem Anwesen ihrer Familie. Dort entdeckt sie, dass ihre kleine Schwester Clio zaubern kann.

Die zweite Aufgabe, die Calliope zu erfüllen hat, ist, Indra (mächtigste indische Gottheit und unglaublich chilischarfer Bollywoodsuperstar) zu finden und von ihm den Meerschaum zu erhalten, mit dem er den Dämon Vritra getötet haben soll. Und ab hier ist Clio mit von der Partie, die es sich nicht nehmen lässt, ihrer Schwester beizustehen. Die dritte Aufgabe hat etwas mit dem Kelch von Jamshid zu tun.

Neben all den Abenteuern, die Calliope zu überstehen hat, muss sie auch damit kämpfen, dass ihre Mutter und jüngere Schwester sie auch verdächtigen, etwas mit den Entführungen zu tun zu haben. Das knabbert sehr an ihr. Aber auch Daniel gibt ihr Rätsel auf. Nach der zweiten Aufgabe taucht er wieder auf und sie lernt ihn von einer völlig anderen Seite kennen – er rettet ihr das Leben … und schlägt ihr vor, von nun an zusammenzuarbeiten. Doch es kommt alles anders.

Amber Benson schreibt in einem dankenswerterweise flotten, modernen Umgangston ohne schwafellange Sätze. Dabei mischt sie ungeniert alle möglichen Mythologien, in einer Art, die erkennen lässt, dass sie der Filmbranche nicht fern ist – was durchaus positiv zu bewerten ist. Man merkt der Autorin an, dass sie geschrieben hat, als das Ideenfeuerwerk in ihr sprühte. In den Text haben sich dabei – freiwillig oder unfreiwillig – komische Formulierungen geschlichen, wie beispielsweise „der Tod, der zu Tode erschöpft war“. Und genauso kurzweilig, wie der Text geschrieben ist, liest man ihn auch hintereinander weg. Also genau die richtige Lektüre für den heißen Sommer.

Die Aufmachung des Titels ist wie immer bei |Lyx| ansprechend – handliches Format, gutes Papier, innenseitig bedruckte Klappenbroschur. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

_Fazit:_

Munterer Mythologiemix, eingebunden in rasante Phantastik, die leicht und locker unterhält und bestens für die heißen Sommerstunden am Strand oder in der lauschigen Hängematte geeignet ist.

|Taschenbuch: 383 Seiten
Originaltitel: Death’s Daughter (2009)
Aus dem Amerikanischen von Redaktion Dorothee Cabras
Titelillustration und Titelgestaltung von Hilden Design, München
ISBN-13: 9783802581663|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.hildendesign.de]http://www.hildendesign.de

Hallaway, Tate – Nicht schon wieder ein Vampir (Garnet Lacey 1)

_Die „Garnet Lacey“-Reihe:_

01 „Nicht schon wieder ein Vampir“
02 [„Beiß noch einmal mit Gefühl“ 6403
03 „Vampir sein ist alles“ (September 2010)
04 „Biss in alle Ewigkeit“ (Dezember 2010)

_Nachdem sämtliche Mitglieder_ und Freundinnen Ihres Hexenzirkels von den Hexenjägern des Vatikans ermordet wurden, flieht Garnet (nach dem Edelstein Granat benannt) Lacey nach Wisconsin, nicht ohne vorher Rache zu nehmen. Sie ruft die Göttin Lilith um Hilfe.

In Wisconsin arbeitet Garnet als Geschäftsführerin in einem okkulten Buchladen, denn wer würde schon genau da eine echte Hexe vermuten? Außer der Astrologie hat Garnet allem Magischen abgeschworen, um Lilith, die sich nun mit ihr einen Körper teilt, in Schach zu halten.

Eines Abends, als Garnet gerade den Laden schließen will, betritt ein Mann, Sebastian von Traum, äußerst in Eile den Laden und fragt nach einer bei Vollmond geernteten Alraune. Da doch recht selten nach dieser Wurzel gefragt wird, nimmt Garnet diesen Mann etwas genauer unter die Lupe. Sie stellt fest, dass er über keine Aura verfügt, demnach tot sein muss. Sie tippt auf einen Vampir, aber warum kann er sich bei Tageslicht im Freien aufhalten? Da sie keine Alraunen auf Lager hat, bestellt sie ihm das Gewünschte. Sebastian, der findet, dass Garnet schwach aussieht, lädt sie in das Café nebenan ein, und bei der Gelegenheit versucht Garnet ihn auszuhorchen. Dass er ein Untoter ist, steht außer Frage, aber weiß er davon?

Nachdem Sebastian das Café verlasen hat, redet sie noch mit ihrer Freundin Izzy, die das Café leitet, über Sebastian. Als sie von einer angeblichen Immobilienmaklerin auf ihn angesprochen wird, wittert ihr Gefühl Gefahr, daher bleibt sie reserviert. Als die Frau das Café verlässt, bemerkt Garnet eine Tätowierung, „22:18“. Diese ist ihr wohlbekannt: Damit ist eine Textstelle im zweiten Buch Mose gemeint, die besagt: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen“. Damit wird klar, dass sie eine Jägerin im Auftrag des Vatikans ist.

Garnet macht sich direkt auf den Weg, Sebastian zu warnen. Dank einer Visitenkarte weiß sie, wo er zu finden ist. Bei ihm angekommen, macht sie erst einmal Bekanntschaft mit Sebastians Poltergeist Benjamin.

Garnet warnt Sebastian vor den Hexenjägern des Vatikans, dieser nimmt die Warnung aber nicht allzu ernst. Die beiden kommen sich näher, und als ein Unwetter aufzieht, bleibt Garnet auch über Nacht und erfährt so manches über Sebastians Geheimnisse. Er ist nicht nur Vampir, sondern auch Alchimist, daher kann er sich auch am Tage frei bewegen. Die Mixtur hat er in einem Grimoire niedergeschrieben. Um an dieses Buch zu kommen, übernimmt Lilith die Macht über Garnets Körper und stiehlt das Buch, womit Garnet überhaupt nicht einverstanden ist.

_Kritik:_

Mit ihrem Debüt „Nicht schon wieder ein Vampir“ hat Tate Hallaway einen Roman geschrieben, der von der ersten Seite an fesselt.

Die Hauptprotagonistin Garnet ist sehr gelungen entworfen; mit ihrer chaotischen und verschroben Art war sie mir sofort sympathisch. Der Aspekt, dass sie sich ihren Körper mit der „Killergöttin“ Lilith teilt, und wie sie versucht, diese unter Kontrolle zu halten, ist unterhaltsam und faszinierend dargestellt.

Sebastian, der alchimistische Vampir, ist vielseitig entworfen. Natürlich lässt er als der männliche Held auch die Herzen höher schlagen. Auch die anderen Charaktere sind ansprechend gezeichnet und die Beziehungen untereinander klar beschrieben. Teilweise wäre mehr Tiefe der einzelnen Personen schön gewesen, aber da dieser Roman der erste Teil war, ist ja noch jede Menge Potenzial möglich.

Der Plot ist etwas ganz Neues. Die Beschreibung einer modernen Inquisition ist etwas ganz Anderes in diesem Genre. Action und Spannung kamen nicht zu kurz, so dass man die ganze Zeit mitfiebert und das Buch kaum beiseite legen mag. Die ganze Handlung ist zudem sehr abwechslungsreich, ohne völlig abzugleiten. Erotik und Humor kommen ebenfalls nicht zu kurz. Aufgrund der teilweise neuen Ideen hebt der Roman sich deutlich von der Masse ab. Erzählt wird er aus der Ich-Perspektive.

Besonders hierbei ist auch, dass sich die Kapitelüberschriften in astrologische Häuser aufteilen. Dies mag auch daran liegen, dass die Autorin Amateur-Astrologin ist.

_Fazit:_

„Nicht schon wieder ein Vampir“ von Tate Hallaway ist der gelungene Auftakt zu einer neuen Serie, die sich durch außergewöhnliche Ideen hervorhebt. Der Roman lässt sich sehr leicht und flüssig lesen.

_Autorin:_

Tate Hallaway, die eigentlich Lyda Morehouse heißt und Sciencefiction- und Fantasy-Bücher schreibt, ist Amateur-Astrologin, praktizierende Hexe und Vampir-Fan, seit sie in der Highschool die Horror-Romane von Poppy Z. Brite gelesen hat. Sie lebt heute in Minnesota.

_Nadine Warnke_

|Taschenbuch: 332 Seiten
Originaltitel: Tall, Dark & Dead
Aus dem Amerikanischen von Antje Göring
ISBN-13: 978-3802582844|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de

Hallaway, Tate – Beiß noch einmal mit Gefühl (Garnet Lacey 2)

_Die „Garnet Lacey“-Reihe:_

01 [„Nicht schon wieder ein Vampir“ 6402
02 „Beiß noch einmal mit Gefühl“
03 „Vampir sein ist alles“ (September 2010)
04 „Biss in alle Ewigkeit“ (Dezember 2010)

_Im Leben der Hexe_ Garnet Lacey geht es im zweiten Teil turbulent weiter. Nachdem sie sich die Vatikan-Agenten vom Hals schaffen konnte, indem sie ihren und Sebastians Tod vortäuschte, ist nun das FBI auf ihrer Spur. Special Agent Gabriel Dominguez ist der leitende Ermittler, der den Tod der Vatikan-Agenten aufklären soll. Als Dominguez Garnet in ihrem okkulten Buchladen aufsucht, versucht die junge Hexe, sich als Angestellte auszugeben. Es könnte schwer und kompliziert werden, einem Agenten zu erklären, dass nicht sie, sondern die Göttin Lilith die Morde begangen hat, denn diese hat ihren Körper als Wirt benutzt.

Zudem machen ihr Sebastian und Parrish zu schaffen. Ihr Ex Daniel Parrish hat seinen Sarg bei ihr im Keller untergebracht, und es wäre unvorteilhaft, wenn Sebastian davon erfahren würde. Als Garnet in ihrer Not und Verzweiflung beschließt, den Agenten Dominguez mit einem Liebeszauber zu belegen, um zu erreichen, dass er ihr zuhört und sie ihm die Existenz Lilliths überzeugend erklären kann, wird ihr eh schon kompliziertes Liebesleben völlig aus der Bahn geworfen.

Zudem tauchen auf einmal noch überall Zombies auf und Garnet wird von einer Krähe belästigt. Dies lässt auf einen Voodoo-Priester schließen, was Garnet zusätzlich Kopfzerbrechen bereitet.

_Kritik:_

Mit „Beiß noch einmal mit Gefühl“ hat Tate Hallaway den zweiten paranormalen Roman um ihre Protagonistin die Hexe Garnet Lacey geschrieben. Anfangs kommt noch kaum Spannung auf, da die Autorin sich hauptsächlich den Irrungen und Wirrungen in Garnets Liebesleben widmet. In der zweiten Hälfte des Romans baut sich dann aber die Spannungskurve kontinuierlich bis zum Showdown steigend auf und hält den Leser so gekonnt und nachhaltig bei der Stange.

Die Protagonisten entwickeln sich leider kaum weiter, sind aber weiterhin glaubhaft, sehr sympathisch und unterhaltsam. Die chaotische Garnet, die sich unüberlegt teilweise selbst in Schwierigkeiten bringt, zaubert dem Leser direkt ein Grinsen ins Gesicht. Sie ist vielschichtig angelegt und besitzt viele sympathische, manchmal aber auch kindisch egoistische Charakterzüge.

Auch die Männer in ihrem Leben, der alchimistische Vampir Sebastian von Traum, ihr Ex Daniel Parrish und der FBI-Agent Gabriel Dominguez, können Frauenherzen auf ihre Art höher schlagen lassen. Diese sind keinesfalls eindimensional entworfen, sondern bringen eine ganze Bandbreite an Eigenschaften mit. Die Beziehungen untereinander sind diesmal etwas konfus, aber gegen Ende klar entwickelt.

Der Plot ist wieder interessant und ansprechend, wenn auch am Anfang kaum spannend. Diesmal kam die Erotik leider etwas kurz für das Genre der Romantic Fantasy, humorvoll und teilweise spannend war die Lektüre aber auf jeden Fall. Die Kapitelüberschriften werden wieder in astrologische Häuser unterteilt und mit Schlüsselworten beschrieben.

_Fazit:_

„Beiß noch einmal mit Gefühl“ von Tate Hallaway konnte mich im Gegensatz zum ersten Teil „Nicht schon wieder ein Vampir“ nicht voll überzeugen, war aber durchaus unterhaltsam und lesenswert. Der Roman lässt sich flüssig lesen und ich möchte auf jeden Fall wissen, wie es mit den Protagonisten weitergeht. Wer schon den ersten Teil gelesen hat, sollte dem zweiten auf jeden Fall eine Chance geben.

Etwas verwirrend finde ich, dass Garnet im Buch als Goth mit kurzen schwarzen Harren beschrieben wird, aber das Cover eine Hexe mit langen, roten Haaren zeigt.

Im August erscheint der dritte Teil „Vampir sein ist alles“.

_Autorin:_

Tate Hallaway, die eigentlich Lyda Morehouse heißt und Sciencefiction- und Fantasy-Bücher schreibt, ist Amateur-Astrologin, praktizierende Hexe und Vampir-Fan, seit sie in der Highschool die Horror-Romane von Poppy Z. Brite gelesen hat. Sie lebt heute in Minnesota.

_Nadine Warnke_

|Taschenbuch: 332 Seiten
Originaltitel: Dead Sexy
Aus dem Amerikanischen von Antje Göring
ISBN-13: 978-3802582851|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de

Perry Rhodan – Der Posbi-Krieg

Endlich geschafft! – Und es hat sich schließlich doch noch gelohnt. Dieser dicke Band, der sechs einzelne Romane in sich vereint, ist ein harter Brocken moderner „Perry Rhodan“-Kultur mit seinen 1300 Seiten, durch den man sich erst mal lesen muss. Sehr viel angenehmer ist die ursprüngliche Ausgabe einzuschätzen, in der die Romane in kurzem Rhythmus hintereinander erschienen und dem Leser so immer wieder eine Pause einräumten. Doch der Gesamteindruck der Geschichte ist befriedigend und mehr als nur ein Actionabenteuer, ja, die Geschichte wirft ein neues Schlaglicht auf die Kosmologie der Serie und bringt sie auch einem sogenannten Neuleser in verständlicher Form nahe. Gerade die zwei letzten Romane „Die Psi-Fabrik“ und „Die Schöpfungsmaschine“ bieten neben guter Unterhaltung den dieser Serie typischen weltbewegenden, wunderbaren Charakter, den oft zitierten Sense of wonder, mit dem „Perry Rhodan“ seine Leser schon seit jeher fesselt …

Perry Rhodan, mit seinen Begleitern unter dubiosen Andeutungen auf eine galaktische Welt der biopositronischen Roboter (Posbis) gelockt, wird von der übergeordneten Wesenheit ES in eine abgeschiedene Galaxis zwangsversetzt, mit dem Auftrag, die dorthin verschlagenen Völker (allen voran eine Splittergruppe der Menschheit) vor der totalen Vernichtung durch eine Splittergruppe eben der Posbis zu verhindern.

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Die Posbis stehen unter einer Programmierung, die sie aggressiv gegen alles Leben vorgehen lässt, das von diesem Programm nicht als „Wahres Leben“ akzeptiert wird. Erste Kommunikationsversuche durch Rhodan scheitern blutig, und den Anstrengungen der Menschen stellen sich auch die machthungrigen Laren entgegen, indem sie die Posbis in ihrem Sinne zu beeinflussen suchen.

Während also die Menschen einen aussichtslosen Abwehrkampf gegen die Posbis führen und die intriganten Laren einen Weg zur Vorherrschaft in der Galaxis suchen, macht sich Rhodan auf den Weg zur posbischen Zentralwelt, wo er die sogenannte Hassschaltung – die Fehlprogrammierung – zu neutralisieren hofft, wie es ihm bereits einst in der Milchstraße gelang. Völlig überrascht wird er von der Entdeckung, dass hinter allem eine unbekannte Macht zu stehen scheint, die sich mit der seltsamen Bezeichnung „Siebenkopf“ betitelt …

Für den neuen Leser, der sich in der „Perry Rhodan“-Historie nicht auskennt, versuchen die Macher Themen zu finden, die sich leicht in Zusammenhänge betten lassen und von ihrer Handlung her möglichst unabhängig lesbar sind. Das Medium des Heyne-Taschenbuchs ist natürlich der wirksamste Träger, um die Geschichten in deutsche Buchhandlungen zu bringen.

Was die Serienabhängigkeit betrifft, schlängelt sich Rhodan in den ersten Romanen durch eine actionreiche Handlung, die zwar von vielen Serienbekannten flankiert und mitgeformt wird, jedoch seine Berührungspunkte weit in der Serienvergangenheit hat und auf direkte, schnörkellose Weise dargestellt wird. Bis zum dritten Band ist es einzig der übergeordnete Auftrag, der Rhodan an den Handlungsort verschlägt, der zumindest marginale Serienkenntnis voraussetzt, die Handlung selbst spielt an neuen Orten unter ungewohnten Voraussetzungen und ist allen Lesern gleichenteils neu. Im vierten Teil schließlich finden serienhistorische Aspekte wie die „Hassschaltung“ der Posbis Erwähnung und nähern damit diese ausgekoppelte Miniserie ihrer Mutter wieder an, doch sollte man als Neuleser durch die ersten drei Bände durchaus genug interessiert worden sein, um sich durch solche Details nicht mehr stören zu lassen.

In Teil fünf und sechs schließlich werden die Zusammenhänge komplex und erreichen die für Rhodan typische kosmische Komponente, nicht zuletzt durch die ausführliche Darstellung des Lebensweges einer entscheidenden Figur, die nebenbei die überaus komplexe Serienkosmologie in verständlicher Form und recht vereinfacht erklärt, so dass der erwartete Effekt für den Leser, das Gefühl der Größe und Winzigkeit, noch deutlich herausgestellt wird.

Stärken und Schwächen der Komplettausgabe: Als Schwäche hatte ich schon erwähnt, muss man den Umfang ansehen, der in dieser teilweise recht langatmigen Erzählung (vor allem in den ersten Bänden aufgetreten) für Lesemüdigkeit sorgt. Gleichfalls ist es auch ein Plus für diese Ausgabe, dass sie alle Teile in sich vereint, denn wenn man sich in der Einzelausgabe von den Schwachpunkten des Zyklus‘, die ungünstiger Weise alle in den ersten Teilen versammelt sind, am Weiterkaufen und -lesen hindern lässt, bringt man sich um das umso stärkere und faszinierendere „Ende“ der Geschichte, das sich auf mehreren Ebenen über die drei letzten Romane erstreckt und seinen Höhepunkt unbestritten im letzten Band erreicht.

Bei der Charakterisierung ist den weniger erfahrenen Serienautoren der ein oder andere Fehler unterlaufen. So lässt Frau Hartmann im dritten Teil den MONOCHROMmutanten Startac Schroeder wiederholt Farben sehen und unterscheiden (was auch ein dickes Minus für das Lektorat ist, das solche groben Schnitzer eigentlich ausmerzen sollte), Herr Thurner schafft es im ersten Teil gar, den unsterblichen Perry Rhodan, der eine vergleichbare Situation schon vor Zeiten in der Milchstraße gelöst hat, blauäugig, unvorbereitet und naiv in einen Konflikt mit den fehlprogrammierten Posbis Ambriadors treten, wo er tausende Menschen in den Tod schickt, weil er eine Diskussion mit den Robotern erzwingen will (die sowohl den Berichten der ansässigen Menschen nach, als auch seiner Erfahrung nach auf keinerlei Diskussion eingehen) und ist völlig von ihrer Sturheit überrascht. Das war ein überaus unwürdiges Bild von Rhodan, was schon im ersten Band entwickelt wurde.

Einen Minuspunkt muss auch Frank Böhmert für den fünften Teil einstecken. Er ist ein sehr humorvoller Schriftsteller, doch mit Nano Aluminiumgärtner hat er versucht, die Komik zu erzwingen, was ein lächerliches Liebesgeplänkel ergab, das man kaum mit ansehen konnte. Davon abgesehen ist seine Darstellung der Fremdzivilisation ein Höhepunkt des Zyklus‘ und leitet das grandiose Finale von Uwe Anton ein, der mal wieder mit kosmologischen Höhenflügen glänzt.

Leo Lukas liefert ein solides Kapitel ab, dem man zu diesem Zeitpunkt (Band 2) noch seine Daseinsberechtigung verweigern will. Ein Sechstel des Zyklus handelt vom Aufwachsen von Menschen in larischen Arbeitslagern, während der Zyklus den Titel „Posbikrieg“ trägt. Zu dem Zeitpunkt wundert man sich über diesen Lückenfüller, der handwerklich sehr gut ist, der kurzen Handlung aber wenig hinzu fügt. Rückblickend verdeutlicht dieser Teil natürlich das Verhältnis zwischen Laren und Menschen, was noch ein dicker Konfliktpunkt in der Handlung werden wird.

Hubert Haensels vierter Teil ist der rasante Auftakt zum Finale, während man ihm seinen Titel nicht anerkennen kann. Auch hier rechtfertigt er sich erst rückblickend …

Es schreckt ab, so einen dicken Schinken in der Hand zu halten und am Ende des Leseabends keinen merklichen Fortschritt anhand der gelesenen Seiten feststellen zu können. Doch wer sich durch die Hälfte gelesen hat, wird den Rest genießen.

Taschenbuch: 1312 Seiten
ISBN-13: 978-3453525603

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,25 von 5)

Trudi Canavan – Die Hüterin (Sonea 1)

Sonea

Band 1: „Die Hüterin“

Sonea ist gar nicht erbaut von dem Vorhaben ihres Sohnes. Lorkin hat es sich in den Kopf gesetzt, sich als Gehilfe für Dannyl zu bewerben. Was Sonea weit weniger stören würde, wenn Dannyl nicht ausgerechnet der neu ernannte Botschafter für Sachaka wäre. Aber abgesehen von der Sorge um ihren Sohn beunruhigen sie auch ihre Beobachtungen im Zusammenhang mit der Arbeit im Hospital. Die neue Droge, die seit einiger Zeit in Imardin verkauft wird, |Feuel|, scheint zu einem weit größeren und ernsteren Problem zu werden als alle anderen Suchtmittel, die bisher in Umlauf waren.

Auch Cery hat Sorgen. Schon seit längerer Zeit werden immer wieder Diebe ermordet aufgefunden. Das an sich wäre schon beunruhigend genug, aber dann wird Cerys gut versteckte Familie ermordet! Skellin, Feuelboss und einer der mächtigsten Diebe der Stadt, bietet Cery Zusammenarbeit bei der Jagd nach dem „Jäger“ genannten Mörder an. Aber was Cery schließlich heraus findet, weist auf mehr als nur einen einfachen Mörder hin …

Seit den Ereignissen in Trudi Canavans Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier sind zwanzig Jahre vergangen und in dieser Zeit hat sich viel verändert. Die Säuberungen wurden eingestellt, was massive Auswirkungen auf die Beziehungen und das Machtgefüge innerhalb der Imardiner Unterwelt hatte. Und Kyralia und Sachaka sind mit behutsamen Annäherungsversuchen beschäftigt, wobei die Entsendung von Botschaftern bisher eher einseitig zu sein scheint, von Kyralia nach Sachaka. Nur eines ist unverändert geblieben: die Angst der Gilde vor Blutmagie. Aber ganz darauf verzichten will die Gilde auch nicht, zu lebendig ist noch ihre Erinnerung an die Machtfülle der Ichani und die eigene Wehrlosigkeit bei deren Überfall auf Imardin. Der Kompromiss, der letztlich dabei heraus kam, ist ein zweiter Blutmagier namens Kallen. Er soll Sonea kontrollieren und sie ihn.

Sonea empfindet Kallens strenge Beobachtung als lästig. Weit mehr noch stört sie aber das Verbot, sich ungehindert zu bewegen. Sie darf zwar in die Stadt gehen, aber nur für ihre Arbeit in den Hospitälern. Die Stadt selbst darf sie gar nicht verlassen. Obwohl Demut und Gehorsam noch immer nicht Soneas Charakter entsprechen, hält sie sich sehr strickt an diese Regeln. Schließlich ist sie bemüht, bei den Gildenmagiern Vertrauen in die Blutmagie aufzubauen. Erst, als Cerys Nachforschungen einige unangenehme Ergebnisse bringen, ringt sie sich dazu durch, die Initiative zu ergreifen.

Lorkin ist seiner Mutter in gewisser Weise sehr ähnlich. Er hat ihren Tatendrang geerbt und auch ihre Dickköpfigkeit. Nicht einmal der Hinweis darauf, dass ihm als Sohn von Akkarin in Sachaka Lebensgefahr droht, kann ihn aufhalten. Dabei ist es durchaus nicht so, als wäre Lorkin leichtsinnig oder unbedacht. Aber sein Drang, in seinem Leben etwas zu erreichen, das über Alltägliches hinausgeht, ist größer als das Risiko.

Zu den übrigen Charakteren, die für die Handlung wichtig sind, gibt es nicht allzu viel zu sagen. Cery hat sich nicht sehr verändert, außer, dass er älter und ein wenig steifer geworden ist, und Dannyl ist noch ganz der Alte. Skellin taucht nur dreimal persönlich auf und wirkte auf mich hauptsächlich so, dass ich ihm nicht traute. Und Tyvara, die Sachakanerin, mit der Lorkin sich anfreundet, ist zwar begabt und tüchtig, verrät aber sonst so gut wie nichts von sich.
Insgesamt ist die Charakterzeichnung bisher noch etwas dürftig geraten.

Auch die Handlung kommt nur langsam in Gang. Trudi Canavan hat sich mit der Darstellung der neuen Situation in Imardin ein bisschen viel Zeit gelassen. Das Geplänkel zwischen Lorkins Magierfreunden hätte durchaus Straffung vertragen können und auch der Strang um Cery braucht eine ganze Weile, um zur Sache zu kommen. Am anstrengendsten war der Teil um Dannyl und Lorkin zu lesen. Hier dauert es bis zur Mitte des Buches, ehe es endlich interessant wird.

Interessant ist dann auch der Begriff, mit dem sich das Buch hauptsächlich beschreiben lässt. Trudi Canavan hat tatsächlich auf die Ereignisse um Stala in ihrem Prequel „Magie“ zurück gegriffen und dies gleichzeitig mit einer alten Bekannten aus dem dritten Band der |Gilde der schwarzen Magier| – Savala – verknüpft. Der sich daraus ergebende rote Faden macht diesen Handlungsstrang zu einer wirklich runden Sache und bietet noch schier unbegrenztes Potential für den weiteren Verlauf. Ebenso viel versprechend klingen die Entwicklungen, die sich im Zusammenhang mit Feuel ergeben haben.

Mit anderen Worten: nachdem das Geschehen erst einmal Fahrt aufgenommen hat, wird die Geschichte – nun, nicht gerade spannend, aber zunehmend faszinierend. Sachaka ist ohnehin ein geheimnisvolles Gebiet, nicht nur der „Verräterinnen“ wegen. Selbst freundliche Ashaki wie Dannyls Begleiter Achati wirken irgendwie stets zugeknöpft, ihr ständiges Lächeln wie eine unsichtbare, undurchdringliche Mauer. Man weiß nie was sei denken. Dazu kommt mit Skellin und seiner Mutter ein weiteres Volk, von dem bisher überhaupt nicht die Rede war. Und dann sind da noch die Duna, die nördlich von Sachaka leben und nicht nur eine eigene, geheimnisvolle Kultur besitzen, sondern offenbar auch in innersachakanische Angelegenheiten verwickelt sind.

Hier können sich also noch eine Menge Verwicklungen, Entdeckungen und Konflikte ergeben und sich zuspitzen, und dann dürfte auch der Spannungsbogen sich ein gutes Stück straffen. Außerdem dürften Dannyls Forschungen im Hinblick auf die ungenauen und teilweise offensichtlich falschen Details kyralischer Geschichtsschreibung auch den Hintergrund der Welt noch einmal erweitern und vertiefen.

Wer also die Geduld aufbringt, die etwas langatmige Einführung ins Geschehen durchzustehen, wird mit einer Geschichte belohnt, die sich wie ein Fächer zu vielfachen Möglichkeiten ausbreitet. Die Aussichten machen ausgesprochen neugierig auf die Fortsetzung.

Trudi Canavan stammt aus Australien, wo sie nach einem Studium am Melbourne College of Decoration als Designerin, Illustratorin und Kartenzeichnerin für verschiedene Verlage tätig war, ehe sie zu schreiben begann. 1999 gewann sie mit ihrer Kurzgeschichte „Whispers of the Mist Children“ den Aurealis Award for Best Fantasy Short Story. 2001 erschien dann ihr erster Roman, der erste Band der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier. Ihre Trilogie Das Zeitalter der Fünf ist inzwischen ebenfalls auf Deutsch erhältlich. Die Autorin arbeitet zurzeit an der Fortsetzung zu „Sonea – Die Hüterin“, die im Mai 2011 erscheinen soll.

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 576 Seiten
Originaltitel: The Traitor Spy 1: The Ambassador’s Mission
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-764-53041-9

http://www.trudicanavan.com/
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 3,00 von 5)

Tanja Heitmann – Wintermond

Tanja Heitmann ist auf das Geheimnisvolle und Düster-Romantische abonniert. In ihrem ersten Roman „Morgenrot“ ging es um das mittlerweile klassische Thema: Sie, unschuldig und jung, verliebt sich in ihn – seines Zeichens Vampir. Heutzutage muss auch eine solch problembehaftete Konstellation zum Happy End führen, doch bevor die Büchernärrin und der dämonische Vampir endgültig zusammen kommen durften, mussten viele Prüfungen bestanden werden und es wurde generell viel gelitten.

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Melzer, Brigitte – Dämonisches Tattoo

_Inhalt:_

Ein Serienmörder macht Washington D.C. unsicher. Seine Opfer: Frauen, die alleinstehend sind oder deren Männer erst spät nach Hause kommen, denn der Täter nimmt sich für seine Opfer sehr viel Zeit. Die FBI-Agenten Chase Ryan und Frank Cassell wollen den Killer aus der Reserve locken, doch schließlich wird Cassells Frau selbst zum Opfer des bestialischen Mörders. Außer sich vor Wut und Verzweiflung lässt sich Frank auf ein indianisches Ritual ein. Ein Tattoo, vermengt mit dem Blut des Killers, das an einem der Tatorte sichergestellt wurde, kann eine magische Verbindung zum Mörder herstellen. Dadurch kann der Träger der Tätowierung nicht nur durch die Augen des Täters schauen, die Verbindung hat eine noch viel schrecklichere Wirkung. Stirbt einer der beiden Pole, so wird auch der andere Teil den Tod finden. Dem Wahnsinn nahe überwältigt Frank seinen einstigen Freund und Kollegen Chase Ryan und lässt ihm das Tattoo stechen. Er weiß, wenn er Chase Ryan tötet, so stirbt auch der Mörder von Cassells Frau. Chase gelingt die Flucht. Gejagt von der Polizei und seinem ehemaligen Partner, versucht Ryan den Killer mit Hilfe der magischen Verbindung zu finden. Die Journalistin Kate, die er bei seiner Flucht gekidnappt hat, steht ihm dabei hilfreich zur Seite. Doch dann geraten Kate und Chase selbst in das Visier des Killers …

_Meinung:_

„Dämonisches Tattoo“ ist bereits Brigitte Melzers zweiter Titel, der unter dem Label Otherworld erscheint, denn die deutsche Autorin hat bereits mit „Die Dämonenseherin“ einen sehr erfolgreichen Dark-Fantasy-Roman abgeliefert. Das vorliegende Buch ist ein in sich abgeschlossener Mystery-Thriller, der einen Vergleich mit internationalen Schriftstellerkollegen, wie beispielsweise Dean Koontz, nicht zu scheuen braucht. Zumindest nicht mit dessen neueren Werken.

Bereits der Beginn des Romans ist sehr spannend und intensiv in Szene gesetzt worden. Aus der Sicht des Killers erlebt man den kaltblütigen Mord an Cassells Frau mit, bevor der Fokus auf den Tatort und die Ermittlungen umschwenkt und der Leser die wichtigsten Personen des Romans kennenlernt. Dass sich Chase Ryan und Kate Lombardi anfangs nicht ausstehen können bringt etwas Würze in die Beziehung der beiden Protagonisten, vor allem, wenn man die Verbindung der beiden Charaktere zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet. Was die Autorin dem amerikanischen Beststellerautor Dean Koontz leider auch gleichgetan hat, ist die kitschige Gutmenschatmosphäre, die später zwischen den beiden Helden immer wieder deutlich spürbar wird. Nachdem Chase Ryan, gemeinsam mit Kate die Flucht gelungen ist, sackt der Roman in ein Spannungstief, aus dem er erst herauskommt, als Chase Kontakt mit seiner Kollegin Munarez von der Mordkommission aufnimmt.

„Rasant, fesselnd, romantisch“ steht auf dem Klappentext zu lesen. Im Mittelteil wurde eindeutig zu viel Wert auf das Wort „romantisch“ gelegt und die erotischen Szenen zwischen dem Pärchen kann man getrost überspringen, einzig die kurzzeitige Verbindung zwischen Chase und dem Killer, während des Liebesaktes, beinhaltet etwas Beklemmendes. Nichtsdestotrotz wurde viel von dem Potenzial des originellen Plots verschenkt. Ausnehmend gut gelungen ist der Autorin hingegen das Finale, dass in puncto Action und Dramatik noch einmal kräftig anzieht. Wirklich bangen muss man um die Hauptfiguren indes nicht, auch wenn die Entführung von Kate äußerst perfide gestaltet wurde. Der Roman lässt sich dank des unterhaltsamen Schreibstils der Autorin und des gefälligen Satzspiegels sehr flüssig lesen, und dürfte vor allem Thrillerfans mit einem ausgeprägten Hang zum Romantischen gefallen.

Das großformatige Taschenbuch wirkt dank der Klappenbroschur und des erhaben herausgearbeiteten Titels sehr edel. Covermotiv und Farbgestaltung harmonieren perfekt miteinander und machen den Roman zu einem echten Hingucker.

_Fazit:_

Packender Psychothriller mit ausgeprägten Längen im Mittelteil. Vor allem romantisch veranlagte Thrillerleser kommen hier auf ihre Kosten. Nichtsdestotrotz ein spannendes Lesevergnügen, dessen Lektüre man nicht bereuen wird.

|Taschenbuch: 416 Seiten
Titelillustration von init, Büro für Gestaltung, Bielefeld
ISBN-13: 9783800095124|
[www.otherworld-verlag.com ]http://www.otherworld-verlag.com
[www.brigitte-melzer.de]http://www.brigitte-melzer.de

_Florian Hilleberg_

_Brigitte Melzer bei |Buchwurm.info|:_
[„Elyria – Im Visier der Hexenjäger“ 4700
[„Vampyr“ 5459
[„Vampyr: Die Jägerin“ 5499

Koeberl, Linda – Blutfesseln (Ars Armoris, Band 4)

_Die „Ars Amoris“-Reihe:_

01 „Schattenversuchungen“
02 „Höllische Weihnachten“
03 „Die Herrin der Dornen“
04 „Blutfesseln“
05 „Just married – with a personal demon“ (November 2010)
06 „Unstillbares Verlangen“ (Mai 2011)
07 „Der Kuss des Lustdämons“ (November 2011)
08 – ohne Titel – (Mai 2012)
09 „Die Sklavin der Schmerzen“ (November 2012)

_Inhalt:_

Die Geschichte von Alexandra Romanow beginnt in Russland, im Jahr 1650. Dort verliert sie nicht nur ihr ungeborenes Kind, sondern auch ihren geliebten Ehemann. Alexandra erkrankt selbst ebenfalls lebensgefährlich an der Schwindsucht. Erst ein geheimnisvoller, attraktiver Mann, namens Sergej, verspricht Rettung und macht Alexandra zu einer unsterblichen Vampirin. Als Daywalkerin braucht sie jedoch nicht das Licht des Tages zu fürchten und ist durchaus in der Lage menschliche Nahrung zu sich zu nehmen. Trotz ihrer neuen Existenz schwört sie sich keine Menschen zu töten und sich nur das Nötigste zum Überleben zu nehmen. Doch dann lernt sie den charismatischen Christos kennen, einen Nightwalker. Sie schließen sich zusammen, doch als Christos immer mehr Ansprüche geltend macht und sie mit dem Blutkuss ewig an sich binden will, flüchtet Alexandra nach Amerika. Doch Christos ist nicht bereit die Schmach zu akzeptieren und folgt seiner auserwählten Braut …

Enttäuscht von der Liebe und dem Leben hat sich Alexandra, die sich nun Sascha nennt, im 21. Jahrhundert in die schottischen Highlands zurückgezogen. Hier lernt sie unvermutet Dylan Montgomery kennen und verliebt sich erneut. Doch Sascha, alias Alexandra, muss erkennen, dass sie ihre Vergangenheit nicht abschütteln kann …

_Meinung: _

Bislang machte sich Linda Koeberl durch das Schreiben fantastischer Kurzgeschichten und Lyrik einen Namen. „Blutfesseln“ ist ihr erster Roman, der als Band 4 in der Reihe „Ars Amoris“ erschienen ist. Heldin der Geschichte ist eine Vampirin auf der ewigen Suche nach der vollkommenen Liebe und Erfüllung. Der Stil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen. Das Buch lässt sich schnell konsumieren und den Leser seinen Alltag für kurze Zeit vergessen. Die Geschichte spricht in erster Linie romantisch veranlagte LeserInnen an, die sich mit der allzu menschlichen Vampirin identifizieren sollen, die in über 350 Jahren Lebenserfahrung scheinbar nichts dazugelernt hat und naiv und oberflächlich durchs Leben schreitet. Wirklich glaubhaft erscheint es auch nicht, dass Alexandra in ihren Tagebüchern, die sie teilweise immerhin Mitte des 17. Jahrhunderts verfasst hat, von Daywalkern spricht und Sex ziemlich offenherzig schildert. Die Erotik wird in dem Roman eher leise, prickelnd dargestellt, mit einigen recht eindeutigen Szenen, ohne dabei ins Pornographische abzugleiten. So vorhersehbar die Story bisweilen auch sein mag, so überraschend gelungen ist das Finale, das offen für eine Fortsetzung bleibt und ein enormes Potenzial birgt. Die Geschichte von Alexandra „Sascha“ Romanow ist ein handwerklich solide geschriebener Romantic-Thriller, der erfolgreich auf der „Twilight“-Welle mitreitet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Serienlayout und die Titelgrafik von Crossvalley Smith, der auch fünf erotische Innengrafiken kreierte, bereiten den Leser vortrefflich auf das sinnliche Lesevergnügen vor. Satzspiegel und Papierqualität sind darüber hinaus sehr augenfreundlich.

_Fazit:_

Romantic-Thriller mit Biss. Herzerweichende Liebesschwüre, gewürzt mit einer Prise Sex. Historisch nicht unbedingt korrekt, aber unterhaltsam.

|Taschenbuch: 180 Seiten
ISBN-13: 978-3940235930|
[www.sieben-verlag.de]http://www.sieben-verlag.de
[www.lindakoeberl.at ]http://www.lindakoeberl.at

_Florian Hilleberg_

Ward, J. R. – Vampirträume (Black Dagger, Band 12)

_Die |Black Dagger|-Reihe:_

(Die englischen Originale sind in jeweils zwei deutsche Bücher aufgeteilt worden.)

01 [„Nachtjagd (1/2)“ 5283
02 [„Blutopfer (2/2)“ 5301
03 [„Ewige Liebe (1/2)“ 5358
04 [„Bruderkrieg (2/2)“ 5565
05 [„Mondspur (1/2)“ 5582
06 „Dunkles Erwachen (2/2)“
07 „Menschenkind (1/2)“
08 „Vampirherz (2/2)“
09 „Seelenjäger(1/2)“
10 [„Todesfluch (2/2)“ 6376
11 „Blutlinien (1/2)“
12 „Vampirträume (2/2)“
13 „Die Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER“
14 „Racheengel (1/2)“
15 „Blinder König (2/2), August 2010“
16 „Vampirseele (1/2), November 2010)“
17 „Mondschwur (2/2), Februar 2011)“

_Inhalt:_

|Im Dunkel der Nacht tobt ein unerbittlicher Krieg zwischen den Vampiren und ihren Verfolgern. Die besten Krieger der Vampire haben sich zur Bruderschaft der Black Dagger zusammengeschlossen, um sich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Ihr grausamster Kampf ist jedoch die Entscheidung zwischen unbarmherziger Pflicht und glühender Leidenschaft …

Düster, erotisch, unwiderstehlich: »Black Dagger« macht süchtig!|
(Verlagsinfo)

|“J. R. Wards Black-Dagger-Serie ist wie eine Explosion, die das meiste, was es in diesem Genre sonst noch gibt, hinwegfegt.“|
(Editor’s Quaterly)

_Meinung:_

Wie in jedem BD-Band beginnt auch dieser mit dem Glossar der Begriffe und Eigennamen und stimmt somit Neueinstieger informativ ein.

In „Vampirträume“ geht die Story von Phury und Cormia weiter. Cormia steht Bella weiterhin in ihrer Schwangerschaft bei. Bella erzählt Cormia von Phury und die beiden Frauen schließen immer mehr Freundschaft.

Phury und Zhadist, die Zwillinge, haben nach wie vor ein problematisches Verhältnis. In Gesprächen erfährt Phury wieder einiges über Zs Vergangenheit als Blutsklave. Phury kann sich den Drogen (raucht, trinkt …) nicht entziehen – und auch Cormia nicht, denn sie ist für ihn das weibliche, sexuelle Ideal. Die beiden reagieren immer erotisierter aufeinander und Phury gesteht ihr, dass er noch nie mit einer Frau geschlafen hat, da er zölibatär gelebt hat.

Phury wählt aus falscher Rücksichtnahme nicht Cormia zur Ersten Partnerin, sondern eine andere Auserwählte (Layla), leidet sehr darunter, versucht das aber zu verbergen. Er kann nicht Herr seiner Drogensucht werden und ist aus der Bruderschaft geworfen worden. Cormia kämpft ebenfalls mit ihrer Liebe für Phury und damit, dass er als Primal an ihrer Stelle Layla gewählt hat. Phury vereinigt sich zwar auch mit ihr, aber Cormia kehrt auf die „Andere Seite“ zurück. Sie geht dort in Klausur, während sich Phury weiter den Drogen hingibt und sich eine Überdosis verpasst.

Auch die Geschichte von John Matthews und seinen Freunden geht weiter. Qhuinn, der Lash „getötet“ hat, um John zu schützen, wird zum Ahstrux Nohtrum von John ernannt – einer Art persönlichem Leibwächter, mit der Erlaubnis zu töten, wenn es um das Leben seines Meisters (John) geht. Der Vertrag wird rückdatiert, um Q von der Mordanklage zu befreien. Somit gehört Q nun auch zu den Black Daggern – zur „Familie“. John wird immer noch von den Erinnerungen geplagt, da er als Jugendlicher im Treppenhaus von einem Mann vergewaltigt wurde.

Der von den Lessern wiedererweckte Lash tötet derweil seine Adoptiveltern und sinnt darüber nach, sich an seinem Cousin Qhuinn zu rächen. Lash genießt seine neue Machtposition bei den Lessern – besonders, dass er nun das Sagen über „seine“ Truppen hat. So zieht er gegen seine ehemaligen Freunde und andere Vampire ins Feld.

Auch die Story von Rehvenge „Rehv“, Bellas Bruder, wird fortgeführt. Er trifft sich mit seiner Geliebten, die er eigentlich ebenso hasst wie den Sex mit ihr – doch genau das ist der erotische Kick für ihn. Während eines ihrer Gelage erscheint Lassiter, der gefallene Engel, und will von Rehv die Adresse der Black Dagger … zu welchem Zweck?

Zum Schluss gibt es aber auch noch weitere Fragen:

Finden Phury und Cormia doch noch zusammen?

Was wird aus John?

Wird Bella ihre lebensgefährliche Schwangerschaft überleben?

Und was wird aus Lash (zwischen den Lagern)?

Nach zwei eher dahinplätschernden und weitestgehend auf Romance ausgerichteten Vorgängerbänden endlich wieder ein rundum spannender abwechslungsreicher Band.

_Fazit:_

„Vampirträume“ ist ein wiedermal rundum spannender Vampirroman mit den für „Black Dagger“ typischen erotischen Passagen.

|Taschenbuch: 352 Seiten
Originaltitel: Lover Enshrined (Part 2)
Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
Titelfoto von Dirk Schulz / Titelgestaltung von Animagic Bielefeld
ISBN-13: 9783453526372|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
[www.animagic.de]http://www.animagic.de

J. R. Ward – Blutlinien (Black Dagger, Band 11)

Die Black Dagger-Reihe:

(Die englischen Originale sind in jeweils zwei deutsche Bücher aufgeteilt worden.)

01 „Nachtjagd (1/2)“
02 „Blutopfer (2/2)“
03 „Ewige Liebe (1/2)“
04 „Bruderkrieg (2/2)“
05 „Mondspur (1/2)“
06 „Dunkles Erwachen (2/2)“
07 „Menschenkind (1/2)“
08 „Vampirherz (2/2)“
09 „Seelenjäger(1/2)“
10 „Todesfluch (2/2)“
11 „Blutlinien (1/2)“
12 „Vampirträume (2/2)“
13 „Die Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER“
14 „Racheengel (1/2)“
15 „Blinder König (2/2), August 2010“
16 „Vampirseele (1/2), November 2010)“
17 „Mondschwur (2/2), Februar 2011)“

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Lang, Jeffrey/Weddle, David – Star Trek: Deep Space Nine – Sektion 31 – Der Abgrund

_Das geschieht:_

Sektion 31, eine illegale Geheimorganisation innerhalb der Föderation, deren Mitglieder genetisch ‚verbesserte‘ Menschen sind, rekrutiert Dr. Julian Bashir, der ebenfalls ‚aufgerüstet‘ wurde, für einen Einsatz. Bashir, der auf der Raumstation Deep Space Nine als Arzt dient, steht der Organisation ablehnend gegenüber. Dennoch stimmt er zu, als ihm Sektion-31-Agent Cole die Geschichte von Dr. Ethan Locken erzählt. Dieser war von der Organisation zum Planeten Sindorin geschickt worden. Tief in den Badlands existiert dort eine der Föderation unbekannte Brutstation für Jem’Hadar-Soldaten. Statt diese der Sektion 31 zugänglich zu machen, besetzte Locken die Anlage und programmierte die dort hergestellten Jem’Hadar so, dass sie ihm – und nur ihm – bedingungslos gehorchen. Seitdem baut Locken Sindorin zur Keimzelle einer „Neuen Föderation“ aus, über die er im Stil des Diktators Khan Noonien Singh herrschen will.

Bashir soll Locken ausschalten. Mit seiner Gattin Ezri Dax, der „Marquis“-Veteranin Ro Laren und dem Jem’Hadar Taran’atar fliegt der Doktor an Bord eines kleines Raumschiffs Sindorin an. Doch sie werden bereits erwartet. Locken lässt ihr Schiff abschießen und nimmt Bashir und Ezri gefangen, während Ro und Taran’atar unbemerkt abspringen und in den dichten Wäldern des Planeten untertauchen können.

Mit Bashir an seiner Seite will Locken seinen Traum, einer durch Supermenschen geführten Galaxis, verwirklichen. Zu Ezris Schrecken dringt er mit seinen Argumenten offenbar durch; Bashir droht Lockens Sirenengesängen zu erliegen. Währenddessen nehmen Ro Laren und Taran’atar Kontakt mit den Ingavi, den geheimen Bewohnern von Sindorin, auf. Gemeinsam will man Lockens Festung stürmen und die Brutstation zerstören …

_Alte Helden in neuen Rollen_

„Star Trek“ existiert seit mehreren Jahrzehnten und ist mit unzähligen Filmen, TV-Episoden, Romanen, Comics, Computerspielen u. a. Produkten nicht nur immens erfolgreich, sondern auch zu einem Synonym für „Wiederholung“ geworden: Wirklich Neues oder Originelles hat sich in den Raumquadranten A bis D schon lange nicht mehr ereignet. Dies entspricht primär dem Willen des Franchises, das von der einstigen Erfolgsformel selbst dann nicht lassen wollte, als diese Anfang des 21. Jahrhunderts durch „Enterprise“ und „Star Trek: Nemesis“ eindrucksvoll ihre Wirksamkeit verloren hatte. Erst dann wurde die Konsequenz gezogen und mit dem elften Kinofilm 2009 eine alternative „Star Trek“-Zeitlinie etabliert.

Zumindest in den gedruckten „Star-Trek“-Abenteuern überstanden die bekannten Helden aus fünf Fernseh-Serien den großen Kataklysmus problemlos. Die neuen Romane schließen zum Teil sogar direkt an die Ereignisse der TV-Serien an. Auf diese Weise kam „Deep Space Nine“ 2001 zu einer achten Staffel, deren dritte Episode „Der Abgrund“ darstellt. Gleichzeitig gehört dieser Roman zu einer Mini-Serie, in der die Umtriebe der fragwürdigen Sektion 31 thematisiert werden, deren Tentakeln nicht bis zur DS9, sondern auch in die „Enterprises“ der Kapitäne Kirk und Picard sowie bis zur „Voyager“ von Captain Janeway reichten. (Da diese vierteilige Serie bereits vollständig in Deutschland erschienen ist, kam es 2010 zur kuriosen Neuauflage – samt neuer Übersetzung! – nur dieses dritten Bandes in einem anderen Verlag, der die Kontinuität der achten „DS9“-Staffel wahren möchte.)

|Neue Rollen im bekannten Umfeld|

Die Kenntnis der beiden „Deep-Space-Nine“-Vorgänger-Romane wird vorausgesetzt, denn die Ereignisse überlappen sich. Die Station wurde wieder einmal heftig gebeutelt, sodass der kurz vor TV-Toresschluss zum Föderations-Teufelspiloten und zur Hauptfigur aufgestiegene Ferengi Nog als Retter erscheinen und durch das Wurmloch über Bajor einen Energiekern aus dem Gamma-Quadranten heranschleppen muss. Für das eigentliche Geschehen sind die sich darum rankenden Ereignisse unwichtig, aber solches Beiwerk ist integrales Element des Serienvorbilds: Nebenhandlungen werden verknüpft, um auf diese Weise den roten Faden der „DS9“-Serie zu verstärken.

Auf diese Weise wird der Leser außerdem über Veränderungen auf dem Laufenden gehalten. Wenig blieb in der Station „Deep Space Nine“ so, wie es uns in sieben Fernseh-Staffeln vertraut geworden ist. Zentrale Figuren wie Benjamin Sisko, Odo oder Worf sind aus dem Geschehen verschwunden, neue Charaktere wurden eingeführt.

Dieser Neubeginn bot eine Chance, die jedoch nicht wirklich genutzt wurde: Die Abenteuer der ’neuen‘ „DS9“-Crew entsprechen ziemlich genau denen der alten Haudegen. So musste es wohl auch kommen, da die „achte Staffel“ im bekannten „Star-Trek“-Universum spielt und deshalb deren fiktive Historie berücksichtigen muss. Diese ist jedoch Segen und Fluch zugleich.

|Alles bleibt, wie es war|

Der Trekkie liebt Nachrichten aus der ihm oft bis in ihre Details bekannten „Star Trek“-Welt. Freilich ist diese nach vier Jahrzehnten in ihren grundsätzlichen Strukturen stark verkrustet, was der Hauptgrund für den Relaunch mit „Star Trek XI“ war. „Der Abgrund“ könnte dagegen die Vorlage für eine TV-(Doppel-)Folge aus jeder der letzten zwei oder drei „DS9“-Staffeln sein. Der Plot ist die x-te Auflage einer vielfach durchgespielten Situation.

In einem Nachwort zur deutschen Ausgabe erläutert Julian Wrangler die Brisanz des Themas „Genetische Aufwertung“ für die „Star-Trek“-Historie, die von den „Eugenischen Kriegen“ und der Tyrannei des Khan Noonien Singh und seiner Spießgesellen geprägt wurde. „Star Trek“-Übervater Gene Roddenberry, Zeitgenosse der realen Pervertierung des Eugenik-Gedankens durch die Nazis sowie Zeuge einer Naturwissenschaft, die in den 1960er Jahren vor einer Zukunft zu stehen schien, in der auch die Manipulation des menschlichen Genoms möglich wirkte, hatte das allgemeine Unbehagen trivialisiert bzw. ihm mit der „Star-Trek“-Episode „Der schlafende Tiger“ („Space Seed“) eine allgemein verständliche Form verliehen. Die ‚Aufrüstung‘ des Menschen durch die Manipulation seines Genmaterials und vor allem die daraus resultierenden Risiken und Missbräuche wurden Teil des „Star-Trek“-Kanons und in den folgenden Jahrzehnten in allen Serien aufgegriffen.

„Star Trek“-typisch führte dies zum endlosen Wiederkäuen längst bekannter Argumente vor höchstens variierten Hintergründen. „Der Abgrund“ bildet leider keine Ausnahme. Dass Julian Bashir genetisch getunt ist, wurde bereits in der TV-Ära von „DS9“ umfassend thematisiert. Nun setzt man ihn auf einen Mann an, der sich selbst „Khan“ nennt und bereits auf diese Weise signalisiert, dass mehrfach gedroschenes „Star-Trek“-Stroh noch einmal durchgewalkt wird. Könnte Dr. Bashir schwach werden, wenn Ethan Locken ihn umgarnt? Gattin Ezri Dax mag dies fürchten, der Leser lässt sich jedoch nicht aufs Glatteis führen, zumal Locken zwischendurch allzu leicht in einen TV-typischen, d. h. lächerlich übertriebenen Wahnsinn abgleitet. Die aus der Konfrontation zwischen Meister und Schüler resultierende Spannung wird nicht erzeugt, sondern vor allem behauptet.

|Philosophie mit Action-Beiwerk|

Im „Star Trek“-Universum wird gern und viel geredet; „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ dürfte dort als Sprichwort in Vergessenheit geraten sein. Ein Problem taucht auf? Lasst uns darüber sprechen – ausgiebig, lange und am besten mit tragischer Musik im Hintergrund! Unaufhörlich kreist man um sich selbst, um gemäß der roddenberryschen Zukunftsvision dabei zu reifen und die Schwächen der Vergangenheit zu überwinden.

Diese Haltung ist naiv, überholt und wurde sogar in der „Star-Trek“-Historie vorsichtig außer Kraft gesetzt. Diskutiert oder besser: debattiert wird dennoch mit ungebrochener Energie. Weil dies irgendwann selbst den langmütigsten Trekkie langweilt, wird die Weisheit des Wortes regelmäßig durch Action-Einlagen aufgelockert. Deshalb fliegen die eher handfest als geistreich gepolten Ro Laren und Taran’atar mit nach Sindorin, wo sie sich im Untergrund (aber zunächst ebenfalls ausgiebig redend) mit geknechteten Planetenbewohnern verbünden und eine SF-Standard-Revolte anzetteln, in der die Ingavi die Rolle der Ewoks übernehmen.

Das Geschehen endet in einer Mischung aus Gewalt und Tragik; auch dies ist „Star Trek“: Wenn geschossen und gestorben wird, so soll der Zuschauer/Leser wenigstens dadurch lernen. Die Naivität der auf diese Weise verbreiteten Botschaften hat nicht grundlos den Spott der Nicht-Trekkies beflügelt.

|Trekkies in guten Händen|

Obwohl „Der Abgrund“ alles andere als gute, d. h. originelle Science-Fiction darstellt, gehört der Roman nach „Star Trek“-Maßstäben zu den gelungenen Serien-Beiträgen. Das Autoren-Duo Lang & Weddle kennt sich perfekt im „Star Trek“-Kosmos aus, den vor allem Weddle als Autor zahlreicher Drehbuch-Vorlagen für die TV-Serie „Deep Space Nine“ aktiv mitgestaltet hat. Der schematischen Handlung zum Trotz liest sich „Der Abgrund angenehm vertraut, weil der Grundton stimmt: Die bekannten Figuren handeln und denken serienkonform, die „Star-Trek“-Atmosphäre ist spürbar.

Diese Stimmung lässt sich schwer beschwören. Wie der regelmäßig lesende Trekkie aus leidvoller Erfahrung bestätigen kann, begnügen sich die meisten Autoren von „Star Trek“-Romanen mit dem Versuch der möglichst deckungsgleichen Kopie – und scheitern. In diesem Punkt haben Lang & Weddle gute Arbeit geleistet. Wer also ’nur‘ einen „Star Trek“-Roman lesen möchte, der die TV-Ära wieder aufleben lässt, ist mit „Der Abgrund“ gut bedient. Da diese Zufriedenheit in einer Flut drittklassiger „Star Trek“-Abenteuer keineswegs selbstverständlich ist, wird an dieser Stelle eigens darauf hingewiesen …

_Autoren_

David Weddle gehört nicht zum Söldner-Heer jener Autoren, die primär „tie-ins“, also Romane zu Filmen und TV-Serien, fabrizieren. Er schreibt vor allem Drehbücher für das Fernsehen. Auf der eindrucksvollen Liste seiner verfilmten Vorlagen finden sich Erfolgsserien wie „Star Trek: Deep Space Nine“, „Kampfstern Galactica“ oder „CSI Las Vegas“.

Sein Handwerk lernte Weddle buchstäblich von der Pike auf. Er besuchte die USC School of Cinematic Arts in Los Angeles. Hier lernte er seinen späteren Autoren-Partner Bradley Thompson kennen. Hilfreich erwies sich zudem die persönliche Bekanntschaft mit dem Regisseur Sam Peckinpah (1925-1984), dessen Autobiografie Weddle 1994 veröffentlichte.

Über Jeffrey Lang, der für einen „tie-in“-Autoren relativ wenig schreibt, ist nur bekannt, dass er mit seiner Familie in Bala Cynwyd im US-Staat Pennsylvania lebt und arbeitet.

|Die „Sektion-31“-Serie:|

(2001) S. D. Perry: Der dunkle Plan („Cloak“)
(2001) David Mangels/Michael A. Martin: Die Verschwörung („Rogue“)
(2001) Jeffrey Lang/David Weddle: Der Abgrund („Abyss“)
(2001) Dean W. Smith/Kristine Kathryn Rusch: Der Schatten („Shadow“)

|Taschenbuch: 279 Seiten
Originaltitel: Section 31 – Abyss (New York : Pocket Books 2001)
Dt. Erstausgabe: 2002 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 06/5729)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
ISBN-13: 978-3-453-21367-8
Diese Neuausgabe: April 2010 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – Deep Space Nine 8.03)
Übersetzung: Christian Humberg
ISBN-13: 978-3-941248-53-3|
[www.cross-cult.de]http://www.cross-cult.de
[www.startrekromane.de]http://www.startrekromane.de

_“Star Trek“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Sternendämmerung“ (Star Trek) 673
[„Sternennacht“ (Star Trek) 688
[„Star Trek Voyager – Das offizielle Logbuch“ 826
[„Star Trek V – Am Rande des Universums“ 1169
[„Jenseits von Star Trek“ 1643
[„40 Jahre STAR TREK – Dies sind die Abenteuer …“ 3025
[„Star Trek Deep Space Nine: Neuer Ärger mit den Tribbles“ 4171
[„Star Trek Voyager: Endspiel 4441
[„Star Trek – Vanguard 1: Der Vorbote“ 4867
[„Star Trek – Titan 1: Eine neue Ära“ 5483
[„Star Trek – Next Generation: Tod im Winter“ 6051
[„Star Trek – Next Generation: Widerstand“ 6141
[„Star Trek – Next Generation: Quintessenz“ 6199

Lossau, Jens / Schumacher, Jens – Elbenschlächter, Der

_Inhalt_

In den übel riechenden Schatten von Foggats Pfuhl, dem zwielichtigsten Viertel der Metropole Nophelet, sind fünf Morde geschehen. Die Anzahl ist zwar nicht alarmierender als sonst, die Art und Weise jedoch schon: Fünf junge männliche elbische Prostituierte wurden unter Verwendung von Magie getötet, und in ihren Körpern findet sich kein Tropfen Blut mehr. Selbst das Königshaus ist besorgt: Wenn sich das mit dem Blut herumspricht, könnte ein aufgebrachter Mob das Vampyrgetto angreifen, und dann könnte es wieder zu einem Massaker kommen wie im Jahre 1983 des dritten Zyklus. Das muss unter allen Umständen verhindert werden, und so wird das beste Ermittlerteam des gesamten Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie (IAIT) auf den Fall angesetzt.

Besagtes Team besteht aus dem promovierten Thaumaturgen und ausgebildeten Lichtadepten Meister Hippolit und aus Jorge, dem Troll. Meister Hippolit hat ein beeindruckendes Alter von 107 Jahren erreicht, und zwei Jahre zuvor hatten besorgte Vorgesetzte ihn dazu gedrängt, sich der Korporalen Substraktion zu unterziehen: Man würde seinen Körper verjüngen, damit sein herrlicher Geist und seine beachtlichen Fähigkeiten dem Institut weiter erhalten bleiben könnten und nicht durch schmählichen Altersschwächetod hinweggerafft würden. Leider ging bei diesem Ritual etwas schief, und der Respekt gewohnte Meister Hippolit lebt seitdem im Körper eines 14jährigen Albinos. Da kein Mensch ihn mehr ernst nimmt, der nicht weiß, wer er ist, hat man ihm Jorge zur Seite gestellt, der mit besonderer Schlagfertigkeit die Wünsche des Meisters unterstützt. Und abgesehen von seinem Hang zu Alkoholismus und fleischlichen Ausschweifungen ist der Troll wirklich gut zu gebrauchen.

Hippolit und Jorge sind ein eingespieltes Team, hartgesotten und nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Der jetzige Fall hat es aber tatsächlich in sich: Er führt sie in Paläste und in die niedersten Niederungen der schlimmsten Gossen; es geht um Rauschgift, Zauberei und eine so sorglose Dekadenz im Umgang mit Menschen- respektive Elbenleben, dass selbst den beiden abgebrühten Helden ganz anders wird …

_Kritik_

Die beiden Autoren haben sich mit jeder Menge Kreativität und Humor eine eigene Welt erdacht, die mal mehr, mal weniger an andere Welten erinnert. Das Königreich, dessen Hauptstadt Nophelet ist, heißt Sdoom. Man hat schon schwierigere Anagramme von Sodom gesehen, die zarte Andeutung geht also kaum am Leser vorbei. Die Beschaffenheit und olfaktorischen Eigenschaften des Chinotaksim, der Lebensader und Fluch zugleich für Nophelet ist, ähneln verblüffend den Eigenschaften des Ankh, der ja bekanntermaßen eine andere fantastische Hauptstadt teilt.

Das Vampyrgetto inklusive Massakern und unrichtigen Unterstellungen hingegen gemahnt an weniger lustige, aber durchaus bekannte Parallelen in der Realwelt. Ganz zu Anfang kann es sein, dass der eine oder andere Leser sich vielleicht kurz fragt, ob er nun tatsächlich zum richtigen Buch gegriffen hat, aber die Antwort lautet: Ja, das hast du. Abgesehen von dem liebevollen Detailreichtum, der die Autoren dazu bewog, selbst Flora und Fauna auszuarbeiten und zu benennen, werden auch altbekannte fiktive Rassen neu verortet und neue nahtlos eingefügt. Über dieses sorgfältig geschnitzte Grundkonstrukt hinaus sind speziell die Absurditäten rund um das ungleiche Ermittlerteam hervorragend gelungen und regen häufig zum Lachen an. Vor allem Jorges immer wiederkehrende Behauptung, dass es zur jeweiligen Situation ein Trollsprichwort gibt, erwartet man bereits nach wenigen Kapiteln mit gespanntem Vergnügen.

_Fazit_

Nach einem Anfang, während dem man sich an die durchaus eigene Herangehensweise der beiden Autoren an das Thema Fantasy-Thriller gewöhnt, entwickelt sich „Der Elbenschlächter“ zu einem königlichen Vergnügen: Auch wenn es ab und an ein wenig derb zugeht, ist doch immer der Ausgleich gegeben durch den Akademiker und Analytiker Hippolit. Der kriminalistische Teil des Romans ist spannend, und die Abschnitte, in denen der Protagonist mit seinem Kinderkörper zu kämpfen hat, sind zum Brüllen komisch gestaltet. Ich persönlich werde mir definitiv den im Oktober 2010 erscheinenden zweiten Teil der Reihe zu Gemüte führen, allein schon, um herauszufinden, ob Hippolit jetzt ein zweites Mal durch die Pubertät muss, die arme Sau.

Es gibt da ein altes Trollsprichwort, und das geht so: „Lest das Buch, ihr lacht euch kringelig.“

|Broschiert: 320 Seiten
ISBN-13: 9783802582578|
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[ www.jenslossau.de]http://www.jenslossau.de
[www.jensschumacher.eu]http://www.jensschumacher.eu

_Schumacher und Lossau bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Mahnkopff-Prinzip“ 1957

Clifford D. Simak – Als es noch Menschen gab

simak-menschen-cover-2010-kleinIn neun Geschichten erzählt der Verfasser vom Ende der Menschheit, das hier ohne Krieg und Gewalt stattfindet, sondern einerseits evolutionär begründet ist und andererseits gesteuert wird, wobei alte Untugenden immer wieder durchschlagen und schließlich einen radikalen Neubeginn erforderlich machen … – Geprägt von der Furcht vor einem III. und atomaren Weltkrieg, stellt der Verfasser grundsätzliche Fragen über das menschliche Wesen; er kommt zu eher pessimistischen Schlüssen, ohne darüber zu verzweifeln: Was verdächtig nach philosophischem Bierernst klingt, liest sich leicht melancholisch aber sehr unterhaltsam.
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RICHELLE MEAD – Sturmtochter (Dark Swan 01)

Richelle Mead ist bereits für die Reihen „Georgina Kincaid“ und „Vampire Academy“ verantwortlich. Mit „Dark Swan“ beginnt nun eine neue Serie. Auch dieses Mal steht eine junge Frau im Vordergrund, doch sie ist weder ein Sukkubus noch die Wächterin von Vampiren. Eugenie Markham ist erfolgreiche Schamanin, die auf selbstständiger Basis Dämonen und anderes Gesindel erledigt. Sie ahnt allerdings nicht, dass sie mit diesem Gesindel mehr verbindet als nur der Beruf …

Eugenie denkt sich nicht viel dabei, als sie zu einem neuen Fall gerufen wird. Sie soll einen Dämonen aus einem Turnschuh vertreiben, doch dieser stellt sich als hartnäckiger und frecher heraus als sie dachte – und er kennt ihren wahren Namen. Das sollte eigentlich nicht sein, denn in der Anderswelt, der Heimat des Dämonen und anderer übernatürlicher Wesen, ist sie als Odile Black Swan bekannt und gefürchtet. Dass ihr Geburtsname durchgesickert ist, irritiert sie zu Recht, wie schnell klar wird. Denn der Dämon ist nicht das einzige Wesen aus der Anderswelt, das ihren Namen kennt. Ihre Beliebtheit ist schlagartig gestiegen, seit sie im Mittelpunkt einer Prophezeiung steht. Diese besagt, dass ihr Kind den Feen der Anderswelt, die sich Feine nennen, die Herrschaft über die Menschenwelt bringen wird. Als sie versucht, ein entführtes Mädchen aus der Anderswelt zu retten, muss sie ein Bündnis mit einem Feinen eingehen und die Erfahrung machen, dass plötzlich jeder Feine sexuelles Interesse an ihr hat.

Die Feinen sind allerdings nicht die einzigen, die Eugenie in ihrem Bett sehen wollen. Bevor sie überhaupt von ihrem Schicksal weiß, lernt die Schamanin den Tierarzt Kiyo kennen. Doch während ihres One-Night-Stands muss sie feststellen, dass Kiyo mehr ist als nur ein Tierarzt. Er ist ein Kitsune und kann sich in einen Fuchs verwandeln. Für die junge Frau, die die Anderswelt lieber bekämpft, ist das ein großer Schock. Sie will nichts mehr mit ihm zu tun haben, fühlt sich betrogen, doch der junge Mann lässt nicht locker …

Die Inhaltsangabe sollte klar machen, was in diesem Buch eine große Rolle spielt: romantische Verwicklungen und Sex. Wer die „Vampire Academy“-Reihe kennt und liebt, darf sich auf eine Überraschung gefasst machen. Die neue Serie ist wesentlich härter, die Sexszenen expliziter und häufiger. Manchmal ist das fast schon zu viel. Gerade am Anfang überschatten die Bettgeschichten beinahe den Rest der Handlung. Dass das Buch trotzdem nicht zu einem Schmierentheater verkommt, ist dem spannenden Plot zu verdanken. Richelle Mead hat es geschafft, eine von vorne bis hinten schlüssige Handlung zu konstruieren, die keine Fragen offen lässt und den Leser mitzureißen vermag. Einziger Minuspunkt: Trotz aller Schlüssigkeit – richtig neu ist das, was die Autorin da erzählt, nicht. Eine Prophezeiung, eine junge Frau, die nicht das ist, was sie zu sein glaubt, das intrigante Völkchen der Feen – es gibt diverse Geschichte, die diese Elemente ähnlich benutzen.

Auch Eugenie Markham ist nicht wirklich neu. Frech, humorvoll, magiebegabt, mit einem Hang zu Katastrophen – auf weiten Strecken erinnert sie doch ziemlich stark an die Erdhexe Rachel Morgan aus der gleichnamigen Reihe von Kim Harrison. Nun gehört die wiederum zum Prototyp der Urban-Fantasy-Heldin, aber trotzdem hätte es nicht geschadet, wenn Eugenie vielleicht ein bisschen weniger diesem Schema entsprochen hätte. Bei Rose, der Heldin der „Vampire Academy“-Reihe, hat die Autorin das schließlich auch geschafft.

Der Schreibstil hingegen kann sich sehen lassen. Geradlinig, ohne sich zu verzetteln und mit viel Ausdruck lässt Mead ihre Protagonistin aus der ersten Person sprechen. Der Humor und Eugenies Schlagfertigkeit machen das Buch zu einem kurzweiligen Vergnügen, obwohl auch hier manchmal der Vergleich mit Rachel Morgan nicht unumgänglich ist.

Der erste Band der „Dark Swan“-Reihe bietet solide Kost. Richelle Mead begibt sich mit diesem Buch auf einen ausgetretenen Pfad und kann sich mit „Sturmtochter“ nicht wirklich originell platzieren. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich in den nächsten Bänden steigert, denn die Voraussetzungen sind allemal da. Die Geschichte ist nicht schlecht, es fehlt ihr nur ein bisschen an Eigenständigkeit.

Broschiert: 366 Seiten
Originaltitel: Storm Born
Deutsch von Frank Böhmert
ISBN-13: 978-3802582110

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http://www.richellemead.com

Kruschel, Karsten – Vilm 1: Der Regenplanet

_Die |“VILM“|-Reihe:_
1. „Der Regenplanet“
2. „Die Eingeborenen“

_Ausgezeichnet mit dem [|Deutschen Science Fiction Preis 2010!|]http://www.dsfp.de/preistraeger/2010-2 _

_Robinsons Enkel: Besuch bei den Regendrachen_

Eigentlich hatten sich die Siedler an Bord der VILM VAN DER OSTERBRIJK ihr Unternehmen anders vorgestellt. Doch statt sie zu einer entfernten Kolonialwelt zu bringen, war der Weltenkreuzer auf einen namenlosen Planeten gekracht, auf dem es nur eines im Überfluss zu geben scheint: Regen.

Die wenigen Überlebenden, unter ihnen die Kommandantin Eliza Simms, improvisieren zwischen Schrott und Schlamm eine Zivilisation, der nicht nur Kaffee fehlt. Der Planet scheint nur auf sie gewartet zu haben. Allerdings nicht, um sich erobern zu lassen … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

„Karsten Kruschel wurde 1959 in Havelberg, DDR, geboren, brach nach dem Besuch der Erweiterten Oberschule in Magdeburg und der Facharbeiterausbildung als Agrotechniker / Mechanisator ein Studium der Pflanzenproduktion ab, bevor er kurzzeitig als pflegerische Hilfskraft in der Nervenklinik der Medizinischen Akademie Magdeburg tätig war. 1980 bis 1984 studierte er Pädagogik an der PH Magdeburg, wo er auch seine Diplomarbeit „Wesen und Spezifik der Science-Fiction in der DDR, dargestellt an Romanen zwischen 1977 und 1982″ verteidigte. Seit August 1984 arbeitet er als Lehrer für Deutsch und Geschichte in Leipzig-Grünau; seit November 1985 absolviert er seinen Ehrendienst in der NVA.“ Soweit seine Biografie laut „Lichtjahr 5“ aus dem Jahr 1986, herausgegeben von Erik Simon.

Nun zur Bibliografie. „Seine ersten Veröffentlichungen waren Gedichte und die beiden SF-Geschichten „Aussage des Assistenten“ und „Theorie der Kugelblitze“ (in „Neues Leben“). Seit 1982 hat er zahlreiche Rezensionen zur in der DDR erschienenen SF in der Magdeburger „Volksstimme“ und der Leipziger „Volkszeitung“ veröffentlicht. In der wissenschaftlichen Zeitschrift der PH Erfurt/Mühlhausen (Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe, Nr. 2/84) erschien sein Aufsatz „Verfremdeter Alltag in Werken der Science-Fiction-Literatur der DDR“. Seine jüngsten Publikationen sind die SF-Erzählungen „Schach mit Otto“ (in der Anthologie „Aus dem Tagebuch einer Ameise“, 1985) und „Raumsprünge“ (1985 in der Heftreihe „Das neue Abenteuer“).

In „VILM 2. Die Eingeborenen“ gibt der Autor selbst drei weitere Veröffentlichungen an, die als Erzählungen in seine beiden „VILM“-Romane eingeflossen sind. Sie stammen aus den Jahren 1988, 1989 sowie 1999.

_Handlung_

Später kann sich die Offizierin Eliza Simms nur mit Schaudern an die Ereignisse auf der Kommandobrücke des Weltenkreuzers VILM VAN DER OSTERBRIJK erinnern. Da war der unscheinbare Maschinentechniker She Tsi unerwartet aufgetaucht. Ebenso unerwartet eröffnete er das Feuer auf den ersten Offizier, der ihm vor die Nase kam, dann auf den zweiten, der aufsprang, während alle anderen noch wie gelähmt das Ungeheuerliche zu begreifen versuchten. Erst dem dritten Offizier, Gregoire Lafayette, Elizas Geliebtem, gelang es, She Tsis drittem Schuss um eine Mikrosekunde zuvorzukommen und ihm den Kopf wegzuschießen. Fortan sucht Elias Verstand jenes Horrorbild zu verarbeiten, das entstand, als der kopflose Körper vornübersank und einen letzten Schuss abfeuerte …

Wie lang sie auf der Krankenstation gelegen hat, weiß sie nicht. Aber es ist unerheblich, weil sie dort gar nicht aufwacht. Sie sieht zunächst über sich vielmehr eine Zeltplane statt einer Kunststoffdecke und fragt sich, wo sie sich befindet. Schwester Gerda beugt sich über sie, um sie zu pflegen, bis sich endlich erholsamer Schlaf einstellt statt grausamer Albträume. Erst in mehreren Gesprächen erfährt Eliza, was passiert ist: Der Weltenkreuzer VILM VAN DER OSTERBRIJK ist auf einem namenlosen Planeten abgestürzt, auf dem es ständig regnet. Das Gebirge, das sie in einiger Entfernung erblicken kann, tja, das ist der gewaltige Schrotthaufen des Sternenschiffes. Er hat einen Durchmesser von etwa 40 Kilometern …

|Ein Notsignal|

Barbara Brewka und der muskelbepackte Karnese Jonathan Vliesenbrink haben bereits mehrere Kameraden verloren, als sie sich erneut in das Labyrinth der Trümmerstücke wagen. Es ist voller Schluchten, Abhänge, Schutthalden – und scharfkantiger Objekte. An einem davon schneidet sich Jonathan, doch Barbara kann ihn notdürftig verbinden. Dann stoßen sie auf das große Landungsboot, zu dem sie einen Hinweis erhalten haben.

In diesem befindet sich noch ein intakter Gleiter, den sie starten. Als sie jenseits der Atmosphäre sind, gelingt es ihnen, sechs Notsignale zur nächsten, 1500 Lichtjahre entfernten Welt abzusetzen, bevor das Virenprogramm, das bereits die VILM zum Absturz gebracht hat, auch ihrem eigenen Bordcomputer einen Streich spielt. Der Gleiter schmiert ab und bohrt sich Kilometer vom Camp der Überlebenden entfernt in den Boden. Beide werden so schwer verletzt, dass jede Rettung zu spät kommen würde. Schon bald macht sich die gefräßige einheimische Fauna über sie her.

|Aussätzig|

Eliza, die vormals so Privilegierte, wird in das provisorische Verwaltungszentrum geführt, wo jetzt Tina das Sagen hat, eine einfache Siedlerfrau vom Planeten Serafim, die beim Absturz 46 Angehörige verloren hat. Sie hat deshalb auch eine Stinklaune, und ganz besonders die ehemalige Zentralierin Eliza erregt ihre Wut. Eliza ist die letzte ihrer Spezies, die durch Implantate direkten Zugang zum Bordcomputer eines Sternenschiffes hatte. Was nun, Eliza?, spottet Tina. Du wirst von nun an genauso behandelt wie alle anderen. Will heißen, noch mieser.

|Die zweite Expedition|

Tina hat Eliza zu einer weiteren Expedition verdonnert, nachdem Barbara Brewka und Jonathan Vliesenbrink in der Trümmerstadt spurlos verschwunden sind (niemand hat den Gleiter und dessen Absturz bemerkt). Zusammen mit dem schwulen Marek, in den sie sich verliebt hat, und zwei anderen Männern besteigt sie erneut das Gebirge aus Schrott. Wider Erwarten stoßen sie auf einen unzerstörten Trakt von Kabinen, in denen sich kostbare Medikamente finden. Doch die anderen kehren mit einer beunruhigenden Nachricht zurück: Sie haben einen Unterschlupf von Überlebenden gefunden. Alle waren erstickt.

Wie kann das sein, fragen sich alle. Solange die Klimaanlage läuft, konnten die Überlebenden nicht ersticken. Also muss sie abgeschaltet worden sein. Aber von welcher Instanz, die noch das Kommando haben könnte, fragt sich Eliza. Später erklärt sie Tina und dem Verwaltungsrat von VILM, was sie annimmt: Dass die zentrale Künstliche Intelligenz (KI) der VILM den Absturz in Teilen überstanden habe und sich nun mit Hilfe des Selbst-Belebungsprogramm rekonstruiere. Dabei klassifiziere sie Lebewesen jedoch als störend und hinderlich. Deshalb wurde den Überlebenden die Luftzufuhr abgestellt.

Elizas Worte erhalten schon bald ihre Bestätigung, als Roboter und andere Automaten in den Schluchten des Schrottgebirges auftauchen, die Trümmer plündern und daraus ihrerseits neue Automaten zusammenbauen. Es mag siebzig Jahre dauern, bis die VILM-KI ein neues Schiff gebaut habe, aber das sei für eine KI unerheblich. Bis dahin kann sich das Gebirge für Menschen jederzeit erneut als Todesfalle erweisen …

_Mein Eindruck_

Die erste Hälfte des Romans ist ganz klar eine Robinsonade. Die Schiffbrüchigen versuchen sich zu orientieren und wie ihr Vorläufer aus dem 18. Jahrhundert das gestrandete Schiff auszuschlachten, um sich mit allem Nützlichen eine Existenz auf der fremden Welt aufzubauen. Die Suche nach der Ursache des Absturzes ist Nebensache und interessiert eigentlich nur Eliza Simms, die letzte Zentralierin, die Verbindung zur KI des Schiffes hatte. Wie es scheint, wurde dem Attentäter She Tsi ein Gehirnparasit eingepflanzt, der ihn fremdsteuerte und zum Amoklauf brachte. Elizas Verdacht fällt auf die Goldene Bruderschaft, eine Terroristengruppe auf der Zentralwelt. Und diese könnte auch das Selbstzerstörungsprogramm in die Rechner der VILM eingeschleust haben. Sie spielen verrückt und brachten so das Schiff zum Absturz.

Wie dem auch sei, es spielt für die Nachkommen der Schiffbrüchigen keinerlei Rolle. Sie werden nämlich fast alle krank. Dr. Mechin bezeichnet die Krankheit als Pseudo-Diphtherie, und nicht wenige sterben daran. Aber wie sich später zeigt, ist die Krankheit eine wichtige Stufe in der Anpassung der Menschen an den Planeten und dessen Lebewesen. Nur Überlebende der Krankheit sind in der Lage, mit den „Eingesichtigen“, tierischen Pelzträgern von freundlicher Natur, einen empathischen Kontakt herzustellen.

Fortan beobachten Eliza und Dr. Mechin überall solche empathischen Paare, die ihre Gedanken und Gefühle teilen. Dieses Teilen erstreckt sich auch auf andere so verbundene Paare, so dass sich schnell ganze Gruppen und Gemeinschaften von VILM-Kindern und Eingesichtigen herausbilden. Was Eliza noch durch Implantate herstellen konnte – sie sind nach einem Unfall ausgebrannt, so dass sie nun die Einarmige Eliza heißt -, können diese Kinder mit biologischen Mitteln erlangen.

Die menschliche Evolution auf VILM beginnt und hört natürlich nicht so schnell wieder auf. Hierin folgt der Roman dem Vorbild von John Brunners „Die Pioniere von Sigma Draconis“: Der Mensch muss einen evolutionären Schritt weg von der Erde machen, um auf der Siedlerwelt überleben zu können – und dabei nicht verrückt zu werden. Genau wie bei Brunners Hauptfigur essen die VILM-Kinder jede Menge einheimischer Früchte und nehmen so Stoffe auf, die ihre Abwehrkräfte optimieren: Sie werden nach ihrer Genesung von der Pseudo-Diphtherie nie wieder krank.

Ihr größter Wunsch besteht darin, mit dem System der Fauna und Flora – da gibt es Übergangsformen – zu verschmelzen. Wie Eliza, die Lehrerin der Kinder, in einem langen Gespräch mit dem Jüngling Sdevan herausfindet, führen die Kinder ein Forschungsprogramm durch, in dessen Verlauf sie herausfinden, welche psychotrope Wirkung die diversen Früchte der Vegetation auf ihren Geist haben. So gibt es nicht nur eine Droge, die ihre Gedanken beschleunigt, so dass ihnen die Wahrnehmung sagt, alles außerhalb ihrer selbst verlangsame sich. Und es gibt eine Droge, die eine Gestalt-Ansicht der gesamten Umwelt erlaubt. Daher befinden sich die Kinder auf einer ganz anderen geistigen Stufe als die sogenannten Erwachsenen. Und sie wachsen viel schneller.

Die bewegendsten Kapitel drehen sich um diese Anpassung. Mal gelingt sie, mal scheitert sie auf tragische Weise. Um der geheimnisvollen Umwelt des fremden Planeten ein Symbol zu verleihen, erfinden die Kinder die sogenannten „Regendrachen“. Die mythischen Wesen verkörpern das bestimmende Element des Planeten, eben Regen, aber auch dessen formende Kraft, die in der Biosphären VILMs eine prägenden Wirkung auf alles ausübt – nur dass die VILM-Kinder dies erst im Verlaufe ihrer Forschung herausfinden. Auch den Ort, wo der Regen erzeugt wird …

|Sozialistische Utopie, oder was?|

In all diesen mehr oder weniger dramatischen oder bewegenden Entwicklungen, so sollte man annehmen, bildet sich eine neue Gesellschaft heraus. Da die ersten beiden Erzählungen, die in diesen Roman einflossen (über Dr. Mechin und die Regendrachen), schon 1988 und 1989 veröffentlicht wurden, entstanden sie in einem sozialistischen Gesellschaftsumfeld. Man könnte erwarten, dass der Autor eine idealisierte sozialistische Gesellschaft entwirft.

Das könnte durchaus der Fall sein. Es gibt kein Kapital, denn es werden lediglich Werte getauscht und nicht gehortet. Es gibt keine Landwirtschaft oder Industrie im irdischen Sinne, denn entweder lebt man von den Früchten des Landes oder man plündert den Schrottberg. Nur selten werden Werte wie etwa ein geländegängiges Fahrzeug hergestellt, aber sein Konstrukteur stellt diesen Dienst der Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung.

Es gibt zwar Tinas Verwaltung der drei Dörfer auf der nördlichen Hemisphäre (der Zugang zum Süden ist blockiert), und Eliza arbeitet als Lehrerin und Wissenschaftlerin, doch ansonsten scheint es weder Bürokratie noch eine Hierarchie zu geben. Tinas Anspruch, Arbeiten zuteilen zu dürfen, wird nie in Frage gestellt, sondern durch Gewohnheitsrecht zementiert.

Aus diesen Puzzleteilen entsteht das Bild einer amorphen Gesellschaft, die allein auf dem guten Willen basiert, das Überleben für die größtmögliche Zahl zu sichern. Ausfälle aufgrund schlechter Anpassung an s Umwelt werden fatalistisch hingenommen. Man kann diesen Entwurf unrealistisch, naiv oder fehlgeleitet nennen, aber er hat seinen eigenen Charme, dieser evolutionäre Kommunismus.

Eliza hat auf Seite 75 die Angst, diese Siedlung könne sich zum Eiland in Goldings Roman „Herr der Fliegen“ entwickeln. Dazu kommt es zum Glück nicht, weil keine kontroverse Parteienbildung stattfindet – noch nicht. Die Erwachsenen spielen noch „Robsinson Crusoe“ (S. 85) und fürchten, zu einer Art „Gollum“ (S. 152) zu werden, während sich ihre Kinder schon weiterentwickeln, um Bestandteil s zu werden.

Die Fortsetzung im 2. Band „: Die Eingeborenen“ wird zeigen, wie weit die Abspaltung der Kinder von der Erstgeneration geht und welche Verwerfungen dadurch entstehen. Der Klappentext suggeriert jedoch, dass die Außenwelt größere Probleme mit der Gesellschaft s hat, als diese mit sich selbst. Darin erinnert der VILM-Doppelroman an Ursula K. Le Guins Klassiker „Planet der Habenichtse / Die Enteigneten“ und „Die linke Hand der Dunkelheit“. Diese amerikanische Autorin wurde in der DDR – das legen ihre vielen Beiträge zu den „Lichtjahr“-Anthologien nahe – sehr geschätzt.

_Unterm Strich_

Nach einem actionreichen Auftakt gerät der Roman zunächst in das Fahrwasser einer Robinsonade, entwickelt sich aber nicht zum Schreckensszanrio eines „Herrn der Fliegen“, sondern bekommt nach dem Vorbild von John Brunners „Die Pioniere von Sigma Draconis“ die Kurve, indem sich die zweite Generation der Siedler vollständig auf die neue Umgebung einlässt und eigene Strukturen aufbaut. Eine Utopie?

Phantastische Romane zu gesellschaftlichen Entwürfen zu verwenden, hatte in der DDR durchaus (von der Zensur genehmigte) Tradition. So sei etwa an den Roman „Andymon“ von Angela und Karlheinz Steinmüller erinnert, in dem sich Siedler auf ihrer Zielwelt gegen alle äußeren und inneren Widrigkeiten einrichten müssen, um gegen die feindliche Umwelt bestehen zu können – ein zunächst recht ähnliches Szenario wie in „“.

Doch die Evolution der VILM-Kinder verläuft bei Kruschel viel optimistischer und ist nicht von internen Zwistigkeiten beeinträchtigt. Trotz diverser Rückschläge findet sich immer ein Mittel, um weiterzukommen – die Umwelt selbst hält die Lösung bereit. Das ist nicht utopisch gedacht, finde ich. Denn Utopia bedeutet ja auch einen gesellschaftlichen Entwurf, wie schon bei Thomas Morus im 16. Jahrhundert. Dieser Entwurf ist bei Kruschel recht unscharf gezeichnet, eher angedeutet. Dafür kann seine Geschichte auf der Seite der Darstellung von Einzelschicksalen deutlich Punkte sammeln – die Szenen sind anrührend und einfallsreich, vielfach auch humorvoll gezeichnet.

Es ist sicher ein wenig frustrierend, dass der vorliegende Band einfach abbricht, aber dadurch wird dem Leser klargemacht, dass er unbedingt die Fortsetzung lesen sollte, um ein befriedigendes Ende der gesamten Geschichte erfahren zu können.

|HINWEIS|

Wer mehr über die Unterschiede zwischen „VILM 1+2“ und „Andymon“ herausfinden möchte, sollte das Nachwort der Steinmüllers in der Ausgabe des Argument-Verlags lesen. Darin natürlich keine Rede von „VILM“, es dient aber als Anregung für einen Vergleich.

|Broschiert: 220 Seiten
ISBN-13: 978-3938065365|
[www.wurdackverlag.de ]http://www.wurdackverlag.de
[Homepage des Autors]http://www.fksfl.de/FKSFL/Autoren/Kruschel/Kruschel.htm

Claudia Toman – Jagdzeit

Diese Rezension stammt von Nadine Warnke

Handlung

Die junge Autorin Olivia Kenning reist für ein Blind Date in das düstere Bergdorf „W.“, das auf sie direkt einen unheimlichen Eindruck macht. Zudem drängt sie eine Deadline, denn ihr erstes Buch wurde endlich veröffentlicht und der Verlag wartet dringend auf ihr nächstes Werk und bedrängt sie dabei stark, was Olivia zusetzt. Sie schafft es kaum, sich an den Shakespeare-Pakt zu halten.

Angekommen in „W.“, bezieht sie ein Zimmer in dem einzigen Gasthaus dort und lernt gleich ein paar der Einwohner flüchtig kennen, ebenso den zweiten Fremden, der sich dort aufhält: Adrian Alt. Die Einwohner von „W.“ sind Fremden gegenüber schon fast feindselig eingestellt, und dies spürt Olivia recht schnell. Irgendetwas scheinen die Menschen dort zu verbergen.

Durch Adrian Alt wird Olivia auf merkwürdige Todesfälle aufmerksam. Entweder sterben die Menschen hier sehr früh oder sie werden außergewöhnlich alt. Nur Einzelne, Unfallopfer und Opfer von Gewalttaten, sterben im mittleren Alter. Was hat es damit auf sich?

Dann findet sich Olivia im düsteren Wald wieder verfolgt von einer Meute Dorfbewohner, die bestrebt sind, die Geheimnisse von „W.“ zu schützen. In diesem wunderlichen Wald trifft Olivia die Eule „Sibby“, die mit ihr sprechen kann und ihr den Weg zu einer Quelle der Inspiration deutet. Dies ist für die unter starkem Druck stehende Schriftstellerin wie die Erfüllung aller ihrer Wünsche …

Kritik

In Claudia Tomans zweitem Buch, „Jagdzeit“ trifft man wieder auf die Protagonistin Olivia, die einem schon aus „Hexendreimaldrei“ bekannt ist. Dieser Roman ist jedoch nicht als Fortsetzung zu sehen, denn die Abenteuer unterscheiden sich völlig vom ersten Buch.

Claudia Toman bedient sich in „Jagdzeit“ einiger bekannter Märchen sowie der nordischen Sagen und verwebt diese gekonnt in einem Märchenkrimi. Man begegnet Hexen, sprechenden Tieren, ungewöhnlichen Pflanzen, düsteren Geheimnissen und noch vielem mehr. Mit ihrem lebendigen, flüssigen und atmosphärisch dichtem Schreibstil schafft es die Autorin, den Leser das ganze Buch über bei der Stange zu halten, auch wenn man durch die ständigen Zeitsprünge, unverhoffte Personenwechsel oder den eingeflochtenen Roman von Olivia manchmal doch sehr verwirrt wird. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive von Olivia und Adrian, wobei Olivia deutlich mehr Raum gegeben wird. Der Part von Adrian dient dabei dazu, das Geheimnis von „W.“ aufzudecken, während Olivia ihre eigenen magischen Abenteuer zu bestehen hat.

Die Protagonisten sind lebensnah und humorvoll aufgebaut. Olivia wächst dem Leser mit allen ihren Fehlern und Macken recht schnell ans Herz und sorgt so ganz nebenbei für einige Lacher; sie ist hervorragend und sympathisch konzipiert. Die weiteren Charaktere sind für die Geschichte ausreichend erklärt und eingesetzt.

Fazit

„Jagdzeit“ von Claudia Toman hat mich teilweise überzeugt. Die einzigartige Art der Autorin zu schreiben und ihre Figuren lebendig werden zu lassen, fasziniert mich sehr. Auch das Einarbeiten von bekannten Märchen und der nordischen Mythologie in den Krimi gefällt mir außerordentlich gut. Was ich als störend empfunden habe und was mich auch beim Lesen oft verwirrt hat, waren der ständige Wechsel der drei Erzählstränge und die Fragmente aus Olivias Roman.

Trotz allem hoffe ich, dass es in nächster Zeit noch weitere Bücher von Claudia Tomangibt, da ihre Art zu schreiben etwas Besonderes ist und ich gerne mehr davon lesen möchte.

Autorin

Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zu etwa gleichen Teilen in Mittelerde, Phantasien, Märchenmond und Derry, Maine. Nach dem Schulabschluss packte sie die Theatersucht und sie arbeitete als Regisseurin, Regieassistentin und Inspizientin in Wien, Tokio und Tel Aviv. Seit 2001 betreut sie die Vorstellungen der Kinderoper an der Wiener Staatsoper. 2009 erschien ihr Debütroman „Hexendreimaldrei“ bei Diana. Der zweite Roman, „Jagdzeit“, wurde im April 2010 veröffentlicht. Claudia Toman lebt als Untermieterin einer eigenwilligen Katzendame in Wien und arbeitet derzeit an ihrem dritten Roman.

Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3453353992
www.randomhouse.de/diana
claudiatoman.blogspot.com

Gesa Schwartz – Das Siegel des Feuers (Grim 1)

Diese Rezension stammt von Nadine Warnke

Handlung

Der Pariser Gargoyle Grim ist ein Schattenflügler und untersteht der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei. Er hat dafür zu sorgen, dass die steinernen Gesetze des GBG (Gesetzbuch der Gargoyles) eingehalten werden. Oberstes Gesetz ist, dass kein Mensch je von der Anderwelt erfahren darf. Nach einem verheerenden Krieg wurden die Welten von einander getrennt und die Menschheit mit einem Vergessenszauber belegt. Wenn es passiert, dass ein Mensch Kenntnis über die Anderwelt erlangt, muss diese Erinnerung gelöscht werden.

Eines Abends wird Grim Zeuge, wie seine Mentorin Moira einem Menschen ein Paket überreicht. Voll Zorn stellt Grimm Moira zur Rede, und diese versucht ihm zu erklären, warum dies nötig war. Grim ist allerdings so in den Regeln des GBG gefangen, dass er ihr nicht richtig zuhört und auch nicht verstehen will. Sie nimmt ihm trotzdem noch das Versprechen ab, den Jungen Jacob zu beschützen. Tags darauf wird er Zeuge, wie Moira ihrem langen Leben ein Ende setzt. Nach diesem Schock macht er sich auf nach Ghrogonias, um den Leiter der OGP, Mourier, den Tod Moiras zu melden.

In letzter Zeit kommt es bei den magischen Geschöpfen der Anderwelt zu brutalen Morden, bei denen nur höhere Geschöpfe, die über viel Magie verfügen, regelrecht abgeschlachtet werden. Dieses beunruhigt die Gargoyles sehr und sie versuchen den Schuldigen dingfest zu machen. Um das Volk zu beruhigen, werden in regelmäßigen Abständen Hybriden, Mischwesen aus Mensch und Gargoyle, der Morde beschuldigt und hingerichtet. Die Gargoyles haben die Hybriden versklavt und verachten diese Mischwesen.

Wenige Menschen, sogenannte Hartidien – Seher des Möglichen – sind in der Lage, Wesen aus der Anderwelt als solche zu erkennen, und tragen Magie in sich. Dazu gehört auch Jacob, der von Moira das Paket bekam. In diesem befindet sich ein geheimnisvolles Pergament, das mit dem Siegel des Feuers verschlossen ist. Seine Schwester Mia, die gerade, als sie den Grabstein ihres Vaters malen wollte, ein Erlebnis hatte, das sie sehr verängstigte, besucht Jacob, um ihm davon zu berichten. Er erkennt, dass auch sie die Gabe der Hartidien besitzt, und erklärt ihr so manches. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Anderwelt, die Jacob Mia zeigen will.

Als sie in Ghrogonias angekommen sind, werden sie Zeuge einer der Hinrichtungen der Hybriden. Auch Grim ist anwesend und entdeckt die beiden Menschen und verfolgt diese. Auf der Flucht versteckt Mia sich und befreit einen Hybriden von seiner magischen Fessel. Jacob versucht unterdessen, die Gargoyles abzuschütteln. Als er meint, dies sei gelungen, flieht er mit Mia wieder nach Paris. Leider ist es ihm allerdings nicht gelungen, die Gargoyles abzuschütteln, nein, es sind sogar noch mächtigere dazugekommen, die Jacob und Mia weiter verfolgen. Nachdem Jacob Mia in Sicherheit gebracht hat, versucht er, die Wesen abzuschütteln.

Grim, der sich an sein Versprechen Moiras gegenüber erinnert, versucht Jacob zu schützen. In einem dunklen Tunnel sieht er sich Jacobs Verfolgern gegenüber und erkennt, dass diese keine Gargoylen sind. Sie verfügen über sehr starke Magie, der Grim nicht viel entgegenzusetzen hat. Er kann sie jedoch kurz aufhalten und Jacob gelingt die Flucht.

Mia, die wieder bei ihrer Mutter und ihrer Tante ist, versucht ihre Mutter zu beruhigen, da Jacob sich seit Tagen nicht gemeldet hat. Diese hat große Angst um ihren Sohn, lässt sich dann aber von Mia und ihrer Tante beruhigen. Als Mia in ihrem Zimmer ist, erhält sie einen Anruf von Jacob, der sie dringend sehen will. Sogleich macht sie sich auf den Weg zu dem ihr genannten Treffpunkt. Jacob erwartet sie dort schon und überreicht ihr das geheimnisvolle Pergament. Er befindet sich immer noch auf der Flucht, und das Paket ist bei ihm nicht mehr sicher. Sie verabreden, sich in drei Tagen am Eiffelturm zu treffen, dann küsst er sie und taucht wieder unter.

Zur verabredeten Zeit wartet Mia am Eiffelturm, aber Jacob erscheint nicht. Sie geht wieder nach Hause und muss dort erfahren, dass man die Leiche ihres Bruders gefunden hat, eingewickelt in einen Mantel, der, wie sie erkennt, nicht Jacob gehört hat. Als sie auf seiner Beerdigung noch lange am Grab stehen bleibt, kommt plötzlich ein Schwarm Hybriden, der sie einkesselt. Grim, der ebenfalls am Friedhof ist, rettet Mia und beschließt, mit ihr das Rätsel um das Pergament zu lösen …

_Kritik_

Mit „Grim – Das Siegel des Feuers“ hat Gesa Schwartz einen fantastischen Debütroman im Genre der Urban-Fantasy verfasst.

Gleich zu Beginn des Romans wird der Leser in die Geschehnisse katapultiert. Die Autorin hält sich nicht lange mit Erklärungen rund um Grim und die Anderwelt auf, sondern lässt den Leser direkt am Geschehen teilhaben. Schnell findet er sich in der ersten actionreichen Szene wieder.

Durch Mia und ihrem Bruder lernt der Leser dann die Anderwelt und erste Bewohner genauer kennen. Jakob, der die Anderwelt nun schon etwas länger kennt, erklärt Mia (damit auch dem Leser) die Begebenheiten und Wesen, die in dieser leben.

Durch den lebendigen Stil der Autorin lebt man die Geschichte quasi mit. Gesa Schwarz versteht es, Spannung, aber auch Freunde und Leid so zu schildern, dass man mit den verschiedenen Charakteren mitfühlt. Erzählt wird „Grim“ aus der Perspektive eines Beobachters, der zwischen den einzelnen Figuren wechselt. Dies ist keineswegs störend, sondern sorgt für ein stimmiges Bild.

Die Protagonisten hat die Autorin keinesfalls einseitig beschrieben, diese sind, ob nun Held oder Bösewicht, so facettenreich, dass sie sehr glaubwürdig wirken. Grim, nach außen „stein“-hart, verbirgt doch einen weichen Kern, den er mit seinen Sprüchen zu verbergen weiß.

Mia beweist mit ihren gerade mal siebzehn Jahren schon eine Menge Mut und Verstand. Auch der Bösewicht ist in seinem Wesen so beschrieben und seiner Art die Ghrogoniaer zu überzeugen, dass man als Leser nicht immer voll überzeugt ist, dass er Böses will. Auch die Nebendarsteller sind nicht zu kurz gekommen; diese wurden ebenfalls mit Stärken und Schwächen ausreichend versehen. Besonders Grims Gefährte, der Kobold Remis, bringt dabei noch eine gute Portion Humor mit ein.

Fazit

Die Autorin Gesa Schwartz hat mich mit ihrem Erstlingswerk „Grim“ sofort in den Bann gezogen. Die knapp 700 Seiten waren viel zu schnell ausgelesen, und in keinem Moment kam Langeweile auf, da der Spannungsbogen nie zu tief in Erklärungen abfiel. Diesen Roman, der sich von Thema so gänzlich von der momentanen Fantasy-Welle abhebt, kann ich nur allen Fantasy-Begeisterten ans Herz legen.

Autorin

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Sie lebt in der Nähe von Hamburg.

Gebundene Ausgabe: 677 Seiten
ISBN-13: 978-3-8025-8303-2
www.egmont-lyx.de
www.gesa-schwartz.de