Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Andrea Camilleri – Der Dieb der süßen Dinge (Hörspiel)

Commissario Montalbano löst seinen dritten Fall“ – so lautet der Untertitel dieses Kriminalromans, der seine Fortsetzung in „Die Stimme der Violine“ findet. Es gibt also durchaus eine chronologische Reihenfolge in den Montalbano-Romanen, genau wie bei Mankells Kommissar Wallander.

Der Autor

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene, aber in Rom lebende Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er hat dem italienischen Krimi die Tore geöffnet.
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Jo Nesbø – Das fünfte Zeichen (Lesung)

Der Mörder zeichnet ein Pentagramm: Angst über Oslo

Seit seine Kollegin Ellen bei einem Einsatz getötet wurde, steckt Harry Hole, Hauptkommissar der Osloer Polizei, in er Krise. Er verliert seine Freundin und ihm droht die Kündigung. Doch dann geschehen in Oslo drei spektakuläre Morde, und Hole bekommt eine letzte Chance. Den grausam zugerichteten Frauen fehlt jeweils ein Finger, und an den Tatorten findet sich immer ein Pentagramm, das auf weitere Opfer hinweist. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Die Ermittlungen gehen nur zäh voran, bis der Täter schließlich einen Fehler macht …

Der Autor

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H. P. Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle (Gruselkabinett 78)

Der unschuldige Mörder: eine Horror-Beichte

„Es ist wahr, dass ich meinem besten Freund in jener regnerischen Nacht Anfang Februar des Jahres 1933 sechs Kugeln durch den Kopf gejagt habe, und dennoch hoffe ich mit dieser Aussage zu beweisen, dass nicht ich sein Mörder bin. Sicherlich werden manche denken, dass ich bloß ein Verrückter bin – sogar noch verrückter als der Mann, den ich in seiner Zelle im Arkham Sanatorium erschossen habe. Andere hingegen werden, wenn sie meinen Bericht gehört haben, anerkennen, dass ich gar keine andere Wahl hatte, nachdem ich das grauenhafte Beweisstück gesehen hatte… dieses Ding auf der Schwelle.“ (abgewandelte Verlagsinfo)

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Jo Nesbø/Nesboe – Der Erlöser (Lesung)

Ein Sauhaufen von einer Armee des Heils

Gerade als Kommissar Harry Hole seine Freundin Rakel wieder für sich gewinnen will, geschieht in Oslo ein ungewöhnlich brutaler Mord. Der junge Robert Karlsen wird offener Straße regelrecht hingerichtet. Während sich die Kripo unter einem neuen Chef aufrappelt, geschieht ein weiterer Mord. Nun macht der Täter offenbar Jagd auf Roberts Bruder Jon. Robert war das falsche Ziel.

Seit Generationen gehören die Karlsens der norwegischen [Heilsarmee]http://de.wikipedia.org/wiki/Heilsarmee an und gelten dort als unbescholtene Mitglieder. Doch die makellose Fassade bekommt Risse, als Hole der Hinweis zugespielt wird, Robert Karlsen habe nicht immer die strikten Regeln der Glaubensgemeinschaft befolgt und sein Bruder Jon sei in lukrative Immobiliengeschäfte verwickelt.

Aber ist der Killer wirklich in den Reihen der Heilsarmee zu suchen? Die Spur führt zurück ins bosnische Vukovar, ins finstere Jahr 1991, als die Serben die Stadt eroberten und alle Bewohner [massakrierten.]http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker__von__Vukovar Bis auf einen …
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John Sinclair – 161 – Jenseits-Melodie

Die Handlung:

Die grandiosen Melodien des Wiener Hofkomponisten Manfredo Cardinal zogen die Menschen vor 150 Jahren in ihren Bann – sodass die Kaiserin ihm bei Todesstrafe untersagte, weiter zu komponieren. Aber gegen die Jenseits-Melodie hilft keine Strafe und kein Verbot. Sie findet ihre Opfer – bis heute … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 400 gemacht, das erstmalig am 3. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

Los gehts diesmal 1876 in Wien. Und wir hören dem Hofkomponisten Manfredo Cardinal beim Klavierspielen zu. Verbotenerweise … denn er hat den Befehl, nicht mehr zu komponieren. Und anderer Leute Musik darf er offenbar bei Todesstrafenandrohung auch nicht mehr spielen … nicht mal Pfeifen ist noch erlaubt. Aber, warum nur? Das erklärt uns niemand … nur gedroht wird ständig. Tja, und dann isser auch schon kopflos. Selbst Schuld? Aber, was dann passiert, hat mich wirklich überrascht.

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Andrea Camilleri – Die Passion des stillen Rächers. Commissario Montalbano stößt an seine Grenzen (Lesung)

Unvorhersehbar: Eine Entführung, an der etwas oberfaul ist

„Commissario Montalbano stößt an seine Grenzen“ lautet der Untertitel von Montalbanos neuestem Fall. Eigentlich ist er ja zum Zuarbeiter degradiert worden, aber auf seine unnachahmliche Art und dank einer Kaskade von Geistesblitzen löst er den Fall – und wird schließlich sogar zum Richter.

Salvo Montalbano erhält aus seinem Kommissariat einen Anruf: Auf einer einsamen Landstraße hat man den Motorroller von Susanna Mistretta, einer jungen Studentin, gefunden, die mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Fundstelle lebt. Der Vater, der unverzüglich eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat, ist sich ganz sicher: Susanna ist entführt worden. Doch Commissario Montalbano findet bald heraus, dass es sich bei der Entführung um die Tarnung für eine weitaus vielschichtigere Angelegenheit handelt: Zu viel passt einfach nicht zusammen. Doch das Netz der Verwirrungen scheint undurchdringbar und der stille Rächer geduldig genug abzuwarten, bis sein Opfer in die verhängnisvolle Falle tappt ? (Amazon.de)
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Andreas Eschbach – Solarstation (Lesung)

Einfühlsame Lesung: Der Putzmeister als Detektiv

2015: Kostbar sind die Sonnensegel der japanischen Solarstation NIPPON. Von ihnen aus wird die Erde mit Energie versorgt. Als die Energieübertragung versagt, denken Leonard Carr und die Mannschaft der Station zuerst an eine technische Panne. Doch dann geschieht ein Mord, und ein fremdes Raumschiff dockt an.

Entsetzt erkennt die Besatzung, dass sie Spielball in einem Plan ist, der die Station zu einer nie dagewesenen Bedrohung werden lässt. Leonard hat nur eine Chance: Er kennt alle Geheimnisse der Solarstation und weiß beim Kampf, die Gesetze der Schwerelosigkeit für sich zu nutzen … (Verlagsinfo)

„Solarstation“ war nach [„Die Haarteppichknüpfer“ der zweite Roman Eschbachs. 1997 wurde er mit dem Kurd-Laßwitz-Preis der deutschen SF-Kritiker als bester deutscher SF-Roman 1996 ausgezeichnet.
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Per McGraup – Der Hexenfluch (Gruselkabinett Folge 21)

Fluch oder nicht Fluch, das ist die Frage

Rhode Island, USA, 1962.

Der Rachedurst des Geistes der auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexe Katrina van Kampen ist auch nahezu dreihundert Jahre später noch nicht gestillt. In einer schaurigen Halloween-Nacht sehen sich die beiden letzten Nachkommen des damaligen Hexenjägers, zwei pensionierte Lehrerinnen, im beschaulichen Städtchen Newport einer tödlichen Gefahr gegenüber …

Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Der Autor

„Per McGraup“ ist das Pseudonym von Marc Gruppe. McGraup ist demnach ein Anagramm.

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Rankin, Robert – Warten auf Oho

„Warten auf Oho“ bezieht sich im Titel – sowohl des Originals wie auch in der Übersetzung – auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“. Allerdings ist Rankins Roman wesentlich lustiger, unterhaltsamer und wortreicher.

Gott ist tot, und seine Frau Eartha ist sauer. Gott hat nämlich die Erde seinem Sohn Colin vererbt, obwohl er sie ihr geschenkt hatte. Damit nicht genug, trachten nun Dämonen im Auftrag eines „Ministeriums für glückliche Zufälle“ (lies: Hölle!) nach der Herrschaft über eben jene nichts ahnende Erde. Moment, ein wenig Ahnung gibt es hinieden doch: ein Dieb und ein Privatschnüffler kommen der Sache aus ganz unterschiedlichen Richtungen auf die Spur. Doch danach zu urteilen, wie sie sich anstellen, ist das Schicksal Terras mehr als ungewiss…

_Der Autor_

Robert Rankin wurde 1949 in London geboren, heute lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen auf dem Lande in West Sussex. Seine Spezialität sind humoristische Parodien, meist auf erkennbare Vorbilder, aber nicht immer. Bei |Bastei Lübbe| sind u.a. die Elvis-Trilogie, die sechsbändige Brentford-„Trilogie“ und der Hugo-Rune-Zyklus erschienen.

_Der Sprecher_

Oliver Rohrbeck ist laut Verlag als Theaterschauspieler und Synchronsprecher bekannt und hat sich v.a. in der Hörspielreihe „Die drei ???“ einen Namen gemacht. Mit ihm als Sprecher ist bei |Lübbe Audio| „Frühling & Sommer“ von Stephen King erschienen, also die zwei Novellen „Die Verurteilten“ und „Der Musterschüler“.

_Handlung_

Zunächst sieht es so aus, als habe der Roman zwei Handlungsstränge. Das könnte sich als Irrtum erweisen. Wie sich so vieles, was man zunächst anzunehmen geneigt ist, als Irrtum herausstellt.

|Der erste Strang|

Ein Barbierladen namens „Stravino“ in jener längst untergegangenen Epoche vor 1990. Hier kehrt Icarus Smith, der 18-jährige Held, gerne regelmäßig ein, wozu auch immer, aber jedenfalls nicht, um sich den Bart stutzen zu lassen. Vielmehr hat er einen Deal mit dem Inhaber, und der lässt ihn schon mal die Erotikhefte auf dem obersten Regal durchblättern. Dies spielt in jenen goldenen Tagen, als das Internet noch nicht jedermanns Leben bis zur Unkenntlichkeit beschleunigte, und Icarus kann sich die Mädchenbilder daher nicht aus dem Netz saugen. Was ihn interessant macht, ist sein Selbstverständnis als „Relokator“. Sein Bruder Edwin sagt „Dieb“ dazu, aber Icarus betrachtet das Entwenden und Woandersplatzieren von Objekten als Kunst, Wissenschaft und Lebensform. Sein Bruder hält ihn für beknackt.

Wichtig sind die zwei anderen Besucher: Captain Ian Drayton, Armeeoffizier auf Heimaturlaub, und ein gewisser Mr. Cormerant vom „Ministerium für glückliche Zufälle“. Dessen dicke schwarze Aktentasche erregt Icarus‘ Begehren, woraufhin sie plötzlich eigene Wege geht, die ihr Besitzer nicht vorsah. In einem sicheren Versteck stößt Icarus darin auf eine Tonbandaufnahme, die ihn erschreckt: Die Stimme von Mr. Cormerant ist darauf, aber auch die eines Folterers, der einen Professor Bruce Partington aus Brentford nach der Formel für eine Droge namens „Red Head“ befragt. Und zwar mit schmerzhaften Methoden. Bevor der Prof stirbt, faselt er noch etwas von Aliens.

Im Haus des Professor erfährt Icarus endlich, was es mit Red Head auf sich hat: Es ist eine Droge, die Wahrheit der Wirklichkeit enthüllt – und die ist angefüllt mit Engeln und Dämonen. Icarus hat den Verdacht, dass auch das „Ministerium für glückliche Zufälle“ etwas damit zu tun hat…

|Der zweite Strang|

Sein Name ist Lazlo Woodbine, und er ist der größte lebende Privatdetektiv. Seine Freunde nennen ihn Laz, doch davon hat er nur sehr wenige, denn er ist ein hartgesottener Bursche (und immer noch auf der Suche nach seiner weiblichen Seite). Lazlos Schutzengel trägt den schönen namen Barry.

Heute ist sein Glückstag: Laz erhält gleich zwei Aufträge: Ein gewisser Mr. Cormerant verlangt von ihm, er solle eine schwarze Aktentasche wiederbeschaffen, die man ihm, Cormerant, in einem Barbierladen geklaut habe. Leicht verdientes Geld, denkt Laz, und die Spur führt ihn natürlich zu Icarus Smith, der Wahrheitsdroge – und Mr. Cormerants wahre Natur.

Der zweite Auftrag erweist sich als kniffliger: Gott ist aus dem Himmel verschwunden, nachdem er seiner Gattin Eartha einen Planeten namens Terra geschenkt hatte. Eartha will von Lazlo, dass er Gott findet UND ZURÜCKBRINGT. Das Wetter spiele bereits verrückt. Außerdem seien nun drei Kinder vaterlos. Wenn Laz den Fall nicht übernehme, so Barry, könne Eartha allerdings recht unagenehm werden. Den Rest seiner Tage könnte laz in einer Art Vorhölle verbringen.

|Wo ist das Problem?| denkt Laz lässig, besorgt sich von Barry die himmlischen Daten und begibt sich in die Disco Crimson Teacup. Hier soll sich Gott, verkleidet als Richard E. Grant, herumtreiben, in der Hoffnung, jüdische Jungfrauen aufreißen zu können. Laz findet Gott auf der Toilette, doch der verschwindet durch die Hintertür, die natürlich zu einer schummrigen Seitengasse führt. Laz hört Schüsse fallen und tatsächlich: Da liegt Gott auf dem Boden, beleuchtet von den Blitzen eines Hurrikans.

Nun hat Laz ein kleines Problem, denn wie Barry weiß, hat Gott den Planeten Terra in seinem Testament seinem Sohn Colin („Colin?!“) vererbt, doch die betrogene Eartha ficht dieses Testament natürlich an. Damit fangen Lazlos Probleme aber erst an, denn Colin steckt mit einem gewissen Mister Cormerant unter einer Decke. Und wie Icarus soeben schmerzhaft herausgefunden hat, ist Cormerant ein Dämon…

_Mein Eindruck_

Ein Dieb und ein Privatdetektiv machen sich also auf den Weg, eine umfassende Verschwörung aufzudecken, die die Weltherrschaft anstrebt – was sonst? Verschwörungskomplotte sind ja seit seligen James-Bond-Tagen ein beliebtes Mittel, einerseits die Welt zu erklären und zweitens den jugendlichen Helden eben diese Welt vor den Verschwörern retten zu lassen. Für die üblichen Actionkämpfe ist also gesorgt. Und um alle Klischees zu erfüllen, findet der Showdown auf dem Dach eines Hauses statt, das gerade gesprengt werden soll.

Neben seiner Parodie aller Hard-boiled-Detektivfilme der Vierziger und Fünfziger bietet der Autor aber auch eine metaphysische Komödie auf, und die leiht dem Buch den Titel. Gottes Familie ist leicht in Unordnung geraten, seit er selbst aushäusig „aktiv“ ist, seine Frau Eartha sich um ihr Geschenk, die Erde, sorgt und die drei Kids eigene Wege gehen: Jesus Christus natürlich, dann aber auch Colin und seine Schwester Christina. Ja, und wo diese beiden in dieser Geschichte auftauchen, das führt dann auch noch zu ein paar netten Überraschungen.

Lediglich im letzten Viertel, wenn sich alle Annahmen über Gott und die Welt als Irrtümer entpuppen, wird es für den Zuhörer etwas unübersichtlich. Am besten macht man vorher mal eine Pause oder zwei. Den Atem kann man nämlich gut gebrauchen.

Die Detektivparodie, Verschwörungsfantasie und metaphysische Komödie fand ich ganz nett, aber viele Gags klingen schon etwas abgedroschen, was Detektive und Götter anbelangt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass der Roman bereits 1999 erschienen ist – und womöglich schon Jahre davor (vor dem Internet?) geschrieben wurde. Nicht zuletzt die Spielfilmreihe um die „Nackte Kanone“ hat den Mythos um ruhmreiche, einsame, abgebrühte Privatschnüffler ad absurdum geführt.

Nicht nur, dass Lazlo Woodbine (ich glaube, so hieß mal eine Zigaretten- oder Zigarrenmarke) ein überholtes Modell ist. Er ist auch noch ein penetranter Klugschwätzer, der selbst einem Jim Carrey das Wasser reichen könnte. Allerdings bietet der Autor die eingebaute Ironiebremse an: Alle anderen Figuren können sich nicht an Woodbines wahren Namen erinnern und verunstalten ihn. Woodbine selbst kann – oder darf – sich den Namen des Herstellers seines Revolvers von Smith & Wesson nicht merken. Das führt ebenfalls zu netten Sprachentgleisungen. Leute, die diese Art Humor noch witzig finden, dürften heute kaum älter als 17 sein. Denn danach ist die Welt einfach eine zu ernste Angelegenheit.

_Der Sprecher_

Oliver Rohrbecks Vortrag hat viele gute Qualitäten, so etwa das unglaublich schnelle Sprechen lustiger Stellen, doch die korrekte Aussprache bestimmter fremdsprachlicher Wörter gehört nicht dazu. Wenn er den Eigennamen Ian ausspricht, so sagt er „aiän“ statt „i’än“, und den französischen Ausdruck „sang froid“ (kaltes Blut) spricht er englisch „säng freud“ aus statt französisch „så froá“.

Immerhin charakterisiert er die wichtigsten Stimmen eindeutig, so dass man die Figuren auseinanderhalten kann. Das gilt aber nicht für die zwei „Engel“ Barry und Johnny Boy. Zum Glück haben diese beiden kaum eine gemeinsame Szene. Und durch Zusätze wie „sagte X“ und „sagte Y“ wird auch dem letzten Zuhörer klar, wer gerade was sagt. Allerdings ist das nicht gerade der beste Erzählstil, den man sich vorstellen kann.

_Unterm Strich_

Wie schon angedeutet, muss man wohl ein bestimmtes Maximalalter mitbringen, um dieser Sammlung parodistischer Einfälle auch wirklich Vergnügen abgewinnen zu können. Sonst wirkt das ganze Verfahren nämlich schnell schwer nervend. Ein klugschwätzerischer Detektiv, eine zerstrittene Götterfamilie – naja, Hauptsache, man hat gute Nerven. Am besten gefiel mir noch Icarus Smith, dem all unsere Sympathien gelten müssen, denn er hat eine unkonventionelle Art, mit dem Besitz anderer Leute umzugehen: Er klaut aus philosophischer Überzeugung. Er hat den „großen Durchblick“. Und bei Gelegenheit spielt er Robin Hood. Auch gegen Dämonen, die aussehen wie Reptilien mit Federn auf dem Kopf. Jeder andere – vielleicht mit Ausnahme von 007 und dem blinden Neo – würde da doch die Flucht ergreifen!

Sprecher Oliver Rohrbeck gelingt ein lebendiger, flotter Vortrag. Doch wie bei allen Hörbüchern, die viele Geistesblitze transportieren, sollte man nach zwei CDs, also 140 Minuten, mal eine Verschnaufpause einlegen und sich überlegen, welche Geschichte man gerade erfahren hat.

„Warten auf Oho“ ist eine Frage des Alters und Geschmacks. Wer beides mitbringt, wird eine Menge Spaß haben. Alle anderen haben wahrscheinlich gerade Wichtigeres zu tun.

Umfang: 313 Minuten auf 4 CDs

_Michael Matzer_ © 2004ff

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Im Zentrum des Schreckens (Folge 61)

Vor der Schlacht: Übungsstunden in der Hölle

„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.

John Sinclair und seine Gefährten stehen der Mordliga gegenüber. Doch auch Morasso, ihr Anführer, hat Feinde, nämlich Asmodina, die Tochter des Teufels. Sinclair & Co. befinden sich zwischen diesen beiden Fronten. Er kann nur hoffen, dass in der folgenden Schlacht die eine oder andere Seite geschwächt oder gar vernichtet wird – und dass er nicht zwischen die Fronten gerät.

Folge Nr. 61 entspricht dem Band 201 der Bastei-Romanserie und ist der Mittelteil eines Dreiteilers.

Die Hörspiele dieser Reihe sind Vertonungen der gleichnamigen Bastei-Heftserie. Mit der Trilogie von Band 60-62 feiert die Hörspielreihe ein weiteres Jubiläum – mit einem Online-Gewinnspiel. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 18 Jahren.
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Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter – Stonehenge (Offenbarung 23, Folge 7)

_Allohol macht auch dich unsterblich!_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Ein kleiner Bronzekelch aus Trons Besitz führt den Hacker Georg Brand auf die Spur eines alten Druidenkults. Uraltes Wissen hütet dieser Zirkel, der Georg nach Südengland und zum Hügel von Salisbury führt, zu den Ruinen von Stonehenge. Hat Tron wirklich wirklich das Geheimnis des Zaubertranks der alten Kelten gelöst, der Unsterblichkeit verspricht?

Dies ist die bislang lustigste Episode des Serie – Georg Brand schaut einfach zu tief ins Whiskyglas …

_Der Autor_

Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Arianne Borbach spricht Margo und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“.
Tilo Schmitz spricht Herrn Brand senior und klingt wie Ving Rhames oder Michael Clarke Duncan.
Marianne Groß spricht die Kuratorin und klingt wie Angelica Huston oder Meryl Streep.
Lutz Mackensy spricht den Druidengroßmeister Saint-Clair und klingt wie Rowan Atkinson oder Christopher Lloyd.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven, Peter Cushing oder Vincent Price.
Helmut Krauss ist der Erzähler und klingt verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen. Diesmal geht es um Whisky – oder sowas Ähnliches.

_Handlung_

Bald ist Wintersonnenwende, und im Keller der Berliner Urania-Loge findet ein konspiratives Treffen statt. Der Großmeister des Zirkels kündigt einen Wissenden an, der herausfinden werde, wie man den Zaubertrank der Unsterblichkeit zubereitet. Von wem redet der Typ bloß?

Die Nachrichtensprecherin (Dagmar Berghoff) steht am Tag der Sommersonnenwende auf der Ebene von Salisbury. Im Zirkel der Steine von Stonehenge vollzieht die so genannte Druid Society ihr alljährliches Ritual. Sie erinnert an den Krieg im Bohnenfeld, der sich 1985 am Verbot des jährlich hier stattfindenden Stonehenge-Festivals entzündete und die Demonstranten – New-Age-Jünger und viele Aussteiger – gegen die Polizei kämpfen ließ. Aber was machen die Druiden da eigentlich, fragt die Reporterin.

November in Berlin. Georg Brand sitzt immer noch gefesselt im Keller der Urania-Loge von Berlin, vor ihm stehen im Fackelschein der Reporter Kai Sickmann und der Druidengroßmeister Saint-Clair. Man nimmt ihm die Handschellen ab. Er soll sich den Druiden anschließen. Saint-Clair hat eine Aufgabe für den Hacker, der in seinen Kreisen als T-Rex bekannt ist. Er zeigt ihm einen Bronzebecher mit Glockenform, der uralt sein muss.

Dieses Gefäß komme aus Avebury und wurde unweit von Stonehenge gefunden. Ein Bildmotiv zeigt, wie ein Riese einen Zwerg in einen Kessel tunkt. Steckt die keltische Legende dahinter, wonach der Gott Lugh seinen Wundarzt gebeten habe, die verwundeten Krieger zu heilen und dieser sie in einem Zauberkessel wiederherstellte? Aber was befand sich in dem Kessel – der Trank der Unsterblichkeit?

Mit diesem Rätsel der „durchgeknallten Komiker“ im Kopf besucht Georg seine Freundin Tatjana Junk, die als Nolo bis 1998 die Freundin Trons war. Er erhofft sich nicht viel, ist daher umso erstaunter, als sie ihm erzählt, dass Tron an einem eben solchen Becher besonders interessiert war und sich danach eine Whiskyflasche – wohl die erste in seinem Abstinenzlerleben – gekauft habe. Auf dem Boden des Tonbechers im Museum habe der Name einer Whiskydestille in Schottland gestanden: Talisker.

Georg muss sofort die Probe aufs Exempel machen und testet in der Bar Hudson, die 300 Whisky-Sorten vorrätig hat, den besagten Whisky. Völlig benebelt antwortet er auf die Fragen von Ian G, der ihn hier aufstöbert. Ja, dieser durchgeknallte Typ namens Saint-Clair habe ihm ein Rätsel aufgegeben. Na, und? Als Ian seinen Kumpel vor diesen Typen warnt, ist Georg schon eingepennt.

Er erwacht mit einem Kater, der sich gewaschen hat. Mitbewohner Schmittke bemuttert den Patienten, bis Georg kurz vor Mittag wieder ansprechbar ist. Unglaublich, dass er zu einem fiesen Trick gegenüber Ian fähig ist: Er hört dessen Handy ab (siehe Episode 5!). Ian telefoniert mit seinem „Bruder Tom“, der Georg bislang als „Mista Beat“ bekannt war, der Manager von Tupac. Als sich die Stimme von Tron einschaltet, wird das Gespräch abgewürgt. Echt blöd! Aber T-Rex fragt sich nun: Warum wollen diese Komiker nicht, dass ich nach Stonehenge fahre?

_Mein Eindruck_

Eigentlich ist die Lösung für den Zaubertrank der ollen Kelten wirklich „pillepalle“, wie Georg in Todesangst schreit. Und dass sein Auftraggeber, der Oberdruide Saint-Clair, nicht von selbst draufgekommen sein soll, nehme ich dem Typen keine Sekunde ab. Aber trotzdem hält er größte Stücke auf seinen „jungen Wissenden“, der die Nachfolge von Tron antreten soll. Dass der minderbemittelte Saint-Clair von einer Frau – dreimal darf man raten, wer – mächtig eins auf die Mütze bekommt, ist daher schon ziemlich verwunderlich.

Als ginge es mit dem Teufel zu, taucht auch in England wieder Ian G aus der Versenkung auf und tut unserem Helden T-Rex gar Übles an. Sogar auf einen Altarstein wird der Ärmste gebunden und selbstredend soll er irgendwelchen längst toten Göttern geopfert werden. Diese Szene greift derart tief in die Mottenkiste des Gruselfilms, dass es die Sau graust. Ich hoffe, der Autor hat sie selbst nicht ernst genommen, oder er bekommt zehn Jahre Ekelhaft in den Verliesen des Vatikan.

Immerhin nehme ich eine nette Erkenntnis mit nach Hause: Die Jungsteinzeitler waren auch bloß Menschen. Stonehenge war ja nicht bloß Observatorium, sondern auch Kalender. Den brauchten nicht bloß die Bauern, sondern auch die Heiratswilligen. Wer am Sonnwendtag ein Kind zeugte, konnte sicher sein, dass es im März – zehn Mondmonate später – zu einer Zeit geboren wurde, wenn es wieder genügend Nahrung gab und es wärmer wurde. Die Überlebenschancen waren also ungleich höher als für ein im Winter gezeugtes Kind.

Nicht nur wurde an Sonnwend gezeugt, sondern auch kräftig gebechert. Daher die Sache mit dem Whisky, den offenbar schon die Altvorderen zu schätzen wussten. Slainte!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Wesley Snipes, Ving Rhames, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Besserte sich die Lage an der Humorfront schon in den Episoden 5 und 6, so explodiert nun geradezu eine Ironiebombe. T-Rex hat eine derart freches Mundwerk, dass ich mich vor Vergnügen kringelte. „Durchgeknallte Komiker“ ist ja noch harmlos gegen die anderen Dinger, die er loslässt. Diese Respektlosigkeit macht das ganze Mysteriengewäsch endlich erträglich.

_Geräusche und Musik_

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.

Die Musik fungiert meist ein Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Zum Glück fehlt nun die Rapmusik, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann.

_Unterm Strich_

Bei dieser Episode hat der Autor wirklich zu tief ins Whiskyglas geschaut, aber genau deshalb ist sie die bislang lustigste der Serie. Der Bierernst der ersten Staffel hat einer bissigen, fast schon zynischen Ironie Platz gemacht, dass es ein Vergnügen ist, Georgs Respektlosigkeiten gegen die versammelten „Komiker“ anzuhören. Die völlig verkalkten Verschwörungstheorien à la „Da Vinci Code“ haben wir allmählich dicke, daher muss sich das jeweils gelüftete Geheimnis eigentlich umso mehr der aktuellen Realität zuwenden. Das geschah im „Handy-Komplott“ und in „Der Fußball-Gott“. „Stonehenge“ stellt einen Rückfall in das alte Mysteriengeraune dar. Aber es ist wie gesagt sehr gut zu ertragen, wenn man ein stabiles Zwerchfell sein Eigen nennt.

Das mit 76 Minuten ungewöhnlich lange Hörspiel ist von Lübbe und LPL Records gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten höchst trivialen und unglaubwürdigen Handlung den Glamour des Abenteuers.

Gruppe, Marc – Sherlock Holmes – Der Engel von Hampstead (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 4) (Hörspiel)

Serienmord per Mäusebutter

London im Jahr 1889. Eine offenbar nicht abreißende Reihe ungeklärter Todesfälle erschüttert den beschaulichen Londoner Nobel-Stadtteil Hampstead. Auf Bitten seiner treuen Haushälterin Mrs. Hudson nimmt sich der Meisterdetektiv des Falles an und findet Erstaunliches heraus … (Verlagsinfo)

Diese Fälle dieser neuen Holmes-Reihe wurden nicht von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, sondern alle von Marc Gruppe. Sie basieren natürlich auf den originalen Figuren, die mittlerweile Allgemeingut geworden sind.

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 12 Jahren.

Der Autor
Gruppe, Marc – Sherlock Holmes – Der Engel von Hampstead (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 4) (Hörspiel) weiterlesen

E. T. A. Hoffmann – Das Fräulein von Scuderi (Lesung)

Seniorenkrimi: Mitgefühl überwindet den Terror

Mysteriöse Raubmorde erschüttern das Paris Ludwigs XIV. Die Morde haben eines gemeinsam: Alle Opfer trugen Schmuck des Goldschmiedes Cardillac bei sich. Eines Nachts klopft ein geheimnisvoller Bote an der Tür des ehrbaren Fräuleins von Scuderi und überbringt ein verziertes Kästchen. Es enthält ein von Cardillac gefertigtes Collier und einen Brief mit den besten Grüßen des Mörders. (Verlagsinfo)

Der Autor

E. T. A. Hoffmann – Das Fräulein von Scuderi (Lesung) weiterlesen

Arnaldur Indriðason – Engelsstimme. Kommissar Erlendur Sveinssons 5. Fall (Lesung)

In einem angesehenen Hotel in Reykjavík wird der Portier tot aufgefunden, als Weihnachtsmann verkleidet, die Hosen heruntergelassen. Erlendur stellt bald fest: Diskretion ist das oberste Gebot, der Tourismus ist heilig. Um den Tod des alten Mannes schert sich eigentlich niemand. Wer aber hat Interesse einen zurückgezogen lebenden Portier aus dem Weg zu räumen? Erlendur quartiert sich kurzerhand im Hotel ein und stößt auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit des Toten, auf eine „Engelsstimme“… Kommissar Erlendur Sveinsson ermittelt in seinem fünften Fall. (Verlagsinfo)

Der Autor
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Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah (Lesung)

Dresden 1945 – New York 9/11: Odyssee zum Geheimnis

Dies ist die Geschichte von Oskar Schell. Oskar ist neun, er ist Erfinder, Pazifist, Veganer, Schmuckdesigner und Tamburinspieler. Obendrein hat er jede Menge Frage, auf die er dringend eine Antwort braucht. Wieso gab es den Anschlag vom 11. September? Warum musste sein Vater eines der Opfer sein? Als er in dessen Sachen einen Schlüssel in einem Umschlag mit der Aufschrift „BLACK“ findet, probiert er alle Schlösser in der Wohnung durch: nichts. Bleibt also nur, alle Menschen in New York City, die Black heißen, zu befragen, ob der Schlüssel bei ihnen passt. Eine abenteuerliche Odyssee beginnt.

Der Autor

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Frank Herbert / Kerstin Kaiser – DUNE 1: Der Wüstenplanet. Teil 1 von 2 (Hörbuch)

SF-Epos in originalgetreuer Umsetzung

Im 11. Jahrtausend tun sich der Imperator und Harkonnen zusammen, um das Haus Atreides unter Herzog Leto zu vernichten. Die große Mausefalle ist der Wüstenplanet Arrakis, der Köder unermesslicher Reichtum in Form des einzigartigen Rohstoffs |Spice-Mélange|. Der Plan klappt wie am Schnürchen, doch eine Kleinigkeit geht schief: des Herzogs Konkubine und sein Sohn Paul entkommen in die Wüste. Dort bauen sie mit den einheimischen Fremen eine Guerilla-Organisation auf, die droht, die lebenswichtige Spice-Produktion zum Erliegen zu bringen – und damit jeden Verkehr im Imperium! Der Imperator, gezwungen von der Raumfahrtgilde, muss nach Arrakis kommen …
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Lueg, Lars Peter / Keller / Wilson / Smith / Fowler / Masterton – Necrophobia 3

_Das Verhängnis der Nekromanten_

Wieder mal hat Lars Peter Lueg als Regisseur, Produzent und Dramaturg ein Fest für Horrorfans vorbereitet. Sein Adlatus Andy Matern steuerte die Musik, den Schnitt und die Tontechnik bei. Zu den Autoren der neuen Storys gehören die bekanntesten Vertreter des Genres, darunter Christopher Fowler und Altmeister Clark Ashton Smith, ein Freund von H. P. Lovecraft.

|Erzählung # 1: _David H. Keller: Da unten ist nichts!_ (1952)|

Unter dem Haus der Tuckers liegt ein Keller, der sich viel weiter erstreckt, als sie ahnen, und der viel älter ist als ihr gemietetes Häuschen. Der Zugang zu diesem düsteren Keller ist nur durch die Küche möglich, und er wird durch eine wuchtige Eichentür verschlossen, die mit schmiedeeisernen Scharnieren und Riegeln verstärkt ist. Soll diese massive Tür etwas drin halten oder jemanden draußen?

Schon als der Sohn der Tuckers, Tommy, noch ein kleines Baby ist, weint er immer nur in der Nähe dieser Tür, also immer in der Küche, sonst aber nirgends. Als er sprechen kann, versucht er zu erklären: Ist der Riegel vorgelegt, ist er still, doch ist die Tür nur geschlossen, aber nicht verriegelt, empfindet er Angst. Am schlimmsten ist es für ihn natürlich, wenn die Tür geöffnet ist. Er weigert sich, den Keller auch nur zu betreten.

Als seine Eltern, einfache Arbeitergemüter, ihn zur Schule schicken wollen, meinen sie, man müsse etwas wegen dieses Verhaltens unternehmen. Sein Vater möchte am liebsten aus Tommy einen richtigen Mann machen. Der Hausarzt Dr. Hawthorne ist zwar kein Psychologe, gibt aber in seiner Unwissenheit den gut gemeinten Rat, Tommy dem vollen Effekt der offenen Tür auszusetzen – alleine. Der Vater überwindet den heftigen Widerstand des Jungen und setzt ihn dem offenen Keller aus.

Doch Hawthorne kommen Zweifel ob seines Rats und befragt einen Freund, der wirklich ein Fachmann ist. Dieser kann sich vorstellen, dass die Sinne dieses Kindes feiner sind als die eines Erwachsenen. Vielleicht ist da unten im Keller wirklich etwas, oder Tommy glaubt es zumindest. Hawthorne fährt zu den Tuckers, um sich nach dem Wohlergehen Tommys zu erkundigen. Inzwischen ist die volle Stunde der „Schocktherapie“ vergangen, und der Vater erklärt sich bereit, die Tür zur Küche zu öffnen, damit Hawthorne sich Tommy ansehen kann.

Was Hawthorne vorfindet, ist ein Bild des Grauens …

|Mein Eindruck|

Die Ursache des Horrors ist in dieser Geschichte nie zu sehen, und nur das Resultat des Grauens lässt darauf schließlich, dass da etwas sein muss – da unten im Keller. Horror kann mitunter nur in der Vorstellung, vielleicht auch in verschärfter Wahrnehmung entstehen, wie schon Poe zu berichten wusste. Das „Unnennbare“ – hier schlägt es wieder mal zu. Und wieder mal glauben die normalen Spießbürger keine Sekunde lang an seine Existenz. Das hat verhängnisvolle Folgen. Wer auf Splattereffekte wartet, ist hier aber an der falschen Adresse.

|Der Sprecher|

Udo Schenk ist die deutsche Stimme von Gary Oldman. Er moduliert seine Stimme nach oben und unten, um die verschiedenen Stimmlagen von Frauen und Männer anzudeuten, und er gibt die situationsbedingten Ausdrucksweisen des ängstlichen Tommy wieder. Eigentlich nichts Besonderes, aber solide Sprecherarbeit.

|Erzählung # 2: _F. Paul Wilson: Zart wie Babyhaut_ (1991)|

Denise ist gerade beim Shopping in Downtown Manhattan, als ihr ihre frühere Freundin Helen Ryder über den Weg läuft. Wow, was für ein klasse Outfit, staunt Denise. Helen lädt Denise zum Tee im Waldorf Astoria ein, man gönnt sich ja sonst nix. Offenbar hat es Helen gut getroffen, wohingegen Denises Mann Brian sich mit brotlosen Sozialprojekten abgibt, ach je!

Und was für eine obergeile Handtasche Helen da trägt! So weich, so zart, und aus lauter kleinen Stückchen zusammengenäht, offensichtlich teure Handarbeit, womöglich sogar italienisch, hat bestimmt ein Schweinegeld gekostet, oder? Höchst exklusiv, versichert Helen geschmeichelt, und als eine Japanerin mit einer schwarzen Ausführung dieser Tasche vorbeitrippelt und anerkennend nickt, ahnt Denise, dass Helen Mitglied eines exklusiven Klubs ist, zu dem sie unbedingt auch gehören will.

Es gibt nur einen kleinen Haken. Die Tasche ist aus der Haut von menschlichen Föten, die abgetrieben wurden, und in die entsprechenden Verkaufsabteilungen der exklusiven Boutiquen gelangt man nur auf Empfehlung hin. Die ihr ihre Freundin selbstredend gerne gibt, sobald Denise ihren Schock überwunden hat. Doch ob Brian für eine Fötenhandtasche Verständnis aufbringen kann, wagt Denise ernsthaft zu bezweifeln.

Doch wenn eine Frau ein ernsthaftes Fashion Statement machen möchte, verschiebt sie gerne die Grenze dessen, was okay ist …

|Mein Eindruck|

Und um diese moralische Grenze geht es in der Tat. Was wird den „total Reichen“ (John Brunner) noch alles einfallen, um in Sachen Mode eine Aussage zu machen und zu zeigen, dass sie sich über die Maßstäbe von Lieschen Müller und Otto Normal hinwegsetzen können? Heute gehört es für Heidi Klum & Co. zum guten Ton, einen begehbaren Schrank, so groß wie ein Kinderzimmer, nur für Schuhe zu besitzen und mindestens ein Wohnzimmer nur für die Garderobe, die da Gucci, Armani, D&G sowie Donna Karan liefern. Für Herren gilt selbstverständlich das Gleiche.

Doch die wahren Reichenklubs insistieren natürlich auf exklusivsten Accessoires. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die menschliche Haut – eine schier unerschöpfliche Ressource, besonders dann, wenn die Inder so billig liefern können. Da kann der Lagerkommandant von Auschwitz mit seinen Lampenschirmen aus Menschenhaut einpacken.

Die Story thematisiert die Ausbeutung der Dritten Welt durch die besitzende Klasse der westlichen Welt, aber das Feindbild basiert bereits auf überholten Besitzverhältnissen. Inzwischen sitzen auch in Moskau, Schanghai und Neu-Delhi Milliardäre, die sich Fötenhauthandtaschen aus der Portokasse leisten können.

|Die Sprecherin|

Marie Bierstedt, Jahrgang 1974, trat ab Mitte der 80er Jahre in TV-Serien wie „Praxis Bülowbogen“ oder „Ein Heim für Tiere“ auf. Sie ist u. a. die deutsche Stimme von Kirsten Dunst („Spider-Man“), Kate Beckinsale und Natalie Portman. Sie ist vielen Deutschen als deutsche Stimmbandvertretung von Alyson „Willow“ Hannigan in „Buffy“ vertraut.

Ganz natürlich klingt bei ihr, wie sich die zwei alten Freundinnen über die grausigsten Dinge austauschen können, solange es dabei nur um Mode geht. Freilich vermag Denise ihre Vorbehalte gegen Fötenhaut nicht zu verbergen und spricht sie auch aus, doch Helen beruhigt: Der Oberste Gerichtshof hat es doch erlaubt, also was soll die Aufregung?

Natürlich klingen Denises Mann Brian und der Verkäufer der Handtaschen ganz anders, tiefer, männlicher. Aber das sind nur vorübergehende Randfiguren, dann sind die Damen mit ihrem schauderhaften Accessoire wieder unter sich.

|Erzählung # 3: _Clark Ashton Smith: Necropolis – Das Reich der Toten_ (1932)|

Es waren einmal zwei hervorragende Nekromanten in der Welt Zothique, welche da hießen Madmour und Sodossma. Leider wussten die Bewohner des Landes Tinarat ihre Künste und Fertigkeiten wenig zu würdigen und vertrieben sie. Auf der einsamen Straße durch die Wüste von Zinkor begegnen den beiden Totenbeschwörern diverse Skelette von Pferden und ihren Reitern. Stante pede treffen sie eine Übereinkunft, wonach sie diese lohnende Beute gerecht unter sich aufteilen. Und so dauert es nicht lange, und sie gelangen mit einem stattlichen Tross von knochigen Reitern als Sklaven nach Yepirion.

Aus den Grüften wecken sie die Sklavenarbeiter und betreten mit ihrer Totenarmee die Hauptstadt, welche von einer schrecklichen Pest aller menschlichen Wesen beraubt wurde. Sie erobern ohne Kampf den herrlichen Palast und schwelgen in dessen Pracht. Etwas keck geworden, erwecken sie sogar die toten Nimbod-Herrscher wieder zum Scheinleben und lassen sich von ihnen auf dem alten Doppelthron huldigen. Der erste Nombodherrscher, Hestaion, krönt sie höchstselbst. Ach, es ist ein gar fürstliches Leben, finden sie, und genießen die Pracht und die weiblichen Dienerschaft in vollen Zügen. Nekrophilie ward nie herrlicher zelebriert als hier.

Doch die dienstbaren, zum Leben erweckten Geister sehnen sich nach der Ruhe des Todes. Der letzte Nimbod mit Namen Elairo erinnert sich, wie’s früher war, und hasst die beiden Despoten. Während diese ihrerseits nachlässig und träge werden und ihren nächsten Krieg planen, organisiert Elairo den Aufstand der unzufriedenen Geister, um sich für die Tyrannei zu rächen. Hestaion war einst ein Zauberer und erinnert sich einer Prophezeiung. Man müsse die Statue des Erdgottes zerschlagen, eine Tür in den tiefsten Grüften öffnen und so den Weg zum tiefsten Abgrund unter dem Palast bereiten.

Gesagt getan, nun frisch ans Werk! Die Rache der Toten ist schrecklich – und dauert ewig …

|Mein Eindruck|

Eine wundervoll altmodische Geschichte, wie „ein Märchen aus uralten Zeiten“, und mit einem herrlichen Schluss, welcher der ausgleichenden Gerechtigkeit wieder Geltung verschafft. Smith ist weitaus weniger auf das kosmische Grauen bedacht als sein Brieffreund Lovecraft und erweist sich immer wieder als großer Romantiker in der Art von Lord Dunsany, den auch Lovecraft anfangs verehrte und nachahmte. Die Erzählung ist eindeutig ein Glanzpunkt in dieser Auswahl.

|Der Sprecher|

Reinhard Kuhnert ist die deutsche Stimme von Pierce Brosnan. Es gelingt ihm, nicht nur die beiden überheblichen Totenbeschwörer zu porträtieren, nein, auch die Toten, allen voran der alte Hestaion, erhalten ein Profil.

Doch wie sprechen die Toten? Das ist eine knifflige Frage, die sich durch empirische Befunde leider nicht beantworten lässt (alldieweil die Toten gemeinhin nicht sprechen). Da schafft Hollywood zum Glück Abhilfe durch eine gewisse Inspirationshilfe. Man denke etwa an das Heer der Toten im dritten Teil von Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung. Die Toten sind heiser, hauchen leise, wodurch sinnfällig wird, dass ihnen ein Kehlkopf fehlt. Was an Dialogen daher fehlt, macht die wunderbar genaue Beschreibung der Vorgänge wieder wett.

|Erzählung # 4: _Christopher Fowler: Die langweiligste Frau der Welt_ (1995)|

Die Ich-Erzählerin ist eine ganz normal frustrierte Hausfrau aus Süd-London und behauptet, sie sei die langweiligste Frau der Welt. Wie möchten es ihr gerne glauben, doch irgendwie fallen schon die ersten Begebenheiten, von denen sie aus ihrem Leben berichtet, etwas aus dem Rahmen dieses Bildes. Anno 1964 stürzte ihr Vater die Kohlenluke im Haus hinunter und starb an einem Herzinfarkt. Zwei Cousins starben durch Unglücke, und ihr erster Lover John Perry brach ihr die Nase. Ihre Schwiegermutter hielt sie deshalb für verflucht – bevor sie selbst einen Schlaganfall erlitt und den Löffel abgab.

Erst nahm sie gegen die tödliche Langeweile nur Valium, aber inzwischen ist sie schon bei Speed (Amphetaminen) angekommen. Als sie herausbekommt, dass ihr Mann Derek sie mit einer gewissen Gigi betrügt, killt sie den Nachbarshund. Offenbar hat sie auch Blackouts, von denen sie ihr Mann, ihr Sohn Jason und die beschränkte Tochter Emma in Kenntnis setzen. Hm, kann schon sein, na und? Sie wittert eine Verschwörung und Paranoia macht sich breit.

Als Derek ihr eines Abends verkündet, er wolle ausziehen und sich scheiden lassen (um es mit Gigi zu treiben, logo), dreht sie durch und haut ihm die Bratpfanne über den Schädel. Sie verteilt ihn auf drei Müllbeutel und entsorgt die Leiche in der Kiesgrube. Oder ist das nur zusammenfantasiert? Und wenn schon. Eines Tages könnte sie es ja wirklich tun. Fragt sich nur – schon bald oder …

|Mein Eindruck|

Der Autor Christopher Fowler, ein bekannter britischer Horrorliterat („Über den Dächern von London“ u. v. a.), schildert das ganz normale Grauen, wie es sich anfühlt, lebendig begraben zu sein – in einer spießbürgerlichen Ehe, welche die Erzählerin schon mit sechzehn einging, danach kamen die Kinder, nie auch nur das geringste Fünkchen Selbstverwirklichung. Und schwupps, kehren sich erst der Mann und dann die Kinder gegen sie selbst. Kein Wunder, dass da Mordphantasien aufkommen. Ob solche Existenzen heute überwunden sind? Ich würde nicht darauf wetten. Da lauert noch jede Mordpotenzial.

|Die Sprecherin|

Arianne Borbach ist die deutsche Stimme von Catherine Zeta-Jones. Borbach lässt die Erzählerin alle Gefühlsregungen durchlaufen: von der gruftigen Langeweile über Eifersucht und Hass bis hin zu rasender Wut – und dann wieder zurück zu lethargischer Apathie. Diese Entwicklung ist von Borbach fabelhaft flexibel und sehr bewusst gestaltet, doch nie übertrieben. Und in seiner Glaubwürdigkeit ist dieses Porträt einer zerstörten Existenz umso bedrohlicher.

Die Erzählung lebt nur von der inneren Bewegung und Entwicklung, und wenn einmal ein Mord geschieht, dann entpuppt er sich als eingebildet. Daher könnte diese Story den einen oder anderen Hörer frustrieren. Es ist ein Stück für Leute mit psychologischem Einfühlungsvermögen. Und sie wissen Borbachs Darstellungsleistung zu würdigen.

|Erzählung # 5: _Graham Masterton: Die graue Madonna_ (1995)|

Der Amerikaner Dean Wallace ist nach Brügge in Belgien zurückgekehrt, weil ihm ein winziges Detail nicht aus dem Kopf geht. Als seine Frau Karen hier starb, erwähnte ein Kutscher eine seltsame Beobachtung: Karen habe vor ihrem Tod mit einer Nonne gesprochen, die graue Gewänder getragen habe. Wieso sollte Karen mit einer Nonne streiten? Man fand Karen später in einem der Kanäle, welche die Stadt durchziehen, um den Hals einen Strick aus Hanf. Hatte sie sich erhängt? Vielleicht wegen ihrer Abtreibung?

Die Polizei bestreitet, dass es solche Nonnen gebe. Wallace spürt den Kutscher auf und gegen ein ordentliches Trinkgeld führt ihn der junge Mann zu jener Stelle, wo er Karen zuletzt sah. Ja, Karen schrie die Nonne an und fragte sie: „Was habe ich getan?“ Die Nonne sah genauso aus wie die zahllosen Madonnen, die an den alten Brügger Bürgerhäusern die Fassade zieren. Und alle halten ein Jesuskind im Arm. Jetzt sieht es auch Wallace, und ihm wird mulmig. Überall Madonnen, an jedem Haus. Und Teufelsfratzen! Was hat das zu bedeuten?

Der Kutscher erzählt ihm von der Pest im 14. Jahrhundert, die so lange wütete, dass sich die Menschen als Sünder betrachteten und an die heilige Muttergottes ein Hilfeersuchen richteten, das sie als verbindlichen Vertrag ansahen. Maria vergibt, doch die Madonnen bestrafen. Der Kutscher äußert eine merkwürdige Ansicht. Die Bürger schufen die Statuen mit falschen Hoffnungen: Für die Erschaffung der Statuen werde ein Preis gefordert. Aber welcher?, will Wallace wissen. Beleidigt man die Madonnen, werde man bestraft.

Wallace erklärt den Kutscher für verrückt und geht seines Weges. Doch überall sind diese Madonnen mit ihren Kindern im Arm. Er denkt an den armen abgetriebenen Charlie … Als er in einer Bar sitzt, sieht er draußen eine graue Nonne vorübergehen. Sofort folgt er ihr. Weiß sie etwas über Karen? Sie eilt in den Glockenturm des Belfrieds, er hinterher, an der Pförtnerin vorbei, die nichts gesehen haben will. Immer höher, den hörbaren Schritten nach, hunderte von Stufen.

Auf der obersten Plattform holt er die Nonnen in Grau endlich ein. Doch die Begegnung erweist sich als verhängnisvoller Fehler. Denn die graue Madonna hat ein Hanfseil dabei …

|Mein Eindruck|

Diese lange Erzählung ist die meisterliche Verschränkung des unterbewussten Schuldkomplexes um die Abtreibung eines Kindes mit dem Motiv der Schutzgöttinnen von Brügge. Diese Madonnen haben offenbar die Aufgabe, die Sünder, die sich der Kindstötung schuldig gemacht haben, ihrer gerechten Strafe zuzuführen: Sowohl Karen als auch ihr Mann müssen dran glauben.

Man kann sagen, dass diese Story von einem Abtreibungsgegner geschrieben worden sein muss, aber ich kenne die Schuldgefühle, die eine Abtreibung hervorruft, von einer früheren Freundin selbst. Diese Gefühle können schwere Depressionen hervorrufen – warum sollten sie nicht zu einer Illusion wie jener wandelnder Madonnen führen? Der Rest ist dann nur eine Frage des Einfallsreichtums des Autors.

|Der Sprecher|

Till Hagen ist die deutsche Stimmbandvertretung für Filmstars wie Kevin Spacey, Billy Bob Thornton und Kevin Kline. Er absolvierte die Schauspielschule in Berlin und war am Theater in Dortmund und Bielefeld engagiert. Seit 1977 ist der professionelle Rundfunksprecher beim RBB und anderen ARD-Sendeanstalten tätig. Er hat beispielsweise alle Krimis von Arne Dahl vorgelesen.

Es gibt nur zwei Hauptfiguren, die Hagen zu porträtieren hat: Den Ich-Erzähler Dean Wallace kann er mit ganz normaler Stimmlage sprechen, doch er lässt ihn auch rufen und sich empört und wütend äußern. Der Kutscher Jan de Keizer erfordert etwas mehr Darstellungskunst. Der Ex-Junkie spricht leise, zögerlich, geradezu schwächlich, außer dann, als er voll Überzeugung von den Madonnen Brügges und ihrer besonderen Rolle und Bedeutung mit insistierendem Tonfall erzählt.

Im dramatischen Finale der Handlung erklingt die Glocke des Belfrieds nicht weniger als viermal im Hintergrund, was andeutet, dass sich das Schicksal unserem Erzähler mit schnellen Schritten nähert. Die Hintergrundmusik ist inzwischen verklungen und nur der Klang der Glocken begleitet die Stimme des Erzählers bzw. Sprechers.

_Unterm Strich_

In dieser Auswahl gefielen mir am besten Smiths Erzählung vom Untergang der beiden despotischen Nekromanten und die letzte Erzählung, in der Graham Masterton meisterlich die Themen Abtreibung, Schuldgefühle und Sühne miteinander verknüpft. Schade, dass die anderen Geschichten nicht das gleiche Niveau erreichen. Splatter und Action gehören diesmal nicht zum Repertoire.

Die Sprecher sind allesamt kompetent und Könner ihres Fachs. Die Musik von Andy Matern variiert von Story zu Story, mal langsam, mal schnell, aber stets anders instrumentiert. Die Musik hält sich stets dezent im Hintergrund und stört den Vortrag des Sprechers zu keiner Zeit. Mit rund 20 Euro ist die Doppel-CD deutlich teurer als der Durchschnitt, aber das dürfte wohl auf die solide Produktion mit bekannten Sprechern und qualitätsvoller Musik zurückzuführen sein. Ein Sammlerstück.

|144 Minuten auf 2 CD|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.festa-verlag.de
[„Necrophobia 1“ 1103
[„Necrophobia 2“ 1073
[„Necrophobia – Meister der Angst“ 1724

Becker, Rolf & Alexandra / Stamm, Heinz-Günter – Gestatten, mein Name ist Cox: Heißen Dank fürs kalte Buffet (Hörspiel)

Mordermittlung als Freizeit-„Vergnügen“

Ein seltsamer Zufall, dass etliche Leute an rätselhaften Herzattacken sterben, mit denen Privatdetektiv Paul Cox kurz zuvor noch ein Gläschen trank. Dieser Ansicht ist auch der ermittelnde Polizeiinspektor Carter. Um den schlimmen Verdacht Carters von sich abzuwenden, bleibt Cox nur die Möglichkeit, den wahren Täter zu finden, und er macht sich mit seinem Freund Thomas Richardson auf die Socken. Ob es wohl etwas zu bedeuten hat, dass die Verstorbenen alle irgendwelche Erbansprüche an den Textil- und Chemieunternehmer Antoine Lefèvre besaßen?
Becker, Rolf & Alexandra / Stamm, Heinz-Günter – Gestatten, mein Name ist Cox: Heißen Dank fürs kalte Buffet (Hörspiel) weiterlesen

Dugald A. Steer (Hg.) / Volker Präkelt – Das geheime Buch der Magie. Die Zauberkunst Merlins (Hörspiel)

Mit dem Fliegenden Teppich: auf Merlins Spuren

Zwei ungleiche Gefährten, der schrullige Buchhändler und das ungestüme Mädchen Kitty, sind auf der Suche nach Merlins geheimem Buch der Magie. Doch hartnäckige Widersacher stellen sich ihnen in den Weg. Eine zauberhafte und zugleich atemlose Reise beginnt, die sie nach Stonehenge und in die Bretagne führt, denn dort wartet der weise Magier bereits auf sie.

Die Inszenierung
Dugald A. Steer (Hg.) / Volker Präkelt – Das geheime Buch der Magie. Die Zauberkunst Merlins (Hörspiel) weiterlesen

Edith Nesbit – Der Ebenholzrahmen (Gruselkabinett 112)

Die Geliebte aus der Hölle

London 1923: Philip Devigne ist nicht wenig erstaunt, von seiner reichen Tante ein altes viktorianisches Haus im Londoner Nobel-Stadtteil Chelsea zu erben. Über dem Kamin im Speisezimmer hängt in dem ansonsten erlesen möblierten Haus ein billiger Druck in einem aufwändigen Ebenholzrahmen. Wie sich herausstellt, hat es damit eine unheimliche Bewandtnis… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin

Edith Nesbit – Der Ebenholzrahmen (Gruselkabinett 112) weiterlesen