Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Pioch, Yvonne – Prophezeiung, Die (Altraterra 1)

_Die 13 Jahre alte Anne_ lebt mit ihrem Vater auf einem Bauernhof und hilft ihm bei der täglichen Arbeit. Ihre Mutter verstarb früh und ihr Bruder Henri ist zum Studieren auf eine ferne Universität gegangen. Ihrer Zukunft sieht Anne nicht besonders glücklich entgegen, eine Heirat mit einem ungebildeten Bauernsohn aus der Nachbarschaft und ein arbeitsreiches, wenig spannendes Leben scheinen vor ihr zu liegen. Lediglich ein immer wiederkehrender Traum verwirrt das junge Mädchen. In diesem sieht sie sich einen geheimnisvollen und sehr gutaussehenden Mann heiraten.

Eines Tages kommt Henri, Anne und den gemeinsamen Vater besuchen, in seiner Begleitung ist der Mann, den Anne schon so oft in Ihren Träumen gesehen hat, Miraj. Dieser ist Anne gegenüber zwar freundlich, aber ihn scheint ein düsteres Geheimnis zu umgeben. Sehr enttäuscht ist Anne allerdings von ihrem Bruder Henri, er behandelt Anne sehr herablassend, von der früheren geschwisterlichen Freundschaft scheint nichts mehr geblieben zu sein.

Die Tage vergehen und Miraj trainiert oft hart mit Henri Schwertkampf und auch magische Techniken, bis eines Nachts ein Überfall die Welt von Anne auf den Kopf stellt. Der Hof wird angegriffen und bei diesem Überfall wird Annes Vater ermordet. Miraj und Henri gelingt die Flucht und die beiden Männer nehmen Anne mit. Mit diesem Ereignis verändert sich das Leben des jungen Mädchens komplett, sie erfährt von Miraj, dass sie in einer magischen Welt lebt und gerät in die Kämpfe der Magier.

_Kritik_

Mit „Altraterra – Die Prophezeiung“ hat die Autorin Yvonne Pioch ihren Debütroman veröffentlicht, der der erste Teil einer All-Age-Fantasy-Trilogie ist.

Die Autorin bedient sich einem überschaubaren und sehr bodenständigen Schreibstil, dem auch junge Leser leicht folgen können. Dabei legt die Autorin beim Erzählen ihrer Geschichte viel Wert auf ein kraftvolles und authentisches Bild, ohne sich in Erklärungen zu verlieren. Die Umgebung wird stets passend beschrieben, so kommt die jeweilige Atmosphäre überzeugend beim Leser an. Dabei nimmt sich die Autorin genug Zeit, die Figuren und die Welt in der sie sich bewegen zu entwickeln und dem Leser so verständlich nahe zu bringen.

Auch die Spannung kommt hier nicht zu kurz, anfangs sanft ansteigend baut sich der Spannungsbogen bis zum Ende gekonnt auf. Das Ende ist zufriedenstellend, wenn auch leicht verwirrend. Die Neugier auf den zweiten Teil der Trilogie wird so aufgebaut und der nächste Teil mit Spannung erwartet.

Mit „Altraterra“ hat die Autorin eine neue Welt geschaffen, in der normale Menschen leben, die von der Magie nichts ahnen und ein gewöhnliches Leben führen. Auf der anderen Seite stehen die Magier, die sich in drei verschiedene Gruppen aufteilen. Da gibt es die grünen Magier, die sich für die besten Magier halten und dabei recht hochnäsig sind. Die schwarzen Magier wollen den Menschen schaden und befinden sich in einem ewigen Kampf gegen die Menschheit und besonders die grünen Magiern. Dazwischen stehen die roten Magier, deren Kräfte nicht besonders stark sind, und da sie von den schwarzen Magiern abstammen, werden sie von den grünen lediglich geduldet und mit Misstrauen bedacht.

Yvonne Pioch erzählt die Geschichte ihrer Protagonisten aus der Perspektive eines Beobachters, der sich meist auf Anne konzentriert. Hier kann man sagen, dass die Autorin diese Perspektive klug gewählt hat, da Anne die Welt, in der sie lebt, selbst neu kennenlernen muss und der Leser so mit Anne gemeinsam Altraterra entdecken kann.

Die Zeichnung der Figuren ist der Autorin sehr gut gelungen, ohne gleich zu viel zu verraten, gibt sie den Protagonisten ein Gesicht und eine Fülle an Charaktereigenschaften, die sich im Laufe der Handlung offenbaren. Die Protagonisten entwickeln sich im Laufe der Geschichte und manches scheint doch anders, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Dies macht zu einem guten Teil das geheimnisvolle des Romans aus, da nicht jede Figur völlig durchschaubar ist. Besonders die Entwicklung von Anne ist der Autorin dabei hervorragend gelungen.

Der Leser kann Annes Entwicklung von einer wissbegierigen Jugendlichen bis zu einer jungen, magisch begabten Frau mit verfolgen. Anne muss sich plötzlich in einer für sie komplett fremden Welt zurechtfinden und sieht sich den Kämpfen von guten und bösen Magiern gegenüber. Ihren Platz in dieser Welt suchend, muss sie gefährliche Abenteuer bestehen, erlebt die ersten zarten Bande der Liebe und auch Neid, Vorurteile, Wut, Trauer und Hass muss sie kennenlernen.

Auch die Beziehungen untereinander entwickeln sich, aber nicht alle so, wie es anfangs scheint, auch hier bietet die Autorin durchaus Überraschungen.

_Fazit_

Yvonne Pioch hat mit „Altraterra: Die Prophezeiung“ ein interessantes Buch über das Erwachsenwerden geschrieben. Die Geschichte ist einfach als unterhaltsam und reizend zu bezeichnen.

Die neue All-Age-Fantasy-Trilogie der Autorin Yvonne Pioch kann jungen wie auch erwachsenen Lesern der Fantasy nahegelegt werden.

_Autorin_

Yvonne Pioch ist freie Autorin, Lektorin und Journalistin. Geboren ist sie in Düsseldorf, lebt und arbeitet aber seit sechs Jahren in Frankfurt am Main. Nach Praktika und freier Mitarbeiter bei FAZ, AP und Frankfurter Neue Presse und einem Zwischenstopp in der PR hat sie sich selbstständig gemacht und ist damit sehr glücklich.

„Altraterra“ ist Yvonne Piochs erster Roman und gleich der Auftakt einer Trilogie. In dieser Fantasy-Geschichte geht es vor allem um Identität, Macht, Familie und Freunde – und die Schwierigkeit, den eigenen Weg zu finden

|Taschenbuch: 314 Seiten
ISBN-13: 978-1446702666|

Blake Charlton – Nicodemus – Der Zauberverschreiber

Die Nicodemus-Trilogie:

01  „Der Zauberverschreiber“
02 „Spellbound“ (nicht auf Deutsch erschienen)
03 „Disjunction“ (angekündigt für 16.07.2017)

Die Handlung:

Nicodemus ist Student der Zaubersprachen. Durch seine Legasthenie bringt er die einfachsten Zaubersprüche durcheinander, und die komplizierteren erst recht. Schon bald gerät er zwischen die Fronten eines unerbittlichen Kampfs der Zauberschulen.

Magische Runen steigen von einer Buchseite auf, sie vermögen den Körper eines Mannes in die Luft zu heben, ein Messer zu schärfen oder ein Herz anzuhalten. Nichts ist in Starhaven so machtvoll wie die Magie der Zaubersprüche! Nur Nicodemus, dem Lehrling der Zaubersprachen, will rein gar nichts gelingen. Durch seine Legasthenie bringt er die Zaubersprüche ein ums andere Mal durcheinander und stürzt sich und seine Umgebung in heilloses Chaos. Und ist er womöglich der lang ersehnte Halkyon, der die Welt von Starhaven retten soll? Wer aber hat Nicodemus die Kunst des Zauberschreibens gestohlen? Seine Feinde haben sich schon auf den Weg gemacht. Durch den rätselhaften Mord an einer Professorin geraten Nicodemus und sein Mentor, der blinde Zauberer Shannon, in große Gefahr.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Auf dem Buchrücken wirbt einer meiner Lieblingsautoren, Tad Williams, für das Buch. Er behauptet, dass „Blake Charlton eine der außergewöhnlichsten magischen Welten erfunden hat, die die Fantasyliteratur zu bieten hat“. Starke Behauptung. Wie außergewöhnlich Charltons Welt tatsächlich ist, wird schon auf den ersten Seiten deutlich. Wenn der Kakograph Nicodemus nämlich seine Wasserspeierin mit neuen Texten bearbeiten will, damit sie schneller arbeitet. Verwirrt? Keine Sorge, war ich auch. Aber zügiges Weiterlesen erhellt das Dunkel und zeigt sehr schnell, was sich Charlton so alles Überraschendes ausgedacht hat. So erzeugt unser „Schlechtschreiber“, der Kakograph also, seine meist fehlerhaften Zaubersprüche, indem er seine Armmuskeln anspannt. Dadurch erzeugt er Zauberrunen, die er als Zaubersprüche in die Welt fließen lassen kann. Zum Beispiel in seinen aus Texten bestehenden Gehilfen, damit er schneller mit der Arbeit fertig ist. Und bei Auseinandersetzungen fliegen die Zaubersprüche … als Text, den jeder lesen kann … dem Gegner um die Ohren.

Es heißt, dass Künstler, und dazu zähle ich auch Autoren mit tollen Ideen, immer etwas von sich selbst in ihre Werke einfließen lassen. Hier muss man kein Detektiv sein, um zu erkennen, dass Blake Charlton seine eigenen Erinnerungen an Legasthenie und Schwierigkeiten in der Schule mit eingebracht hat. Das Ganze hat er allerdings komplett umgekehrt, sodass das Buch nicht wirklich immer leicht und locker zu lesen und zu verstehen ist.

Nicodemus ist mit seinen 25 Jahren auf den ersten Blick vielleicht auch ein wenig alt, um als Held eines Jugendromans aufzutreten. Von vielen als künftiger Retter von Starhaven prophezeit, von anderen aber auch als großer Zerstörer, versucht Nicodemus einfach nur ein Zauberer zu werden und seine Zauberschwäche loszuwerden. Er selber gibt nicht viel auf die Prophezeiungen. Außerdem stehen er und sein Mentor im Zentrum einer Ermittlung wegen Mordes.

„Der Zauberverschreiber“ liest sich nicht so flüssig wie andere Jugendbücher und nicht nur 10-13-Jährige werden so ihre (anfänglichen) Probleme haben, wenn immer wieder Fremdwörter auftauchen. Hier weiß der junge Leser sicher oft nicht, ob es ein echtes Fremdwort ist oder ein Eigenname aus dem Einfallsreichtum des Autors. Auch die Spannung wird manchmal durch zu viel Detailreichtum gebremst.

Wer sich aber die Zeit nimmt, die es braucht, um in diese neue Welt einzutauchen, sich auf das neue Magie-System einzulassen, den erwartet ein zauberhaftes Abenteuer. Und dann ist es auch nicht mehr so schwer, der Handlung zu folgen, denn die ist spannend und Nicodemus wächst dem Leser schnell ans Herz.

Leider endet das Buch mit dem faden Beigeschmack, dass es nicht nur der erste Teil einer Trilogie ist, sondern sich auch so anfühlt. Nicht wenige Fragen bleiben am Ende unbeantwortet und als alleinstehendes Buch kann dieser Roman nur schlecht gelesen werden. Vielleicht sollte man warten, bis alle Teile erschienen sind und dann alle am Stück lesen.

Der Autor

Blake Charlton, geboren 1979, studiert Medizin an der Stanford University. Bevor er an diese Eliteuniversität aufgenommen wurde, hatte er selbst mit seiner Legasthenie und dem Ruf als ewiger Schulversager zu kämpfen. „Der Zauberverschreiber“ ist sein erster Fantasyroman. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Das Magie-System braucht ein wenig Eingewöhnungszeit, aber dann entfaltet sich eine spannende Geschichte um einen sympathischen Zauberlehrling … mit Rechtschreibschwäche.

Eine Leseprobe bietet der Verlag unter dieser Adresse an.

Hardcover: 473 Seiten
Originaltitel: Spellwright
Aus dem Amerikanischen von Petra Knesse
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre
ISBN: 978-3-608-93877-7
www.klett-cotta.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Cast, P.C. und Kristin – Gejagt (House of Night 5)

_|House of Night|:_

Band 01: [„Gezeichnet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6374
Band 02: [„Betrogen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6277
Band 03: [„Erwählt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6550
Band 04: [„Umgezähmt]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6755
Band 05: _“Gejagt“_
Band 06: „Versucht“ (erscheint im Mai 2011)
Band 07: „Verbrannt“ (erscheint im August 2011)

_Nach der Erweckung_ des gefallenen Engels Kalona ist Zoey und ihren Freunden die Flucht in die Tunnel unter dem Bahnhof von Tulsa, der Heimat der roten Vampire, geglückt. Stevie Rae hat eine gefährliche Wunde davongetragen, als Stark mit einem Pfeil auf sie geschossen hat. Da Stevie Rae durch die Verletzung viel Blut verloren hat, lässt Aphrodite Stevie Rae von sich trinken, denn nur menschliches Blut ist stark genug, um die Verletzung schnell heilen zu lassen.Ungewöhnlich ist, dass es dabei zu einer Prägung zwischen Stevie Rae und Aphrodite kommt, die sich ja eigentlich nicht besonders gut leiden können.

Als der Morgen graut, machen sich Darius, Erik und ein paar weitere Vampire auf, die Eingänge der Tunnel zu bewachen, damit keine feindlich gesinnten Gestalten sie zur Schlafenszeit der Jungvampire unbeobachtet betreten und weiteren Schaden anrichten können. Als Zoey später wach wird, sucht sie den Ausgang, den Erik bewacht, um mit ihm zu reden, immerhin hat Erik ihr verziehen und die beiden sind wieder ein Paar. Plötzlich steht dann Zoeys menschlicher Ex-Freund Heath vor den Tunnel und überredet Zoey, ihn zu seinem Auto zu begleiten, um ungestört mit ihr reden zu können.

Dies stellt sich später als riesengroßer Fehler heraus: Draußen warten schon die Kinder Kalonas, die Rabenspötter und greifen Zoey an. Schwer verletzt wird Zoey gerettet und nun ist es an Heath, ihr wieder einmal sein Blut zu geben, da Zoey den Angriff sonst nicht überlebt hätte. Auch diese „Blutspende“ bleibt nicht ohne Folgen, die bereits gebrochene Prägung der beiden wird wieder erneuert. Leider reicht Heaths Blut nicht aus, um Zoey zu heilen, ohne Hilfe der erwachsenen Vampire wird Zoey wohl nicht überleben und so macht sich die Gruppe wieder auf den Weg in das House of Night, das sich bereits in den Händen von Kalona und Neferet befindet.

_Kritik_

Mit „Gejagt“ haben die Autorinnen Phyllis und Kristin Cast den fünften Teil Reihe „House of Night“ im bekannten Stil fortgeführt. „Gejagt“ schließt direkt an den Vorgängerroman „Ungezähmt“ an. Die Geschichte beginnt diesmal nur wenige Stunden nach den erschreckenden Ereignissen im vierten Band. Auch in „Gejagt“ werden nur wenige Tage aus dem Leben von Zoey und ihren Freunden erzählt, diese sind allerdings auch wieder sehr turbulent und ereignisreich.

Den sehr jugendlichen Sprachstil behalten die Autorinnen weiterhin bei, wobei dieser am Anfang der Geschichte schon bald eine Nuance zu künstlich wirkt. Dem lässigen Schreibstil können jugendliche, wie auch erwachsene Leser leicht folgen und das Buch lässt sich fast in einem Rutsch lesen. Die düstere Umgebung wird detailliert beschrieben und die Atmosphäre wird glaubwürdig an den Leser weitergegeben. Der eingebaute Spannungsbogen unterstützt den Lesespaß noch, da dieser ständig steigend eine Lesepause fast unmöglich macht. Ihrem düsteren Plot bleiben die Autorinnen weiter treu und auch die eingewobenen indianischen Sagen werden fortgeführt. Das Ende dieses Bandes ist abgeschlossen, es bleiben aber weiterhin genug mystische Fragen und spannende Geheimnisse offen, um die Reihe glaubwürdig fortzusetzen.

Erzählt werden die spannenden Ereignisse weiterhin aus der Perspektive von Zoey, dies ist leider nicht immer von Vorteil, da diese Figur sich ein wenig zu viel mit sich selbst beschäftigt. Da tritt der Kampf gegen das Böse schon mal in den Hintergrund und die Liebeswirrungen Zoeys treten zu sehr in den Vordergrund. Hier wäre es schon so manches Mal angenehmer, wenn die Autorinnen den Fokus mehr auf das Geschehen richten würden.

Die Protagonisten wachsen an den ihnen widerfahrenen Ereignissen. Die Figuren entwickeln sich größtenteils interessant und nachvollziehbar weiter. Die Charaktere wachsen im Kampf gegen das Böse und auch Figuren, die in den ersten Bänden noch sehr kindisch und nervig gewirkt haben, entwickeln sich immer positiver.

Lediglich bei Zoey muss der Leser hier Abstriche machen. War diese Figur im vierten Band geläutert und an ihren Erfahrungen gewachsen, wirkt es in „Gejagt“ bald so, als wäre sie nicht dauerhaft lernfähig. Mittlerweile schafft es Zoey, sich in ein Beziehungschaos zwischen vier männlichen Protagonisten zu verstricken und so nimmt dieses Chaos auch zu viel Raum in der sonst so ansprechenden und unterhaltsamen Geschichte ein. Dieses macht diese Figur immer unsympathischer. Auch wenn es für junge Mädchen durchaus normal ist, sich in mehrere Jungs zu vergucken, sollte die Hauptdarstellerin einer Jugendbuch-Reihe durchaus in der Lage sein aus Fehlern zu lernen und an gemachten Erfahrungen wachsen und nicht nach kurzer Klarheit wieder in dieselben gemachten Fehler zurückfallen. Hier bleibt nur zu hoffen, dass es die Autorinnen doch noch gut mit Zoey meinen und dieses Verhalten sich in den nächsten Bänden schnell ändert.

Die Entwicklung der weiteren Figuren aus Zoeys Clique ist als absolut gelungen zu bezeichnen. Her gibt es absolut nichts zu bemängeln und Figuren wie zum Beispiel Aphrodite und Damien spielen da Zoey charakterlich schon mal an die Wand.

Auch die Gegenspieler, Neferet und Kolana, sind realistisch gezeichnet und zeigen, was passieren kann, wenn jemand zu sehr auf Macht versessen ist.

Das Cover ist passend zur Reihe gestaltet, auf dunklem Hintergrund wird eine junge Frau mit einem außergewöhnlichen Tattoo angestrahlt. Verschnörkelte Verzierungen, hervorgehoben durch Spotlack, machen das Cover zu etwas Besonderem. Auch auf die Gegenspieler wird in Form von lilafarbenen Rabenfedern hingewiesen. Der ebenfalls in lila gehaltene Titel passt da sehr gut zu.

_Fazit_

Auch der fünfte Teil der „House of Night“-Reihe „Gejagt“ der Autorinnen Phyllis und Kristin Cast ist lesenswert. Die Geschichte rund um Zoey und ihre Clique wird glaubwürdig weitererzählt und die fiktive Handlung ist ausgezeichnet durchdacht.

Lediglich den Umgang in Beziehungsfragen sollten die Autorinnen dringend überdenken und sich der Verantwortung gegenüber den meist jungen Leserinnen bewusst werden.

Leser der „House of Night“-Reihe sollten auch den fünften Band unbedingt lesen und schon jetzt die Vorfreude auf den sechsten Band „Versucht“ genießen. Wer sich noch nicht an diese Reihe getraut hat, sollte dies mit dem ersten Band „Gezeichnet“, das kürzlich als Taschenbuch erschienen ist, ruhig versuchen, der Lesespaß ist bei dieser Reihe gewiss.

_Autorinnen_

Phyllis und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA.
„House of Night“ erscheint in über 40 Ländern und hat weltweit Millionen von Fans.

|Gebundene Ausgabe: 575 Seiten
ISBN-13: 978-3841420053
Originaltitel: A House of Night Novel|

[Leseprobe]http://www.houseofnight.de/sites/default/files/Leseprobe__Gejagt.pdf

Blazon, Nina – Ascheherz

Seit einiger Zeit hat Nina Blazon ihrem umfassenden Gesamtwerk eine neue Art von Büchern hinzugefügt: Romantische Fantasyromane für ältere Jugendliche. „Ascheherz“ ist der neuste Roman, den man dazu zählen kann.

_Summer ist ein_ Mädchen ohne Vergangenheit. Die Erinnerung an ihr früheres Leben ist ausgelöscht, also erfindet sie ihre eigene Vergangenheit. Nur einzelne Erinnerungsfetzen finden sich in ihrem Kopf. Trotz allem weiß sie, dass ein Mann sie verfolgt und sie töten will. Deshalb befindet sie sich immer wieder auf der Flucht.

Als sie bei einem Theater in der Küstenstadt Maymara arbeitet, entdeckt sie den Mann, der sie jagt, eines Abends im Publikum. Bei ihrer überstürzten Flucht aus der Stadt trifft sie auf Anzej, einen Fremden, der ihre Sprache nicht spricht und ihr gegenüber sehr offen ist. Bei ihrer gemeinsamen Reise über das Meer kommen sie sich näher. Vielleicht zu nah, denn Summer muss feststellen, dass Anzejs Absichten keine guten sind. Ehe sie sich versehen hat, steht nicht nur ihre Beziehung auf dem Prüfstand, sondern ihre ganze Existenz. Wer ist sie überhaupt? Oder vielmehr was? Wieso wird sie verfolgt? Und von wem? Plötzlich scheint alles in ihrem Leben auf dem Kopf zu stehen …

_“Ascheherz“ ist ein_ originelles, spannendes Buch, das auf die üblichen Blazon-Zutaten setzt, ohne dabei verbraucht zu wirken. Die wohl wichtigste Zutat: eine außergewöhnliche Kulisse. Blazons Fantasywelten zeichnen sich durch eine ganz spezielle Leichtigkeit aus. Sie sind nie überfrachtet, sondern stets sehr gut ausbalanciert. Die Autorin erschlägt den Leser nicht mit diversen Eigenarten, übersinnlichen Wesen und Beschreibungen, sondern lässt diese wohldosiert einfließen. Dabei greift sie selten auf bekannte Spezies zurück, sondern erfindet, wie gewohnt, ihr ganz eigenes Ensemble an Figuren. Die Welt, in der die Geschichte spielt, wird gerade so umrissen, dass man sie sich gut vorstellen kann, dabei aber nicht durch zu starre Vorgaben eingeengt ist. Das Besondere: Wähnt man sich auf den ersten Seiten eher in einer High-Fantasy-Welt, kommen schließlich doch rudimentäre neuzeitliche Elemente wie Taschenlampen und Eisenbahnen zum Einsatz. Dieser ungewöhnliche Mix ist überaus reizvoll.

Die zweite Zutat ist eine unkonventionelle, kaum vorhersehbare Handlung. Auf über 500 Seiten hat Blazon genug Zeit für eine Geschichte, die von allem ein bisschen enthält: Liebe, Verrat, Schuld, Krieg. Diese bekannten Motive setzt sie unkonventionell ein und verwebt sie geschickt ineinander. Gerade die zahlreichen Intrigen und undurchsichtigen Charaktere machen die Handlung spannend. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die nicht nur Summer, sondern auch den Leser vor völlig neue Situationen stellen.

Summer und die übrigen Figuren sind im übrigen eine weitere charakteristische Zutat für einen Blazon-Roman. Lebendig und authentisch fügen sie sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren sowie ihre Geheimnisse und Summers Verwirrung um ihre Herkunft tragen stark zur Dynamik der Geschichte bei. Obwohl „Ascheherz“ ein Fantasyroman ist, fällt es leicht, sich mit den Figuren zu identifizieren, da sie trotz allem realistisch wirken und viele ihrer Probleme auf den normalen Alltag übertragbar sind.

Letztendlich wird das Gesamtpaket durch den typischen Schreibstil der Autorin abgerundet. Mit ungewöhnlichen Sprachbildern, einem sehr gewandten Umgang mit der deutschen Sprache und einfachem, aber effektivem Vokabular stellt Blazon die Geschichte, nicht ihren Erzählstil in den Vordergrund und unterstreicht erstere perfekt.

_Mit „Ascheherz“ ist_ Nina Blazon ein weiterer hochwertiger Jugendroman mit Fantasyelementen und einem Schuss Romantik gelungen. Fans von Twilight und Co. werden begeistert sein!

|Gebunden, 541 Seiten
ISBN-13: 978-3570160657|
http://www.cbt-jugendbuch.de

_Nina Blazon bei |Buchwurm.info|:_
[„Im Bann des Fluchträgers“ (Woran-Saga 1) 2350
[„Im Labyrinth der alten Könige“ (Woran-Saga 2) 2365
[„Im Reich des Glasvolks“ (Woran-Saga 3) 2369
[„Die Reise nach Yndalamor“ (Die Taverne am Rande der Welten 1) 3463
[„Im Land der Tajumeeren“ (Die Taverne am Rande der Welten 2 3980
[„Das Königreich der Kitsune“ (Die Taverne am Rande der Welten 3) 4725
[„Die Sturmrufer“ (Die Meerland-Chroniken 1) 4180
[„Der Bund der Wölfe“ 2380
[„Die Rückkehr der Zehnten“ 2381
[„Der Spiegel der Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3203
[„Der Maskenmörder von London“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3983
[„Die Königsmalerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5207
[„Faunblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5463
[„Schattenauge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6275

Kelley Armstrong – Seelennacht (Die dunklen Mächte 02)

Die kanadische Autorin Kelley Armstrong hat bereits diverse Kinder- und Jugendbücher geschrieben, zumeist im Bereich Fantasy. Mit „Die dunklen Mächte“ hat sie eine Reihe begonnen, in der Jugendliche mit paranormalen Fähigkeiten dagegen kämpfen müssen, in die Hände gefährlicher Wissenschaftler zu geraten.

„Seelennacht“ ist bereits der zweite Band der Reihe. Nachdem die Flucht aus Lyle House, einem Heim für verhaltensauffällige Jugendliche, schief gelaufen ist, findet sich Chloe in einem Labor wieder. Sie ist jedoch nicht alleine. Ihre Erzfeindin Tori wird dort ebenfalls gefangen gehalten. Die Wissenschaftler um Dr. Davidoff haben Interesse an den übersinnlichen Fähigkeiten der beiden. Während die Nekromantin Chloe Geister sehen und beschwören kann, beherrscht Tori einige Zaubersprüche.

Doch Chloe ist nicht alleine aus Lyle House geflohen. Bei ihr war das ungleiche Brüderpaar Simon und Derek, ein Zauberer und ein Werwolf. Um auch diese beiden wieder einzufangen, benutzen die Wissenschaftler Chloe als Köder. Doch es gelingt ihr, ihre Wächter zu überrumpeln und zusammen mit Tori zu fliehen. Sie wollen Simon und Derek suchen und dann ihr eigentliches Ziel weiter verfolgen: den verschwundenen Vater der Jungen finden …

Kelley Armstrong hat einen annehmbaren Jugendroman mit paranormalen Zügen geschrieben. Die Handlung lässt sich schnell umreißen, da die Geschichte sehr einfach gestrickt ist. Eigentlich geht es nur um die Flucht aus dem Labor und die währenddessen auftretenden Hürden, auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Die Handlung ist zwar flüssig erzählt, richtige Spannung kommt aber trotzdem nicht auf. Dafür fehlt es an echten Höhepunkten und weniger vorhersehbaren Elementen. Zudem greift die Autorin häufig auf das im ersten Band Erlebte zurück. Das ist für Leser, die erst mit „Seelennacht“ in die Reihe einsteigen, sicherlich ein Bonus. Dennoch zieht es die Geschichte an einigen Stellen in die Länge und lenkt von den eigentlichen Ereignissen ab.

Was die Geschichte letztendlich wirklich auszeichnet, ist die die Beschreibung der Gruppe, die sich gemeinsam auf der Flucht durchschlägt. Das ursprüngliche Ausbruchsquartett bestand aus Chloe, den beiden Jungs und einer Freundin, die nach wie vor im Labor gefangen ist. Tori ist durch Zufall zu ihnen gestoßen und aufgrund einiger Vorgeschichten nicht akzeptiert. Sie macht auch keinen Hehl daraus, dass sie die anderen nicht leiden kann. Besonders Chloe wird immer wieder von ihr attackiert. Außerdem fühlen Chloe und Simon sich zueinander hingezogen und der düstere Derek steht kurz vor seiner ersten Verwandlung in einen Wolf. Diese Personenkonstellation lässt viele Reibereien, aber auch schöne Momente zu und bringt Schwung in die ansonsten flache Handlung.

Als Erzählperspektive dient die fünfzehnjährige Ich-Erzählerin Chloe. Da sie davon träumt, etwas mit Film zu machen, zieht sie während bestimmter Situationen immer wieder Parallelen zu Filmen und Drehbüchern. Dadurch kriegt die Geschichte eine eigene Note. Chloe hält sich ansonsten im Hintergrund. Ihr passives Auftreten macht sie zu einer guten Beobachterin und es ist ganz nett, einmal keine Superheldin vor sich zu haben.

Sie erzählt in der ersten Person, so dass man schnell einen Bezug zu ihr aufbauen kann. Das Sprachniveau des Buches passt sich seinen jungen Lesern an, ohne sie zu unterfordern. Mit klaren Worten und einfachen Sätzen schreibt Armstrong geradlinig und ohne Abschweifungen. Die Beschreibungen von Situationen, Menschen und ähnlichem sind knapp, aber aussagekräftig und lebensnah.

„Seelennacht“, der zweite Band der Reihe „Die dunklen Mächte“, ist ein interessantes Jugendbuch, das aber einen kleinen Nachgeschmack hat. Denn trotz der guten Personenkonstellation und des netten Schreibstils kann die Handlung kaum Akzente setzen.

Gebunden, 366 Seiten
Originaltitel: Darkest Powers: The Awakening
Deutsch von Christine Gaspard
ISBN-13: 978-3426283424

Marco Campanella – Leo Lausemaus wartet auf Weihnachten

_Der kleine Leo_ Lausemaus freut sich auf Weihnachten. Doch während er sich im Schnee amüsiert, friert das arme Vögelchen, das den Anschluss an seinen Flug in den Süden verpasst hat und bittet Leo um seinen Schal. Leo kann sich von seinem Lieblingsschal nicht trennen und geht nach Hause. Dort plagen ihn Gewissensbisse, und er fragt seine Mutter, ob der Weihnachtsmann alles sehe, was man Böses täte. Dann schleppt er voller Eifer Wolle an und bittet die Mutter um einen gestrickten Schal, den er dem Vögelchen bringen will. Doch scheint er schon zu spät zu kommen, denn der Vogel ist in dem eisigen Schneetreiben nicht mehr zu sehen …

_Die Bilderbuchreihe um_ die kleine Maus Leo erfreut sich großer Beliebtheit – vor allem bei den Eltern, denn Leo sammelt seine Erfahrungen auf ganz menschliche Art und bringt durch seine Erlebnisse erzieherische Themen an den Mann bzw. das Kind. Titel wie „Leo trödelt mal wieder“, „Leo will nicht schlafen“ oder dem vorliegenden „Leo wartet auf Weihnachten“ sprechen für sich. Sie behandeln ganz einfach das jeweilige Thema, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Vielmehr geht es darum, ein Kind mit der Problematik vertraut zu machen und ihm zu zeigen, welche Folgen ein bestimmtes Handeln haben kann oder auch, welche Möglichkeiten es gibt, Probleme zu lösen.

Hier lernt Leo kurz die verschiedenen Aspekte der Vorweihnachtszeit kennen, das Warten, den Winter, das Schreiben eines Wunschzettels, aber auch die Tatsache, dass es nicht jedem zu dieser Zeit gut geht, dass es auch Personen gibt, die unter der Kälte des Winters leiden oder die sich nicht selbst helfen können. Und er lernt, dass es besser ist, spät zu helfen als nie – und seine Hilfe wird natürlich mit einem liebevollen Ergebnis belohnt.

Die Bilder greifen den zugehörigen Text und die Geschichte direkt auf und bleiben dabei von klarer Struktur, lenken das Auge des Betrachters nicht ab, sondern zeigen mit kindlicher Warmherzigkeit die Geschehnisse und Gefühle. Mit niedlichen Details wird deutlich, dass Leo wirklich eine Maus ist, die zum Beispiel in einer Streichholzschachtel als Bett schläft oder auf einem Korken als Stuhl sitzt. Garnrollen, Bausteine und andere Gegenstände dieser Größe bilden die Grundlagen der Einrichtung des Mäusehauses.

Die Wirkung auf meine kleinen Söhne (2 und 4 Jahre) ist unterschiedlich. Wenn sie schon in ruhiger Stimmung sind, lassen sie sich gerne das Buch von der Lausemaus vorlesen und vertiefen sich in die Bildergeschichte, erzählen manchmal ihre eigenen Gedanken zu den Bildern und entdecken die Details. Sind sie allerdings in wilderer Stimmung, scheint Leo nicht genügend Schwung zu bieten, dann müssen es schon Bagger, Feuerwehr oder andere spannende Geschichten sein, um sie an ein Buch zu fesseln.

_Insgesamt ist das_ Weihnachtsbuch der Lausemaus ein rundum schönes Bilderbuch mit einer thematisch passenden Geschichte um Hilfsbereitschaft und weihnachtliche Vorfreude, das in gewohnter Klarheit gemalt und geschrieben ist.

|Gebundene Ausgabe: 32 Seiten
Originaltitel: |Il natale di Topo Tip|
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 24 Monate – 4 Jahre
ISBN-13: 978-3937490458|
http://www.lingen-koeln.de
http://leo-lausemaus.de

Condie, Ally – Auswahl, Die (Cassia & Ky 1)

_|Cassia & Ky|:_

Band 1: _“Cassia & Ky – Die Auswahl“_
Band 2: „Crossed“ (November 2011, noch ohne dt.)
Band 3: – bisher nur angekündigt –

_Die 17 Jahre junge Cassia_ lebt in der Zukunft, einer Zeit, in der alles im Leben durch die „Gesellschaft“ streng vorherbestimmt wird. Um ein langes und glückliches Leben zu garantieren, entscheidet dieses „System“ über fast jeden Schritt, den die Menschen in ihrem Dasein unternehmen.

Das System entscheidet, was du isst, welchen Sport du treibst, welchen Beruf du wählst und über den Mann, den du heiraten wirst. Auch die Spanne, in der du deine Kinder bekommst, und sogar der Tag deines Todes werden vom System bestimmt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, zum Besten für dich und die Gesellschaft.

Auch hat diese Gesellschaft entschieden, dass die Kultur viel zu überladen ist; nach einem strengen Auswahlverfahren sind nur noch die einhundert besten Werke vorhanden: einhundert Lieder, einhundert Gedichte, einhundert Gemälde, alle anderen Werke wurden für immer vernichtet. Denn wie soll man etwas wertschätzen, wenn es alles im Überfluss gibt?

Cassia lebt, wie alle anderen, glücklich in diesem System. An ihrem 17. Geburtstag findet ihr Paarungsbankett statt, bei dem sie ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen wird. Sie hat Glück, denn während die meisten Mädchen einen völlig Unbekannten zugeteilt bekommen, ist ihr perfekter Partner ihr Sandkastenfreund Xander.

Ihre so scheinbar perfekte Welt bekommt allerdings bald Risse. Als Cassia sich am nächsten Tag den Microchip anschaut, auf dem alle Daten Xanders gespeichert sind, flackert plötzlich das Gesicht eines anderen Jungen auf. Cassia bekommt einen riesengroßen Schrecken, denn zu sehen ist dort ihr und Xanders gemeinsamer Freund Ky.

Hat Cassia doch die Möglichkeit zu wählen?

_Kritik_

Mit dem Jugendbuch „Cassia & Ky – Die Auswahl“ hat die Autorin Ally Condie den ersten Teil einer Trilogie geschaffen, die eine beängstigende Zukunftsvision zeigt, die zum Nachdenken anregt.

Das Thema wird von der Autorin glaubwürdig und erschreckend wiedergegeben. Was ist ein Leben wert, in dem alles vorbestimmt und keinerlei Auswahlmöglichkeit denkbar ist? Die Welt, die die Autorin hier zeigt, ist völlig fremdgesteuert, und die anfängliche Gehorsamkeit dem System gegenüber macht schon auf den ersten Seiten stutzig. Die einfache Sprache, die hier gesprochen wird, passt sich hervorragend der Geschichte an.

Ab dem Moment, in dem Cassia Kys Bild auf dem Microchip sieht und anfängt, das System infrage zu stellen, nimmt der Roman dann an Fahrt auf, der Leser wird in die Geschichte katapultiert und fiebert mit den Charakteren. Der fließend zu lesende Schreibstil der Autorin lässt dabei kaum Fragen offen, das System wird ausreichend beschrieben und erklärt. Auch die Umgebung wird detailliert beschrieben, sodass der Leser perfekt in diese Welt eintauchen kann. Der Plot entwickelt sich ruhig, da die Autorin viel Wert darauf legt, das System zu zeigen, in dem Cassia, ihre Familie und ihre Freunde leben. Dies ist wichtig für das Verständnis, und schnell wird klar, was so ein scheinbar perfektes Leben bedeuten kann.

Erzählt wird die Geschichte von Cassia selbst, daher werden ihre Gedanken und Gefühle sehr schnell deutlich und sehr überzeugend übermittelt.

Die Protagonisten sind sehr lebendig und sympathisch konzipiert. Schnell wachsen diese dem Leser ans Herz. Reichhaltig und trotz des Systems, in dem die Figuren leben, bereit, sich zu entwickeln, wirken besonders Cassia, Xander und Ky sehr greifbar und lebensecht.

Cassia, die anfangs noch an das System glaubt und denkt, dies wäre die perfekte Art zu leben, wird durch verschiedene Ereignisse immer kritischer und fängt an, das System und die Gesellschaft infrage zu stellen. Durch ihren Großvater, der ihr ein ganz besonderes Geschenk macht, fängt Cassia an, Fragen zu stellen. Dies wird von der Gesellschaft überhaupt nicht gerne gesehen, und schnell wird Cassia bewusst gemacht, auf welch dünnem Eis sie sich bewegt.

Ky, schon dadurch, dass er als „Aberration“ klassifiziert ist, stellt das System schon lange Zeit infrage, weil er während seiner Zeit, die er in den Grenzgebieten gelebt hat, einige Erlebnisse machen musste, die ihm das System und die Gesellschaft als fragwürdig erscheinen lassen.

Auch die weiteren Figuren sind wichtig für die Geschichte und bieten eine Menge, wenn auch teilweise versteckte Charaktereigenschaften, die beim Lesen durchaus überraschen können.

_Fazit_

Mit „Cassia & Ky – Die Auswahl“ hat Ally Condie einen perfekten Start ihrer Trilogie um die beiden Protagonisten Cassia und Ky vorgelegt. Glaubwürdig erzählt die Autorin von einem Leben, das so perfekt zu sein scheint, dass die in dieser Zeit lebenden Menschen anscheinend nicht mal daran denken, etwas infrage zu stellen … bis etwas Unvorhergesehenes passiert.

Spannend und zum Nachdenken anregend, erzählt Ally Condie von einer Welt, die es so tatsächlich geben könnte. Unterstrichen durch eine verbotene Liebe und dem für den Anfang richtigen Maß an Rebellion, wird hier eine Menge Lesespaß geboten.

Leser, die schon von der „Panem“-Trilogie begeistert waren, dürften hier ebenfalls genau richtig liegen.

„Cassia & Ky – Die Auswahl“ bekommt von mir eine klare Leseempfehlung und ich warte gespannt auf den nächsten Teil dieser Trilogie.

_Autorin_

Nach Beendigung ihres Studiums begann Condie für einige Jahre Englische Literatur in New York zu unterrichten. Mittlerweile arbeitet sie Vollzeit als Schriftstellerin. Ihre Bestsellerromanreihe um „Cassia & Ky“ erlangte internationale Anerkennung und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Zusammen mit ihrer Familie lebt und arbeitet Ally Condie in Salt Lake City. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Fischer Fjb; Auflage: 1 (28. Januar 2011)
ISBN-13: 978-3841421197
Originaltitel: Matched
Mehr unter http://www.cassiaundky.de |

Michelle Paver – Seelenwächter (Chronik der dunklen Wälder 6)

Chronik der dunklen Wälder:

Band 1: „Wolfsbruder“
Band 2: „Seelenwanderer“ auch „Torak – Wanderer zwischen den Welten“
Band 3: „Seelenesser“
Band 4: „Schamanenfluch“
Band 5: „Blutsbruder“
Band 6: „Seelenwächter“

_Auf dem Berg der Geister: Halloween plus Walpurgisnacht_

Die Wälder vor 6000 Jahren erstrecken sich von einem Ende der Welt zum anderen, voller lebendiger Seelen – außer einer … Der 13-jährige Torak, seine Freundin Renn und ein junger Wolf haben die Welt von einem gefährlichen Dämon befreit und auf den Inseln des Robbenclans einen Seelenesser, einen bösen Schmananen, getötet. Doch dann geriet Torak in die Hände der Seelenesser, die ihm ihr Zeichen einbrannten.

Michelle Paver – Seelenwächter (Chronik der dunklen Wälder 6) weiterlesen

Blazon, Nina – Ascheherz

_Summer ist ein junges Mädchen_, das keinerlei Erinnerung an ihr Leben hat. So begann ihr, wie sie es nennt, „Katzenleben“ vor knapp eineinhalb Jahren.

Seitdem ist die junge Schauspielerin und Tänzerin auf der Flucht. In ihren Träumen macht ein Blutmann Jagd auf Summer, um sie zu töten. Dieser düstere Mann macht Summer große Angst, auch wenn sie keinerlei Erinnerung hat, warum dies so ist.

Seit Kurzem befindet Summer sich in Maymara, einer Stadt am Meer und hat sich der Theatergruppe von Mort angeschlossen. Sie ist so glücklich, wie sie es unter ihren Umständen sein kann, bis sie bei einer Vorstellung die Handschuhe des Blutmanns sieht. Summer erschrickt zu Tode und ihre Zeit ist wieder einmal gekommen, um Hals über Kopf zu fliehen.

Auf ihrer Flucht wird Summer von einem jungen Mann namens Anzej gerettet und dieser überzeugt Summer davon, sich ihm anzuschließen. Anzej kommt aus den Nordlanden und ist auf dem Weg in seine Heimat, die er sehr vermisst.

Summer schließt sich Anzej an und neben der Reise in sein Land, begibt die junge Frau sich auf die Reise zu ihrer eigenen Vergangenheit.

_Kritik_

Mit „Ascheherz“ hat die Autorin Nina Blazon wieder einen großartigen Fantasyroman geschrieben, der von der breiten Masse erfreulicherweise deutlich abhebt.

Der Einstieg in den Roman ist anfangs recht stockend. Das Theater und auch das Stück, in dem Summer eine Rolle spielt, werden sehr ausführlich beschrieben, spielen aber im weiteren Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr.

Fahrt nimmt der Roman ab dem Erkennen, dass Summer wieder einmal der Blutmann auf die Spur gekommen ist, auf. Der Schock darüber und auch der Verlust den Summer erleidet, wird dem Leser deutlich nahegebracht. Die Autorin beschreibt sehr glaubwürdig, wie ihre Protagonistin unter ihrem Schicksal leidet, keinerlei Erinnerung an die eigene Vergangenheit zu haben und aus rätselhaften Gründen verfolgt, ist Summers Schicksal nicht leicht.

Schon dadurch, dass der Leser, wie auch Summer nicht weiß, warum sie verfolgt wird und welche Tat dem zugrunde liegt, baut sich ein konstanter Spannungsbogen auf. Dieser flacht auch nicht ab, als einige der Geheimnisse gelüftet werden, diese geben dem Leser erneut Rätsel auf, die geklärt werden wollen. Die Autorin hält sich durch die Geschichte an ihren originellen Plot und auch die Nebengeschichten und Rückblenden ergänzen diesen perfekt. Fesselnde Spannung, mystische Elemente und auch eine zarte Liebesgeschichte finden ihren Platz in „Ascheherz“ und wirken sehr überzeugend und realistisch.

Aus der Sicht eines Beobachters, der sich auf Summer konzentriert, wird die Geschichte erzählt, die Spannung wird schon dadurch erhalten, dass auch der Erzähler nie mehr preisgibt, als Summer zum jeweiligen Zeitpunkt weiß.

Mit ihrem leicht verständlichen und doch ausführlichen Schreibstil beschreibt Nina Blazon die Welt, die sie geschaffen hat, so lebendig, dass kaum Fragen offenbleiben. Jedes Wesen, Gebäude und auch die Landschaft werden unter Nina Blazons Feder so perfekt beschrieben, dass beim Lesen vor dem inneren Auge keine Fragen offenbleiben. Trotzdem verrennt sich die Autorin nicht in den Beschreibungen, sondern gibt auch der Handlung den entsprechenden Raum, sich zu entfalten. Mit ihrem atmosphärisch dichten Stil spricht die Autorin die Sinne des Lesers an.

Auch die unterschiedlichen und individuellen Figuren werden sehr greifbar und glaubwürdig erzählt. Jede hat etwas, was sie zu ihren Handlungen treibt, um das zu erreichen, was das Ziel des jeweiligen Charakters ist. Leicht fällt es, durch die präzise Beschreibung des Aussehens der Charaktere, sich diese bildlich vorzustellen, und auch die Charaktereigenschaften und Entwicklungen der Figuren kommen hier nicht zu kurz. Die Beziehungen zwischen den Protagonisten sind dagegen nicht sofort klar, diese schlüsseln sich aber im Verlauf der Handlung auf, und am Ende bleibt auch hier keine Frage ungeklärt.

„Ascheherz“ ist ein gebundener Roman, der ein zauberhaft schönes Cover hat. In hellen blau-lila Tönen gehalten, sieht man das Gesicht einer jungen Frau, deren Mund durch einen blauen Schmetterling verdeckt ist. Dieses passt sehr gut zum Plot des Buches.

_Fazit_

Mit „Ascheherz“ hat die Autorin Nina Blazon einen wirklich fantastischen Roman geschrieben, der sich unter anderem mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzt. Trotz des etwas ungewöhnlichen Einstiges, fesselt dieser schnell. Auch, dass er sich deutlich von der breiten Masse der momentanen Fantasyliteratur abhebt, macht „Ascheherz“ zu etwas Besonderem.

Jungen sowie jung gebliebenen Lesern des Genres „Fantasy“ und „Mystik“ kann ich dieses Buch nur ans Herz legen. Eine spannende, mystische Geschichte und eine zarte Liebe erwarten hier den Leser.

_Autorin_

Nina Blazon verbrachte die Kindheit und ihre Jugendzeit in Bayern. Nach dem Studium der Fächer Germanistik und Slawistik an der Universität Würzburg unterrichtete sie als Lehrbeauftragte an den Universitäten Tübingen und Saarbrücken und arbeitete unter anderem für die Cuxhavener Nachrichten und weitere Tageszeitungen sowie als Werbetexterin. Für ihren Fantasyroman „Im Bann des Fluchträgers“, dem ersten Teil der „Woran“-Saga, erhielt sie 2003 den Wolfgang-Hohlbein-Preis. Auf ihrer Homepage befasst sie sich außerdem mit anderen Geschichten und Schriftstellern (u. a. Wolfgang Hohlbein), die sie vorstellt, indem sie ihnen fünf Fragen stellt. Nina Blazon lebt mit ihrer Familie in Baden-Württemberg und betätigt sich nebenbei auch noch als Übersetzerin. (Quelle: Wikipedia)

|Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
ISBN-13: 978-3570160657|
[www.randomhouse.de/cbt]http://www.randomhouse.de/cbt

_Nina Blazon bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Bund der Wölfe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2380
[„Der Spiegel der Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3203

|Woran-Saga|
Teil 1: [„Im Bann des Fluchträgers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2350
Teil 2: [„Im Labyrinth der alten Könige“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2365
Teil 3: [„Im Reich des Glasvolks“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2369

[„Die Rückkehr der Zehnten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2381
[„Der Maskenmörder von London“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3983

|Die Taverne am Rande der Welten|
Teil 1: [„Reise nach Yndalamor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3463
Teil 2: [„Im Land der Tajumeeren“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3980
Teil 3: [„Das Königreich der Kitsune“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4725

[„Die Sturmrufer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4180
[„Faunblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5463
[„Die Königsmalerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5207
[„Schattenauge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6275

Lasky, Kathryn – Wanderschaft, Die (Die Legende der Wächter 2)

_|Die Legende der Wächter|:_

Band 1: [„Die Entführung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6800
Band 2: _“Die Wanderschaft“_
Band 3: „Die Rettung“
Band 4: „Die Belagerung“ (erscheint am 26.05.2011)
Band 5: „The Shattering“ (noch ohne dt. Titel)
Band 6: „The Burning“ (noch ohne dt. Titel)
Band 7: „The Hatchling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 8: „The Outcast“ (noch ohne dt. Titel)
Band 9: „The First Collier“ (noch ohne dt. Titel)
Band 10: „The Coming of Hoole“ (noch ohne dt. Titel)
Band 11: „To Be a King“ (noch ohne dt. Titel)
Band 12: „The Golden Tree“ (noch ohne dt. Titel)
Band 13: „The River of Wind“ (noch ohne dt. Titel)
Band 14: „Exile“ (noch ohne dt. Titel)
Band 15: „The War of the Ember“ (noch ohne dt. Titel)

außerdem erschienen:

„A Guide Book to the Great Tree“
„Lost Tales of Ga’Hoole“

_Vorgeschichte:_ Die Schleiereule Soren und die Elfenkäuzin Gylfie wurden als flugunfähige Küken entführt und als angebliche Waisenkinder in die Eulenakademie St. Ägolius gebracht. Hier werden tausende Eulenkinder gefügig gemacht und zu willenlosen Dienern herangezogen. Soren und Gylfie gelingt die Flucht, auf der sie mit dem Bartkauz Morgengrau und dem Höhlenkauz Digger noch zwei weitere junge Eulen treffen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Baum von Ga’Hoole, wo nach der Legende die edlen Eulenritter leben, denen sie sich anschließen wollen …

Soren, Gylfie, Morgengrau, Digger und Sorens Nesthälterin Mrs. Plithiver haben einige Abenteuer zu überstehen auf ihrer Suche nach dem Baum von Ga’Hoole. Nachdem Sorens Freunde schon beinah aufgeben wollen, kommen sie endlich an ihr Ziel, die Schule der Eulenritter. Nach einem zunächst misstrauischen Empfang werden sie aufgenommen.

Hier werden die Jungeulen in verschiedene Brigaden eingeteilt und lernen alle möglichen Flug- und Kampfkünste. Soren und seine Freunde sind Feuer und Flamme für ihre neuen Aufgaben – allerdings erfahren sie auch, dass es offenbar noch eine größere Gefahr gibt als die Eulen von Sankt Ägolius. Auf einem der Kontrollflüge durch den Sturm finden Sorens Freunde schließlich seine verschollene kleine Schwester Eglantine …

_Der zweite Band der Eulen-Reihe_, die in Deutschland bisher als Trilogie erschienen ist, schließt nahtlos an den ersten an. Die ersten Seiten wiederholen noch einmal grob die wichtigsten Ereignisse und machen es sogar möglich, den Band ohne den Vorgänger genießen zu können.

Weiter geht das Abenteuer auf der Suche nach dem Bund der Eulenritter, denen sich die vier Freunde anschließen wollen. Es braucht einige Kapitel, bis sie schließlich dort eintreffen, zuvor gilt es, einige schwierige Situationen zu meistern. Vor allem die geheimnisvollen Spiegelseen sorgen beinah dafür, dass die Mission abgebrochen wird – zu verführerisch ist die seltsame Macht, die von den Spiegelbildern der Seen ausgeht. Die Eulen verlieren, je länger sie sich dort aufhalten, immer mehr das Interesse daran, weiterzufliegen und umkreisen stattdessen immer wieder die gleiche Landschaft. Es braucht einige Überredungskraft von der energischen Blindschlange Mrs. Plithiver und Soren, um den gemeinsamen Weiterflug fortzusetzen. Als sie endlich bei den Eulenrittern ankommen, ist die Ernüchterung zunächst groß: Die vier jungen Eulen werden nicht sofort wie erhofft freudestrahlend in die Riege der Kämpfer für das Gute aufgenommen, sondern ihre Fähigkeiten werden zunächst einmal angezweifelt. Ihre Erfahrungen mit bisherigen Kämpfen werden als zu harmlos abgetan und sie merken, dass es erst einer langen und gründlichen Ausbildung bedarf, ehe sie wirklich mitkämpfen dürfen. Die verschiedenen Abteilungen wie Glutsammler-, Wetter-, Navigations-, Kundschafter oder Rettungsbrigade fordern ihren Schülern vieles ab und sorgen für viele aufregende Szenen. Der Band endet mit einem beinah Cliffhanger zu nennenden Schluss, der den Leser dazu bringt, sich sofort dem Nachfolger zuzuwenden – denn gilt herauszufinden, was mit einer verschwundenen Eule geschehen ist und was mit den wirren Äußerungen über „Tyto“ auf sich hat, die Sorens Schwester Eglantine und andere gerettete Eulenkinder von sich geben.

Der neue Band bringt auch neue Charaktere mit sich. Zu den Markantesten gehört der Kreischeulerich Ezylryb, ein raubeiniger Veteran, um dessen missgestalteten Fuß sich allerlei Gerüchte ranken. Ezylryb ist ihr Ausbilder, ein äußerst belesener und meist wortkarger Geselle, dessen Blick aber nichts entgeht. Die jungen Eulen fühlen sich in seiner Gegenwart zunächst vor allem eingeschüchtert, erkennen aber bald, dass es keinen besseren Lehrer als ihn geben kann. Eine andere gelungene Figur ist die streberhafte Fleckenkäuzin Otulissa, die Harry-Potter-Leser stark an Hermine erinnern dürfte. Otulissa ist ständig darauf bedacht, sich im Unterricht hervorzutun, hält gewissenhaft alle Regeln ein und geht den anderen Eulenkindern meist gehörig auf die Nerven – aber am Ende zeigt sich, dass sie auch ihre liebenswerten Seiten hat. Gelungen ist auch der leutselige Schmied Bubo und die mondäne Sängerin und Harfenspielerin Madame Plonk, die ein Buch über ihre zahlreichen Liebschaften herausgebracht hat. Wie Verschiedenheit der ganzen Figuren sorgt auch immer wieder für amüsante und kindgerecht lustige Momente.

Wie auch beim ersten Band gibt es hier nur wenig zu kritisieren. Etwas nervig ist der gern verwendete Ausdruck „gaga“ für ein seltsames Verhalten, der zu kindisch und salopp wirkt, zumal nicht nur Soren, sondern auch erwachsene Eulen ihn verwenden. Nicht so schön ist außerdem, dass andere Vogelarten gegenüber den Eulen schlecht wegkommen. Möwen und Krähen werden beispielsweise als reichlich dumm beschrieben, dabei gelten gerade Krähen als mit die intelligentesten Vögel. Etwas zwiespältig ist auch die Vermischung von Vermenschlichung und realistischer Darstellung. Einerseits erfährt man einiges über die tatsächliche Lebensweise der Eulen, über ihre Nahrung und Verdauung, ihre Entwicklung und ihre Flugtechniken. Andererseits fertigen die Eulen hier aus Eisen Gegenstände an, lesen Bücher und spielen Musik; gerade bei der Schmiedekunst fragt man sich, wie sie das anatomisch wohl bewerkstelligen. Geschmackssache ist sicherlich auch die militärische Komponente, auch wenn die Eulenritter eine Armee zum Kampf für das Gute darstellen, ist es beispielsweise ein bisschen zweifelhaft, wie sehr der Bartkauz Morgengrau darauf brennt, endlich die eisernen Kampfkrallen anlegen zu dürfen, mit denen Gegner getötet werden können.

_Als Fazit_ bleibt eine gute Fortsetzung des Eulen-Abenteuers mit viel Spannung, interessanten Charakteren und einer abwechslungsreichen Handlung. Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten ein guter Fantasyroman für Kinder ab etwa zehn Jahren.

_Die Autorin_ Kathryn Lasky, Jahrgang 1944 und aufgewachsen in Indianapolis, arbeitete zunächst als Lehrerin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Sie verfasste eine Reihe von Sachbüchern für Kinder, Bilderbüchern, „The Royal Diaries“ und die fünfzehnbändige Eulen-Reihe, deren ersten drei Teile auf Deutsch erschienen.

|Hardcover: 280 Seiten
Originaltitel: Guardians of Ga’Hoole: The Journey
ISBN-13: 978-3473368082|
[www.ravensburger.de]http://www.ravensburger.de
[www.kathrynlasky.com]http://www.kathrynlasky.com

Parker, Robert B. – Chasing the Bear – A Young Spenser Novel

_Der junge Mörder? Die Abenteuer des jungen Spenser_

Woher kam Spenser und wie wurde er zu dem Privatdetektiv, den wir kennen und den Susan Silverman liebt? Hier erzählt sein Schöpfer diese Geschichte und ein einschneidendes Erlebnis: Wie der 14-jährige Spenser seine Freundin Jeannie vor ihrem betrunkenen Vater Luke rettete? Aber warum tat er das?

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat seine Mutter bei seiner Geburt verloren und wird deshalb von seinem Vater (der natürlich ebenfalls Spenser heißt) und seinen beiden Onkeln Patrick und Cash (den Brüdern seiner Mutter) aufgezogen. Das einzige weibliche Wesen im Haus ist Pearl, die kluge Vorstehhündin. Sie leben im Westen, wo er am ländlichsten ist. Das bedeutet, Spenser lernt bald, wie man Vögel jagt und mit Waffen umgeht.

Außerdem trainieren die drei Männer mit ihm Boxen, denn er soll sich auch mal selbst zur Wehr setzen können. Sie können ihn nicht immer wie ein kleines Kind herauspauken, wenn er mal in Schwierigkeiten steckt. Der Sheriff hat schließlich noch was anderes zu tun, als zusammengeschlagene Männer wieder aufzuwecken …

Und alle drei lesen ihm nach dem Zubettgehen aus der westlichen Weltliteratur vor. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen gut und schlecht. Und so kommt es, dass Spenser später stets ein passendes literarisches Zitat auf der Zunge hat. Für wen auch immer.

|Rahmenhandlung|

Der erwachsene Spenser sitzt mit dem Mädchen seiner Träume im Park von Boston. Susan Silvermann, die schöne Psychiaterin, möchte gerne wissen, wie er geworden ist, wer er heute ist. Er antwortet mit seiner Lebensgeschichte und mit der Erzählung von einem seiner einschneidendsten Erlebnisse.

|Jeannie Haden und der Fluss|

Die Schulfreundin Jeannie hat ihm erzählt, wie schlimm ihr Vater Luke Haden ist. Er ist nicht nur die meiste Zeit besoffen und wird dann gewalttätig, sondern er hat auch noch überall am Mississippi kleine Hütten und Verschläge auf fremdem Land errichtet. Verstecke. Dorthin nimmt er gewisse Frauen mit. Vielleicht versteckt er dort auch wirklich etwas, etwa Schmuggelgut oder gewildertes Fleisch. Jeannie weiß es nicht. Nur dass es dort stets dreckig ist und stinkt. Sie fragt sich, wie es ihre Mutter bloß mit so einem Kerl aushält. Und was dieser mit ihr, Jeannie, tun wird …

Eines Tages ist Spenser mit Pearl in der Hafenstadt, als er Jeannie im Wagen ihres Vaters sitzen sieht: Sie ruft lautlos „Hilfe!“ Klar, dass er ihr folgt. Erst mit dem Müllwagen, dann mit einem der Ruderboote am Ufer. Pearl begleitet ihn. Bis zu einer Insel im Fluss, die sie am Abend erreichen. Der Gesuchte ist dabei, sich zu betrinken. Haden entdeckt ihn allerdings sofort und fragt, was Spenser hier will. Der Junge reißt sich los und schleicht sich nachts von der anderen Seite der Insel an. Diesmal gelingt Jeannies Befreiung. Zusammen lassen sie sich den breiten Fluss hinuntertreiben.

Als Spenser am nächsten Morgen an einer Brücke den Warnhinweis auf Wasserfälle entdeckt, kommt ihm ein brillanter Einfall. Er bringt Jeannie unter der Brücke vor dem Regen in Sicherheit und macht sich auf den Weg. Er demontiert das Warnschild und wartet auf das Motorboot Luke Hadens. Wie erwartet, wird Haden nicht vor den Wasserfällen gewarnt – 20 Meilen von der Heimat entfernt scheint er den Fluss nicht zu kennen – und stürzt den Abgrund hinab, um zu ertrinken.

Das hat er jetzt von seiner Heldentat: Jeannie will seine einzige Freundin sein. Und irgendwie fühlt er sich eines Mordes schuldig. Was soll er bloß tun? Vielleicht wissen seine drei Väter einen guten Rat …

_Mein Eindruck_

Neben diesem einschneidenden und lehrreichen Abenteuer sowie der Begegnung mit einem Schwarzbären erlebt Spenser noch einiges andere. Aber er ist beileibe kein Huckleberry Finn, der sich mit Geistern, Indianern und Schwarzen herumtreibt. Vielmehr möchte der Autor mit dieser Erzählung etwas ganz anderes aussagen, als nur die Unterhaltung von Jugendlichen zu fördern. Spenser erzählt dies alles ja seiner Lebensgefährtin Susan, eine Psychologin, und die hat ein tiefes Verständnis für Menschen. Aber als Frau möchte sie auch gewisse Dinge erfahren, die Spenser über sie denkt. So wird aus dem Ganzen eine spannende, aber auch recht unterschiedliche Mischung.

|Haden: Das Urteil der Moral|

Die oben wiedergegebene Episode lehrt den jungen Spenser zwei Dinge: nämlich erstens, was Recht und Unrecht ist. Gar nicht so leicht zu beantworten. Er fühlt sich immerhin eines Mordes schuldig. Eine Antwort muss unbedingt her. Das Gesetz, verkörpert durch Sheriff Cecil, besagt, dass Spenser den Tod von Luke Haden nicht verursacht hat, also unschuldig ist. Die Moral sagt ihm jedoch, dass er mitschuldig sei. Es war richtig, Luke Haden umkommen zu lassen, um so Jeannie vor ihm zu schützen. Aber war es auch richtig, Haden irrezuführen und seinen Tod in Kauf zu nehmen? Alle sagen ihm, es war okay, also muss es wohl okay sein.

Merke: Was richtig und falsch ist, muss keineswegs mit dem Gesetz übereinstimmen. Diese Erkenntnis hat weitreichende Folgen. So etwa weigert sich Spenser, im „Rassenstreit“ zwischen „Amerikanern“ und „Anglo-Mexikanern“ eine Seite zu bevorzugen. Er entscheidet sich nur ganz individuell für den Schutz von Aurelio, einem „Mexikaner“ (der allerdings hier aufwuchs und noch nie in Mexiko war).

Für seine Neutralität muss Spenser einen Preis bezahlen: Er wird zwar vor einer finalen Schlacht seitens der „Mexikaner“ gewarnt, aber später von den „Arglos dafür zur Rechenschaft gezogen, dass er sie nicht unterstützte. Zwölf gegen einen? Das erscheint ihm nicht fair, aber ist bereit, mit dem Anführer Leo Roemer einen Faustkampf auszutragen. Als Jeannie Spensers drei „Väter“ holt und diese für Fairness sorgen, kann der Kampf beginnen. Im Handumdrehen hat Spenser den zwei oder drei Jahre älteren Leo K.O. geschlagen. Fortan ist Spensers Neutralität gesichert.

|Jeannie: Das Urteil der Liebe|

Jeannie ist die zweite Folge aus dem Flussabenteuer. Sie will zunächst unbedingt seine Freundin sein. Aber Spenser hat diese Vorstellung (vielleicht aus der „Weltliteratur“), dass er auf die Eine warten sollte. Als er Jeannie sagt, dass sie nicht die ewige Flamme seines Herzens sei, weint sie ersdt einmal kräftig, findet sich aber damit ab und bleibt eine Freundin – wie man an ihrer Unterstützung gegen Leo Roemer ablesen kann.

Aber woher weiß dann Spenser, wenn er die Eine endlich gefunden hat, will Susan Silverman neugierig (und neckisch) wissen. Die Parallele zur Erkenntnis, was richtig und was falsch ist, bietet sich an. Die Wahrheit steckt im Empfinden des Einzelnen und ist nicht verallgemeinerbar, etwa als Gesetz oder Regel. Die Antwort lautet: Spenser fand seine Eine, als er Susan zum ersten Mal begegnete. Woher er das wusste? Er wusste es einfach. Dummerweise war sie mit dem falschen Mann verheiratet. Aber das ist eine andere Geschichte.

_Unterm Strich_

Dieses Buch wurde offensichtlich für Fans von Parkers berühmtem Privatdetektiv Spenser geschrieben. Aber man braucht Spenser, den Erwachsenen, nicht zu kennen, um Spenser, den Jungen interessant finden zu können. Spenser junior erinnert ein wenig an „Huckleberry Finn“, so etwa beim Flussabenteuer, aber die Figuren sind weitaus weniger bizarr als bei Mark Twain.

Dennoch ist die obige Episode ebenso spannend durch ihre Action, wie Spensers Umgang mit den Frauen, etwa Jeannie und ihrer Mutter, sinnlich und prickelnd ist. In beiden Fällen muss Spenser jr. sich auf sein eigenes Urteils- und Handlungsvermögen verlassen. Die drei „Väter“ spielen keine Rolle, nur ihre Lehren. Und deren Gültigkeit wird stets auf die Probe gestellt.

Die dritte Episode betrifft die Auseinandersetzung zwischen Anglos und „Mexikaner“ (Spics, wie in „West Side Story“). Spenser soll sich entscheiden, welche Seite im Recht ist und sich dafür entscheiden. Da er jedoch vielfach gelernt hat, dass Regeln nur individuell gelten und nur im Kontext, erklärt er sich für neutral – und schützt einen Mexikanerjungen.

Ich habe dieses Büchlein, das in einer großen Schrifttype gedruckt ist, in nur wenigen Stunden gelesen. Für Jungs hält es einige Actionszenen bereit, für Leser jeden Alters etliche lehren über Urteilsvermögen in kniffligen Situationen. Wer will, kann mit Schülern darüber diskutieren, ob sich Spenser des Mordes an Luke Haden schuldig gemacht hat oder nicht.

|Taschenbuch: 170 Seiten
ISBN-13: 978-0425187067|
[www.penguin.co.uk]http://www.penguin.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Lasky, Kathryn – Entführung, Die (Die Legende der Wächter 1)

_|Die Legende der Wächter|:_

Band 1: _“Die Entführung“_
Band 2: „Die Wanderschaft“
Band 3: „Die Rettung“
Band 4: „Die Belagerung“ (erscheint am 26.05.2011)
Band 5: „The Shattering“ (noch ohne dt. Titel)
Band 6: „The Burning“ (noch ohne dt. Titel)
Band 7: „The Hatchling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 8: „The Outcast“ (noch ohne dt. Titel)
Band 9: „The First Collier“ (noch ohne dt. Titel)
Band 10: „The Coming of Hoole“ (noch ohne dt. Titel)
Band 11: „To Be a King“ (noch ohne dt. Titel)
Band 12: „The Golden Tree“ (noch ohne dt. Titel)
Band 13: „The River of Wind“ (noch ohne dt. Titel)
Band 14: „Exile“ (noch ohne dt. Titel)
Band 15: „The War of the Ember“ (noch ohne dt. Titel)

außerdem erschienen:

„A Guide Book to the Great Tree“
„Lost Tales of Ga’Hoole“

Die kleine Schleiereule Soren lebt mit seinen Eltern, dem älteren Bruder Kludd und der frisch geschlüpften Schwester Eglantine im Reich Tyto. Abgesehen davon, dass Bruder Kludd immer recht hinterhältig ist, fühlt sich Soren hier glücklich. Noch ist er flugunfähig, stark auf seine Eltern angewiesen und darf das Nest nicht verlassen.

Eines Nachts fällt er aus dem Nest, während die Eltern ausgeflogen sind. Ehe er gerettet wird, greift ihn eine riesige Eule und bringt ihn weit fort, ins Eulenwaisenhaus Sankt Ägolius. Hier trifft Soren zahlreiche andere Eulenkinder, die wie er entführt wurden. Den kleinen Eulen stehen harte Arbeit und eine Ausbildung zu düsteren Zwecken bevor: Sie sollen willenlos gemacht werden, um sich dem Regime kampflos unterzuordnen.

Soren und seine neue Freundin, die Elfenkäuzin Gylfie, wollen aber nicht aufgeben. Gemeinsam gelingt es ihnen, sich der Kraft der wirr machenden Mondstrahlen zu unterziehen und sich einen wachen Geist zu bewahren. Auch die Legenden über die Eulenritter vom Königreich Ga’Hoole, die sie von ihren Eltern kennen, machen ihnen Mut. Sie hoffen auf eine günstige Gelegenheit, um zu fliehen …

_Eulen als Hauptfiguren_ in einer Fantasyreihe – warum nicht, wenn die Helden so liebenswerte Charaktere wie Soren und Gylfie sind. Der erste Band der Reihe, die es mittlerweile auch auf die Kinoleinwand geschafft hat, versteht es, kleine und große Leser ab etwa zehn Jahren zu verzaubern und sich von dem Abenteuer der kleinen Eulen fesseln zu lassen.

Protagonist Soren ist wenige Wochen alt, als er entführt und in ein spektakuläres Schicksal getaucht wird. Der winzige Schleiereulerich mausert sich in den nächsten Wochen und Monaten zu einem tapferen Eulenkind, das nichts unversucht lässt, um sich dem Regime zu entziehen. Zusammen mit der ein wenig älteren, aber dafür kleineren Elfenkäuzin Gylfie bildet er ein mutiges Gespann, dem man als Leser gerne das Beste wünscht. Soren ist vor allem zu Anfang ein bisschen naiv, sehr gutgläubig, etwas schüchtern und neigt dazu, leicht zu verzagen. Dagegen ist Gylfie ein energisches Eulenmädchen, das wilde Entschlossenheit zeigt und gerne die Führung übernimmt. Die beiden ergänzen sich gut und jeder für sich ist heilfroh, wenigstens einen Verbündeten gefunden zu haben. Weitere gelungene Charaktere sind das emsige Fleckenkauzmädchen Hortense, das die beiden Freunde zunächst nicht recht einschätzen können, die liebevolle Blindschlange Mrs. Plithiver, die bei Sorens Familie als Nesthälterin für Sauberkeit sorgte, der undurchschaubare Aufseher Grimbel, der möglicherweise auf ihrer Seite sein könnte und später noch der draufgängerische Bartkauz Morgengrau.

Auch wenn hier niedliche Eulenkinder die Hauptrolle spielen, ist der Roman keineswegs ein harmloses Märchen. Die Handlung entpuppt sich als wechselhaftes Fantasy-Abenteuer, in dem Gut und Böse einen heftigen Kampf ausfechten. Einige liebgewonnene Charaktere müssen im Laufe der Geschichte ihr Leben lassen, was bereits zeigt, dass man hier mit vielem rechnen muss, auch wenn sich natürlich alle Schilderungen im kindgerechten Rahmen bewegen. Das Eulenwaisenhaus Sankt Ägolius sammelte hunderte von vermeintlichen Waisenkindern, die zu willenlosen Sklaven herangezogen werden sollen. Die Strahlen des Mondes, das Ansprechen mit einer Nummer statt mit Namen und stundenlange Märsche sollen sie „mondwirr“ machen und ihren Verstand brechen, jegliche Fragen sind verboten und werden hart bestraft und vor den ersten Flugversuchen sorgen Fledermäuse dafür, dass die Kleinen dank Blutarmut zu schwach sind, um einen solchen Kraftakt zu vollbringen. Soren und Gylfie finden heraus, dass der Gedanke an die Legenden von Ga’Hoole und dem Eulenbund Glaux sie davon abhalten, mondwirr zu werden und sie geistig wach halten. Gegenüber den Aufseher müssen sie sich rund um die Uhr wie all die anderen Eulenkinder verhalten, die mechanisch sprechen, Befehle ausführen, ohne zu fragen und wie Schlafwandler durch die Gegend laufen. Insgeheim aber planen die beiden Rebellen ihre Flucht. Dafür müssen sie vor dem ersten Blutsaugen davonfliegen, denn danach werden sie zu schwach dafür sein. Immer wieder geraten sie in brenzlige Situationen und die Handlung bleibt bis zur letzten Seite spannend. Das düstere Waisenhaus, die dramatische Flucht und die langen Mondnächte verbreiten eine magische Atmosphäre und das Ende ist zwar gezwungenermaßen offen, da der zweite Teil direkt anschließt, aber ohne Cliffhanger, sodass man den ersten Teil des Abenteuers erst einmal sacken lassen kann – und sich auf den nächsten Band zu freuen, der die Legende um Ga’Hoole vertiefen wird.

Die Eulen werden in der Geschichte natürlich erheblich vermenschlicht, sowohl was Mimik als auch Gefühle betrifft. Trotzdem werden immer wieder Informationen über ihre Spezies eingeflochten. Kinder lernen beim Lesen ein wenig über die Aufzucht und das Heranwachsen von Eulenküken, über die verschiedenen Arten von Schleiereule über Raufußkauz bis hin zur Schneeeule, über ihr verschiedenes Aussehen oder die Nahrungsgewohnheiten. Das alles geschieht immer wie nebenbei, ohne dass man je das Gefühl hätte, belehrt zu werden, zeitweise ist es auch sehr lustig, wenn etwa von den ersten Stationen „Erste-Knochen“, „Erstes Fleisch“ und „Erstes-Fell“ eines Kükens oder von typischen Eulenschimpfwörter wie „Waschbärkacke!“ die Rede ist. Die Vermenschlichung wurde vielleicht an manchen Stellen übertrieben, etwas nervig ist außerdem die öfter auftauchende Formulierung „Bist du gaga?“, die zu salopp für den restlichen Stil des Buches ist. Zudem ist es bei einer Figur etwas zu unlogisch, wie schnell Gylfie merkt, dass sie hier einen Verbündeten vor sich haben, ein paar mehr Hinweise wären schön gewesen, um es realistischer zu machen, dass sie es riskiert, denjenigen direkt anzusprechen. Davon abgesehen gibt es aber so gut wie nichts zu bemängeln. Sehr schön ist auch das Personenverzeichnis am Schluss, das die wichtigsten Charaktere nochmal aufführt.

_Unterm Strich_ ist es der spannende und sehr unterhaltsame erste Teil einer Fantasy-Trilogie für Kinder ab etwa zehn Jahren. Eulen als Charaktere sind originell gewählt, der Leser erfährt einiges über ihre Lebensweise und die Handlung besticht durch Atmosphäre. Ein sehr lesenswertes Abenteuer für alle, die märchenhafte Gut-gegen-Böse-Geschichten im Stil von Harry Potter und Co. mögen.

_Die Autorin_ Kathryn Lasky, Jahrgang 1944 und aufgewachsen in Indianapolis, arbeitete zunächst als Lehrerin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Sie verfasste eine Reihe von Sachbüchern für Kinder, Bilderbüchern, „The Royal Diaries“ und die fünfzehnbändige Eulen-Reihe, deren ersten drei Teile auf Deutsch erschienen.

|Hardcover: 288 Seiten
Originaltitel: Guardians of Ga’Hoole: The Capture
ISBN-13: 978-3473368075|
[www.ravensburger.de]http://www.ravensburger.de
[www.kathrynlasky.com]http://www.kathrynlasky.com

RICHELLE MEAD – Seelenruf (Vampire Academy 05)

Rose Hathaway, der Heldin aus Richelle Meads Reihe „Vampire Academy“, ist einfach keine Ruhe vergönnt. In Band 5, „Seelenruf“, wird erneut ihr komplettes Leben auf den Kopf gestellt.

Nachdem es Rose nicht gelungen ist, ihren ehemaligen Geliebten, der sich in einen bösartigen Strigoi verwandelt hat, in Russland zu töten, kehrt sie frustriert nach Amerika zurück. An der St. Vladimir’s Academy macht sie mit Bestnote ihren Abschluss als Wächterin, das bedeutet, dass es danach ihre Aufgabe sein wird, die gutartigen Vampire, die Moroi, zu beschützen. Sie und ihre beste Freundin Lissa, die Letzte eines uralten Moroi-Geschlechts, hoffen, dass Rose Lissas Wächterin wird, doch ihre Chancen sinken rapide, als die beiden den Königshof der Moroi gehörig durcheinander wirbeln.

Rose erfährt, dass Victor Dashkov jemanden kennt, der einen Strigoi zurück in einen Menschen verwandelt hat. Dummerweise sitzt Victor aber hinter Gittern – weil er Lissa einmal entführt hat. Doch das ist kein Hindernis für Rose, die aufgrund ihres Temperaments einen gewissen Ruf hat. Gemeinsam mit ihren Freunden heckt sie einen Plan aus, um Victor aus dem Gefängnis zu befreien, doch natürlich läuft nicht alles glatt. Plötzlich steht Rose Dimitri gegenüber – und steht erneut vor der Frage, ob sie ihren Geliebten töten oder leben lassen soll …

„Seelenruf“ macht da weiter, wo „Blutschwur“ aufgehört hat. Anstatt ihre Bücher auf bloße Schulquerelen zu beschränken, entführt Mead den Leser auch dieses Mal zu fernen Schauplätzen. Alaska, Las Vegas, den Königshof der Moroi – leider gelingt es der Autorin nicht wirklich, diese Orte anschaulich zu schildern, doch es reicht, um die Handlung zu unterstützen. Die Geschichte selber ist randvoll mit Action, Gefühl und Intrigen, die Rose zu schaffen machen. Ihr schlechter Stand am Königshof sowie ihr hitziges Temperament sorgen für einige brenzlige Situationen, ihr Kampf um Dimitri ist etwas fürs Herz. Dabei bleibt dessen Schicksal lange unklar. Es wird allerdings zu schnell aufgelöst, nämlich ungefähr in die Mitte des Buches. Auch wenn das Ende einen wirklich mitreißenden Cliffhanger bereithält, liegt dazwischen eine kurze Durststrecke, während der nicht viel passiert.

Nachdem Rose in den vorherigen Bänden von der Schulrebellin zu einer erwachsenen, jungen Frau herangereift ist, zeigt sie sich in „Seelenruf“ wieder von ihrer kratzbürstigeren Seite. Am auf Etikette bedachten Hof eckt sie mit ihrer widerspenstigen Art immer wieder an und ihre Vorliebe für waghalsige Aktionen beschädigt ihren ohnehin schlechten Ruf noch mehr. Umso mehr begeistert sie den Leser mit ihren Aktionen gegen das Establishment. Ihr ohnehin schon runder Charakter bekommt dadurch noch eine zusätzliche Facette. So wie es in einer guten Buchreihe sein soll, entwickelt Mead ihre Hauptfigur in jedem Band weiter.

Geschrieben ist „Seelenruf“ gewohnt souverän. Die Autorin schafft es, die Geschichte in packende Worte zu fassen, ohne dabei die emotionale Seite zu kurz kommen zu lassen. Sie fasst sich kurz, aber präzise. Ihre Beschreibungen bieten einen guten Rahmen, lassen aber auch genug Spielraum für die Fantasie des Lesers. Roses Persönlichkeit spiegelt sie dabei sehr gut wider. Die Stimmung ist ernst und erwachsen, manchmal auch sarkastisch, aber selten so beschwingt humorvoll wie zum Beispiel die Bücher von Kim Harrison. Dies wäre an dieser Stelle allerdings auch deplatziert gewesen, da das Buch nun mal eine eher düstere Atmosphäre hat.

Auch im fünften Band der „Vampire Academy“-Reihe enttäuscht Autorin Richelle Mead nicht. Die Hauptperson Rose und ihr verzwicktes Privatleben, ihr gefährlicher Job und ein toller Erzählstil lassen „Seelenruf“ zu einer fesselnden Geschichte werden. Einziges Manko: Die Längen in der Handlung. Für diese entschädigt die Autorin aber mit einer unerwarteten Wendung und einem spannenden Cliffhanger, der Lust auf den nächsten Band in der Serie macht.

Broschiert: 432 Seiten
Originaltitel: Spirit Bound
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3802583469

http://www.egmont-lyx.de
http://www.richellemead.com

Curtis Klause, Annette – Blood and Chocolate

_Die 16 Jahre alte Viviane_ musste zusammen mit ihrem Rudel nach einem verheerenden Brand, bei dem sie ihren Vater verlor, umziehen. In ihrer alten Heimat war man dem Rudel auf die Schliche gekommen: Viviane und das Rudel sind keine Menschen, sondern „loup-garous“, Werwölfe.

Vivianes Vater war der Anführer des Rudels, und seit seinem Tod gibt es im Rudel einige Unruhen. Ein neuer Anführer muss dringend her, auch, um die Jugendlichen in den Griff zu kriegen. Da ein Anführer, mit dem alle Rudelmitglieder einverstanden sind, nicht gefunden wird, muss dieser nun durch einen Kampf bestimmt werden. Wird dies Einfluss auf Vivianes Leben nehmen?

Neben Viviane gibt es noch fünf weitere Jugendliche, alles Jungs, die schon vor dem Brand für einige Unruhe gesorgt haben und nun völlig außer Kontrolle geraten. Die „Fünf“ würden gerne Vivianes Herz erobern. Nicht nur, dass sie wunderschön ist, auch, dass ihr Vater Anführer war, zieht die Jungs an. Doch Viviane verliebt sich in einen Menschen names Aiden.

Dies wird vom Rudel nicht gerne gesehen, denn immerhin läuft Viviane so Gefahr, das ganze Rudel zu verraten. Eine unproblematische Beziehung ist auch nicht möglich, da Viviane sich zumindest bei Vollmond verwandeln muss. Wie soll sie Aiden ihr wahres Wesen begreiflich machen und wie wird Aiden reagieren?

_Kritik_

Bereits 1997 hat Annette Curtis Klause den Roman „Blood and Chocolate“ geschrieben. Dieser wurde 2007 verfilmt und nun vom |Heyne|-Verlag auf Deutsch veröffentlicht.

Erwartet wird nach dem Klappentext eine romantische Liebesgeschichte, doch diesem Anspruch kann der Roman leider nicht gerecht werden. Die Beziehung zwischen Aiden und Viviane entwickelt sich schnell, und Platz für viel Romantik bleibt da nicht, auch wenn Ansätze durchaus erkennbar sind. Leider fehlt es dabei an Tiefe. Die Bemühungen der Werwölfe, Viviane für sich zu gewinnen, bleiben dagegen unerkennbar, jedoch bleiben echte Bemühungen, Vivianes Herz zu erobern, völlig aus.

Die Autorin beschreibt die Beziehung zwischen Werwolf und Menschen sehr ‚realistisch‘, wobei allerdings die Aussage „Fleischjunges“ oft fällt, was auf den Leser durchaus befremdlich wirken kann. Positiv fällt auf, dass die Werwölfe nicht romantisch verklärt, sondern „artgerecht“ und damit wild und animalisch beschrieben werden. Dem Schreibstil der Autorin kann der Leser leicht folgen. Auf detaillierte Beschreibungen verzichtet die Autorin dabei fast völlig. Das Geschehen und auch die Umgebung wirken daher recht oberflächlich und blass konzipiert.

Lobenswert ist, dass die Autorin es schafft, eine abschließende Geschichte zu erzählen, und auch die Zielgruppe jugendlicher Leser dürfte erreicht werden. Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Beobachters erzählt, der sich auf Viviane konzentriert. Die widerstrebenden Gefühle gegenüber dem Rudel und auch auf die Beziehung zu den Menschen werden dabei sehr gut erkennbar und verständlich hervorgehoben. Einerseits ist sie auf ihre Gestalt als Wolf sehr stolz, eine Beziehung zu einem Menschen scheint dabei aber so gut wie unmöglich. Da sie sehr in Aiden verliebt ist, fühlt sie sich teilweise sehr zerrissen.

Am Tod ihres Vaters fühlt sie sich mitverantwortlich und leidet unter ihren Schuldgefühlen. Ihre Mutter ist ihr da keine große Hilfe. Vielmehr gibt diese sich ihren Instinkten hin, die Tochter scheint ihr da egal zu sein.

Die Figurenentwicklung macht sich ansonsten kaum bemerkbar. Zudem sind die Protagonisten wenig einzigartig konzipiert, und das Unterscheiden funktioniert fast nur über die Namen. Gerade bei den Werwölfen des Rudels fehlen die charakterlichen Eigenheiten, die jedes Wesen einzigartig machen. Trotzdem wirken die Werwölfe an sich sehr lebensecht, das Tierische überwiegt dabei und die Mitglieder folgen eher den tierischen Instinkten, als dass sie menschlich wirken. Viviane ist schon aufgrund der Erzählperspektive der lebendigste Charakter unter ihnen, und die Geschichte stützt sich auf sie. Der Charakter von Aiden ist bemerkenswert überzeugend, wenn auch recht eindimensional entwickelt.

Das Buch erweist sich als absoluter Hingucker, denn das Cover ist sehr interessant gestaltet. Eine dunkelhaarige junge Frau ist zu sehen, und farblich ist das Cover in Brauntönen gehalten. Passend dazu sind der Titel und der Name der Autorin eingefügt. Der Klappentext ist allerdings verwirrend: „Eine magische Liebesgeschichte, die Millionen begeistert“ wird dort versprochen. Leider kann das Buch dies nur bedingt erfüllen.

_Fazit_

„Blood and Chocolate“ von Annette Curtis Klause ist eine nette und im Genre Fantasy angesiedelte, realistisch angehauchte Geschichte, die die Erwartungen jedoch nur bedingt erfüllen wird. Aufgrund des Klappentextes erwartet der Leser eventuell zu viel von diesem Buch.

Schön fand ich, dass die Werwölfe so beschrieben waren, wie man sich diese Rasse vorzustellen hat, ohne zu sehr menschlich zu wirken. Auf romantische Verklärung wird hier verzichtet, was durchaus eine Abwechslung darstellt.

Einige der dort getroffenen Aussagen fand ich sehr oberflächlich, insbesondere „Du musst mich doch lieben, ich bin doch schön“, die des Öfteren fällt, fand ich grenzwertig. Gerade bei Jugendbüchern finde ich wichtig, dass andere Werte hervorgehoben und vermittelt werden.

„Blood and Chocolate“ ist eine Geschichte, die die paranormalen Wesen einmal von einer anderen Seite beleuchtet, was interessant zu lesen ist und sich so deutlich von der Masse abhebt. Vergisst man bei dem Ganzen den Klappentext und geht nicht mit zu großen Erwartungen an dieses Buch heran, dürfte es durchaus lesenswert und erfrischend anders sein.

_Autorin_

Annette Curtis Klause wurde in Bristol, England geboren und kam als Teenager in die USA. Mit fünfzehn Jahren schrieb sie Vampir-Gedichte, die sie dann auch zu ihrem ersten Roman inspirierten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Katzen in Hyattsville, Maryland und leitet als Bibliothekarin die Kinderbuchabteilung der Aspen Hill Community Library in Montgomery County. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Originaltitel: Blood and Chocolate
ISBN-13: 978-3453266919|
http://www.heyne.de

Cast,, P.C. & Kristin – Ungezähmt (House of Night 4)

_|House of Night|:_

Band 1: [„Gezeichnet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6374
Band 2: [„Betrogen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6277
Band 3: [„Erwählt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6550
Band 4: _“Ungezähmt“_
Band 5: „Gejagt“ (erscheint am 01.02.2011)
Band 6: „Versucht“ (erscheint am 01.05.2011)
Band 7: „Verbrannt“ (erscheint am 01.08.2011)

_Zwei Tage ist es nun her_, dass Zoey Redbird durch ihre Geheimniss, alle ihre Freunde vor den Kopf gestoßen hat, nun redet keiner mehr mit ihr.

Nur Aphrodite und Stevie Rae sind ihr geblieben und die beiden sind nach der Wandlung Stevie Raes verschwunden. So ist Zoey ganz auf sich allein gestellt. Sie kommt gerade von ihrer Stute Persephone, als sie von einer kaum zu benennende Angst überfallen wird. Die Luft scheint anders geworden zu sein und Zoey meint Flügelschlagen zu hören, als sie plötzlich von etwas Schattenhaftem angegriffen wird.

Panisch läuft sie zurück in die Schule und auf ihrer Hand erscheinen rote Striemen. Da sie nichts zu verlieren hat, setzt sie sich dann zum Essen an den Tisch ihrer Clique, wo sie erst einmal völlig ignoriert wird. Sie versucht mit den anderen ins Gespräch zu kommen, wird aber abgelehnt.

Dann endlich taucht Aphrodite wieder auf, allerdings mit schlimmen Nachrichten. Sie hatte wieder Visionen, dieses Mal sah sie Zoey tot und den Krieg, den Neferet den Menschen erklärt hat. Jedes Mal wenn Zoey in ihren Visionen starb, war sie allein, ohne Hilfe und Freunde. Um Zoes Leben zu schützen, redet sie mit den „Zwillingen“ Shaunee und Erin, Damian und Jack, um sie davon zu überzeugen, dass Zoey teilweise keine andere Chance hatte, als ihnen einiges zu verheimlichen.

Dass Zoey stirbt, will selbstverständlich niemand und so wird Zoey wieder in die Mitte ihrer Freunde aufgenommen. In den Visionen Aphrodites taucht außerdem eine alte Legende der Cherokee auf. Ein Anruf bei Zoeys Großmutter klärt es auf und Grandma Redbird steht den Jugendlichen bei und macht sich auf den Weg ins House of Night, um aus der Nähe helfen zu können.

Eine Überraschung gibt es an diesem Abend auch noch, die Anführerin aller Hohepriesterinnen, Shekinah, kommt das Internat besuchen, und nachdem sie feststellt, dass dort einiges im Unreinen ist, beschließt sie eine Weile zu bleiben.

Durch die Visionen Aphrodites steht fest, dass ein Kampf zwischen Gut und Böse immer unausweichlicher wird, sind die Jungvampyre diesem schon gewachsen?

_Kritik_

Mit |Ungezähmt|, dem vierten Teil der „House of Night“-Reihe hat das Mutter-Tochter Gespann P.C. und Kristin Cast den bisher stärksten Band geschrieben und damit ist ihnen eine große Steigerung zu den vorangegangenen Romanen gelungen.

|Ungezähmt| schließt direkt an seinen Vorgänger |Erwählt| an, die Geschichte geht zwei Tage nach den letzten Ereignissen weiter und erzählt auch diesmal nur von wenigen Tagen an dem Vampyr-Internat, die aber sehr ereignisreich verlaufen.

Der Sprachstil bleibt gewohnt jugendlich, reift aber mit den Charakteren. Dem Stil der Autorinnen kann der Leser gut folgen, er ist flüssig zu lesen und leicht zu verstehen. Auch die Spannung kommt nicht zu kurz, von der ersten Seite an wird ein Spannungsbogen erzeugt, der sich steigend durch den Roman zieht und sich erst in einem packenden Showdown entlädt.

Eine große Rolle spielt diesmal eine Legende der Cherokee-Indianer, diese wird geschickt in das Geschehen eingewoben und bringt einen sehr interessanten und geheimnisvollen Aspekt in die Geschichte ein. Dadurch bekommt der Leser auch ein paar interessante Hintergrundinformationen zu Zoey selbst und ihrer Großmutter. Erzählt wird die Geschichte weiterhin aus der Zoey-Perspektive.

Auch eine Organisation, die „Street Cats“ bekommt hier einen wichtigen Auftritt und bereichert die Geschichte ernorm, auf menschlicher sowie auf tierischer Ebene. Die Protagonisten entwickeln sich in diesem Roman deutlich weiter. Lebensnah und glaubwürdig konzipiert, reifen diese mit den Ereignissen, denen die Charaktere ausgesetzt sind.

Über Zoey lässt sich erst einmal sagen, dass sie ohne verschiedene Liebhaber und ihre wirren Gefühle, gleich um einiges liebenswerter und interessanter wird. Der Leser erfährt so mehr von dieser außergewöhnlichen Protagonistin und auch ihr indianischer Hintergrund kommt mehr zum Tragen. Zoey ist durch die Ereignisse der letzten Wochen sehr gereift, wirkt verantwortungsbewusster und kümmert sich wieder mehr um das Wesentliche.

Eine Drehung um 180° hat ihre einstige Konkurrentin Aphrodite gemacht. Von der fiesen Zicke wandelt sich diese zu einer treuen Freundin, die ihr Inneres zwar noch gerne unter einer harten Schale versteckt, ihre positiven Seiten aber mehr und mehr zum Vorscheinen kommen lässt.

Außergewöhnlich ist der Charakter der Anführerin aller Hohepriesterinnen, Shekinah. Recht geheimnisvoll, aber dabei doch sehr vertrauenswürdig, steht sie sowohl Neferet, aber auch Zoey zur Seite.

Auch bekommen die jugendlichen Vampyre wertvolle Unterstützung aus ungewohnter Richtung. Die Nonne Schwester Angela steht Zoey bei einem schlimmen Ereignis zur Seite und bietet Hilfe, wo die Jungvampyre sie niemals vermutet hätten.

Auch die weiteren Charaktere sind vielschichtig und sehr interessant aufgebaut worden. Auch ein Charakter, von dem der Leser eine Wiederkehr erst einmal kaum erwartet hat, ist wieder dabei.

Das Cover ist passend zur Reihe gestaltet, auf dunklem Hintergrund wird eine junge Frau mit einem außergewöhnlichen Tattoo angestrahlt. Verschnörkelte Verzierungen, hervorgehoben durch Spotlack, machen das Cover zu etwas Besonderem. Lediglich der grün gehaltene Titel wirkt nicht besonders passend.

_Fazit_

Mit dem vierten Teil der „House of Night“-Reihe |Ungezähmt| hat das Autoren Gespann P.C. und Kristin Cast eine deutliche Steigerung zu de vorangegangenen Teilen geschaffen.

|Ungezähmt| ist der bisher beste Band der erfolgreichen Reihe und bietet Lesespaß bis zur letzten Seite.

Auch wer von dem dritten Teil |Erwählt| etwas enttäuscht war, sollte hier wieder zugreifen, die Autorinnen bieten eine spannende Geschichte mit unerwarteten Wendungen.

Der fünfte Teil |Gejagt| wird am 01.02.2011 erscheinen.

_Autor_

P.C. Cast und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA. „House of Night“ erscheint in über 40 Ländern und hat weltweit Millionen von Fans.

|Gebundene Ausgabe: 538 Seiten
Originaltitel: Untamed. A House of Night Novel
Übersetzerin: Christine Blum
ISBN-13: 978-3841420046|
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de

_Nadine Warnke_

Marzi, Christoph – Grimm

_Was wäre wenn … _die alten Mythen und Märchen Wirklichkeit wären?

„Es war einmal …“, so begannen die Märchen stets, die Vesper Gold und ihre Schwester immer von ihrem Vater erzählt bekamen. Zum Abschluss immer die Worte „Mädchen, weicht vom Wege nicht!“. Mittlerweile ist die große Schwester tot und nach der Scheidung der Eltern ist die 17-jährige Vesper mit ihrer Mutter von Berlin nach Hamburg gezogen.

An einem düsteren Herbsttag erfährt Vesper in den Nachrichten von dem Tod ihres Vaters, einem berühmten Regisseur. Wäre das nicht genug, steht Vesper am nächsten Tag als Vollwaise da, auch ihre Mutter kommt auf rätselhafte Weise plötzlich ums Leben.

Es geschehen merkwürdige Dinge in Hamburg und ganz Europa. Alle Kinder fallen zeitgleich in einen fünfminütigen, tiefen Schlaf, die Ärzte sind ratlos. In der folgenden Nacht haben alle Eltern dann einen gemeinsamen, schrecklichen Albtraum.

An diesem grauen Herbsttag melden sich die Vesper bekannten Märchen mit ganzer Kraft zurück. Wölfe und andere märchenhafte Wesen tauchen auf und verfolgen sie. Für Vesper die einen geheimen Schlüssel von ihrem Vater bekam beginnt ein düsteres und geheimnisvolles Abenteuer. Ihr zur Seite stehen der geheimnisvolle Jonathan Andersen und der junge Leander Nachtsheim.

_Kritik_

Mit |Grimm| erzählt Christoph Marzi Märchen einmal anders. Nicht romantisch verklärt, sondern eher düster und unheimlich, werden die einzelnen Figuren der Märchen und Mythen hier beschrieben.

Dem facettenreichen Schreibstil des Autors kann der Leser gut folgen. Christoph Marzi beschreibt die Orte der Handlung sehr genau und ausführlich. Einerseits fällt dem Leser die bildliche Vorstellung dadurch sehr leicht, allerdings kommt es dadurch teilweise zu Längen und die Handlung lässt auf sich warten. Dies stoppt den Lesefluss aber kaum. Der Spannungsbogen ist sehr intelligent und präzise eingebaut und aufgrund dessen bleibt der Leser bei der Stange.

Eine wichtige Rolle in |Grimm| spielen die Märchen der Gebrüder Grimm und eine interessante Idee, wie es zu diesen Geschichten gekommen sein könnte. Die liebenswürdigen Figuren der Märchen stellen sich hier dann mal ganz anders dar, und wie es dazu gekommen ist, diese zu „erfinden“ und aufzuschreiben, ist ein interessanter Gedanke. Auch kombiniert der Autor wieder einmal geschickt Fakten mit Fiktion. Dem Leser, der auch mal hinter die Kulissen schaut, wird so manche Überraschungen geboten.

Einmal spielt der Roman im bekannten Hamburg, die Protagonisten kommen rätselhaften Todesfällen auf die Spur und in ganz Europa kommt es zu merkwürdigen Vorfällen. Mit Fortschreiten der Geschichte wird erst einmal alles noch viel undurchsichtiger und mysteriöser. Erst in der Welt der Märchen und der Schneekönigin schlüsselt sich dann alles auf.

Befremdlich mag dabei wirken, dass die Bevölkerung trotz der seltsamen Vorgänge, gerade bei den schlafenden Kindern, so ruhig bleibt. Etwas mehr Aufregung, Verzweiflung oder gar Panik seitens der Bevölkerung wäre realistischer gewesen.

|Grimm| wird aus der Perspektive eines Beobachters erzählt, der sich vor allem auf Vesper Gold konzentriert. Allerdings lässt er andere wichtige Figuren wie Jonathan Andersen und Leander Nachtsheim durchaus zu Wort kommen, sodass man diese auch kennen lernt, selbst wenn Jonathan Andersen sehr rätselhaft bleibt.

Auch die Protagonisten sind sehr facettenreich und detailliert dargestellt, manche bleiben trotzdem zwar erst einmal sehr rätselhaft, dieses tut dem Spannungsbogen allerding sehr gut, möchte der Leser doch wissen, wie diese Protagonisten zu all dem stehen. Vesper Gold ist klar gezeichnet und wirkt sehr sympathisch, sie hat eine Menge Eigenschaften, die sehr positiv sind. Sie kümmert sich um andere, ist mutig und gibt nicht so leicht auf. Diese Eigenschaften teilt auch Leander Nachtsheim, der auf seine Art punkten kann. Geheimnisvoll kommt Jonathan Andersen daher, gehört dieser Charakter zu den wirklich Guten oder führt er etwas im Schilde? Dies bleibt lange schleierhaft und somit ist er ein sehr interessant konzipierter Charakter. Die weiteren Figuren sind sehr blass dargestellt, erst zum Ende hin erfährt der Leser, was diese wirklich wollen und warum einige Ereignisse passiert sind.

Die Covergestaltung von |Grimm| kann man nur als gelungen bezeichnet. In goldenen Käfigen sind die Märchen gefangen. Vor blauem Hintergrund sind Titel und der Autor genannt, der Titel ist dabei mit Spotlack hervorgehoben. Der Buchrücken ist in Rot gehalten und passend zum Cover sind auch hier Autor und Titel genannt. Mit 560 Seiten ist das Buch recht dick und zusammen mit der Ausstattung seinen Preis wert.

_Fazit_

Mit |Grimm| hat der Autor Christoph Marzi mal wieder einen wunderbaren Fantasyroman geschrieben, der durch interessante Ideen und liebenswürdige Charaktere sowie einer einzigartigen Atmosphäre überzeugt.

Das Buch liest sich sehr flüssig und kann mit einer Menge Spannung aufwarten. Lediglich das Ende ist etwas kurz gehalten.

|Grimm| von Christoph Marzi bekommt von mir trotz winziger Schwächen eine klare Leseempfehlung für alle, die durch Märchen, Mythen und Fantasy zu begeistern sind.

_Autor_

Christoph Marzi, Jahrgang 1970, wuchs in Obermending nahe der Eifel auf, studierte in Mainz und lebt heute mit seiner Familie im Saarland. Mit dem sensationellen Erfolg seiner Trilogie um die |Uralte Metropole| („Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“) hat er sich einen festen Platz als deutscher Fantasy-Autor erobert.

|Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
ISBN-13: 978-3453266612|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Nadine Warnke_

_Christoph Marzi bei |Buchwurm.info|:_
[„Lycidas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1081
[„Lilith“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2070
[„Lumen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3036
[„Malfuria“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3398
[„Malfuria – Die Hüterin der Nebelsteine“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4167
[„Fabula“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4503
[„Somnia“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5446

Isau, Ralf – verbotene Schlüssel, Der

Innerhalb kürzester Zeit hat Sophia sowohl ihre Eltern als auch ihren Großvater verloren. Ihren Großvater hat sie zwar nicht gekannt, aber das macht es nicht wirklich leichter, zumal ihr Großvater ihr seine gesamte Habe vermacht hat. Darunter sind auch ein handgeschriebenes Buch sowie ein rotes Samtkästchen. In Letzterem befindet sich ein überaus kostbares Fabergé-Ei.

Der alte Mann, mit dem Blindenstock allerdings ist ganz offensichtlich nicht hinter dem Schmuckstück her, sondern hinter seinem Inhalt! Und plötzlich ist Sophia auf der Flucht …

Ralf Isau hat seine Geschichte über mehrere Jahrtausende und zwei Welten verteilt.

Die eine Welt ist die Realität, in der Sophia lebt. Sophia ist zwar intelligent, aber auch neugierig. Und da sie natürlich kein Wort von dem glaubt, was ihr Opa in seinem Buch geschrieben hat, tut sie einiges, was sie besser hätte bleiben lassen.

Die andere Welt heißt Mekanis. Mekanis ist das Reich von Oros, dem Herrn der Zeit, und alle seine Untertanen sind Maschinen. Oros arbeitet seit Jahrhunderten daran, seine Welt mit der Realität zu verbinden, mit dem endgültigen Ziel, beide gegeneinander auszutauschen. Da er auf die Realität nicht direkt einwirken kann, ist er darauf angewiesen, Menschen zu beeinflussen.

Einer, der fast von Anfang an dabei war, ist Theo. Theo stammt aus Cäsars Zeiten und ist damit weit über tausend Jahre alt. Weil er den weitaus größten Teil davon in Mekanis verbracht hat, hat er sich sozusagen sein kindliches Wesen bewahrt: Er ist unschuldig und vertrauensvoll. Was nicht heißen soll, dass er naiv wäre. Oros kennt er inzwischen gut genug, um ihm nicht zu trauen.

Die Charakterzeichnung ist durchaus detailliert. Keine der Figuren ist nur auf ihre Funktion in der Geschichte beschränkt. Dennoch will echte Tiefe nicht aufkommen, nicht einmal im Zusammenhang mit der zarten Romanze zwischen Sophia und Theo.

Das liegt zu einem Großteil daran, dass die Handlung – vor allem zu Beginn – so überstürzt und hektisch verläuft. Kaum hat Sophia die Wohnung ihres Großvaters verlassen, wird sie von Oros verfolgt, und es scheint, dass es nirgendwo auf der Welt einen Ort gibt, wo ihr Verfolger sie nicht aufspüren kann. Außerdem gerät Sophia auch nach Mekanis, wo sie wiederum von Oros Schergen verfolgt wird. In Mekanis trifft sie auch Theo, der ihr in den wenigen kurzen Atempausen aus der Vergangenheit erzählt.

Insgesamt ist die Handlung durch die häufigen Wechsel zwischen den vielen Orts- und Zeitebenen ziemlich sprunghaft geraten. Zwar hat der Autor das Ganze sauber aufgebaut, sodass der rote Faden jederzeit problemlos verfolgt werden kann. Allerdings wirkt der Verlauf dadurch doch etwas abgehackt, so ruckelnd wie die Bewegungen von Oros‘ Maschinen.

Flair erhält die Geschichte durch die Verarbeitung verschiedener Mythen, darunter Ys und Atlantis sowie die Umdeutung einiger geschichtlicher Fakten wie die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. Im Mittelpunkt steht dabei die Weltenmaschine, eine Art Uhr, die das Funktionsprinzip des gesamten Kosmos abbildet und dadurch Macht über die Zeit verleiht. Pate für diese Weltenuhr stand der Mechanismus von Antikythera, ein komplexes Instrument aus Zahnrädern und Zeigern, das im Jahr 1900 in einem Schiffswrack entdeckt wurde und wohl hauptsächlich astronomischen Zwecken diente.

Mit Hilfe dieser Weltenuhr will Oros sein Ziel erreichen, doch kann die Uhr nur von jemandem bedient werden, der unschuldig ist wie ein Kind. Theo kann die Uhr bedienen, und Sophia. An dieser Stelle wird es philosophisch. Denn diese beiden können nicht nur die Uhr bedienen, ihre Berührung beseelt auch Oros‘ Maschinen, gibt ihnen Gefühle und einen freien Willen. Unwillkürlich fragt sich der Leser, wie groß die Macht der Unschuld wohl tatsächlich ist. Dazu kommen Gedanken über das Wesen und die Auswirkungen von Ideen oder über die Technisierung unserer Welt, die der Autor gewohnt dezent und leise nebenbei einfließen lässt.

Diese Mischung aus Mythen, historischer Recherche und Philosophie verleiht dem Buch das gewisse Etwas, trotz des ausgesprochen unruhigen und gehetzten Handlungsverlaufs. Die Protagonisten sind zwar nicht allzu intensiv gezeichnet, aber sympathisch und gute Identifikationsfiguren für Jugendliche. Die Grundidee ist ungewöhnlich und daher eine angenehme Abwechslung zum üblichen Fantasy-Einerlei, und bis auf ein paar kleine, unbedeutende Details ist die Ausarbeitung frei von logischen Brüchen. Ein interessantes und lesenswertes Buch für Zwölf- bis Vierzehnjährige.

Ralf Isau war ursprünglich in der Informatik tätig und schrieb seine Bücher nebenher. Sein erster großer Erfolg war die Neschan-Trilogie, seither hat er eine ganze Reihe von Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Inzwischen ist er hauptberuflicher Schriftsteller und mit bis zu vier Romanen pro Jahr enorm produktiv. Sein nächstes Buch unter dem Arbeitstitel „Der Nebelwächter“ soll im Frühjahr nächsten Jahres erscheinen.

Gebundene Ausgabe: 505 Seiten
ISBN-13: 978-3570138342

http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp
http://www.isau.de/index.html

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Lo, Malinda – Ash

_Aisling, genannt Ash,_ lebt mit ihrer Familie dicht an einen großen Wald und wird behütet mit den alten Sagen und Märchen ihrer Heimat groß. Mit zwölf Jahren wird sie dann zur Halbwaise, denn ihre Mutter stirbt nach einer kurzen, aber umso heftigeren Krankheit. Ash vermisst ihre Mutter sehr und ist in ihrer tiefen Trauer um sie gefangen. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als ihre Mutter zurückzubekommen, und meint auch so manches Mal, diese wäre nicht wirklich tot, sondern in der Gewalt der Feen.

Ihr Vater, der im weit entfernten königlichen Palast arbeitet, kommt nach einer längeren Reise nicht alleine zurück: Ihn begleiten seine neue Frau Lady Isobel und deren Töchter Ana und Clara. Noch nicht einmal den Tod der Mutter verwunden, und schon muss Ash sich an die neue Familie gewöhnen, die ihr nur wenig Herzlichkeit entgegenbringt!

Nur kurz darauf erkrankt auch Ashs Vater schwer, und entgegen der Warnung der Kräuterhexe des Ortes mutet Lady Isobel dem schwerkranken Mann eine lange und beschwerliche Reise in ihre Heimat nahe der Königsstadt zu, um ihn dort zu den Ärzten zu bringen. Maire Solanya, die Kräuterhexe, warnt sie noch, dass der typische Aderlass Ashs Vater umbringen würde. Die stolze Lady Isobel schlägt alle Warnungen in den Wind, und so passiert das Schreckliche: Ash, die gerade erst ihre geliebte Mutter verloren hat, muss nun auch noch den Tod des Vaters ertragen.

Kurz nach dem Tod ihres Vaters, muss Ash einsehen, dass das Schlimmste noch nicht vorbei ist. Zeit zum Trauern wird dem jungen Mädchen nicht gelassen: Lady Isobel schützt schwere Schulden des toten Ehemannes vor, um Ash ohne schlechtes Gewissen zur Dienstmagd zu degradieren. Ash muss nun ihre Stiefmutter und die Stiefschwestern bedienen und sich demütigen lassen.

Wann immer Ash kann, flüchtet sie in die nahen Wälder, in der Hoffnung, von Feenmännern entführt zu werden. Auch dass dies ihren Tod bedeuten würde, nimmt Ash gerne in Kauf. Eine neue Bekanntschaft ändert dann aber alles in Ashs Leben, als der Königssohn mit seiner Jägerin und dem Hofstaat in das Dorf kommt, in dem Ash lebt …

_Kritik_

Mit dem zauberhaften Roman „Ash“ hat Malinda Lo ihren ersten Titel veröffentlicht. Die Autorin beschreibt die Orte der Handlung sehr detailliert und entführt den Leser so in ihre phantastische und verträumte Welt. Malinda Lo hat eine Welt konzipiert, in die der Leser perfekt eintauchen kann, eine bildliche Vorstellung fällt dabei auch aufgrund des facettenreichen Stils sehr leicht.

Das Grundgerüst, auf das sich dieser Roman stützt, ist das bekannte Märchen „Aschenputtel“, aber der Leser sollte sich dabei nicht täuschen lassen, denn dieses Buch ist trotzdem etwas ganz Eigenes. Viele Gemeinsamkeiten mit der Vorlage und trotzdem ganz eigene Ideen erschaffen eine märchenhafte Geschichte. Die Autorin verfügt über eine große Anzahl eigener Ideen, die in diesen Roman einfließen. Bereits die Märchen, die in diesen Roman eingeflochten werden, beweisen, dass die Autorin über jede Menge erzählerisches Potenzial verfügt. Dabei bedient sie sich eines einfach zu lesenden Stils, dem der Leser leicht folgen kann. Die Nebengeschichten über die Feenwelt, die die Autorin geschickt einfließen lässt, passen sich stilvoll dem Plot an.

Aufgeteilt ist der Roman in zwei Teile. Der erste Teil, |Der Feenmann|, beschreibt Ashs Trauer und die ersten Kontakte mit der Welt der Feen sowie dem alten Glauben. Im zweiten Teil, |Die Jägerin|, verbindet sich dann der traditionelle Glaube mit der Welt, die sich im Wandel der Zeit befindet.

Erzählt wird „Ash“ aus der Perspektive eines Beobachters, der sich auf Ash konzentriert und den Leser aus ihrer Sicht an dem Geschehen teilhaben lässt. Dies ist sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet. Was genau Ash dann zum Ende des Buches wirklich will, bleibt, obwohl man diese Protagonistin gut kennenlernt, vorerst schleierhaft.

Nachdem die Autorin eine wirklich bildlich vorstellbare Welt geschaffen hat, lässt sie ihre Protagonisten recht eindimensional erscheinen. Lediglich Ash lernt man etwas genauer kennen, die weiteren Figuren sind eher blass konzipiert und erhalten kaum ein eigenes Gesicht. Eine lebendige Vorstellung gelingt daher nur sehr schwer.

Das Cover des handlichen Buches ist in grauen Tönen gehalten, lediglich durch das weiße Kleid von Ash und den helllila Schriftzug aufgehellt. Das Buch wirkt etwas traurig, was aber perfekt zu der Geschichte des mittellosen Waisenmädchens passt. Was auch erwähnenswert ist, ist der Kaufpreis. Trotzdem es sich um ein – wenn auch recht schmales – gebundenes Buch handelt, ist der Preis nicht überzogen, sondern passt zum Format.

_Fazit_

Malinda Lo hat mit ihrem Debütroman „Ash“ einen mutigen, märchenhaften Roman geschrieben, der trotz des bekannten Plots mit einem überraschenden Ende punkten kann. Wer Märchen, Mythen und Romane um die Kraft der Liebe mag, sollte sich „Ash“ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich hoffe, von Malinda Lo noch einiges zu lesen. Traditionelle Märchen, in diesem Fall mit einigen überraschenden Wendungen, faszinieren die Leser immer wieder aufs Neue.

_Autor_

Malinda Lo wurde 1974 in China geboren und wuchs in Amerika auf. Sie war gerade zwölf Jahre alt, als sie ihr erstes Gedicht an eine Zeitschrift verkaufte. Malinda Lo studierte am renommierten Wellesley College, in Harvard und Stanford. Später arbeitete sie als Lektoratsassistentin bei einem großen amerikanischen Verlag und als Journalistin. Malinda Lo hat in Boston, New York, London, Peking, Los Angeles und San Francisco gelebt, bevor sie sich mit ihrer Lebensgefährtin in einem kleinen Ort im nördlichen Kalifornien niederließ. „Ash“ ist ihr erster Roman. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 268 Seiten
Originaltitel: Ash
ISBN-13: 978-3426283448|
[www.pan-verlag.de]http://www.pan-verlag.de

_Nadine Warnke_

Pearce, Jackson – Drei Wünsche hast du frei

_Lange Zeit waren sie_ ein Paar, Viola und Lawrence – bis Lawrence sein Coming-out hat und für Viola eine Welt zusammenbricht. Viola ist tieftraurig, sehr verletzt und fühlt sich unendlich einsam und zu niemandem gehörig. Da war sie über Jahre die Freundin eines der coolsten Typen, und nun steht sie alleine da. Viola hat das Gefühl, nicht mehr vollständig zu sein, als fehlte ein wichtiges Stück ihrer selbst.

Lediglich ihr Hobby, das Malen, scheint ihr geblieben. Aber auch da macht sich Unzufriedenheit breit, sehen doch die Bilder der anderen so viel besser und einzigartiger aus. Ihre Eigenen dagegen empfindet Viola als gewöhnlich und unbedeutend.

In dem tiefen Wunsch, wieder „ganz“ zu sein und dazuzugehören, beschwört Viola dann versehentlich einen Dschinn. In der Shakespeare-Stunde traut sie ihren Augen kaum, denn auf dem Tisch neben ihr sitzt plötzlich ein wunderschöner Junge mit golden schimmernder Haut. Niemand außer ihr scheint ihn zu bemerken, und nachdem der Fremde sie lange angeschaut hat, verschwindet er ebenso plötzlich.

Nachdem sich der Junge noch mehrmals zeigt, offenbart er sich ihr, reichlich genervt von den Menschen, Frauen/Mädchen insbesondere, und bittet sie, die drei Wünsche doch möglichst schnell zu äußern. Doch da ist er bei Viola an die Falsche geraten, denn ihrem Kummer durch Wünsche zu entkommen, erscheint ihr mehr als nur falsch. Wie soll sie dann noch wissen, was wahr ist? Ihr Leben will sie so nicht gestalten und dem Kummer lieber durch eigene Kraft entkommen.

Dschinn ist darüber nicht sehr glücklich. In dieser Welt altert er und will daher so schnell wie nur irgend möglich zurück in seine Heimat Caliban. Viola wird ihn dann vergessen und er kann sein gewohntes Leben weiterführen. Dazu gezwungen, nun Zeit mit Viola zu verbringen, bricht Dschinn alle Gesetze der Ältesten im Umgang mit den Menschen. Langsam entsteht eine tiefe Freundschaft, die Grenzen zwischen Dschinn und Herrin lösen sich zunehmend auf und zarte Bande der Freundschaft und Liebe binden Dschinn mehr und mehr an Viola.

Dies ruft einen Ifrit, einen Gesetzeshüter der Dschinn, auf den Plan, der Dschinn an seine Aufgabe erinnert. Dschinn, der sich von Viola noch nicht trennen mag, kann den Ifrit beschwichtigen und schindet noch mehr Zeit, bevor Viola gezwungen wird, ihre Wünsche zu äußern.

_Kritik_

Mit „Drei Wünsche hast du frei“ hat die junge Autorin Jackson Pearce ihren geschmackvoll romantischen Debütroman geschrieben. Dieser besticht durch eine wunderschön zarte Liebesgeschichte, die sich den jugendlichen Protagonisten authentisch anpasst.

Die Autorin bedient sich eines jugendlichen Schreibstils, der nichts an Lebendigkeit vermissen lässt. Auch ihre Art, sich in Metaphern auszudrücken, wirkt vorwiegend sehr romantisch und lässt wunderbare Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Die Umgebung beschreibt die Autorin sehr detailreich. Flüssig zu lesen, macht der Roman so schon jede Menge Spaß und eignet sich hervorragend für einen verregneten Sonntagnachmittag. Lediglich das bei der Übersetzung ausgelassene „Yeah“ passt nicht in den sonstigen Stil und nervt nach einiger Zeit.

Mit ihrer fein konzipierten Liebesgeschichte fesselt Jackson Pearce den Leser förmlich an das Geschehen und die Atmosphäre tut ihr Übrigens dazu. Zeitweise liest sich der Roman zwar etwas langatmig, aber dies nie lange, und die Geschichte entwickelt sich sogleich interessant weiter. Auch die Idee der Autorin, wie sie Dschinn und seine magische Welt darstellt, ist außergewöhnlich und hebt sich von der breiten Masse deutlich ab.

Besonders gut transportiert die Autorin auch die wahren Werte, die nicht durch Geld, Beliebtheit und eine künstlich erzeugte Liebe ersetzt werden können, sondern selber erarbeitet erden müssen. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Viola und Dschinn, was dazu beiträgt, dass der Leser beide Charaktere kennenlernt und ihre Entscheidungen nachvollziehen und verstehen kann.

Die Protagonisten sind allesamt sympathisch und glaubwürdig entwickelt. Dabei hat die Autorin ihr Hauptaugenmerk auf die Hauptfiguren gelegt, die über eine Fülle von Charaktereigenschaften verfügen. Viola wird anfangs zerrissen dargestellt, besitzt trotzdem aber hohe Werte, die sie nicht durch pures Wünschen erreichen will, sondern sich nicht scheut, für ihre Wünsche einiges zu tun. Da verzeiht man ihr fast ihren ab und an auftauchenden Egoismus und das Selbstmitleid, in dem sie gelegentlich versinkt. Dschinn, anfangs mehr als genervt, hat sie mit Sprüchen ausstaffiert, die den Leser zum Schmunzeln bringen. Er entwickelt sich durch Viola weiter und merkt bald, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch Lawrence ist facettenreich dargestellt. Lediglich die Nebendarsteller lassen Detailreichtum vermissen und wirken recht blass und oberflächlich neben den Handlungsträgern.

Die Gestaltung des Covers lädt zum Träumen ein, in hellen Blau-Weiß-Tönen gehalten und mit wunderschönen Ranken, die teilweise durch Spotlack in Szene gesetzt werden. Diese Ranken finden sich zu Beginn jedes Kapitels wieder. Auch das Softcover, das an ein gebundenes Buch erinnert und trotzdem die Leichtigkeit eines Taschenbuchs aufweist, ist eine gelungene Idee des Verlages.

_Fazit_

Mit „Drei Wünsche hast du frei“ hat Jackson Pearce einen zauberhaften, zum Träumen einladenden Roman vorgelegt. Ein wundervolles Märchen, das Jung und Alt gleichermaßen zu bezaubern weiß. Ich hoffe, von dieser Autorin noch viel zu lesen.

_Autorin_

Jackson Pearce wurde 1984 in North Carolina geboren. Sie liebt süßen Eistee, Popmusik und die Vormittagsvorstellung im Kino, wenn sie den Saal fast für sich alleine hat. Jackson Pearce lebt mit einer schielenden Katze und einem leicht außerirdisch aussehenden Hund in Atlanta, Bundesstaat Georgia. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 285 Seiten
ISBN-13: 978-3426283363
Originaltitel: As You Wish|
[www.jacksonpearce.com]http://www.jacksonpearce.com
[www.pan-verlag.de]http://www.pan-verlag.de

_Nadine Warnke_

Rick Yancey – Der Monstrumologe

Die Handlung:

New Jerusalem, 1888: Der Waisenjunge Will Henry arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop, der sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert hat: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht notfalls Jagd auf sie. Eines Tages macht ein Grabräuber einen schrecklichen Fund: eine Leiche, in die sich ein zahnbewehrtes Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet und sich rasend schnell vermehrt … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Beim Thema „Jugend-Horror“ bin ich immer sehr vorsichtig. Darren Shan hat mit seiner gleichnamigen Vampir-Reihe bewiesen, dass es durchaus gruselige Jugendbücher geben kann, die nicht zu brutal sind. Mit seiner „Demonata“-Serie allerdings griff er für meinen Geschmack zu sehr in den Splatter-Topf. Und das, obwohl auch diese Bücher auf Kinder und Jugendliche abzielen.

Wie hoch ist also der „Splatter-Faktor“ im „Monstrumologen“? Sehr hoch! Zu hoch! Auch wenn der Roman den „Michael L. Printz Award“ für „Excellence in young adult literature“ gewonnen hat, würde ich diese Geschichte keinem angehenden Teenager guten Gewissens empfehlen. Vielleicht bin ich aber auch nicht abgestumpft genug, weil ich die „Saw“-Filme widerlich finde. Der Verlag empfiehlt das Buch Lesern ab 14 Jahren, ich würde noch ein paar Jahre draufpacken, auch wenn einer der Protagonisten noch ein Junge ist.

Die Monster, auf die hier Jagd gemacht wird, sind kopflos, haben jede Menge Zähne (auf Bauchhöhe) und Augen in den Schultern. Diese „Anthropophagen“ stammen ursprünglich aus Afrika und sind keineswegs Zombies, sondern ziehen sogar ihre eigenen Kinder groß. Und wenn sie nicht die Bewohner der näheren Umgebung abschlachten würden, dann würde der Hörer direkt Mitleid für diese Kreaturen empfinden, die hier gejagt und getötet werden. Denn eigentlich wollen sie auch nur leben, genau wie die Menschen, die auf sie Jagd machen.

Schade ist, dass sich die gesamte Geschichte auch mehr oder weniger nur um die Jagd auf eine einzige Monsterart dreht, aber vielleicht gibt es pro Band der Serie jeweils eine neue Gattung, die es zu töten gilt.

Am bedauerlichsten ist allerdings, dass der Autor oftmals zu sehr auf Schock setzt, anstatt dem Hörer eine spannende Geschichte zu servieren. So beschreibt er immer wieder viel zu detailliert, wo ein Hinweis ausgereicht hätte, um das Kopfkino des Publikums in Gang zu setzen. Das wird schon am Anfang deutlich, als der Monstrumologe die Autopsie an einer jungen Frau durchführt, in die sich ein Monster verbissen hat. Absolut kein Stoff für ein Jugendbuch.

Das Hörerlebnis:

Außer der Einführungsmusik, während welcher der Sprecher vorgestellt wird, gibt es keinerlei Hintergrunduntermalung. Relativ zügig fängt der Sprecher an, die widerliche Autopsie an der jungen Frau zu beschreiben. Und als wäre die Szene noch nicht abstoßend genug, liest Christoph Wortberg immer abwechselnd in furiosem Stakkato und leiser Zurückhaltung, sodass es beim Hörer ein zusätzlich unangenehmes Gefühl hinterlässt.

Die Charaktere des Buches sind nicht einnehmend beschreiben. Es baut sich keine Beziehung zu ihnen auf, nicht einmal zu dem bedauernswerten Will Henry, der einfach nur ein armes Kind ist. Diesen liest Wortberg zwar passend, sehr schüchtern und leise, um dann im nächsten Moment dem Hörer aber als Monstrumologe ins Ohr zu brüllen. Teilweise überträgt er die Manie des Monstrumologen auch auf die Stellen, in denen nicht gesprochen wird, sodass die Trennung zwischen wörtlicher Rede und Szenenbeschreibung nicht immer leichtfällt.

Außerdem stellt der Sprecher die einzelnen Charaktere fast ausschließlich durch verschiedene Lautstärken dar, weniger durch das Verstellen der Stimme. Das macht die Unterscheidung der verschiedenen Charaktere nicht so leicht wie bei anderen Sprechern.

Der Sprecher:

Christoph Wortberg erlangte erste Bekanntheit in der Rolle des Frank Dressler in der ARD-Serie „Lindenstraße“. Seither wirkte er in zahlreichen Theater- und TV-Produktionen mit. Er lebt als Schauspieler und Autor in Köln und schreibt Drehbücher und Romane.(Verlagsinfo)

Die Ausstattung:

Die Aufmachung dieser Lesung ist |Lübbe|-typisch ansprechend gestaltet: eine aufklappbare Pappbox mit Einschüben, in denen die sechs CDs stecken, alles komplett in schwarz gehalten.

Auf den Einschubtaschen gibt es Informationen zu Autor und Sprecher sowie eine weiße Zeichnung einer halben Wirbelsäule. Auch auf den CDs sind unterschiedliche gezeichnete Motive in weißer Farbe zu finden. Eine Knochenschere, ein Stethoskop, eine Knochensäge und weitere medizinische Werkzeuge sind hier zu sehen.

Das Cover ziert das gezeichnete Motiv, das auch auf dem Buch zu finden ist. Der einzige Farbklecks befindet sich auf einem Tisch … es ist ein Blutfleck, was nicht verwundert. Sowohl das Titelmotiv als auch der Klappentext suggerieren, dass es sich hier zwar um eine gruselige Geschichte handelt, die aber doch für angehende Jugendliche passend ist.

Aufgrund der aufgedruckten Infos vermisst man hier auch das Booklet nicht. Die Tracks auf den CDs sind zwischen drei und sieben Minuten lang, was eine angenehme Dauer ist, wenn man mal zwischendurch aufhören möchte oder muss. So findet der Hörer wieder schnell an die verlassene Stelle zurück.

Die Serie:

Der zweite Teil der „Monstrumologist“-Serie erschien am 12. Oktober 2010 unter dem Titel „The Curse of the Wendigo“ als englische Originalausgabe. Wann und ob dieser Teil auch auf Deutsch veröffentlicht wird, hängt wohl vom Erfolg und den Verkaufszahlen des „Monstrumologen“ ab. (Nachtrag vom 24.06.2015: Die Folgebände sind tatsächlich auf Deutsch als Buch erschienen, ein weiteres Hörbuch gabs allerdings nicht.)

Mein Fazit:

Nichts für schwache Nerven und nichts für Kinder! Wer das Risiko von Alpträumen nicht scheut, der kann mit dem Monstrumologen auf Monsterjagd gehen. Wer aber wenig für Splatter übrig hat, der sollte diese Geschichte besser meiden. Der Sprecher passt mit seiner Interpretation der Charaktere zum Buch, was nicht wirklich ein Kompliment ist, sondern eine konstante Unruhe bei mir auslöste, die nichts mit der Geschichte selber zu tun hatte.

Gekürzte Lesung auf 6 Audio-CDs
Gesamtspielzeit: 457 Minuten, aufgeteilt auf 81 Tracks
Originaltitel: The Monstrumologist (2009)
ISBN-13: 978-3785743980
www.luebbe-audio.de

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)