Archiv der Kategorie: Rezensionen

Reginald Hill – Der Schrei des Eisvogels

In einem englischen Provinzweiler verschwindet der verhasste Dorfpolizist spurlos. Detective Superintendent Andrew Dalziel und sein Team stoßen in ein Wespennest: In Enscombe geht es unter der trügerisch beschaulichen Oberfläche krimineller zu als in mancher Großstadt … – Der Plot ist vertrackt und eingebunden in das Ambiente des ehrwürdigen Landhaus-Krimis, dessen harmoniesüchtig-naive Verlogenheit gleichzeitig genutzt und parodiert wird und sorgt für ein wunderbares Spiel mit verkrusteten Regeln des Kriminalromans: Band 15 der großartigen Dalziel/Pascoe-Serie ist einer der besten.
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Carey, Jacqueline – Kushiel\’s Dart

Es gibt wohl kaum überlaufenere Genres als Fantasy und historische Romane aller Art. Als Jungautor muss man gegen den heiligen Gral – sprich das Konzept des Herrn der Ringe – und allerlei AD&D und Standardfantasy antreten, das Mittelalter diente schon als Rahmen für zahllose historische Romane, so dass man sich schon einiges einfallen lassen muss, will man nicht in diesem Einheitsbrei untergehen.

Jacqueline Carey ist eine weitgehend unbekannte Autorin, die Kushiel-Trilogie ist ihr erster Romanzyklus. Die 1964 geborene Autorin hat einen Abschluss in Psychologie und englischer Literatur und hat von Finnland bis nach Ägypten im Rahmen ihrer kunsthistorischen Forschungen schon viele Länder bereist. Ihre ersten Sachbücher trugen die Titel „Angels: Celestial Spirits in Legend and Art“ und „Emerald Magic: Great Tales of Irish Fantasy“. Bemerkenswert insofern, als dass ihre gesammelten Erkenntnisse in die Kushiel-Trilogie einflossen und diese weitgehend prägten.

Altbekannt und gewissermaßen das Fantasy-Standardrezept: Man rühre eine gleiche Menge Elfenohr mit Zwergenbart in einer Hobbit-Fußpilzsoße und verfeinere mit einigen Schwertstreichen Orkgeschnetzeltem und einer fein abgeschmeckten Prise Magie – Voilà, damit hätte man schon die Grundlagen eines Fantasyromans.

Jacqueline Careys Rezept ist etwas schärfer gewürzt: Man nehme eine sadomachosistische Kurtisane und einen kampferprobten Klosterbruder, lasse Maria und Jesus ein Kind zeugen und dieses zum Stammvater eines Volkes werden, das in heidnischer Weise Halbgötter und gefallene Engel, Gefährten von Elua, dem Sohn von Jesus und Maria, anbetet. Das oberste Gebot Eluas wird dabei über alles gestellt: Die D’Angelines sind durch ihre halbgöttliche Abstammung Schönlinge sondergleichen und in der Liebe sehr freizügig, Prostitution und Homosexualität sowie alle Spielarten der Liebe sind akzeptiert und vollständig in die Gesellschaft integriert – „Liebet wie ihr wollt“…

In dieser Welt, die, wie man anhand der Landkarte im Einband feststellen kann, eine exakte Kopie Europas ist, liegt das halbgöttliche Terre D’Ange, das Land der Engel, an der Stelle Frankreichs. Italien heißt Caerdicca Unitas, Venedig La Serenissima und bemerkenswerterweise ist das Skaldia genannte Germanien noch so wild und barbarisch wie zu Zeiten der Römer. Ebenso herrscht in Ägypten – Menekhet – ganz unchronologisch noch ein Pharao, und Alba (England) befindet sich noch im düstersten Mittelalter.

In der Stadt Eluas, wir würden sie Paris nennen, beginnt die Geschichte der „Anguisette“ Phèdre nó Delaunay, die als unerwünschter Bastard einer ehemaligen Konkubine des „Court of Night-Blooming Flowers“ ihr Leben in der untersten sozialen Schicht eines der dreizehn Häuser des Night Court beginnt: Sie hat einen roten Fleck im linken Auge, etwas, das im auf absolute Schönheit achtenden Night Court ihr eine Karriere in Diensten Namaah’s als Hetäre (Edelhure) verbauen dürfte. Bis der Adelige Anafiel Delaunay sie kauft und in seinen Haushalt adoptiert. Er erkennt den roten Fleck in ihrem Auge als göttliches Zeichen, „Kushiel’s Dart“. Der Engel Kushiel war einst einer der Bestrafer Gottes, bis er verdammt wurde, weil er Elua folgte, seine Blutlinie genießt Schmerz und Strafe als Lust, als einzigen Weg zu Sühne und Erlösung. In Phèdre’s Fall geht das jedoch weit darüber hinaus: Als einzige lebende „Anguisette“ empfindet sie auch dann noch Lust, wo andere nur noch Schmerz empfinden würden. Delaunay erkennt als einer von wenigen ihren Wert und bildet sie in seinem Haushalt zur Spionin weiter. Phédre lernt, den Gesichtsausdruck und zahllose andere Anzeichen für Lüge oder Nervosität zu deuten, ihr Gedächtnis wird geschult, während Delaunay’s zweiter Schüler, Alcuin, eher im Entschlüsseln und Knacken von Codes Begabung zeigt, ist Phédre besonders sprachbegabt. Zu Delaunays Leidwesen auch im Davonlaufen, sie trifft sich in der Stadt öfters heimlich mit ihrem Jugendfreund, dem Tsingano (Zigeuner) Hyacinthe.

Sowohl Alcuin als auch Phèdre werden in den Dienst Namaah’s gestellt, als Konkubine Delaunays hat Phèdre bald einen sehr guten Ruf – als einzige lebende Anguisette zieht sie die entsprechende sadomachosistische Klientel an, was für Delaunay oft Grund höchster Sorge ist. Erfolgreicher in Sachen Bettgeflüster und Spionage ist Alcuin: Er findet heraus, dass Haus Trevalion die Ermordung der Dauphine Ysandre plant – der König hat sonst keine Nachkommen, und die Thronfolge würde auf Haus Trevalion übergehen. Dass Spionage ein gefährliches Spiel ist, zeigt sich, als Guy, der Hausdiener und Beschützer Delaunays, bei der Verteidigung Alcuins stirbt und dieser verwundet wird – ein hoher Preis für die wichtige Information.

Sein Nachfolger als Beschützer seiner Spione wird Joscelin Verreuil, ein Mönch der Cassilinischen Bruderschaft, die dem Engel Cassiel geweiht ist, dem einzigen Anhänger Eluas, der zölibatär ihm als der perfekte Gefährte zur Seite stand und sich zwischen den Zorn Gottes und Elua stellte. Die Bruderschaft stellt zudem die zwei traditionellen Leibwächter des Königs von Terre d’Ange, ihr Kampfstil ist geprägt von zwei Dolchen und Armschützern als einzige Rüstung und dem auf den Rücken geschnallten Schwert, das nur gezogen werden darf, wenn nicht mehr nur beschützt, sondern getötet werden muss, was jedoch in den Augen der Bruderschaft eine Sünde ist, die nur dann gerechtfertigt ist, wenn der Schutzbefohlene nicht anders gerettet werden kann. Das Verhältnis zwischen dem humorlosen und steifen Joscelin und Phèdre, deren Gelüste für ihn Zeichen der größten Verdammnis und Fehlleitung sind, ist von gegenseitiger Missachtung geprägt – Joscelin flucht über sein Schicksal, warum gerade er diese ihm sehr unangenehme Aufgabe übertragen bekam. Dennoch bleibt er dem Motto „dienen und beschützen“ treu, auch wenn es ihm unerträglich ist, die stets arg zerschundene Phèdre von ihren perversen Patronen nach Hause zu begleiten – vor allem, wenn sie dann noch recht zufrieden dreinblickt.

Dank der Informationen Delaunay’s kann das Komplott zerschlagen und die Verschwörer hingerichtet werden, jedoch entkommt Melisande Shahrizai. Diese ehemalige Geliebte Delaunays ist wie er mit allen Wassern gewaschen und kann mangels Beweisen nicht überführt werden. Es gelingt ihr auch, Phèdre gegen ihren Mentor zu benutzen, ohne dass diese es ahnt.

Sie gibt Phèdre ein großzügiges Geschenk, so wertvoll, dass sie ihre traditionelle Tätowierung als Dienerin Namaahs auf dem Rücken vollenden und damit auch Delaunay ihren Kaufpreis erstatten kann – womit sie nur noch auf freiwilliger Basis oder gar nicht mehr für ihn arbeiten müsste. Während Phèdre tätowiert wird, überfallen Söldner Delaunays Landsitz und töten ihn. Phèdre und Joscelin werden von Melisande abgefangen und in die Sklaverei nach Skaldia verkauft – als Geschenk für den skaldischen Kriegsherren Waldemar Selig. Nach und nach erkennt Phèdre, gefangen unter den Barbaren, die Pläne Melisandes. Erst jetzt wird ihr klar, dass sie es riskiert, Terre d’Ange in die Hände des unter den Skaldi beinahe als König verehrten Selig fallen zu lassen, nur um sich selbst an die Stelle der Königin zu setzen. Doch Selig spielt falsch: Er plant seine Mitverschwörer ebenfalls zu beseitigen. Haben die abtrünnigen D’Angelines erst einmal seiner Armee den Weg über die Pässe gewährt, hält er seine Truppen für zahlreich genug, um sowohl die Revoluzzer als auch die königliche Armee zu vernichten.

Phèdre plant jeden Tag auf ihre Flucht hin, während Joscelin hart unter seinem Sklavendasein leidet. Auf der Flucht lernen sie sich schätzen, nur durch Joscelins Geschick und Phèdres Raffinesse können sie den Skaldi entkommen und sich zurück in Terre d’Ange durch die Reihen der Verschwörer mit Hilfe von Phèdres altem Freund Hyacinthe schmuggeln. Leider haben sie keinen Beweis für ihre Anklagen gegenüber Melisande und für Seligs Plan, was ihre Situation erschwert – beide sind in Abwesenheit des Mordes an Delaunay schuldig gesprochen worden. Es gelingt ihnen dennoch, die mittlerweile zur Königin gewordenen Ysandre zu überzeugen.

Sie werden auf eine gefährliche Mission geschickt: Um die Verräter nicht zu warnen, und um militärisch stark genug zu sein, um sowohl die abtrünnigen als auch die Skaldi zu stoppen, werden Phèdre und Joscelin in geheimer Mission nach Alba geschickt. Sie sollen den Cruarch (König) von Alba dazu bewegen, Ysandre und Terre d’Ange beizustehen – was kein Problem sein sollte: Er ist der heimliche Verlobte von Ysandre. Leider stehen dem Plan zwei Dinge im Weg. Erstens ist Drustan im eigenen Land in einen Bürgerkrieg verwickelt und derzeit im Exil in Eire (Irland), und würde selbst dringend die Hilfe der gar nicht so bereitwilligen Iren benötigen, um sein eigenes Land zurück zu erobern. Zweitens gestattet der Master of the Straits, ein Wesen, das über Wind und Wetter im Kanal zwischen Alba und Terre D’Ange gebietet, keinem Schiff mehr die Passage.

Natürlich gelingt es Drustan, seine Krone zurück zu erobern, und auch der Master of the Straits kann mit einem großen Opfer besänftigt werden – hierzu verrate ich aber nichts Näheres. Bei Troyes-le-Mont kommt es zum Gefecht, doch selbst mit der Hilfe Albas sind die Heerscharen der Skaldi den durch Verrat geschwächten D’Angelines noch überlegen. Erst Phèdres Raffinesse verhilft Königin Ysandre zum Sieg – die Skaldi werden geschlagen, die Hochverräterin Melisande verhaftet. Phèdres und Joscelins Ehre wird offiziell wiederhergestellt und ihr Name wird nicht mehr nur wegen ihres berüchtigten Rufes als Anguisette geehrt. Als Heldin des Reiches wird sie zur Comtesse de Montrève ernannt und zur engsten Vertrauten der Königin.

Mehr historischer Roman denn Fantasy – die einzigen Fantasy-Elemente in „Kushiel’s Dart“ stellen die Geschichte um den Master of the Straits dar, die in den Folgebänden an Gewicht gewinnen wird, sowie die für Terre d’Ange erfundene Kultur und Religion. Dabei kann Carey gewaltig punkten: „Angels: Celestial Spirits in Legend and Art“ und „Emerald Magic: Great Tales of Irish Fantasy“ waren Inspiration und Quelle hierfür, genauso wie ihre Reisen durch ganz Europa. Die Namensgebung ist eng an den Ort gebunden, die germanischen Namen sowie die französischen Namen sind zwar arg kompliziert, aber stimmig, ebenso wie die in Folgebänden aus Afrika und Persien stammenden.

Carey achtet sehr auf die unterschiedlichen Mentalitäten der verschiedenen Völker und beschreibt Charakter und Aussehen aller Personen sehr detailliert – dafür werden Gebäude und Landschaften bis auf Ausnahmen wie die winterliche Wildnis Skaldias oft nur zweitrangig beschrieben. Sprachlich schreibt sie in der oberen Liga, ohne einen Guy Gavriel Kay zu erreichen, was aber auch nicht nötig ist. Im Gegenteil, ihr schlichterer Stil gefällt mir sehr gut. Zu Anfang des Buches im Night Court erschlägt und verschreckt sie jedoch mit einer übertrieben blumigen Sprache voller, später nicht mehr auftauchender, geschwollener Satzkonstruktionen, die durch die Wahl exotischen Vokabulars wohl sogar gebürtige Engländer fordern dürfte – wer dieses Buch wirklich genießen möchte, sollte Englisch fließend und ohne Hilfe eines Wörterbuches lesen können. Definitiv nichts für ungeübte Leser, auch wenn nur das erste Drittel wirklich kompliziert ist.

Ein interessanter Kniff ist es, die Heldin Phèdre selbst ihre Geschicht erzählen zu lassen. Sie ist eine sehr sympathische Person; da sie den Leser stets an ihren Gedanken teilnehmen lässt, kann man einfach nicht anders, als sie zu mögen – auch wenn ihre sexuellen Vorlieben starker Tobak sind. Hier hatte ich auf etwas Erotik gehofft – Carey versteht es aber, durch die harten, sadomachosistischen Sexszenen den Leser zu verblüffen und zu verwundern. Joscelin darf hier ein wenig die Rolle des Lesers übernehmen und sich an seiner Stelle über Phèdre ärgern und wundern. Ein recht gelungener Kniff – zumal die anfangs nur Verwunderung bis Bestürzung hervorrufenden Folterszenen in den Folgebänden der Trilogie an religiöser Bedeutung und Sinn gewinnen, in diesem Buch selbst sind sie nur ein ziemlich gewagter Aspekt des Charakters Phèdre, den sie prinzipiell nicht nötig hätte. Phèdre ist ein wenig an die klassische Phaedra oder die Phèdre Jean Racines angelegt, ihre Gefährten ereilt meist ein tödliches Schicksal… Ihr Schicksal ist eng mit Leid und Tragik verbunden, das selbst ihr als Anguisette einiges abverlangt.

Fantasyfreunde kommen hier arg zu kurz – Spionagethriller und historischer Abenteuerroman, gemischt mit einer eigenwilligen und interessanten Religion nebst dazu passender Kultur, das beschreibt den Roman am besten. Allein alle dreizehn Häuser des Nightcourt sowie ihre besonderen Disziplinen – von den Mystikern Haus Gentians bis zu den eher weltlichen Buchhaltern Haus Bryonys – aufzuzählen, nebst allen Gefährten und Engeln Eluas in Terra d’Ange, würde hier zu weit führen.

Das Schöne ist, „Kushiel’s Dart“ ist in sich abgeschlossen – einzig das einleitende erste Drittel, in dem lange nichts wirklich für die Handlung Wichtiges passiert, deutet darauf hin, dass noch zwei volle Bände einer Trilogie darauf aufbauen werden. Recht clever gemacht – doch der Roman war in den USA ein Erfolg und einer Komplettierung der Trilogie stand nichts mehr im Wege.

Ich kann die Trilogie empfehlen, und zwar für jedermann – dies ist keineswegs ein Frauenroman. Der dritte Band ist geradezu genial und kombiniert die Stärken des an einen Krimi erinnernden zweiten Bandes (der für mich leider etwas langatmig und enttäuschend war) mit einer sehr interessanten Suche nach dem wahren Namen Gottes, die mich ein wenig an eine anspruchsvollere Version von Indiana Jones‘ Suche nach dem heiligen Gral erinnerte. Auch Phèdres persönliche Nemesis und Hassliebe Melisande ist nicht totzukriegen und in beiden Folgebänden wieder mit von der Partie, was man am Ende des ersten Bandes nicht mehr erwartet hätte.

Ein Wort zur deutschen Ausgabe von Knaur: „Kushiel’s Dart“ wurde gedrittelt, die sehr schönen und passenden Titelbilder (der 2. Band der Trilogie zeigt exakt die Tätowierung auf Phèdres Rücken sowie genau das passende Kleid mit dazugehörigen Schleier in der richtigen Farbe z.B.) wurden durch süßliche Bildchen ersetzt, der Titel „Die Geheimnisse des Nachtpalais“ suggeriert auch wohl eher etwas anderes als Phèdres eher harte Leidenschaften und dürfte die falsche Zielgruppe ansprechen bzw. die passende verschrecken. Die Teilung selbst ist tödlich – Eine Einleitung, ein Mittelteil ohne Vorgeschichte und Schluss und dann das Finale als separates Buch? Das geht selten gut, hier ist es tödlich. Da das Buch sich sehr komplexer Sprache bedient, ist die Übersetzung wohl ähnlich wie bei Guy Gavriel Kay leider wirklich nur ein Kompromiss und ganz klar zweite Wahl.

Jacqueline Carey plant weitere Romane in Terre d’Ange, allerdings mit anderen Hauptfiguren. Man darf gespannt sein.

Die Trilogie im Überblick:

Kushiel’s Dart (ISBN 0-765-34298-7)
Kushiel’s Chosen (ISBN 0-312-87239-9)
Kushiel’s Avatar (ISBN 0-765-34753-9)

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Empfehlenswerte Fanseite:
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Frances Sherwood – Die Schneiderin von Prag oder Das Buch des Glanzes

Die jüdische Gemeinde in Prag wird 1601 von der katholischen Kirche und Kaiser Rudolf II. bedroht. In ihrer Not erschaffen sich die Juden aus Lehm einen Golem, der sie beschützen soll. Der künstliche Mensch entwickelt Geist und Gefühle, die von einer jungen Frau erwidert werden … – Historischer Roman, der die Golem-Sage um den Rabbi Löw variiert. Die Verfasserin erzählt mit Schwung und angenehmer ironischer Distanz diese Geschichte, ohne sich in der bloßen Rekonstruktion der frühneuzeitlichen Welt zu verlieren. Der historischen Handlung eingeflochten wird eine Liebesgeschichte, die allerdings diese Tugenden vernachlässigt und in Herz-Schmerz-Klischees abrutscht, was den ansonsten positiven Eindruck verwässert.
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Winkler, Dieter – magische Reich, Das (Wolfgang Hohlbeins Enwor – Neue Abenteuer 1)

Mit „Das magische Reich“ hat Piper eine weitere Fortsetzung zu Wolfgang Hohlbeins Enwor-Zyklus veröffentlicht. Die Enwor-Welt ist ein gemeinsames Kind von Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler, wobei die eigentliche Schreibarbeit bisher hauptsächlich von Herrn Hohlbein geleistet wurde. „Das magische Reich“ ist der erste Band aus Herrn Winklers Feder.

Der junge Daart ist zusammen mit seiner Partnerin Carnac auf dem Weg nach Irapûano. Offiziell befinden sie sich auf ihrer Erweckungsreise, aber nebenbei haben sie auch noch einen dringlichen Auftrag: die Essenz des Lebens zu besorgen. Obwohl sie beide noch nicht geweiht sind, tragen sie echte Sternenstahlschwerter, ein Zeichen, wie dringlich die Mission ist. Denn Enwor droht im Chaos zu versinken, und die Satai verlieren mehr und mehr die Kontrolle.
Der Gnom, der die beiden unfertigen Krieger führen soll, scheint allerdings den Weg nicht zu kennen. Zusätzlich zu diesem Ärgernis sind sie kurz davor, in einen Schneesturm zu geraten. Dann stürzt Daart ab. Er überlebt, wacht aber zu seiner großen Überraschung mitten im Dschungel wieder auf. Der Führer ist noch da, offenbar an derselben Stelle abgestürzt, aber Carnac ist verschwunden. Daart macht sich auf die Suche und trifft dabei auf Irana, die von sich behauptet, zum Orden der Prophetinnen zu gehören. Ihre Anwesenheit an diesem Ort – und nicht nur die – wirft für Daart eine Menge Fragen auf, doch er kommt nicht dazu, sie zu stellen, denn sie werden angegriffen. Ihre halsbrecherische Flucht ist der Auftakt zu einem endlosen Verwirrspiel. Beide landen letztendlich in Nyingma, der Festung und Hauptstadt der Aralu, und in der Gewalt von Nubina, deren Herrscherin. Nubinas Macht beruht auf Schein und Täuschung, und schon bald weiß Daart nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Dabei kann er sich Zweifel überhaupt nicht leisten. Sein und Iranas Leben stehen auf dem Spiel und nebenbei auch noch das Schicksal von ganz Enwor, denn Nubina strebt nach Unsterblichkeit, nach der Essenz des Lebens, die sie durch Zelebrieren der Großen Zeremonie gewinnen will. Um jeden Preis müssen Daart und Irana die Durchführung dieser Zeremonie verhindern. Auf dem Weg dorthin begegnet Daart seinem schlimmsten Alptraum…

Der Hauptteil des Buches dreht sich um Daarts Kampf gegen Halluzinationen, Sinnestäuschungen und nicht greifbare Wahrnehmung. Nichts ist so, wie es scheint, alles wirkt verdreht, unwirklich und bizarr. Eine solche Welt lässt, zumindest bis zu einem gewissen Grad, etwas zu, was sonst nicht einmal in der Fantasy möglich wäre: das Aushebeln der Logik. Die Handlung ist vergleichbar mit einem Traum. Eine Person, die ursprünglich als Frau erschien, ist plötzlich ein Mann und dann wieder einen Frau; Tote leben wieder; Personen tauchen auf, sind plötzlich wieder verschwunden, um dann anderswo wieder aufzutauchen; und das alles nicht unbedingt in einem erkennbaren Zusammenhang. Das einzige, was von Anfang an klar ist, ist die Tatsache, dass den Sinnen an diesem Ort nicht zu trauen ist, am allerwenigsten den Augen. – Erzählt wird die Geschichte konsequent aus Daarts Sicht. Was mit den anderen geschieht, während sie voneinander getrennt sind, erfährt man also nicht. Man ist ganz auf die Sinne Daarts angewiesen, und Irana, die offenbar weiß, worum es bei all dem geht, beantwortet seine Fragen nur ausweichend und diffus. Dieser Umstand, zusammen mit der teilweise überstürzten Handlung, zwingt den Leser in dieselbe Verwirrung, die Daart empfindet. Das macht es ziemlich hautnah, allerdings bleibt durch eben diese aufgezwungene Verwirrung die Spannung auf der Strecke. Man ist als Leser viel zu sehr mit dem Versuch beschäftigt, Ordnung und einen gewissen Sinn in dieses Chaos zu bringen, um der Zuspitzung auf das Ende folgen zu können. – Für die Charaktere bleibt in diesem actionlastigen Wirrwarr nicht viel Raum. Daarts Person erhält als einzige ein wenig Profil durch die immer wieder einfließenden Erinnerungen, die sein Fühlen einigermaßen nachvollziehbar machen, andererseits geht durch sein verwirrtes Denkvermögen auch wieder einiges an Charakterzeichnung verloren. Von Nubina dagegen erfährt man überhaupt nichts, außer, dass sie offenbar größenwahnsinnig ist. Auch Harkon, der Führer und Gnom, bleibt ziemlich blass. Alle anderen vorkommenden Personen sind nur Randerscheinungen, wenn man so will eher Requisite als Darsteller.

So viel Freiheit ein Szenario wie das obige dem Autor auch bieten mag, es ist trotzdem nicht ganz ohne Tücken. Es besteht die Gefahr, dass der Autor selbst den Überblick verliert. Von einem Alptraum erwartet man nicht, dass er sich nach dem Aufwachen durch ein paar Antworten plötzlich erklären lässt, insofern spielt es keine Rolle, wenn man nicht erfährt, ob Nubin und Nubina nun eine oder zwei Personen waren. Aber manchmal gelten die Gesetze der Logik eben auch für einen Albtraum, und zwar dann, wenn das Geschehen nicht wirklich ein Traum ist, sondern nur albtraumähnliche Züge trägt. Die Grenzen zwischen Realität und Traum sind in „Das magische Reich“ größtenteils verwischt, das ist natürlich Absicht und im Großen und Ganzen auch gut gemacht. Aber es ist kein reiner Traum, wie sich am Ende herausstellt. Der Handlungsablauf muss sich also dem Anspruch stellen, in sich schlüssig zu sein, und das ist er nicht immer. Dass zum Beispiel jemand, der gemäß seiner eigenen Aussage die Kunst der Illusion selbst nur sehr unvollkommen beherrscht, tatsächlich in der Lage sein soll, einen Meister dieser Kunst damit zu täuschen, wie Irana es tat, kommt mir irgendwie unwahrscheinlich vor. Nun, dafür könnte man vielleicht eine Erklärung konstruieren. Ein zweiter Punkt ist, dass Zar`Toran, ein Magier, den Daart aus seiner Kindheit kennt, plötzlich wieder auftaucht, obwohl er eigentlich tot sein sollte. Vielleicht liegt der Schlüssel dazu im vorhergehenden Band. Der dritte und störendste Punkt aber ist die Frage: wozu eigentlich dieses ganze Theater? Laut Iranas Aussage dient alles, was Nubina mit Daart anstellt, nur dazu, seinen Willen zu brechen, um Informationen preis zu geben, die er nicht verraten darf. Tatsächlich will Nubina aber etwas ganz anderes von Daart, nämlich, dass er Irana für sie tötet, die eine Bedrohung für sie darstellt. Warum braucht sie Daart dafür? Sie hätte Irana mehrfach selbst ausschalten können und Daart gleich dazu, oder das von ihren Kriegern erledigen lassen können. Diese Tatsache lässt die gesamte Handlung aufgebläht, umständlich und überflüssig erscheinen, etwas, das ich auch schon bei anderen Hohlbein-Büchern festgestellt habe, und es wäre gut, wenn zumindest im nächsten Band dem Autor gute Gründe dafür einfallen. – Abgesehen von all dem muss ich sagen, irgendwie habe ich den Eindruck, dass einige Ideen auf fremdem Mist gewachsen sind. Dass die Landkarte von Enwor der des nordamerikanischen Kontinents verblüffend ähnelt, ist dabei das Geringste, sowas kennen wir bereits von Xanth. Gleichzeitig klingt aber der Name des Magiers Zar`Toran doch sehr nach Kal`Torak, dem finsteren Gott aus Eddings Elenium-Saga, und auch die Opferriten erinnern daran, auch wenn das Feuer hier einen stärkeren Einfluss hat als bei Eddings. Der Gezeitenwurm ist mir, wie ich meine, ebenfalls schon mal irgendwo begegnet.

Sprachlich gesehen ist das Buch ziemlich leicht zu lesen, wobei sich Winklers Sprach- und Erzählstil nicht sehr von Hohlbeins unterscheidet. Er schreibt etwas straffer und temporeicher, aber größere Unterschiede gibt es nicht, auch nicht in der Gewichtung von Handlung zu Personendarstellung. Negativ ist mir aufgefallen, dass es an manchen Stellen holpert. Häufig tauchen dieselben Formulierungen auf, Wörter kommen im selben Satz zweimal an unterschiedlichen Stellen vor, obwohl einmal genügen würde, und mancher Druckfehler macht durch fehlende Umlautpunkte aus einem Konjunktiv einen Indikativ. Ansonsten liest es sich flüssig.
Der Enwor-Zyklus umfasst insgesamt zwölf Bände, von denen ich allerdings nur den Neuesten gelesen habe. Normalerweise steigt niemand so weit hinten in einen solchen Zyklus ein – dass ich es getan habe, war reine Unwissenheit – , deshalb wurde verständlicherweise auf die Erklärung von Spezialwörtern der Enwor-Welt verzichtet, was es anfangs etwas mühsam machte. Auch einiges Vorwissen aus den vorigen Bänden fehlte mir, das für die Handlung an sich zwar nicht unabdingbar ist, aber im Hinblick auf das Gesamtbild der Enwor-Welt erwies sich dieser Mangel doch als Handikap. Ich empfehle deshalb jedem, der sich für diesen Zyklus interessiert, vorne anzufangen. Die ersten zehn Bände erzählen offenbar die Geschichte eines anderen Satai namens Skar, dessen Name auch in diesem Band genannt wird, der aber selbst nicht wirklich vorkommt. Mit Band Elf beginnt dann die Geschichte von Daart, die wohl auch Einzelheiten zu dem enthält, was man im neuesten Band durch seine Erinnerungen erfährt. Vielleicht vertieft das auch nochmal die Charakterzeichnung der Protagonisten, die mir bisher bei allen Hohlbein-Büchern – auch den in Kooperation geschriebenen – immer arg zu kurz gekommen ist, selbst wenn das Geschehen nicht so actionreich und hektisch war wie in „Das magische Reich“.

Für mich bedeutet diese zuletzt genannte Oberflächlichkeit in der Charakterzeichnung zusammen mit dem Punkt der grundlos umständlichen und damit unrealistischen Handlungsführung das k.o.-Kriterium für weitere Winkler- und Hohlbein-Bücher, obwohl in diesem Fall die Grundidee, die Verwirrung und Zerstörung der objektiven Wahrnehmung durch Illusion und Drogen und der dadurch bewirkte geistige Zusammenbruch eines Menschen ein durchaus interessantes Thema wären. Und da dieser Band mit seiner ausgefallenen Handlung wohl auch nicht repräsentativ für den restlichen Zyklus stehen dürfte, werde ich diesen nicht nachlesen. Pure Action liegt mir einfach nicht.

http://www.hohlbein.de/
http://www.dieter-winkler.de/

Simon Scarrow – Im Zeichen des Adlers

Das geschieht:

Für Gaius Julius Cäsar endete der Britannien-Feldzug des Jahres 54 v. Chr. mit einer doppelten Niederlage. Der spätere Herrscher des Römischen Imperiums wurde von den Inselbewohnern vertrieben. Im Tumult blieb eine riesige Truhe mit geraubten Schätzen zurück; sie konnte im letzten Augenblick versteckt werden.

Knapp einhundert Jahre später plant Imperator Claudius eine neue Invasion Britanniens. Außerpolitischer Erfolg tut Not, denn der Herrscher ist unbeliebt. Truppen werden in Gang gesetzt. Darunter befindet sich auch die in der germanischen Provinz stationierte Zweite Legion, genannt „Augusta“: fünfeinhalbtausend Männer, die zu den besten Soldaten des Reiches gehören. Simon Scarrow – Im Zeichen des Adlers weiterlesen

Greg Iles – Infernal

Das geschieht:

Ihre Fotografien von den Schlachtfeldern dieser Welt haben sie berühmt gemacht. Doch nun ist Jordan Glass ausgebrannt. Sie begibt sich auf eine Reise nach Asien – und gerät in Hongkong vom Regen in die Traufe: In einem Kunstmuseum findet sie eine unheimliche Ausstellung. Der anonyme, hoch talentierte Maler bildet Frauen ab: nackt, schlafend – oder sogar tot? Jordans faszinierte Abscheu verwandelt sich in Schrecken, als sie in einem der ‚Modelle‘ ihre Zwillingsschwester Jane erkennt. Die ist vor einem Jahr in New Orleans während eines Jogginglaufes spurlos verschwunden. Das FBI kennt noch mehr dieser Fälle, denen eines gemeinsam ist: Eine Lösegeldforderung wurde nicht gestellt, eine Leiche nie gefunden.

Können nun die Ermittlungen wieder aufgenommen werden? Die Behörden sind willig aber auch ratlos. Kein Mensch hat den Künstler bisher gesehen. Auf eigene Faust beginnt Jordan nach ihm zu fahnden. In New York kann sie seinen Galeristen ausfindig machen. Auch dieser Christopher Wingate behauptet jedoch, seinen Auftraggeber nicht zu kennen, und bedroht die lästige Jordan, die ihm ein lukratives Geschäft zerstören kann. Doch plötzlich geht die Galerie in Flammen auf, denen nur Jordan entkommt. Der unheimliche Maler ist wohl näher als gedacht und schützt sich rigoros davor, enthüllt zu werden. Greg Iles – Infernal weiterlesen

Umberto Eco – Das Foucaultsche Pendel

Umberto Eco (*05.01.1932), piemontesischer Professor der Semiotik, dürfte den meisten Lesern durch „Baudolino“ und „Der Name der Rose“ bekannt sein. Letzteres wurde bereits mit Sir Sean Connery, F. Murray Abraham und Christian Slater verfilmt, mit etwas anders gesetzten Schwerpunkten.

„Das Foucaultsche Pendel“ hat ebenfalls einen Bezug zum Mittelalter, allerdings ist es anders aufgebaut: Ein vermeintlicher Geheimplan zur Weltbeherrschung der Tempelritter wird hier von drei Mailänder Verlagslektoren in den Siebzigerjahren aufgedeckt – und nahezu alle bekannten Verschwörungstheorien in diesen ominösen, großen Geheimplan eingewoben.

Die Handlung

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Hill, Reginald – dunkle Lady meint es ernst, Die

Nicht von ungefähr kam Eileen Chung, die exzentrische Regisseurin am Kemble-Theater zu Mid-Yorkshire im Norden Englands, auf die Idee, in dem von ihr geplanten mittelalterlichen Mysterienspiel die Rolle Gottes mit Detective Superintendent Andrew Dalziel zu besetzen. Als solcher sieht sich der eigenwillige Chef der Kriminalpolizei selbst nicht ungern. Sein gewaltiges Ego, übertroffen nur vom Leibesumfang, und seine kaum vorhandenen Manieren werden vom Mid-Yorker Stadtklüngel und den eigenen Kollegen geduldet bzw. ertragen, weil Dalziel ein fabelhafter Polizist mit erstaunlicher Aufklärungsquote ist.

Dieses Mal hat er den Vogel abgeschossen. In schlafloser Nacht schaut Dalziel hinaus in die Nacht – und erkennt, dass sich im Nachbarhaus ein Drama abspielt. Unerschrocken eilt er hinüber und stellt den Bauunternehmer Philip Swain, der mit rauchendem Revolver über der Leiche seiner Gattin Gail steht. Ebenfalls anwesend: Hausherr Gregory Waterson, der sich als Liebhaber der Verstorbenen entpuppt.

Noch am Ort des Geschehens nimmt Dalziel Swain fest. Der Fall scheint klar, obwohl der Unternehmer leugnet. Seine Frau sei depressiv gewesen und habe Selbstmord begangen, so seine Aussage. Dumm für Dalziel, dass Waterson dies bestätigt. Der Superintendent rückt nicht von seiner Mordtheorie ab, nach der beide Männer sich abgesprochen haben. Aussage steht gegen Aussage. Selbst in Inspector Peter Pascoe, Dalziels rechte Hand und Freund, und dem treuen Sergeanten Wield steigen leise Zweifel auf. Steigert sich ihr Chef dieses Mal in eine fixe Idee hinein, die sogar ihn zu Fall bringen könnte?

Nebenbei beunruhigen auch die Briefe der „dunklen Lady“, einer Bürgerin von Mid- Yorkshire, die Dalziel anonyme Briefe schickt, in denen sie ihren baldigen Selbstmord ankündigt. Das Mysterienspiel wird alle Beteiligten zusammenführen. Neben Dalziel als Gott soll Waterson als Luzifer auf die Bühne treten – ein Streich des Schicksals, der den Superintendent erst recht erbost und anstachelt, worunter seine Leute und der brandneue Parkplatz der Polizeiwache heftig zu leiden haben …

Gute Zeiten für die Freunde ebensolcher Kriminalromane: Der längeren Pause bis zum neuen Dalziel/Pascoe-Fall einerseits und dem offensichtlichen Erfolg des Duos beim deutschen Leser verdanken wir diesen schon älteren Band der Serie, der aus Gründen der Kontinuität – Buchkäufer sind scheue Gewohnheitstiere – eingeschoben wurde, bis neues Lesefutter erscheint. Das Alter ist bei einem Roman von Reginald Hill seit jeher kein qualitätsminderndes Handicap. Statt dessen darf man sich auf das Übliche, d. h. fein gesponnene Vergnügen eines kniffligen Plots mit zahllosen Haken und Ösen freuen, das vom Verfasser mit dem nötigen Ernst und trockenem Witz – Könner schaffen es, beides zu verknüpfen – dargeboten wird. (Die Übersetzung lässt es am Leben.)

Mid-Yorkshire ist auf den ersten und auch auf den zweiten Blick die typische Provinzstadt des englischen Landhaus-Krimis. Wir befinden uns in einer beschaulichen und überschaubaren kleinen Welt, bevölkert mit skurrilen oder exzentrischen Gestalten, die sich auch durch Mord & Totschlag nur marginal aus dem üblichen Trott werfen lassen. Doch so einfach strickt Hill seine Krimis nicht: Mid-Yorkshire ist eine moderne Schlangengrube, bevölkert von ehrgeizigen Politikern, skrupellosen Geschäftsmachern, korrupten Künstlern, die untereinander kräftig mauscheln und schieben.

Die Filzokratie wird von Hill mit viel Sarkasmus bloßgestellt. Dieses Mal werden die üblichen gesellschaftlichen Grenzen im großen Mysterienspiel aufgehoben. Hinter diversen Masken kommt allerlei Unerwartetes zum Vorschein: ein großartiges Vexierspiel doppelter und dreifacher Täuschungen, das Hill hier entwirft, ein würdiger Höhepunkt für einen wunderbaren Thriller, der mit einer unerwarteten, die eigentliche Aufklärung des Falles tragisch überschattenden Tragödie endet – kein angeklebter Buh!-Bätsch!-Der-war’s-doch- nicht-Schluss à la Jeffery Deaver, sondern die traurige Quintessenz einer bemerkenswerten Nebenhandlung.

„Chef der Kripo von Mid-Yorkshire; der Dicke, das Ekelpaket, das Genie vom CID“ – so stellt uns Reginald Hill Andrew Dalziel vor – sein aktueller Kriminalroman wird stilvoll von einer Liste der auftretenden Figuren eingeleitet: einer der vielen eleganten Scherze des belesenen Verfassers, der uns seine Geschichte als Freiluft-Schauspiel präsentiert, wie Eileen Chung es zu inszenieren gedenkt. Hill doppelt gern seine Handlung bzw. spiegelt sie spielerisch in diversen literarischen Formen und Vorbildern. So haben wir Dalziel bereits in einem früheren Leben als den sagenhaften Odysseus erlebt („Das Haus auf der Klippe“), während ein anderer Fall („Die rätselhaften Worte“) damit endet, dass ihn die Mordopfer im Jenseits klären. Der gegenwärtige Dalziel lehnt sich in Gestalt und Lebensart zudem eng an Shakespeares tragikomischen Falstaff an.

Dalziel balanciert haarscharf auf dem schmalen Grad zur Karikatur. Da ist es gut, dass uns Hill immer wieder daran erinnert: Der Dicke kultiviert sein Image als grobinanischer Bürgerschreck. Dahinter verbirgt sich ein hochintelligenter Skeptiker, der eingleisiges Denken sowie verkrustete Strukturen hasst, und ein komplexer, durchaus menschenfreundlicher, lebenslustiger Charakter. Um Dalziel wenigstens zeitweise aufs Glatteis zu führen, bedarf es schon eines besonderen Gegners. Hill findet ihn in Gestalt eines jämmerlichen Feiglings und Blenders, der indes kein Dummkopf ist und seinen unerbittlichen Verfolger immer wieder mit Finten und Hakenschlägen übertölpeln kann.

Für alle Fälle gibt es Peter Pascoe, den Hill deutlich „realistischer“ zeichnet. Er leistet die Fußarbeit, während Dalziel sich klugerweise auf gelegentliche Auftritte beschränkt, so dass sich seine Figur nicht abnutzen kann. Wenn wir hier lesen, dass Pascoe nach einer Zwangspause von drei Monaten zum Dienst zurückkehrt, so bezieht sich das auf frühere Ereignisse, die hierzulande bereits 1989 (!) in „Unter Tage“ geschildert wurden und sicherlich auch dem Hill-Fan nicht unbedingt präsent sind.

Sergeant Wield kämpft weiterhin mit den Konsequenzen seines „Outings“. Ein homosexueller Polizist in der englischen Provinz darf sich keinen Beförderungswünschen hingeben, um es vorsichtig auszudrücken. Die daraus entstehenden Konflikte sorgen in diesem und vielen weiteren Bänden der Dalziel/Pascoe-Serie für den Seifenoper-Anteil, der mindest ebenso wichtig wie die eigentliche Kriminalhandlung ist.

Die „dunkle Lady“, welche hier natürlich nicht enttarnt werden soll, ist in das eigentliche Geschehen nicht verwickelt, aber stets präsent, bis sie zu schlechter Letzt ihren dramatischen Auftritt hat. Sie lässt den Triumph der Gerechtigkeit schal werden, ohne dass dies einen Missklang in das ausgeklügelte Geschehen bringt – die Lady bringt es selbst auf den Punkt: „I think also that our bodies are in truth naked. We are only lightly covered with buttoned cloth; and beneath these pavements are shells, bones and silence“, zitiert sie aus „The Waves“ der ebenfalls unglücklich geendeten Dichterin Virginia Woolf (1882- 1941) – die letzten drei Wörter bilden übrigens den englischen Originaltitel von „Die dunkle Lady …“.

Reginald Hill wurde 1936 in Hartlepool im nordöstlichen England geboren, doch die Familie zog bald nach Cumbria um. Als Student ging Hill nach Oxford und wurde später Lehrer in Yorkshire. Hier arbeitete er an seinen schriftstellerischen Ambitionen und debütierte 1970 mit „A Clubbable Woman“ (dt. „Eine Gasse für den Tod“), gleichzeiitg der erste Auftritt von Andrew Dalziel und Peter Pascoe.

Diese Serie umfasst inzwischen zwanzig Episoden und wird weiterhin mit großem Erfolg fortgesetzt. Die BBC hat sich ihrer inzwischen angenommen; Warren Clarke and Colin Buchanan spielen unsere Helden im Fernsehen.

Die Abenteuer von Dalziel und Pascoe stellen nur eine Hälfte von Hills Werk dar. Der Schriftsteller ist fleißig und hat insgesamt mehr als 40 Bücher verfasst – längst nicht nur Krimis, sondern auch Historienromane und sogar Science-Fiction.
Einige Thriller erschienen unter den Pseudonymen Dick Morland, Charles Underhill und Patrick Ruell. („The Long Kill“ veröffentlichte der Bastei-Lübbe-Verlag als „Der lange Mord“ 1988 unter der Taschenbuch-Nr. 13152.)

Erstaunlich ist das trotz solcher Produktivität über die Jahrzehnte gehaltene Qualitätsniveau der Hill-Geschichten. Das schlägt sich unter anderem in einer wahren Flut von Preisen nieder. Für „Bones and Silence“ zeichnete die „Crime Writers‘ Association“ Hill mit dem begehrten „Gold Dagger Award“ für den besten Kriminalroman des Jahres 1990 aus. Fünf Jahre später folgte der „Diamond Dagger“ für seine Verdienste um das Genre.

Autorenhomepage: http://www.randomhouse.com/features/reghill/

Douglas Preston/Lincoln Child: Formula – Tunnel des Grauens [Special Agent Pendergast 3]

Der Zufall führt eine Archäologin, einen FBI-Agenten, einen Polizisten und einen Journalisten auf die Spur eines Serienmörders aus dem 19. Jahrhundert, der seine Opfer ihrer Wirbelsäulen-Nerven beraubt, um daraus ein lebensverlängerndes Elixier zu brauen; wie es aussieht, hat er damit Erfolg gehabt und nimmt 130 Jahre später sein unheilvolles Werk erneut auf … – Knallbunter, actionreicher, spannender und witziger Horror-Thriller mit Science Fiction-Elementen, der sein absurdes, im positiven Sinne altmodisches Garn so schwungvoll und handwerklich geschickt spinnt, dass darüber die absolute Bekanntheit jedes Thriller-Bausteins (fast) in Vergessenheit gerät. Douglas Preston/Lincoln Child: Formula – Tunnel des Grauens [Special Agent Pendergast 3] weiterlesen

Oliver Loffhagen und Co. – Animalize Vol. 28

“Es war überfällig, unumgänglich, lang ersehnt, unausweichlich und soooo schön!” Die “Animalze”-Crew freut sich im Editorial der 28. Ausgabe wie eine Horde Schneekönige. Recht haben sie. Denn das 46 Seiten starke Heft besitzt zwar eine nicht ganz soooo souveräne Themenmischung und schon gar kein galaktisch innovatives Layout, dafür stecken in den einzelnen Interviews aber jede Menge Herzblut und Information.

So lernen wir, dass John Bush von ANTHRAX den Traum hat, “ohne alles zu sterben”. Geld allein macht eben doch nicht glücklich. Ähnlich minimalistisch ist Quorthon von BATHORY eingestellt, der zu der Erkenntnis gekommen ist, kein Hifi-Freak zu sein und lieber seine alten Kassetten laufen lässt. Später erzählt Quorthon noch, was ihm in den Anfangszeiten von BATHORY alles so passierte: Etwa die Story von einem Plastiksack voller Friedhofserde, der zu ihm per Post kam. Später stellte sich heraus, dass auf der Erde sogar ein weiblicher Fan masturbiert hatte. Wird der Briefträger damals einen Spaß gehabt haben…! Ingo Appelt hat bei seinem Interview ganz andere Probleme zu lösen und verdaut noch seinen Rauswurf bei ProSieben. EXTRABREIT werden auf fünf Seiten ausgewälzt und bemerken, dass zu ihren großen Zeiten das Wort “Kult” eine Synonym für Scheiße war. Dagegen räsonieren HELLOWEEN auf ihren drei Seiten unter anderem über existierende oder eingebildete “Zweifler und Neider”. Außerdem erfahren wir, dass LORDI gern mal die Geisterbahn im Vergnügungspark gestalten würde. So weit, so abwechslungsreich. Die Interviews sind allesamt gut lesbar, wenn auch manchmal einen Tick zu lang. Jedoch merkt man den “Animalize”-Schreibern ihre lange Erfahrung an, die Hälfte der Redaktion arbeitet sowieso hauptberuflich bei vampster.de. Die Qualität setzt sich auch in den sechs Review-Seiten fort – sie lesen sich allesamt gut und sind anschaulich geschrieben. Allerdings fehlt mir gerade bei den Kritiken der Drang, eine Scheiß-Platte auch einmal richtig runterzuschreiben, fast alle Reviews enden mit Kauf- oder Ancheck-Empfehlungen. Hier fehlt die flotte Spritzigkeit, die ein Magazin wie etwa das “Cothurnus” zu einem echten Lesehammer macht.

Das größte Problem des “Animalize” liegt aber woanders: So schön die Texte sind und sich das Papier anfasst, so bieder ist das Layout beim Öffnen des Heftes. Ganze Doppelseiten voll textlicher Bleiwüsten schrecken definitiv ab – da will nur weiterlesen, wer die zugehörige Band auch wirklich mag. Außerdem gibt es noch viel zu oft grobe und “echte” Layoutschnitzer. Ein Beispiel: Eigentlich sind die Interviewer-Fragen immer gefettet, dafür erscheinen die Antworten in “Normal”-Schrift. Dumm wird es nur, wenn sich plötzlich beide Schriftarten vertauschen – Verwirrung pur. Ähnlich schlecht sind die Anfänge der Interviews zu finden, hier wären Schriftzüge der Bands als Hinweis ganz angebracht. Außerdem schweben einige der herausgehobenen Zitate zu sehr im luftleeren Raum, der Leser hat keine Ahnung was sie bedeuten sollen – kleine Untertitel würden hier Wunder wirken.

Dennoch ist das “Animalize” ein empfehlenswertes und ehrliches Magazin, zumal es auf Konzerten und in Clubs zum Teil sogar kostenlos verteilt wird. Inzwischen haben sich besonders auf der [Homepage]http://www.animalize.de einige echte Perlen versteckt. Unter anderem gibt es inzwischen Interviews aus vierzehn Jahren Heftgeschichte und einen unglaublichen “Animalize-Girls”-Wettbewerb voller Anmut, Grazie und Rock’n’Roll… harhar! Ergo: Auf die nächsten Ausgaben und ein bis dahin verbessertes Layout!

PS: Das Heft gibt es noch zu bestellen. Sendet einfach zwei Euro an:

Animalize
Oliver Loffhagen
Postfach 1217
23752 Oldenburg

Dan Brown – Sakrileg

Sakrileg (US-Titel: „The Da Vinci Code“) ist der neueste Thriller des durch „Illuminati“ bekannt gewordenen Autors Dan Brown. Wie bereits in seinem Bestseller spielt der Symbologie-Professor Robert Langdon die Hauptrolle. Er wird nichts ahnend von der französischen Polizei in den Louvre zitiert, der Museumsdirektor Jacques Saunière wurde dort ermordet aufgefunden.

Bevor dieser an einem Bauchschuss verstarb, konnte er einige merkwürdige Hinweise geben: So liegt er in seltsamer Pose nackt in einem aus Blut gezeichneten Kreis, ein Pentagramm ist auch vorhanden und folgendes seltsame Gedicht:

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Byers, Richard Lee – Zersetzung (Der Krieg der Spinnenkönigin 1)

Das Böse hat seine eigene Faszination. Besonders Rollenspieler lieben Schurken, die ein facettenreicheres Spiel erlauben als der ewig fromme und langweilige, ehrenwerte Paladin.

Mit den düsteren Drows oder Dunkelelfen hat der bekannte AD&D-Autor (Advanced Dungeons & Dragons, ein Rollenspielsystem) R.A. Salvatore die dunklen Brüder zu den klassischen Elfen geschaffen. Die übermäßig stolzen und arroganten Dunkelelfen lieben das Chaos, die Intrige und den Kampf – menschliche Gefühle wie Liebe, Dankbarkeit oder Mitleid sind ihnen völlig fremd. Ob mit Schwertern oder Magie – Drows sind unerbittliche und hinterlistige Gegner.

Im unterirdischen Reich der Drow sind Mord und Folter an der Tagesordnung. Wenn sich die Dunkelelfen nicht gerade auf einem Raubzug an die Oberfläche begeben, bekämpfen die Adelshäuser der mächtigsten und größten Stadt der Drows, Menzoberranzan, sich gegenseitig. Einzig die Priesterinnen der Spinnengöttin Lolth, die das Chaos verkörpert und die Gottheit der Drow ist, halten die Ordnung in dieser lebensfeindlichen Umgebung aufrecht. Besonders für Männer tödlich: In Menzoberranzan haben die Frauen das Sagen, und Männer stehen nur unwesentlich über Tiefengnomen und Grauzwergen sowie allen anderen minderwertigen Unterrassen.

Der wohl bekannteste Drow ist der aus der Art geschlagene Drizzt Do’Urden, dessen Lebensgeschichte man in Salvatores „Saga vom Dunkelelf“ nachlesen kann. Auch in diesem Fantasy-Klassiker stand die faszinierende Stadt Menzoberranzan im Mittelpunkt, die auch Ausgangsort der neuen sechsbändigen Reihe „Der Krieg der Spinnenkönigin“ ist. Allerdings diesmal nicht von Altmeister Salvatore: Jeder Band wurde von einem anderen Jungautoren geschrieben. Man kann davon ausgehen, dass damit auch ein gewisser Wettbewerb verbunden ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein oder zwei dieser Neulinge in Zukunft Salvatore beim Schreiben von Geschichten für die „Vergessenen Reiche“ unterstützen werden, wer weiß?

Die abgeschlossene Serie zeigt ein einschneidendes Ereignis in den Vergessenen Reichen aus Drow-Sicht: Die Göttin Lolth gewährt ihren Priesterinnen nicht mehr ihre Macht, erhört keine Gebete und offenbart sich ihnen nicht mehr. Ohne Lolths Gunst schwinden Macht und Einfluß der Priesterinnen, was zunächst verheimlicht werden kann. Doch bald erkennen immer mehr Feinde Menzoberranzans die prekäre Lage und machen sich auf, ihren Vorteil daraus zu ziehen. Auch die versklavten Kreaturen in den Elendsvierteln Menzoberranzans begehren auf, es kommt zur Revolte. Doch auch in dieser Lage halten die Drow nicht zusammen, einzelne Männer sehen gar den Zeitpunkt gekommen, das Matriarchat abzuschaffen, niedere Adelshäuser und ehrgeizige Drows die Chance, ihren der Magie beraubten Rivalen den Garaus zu machen…

„Der Krieg der Spinnenkönigin“ im Überblick:

Band 1: Zersetzung
Richard Lee Byers

Band 2: Empörung
Thomas M. Reid

Band 3: Verdammung
Richard Baker

Band 4: Zerstörung
Lisa Smedman

Band 5: Verheerung (November/Dezember 2004)
Philip Athans

Band 6: Auferstehung (Anfang 2005)
Mel Odom

Richard Lee Byers verschwendet keine Zeit, bereits auf den ersten Seiten werden die Fronten abgesteckt. Gromph Baenre, der Erzmagier von Menzoberranzan, streitet mit seiner Schwester Quenthel, der Herrin der Priesterinnen-Akademie Arach-Tinilith, um die Gunst ihrer Schwester Triel, die seit dem Tod der alten Baenre die Muttermatrone des mächtigsten Adelshauses der Stadt ist. Als einer der wenigen Eingeweihten weiß Gromph um die Misere der Priesterinnen und setzt einen Attentäter nach dem anderen auf Quenthel an, bis hin zu beschworenen Dämonen.

Quenthel selbst hat alle Hände voll zu tun mit ihren Priesterinnen, die den Glauben an Lolth und den Respekt vor ihrer Hohepriesterin verlieren, sie gar für die Misere verantwortlich machen. Die Botschafterin der Drowstadt Ched Nasads, Faeryl, wird derweil zu Unrecht bei Triel Baenre in Misskredit gebracht und fällt schließlich deren halbdämonischem Sohn Jeggred (für Insider: Jeggred ist ein Draegloth) in die Hände und wird auf grausamste Weise verhört.

Eher nebensächlich erscheint da die Aufgabe, die man dem Meistermagier Pharaun Mizzrym und dem Waffenmeister Ryld Argith übertragen hat: Sie sollen herausfinden, wohin sich eine beträchtliche Zahl männlicher Adeliger in letzter Zeit abgesetzt hat. Der für einen Drow ungewöhnlich gewitzte und respektlose Pharaun ist seinen weiblichen Artgenossen ein Dorn im Auge, während sein eher simpler Freund Ryld Argith im Unterreich seltene Charakterzüge aufweist: Der aus niedersten Verhältnisse stammende Ryld ist ihm gegenüber relativ treu und loyal – für einen Drow.

Das ungleiche Paar stolpert bei seinen Nachforschungen in ganz Menzoberranzan bald über die Wahrheit: Wie sie haben auch einige der verschwundenen Männer gemerkt, dass die Priesterinnen Lolths derzeit keine Magie wirken können. Diese planen mit Feinden der Stadt einen Umsturz – Ryld und Pharaun versuchen sich einzuschleichen, werden aber erkannt und geraten in höchste Gefahr. Der Aufstand beginnt, nach schweren Kämpfen und nur durch Pharauns Gewitzheit kann der Untergang der Stadt verhindert werden.

Triel Baenre ist beeindruckt von dieser Leistung und beschließt, den cleveren, aber aufsässigen Magier zusammen mit Ryld und dem Späher Valas Hune, von der berüchtigten Söldnertruppe Bregan D’Aerthe, auf eine Reise nach Ched Nasad zu schicken. Sie sollen prüfen, ob nur Menzoberranzan den Segen Lolths verloren hat, oder ob auch andere Dunkelelfenstädte davon betroffen sind, vor allem aber, wer sonst noch alles über die Schwäche der Drow weiß. Um ihre Interessen sicherzustellen schickt sie ihren kampfstarken Beschützer Jeggred sowie ihre Schwester Quenthel und die Botschafterin Ched Nasads, die rehabilitierte Faeryl, mit auf die Reise. Eine explosive Mischung, zu der ihr nicht ganz uneigennützig ihr Bruder Gromph geraten hat…

Richard Lee Byers wagt sich auf gefährliches Terrain: Die Charakterisierung eines Dunkelelfen endet bei faszinierten, aber weniger geübten Rollenspielern oft in einem eindimensional platten, bösartigen, schwertschwingenden oder zaubernden Ungeheuer. Für ein Buch eine Mischung, die gepflegte Langweile garantieren würde.

Doch er macht seine Sache nicht nur gut, er erweist sich als Kenner und Experte der Dunkelelfen-Welt. Die Autoren tauschten sich untereinander aus, wie man unschwer in den Dankesworten und Vorwörtern erkennen kann, so war z.B. Philip Athans, der Autor des fünften Bandes, bei den ersten vier Büchern Lektor. AD&D-konform hat sich Byers keinen einzigen Lapsus bei der Beschreibung magischer Fähigkeiten und sonstiger Charakteristiken der Drow geleistet. Im Gegenteil, Pharaun beim Zaubern zu erleben oder Ryld beim Kämpfen gefiel mir oft viel besser als die langsam öde werdende, immer relativ ähnliche und abgenutzte Kampf-Choreographie eines R.A. Salvatore. Einige Kämpfe weniger hätten dem Buch jedoch gut getan, denn glänzen kann Byers auch bei der Charakterisierung seiner Figuren: Die schwache neue Herrin der Stadt, Triel, die von der Krise völlig überfordert ist, ihr listiger Bruder und Berater Gromph sowie ihre besonders gemeine Schwester Quenthel als perfekte Verkörperung einer Hohepriesterin Lolths können gefallen.

Der eindeutige Star ist jedoch Pharaun: Der raffinierte und geistreiche Magier begeistert nicht nur mit seinen genialen magischen Zaubereinlagen. Seine schnippische Art und wie er sich dennoch stets den Zorn der meist höhergestellten weiblichen Opfer entziehen kann, sind einfach köstlich. Ryld ist ein ihn gut ergänzender Kompagnon, hier setzt aber auch meine Kritik an: Die beiden sind wirklich Freunde, etwas, das es bei Drows nicht geben dürfte. Zum Glück nicht so sehr, dass sie ihr Leben in ausweglosen Lagen für den anderen opfern würden, wie wir sehen werden… Aber dennoch, Ryld würde Pharaun nie zu seinem eigenen Vorteil drowtypisch in den Rücken fallen, etwas, das genauso unverständlich und grundlos ist wie ihre Freundschaft. Ich bin gespannt, wie sich das in den Folgenbänden entwickeln wird. Pharaun wird Ryld einmal in der Patsche sitzenlassen, ich bin gespannt, ob Ryld sich in Zukunft einmal revanchieren wird…

Das bunte Treiben mannigfaltiger Kreaturen auf den Basaren Menzoberranzans wird sehr gut eingefangen, exotischere Wesen als im Unterreich finden sich wohl nirgendwo anders in den Vergessenen Reichen. Für jeden Rollenspieler eine wahre Freude!

Nebenhandlungen wie die um Faeryl und den Auftritt Valas Hunes habe ich nur kurz beschrieben, auch habe ich nicht einmal annährend den ganzen Umfang der Verschwörungen in der Stadt angedeutet. Byers hat den verschlagenen Charakter der Drow, die sich selbst in höchster Gefahr noch gegenseitig übers Ohr hauen, einfach sehr gut eingefangen.

Von einem Jungautoren erwartet man nicht, dass er gleich ein tadellos lesbares Buch abliefert. Byers hat es geschafft. „Zersetzung“ hat keine Hänger, man wird immer gut unterhalten und möchte das Buch gar nicht aus der Hand legen. So etwas können selbst anerkannte Autoren nicht immer von sich behaupten. Natürlich kann er dabei vom faszinierenden Szenario der Drowstadt Menzoberranzan profitieren.

Ein weiterer Pluspunkt der Reihe ist die optisch ansprechende Gestaltung: Die Titelbilder zeigen meist Drow, deren weißes Haar im angenehmen Kontrast zu dem sonst blauschwarz/lila und dunkel gehaltenen Hintergrund steht. Sie sind allesamt sehr gut, vor allem passen sie perfekt zum Szenario, man erkennt oft einzelne Figuren aus dem betreffenden Roman wieder. Die Kapitel werden mit kruden drowischen Runen eingeleitet, die Absätze von kleinen Spinnensymbolen getrennt, der verschnörkelte Zeichensatz, der bei Kapitelüberschriften und auf dem Cover eingesetzt wird, trägt zum insgesamt vorzüglichen Erscheinungsbild bei.

Für die Übersetzung (Ralph Sander), Lektorat und Gestaltung zeichnen die Fantasy-Spezialisten von „Feder und Schwert“ verantwortlich, die im Gegensatz zu früheren Projekten hier ihr ganzes Können professionell in Szene setzen konnten. Nur ein paar Kleinigkeiten der Übersetzungen störten mich. Sogar eine Karte Menzoberranzans wurde nicht vergessen.

Alles in allem kann ich „Zersetzung“ Rollenspielern und Fans der Vergessenen Reiche nur empfehlen. Pharaun und Ryld genießen schon jetzt in Rollenspielerkreisen eine hohe Beliebtheit. Die Reihe ist bereits vollständig übersetzt und genau terminiert, der letzte Band erscheint im Oktober 2004. Neueinsteiger sollten vielleicht eher mit der „Saga vom Dunkelelf“ mit Drizzt Do’Urden beginnen, da Byers wie auch die anderen Autoren für Kenner schreibt und man ohne Vorkenntnisse schier erschlagen wird von unbekannten Details, vor allem dem doch recht eigenwilligen Wesen der Drowgesellschaft. Bleibt nur zu hoffen, dass die fünf anderen Autoren Byers‘ recht hohes Niveau halten können. Der letzte Tick fehlt ihm vielleicht noch, ich meine aber, hier wächst den Vergessenen Reichen ein würdiger möglicher Partner oder Nachfolger Salvatores heran.

Feder & Schwert:
http://www.feder-und-schwert.com/

Gemmell, David – Wolf in Shadow (Stones of Power)

Jon Shannow ist ein hochgewachsener Mann mit langem, schwarzem Haar und Kinnbart, der erste silbergraue Stellen zeigt. Bevorzugt gehüllt in schwarze Kleidung, schwarzen Mantel, schwarzen Hut, reitet er auf seinem schwarzen Hengst immer mit einem lockeren Griff an den beiden Revolvern um seine Hüften durch eine an den Wilden Westen erinnernde Endzeitwelt… – auf der Suche nach Jerusalem!

Der britische Autor David Gemmell ist ein Meister, wenn es darum geht, Klischee mit Anspruch zu verbinden. Mit „Wolf in Shadow“ bietet er ein Endzeit-Western-Szenario, dessen Held Jon Shannow bei den Fans so populär wurde, dass zwei Fortsetzungen bis heute folgten. Leider sind diese Romane bislang nur auf Englisch erschienen. Bekannt ist Gemmell für seine eher in antiken bis mittelalterlichen Zeiten angesiedelten Fantasy-Romane. Zu seinen beliebtesten Werken gehören die Drenai-Saga, insbesondere „Die Legende“ mit dem Axtschwinger Druss und die Romane um den düsteren Helden Waylander.

„Wolf in Shadows“ hat einen losen Bezug zu der „Stones of Power“-Reihe. Spielten die ersten beiden Bände derselben im alten England zu König Artus‘ Zeiten, ist das Western-Endzeit-Setting mit Shannow lesbar, ohne diese zu kennen. Ein absoluter Neueinstieg.

War „Wolf in Shadows“, zuerst unter „The Jerusalem Man“ erschienen, anfangs als Einzelroman geplant, folgten aufgrund der begeisterten Fans, die mehr von Shannow lesen wollten, mit „The Last Guardian“ und „Bloodstone“ zwei weitere Bände.

Jon Shannow schlägt genau in dieselbe Kerbe wie Waylander – allerdings nicht mit Schwert oder Pfeil und Bogen, sondern mit Pulver und Blei:
Vor knapp 300 Jahren kippte die Erdachse, und als Folge von Atomkrieg und den ausgelösten Überschwemmungen und Naturkatastrophen wurde die menschliche Zivilisation zerstört. Shannow lebt in einer Western-Endzeitwelt (allerdings ohne Indianer!), in der Banditen wie Aasgeier die geplagten Menschen terrorisieren.

Jons Familie wurde Opfer von Outlaws, sein Pflegevater Varey Shannow, dessen Namen er zu seinem Gedenken angenommen hat, wurde ebenso ermordet. Während sein Bruder Daniel Cade ein gefürchteter Banditenführer wird, der den Glauben an Gott verloren hat, sucht Jon nach Sinn in dieser gewalttätigen Welt. Er sucht Jerusalem – in der heiligen Stadt der Bibel will er Antworten finden. Auf seiner ruhelosen Suche erwirbt er sich einen üblen Ruf: Der Tod reitet mit Shannow. Auch wenn er nicht lügt, betrügt, trinkt und vergewaltigt, sein Ruf ist der eines gnadenlosen, wahnsinnigen Killers.

So verfolgt er zum Beispiel Halunken, die einen kleinen Jungen entführt haben, um seine Mutter zu erpressen. Er stellt sie, schießt einen nieder, zitiert dem Anführer mit der Waffe an der Schläfe aus der Bibel, und lässt ihn dann noch einmal davonlaufen. Ergebnis: In der Stadt wird erzählt, die Schurken wollten den kleinen Jungen vor Shannow retten und wurden dabei über den Haufen geschossen…

Das Kind ist kaum weniger dankbar: Es kann sich nicht vorstellen, dass Mr. Fletcher ihm und seiner Mutter etwas Böses antun wollte, er verehrt ihn sogar als netten und freundlichen Mann. Vor der düsteren Figur Shannow und seiner erschreckenden Art hat er jedoch große Angst. Wenigstens die Mutter dankt Shannow…

Das ist es auch, was Jon Shannow plagt: Gutes will er tun, aber wo immer er auftaucht, gibt es Mord und Totschlag. In der Bibel steht, du sollst nicht töten… aber auch, die Feinde des Herren niederzustrecken. Als ein Mann der Extreme ist er kein guter, milder und vergebender Mensch – aber auch kein böser und habgieriger. Mit der Waffe in der Hand lässt er stets nur eine Wahl: Leben oder Tod. Keine zweite Chance. Wer Shannow erneut in die Quere kommt, den schickt er ganz alttestamentarisch zur Hölle. Shannow verzweifelt an seinen Taten – Gutes will er tun, doch seine Gewalt führt nur zu noch mehr Gewalt, Mord und Tod sind stets seine Begleiter. Tut er nichts gegen Willkür und Gewalt, sieht er hilflos zu wie Leid geschieht – greift er ein, eskaliert die Gewalt noch mehr.

Soviel zu Shannow – nun möchte ich kurz die Handlung von „Wolf in Shadow“ vorstellen. Der Beginn des Buches ist recht… apokalyptisch.

Ein Überlebender des atomaren Weltuntergangs hat mit Hilfe der magischen Sipstrassi-Steine seit über 300 Jahren überlebt. Mit seinem Wissen um verloren gegangene Technologien und den aus den ersten Bänden der Saga bekannten Steinchen hat er ein Weltreich aufgebaut. Die Zerstörung der Welt hat ihm den Glauben an Gott genommen, er interpretiert die Bibel recht eigenwillig und nennt sich jetzt Abaddon, Sendbote Satans auf Erden.

Seine Macht fußt auf den Sipstrassi-Steinen – aber deren Macht ist endlich: Golden glänzend werden sie, je öfter sie verwendet werden, schwärzer – bis nichts mehr geht. Aber… man kann sie mit BLUT, oder besser gesagt der Lebensenergie von Menschen, neu „auffüllen“. Dann werden die Sipstrassi zu „Blutsteinen“, welche nicht mehr heilen und erschaffen können, aber dem Anwender Stärke und Macht geben, sowie seine niederen Regungen wie Gier und Hass steigern. Das schreckliche ist, es macht süchtig – und verlangt nach immer mehr Nachschub.

So ziehen dann die „Hellborn“, des Satans treue Kinder, vom wiedererrichteten neuen Babylon mit fortschrittlichen Revolvern (Steinschlossflinten, Musketen und Armbrüste sind der „Standard“) aus, um ein Weltreich zu erobern. Menschen werden als Blutopfer dargebracht, und jeder von der Hellborn-Armee getötete Mensch gibt seine Energie an Abaddon ab, der sie über die in die Stirn eines jeden Hellborn eingepflanzten Blutstein-Splitter empfängt.

Dieser „Teufel“ stößt bald auf Jon Shannow… dieser ist mit einem Siedlertreck und seiner neuen Lebensgefährtin in die Plague Lands gezogen, wird aber von ihnen getrennt. Als er erfährt, dass die Hellborn das Leben der Siedler bedrohen, nimmt er den Kampf auf. Abaddon schickt seine „Zealots“, Fanatiker mit durch Blutstein gesteigerten psionischen Fähigkeiten, Shannow und dem desertierten Hellborn Batik entgegen.

Sein Bruder Daniel Cade reagiert anders auf die Bedrohung durch die Hellborn: Ohne Siedler zum berauben hat man als Räuber keine Existenzgrundlage. Er organisiert Verteidigung und Flucht vor den Hellborn und macht sich die Bibel als Werkzeug zunutze, gibt sich als Prophet aus – er hat die Macht der Religion zur Manipulation erkannt. Das Ganze läuft jedoch anders, als er es erwartet hat: Nach einigen glücklichen Erfolgen und nachdem einige Ex-Banditen Cades ihr Leben opferten, um Siedler vor den Hellborn zu schützen, wird er immer populärer und seine Erfolge als Wunder gefeiert. Auch Cade selbst ist betroffen, er erkennt, dass ihm ein respektiertes Leben und ein Ideal, für das er kämpfen kann, mehr Wert sind als ein Leben als Desperado, und wird selbst bekehrt.

Doch es ist an Shannow, die Macht Abaddons zu brechen – denn er ist nur ein Werkzeug anderer Überlebender der Apokalypse, die ihre eigenen Ziele verfolgen… deren Anführer ist der wahre „Wolf in Shadow“…

Das Szenario tönt wie eine Groschenheft-Apokalypse, wenn man das so liest. Man darf sich nicht täuschen lassen: Gemmell ist ein erstklassiger Charakter-Beschreiber, die Handlung gewinnt mit dem überraschenden Ende, das ich nicht verraten werde, an Klasse. Die christlichen Aspekte und der „Teufel“ werden zum Glück nicht in üblicher amerikanischer Art und Weise runtergeleiert… Gemmell ist Brite, und er hat mit seiner Version dieser Thematik ein sehr ansprechendes Buch geliefert.

Schön ist auch, dass die Folgebände nicht wiederkäuen, sondern erweitern: So gibt Shannow Noah die Inspiration zum Bau der Arche, und wird zum Auslöser des Weltuntergangs. Ja, Jon Shannow war schuld – auch am Untergang von Atlantis! Im finalen Band ist Shannow eine Legende und ein Quasi-Heiliger, in dessen Namen die „Jerusalem Riders“ mit Gewalt und Willkür ihre „Wahrheit“ durchsetzen – was Shannow noch tiefer als seine eigenen Sünden erschüttert.

„Wolf in Shadow“ ist leider NUR auf ENGLISCH erhältlich. Da derzeit Gemmell’s Rigante-Zyklus übersetzt wird, wird man so bald auch nicht mit einer deutschen Fassung rechnen können. Wer es dennoch versuchen will – in Gemmell’s Büchern reden die Hauptpersonen sehr viel in direkter Rede, und es ist deshalb leichter verständlich als manch andere englische Bücher.

Mich begeistert insbesondere das frische Szenario, das vom Standard-Ambiente der Antike und des Mittelalters abweicht. Kommt der Folgeband „The Last Guardian“ nicht ganz so gut rüber wie „Wolf in Shadow“, ist das Finale mit „Bloodstone“ ein echter Knüller.

Wer ein bisschen Englisch kann und auf düstere Heldentypen steht, der findet in Jon Shannow exzellentes Lesefutter. Das Buch spricht wohl deshalb auch eher eine männliche Zielgruppe an.

Stephen Lawhead – Die Tochter des Pilgers (The Celtic Crusades)

VORGESCHICHTE

Da es sich bei „Die Tochter des Pilgers“ um den letzten Teil der Trilogie „Die Keltischen Kreuzzüge“ von Stephen Lawhead handelt, möchte ich eine kurze Zusammenfassung voranstellen:

Im Jahre 1095 erhören viele Adelige den Ruf des Papstes, der zum Kampf gegen die Ungläubigen im fernen Outremer auffordert. Auch der Vater und die beiden älteren Brüder Murdo Ranulfsons begeben sich auf den Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems.

Band 1: Das Kreuz und die Lanze (Taschenbuch: Der Sohn des Kreuzfahrers)
In ihrer Abwesenheit verliert die Familie durch Intrigen der Kirche ihr Hab und Gut, und Murdo den Glauben an Gott. Er reist seinem Vater nach, um mit ihm und seinen Brüdern ihre Rechte geltend zu machen. Doch sein Vater stirbt, seine Brüder wollen nicht mehr nach Hause. Stattdessen verschreibt sich Murdo der Sache der Célé Dé („Fromme Aufgabe“), einer Gemeinschaft frommer Mönche, die sich dem „wahren Glauben“ verschrieben hat und dem Papst und seiner Kirche kritisch gegenüberstehen. Er rettet die heilige Lanze, mit der Jesus Christus‘ Tod festgestellt wurde, vor Moslems und dem Kaiser von Byzanz und versteckt sie in einem Kloster in seiner Heimat.

Band 2: Der Gast des Kalifen
Sein Sohn Duncan begibt sich Jahre später ebenfalls auf eine abenteuerliche Pilgerfahrt, auch er schließt sich den Célé Dé an und bringt einen Teil des wahren Kreuzes Christi zurück in die Heimat, trotz der Nachstellungen von Templern und Assassinen.

Band 3: DIE TOCHTER DES PILGERS

Im letzten Band der Trilogie wird Duncan in Byzanz von Templerkomtur de Bracineaux ermordet, seine Töchter Caitriona und Alethea schwören Rache für den Tod ihres Vaters. Doch auch Caitriona wird auf die Sache der Célé Dé eingeschworen: Anstelle die Gelegenheit zu nutzen und de Bracineaux zu erdolchen, stiehlt sie ihm ein geheimes Schriftstück, das von einer geheimnisvollen mystischen Rose spricht, die in Spanien in die Hände der Mauren zu fallen droht. Es stellt sich bald heraus, dass es sich um den heiligen Gral selbst handelt. Mit von ihr aus der Sklaverei freigekauften norwegischen Rittern macht sich Caitriona auf die Reise. Doch die Templer verfolgen sie, ihre Schwester Alethea wird von maurischen Banditen verschleppt und Caitriona droht den Verführungskünsten des Maurenfürsten Hassan zu erliegen. Beim Hort des Grals treffen der mordlustige Templerkomtur und seine Schergen mit Caitriona, ihren Begleitern und den Mauren zusammen…

Soweit die Zusammenfassung der Trilogie „Die Keltischen Kreuzzüge“ von Stephen Lawhead. Der Autor, ein Kenner der britisch-keltischen Geschichte und Sagenwelt, wurde in Deutschland vor allem durch das „Lied von Albion“ und den Pendragon-Zyklus bekannt. Sein Bestseller „Byzantium“ wurde in Deutschland unglücklich in zwei Bände aufgespalten, die in Deutschland „Aidan, Die Reise nach Byzanz“ und „Aidan in der Hand des Kalifen“ heißen.

Interessanterweise hat dieses Buch Pate für weite Teile der Handlung der gesamten Trilogie gestanden, in der jedes der drei Bücher nach dem Schema „Reise nach Jerusalem“ abläuft. Im Handlungsverlauf ergattert der jeweilige Held aus der Familie Murdosson dann eine heilige Reliquie, wird vom Zweifler zum frommen Christen und kehrt damit in die Heimat zurück – grob vereinfacht.

Auch Caitriona, die namensgebende „Tochter des Pilgers“ (Duncan), stellt hier keine Ausnahme dar. Die Trilogie leidet jedoch sehr unter diesem Schema: Im Eiltempo wird man durch zahlreiche Orte Europas und des nahen Ostens gehetzt, wobei meistens nur Zeit für oberflächliche Betrachtungen bleibt. Erschwerend kommt hinzu, dass der dritte Teil keinen wirklich befriedigenden Abschluß der Trilogie bietet: Alle drei Bände wurden von einem Nachfahren Murdos, der zur Zeit des 1. Weltkriegs lebt, als Erinnerung aus der Familienchronik erzählt. Er wird gerade in den inneren Kreis des Ordens der Célé Dé initiiert und berichtet quasi zu jeder Reliquie die Geschichte des jeweiligen Buches. Mehr aber auch nicht – die mystische Verbrämung der ersten beiden Bände um die Ziele der Célé Dé, was ziemlich verwirrend wirkte und die Bücher unvollständig erscheinen ließ, wird auch im letzten Band nicht aufgeklärt. Diese unnötig aufgeblasene Rahmenhandlung, die nur dem Zwecke der Erzählung diente und den Leser mehr erwarten ließ, ist aber nur eine der Schwächen der Konzeption der gesamten Trilogie.

Ob sich Caitriona nun in Spanien bei den Mauren oder in Damaskus aufhält: Moslems haben hier und dort die gleichen Sitten, die gleiche Sprache. Da das Buch dialoglastig ist, könnte man eigentlich auch völlig auf die jeweilige Beschreibung der Örtlichkeit verzichten. Man muss nur die Kapitelüberschrift austauschen und darauf achten, in Spanien natürlich spanische Ritter als Eskorte zu bemühen.

Historische Patzer und/oder Übersetzungsfehler finden sich in Hülle und Fülle; hier zeigt sich, dass Lawhead zwar ein Keltizismus-Experte und Kenner des alten Byzanz ist, aber in Bezug auf die Templer sowie die Geographie und Geschichte Spaniens erlauben er und sein Lektor sich einen Fehler nach dem anderen: Orte werden irrtümlich zwischen Kastilien, Leon und Aragorn vertauscht, das Königreich Navarra hat Lawhead wohl ganz übersehen. Abgesehen von der Geographie sind Verhalten und Bräuche ebenso verfälscht worden: Bei einer Leichenverbrennung als Bestattungsform hätten sowohl Odin als auch Allah sich gewundert, besonders wenn diese von einem schon vor Jahrhunderten christianisierten Norweger und einem Almohaden durchgeführt wird. Wenn der zuvor als superfromm geschilderte norwegische Ritter Rognvald dann auch noch einen Erzbischof belügt, dass sich die Balken biegen, dann ist das noch lange nicht so schlimm wie die Groschenroman-Show von Fürst Hassan: Dieser versucht durchaus gekonnt und lesenswert – hier dachte ich kommt etwas Feuer und Würze in die Geschichte – Caitriona zu verführen, die ihm auf den Leim geht und den Warnungen ihrer Begleiter kein Gehör schenkt. Aber wie endet es? Grundlos peitscht Hassan seine Frau, die er bisher als seine Schwester ausgegeben hat, aus, Caitriona erwischt ihn und er entschuldigt sich, verspricht ihr weiterhin Unterstützung und damit ist die Sache gegessen – Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn mir jetzt jemand erklären könnte, wie ein Maure auf die Idee kommt, seine Frau zu verheimlichen und als Schwester auszugeben, nur weil er eine Christin verführen will, und warum es an dieser Stelle keinen weiteren Konflikt mehr gibt, wäre ich sehr dankbar…

Nun, die Handlung erfordert es eben! Ich hatte den Eindruck, hier wurde Lawhead zu einer drastischen Kürzung bzw. Änderung genötigt. Das Buch ist das deutlich kürzeste der Trilogie. Diesmal hat Lawhead auch bei den Figuren geschlampt: Caitriona ist zwar überzeugend und ähnlich streitbar wie der alte Murdo, ihre resolute Art kann unter Umständen nerven, besonders im Gespann mit ihrer – von ihr selbst zu Recht – als Nervensäge bezeichneten kleinen Schwester Alethea. Diese wird, hier möchte ich nicht zuviel verraten, eine Wandlung durchmachen, die hopplahopp und nicht nachvollziehbar geschieht. Über das seltsame Verhalten des Maurenfürsten Hassan habe ich schon geschrieben, ebenso über die Unstimmigkeiten beim ansonsten sehr glaubwürdig charakterisierten Ritter Rognvald. Der Templerkomtur de Bracineaux ist eindeutig überzeichnet als Schurke. Im zweiten Band wurde er weitaus differenzierter geschildert. Hier ist er mordlustig, herrisch und von fanatischem Eifer besessen. Lawhead wollte wohl die wohlbekannte Arroganz der Herren vom Tempel darstellen, macht das jedoch so übertrieben, dass de Bracineaux unglaubwürdig wird. Gelungener ist schon sein Begleiter, ein beherrschter, distinguiert-herablassender Templerbaron aus Frankreich. Nur… seit wann behält man seinen Titel, wenn man in den Templerorden eintritt?

Zusammfassend kann man sagen, dass nicht die zahllosen Fehlerchen dem Buch und der Trilogie das Genick brechen. Es ist vielmehr das andauernd wiederholte Reiseschema, das von einem oberflächlich und glanzlos beschriebenen Schauplatz zum nächsten führt. Die im ersten Band sanft angedeutete Kritik an Papst und Kirche wurde wohl aus Gründen der politischen Korrektheit in den Folgebänden vollständig fallengelassen, ebenso wie eine vernünftige Definition der Ziele der Célé Dé, die zur belanglosen Nebenhandlung bei der so etwas sinnentleerten Reliquiensammlung wurden. Offensichtlich, so zeigt das Auftauchen des geisterhaft-mysteriösen Bruder Andreas, das stets mit der Rekrutierung eines Murdosson endet, handelt die Sekte im Auftrag Gottes. Einen Abschluss schafft der dritte Band nicht. Ein unbefriedigendes „warum?“ bleibt im Raum stehen.

Lawhead kann es besser – „Byzantium“ ist historisch exakter, hat eine spannendere Rahmenhandlung und wiederholt nicht ständig dasselbe Schema. Blasse Charaktere mit unpassenden, unglaubwürdigen Handlungen geben dem Buch den Rest. Nur die grundsätzlich in meinen Augen hochinteressante Thematik der Trilogie sowie der angenehme und gefällige Schreibstil Lawheads bewahren das Buch vor einem totalen Desaster – die Reise nach Spanien war mit Abstand die langweiligste, viel andalusisches Flair habe ich nicht gerade erfahren dürfen.

Auf der Habenseite kann das Buch zusätzlich eine qualitativ hochwertige Bindung und optisch überzeugende Präsentation aufweisen, die sich auch im Buch selbst fortsetzt, abgesehen vom irreführenden und unpassenden Klappentext, der falsche Versprechungen macht.

Das Buch ist eine wunderschöne Mogelpackung, die sich auf Groschenroman-Niveau bewegt, und das schwächste der ganzen Trilogie, die so viel verspricht – und so wenig hält. Wer schon den Anfangsband nicht mochte, sollte dieses Buch gar nicht erst lesen. Ich kann weder „Die Tochter des Pilgers“ noch die Trilogie „Die Keltischen Kreuzzüge“ empfehlen, die von Band zu Band schwächer wurde, was Lawheads schwacher Konzeption des an und für sich hochinteressanten Stoffes anzulasten ist.

Kritiken der gesamten Trilogie „Die Keltischen Kreuzzüge“ bei _Buchwurm.info_:
Das Kreuz und die Lanze bzw. Der Sohn des Kreuzfahrers (Hardcover bzw. Taschenbuch)
Der Gast des Kalifen
Die Tochter des Pilgers (diese Kritik)

Taschenbuch ‏ : ‎ 574 Seiten
Homepage des Autors: http://www.stephenlawhead.com/

Coleman, Loren – Kampf beginnt, Der (Mechwarrior Dark Age 2)

BattleTech-Fans können aufatmen: Auch wenn die Nachfolgeserie der beliebten TableTop-Reihe rund um die gigantischen Kampfkolosse aus Stahl ein wenig respektables Debüt mit „Geisterkrieg“ präsentierte, bei Loren Coleman’s Roman „Der Kampf beginnt“ ist der Name Programm – er zeigt, welches Potential in dem neuen Szenario steckt und lässt Stackpole’s Ausrutscher schnell vergessen.

Die Handlung des Romans spielt vollständig auf der Welt Achernar, eine der wenigen Welten der Inneren Sphäre, die noch über einen funktionsfähigen Hyperpuls-Generator verfügen. Sowohl die Republik der Inneren Sphäre als auch die der Clankultur treuen Stahlwölfe sind deshalb an der Kontrolle über diese Welt interessiert. Doch auch lokale Kräfte wie der „Schwertschwur“ der Sandovals machen ihre Rechte geltend. Der gescheiterte Mechkrieger Raul Ortega wird seine zweite Chance erhalten – der Zöllner darf einen Legionär-BattleMech in die Schlacht gegen die Stahlwölfe führen, die wie in den Zeiten der Claninvasion einen Besitztest um Achernar fordern. Für zusätzliche Verwirrung sorgen die bemerkenswert – ich spreche hier nicht nur von ihrem Mech – gut ausgestattete Mechkriegerin Tassa Kay und der nicht immer loyale Kommandeur des Schwertschwurs, Erik Sandoval-Gröll.

Loren Coleman stand bislang immer im Schatten des erklärten Lieblings Stackpole, das neue Endzeit-Szenario von Dark Age scheint ihm jedoch besser zu liegen. Anstelle ganzer Heerscharen von BattleMechs sind nie mehr als 3-4 Mechs auf einem Schlachtfeld aktiv, dazu einige wenige Panzer und Elementare. Hochgezüchtete Kampfkolosse werden durch umgebaute AgroMechs ersetzt, Tassa Kay’s moderner Ryoken II stellt auf dem Schlachtfeld die absolute Ausnahme dar. Das kommt Raul Ortega’s Legionär zugute: Ein 50-t-Mech mit nur einer einzigen Autokanone hätte wohl kaum in der klassischen Serie für Aufsehen gesorgt. In Dark Age ist er ein wandelnder Alptraum. Der klassische Mech-Einzelkampf weicht Verbundwaffentaktik – Panzer und Infanterie sowie Helikopter haben in Dark Age ihren festen Platz. Kurz, die Mechgefechte machen wieder Spaß und erinnern ein wenig an die ersten Romane um die Gray-Death-Trilogie.

Die Hauptfiguren sind allesamt interessant: Man fiebert mit Raul Ortega und Tassa Kay, auch die Clanner auf der Gegenseite oder der seine eigenen Pläne verfolgende Sandoval-Gröll haben glaubhafte Motivationen und Probleme – mancher auch das eine oder andere Geheimnis…

Ein wenig mehr Licht wird auf die aktuellen Verhältnisse der Inneren Sphäre geworfen, nicht nur die Stahlwölfe planen die Eroberung von Präfektur IV, radikale Fraktionen der früheren Herrscherhäuser nehmen alte Fehden wieder auf. Der fahrende Ritter Kyle Powers hat alle Hände voll zu tun, besonderes Augenmerk wird auf den Aufstieg von Raul Ortega in höhere Ränge gelegt, aber auch die Clanner und der Schwertschwur bekommen ihre eigenen Kapitel gewidmet, was die jeweilige Situation aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und für Abwechslung sorgt. Durch die Konzentration der Gefechte auf wenige Mechs und die vorherige Bekanntmachung des Lesers mit ihren Piloten gewinnen diese eine höhere Intensität als das am Ende massenkampflastig gewordene klassische BattleTech.

Die Übersetzung von Reinhold H. Mai ist in gewohnt guter Qualität, das Titelbild vermag sogar zu begeistern: Heyne hat ein absolut zur Handlung passendes Titelbild mit einem Legionär-Mech von Wizkids gekauft! Der einzige Wermutstropfen dieses Romans ist, dass er die Handlung der Serie nicht wirklich voranbringt. Die letzte Genialität, die Stackpoles Klassiker auszeichnete, fehlt Coleman leider auch dieses Mal.

Dafür zeigt er, wie gut man klassische BattleTech-Aspekte mit dem neuen Szenario verbinden kann – es ist hervorragend gelungen! Ob Raul Ortega es in die Herzen der Fans schaffen und einem Grayson Carlyle oder Kai Allard-Liao den Rang ablaufen kann, wird sich zeigen, sein „Legionär“-BattleMech dürfte sich bereits seit diesem Roman einen Platz im Herzen der Fans erballert haben. Von der mysterösen Tassa Kay wird man noch mehr hören, einen Teil ihrer Geheimnisse offenbart sie bereits in diesem Roman – ein Tipp für alle BattleTech-Fans: Einfach einen Blick auf das US-Cover werfen und darüber nachdenken, an wen sie euch erinnert. Der Roman gefiel mir sehr gut und ist eine wahre Erlösung nach dem frustrierenden Einstiegsband, er macht Lust auf mehr. Ganz in klassischer Clanner-Manier gesagt: Gut gehandelt und akzeptiert, Mr. Coleman!

Ich bin gespannt, wie die Neulinge Robert E. Vardeman und Martin Delrio sich schlagen werden. Dass man aus dem umstrittenen Dark Age etwas machen kann, beweist dieser Roman.

Eddings, David – Thron im Diamant, Der (Elenium)

„Zu Anbeginn der Zeit, lange ehe die Urväter von Styrikum in Felle gehüllt und mit Keulen bewaffnet aus den Bergen und Wäldern von Zemoch auf die Ebenen von Mitteleosien schlurften, hauste in einer Höhle, tief unter dem ewigen Schnee Thalesiens, ein zwergenwüchsiger, missgestalteter Troll namens Ghwerig. (…) …der Stein, der von tiefstem Saphirblau war, besaß die Form einer Rose. Er gab ihm den Namen Bhelliom, Blumenstein, und er glaubte, dass die Kraft dieser edlen Saphirrose jeden Wunsch zu erfüllen vermochte.“

So beginnt die Vorgeschichte des ersten Bandes der Elenium-Trilogie, „Der Thron im Diamant“. David Eddings schrieb diese parallel zu den letzten Bänden der Malloreon-Saga 1989 (Der Thron im Diamant), 1990 (Der Ritter vom Rubin) und 1991 (Die Rose aus Saphir). Unverkennbar die Quelle der Inspiration, der Bhelliom und Ghwerig könnten auch der Meister-Ring und Gollum sein. Allerdings hat Eddings nicht kopiert, sondern nur die besten Stücke aus Artussage, dem Herrn der Ringe und anderen Sagen in eine eigenständige Geschichte übertragen.

Die Elenium-Trilogie lebt von ihren stolzen Rittern und Recken – und ebenso üblen Schurken. Der Held Sperber gehört einem kirchlichen Ritterorden an, der sich an den legendären Templern orientiert. Um das Mittelalter mit einer gehörigen Portion Romantik und Hexerei wiederaufleben zu lassen, wird der Bhelliom erst einmal zum Heilmittel für die sterbende Königin Eleniens degradiert: Diese wurde auf Geheiß des Primas Annias mit dem tödlichen Gift Darestim vergiftet. Nur dank des Eingreifens des pandionischen Hochmeisters Vanion und der styrischen Zauberin Sephrania kann ihr Leben vorerst gerettet werden:

Zwölf Ritter verpfänden ihr Leben, um das ihrer Königin in einem unzerstörbaren Diamant zu bewahren, bis ein Heilmittel gefunden werden kann. Der Haken: Der Zauber hält höchstens ein Jahr, und jeden Monat muss einer der Ritter sterben…

Der durch eine Intrige exilierte Sperber kehrt zurück an den Königshof, um seine Aufgabe als Streiter der Königin – Sir Lancelot lässt grüßen – wieder aufzunehmen. Er macht sich mit zahlreichen Gefährten, vom edlen Ritter über den gewitzten Dieb bis hin zur liebenswerten Mystikerin Sephrania auf die Suche. Bald stellt sich heraus: Nur ein magisches Artefakt höchster Macht kann Ehlanas Leben retten und dadurch die Machtübernahme des Primas verhindern. Der lange verschollene Bhelliom muss wiedergefunden werden… doch nicht nur Sterbliche suchen ihn, die jungen Götter von Styrikum und die alten Trollgötter haben ebenfalls ihre eigenen Pläne mit dem magischen Juwel.

Klassischer geht es kaum – High Fantasy wurde durch Eddings geprägt. Etliche seiner Ideen wurden geklaut und zu einer dadurch natürlich nicht völlig neuen Geschichte verbunden. Rittertum, Kirche, Minne, Hexerei, Diebe und Meuchler – der Einfluss des Hochmittelalters ist unverkennbar, und gibt dem Buch Charme und Glanz. Eddings geizt auch nicht mit Humor: Ritter Sperber, im englischen Original „Sparhawk“, insofern ist mir der etwas seltsame deutsche Name doch lieber, hat ein bissiges Streitross und eine gebrochene Nase, plus einen etwas kernigeren Charakter als der edle Sir Lancelot. Seine Begleiter stehen da kaum nach, Sephrenia ist eine liebenswertere Variante seiner bekannten Zauberin Polgara, und Königin Ehlana darf im ersten Band eingeschlossen in Diamant warten, bis Sperber sie erlöst, wie Schneewittchen im Glassarg. Der Bastard seines Knappen Kurik ist der obligatorische smarte Dieb, mit Bevier ist ein überkorrekter und weltfremd frommer Ritter aufgeboten, der nicht gegensätzlicher zu Sperbers Erzfeind Martel, einen vom Orden verstoßenen, gefallenen Ritter, sein könnte.

Die Abenteuerfahrt durch die Wüsten von Rendor, düstere Städte und Sumpfgebiete führt im ersten Band noch nicht zum Ziel, erst in den Folgebänden wird man den Bhelliom in einer Trollhöhle finden und Ehlana heilen können – hier ist normalerweise das Happy End erreicht, Eddings setzt hier noch einen drauf – wie ich schon sagte, es gab mehrere Interessenten am Bhelliom…

Die Elenium-Saga hat mir wegen ihres stark mittelalterlich-märchenhaften Einschlags gefallen; ebenso sind die Hauptfiguren einfach liebenswert, besonders Sephrenia. Leider sind alle Figuren mehr oder minder klischeehaft, vor allem entwickeln sie sich nicht weiter. Hier erkennt man auch das Alter der Geschichte (1989): Es gibt ganz klar das Gute und das Böse, alle Figuren bleiben von Anfang bis Ende unverändert. Deshalb verliert sich der Charme der Charaktere spätestens im zweiten Band, es kommt einfach nicht mehr viel Neues hinzu. Faszinierende Entwicklungen vom Buhmann bis hin zum Sympathieträger, wie bei einem Jaime Lannister von George R.R. Martin, so etwas bietet Eddings einfach nicht. Das führt dann auch dazu, dass, sobald die Figuren an Glanz verlieren, die Story einfach nicht mehr begeistern kann, dazu ist sie viel zu simpel und linear. Keine verschlungenen Intrigen, wenig Raum zum Spekulieren. Eddings pflegt wie schon in der Belgariad-Saga einen sehr dialoglastigen Stil, verzichtet weitgehend auf detaillierte Beschreibungen, was ich nicht negativ meine. Das Szenario und sein Stil regen die Phantasie an, weshalb die laut Buch eindeutig schwarzen Rüstungen der Pandioner in meiner Vorstellung zu glänzend silbernen Harnischen mutierten – es passte einfach besser in mein Bild dieser Welt. Mehr hätte Eddings aus der Tatsache machen können, dass die elenischen Ritter, um ihren schweren Aufgaben nachzukommen, von styrischen Hexern in der Zauberei unterrichtet werden – obwohl der Glaube an die Götter Styrikums als Ketzerei gilt. Hier hatte ich auf Konflikte gehofft, ärgerlicherweise blendet Eddings die Vorbehalte der Kirchenfürsten stets aus, wenn es ihm in den Kram passt und es für die Handlung nötig ist. Das Buch ist übrigens ziemlich brutal: Von lebendig einmauern bis hin zu foltern, vergewaltigen und einfach mal so hilflos verrecken lassen – Eddings ist im ersten Band schon brutal und steigert sich bis zum letzten hin noch einmal drastisch, was mich sehr gewundert hat, in der zeitgleich geschriebenen Malloreon-Saga hält er sich in dieser Hinsicht sehr zurück.

Ein Lob verdient auch die Übersetzung, bis auf den kaum annehmbar übersetzbaren, seltsamen Namen Sperber (Sparhawk) [„Sparhawk“ leitet sich von „sparrow hawk“ her, was wiederum „Sperber“ bedeutet und ist damit tatsächlich eigentlich ebenso wenig übersetzbar wie Sir Lancelot (lance-a-lot), Anm. d. Lektors] stimmt alles, auch sind die Bücher besser lektoriert als die Belgariad- und Malloreon-Saga, sie enthalten kaum Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler wie die genannten Werke. Die Titelbilder sind eine Klasse für sich: Besonders das Titelbild des ersten Bandes, die in Diamant eingeschlossene Königin Ehlana, hat mir gefallen. Karten begleiten fast jedes Kapitel, inklusive einer großen Übersichtskarte auf den ersten Seiten oder auf der Innenseite des Einbandes, je nach Version:

Die Trilogie ist als Sammelband „Elenium“ erschienen, etwas schöner und luxuriöser sind die schwer erhältlichen Hardcover. Als Taschenbuchausgabe existiert eine mit silbernen Lettern versehene und etwas größer formatierte Jubiläums-Edition, sowie die kleinen, schlichten Taschenbücher, auf denen die Titelbilder verkleinert und mit hässlich bunter Schrift bedeutend weniger schön abgedruckt sind.

„Der Thron im Diamant“ bietet eine spannende, abwechslungsreiche Abenteuergeschichte mit liebenswerten Charakteren. Eine besonders originelle Story sucht man jedoch vergebens, die Figuren wirken auch etwas altbacken. Die Trilogie ist abgeschlossen und mit der Tamuli-Saga ist eine bereits ebenfalls fertige Fortsetzung erschienen. Viel komplexer und moderner ist George R.R. Martin’s „Lied von Eis und Feuer“ – dennoch kann ich die Elenium-Trilogie und besonders den ersten Band, „Der Thron im Diamant“, den ich für den besten halte, empfehlen.

Homepage des Autors: http://www.eddingschronicles.com/

Follett, Ken – Schlüssel zu Rebecca, Der

Afrikafeldzug, 1942:
Nicht nur an der Wüstenfront wird gekämpft, auch hinter den Linien geht der Kampf der Spione weiter. Kaum in Kairo angekommen, begeht der deutsche Spion Alex Wolff einen Fehler und muss einen britischen Soldaten töten. Major William Vandam vom britischen Geheimdienst nimmt zuerst erfolglos seine Spur auf. Wolff dagegen ist sehr erfolgreich: Dank seiner verführerischen Komplizin, der populären Tänzerin Sonja el-Aram, kann er von einem Adjutanten des britischen Oberbefehlshabers Auchinleck regelmäßig geheimste Informationen ausspionieren. Als halber Araber kennt Wolff zudem Bräuche und Sitten der Ägypter und hat hervorragende Kontakte zur Unterwelt Kairos.

Vandam hat mittlerweile allerdings auch schon vieles über Wolff in Erfahrung gebracht und setzt eine frisch rekrutierte Agentin auf ihn an. Die erotische Elene Fontana ist Halbjüdin und möchte nach Israel auswandern – durch ihre Arbeit für den Geheimdienst möchte sie die begehrte Ausreisegenehmigung erhalten. Bald taucht Wolff wieder bei dem Kaufmann Aristopoulos auf – und beißt an. Da er noch eine Gespielin für seine exquisiten Liebespiele mit Sonja sucht, ist die schöne Elene für ihn unwiderstehlich.

Aber nicht nur für ihn. Auch der eher brave Major Vandam hat sich in sie verliebt. Es wird für ihn immer unerträglicher, Elene in der Nähe dieses gefährlichen Mannes zu wissen. Nicht nur um ihr Leben fürchtet er, der Gedanke, dass Wolff Sex mit ihr haben könnte, bereitet ihm schlaflose Nächte.

Die Zeit drängt: Rommel steht nur noch 25 km vor Kairo, bereits einmal haben Wolff’s Informationen die Schlacht zu seinen Gunsten entschieden. Vandam muss handeln. Leider schlägt die Verhaftung Wolffs wiederholt fehl, Elene und Vandam’s Sohn Billy geraten in Lebensgefahr, als Wolff mit ihnen als Geiseln aus Kairo flieht…

Ein sehr spannender Mix aus Agenten- und Detektivgeschichte mit einem ordentlichen Schuss Erotik! In der Tat ist der ausführlich beschriebene Dreier in diesem Buch die wildeste Sexszene, die ich bisher von Follett gelesen habe.

Gewohnt fundierte Sachkenntnis des Spionagegeschäfts beweist Follett bei dem namensgebenden Codebuch: Der Roman „Rebecca“ dient zusammen mit einem Codeschlüssel Wolff zur sicheren Nachrichtenübermittlung. Desweiteren wurde das Verhältnis der ägyptischen Bevölkerung zu Deutschen und Briten differenziert geschildert. Besonders gelungen sind die Charakterisierungen der Hauptpersonen, Vandam und Wolff. Letzterer ist halb Deutscher, halb Araber, taucht gerne mal in einer Moslemverkleidung unter und wird oft von dem schlitzohrigen Abdullah bei seinen schmutzigen Geschäften unterstützt. Ich fand sowohl den intelligenten Wolff als auch seinen smarten Gegner Vandam ausgesprochen sympathisch. Die Frauenfiguren sind ein bisschen nuttig geraten, wobei Sonja eindeutig ein Äquivalent der berüchtigten Mata Hari ist. In Elene erkennt man Charakterzüge späterer weiblicher Hauptfiguren Follett’s, wie auch der Duellcharakter zwischen den beiden Agenten starke Ähnlichkeiten zu Follet’s „Leopardin“ aufweist.

Die Szenerie ist perfekt recherchiert und in Szene gesetzt, sogar historische Persönlichkeiten wie Rommel und Kesselring wurden in die Handlung integriert. Wolff spielt Rommel Informationen zu, dieser siegt. Bei der Entscheidungsschlacht bei El Alamein kann er leider nicht mehr auf dessen Dienste zurückgreifen…

Weniger gelungen ist der „Auftritt“ von Anwar El-Sadat, dem späteren Staatsoberhaupt Ägyptens: Geradezu zwanghaft scheint Follett in seine Romane solche nur kurz und ohne näheren Zusammenhang zur Handlung stehenden Figuren einbauen zu müssen. Wie in „Mitternachtsfalken“ der König von Dänemark, ist auch Sadat für den Handlungsverlauf absolut verzichtbar!

Ein schlimmer Bruch folgt im letzten Drittel des Buches: Ein sehr gut recherchiertes und stimmiges Szenario mit interessanten Charakteren und viel Erotik wird nun mit dem Vorschlaghammer zerstört!

Ich konnte es kaum glauben, auf einmal mutiert Wolff zum perversen Lüstling, der mit Elene einiges anstellt, damit nicht genug, er entführt auch noch Vandam’s Sohn, um mit ihm und Elene als Geiseln seine Flucht abzusichern. Nicht nur bei gegebener Lage zu diesem Zeitpunkt idiotisch, müssen zahlreiche Charaktere sich nun wegen der Notwendigkeit, die Handlung nicht zu gefährden, dämlich anstellen, damit Wolff fliehen und die Geschichte sich weiter entwickeln kann.

Das Happy End macht aus der sich ehemals von ihren Liebhabern haushaltenden Elene eine respektable Mrs. Vandam, die sowohl Sohn Billy als auch Mr. Vandam ausgesprochen glücklich macht. Sehr schön, aber auch sehr schnulzig. Nach erwähntem Bruch lebt das Buch von der Spannung, die durch die tödliche Gefahr, in der Elene und Billy schweben, entsteht. Leider wird das Buch hier auch trivialer als mancher Groschenroman, Follett konnte es wie so oft in seinen Büchern nicht lassen, maßlos zu übertreiben und indirekt Vandam alleine den Sieg bei El Alamein zuzuschreiben. Besonders verärgert war ich über die bestürzende Verwandlung des sehr interessanten Charakters Wolff hin zu einem hirnlosen Nazi mit perversen Gelüsten, war er doch vorher sehr differenziert geschildert worden.

Wer einen Spionagethriller light vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs mit einer wahrlich heißen und erotischen Dreiecksgeschichte sucht, wird „Rebecca“ trotz des verkorksten letzten Drittels lieben. Schade, ohne diese Mängel hätte es auf einer Stufe mit den vergleichbaren Romanen „Die Nadel“, „Die Leopardin“ und „Mitternachtsfalken“ gestanden.

Homepage des Autors: http://www.ken-follett.com

Joseph Ratzinger – Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen

Der umstrittene Präfekt der „Kongregation für die Glaubenslehre“ im Vatikan (früher „Heilige Inquisition“ genannt), Kardinal Ratzinger, legt ein Buch über das Verhältnis des Christentums zu anderen Religionen vor, welches überraschend hohes Niveau aufweist und zur Beschäftigung damit geradezu ruft. Und obwohl die katholische Kirche in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit durch ambivalentes Hin und Her zwischen Fortschritt und Rückschritt allen Kopfzerbrechen bereitet und das kaum noch einzuordnen ist, hatte gerade Ratzinger noch im letzten Jahr durch das „Opus Jesus“ die Unvereinbarkeit der katholischen Kirche mit allen anderen christlichen Kirchen dargelegt und viele Hoffnungen auf Fortschritt begraben.

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Autorenkollektiv – Aufklärungsarbeit Nr. 14

Nachdem ich euch die Ausgabe 13 der „Aufklärungsarbeit“ bereits unterschlagen habe und Ausgabe 15 schon wieder unterwegs ist, wird es höchste Zeit, euch die mir derzeit vorliegende Ausgabe 14 vorzustellen. Einige nähere Ausführungen zu diesem ungefähr monatlich erscheinenden alternativen Magazin hatte ich ja bereits an [dieser Stelle]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=124 geschrieben, kommen wir also diesmal direkt zum Inhalt des (noch) aktuellen Heftes.

Diesmal konzentriert sich das Redaktionsteam ganz auf allerhand rund um Ägypten und die Pyramiden. Insbesondere hat man sich mit dem Ingenieur Axel Klitzke, Jahrgang 1947 und Autor des ungewöhnlichen Werkes „Die kosmische 6“, Verstärkung ins Team geholt und sich erneut auf den Weg nach Ägypten begeben, um die derzeitigen Entwicklungen auf dem Gizeh-Plateau zu beobachten und allerlei Vermessungen anzustellen. Doch dazu gleich mehr.

Das Thema „Ägypten“ wird in diesem Themenheft sehr vielseitig angegangen. So gibt es Artikel zu weniger bekannten, aber um so faszinierenderen Teilen der altertümlichen Historie des ägyptischen Reiches, Ausführungen zur Mythologie und Kultur, unerwartete Neuigkeiten zur Sperrzone und zum Mauerbau rund um das Plateau und, ganz zentral, exklusive Arbeiten und Berechnungen sowie Vermessungen von Herrn Klitzke, die Erstaunliches zu Tage fördern. Als Einstieg in diesen Hauptteil des Heftes gibt es noch ein Essay über das Wesen der Zahlen und die Verbindungen zur Mystik und Mythologie. Denn wie in allen anderen alten Hochkulturen auch, so waren Wissenschaft, Architektur, Mystik und Mythen eng miteinander verwoben und gingen fließend ineinander über, so dass man zu einem wirklichen Verständnis und einer Dekodierung dessen, was uns die Altvorderen hinterlassen haben, über den Spezialisierungstunnelblick hinaus Betrachtungen anstellen muss, deren Breite durch die Artikelauswahl recht gut abgedeckt wird.

Für den zentralen Heftteil kommt man somit allerdings nicht umhin, so manchen Zahlenkolonnen und -spielereien sowie (allerdings einfachen) Berechnungen zu folgen, dabei assoziativ mitzudenken und sich die Bedeutung so manchen Zusammenhangs, verborgen und ausgedrückt in Zahlenwerten, genüsslich durch den Kopf gehen zu lassen.

Der Inhalt des Heftes gestaltet sich nun im Einzelnen wie folgt:

_Echnaton_
Ein Versuch, in knappen Sätzen eine der schillerndsten Epochen überhaupt zu fassen.
Von Maria S. Rossmanith

_Rätsel der Amarna-Kultur_
und: War der Schauplatz um Echnaton eine Ausschlag gebende Quelle des Christentums?
Von Andreas von Rétyi (Bestseller-Autor, „Die Stargate-Verschwörung“)

_Die Große Pyramide und die Freimaurer_
Warum sagten die Ägypter das größte Spektakel zum Millennium ab?
Von Robert G. Bauval

_Das letzte Geheimnis der Cheops-Pyramide?_
Eine schwache Vorstellung des ZDF. Rückbetrachtung der Schachtöffnung von 2002, um aktuelle Entwicklungen ergänzt.
Von Manuel Strapatin

_Sperrzone Pyramiden_
Wer mauert sich da seinen Weg frei?
Manuel Strapatin war mit einem kleinen Team vor Ort und hat sich die eigenartigen und geheimniskrämerischen aktuellen Vorgänge auf dem Plateau näher angesehen. Zum Beispiel den meterhohen Sicherheitszaun und die Mauer, die seit dem Sommer 2002 am Plateau hochgezogen werden und sich kilometerweit in die Wüstenlandschaft erstrecken.

_Geheimnis und Wesen der Zahlen_
Die architektonischen Details der altägyptischen Bauten sind natürlich kein Zufall, ebenso wie die Mystik in die Abmessungen gotischer Kathedralen einfloss. Barbara Thielmann vom Caduceum liefert numerologische Betrachtungen zur Entstehung und Bedeutung der Ziffern,

_Die Geheimnisse Ägyptens_
Auf 22 Seiten bietet Axel Klitzke neueste Forschungsergebnisse rund um ägyptische Maße und Architektur:

* Der Urzoll, die Zahlenfolge (1)-2-7-3-2 und die Cheops-Pyramide
* Die Geheimnisse der Cheops-Pyramide, Königs-Elle und Code des „Sarkophags“
* Die Bedeutung von Königinnen- und Königskammer

Außerdem: Die Sterne im November, Kurzmeldungen und redaktionelles Vorwort.

Joachim Schmidt – Satanismus – Mythos und Wirklichkeit

Dr. Joachim Schmidt, Jahrgang 1961, studierte Religionswissenschaft, Psychologie und Europäische Ethnologie. In seinem Buch „Satanismus – Mythos und Wirklichkeit“, das nun in zweiter und überarbeiteter Auflage erschien, nimmt er sich eines allzu gern strapazierten Schlagwortes und ideologischen Kampfbegriffes an, wofür er neben seiner akademischen Ausbildung in besonderer Weise qualifiziert ist. Im Gegensatz zur unerfreulich hohen Zahl von allzu phantasiebegabten, weltanschaulich festgefahrenen und psychisch offenbar angeschlagenen Schreibtischtätern kann er neben gründlichen und sachkundigen Studien nämlich darauf zurückblicken, sich langjährig aktiv wie auch beobachtend in esoterisch-okkulten Kreisen bewegt zu haben.

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