Krimis gibt es viele, und nur wenige schaffen es, sich wirklich aus dieser Masse hervorzutun. Autoren, die immer wieder gerne einen Aufmerksamkeitsbonus bekommen, sind solche, die in irgendeiner Weise direkt mit diesem Genre in Kontakt stehen. Die Oberstaatsanwältin Gabriele Wolff ist so eine. Allerdings siedelt sie ihren Krimi „Ein dunkles Gefühl“ nicht etwa in der Justiz an, sondern bei der Kriminalpolizei.
Ihre Hauptperson heißt Friederike Weber, eine unverheiratete und kinderlose Frau, die stets gute Laune und einen eigenen Sinn für Humor hat. Der vergeht ihr allerdings, als sie zwangsversetzt wird: Obwohl fest im Kommissariat für Todesfälle etabliert, soll sie aufgrund einer Laune der Verwaltung plötzlich bei den Sexualdelikten aushelfen. Und das ausgerechnet, nachdem sie einen mysteriösen Todesfall hereinbekommen hat. Ein zwanzigjähriger Student scheint sich umgebracht zu haben, aber wieso bringt sich ein junger Mann, dem es nicht schlecht zu gehen schien, um? Da muss doch mehr dahinterstecken. Obwohl es eigentlich nicht mehr ihre Aufgabe ist, ermittelt Friederike neben ihrer neuen Arbeit weiter. Und siehe da! Der Fall eines jungen Mädchens, das seinen Stiefvater des sexuellen Missbrauchs bezichtigt und dabei augenscheinlich, aber nicht nachweislich lügt, scheint Verbindungen zum Mordfall aufzuweisen. Doch bevor Friederike dies bemerkt, ist es schon fast zu spät. Die Lage in der Familie der Vierzehnjährigen spitzt sich zu…
„Ein dunkles Gefühl“ lebt vor allem durch seine Hauptperson. Friederike Weber bestreitet die Erzählperspektive alleine, und dementsprechend konzentriert sich die Erzählung nebenbei auch auf ihr Privatleben. Dieses unterscheidet sich schon dadurch von dem anderer Kriminalkommissare, dass sie sich weder in Alkohol ertränkt noch schwer depressiv ist. Friederike widerlegt sämtliche Genreklischees, was das Buch zu einer heiteren Angelegenheit werden lässt. Die forsche und ironische Art der Protagonistin lässt die 255 Seiten im Flug vergehen, vor allem, wenn sie in Kombination mit anderen Figuren auftritt. Diese sind ebenfalls sehr menschlich und vor allem sehr sorgfältig dargestellt. Trotz der Konzentration auf Friederike lässt Wolff es sich nicht nehmen, auch die Nebencharaktere ausführlich und vor allem originell darzustellen. Das trägt sehr viel zu der guten Atmosphäre des Buches bei.
Die Handlung ist sicherlich authentisch dargestellt. Wolff lässt die Bürokratie und die Komplikationen, die eine gute Ermittlung manchmal behindern, nicht außen vor und bietet dadurch einen realistischen Einblick in das Leben auf dem Polizeirevier. Doch obwohl sie aufgrund ihres Jobs sicherlich ausreichend Erfahrung mit echten Fällen hat, wirkt der Plot von „Ein dunkles Gefühl“ manchmal ein wenig konstruiert. Gerade die Zusammenführung der beiden Fälle geht nicht ohne Fragezeichen vonstatten. Die Begründung, welche sie für die Lösung des Missbrauchsfalles liefert, ist sicherlich möglich, wird aber nicht besonders stichhaltig dargestellt. Hier wäre es vielleicht notwendig gewesen, die Erklärungen etwas breiter, vielleicht sogar psychologisch begründeter zu gestalten. Der Laie wird vielleicht nicht verstehen, welche Mechanismen tatsächlich hinter dem Verhalten des Mädchens stecken, der Experte wird die Aufbereitung vielleicht als oberflächlich empfinden. Trotzdem muss man Wolff zugute halten, dass sie gute Absichten hegt. Ihre Handlung hält sich außerhalb üblicher Täter-Opfer-Schemen auf und beweist damit viel Mut.
Der Erzählstil der Autorin ist offen, manchmal sogar plauderhaft. Er passt mit seiner lockeren Art und dem beweglichen, aber nie abgehobenen Wortschatz zur Protagonistin, die immer wieder für saftige Dialoge sorgt. Wolff versteht es dabei vor allem, das vertraute Verhältnis zwischen zwei Personen auch in deren Gesprächen wiederzugeben. Dies sorgt dafür, dass das Buch wie aus einem Guss und direkt aus dem Leben gegriffen wirkt.
Gabriele Wolff hat für ihren Krimi „Das dritte Zimmer“ 2004 den Glauser-Preis erhalten. Mit „Ein dunkles Gefühl“ wird ihr dies vermutlich nicht gelingen, da sich einige Teile der Handlung als Stolperfalle für das Buch erweisen. Dennoch lässt sich über diesen Fehler leicht hinwegschauen, denn Bücher, die so homogen und atmosphärisch wirken, sind selten. Die Protagonistin, die Natürlichkeit, der Erzählstil – wenn’s mit diesem Buch nicht mit einem Preis klappt, dann sicherlich mit einem der nächsten.
Ein Serienmörder treibt in Wien sein Unwesen. Seine Opfer sind junge Mädchen, die erst gekreuzigt und anschließend ausgepeitscht werden. Nach dem dritten Mord ist die Polizei sicher, dass der Täter aus dem Sado-Maso-Milieu stammen muss. Aus diesem Grund ziehen die Ermittler den ehemaligen Kriminalbeamten Marcus Wolf hinzu.
Marcus arbeitete lange Jahre als Polizist, erst bei der Sitte und später bei der Mordkommission, ehe er vor sechs Jahren über Umwege den SM-Club „Dominion“ und ein Edelbordell von seinem reichen Großonkel erbte. Marcus quittierte den Polizeidienst, leitet seitdem Club und Bordell und lebt mit seiner Frau Caro, der extrovertierten Amber und der zurückhaltenden Jacqueline in einer Viererbeziehung. Obwohl sein Ruf stark unter seiner neuen Tätigkeit gelitten hat, ist er zur Zusammenarbeit bereit.
Auch Marcus ist sich beim Anblick des Opfers sicher, dass der Mörder aus der SM-Szene stammt. Zu seiner Bestürzung stellt sich heraus, dass alle drei Opfer in seinem Club verkehrten. Als er dann auch noch erfährt, dass die Kreuzigungsszene vor neun Jahren exakt auf die gleiche Art in seinem Club gespielt wurde, steht fest, dass der Mörder damals unter den Zuschauern war – und vermutlich auch heute noch zu Marcus‘ Kunden gehört.
Marcus nutzt seine zahlreichen Kontakte in der SM-Szene und der Halbwelt für die Ermittlungen. Die Zeitungen überschlagen sich mit Skandalmeldungen über seinen Club, und kurzzeitig wird er sogar als Täter verdächtigt. Einer seiner Mitarbeiter wird erschossen aufgefunden – angeblich Selbstmord. Marcus ahnt, dass er dem Mörder näher steht, als er dachte, und dass er plötzlich auch um seine eigene Sicherheit fürchten muss …
Mörderjagd im Sadomaso-Milieu, das bedeutet zu Recht ein „Hardcore“-Prädikat vom |Heyne|-Verlag, da mit expliziten Schilderungen in Sachen Sex und Gewalt nicht gespart wird. Wer sich davon allerdings nicht abschrecken lässt, bekommt darüber hinaus noch einen spannenden Thriller geliefert, der keineswegs der oberflächliche Softporno ist, den man vermuten mag.
|Interessante Charaktere|
Im Mittelpunkt steht Ich-Erzähler Marcus Wolf, ein Mann mit augenscheinlich vielen Facetten. Marcus ist ehemaliger Kriminalbeamter, der auch Jahre danach nichts von seinem Spürsinn verloren hat, ein schwergewichtiger Zweimeterhüne, der für seine drei Frauen dominanter Herr, liebevoller Partner und zuverlässiger Freund zugleich ist. Caroline ist seine Ehefrau und Managerin, studierte Juristin aus steinreicher, alteingesessener Wiener Familie, die ein inniges Verhältnis zu ihrer Uroma besitzt, während der Kontakt mit ihrem Vater aufgrund ihrer Lebensweise abgebrochen ist. Gemeinsam mit dem Chateau übernahm Marcus auch die beiden jungen Frauen Amber und Jacqueline, die wohl die bemerkenswertesten Figuren sind. Die offensive Amber, zierliche 1,50 Meter groß, und die ruhige, hingebungsvolle Jacqueline gehörten zu den Kindern, die Marcus‘ Großonkel im Chateau gefangen hielt und regelmäßig von Kunden benutzen ließ. Als Elfjährige bereits zum Sex gezwungen, werden sie von Marcus als junge Frauen in eine Therapie geschickt, die jedoch nichts daran ändert, dass sie sich zu devoten Sexspielen hingezogen fühlen und das Chateau als Zuhause empfinden.
Die anfangs unrealistisch harmonische anmutende Viererbeziehung wird im weiteren Verlauf differenzierter dargestellt. Die beinah grenzenlose Liebe und Hingabe, die ihm die drei Frauen entgegenbringen, verunsichert Marcus bisweilen. Obwohl er weiß, dass Amber und Jacqueline freiwillig bei ihm leben und seine Quälereien genießen, fühlt er ein schlechtes Gewissen, da er sich unweigerlich mit seinem perversen Onkel vergleicht, der die Mädchen schonungslos ausbeutete. Auch die offene Beziehung ist nicht immer ungetrübt. Amber und Jacqueline fühlen sich zeitweise zurückgesetzt, da Marcus mit seiner Frau Caro die meiste Zeit verbringt, und Caro wiederum zeigt eifersüchtige Regungen, wenn den beiden anderen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Damit bleibt das Verhältnis immer noch mehr als ungewöhnlich, wird aber erfreulicherweise nicht als völlig unkompliziert hingestellt. Bei aller Innigkeit bleibt noch Raum für kleine Spannungen, (Selbst-)Zweifel und Schwierigkeiten, die dieser Konstellation den nötigen Realismus verleihen.
Eine interessante Nebenfigur ist außerdem Sergei, früher Major bei der Armee, heute offiziell Geschäftsmann und inoffiziell Mitglied der russischen Mafia. Gegen jährliche Abzahlungen hält sich Marcus Probleme mit der Russenmafia vom Hals, während Sergei im Gegenzug kleine Gefälligkeiten leistet und auch bei der Suche nach dem Mörder behilflich ist, wobei sich schließlich sogar herausstellt, dass er auch ein persönliches Interesse verfolgt. Marcus verbindet ein zwiespältiges Verhältnis mit Sergei, mit dem er nie Ärger hatte, den er aufgrund seiner Machenschaften aber auch nicht als Freund sehen kann. Trotz der eingehaltenen Distanz findet Marcus Sergei beinah wider Willen sympathisch, zumal Sergei kein gewissenloser Mörder ist, sondern, auch als Mafioso, bestimmte Grenzen nicht überschreitet.
|Spannende Mörderjagd|
Bis kurz vor Schluss bleibt die Handlung weitgehend temporeich und durchweg spannend. Bereits auf den ersten Seiten wird der Leser mit dem dritten Mordopfer konfrontiert. Das tote Mädchen, dessen Augen dem Mörder bis zum Schluss verächtlich entgegenblickten, verursacht beim Leser gleichsam wie bei Marcus Wolf ein unwohles Gefühl. Brisant wird es, als sich herausstellt, dass der Mörder in irgendeiner Form in Verbindung mit dem „Dominion“ stehen muss und sich Marcus von allen Seiten bedroht fühlt. Bereits zu Zeiten von Marcus‘ Großonkel ist der Täter offenbar im Chateau ein- und ausgegangen und der Verdacht erhärtet sich, dass Marcus ihm bereits persönlich begegnet ist. Weitere Morde geschehen, Marcus selbst steht unter Verdacht und die Zeit läuft ab, denn in wenigen Tagen wird das nächste Mädchen getötet, wenn Marcus und seine Freunde nicht rechtzeitig die Lösung finden. Der Leser entlarvt den Täter aufgrund von Hinweisen leicht etwas früher als die offizielle Enthüllung, doch das ist kein großes Manko, denn selbst als Marcus und seine Leute von seiner Identität überzeugt sind, fehlt ihnen der Beweis, um ihn zu überführen.
|Einblicke ins Milieu|
Wer sich überhaupt nicht für die Sadomaso-Szene interessiert oder sich gar davon abgestoßen fühlt, der wird an diesem Roman keine Freude haben. Allerdings muss man auch kein Anhänger sein, um Gefallen zu finden. Vor allem im ersten Viertel nehmen die sexuellen Schilderungen zwar ein wenig überhand und die scheinbar perfekte Abstimmung der jeweiligen Personen aufeinander erinnern an derartige Szenen aus Historicals. Es fließen jedoch auch viele Erklärungen des Ich-Erzählers ein, der dem Leser die bizarre Welt der Sadomasochisten ein wenig näher bringt. Gerade weil Marcus Wolf kein klassischer Sadist ist, sondern Hemmungen kennt und sich manchmal von seinen Frauen überhaupt erst überreden lassen muss, bestimmte Dinge zuzulassen, versteht man die Faszination, die er beschreibt, selbst wenn man sie nicht teilen sollte. Im „Dominion“ begegnet man Auspeitschungen, Sklaven mit Halsbändern, Ganzkörperkostümen, die auch das Gesicht einschließen, stolzen Doms mit ihren unterwürfigen Subs, die sich zu ihren Füßen kauern und an der Leine geführt werden. Die Schilderungen sind ausschweifend, aber nicht obszön, befremdlich, aber nicht pervers.
|Kleine Schwächen|
Es gibt nicht viele Mankos in diesem Roman, ein paar haben sich aber doch eingeschlichen. Im Verhältnis zwischen Marcus und seinem ehemaligen Kollegen Malowsky liegt eine Menge ungenutztes Potenzial. Ihre einstige Freundschaft wandelte sich in Feindschaft, die auch noch Bestand hat, als sie sich jetzt angesichts der Mordserie wiedersehen. Nachdem sie gezwungenermaßen zusammenarbeiten müssen, blüht die alte Verbundenheit wieder auf – und zwar rascher, als es angebracht wäre. Zu schnell söhnen sich die beiden wieder aus, reizvoller wäre aber gewesen, die Zwietracht noch etwas auszubauen und erst gegen Ende abzulegen.
Etwas ärgerlich sind die konstruierten Verhältnisse um Caro und ihre Familie. Nicht nur, dass sie aus einer millionenschweren Familie stammt, was der Skandal-Presse, die Marcus und das „Dominion“ umlagert, seltsamerweise verborgen geblieben ist, ihre geliebte „Uomi“ ist eine 118-jährige Dame, die gut ein paar Jahrzehnte jünger wirkt und das Chateau mit all seinen Lustspielchen noch aus den Gründertagen kennt. So liebenswert die „Madame“, wie Marcus sie ehrfürchtig nennt, auch geschildert wird, ihr methusalemisches Alter bei gleichzeitig fast jugendlicher Wachheit ist doch arg übertrieben. Ähnliches gilt auch für die Versöhnung zwischen Caro und ihrem Vater, die zu plötzlich herbeigeführt wird. Bei den Ermittlungen ist es ein wenig schade, dass den Löwenanteil der Täter-Identifizierung ein ausgeklügeltes Computer-System und Kommissar Zufall erledigt und Marcus nicht so sehr durch Recherche auf den Mörder kommt.
_Als Fazit_ bleibt ein spannungsgeladener Thriller, der in der Wiener BDSM-Szene spielt und mit interessanten Einblicken in das Milieu aufwarten kann. Wer sich nicht an recht expliziten Schilderungen von Sex und Gewalt stört, wird trotz kleiner Schwächen gut unterhalten. Auch wenn darüber bisher nichts zu hören ist, wären weitere Werke mit Marcus Wolf in der Hauptrolle willkommen.
_Der Autor_ ist ein Frankfurter Schriftsteller, der den Namen „Andras“ für dieses Werk als Pseudonym verwendet. Er bewegt sich seit mehreren Jahren in der BDSM-Szene und ließ sich für manche Charaktere von den Lebensgeschichten wirklicher Personen inspirieren.
Bislang hat der österreichische Autor Andreas Gruber eher durch Bücher in den Bereichen Science-Fiction, Horror oder Fantasy auf sich aufmerksam gemacht. Mit „Schwarze Dame“ legt er nun einen bodenständigen Thriller vor, der in der goldenen Stadt an der Moldau spielt.
Im Mittelpunkt steht der Wiener Versicherungsdetektiv Peter Hogart. Eines Tages bekommt er einen Anruf von einem seiner besten Auftraggeber, doch dieses Mal soll er nicht bloß einem Versicherungsbetrug auf die Spur kommen. In einem Prager Museum wurden bei einem Brand mehrere, bei |Medeen & Lloyd| versicherte Gemälde gestohlen, woraufhin die Versicherung Alexandra Schelling zwecks Ermittlungen nach Prag schickte. Doch die Frau, zu allem Überfluss die Nichte des Geschäftsführers, hat sich nicht mehr gemeldet. Sie scheint in Prag verschwunden zu sein, und nun soll Hogart ihr hinterherreisen und sie suchen.
Das Aufklären von Vermisstenfällen gehört normalerweise nicht zu seinem Metier, doch er nimmt den Auftrag an. Die Spurenlage ist mau. Als er der Unterweltgröße Greco einen Besuch abstattet, da Alexandra mit ihm in Verbindungen gestanden zu haben schien, lernt er die tschechische Privatermittlerin Ivona Markovic kennen. Sie arbeitet gerade an einer mysteriösen Mordserie in Prag, bei der einmal monatlich eine enthauptete Leiche aufgefunden wird. Die beiden freunden sich an und helfen sich bei ihren Ermittlungen, doch bald wird klar, dass ihre Aufträge vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt sind …
„Schwarze Dame“ ist ein hochqualitativer Thriller, der sich hinter Werken amerikanischer Kollegen nicht zu verstecken braucht. Die Handlung ist sauber konstruiert, geradlinig und spannend. Dadurch, dass Hogart kein Polizist, sondern Detektiv ist, bekommt seine Ermittlungsarbeit einen Hauch von Illegalität, und damit weiß Andreas Gruber sehr gut zu spielen. Er lässt seinen Helden in zwielichtigen Gegenden ermitteln, Hogart legt sich mit der Prager Polizei an, entgeht einem Anschlag auf sein Leben nur knapp und stochert in gesellschaftlichen Wespennestern herum. Die Handlung bleibt dabei allerdings angenehm authentisch. Hogart ist kein Überheld und er legt auch kein überenthusiastisches, unglaubwürdiges Ermittlerverhalten an den Tag. Vielmehr bleibt er stets auf dem Boden. Die Geschichte ist folglich nicht nur spannend, sondern auch realistisch, was nicht selbstverständlich für einen Thriller ist.
Wie bereits angeklungen, ist der Versicherungsdetektiv Peter Hogart ein sehr angenehmer Charakter. Obwohl auch er – wie fast jede Ermittlerfigur – an seiner Vergangenheit zu knabbern hat, ist diese erfreulicherweise keine Nebenhandlung in der Geschichte, sondern eine Handvoll Fakten, die ab und an zum Einsatz kommen. Desweiteren wirkt Hogart nicht wie ein Übermensch, ja noch nicht mal wie ein Über-Detektiv. Die Geschichte transportiert eine gewisse Berufserfahrung, die aber nie ins Negative abrutscht. Im Gegenteil ist Hogart alles andere als ein Fachidiot, so dass er den Leser nicht mit seitenlangen Ausführungen über High-Tech-Apparaturen und Ähnliches nervt.
Der Schreibstil ist flüssig und ausgewogen. Er offenbart genug Emotionen, reitet aber nicht zu sehr darauf herum. Ähnliches gilt für die Details. Auch hier hält Gruber sich angenehm zurück. Er lässt dem Leser Freiraum, seine eigene Fantasie spielen zu lassen und beschreibt nicht haarklein, wie die Schauplätze und Ereignisse aussehen. Frei nach dem Prinzip „Weniger ist oft mehr“ erzeugt er dadurch einen viel größeren Effekt, weil sich der Leser nicht auf hochkomplizierte Satzstrukturen, die völlig mit Informationen überladen sind, konzentrieren muss, sondern mit freiem Kopf der Geschichte folgen kann.
Zusammen mit dieser lockeren Erzählweise, der sympathischen Hauptperson und dem spannenden, filmtauglichen Plot ist „Schwarze Dame“ ein sehr gutes Buch geworden. Durch seine Bodenständigkeit büßt es ein wenig an Originalität ein. Allerdings muss man dazu anmerken, dass es schwierig ist, die Balance zwischen Bodenständigkeit und Originalität zu finden. Daher muss man Andreas Gruber ein großes Lob aussprechen. Sein Thriller gehört definitiv zu den besseren des Genres.
http://www.festa-verlag.de
|Siehe ergänzend dazu unsere [Rezension 2113 zu „Der Judas-Schrein“.|
Edinburgh steht in diesem Sommer des Jahres 2005 ganz im Zeichen des 31. G8-Gipfels. Staatsoberhäupter, Minister und Fachleute aus aller Welt treffen sich im unweit der Stadt gelegenen Gleneagles Hotel, um auf Einladung des britischen Premierministers Tony Blair über globalpolitische Themen zu verhandeln. Ihnen folgen unzählige Protestgruppen, welche die versammelte Führungselite in Anwesenheit der Medien an Versäumnisse und Fehler zu erinnern gedenken. Die Stadt gleicht einer Festung, Polizei, Sicherheitskräfte und diverse Geheimdienste bemühen sich um die Sicherheit der G8-Teilnehmer.
Nur einer bleibt außen vor: Detective Inspector John Rebus steht ein Jahr vor seiner Pensionierung endgültig auf dem Abstellgleis. Seine Vorgesetzten wollen den querköpfigen Polizisten vorsichtshalber ausgrenzen, doch sie begehen einen Fehler: Geblendet von der Chance, sich im Rahmen des Gipfels zu profilieren, lassen sie die Zügel locker, was Rebus umgehend nutzt, seine Fehde mit Morris Gerald „Big Ger“ Cafferty, einem gefürchteten Gangsterboss, fortzusetzen.
Als Ansatzpunkt dient ihm der Mord an dem Vergewaltiger und Schläger Cyril Colliar, der in Caffertys Diensten stand. Spuren sind rar, bis ein Stück der Jacke des Opfers gefunden wird. Weitere Kleidungsfetzen machen deutlich, dass Colliar nur ein Opfer eines Serienkillers ist, der es auf Sexualstraftäter abgesehen hat.
Die Ermittlungen gestalten sich wegen des Gipfels schwierig. Trotzdem findet Rebus die Zeit, sich in einen zweiten Fall einzumischen: Ein Abgeordneter aus London stürzt über die Zinnen des Edinburgher Schlosses, was den arroganten aber leider hochrangigen Geheimdienstler Steelforth auf den Plan ruft, der den beharrlich und ohne Rücksicht auf diplomatische Befindlichkeiten ermittelnden Rebus deckelt.
An zu vielen Fronten gleichzeitig unter Druck geratend, muss Rebus noch weiter aus der Deckung als sonst und kann doch nicht verhindern, dass ihm Cafferty, diverse moralisch korrumpierte Machtmenschen sowie ihre willig mörderische Drecksarbeiten erledigenden Schergen das Leben zur Hölle machen …
Wieder einmal nutzt Rankin die Gelegenheit, im Rahmen eines Kriminalromans aktuelle Blicke auf ’sein‘ Edinburgh zu werfen. Schon mehrfach hat er einen Rebus-Fall mit realen Ereignissen verknüpft. Dieses Mal ist es das G8-Treffen vom Juli 2005. Es bot sich für den kritischen Rankin förmlich an: Ein eitler Premierminister lädt die Welt nach Schottland ein, um sich dort umgehend mit seinen Gästen wie in einem belagerten Fort förmlich einzuigeln.
Der ‚Feind‘ ist die Schar der Kritiker, die Blair und die Politik, für die er und seine Gäste stehen, als Kette krimineller Fehlentscheidungen betrachten. Auf dem G8-Programm standen besonders neuralgische Punkte wie die globale Klimaveränderung, der Krieg gegen den Terrorismus, Reformen für den Nahen Osten und die Neuregelung der Entwicklungshilfen für Afrika. Von den Medien dazu ermuntert, schaute die Welt für einige Tage auf Schottland, und das bot sowohl den Teilnehmern des Gipfels als auch ihren Gegnern die Gelegenheit zur Selbstdarstellung.
Ian Rankin hat 2005 in Edinburgh die Ereignisse um das G8-Treffen beobachtet und seine Tauglichkeit als Hintergrund für einen Rebus-Roman erkannt. Sarkastisch teilt er nach beiden Seiten aus; es trifft die selbstherrlich unter sich tagenden Politiker und die mehr an Randale als an konstruktiver Opposition interessierten Protestler gleichermaßen.
Vor diesem eindringlich dargestellten Chaos wirkt es beinahe logisch, dass ein Mordkomplott und die Taten eines vigilantischen Serienkillers von allen Beteiligten eher als Ärgernis und Nebensache betrachtet werden. Womöglich kommt das diesem Roman zugute, denn als Krimi bietet Rankin mit „Im Namen der Toten“ jenseits der G8-Kulisse und Rebus‘ Ringen mit „Big Ger“ Cafferty vor allem Routine.
Einmal mehr tanzt Rankin auf zu vielen Hochzeiten. Die beiden Mord-Plots reichen ihm noch nicht, im letzten Drittel lässt er Siobhan Clarke den Sirenengesängen Caffertys erliegen, aus dessen Fängen sie Rebus nun auch noch retten muss.
Ein wenig kurz kommt dieses Mal Rankins Vorliebe für obskure Stätten seiner schottischen Heimat. Immerhin spielt der „Clootie Well“ eine wichtige Rolle: Eigentlich auf der Black Isle nördlich von Inverness gelegen und vom Verfasser kurzerhand in die Nähe von Edinburgh verlagert, ist dies eine Quelle, der seit ‚heidnischer‘ Zeit eine Glück spendende Wirkung nachgesagt wird. Als ‚Opfer‘ hängen die Wünschenden Kleidungsstücke in die Äste der Bäume und Sträucher um die Quelle. Da diese Textilien mit der Zeit verrotten, ergibt sich ein in heutiger Zeit unwirklicher und unheimlicher Anblick, was Rankin sehr gut in seine Geschichte einzuflechten weiß.
Wehe, wenn er losgelassen … Wieder einmal müssen John Rebus‘ Vorgesetzte feststellen, wie wahr dieses alte Sprichwort ist. Sie glaubten ihn dieses Mal fern aller Orte, an denen er, der nie Rücksicht auf politische Konstellationen und Absprachen nimmt, keinen Unfrieden stiften kann. Irrtum, denn Rebus weiß um seine Narrenfreiheit: Ein Jahr vor seiner Pensionierung kann man ihm kaum mehr etwas anhaben, und das nutzt er gnadenlos aus.
Offener denn je verleiht Rankin seinem Unmut über die servile Vertrautheit der kommunalen Obrigkeit mit der Politik, der Wirtschaft und den Medien Ausdruck. Die Welt wurde längst unter diversen Großkonzernen aufgeteilt, die Politiker sind zu ihren Erfüllungsgehilfen degeneriert, was sich durch die Instanzen der Macht hinab fortsetzt. Unten steht der Bürger, gleichermaßen belogen wie desillusioniert. Das macht ihn nicht zum besseren Menschen: Formiert er sich, dann übernimmt er im Kleinen die Motive und Verhaltensweisen der Großen. Eine Diskussion zwischen Unten und Oben scheint ohnehin unmöglich geworden zu sein. Rankin schildert detailliert die eingefahrenen Mechanismen, nach denen Protest heutzutage von ‚hauptberuflichen‘ Demonstranten, der Staatsgewalt und den Medien als Schauspiel inszeniert wird.
Dass sein Job, der ihm trotz der damit verbundenen Härten alles bedeutet, bald ein Ende haben wird, bedrückt Rebus sehr. Vor allem ist da eine alte Rechnung offen. Seinen Erzfeind „Big Ger“ Cafferty, mit dem ihn freilich auch sorgsam unterdrückte kameradschaftliche Gefühle verbinden, will Rebus unbedingt noch zur Strecke bringen. Das scheint schwieriger denn je, denn ausgerechnet der alte Gauner versorgt ihn mit nützlichen Hinweisen, mimt scheinheilig den geläuterten, altersweisen Mitbürger und beweist auch auf diesem glatten Parkett mehr Standfestigkeit als Rebus.
Nicht einmal auf Siobhan Clarke kann sich Rebus verlassen. Dabei setzt er vor allem auf sie seine Hoffnungen auf eine Veränderung eingeschliffener Polizeiroutinen, die nur mehr Karrieristen und Speichellecker in die oberen Ränge zu befördern scheinen. Clarke weiß, was sie ihrem Mentor verdankt, und sie ist sichtlich gereift, seit sie zum ersten Mal seinen Weg kreuzte. Dennoch fehlt ihr die Erfahrung mit Menschen wie „Big Ger“ Rafferty, der sie für eine Gefälligkeit zahlen und bluten lässt. Obwohl dieser Handlungsstrang zur inhaltlichen Überfrachtung des Romans beiträgt, liest sich das Tauziehen um Clarkes Seele zwischen Rebus und Cafferty äußerst spannend. Es dient außerdem eine Vorbereitung auf die Zeit nach Rebus‘ Pensionierung: Es zeichnet sich ab, dass er Clarke auch als Vertraute im Polizeidienst aufgebaut hat, die ihm helfen wird, weiterhin auf Schurkenfang zu gehen. Das wollen wir jedenfalls hoffen, denn „Im Namen der Toten“ liest sich einmal mehr so spannend, dass der Gedanke an ein Ausbleiben weiterer Fälle schreckt!
Ian Rankin wurde 1960 in Cardenden, einer Arbeitersiedlung im Kohlerevier der schottischen Lowlands, geboren. In Edinburgh studierte er ab 1983 Englisch, zunächst mit dem Schwerpunkt Amerikanische, später Schottische Literatur. Schon früh begann er zu schreiben. Zunächst hoffnungsvoller Poet, wechselte er als Student zur Prosa. Nach zahlreichen Kurzgeschichten versuchte er sich an einem Roman, fand aber keinen Verleger. Erst der Bildungsroman „The Flood“ erschien 1986 in einem studentischen Kleinverlag.
Nachdem sein Stipendium ausgelaufen war, verließ Rankin 1986 die Universität und ging nach London, wo er u. a. als Redakteur für ein Musik-Magazin arbeitete. Nebenher veröffentlicht er den Kolportage-Thriller „Westwind“ (1988) sowie den Spionageroman „Watchman“ (1990). Unter dem Pseudonym „Jack Harvey“ verfasste Rankin in rascher Folge drei Action-Thriller.
1991 griff er eine Figur auf, die er vier Jahre zuvor im Thriller „Knots & Crosses“ (1987; dt. „Verborgene Muster“) zum ersten Mal hatte auftreten lassen: Detective Sergeant (später Inspector) John Rebus. „Knots & Crosses“ war 1987 weniger als Kriminalroman, sondern eher als intellektueller Spaß im Stil Umberto Ecos gedacht, den sich der literaturkundige Autor mit seinem Publikum machen wollte. Schon die Wahl des Namens, den Rankin seinem Helden gab, verrät das Spielerische: Um Bilderrätsel – Rebusse – dreht sich die Handlung.
Mit John Rebus gelang Rankin eine Figur, die im Gedächtnis seiner Leser haftete. Als man ihn immer wieder auf das weitere Schicksal des Sergeanten ansprach, wurde er sich dessen Potenzials bewusst. Die Rebus-Romane ab „Hide & Seek“ (1991; dt. „Das zweite Zeichen“) spiegeln das moderne Leben (in) der schottischen Hauptstadt Edinburgh wider. Rankin spürt den dunklen Seiten nach, die den Bürgern, vor allem aber den (zahlenden) Touristen von der traulich versippten Führungsspitze aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kirche gern vorenthalten werden. Daneben lotet Rankin die Abgründe der menschlichen Psyche aus. Simple Schurken, deren möglichst malerisches, weil ‚gerechtes‘ Ende bejubelt werden kann, gibt es bei ihm nicht.
Ian Rankins Rebus-Romane kamen nach 1990 in Großbritannien, aber auch in den USA stets auf die Bestsellerlisten. Die renommierte „Crime Writers‘ Association of Great Britain“ zeichnete ihn zweimal mit dem „Short Story Dagger“ (1994 und 1996) sowie 1997 mit dem „Macallan Gold Dagger Award“ aus. 1992 ehrte man ihn in den USA mit dem „Chandler-Fulbright Award“ als „Nachwuchsautoren des Jahres“. Rankin gewann im Jahre 2000 weiter an Popularität, als die britische BBC beginnt, die Rebus-Romane zu verfilmen.
Ian Rankins [Website]http://www.ianrankin.net ist höchst empfehlenswert; über die bloße Auflistung seiner Werke verwöhnt sie u. a. mit einem virtuellen Gang durch das Edinburgh des John Rebus.
Die John-Rebus-Romane erscheinen in Deutschland im Wilhelm Goldmann Verlag (Stand: Januar 2008):
01. Verborgene Muster (1987, „Knots & Crosses“) – TB-Nr. 44607
02. Das zweite Zeichen (1991, „Hide & Seek“) – TB-Nr. 44608
03. Wolfsmale (1992, „Wolfman“/“Tooth and Nail“) – TB-Nr. 44609
04. Ehrensache (1992, „Strip Jack“) – TB-Nr. 45014
05. Verschlüsselte Wahrheit (1993, „The Black Book“) – TB Nr. 45015
06. Blutschuld (1994, „Mortal Causes“) – TB Nr. 45016
07. Ein eisiger Tod (1995, „Let it Bleed“) – TB Nr. 45428
08. Das Souvenir des Mörders (1997, „Black & Blue“) – TB Nr. 44604
09. Die Sünden der Väter (1998, „The Hanging Garden“) – TB Nr. 45429
10. Die Seelen der Toten (1999, „Dead Souls“) – TB Nr. 44610
11. Der kalte Hauch der Nacht (2000, „Set in Darkness“) – TB Nr. 45387
12. Puppenspiel (2001, „The Falls“) – TB Nr. 45636
13. Die Tore der Finsternis (2002, „Resurrection Man“) – TB Nr. 45833
14. Die Kinder des Todes (2003, „A Question of Blood“) – TB Nr. 46314
15. So soll er sterben (2004, „Fleshmarket Close“) – TB Nr. 46440
16. Im Namen der Toten (2006, „The Naming of the Dead“)
17. „Exit Music“ (2007, noch kein dt. Titel)
Darüber hinaus gibt es zwei Sammlungen mit Rebus-Kurzgeschichten: „A Good Hanging & Other Stories“ sowie „Beggars Banquet“. Hinzu kommt „Rebus’s Scotland“, ein Fotoband mit Texten von Rankin, der hier jene Orte aufsucht, die ihn zu seinen Romanen inspirierten. Wer es versuchen möchte, kann auch seine Englisch-Kenntnisse mit Hilfe der Rebus-Krimis aufpolieren: „Just Ask Inspector Rebus“ sowie „Three New Cases for Inspector Rebus“ erschienen 2007 in der Reihe der Berlitz-Sprachführer.
http://www.manhattan-verlag.de
_Ian Rankin auf |Buchwurm.info|:_
[„Der diskrete Mr. Flint“ 3315
[„So soll er sterben“ 2489 (Hörbuch)
[„So soll er sterben“ 1919
[„Die Sünden der Väter“ 2234
[„Puppenspiel“ 2153
[„Wolfsmale“ 1943
[„Ehrensache“ 1894
[„Das Souvenir des Mörders“ 1526
[„Die Tore der Finsternis“ 1450
[„Das zweite Zeichen“ 1442
[„Verborgene Muster“ 956
[„Ein eisiger Tod“ 575
|“Zunächst hatte Hippolyt mit Vernaccia und Cabernet geliebäugelt, mit Sangiovese di Romagna, Lambrusco, Gutturnio und schließlich Barbera und Moscato. Nein, nicht um all diese Weine zu trinken, höchstens gelegentlich ein kleines Degustationsglas. Vielmehr hatte er seine Giulietta durch die Anbaugebiete steuern wollen, getreu der Maxime, dass der Weg das Ziel wäre. Er liebte die romantischen Strade die vini, die durch die reizvollsten Landschaften Italiens führten. Der Vernaccia hätte ihn nach San Gimignano ins Elsa-Tal geleitet, von dort durchs Chianti Classico und an Florenz vorbei nach Carmignano, wo traditionell Cabernet Sauvignon angebaut wird. […] Recht bald aber hatte er diese reizvolle Streckenführung verworfen, sie war ihm dann doch zu zeitraubend und lustorientiert erschienen. Immerhin gab es für seinen Ausflug einen ernsten, einen todernsten Anlass. Entweder hatte sich Rettenstein durch einen makabren Unglücksfall ins Jenseits befördert, oder er war Opfer einer brutalen Gewalttat geworden. In jedem Fall erforderte es der Respekt, sich dem Ziel auf direktem Weg zu nähern.“|
Genau das ist Hippolyt Hermanus durch und durch: immer pragmatisch, aber doch mit einem gewissen Gefühl für guten Geschmack und gutes Benehmen. Denn wenn er schon einen eventuellen Mordfall aufzuklären hat, kann es ja nichts schaden, die besten Weine auf dem Weg zu kosten, oder nicht? Aber dann packt ihn doch das schlechte Gewissen, denn kurz vor seinem Tod hatte Rettenstein per Mail Hilfe bei Hipp, wie Hermanus gern genannt wird, angefordert.
_Wenn Pilze und Wein zum Verhängnis werden …_
Ildefonso Battardi ist der angesehenste Trüffelsucher im Piemont. Als er sich jedoch an diesem Tag mit seinem Hund auf die Suche nach den besten Trüffeln macht, merkt Ildefonso, dass etwas anders ist. Er ist skeptisch, irgendetwas liegt in der Luft. Noch bevor er den ersten Trüffel aus der Erde graben kann, trifft ihn eine Ladung Schrot, die das Ende seiner letzten Trüffelsuche markiert.
Auch Hubert Rettenstein hat einen schweren Tag: Ein Blatt Papier ist mit einem Parmesanmesser auf seinem Schreibtisch befestigt, und die Botschaft verkündet nichts Gutes, denn angeblich sollen Rettensteins beste Weine vergiftet sein. Um den Gegenbeweis anzutreten, schenkt Rettenstein sich selbst ein Glas des vermeintlich vergifteten Weins ein, hält aber im letzten Moment noch inne und gibt zunächst seiner Katze zu trinken. Als er ihr zuprosten will, krümmt die Katze sich am Boden und erstarrt schließlich. Glück gehabt! Doch dieses währt nicht lang, denn kurz darauf wird Rettenstein in seinem Weinkeller aufgefunden – tot unter einem Weinregal liegend. War es ein Unfall oder hat jemand absichtlich das Regal umgestoßen?
Zunächst sehen beide Todesfälle wie Unfälle aus: Ildefonso wurde von der irregeleiteten Schrotladung eines Jägers niedergestreckt, während Rettensteins überfüllte Weinregale ihm schließlich zum Verhängnis wurden. Auch der Maresciallo Viberti von den Carabinieri in Alba zeigt wenig Interesse an der Aufklärung möglicher Kriminalfälle, denn die Trüffelzeit ist angebrochen und damit eine Saison kulinarischer Hochgenüsse.
Doch Hipp packt das schlechte Gewissen, hatte Rettenstein ihn doch um Hilfe gebeten, die Hipp aus reiner Bequemlichkeit ihm nicht gewährte. Er beschließt, mit seiner altersschwachen Giulietta an den Ort des Unglücks zu fahren und ein paar Nachforschungen anzustellen. Seine Freundin Sabrina ist zunächst wenig begeistert von Hipps Abwesenheit, zumal bald Rettensteins uneheliche und überaus attraktive Tochter Gina auftaucht, die Hipps Leben gewaltig in Aufruhr bringt.
_Die wunderbar erträgliche Leichtigkeit des Seins_
In Hippolyt Hermanus Leben herrschen Harmonie, Beschaulichkeit und natürlich guter Wein. Während er für Tartufo zunächst wenig übrig hat, ist er einem edlen Tropfen Wein gern zugeneigt. Als eine unbequeme Mail seine Muße stören will, ignoriert er diese, doch dann will er Rettensteins Tod doch auf den Grund gehen. Schnell vermutet Hipp ein herbeigeführtes Unglück, denn zu viele Hinweise deuten auf Fremdeinwirkung: Rettenstein ist offensichtlich gar nicht in seinem Weinkeller zu Tode gekommen, sondern wurde dort unter einem umgestürzten Regal drapiert, um alles wie einen Unfall aussehen zu lassen. Doch davon lässt sich natürlich ein Hippolyt Hermanus nicht täuschen.
Mit cleverer Kombinationsgabe und vor allem den richtigen Beziehungen zu einem gewissen Carabinieri gelangt Hipp immer wieder an die richtigen Informationen. Nur die schöne Gina stellt sein Leben auf den Kopf. Alles deutet darauf hin, dass sie ihren Vater ins Jenseits befördert hat, um an sein Geld zu kommen. Hipp jedoch setzt alles dran, ihr zu einem Alibi zu verhelfen. Er flüchtet zusammen mit Gina, um nachzuforschen, ob sie für den Tatabend nicht doch ein Alibi hat. Und was lange währt, wird endlich gut, denn schließlich erinnert sich Gina, wie sie am fraglichen Abend bei ihrer Mutter gewesen und die Ärztin zu einem Hausbesuch gekommen ist und somit bezeugen kann, dass Gina bei ihrer Mutter war. Klingt zwar gut, doch inzwischen hat Hipp sich selbst zum Tatverdächtigen gemacht, da er Gina zur Flucht verhalf, und dummerweise hat er selbst kein Alibi …
So richtig kann ihn dies aber nicht erschüttern, denn Hipp lässt sich von solchen Bedrohungen nicht einschüchtern, er nimmt es gelassen und geht weiterhin seinen Nachforschungen nach. Das eine oder andere Gläschen Wein hilft ihm dabei, die Ruhe und den Durchblick zu bewahren.
_Beschauliche Gemächlichkeit_
Eine sympathische Beschaulichkeit ist es, die das gesamte Buch ausstrahlt. Michael Böckler nimmt sich viel Zeit, die kulinarischen Highlights Italiens zu beschreiben; so lernen wir ganz nebenbei die besten Weine kennen, die leckersten Gerichte und die schmackhaftesten Trüffel. Manch einem mag das zu viel an Lokalkolorit sein, ich persönlich fand diese Exkurse allerdings immer sehr lehrreich, zumal ein umfangreicher Anhang das Buch abrundet. Viele Begriffe im Buch sind mit einem Stern markiert und deuten darauf hin, dass sich zu diesem Ort, zu dieser Delikatesse oder zu diesem Gericht im Anhang weiterführende Informationen finden werden. Dort beschreibt Michael Böckler, was einen guten Wein ausmacht, wann sich ein Barolo Riserva nennen darf, wo es die besten Trüffel zu finden gibt, in welchem Restaurant man einkehren muss, und auch zahlreiche Rezepte runden den Anhang ab. So wird das Buch zu einem literarischen und auch kulinarischen Leckerbissen, den ich auf meine nächste Italienreise, die mich ins Piemont führen sollte, garantiert einpacken werde, um genau zu wissen, wo die beschriebenen Leckereien am besten zu genießen sind.
Im Zentrum der Geschichte steht der überaus sympathische Hippolyt Hermanus, der sich nicht nur mit einem vertrackten Kriminalfall konfrontiert sieht, sondern auch mit einer schönen Frau, die ihn immer wieder in Versuchung führen will, beispielsweise wenn sie komplett entkleidet ihre Klimmzüge macht, um keine Klamotten dabei durchzuschwitzen. Doch auch wenn es ihm ausgesprochen schwerfällt, so duscht Hipp lieber kalt, als dass er seine geliebte Sabrina hintergeht. Hipp mit seiner netten und gelassenen Art, seiner penetranten Vorgehensweise und seiner Vorliebe für gutes Essen und leckeren Wein wird zu einer Identifikationsfigur, die man gerne begleitet und von der man unbedingt mehr wissen will.
_Literarischer Leckerbissen_
Michael Böcklers „Tödlicher Tartufo“ ist ein leicht bekömmlicher und schmackhafter Kriminalroman, der durch seine sympathischen Figuren punktet, durch die bildhaften Beschreibungen der italienischen Landschaften und die exquisiten Beschreibungen all der dortigen Delikatessen, die dem Leser das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Mit viel Liebe zum Detail und einem nicht zu überlesenden Wortwitz beschreibt Böckler seine Figuren und Schauplätze. „Tödlicher Tartufo“ ist trotz der Morde ein sehr beschaulicher Roman, der sicher nicht so viel Tempo entwickelt wie andere Krimis, aber durch seine Gemächlichkeit überzeugt und einen sehr guten Nachgeschmack hinterlässt. Ich freue mich schon auf das nächste literarische Menü, das Michael Böckler uns kredenzt!
Der Raub eines Gemäldes führt zum blutigen Krieg zwischen diversen Fraktionen der Moskauer Unterwelt. Koalitionen entstehen und zerbrechen, während Doppelspiele und Verrat die Zahl der Opfer sogar für russische Verhältnis bedenklich ansteigen lässt … – Spannend-lakonischer, an (manchmal etwas zu) detailliert geschilderter Gewalt nie sparender Thriller, der in einem Russland spielt, in dem der Kapitalismus mit krimineller Anarchie und der Missachtung sämtlicher Menschenrechte eine unheilige Dreifaltigkeit bildet. Brent Ghelfi – Russisches Abendmahl weiterlesen →
Viele Leute fühlen sich dazu berufen, ihr Leben niederzuschreiben, in der Hoffnung, dass sich jemand dafür interessiert. Doch nur mal angenommen, jemand würde sich ein Leben konstruieren, es nach seinen Vorstellungen nachspielen und dann aufschreiben? Das ist sicherlich eine harmlose Spinnerei – es sei denn, sie passiert in dem Thriller „Kein Entrinnen“ des Franzosen Romain Sardou.
Überraschenderweise spielt das Buch aber nicht in Frankreich, sondern in den USA, wo Sardou eine ganze Weile als Drehbuchschreiber in Los Angeles gewohnt und gearbeitet hat. Es spielt allerdings nicht in der tobenden Großstadt, sondern in einer ruhigen Gegend. Das Örtchen New Hampshire ist an und für sich sehr beschaulich, so dass Chief Inspector Stu Sheridan selten wirklich viel zu tun hat. Doch dann werden an einem Wintertag 24 Leichen auf einmal an einer Baustelle gefunden.
Alle Opfer starben auf die gleiche Art und Weise und besitzen kaum gemeinsame Merkmale, sie sind noch nicht mal aus der Gegend. Sheridan wird sehr schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Ein verabredeter Massenselbstmord? Das Werk einer Sekte? Der gesetzte Gesetzeshüter schaltet das FBI ein, obwohl er deren Art, solche Fälle sofort an sich zu reißen, eigentlich nicht leiden kann. Und tatsächlich nimmt das FBI sich nicht nur dieses Falles sofort an, sondern verhängt auch noch eine Nachrichtensperre und schließt Sheridan völlig aus den Ermittlungen aus. Dieses totale Abriegeln kommt ihm dann doch etwas eigentümlich vor. Was hat das FBI zu verbergen, dass es noch nicht mal die Familien der Toten benachrichtigt? Verbotenerweise ermittelt er mit zwei Kollegen weiter.
Währenddessen zieht der junge Professor Frank Franklin an die nahe Universität, wo er Kreatives Schreiben unterrichten soll. Ihm gefällt der beschauliche Ort, doch er merkt schnell, dass das Universitätsgelände ein paar Geheimnisse verbirgt. Wenig später findet Sheridan endlich eine Gemeinsamkeit bei den Opfern des Massenmordes: Sie alle waren Fan eines Schriftstellers. Um an diesen heranzukommen, kontaktiert Sheridan Franklin und bittet ihn um seine Mithilfe, nicht ahnend, dass wesentlich mehr hinter dem Mord steckt, als er je gedacht hätte …
Der Klappentext von „Kein Entrinnen“ weist auf eine großangelegte Verschwörung hin, doch welcher Thriller schmückt sich heutzutage nicht damit, eine Verschwörung aufzudecken? Kann das Buch von Sardou so viel Neues bieten? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn zum einen ist „Verschwörung“ ein dehnbarer Begriff geworden und zum anderen präsentiert Sardou zwar eine ausgefallene Handlung mit einigen Überraschungen, aber leider auch einigen vorhersehbaren Strecken. Das nimmt dem Buch einiges an Spannung, auch wenn es immer wieder jähe Momente gibt, die den Leser beinahe die Luft anhalten lassen. Diese Wendungen sind es, die „Kein Entrinnen“ letztendlich aus der Masse hervorstechen lassen; diese Wendungen und Sardous trockener Erzählstil.
Die Nüchternheit, mit der Sardou von den Geschehnissen berichtet, wirkt in der Perspektive von Sheridan beinahe emotionslos, während er Franklin weit mehr Freiraum in Form von Gedanken, die nicht direkt mit dem Fall in Zusammenhang stehen, gewährt. Dadurch entsteht ein leichtes Ungleichgewicht, und da der Tonfall sehr sachlich ist, wirken Franklins Gedanken manchmal ein wenig überflüssig. Trotzdem schreibt Sardou sehr angenehm, mit einem großen Wortschatz und genau dem richtigen Maß an Details und Wissensfetzen. Er schiebt immer wieder Zwischenbemerkungen ein, welche die Geschichte satter erscheinen lassen und den Leser bei Laune halten.
Der Schreibstil, der auf der einen Seite einen großen Teil der sauberen und durchdachten Unterhaltung ausmacht, wird für die Personen zur Stolperfalle. Sie können sich nicht wirklich entfalten, und das, obwohl sie eigentlich gut durchdacht sind und beispielsweise im Falle von Franklin auch eine sehr interessante Biografie vorweisen können. Doch der Funke kann nicht überspringen, was es vielleicht auch der Handlung erschwert, über weite Strecken mitreißend zu sein.
Dennoch bietet „Kein Entrinnen“ einen gut lesbaren Thriller, der sich durch überraschende Spannungsmomente und eine saubere Ausarbeitung auszeichnet. Zudem ist das Thema, das behandelt wird, interessant aufgebaut und Sardou schafft es, die eine oder andere unerwartete Wendung einzubinden, die zum Weiterlesen animiert.
Gibt es den Teufel? Oder wer ist für das Schlechte auf der Welt verantwortlich? Wie kann eine Nahtod-Erfahrung einen Menschen prägen? Und wie kann eine Leiche an den verschiedenen Körperteilen unterschiedlich stark verwest sein? All dies sind die Fragen, die der französische Bestsellerautor Jean-Christophe Grangé in seinem neuesten packenden Thriller aufwirft, und wieder einmal ist seine Mischung anders, sie hebt sich vom Mittelmaß ab und weiß über knapp 800 Seiten zu begeistern – so viel sei schon einmal vorweg genommen.
_Vom Teufel besessen_
Mathieu Durey ist bereits seit Jahren mit Luc Soubeyras befreundet. Sie haben sich kennengelernt, weil sie beide strenggläubig waren. Sie wollten Gott dienen und das Böse auf der Welt bekämpfen. Doch während Mathieu seinen Glauben immer weiter stärken kann, fühlt Luc sich immer mehr dem Bösen zugeneigt. Er hinterfragt die Existenz des Teufels und wendet sich von Gott ab. Nach seinen prägenden Kriegserfahrungen beschließt er, dem Guten lieber als Polizist zu dienen. Mathieu kann dies zunächst nicht nachvollziehen, doch nachdem er in Ruanda selbst etliche Gräuel erlebt hat, die er sich zuvor in seinen schlimmsten Albträumen nicht hätte ausmalen können, folgt er Luc auf seinem Weg. Mathieu kehrt seinem Priesterseminar den Rücken zu und wird ebenfalls Polizist. Im Gegensatz zu Luc jedoch besucht er weiterhin regelmäßig den Gottesdienst und lebt seinen Glauben aus.
Doch dann geschieht das Unmögliche: Luc versucht, sich das Leben zu nehmen. Mit Gewichten beschwert, will er sich ertränken. Dank des kalten Wassers und da er nicht ertrunken, sondern früh genug ohnmächtig geworden ist, kann Luc aber wiederbelebt werden. Fortan liegt er im Koma und Mathieu steht mit seinen Fragen alleine. Wie kann Luc als gläubiger Katholik diese Todsünde begehen? Und wieso ist er mit Einstichstellen an den Armen aufgefunden worden? Mathieu kann nicht glauben, dass Luc Drogen genommen hat und nicht mehr leben wollte. Etwas Schreckliches muss passiert sein. Eine Münze, die Luc bei seinem Selbstmordversuch in den Händen hielt, ist es, die Mathieu schließlich auf die Spur des Teufels bringt.
Schritt für Schritt versucht Mathieu, Lucs Selbstmordversuch auf die Spur zu kommen. An welchem Fall hat Luc zuletzt gearbeitet? Wo hat er sich aufgehalten? Und was kann ihn dazu veranlasst haben, sich das Leben zu nehmen? Schon bald erfährt Mathieu, dass Luc regelmäßig nach Besançon gefahren ist. Lucs Frau Laure befürchtet, dass Luc dort schon seit längerem eine Freundin hat. Zu häufig ist er vor seinem Selbstmordversuch verreist, zu oft hat er seine Frau und seine beiden Töchter zurückgelassen, um sich davonzustehlen. Doch auch dies kann Mathieu einfach nicht glauben. Er durchsucht Lucs Arbeitszimmer und findet eine umfangreiche Aktensammlung, welche die grausamsten Kriminalfälle dokumentiert. Diese Aktenordner und die Münze sind es, die Mathieu nach Mordfällen suchen lassen, die auf satanistische Praktiken hindeuten. Dabei stößt er auf den Fall der getöteten Sylvie Simonis aus Sartuis, der viele Rätsel aufwirft. Die örtliche Polizei versucht, den Fall zu verschweigen und versorgt auch die Presse nicht mit Informationen. Doch Mathieu kann schließlich herausfinden, dass Sylvies Leiche für Aufsehen gesorgt hat. Während ihr Gesicht noch klar erkennbar war, wiesen ihre anderen Körperteile starke Verwesung auf. Alle Verwesungsstadien waren an nur einer Leiche zu finden, sie war übersät mit Maden, Fliegen und anderem Getier.
Je weiter Mathieu nachforscht, umso mehr Fragen wirft er dabei auf, denn Sylvies Leben ist von vielen Geheimnissen umgeben. Nicht nur ihr Mörder ist unbekannt, auch ihre Tochter Manon ist Jahre zuvor unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Damals gab es zwar drei Verdächtige, doch verurteilt wurde niemand. Außerdem gehen Gerüchte um, dass Manon vom Teufel besessen war. Hatte etwa Satan seine Finger im Spiel? Zumindest sind es teuflische Morde, auf deren Spur Mathieu nach und nach kommt. Denn Sylvie war nicht die einzige Leiche, die unterschiedlich stark verwest war, in Europa gab es noch weitere Fälle. So führen Mathieus Nachforschungen ihn bald nach Sizilien, wo er eine Frau im Gefängnis besucht, die vor Jahren nach einer Pilgerfahrt nach Lourdes geheilt wurde. Ihr Fall wurde sogar durch den Vatikan als Wunder anerkannt, doch nun wurde sie als Mörderin ihres Mannes verurteilt. Es ist eine teuflische Schnitzeljagd, auf die Mathieu sich begibt. Und immer war Luc schon vor ihm dort, immer war er ihm einen Schritt voraus …
_Eine teuflische Schnitzeljagd_
Nicht etwa ein Mord ist es, der Anlass für Mathieu ist, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, sondern es ist der versuchte Selbstmord seines besten Freundes Luc. Dies ist schon zu Beginn des 800 Seiten starken Buches eine kleine Überraschung, die vom gewohnten Thrillermuster abweicht. Doch schnell wendet sich Jean-Christophe Grangé dem bekannten Muster zu, denn ungewöhnliche Mordfälle sind es, die es schließlich aufzuklären gilt. Bis Mathieu jedoch zu dieser Einsicht gelangt, muss er einen im wahrsten Sinne des Wortes weiten Weg gehen. Denn seine Ermittlungen führen ihn bald über die Grenzen Frankreichs hinaus; zunächst begibt er sich nach Sizilien, um Agostina Gedda kennenzulernen, die für den Mord an ihrem Ehemann verurteilt wurde, obwohl sie doch von Gott auserwählt ist, da sie nach einer Pilgerreise nach Lourdes von einer tödlichen Krankheit geheilt wurde. Geheimakten aus dem Vatikan sind es an dieser Stelle, die Mathieu auf negative Nahtod-Erfahrungen aufmerksam machen, die nicht vom Licht handeln, auf das man sich zubewegt, sondern von einer schreckenerregenden Gestalt, in der die Menschen den Teufel vermuten. Kann diese Begegnung mit dem Teufel eine solche Persönlichkeitswandlung hervorrufen? Obwohl alle Hinweise darauf hindeuten, will Mathieu die Existenz des Teufels nicht anerkennen und sucht nach einer logischen Erklärung für die Taten der Verurteilten.
Immer sind es nur winzige Hinweise, die ihn voranbringen. Es ist eine mühsame Spurensuche, auf die sich Mathieu begibt, zumal seine Ermittlungen in Sartuis von der örtlichen Polizei auch noch behindert werden. Niemand will ihm Informationen über Sylvie und ihre Tochter geben, alles wird unter Verschluss gehalten, und wieder einmal ist es der Zufall, der Mathieu die Lösung von Manons Tod zuspielt. Mathieu ist schockiert, als er den wahren Mörder der kleinen Manon identifiziert, doch langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen. Ganz allmählich entsteht ein immer klareres Bild von den Taten, von den bösen Dingen und schließlich auch vom Mörder. Doch Mathieu ist klar, dass Luc noch mehr gewusst haben muss, erst spät erkennt Mathieu, was Luc in den Selbstmord getrieben hat.
Im Mittelpunkt der gesamten Geschichte steht die Figur des Teufels. Schreckliche Nahtod-Erfahrungen scheinen es zu sein, die der Vatikan gerne verschweigen möchte, die aber dazu führen, dass die Menschen wahrlich teuflische Taten begehen. Der Teufel scheint es zu sein, der den Mördern die notwendigen Informationen zuspielt, denn woher sollen die Mörder sonst wissen, wie man eine Leiche zu präparieren hat, damit diese unterschiedlich stark verwest ist? Woher bekommen die Mörder das dazu nötige Getier? Es scheint keine logische Antwort auf diese Fragen zu geben, es muss etwas Übersinnliches im Spiel sein, so zumindest scheint es. Doch als gläubiger Katholik will Mathieu das nicht wahrhaben, für ihn darf es keinen Teufel geben, der Teufel muss für ihn Menschengestalt haben, doch wie kann das sein? Agostina Gedda beispielsweise wurde verurteilt für den Mord an ihrem Ehemann, nichts deutete auf einen anderen Mörder hin, den Agostina nun decken möchte. Sie muss einfach vom Teufel besessen gewesen sein, oder?
Mathieu stellt für uns die Frage nach der Existenz des Teufels und stimmt uns selbst nachdenklich, denn woher kommt das Böse auf der Welt, wenn es denn keinen Teufel gibt? Mathieu kennt seine Antwort auf diese Frage, doch wird sein Glauben durch die Nachforschungen stark erschüttert.
_Gläubiger Held_
Held der gesamten Geschichte ist Mathieu Durey, den wir bei all seinen Schritten stets begleiten. Wir sind bei ihm, während er auf Spurensuche geht, und haben daher den gleichen Kenntnisstand wie er. All seine Gedanken fühlen wir nach, wir stellen uns die gleichen Fragen und empfinden wie er das gleiche Entsetzen. Im Laufe der Geschichte lernen wir Mathieu zwar immer besser kennen, doch bleibt stets eine gewisse Distanz, da uns sein unerschütterlicher Glaube nicht immer nachvollziehbar gemacht wird, auch seine Lebensweise ist uns fremd. Obwohl er dem Priesterseminar den Rücken gekehrt hat, lebt er einsam und alleine, lässt keine Frau an sich heran und wünscht sich offenbar auch keine Familie. Später soll sich dies zwar ändern, doch dann sind es andere Punkte, die uns nachdenklich stimmen. Er lernt eine Frau kennen und lieben, beginnt eine Affäre mit ihr, obwohl doch alle Beweise gegen sie sprechen. Alle anderen sind überzeugt, dass sie schuldig ist, einen Mord begangen zu haben, doch Mathieu vertraut ihr blind, und das, obwohl er selbst noch keine Lösung für den fraglichen Mord hat. Aber vielleicht macht Liebe auch wirklich blind?
Obwohl wir Mathieu auf Schritt und Tritt begleiten, bleibt doch immer eine gewisse Distanz zwischen ihm und dem Leser. Jean-Christophe Grangé stellt nicht seine Figuren in das Zentrum seiner Erzählung, sondern die Taten und vor allem natürlich die vielen kleinen Hinweise, die es zu verfolgen und zu finden gilt. So kommt es, dass wir trotz des Umfangs dieses Buches kaum eine Figur wirklich gut kennenlernen, doch merkwürdigerweise – obwohl ich dies sonst immer ankreide – stört mich die distanzierte Charakterzeichnung hier nicht, da es so viel anderes zu entdecken und aufzuklären gibt, dass bei mir keine Wünsche offen geblieben sind.
_Reise durchs Grauen_
Die ganze Geschichte nimmt in Frankreich ihren Anfang und beginnt zunächst recht gemächlich. Mathieu hat noch keinen Anhaltspunkt, er ist fassungslos und kann sich rein gar nicht erklären, was Luc zu seinem Selbstmord getrieben haben kann. Längere Zeit braucht es, bis er auf die Spur des Teufels und auf den Mordfall Sylvie Simonis stößt. Doch je weiter die Handlung fortschreitet, umso mehr packt Grangé seine Leser. Das Bild, das er uns eröffnet, könnte kaum komplexer sein. Viele Figuren sind es, die uns begegnen, und viele Verbrechen, die aufzuklären sind. So fiebert man stets mit und bemüht sich, im Dschungel der Ereignisse nicht den Überblick zu verlieren. Ich muss gestehen, dass ich ab und an zurückblättern musste, wenn Grangé einen alten Fall nochmals aufgerollt und ich nicht mehr alle Details parat hatte. Jean-Christophe Grangé bietet uns exzellente Thrillerunterhaltung, verlangt im Gegenzug aber auch ein gutes Maß an Aufmerksamkeit (das man ihm aber nur zu gerne schenken mag).
Insgesamt gibt es nur Winzigkeiten zu bemängeln, etwa die Fülle an Figuren, die ein Personenverzeichnis durchaus sinnvoll gemacht hätte, oder die fehlende Tiefe der Charakterzeichnung. Dem gegenüber stehen ein perfekt inszenierter Spannungsbogen und eine komplexe Handlung, die es wahrlich in sich hat und den Leser spätestens nach den ersten hundert Seiten vollkommen aufsaugt, fasziniert und mitreißt. Selten habe ich einen so gut ausgeklügelten Plot erlebt, der zu meiner großen Freude logisch aufgeklärt wurde, ohne dabei ins unnötig Mystische abzudriften.
http://www.ehrenwirth.de
|Siehe ergänzend dazu unsere [Rezension 4404 zur Lesung bei Lübbe Audio.|
Wo man nur hinschaut, da sind die explodierenden Energiepreise ein Thema, das alle Gemüter erregt. Auch literarisch bietet das Thema Stoff für energiegeladene Lektüre, wie Andreas Eschbach z. B. mit [„Ausgebrannt“ 3487 bewiesen hat, seinem Roman vom Ende des Erdölzeitalters. Ein anderer, der sich der Problematik annimmt, ist Marc Kayser, dessen Roman „Trias“ dennoch überhaupt nicht mit Eschbachs düsterem Szenario vergleichbar ist.
„Trias“ spielt nur wenige Jahre in der Zukunft. Die Rohölpreise steigen explosionsartig, der globale Wettkampf der Konzerne um die beste Position im Geschacher um die knapper werdenden Rohstoffe bestimmt den wirtschaftlichen Alltag. Es ist die Zeit kurz vor einem wichtigen G8-Gipfel im beschaulichen deutschen Ostseebad Marienstrand, als mehrere tödliche Attentate die Regierungen in Berlin, Washington und Moskau erschüttern. Zunächst wird in Deutschland das Dienstfahrzeug von Stefan Rumpf, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, in die Luft gesprengt. Dann stürzt das Flugzeug des stellvertretenden russischen Außenministers Viktor Kirijenko unter höchst verdächtigen Umständen ab.
Diese beiden Todesfälle sind nur der Auftakt zu einer Reihe weiterer Attentate, die alle Personen betreffen, die an einem streng geheimen Vertrag arbeiten, der am Rande des G8-Treffens von Moskau, Washington und Berlin unterzeichnet werden soll: Trias. Trias ist ein Vertrag, mit dem sich drei rohstoffhungrige Großmächte zusammentun, um sich selbst für die nächsten Jahrzehnte eine Vormachtstellung am Energiemarkt zu sichern. Klar, dass dies ein Vorhaben ist, mit dem man schnell die halbe Welt gegen sich aufbringt, nicht nur die arabischen Öllieferanten, sondern auch andere europäische Nationen und vor allem die aufstrebende Großmacht China.
Die Hintergründe der Anschläge sind extrem undurchsichtig und keiner weiß so recht, wer die Drahtzieher sind. Markus Croy, Undercover-Agent des BKA, taucht in einen Sumpf aus Intrigen und perfiden Machtspielen mit gezinkten Karten ein, um die Täter zu entlarven. Ein riskantes Spiel, in dem mehr als nur ein Mitspieler falsch spielt und Croy und dem BKA läuft die Zeit davon. Bis zum G8-Gipfel muss der Fall geklärt sein, damit das Treffen nicht zu einem blutigen Fiasko wird …
Das Szenario klingt für sich genommen erst einmal sehr spannend. Ein Thriller, der im undurchsichtigen Geflecht zwischen Wirtschaft, Geheimdiensten, Politik und zwielichtigen Verbänden angesiedelt ist, ein Fall, der obendrein in einen Wettlauf gegen die Zeit gipfelt – das sind genau die Zutaten, die für reichlich Spannungsmomente sorgen. Die Grundlage des Trias-Vertrages ist eine raffinierte und faszinierende Idee, mit der Marc Kayser einen interessanten Denkansatz offenbart. Drei wirtschaftlich bedeutende Nationen schließen sich zusammen zu einem Bündnis, das ihnen die Versorgung mit Energie für die nächsten Jahrzehnte sichert – auf Basis einer raffinierten Übereinkunft, der allen Vertragspartnern Vorteile bringt.
Doch eine Sache bleibt in Kaysers Szenario etwas blass: Warum Deutschland? Das habe ich mich bei der Lektüre immer wieder gefragt. Warum messen Amerikaner und Russen den Deutschen, die ja nicht einmal so ernst zu nehmen sind, dass sie einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat verdient hätten, auf einmal eine so herausragende Bedeutung zu, dass sie ein Exklusivbündnis nur mit ihnen eingehen? Darauf hat auch Kayser keine wirklich zufriedenstellende Antwort, und das ist ein Glaubwürdigkeitsmangel, der während der gesamten Lektüre einen ziemlich langen Schatten auf den Plot wirft.
Kaysers Roman jongliert mit vielen Komponenten und vielen Figuren, von denen viele zudem ein doppeltes Spiel spielen. Er wechselt ständig Perspektive und Handlungsort, und das macht den Einstieg in die Lektüre nicht unbedingt leichter. Kaysers Schreibstil ist sehr nüchtern, fast ein wenig farblos, und so wirken auch die Figuren in den ersten Kapiteln noch irgendwie blutleer.
Immer wieder benutzt Kayser recht eigentümliche Worte. So beschreibt er Personen immer wieder als „alert“ oder lässt sie mit den Füßen „schurren“. Nervig (obwohl glücklicherweise nicht all zu häufig auftauchend) ist sein Hang, deutsche Wörter in vollkommen sinnfreier Art und Weise durch Anglizismen zu ersetzen. Was ist so schlecht an einem Wort wie „Büro“, dass man stattdessen „Office“ sagen muss? Oder was ist an „Basement“ besser als an „Keller“?
Man kann sich „Trias“ als Film wunderbar darstellen: viel Action, schnelle Schnitte, undurchsichtige Figuren, ein strahlender Held und ein explosives Thema. Für einen Roman lässt Kayser dann aber doch immer mal wieder die nötige Tiefe vermissen. Markus Croy wirkt am Anfang wie die kleine BKA-Ausgabe von James Bond. Als Croy eine Spur nach Prag verfolgt und dort schon von den Häschern der Gegenseite erwartet wird, die überlegene Art, wie er sich aus dieser misslichen Lage herausmanövriert, und die Souveränität, mit der er sich durch Prag bewegt, lassen den Leser immer wieder an eine so unwirkliche Figur wie James Bond denken. Das macht es aber leider auch schwer, mit dem Protagonisten mitzufiebern. So wie er stets Herr der Lage ist, trägt man gar keine Sorge, dass die Sache der Guten scheitern könnte, und das ist ein Faktor, der vor allem in der actiongeladenen ersten Romanhälfte ein wenig die Spannung untergräbt.
Ein menschlicheres Profil entwickelt Croy erst im weiteren Verlauf der Geschichte, und dazu bedient sich Kayser ganz simpel und klischeehaft natürlich einer Liebesgeschichte. Als Leser springt man zumindest halbwegs darauf an, auch wenn man den Kniff durchschaut, und so kommt die Spannung zum Ende hin doch noch etwas in Fahrt. Den Showdown gibt es dann erwartungsgemäß zum G8-Gipfel, wo Croy wieder einmal mehr oder weniger im Alleingang agiert und man sich schon fragt, ob das BKA eigentlich nur einen einzigen fähigen Beamten aufzubieten hat. Croys Liebschaft zu der Journalistin Katja Kirchner ist am Ende, trotz ihrer Bedeutung im Mittelteil des Buches, schon wieder in der Versenkung verschwunden. Gekrönt wird das Ganze noch von einem relativ offenen Ende (obwohl der Plot in sich abgeschlossen wirkt), das den Leser vermutlich auf die Fortsetzung neugierig machen soll, an der Kayser derzeit schreibt.
Was unterm Strich bleibt, ist also in erster Linie ein interessantes, wenn auch nicht restlos glaubwürdiges Szenario. Kayser denkt in eine ganz ungewöhnliche Richtung ,und das ist es, was die Lektüre interessant macht. Auch die Einblicke in den Alltag des politischen Machtapparates haben noch ihren Reiz. Als Thriller ist „Trias“ jedoch nicht mehr als Mittelmaß.
Aurora, 3.752 Einwohner, eine Kleinstadt im US-Staat Minnesota, beschaulich gelegen am Lake Iron inmitten ausgedehnter Wälder, beliebt als Urlaubsort im Sommer, romantisch verschneit im langen Winter – ein Winkel also, in dem die Welt noch in Ordnung ist.
Bei näherer Betrachtung verflüchtigt sich dieser Eindruck allerdings rasch. Aurora ist keine kitschige TV-Idylle und war es auch niemals. Wohl niemand weiß dies besser als Corcoran O’Connor, denn er hat in den letzten zwölf Monaten alle schlechten Seiten seiner Heimatstadt kennengelernt.
O’Connor ist ein Mann, der stets zwischen allen Stühlen sitzt. Schon seine Herkunft stempelt ihn als Außenseiter ab: Die Großmutter war eine Indianerin vom Stamme der Anishinaabe, der seit jeher neben den Ojibwe an den Ufern des Iron Lake siedelt. Für die meisten Indianer ist Connor ein ‚Weißer‘, während ihn die Nachfahren der weißen Siedler als ‚Roten‘ mit leiser Verachtung strafen.
Ohnehin ist die Situation am Iron Lake gespannt. Seit einigen Jahren pochen die Ojibwe verstärkt auf jene Privilegien – Besitz- und Nutzungs-, Jagd- und Fischereirechte -, die den amerikanischen Ureinwohnern von Staats wegen zustehen. Ihr Einfluss wächst mit dem Wohlstand, den ein großes Spielcasino am Seeufer ihnen bringt. Das schafft böses Blut in Aurora und mündete vor einem Jahr in einem gewalttätigen Zusammenstoß zwischen Rot und Weiß, der zwei Menschen das Leben und O’Connor seine Stellung als Sheriff von Aurora kostete.
Seitdem ging alles schief für ihn. Nancy, seine Ehefrau, betrügt ihn mit dem zwielichtigen Bauunternehmer Sandy Parrant und hat ihn vor die Tür gesetzt. Die Kinder leiden unter der Trennung. Connor schlägt sich mühsam mit einem kleinen Imbiss und Andenkenshop durch. Er vermisst nicht nur seine Familie, sondern auch die Polizeiarbeit. Daher kann er sich nicht zurückhalten, als eine grausame Mordserie Auroras Bürger in Aufregung ersetzt. Sandys Vater, der ebenso mächtige wie unbeliebte Richter Robert Parrant, ist das erste Opfer, dem bald weitere folgen. Nie ist O’Connor weit entfernt, wenn dies geschieht, was seinen Nachfolger, Sheriff Wally Schanno, naturgemäß wenig begeistert.
Wer bringt den Tod nach Aurora? Ist es tatsächlich der Windigo, ein böser Naturgeist und Menschenfresser mit einem Herz aus Eis, wie die Indianer sagen, oder sind es doch eher irdische Mächte, die hier ihr Unwesen treiben? Militante indianische Aktivisten und schwer bewaffnete faschistoide Milizen machen O’Connor buchstäblich das Leben schwer. Zudem beginnt er einen mörderischen Sumpf aus Korruption, politischer Willkür und Erpressung aufzudecken, in den alle prominenten Bürger Auroras verwickelt zu sein scheinen – seine eigene Gattin eingeschlossen …
Weihnachtszeit, Schnee auf allen Tannenspitzen und dann auch noch Indianer, die Gutmenschen des politisch und ökologisch korrekten (Pseudo-)Intellektuellen mit gehobenem Einkommen und „Greenpeace“-Sticker am Kombi-Volvo – das kann doch nur eine Kombination von zwei der drei Lieblingsgenres des deutschen Krimifreundes sein! Trifft also der gemütliche Landhauskrimi englischen Stils auf den esoterischen Ethno-Thriller? Tut sich Sherlock(ina) Holmes zusammen mit „Der-mit-Mutter-Erde-tanzt“, dem weisen Mustermensch-Medizinmann, um die böse Tat nach einer Ringvorlesung zum Thema „Zurück zur Natur und den wahren Werten“ und unter Zusammenführung diverser heiratslustiger Verdächtiger aufzuklären?
Fehlanzeige in allen Punkten – Manitu sei Dank! Stattdessen lesen wir einen ‚richtigen‘ Thriller, der außergewöhnlich spannend und stimmig in einer übersichtlichen, aber meisterhaft konstruierten Kulisse abrollt. Für Begeisterung beim routinierten und oft klischeegebeutelten Leser sorgt darüber hinaus die ungewöhnlich dreidimensionale Figurenzeichnung. Corcoran O’Connor ist als Kriminalist zwar motiviert, aber nicht unbedingt immer eine Leuchte, sein Privatleben ein Scherbenhaufen, an dessen Errichtung er – ganz wie im richtigen Leben – tüchtig selbst mitgearbeitet hat. Folgerichtig gibt’s für ihn auch kein Happy-End.
Auch Indianer sind auch nur Menschen: Dass sie über eine reiche, uralte Tradition verfügen und von der Geschichte in Gestalt der weißen Siedler und ihrer Nachfahren wahrlich übel traktiert wurden, macht sie nicht automatisch zu Heiligen. Den Anishinaabe und Ojibwe vom Iron Lake sind Eigennutz, Vorurteile und Rachsucht durchaus nicht fremd. Krueger traut sich sogar – der Große Geist verfluche ihn! -, kriminelle Indianer zu präsentieren, die unter dem Deckmantel des schlechten Gewissens, das den Weißen Mann des 21. Jahrhunderts plagt, höchst kriminelle Energien entfalten. (Freilich verlässt ihn die eigene Courage bald wieder; Kruegers rote Bösewichter schurken letztlich doch nur zum Wohle ihrer geknechteten Reservats-Brüder und -Schwestern …)
Keine Längen, kein Seitendreschen, kein Moralisieren, keine Rührseligkeiten – kaum zu glauben, aber „Indianischer Winter“ ist tatsächlich ein Erstlingswerk! William Kent Krueger hat sich sichtlich lange und sorgfältig vorbereitet, bis er der Öffentlichkeit seinen ersten Roman präsentierte – sie kann ihm dankbar dafür sein. Vier Jahre hat er an seinem Debüt gearbeitet und konnte anschließend mit berechtigtem Stolz von sich behaupten, sein Handwerk zu verstehen. Seit 1998 ist Krueger hauptberuflicher Schriftsteller, und sein Arbeitstempo hat sich erheblich gesteigert. Pro Jahr erscheint ein Buch, und da die Kritiker jenseits des Großen Teiches immer noch zufrieden sind, geht der deutlich erhöhte Ausstoß offensichtlich trotzdem nicht zu Lasten der inhaltlichen Qualität. Hierzulande können wir Leser das leider nicht nachprüfen, denn die deutschen Verlage zieren sich, weitere Krueger-Werke in ihr Programm aufzunehmen.
Die kleine Stadt Aurora hat Krueger inzwischen zum Zentrum einer ganzen Serie von Kriminalromanen ausgebaut, in der Corcoran O’Connor und die anderen aus „Indianischer Winter“ bekannten Figuren (sofern sie denn ihren ersten Auftritt überlebt haben …) neue Abenteuer erleben.
Für „Indianischer Winter“ wurde William Kent Krueger 1999 von seinen Schriftsteller-Kollegen in Milwaukee mit dem „Anthony Award“ für das beste Erstlingswerk eines Krimi-Autoren ausgezeichnet. Weitere Angaben zur Person William Kent Kruegers kann und möchte ich mir an dieser Stelle sparen, denn er informiert ausführlich auf seiner Website:
http://www.williamkentkrueger.com.
Vom Musikproduzenten zum Autor: Manchmal ist es wirklich merkwürdig zu sehen, wer alles mit dem Bücherschreiben anfängt. Im Fall von Reed Arvin stand am Anfang die Musik, und da ist es kein Wunder, dass diese in seinem Thriller „Schwarze Diva“ immerhin eine Nebenrolle bekommt. Mit „Schwarze Diva“ ist nämlich eine erfolgreiche, junge Opernsängerin gemeint, die ein düsteres Geheimnis zu verbergen hat.
Doch bevor Michele Sonnier ihren Auftritt hat, lernt der Leser den Ich-Erzähler Jack Hammond kennen. Der Rechtsanwalt hat sich aufgrund eines Fehltritts die erfolgreiche Karriere verbaut und fristet sein Leben nun als Pflichtverteidiger in einem schäbigen Büro. Zu seinen Klienten gehören Kleingangster und Junkies, der Bodensatz der Gesellschaft von Atlanta, dem er sich aufgrund seines Karriereknicks mittlerweile recht nahe fühlt.
Einmal vertritt er unter anderem seinen alten Kumpel Doug, ein Computergenie, aber ansonsten ein Versager. Eines Tages erhält er Nachricht, dass Doug tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde, und Jack soll die Wohnung auflösen, da es ansonsten keine Verwandten gibt. Als er dort ankommt, stellt er fest, dass Doug die Opernsängerin Michele Sonnier verehrt hat, was so gar nicht zu ihm zu passen scheint. Als Jack den Todesfall allmählich verdaut, fallen ihm weitere Ungereimtheiten auf: Wieso hat sich Doug, der panische Angst vor Spritzen hatte, mit einem goldenen Schuss getötet? Und wieso hackte er sich in das Computersystem eines großen Pharmaunternehmens?
Als Jack beginnt, nach Antworten auf diese Fragen zu suchen und dabei der schönen Michele über den Weg läuft, verstrickt er sich in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen. Das bekommt er sehr schnell zu spüren, denn seine Gegner gehen nicht gerade zimperlich mit ihm um …
„Schwarze Diva“ fällt von Beginn an durch seine hohe Erzähldichte auf. Jack schildert aus der Ich-Perspektive exakt – ohne pedantisch zu wirken – und subjektiv – ohne zu geschwätzig zu wirken – davon, was ihm widerfährt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und berichtet haarklein über seine Fehler und sein nicht immer schmeichelhaftes Auftreten. Dennoch wird er dem Leser mit seiner ehrlichen, manchmal tollkühnen Art sympathisch und trägt sehr viel dazu bei, dass der Thriller Pageturnerqualitäten entwickelt.
Die Handlung ist daran natürlich auch nicht ganz unschuldig. Arvin schafft es, am Anfang so viele Ungereimtheiten aufzubringen und mögliche Spuren auszulegen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Leider verzettelt er sich zur Mitte hin in einem Mix aus verschiedenen Motiven. Er bedient sich nicht nur bei den Elementen eines Cyberthrillers, sondern taucht auch in die Welt von Pharmaunternehmen, den Ghettos von Atlanta und natürlich dem Ambiente der Juristen und Opernsänger ein. Das ist ein bisschen zu viel auf einmal. Obwohl der Autor die Zügel dabei lange Zeit in der Hand zu halten vermag, entgletet ihm die Geschichte und zerfasert gegen Ende hin. Dank des Schreibstils und der sympathischen Hauptperson bleibt jedoch ein Rest Spannung erhalten.
Der Schreibstil ist dagegen das, was Arvins Buch von anderen abhebt: Er erzählt unglaublich gut. Er wählt aus einem großen Wortschatz und weiß sich kundig auszudrücken, ohne dass sein Ich-Erzähler dabei an Bodenhaftung verliert. Alles, was er sagt und denkt, klingt authentisch und passt zu dem Charakter, den der Autor zeichnet. Es ist Arvin dabei hoch anzurechnen, dass es ihm gelingt, die große Menge an teilweise irrelevanten Gedanken, die Jack sich macht, so einzubinden, dass diese interessant zu lesen sind und die Handlung nicht unnötig verlängern.
„Schwarze Diva“ ist ein Thriller mit außerordentlich guten Ansätzen. Der Schreibstil ist unglaublich gut und geht mit einer sympathischen, anschaulich dargestellten Hauptperson einher. Leider hat Reed Arvin sich bei der Handlung etwas übernommen. Sie weist zu viele verschiedene Einflüsse auf, was ihr letztendlich zum Verhängnis wird. Außerdem konzentriert sie sich teilweise zu stark auf den Versuch, ein guter Pharmathriller zu sein. Dennoch sollte man den Namen Reed Arvin im Auge behalten, denn sein Schreibstil ist sehr vielversprechend.
Dass Schweden ein beliebter Schauplatz für das Verbrechen ist, wissen wir seit diversen Krimiserien auf Papier und Bildschirm. Dass Island sich ebenso gut dafür eignet, Mörder und Leichen zu beherbergen, beweist Yrsa Sigurðardóttir mit „Das gefrorene Licht“.
Die junge Rechtsanwältin Dóra ist eigentlich nur zu dem Wellness-Hotel auf der Halbinsel Snæfellsnes gereist, weil es einem ihrer Mandanten gehört und dieser glaubt, dass bei dem neu erworbenen und dann umgebauten Gebäude ein Mangel aufgetreten ist: Er behauptet steif und fest, es würde spuken, was sowohl seine sensiblen Mitarbeiter als auch die esoterischen Gäste stören würde. Dóra, die bodenständige Städterin, glaubt nicht an Geister oder Wiedergänger. Sie ist fest davon überzeugt, dass Jónas‘ Schattengestalten und das unheimliche, mitternächtliche Kinderweinen nur in seinem Kopf stattfinden. Außerdem bleibt ihr nicht viel Zeit, sich mit diesem Übersinnlichen auseinanderzusetzen, denn Birna, die Architektin, die den Anbau des Hotels gestalten soll, wird ermordet am Strand aufgefunden. Schnell fällt der Verdacht auf Jónas, und Dóra hat es plötzlich nicht mehr nur mit ein paar Geistern, sondern mit einem handfesten Todesfall zu tun, dem sehr bald ein zweiter folgt …
Yrsa Sigurðardóttir muss sich mit ihrem zweiten Kriminalroman wahrlich nicht hinter bekannten skandinavischen Größen verstecken. „Das gefrorene Licht“ liest sich herrlich flüssig und baut dabei unversehens eine Menge Spannung auf. Anfangs glaubt man nicht, dass dies wirklich funktioniert, denn der erste Mordfall an und für sich ist nicht sonderlich spektakulär. Doch die begrenzte Anzahl möglicher Täter – das Hotel liegt sehr abgelegen – und die Tatsache, dass jeder etwas zu verbergen scheint, tragen dazu bei, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Überschaubarkeit der Besetzungsliste führt ihm Übrigen auch dazu, dass der Leser selbst mitknobeln kann. Die Autorin weiß geschickt mit den Ungereimtheiten und Rätseln zu spielen und schafft es sogar, den isländischen Aberglauben so geschickt darzustellen, dass der Leser sich an der einen oder anderen Stelle fragt, ob es auf Snœfellsnes nicht vielleicht doch Geister gibt.
Obwohl die anderen Gäste und Mitarbeiter des Hotels ab und an kleine Passagen des Buches bestreiten dürfen und dadurch manchmal noch rätselhafter werden, steht Dóra im Vordergrund des Geschehens. Sie ist frech, hat eine verkorkste Ehe hinter sich und streckt ihrem Liebhaber, einem deutschen Kommissar, der gerade Urlaub in Island macht, gerne die Zunge heraus. Und genau das macht die Rechtsanwältin so liebenswert: Sie ist unkonventionell und alles andere als abgehoben oder korrekt. Sigurðardóttir schafft es dabei, den Charakter so gut auszubalancieren, das er nicht in seichte Frauenliteratur abrutscht, sondern angenehm ‚geschlechtsneutral‘ wirkt. Sowohl männliche als auch weibliche Leser werden ihre Freude an der menschlichen und bodenständigen Dóra haben.
Dóra bestreitet zwar den Großteil des Buches, doch sie drängelt sich nicht als Erzählperspektive in den Vordergrund. Dadurch ist die Geschichte nicht übertrieben subjektiv, aber auch nicht nüchtern-objektiv. Die isländische Autorin erzählt irgendwo dazwischen, was sehr erfrischend ist. Zum einen ist das Buch dadurch nicht mit überflüssigen Gedanken der Rechtsanwältin vollgestopft, gleichzeitig wirkt es aber trotzdem warm und lebendig. Durch den leichten Humor, der die 395 Seiten durchweht, bekommt der Krimi zusätzlichen Pep.
Es klingt zwar seltsam, in Anbetracht eines Kriminalromans davon zu sprechen, aber tatsächlich ist „Das gefrorene Licht“ ein geradezu heiteres Buch, das durch seine unkonventionelle Heldin auffällt. Die Handlung ist geschickt aufgebaut und entwickelt wahre Pageturnerqualitäten. Sie bezieht ihre Spannung dabei nicht hauptsächlich aus den kleinen Geheimnissen, die die begrenzte Anzahl potenzieller Täter mit sich herumschleppt. Das ist vielleicht nicht unbedingt neu, aber auch nicht die Norm. Yrsa Sigurðardóttir gelingt es dadurch, im unüberschaubaren Krimigenre ihre eigene kleine Spur zu hinterlassen.
Durchgeknallte einflussreiche und reiche Menschen neigen seit jeher dazu, mit kurzen Eingriffen in die Weltgeschichte das Böse bekämpfen und dem Guten ewigen Frieden bescheren zu wollen. Dabei greifen sie meist auf eher schädliche Mittel zurück, die selten mit »Gut« und »Frieden« vereinbar sind – so wie in diesem Fall die Atombombe.
»Wild Fire« sei ein geheimes Protokoll der US-Regierung, nach dem im Falle eines terroristischen Attentats mit Massenvernichtungswaffen auf amerikanischem Boden ein Massivschlag gegen die islamische Welt geführt werden soll. Mittel des Gegenangriffs, bei dem Milliarden Unschuldige getötet würden und der Auswirkungen auf die gesamte Erde in allen Bereichen hätte: Hunderte von Atombomben, die seit ihrer Entwicklung unter Tausenden ihresgleichen eingelagert werden und Steuergelder verschlingen.
Wild Fire sei aus dem Kalten Krieg hervorgegangen, als beide Großmächte die Folgen eines Erstschlags erkannten und ihn darum vermieden. Laut DeMille ist dieses Geheimprotokoll den islamischen Staaten bekannt, die – bisher erfolgreich – ihre Terrororganisationen vom Einsatz von Massenvernichtungswaffen abhalten sollen.
Was wäre, wenn eine Gruppe »rechtslastiger Spinner«, um mit DeMille zu schreiben, auf die Idee käme, durch einen atomaren Anschlag auf amerikanische Großstädte dieses Wild Fire auszulösen und dadurch ihre Vorstellung von dem »Sieg des Guten« zu verwirklichen? DeMille lässt seinen arroganten Macho John Corey (ehemals NYPD-Detective und Agent einer Antiterrortaskforce ATTF) mit seiner anbetungswürdigen Gattin Kate Mayfield (Special Agent des FBI und Agent der ATTF) auf dieses »Was wäre, wenn« los und hofft, dass sie mit ihren unorthodoxen Ermittlungsweisen rechtzeitig in Reichweite des »Roten Knopfes« kommen.
Den Plan von Madox, einem reichen Ölguru, erfährt man schon anfangsnah durch die Ermittlung eines anderen Agenten, der in Folge dessen von Madox ermordet wird. Gerade das ruft Corey auf den Plan und treibt ihn dazu an, sogar direkte Befehle seiner Vorgesetzten zu missachten und weiter an dem Fall zu arbeiten, um seinen Freund zu rächen und der merkwürdigen Geschichte auf den Grund zu gehen. Hintergrund seiner energischen Ermittlungsart sind seine Erlebnisse am 11. September 2001, an dem er nur durch eigenes Verschulden (er kam zu spät) dem Anschlag entging.
Corey ist eine wunderbare Figur für den Icherzähler. Ein Macho und arrogantes Arschloch, maximal selbstüberzeugt und Sprücheklopfer vorm Herrn. Sein Humor ist trocken, hintergründig oder platt, je nach Situation, oft ironisch oder sarkastisch. Auf jeden Fall reizt er quasi jeden Gesprächspartner zur Weißglut, wenn er ihn nicht leiden kann. Das macht die Erzählung sympathisch und lockert die Spannung, die sich aus den Gedanken und der Ermittlung ergibt, bei welcher der Leser ja bereits um die Details weiß, Corey und Mayfield jedoch im Dunkeln tappen. Es ist eine besondere Leistung DeMilles, daraus einen knackigen Thriller zu zaubern.
Der Erzähler |erzählt| seine Geschichte wirklich. Man merkt es an erklärenden Sätzen und Ausdrücken, aber vor allem daran, dass er eigene Gedanken hat, die er dem Leser nicht verrät. Dadurch kann er ein Netz aus Informationen knüpfen, die der Leser zwar auch kennt, die ihm aber nicht in jedem Fall die gleichen Folgerungen aufdrängen wie Corey. Er ermittelt mehrgleisig und saugt jede Information gierig auf, auch wenn sie dem Leser oder anderen Figuren überflüssig erscheinen oder aber dem Leser aufgrund seines Wissens Schlüsse aufdrängen, die Corey so schnell nicht nachvollziehen kann und dadurch wieder Spannung erzeugt.
Man wird mit Corey in dessen Ermittlungsbahn gezogen und durch sein gedankliches Verschweigen von Denkrichtungen immer wieder mit Ergebnissen überrascht. Man fiebert mit, wenn er seiner Frau neue Erkenntnisse vorträgt oder von ihr bekommt. In einem wichtigen Punkt liegt er lange falsch, aber er begründet logisch die Schlussfolgerung, so dass man ihm sein Fehlen nicht übel nimmt. Umso erstaunlicher, dass DeMille gerade in dieser Information eine Lücke in der Ermittlung belässt, denn obwohl Corey im entscheidenden Moment drauf gestoßen wird, nimmt er sie nicht auf. MAD war nicht die Abkürzung für Madox … Dem Leser war es klar, aber Corey, der sonst alle seine Erkenntnisse auseinanderpflückt, unterschlägt die Tatsache oder übersieht sie wirklich – was nicht zu seinem entwickelten Profil passt.
Insgesamt ist »Operation Wild Fire« ein wirklich spannender Agententhriller, Hauptträger der Spannung ist Corey mit seiner großen Klappe und seinen teils zwiespältigen Gedanken zu gefährlichen Themen. Das Buch liest sich schnell, flüssig, ist sehr humorvoll und behandelt eindrücklich ein ernstes aktuelles Thema.
Den Todesfallen des „Paragon“-Hotels gerade noch entkommen (s. David Morrell: [„Creepers“, 3049 |Knaur| Taschenbuch-Verlag/TB Nr. 63447), versuchen sich Ex-Polizist Frank Balenger und seine Leidens- und Lebensgefährtin Amanda Evert immer noch von ihren Qualen zu erholen, als neues Ungemach über sie hereinbricht: Ein genialer aber geistig gestörter Psychopath plant das ultimative ‚Gottesspiel‘. Der „Gamemaster“ präpariert ein abseits in den Bergen des US-Staates Wyoming gelegenes Tal für seine „Scavenger“-Jagd. Er entführt fünf Männer und Frauen, die in der Vergangenheit außergewöhnliche Krisensituationen überlebten. Sie sollen sich hier seinem Spiel auf Leben und Tod unterwerfen. 40 Stunden bleiben Ray, Bethany, Derrick, Vivian und der unglücklichen Amanda, das Ziel des ‚Spiels‘ zu erreichen: die geheimnisvolle „Grabkammer des weltlichen Begehrens“.
Damit sich die ‚Spieler‘ fügen, hat der „Gamemaster“ ihre Ausrüstung vermint; als die unglückliche Bethany die weitere Teilnahme verweigert und flüchten will, wird sie in die Luft gesprengt. Also fügen sich die Überlebenden und begeben sich auf einen mit wilden Hunden, giftigen Schlangen und anderen Todesfallen gespickten Hindernisparcours durch die Geisterstadt Avalon, deren Bewohner Anno 1900 auf geheimnisvolle Weise spurlos verschwanden.
Inzwischen bleibt Frank Balenger in New York nicht untätig. Er ahnt nicht, dass der „Gamemaster“ auch ihn in sein Spiel einbeziehen will und Fährten legen lässt, die auf Amandas Aufenthaltsort hinweisen. Balenger folgt ihnen und muss feststellen, dass auch auf ihn tödliche Fallen warten. Vom „Gamemaster“ per Telefon gereizt und angestachelt, findet er dennoch heraus, wohin Amanda verschleppt wurde. Er macht sich auf den Weg nach Avalon – und gerät vom Regen in die Traufe bzw. ins Zentrum der „Scavenger“-Jagd. Alle Beteiligten spielen inzwischen mit Tricks, die Regeln sind aufgehoben. In den Ruinen der Geisterstadt beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, das die Mehrheit der Teilnehmer nicht überleben werden …
David Morrell ist ein gebildeter Mann, der flachgründige Romane schreibt. Das ist kein Widerspruch, denn da der ehemalige Professor der Literaturwissenschaften weiß, wie ein Text ‚funktioniert‘, fällt es ihm leicht, die gewünschten Spannungseffekte zu erzeugen. Das Ergebnis sind Thriller wie „Level 9“ – ein Buch, das sich praktisch wie von selbst liest und seine Leser bei der Stange hält, obwohl sie sehr bald wissen, dass ihnen hier alter Wein im neuen Schlauch serviert wird.
Dieses Bild passt gut, denn bekanntlich bekommt das Alter dem Wein meist gut. Morrell kennt die Elemente eines Thrillers genau, und er weiß sie zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammenzusetzen. „Level 9“ ist schieres Entertainment, sollte so goutiert werden und sorgt dann für angenehme Bauch-Lektüre.
Dass die Handlung eins-zu-eins einem Computerspiel ‚entlehnt‘ ist, spiegelt Morrells noch junge Faszination am Thema wider – so will es uns der schlaue Schriftsteller jedenfalls in seinem ausführlichen und lesenswerten Nachwort weismachen. Deshalb wird eine Menge metaphysisches Stroh gedroschen, diskutieren Frank Balenger und der „Gamemaster“ zwischen diversen Großfeuern, Explosionen und Totschlägen über das Wesen der Realität, die womöglich mehrdimensional ist, wobei die nächste Ebene per Cyberspace zu betreten ist. Das klingt mächtig bedeutsam, ist aber nur geschickt formuliertes Wortgeklingel, das eine Tiefe suggeriert, die dieser Roman niemals erreicht.
Mussten unbedingt Frank & Amanda die Protagonisten sein? Auch hier arbeitet Morrell ökonomisch. Für „Creepers“ bediente er sich 2005 praktisch des gleichen Handlungsprinzips. Die Hetzjagd ging damals durch ein mit Todesfallen gespicktes Hochhaus, während im Hintergrund ebenfalls ein Marionetten spielender Psychopath sein Unwesen trieb. Relativ überzeugend begründet Morrell die ‚Fortsetzung‘ in „Level 9“ mit der Qualifikation seiner beiden Hauptfiguren als Überlebenskünstler, die deshalb ins Blickfeld des „Gamemasters“ gerieten.
Ansonsten wird variiert, und das Spielfeld ist größer geworden. Die Regie ist dieses Mal makellos, die dramaturgischen Durchhänger, die „Creepers“ kennzeichneten, bleiben aus. Hilfreich ist darüber hinaus das Wissen, dass Morrell die Verheißung außerordentlicher Rätsel nicht einlösen wird. Lang und breit führt er uns in das wahrlich faszinierende Thema der Zeitkapseln ein, in denen Dinge und Daten versiegelt und vergraben werden, die in vielen Jahren Archäologen und Historikern, aber auch dem an der Geschichte interessierten Laien eine Bestandsaufnahme der Zivilisation zum Zeitpunkt der Ablage ermöglichen sollen. Für die Handlung ist dies alles ebenso Nebensache wie die unheilvolle Geschichte des Fanatikers Owen Pentecost: Schlagsahne auf einem gewöhnlichen Napfkuchen, die der Autor unbeachtet schmelzen lässt.
Gewaltige logische Löcher des Plots gleicht Morrell durch Höllentempo aus: Eine ‚Erklärung‘ dafür, dass unsere Helden finden, was Generationen aufmerksamer Schatzsucher verborgen blieb, gibt es nicht, weshalb der Verfasser es nicht einmal versucht. Über die reale Umsetzung eines Plans, wie ihn sich der ‚geniale‘ „Gamemaster“ ausgedacht hat, denkt man lieber nicht nach. So unverschämt, dass es nur als ironische Hommage gemeint sein kann, ist die Existenz eines Hebels, mit dem der „Gamemaster“ seine unterirdische Festung in die Luft jagen kann; so haben sich schon Dr. Frankenstein und andere geniale Irre in viel zu vielen Filmen vor einem glaubwürdigen Finale gedrückt! (Mein persönlicher Favorit ist dieses Rätsel: Wie viele Giftschlangen muss man fangen und in einem See aussetzen, damit sich der in eine Todesfalle verwandelt …?)
Noch ist es nicht so weit, dass die Charaktere von Computerspielen so ausgefeilt sind wie die Figuren in Filmen oder Büchern – wieso auch, da Games wie „Scavenger“ von Action und Bildern bestimmt werden. In solcher Umgebung bleibt für eine detaillierte Figurenzeichnung weder die Zeit noch wird sie von den Spielern erwartet. Es genügen diverse Grundsätzlichkeiten, die eine Spielfigur kennzeichnen und identifizierbar machen.
An diese Voraussetzung hält sich auch David Morrell. Den nicht so leselustigen Zeitgenossen mag diese Aussage empören, doch sie trifft zu: Sämtliche Emotionen, die unsere Protagonisten – die Guten wie die Bösen – umtreiben, sind behauptet und der Klischeekiste entnommen. Sie sorgen für die Erdung einer Handlung, deren Jump-and-Run-Dramaturgie sich sonst allzu intensiv offenbaren würde. Gleichzeitig gehen die ‚Gefühle‘ der Figuren niemals so stark in die Tiefe, dass sich die Action-Fraktion der Leserschaft davon gestört weil abgelenkt fühlen müsste. Wieder einmal zeigt sich Morrells Professionalität als Autor, der ganz nüchtern einzuschätzen weiß, wie viel ‚literarischen‘ Aufwand er in ein Projekt investieren muss.
Deshalb ist es für den Leser quasi ein Spiel im Spiel zu raten, wen es als nächsten erwischt. Es dürfte kein Spoiler sein, wenn ich an dieser Stelle verrate, dass man sich im Grunde gar nicht irren kann. Gestorben wird hierarchisch von unten nach oben, es beginnt mit diversen No-Names, danach kommen die Nebenrollen an die Reihe, und zuletzt erwischt es den Stellvertreter des Bösewichts und abschließend den Oberteufel selbst.
Doch auch wenn „Level 9“ primär jene zu Begeisterungsstürmen hinreißen wird, die weder des Lesens schon allzu lange mächtig sind noch seit Jahrzehnten mit cineastischem Junkfood malträtiert wurden und deshalb das Rumpeln der Story auf ihren über Gebühr ausgefahrenen Geleisen für normal halten, muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass Morrells Rechnung aufgeht. Ob Frank Balenger ein weiteres Mal auf einen Zick-Zack-Kopf-ab-Kurs geschickt wird, hängt praktischerweise nicht von Aspekten wie Logik oder Originalität, sondern nur von der Akzeptanz des Publikums ab. Das mäkelt allerdings und vermisst die munkelige Hui-Buh-Atmosphäre von „Creepers“. Vielleicht hätte Morrell berücksichtigen sollen, dass die frische Luft von Wyoming sogar im Hirn beinharten Gamer die Kritikzellen wecken kann …
Die deutsche Übersetzung lässt sich nicht nur gut lesen, sondern kommt schön und fest gebunden mit Schutzumschlag und erfreulich preisgünstig auf den Buchmarkt. Mit der Reihe „Premieren“ geht die „Weltbild“-Handelskette neue Wege: Veröffentlicht wird nicht mehr nur, was bereits anderweitig erschienen ist. „Level 9“ wird wie „Creepers“, der erste Band der Balenger-Serie, im März 2008 im Knaur Taschenbuch Verlag erscheinen. Vorab erscheint diese Ausgabe, die nur für ihr lieblos einem Bildstock entnommenen Cover zu kritisieren ist. (Abgesehen von der Frage, wieso „Level 9“ ein ‚besserer‘ i. S. von den Inhalt treffender umschreibender Titel als „Scavenger“ – „Schnitzeljagd“ – sein soll.)
David Bernard Morrell wurde 1943 in Kanada geboren, stammt also aus Kanada. 1966 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. An der Pennsylvania State University studierte er Anglistik und schloss mit einem Magister- und einem Doktortitel ab. Einer seiner Dozenten half ihm bei ersten Gehversuchen als Schriftsteller. Morrell war ein guter Schüler: 1972 debütierte er mit „First Blood“ (dt. „Rambo“), der Geschichte eines Vietnamveteranen, der heimkommt in ein Amerika, das er und das ihn nicht mehr versteht, was in einem metapherreichen Stellvertreterkrieg an der ‚Heimatfront‘ mündet. „First Blood“ wurde zum Vorbild für unzählige Actionreißer, die mehr oder weniger nach demselben Muster gestrickt waren, ohne jedoch in der Regel die Qualität des Originals zu erreichen. Morrell wurde durch die erfolgreiche Verfilmung seines Buches mit Sylvester Stallone in der Titelrolle zum Bestsellerautor.
Ab 1970 lehrte Morrell als Professor für Englische Literatur an der University of Iowa, während er weitere Romane verfasste, Seit 1986 arbeitet er hauptberuflich als Schriftsteller. Sein Spektrum erschöpft sich längst nicht in spannenden Thrillern. Er legt auch literaturwissenschaftliche Essays vor oder berichtet über seine Erfahrungen als Schriftsteller. David Morrell lebt heute in Santa Fé, New Mexico. Er pflegt eine eigene Website (www.davidmorrell.net), die durch ihre Aktualität und ihren Informationsgehalt gefällt.
Man stelle sich vor, man wohne in der Nachbarschaft von ehemaligen Cops – würde man sich da nicht sofort sicherer fühlen? Besonders, wenn diese Cops auch noch aus L. A. sind und sich mit Verbrechen auskennen?
In Kootenai Bay, einem kleinen Ort in Idaho, ist genau dies passiert. Der eigentlich sehr rustikale Ort ist zu einem beliebten Zufluchtsort für ehemalige Cops aus L. A. geworden. Niedrige Grundstückspreise und die schöne Umwelt scheinen die Expolizisten in die Gegend zu ziehen, was den eigentlichen Dorfbewohnern nicht immer gefällt. Da sich die Neuankömmlinge aber zumeist in ihre riesigen Villen zurückziehen und am öffentlichen Leben kaum teilhaben, gewöhnt man sich aneinander.
Als eines Tages zwei Kinder nach einem Spaziergang im Wald verschwinden, erklären sich sogar ein paar der frisch Zugezogenen bereit, mit ihrem Know-how bei der Suche zu helfen. Bald haben sie einen Verdächtigen zur Hand, doch was der Leser im Gegensatz zur Bevölkerung weiß, ist, dass die Kinder nicht einfach so verschwunden sind.
Nachdem sie im Wald einen Mord beobachtet haben, mussten sie fliehen, weil die Mörder sie bemerkt hatten. Doch ausgerechnet diese Mörder sind die ehemaligen Polizisten, die dem örtlichen Sheriff bei der Suche unter die Arme greifen. Die Kinder wissen nicht, wohin sie sollen. Überall scheinen sie in Gefahr zu schweben, von den Tätern gefasst zu werden, und die zwölfjährige Annie ist sich sicher, dass die Männer sie und ihren kleinen Bruder William nicht heile zu ihrer verzweifelten Mutter zurückbringen werden. Als sie auf Jesse, einen alten Rancher, treffen, der abgelegen im Wald lebt, spüren sie, dass er ihnen vielleicht ihre Geschichte glauben würde. Doch sie haben nicht damit gerechnet, dass die Ex-Cops ihnen so schnell auf die Spur kommen …
Die Handlung von „Stumme Zeugen“ klingt nach Action und so, als ob sie der Bezeichnung „Thriller“ gerecht werden würde. C. J. Box schlägt allerdings eine andere Richtung ein. Sein Buch ist eines von denen, die Spannung auf die stille Art und Weise erzeugen. Wirkliche Action gibt es selten, dafür aber eine gute Portion Nervenkitzel und das Gefühl, dass mit einigen Leuten in der Story etwas nicht stimmt. Der Autor beginnt seine Geschichte langsam und steigert sich gegen Ende hin. Zwischendurch gibt es Phasen, in denen nicht viel passiert, aber sie stören nicht, sondern passen gut ins Gesamtgefüge. Dieses lässt sich vor allem als ’nüchtern‘ beschreiben, genau wie der Schreibstil. Box verzichtet, wie gesagt, auf reißerische Action, sondern schildert lieber exakt und objektiv, was vor sich geht. Dabei gelingt ihm das Kunststück, trotzdem Gefühle und Menschlichkeit in seine Geschichte einfließen zu lassen, was ihn abseits anderer amerikanischer Thrillerautoren platziert. Die Handlung von „Stumme Zeugen“ wirkt eben nicht wie aus einem Hollywoodhochglanzstreifen, sondern kann sich einiges an Lebendigkeit bewahren.
Die Personen dagegen wirken an manchen Stellen ein wenig hölzern. Der sachliche Tonfall macht es manchmal schwierig, sich mit ihnen zu identifizieren, obwohl sie sehr authentisch wirken. C. J. Box hat ein Händchen dafür, seine Figuren einprägsam und anschaulich zu gestalten, ohne ihnen dabei übertrieben heldenhafte Züge zu geben. Sie wirken alle sehr bodenständig und normal, auch wenn ihnen dadurch vielleicht ab und an die Originalität fehlt.
Über den Schreibstil gibt es schließlich nicht mehr viel zu sagen. Wie der Rest des Buchs ist er sehr nüchtern, objektiv, geradezu trocken. C. J. Box wählt aus einem großen Wortschatz, der aber stets innerhalb der Genregrenzen bleibt, soll heißen, ein literarisches Wunderwerk kann man bei „Stumme Zeugen“ nicht erwarten, einen schlechten Schreibstil aber auch nicht. Box schreibt gut, passend zu seiner Geschichte, aber es sind nicht seine Worte, die ihn aus der Masse der anderen Autoren hervorheben.
Dies erledigt der angenehm unspektakuläre Plot für ihn. „Stumme Zeugen“ ist kein kühler Actionthriller, sondern ein bodenständiger Roman, der durch seine Natürlichkeit glänzt. Figuren und Schreibstil passen, trotz einiger Verbesserungsmöglichkeiten, sehr gut dazu und runden das Buch ab.
Seit dem College sind Abilene, Helen, Finley, Vivian und Cora enge Freundinnen. Die vernünftige Abilene, die ihren Doktor in Englischer Literatur macht, die pummelige, zurückhaltende Helen mit dem Horror-Tick, die burschikose Filmstudentin Virginia Finley, die alle nur bei ihrem Nachnamen nennen, die sanfte Vivian, ein gefragtes Model und die sportlich-amazonenhafte Lehrerin Cora. Nach ihrem Abschluss beschlossen sie, sich jedes Jahr für eine Woche zu treffen und etwas Aufregendes zu unternehmen.
In diesem Jahr hat Helen das Treffen organisiert. Die Freundinnen fahren in ein verlassenes Sporthotel mitten im Wald, die verrufene Totem Pole Lodge. Vor zwölf Jahren wurde hier ein Massaker angerichtet, bei dem eine Gruppe Wilder alle achtundzwanzig Gäste des Hotels bestialisch ermordete – ein Racheakt für den Tod eines Mädchens aus ihrer Familie, für den ein paar Männer aus dem Hotel verantwortlich waren. Die Freundinnen genießen gerade ein Bad im Pool, der direkt über einer Quelle errichtet wurde, als sie merken, dass sie beobachtet werden. Ein etwa siebzehnjähriger Junge flüchtet in den Wald. Kurz darauf finden die Frauen ihre Kleidung im Pool.
Trotz aller Abenteuerlust beschließen sie, den unheimlichen Ort zu verlassen – doch der Autoschlüssel aus Helens Hose ist unauffindbar. Notgedrungen übernachten sie im Wald. Als sie morgens erwachen, ist eine von ihnen verschwunden. Verzweifelt suchen die vier verbliebene Freundinnen nach ihr – und geraten bald selbst in höchste Gefahr …
Wenn sich eine Gruppe junger Frauen in einem verlassenen Haus versammelt, das einst Schauplatz eines Massakers war, erwartet man zu Recht ein Abenteuer mit mörderischen Folgen.
|Spannung trotz langer Anlaufzeit|
Es dauert eine Weile, bis sich der Roman den Titel „Thriller“ verdient, dann aber ist für Spannung gesorgt. Eine der Freundinnen verschwindet über Nacht, gerade nachdem ihnen bewusst wurde, dass sie nicht allein im Hotel waren. Der Leser darf gemeinsam mit den Protagonistinnen rätseln, welche Rolle der Junge spielt, der sie heimlich beobachtet hat, was es mit der grausamen Vergangenheit des Hotels auf sich hat, was mit der verschwundenen Freundin geschehen ist und wer von ihnen als nächstes in Gefahr gerät. Für einen originellen Kick sorgt die bizzare Gestalt von „Batty“, einem androgynen Einsiedler, den die Frauen mal für männlich und mal für weiblich halten, ein hexenhaftes Wesen mit einer makaberen Sammlung präparierter Tierkörperteile von Augäpfeln bis hin zu Knochen und offenbar im Besitz hellseherischer Fähigkeiten. Batty liefert ihnen einerseits einen brauchbaren Hinweis auf die verschwundene Freundin, bedroht sie aber andererseits mit der Schrotflinte und ist eine weitere unberechenbare Größe innerhalb der Handlung.
|Sympathische Figuren|
Bei Richard Laymons Charakterzeichnungen darf man gewöhnlich keine große Tiefe erwarten, dennoch sind ihm hier anschauliche und vor allem sympathische Protagonistinnen gelungen, deren Schicksal für zusätzliche Spannung sorgt. Helen ist schon als Teenager übergewichtig, leidet unter ihrer Unattraktivität und hat im Leben mit Männern fast nur Pech. Auf der anderen Seite ist sie der Horrorfan der Truppe, liebt alles Geisterhafte und Gruselige und ist daher auch die Initiatorin des Trips in das Hotel. In kurzen Sequenzen erfährt man über ihre unglückliche Ehe, die nur noch auf dem Papier existiert, und über die rührenden Pläne der Freundinnen, ihr beim Einschlagen in einen neuen Lebensweg zu helfen – einmal, endgültig die überflüssigen Kilos abzuwerfen und zudem, sich eine Pause von ihrem geldgierigen Ehemann zu gönnen.
Finley ist der Exot der Gruppe. Mit ihrem knabenhaften Körper, den weiten Safariklamotten, den kurzen Haaren und den frechen Sprüchen wirkt sie eher wie ein Teenagerjunge, ist jedoch gleichzeitig überraschenderweise die männerfixierteste unter den Freundinnen, stets auf der Suche nach einer neuen Affäre mit viel Sex und wenig emotionaler Bindung. Kaltschnäuzige Bemerkungen liegen ihr eher als gefühlvolle Worte, dennoch erweist sie sich als treue Kameradin, die sich mit Leib und Seele für die anderen Frauen einsetzt.
Vivian ist seit der Collegezeit die Schönheit unter den Freundinnen, bildet sich aber darauf ebenso wenig ein wie auf ihre Karriere als Model und Schauspielerin. Trotz ihres Aussehens erntet sie keinen Neid, sondern weckt vielmehr als Sensibelchen innerhalb der Clique den Beschützerinstinkt. Abilene und Cora bilden mit ihrem pragmatisch-vernünftigen Denken die soliden Grundmauern der Gruppe, gehen besonnener vor als Finley und unerschrockener als Vivian und Helen. Alle fünf sind sympathische Frauen, denen man wünscht, dass sie den Horrortrip überleben mögen.
|Ausführliche Rückblicke|
Zusätzlich interessant sind die Rückblicke in die Vergangenheit. Der Leser erfährt, wie sich die fünf zu einer Clique auf der Belmore-University zusammenschlossen, welche verwegenen Streiche sie ausheckten und was sie auf ihren früheren Trips für Abenteuer erlebten. Diese Rückblicke allerdings lassen zeitweise fast vergessen, dass es sich hier um einen Thriller handelt. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, in einem Frauenroman gelandet zu sein, der von ersten Liebeleien und witzig-albernen Collegeerlebnissen erzählt. Vor allem männliche Leser fühlen sich wahrscheinlich in diesen Phasen leicht gelangweilt, zumal es lange dauert, bis sich auch auch in der Gegenwart unheimliche Vorfälle ereignen. Der Racheakt an der strengen Rektorin etwa wird über mehrere Etappen ausgebreitet und mit Cliffhangern unterbrochen, zwar durchaus amüsant geschildert, ist aber im Verhältnis zur Gesamthandlung zu breit geraten. Ein Highlight unter den Rückblicken ist allerdings der Halloween-Ausflug der Clique, der sie ins Haus eines Fremden und zu einer schockierenden Entdeckung führt, die sie auch Jahre danach noch nicht losgelassen hat.
|Wenig Gewalt|
Sowohl die Heyne-Hardcore-Reihe als auch der Name Richard Laymon verheißen normalerweise viel explizite Gewalt jenseits der üblichen Darstellungen und des guten Geschmacks. In diesem Roman hält sich Laymon jedoch angenehm zurück. Fast 300 Seiten dauert es, bis der Leser auf die erste Leiche stößt, und ekelerregende Splattereinlagen sucht man vergebens. Ein paar brutale Szenen sind zwar vorhanden, das Maß übersteigt aber keinesfalls die in Thrillern üblichen Einlagen, sodass empfindsame Gemüter nicht zurückzuschrecken brauchen. Ebenso fehlen erfreulicherweise die unrealistischen Verhaltensweisen der Charaktere, die sich vor allem in „Rache“ und „Nacht“ teilweise wie Figuren aus einem B-Movie aufführten und unangemessene Risiken eingingen. Die Personen aus „Das Treffen“ handeln bis auf wenige Ausnahmen sehr nachvollziehbar. Wer sich an den blutrünstigen Details anderer Laymon-Romane erfreute, der wird von diesem Werk enttäuscht werden. Auf der anderen Seite ist er empfehlenswert für all jene, denen Laymon ansonsten zu harte und krasse Details liefert.
|Kaum Mankos|
Abgesehen von der langen Anlaufzeit gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Charaktere verhalten sich weitestgehend angenehm realistisch, auch wenn man darüber streiten kann, wie vernünftig es ist, sich heimlich in ein abgelegenes, verlassenes Hotel zu begeben in einer Zeit, in der man noch keine Handys mit sich trug. Auch leistet sich Finley manchmal in unpassenden Augenblicken sarkastisch-lockere Bemerkungen, in denen sie eigentlich noch zu sehr unter Schock stehen müsste. Etwas zu leicht abgehandelt wird ebenso eine Szene, in der die Frauen zwangsweise Blut trinken müssen und ihren Ekel sehr rasch überwinden, und der Zufall greift einmal böse ein, als sich auf der Flucht eine von ihnen auf unnötige Weise den Knöchel bricht. Dies sind aber nur Kleinigkeiten, die weder den Gesamtverlauf in Frage stellen noch lange im Gedächtnis bleiben.
_Als Fazit_ bleibt ein unterhaltsamer Thriller, der wesentlich unblutiger ist als andere Bücher des Autors. Abgesehen von kleinen Längen und einem recht behäbigen Anfang ein für Thrillerfans sehr lesenswerter Roman mit sympathischen Charakteren.
_Der Autor_ Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und ist einer der meistverkauften Horrorautoren der USA. Er studierte Englische Literatur und arbeitete unter anderem als Lehrer und Bibliothekar, ehe er sich dem Schreiben widmete. Im Jahr 2001 verstarb er überraschend früh und hinterließ eine Reihe von Romanen, die vor allem wegen ihrer schnörkellosen Brutalität von sich Reden machten. Nur ein kleiner Teil davon ist bislang auf Deutsch erhältlich. Zu seinen weiteren Werken zählen u. a. „Rache“, „Die Insel“, „Parasit“, „Im Zeichen des Bösen“ und „Vampirjäger“.
Mehr über ihn gibt es auf seiner offiziellen [Homepage]http://www.ains.net.au/~gerlach/rlaymon2.htm nachzulesen.
Im westfälischen Paderborn treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Privatdetektiv Maikötter, der sich gern als Priester verkleidet, beschattet zwar eigentlich einen untreuen Ehegatten, wird aber wider Willen in die Ermittlungen hineingezogen … – Was sich als Krimi tarnt, ist eine Sammlung satirischer Betrachtungen des Lebens in der westfälischen Großstadt-Provinz, mit der eine Liebesgeschichte verquickt wurde. Die Story plätschert im Einklang mit den 200 Quellen der Pader dahin, und wie dieser kürzeste Fluss Deutschlands verliert sie sich spurlos in fremden Gewässern. Zumindest der Krimi-Leser mag dem bald nicht mehr folgen. Erwin Grosche – Der falsche Priester [Maikötter 1] weiterlesen →
Als ein junger Kriminalreporter eine übel beleumundete Kaschemme erbt, kommt es dort zu Raub und Mord. Im Wettlauf mit Scotland Yard ermittelt der Reporter im Alleingang, wobei ihn eine hübsche Pfarrerstochter unterstützt. Dabei geraten die neugierigen Amateure in gefährliche Situationen … – Nicht klassischer aber sehr solider „Whodunit“ der britischen Krimi-Schule, dessen Plot aus heutiger Sicht ein wenig zu leicht durchschaubar gerät, was trockener Witz und unterhaltsam überzeichnete Figuren weitgehend wettmachen können. Seldon Truss – Ein Toter meldet sich weiterlesen →
Nach dem Tod seiner geliebten Frau Inga geht es mit Charles Olav Torp nur noch bergab. Seine Spielsucht gerät außer Kontrolle, seine Schulden werden immer höher, er verliert seine Arbeit und der Kontakt zu seiner 16-jährigen Tochter Julie friert ein. Vor allem unter der Distanz zu Julie, die selbstständig in einem Wohnheim lebt, leidet er stark. Als sich seine Spielschulden auf 200.000 Kronen belaufen und er fürchtet, von seinen Gläubigern zusammengeschlagen zu werden, fasst er einen grausigen Entschluss:
Charles sucht sich die alte Harriet Krohn als Opfer aus. Unter einem Vorwand lässt er sich abends in ihre Wohnung bitten und bedroht sie mit einem Revolver. Wider Erwarten wehrt sich die alte Frau und in Panik erschlägt er sie. Anschließend durchsucht er ihre Wohnung, findet 200.000 Kronen in bar und Silberbesteck. Auf dem Heimweg gerät er unverschuldet in einen Autozusammenstoß und flüchtet, um nicht in Tatortnähe gesehen zu werden.
Mit dem Geld bezahlt er seine Schulden, für den Erlös des Silbers kauft er einen stolzen Fuchswallach und schenkt ihn seiner reitbegeisterten Tochter, die ihr Glück kaum fassen kann. Endlich verbringt er wieder regelmäßig Zeit mit Julie, zumal er im Reitstall eine Anstellung findet. Doch die Angst, dass man seine Spur findet, nimmt kein Ende. Täglich verfolgt Charles die neuen Ermittlungen im Fall Harriet Krohn. Die wachsende Paranoia und sein Gewissen setzen ihm immer weiter zu …
Karin Fossums Krimis um Hauptkommissar Konrad Sejer zeichnen sich stets durch einen besonderen Fokus auf die Seelenzustände der Figuren und psychologische Tiefe aus. Bei wohl keinem anderen ihrer Romane trifft dies stärker zu als beim „Mord an Harriet Krohn“.
|Lupenreiner Whydunnit|
Von Beginn an ist der Leser über den Täter im Bilde. Er verfolgt unentwegt Charles‘ Gedankengänge, die Vorbereitungen für den Mord und die Tat selbst sowie sein anschließendes Martyrium, seine ständige Angst vor Entdeckung. In kleinen Rückblicken wird man in seine Vergangenheit geführt. Man erfährt, wie er schon während seiner Ehe allmählich auf die schiefe Bahn geriet und der Faszination des Glücksspiels erlag. Was er damals noch halbwegs unter Kontrolle halten konnte, entglitt ihm nach dem Tod seiner Frau, die seine Stütze war, vollends. Eine kleine Unterschlagung in der Firma kostet ihn den Job, seine Gläubiger drohen ihn mit Gewalt zum Zahlen zu bringen, der Kontakt zu Julie, dem einzigen Menschen, der ihm noch etwas bedeutet, reißt ab. In manchen Momenten empfindet man ansatzweise Mitleid mit Charles. Seine Vorstellung von Glück konzentriert sich auf eine liebevolle Beziehung zu seiner Tochter, nur für sie ist er bereit, buchstäblich über Leichen zu gehen. Anrührend sind die Rückblicke in Julies ersten Ausflug in einen Reitstall, ihre ersten Reitversuche auf dem Pony Snowball, ihre späteren Turniererfolge und Charles‘ Stolz auf seine Tochter, dem er mit einem eigenen Pferd endlich Ausdruck verleihen möchte. Es ist ein verzweifelter Versuch, mit dem edlen und riesigen Fuchswallach „Call me crazy“ die Liebe seiner Tochter zurückzugewinnen, und anfangs scheint diese traurige Rechnung sogar aufzugehen. Auch um Julies Willen, um die junge Frau, die tapfer den Verlust der Mutter erträgt und ihr Leben schon sehr selbstständig meistert, fühlt man sich zerrissen zwischen dem Wunsch, die beiden mögen wieder zusammenfinden, und der Abneigung gegen Charles, der für seine Tochter das Leben einer alten Frau opferte.
Dass man Charles einerseits für den Mord verabscheut und andererseits hin und wieder in Versuchung gerät, ihn wegen seines Schicksals zu bedauern, bildet einen interessanten Spannungspunkt, der den Leser fesselt – obwohl dies keiner der konventionellen Krimis ist, bei denen man den Mörder erraten muss. Dennoch bleiben genug Faktoren übrig, die bis zum Schluss ungewiss sind. Man fragt sich, ob Charles von Kommissar Sejer gefasst werden wird oder sich womöglich selber stellt, ob seine Tochter, bei der der plötzliche Geldsegen natürlich Misstrauen erweckt, hinter die schreckliche Tat kommt, oder ob Charles sogar zusammenbricht und aus Verzweiflung Selbstmord begeht – denn seine verständliche Sorge vor Entdeckung wandeln sich nach und nach in eine ausgewachsene Paranoia. Plötzlich fürchtet Charles an jeder Ecke, entlarvt zu werden. Irgendjemand könnte ihn wider Erwarten beobachtet haben, sein Aussehen ist vielleicht doch nicht so unauffällig und durchschnittlich, wie er glaubt, der Verursacher des Autounfalls könnte ihn identifizieren, nachdem bekannt wurde, dass ganz in der Nähe kurz zuvor ein Mord verübt wurde. Sein sorgfältig ausgearbeiteter Plan bricht in sich zusammen, kleine Patzer und Risiken häufen sich. Charles‘ Leben ist eine einzige Lüge, die Belastung hinterlässt schließlich auch körperliche Spuren. Karin Fossum zeichnet das gelungene Porträt eines Mörders, der sich selber vor allem als Opfer widriger Umstände sieht, und schafft dadurch eine unkonventionelle Krimi-Basis.
|Kleine Schwächen|
Im Gegensatz zu anderen Werken der Autorin taucht der ermittelnde Kommissar Sejer hier nur am Rande auf. Wer die Reihe also vorwiegend wegen seiner Person verfolgt, wird in diesem Band sicher zunächst leicht enttäuscht werden. Bis auf ein paar wenige Begegnungen mit dem Kommissar lebt der Roman alleine durch die Präsenz von Charles. Das ist schade, da Konrad Sejer ein sehr sympathischer und interessanter Ermittler ist. Andere Romane der Reihe gewähren Einblick in sein Gefühlsleben, das vor allem von Einsamkeit geprägt ist nach dem Krebstod seiner Frau, ohne dabei die Krimihandlung zu verdrängen.
Gewöhnungsbedürftig ist auch der Stil des Buches. Karin Fossum neigt grundsätzlich zu einem parataktischen Stil, es dominieren die Hauptsätze, die sich oft anstelle eines Nebensatzes aneinanderreihen. Dies passt natürlich ideal zu den inneren Monologen von Charles, zu seinen sprunghaften Gedanken, die mit vielen Assoziationen durchsetzt sind – aber diese Hektik verleiht dem Text nicht nur Authentizität, sondern macht ihn auch ein wenig schwerer lesbar. Es ist gewiss kein Krimi, den man zur Entspannung liest, vielmehr ruft er den Leser dazu auf, in einem Rutsch verschlungen zu werden, auch da es mühsam sein kann, sich jedesmal aufs Neue in den Stil einzulesen.
_Als Fazit_ bleibt ein interessanter Krimi aus der Kommissar-Sejer-Reihe, in dem man intensiv an der Psyche des Mörders teilnimmt. Obwohl der Täter dem Leser von Beginn an bekannt ist, kommt ausreichend Spannung auf. Nur der hektische Stil ist gewöhnungsbedürftig sowie die Tatsache, dass Kommissar Sejer deutlich weniger Auftritte in der Handlung hat als gewohnt.
_Die Autorin_ Karin Fossum wurde 1954 in Norwegen geboren. 1974 und 1978 erscheinen zwei Gedichtbände von ihr, ehe sie ihre Kinder bekam und eine schriftstellerische Pause einlegte. 1995 erschien ihr Debütroman [„Evas Auge“ 4433 mit dem Ermittler Kommissar Sejer. Es folgten sechs weitere Bände, u. a. „Fremde Blicke“, „Dunkler Schlaf“ und „Stumme Schreie“.
Der Odenwald – das klingt nach einer behaglichen Gegend, in der sich Fuchs und Gans noch gute Nacht sagen. Doch der Odenwald ist neben den beschaulichen Landschaften und den vielen schönen Burgen auch der Ort, an dem Privatdetektiv Tobias Bloch seine Kriminalfälle löst. Dieses Mal beschäftigt ihn ein Mordfall am berühmten Beerfeldener Galgen. An diesem Galgen nämlich hängt eines schönen Morgens eine tote Frau, deren langer Rock an den Knöcheln zusammen gebunden ist, damit ihr auch niemand darunter schauen kann. Denn im Odenwald – da herrschen noch Zucht und Ordnung!