Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Ahle, Anke – Pole Position

_Anke Ahle und die Unkenntnis der Formel-1-Regeln_

Die Fachwelt der Formel 1 ist nicht unbedingt überrascht, dass der französische Nachwuchsfahrer Jean-Luc Dalesasse 1996 einen Formel-1-Vertrag bei dem britischen Williams-Team unterschreibt. Deren Topfahrer und Vorjahres-Weltmeister Joe Cheap war zu Ferrari gewechselt.

Dalesasse kommt mit dem raubeinigen technischen Leiter John nicht gut klar, reklamiert bei ihm viele Schwächen des Fahrzeugs, doch der Ingenieur will davon nichts hören. Auf Dauer muss er sich aber sehr wohl mit den technischen Aussagen von Dalesasse auseinandersetzen, spätestens nachdem der Rennfahrer in seinem ersten Grand Prix gleich den vierten Platz einfährt!

Es dauert nicht sehr lange, bis Jean-Luc seinen ersten Formel-1-Sieg feiert und zum Jäger des in der WM erneut führenden Joe Cheap wird.

Auch beim Grand Prix von Monte Carlo läuft alles prima: Dalesasse startet von ganz vorne und fährt einen grandiosen Sieg ein. Der Fürst von Monaco gratuliert ihm, doch direkt danach muss der Racer nebst Teamchef zur Rennleitung. Ihnen wird eröffnet, dass die Benzinprobe des Williams verbotene Zusatzstoffe beinhalte. Der Sieg und die 10 WM-Punkte werden Jean-Luc gestrichen.

Jean-Luc wittert Sabotage und fühlt sich ein Rennen später, beim Grand Prix von Spanien, bestätigt: Wieder auf die Pole Position gefahren, reicht ihm eine Frau Augentropfen, die jedoch zu einer mittelfristigen Sehstörung führen. Die Frau sagt nur, er dürfe wegen Sabotage nicht starten und gibt sich später als die – man höre und staune – Pressesprecherin des Konkurrenzteams Ferrari aus. Tatsächlich kann Jean-Luc nicht starten, und stattdessen springt ein Testfahrer für ihn ein und startet an dessen Stelle von Startplatz 1 (hierzu später mehr: dies ist in der Formel 1 überhaupt nicht möglich). Wie die Unbekannte prophezeite, verunglückt der Ersatzfahrer durch eine defekte Bremsscheibe und verliert sein Leben.

Sue, so heißt sie, ist die Tochter eines englischen Bremsanlagenherstellers, der Großteile der Formel 1 belieferte. Ein Jahr zuvor verunglückte bereits ein Fahrer tödlich durch einen Bremsdefekt. Sues Vater wurde als jener hingestellt, der dies ggf. zu verantworten hat, so dass dieser sich aus dem Rennsport zurückzog. Sue indes ist der Meinung, dass der 1995 verunglückte Fahrer nur deshalb aus dem Weg geräumt werden sollte, damit man ihn loswerde: Bei einer Kündigung im ersten Jahr hätten 20 Millionen Sponsorengelder zurückgezahlt werden müssen, bei „Tod“ gab es keine Klausel. Und man wollte einen Top-Piloten!

Warum aber soll dann auch plötzlich Top-As Jean-Luc Dalesasse durch eine Sabotage aus dem Rennzirkus wieder verschwinden? Gemeinsam mit Sue recherchiert er und fährt trotz der Angst vor Sabotage weitere Rennen, stets den WM-Titel ehrgeizig vor Augen …

Anke Ahle ist als Autorin bislang wenig bekannt. Das Buch verrät über sie, dass sie 1969 in Gummersbach geboren wurde und aus einer motorsportbegeisterten Familie stammt. Bisher veröffentlichte sie mehrere wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Archäologie, lebt aktuell in Köln und betreibt mit ihrem Ehemann einen Online-Versandhandel für Bücher und CDs.

_Schlechter Eindruck_

Fangen wir mit dem unschönsten Teil des Buches an, der Unkenntnis von Regeln der Formel 1: ich verweise auf die Situation, dass Jean-Luc Dalesasse beim GP von Spanien auf Startplatz 1 steht, er kurz vor dem Rennen quasi „ausfällt“ weil er Sehstörungen durch manipulierte Augentropfen hat. Statt seiner sitzt plötzlich ein Ersatzfahrer des Teams im Auto, zudem auf dem Startplatz 1. Schlimm genug, dass er dann bei einem Unfall stirbt. Leider verdirbt Anke Ahle kurzzeitig den Lesespaß durch diese an den Haaren herbeigezogene Situation, insbesondere bei der Berücksichtigung des Formel-1-Reglements anno 1996:

a) Ein Rennfahrer kann laut Reglement nicht kurz vor Startbeginn „ersetzt“ werden.

b) Ein Ersatzfahrer oder „dritter Fahrer“ (siehe z. B. Alexander Wurz oder Anthony Davidson …) müsste wie z. B. 2005 oder 2006 Rennrunden zur Qualifikation drehen. Dies war 1996 in der Form nicht vorgesehen, und wenn, dann dürfte er höchstens von seinem erfahrenen Startplatz starten, nicht aber ersatzweise die Pole Position einnehmen. Aber 1996 durften zudem nur zwei Autos je Team starten, und selbst Fahrer zwei behält seine Startposition und rückt nicht auf.

Wer sich nicht sonderlich für Rennsport interessiert, wird diesen fatalen Schnitzer überlesen, wer aber in unserem Schumi-Land Formel 1 kennt und versteht, stolpert sofort über diesen Fauxpas, der zunächst den Spaß am Weiterlesen leicht hemmt. Anke Ahle hätte es sich viel einfacher machen können: Testfahrten in xyz; wie auch immer konstruiert, wird Dalesasse nicht im Monoposto sitzen und an seiner Stelle der „Testfahrer“, der dann in der Tat durch die genannte „Sabotage“ tödlich verunglückt. Das wäre logisch, das wäre glaubhafter.

_Eindrücke_

Trotz der harschen Worte zu dieser Problemstelle, die das Lesen zunächst mehr in dann bald verfliegenden Ärger umschlagen lässt, bleiben der Roman und der Hintergrund, warum Dalesasse auch durch Sabotagen gefährdet ist, hochinteressant. Zumindest das … In jedem Fall, und das Wort passt, ist der Roman von Anke Ahle sehr intelligent konstruiert! Auch hier ein „zumindest DAS …“.

Auffällig ist auch ihr flüssiger, angenehmer Schreibstil. Leider sind viele Situationen aber zu nüchtern beschrieben bzw. es schwankt: Zum Ambiente von Monte Carlo fallen ihr prägnante Worte ein, bei den anderen Rennstrecken geht sie staubtrocken zur Story über. Alle Szenarien sind oberflächlich und leider schwach an Eindrücken.

Ein Motorsportfreund wird daher in vielen Lesepassagen die typische Rennatmosphäre gänzlich missen. Andererseits: Anke Ahle verzettelt sich nicht in breiten Umschreibungen der Rennszenerie, so dass sich auch ein in Sachen Motorsport Unbedarfter angesprochen und zum Lesen animiert fühlen kann. Es ist diese Wie-man-es-macht-macht-man-es-verkehrt-Situation.

Klar ist, dass der Roman weniger für einen Motorsportfan geeignet ist, auch wenn – abgesehen von dem beschriebenen Patzer – Anke Ahle durchaus allgemeine Motorsportkenntnisse besitzt und diese auch umsetzt. Aber die Darsteller bleiben ein wenig uncharismatisch, da ist für den rennsportbegeisterten Leser „kein echter Benzingeruch in der Luft“. Wer indes unvoreingenommen und an Motorsport wenig interessiert ist, wird ganz klar eine solide, intelligent konstruierte und spannende Geschichte auf 223 Seiten entdecken. Kenner der Szene werden sich indes die Haare raufen.

_Fazit_

Was macht diesen Roman aus? Er spricht Motorsportfans alleine durch den Titel an.

Und dann die Enttäuschung: Die Darsteller sind farblos, die Story erinnert eher an eine zusammengezimmerte Chronologie. Das reicht im Grunde bereits, den Roman nicht mit Freude zu lesen.

Aber dann kommt noch die Unkenntnis der Autorin Anke Ahle hinzu: In einem Kapitel beschreibt sie, dass der Star der Formel 1 unmittelbar vor dem Start durch manipulierte Augentropfen nicht starten kann und dann „hopplahopp“ der Testfahrer in den Wagen springt und auch noch von der Pole Position startet. DAS gibt es im Motorsport nicht, es ist schlicht an jedem Reglement vorbei zusammenphantasiert und verärgert den kompetenten Leser.

Wer sich trotz solcher Schnitzer durch das Buch weiterquält, wird eine intelligente, aber schlecht realisierte Story entdecken. Das nenne ich Geldverschwendung, und ich wäge sorgfältig ab, bevor ich ein Buch unterm Strich schlicht miserabel nenne …

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Kramp, Ralf – Totentänzer

_Erneut ermittelt der sympathische Sonderling Herbie Feldmann auf eigene Faust_

Ein neuer Krimi von Ralf Kramp namens „Totentänzer“ erschien im Frühjahr 2006 im Hillesheimer |KBV|. Zum vierten Mal ermittelt Kramps Figur Herbie Feldmann, ein netter „Spinner“, der Stimmen hört und stets von dem vorlauten und für andere unsichtbaren Julius begleitet wird. Wen wundert es also, wenn Herbies vermeintliche Selbstgespräche ihm den Titel eines komischen Kauzes einbrachten.

In seinem aktuellen Abenteuer hat Herbie Feldmann einen Aushilfsjob als Pizzabote angenommen. Schließlich will er seiner Tante Hettie, die als Vormund sein Vermögen nach seiner Psychose in Jugendtagen verwaltet und zu ihrem eigenen Luxus nutzt, beweisen, dass er mehr als ein Nichtsnutz ist.

Seine Tante liegt im Krankenhaus. Herbie Feldmann begegnet dort derer alten Schulfreundin Finchen Doppelfeld. Ganz Gentleman, fährt er die alte Dame zu ihrem verwahrlosten Haus zurück. Doch genau diese Seniorin wird unmittelbar danach ermordet. Herbie scheint der Letzte zu sein, der Finchen Doppelfeld lebend sah, und fürchtet, zum Verdächtigen zu werden. Er recherchiert also auf eigene Faust.

Dann taucht auch sein schrulliger Onkel Erwin auf und behauptet, Russen wollten ihm einen wertvollen Dolch abknöpfen. Sein Versteck bei Herbie bleibt nicht unbeobachtet und tatsächlich nehmen zwei Russen zunächst Herbie in die Mangel. Dieser verspricht, den Dolch zu besorgen, beschließt aber, von seinem Kumpel Köbes eine Fälschung anfertigen zu lassen. Ausgerechnet von Schnapsnase Köbes, der als Automechaniker nicht einmal mit einem Lackstift umgehen kann, wie man schon in früheren Abenteuern aus der Feldmann-Serie erfahren durfte.

Auf der Suche nach Finchen Doppelfelds Mörder stößt Herbie Feldmann auf einen Hinweis, dass sie extrem tiervernarrt war. Sollte jemand die alte Dame ermordet haben, weil sie ihr Testament auf einen Tierschutzverein umschreiben wollte, oder steckt da noch viel mehr dahinter? Wie zu erwarten, bleibt es nicht bei einem Mord. Kein Wunder, dass Herbie Feldmann alle Hände voll zu tun hat und zumindest als Pizza-Bote kläglich versagt. Genau so, wie sein steter Schatten Julius es frech und vollmundig ankündigte.

In dem spannenden Krimi von Ralf Kramp, der 1963 in Euskirchen geboren wurde und als Verleger, Karikaturist und Autor arbeitet, entdeckt der Leser vertraute Darsteller wie den stets angetrunkenen Automechaniker Köbes und jene Tante Hettie, die ihren Neffen seit mehreren Abenteuern als Laufburschen und gleichfalls als „Blitzableiter“ ihrer üblen Launen benutzt. Daran hat sich auch in „Totentänzer“ nichts geändert.

Kramp bevorzugt in seinem Romanen den Tatort Eifel, sei es in Feldmann-Krimis oder auch in historischen Romanen wie „… denn sterben muss David“. Seine sehr zahlreichen Romane wurden unter anderem bei KBV veröffentlicht und von |Technisat Digital Division Radioropa Hörbuch| vertont.

Bekanntes Strickmuster – und umso erstaunlicher ist es, wie es Ralf Kramp gelingt, die Abenteuer von Herbie Feldmann und dessen unsichtbaren Schatten Julius seit vielen Jahren auf gleich hohem Spannungsniveau zu halten. Neben spannenden Eifelgeschichten des sonderbaren Duos besticht Ralf Kramp durch den brillanten Humor, den er vor allem Julius in den Mund legt. Die Dialoge zwischen Herbie und Julius sind witzig, manchmal gewollt einfältig und vor allem eine sympathische Attacke auf die Lachmuskeln. Spritzige Dialoge, ähnlich jener der kultigen Kölschen „Tünnes und Schäl“, beweisen, dass ein spannender Kriminalroman durchaus auf Witz und Humor setzen darf. Diese Kombination beherrscht der Autor Ralf Kramp genial.

Dieser ohne Schwächen auf 251 Seiten geschriebene Roman ist ein würdiger Nachfolger bisheriger Abenteuer von Herbie Feldmann, zum Beispiel in den Krimis „Rabenschwarz“ oder „Der neunte Tod“. Wie gewohnt ist das Cover von Ralf Kramp selbst gestaltet worden.

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Koontz, Dean – Anbetung, Die

|Ich bin keine Berühmtheit […] Im Grunde genommen bin ich nach den Maßstäben unserer Kultur ein solchen Nichts, dass eine Zeitschrift wie „People“ nicht nur nie einen Artikel über mich bringen wird, sondern man womöglich sogar meinen Versuch zurückweisen würde, sie zu abonnieren, weil die Schwerkraft meiner Nichtberühmtheit ein schwarzes Loch darstellt, das mächtig genug ist, ein gesamtes Verlagshaus in den Abgrund zu saugen.| (Odd Thomas)

_Handlung_

Odd Thomas ist der Koch eines Grillrestaurants im kalifornischen Wüstenkaff Pico Mundo. Sein Leben wäre sehr einfach, wenn er nicht die Geister der Toten sehen würde und dadurch so manch ungeklärtes Verbrechen aufklärte. Doch auch das ist noch nicht alles, denn er sieht nicht nur die Verstorbenen, sondern auch böse Geister: die Bodachs. Diese ernähren sich vom Leid anderer und tauchen immer dort auf, wo ein schlimmer Unfall oder ein grausiges Verbrechen geschehen wird.

So ist Odd schockiert, als ein unsympathischer Kerl im Pico Mundo zu Mittag isst, der von zwei Dutzend Bodachs begleitet wird. Ihm ist sofort klar, dass seinem Städtchen ein Massaker von unglaublichen Ausmaßen bevorsteht und nur er es verhindern kann. Also macht er nicht nur die Polizei auf den Massenmörder in spe aufmerksam, sondern nimmt zusätzlich dessen Verfolgung auf. Was er aber im Haus des unheimlichen Fremden findet, ist schockierend …

_Der Autor_

Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren und lebt heute mit seiner Frau in Kalifornien. Seine zahlreichen Romane – Thriller und Horrorromane – wurden sämtlich zu internationalen Bestsellern und in über 30 Sprachen übersetzt. Weltweit hat er bislang über 250 Millionen Exemplare verkauft. Seine letzten Veröffentlichungen waren „Der Wächter“, die „Frankenstein“-Reihe und „Die Anbetung“.

_Mein Eindruck_

Als ausgesprochener „Koontz-Vielleser“ habe ich mich bereits seit geraumer Zeit auf das Erscheinen seines neuen Romans „Die Anbetung“ gefreut, und ich muss sagen, meine hohen Ansprüche sind nicht enttäuscht worden. Koontz bedient sich diesmal einer Ich-Perspektive, in welcher der Protagonist Odd Thomas auf die zurückliegenden Ereignisse zurückblickt und seine Handlungen teilweise sehr ironisch kommentiert. Durch seine skurrilen, aber immer irgendwie treffenden Vergleiche erreicht der Autor, dass wirklich der Eindruck entsteht, man würde in einer Art Tagebuch eines zwar intelligenten aber sehr uninteressierten Grillkochs lesen.

Das mag zwar relativ wenig spannend klingen, aber Koontz wäre nicht so erfolgreich, wenn er das Ganze nicht aufpeppen würde. Zum einen trägt der amüsante Schreibstil enorm zum Lesevergnügen bei, woran auch die bereits erwähnten Vergleiche einen großen Anteil haben. Dazu erschafft Koontz eine kaum auszuhaltende Spannung, obwohl man ja eigentlich weiß, dass Odd überleben muss, da er ja das Buch schreibt. Trotzdem fiebert man Seite für Seite mit dem sympathisch verschrobenen Grillkoch auf seiner Mission mit.

Stichwort verschroben: Überhaupt kommt es einem beim Lesen so vor, als würden in Pico Mundo ausschließlich Verrückte wohnen. Neben Odd gibt es da auch noch seine Vermieterin, die Angst davor hat, unsichtbar zu werden, weil sie den Tod ihrer Familie nicht verkraftet hat, die bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ums Leben kamen. Des Weiteren gibt es einen 200-Kilo-Literaten namens Little Ozzy, der sechs Finger an einer Hand hat, Odds Chefin kennt jeden Tag im Leben von Elvis Presley auswendig, und der King hat seinen Aufenthaltsort nach seinem Ableben ebenfalls nach Pico Mundo verlegt und freut sich, wenn seine Musik aus dem Radio tönt. Klingt alles ein bisschen überladen? Ist es auch, aber das wirkt sich nicht negativ auf den Lesespaß aus, sondern gibt dem Ganzen eine zusätzliche Würze. Nur: Sollte ich jemals durch Kalifornien fahren und das Schild Pico Mundo sehen, werde ich mir überlegen, ob ich nicht lieber umdrehen sollte … Gut, die Charaktere sind zwar schon sehr verschroben, doch macht sie das auch überdurchschnittlich liebenswert und gibt ihnen einen Hohen Wiedererkennungswert. Man merkt durchgehend, dass sich der Autor nicht mit 08/15-Figuren zufrieden gibt.

Das Einzige, was mich etwas stört, ist, dass recht häufig von den Anschlägen auf das World Trade Center die Rede ist. Da wird Mohammed Atta mit der „Bruderschaft des Bösen“ in Verbindung gebracht und in eine Reihe mit Timothy McVeigh (Oklahoma-City-Bomber) und Charles Manson gestellt. Hier scheint mir eine doch sehr patriotische Sicht der Dinge deutlich durchzudringen, ohne dass vorher differenziert wird. Man könnte fast meinen, man höre George W. Bush über „Die Axe des Bösen“ referieren. Allerdings kann man hier Koontz zugute halten, dass der Text ja in der Ich-Form eines Erzählers geschrieben ist und dieser also die Geschehnisse betrachtet. Mal ganz davon abgesehen, kann man diese Sicht den Amerikanern wohl auch einfach mal zugestehen, da die Anschläge die amerikanische Gesellschaft nachweislich stark traumatisiert haben.

Auch an den für Koontz-Romane typischen unerwarteten Wendungen mangelt es diesem Roman nicht. Ungefähr bei der Hälfte des Buches kommt es zu einem so unerwarteten Break, dass ich völlig entgeistert war. Dass Koontz so etwas auch in seinem zigsten Roman noch erreicht, zeugt von seiner Klasse.

Das setzt sich dann auch fort bis zum Schluss, der mich so aufgewühlt hat, wie es zuvor noch nie ein Buch bewirkt hatte – ganz große Kunst. Noch ein Wort zur Aufmachung des Bandes: Ich weiß zwar nicht, was das Cover zeigen soll und wie das nach Kalifornien passt, aber die Qualität des Einbandes und des Papiers der gebundenen Ausgabe sind gut bis sehr gut und somit sehr zufriedenstellend.

_Fazit_: Solche Bücher kann nur Dean Koontz schreiben: verschrobene Charaktere, große Spannung, unerwartete Wendungen – bei „Die Anbetung“ passt einfach alles. Unbedingte Kaufempfehlung.

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Rick Boyer – Sherlock Holmes und die Riesenratte von Sumatra

boyer-holmes-riesenratte-cover-2006-kleinIm London des Jahres 1894 treibt eine Riesenratte ihr mörderisches Unwesen. Dahinter verbirgt sich ein kapitales Verbrechen, das zu erkennen und zu vereiteln nur dem großen Sherlock Holmes möglich ist … – In Plot, Figurenzeichnung und Tonfall trifft dieses Pastiche sehr präzise das Vorbild Arthur Conan Doyle; die bekannten Elemente einer typischen Holmes & Watson-Geschichte fließen geschickt variiert in die gleichermaßen spannende wie nostalgische Handlung ein, ohne aufgesetzt zu wirken, und runden einen Roman ab, der uneingeschränkt empfohlen werden kann.
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Hesse, Andree – andere Blut, Das

Der deutsche Autor Andree Hesse hält mit seinem zweiten Kriminalroman „Das andere Blut“ die Fahne deutscher Kriminalautoren hoch und braucht sich auch mit dem zweiten Teil seiner Arno-Hennings-Reihe nicht vor der internationalen Konkurrenz zu verstecken. Noch eins vorweg: Auch wenn sich das ganze Buch um Pferde dreht und nebenbei ein Pferderipper gesucht wird, lässt sich „Das andere Blut“ auch dann hervorragend lesen, wenn man keine Pferde mag und früher nicht die „Wendy“ abonniert hatte. Ich mag keine Pferde und fand das vorliegende Buch trotzdem spannend, gut konstruiert, unterhaltsam und sehr gelungen!

_Hoppe, hoppe Reiter_

In der kleinen niedersächsischen Stadt Celle geht ein Pferderipper um, der Pferde absichtlich quält. Auch die Stute Gypsy der jungen Schülerin Kira von Helsen ist Opfer des Pferderippers geworden, der ihr einen Ast in die Vagina gebohrt und sie dadurch innerlich aufgerissen hat. Kira ist erschüttert und will den Pferderipper auf eigene Faust stellen. Doch überlebt sie die einsame Nacht auf der Pferdekoppel nicht.

Arno Hennings und seine polnische Freundin Aglaja, die sich nach ihrem schrecklichen Fahrradunfall in Celle von ihren Verletzungen erholt, verbringen den Abend bei Arnos Kollegen Karsten Müller, der die Einweihungsparty in seinem neuen (unfertigen) Haus feiern möchte. Doch Arno ist gar nicht nach feiern zumute, denn nachdem Aglaja ihm eröffnet hat, dass sie vielleicht ein Kind von ihm erwartet, ärgert Arno sich immer noch über seine verhaltene Reaktion und wundert sich gleichzeitig darüber, dass er sich darüber freuen würde, wenn Aglaja tatsächlich schwanger wäre. Auf der Party erhält Arno einen Anruf von einem ehemaligen ungeliebten Klassenkameraden, der nun auch bei der Celler Polizei arbeitet. Auf einer Pferdekoppel wurde eine merkwürdige Opferstätte entdeckt, die Arno sich nun ansehen soll. Dort angekommen, stöbert seine Hündin Basta allerdings etwas viel Schrecklicheres auf, nämlich die Leiche Kira von Helsens, die kopfüber in einem wassergefüllten Graben liegt.

Kurz nach dem Leichenfund verdichten sich die Verdachtsmomente gegen Kiras Klassenkameraden Simon Funke, der vor der Polizei flüchtet und spurlos verschwindet, aber auch Simons Bruder Manuel, der beim Celler Landgestüt arbeitet, scheint etwas zu verbergen zu haben. Als kurz darauf ein totes Pony auftaucht und jemand Selbstmord begeht und mit einem dubiosen Abschiedsbrief gefunden wird, suchen Hennings und seine Kollegen Verbindungen zwischen den Verbrechen und entdecken dabei immer mehr Hinweise, die zum Celler Landgestüt führen und weit in die Vergangenheit reichen …

_Im (Schweins-)Galopp durchs Buch_

Mit „Das andere Blut“ ist Andree Hesse ein packender und gut durchkonstruierter Kriminalroman gelungen, der den Leser von der ersten Seite an fesselt. Seinem Buch vorangestellt ist ein Prolog, der über einen mutmaßlichen Unfall (oder war es doch ein Verbrechen?) von der berühmten Hengstparade berichtet, bei dem der beliebte Ringo ums Leben kommt. Dort lernen wir auch Jürgen Schmohl kennen, dem offensichtlich ebenfalls einiges Ungemach droht und der das vorliegende Buch nicht überleben wird.

18 Jahre später trifft die 18-jährige Kira von Helsen auf einer Pferdekoppel ihren Mörder, der sie bewusstlos schlägt und kopfüber im Wasser liegen lässt, bis Kira schließlich ertrinkt. Schnell entdeckt Arno Hennings eine Spur, die zu einem von Kiras Freunden führt, der Hals über Kopf vor der Polizei flüchtet, als diese ihn stellen will. Simon wird dadurch zu einem dringenden Tatverdächtigen, sodass andere Spuren zunächst in den Hintergrund treten.

Doch Andree Hesse hält noch einige weitere Überraschungen für uns parat, denn der Fall ist nicht so eindimensional und simpel, wie wir anfangs vermuten könnten. Alle auftauchenden Personen spielen eine entscheidende Rolle in diesem Spiel, und schlussendlich wird uns offenbart, dass bereits zig Jahre vor Kiras Ermordung die Weichen gestellt wurden, für alles, was noch folgen würde. Hesse schafft es dabei, uns ganz allmählich mit den Figuren bekannt zu machen, die in das Verbrechen verwickelt sind. Nach und nach spielt er uns Hinweise zu, die uns zum Miträtseln animieren und dafür sorgen, dass wir immer neue Vermutungen anstellen und selbst einen Täter erraten können.

Die Verstrickungen, die uns Andree Hesse zu präsentieren hat, sind nicht ganz leicht zu durchschauen, sodass man schon genau lesen und mitdenken muss, um am Ende mit einem Aha-Erlebnis belohnt zu werden, bei dem schließlich alles seinen Sinn ergibt. Andree Hesse gelingt es dabei ganz wunderbar, seine Leser bei Stange zu halten und immer nur so viel zu offenbaren, dass die Spannung stetig zunimmt und man unweigerlich so schnell wie möglich weiter lesen will. Dadurch wird „Das andere Blut“ zu einem unterhaltsamen und packenden Lesevergnügen, das auch bei seiner Auflösung am Ende zu überzeugen weiß – denn nichts ist so, wie es scheint …

_Tierisch gute Charaktere_

Auch in seiner Charakterzeichnung beweist Andree Hesse viel Fingerspitzengefühl. Wir lernen Arno Hennings noch besser kennen und erleben mit, wie seine Freundin Aglaja von ihrer Vermutung erzählt, dass sie schwanger sein könnte. Wir leiden mit, wenn er Aglaja durch sein Verhalten wieder einmal vor den Kopf stößt und auch dann, wenn Arno mit einem ungeliebten ehemaligen Schulkameraden konfrontiert wird, der seine Fehler auf andere abwälzen und damit Arno Hennings schaden will. Arno Hennings weist dabei einige Charakterzüge auf, die wir auch von Mankells Wallander kennen, dennoch grenzt Hesse seinen Krimihelden gut genug von seinem schwedischen Vorbild ab, sodass die Parallelen nicht zu offensichtlich werden. Auch Hennings ist nicht perfekt, er leidet unter Beziehungsproblemen und ab und an auch unter seiner Familie. Aber gerade diese kleinen Fehler sind es, die Hennings menschlich und sympathisch wirken lassen.

Ein weiterer Sympathieträger ist Hennings‘ Kollege Müller, der Arno Hennings meist bei seinen Ermittlungen begleitet und sich dabei als kompetent, nett und hilfsbereit erweist. Bei Müller ist jedoch nicht alles eitel Sonnenschein; kurz nach der Einweihungsparty steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür, woraufhin Müllers Frau und Kinder ausziehen und Müller auf seinem Schuldenberg alleine sitzen lassen.

Eventuell könnte man Hesse vorwerfen, dass er uns zu viele Figuren vorstellt, die alle irgendwie miteinander zusammenhängen. Das mag an mancher Stelle etwas unglaubwürdig wirken, aber es gehört zu Hesses Konstruktion dazu und sorgt schlussendlich auch für einige Überraschungen.

_Aufs richtige Pferd gesetzt_

Obwohl ich kein sonderlich gutes Verhältnis zu Pferden habe, hat mir „Das andere Blut“ ausgesprochen gut gefallen. Die Informationen über Pferde, Reiten und die berühmte Hengstparade hielten sich glücklicherweise in Grenzen, sodass auch ich gut unterhalten wurde. Was es mit dem Buchtitel auf sich hat, erklärt uns Andree Hesse erst so spät im Buch, dass ich darüber nichts verraten möchte.

Pluspunkte sammelt Hesse in seiner sympathischen Charakterzeichnung und vor allem durch seinen gelungenen Spannungsaufbau, der von Beginn an einsetzt und keine Langeweile aufkommen lässt. Hesses zweiter Kriminalroman ist klug inszeniert und wartet am Ende mit ein paar Überraschungen auf, mit denen man wahrscheinlich nicht gerechnet hatte. Insgesamt gefiel mir Andree Hesses zweiter Kriminalroman sogar noch besser als der vielversprechende Erstling, sodass ich mich schon sehr auf den nächsten Celle-Krimi freue!

|Ergänzend: [„Der Judaslohn“ 1213 |
http://www.rowohlt.de

Klönne, Gisa – Unter dem Eis

Nach ihrem hochgelobten Debüt [„Der Wald ist Schweigen“ 1879 veröffentlicht Gisa Klönne mit „Unter dem Eis“ ihren zweiten Kriminalroman.

Auch dieses Mal begegnen wir der Kölner Hauptkommissarin Judith Krieger, der Frau mit den roten Locken, den selbstgedrehten Zigaretten und dem leichten Retrotick. Allerdings steht sie nicht wirklich im Vordergrund des Falls, bei dem im Hochsommer ein Junge mit seinem Rauhhaardackel einfach so verschwindet. Sie ist gerade damit beschäftigt, ihren Urlaub in Kanada zu verbringen – aber nicht, um Waschbären bei der Arbeit zu beobachten, sondern um das Verschwinden einer ehemaligen Klassenkameradin aufzuklären. Dabei gerät sie selbst in Gefahr, denn der Mann, auf den sie sich in dem kleinen Kaff Cozy Harbour einlässt, scheint nicht unbeteiligt am Verschwinden Charlottes zu sein.

Gleichzeitig erlebt Köln den heißesten Sommer seit langem, und Manni Korzilius, der nach dem letzten Einsatz mit Judith Krieger zur Fahndung zurückversetzt wurde, wird von seinem Chef zu einem Fall hinzugezogen, bei dem der vierzehnjährige Jonathan zusammen mit seinem Dackel Dr. D aus einem Indianercamp verschwunden ist. Es gibt verschiedene Ansätze, was passiert sein könnte, aber vor allem steht Jonnys Stiefvater Frank Stadler unter Verdacht. Dieser Verdacht erhärtet sich, als Dr. D gequält und getötet gefunden wird, denn Frank hat den Dackel immer gehasst.

Gleichzeitig benehmen sich aber auch einige andere Menschen im Umfeld dieses Verbrechens sehr merkwürdig, doch erst, als Judith Krieger zurückkehrt, entdecken sie, dass es hier nicht nur um einen verschwundenen Jungen geht, sondern um etwas viel Größeres …

Es muss schon an irgendetwas liegen, dass man nach der Mitte des Buches selbiges erschrocken zuschlägt, mit einem überraschten Blick auf die Uhr feststellt, wie schnell der Nachmittag doch umgegangen ist, und dann wundert man sich erneut, wenn man sieht, wie weit man gekommen ist. Und dann denkt man sich: Ein Kapitel geht noch …

„Unter dem Eis“ ist ein Pageturner erster Güte. Dabei ist das Buch an und für sich nicht besonders auffällig. Seine Thematik ist nicht neu, ein Ermittlergespann aus Männlein und Weiblein auch nicht, und dass jemand sterben wird, war von vornherein klar. Wie schafft Klönne es also, den Leser derartig zu fesseln?

Der Aufbau des Buches trägt dazu bei, dass das Seitenblättern unglaublich viel Spaß macht. Eine Fülle von Perspektiven, die zumeist nicht besonders lang ausgeführt sind, schüren den Hunger auf mehr. Man kann gar nicht anders, als eine Perspektive nach der anderen in sich aufzunehmen, denn man möchte unbedingt wissen, wie es an dieser oder einer anderen Stelle weitergeht. Insgesamt fügen sich all diese Perspektiven zu einer stringenten, spannenden Story zusammenfügen, die das übliche Krimischema meidet.

Hand in Hand mit den spannenden Perspektivabschnitten und ihrer sauberen Ausarbeitung in Bezug auf Gedanken, Gefühle und äußere Details gehen die Charaktere. Sie überzeugen durch Authentizität und ihre sorgfältige Gestaltung.

Besonders gut gelingen Klönne die Kommissare Krieger und Korzilius. Abseits jeglicher Klischees präsentiert sie uns zwei Menschen wie du und ich. Unauffällig und natürlich wirkt Judith Krieger, auch wenn sie immer wieder als Superermittlerin bezeichnet wird. Allerdings prahlt sie nicht mit dieser Eigenschaft, was sie sehr sympathisch macht, genau wie ihre leichte Unaufgeräumtheit und ihre beständigen Gedanken an die Vergangenheit und ihr eigenes Versagen in gewissen Situationen.

Korzilius dagegen, gutaussehend, um die dreißig und trotzdem mit nur mäßigem Erfolg bei den Frauen, muss sich weniger mit der Vergangenheit als mit der Gegenwart auseinandersetzen. Während er, der immer noch an der Versetzung zur Fahndung knabbert, den Mörder von Jonny jagt, muss er sich auch noch mit seinen Eltern herumschlagen. Der Vater, der mit der Berufswahl des Sohnes nie einverstanden war, liegt im Sterben. Doch Manni kann sich nicht dazu durchringen, sich mit seinem Vater, der einst die Familie mit Schlägen tyrannisierte, auf dem Totenbett zu versöhnen und schiebt lieber ständig seine Arbeit als Ausrede vor.

Neben dem Handlungsaufbau und den Personen ist noch eine dritte Komponente daran beteiligt, dass „Unter dem Eis“ so ein Genuss geworden ist: Klönnes Schreibstil. Er ist ebenso unauffällig und ruhig, wie ihre Charaktere oder die Handlung es sind, und gerade dadurch gewinnt er dermaßen an Fahrt. Klönne kocht auch nur mit Wasser. Sie reiht Satz an Satz, ohne großartig auf rhetorische Mittel zurückzugreifen, doch ihre Wortwahl und ihr ganzes Ambiente sind so gelungen, dass die erwähnten positiven Effekte auftreten.

Gibt es denn auch negative Punkte an diesem Überwerk?, fragt man sich. Tja nun. Tatsache ist, dass Klönne definitiv auf sehr hohem Niveau schreibt. Dies zu toppen, fällt schwer, doch wer immer auf der Jagd nach Innovation ist, wird enttäuscht, denn viel Neues hat die Autorin nicht zu bieten. Dafür aber sehr viel Gutes. Und das ist heutzutage schwer genug zu finden.

Bleibt als Fazit also: ein Pageturner erster Güte.

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Richard Stark – Ein Job für Parker [Parker 4]

stark parker 04 job cover kleinAls Profigauner Parker für einen Kunstraub angeheuert wird, kommt er einem Konkurrenten in die Quere, was ihn die Beute und fast das Leben kostet; Rachelust lässt ihn schnell wieder auf die Beine kommen und zu einer gewaltreichen Verfolgung ansetzen … – Schnörkelloser, rasanter Krimi, der ausschließlich im Gangstermilieu spielt und diese als düstere Parallelwelt schildert, in der es ausschließlich um Vorteil und Verrat geht: ein schmutziger kleiner Klassiker des Genres, den die Jahrzehnte nur reifen aber nicht altern ließen. Richard Stark – Ein Job für Parker [Parker 4] weiterlesen

David Morrell – Creepers

Das geschieht:

Sie nennen sich „Creepers“: Männer und Frauen, die es lieben, sich in möglichst alte, lange verlassene Tunnel, Gebäude und andere Großbauwerke einzuschleichen, wo sie zwischen bröckelnden Mauern nach Relikten vergangener Zeiten suchen. Robert Conklin, unorthodoxer Professor für Geschichte, ist der Anführer dieser Gruppe, die aus seinen Studenten Vincent Vanelli, Cora und Rick Magill besteht.

Zu ihrer aktuellen Tour hat Conklin den Reporter Frank Balenger eingeladen, denn sie gilt einem ganz besonderen Ziel: Ashbury Park, einst eine blühende Kleinstadt im US-Staat New Jersey, ist schon lange eine Ruinenstätte, über der sich wie eine antike Maya-Pyramide das Paragon-Hotel erhebt. 1901 hat es der exzentrische Millionär Morgan Carlisle entworfen und errichten lassen. Siebzig Jahre hat er das Penthouse des Hotels nicht verlassen, bis er in der letzten Nacht seines 92-jährigen Lebens daraus geflohen ist und sich umgebracht hat. David Morrell – Creepers weiterlesen

Reginald Hill – Welch langen Weg die Toten gehen

Das geschieht:

Im leer stehenden „Moscow House“, dem alten Stammsitz der Macivers, schießt sich Palinurus, das Oberhaupt der Familie, mit einer Ladung Schrot den Schädel weg. Er will damit ein Signal setzen und seine verhasste Stiefmutter Kay Kafka in Verruf bringen, die er für den Tod seines Vaters und das Ende der einst selbstständigen Maschinenfabrik Maciver verantwortlich macht. Vor zehn Jahren hatte Palinurus senior seinem Leben auf dieselbe Weise ein Ende gesetzt wie jetzt der Sohn, nachdem ihn Kay als Ehefrau betrogen und ein US-Konzern mit ihrer Unterstützung seine Firma übernommen hatte.

Damals war Palinurus junior bei der Kriminalpolizei von Mid-Yorkshire vorstellig geworden. Der unorthodoxe Detective Superintendent Andrew Dalziel hatte seine Aussage damals aufgenommen, sie jedoch nicht für relevant gehalten, sodass zur Verbitterung des Juniors keine weiteren Schritte erfolgt waren. Auch dieses Mal will Dalziel die Sache offensichtlich unter den Teppich kehren. Detective Chief Inspector Peter Pascoe würde freilich gern weitere Ermittlungen anstellen. Die Macivers sind definitiv keine Musterfamilie. Ist womöglich etwas dran an Kay Kafkas üblem Ruf? Palinurus‘ Schwester Cressida und seine Witwe Sue-Lynn hassen die Stief- bzw. Schwiegermutter ebenso inbrünstig wie der Verstorbene. Helen, die deutlich jüngere Schwestern, liebt sie dagegen wie eine echte Mutter. Wie passt das zusammen? Reginald Hill – Welch langen Weg die Toten gehen weiterlesen

Geagley, Brad – Jahr der Hyänen, Das

Ägypten im 12. Jahrhundert v. Chr., zur Zeit von Ramses III: Die Einwohner Thebens feiern das Osiris-Fest, bei dem sie den Verstorbenen gedenken. Die alte und nahezu blinde Priesterin Hetephras wird auf dem Weg zum Tempel ermordet, ein kleiner Junge entdeckt die Leiche bald darauf im Schilf. Eine tote Priesterin verheißt Unglück und das Verbrechen soll daher so schnell wie möglich geklärt werden, zumal die Verstorbene in enger Bindung zur Königin stand. Dabei stellen sich jedoch Probleme in den Weg: Theben wird in Osten und Westen von zwei verschiedenen Bürgermeistern, Paser und Pawero, regiert; die Tote gehörte dem einen Bezirk an, wurde jedoch im anderen gefunden. Die Feindschaft der Regierenden sorgt für zusätzliche Spannungen, jeder der beiden beansprucht den Fall für sich.

Überraschend erhält der Detektiv Semerchet den Auftrag, den Mord zu klären. Semerchet ist zwar ein scharfsinniger Ermittler, doch sein Ruf dagegen miserabel. Erst vor kurzem wurde er von seiner Frau Naia verlassen, die obendrein ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Seitdem ist Semerchet, der zu cholerischen Anfällen neigt, dem Alkohol verfallen – doch dieser hochbrisante Fall weckt wieder den Lebenswillen in ihm.

Mit der Unterstützung seines Bruders Nenri, Oberster Schreiber des Bürgermeisters Paser, der ihn dem Großwesir als Ermittler empfahl, stürzt sich Semerchet auf seine Aufgabe, die sich als äußerst knifflig erweist. Er ahnt sehr bald, dass der Mord größere Bedeutung hat als zunächst angenommen – und dass er den Auftrag gerade wegen seiner Trunkenheit erhielt, in der Hoffnung, keinen Erfolg zu haben. Semerchet fühlt sich herausgefordert und entsagt dem Alkohol. Die Dorfbewohner verweigern die Mitarbeit, mysteriöse Reichtümer tauchen auf und die Grabwächter leiden seit geraumer Zeit an einer unerklärlichen Müdigkeit und Albträumen. Semerchet wird klar, dass alle Vorkommnisse zusammengehören. Mehr noch: Der Mordfall ist Teil einer viel größeren Verschwörung, die sich gegen Pharao Ramses III richtet und Semerchet in höchste Gefahr bringt …

An Detektivromanen herrscht kein Mangel auf dem Buchmarkt. Aus aller Herren Länder treten die Privatermittler hervor und auch Historienkrimis sind nichts Neues, man denke beispielsweise an die Serienhelden von Paul Harding oder Ellis Peters, die im mittelalterlichen England ihre Fälle aufklären. Das Ägypten zur Zeit der Pharaonen ist jedoch ein orgineller Schauplatz, sodass selbst eingefleischte Krimifans hier auf abwechslungsreiche Kosten kommen.

|Hardboiled-Detektiv im Lendenschurz|

Im Zentrum steht die Gestalt des ungewöhnlichen Detektivs Semerchet, eigentlich eher ein Antiheld mit seinem Hang zum Alkoholismus und seiner oft unleidlichen, sturen Art. Die Handlung spielt zwar vor tausenden von Jahren, doch Semerchet verkörpert ein menschliches Schicksal, das sich genauso gut zur heutigen Zeit ereignen könnte. Der Leser lernt ihn während eines verzweifelten Versuches kennen, seine Ex-Frau zurückzugewinnen. In seiner Not schwört er ihr, von nun abstinent zu leben, was die traurige Naia nicht mehr ernst nehmen kann, woraufhin er sie kurzzeitig sogar mit einem Messer bedroht. Mit seiner kaputten Psyche erinnert Semerchet nicht selten an die Protagonisten der Hardboiled-Schule, nur dass sein Revier nicht in der verregenten Großstadt, sondern am sonnigen Nil liegt und er statt staubigem Trenchcoat einen Lendenschurz trägt.

|Humor und Faktentreue|

Sehr positiv fällt auf, dass sich das Buch als ausgewogene Mischung zwischen Historienroman und Krimi präsentiert. Autor Brad Geagly ist ein Experte auf seinem Gebiet, nicht zuletzt durch seinen Einsatz als zentraler Berater beim Hollywood-Klassiker „Cleopatra“ mit Liz Taylor in der Titelrolle. Auch wenn der Roman ins Reich der Fiktion gehört, stützt sich die Handlung auf historische Fakten, nämlich auf die ältesten bekannten Gerichtsakten und nicht nur Pharao Ramses III. – der tatsächlich beinahe einer Verschwörung zum Opfer fiel -, sondern auch weitere Figuren wie sein Großwesir To beruhen auf realen Personen. Ägyptenkenner werden sich am Detailwissen des Autors erfreuen, der viele historische Fakten einfließen lässt, angenehmerweise ohne dabei je trocken zu werden oder ins Dozieren zu verfallen. Im Gegenteil gelingt es ihm sogar, dem Roman einen humorvollen Unterton zur Seite zu stellen, etwa wenn der wütende To mit Wendungen wie „Bei den Eiern des Horus“ um sich wirft oder der volltrunkene Semerchet in den Lotusteich seiner entsetzten Schwägerin uriniert, woraufhin alle Fische das Zeitliche segnen.

|Kleine Schwächen|

Wenn man vom Schauplatz der Geschichte absieht, ist der Aufbau der Handlung allerdings sehr konventionell geraten. Wie in zahlreichen anderen Krimis auch wird hier das beliebte Schema verwendet, in dem sich ein anfangs nebensächlich erscheinender Mord zu einer gewaltigen Verschwörung ausweitet und ein unscheinbarer Ermittler, dem niemand viel zuzutrauen scheint, letztlich einen großen Erfolg landet. Auch dass höchste Regierungskreise in das Verbrechen verwickelt sind, ist eine altbewährte Idee, inklusive der Korruption und der Beteiligung von Charakteren, die im Privatleben des Ermittlers eine Rolle spielen – wie in diesem Fall seine Ex-Frau Naia, deren neuer Mann Nacht keine unwichtige Figur in der Angelegenheit ist.

Und auch wenn der Autor eine kurze Einleitung in die geschichtlichen Umstände liefert, können Leser, denen das pharaonenregierte Ägypten kein gewohntes Terrain ist, vom Detailreichtum zeitweise überfordert werden. Das Buch besitzt zwar eine doppelseitige Landkarte, in der die wichtigsten Orte verzeichnet sind, aber es fehlt dringend an einem Glossar mit Namens- und Worterklärungsverzeichnis. Allein die Personennamen können am Anfang verwirren, schließlich klingen „Naia“, „Nenri“ und „Nacht“ nicht unähnlich, zumal es nicht leicht ist, den ungewohnten Namen auf Anhieb einen weiblichen oder männlichen Träger zuzuordnen. Ebenso verhält es sich mit ägytptischen Bezeichnungen, die nicht unbedingt jedem Leser geläufig sind, vor allem Götternamen, die sicher jeder schonmal gehört hat, aber bei denen es möglicherweise am Hintergrundwissen hapert. Von diesen kleinen Mängeln abgesehen, ist Geagley jedoch ein unterhaltsamer Roman gelungen, dem zu wünschen ist, dass ihm noch einige Nachfolgebände folgen – der zweite Krimi um Semerchet ist in den USA bereits erschienen.

_Fazit:_ Ein Krimi aus dem alten Ägypten mit einem Antihelden als Privatdetektiv, der mit einem scheinbar unwichtigen Mord beginnt und in eine große Verschwörung mündet, die bis in die Kreise des Pharaos reicht. Die Handlung ist eher konventionell gehalten, der Schauplatz dagegen originell und fundiert aufbereitet, sodass vor allem Historienfans auf ihre Kosten kommen. Für weniger geschichtsversierte Leser fehlt leider ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen, das die Lektüre erleichtern würde.

_Der Autor_ Brad Geagley ist seit vielen Jahren ein Experte für das Alte Ägypten und zugleich als Produzent und Drehbuchautor in Hollywood tätig. „Das Jahr der Hyänen“ ist sein erster Roman, der Nachfolger „Day of the false king“ ist in den USA bereits erschienen. Heute lebt er in Palm Springs, Kalifornien.
Mehr Informationen über den Autor und seine Werke findet man auf seiner Homepage: http://www.yearofthehyenas.com/

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James Hadley Chase – Der Schlächter von Dead End

chase-schlaechter-cover-kleinDen Massenmord im Haus einer berühmten Schauspielerin möchte ein ehrgeiziger Ermittler unbedingt einem verhassten Gangsterboss anhängen. Das persönlichen Duell mündet in einem leichenreichen Krieg zwischen Gesetz und Verbrechen … – Ein typischer Chase-Reißer, d. h. einerseits simpel aber effektvoll geplottet, hart und schnell, andererseits aber klischeebeladen und heute angestaubt; die ‚überraschende‘ Lösung des Mordrätsels errät der moderne Leser auf Anhieb.
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Varesi, Valerio – Pension in der Via Saffi, Die. Commissario Soneri blickt zurück

_Story_

Winter in Parma. Nebelbänke liegen über der Stadt und versetzen Commissario Soneri in eine melancholische Stimmung, vor allem, seit er mit der Aufklärung des Mordes an der alten Pensionsbesitzerin Ghitta Tagliavini beauftragt worden ist. Soneri kannte das Opfer aus der gemeinsamen Zeit mit seiner ehemaligen Freundin Ada, mit der er einige Nächte in Tagliavinis Gasthaus verbrachte. Nun wird er an diese Zeit zurückerinnert und damit auch an den dramatischen Tod Adas, der ihn die Vergangenheit ein zweites Mal erleben lässt.

Soneri beginnt die Ermittlungen an diesem zwielichtigen Mordfall und findet alsbald heraus, dass Ghitta bei weitem nicht so ehrenhaft war, wie der Commissario immer dachte. Stattdessen hat sie sich illegal als Wunderheilerin einen Namen gemacht und dadurch ihren dubiosen Ruf noch weiter bekräftigt. Soneri fühlt sich mit dem Fall überfordert, weil seine persönliche Vergangenheit immer weiter in den Vordergrund gerät. Doch als er realisiert, wie dicht sein eigenes Schicksal mit dem rätselhaften Mord an die alte Tagliavini verknüpft ist, weiß er, dass es für einen Rückzieher bereits zu spät ist.

_Meine Meinung_

Nach dem spannenden politischen Krimi [„Der Nebelfluss“ 1587 bemüht Valerio Varesi ein weiteres Mal seinen Antihelden Soneri, der seiner Rolle als sturköpfiger Eigenbrödler hier ein weiteres Mal vollends gerecht wird. Im zweiten Roman um den verbissenen Commissario geht es wiederum um Inhalte aus Italiens politischer Vergangenheit, die der Autor geschickt in eine spannende Kriminalhandlung eingeflochten und mit der Geschichte des Protagonisten verbunden hat. Allerdings kristallisieren diese sich erst nach und nach heraus, genauer gesagt erst im zweiten Drittel, als Soneri die Spur des seltsam gekleideten Pitti verfolgt, der ebenso wie viele andere Menschen in den umliegenden Häusern von Ghittas Pension direkt oder indirekt in den Fall mit eingebunden zu sein scheint. Ab diesem Punkt nimmt die Handlung aber auch erst richtig Tempo auf, wohingegen die ersten Seiten fast ausschließlich dazu verwendet werden, einzelne Ausschnitte aus Soneris Studentenleben zu reflektieren und die Umgebung des Tatorts zu beschreiben.

Doch dann wird’s mit einem Male interessant; Soneri dringt tiefer in die Geschehnisse in der Via Saffi und stößt dabei zunächst auf Ghattis ehemalige Mitbewohnerin Elvira, deren unsicheres Auftreten den Beamten schnell stutzig macht. Er informiert sich in den umliegenden Kneipen sowie bei seinem dort angesiedelten Friseur über die Dame, holt bei einem neugierigen Landstreicher Infos über die Vergangenheit der involvierten Personen ein, kommt dabei aber immer wieder mit seinen Gedanken zurück zu seiner gescheiterten Beziehung mit Ada. Gleichzeitig muss er aber auch seine derzeitige Geliebte Angela bei Laune halten, die dem neuesten Fall ihres Gefährten mit großer Skepsis entgegenblickt, zumal sie nicht akzeptieren möchte, dass in Soneri alte Gefühle aufkeimen und ihren Rang damit untergraben.

Hin- und hergerissen von seinen Emotionen und Gedanken, steigert sich der Commissario immer weiter in den Fall hinein und ist irgendwann froh, dass ihn die ersten Resultate zur Vermutung einer politisch motivierten Tat führen. Er verfolgt fortan noch genauer, was besagter Pitti allabendlich in den Straßen der Via Saffi erledigt, berücksichtigt dabei mit wachsender Intensität scheinbare Zusammenhänge zu längst verjährten Mordfällen und erhält dadurch die Ablenkung, die er sich bei all seinen wirren Gedankenspielen wünscht. Doch viel lieber noch würde er das Attentat auf die Tagliavini weiterdelegieren, kann diesen Entschluss aber schon alleine deswegen nicht mehr durchziehen, weil er auf diese Weise auch nicht mit sich selbst Frieden schließen kann. Um mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen, ist er geradezu dazu verpflichtet, zu lernen, das Unumkehrbare zu vergessen oder es zumindest hinzunehmen, um endlich wieder aus seiner Melancholie herauszukommen.

Auf der anderen Seite ist sich der Commissario die Aufklärung der Tat auch als Rechtfertigung vor den schmierigen Figuren der Chefetage der Polizei schuldig. Von dort aus werden ihm stetig neue Hürden in den Weg gelegt, während jeder Fortschritt ohne jegliche verdiente Anerkennung bleibt. Soneri hat es satt, den Spielball für seine Vorgesetzten abzugeben, und wehrt sich mit aller Kraft dagegen, den ihm zugesprochenen Verliererpart anzunehmen. Zwar bleiben seine Ermittlungen bis kurz vor Schluss ergebnislos, doch sobald sich seine Spur als richtig erweist, tritt der Mann sofort eine wahre Lawine los, von der selbst gefürchtete Ex-Genossen zutiefst erschüttert werden. Und damit geht diese Geschichte erst richtig los.

„Die Pension in der Via Saffi“ bleibt aber trotz all dieser emotionalen Energie ein wenig hinter den zuletzt geschürten Erwartungen zurück. Valerio Varesi hat dieses Mal erhebliche Probleme damit, die Geschichte ‚rund‘ zu bekommen. Die Verknüpfung der Zusammenhänge ist die gesamte Zeit über sehr vage dargestellt und könnte bei der umfassenden Rahmenhandlung manchmal etwas mehr Zielstrebigkeit vertragen, gerade was die Verquickung von politischen und kriminalbezogenen Inhalten angeht. Varsi macht nicht wirklich deutlich, was das eine mit dem anderen zu tun, oder um es hinsichtlich der Handlung zu formulieren: Der Mord an Ghitta scheint völlig losgelöst von den hinterlistigen Affären der im Roman aufgeführten Darsteller behandelt zu werden, und wenn sich das Ganze zum Schluss dann als Einheit zusammenfügen soll, wirkt dies ein wenig künstlich.

Dabei sind die Ideen in „Die Pension in der Via Saffi“ sehr interessant, gerade eben, was die historischen Hintergründe betrifft. Aber in diesem Fall sind sie leider nicht so spannend umgesetzt wie noch in „Der Nebelfluss“; der Plot ist bei weitem nicht so stringent, die Stimmung zudem ziemlich ungewöhnlich für einen Kriminalroman (was ja zunächst mal gar nicht falsch sein muss) und die diesmal unheimlich vielen Charaktere manchmal etwas schwammig in die Geschichte eingeführt worden. Und all das sind kleine Schwächen, die in ihrer Summe dafür sorgen, dass Varesis aktuelles Werk sich dem Leser nur bedingt öffnet und dieser wiederum immer nur episodisch Interesse entwickelt, den Faden wieder aufzunehmen und die etwas komplexere Erzählung konzentriert zu verfolgen. Mit anderen Worten: Der Autor schafft es dieses Mal nicht, sein Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde an sein Werk zu fesseln, so dass alles in allem ein recht durchschnittlicher Gesamteindruck steht, der dem guten Ruf eines Valerio Varesi meines Erachtens nicht gerecht wird. Aber das beweist auch, dass viele interessante Ideen noch lange kein Garant für einen spannungsgeladenen Plot sind.

Lehtolainen, Leena – Wie man sie zum Schweigen bringt. Maria Kallios sechster Fall

Ein bisschen skandinavische Krimi-Stimmung für den Herbst gefällig? Leena Lehtolainen liefert mit dem sechsten Fall ihrer Kommissarin Maria Kallio solide Sofakost aus dem hohen Norden ab.

Petri Ilveskivi, Innenarchtitekt und Mitglied von Espoos Stadtrat, macht aus seiner Homosexualität keinen Hehl. Als er eines Tages auf dem Weg zu einer wichtigen Stadtratssitzung überfallen und getötet wird, vermutet man deshalb zuerst, dass er erneut Opfer von Skinheads wurde, wie das schon einmal der Fall war. Doch Kommissarin Maria Kallio gibt sich mit so einer einfachen Erklärung nicht zufrieden. Sie ermittelt nach allen Seiten und findet letztendlich heraus, dass Marko, ein Kleinkrimineller, dahinter steckt. Doch welchen Grund hatte er, Petri umzubringen? Maria vermutet einen Auftraggeber, doch bevor sie Marko befragen kann, wird dieser ebenfalls umgebracht und plötzlich schiebt man Maria aus den oberen Etagen einen Riegel vor und ein Bombenanschlag wird auf sie verübt. Das alles hält sie natürlich nicht vom Ermitteln ab. Es scheint, als ob ihre hartnäckigen Ermittlungen mehr Staub aufgewirbelt hätten, als sie dachte …

Lehtolainens Bücher sind schon deshalb ein wenig ungewöhnlich, weil sie aus der Ich-Perspektive schreibt, was in der skandinavischen Kriminalliteratur nicht so häufig vorkommt. Da die Autorin aber leider dazu neigt, zu viele unwichtige Details aus Marias Privatleben – wie die zutatentreue Aufzählung von Marias Kochkünsten oder die Beschreibung sämtlicher Wohnungseinrichtungen – in die Geschichte zu bringen, kann dieser ungewöhnliche Stil nicht begeistern. Das dehnt nicht nur unheimlich die Geschichte, sondern gibt dem Ganzen auch einen gewissen Frauenlektüretouch. Gott sei Dank verzichtet Lehtolainen aber auf den diesem Genre eigentümlichen Pseudohumor, was dem Krimi einen angenehm seriösen Anstrich gibt.

Die Handlung hat durchaus ihre spannenden Momente, überzeugt aber hauptsächlich durch gute Beobachtungen und sauber ausgearbeitete Charaktere. Hier bleibt vor allem Suvi, die Frau des Kleinkriminellen Marko, in Erinnerung. Die finnische Autorin schafft es, die arbeitslose Frau, die mit ihren drei Kindern zu Hause darauf wartet, dass Marko von seinem Coup wiederkommt, sehr realistisch an den Mann zu bringen, und obwohl Suvi den einen oder anderen proletenhaften Charakterzug hat, wirkt sie dank Lehtolainens Fingerspitzengefühl nicht wie die 08/15-Asoziale, sondern wie ein Mensch.

Doch was die Charaktere haben, fehlt in der Geschichte selbst. Diese passt sich schnell an gängige Kriminalromane an, so dass es an vielen Ecken und Kanten an Spannung fehlt. Lehtolainen weiß zwar, diese nicht vorhandene Spannung so zu verpacken, dass sie nicht auffällt, aber wenn man nach Zuschlagen des Buches zurückschaut, ist wenig hängen geblieben. Keine Situation, bei der man vor Spannung das Atmen vergessen hat. Keine neue Entwicklung im Fall, die das Gehirn derart angeregt hat, dass man bis zum Ende des Buches mitgefiebert hat und unbedingt wissen wollte, wer nun der Täter ist.

Ich kann mich daran erinnern, wie mich „Zeit zu Sterben“, ebenfalls aus der Kallio-Reihe, vor ein paar Jahren Abend für Abend an mein Bett gefesselt hat. Dieser Roman war die beste Werbung für eine Krimiautorin überhaupt, doch es scheint, als habe Lehtolainen seitdem stark abgebaut. „Wie man sie zum Schweigen bringt“ ist, obwohl der Titel ähnlich reißerisch klingt, nichts weiter als durchschnittliche Krimikost mit gut ausgearbeiteten Charakteren. Die Handlung endet ziemlich schnell im Sumpf der Belanglosigkeit, der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und, mit Verlaub, in diesem Fall nicht wirklich für einen Krimi geeignet. Zu sehr erinnert er an einschlägige Frauenliteratur, vor allem dank der minutiösen Detailverliebtheit, die in großen Teilen mehr als unnötig ist.

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Katzenbach, John – Patient, Der

In den USA ist John Katzenbach schon seit Jahren ein Name, der für spannende Thrillerlektüre steht. Bereits zehn Romane sind von ihm erschienen, von denen es viele in die Bestsellerlisten schafften. Zweimal brachte er es obendrein auf eine Nominierung zum Edgar Award. In Deutschland war John Katzenbach dagegen bis vor kurzem noch ziemlich unbekannt. Erst durch seinen Psychothriller [„Die Anstalt“ 2688 wurde er populär. Nun schiebt der |Knaur Taschenbuch Verlag| mit „Der Patient“ den nächsten Katzenbach hinterher.

Thematisch bewegen sich beide Bücher auf etwa gleichem Terrain. Während „Die Anstalt“ sich um die sonderbaren Vorkommnisse in einer Nervenheilanstalt dreht, in deren Zentrum die Patienten stehen, dreht sich „Der Patient“ um einen Psychoanalytiker.

Dr. Frederick Starks begeht seinen 53. Geburtstag – in der Gleichförmigkeit von Starks tristem Alltagsleben ein Tag wieder jeder andere auch. Dennoch krempelt dieser Tag Starks Leben völlig um, als ihn die Glückwünsche eines sehr sonderbaren Gratulanten erreichen. |“Herzlichen Glückwunsch zum 53sten Geburtstag, Herr Doktor. Willkommen am ersten Tag Ihres Todes.“| Mit diesen Worten leitet der unbekannte Absender seinen Brief ein.

Der Unbekannte, der sich selbst Rumpelstilzchen nennt, lädt Starks zu einem Spiel ein. Starks soll innerhalb von 15 Tagen herausfinden, wer er ist. Findet er die Lösung, hat er gewonnen. Findet er sie nicht, so muss er am Ende dieser 15 Tage entweder Selbstmord begehen oder Rumpelstilzchen wird einen beliebigen Menschen aus Starks Verwandtschaft umbringen.

Rumpelstilzchen behauptet, irgendwo in Starks Vergangenheit zu existieren. Starks hat angeblich sein Leben zerstört und dafür will er nun Rache nehmen, die er anhand seines perfiden Spiels vollzieht. Und während Starks sich mangels Alternativen daran macht, seine Vergangenheit auf der Suche nach der Identität des Unbekannten zu durchforsten, nimmt das Spiel seinen Lauf. Doch schon bald muss Starks erkennen, dass Rumpelstilzchen ihm stets einen Schritt voraus ist …

Hat er eine Chance, in 15 Tagen Rumpelstilzchens Identität zu lüften? Wird Frederick Starks in 15 Tagen noch am Leben sein? Ist in Rumpelstilzchens Spiel überhaupt vorgesehen, dass Starks überlebt?

Was John Katzenbach auf den 668 Seiten seines Romans inszeniert, ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das es wirklich in sich hat. Raffiniert zieht er die Geschichte auf und lässt sich dabei nicht in die Karten gucken. Rumpelstilzchens „Spiel“ ist bis ins letzte Detail durchgeplant. Starks beschaulichem, eintönigem Leben haftet auch eine gewisse Durchschaubarkeit seines Verhaltens an, das sich der Täter zunutze macht.

Mit jedem Tag, der im Laufes der gesetzten Frist verstreicht, arbeitet Rumpelstilzchen darauf hin, Starks keine andere Möglichkeit zu lassen, als am Ende den Freitod zu wählen. Man staunt, mit welcher Leichtigkeit das Leben eines Menschen aus den Angeln gehoben wird und wie gering die Chancen für Dr. Starks sind, sich dem Unvermeidlichen zu entziehen.

Doch würde alles so laufen, wie Starks Kontrahent es vorgesehen hat, bräuchte der Roman wohl kaum über 600 Seiten, um in einem finalen Selbstmord zu enden. Katzenbach baut diverse Wendungen in die Geschichte ein, die stets aufs Neue die Spannungsschraube anziehen. Doch um nicht zu viel zu verraten und dem potenziell interessierten Leser die Spannung vorwegzunehmen, verkneife ich mir hier weitere Details. Es reicht zu wissen, dass Katzenbach die Geschichte wesentlich komplexer ausbaut. Die Handlung macht so manche Wendung mit, die die Geschehnisse in anderem Licht erscheinen lässt.

Und so reicht es, an dieser Stelle zu sagen, dass die meisten der vollzogenen Wendungen durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar sind – und oft sind sie auch wirklich überraschend. Katzchenbach packt die Erzählperspektive durchaus spannungssteigernd an. Oft lässt er den Leser selbst über Dr. Starks Pläne im Dunkeln. Er lässt ihn Starks Aktivitäten beobachten und seine eigenen Schlüsse ziehen. Erst im weiteren Verlauf der Ereignisse sieht der Leser dann, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt. Das macht den Roman zu einem wahren „Page-Turner“.

Für mich persönlichen gab es nur einen einzigen konkreten Fall, in dem ich wirklich Schwierigkeiten hatte, die Glaubwürdigkeit der Handlung beziehungsweise die Motivation einer Figur nachzuvollziehen. Das hinterlässt im Gesamteindruck einen kleinen Makel, kann den Lesegenuss aber nur geringfügig schmälern.

Insgesamt sind der Romanaufbau, die Erzählweise und der Spannungsbogen immer noch so gut durchdacht ausgearbeitet, dass die Lektüre durchweg fesselnd ist. Katzenbach zieht den Leser schnell in seinen Bann und lässt ihn bis ganz zum Ende nicht mehr los, denn zu jeder Zeit gibt er dem Leser ein Dutzend Fragen an die Hand, die ihn auf Trab halten, so dass man das Buch kaum beiseite legen mag.

Beachtlich ist auch, wie wenig Gewalt und Brutalität Katzenbach braucht, um einen spannungsgeladenen Plot aufzubauen. Der beste Teil der Spannung spielt sich komplett auf der Ebene der Psyche ab, im Hin und Her zwischen den Figuren, im Vorausahnen der Aktivitäten des Gegners und im gedanklichen Konstruieren der Person, die sich hinter dem Namen Rumpelstilzchen verbirgt. Zwar geht auch „Der Patient“ nicht ganz ohne Gewaltanwendung über die Bühne, aber der Schwerpunkt ist eindeutig anders gesetzt. Sprachlich ist das Ganze so formuliert, dass sich das Buch ganz flott runterlesen lässt. Katzchenbachs Stil ist recht einfach und eingängig, aber dennoch nicht ganz so simpel gestrickt, wie es bei Thrillern von der Stange oftmals der Fall ist.

Bleibt unterm Strich festzuhalten, dass „Der Patient“ spannungsgeladene Lektüre ist, die den Leser zu fesseln weiß. Katzchenbach inszeniert einen verzwickten und raffinierten Plot, den der Leser nicht so leicht durchschaut. Sieht man von der Glaubwürdigkeit einer einzelnen Nebenfigur ab, ist „Der Patient“ durchaus nachvollziehbar konstruiert. Fazit: Spannend, raffiniert und voller interessanter Wendungen. Wer ausgeklügelte Psychothriller mag, der kommt hier voll auf seine Kosten.

http://www.john-katzenbach.de/
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Soininvaara, Taavi – Finnisches Quartett

Auch mit seinem dritten Kriminalroman beweist der finnische Bestsellerautor Taavi Soininvaara erneut, dass in seinen Krimis mehr steckt als „nur“ Spannung, Morde und polizeiliche Ermittlungen. Immer wieder pickt sich Soininvaara einen politischen Konflikt heraus, um den herum er seine Romanhandlung strickt, sodass er seine Leser nicht nur fesseln, sondern auch zum Nachdenken anregen kann. In seinem aktuellen Krimi „Finnisches Quartett“ geht es um Ökoterroristen und regenerative Energiequellen, aber auch um Energiekonzerne, welche die Forschung an Kernfusion verhindern wollen …

Am Maifeiertag brechen drei Ökoterroristen der Gruppierung „Final Action“ bei Dutch Oil ein – einem Unternehmen, das die Umwelt der Entwicklungsländer zerstört und die natürlichen Ressourcen der Ureinwohner ausbeutet. Die drei Öko-Aktivisten wollen die EDV-Anlage zerstören und können Dutch Oil einen beträchtlichen Schaden zufügen, als plötzlich auf den Computermonitoren ein geheimes Treffen eingeblendet wird, bei dem nicht nur der Vorstandsvorsitzende von Dutch Oil, Jaap van der Waal, dabei ist, sondern auch verschiedene Führungskräfte von internationalen Ölkonzernen, die sich über die geplante Liquidierung eines bekannten Fusionsphysikers namens Elvas durch den Engel des Zorns unterhalten. Die drei Mitglieder von Final Action riechen die Gefahr und versuchen zu flüchten, doch plötzlich gehen die Sirenen los und auf dem Gelände von Dutch Oil werden sie von Sicherheitskräften gejagt, die sie sicherlich nicht nur der Polizei ausliefern wollen. Jorge Oliveira wird schwer verletzt und von den Verfolgern ermordet, während Ulrike Berger und Lasse Nordman zunächst fliehen können. Doch wissen sie, dass sie immer noch von den Sicherheitskräften von Dutch Oil gesucht werden. Zur gleichen Zeit ärgert sich Arto Ratamo von der finnischen Sicherheitspolizei über den Lärm seiner Nachbarn, bis er sich nicht anders zu helfen weiß, als die Polizei zu rufen.

Die Ereignisse überschlagen sich, denn vor seiner Ermordung kann Jorge Oliveira noch eine SMS absetzen, in der er vom geplanten Mord am Physiker Elvas berichtet. Lasse Nordman, der Sohn der finnischen Verteidigungsministerin, lässt sich absichtlich schnappen, damit seine Freundin Ulrike die Möglichkeit zur Flucht bekommt. Auch muss die Polizei feststellen, dass der Physiker Elvas tatsächlich ermordet wird und auch die vergangenen Morde an verschiedenen namhaften Physikern wohl doch keine Unfälle waren, sondern geschickt durchgeführte Morde. Doch noch tappt die Polizei im Dunkeln und hat keine Spur, die zum Engel des Zorns führen könnte.

Der Leser hat diesen, der sich auch Ezrael nennt, allerdings bereits kennen gelernt. Ezrael hat in seiner Kindheit Schlimmes durchgestanden und handelt nun auf Befehl seiner Schwester Mary Cash, die ihn als Werkzeug benutzt. Ezrael denkt, dass er Verräter ermordet, doch seine Schwester weiß ganz genau, welchem Zweck die Ermordung der Physiker wirklich dient, auch der Leser erfährt es bald. Lasse Nordman und Ulrike Berger stehen ebenfalls bald auf Ezraels Exekutionsliste, weil sie zu viel wissen von der geheimen Verschwörung.

Taavi Soininvaara hält sich wieder einmal nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern wirft seine Leser direkt mitten in die Geschichte. Gleich auf den ersten Seiten begleiten wir die drei Ökoterroristen auf ihrem Feldzug gegen Dutch Oil und erleben mit, wie die Drei Mitwisser einer Verschwörung werden und danach auf die Abschlussliste geraten. Direkt im Anschluss lernen wir den Engel des Zorns kennen und erleben mit, wie er Jagd macht auf einen Physiker, der noch nichts von der Gefahr ahnt, die sein Leben bedroht. Während all dies geschieht, ist unser Romanheld Arto Ratamo noch damit beschäftigt, einen Kleinkrieg gegen Studenten in seiner Nachbarschaft anzuzetteln. Taavi Soinunvaara macht uns somit gleich mit allen wichtigen Romanfiguren bekannt und beginnt mit einem Paukenschlag. Danach dauert es auch nicht lange, bis der Leser erahnen kann, welchen Grund die Anschläge auf die Physiker haben. Doch enthält uns Soininvaara lange vor, was wirklich hinter all dem steckt, denn natürlich passiert viel mehr unter der Oberfläche.

Der Spannungsbogen setzt also gleich zu Beginn des Buches ein und fesselt den Leser an die Geschichte. Später bricht die Spannung allerdings leider etwas ein, obwohl ständig Menschenleben bedroht werden und mindestens ein verrückter Killer sein Unwesen treibt, der zwischenzeitlich eine uns gut bekannte Geisel nehmen kann. Doch unglücklicherweise hegt man für die meisten handelnden Figuren wenig Sympathien, sodass man ihrem Ableben auch recht gleichgültig entgegensehen kann. Taavi Soininvaara begeht den Fehler, dass er seinen früheren Romanhelden Arto Ratamo, den man in den beiden Vorgängerkrimis kennen und schätzen gelernt hat, zu sehr in den Hintergrund treten lässt. Ratamo ist zwar überall vor Ort, aber er wird selbst nicht gejagt und steht auch nie im Zentrum der Geschehnisse, sodass er sich in diesem Buch leider mit einer kleineren Nebenrolle begnügen muss.

Darüber hinaus bremsen zwei weitere Faktoren die Spannung: Nachdem der Engel des Zorns eine Geisel genommen hat, die er für den „Engel der Offenbarung“ hält und von dem er sich einen neuen Auftrag erhofft, begleiten wir ihn längere Zeit bei seinen Handlungen und lernen ihn, sein Wesen und seine Vergangenheit besser kennen. Sein fanatisches Gerede vom Engel der Offenbarung strapaziert auf Dauer leider sehr die Geduld des Lesers. Man ist es bei einem Kriminalroman ja schon gewöhnt, dass man auf verrückte Romanfiguren trifft, aber so tief wollte ich dann doch nicht in die Gedanken des Killers eintauchen, denn mir erschien er zu unglaubwürdig. Auch die seitenlangen historischen Exkurse Jaap van der Waals bringen weder die Handlung noch die Spannung voran, sodass ich gut auf sie hätte verzichten können.

Zwei weitere Dinge sind es, die den eigentlich durchaus positiven Gesamteindruck etwas trüben. Zum einen übertreibt Taavi Soininvaara es etwas mit seinem Lokalkolorit. Wenn seine handelnden Figuren durch die Straßen Helsinkis oder auch Amsterdams spazieren, erfahren wir alle möglichen Straßennamen oder markanten Orte, die der Durchschnittsleser noch nie im Leben gehört hat. Für jemanden, der diese vielfältigen Schauplätze bereits besucht hat, ist diese überschwängliche Verwendung fremd klingender Straßennamen natürlich äußerst spannend, wenn man aber permanent über diese Bezeichnungen stolpert, stört dies ein wenig den Lesefluss. Zum anderen fand ich es etwas unglaubwürdig, dass niemand bemerkt haben soll, dass die Morde an den jeweils führenden Fusionsphysikern kein Zufall sein können. Zwar hatte der Engel des Zorns seine Morde jeweils gut als Unfall getarnt, aber wenn immer wieder der zurzeit beste Fusionsphysiker sein Leben lassen muss, sollte eigentlich jedem klar sein, dass dies nicht nur ein Zufall sein kann.

Dem entgegen steht Taavi Soininvaaras stetes Bemühen, seinen Romanen einen spannenden politischen Hintergrund zu verpassen. In „Finnisches Quartett“ befasst er sich mit umweltfreundlichen Energien, Ökoterroristen und zwielichtigen Managern, die auf Kosten der Umwelt ihren eigenen Profit suchen. Diese Konstellation birgt viel Potenzial, das Soininvaara auch gekonnt ausnutzt. Insbesondere vor dem Hintergrund der tatsächlichen amerikanischen „Umweltpolitik“, offenbart auch Soininvaara eine „unbequeme Wahrheit“, denn man könnte sich durchaus vorstellen, dass die geschilderten Ereignisse gar nicht so weit hergeholt sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. In einer Nation, die bekanntlich der größte Umweltverschmutzer auf der ganzen Welt ist und bezeichnenderweise auch keine Bemühungen erkennen lässt, daran etwas zu ändern, könnten vielleicht tatsächlich Mächte am Werke sein, wie Soininvaara sie im finnischen Quartett aufdeckt. Eins hat Soininvaara also definitiv geschafft: Sein Buch wird nicht einfach durchgelesen, zugeklappt und aus dem Gedächtnis gelöscht – nein, man beginnt sich zu fragen, ob solche Verschwörungen in unserer Welt nicht wirklich passieren könnten …

Trotz kleiner „handwerklicher“ Schwächen hinterlässt „Finnisches Quartett“ einen positiven Gesamteindruck. Taavi Soininvaara beweist erneut, dass er ähnlich wie Henning Mankell nicht einfach nur leicht vergängliche Spannungsliteratur schreibt, sondern Kriminalromane, die zum Nachdenken anregen und Konflikte aufdecken wollen, die vielleicht tatsächlich so passieren könnten. Für den vierten Soininvaara-Krimi würde ich mir allerdings wünschen, dass der sympathische Arto Ratamo wieder mehr ins Zentrum der Geschichte rückt!

Lee Child – Sein wahres Gesicht

Das geschieht:

Jack Reacher, ehemaliger Elite-Soldat und Militär-Polizist, ist auf seiner ziellosen Reise durch die USA in Key West, Florida, gelandet. Dort verdingt sich nach Feierabend als Leibwächter in einer Oben-ohne-Bar, wo ihn Privatdetektiv Costello anspricht, der ihn im Auftrag einer „Mrs. Jacob“ aus New York finden soll. Reacher hat keine Ahnung, wer dies ist, und hält sich daher im Hintergrund, was klug ist, denn Costello hart auf den Fersen sind zwei Schläger, die dem Detektiv auflauern, ihn nach Reacher ‚befragen‘ und, als er nichts preisgeben kann, brutal umbringen.

Reachers Ermittler-Instinkte brechen wieder durch. Er reist nach New York, wo er feststellt, dass „Mrs. Jacob“ Jodie Garber ist, die Tochter seines verehrten militärischen Lehrmeisters und väterlichen Freundes General Leon Garber, der gerade einem Herzleiden erlegen ist. In den letzten Lebenswochen beschäftigte ihn der Victor Hobie, der vor fast dreißig Jahren als hoch dekorierter Helikopter-Pilot im Vietnamkrieg verschollen ist. Das Militär mauerte, und Garber wollte den Grund herausfinden. Er konnte noch in Erfahrung bringen, dass Hobie bei einem Absturz schwer verletzt und verstümmelt wurde. Er desertierte aus dem Lazarett, tötete dabei einen Kameraden und verschwand mit viel Geld, das er durch allerlei krumme Geschäfte ergaunert hatte. Ein Mustersoldat als übler Gauner: Dies war dem Militär so peinlich, dass es Hobies Akte einfach schloss. Lee Child – Sein wahres Gesicht weiterlesen

MacLeod, Charlotte – Rolls Royce und Bienenstiche

Wie in jedem Jahr richtet das Millionärs-Ehepaar Nehemiah und Abigail Billingsgate für seine Familienmitglieder, Verwandten und Freunde auf dem Gelände seines Anwesens vor den Toren der US-Metropole Boston (Massachusetts) ein prunkvolles Renaissance-Fest aus. Unter den zahlreichen Gästen tummeln sich auch Max und Sarah Bittersohn, die heuer nicht nur zur Feier eingeladen wurden, sondern außerdem einen peinlichen Diebstahl aufklären sollen. Die Bittersohns arbeiten als Privatdetektive, und der Hausherr setzt größeres Vertrauen in sie als in Chief Grimpen, den ebenso aufgeblasenen wie unfähigen Polizeichef, dem dennoch noch reichlich Gelegenheit geboten wird, sich tüchtig zu blamieren.

Seit Jahrzehnten sammelt die Familie Billingsgate Luxus-Automobile der Marke Rolls Royce. Der Wert dieser Oldtimer ist enorm, so dass große Aufregung entsteht, als ein Modell „New Phantom“, Baujahr 1927, aus der als Museum eingerichteten und gut gesicherten Großgarage verschwindet. Für das Fest wurden deshalb besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Der alte Hausdiener Rufus bewacht die fest verschlossene Wagenhalle, und regelmäßig schaut Max Bittersohn nach dem Rechten.

Dennoch geschieht das Unfassbare: Auf einem seiner Kontrollgänge findet Max den Wachposten verlassen vor. Nach kurzer Suche entdeckt er den scheinbar saumseligen Rufus: Er hängt mit einem Seil um den Hals hoch im Wipfel eines Baumes! Man hat ihn erst ermordet und dann mit einem Flaschenzug dort hinaufgezogen. Gleichzeitig ist wieder einer der wertvollen Rolls Royces verschwunden – und Boadicea Kelling, eine der zahllosen Tanten Sarahs, die anscheinend den Dieben und Mördern zufällig über den Weg lief und von diesen verschleppt wurde.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Da ist zum einen der unausstehliche Grimpen, der nichts lieber täte, als den Fall unter fadenscheinigen Gründen zu den Akten zu legen. Auf der anderen Seite müssen die Billingsgates und die Bitterbaums sich eingestehen, dass der oder die Täter wohl im Kreise der Gäste gesucht werden müssen; eine peinliche Situation, da die Anwesenden nicht nur mit den Gastgebern und untereinander verwandt sind, sondern einander schon seit Jahrzehnten kennen …

Der achte Band der „Boston“-Serie, die sich lose um die kriminalistischen Abenteuer der Amateur-Detektivin Sarah Kelling-Bitterbaum rankt, vermittelt seinen Lesern schon auf den ersten Seiten das beruhigende Gefühl, durch nichts Neues verschreckt zu werden. Seit jeher steht für Charlotte MacLeod weniger der Thrill, d. h. das Verbrechen und seine Aufklärung, im Mittelpunkt, sondern die Beschwörung einer guten, altmodischen, heilen Welt, bevölkert von liebenswerten und skurrilen Gestalten, denen ein Mord auch nicht dramatischer erscheint als ein Familienskandal, der sich vor fünfzig oder mehr Jahren abgespielt hat.

So schlägt MacLeod in der „Boston“-Serie einen Großteil ihres Witzes aus dem unglaublich verzweigten Clan der Kellings, einem genealogischen Albtraum hart an der Grenze zur Inzucht, der quasi die Bevölkerung eines ganzen Landstriches stellt und dem Verschrobenheit offensichtlich schon in die Wiege gelegt wird. Nach sieben Bänden hat sich die daraus erwachsende Komik allerdings ziemlich abgenutzt, doch der wahre (meist weibliche) MacLeod-Fan sieht das natürlich ganz anders und kann gar nicht genug von immer neuen Kellings mit ulkigen Namen und ebensolchen Gewohnheiten in märchenhaft-traulicher Landhaus-Atmosphäre lesen. Weit, weit weg ist die grausame Realität, vor der sich auf diese Weise vortrefflich fliehen lässt. Allzu spannend darf und soll es in dieser gemütlichen Nische nicht zugehen: „Cozys“ nennt man solche baldrianischen Krimis im Angelsächsischen mit gutem Grund. Alles wird schließlich immer wieder gut, während mindestens ein unverheirateter Großonkel zwölften Grades für kauzige Komplikationen sorgt; im vorliegenden Band ist er zwar nicht mehr am Leben, was aber nebensächlich ist, da für die Kellings Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowieso nahtlos ineinander übergehen und in diesem zeitlosen In-sich-selbst-Ruhen selbst tote Verwandte stets präsent bleiben.

Schwierigkeiten mit dem Kelling-Clan kennt die treue MacLeod-Leserschaft nicht. Die Autorin lässt einmal eingeführte Figuren immer wieder die Handlung bereichern, bis sie sich in der ständigen Wiederholung dem Publikum eingeprägt haben. Ansonsten sind sie austauschbar, was die eigentlichen Hauptpersonen nicht ausschließt: Sarah und Max Bittersohn sind liebenswerte Gutmenschen, die als Überdosis genossen durchaus Brechreiz hervorrufen können. In inniger Liebe einander zugetan, gesegnet mit einem gar niedlichen Kindelein und verschont von profanen Sorgen, gehen sie einem (im MacLeodschen Sinn) aufregenden Beruf nach und verkörpern damit, wonach sich viele Leser/innen mindestens unterschwellig sehnen.

Das muss man sich vor Augen führen, wenn man als Neuling in die „Boston“-Welt stolpert. Charlotte MacLeod ist mit ihren Cozys jedenfalls gut gefahren. Im reifen Alter von 57 Jahren erst ist sie 1979 auf die „Boston“-Goldader gestoßen. Noch drei weitere Serien derselben Machart sicherten ihr (mildes) Kritikerlob und ein treues Publikum, das die fleißige Autorin über mehr als zwei Jahrzehnte zuverlässig mit immer neuen Variationen der alten Melodie bei Stimmung hielt.

Nach 1990 verlangsamte sich MacLeods Arbeitstempo merklich. Zum Kummer ihrer zahlreichen deutschen Fans war mit „Der Mann im Ballon“ nicht nur das Dutzend voll, sondern das Ende der Serie erreicht. Weitere Kriminalromane aus der Feder Charlotte MacLeods gab es nicht mehr. Die inzwischen 80-jährige Autorin litt an der Alzheimerschen Krankheit, an deren Folgen sie 2005 starb. Die absolut hirnrissige, geradezu peinliche „Auflösung“, die MacLeod sich für „Rolls Royce und Bienenstiche“ hat einfallen lassen, führt allerdings zu der Frage, ob der geistige Verfall nicht schon ein Jahrzehnt früher eingesetzt hat.

Die „Boston“-Serie:

01. Die Familiengruft (1979; „The Family Vault“) – DuMonts KB Nr. 1019
02. Der Rauchsalon (1980; „The Withdrawing Room“) – DuMonts KB Nr. 1022
03. Madame Wilkins‘ Palazzo (1981; „The Palace Guard“) – DuMonts KB Nr. 1035
04. Der Spiegel aus Bilbao (1983; „The Bilbao Looking Glass“) – DuMonts KB Nr. 1037
05. Kabeljau und Kaviar (1984; „The Convivial Codfish“) – DuMonts KB Nr. 1041
06. Ein schlichter alter Mann (1985; „The Plain Old Man“) – DuMonts KB Nr. 1052
07. Teeblätter und Taschendiebe (1987; „The Recycled Citizen“) – DuMonts KB Nr. 1072
08. Rolls Royce und Bienenstiche (1988; „The Silver Ghost“) – DuMonts KB Nr. 1084
09. Jodeln und Juwelen (1989; „The Gladstone Bag“) – DuMonts KB Nr. 1092
10. Arbalests Atelier (1992; „The Resurrection Man“) – DuMonts KB Nr. 1097
11. Mona Lisas Hutnadeln (1995; „The Odd Job“) – DuMonts KB Nr. 1104
12. Der Mann im Ballon (1998; „The Balloon Man“) – DuMonts KB Nr. 1110

http://www.dumontliteraturundkunst.de/

le Carré, John – Geheime Melodie

_Handlung_

Der Spitzendolmetscher Bruno Salvador, Sohn eines weißen Missionars und einer schwarzen Stammestochter, wird vom Britischen Geheimdienst aufgrund der Empfehlung seines Mentors zu einem Auftrag beordert. Er soll bei einer wichtigen Konferenz, bei der über die Zukunft seines Heimatlandes Kongo entschieden wird, offiziell den Übersetzter geben. Inoffiziell ist ihm aber aufgetragen worden, die verschiedensprachige Truppe in ihrer Freizeit abzuhören und ihre Worte zu übersetzten. Und was er da hört, sagt ihm überhaupt nicht zu.

_Schreibstil_

Ich muss gestehen, dass dies mein erster John le Carré ist, aber mit Sicherheit nicht mein letzter. In einfacher Sprache wird hier eine gelungene Atmosphäre kreiert; angefangen beim plötzlichen Fallenlassen in die Spionagewelt über den Einsatz bei der Konferenz bis zum Entschluss Salvadors, das schreckliche Ausmaß der Konferenz zu beeinflussen – man fühlt mit dem Protagonisten und glaubt zu wissen, was jeweils in ihm vorgeht.

Was ebenfalls genial an John le Carrés Buch ist, sind die Charaktere, die bis zur kleinsten Nebenfigur hervorragend ausgearbeitet sind und nicht dem Standardbuch der Charaktergenerierung entspringen. Angefangen beim von seinen Fähigkeiten eingenommenen Protagonisten über seine karrieregeile Ehefrau bis hin zur Familienfreundin, einer leicht überdrehten Psychologin, ist ein breites Spektrum an Charakteren verteten. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass Bruno Salvador lieber nach seinem Charakter handelt und nicht so, wie eine schnelle Handlungsauflösung es verlangen würde. Dadurch bringt er sich in einige Probleme, klar; er ist schließlich nicht als Spion geboren worden, und zum Glück benimmt er sich wie ein Held aus Zwang, und nicht, weil es ihm Spaß macht.

Auch der politische Hintergrund ist schlüssiger als viele Weltuntergangsprophezeiungen von Tom Clancy. Auf der einen Seite gibt es Leute, die dem Kongo wieder Einigkeit und Frieden schenken wollen, andere wiederum sind mit diesem Lösungsweg nicht einverstanden, und alle wollen einen möglichen Profit herausschlagen. Jeder in der Konferenz hat seine eigenen Motive, und jedes läuft auf die eigene Ansicht hinaus, wie seine Haut und sein Heimatland zu retten ist, und nicht etwa, persönliche Rachegelüste zu stillen.

_Fazit_

Dass John le Carré einer der ganz großen Schreiber von Spionageromanen ist, sollte bekannt sein. Mit „Geheime Melodie“ unterstreicht er dies auf eindrucksvolle Weise. Realistisch, nachvollziehbar und absolut spannungsgeladen, entwickelt sich das Buch zu einem absoluten Pageturner, den man so schnell nicht aus der Hand legen will. Erstens, weil Vorhersehbarkeit überhaupt nicht le Carrés Ding ist, und zweitens, weil einfach alles um ein Vielfaches nachvollziehbarer ist als vieles, was im Genre anderweitig herausgebracht wird. Auch das Afrikaszenario ist weitaus frischer als die üblichen Streiterein Russland gegen Amerika und somit auch weitaus gewinnbringender zu lesen.

http://www.ullsteinbuchverlage.de/listhc/

Littell, Robert – Company, Die

Der letzte Tag des Zweiten Weltkriegs leitete zugleich den Dritten ein, sprach einst ein Zyniker, der aber kein Dummkopf war. Nazi-Deutschland wurde zerschlagen, was weltfremde Träumer zu der Annahme verleitete, die Geschichte beginne wieder bei null und bringe nun Frieden und Einigkeit über die Menschheit. Stattdessen begann der Kalte Krieg, der diese Erde in zwei supermächtige Blöcke zerfallen ließ. Der „freie Westen“, mehr oder weniger offen unter dem Primat der USA, stand gegen die UdSSR und den „Ostblock“. Getrennt wurden beide Sphären durch den „Eisernen Vorhang“, den Stalin niedergehen ließ. Nie hatte sich der sowjetische Diktator davon abhalten lassen, die Welt unter das kommunistische Joch zu zwingen. Unverhohlen nutzte er ab 1945 den Kriegssieg dazu, seinen Einflussbereich in Europa und Asien auszudehnen.

Lange wollten die einstigen Verbündeten USA dies nicht wahrhaben, aber dann lernten sie schnell: 1947 versprach die Truman-Doktrin allen freien Völkern der Welt den Beistand der USA im Kampf gegen jeglichen Totalitarismus. Amerikanische Auslandspolitik wurde zukünftig von umfangreichen Geheimdienstaktivitäten begleitet: Die „Central Intelligence Agency“, kurz CIA, führt seitdem einen Untergrundkrieg gegen ihren mächtigen Gegner, den sowjetischen KGB, in dem sich beide Parteien nicht das Geringste schuldig bleiben.

Macht korrumpiert; eine alte Weisheit: Wie ein Moloch breitet sich die CIA aus, als der Kalte Krieg zu eskalieren beginnt – und sie macht sich selbstständig. Anfang der 50er Jahre zeichnet sich die Gefahr eines atomaren Schlagabtausches immer deutlicher ab. Dem glaubt die CIA nur durch eine intensivierte Unterwanderung der UdSSR und ihrer Trabantenstaaten begegnen zu können. Dazu braucht es mehr Personal – nicht mehr nur ehemalige Soldaten, Schnüffler der alten Schule oder sogar wendehalsiger Nazi-Agenten, sondern junge, ausgebildete Männer und Frauen, die sich nicht scheuen, sich im Dienst der vorgeblich guten Sache die Finger schmutzig zu machen.

Auf Jack McAuliffe und Leo Kritzky trifft dies zu; sie sind idealistisch und patriotisch, d. h. vor allem stramm antikommunistisch. Der dritte im Bunde ist der russische Austauschstudent Jewgeni Alexandrowitsch Tsipin, den es indes bald zur Konkurrenz zieht. Während Jack und Leo von der CIA angeheuert werden, wird Jewgeni ein „Schläfer“, der in den USA lebt und auf seine Einsätze wartet. Im nächsten halben Jahrhundert werden sich die Wege dieser drei Männer immer wieder kreuzen. Das Katz-und-Maus-Spiel wird sie um den gesamten Globus führen – und Opfer kosten, Unschuldige, scheinbar Schuldige und manchmal einen echten Übeltäter.

Der Korea-Krieg, der Volksaufstand in Ungarn, das Desaster in der Schweinebucht, die Watergate-Affäre, der Bürgerkrieg in Afghanistan und schließlich Glasnost und Perestroika sind die Stationen dieses Agenten-Krieges, der zugleich die jüngere und jüngste Weltgeschichte widerspiegelt – bis der Zusammenbruch der Sowjetunion der CIA ihres wichtigsten Gegners und ihrer Legitimation zu berauben scheint. Aber viele Jahrzehnte des heimlichen Krieges haben die Beteiligten gelehrt, dass es irgendwo auf der Welt immer eine Bedrohung geben wird – und wenn man sie selbst ins Leben rufen müsste.

Ein nicht nur im Umfang gewaltiges Werk legt Politthriller-Routinier Robert Littell hier vor. „Die Company“ ist sicherlich das ehrgeizigste Projekt seiner langen Schriftsteller-Karriere. Unerhörte Arbeit hat er investiert, bis ins Detail recherchiert, und unabhängig von der Frage, ob er stets historische Präzision für sich beanspruchen kann (um es vorweg zu nehmen: kann & will er nicht), hat er auf jeden Fall einen Grad der Stimmigkeit und Atmosphäre erreicht, die viele Seiten (trotz eines gewissen Hangs zur historischen Predigt) wie im Fluge verstreichen lassen.

Dabei hat Littell bei allem Aufwand beileibe das Rad nicht neu erfunden. Ein Stilist ist er nie gewesen. Auch „Die Company“ ist denkbar einfach, fast altmodisch strukturiert. Da haben wir eine Reihe von Hauptfiguren, denen wir immer wieder begegnen, und eine Chronologie, die von der Weltgeschichte vorgegeben wird. Die Werbung zitiert Mario Puzos [„Der Pate“ 2767 als Vergleich und tut dabei, als sei dies ein bemerkenswert gutes Buch gewesen, was keineswegs zutrifft.

Tatsächlich steht „Die Company“ als eine Art dramatisiertes, d. h. um fiktive und narrative Elemente ergänztes Geschichtsbuch, das freilich keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erheben kann, eher in der Tradition von James Michener (1907-1997), der seinen Ehrgeiz daran setzte, die Geschichte möglichst vieler US-Staaten von der Entstehung der Erde bis in die Gegenwart nachzuerzählen, wobei alle Protagonisten irgendwie miteinander verwandt sind und stets an historischen Brennpunkten auftauchen, so sehr dies die Gesetze der Wahrscheinlichkeit auch strapazieren mag. Die Lücken zwischen dem Weltbewegenden werden mit seifenoperlichen Intermezzos gefüllt, was emotionale Tiefe suggeriert, die indes meist eher Versprechen bleibt und zum gefühlsduseligen Klischee gerinnt. Auch Littell ist in dieser Beziehung kein Meister und beschränkt derartige Anwandlungen klugerweise auf ein Minimum; der Auftrieb geplagter, aber geduldiger und zum Wohle ihres Landes alle Fährnisse (mehr oder weniger) still erleidender Ehefrauen, Mütter etc. ist trotzdem noch groß genug.

Die Handlung als solche zerfällt in voneinander mehr oder weniger unabhängige Episoden, die der Verfasser hintereinander schalten konnte. „Die Company“ umfasst viele hundert Seiten, doch Littell hätte ohne Schwierigkeiten noch einige Kapitel einschieben können. Trotzdem gibt es so etwas wie einen roten Faden. Das Buch erzählt die Geschichte einer Gruppe von Idealisten, die im Dienste einer guten Sache ein ehrgeiziges Projekt verwirklichen, das eine ungute Eigendynamik entwickelt, sie verformt und korrumpiert, ohne dass sie selbst dies zu bemerken scheinen.

Übrigens bleibt fraglich, ob Verfasser Littell sich dieser Interpretation anschließen würde. Er ist eher ein Falke als eine Taube, eindeutig rechts der politischen Mitte, ganz sicher nicht liberal, und das schimmert in seinem Werk nicht nur durch, sondern wird deutlich und markig thematisiert. Hier ist es z. B. die Figur Leo Kritzky, die aufgrund eines Versehens in die Mühlen der eigenen „Firma“ gerät und dabei mit kalter Berechnung genauso übel gefoltert wird, wie dies den teuflischen KGB-Teufeln angelastet wird. Aber was geschieht, als sich Kritzkys Unschuld herausstellt? Weil’s letztlich für Uncle Sam war und jeder schließlich mal irren kann, reiht sich der Geschundene sogleich wieder in Schar seiner Mitstreiter ein und geht wacker erneut auf Kommunisten- und Terroristenhatz. (Zu Littells Ehrenrettung sei erwähnt, dass er nachträgliche Verklärungen ablehnt; sein Porträt des US-Präsidenten Ronald Reagan ist höchst boshaft und ziemlich erschreckend.)

Freilich ist „Die Company“ auch der Versuch, die ganz besondere Geisteshaltung in Worte zu fassen, von der die CIA mindestens bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion geprägt war. Littell zeichnet sehr schön eine ganz eigene Welt, deren Regeln von Paranoia und Misstrauen bestimmt werden – und bestimmt werden müssen, da hinter jedem Ereignis auf dieser Welt „der Feind“ stecken kann, der mit unfassbarer Raffinesse versucht, seinen Gegner zu überlisten. Das prägt und hinterlässt Spuren bei denen, die sich dem „Großen Spiel“ widmen, bis sich CIA und KGB so sehr gleichen, dass man sie für Spiegelbilder halten könnte (was beide Parteien allerdings vehement abstreiten würden).

Überhaupt wirkt der Krieg der Geheimdienste tatsächlich wie ein globales Spiel, das seine Teilnehmer süchtig werden lässt. Kim Philby, der berühmte britische Spion, fasst dies sehr schön in Worte, als er trotz drohender Entdeckung die Flucht in das Land verweigert, für das er viele Jahre spioniert hat: Die UdSSR schätze er ideologisch, meint er da, aber lieber aus der Ferne, denn leben wolle er dort lieber nicht. Geheimdienstler neigen folglich zur Schizophrenie; auf jeden Fall stehen sie unter Dauerstress, was wohl auch die erstaunliche Häufung von Saufexzessen erklärt, die Littell in diesen politisch korrekten Zeiten in sein Werk einflicht. Hinzu kommen die unerhörten Möglichkeiten, die eine mit Macht und Geld genudelte Organisation wie die CIA ihren meist jungen und begeisterten Mitgliedern bietet: Auf Staatskosten bereisen sie die ganze Welt, jagen die Bösen und drehen mit am Rad der Geschichte, was sonst der großen Politik und der Wirtschaft vorbehalten bleibt.

Spätestens in den 1960er Jahren verkam die CIA, die einst gegründet wurde, um taktisch bedeutende Informationen für die US-Regierung zu sammeln, zu einem obskuren Staat im eigenen Staate, der unter Brechung praktisch sämtlicher Gesetze selbst offensive Politik zu treiben begann (und sich dabei denkbar ungeschickt anstellte). Auch dies wird vom Verfasser offen angesprochen, doch wiederum kann man nicht von Objektivität sprechen: Littells CIA war, ist und bleibt im Kern gut und notwendig; ihre hehren Ziele verliert sie womöglich manchmal aus den Augen, aber das ist stets nur einigen Verblendeten, vor allem jedoch notorisch feigen Politikern anzulasten, die den Schwanz einziehen, wo Härte und Rückgrat gefragt wären.

Daher verwundert es nicht, dass der Verfasser das moderne Russland mit denselben misstrauischen Augen betrachtet wie die alte Sowjetunion. Spione werden immer Konjunktur haben, so lautet Littells – durchaus überzeugendes – Resümee, aber nichtsdestotrotz schießt er hier über sein Ziel hinaus: Welt, sei wachsam & lass’ die CIA ihre heilige Arbeit tun, denn der Feind ist noch lebendig und stark; er hat nur seine Methoden geändert. Dass Russland, wirtschaftlich marode, von politischen Krisen und sogar Bürgerkriegen geschüttelt, zur Zeit über die Ressourcen verfügt, das „Große Spiel“ im großen Stil fortzusetzen, mag der Leser nicht ernsthaft glauben, aber das ist ja genau der Anschein, den der böse Iwan erwecken möchte, um uns einzulullen – und mit dieser Erkenntnis haben wir wohl Littells Aufnahmeprüfung in den Club der Paranoiker mit Glanz bestanden … Und schließlich gibt es im Nahen Osten oder mit Nordkorea immer neue Schurkenstaaten, die es unter sorgfältiger Beobachtung zu halten gilt.

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Nesbø (Nesboe), Jo – Fährte, Die

Ein psychopathischer Bankräuber, genannt der „Exekutor“, terrorisiert die norwegische Stadt Oslo. Obwohl er seine Beute ohne Zwischenfälle einkassieren konnte und keine Spuren am Tatort hinterlassen hatte, erschoss er scheinbar ohne Grund eine junge Angestellte. Seitdem hat der hervorragend organisierte Täter noch weitere Verbrechen begangen, die durch ihre kaltblütige Planung und Durchführung auffallen. Für die Presse ist diese Serie ein gefundenes Fressen, was die Politik nervös werden lässt, gilt es doch, das Bild einer vorbildlich regierten Stadt zu wahren, damit dahinter die bekannten Spielchen um Macht und Geld ungestört weiterlaufen können.

Im Polizeidezernat für Gewaltverbrechen ging der „Exekutor“-Fall an den ehrgeizigen aber unfähigen Dezernatsleiter Ivarsson. Als dieser keine schnellen Ergebnisse vorweisen kann, übernimmt Harry Hole, ein Ermittler, der durch seine bemerkenswerten Fahndungserfolge bekannt und wegen seiner alkoholbedingten Ausraster berüchtigt ist. Dank seiner unkonventionellen Methoden und unterstützt durch eine neue Kollegin, die mit dem perfekten Personengedächtnis ausgestattete Beate Lønn, kann Hole trotz der miserablen Indizienlage bald erste Teilergebnisse erzielen.

Allerdings ist Hole abgelenkt. In Abwesenheit seiner Lebensgefährtin Rakel hatte er eine Affäre mit der ehemaligen Geliebten Anna begonnen und war dabei erneut dem Alkohol verfallen. Als er mit Filmriss aus seinem aktuellen Rückfallrausch erwachte, fand man Anna erschossen in ihrem Bett. Die Spuren deuten auf Selbstmord hin. Harry ist sich da nicht sicher. Was ist in der Nacht geschehen, die in seinem Gedächtnis fehlt? Als Polizist schweigt er, der als Hauptverdächtiger gelten würde. Doch Anna ist tatsächlich ermordet worden: Der Täter nimmt Kontakt zu Harry auf und quält ihn mit E-Mails, in denen er droht, die Polizei zu informieren. Harry muss unauffällig nach dem Mörder suchen und gleichzeitig im vollen Rampenlicht nach dem „Exekutor“ fahnden – ein Drahtseilakt, der nicht lange gut gehen kann und nicht nur für Harry in einem Desaster endet …

Wenn man den Drang verspüren sollte, „Die Fährte“ in eine Schublade zu stecken, so könnte man dieses Buch als einen derjenigen Thriller bezeichnen, die Jeffery Deaver – stets vergeblich – zu schreiben versucht. Gemeint ist diese besonders vertrackte Art von Thriller, deren Plot sich dreht und windet wie ein schlüpfriger Aal, seinen Lesern dabei immer wieder zwischen den Fingern durchschlüpft, um im Finale dort zu landen, wo niemand ihn vermutet hätte. Kurz und gut: „Die Fährte“ ist ein Krimi, der sein Publikum gleich mehrfach täuscht und mit neuen Wendungen verblüfft, ohne es durch aus dem Hut gezauberte, quasi übernatürliche Wendungen vor den Kopf zu stoßen. Die atemberaubende Story schlägt ihre Haken sogar, ohne dass ihr die Logik darüber jemals verloren ginge.

Das verwundert durchaus, da „Die Fährte“ ein an Klischees überaus reiches Werk ist. Auch in Nesbøs Skandinavien gibt es offensichtlich keinen Sommer. Harry Hole ermittelt in einem Oslo, das düster und regnerisch ist. Dieses Klima gilt gleichzeitig als Metapher für die gesellschaftliche Kälte: Die Polizei ist kaum mehr Ordnungsmacht, sondern tanzt am Gängelband von Politik und Medien. Streber und Karrieristen geben den Ton an; sie drängen diejenigen Kollegen, die sich auf ihren Job konzentrieren, an den Rand und lassen sie desillusioniert und verbittert zurück. Auch sonst ist die Welt schlecht, d. h. geprägt von Unvernunft, Habgier, Fremdenfeindlichkeit usw. usf. Doch Nesbø übertreibt es nicht und findet ein Gleichgewicht zwischen diesen Unerfreulichkeiten, die einen als Leser deshalb nicht bedrängen oder sich gegenseitig erschlagen, sondern ihren Teil zur Handlung beitragen.

Die Kunst des Jo Nesbø manifestiert sich vor allem in der Figur des Harry Hole: Wie viele einsame, dauerdeprimierte Ermittler, die an der Flasche hängen, verträgt der Krimileser? Hole scheint exakt in diese schon viel zu tief ausgehauene Kerbe zu stolpern. Dennoch schafft er es, Individuum zu bleiben: Harry ist kein Super-Detektiv und privat ein schwacher Mensch. Nesbø findet den schmalen Grat zwischen Routine und Übertreibung und lässt seinen menschlichen Helden dort mit traumwandlerischer Sicherheit meist waghalsige Kunststücke treiben. Zur Spannung der Krimi-Handlung kommt deshalb stets die bange Frage, ob er sich auch dieses Mal halten kann oder endgültig stürzen wird.

Bei seinem Seiltanz hilft Harry mehr als ein Quäntchen eistrockenen Humors. Hole wälzt sich – anders als z. B. ein literarisch ungleich erfolgreicherer Kollege aus dem schwedischen Ystad – nicht stellvertretend für die enttäuschten Gutmenschen dieser Welt leidend im Sumpf der Gemeinheiten & Scheußlichkeiten, die ihre Artgenossen sich einander antun. Zwar kann sich auch Nesbø einige allzu aufdringliche Verweise in diese Richtung nicht verkneifen – Harry verfolgt mehrfach am Fernseher den Stand des US-amerikanischen „Befreiungskrieges“ im Irak und denkt sich seinen Teil -, doch letztlich konzentriert er sich wieder auf den aktuellen Fall, der es so in sich hat, dass sein Verfasser auf den erhobenen Zeigefinger leicht verzichten kann.

Hole fügt der langen Liste seiner persönlichen Verfehlungen dieses Mal gleich mehrere Neueinträge an. Er verfällt abermals seinem persönlichen Dämon, dem Alkohol, lässt sich von einer ehemaligen Geliebten umgarnen, obwohl er inzwischen neu verbandelt ist, und setzt zu einem wahren Kamikazeflug gegen seine ohnehin wenig von ihm eingenommenen Vorgesetzten an. Doch Harry wächst in der Krise über sich hinaus; er scheint den Druck zu benötigen, der den sechsten Sinn des guten Fahnders stimuliert. Zudem kann er sich auf einige wenige treue Freunde verlassen, die wie er zu den Außenseitern gehören und kein Problem damit haben, Gesetze und Regeln ein wenig großzügiger auszulegen, als dies gestattet bzw. toleriert wird.

Das ist nur gut so, denn den Schurken, die uns Nesbø in „Die Fährte“ vorstellt, lässt sich schwerlich unter getreuer Beachtung der Dienstvorschrift beikommen. Da ist zunächst der eiskalte „Exekutor“, der seinen Häschern mehr als ein gelungenes Rätsel aufgibt. Hole speist mit dem Teufel, um ihn zu fassen, wobei er bald merkt, dass der Löffel, den er benutzt, nicht lang genug ist: Raskol Baxhet, ein Bankräuber, der sich aus unerfindlichen Gründen selbst stellte, ist wahrlich ein zwielichtiger Charakter. In einem Augenblick lässt er sich von Hole als „Berater“ in Sachen „Exekutor“ anheuern, im nächsten bedroht er dessen kleine Familie, um sich an einem alten Feind rächen zu können. Aber Harry zeigt sich auch dieser Herausforderung gewachsen: Nicht durch Gewalt kommt er Baxhet bei, sondern indem er dessen Intrigenspiel noch besser spielt als dieser – gerade noch, denn sein Gegner ist ein Meister!

Innerhalb der Polizei kämpft Hole offene und verborgene Schlachten aus. Dezernatsleiter Ivarsson repräsentiert das Establishment, das Quertreiber und interne Kritiker wie Harry hasst und mobbt. Nesbø gönnt uns den Genuss zu beobachten, wie Ivarsson sich selbst demontiert. Aber er bleibt Harrys Vorgesetzter und wird seine Zeit abwarten, um sich zu rächen. Ebenfalls präsent ist Tom Waaler, der die weitaus größere Gefahr darstellt. Sein infamer Feldzug gegen Hole, der ihn des heimtückischen Mordes an einer Kollegin zumindest verdächtigt, ist an Spannung kaum zu überbieten. Waaler nutzt geschickt die Animositäten zwischen Harry und Ivarsson, während er gleichzeitig Beweise manipuliert, die auf Hole als Drahtzieher hinter dem „Exekutor“ hinweisen. Auch dies kann Harry abwehren; er geht sogar einen Schritt weiter und intensiviert seine Ermittlungen gegen Waaler – dieser Subplot wird auch im nächsten Band der Serie eine wichtige Rolle spielen.

Jo Nesbø wurde 1960 in Oslo geboren. Er war zunächst als Finanzanalytiker und Ökonom für die norwegische Handelshochschule in Bergen tätig, arbeitete aber nebenberuflich als Journalist, bevor er sich als Schriftsteller selbstständig machte. Schon für seinen ersten Kriminalroman – „Flaggermusmannen“ (dt. „Der Fledermausmann“) bekam Nesbø 1997 den Preis für den besten Krimi des Jahres. Hier schildert der Autor die Erlebnisse von Kriminalkommissar Harry Hole auf einer verhängnisreichen Dienstreise nach Australien.

Ebenfalls subtil, aber trotzdem volkstümlich ist die Pop-Band „Di Derre“: Frontmann, Vokalist und Komponist Jo Nesbø ist auch ein anerkannter Musiker, der nach Auskunft der Kritik gute Texte mit schwungvollen Popmelodien verbindet.