Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Parker, Robert B. – Wilderness

_Actionthriller: Verbrecherjagd in der Wildnis_

Aaron Newman ist unfreiwilliger Zeuge eines Mordes und identifiziert den Täter auf dem Polizeirevier. Als er jedoch seine Frau nackt, gefesselt und geknebelt bei sich daheim vorfindet, bekommt er eine leise Ahnung, dass er es mit Gangstern zu tun hat, die zu allem entschlossen sind – und sie haben einen Informanten in Kreisen der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Dort kann er keine Hilfe erwarten und so zieht er seine Aussage zurück. Doch das hält den Mörder nicht davon ab, ihm einen Auftragskiller auf den Hals zu schicken.

Mir ist keine deutsche Übersetzung bekannt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der 42-jährige Aaron Newmon ist ein erfolgreicher Schriftsteller in Smithfield nahe Boston, verheiratet mit Janet, einer Englischdozentin an der Uni. Die zwei Töchter sind bereits aus dem Haus, und so kann sich Aaron tagsüber seinem Schreiben oder der Freizeit widmen. Diesmal joggt er abends durch den nahen Wald, als er plötzlich einen entsetzlichen Mord beobachtet: Ein hagerer Weißer schießt einer wehrlosen schwarzen Frau in den Hinterkopf und lässt sich dann seelenruhig in seinem Wagen davonfahren. Aaron erwacht aus seiner Erstarrung und stellt fest, dass die Frau tot ist. Dann holt er die Polizei.

Auf dem Revier identifiziert er den Mörder erst in einem Fahndungsbuch, dann in einer Gegenüberstellung. Er ist bereit, den Mann namens Adolph Karl auch vor Gericht zu identifizieren. Als er nach Haus zurückkehrt, ist es bereits nach zwei Uhr nachts. Er erwartet, Janet bereits im Bett zu finden. Als er ins Schlafzimmer kommt, sieht er sie jedoch nackt, gefesselt und geknebelt auf dem Bett liegen. Dass Karls Männer dies getan haben, ist leicht an den eingeritzten Initialen AK auf Janets Bauch abzulesen.

Nachdem er sie befreit, sie erzählt und sich schließlich beruhigt hat, beraten sie am nächsten Morgen, was zu tun ist. Da erhält Aaron einen anonymen Anruf von Karls Handlanger: Der droht damit, Aaron und seine Frau zu töten, sollte Aaron seine Aussage nicht zurücknehmen. Was bleibt ihm anderes übrig? Es sagt es zu und nimmt auf der Wache seine Aussage zurück. Die Cops durchschauen ihn sofort, aber sie erkennen auch, dass sie einen Verräter in den eigenen Reihen haben müssen – sonst hätten die Verbrecher nicht bereits Mrs. Newman nicht bereits aufgesucht, als Mr Newman noch auf der Wache war.

Es geht Aaron, dem Jünger Hemingways, gewaltig gegen den Strich, sich so unterbuttern zu lassen. Seiner Frau, die um die Kontrolle in dieser Situation fürchtet, ist das völlig schnuppe; sie versteht ihn nicht: Sie will Rache und ein Ende der Angst. Denn es ist kaum anzunehmen, dass Adolph Karl sie in Ruhe lassen wird. Ganz im Gegenteil: Er wird sie beide umlegen. Und ihre Töchter womöglich auch.

Aarons und Janets bester Kumpel ist ihr Nachbar Chris, ein Restaurantbesitzer, der in Scheidung lebt. Chris hat in Korea beim Militär gedient, ebenso wie Aaron, war Footballspieler, ist Karatekämpfer und ein Waffenfreak – Machismo in Reinkultur. Er ist dafür, Karl umzulegen und ihm so zuvorzukommen. Alle drei einigen sich darauf, einen Mord zu begehen. Leichter gesagt als getan.

Adolph Karls Haus erweist als ebenso unangreifbar wie sein Möbelgeschäft. Janet findet heraus, dass der Gangster eine Jagdhütte in den Wäldern von Maine besitzt und dort mit seinen zwei Söhnen und seinen Leibwächtern jagen und angeln geht – eine günstige Gelegenheit. Wenn sie ihn dort erwischen wollen, brauchen sie aber ein Scharfschützengewehr. Dies wird von Aaron gekauft. Lieutenant Vincent bekommt Meldung vom betreffenden Waffenladen und kann sich ausrechnen, was Newman vorhat, doch er wartet lieber ab. Gewinnt Newman, sind sie Karl los, doch wenn Karl gewinnt, können sie ihn dafür festnageln – die Cops gewinnen so oder so.

Doch Karl hat bereits einen Killer auf Aaron angesetzt. Der ein wenig paranoide – und sehr wachsame – Chris schaltet den Mann aus und entsorgt ihn. Nun ist klar, dass keine Zeit mehr bleibt. Alle drei beziehen Posten an einem idyllischen See in Maine, wo Karl unangreifbar auf einer Insel logiert, bewacht von vier Männern. Erst als alle fünf Gegner zu einem Jagdausflug aufbrechen, scheint der Weg frei zu sein.

Doch dieser „Jagdausflug“ verläuft ganz anders als vorgesehen …

_Mein Eindruck_

Ich habe den Roman in nur fünf Stunden gelesen. Er ist recht spannend, voller Action, recht flott erzählt und mit wenig Ballast befrachtet. Die ersten zwei Drittel spielen in Smithfield, das letzte Drittel schildert die Auseinandersetzung in den Wäldern von Maine. Die Mitte sieht den Kampf mit dem Auftragskiller und der Anfang dreht sich völlig um den Mord an der Unbekannten und den Überfall auf Janet Newman. Man kann also sagen, dass ständig etwas los ist.

|Psychologie|

So weit, so gut. Aber ein Roman mit so wenigen Figuren sollte ein bisschen mehr als Action liefern. Deshalb richteten sich meine Erwartungen eigentlich auf die zentrale Beziehung zwischen Aaron und Janet Newman. Diese entwickelt sich denn auch in eine positive Richtung weiter. Janet ist ein Control-Freak. Zu Beginn verwünscht und verflucht die gefesselte Janet ihren Mann, weil er bloß dasteht und sie, die Nackte und Wehrlose, anstarrt. Tatsächlich schießt Aaron, der seiner Frau alles recht machen muss und will, bei ihrem knusprigen Anblick eine erotische Fantasie durch den Kopf. Sie hat ihn durchschaut.

Aber sie ist selbst schuld daran. Weil sie vor vielem Angst hat und stets ihre Angst unter Kontrolle halten will, steuert sie auch alles, was mit Sex und Zärtlichkeit zu tun hat. Letzteres ist verpönt, und bei Ersterem bestimmt sie von A bis Z, was auf welche Weise geschieht. Obwohl die beiden Eheleute seit 23 Jahren verheiratet sind, scheint sie sich immer noch ein wenig vor diesen Intimitäten zu ekeln. Bei ihren Gesprächsrunden an der Uni ist sie jedenfalls viel gelöster.

Doch während der gefährlichen Tage im Wald lernen die beiden, sich auf einen Konsens zu einigen und stoßen zu einem neuen Verständnis füreinander vor. Aarons Wunsch nach ritterlicher Romantik übt einen seelischen Druck auf Janet aus, den sie kaum aushalten kann (übrigens genauso wie bei der weiblichen Hauptfigur in dem „Spenser“-Krimi „Promised Land“ von 1977). Aaron muss akzeptieren, dass Janet genauso knallhart sein kann wie ein Mann: Er ist fähig, viel zu ertragen, doch sie ist fähig durchzuhalten, bis das Ziel erreicht ist.

Die Frage ist also, ob es Janet gelingen wird, sich zu ändern, wenn sich Aaron unter dem Druck der Ereignisse ändert. Er tut das, was er sich in seinen literarischen Hemingway-Fantasien herbeiwünscht: Den harten Kerl markieren und den Gegner ausschalten. Dass er dabei auch wirklich ein anderes Leben auslöschen muss, ist für ihn die härteste und unangenehmste Erkenntnis – über den Lebenskampf und sich selbst. Doch sein Sinn für Romantik wird dadurch erheblich reduziert, was Janet mit Erleichterung aufnimmt. Auf einer neuen Ebene des Verständnisses können sie ihre Ehe, die zuvor auf der Kippe stand, weiterführen.

|In den Wäldern|

Soweit ich bis jetzt bei Parker gelesen habe (an die 40 Romane), ist dies der einzige, der zum großen Teil draußen in der Wildnis spielt – und somit seinem Titel vollauf gerecht wird. Zu meinem Erstaunen gelingt es dem Autor von Krimis, die in Städten spielen, auch die Phänomene, die in der Wildnis zählen, glaubwürdig zu beschreiben und zum Leben zu erwecken. Seine Prosa ist durch kurze, präzise Sätze leicht verständlich, und die Bilder erwachen mühelos wie von alleine im Geist des Lesers.

Sicherlich hätte ein Autor wie Lee Child aus diesen 250 Seiten 600 gemacht und dabei jede Menge Charakterstudien eingeflochten. Doch diese erweisen sich als überflüssig, wenn es darum geht, einen finsteren Gangster und seine Truppe zu beschreiben, sowie ihnen ein einzelnes Ehepaar gegenüberzustellen. Natürlich ist die Story indirekt ein Loblied auf den kompetenten und zum Kampf fähigen Mann, der nicht zuletzt durch körperliche Fitness seinen Gegner zu überwältigen vermag. Aber Janet Newman ist jeden Deut genauso viel wert wie er. Am Schluss sagt er, er hätte den Kampf, der sich über Tage hinzieht, nicht ohne sie bewältigen können: Er kann, wie gesagt, ertragen, doch sie kann bis zum Ende durchhalten.

_Unterm Strich_

Der Autor wollte offenbar einen Actionthriller im großen Outdoors inszenieren. Das ist ihm leider nur halbwegs gelungen, nämlich mit dem Actionteil. Was ich vermisse, ist die Psychologie unter den Gegnern – bis auf Adolph Karl sind sie alle praktisch gesichtslos. Zur Rechtfertigung dieser Freischärler-Action dient dem Autor eine Bedrohung des Ehepaars Newman – er hat zu viel gesehen und soll für immer zum Schweigen gebracht werden.

Newman ist jedoch nicht der Zauderer Hamlet: Er nimmt das Gesetz in die eigenen Hände, besonders angesichts der Tatsache, die Cops abwartend zusehen, was sich entwickelt. Dass die Eheleute mit ihrem Leben kurz auch noch ihre Ehe dabei retten, ist ein schöner Nebeneffekt, der den Leser zufrieden zurücklässt. Den eigenmächtigen Einsatz der Gewalt scheint für Amerikaner selbstverständlich zu sein – für Amazon-Leser ist dieser Thriller eines der besten Bücher des Autors.

Merkwürdig kalt lässt die Newmans jedoch der Mord an Chris, ihrem freundlichen, organisatorisch so begabten Nachbarn und Lebensretter. Das hat mich unangenehm berührt, weil es wirkt, als müsste der Tod von Nebenfiguren billigend in kauf genommen werden. Ironie kommt überhaupt kaum auf, höchstens bei den Cops, und so wirkt die Story bierernst und ein wenig verkrampft.

Überhaupt wirkt die Psychologie der Nebenfiguren so schmalspurig, als hätte der Autor in dieser Hinsicht sein Manuskript um mehr als die Hälfte zusammenstreichen müssen (was mich stark an die Kinofassungen der „Millennium-Trilogie erinnert, die jeweils um eine halbe Stunde gekürzt wurden). Parker hat denn auch die Finger von diesem Sujet gelassen und sich auf Krimis konzentriert.

Das Buch eignet sich für Leser, die wenig Wert auf Psychologie legen und vielmehr einen ordentlichen Actionthriller lesen wollen. Sie werden nicht enttäuscht und werden das Buch in nur wenigen Stunden verschlingen.

|Taschenbuch: 248 Seiten
ISBN-13: 978-0440193289|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com/

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951
[„Ceremony“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6952
[„The Judas Goat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6953

Parker, Robert B. / Chandler, Raymond – Poodle Springs. Ein Philip-Marlowe-Krimi

_Philip Marlowe: harte Schale, romantischer Kern_

Philip Marlowe hat sein neues Büro in Poodle Springs bezogen; sein erster Job lässt nicht lange auf sich warten. Der Nachtclubbesitzer Manny Lipschultz beauftragt ihn, einen risikosüchtigen Zocker zu finden, der sich mit 100.000 Dollar Spielschulden aus dem Staub gemacht hat. Marlowe muss wieder einmal feststellen, dass hinter Glitzerfassaden verdammt schmutzige Dinge vor sich gehen können …

Die Übersetzung „Einsame Klasse“ erschien 1990 bei Knaus als Folge 8 der „Philip Marlowe“-Serie.

_Die Autoren_

|1) Robert B. Parker|

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

|2) Raymond Chandler|

Raymond Thornton Chandler wurde am 23. Juli 1888 in Chicago geboren. Der alkoholsüchtige Vater verließ die Familie, als Raymond sieben Jahre alt war. Die Mutter siedelte mit dem Jungen nach Großbritannien über. Auf dem College beschäftigte er sich vor allem mit Malerei und mit Literatur. Um die Sprachen zu lernen, ging Chandler jeweils für ein Jahr nach Frankreich und nach Deutschland.

1907 nahm Chandler die britische Staatsbürgerschaft an und arbeitete für kurze Zeit beim britischen Naval Stores Branch. Dann verdingte er sich als Reporter für den London Daily Express und die Bristol Western Gazette. Nebenbei veröffentlichte er mehrere Gedichte und seine erste Erzählung. 1912 kehrte er in die USA zurück und schlug sich in Los Angeles mit den unterschiedlichsten Jobs durch. In Abendkursen eignete sich Chandler Buchhaltung und Rechnungswesen an.

1917 meldete Chandler sich zur kanadischen Armee. Er machte eine Ausbildung bei der Luftwaffe, doch kurz vor dem Abschluss seines Trainings war der Krieg in Europa vorbei. Chandler kehrte nach Los Angeles zurück und wurde Buchhalter einer Molkerei. 1922 übernahm er den Posten des Buchhalters in einer Öl-Firma und stieg binnen kurzer Zeit zum Vize-Präsidenten auf. Zwei Jahre später heiratete er Cissy Pascal, die fast 18 Jahre älter war als er selbst.

1932 verlor Chandler seinen Posten, weil er zu viel trank und häufig krankfeierte. Von nun an widmete sich Raymond Chandler ganz dem Schreiben. Er arbeitete fünf Monate an einer Erzählung, die er schließlich dem Magazin „Black Mask“ verkaufte: 1933 erschien Chandlers erste Kriminalgeschichte. In seiner vierten Geschichte „Killer in the Rain“ tritt zum ersten Mal Philip Marlowe auf, der zum Prototypen des amerikanischen Detektivs wird. 1939 erschien Chandlers erster Roman. Seine Romane entstanden aus dem Zusammenfügen und Verdichten mehrerer Geschichten.

Anfang der vierziger Jahre begann Chandlers Kontakt mit Hollywood. Es gelang ihm, die Film-Rechte an seinen ersten Romanen zu verkaufen. Billy Wilder überredete ihn 1943, gemeinsam ein Drehbuch des Romans „Double Indemnity“ von James M. Cain zu schreiben. Für sein Script zu „The Blue Dahlia“ wurde Chandler für den Oscar nominiert.

Chandlers Frau Cissy verstarb im Dezember 1954 nach langer, schwerer Krankheit. Ihr Tod warf Chandler aus der Bahn. Er verfiel dem Alkohol und unternahm einen Selbstmordversuch. Chandler reiste viel, auch nach Europa.

Raymond Chandler starb am 26. März 1959 in LaJolla, Kalifornien.

|Krimis von Raymond Chandler: |

|Philip Marlow|-Reihe:
(1939) „Der große Schlaf“ („The Big Sleep“)
(1940) „Lebwohl, mein Liebling“ („Farewell, My Lovely“)
(1942) „Das hohe Fenster“ („The High Window“)
(1943) „Die Tote im See“ („The Lady in the Lake“)
(1949) „Die kleine Schwester“ („The Little Sister“)
(1953) „Der lange Abschied“ („The Long Good-bye“)
(1958) „Playback“ („Playback“)
(1989) „Einsame Klasse“ (vollendet von Robert B. Parker) („Poodle Springs“)
(1991) „Tote träumen nicht“ (Fortsetzung zu „Der große Schlaf“ von Robert B. Parker) („Perchance to dream“)

|Handlung|

Da Philip Marlowe seit einigen wenigen Monaten mit der Millionenerbin Linda Potter verheiratet ist, muss er zu ihr in das Reichenparadies Poodle Springs ziehen, das mitten in der kalifornischen Wüste liegt. Marlowe hat allerdings weder für Nobelvillen was übrig noch will er von den Millionen seines Schwiegervaters abhängig sein. Deshalb eröffnet er sein neues Büro Downtown.

Als er sich mit den örtlichen Bullen bekanntmacht, haut ihn sein erster Kunde an: Manny Lipshultz, der Betreiber eines halbseidenen Kasinos namens Argosy Club, sucht einen Mann. Lester Valentine hat noch 100.000 Dollar Spielschulden bei ihm, weil sein Scheck platzte. Und nun will Mannys Chef Blackstone, Lesters Schwiegervater, die Schulden eintreiben – mit blauen Bohnen. Na, das sind ja feine Verwandtschaftsverhältnisse.

Nun ist Les Valentine spurlos verschwunden, und Marlowe soll ihn suchen. Er schlägt sogar die zehnprozentige Beteiligung an dem geplatzten Scheck aus. Marlowe weiß: Zehn Prozent von nichts sind verdammt wenig. Er bekommt seinen Tagessatz von 100 Dollar plus Spesen. Die ersten Hinweise erweisen sich als Flops. Nachdem er bei Valentines Strohwitwe Muffy Valentine eingebrochen ist, hat er jedoch seinen ersten Hinweis: eine Adresse in Los Angeles, eruierbar durch einen Strafzettel für Falschparken.

Sie gehört einem „Porträt und Industrie-Photographen“ namens Larry Victor. Kann dies ein Zufall sein? Die Adresse bei Valentines Witwe passt zu einem Mann mit Valentines Initialen. Marlowe bricht wieder ein und stößt auf Pornofotos sowie auf das Foto eines Starlets, das sich ihm erst tags zuvor im Evaskostüm präsentiert hat. Kaum hat er dieses Foto an sich genommen und die Pornobilder an ihren Platz zurückgetan, als auch schon der Bürobesitzer eintritt. Doch Marlowe rauszuschmeißen, bietet er ihm einen Drink an. Etwas ungewöhnlich, findet der Schnüffler. Natürlich leugnet Victor, diesen Valentine zu kennen.

Er beschattet den Fotografen. In einer Bar trifft der Typ eine Blondine, die ihm weiteres Pornozeug anbietet. Danach fährt Victor nach Venice in ein nettes Haus, wo ihn bereits eine schwarzhaarige Schönheit namens Angel erwartet. Ihr Namen stehen auf dem Briefkasten. Schau an: Der Mann ist zweimal verheiratet und führt ein Doppelleben. Aber warum wissen seine andere Frau oder deren Vater nichts davon? Und warum erzählt Marlowe nichts davon seinem Auftraggeber, wundert sich Linda.

Als Marlowe am nächsten Tag Larry Victor erneut in dessen Büro aufsuchen will, ist die Tür offen und die Blondine vom Tag zuvor sitzt im Chefsessel – mit einem hässlichen Loch in der Stirn. Marlow ahnt, dass sich die angenehmen Verhältnisse, in denen Larry Victor alias Lester Valentine sein Doppelleben führt, rapide ihrem Ende nähern. Vor allem dann, wenn Muriel Blackstone mächtiger und reicher Vater Clayton von Larrys anderer Frau erfahren sollte.

Und diese ist es, die es in Marlowes Augen verdient, beschützt zu werden. Eine Aufgabe, die sich als zunehmend schwieriger erweist. Denn es bleibt nicht bei der ersten Leiche…

_Mein Eindruck_

Ich hatte mir Chandler immer als schwierig und ungeheuer abgebrüht vorgestellt. Das muss wohl an den Filmen der schwarzen Serie liegen, die keinerlei Hoffnung aufkommen ließen. Doch Robert B. Parker ist, wie ich vielfach feststellen durfte, ein Autor, der seinen Figuren immer viel Raum für Hoffnung lässt – selbst dann, wenn es für sie manchmal zappenduster aussieht. Also freute ich mich schon auf die Lektüre.

Die ersten vier Kapitel stammen von Chandler, die restlichen 37 von Parker. Der Übergang ist sanft, aber merklich. Auf einmal herrscht nicht mehr sparsamer Dialog vor, nein, jetzt dürfen auch ausführliche Orts- und Personenbeschreibungen vorkommen. Dennoch bleiben die Dialoge zwischen Marlowe und seinen männlichen Gegenübern stets von seinem trockenem Humor gekennzeichnet. Den finden die Cops in der Regel überhaupt nicht lustig, und die Gauner noch weniger.

Der Marlowe Parkers ist zwar nicht gerade mit dem abgebrühten Gentleman zu vergleichen, den Humphrey Bogart dargestellt hat, aber auch kein muskelbepackter Schlägertyp wie Spenser. Beide haben jedoch eines gemeinsam: Sie leben – wie die Ritter von anno dunnemals – nach einem Code, nach eigenen Regeln, und wenn man sie nicht lässt, dann verschwinden sie. Das sagt Marlowe zu seiner Noch-Ehefrau Linda, die damit überhaupt nicht zurechtkommt, dass ihr Gatte nicht so pflegeleicht und häuslich ist wie die Männer ihrer Freundinnen. Die Ehe wird freundschaftlich beendet, doch eines bleibt: die Liebe. Denn beide sind Romantiker.

Auch Parkers Marlowe versteht sein Handwerk auf dem Effeff, und so kommt er nicht nur Lester Valentines Bigamie und Doppelleben auf die Spur, sondern auch den diversen Morden. Die Cops finden es natürlich nicht koscher, dass dieser Privatschnüffler sie immer von dort anruft, wo die jeweils neueste Leiche zu finden ist. Eigentlich sollte es andersrum sein. Um ihn zum Reden zu bringen, stecken sie ihn eine Nacht in den Knast. Die arme Linda ist entsetzt. Was werden ihre Freundinnen sagen!

Was ist es bloß, das das Verhältnis zwischen Vätern und Töchtern in den „Marlowe“-Krimis so interessant und labil macht? Muriel Valentine wird von ihrem Vater, dem zwielichtigen Tycoon Clayton Blackstone, nicht bloß verwöhnt, sondern geradezu fürsorglich erdrückt. Das hat natürlich böse psychologische Folgen für Muriel. Schon im Teenageralter muss sie über die Stränge geschlagen haben, erfährt Marlowe, machte Nacktfotos von sich, und als sie aus dem europäischen Urlaub zurückkehrte, stellte sie Daddy vor vollendete Tatsachen: Sie hatte eben jenen Porno-Fotografen geheiratet: Lester Valentine.

Alias Larry Victor alias Schlenker. Dieser Spielertyp ist, wie Marlowe erkennt, ein wenig wie er. Er spielt, um das Risiko zu verlieren als Nervenkitzel genießen zu können. Leider setzt Larry alias Les stets auf die falschen Chancen und verliert, so etwa bei Manny Lipshultz. Doch diesmal zahlt seine Frau Muriel nicht die Zeche, sondern lässt den Scheck platzen – Pech für Lester.

Diese Story ist zwar wenig plausibel, aber wenigstens nachvollziehbar (kaum jemand würde es wagen, den Plot von „The Big Sleep“ / „Tote schlafen fest“ als nachvollziehbar zu bezeichnen). Die Stringenz steht eh nicht im Vordergrund, sondern vielmehr scheint es, als wolle der Autor bemerkenswerte Szenen aneinanderreihen – sicherlich eine Hauptaufgabe der Unterhaltungsliteratur.

Eine der besten Szenen ist Marlowes Begegnung mit einer betrunkenen Hure in einer Bar. Er will sie als Informantin aushorchen und füllt sie ab. In Nullkommanix ist die verblühte Lady betütert. Doch dann tanzen sie miteinander, und dieser Moment hat so viel Wehmut in sich, dass er im Gedächtnis bleibt. Mit seltener Sanftheit bettet Marlowe die Besinnungslose auf eine Lederbank in der Bar und sorgt dafür, dass es ihr gut geht. Also doch ein Gentleman? Nein, lediglich ein Romantiker.

Und das ist auch der Grund, warum die Ehe mit Linda zwar enden mag, nicht jedoch ihre gegenseitige Liebe zueinander. Im Schlusskapitel geben sie einander Hoffnung und der Liebe ein Fest.

_Unterm Strich_

Dieser Krimi ist mit den „Spenser“-Romanen kaum zu vergleichen, was Action, Drama und Sex angeht. Marlowe, der olle Pfeifenkopf, kann auch nicht kochen wie sein Bostoner Kollege. Er schlägt sich nicht, nimmt keine Gangster hoch, befreit keine Jungfrauen und vieles mehr. Doch dafür macht er einen guten Job, als er den Bigamisten findet und ihn nicht an Cops oder Gangster ausliefert. Ein Fehler möglicherweise, aber ein feiner Zug. Am Schluss soll wenigstens ein Pärchen überleben, beschließt er.

Der Fall plätschert im Spannungsnetz von Porno-Fotografen, Bigamisten, scharfen Fotomodellen und Halbwelt-Tycoons so vor sich hin, bis sich ganz unverhofft doch noch eine Lösung einstellt. Leider ist es eine ziemlich blutige. Aber damit ist die Bedrohung für das Glück des Pärchens beseitigt, was den alten Romantiker Marlowe zufriedenstellt.

Krimikenner dürften schon lange vor dem Finale herausgeknobelt haben, wer die Leichen auf dem Gewissen hat. Auch mir sind ein paar Klischees zu viel hineingewoben, so etwa das unheilvolle Verhältnis zwischen Vater und Tochter (man denke auch an „Chinatown“). Aber Hauptsache, Parker bringt die vom Meister angefangene Geschichte sauber zu Ende – und mit wesentlich mehr Anlass zur Hoffnung.

|Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN-13: 978-0425123430|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
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Parker, Robert B. – Looking for Rachel Wallace – Ein Spenser-Krimi

_Viele heiße Eisen: Entführung einer lesbischen Feministin _

Rachel Wallace ist eine militante Feministin. Ihr neuestes Buch schlägt wie eine Bombe ein, denn es prangert Missstände in der Gleichberechtigung an und nennt die dafür Verantwortlichen beim Namen. Als ihr anonyme Anrufer mit Mord drohen, engagiert Rachels Verlag den Privatdetektiv Spenser als ihren Bodyguard. Doch auch Rachel ist explosiv. Im falschen Moment geht sie vor Wut hoch und entlässt Spenser. Darauf haben ihre Feinde nur gewartet. Jetzt haben sie freie Bahn.

Deutsche Übersetzungstitel: „Bodyguard für eine Bombe“, 1981 bei Ullstein.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die radikalfeministische Autorin Rachel Wallace hat wegen ihres neuen Buches „Tyranny“ ernstzunehmende Drohungen von Unbekannt bekommen. Sie prangert darin nämlich eklatante Fälle von Ungleichbehandlung von Frauen im Allgemeinen und von homosexuellen Frauen im Besonderen an. Ihr Verlag und dessen Lektor engagieren Privatdetektiv Spenser, um Rachel vor Angriffen zu schützen.

|Attacken|

Das erweist sich auch bald als nötig. Als sie in einer Bostoner Bibliothek einen Vortrag halten will, versperren Demonstranten den Zugang. Mit Hilfe von ein, zwei Polizisten und einem Fausthieb Spenser ist der Weg schnell freigeschafft, auch wenn Rachel in keinster Weise den „unfriedlichen Einsatz männlicher Gewaltbereitschaft“ unterstützt. Spenser aber merkt sich ein Gesicht unter den Demonstranten. Er wird es wiedersehen.

In einer Buchhandlung, wo sie signiert, wird Rachel mit einer Torte beworfen, doch Spenser schaltet die beiden Studenten sofort aus. Auch das gegen Rachel gegen den Strich. Abends zieht sie sich mit ihrer lesbischen Freundin Julia Wells auf ihr Hotelzimmer im „Ritz“ zurück. Spenser kooperiert mit dem Hotelsicherheitschef, damit ihr nichts passiert. Wenn schon, denn schon.

Als sie von einem anderen Termin zurückkehren, muss Spenser, der Fahrer, schnellstens reagieren: Zwei Autos wollen ihn einklemmen und rammen! Rachel muss sich auf dem Boden ganz klein machen. Puh, Schwein gehabt, nix passiert. Als der schlagkräftige Spenser die Cafeteria einer Versicherungsgesellschaft zerlegt und somit ein weiteres Mal „überreagiert“, feuert sie ihn kurzerhand. Wenige Tage später ruft ihn der Verlag erneut an: Rachel Wallace ist spurlos verschwunden.

|Die Suche|

Nun fühlt sich Spenser in seiner Berufsehre angegriffen. Dass Rachel eine Zicke ist, ist ihr gutes Recht – siehe den Verfassungsartikel über die freie Meinungsäußerung. Aber dass sie wegen dieser Meinung mundtot gemacht werden soll, geht ihm heftig gegen den Strich. Allerdings macht er einen verhängnisvollen Fehler: Gegenüber Kripochef Martin Quirk erwähnt er Julie Wells nicht. Aus Pietät und Feingefühl?

Spenser sucht im Ku Klux Klan ebenso nach Frauenfeinden wie unter jenen Demonstranten vor der Bibliotheken. Unter Letzteren stößt er auf ein ganzes Netzwerk von konservativen Aktivisten und Kommunistenhassern, die über all ihre Finger drin und Kontakte in einflussreichen Kreisen haben: viel Geld und nichts zu tun. Als aber die wahre Identität von Julie Wells zum Vorschein kommt, könnte sich Spenser glatt in den Hintern beißen – hat er etwa eine Wölfin zu seinem Schäfchen gelassen?

_Mein Eindruck_

Der Mittelteil des Romans folgt dem üblichen Muster einer Ermittlung à la Spenser: Sie geht in alle Richtungen und wirkt daher ein wenig ziellos. Das liegt allerdings in der Natur der Sache. Aus den Hinweisen ergibt sich ein schwerer Verdacht, dem Spenser natürlich nachgehen muss. Der Haken dabei: Die mutmaßlichen Entführer sind eine sehr einflussreiche Familie plus ihr schießwütiger Gorilla, mit dem Spenser bereits Bekanntschaft gemacht hat.

Doch mit der Hilfe von Julia Wells, die völlig verängstigt ist und um ihre Geliebte Rachel bangt, erhält Spenser eine exzellente Ortsbeschreibung. Doch das Schicksal scheint sich gegen ihn verschworen zu haben – der zweite Haken: Ein regelrechter Blizzard legt jeglichen Verkehr in und um Boston lahm. Doch im Koreakrieg hat der Privatdetektiv gelernt, wie man lange Fußmärsche von mehreren Meilen bewältigt – und auch den schlimmsten Schneesturm übersteht. Nach einer kuscheligen Nacht mit seiner sexy Freundin Susan Silverman kann’s gestärkt an Leib und Seele losgehen. Sollte er nicht mehr lebend zurückkehren, so seine letzte Bitte, werde sich sein Kumpel Hawk um sie kümmern.

|Eine Ritterfigur|

Susan ist es auch, die mehrmals betont, dass Spenser sich wie ein Ritter verhalte, der wehrlosen Opfern beistehen müsse, weil es sein Ehrenkodex verlangt. Susan nennt ihn „Lancelot“, und Rachel lacht natürlich verächtlich über solche Klischees der Männlichkeit. Doch als sie und Julie Wells sich ohne jede Hilfe einer Welt gegenübersehen, die lesbische Frauen, aus ganzem Herzen ablehnen, ja, sogar verabscheuen, da gibt es nur noch einen, an den sie sich wenden können: Eben Spenser.

|Heiße Eisen|

Wieder mal packt der Autor mehrere Eisen an, die anno 1980, als Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt wurde und das konservative Amerika die Oberhand (zurück-) gewann, ziemlich heiß waren: Homosexualität, Feminismus und arbeitsrechtliche Gleichberechtigung und Gleichstellung bei den Löhnen und Aufstiegschancen.

Tatsächlich sind hierzulande (und in USA) gerade mal Feministinnen und Homosexuelle akzeptiert worden, aber bei den wirtschaftlichen Bedingungen hinken die Deutschen zahlreichen anderen Ländern in Europa weit hinterher. Frauen bekommen im Schnitt 25% weniger lohnen, und von einer Frauenquote können die meisten Betriebe hierzulande nur träumen.

|Der Ritter weint|

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal bei Parker lesen würde, dass Spenser weint. Das tut er aber, als er Rachel endlich findet und aus ihrem Gefängnis befreit. Weint er vor Erleichterung – oder aus Mitgefühl? Wir erfahren es nicht. Aber der Eindruck, den seine Tränen bei Rachel hinterlassen, ist sehr tief.

Bevor Spenser jedoch mit Rachel abhauen kann, muss er noch ihre Entführer überwinden. Ein explosiver Showdown ist die Konsequenz dieser Auseinandersetzung. Tatsächlich stellt sich jetzt heraus, dass die Entführung einen sehr persönlichen Hintergrund hat: Rachel soll für die „moralische und sittliche Verderbnis“, die sie über Julie Wells gebracht habe, büßen. Dass ihre Entführer sie als Zeugin nicht am Leben lassen können, ist ihr leider nur allzu klar.

Zu seinem Erstaunen findet Spenser in einem der eintreffenden Polizisten einen jungen Mann (war beim Militär), der ebenfalls das Opfer Rachel über die Belange der Bürokratie und Hierarchie stellt – er fährt Spenser und Rachel nach Hause, wo schon Susan wartet. Solche Selbstlosigkeit ist sicherlich rar.

_Unterm Strich_

Nach dem absehbaren Aufeinandertreffen der extrem unterschiedlichen Ansichten von Spenser und der Feministin kommt nach ihrem Verschwinden erst der Fall so richtig in Gang. Wo sind Rachel und ihre rätselhafte Geliebte abgeblieben? Dass das friedliche Boston, das „Athen Amerikas“, über eine rege Ku-Klux-Klan-Gemeinde ebenso verfügt wie über erzkonservative Kommunisten- und Feministenfresser, hätte Spenser – und wir erst recht – nicht ohne Weiteres erwartet.

Doch Spenser lässt sich davon nicht abbringen, denn er sieht es als seine Pflicht an, die Scharte, die er durch seine Vernachlässigung Rachels verursacht hat, wieder auszuwetzen. Folglich lässt er nichts unversucht und schüttelt eine ganze Menge Köpfe, ob nicht doch ein Hinweis herausfällt, wo sich Rachel aufhält. Spenser Fäuste fliegen immer wieder recht wirkungsvoll, und nur einmal muss er eine Niederlage einstecken. Der gewalttätige Höhepunkt des Buches und die emotionalen Szenen danach haben mich mit diesem konventionellen und ziellos wirkenden Mittelteil vollauf versöhnt.

|Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN-13: 978-0440153160|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
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[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
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Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
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6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
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Parker, Robert B. – The Judas Goat – Ein Spenser-Krimi

_Terroristenhatz: in 40 Tagen bis zur Olympiade_

Der Millionär sitzt im Rollstuhl, verkrüppelt und verbittert. Vor einem Jahr wurden seine Frau und seine beiden Töchter bei einem Sprengstoffanschlag in einem Londoner Restaurant getötet, er selbst schwer verletzt. Nun will er Rache nehmen, und Spenser soll sie an seiner Statt nehmen. „Finden Sie die Mörder. Ich zahle Ihnen einen guten Preis“, sagt er. Doch bald ist Spenser dem eigenen Tod näher als dem Kopfgeld …

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Kopfpreis für neun Mörder“ (erstmals 1980 bei Ullstein).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser wird zu der noblen Hütte des Millionärs Hugh Dixon gerufen. Der international tätige Unternehmenschef sitzt im Rollstuhl, eine Katze auf dem Schoß. Vor einem Jahr wurden seine Frau und seine beiden Töchter bei einem Sprengstoffanschlag in einem Londoner Restaurant getötet, er selbst schwer verletzt. Doch die Londoner Polizei hat die neun Mörder – acht Männer und eine Frau – immer noch nicht gefunden. Nun soll Spenser sie ausfindig machen, für ein Kopfgeld von 2500 Dollar pro Nase bzw. 25.000 Dollar für alle. Solch einen Batzen Geld kann Spenser, dessen Konto gerade Ebbe aufweist, gut gebrauchen. Mit sämtlichen Unterlagen und einem dicken Scheck in der Tasche fliegt er nach London.

Dixon hat alle Täter genau gesehen. Zusammen mit der Polizei von London konnte er Täterbeschreibungen und Phantombilder anfertigen. Diese prägt sich Spenser nun als erstes ein. Er verabschiedet sich sehr emotionsreich von seiner Freundin Susan Silverman: Er spielt John Wayne und sie Miss Kitty wie im Film: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“, knurrt er, dann lachen sie.

Es verwundert ihn nicht, dass er zwar in London bestens empfangen und unterstützt wird, aber die Polizei keinerlei Hinweise auf die Identität der Einzeltäter geben kann. „Es handelt sich um eine neue Terrorgruppe, die sich Liberty nennt und erzkonservative Werte vertritt: Kommunistenhasser und Rassisten“, erklärt Inspector Downes von der Kripo. Spenser gibt einfach eine Anzeige in der „Times“ auf. Schon einen Tag später hat er eine Einladung zu einem Treffen in seinem Hotelpostfach: offensichtlich eine Falle.

Doch er ist überrascht, dass die Terroristen zweigleisig fahren. Das Treffen soll ihn in Sicherheit wiegen, während sich zuvor zwei Attentäter in seinem Hotelzimmer auf die Lauer gelegt haben. Und sie sind keineswegs die letzten Kontrahenten, die Spenser ausschalten muss. Inspector Downes fragt sich nach drei Toten, ob es so eine gute Idee war, einen solchen Kopfgeldjäger in sein friedliches Städtchen London gelassen zu haben.

Das juckt Spenser nicht: Nachdem er das treffen hat platzen lassen, beschattet er die Frau, die ihn treffen wollte – die einzige Lady unter acht (inzwischen nur noch fünf) Männern. Katherine Caldwell (Name wohl gefälscht) lebt in einem völlig weißen Apartment, in das der Detektiv sofort einbricht. Alles sieht proper aus – bis er auf die Seiden-Dessous stößt und danach auf die gefälschten Pässe und vier 22er-Pistolen, wie sie die Angreifer verwendeten. Höchste Zeit, das alte Mädchen Katie nervös zu machen.

Aber für dieses Vorgehen muss ihm jemand den Rücken freihalten. Er ruft Hawk zu Hilfe, gegen Honorar, versteht sich. Zusammen beschatten sie Katie-Mausi so offensichtlich, bis diese plötzlich nach Kopenhagen verschwindet. Ihr zu folgen, ist für Hawk ein Klacks. Nun muss sich Spenser als Köder anbieten, während sich Hawk wie stets im Hintergrund hält.

Als sich ihm drei Bewaffnete nähern, fragt sich Spenser, ob er diesmal den Kopf der Bande kennenlernen wird. Und wenn ja, ob der ihn lange genug am Leben lässt, bis Hawk ihn retten kann …

_Mein Eindruck_

Nächste Station ist Amsterdam, wo der Anführer verschwindet und seine „Gangsterbraut“ Kathie zurücklässt. Sie ist die „Judas-Ziege“ des Originaltitels, der Verräter, der die anderen normalerweise ans Messer liefert. Das war von vornherein Spensers Plan. Und auch diesmal hat er Glück: Sie liefert ihm in höchster Angst vor Hawk, dem „grässlichen schwarzen Mann“, einen Hinweis, der alle drei nach Montreal führt.

Denn in der kanadischen Metropole finden gerade die Olympischen Spiele statt, und der Terroristenanführer will unbedingt daran teilnehmen. Allerdings nicht allein, sondern mit einem extrem starken Leibwächter, der ebenso die Kommunisten hasst wie die Schwarzen. Und dreimal darf man raten, was ein Terrorist bei der Olympiade vorhat: einen Anschlag. Können Spenser und Hawk den Tod eines Athleten oder gar noch Schlimmeres verhindern?

Wie man sieht, nimmt sich der Autor in diesem Actionthriller eines (leider) immer noch aktuellen Themas an, nämlich des internationalen Terrorismus‘. Das macht das Buch auch heute noch interessant, ebenso die Frage der Security. Aber Terroristenhatz ist für Spenser kein Selbstzweck, kein Sport. Vielmehr fühlt er sich selbst entfremdet und braucht danach immer ein Rendezvous mit Susan Silverman, um wieder zu sich selbst zu finden.

Susan steht in krassem Gegensatz zu Kathie, dem Terroristenliebchen. Kathie ist eine Masochistin, die in Misshandlung und Demütigung ihre sexuelle Erfüllung findet. Als sie sich Spenser nicht nur anbietet, sondern sogar aufdrängt, gerät er in eine peinliche Lage. Offensichtlich ist diese Frau schwer emotional gestört und somit abstoßend für ihn. Das ist das kleinere Problem. Das größere besteht darin, Susan treu zu sein. Ach, der Versuchungen sind gar viele. Hawk hat dieses Problem nicht und wird daher auch nicht von Kathie als Schlappschwanz betrachtet … Dennoch revanchiert sich Spenser für Kathies Hilfe und lässt sie laufen.

Dass solche Psychopathen wie Kathie und ihr Lover in der Terroristenszene agieren, wirft natürlich ein negatives Licht auf die Akteure. Sie scheinen alle nicht ganz zurechnungsfähig zu sein. Wie sonst könnten sie planen, eine ganze Familie mit einer Bombe auszulöschen oder einen Goldmedaillengewinner vor aller Augen zu erschießen? Merke: Dies ist kein Thriller von John le Carré.

Das Finale zieht sich über mehr als 20 Seiten hin und belohnt den Actionfreund für seine Geduld mit einem waffenlosen Fight der beiden Detektive Spenser und Hawk gegen den riesenhaften Leibwächter. Zachary hat mich stark an Ronald Niederman aus dem zweiten und dritten Teil der „Millennium“-Trilogie von Stieg Larsson erinnert. (Larsson hat sich ja aus so mancher Quelle bedient.) Dementsprechend schwer tun sich die Guten, den bärenhaften Bösen aus Russland zu Fall zu bringen. Es ist notwendig, denn wer weiß, was er anrichten könnte, sollte er entkommen. Und er ist ein wichtiger Zeuge.

_Unterm Strich_

Auch diesen Thriller habe ich in nur wenigen Stunden verschlungen. Die 200 Seiten sind mit viel Action sowie einer Menge netter als auch bizarrer Erotik gefüllt. Es schadet dem europäischen Leser keineswegs, dass ihn der amerikanische Autor an drei europäische Schauplätze entführt: das großartige England Shakespeares, das Spenser so liebt, das fast ebenso großartige Kopenhagen, „Paris des Nordens“, und schließlich nach Amsterdam, das wirklich sehr seltsam wirkt – mit seinen Pornoshops, den Hippies und Backpackern, seiner Toleranz und seinen reichen Kunstmuseen. (Weder von Kiffern noch Huren ist die Rede, aber der Autor darf beides als existent und bekannt voraussetzen.)

Von den 40 bisher gelesenen Krimis ist dies der einzige (bislang), in dem es ganz klar nur um Terroristen geht. Und diese Typen stecken auch nicht, wie so oft bei Chandler und dem späten Parker, mit dem Auftraggeber des Detektivs unter eine Decke. Die Fronten sind halbwegs klar, bis auf die kleine Ausnahme mit der titelgebenden „Verräterziege“ Kathie Caldwell, die die Fronten wechselt. Wer auf Action, Fights, Erotik und Spannung steht, ist mit diesem Thriller genau richtig bedient. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.

|Taschenbuch: 203 Seiten
ISBN-13: 978-0440141969|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
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[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
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5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
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5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
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[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
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[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
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Parker, Robert B. – Ceremony – Ein Spenser-Krimi

_Actionreich: Der Widerspenstigen Rettung_

Statt zur Schule geht die junge April Kyle lieber auf den Strich. Der Vater hat das Mädchen längst abgeschrieben. Doch die Mutter bittet Privatdetektiv Spenser um Hilfe: In der Combat Zone, Bostons Sex-Hölle, verbringt der Detektiv einige der härtesten Tage seines Lebens.

Eine Hure sei seine Tochter, nichtsnutzig und verkommen, sagt der Vater. Für die Mutter allerdings stellt sich die Sache nicht so einfach dar. Deshalb bittet sie Privatdetektiv Spenser um Hilfe, als die junge April Kyle im Bostoner Rotlichtbezirk verschwindet. Gegen den Willen des Vaters, versucht Spenser das Mädchen zu finden. Doch als er April aufgespürt hat, beginnt das eigentliche Problem erst. Denn was soll Spenser mit einem Mädchen anfangen, dessen einzige Fähigkeiten in der Horizontalen liegen?

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Einen Dollar für die Unschuld“ (1983 bei Ullstein).

Der Originaltitel beruht auf einem Zitat von William Butler Yeats über die Wiederkehr des Heilands. Die Zeilen betreffen die „ceremony of innocence“, die durch Blutvergießen beendet wird.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Seine Freundin Susan Silverman, die Vertrauenslehrerin in der Bildungsorganisation von Massachusetts ist, bittet Privatdetektiv Spenser, nach der Ausreißerin April Kyle zu suchen. Allerdings ist Spenser erstaunt über die rüde Art, wie Aprils Vater, ein wohlhabender Versicherungskaufmann, seine Tochter abgeschrieben hat und sie keinesfalls zurückhaben will. Das gilt aber nicht für Mrs. Kyle, die ihre Tochter vermisst und sich um sie sorgt. Für einen symbolischen Dollar übernimmt Spenser den Auftrag, vor allem aus Trotz gegenüber dem Rabenvater.

April ist nicht die einzige Schülerin in Smithfield, die die Schule abgebrochen hat und untergetaucht ist. Auch ihre Freundin Amy Gurwitz entschied sich für diesen Weg. Doch Amy ist viel leichter zu finden: Sie wohnt zentral in Boston bei einem dicken Mann, dem das Haus gehört. Spenser wartet, bis er Amy allein sprechen kann. Die Sechzehnjährige spielt die perfekte Gastgeberin und erteilt keinerlei Auskünfte.

Als bleibt Spenser nichts anderes übrig, als im Rotlichtbezirk von Boston nach April Ausschau zu halten. Er kreuzt den Weg von mehr als einem Zuhälter und muss sich Hawk als Schützenhilfe holen. Es stellt sich heraus, dass alle Huren und Zuhälter von Tony Marcus beherrscht werden, einem schwarzen Gangster, und dieser warnt via Hawk eindringlich davor, weiter nach der jungen Hure zu suchen. Warum? Was soll an einer x-beliebigen jungen weißen Nutte so Besonderes sein, würde Spenser gerne mal wissen.

Durch einen Tipp von einer der Prostituierten weiß Spenser, dass April strafversetzt wurde. In Providence, Rhode Island, muss sie nun die perverseren Gelüste ihrer Kunden befriedigen. Doch sie als Freier zu befreien, ist nur die halbe Arbeit. Sie entschlüpft ihm auf der Rückfahrt nach Boston mit einem simplen Trick. Es ist aber klar, wo sie wieder auftauchen wird: bei Amy Gurwitz.

Tatsächlich braucht sich Spenser vor jenem vornehmen Haus nur auf die Lauer zu legen. Am Tag vor dem Erntedankfest sieht er Amy und den Dicken davonfahren – der Weg für einen entschlossenen Einbrecher ist frei. Innen sieht alles sehr proper aus, allerdings nur, bis Spenser in den dritten Stock gelangt: Dort ist ein komplettes Fotostudio eingerichtet. Massen von Pornomaterial liegen herum. Auch die Position des Hausherrn wird Spenser deutlich: Es ist Susans zweitoberster Boss. Das dürfte sie interessieren.

Am nächsten Tag taucht April auf und zieht bei Amy und Mitchell Poitras ein. Spenser berät mit Susan, was sie unternehmen sollen. Sie hat inzwischen herausgefunden, was für ein schmutziges Spiel Poitras treibt und will April und Amy unbedingt herausholen. Leichter gesagt als getan. Die beiden Mädchen weigern sich, Poitras zu verlassen. Kein Wunder: Sie wollen weder nach Hause noch in den Rotlichtbezirk.

Die selbsternannten Retter müssen sich also eine gute Lösung des Problems einfallen lassen, bevor sie Poitras hochnehmen und dem Schicksal von April und Amy eine andere Richtung geben können. Aber zuvor müssen sie mit dem mächtigen Beschützer von Poitras reden …

_Mein Eindruck_

In der ersten Hälfte des Buches begeben sich Spenser und Hawk in eine Kampfzone: den Rotlichtbezirk von Boston. In den frühen achtziger Jahren sahen diese Sperrbezirke noch ganz anders aus als heute: grell beleuchtet, voller Schmuddelware, umstellt von Straßenprostituierten, die wiederum von knallharten Zuhältern ausgebeutet und „beschützt“ wurden.

Damit er hier überhaupt etwas erfahren kann, muss Spenser schon mal den einen oder anderen „pimp“ außer Gefecht setzen. Dabei setzt er letzten Endes sein Leben aufs Spiel, wie Hawk ihm verklickert. Und für was dies alles? Für einen lumpigen Dollar oder für ein Menschenleben? Offensichtlich ist er also ein Idealist.

|Sozialkritik|

Andererseits kann man sich fragen, welche Perspektiven eine Sechzehnjährige, die von ihrem Vater verstoßen wird, aber von einem anderen Kerl hofiert wird, wählen würde. Der Haken dabei: Der nette Kerl ist ein Charakterschwein, das Pornofilme dreht. Hier liegt der Hund begraben bzw. die zentrale Kritik des Autors an den Missständen in Boston: Dass ein hoher Beamter des Bildungsministeriums seine von allen Schulberatern des Landes über Problemschüler ihm zugetragenen Informationen dazu missbraucht, weiße Mädchen zu Huren zu machen (und Jungs, für die entsprechende Kundschaft). Dass er und seine Kunden bei der Ausbeutung der ungebildeten, wehrlosen Mädchen einen riesigen Reibach machen, versteht sich von selbst.

|Ungewöhnliche Lösung |

Doch was mit April Kyle passieren soll, sobald sie aus den Klauen ihres „netten Kerls“ befreit worden ist, ist eine schwierig zu beantwortende Frage. April will nicht zu ihren Eltern zurück – eh klar. Die Alternative dazu besteht in intensiver Beratung für Eltern und Kind – die Aussichten sind minimal, wenn man an den wütenden Vater denkt. April hat keinen Schulabschluss, und das Einzige, wovon sie etwas versteht, ist das Ficken, wie sie sagt. Als sich Spenser an einen Auftrag von vor sieben Jahren erinnert („Mortal Stakes“, Spenser Nr. 3), fällt ihm auch die Frau ein, die das Problem lösen könnte: Ms Patricia Utley, die Leiterin eines Callgirlrings.

|Die „April Kyle“-Trilogie|

Dies ist der erste „Spenser“-Roman, den Parker über April Kyle schrieb. Es folgten noch „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred-Dollar Baby“, in dem April jenes traurige Ende nimmt, das Susan Silverman ihr vorhergesagt hat. Spenser behandelt April stets mit Respekt für ihre Wünsche, lässt ihr stets die Wahlfreiheit hinsichtlich ihrer eigenen Zukunft. Das findet keineswegs die Zustimmung Susan Silvermans, die lieber auf die Hilfen setzen würden, die sie selbst vertritt: also Schulberatung, Vertrauenslehrer usw. Zur Not sogar Waisenhaus und dergleichen.

Dass Spenser die minderjährige April weiterhin eine Prostituierte sein lässt, ist eine ziemlich ungewöhnliche Lösung. Sie steht im Widerspruch zum Fürsorgeanspruch des Staates und zum Vertrauen, das Durchschnittsbürger in die Organe ihres Gemeinwesens setzen. All diesen Instanzen erteilt Spenser praktisch eine Absage.

|Lady Susan|

Eine herausragende Szene ist der fulminante Auftritt von Susan Silverman in ihrer Eigenschaft als Schülerberaterin, als Tutorin. Wie eine Löwin, die sich um ihre ungebärdigen Jungen kümmert, tritt sie mit Spenser dem wütenden Poitras gegenüber und fordert die Herausgabe von April Kyle. Nun hat sie Spenser praktisch den Fall aus der Hand genommen. Dummerweise erteilen ihr April und Amy eine Absage.

|Invasion|

Und so bleibt es einem entschlossenen Trio aus Spenser, Hawk und Susan überlassen, eine kleine Invasion auf das Poitras-Haus anzuführen, kurz bevor die Bullen von der Sitte eintreffen. Im actionreichen und turbulenten Höhepunkt des Romans, der ohne einen einzigen Absatz erzählt wird, müssen sich die drei ihrer Haut erwehren. Denn aufgebrachte Orgienteilnehmer sind, selbst wenn sie besoffen und bekifft sind, im Kampf von Mann gegen Mann ein ernstzunehmender Gegner …

_Unterm Strich_

Im ersten Band der „April Kyle“-Trilogie muss Spenser mit großer Mühe erst die ausgerissene Sechzehnjährige in der Kampfzone des Rotlichtbezirks finden. Er stößt in ein Wespennest und riskiert sein Leben, denn zwei mächtige Männer – ein Gangster und ein hoher Beamter – haben ein einträgliches Geschäft damit aufgezogen, ahnungslose Schülerinnen erst anzulocken und dann auf dem Strich auszubeuten. Die Rettung Aprils gelingt – um einen Preis. Doch Amy Gurwitz will unbedingt bei ihrem Ausbeuter bleiben.

|Lady Susan|

Wie so oft verurteilt der Autor nicht, schon gar nicht mit irgendjemandes moralischen Maßstäben. Neben dieser Haltung gefiel mir auch das starke Auftreten von Susan Silverman, die eine bestimmte Szene völlig dominiert. Von Spenser erfahren wir auch, welche eminente Bedeutung diese Frau für ihn und sein Leben hat: Er könnte diesen Job nicht ohne sie machen. Dennoch ist sie keine heilige Madonna, sondern trägt das „Lächeln eines gefallenen Engels“. Und sie kann sehr witzig sein.

|Die zweite Ebene|

Durch viele kleine Details verrät der Autor, welches hohe intellektuelle Niveau sich hinter seiner flott erzählten Story verbirgt. Da lesen wir Zitate von Bischof Berkeley über die Natur der Wahrnehmung, eine witzige Anspielung auf Henry David Thoreau, den amerikanischen Philosophen der Selbständigkeit und Freiheit, sowie von Shakespeares berühmtem Sonett Nr. 73 („Where Late the Sweet Birds Sang“).

|Zwei edle Ritter|

Diese angedeuteten Untertöne weisen dem literarisch gebildeten Leser den Weg zu einer resonanten zweiten Ebene des Romans: Indem der edle Ritter Spenser seiner Herzens-Dame Susan verspricht, ihre Bitte zu erfüllen, geht er eine heilige Ehrenpflicht ein. Sie kann nur eingelöst werden, wenn er den Gegenstand ihres Interesses vollständig aus jeglicher Gefahr und Not rettet – auch mit unorthodoxen Methoden.

Obwohl dies recht hochgestochen klingt, kann der Krimifan mit jeder Menge harter Action seitens der beiden „Ritter“ Spenser und Hawk retten. Denn Hawk ist nur die dunkle andere Seite von Spensers Charakter – und doch eine völlig eigenständige Figur, die ich in keinem „Spenser“-Krimi missen möchte, sorgt sie doch für Witz, Ironie und den Zugang zur Welt der Schwarzen und des Verbrechens, zu der Spenser nicht ohne Weiteres Zugang hat.

|Taschenbuch: 182 Seiten
ISBN-13: 978-0140089530|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951

Parker, Robert B. – God Save the Child – Ein Spenser-Krimi

_Susan Silverman top, der Rest Flop_

Ein Kind verschwindet spurlos … ist Kevin Bartlett (15) entführt worden, wie sein Vater glaubt, ein reicher Bostoner Bauunternehmer? Oder ist er nur durchgebrannt, wie Privatdetektiv Spenser argwöhnt, dem die seltsamen Begleitumstände Rätsel aufgeben? Oder ist er schon tot? Eine groteske Lösegeldforderung, ein Pappkarton mit grässlichem Inhalt, ein Toter im Hause Bartlett – das sind die rätselhaften Meilensteine auf Kevins Weg ins andere Leben, auf dem Spenser ihm folgt.

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Kevins Weg ins andere Leben“ (1976 bei Ullstein).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat sich mit gerade mal 39 Jahren bereits einen gewissen Ruf als Bostoner Privatdetektiv erworben. Er kann deshalb auch recht gut mit der Bostoner Kripo unter Martin Quirk sowie mit der Staatspolizei unter Healy zusammenarbeiten, die ihn aber wegen seiner Unfähigkeit, sich unterzuordnen und seines berüchtigten Humors nur widerwillig kontaktieren. Die Jahre beim Bezirkstsaatsanwalt haben ihm gute Verbindungen verschafft, und die Erfahrungen als Cop, Boxer und Soldat kommen ihm stets gut zupass. So auch diesmal.

Das Ehepaar Roger und Margaret Bartlett wohnt im Bostoner Vorort Smithfield in der exklusivsten Ecke. Ihr fünfzehnjähriger Sohn Kevin ist verschwunden und sie denken, dass er entführt wurde. Dass er von selbst ausreißen würde, ist für sie undenkbar. Doch bisher haben die Mannen von Sheriff George Trask keine Spur von Kevin entdeckt. Bis eine Lösegeldforderung eintrifft, die Marge Bartlett schier einen Nervenzusammenbruch bereitet. Ihre Befürchtungen werden wahr. Was Spenser stutzig macht, ist die Form der Lösegeldforderung: ein Comic Strip.

Natürlich stellen Trask und Healy eine Falle auf, die den Geldabholer bei der Übergabe – an einer Landstraße – einfangen soll. Spenser spielt in einem nahen Pferdestall Kiebitz. Doch auch er wird von dem einfachen Trick des Räubers überrumpelt: Der Motorradfahrer entkommt auf einem simplen Reitpfad! Spenser könnte sich in den Hintern beißen.

Nun macht sich der Privatdetektiv Gedanken darüber, welche Art von Person Kevin Bartlett überhaupt ist. Er sucht die Schülerberaterin Susan Silverman auf, die an Kevins High School die Schüler psychologischen Rat erteilt. Sie sieht umwerfend auf und Spenser verliebt sich in sie. Neben seiner Einladung, die sie gern annimmt, ist aber auch ihre Information wichtig, dass Kevin sich in letzter Zeit sehr aufsässig verhalten hat und sich mit einer Clique Halbstarker einließ, deren Kopf ein gewisser Vic Harroway sein soll.

Nachdem der erste Abend mit Susan zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen ist, fahren sie zu diesem Vic Harroway hinaus. Es ist ein flacher Bungalow abseits der Landstraße, dessen halb fertiggebaute Garage mal bessere Zeiten gesehen hat. Ein rauchendes 14-jähriges Mädchen im T-Shirt ruft Vic heraus, als die Besucher eintreffen. Vic ist, wie sie erstaunt sehen, ein muskelbepackter Bodybuilder. Und er verweigert nicht nur jede Auskunft bezüglich Kevin Bartlett, sondern bedroht sie mit seinen Fäusten. Ein strategischer Rückzug erscheint Spenser angebracht. Aber die Beleidung „Schlampe“ für Susan will er dem Kerl heimzahlen.

Die Entführung kommt immer weniger koscher vor. Das Ehepaar Bartlett führt keine gute Ehe, und wie Susan gesagt hat, sind beide keine guten Rollenvorbilder für einen heranwachsenden Jungen. Nachdem Mrs Bartlett, die Gattin mit Schauspielerambitionen, eine Todesdrohung erhalten hat, besteht sie hysterisch darauf, von Spenser bewacht zu werden. Und als die Leiche ihres Anwalts im Wohnzimmer liegt, fällt sie schier in Ohnmacht. Dennoch: Sie muss ihre Dinnerparty organisieren, komme, was da wolle.

Da Spenser nun im Bartlett-Haus übernachtet, lernt er auch Kevins Schwester Delilah alias Dolly kennen. Die Dreizehnjährige fasst Zutrauen zu dem starken Mann und zeigt ihm Kevins Geheimversteck. Wie in einem Votivschrein hat der Junge in einem Schrankkoffer eine ganze Sammlung von Zeitschriften und Postern über Vic Harroway versteckt. Offensichtlich ist der Bodybuilder Kevins Idol und Vaterfigur, wenn auch nicht gerade der beste Umgang. Was, wenn es sich gar nicht um eine Entführung handelt?

Aber was hat es mit diesem Harroway überhaupt auf sich, will Spenser herausfinden. Als er sich umhört, erfährt er, dass der große Kerl stockschwul sei. OK, aber womit verdient der seit einem Jahr Arbeitslose seinen Lebensunterhalt? Obwohl er damit Marge Bartlett wieder an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, seilt sich Spenser ab und begibt sich in eine Schwulenbar. Als dort endlich Harroway auftaucht und nur eine Viertelstunde mit einem fetten Kerl redet, folgt er dem Bodybuilder durch den Regen. Im Stadtpark legt sich Spenser auf die Lauer, um herauszufinden, wen Harroway dort treffen will.

Zu seiner Überraschung handelt es sich um einen alten Bekannten aus dem Kreis um die Bartletts, der ebenfalls auf jener fulminanten und megapeinlichen Dinnerparty war, zu der Spenser auch Susan einlud. Als Spenser Harroways Spur weiterverfolgt, stößt er auf einen finsteren Zusammenhang. Doch wo ist der offenbar ahnungslose Kevin?

_Mein Eindruck_

Ich gebe offen zu, dass ich mir diesen zweiten „Spenser“-Krimi, der ja immerhin schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, nur wegen eines einzigen Handlungsaspektes gekauft habe: Hier lernt Spenser seine Lebensgefährtin Susan Silverman kennen und lieben. Sie ist eine ungewöhnliche Frau: intellektuelle Jüdin mit großartigem Sinn für Humor und einem Hunger nach sexueller Erfüllung. Da kommt sie bei Spenser genau an den Richtigen.

Er hat zwar in „The Godwulf Manuscript“ („Spenser“-Krimi Nr. 1) die Sekretärin Brenda Loring kennengelernt und trifft sie auch noch in „Mortal Stakes“ (Spenser Nr. 3), doch schon in „Promised Land“ (Nr. 4) ist Susan die einzig Wahre. Kann man gut verstehen. Susan fügt seinem Leben interessante Aspekte hinzu, nicht zuletzt auch tiefere psychologische Einsichten. Kein Wunder also, dass sie in der TV-Serie „Spenser For Hire“ neben Robert Urich erstklassig besetzt wurde. Umso schlimmer daher, dass sie in „Valediction“ (Nr. 11) verschwindet und in „A Catskill Eagle“ (Nr. 12) gerettet werden muss!

|Eine dubiose Entführung|

Doch Spenser hat auch noch einen Fall zu lösen, auch wenn sich die Arbeit bei den Bartletts weder als anstrengend noch als vergnüglich bezeichnen lässt: Marge Bartlett ist eine egozentrische Nervensäge und betrügt obendrein ihren Mann, den Bauunternehmer Roger, der natürlich ständig auf Baustellen rumhängt. Nicht zuletzt Sheriff Trask gehört zu ihren Lovern. Bei dem Gedanken an den Fettwanst dreht sich Spenser der Magen um.

Dass sich in dieser Familie ein fünfzehnjähriger Junge nicht gerade wohlfühlte, kann Spenser gut nachvollziehen. Er wäre vielleicht auch ausgerissen und hätte seinen „Alten“ Streiche gespielt. Dazu gehören nicht nur gereimte Todesdrohungen sowie Lösegeldforderungen in Comicstripform, sondern auch eine Strohpuppe in einem Leichenwagen. Sehr witzig, Kevin, denkt Spenser.

|Das dunkle Imperium|

Dass Kevins Idol und Vaterersatz Vic Harroway nicht nur schwul, sondern auch ein Verbrecher ist, lässt den Detektiv nichts Gutes für die Zukunft des Jungen erwarten. Harroway könnte ihn vergewaltigen oder gar für seine kriminellen Aktivitäten einspannen. Doch wie sich herausstellt, hat der scheinbar unangreifbare Bodybuilder nicht nur einen mächtigen Beschützer, sondern gleich zwei, einer schlimmer als der andere. Von dem Freier einer minderjährigen Prostituierten, die Harroway ihm zuführte, quetscht Spenser brisante Informationen heraus. In Smithfield existiert demnach ein Verbrechensimperium, das seinesgleichen sucht. Aber wie kann das sein, wenn es doch den tüchtigen Sheriff Trask gibt …?

|Showdown|

Der Schlüssel zur Lösung der privaten Seite dieses kniffligen Rätsels ist Kevin. Und da dieser sich an Harroway gebunden fühlt, wer der sein unangreifbarer Beschützer ist, muss Harroway ausgeschaltet werden. Leichter gesagt als getan, schließlich ist der Typ Bodybuilder. Doch Spenser ist nicht umsonst ein ausgebildeter Boxer, der gleich merkt, dass er es mit keinem entsprechend trainierten Gegner zu tun hat.

Bevor er jedoch zum Schlag kommt, muss er mit ansehen, wie sich erst Roger Bartlett und dann auch dessen Frau wütend auf den „Kindsräuber“ stürzen. Ein zum Scheitern verurteilter Angriff, wie sich sogleich herausstellt. Aber Spenser rechnet es ihnen hoch an: Sie lieben ihren Sohn wirklich. Dann ist auch für der Moment der Wahrheit gekommen, als Harroway zum ersten Fausthieb ausholt.

In allen seinen ersten „Spenser“-Krimis hat Parker solche Boxkämpfe inszeniert. Man kann sie mögen oder auch nicht, doch sie gehören zu seinem frühen Stil dazu. Später weiß er es besser. Dann entscheidet der Grips und nicht die Faust, welchen Kampf Spenser gewinnt. Bemerkenswert ist jedoch, dass es praktisch nie zu Schießereien kommt. Die empfand Parker offenbar stets als öde und einem so intelligenten Helden als unangemessen.

In einem zweiten Showdown stellt Spenser die beiden Hintermänner, die Harroway lediglich als Erfüllungsgehilfen für die Drecksarbeit benutzt haben. Quirk und Healy helfen ihm dabei, wenn auch, wie so oft, widerwillig. Spenser sind eben manchmal nicht mit der Verfassung der Vereinigten Staaten zu vereinbaren (Habeas Corpus und so weiter). Aber das ist eben das Unterhaltsame an seiner Arbeit. Ganz im Gegensatz zu dem der Cops, die in dieser Geschichte nur rumhängen.

_Unterm Strich_

Wie gesagt, habe ich diesen „Spenser“-Krimi nur wegen des erstmaligen Auftritts von Susan Silverman, Spensers künftiger Lebensgefährtin, gekauft. Sie sorgt für zwei feine romantische Szenen und für einige wertvolle psychologische Einsichten. Mit Humor gesegnet, werden ihre Szenen sozusagen zum Salz in der Suppe. Und das ist wörtlich zu verstehen: Bei Spenser geht Liebe immer durch den Magen, denn er ist ein ausgezeichneter Koch.

Den Plot kann man ansonsten echt in der Pfeife rauchen. Die Story ist so dünn, dass sie sich auch auf der Hälfte der Seiten hätten erzählen lassen. Die restlichen hundert Seiten musste der Autor offenbar mit Silverman-Romantik, irreführender Action und nervenden Partys füllen. Ich brauchte viel Geduld und viel Sympathie für den Helden, um die Story zu bewältigen.

Das ist das erste Mal, dass mir das bei einem „Spenser“-Krimi passiert ist. Das letzte Drittel wiegt den vorhergehenden Rest dann beinahe wieder auf – aber nur beinahe. Die zwei Showdowns hätte Parker schon viel früher andeuten können. Später machte er einen besseren Job als hier. Diesen Roman muss man nur kennen, wenn man sich für den ersten Auftritt Susan Silvermans interessiert.

|Taschenbuch: 205 Seiten
ISBN-13: 978-0440128991|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922

Rosenberg, Nancy Taylor – blutrote Engel, Der

Als ehemalige Polizistin hat Nancy Taylor Rosenberg jede Berechtigung, um einen Thriller zu schreiben. Immerhin kennt sie sich mit der Ermittlungsarbeit bestens aus. In „Der blutrote Engel“ geht es aber nicht nur um eine Ermittlerin. Neben der FBI-Agentin Mary spielen die Richterin Lilly und die Killerin Anne eine wichtigeRolle.

_Anne bringt seit_ Jahren auf sehr gewiefte Weise untreue Ehemänner um. Bislang ist ihr niemand auf die Schliche gekommen, doch dann macht sie einen Fehler: Sie schickt eine Kassette mit einem Geständnis an das FBI. Die junge FBI-Agentin Mary, der man bislang noch keinen richtigen Ermittlerjob zutraut, findet das Geständnis in der Post und beginnt zu recherchieren. Dabei muss sie sich gegen den Unwillen ihres Vorgesetzten durchsetzen, der lange glaubt, dass die Kassette von einem Spinner stammt.

Die Richterin Lily hingegen wähnt sich glücklich – sowohl beruflich als auch privat. Sie ist in zweiter Ehe mit Bryce verheiratet und vertraut ihm. Als er eines Tages nach einer Geschäftsreise nicht nach Hause kommt und auch nicht erreichbar ist, beginnt sie, sich Sorgen zu machen …

_“Der blutrote Engel“_ liefert solide Spannungsliteratur, die leider auf weiten Strecken sehr vorhersehbar ist. Da die Täterin von Anfang an bekannt ist, müsste die Jagd auf sie entsprechend fesselnd gestaltet werden. Dies gelingt der Autorin nicht besonders gut. Mary kommt als Erzählerin eher selten zu Wort, so dass die Ermittlungen nur eine Randhandlung sind und insgesamt weit weniger authentisch wirken als man sich das bei Rosenbergs Berufshintergrund denken würde. Die Zusammenführung der drei Erzählstränge mit den unterschiedlichen Frauen wirkt teilweise etwas zu gewollt. Die Geschichte wirkt konstruiert und entwickelt erst am Ende Spannung. Dann gelingt es Anne nämlich nur noch mühsam, sich aus der Reichweite des FBI zu halten.

Wenn ein Buch einen starken Fokus auf drei Frauen legt, erwartet man, dass diese entsprechend herausgestellt werden. Lily, Mary und Anne verweilen trotz guter Ansatzpunkte auf dem Niveau eines Frauenromans. Es fehlt an Tiefe und Authentizität. Gerade Mary wirkt mit ihren High Heels etwas stereotyp, auch wenn ihr ausgefallener Humor einiges wett macht. Anne und Lily wirken hingegen noch ein gutes Stück glatter. Man hat das Gefühl, dass sie einem schon in vielen anderen Büchern begegnet sind, auch wenn die Autorin versucht, die Vergangenheit der beiden bunt auszugestalten. In der eigentlichen Persönlichkeit der Figuren spiegeln sich diese Erlebnisse jedoch nicht genügend wider.

Der Schreibstil fügt sich in das Gesamtbild ein. Auch er ist zwar gut, aber nicht herausragend. Rosenberg erzählt flott und sicher und manchmal auch mit ein wenig Witz. Sprachliche Eigenheiten fehlen jedoch.

_“Der blutrote Engel“_ von Nancy Taylor Rosenberg ist ein durchschnittlicher Thriller, dem es vor allem an Originalität mangelt. Die Hauptfiguren und den Schreibstil findet man auch zu Hauf in anderen Büchern des Genres, die Handlung überzeugt in ihrem Aufbau nicht.

|Broschiert, 415 Seiten
Originaltitel: |The Cheater|
Deutsch von Alice Jakubeit
ISBN-13: 978-3426652107|
http://www.knaur.de

André, Martina – Gegenpäpstin, Die

_Jesus von Nazareth_ ist eine historisch verbürgte Person. Ebenso gibt es aus dem Neuen Testament eine ganze Reihe mehr von Person, die nicht fiktiv sind und durch ihr Leben und ihre Taten die Menschheit und den christlichen Glauben geprägt haben. Auffällig natürlich, dass in vielen Religionen, die christliche ist keine Ausnahme, die Stellung der „Frau“ überhaupt nicht zur Debatte steht. Einzig und allein „Maria“, die Mutter Gottes sozusagen, findet in der katholischen Kirche ihren Platz. Immer noch gibt es unzählige und völlig überholte Dogmen im Zentrum der Christenheit, also im Vatikan, der mit seinem kleinen Staat im Zentrum Roms am Tiber liegt. Weibliche Priester sucht man in Kirchenkreisen vergeblich, galt doch schon zu mittelalterlichen Zeiten die Frau in ihrer sozialen Stellung als minderwertig.

Erinnern wir uns an das berühmte Gemälde von Leonardo da Vinci: Das Abendmahl. Wie viele Jünger sind darauf zu erkennen, bzw. wer ist wer? Rechts neben Jesus sitzt scheinbar eine Frau, die Gewänder sind ähnlich, die Rundung eines Busens erkennbar?

In der modernen Forschung und Wissenschaft gibt es auch die Theorie, dass Jesus und Maria Magdalena vermählt waren oder zumindest zusammen waren, nicht nur im geistigen, viel mehr im körperlichen Sinne. War sie die Mutter seiner Kinder und floh nach der Kreuzigung ihres Mannes und Mentors? Ist oder war sie der „Heilige Gral“?

Für die Christenheit würde der Beweis, dass Maria Magdalena die Ehefrau, die Gefährtin von Gottes Sohn gewesen ist und diesem vielleicht auch noch Kinder geschenkt hat, weniger ein Gottesgeschenk sein, vielmehr würde dies die Grundfesten der katholischen Kirche, der gesamten Christenheit erschüttern. Es gibt sicherlich nteressengruppen, die dies begrüßen oder aber ablehnen würden.

_Die Autorin Martina André_ hat in ihrem Roman „Die Gegenpäpstin“ dieses Thema aufgegriffen. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen geschildert und diese wechseln sich gekonnt ab. Der erste Handlungsstrang findet im Jahre 62 n. Christus in Galiäa und Jerusalem statt und erzählt die Geschichte der Maria Magdalena und dem Bruder von Jesus, Jaakkov. Auch Paulus spielt in der Geschichte noch eine kleine Nebenrolle.

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahre 2007. Die Archäologin Sarah Rosenthal findet in Israel eine alte Grabstätte, in der zwei Leichen aufgebahrt sind, sowie geheimnisvolle Pergamente, die auf den ersten Blick aus Jesus‘ Epoche stammen könnten. Ein wahnsinniger und äußerst wichtiger Fund für die junge Archäologin. Wie bei jedem historischen Fund wird von den wissenschaftlichen Mitarbeitern eine DNA-Probe genommen, um auszuschließen, dass der Fund manipuliert oder kontaminiert wurde, auch Sarah selbst wird eine Probe abgeben. Wenig später ist die Sensation perfekt. Bei dem Grab handelt es sich um das der Maria Magdalena und des leiblichen Bruders Jesus Christus. Als die DNA-Proben miteinander verglichen werden, ist es offensichtlich und absolut sicher, dass Sarah eine direkte Nachfahrin von Maria Magdalena und somit auch von Jesus Christus selbst ist.

Die Autorin Martina André hat beide Zeitlinien interessant und inhaltlich schlüssig erzählt. Moderne Ergebnisse und Theorien der Wissenschaft finden hier genauso viel Platz wie die künstlerische Freiheit der Schriftstellerin.

Viel Wert wurde auf die religiöse und geschichtliche Rolle einer Frau im Zentrum des christlichen Glaubens gelegt. Symbolisch gesehen geht es immer wieder um eine angestrebte Gleichstellung und die Orientierung der römisch-katholischen Kirche.

„Die Gegenpäpstin“ ist ein spannender Roman und schwimmt sicherlich auf der „Sakrileg“-Welle mit. Wie auch in „Sakrileg“ von Dan Brown gibt es eine wahre Schnitzeljagd für die Protagonistin Sarah und ihren Freund, einen katholischen Priester, der anfänglich inkognito auf der Bühne mitspielt.

Im Nachwort geht Martina Andre auf die Story detailliert ein und erklärt auch ihre historischen Quellen. Sicherlich ist die Idee einer Nachkommenschaft von Jesus Christus keine neue und sonderlich originelle, aber letztlich wird der Leser ein gutes Lesevergnügen haben und genau hier liegt doch die Motivation der Autorin.

Die Kunst, Fakten und Fiktion miteinander zu kombinieren gelingt ihr wunderbar und macht Lust, mehr über dieses Thema zu erfahren.

_Alles in allem_ ein gelungener, überdurchschnittlicher Roman, der sich mystischer und geschichtlicher Elemente bedient, ohne zu sehr ins Fantastische und Unglaubwürdige abzudriften. Dafür hält sich die Autorin viel zu sehr an historische und wissenschaftliche Quellen.

|Taschenbuch: 457 Seiten
ISBN-13: 978-3746623238|
[www.aufbau-verlag.de]http://www.aufbau-verlag.de

_Martina André bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Rätsel der Templer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4654
[„Schamanenfeuer – Das Geheimnis von Tunguska“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5295

Damhaug, Torkil – Bärenkralle, Die

In seiner Heimat Norwegen ist Torkall Damhaug schon länger als Autor bekannt. Mit „Die Bärenkralle“ wurde 2009 endlich sein erstes Buch in Deutschland veröffentlicht. Weitere sollen folgen oder sind bereits erschienen.

_In Oslo werden_ drei Frauen ermordet. Sie weisen Verletzungen auf, die von einem Bären zu stammen scheinen und auch Fußabdrücke von Meister Petz findet man am Tatort. Doch kann das sein? Ein Wildtier mitten in der norwegischen Großstadt? Die Polizei um Kommissar Viken steht vor einem Rätsel.

Die Obduktion ergibt jedoch, dass die Frauen an einer Überdosis Narkosemittel gestorben sind und nicht an den Wildtierverletzungen. Der Mörder ist also doch ein menschlicher. Und eine Spur ergibt sich auch. Der Arzt Axel Glenne hat alle drei Frauen kurz vor ihrem Tod gesehen und ein Opfer wurde vor der Tür seiner jungen Geliebten gefunden. Die Schlinge um Axel zieht sich zu. Der hat derweil eine ganz andere Erklärung für die Taten. Er glaubt, dass sein eineiiger Zwillingsbruder Brede dahinter steckt. Brede war stets das schwarze Schaf der Familie und wurde nach einem Vorfall in der Jugend der Brüder fortgeschickt. Vorher schwor er aber noch, dass er Axels Leben kaputt machen würde …

_Torkil Damhaug hat_ ein durchaus spannendes Buch geschrieben, das aber an zwei Problemen krankt. Zum Einen fehlt der Geschichte der Fokus. Damhaug beginnt damit, hauptsächlich aus Axels Perspektive zu erzählen. Später kommen dann Viken und eine seiner Mitarbeiterinnen häufiger zu Wort sowie weitere eher unwichtige Personen, darunter auch Axels Geliebte. Dem Leser wird dadurch nicht ersichtlich, welche Geschichte Damhaug eigentlich erzählen will: die des Opfers, des vermeintlichen Täters oder die der ermittelnden Polizisten?

Das zweite Problem liegt in der Konstruktion der Handlung. Diese beginnt spannend. Die kleinen Geheimnisse der einzelnen Personen sorgen immer wieder für Wendungen. Die Ermittler tappen lange im Dunkeln, während sich Axel durch sein Verhalten immer verdächtiger macht. Man leidet mit dem sympathischen Charakter, weil man als Leser auch die Schritte der Polizei kennt und dadurch weiß, in welche Gefahr er sich begibt. Ganz anders als Axel ist hingegen Kommissar Viken. Er wirkt eigenbrötlerisch und sehr von sich selbst überzeugt, hat Streit mit seinen Vorgesetzten und verrennt sich bei seinen Ermittlungen. Dieser Kontrast zu anderen skandinavischen Ermittlern ist durchaus reizvoll.

Der Knackpunkt von „Die Bärenkralle“ ist jedoch die Auflösung des Falls und das Ende des Buches. Der Verdacht, der über die Geschichte hinweg aufgebaut wird – die Rückkehr von Axels Bruder – spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr. Nach einer 180°-Wende präsentiert der norwegische Autor eine komplett andere Lösung, die so unerwartet ist, dass sie sehr konstruiert wirkt, genauso wie der Schluss des Romans, der es mit den Ereignissen etwas übertreibt. Die Geschichte wird quasi in der Mitte auseinander gerissen, der Zusammenhang zwischen Tätersuche und eigentlichem Täter sowie das eigentliche Motiv sind nur schwer nachzuvollziehen.

_“Die Bärenkralle“ von_ Torkil Damhaug ist ein gut geschriebener, spannender Thriller, der sein Potenzial jedoch verschenkt. Auch wenn die gute Mischung aus verschiedenen Spuren und interessanten Charakteren auf weiten Strecken funktioniert, schlägt man das Buch auf Grund des konstruierten Endes unzufrieden zu.

|Broschiert, 425 Seiten
Originaltitel: |Se meg, Medusa|
Deutsch von Knut Krüger
ISBN-13: 978-3426502105|
http://www.knaur.de/

_Die Rezension des gleichnamigen Hörbuchs von Torkil Damhaug auf |buchwurm.info|:_
[„Die Bärenkralle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6089

John Cassells – Der Nebelkreis

cassells-nebelkreis-cover-kleinIn London treibt die berüchtigte „Eulenbande“ ihr Unwesen. Ein junger Reporter findet heraus, dass der Bande von der Polizei Rückendeckung gegeben wird. Höchste Beamte stehen womöglich im Dienst der Schurken, was deren Verfolgung zu einem lebensgefährlichen Abenteuer werden lässt … – Polizeikrimi mit simplem Plot, schwarzweißer Figurenzeichnung, Räuber-und-Gendarm-Spielen in schaurig-schönen Nebelkulissen, ‚verruchten‘ Clubs und finsteren Verschwörer-Kammern: ein altmodischer Krimi ohne literaturkritischen Ritterschlag.
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Preston, Douglas/Child, Lincoln – Fever – Schatten der Vergangenheit

_Die |Pendergast|-Serie:_

Band 1: „Relic – Museum der Angst“
Band 2: „Attic – Gefahr aus der Tiefe“
Band 3: [„Formula – Tunnel des Grauens“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=192
Band 4: [„Ritual – Höhle des Schreckens“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=656
Band 5: [„Burn Case – Geruch des Teufels“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1725
Band 6: [„Dark Secret – Mörderische Jagd“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2809
Band 7: [„Maniac – Fluch der Vergangenheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4249
Band 8: [„Darkness – Wettlauf mit der Zeit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5681
Band 9: „Cult – Spiel der Toten“
Band 10: _“Fever – Schatten der Vergangenheit“_
Band 11: „Cold Vengance“ (noch ohne dt. Titel)

_Das geschieht:_

Während eines Besuches im Stammsitz seiner aussterbenden Familie nimmt Aloysius Pendergast, Spezialagent des FBI, erinnerungsvoll jene Jagdbüchse zur Hand, die zwölf Jahre zuvor verhängnisvoll versagte. Damals gehörte sie seiner Gattin Helen, mit der Pendergast eine Jagdsafari im afrikanischen Sambia unternahm. Dort wurden sie gebeten, einen Löwen zu erlegen, der zum Menschenfresser geworden war. Die Jagd endete tragisch, denn Pendergast wurde von dem wütenden Tier schwer verletzt und Helen getötet, nachdem ihre Büchse versagte.

Nun erkennt Pendergast, dass dieses Gewehr sabotiert und Helen in eine Falle gelockt wurde. Voller Zorn beschließt er, den Mörder zu stellen und zu richten. Doch die Fährte ist nach vielen Jahren längst kalt. Pendergast bittet seinen Freund Lieutenant Vincent D’Agosta von der Polizei New York um Hilfe. Dieser lässt sich vom Dienst freistellen und begleitet Pendergast auf eine Menschenjagd, die ihn erst nach Afrika, kreuz und quer durch den Süden der USA und schließlich beinahe auf den Friedhof führt.

Die Sucher rekonstruieren Helens seltsame Wege in den letzten Monaten ihres Lebens. So fahndete sie fieberhaft nach dem verschollenen Bild eines berühmten Tiermalers, stahl zwei konversierte Bälge einer ausgerotteten Vogelart und schließlich einen lebendigen Papagei. Vor allem finden Pendergast und D’Agosta überall dort, wo Helen aktiv wurde, Belege für Ausbrüche unerhörter Genialität, denen mörderischer Irrsinn folgte.

Irgendwo in den Tiefen eines Sumpfes in Louisiana kreuzen sich alle Spuren. Dorthin macht sich Pendergast auf. Er wird schon erwartet – von Helens Mörder, der sehr gute Gründe hat, den FBI-Agenten zu stoppen, wobei Mord nur die geringste Schuld ist, die er auf sich geladen hat …

_Geschüttelt |und| gerührt_

Abenteuer und Routine: zwei Begriffe, die man eigentlich nicht miteinander kombinieren möchte. Wie dies zumindest unterhaltungsliterarisch möglich ist, beweisen uns Douglas Preston & Lincoln Child seit vielen Jahren mit ihrer Serie um den FBI-Agenten Aloysius X. L. Pendergast. In „Fever“ modifizieren sie behutsam – dazu unten mehr – das Konzept, ohne es jedoch in Frage zu stellen; wer durchschnittlich zwei neue Romane pro Jahr veröffentlicht, neigt nicht dazu, erfolgreich Bewährtes in Frage zu stellen.

Auch „Fever“ ist deshalb die übliche Schnitzeljagd. Der Leser besucht mit seinen Helden pittoreske Schauplätze und wird mit flach aber farbenfroh gezeichneten Figuren konfrontiert. Vor allem die Schurken sind überlebensgroß, allgegenwärtig und brandgefährlich. Trotzdem wird ihnen zuverlässig im großen Finale das Handwerk gelegt. Bis es soweit ist, spult das Autorenduo sein Programm ab, wobei der Faktor Geschwindigkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Er trägt den Leser über logische Löcher und Unwahrscheinlichkeiten hinweg, sodass erst nach der Lektüre – über die deshalb nur ein Rezensent nachdenken sollte – diverse Fragezeichen aufleuchten. Wie bescheuert muss beispielsweise ein Mörder sein, der einem Löwen die Mähne rot färbt und zum Menschenfresser dressiert, statt einen ‚Unfall‘ zu inszenieren? Es KLINGT aber toll, und um des Effektes willen dreht unser Autorenduo jederzeit gern der Realität den Rücken zu. (Hat denn in zwölf Jahren wirklich |niemand| Helens Flinte kontrolliert?)

Zumal Preston & Child zwar Routiniers aber auch Profis sind. Soll heißen: Sie machen sich ihren Job zwar so einfach wie möglich, doch sie verstehen ihr Handwerk. „Fever“ liest sich deshalb trotz unzähliger Klischees sehr unterhaltsam, konzentrieren sich dabei auf die zentrale Handlung und belassen es bei nur einem Nebenstrang, der als Investition in die Zukunft zu werten ist, da er rein gar nicht mit dem „Fever“-Geschehen zu tun hat.

|Trilogie des (hoffentlich nicht allzu) Offensichtlichen|

Mit „Fever“ starten Preston & Child die „Helen“-Trilogie. Es ist nicht der erste Dreisprung der Serie. In „Burn Case“, „Dark Secret“ und „Maniac“ trat Pendergast 2004 bis 2006 gegen seinen tückischen Bruder Diogenes an. Schon damals stellte sich zumindest der kritische Leser die Frage, ob wirklich drei Bände notwendig waren, diesem Strolch – so genial er angeblich war – den Garaus zu machen. Die Antwort lautete „Nein“, doch deutet eine Trilogie Bedeutungsschwere an und nötigt den Leser zudem, zum Anschlussband zu greifen, weil er den Ausgang der Geschichte erfahren möchte.

In der Tat scheinen primär verkaufstaktische Motive hinter der „Helen“-Trilogie zu stehen. Wer Pendergasts Gattin ins Jenseits beförderte, wird in Teil 1 geklärt und gerächt. Die Erklärung ist nach den vielen komplizierten Rätseln enttäuschend banal, was ein weiterer Grund für die ‚Fortsetzung‘ sein könnte: Warte ab, Leser, da kommt noch mehr, und wenn du die vollen drei Bände durchhältst, wirst du mit einem echten Mysterium belohnt!

Nur: Glaubt das eigentlich wirklich jemand? Schon in der „Diogenes“-Trilogie leimten Preston & Child drei nur oberflächlich kombinierte Abenteuergeschichten zusammen, die auch ohne Oberthema Bestand gehabt hätten. Entsprechend setzen die Autoren für „Cold Vengeance“, den zweiten Band des „Helen“-Dreiteilers, die Grundstory auf den Anfang zurück. Zur einzigen Verbindung wird das Überleben der grauen Schurken-Eminenz im Hintergrund. Nicht einmal deren Identität ist ein Geheimnis; Preston & Child setzen uns früh über sie in Kenntnis. Ein Cliffhanger soll den Spannungsbogen vollenden: Besagter Schuft lädt den ahnungslosen Pendergast auf eine Jagdexpedition ein, die er nicht überleben soll. Wie soll dieser abgegriffene Trick funktionieren, da wir doch sehr genau wissen, dass Pendergast überleben wird? Schließlich gibt es noch einen dritten Teil, in dem er antreten muss.

|Wall der scheinbaren Wunder|

Schatzsuche und Indizienforschung in vergessenen Tunnelgewölben, verfallenden Mordhäusern, musealen Lagerräumen, alligatorverseuchten Sümpfen: Wieder einmal verschlägt es den feingeistigen Pendergast an seltsame Orte, die der Leser fesselnd findet, weil er selbst sich dort nicht plagen muss. Preston & Child verstehen es, solche Schauplätze in einfachen Worten plastisch darzustellen. Sie lassen dazu die Formensprache des Films einfließen, sodass diese Passagen sich in Szenen verwandeln, die vom geistigen Auge ausgestattet und abgespielt werden. Da Mysterium auf Mysterium folgt, fallen die faulen Tricks nicht stark ins Gewicht: Angedeutete Wunder entpuppen sich als Fehlinterpretationen, Sackgassen und vor allem Nebelkerzen, mit der die Handlung in die Länge gezogen wird.

Die echten Überraschungen halten sich in Grenzen. Pendergasts rechte Hand D’Agosta wird auf halber Buchstrecke durch eine Kugel bis auf Weiteres außer Gefecht ge- und durch seine Lebensgefährtin Laura Hayward ersetzt, die dem Leser aber ebenfalls bekannt ist: Preston & Child siedeln nicht nur die „Pendergast“-Serie, sondern auch ihre davon unabhängigen Romane in einem gemeinsamen Kosmos an. Das Figurenpersonal ist dadurch flexibel, Lieblinge können jeweils dort eingesetzt werden, wo sich ihr Publikum über sie freut: Preston & Child gehen auch hier sehr ökonomisch vor.

|Schlag auf Schlag|

Pendergast selbst zeigt in „Fever“ Gefühle und Nerven. Die Autoren haben den Agenten als geheimnisvollen Alleskönner mit Teflon-Persönlichkeit eingeführt. Je öfter Pendergast auftritt, desto näher müssen Preston & Child ihm buchstäblich zu Leibe rücken und ihm neue Charakterzüge andichten, ohne die ursprüngliche Überlegenheit völlig aufzuweichen – ein Seiltanz, dem das Duo keineswegs immer gewachsen ist. Der Pendergast in „Fever“ wird allzu offensichtlich in seine Rächer-Rolle gepresst. Sie steht ihm nicht, und entsprechend schlecht wird sie deshalb vermittelt.

Echte Ausfälle, d. h. peinliche Passagen, die den Leser zum Fremdschämen zwingen, bleiben uns dieses Mal bis auf eine Ausnahme erspart. Die hat es freilich in sich, müssen wir doch eine Bande vertierter Rednecks dabei beobachten, wie sie die schöne Laura zum Striptease zwingen. (Pendergast erteilt den geilen Lümmeln später eine Lektion, denn für solche Gefühlswallungen fordert der US-Mainstream zuverlässig Strafe.)

Obwohl Preston & Child regelmäßig Solo-Romane vorlegen und darüber hinaus gemeinsam eine zweite Serie um den Ermittler Gideon Crew gestartet haben, bleibt der Veröffentlichungsrhythmus der „Pendergast“-Romane gewahrt. Der Mittelband der Trilogie erscheint 2011, mit dem Abschluss ist 2012 zu rechnen. Ob sich die auf 1500 Seiten in die Länge gezogenen Abenteuer tatsächlich zu einer ‚runden‘ Gesamtgeschichte fügen werden, bleibt abzuwarten. „Fever“ ist als Trilogie-Starter nur bedingt gelungen. Als kunterbuntes Abenteuer kann der Roman allerdings überzeugen; er ist sogar besser als die meisten „Pendergast“-Thriller der Vorjahre geraten.

_Autoren_

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte ausgiebig, nämlich Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und Englische Literatur. Erstaunlicherweise immer noch jung an Jahren, nahm er anschließend einen Job am „American Museum of Natural History“ in New York an. Während der Recherchen zu einem Sachbuch über „Dinosaurier in der Dachkammer“ – gemeint sind die über das ganze Riesenhaus verteilten, oft ungehobenen Schätze dieses Museums – arbeitete Preston bei St. Martin’s Press von einem jungen Lektor namens Lincoln Child zusammen. Thema und Ort inspirierten das Duo zur Niederschrift eines ersten Romans: „Relic“ (1994; dt. „Das Relikt – Museum der Angst“).

Wenn Preston das Hirn ist, muss man Lincoln Child, geboren 1957 in Westport, Connecticut, als Herz des Duos bezeichnen. Er begann schon früh zu schreiben, entdeckte sein Faible für das Phantastische und bald darauf die Tatsache, dass sich davon schlecht leben ließ. So ging Child – auch er studierte übrigens Englische Literatur – nach New York und wurde bei St. Martins Press angestellt. Er betreute Autoren des Hauses und gab selbst mehrere Anthologien mit Geistergeschichten heraus. 1987 wechselte Child in die Software-Entwicklung. Mehrere Jahre war er dort tätig, während er an den Feierabenden mit Douglas Preston an „Relic“ schrieb. Erst seit dem Durchbruch mit diesem Werk ist Child hauptberuflicher Schriftsteller. (Douglas Preston ist übrigens nicht mit seinem ebenfalls schriftstellernden Bruder Richard zu verwechseln, aus dessen Feder Bestseller wie „The Cobra Event“ und „The Hot Zone“ stammen.)

|Gebunden: 529 Seiten
Originaltitel: Fever Dream (New York: Grand Central Publishing/Hachette Book Group USA 2010)
Übersetzung: Michael Benthack
ISBN-13: 978-3-426-19891-9

Als eBook: Januar 2011 (Droemer Verlag)
ISBN-13: 978-3-426-40745-5|
[www.prestonchild.com]http://www.prestonchild.com
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de

_Douglas Preston und Lincoln Child bei |Buchwurm.info|:_
[„Riptide – Mörderische Flut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=71
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ (Hörbuch)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2193
[„Der Canyon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4243
[„Dark Secret – Mörderische Jagd“ (Hörbuch)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4124
[„Credo – Das letzte Geheimnis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5770
[„Das Patent“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=701

Henry Holt – Die Tongabohne

holt-tongabohne-cover-kleinEine junge Erbin wird anonym bedroht. Als in ihrem Umfeld Menschen sterben, versuchen ein Polizist, ein Reporter und ein verliebter Ehrenmann jenes kriminelle Genie zu finden, das an jedem Tatort eine feuerrote Bohne als Markenzeichen hinterlässt … – Altmodischer und verwickelter Krimi, der eher handfest als elegant aber unterhaltsam die übliche Täter-Suche in einem fixierten Kreis von Verdächtigen schildert: Auf eine Agatha Christie kommen zehn Henry Holts.
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Nick Stone – Der Totenmeister

Wenn wir den Begriff Voodoo hören, so interpretieren wir immer schwarze Magie und Zombies, die seelen- und willenlos als Diener, Sklave jemandem dienen. Als Symbol fungiert oftmals eine sogenannte Voodoo-Puppe, die das Opfer darstellen soll und die durch dunkle Magie verhext, bzw. verflucht ist. Hier werden oftmals Fakten mit Fiktion kombiniert. Voodoo gibt es wirklich und es ist eine anerkannte Religion, die auf Haiti, in Afrika und auch in südlichen Teilen der USA aktiv praktiziert wird.

Durch die Sklaverei kam dieser Glauben, der auch für viele Magie beinhaltet – schwarze wie auch weiße, auf die westindischen Inseln. Voodoo ist aber keine „böse“ Religion, oder ein fanatischer Irrglaube, Voodoo beschäftigt sich auch viel mit Medizin, Trance und alternativen, natürlichen Heilverfahren. Inzwischen hat sich der Voodoo-Glauben in vielen Regionen mit den Glaubenslehren des Islams vermischt. Oftmals besonders in afrikanischen Staaten wird der christliche Glaube neben dem Voodoo-Kult praktiziert, und viele Menschen glauben dort an Gott genauso wie an ihre traditionellen Geister des Voodoos.

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Ketchum, Jack – Lost, The

1965: Es ist die Zeit der „Love & Peace“-Generation. Die Zeit der Drogen, der stillen Revolution unter den Teenagern, die Wirren der unruhigen Zeiten, in denen Politik und aufkommende Kriege die Zukunft düster und seltsam erscheinen lassen. Der amerikanischer Bürgerrechtlicher Malcom X wird erschossen, in Asien wird der Vietnamkrieg bald das ganze Land in ein Chaos verwandeln und Amerika wird eindeutig Stellung beziehen und militärisch eingreifen.

Der amerikanische Jack Ketchum verarbeitet den Amoklauf eines verlorenen jungen Mannes, der als Sinnbild einer ganzen Generation steht, die Drogen, Sex und Egoismus gelebt und geliebt haben. Der Roman „The Lost“ ist im Heyne Verlag in der Sparte „Hardcore“ erschienen.

_Inhalt_

Wir schreiben das Jahr 1965. In der kleinen Stadt Sparta in New Jersey ist das Leben beschaulich und ruhig. Die dortigen Polizeibeamten haben es weniger mit Gewaltverbrechen zu tun, eher routiniert geht es hier um Verkehrsdelikte, Ehestreite, Katzen, die es aus Regenrinnen zu retten gilt und manch abendliche kleinere Schlägerei zwischen pubertären Jugendlichen.

Ray Pye, ein narzisstischer und psychopathischer Teenager hat seine beiden Freunde Tim und Jennifer fest in seinem Bann. Ray ist ein kleinwüchsiger Mann, der seine Stiefel mit Dosen und Zeitungen ausstopft, um größer zu ein. Seine egomanischen Triebe lebt der Sohn einer Motelbesitzerin aus, indem er nach seiner Arbeit im elterlichen Motel, seine sexuellen Begierden auslebt. Mit dem Dealen von Drogen manipuliert er seine Käufer und macht sich besonders die jungen Frauen gefügig. Sein Selbstwertgefühl ist ein Betrug an sich selbst.

Der Frieden in Sparta wird an diesem Tag dramatisch enden. Ray Pye, der mit Jennifer und Tom im Wald campt, trifft zufällig auf zwei junge Frauen. An diesem sommerlichen Tag feuert Pye mit seinem Gewehr ohne Vorwarnung und Motiv auf die beiden jungen Frauen. Lisa wird von mehreren Kugeln in Kopf und Brust getroffen und stirbt noch im Wald. Elise dagegen kann mit ihren schweren Schussverletzungen entkommen, stirbt aber nach vier Jahren im Komastadium.

Jennifer und Tim decken Ray und verschweigen auch vier Jahre später die grausamen Morde. Aus Angst und Respekt gegenüber Ray sind sie ihm hörig, und Ray genießt seine Macht. Trotzdem er der Hauptverdächtige in diesem Mordfall war, konnten die beiden Polizeibeamten Ed Anderson und Charlie Schilling Ray nicht als den Täter überführen. Doch Charlie, der von der Schuld Rays überzeugt ist, lässt nicht locker und sucht mit einer verzweifelten Intensität nach Beweisen. Er nutzt jede Gelegenheit, um Ray aus der Fassung zu bringen.

Als die junge Katherina aus San Francisco zuzieht, spielt sie perfide mit dem psychopathischen Ray Pye, der sich mehr und mehr zu der attraktiven und selbstbewussten Frau hingezogen fühlt. Sie hat ihn völlig in ihrer Hand, und als sie ahnt, wie gefährlich der Mann ist und sie Abstand gewinnen möchte, ist der „point of no return“ schon lange überschritten.

Ray, der ahnt, dass er bei der jungen Frau nicht landen kann, sucht natürlich die Schuld und Ursache nicht bei sich. Als er bei der jungen und ebenfalls attraktiven Sally, die die Freundin von Ed ist, ebenso abgewiesen wird und seine langjährige Freundin Jennifer sich mit Tim vergnügt, fällt sein selbstgebasteltes Kartenhaus von Selbstverliebtheit und überspielten Minderwertigkeitsgefühlen zusammen. Emotional in einer Ruine seiner kranken Persönlichkeit stehend, begibt sich Ray auf einen Kreuzzug gegen die drei jungen Frauen, die ihn so ignoriert und abgestoßen haben. Sein Amoklauf kennt an Brutalität und Unmenschlichkeit keine Grenzen und selbst unschuldige Menschen sind nur überflüssige Statisten in seiner Abrechnung …

_Kritik_

„The Lost“ von Jack Ketchum ist ein Schock. Wer bislang Jack Ketchum noch nicht gelesen hat, für den wird der Roman abstoßend und zugleich faszinierend sein.

Jack Ketchums brachialer Stil die Morde und selbst die Charaktere zu beschreiben ist verstörend detailliert. Alleine schon die Charakterzeichnung von Ray Pye, der mit seiner Testosteron gesteuerten Entwicklung, sich als eiskalter und brutaler Manipulator zu einer Mordmaschine entwickelt, ist verstörend, aber auch genial. Ray Pye ist das personifizierte Sinnbild einer Zeit, in der eine Generation sich vollkommen in Stich gelassen fühlte und nicht wirklich wusste, was sie mit sich anfangen sollte. Auch hier beschreibt der Autor sehr eindrucksvoll, mit welchen Ängsten und Hoffnungen sich diese jungen Menschen ihr Universum schufen und welchen Werten sie doch hinterherrannten.

Doch nicht nur die „Love & Peace“-Generation hat hier ihr Päckchen zu tragen, auch die beiden Polizisten und die älteren Personen tragen ihrer Schicksale und sind sich nicht immer bewusst wie und wann sie zu handeln haben. Letztlich beschreibt Jack Ketchum das in einer langen Kette von Eskalationen, was so endet, als würde man den ersten Stein einer Dominokette umwerfen. Die explosive Welle der Gewalt verschlingt am Ende auch die Unschuldigen, und die Überlebenden tragen in sich die Schuld oder Unschuld, die sie immer wieder hinterfragen.

Dass die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht, wird auf den Leser noch viel verstörender wirken. Und wenn man sich auf die Wortwahl des Autors stürzt, so kann man diese als durchaus vulgär, aber ehrlich beschreiben. Seine Figuren denken und überlegen in der gleichen Sprache, selbst die Dialoge sind für den Leser, der sonst eher den feinen Stil bevorzugt, mehr als gewöhnungsbedürftig.

Die Spannung wird durch die Charaktere getragen, und nicht nur von diesen. Die Verhältnisse und Abhängigkeiten, die Machtspielchen und die Grenzen der einzelnen Personen stehen im Fokus. Die Dialoge sind ebenso einfach wie glaubwürdig beschrieben und die Wahl, das jeweilige Kapitel aus der Perspektive der verschiedenen Figuren zu erzählen, ist wahrlich meisterlich. Man ahnt zwar, wie es ausgehen wird, aber der Weg dorthin ist absolut fesselnd erzählt.

Das „Böse“ ist hier ist die Summe der Gesellschaft, das Produkt unserer Ängste und Hoffnungen und der mutlosen Hilflosigkeit, die wir uns nicht erklären können.

_Fazit_

„The Lost“ ist schwer einzuordnen! Ist es ein gesellschaftliches Drama oder eher Horror, vielleicht doch ein Thriller? Es ist, was es ist … ein genialer Roman der noch Stunden oder gar Tage nachwirkt.

„The Lost“ ist ein explosiver und eiskalter Thriller, der im Genre „Hardcore“ wohl platziert ist und dieser Bezeichnung alle Ehre macht. Die Angst, die sich hier entwickelt, lässt das Grauen kontinuierlich wachsen, und selbst am Ende des Romans wird der Leser nicht wirklich zum Luftholen kommen.

Jack Ketchums „The Lost“ nicht zu empfehlen, geht nicht, also lassen Sie es zu und folgen sie den Protagonisten in einem Amoklauf der Gewalt und der Gefühle.

_Autor_

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Seine Horrorromane zählen in den USA unter Kennern neben den Werken von Stephen King oder Clive Barker zu den absoluten Meisterwerken des Genres, wofür Jack Ketchum mehrere namhafte Auszeichnungen verliehen wurden.

|Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3453675513
Originaltitel: The Lost|

_Jack Ketchum auf |Buchwurm.info|:_
[„Evil“ 2151
[„Beutezeit“ 4272
[„Amokjagd“ 5019
[„Blutrot“ 5488
[„Beutegier“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6045

Parker, Robert B. – Godwulf Manuscript, The – Ein Spenser-Krimi

_Spensers erster Fall: Tempo, Sex und Action_

Spenser wird von einer Bostoner Universität angeheuert, eine rares, gestohlenes Manuskript aus dem Mittelalter wiederzubeschaffen. Er ist kaum überrascht, dass sein einziger Hinweis ein radikaler Student ist, dem vier Kugeln in der Brust stecken. Die Cops sind dabei, die hübsche Blondine einzubuchten, deren Fingerabdrücke sich überall auf der Tatwaffe finden. Spenser gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden. Er kniet sich in seine Hausaufgaben rein, im Wissen, dass, wenn er seinen Auftrag nicht schnellstens erledigt, könnte er sich eine ganz schlechte Note einhandeln – eine, die von einer blauen Bohne begleitet wird …

Deutsche Übersetzung? Ich konnte keine finden.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
„Hugger Mugger“ …
Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Direktor der Bostoner Universität beauftragt Privatdetektiv Spenser damit, ein am Sonntag gestohlenes Manuskript aus dem 14. Jahrhundert wiederzubeschaffen. Der Sicherheitsbeauftragte der Uni, Tower, informiert ihn, dass der anonyme Dieb 100.000 Dollar Lösegeld für das Manuskript haben will, zahlbar an eine radikale Organisation. Ein seltsamer Dieb, findet Spenser. Tower tippt auf eine radikale Organisation namens SCACE: das Studentenkomitee gegen kapitalistische Ausbeutung.

Das zugänglichste Mitglied von SCACE soll dessen Sekretärin Terry Orchard sein. Die junge Frau erweist sich zwar als halbwegs mitteilsam, doch ihr radikaler Freund Dennis Powell will sich unbedingt mit Spenser prügeln. Da gerät er an den Richtigen: Spenser war mal Boxer. In Nullkommanix liegt Dennis am Boden, dann zerrt er Terry fort. Wenigstens konnte Spenser ihr seine Karte geben.

Und das erweist sich als gut für sie, denn nachts um drei Uhr ruft sie ihn an und bittet ihn mit einer merkwürdig langsamen Stimme um Hilfe. Er rast zur angegebenen Adresse in einer anrüchigen Studentengegend nahe der Uni. Er bricht in die angegebene Wohnung ein, nur um die Leiche des erschossenen Dennis Powell vorzufinden sowie eine schwer unter Drogen stehende Terry Orchard.

Nachdem er ihren Kreislauf wieder in Schwung gebracht hat, kann sie ihm halbwegs zusammenhängend berichten, was geschehen ist. Zwei weiße Männer in Mäntel und mit Handschuhen wurden von Dennis mitten in der Nacht hereingelassen. Sie erschossen ihn, dann richteten sie es so ein, dass das wehrlose Mädchen ihre eigene Waffe – sie hatten sie extra mitgebracht – auf den leblosen Dennis abfeuerte. Spenser ist klar warum: Die Schmauchspuren würden auf Terry als Schützin hinweisen. Dann verabreichten die zwei Verbrecher ihr oral eine Droge, die nach Opium und Kampfer schmeckte. Es sollte wie eine Überdosis aussehen. Alles sollte wie ein Streit unter Liebenden sowie einem Selbstmord der Schützin aussehen. Nur Spensers Eintreffen machten den Urhebern einen Strich durch die Rechnung.

Aber wer hat die Kerle geschickt, fragt sich Spenser. Terry weiß es nicht. Erst auf seine bohrenden Fragen rückt sie mit Bruchstücken ihrer Erinnerung heraus: Dennis telefonierte mit einem Professor und sagte, er habe „es“ gut versteckt – das Godwulf-Manuskript? Terry weiß es nicht. Sobald Spenser sie bei der Mordkommission von Lieutenant Martin Quirk abgeliefert hat, beauftragt ihr Vater, der Terry auf Kaution freibekommt, Spenser damit, nach den Verbrechern zu suchen, die seine Tochter zu einer Mordverdächtigen gemacht haben.

Mit zwei Honorarvorschüssen in der Tasche macht sich Spenser auf die Suche, denn für ihn ist sonnenklar, dass der Manuskript-Diebstahl und der Mord an Dennis Powell zusammenhängen. Als Informationsquelle tut Spenser, der von der Unilleitung und Tower gewarnt wird, bloß keine Dozenten zu beschnüffeln, die Chefredakteurin der Studentenzeitung auf, Iris Milford. Iris ist eine Schwarze, erst 28 und schon Mutter von drei Kindern – sie kennt das Leben.

Und sie kann ihm einen Professor nennen, der sowohl für das Manuskript als auch als Powells Kontakt in Frage kommt: Prof. Lowell Hayden. Kaum hat Spenser eine paar Takte mit dem Professor gesprochen, als auch schon zwei Typen mit harten, kantigen gesichtern in seinem Büro auftauchen. Sie fordern ihn unmissverständlich auf, sie zu dem Unterweltkönig Joe Broz zu begleiten, wenn ihm seine Gesundheit am Herzen liegt. Schweren Herzens kommt Spenser mit. Mit Joe Broz scherzt man nicht.

Nach dem unerquicklichen Gespräch mit dem „Paten“ geschehen merkwürdige Dinge in Spensers Fall: Das Manuskript taucht wieder, Quirk wird als Ermittlungsleiter abgelöst und – eine weitere Leiche taucht auf: Terry Orchards frühere Mitbewohnerin Catherine Connelly. Jetzt wird Spenser erst recht neugierig, ganz egal, ob Joe Broz ihn ernsthaft davor gewarnt hat, weiter seine Nase in diesen Fall zu stecken.

Denn für ihn gibt es nur einen Weg, um die unschuldige Terry Orchard vor dem Frauengefängnis zu bewahren: den wahren Urheber des Mordanschlags auf sie und Dennis Powell zu finden …

_Mein Eindruck_

Der Held agiert in Parkers erstem „Spenser“-Krimi wie heutzutage Jack Reacher: Kompromisslos, unaufhaltsam, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Das ist schwer nachzuvollziehen, weil wir nur sehr wenig von seinem Hintergrund mitgeteilt bekommen. Er hat in Korea gekämpft, war mal ein Polizist, bis er wegen Befehlsverweigerung geschasst wurde, arbeitete auch mal für den Distriktstaatsanwalt des Landkreises Suffolk. Er kennt sich also mit Ermittlungen aus – na schön. Aber wieso muss er durch jede Mauer?

Es muss wohl an seinem weichen Herz liegen, das ihn größtes Interesse am weiblichen Geschlecht hegen lässt. Und die arme Terry Orchard ist nicht nur mehrfach auf seine Hilfe angewiesen, sondern sie sieht auch gut aus – und er schläft auch mich ihr. Schließlich ist er keineswegs ein Kostverächter. Selbst wenn er kurz zuvor mit Terry Mutter geschlafen hat, die von ihrem stets abwesenden Mann reichlich frustriert ist und dringend sexuelle Zuwendung braucht. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist Spenser eine Ein-Mann-Schutztruppe für Frauen in Not.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, ist er ein unaufhaltsamer Verfechter der Gerechtigkeit. Weder Drohungen von Joe Broz noch Warnungen von der Polizeiführung können ihn davon abhalten, den Drahtzieher des Anschlags auf Dennis und Terry ausfindig zu machen und zu Rechenschaft zu ziehen. Ironischerweise muss er dem Kerl erst einmal das Leben retten und fängt sich dabei eine Kugel ein.

Man kann sich weder über zu geringes Tempo noch über zu wenig Action – weder in Form von Gewalt, noch in Form von Liebe – beschweren. Der finale Showdown lässt als Dramatik und verzweifelter Gewalt nichts zu wünschen übrig. Später muss sich Spenser von seiner Freundin Susan Silverman – die er im nächsten Fall kennenlernt – fragen lassen (in „Promised Land“), ob es wirklich nötig war, Joe Broz‘ Killer mit eigenen Händen zu erwürgen. Spenser kann nur erwidern, dass er das ist, was er tut. Man muss ihn an den Ergebnissen seiner Taten messen, wie Thomas Jefferson es empfahl: Und das Ergebnis ist, dass der Täter gefasst wird und Terry Orchard endlich freikommt. Da gibt es nichts zu meckern.

_Unterm Strich_

Das titelgebende Godwulf-Manuskript selbst ist völlig unwichtig, ganz im Unterschied zu jenen alten Schriften, die wir bei Dan Brown finden. Somit ist dieser schnörkellose, sehr temporeiche Krimi keineswegs ein Thriller neuer Schule, sondern eher ein naher Verwandter eines Mike-Hammer-Krimis von Mickey Spillane.

Bekanntlich ist Parker auch ein Jünger und Nachahmer, ja sogar Kollaborateur (bei „Poodle Springs“, s. o.) von Raymond Chandler. Respektlose Untersuchungen und Schnüffler sind dessen Markenzeichen. Bei Spenser kommen noch die Eigenschaften eines guten Kochs und eines Künstlers hinzu – ein seltener Vogel.

Da das Geschehen an einer Uni spielt, kennt sich der ehemalige Uniprofessor Parker (er war es bis 1979) bestens mit dem Milieu aus. Und natürlich mit der entsprechenden Ära, die von Rassenunruhen, Studentenrevolten („Four Dead in Ohio!“), Gegenkultur, Revoluzzern, Sekten (man denke an Charles Manson) und natürlich Drogen geprägt war – eine sehr turbulente Zeit. Was macht Parker daraus?

Parker lehnt nicht die Menschen an sich ab, wohl aber ihre verbrecherischen Taten und Absichten. Der Täter etwa will die Menschen durch Drogen befreien, als sei er ein zweiter Timothy Leary. Dass er dabei ebenso einen Reibach macht wie der Gangster, der das Heroin liefert, steht offenbar in keinem Widerspruch zu seinen antikapitalistischen Thesen. Der Täter erweist sich als echter Wirrkopf und gemahnt Spenser an gewisse Figuren aus „Alice im Wunderland“, etwa an den Verrückten Hutmacher. Dementsprechend zahlreich und tragisch sind die Opfer dieser wirren Denkweise.

Spenser bzw. Parker hat schon immer etwas gegen Radikale und Theoretiker gehabt. Am besten ist dies im preisgekrönten Krimi „Promised Land“ abzulesen (Spenser Nr. 4). Dort töten radikale Feministinnen beiläufig einen Bankwächter und eine unbescholtene Gattin und Mutter gerät aus falsch verstandener Solidarität mitten in die nachfolgende Morduntersuchung. Parker kritisiert falsch verstandene und angewendete Ideale und Versprechen – nicht die Menschen, die an sie glauben und deshalb verraten und betrogen werden. Diese Haltung macht ihn mir so sympathisch und stellt mich mit den Geschichten seiner Krimis immer wieder zufrieden.

Was seinem Erstling allerdings fehlt, ist die psychologische Einsicht. Sein Held ist noch reichlich zweidimensional und macht einen recht machomäßigen Eindruck. Das soll sich ab Krimi Nr. 4 tiefgreifend ändern, was nicht zuletzt am Erscheinen und der Wirkung von Susan Silverman, der Psychologin, liegt. Die Durchschnittswertung wird allerdings durch den hohen Unterhaltungswert verbessert.

|Taschenbuch: 208 Seiten
ISBN-13: 978-0440129615|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Robert B. Parker – Mortal Stakes – Ein Spenser-Krimi

Spielmanipulation in Boston? Spenser räumt auf

Der Bostoner Baseballstar Marty Rabb spielt weit unter seinen Möglichkeiten. Wird er bestochen? Oder erpresst? Heimlich nimmt Spenser, Bostons bester Privatdetektiv, die Lebensumstände des Athleten unter die Lupe. Ohne Erfolg. Doch als er sich nach der Vergangenheit von Rabbs Frau erkundigt, wird er fündig …

Titel der Übersetzung: „Endspiel gegen den Tod“ (1977 bei Ullstein).

Der Autor

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Palagonia, Gianni – Il Silenzio – Das große Schweigen

In den Reihen der Mafia gilt noch immer das Gesetz des Schweigens, die Omerta. Italien ist vielleicht der Staat in Europa, der durchdrungen ist von einem feinen aber festen Spinnennetz krimineller Organisation und Kontakte. Die Wirtschaft, die Politik aber auch andere verschiedene Staatsorgane profitieren von den Geschäften mit der Mafia. Das Verbrechen hat vielleicht sein Gesicht geändert, sicherlich gibt es noch immer den Drogenhandel, aber ebenso Produktpiraterie und ähnliche dubiose Geschäfte, mit denen sich Geld „waschen“ oder auch verdienen lässt.

Hinter den „Bossen“ der Mafia, hinter den schwer durchschaubaren kriminellen Kulissen agieren und befehlen noch immer „einfache“ Menschen, ganze Familien mit ihren Clans, die von einem bedrohlichen Schweigen geschützt werden. Wer redet, wird zuerst bedroht oder aber auch gleich getötet. Die Mafia ist zwar diskreter geworden und weiß, wie man unter einem legalen Deckmantel Geschäfte macht, doch die Wahl ihrer Waffen hat sich nur erweitert.

Der Staat steht nicht nur hilflos da, aber er kämpft mit einer unbesiegbaren Krake, die man zwar verärgern kann, aber die schwerlich zu töten ist. Es sind viele Romane geschrieben worden, immer aus vielen verschiedenen Perspektiven; Angehörige von Mafiosi, Witwen ermordeter Polizeibeamten oder Staatsanwälte, Reporter, Spitzel usw.

Man kann sich unschwer vorstellten, dass Kriminalbeamte, die gegen die Mafia ermitteln, kein leichtes Leben haben. Sie riskieren täglich ihr Leben und das ihrer Familie gleich mit. Resignation stellt sich schnell ein, gerade wenn man feststellt, dass der verhaftete Verbrecher wieder auf freien Fuß kommt oder als Kronzeuge geschützt und subventioniert wird und ein sorgenfreies Leben bekommt, als man selbst hat! Es gibt kaum Gerechtigkeit und gewürdigt wird die gefährliche Arbeit nicht.

In „Il Silenzio – Das große Schweigen“ erzählt ein Anti-Mafia-Polizist aus seiner 10-jährigen Erfahrung vom Kampf mit der Mafia. Natürlich bedient sich der Autor eines Pseudonyms, denn sonst wäre sein Leben rasch beendet. Die Mafia verzeiht und vergisst nichts.

_Inhalt_

Gianni Palagonia träumt schon von Kindheit an, Polizist zu werden. Mit strahlenden Augen beobachtet er die Polizisten, die auf der „Straße“ ihren Dienst tun. Die schicken Uniformen, die Waffen und auch den Respekt und die Vorsicht, die man ihnen entgegenbringt. Giannis Eltern sind alles andere als begeistert vom Berufswunsch ihres Sohnes, doch lässt er sich nicht davon abbringen.

Die Mafia hat zwar noch kein „Gesicht“ für Gianni, doch er weiß, bzw. ahnt, dass das alltägliche Leben geprägt sein kann von „Gefallen“, die man einander erweist, oder welcher Person, auch wenn sie einem unbekannt ist, einen gewissen Respekt entgegenbringen sollte. In der Schule freundet sich Gianni mit einem zwielichtigen und vorlauten Jungen an, noch weiß er nicht, dass sie Jahre auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen werden und das vielleicht sogar tödlich sein kann.

Als Gianni das Auswahlverfahren der Polizeibehörde besteht, geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, und auch seine Eltern sind stolz, als sie ihren Sohn das erste Mal in Uniform bewundern können.

Die erste Station des jungen Polizisten ist die italienische Hauptstadt Rom und dort wird er dem Rauschgiftdezernat zugeteilt. Die ersten Konfrontationen mit dem organisierten Verbrechen sind ernüchternd und verschrecken Gianni. Die Realität seines Berufes wird ihm gerade in dieser Zeit bewusst und so verabschiedet er sich von seinen Kindheitsillusionen. Auch seine persönlichen Begegnungen mit Dealern und ihren süchtigen Opfern hinterlassen Spuren an dem jungen Mann.

Loyal und ehrgeizig verfolgt er sein Ziel in die „Squadra Mobile“ aufgenommen zu werden, eine Spezialeinheit, die immer in Zivil auftritt. Der Dienst in dieser „Elite-Einheit“ ist nicht ungefährlich, das weiß und stellt er schnell fest, als er der elitären Gruppe beitritt.

1984 erreicht Gianni seine Versetzung in seine Heimatstadt auf Sizilien ins Kommissariat. Seine Eltern sind überglücklich. Gianni bekämpft auch hier die Mafia, die in vielen Bereichen tätig ist, nicht nur Drogen und Schutzgelderpressung. Ziel ist es für die Kriminalbeamten hinter die Kulissen des organisierten Verbrechens zu gelangen, um die „Bosse“ der Mafia ausschalten zu können. Doch noch immer gilt das Gesetz des Schweigens. Unterstützung findet Gianni wenig später durch seinen ehemaligen Jugendfreund aus Kindertagen, der ebenfalls ein Teil der Mafia ist und dessen kriminelle Laufbahn gerade erst beginnt. Ein wichtiger und gefährlicher Informant der Gianni und seine Kollegen zwar mit Informationen versorgt, aber diese auch in höchste Gefahr bringen kann …

_Kritik_

Das organisierte Verbrechen, die Mafia gehört zu Italien wie Pizza, Eis oder das Forum Romanum im Zentrum Roms. Gehört und gelesen oder in Filmen und Fernsehserien gesehen haben wir viel. Mit der Mafia verbinden wir Gewalt, Korruption und Angst. Das ist soweit auch richtig, aber auch die Mafia verändert ihr Gesicht und ihre Gewohnheiten.

Die Mafia ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und ein fester Bestandteil von ihr. Genau diese Perspektive vertritt auch der Autor und Protagonist Gianni Palagonia und er erzählt ungefiltert und ehrlich von den Unzulänglichkeiten und der Hilflosigkeit der Justiz und der polizeilichen Behörden, aber auch von deren vielen Fehlern und Abhängigkeiten. Der Staat ist korrupt, bzw. seine Politiker und Beamten, auch das stellt Gianni in seiner Dienstzeit fest.

Viel Neues gibt es in „Il Silenzio – Das große Schweigen“ nicht. Alles, was in vielen Ereignissen erzählt und aufgeschlüsselt wird, ist kein Geheimnis mehr. Dennoch ist die Perspektive von Gianni interessant, als Polizeibeamter in Italien. Mit anderen Ländern in Europa ist seine Position schwer vergleichbar. Als „Beobachter“, nichts anderes sind wir, wenn wir die Meldungen aus den Medien verfolgen, haben wir logischerweise eine gewisse Distanz zu den Opfern und den Tätern. Wir hören traurig und betroffen zu, wenn Witwen der getöteten Beamten und Staatsanwälte ihr Leid und ihren Verlust beklagen, aber wir können gar nicht den Schmerz begreifen.

Gianni Palagonia erzählt seine persönliche Geschichte von Verlust, Hilflosigkeit und Bedrohung seiner Familie durch die Mafia. Seine Perspektive, die eines Polizisten, der tagtäglich sein Leben riskiert, ist spannend erzählt. Nicht reißerisch oder glorifizierend erzählt er von seinen Erlebnissen auf der Straße, im Dezernat oder auch in kritischen Situationen.

Aber auch einfühlsam erzählt der Polizist, wie normale Bürger, verzweifelt wie sie sind, in das Netz der Mafia geraten und keinen Ausweg mehr sehen, kein Zurück innerhalb der kriminellen „Familie“, nur noch mehr Schritte vorwärts, auch wenn die immer weiter ins Verderben führen. Sein Freund aus Kinderzeiten füllt diese Rolle aus und zeigt uns auf, dass Mitglieder der Mafia keine „Übermenschen“ sind oder innerhalb der Gesellschaft etwas Besonderes darstellen, sie sind der Nachbar von nebenan, der Arbeitskollege, der ehemalige Freund …

Gianni Palagonia erzählt aus dem Fundus seiner Erfahrungen und nimmt auch kein Blatt vor den Mund. Die Ungerechtigkeiten im Zeugenschutzprogramm des Staates, das Verbrecher die Gelegenheit gibt, geschützt auszusagen und sich zusammen mit der Familie eine neue Existenz aufbauen und dabei noch mehr finanzielle Unterstützung erhalten, als ein Polizist im Jahr verdienen kann.

Ebenso erzählt er von seinen Ängsten, seinen Hoffnungen und auch von den Schwierigkeiten ein „normales“ Leben mit seiner Frau und Kindern zu führen, die verständlicherweise um ihren Mann und Vater fürchten. All das sind nur Eckpunkte seines gefährlichen Lebens für ein Ideal, das wahrscheinlich niemals erreicht werden kann.

_Fazit_

„Il Silenzio – Das große Schweigen“ ist kein „leiser“ Roman, zwischen den Zeilen prangert er die hilflose Justiz an. Die ernüchternde Art, wie Polizeibeamten Respekt entgegengebracht wird und wie korrupt und ungerecht der Staat auf die Mafia reagiert, die im Grunde schon fest verankert ist, egal ob in Politik, Gesellschaft oder den Unternehmen. Solange man „schweigt“, Angst hat und sich verkriecht, wird sich nichts ändern, eine Tatsache, die immer wieder als Kernaussage in den Vordergrund tritt.

Gianni Palagonia erzählt ausschmückend, aber nicht übertrieben von seiner täglichen Arbeit. „Il Silenzio – Das große Schweigen“ ist keine Räuberpistole, kein Roman, der die „ehrenwerte Gesellschaft“ entschuldigt, in Schutz nimmt. Aber ebenso kein Roman, der viel Neues erzählt und Lücken schließen kann.

Die Geschichte „lebt“ durch eine klare Sprache und transparente Situationen, die spannend erzählt werden. Gianni Palagonia konzentriert sich auf die Arbeit der Polizei in Italien und nicht auf die Mafia. Manche kriminellen Prozesse werden zwar erklärt, doch die Täter bleiben anonym.

Das Buch wird kein Dorn im Auge der Mafia sein, noch nicht einmal ein Staubkorn, aber es kann Fragen zur Polizeiarbeit beantworten und vielleicht auch die Perspektive eines Polizisten näherbringen.

„Il Silenzio – Das große Schweigen“ – ist eine spannende Geschichte aus der Perspektive eines Polizisten geschrieben. Inhaltlich interessant mit ein paar Wiederholungen bietet der Roman gute Unterhaltung.

|Taschenbuch: 432 Seiten
Originaltitel: Il silenzio. Racconto di un sbirro antimafia
ISBN-13: 978-3453601130|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

Grote, Paul – Champagner-Fonds, Der

Der „Gourmet-Krimi“ ist inzwischen fester Bestandteil des Krimigenres und speziell der Wein hat es den Autoren dabei offensichtlich sehr angetan. Auch Weinexperte Paul Grote spürt seiner kriminalistischen Ader nach und liefert mit „Der Champagner-Fonds“ seinen mittlerweile sechsten Weinkrimi ab. Mit jedem Band seiner Reihe schickt er seine wechselnden Hauptfiguren in ein anderes Anbaugebiet, um die Besonderheiten der örtlichen Weine wie auch der Menschen zu ergründen.

_Philipp Achenbach arbeitet_ als Chef-Verkoster bei France-Import, einem auf französische Weine spezialisierten Importeur in Köln. Eigentlich ist er mit seinem Job sehr zufrieden. Sein Chef schätzt seine herausragende Kompetenz bei der Auswahl der Weine und immer wieder führt die Arbeit Achenbach in die verschiedenen französischen Anbaugebiete, um neue interessante Weine aufzuspüren.

Nun kommt Klaus Langer, sein Chef, mit einem ganz neuen Anliegen, das dem Weinkenner Achenbach schon vom Grundsatz her Kopfschmerzen bereitet. Lange möchte mit der Firma in einen Champagner-Aktienfonds einsteigen und den Vertrieb der im Fonds gehandelten Champagner übernehmen. Parallel soll die Firma radikal vergrößert werden und nicht nur Spezialist für französische Weine bleiben, sondern ihre Arbeit auf andere Anbaugebiete ausdehnen. Achenbach steht dem Vorhaben äußerst skeptisch gegenüber, auch wenn der Chef mit einer Beförderung und neuen Kompetenzen lockt.

Phillips erste Aufgabe besteht darin, in die Champagne zu reisen, vor Ort mit den Verantwortlichen des Fonds zu sprechen, Keller und Lagerbestände zu besichtigen und den Einstieg von France-Import in den Fonds vorzubereiten. Vor Ort stößt Achenbach schon bald auf ein paar Ungereimtheiten. Zwar nur Kleinigkeiten, aber als man ihn dann auch noch verfolgt, entschließt Philipp sich dazu, mal etwas tiefer zu graben. Was er dabei entdeckt, sieht nach Betrug aus. Philipps Schnüffeleien stoßen auf wenig Gegenliebe, auch von Seiten seines eigenen Chefs. Doch Philipp lässt sich dadurch nicht beirren. Er ermittelt weiter und bringt damit nicht nur sich selbst in Gefahr …

_Paul Grote lässt_ seinen Roman recht ruhig anlaufen. Der Leser hat Zeit, in Ruhe die Protagonisten kennenzulernen: Philipp Achenbach und seine Leidenschaft für Wein, seinen Sohn Thomas, der sein BWL-Studium zugunsten einer Winzerlehre hinschmeißen will und Achenbachs zarte Anbandelungsversuche mit der neuen Sekretärin von France-Import. Es wird viel über Wein diskutiert, aber auch über Wirtschaft allgemein und das Finanzwesen im Speziellen.

Ehe auch nur die ersten Dinge auftauchen, die man typischerweise in einem Krimi erwartet, hat man schon so viele Seiten umgeblättert, dass man geneigt ist, den Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Buchdeckel für einen Druckfehler zu halten. Um die kriminalistischen Romanelemente der ersten Romanhälfte aufzuzählen, braucht man nicht einmal alle Finger einer Hand: Jemand lügt und unser Held wird verfolgt – das war es auch schon an krimitypischer Stilistik.

Die Geschichte ist zwar sicherlich nicht uninteressant und vor allem Wein- bzw. Champagnerfreunde können ihren Wissensdurst stillen, die Spannung bleibt dabei in der ersten Romanhälfte aber leider völlig auf der Strecke. Erst nachdem Achenbach in der Champagne erste Unstimmigkeiten aufdeckt, kommt zunehmend Spannung auf. Wirklich Tempo entwickelt die Handlung dann vor allem im letzten Drittel. Dann überschlagen sich die Ereignisse, die Lage wird für Achenbach und seine Helfer und Informanten gefährlich und der Leser hat endlich Gelegenheit mitzufiebern. Was Grote im letzten Drittel auffährt, überzeugt und entschädigt den Leser, der bis hierhin durchgehalten hat, dann doch noch ein wenig.

Positiv fällt Paul Grotes Schreibstil auf. Er schreibt eingängig und verständlich, so dass der Leser eine Menge Wissen aus dem Buch mitnehmen kann. Er lässt sich über alle Facetten der Champagner-Herstellung aus, vom Boden, über die verschiedenen Rebsorten bis zur Lagerung und Degustation. Man merkt, dass hier ein Experte am Werk ist, der weiß, wovon er spricht.

Die Protagonisten sind allesamt sehr greifbar und authentisch. Sie wirken nie überzeichnet oder gekünstelt. Auch das kann man durchaus wieder als einen der Vorzüge des Romans gelten lassen.

_Bleiben unterm Strich_ gemischte Gefühle zurück. Grote beweist viel Sachkenntnis und hat ein ziemlich großes Bedürfnis, diese dem Leser unter Beweis zu stellen. So braucht das Grundgerüst des Romans recht lange, bis es steht und Spannung entsteht in der ersten Romanhälfte dadurch leider überhaupt nicht. Wer nicht die Flinte ins Korn (bzw. in die Maische) wirft, wird am Ende zwar noch mit einem durchaus spannenden Krimi belohnt, muss aber eben auch einen langen Atem haben.

|Taschenbuch: 400 Seiten
Wein-Krimi-Reihe Band 7
ISBN-13: 978-3423212373|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de

Preyer, J. J. – Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic

_Inhalt:_

Sherlock Holmes und Doktor Watson versuchen, das Rätsel um den Untergang der Titanic im Jahr 1912 zu lösen. Dabei lernen sie Überlebende des Unglücks kennen, darunter den Kopf einer gefährlichen Verschwörung. Ihm ist die Frau auf den Fersen, die Holmes schon einmal hinters Licht geführt hat: Irene Adler, die Frau im Leben des großen Detektivs. Zwischen Holmes und Irene Adler entbrennt erneut ein erbitterter Kampf.

_Meinung:_

Der Untergang der „Titanic“ am 14. April 1912 bewegt auch heute noch die Fantasie und Gemüter vieler Menschen, was wohl u. a. eng damit verknüpft ist, dass zum einen der Luxusliner als unsinkbar galt und dann doch ausgerechnet auf seiner Jungfernfahrt sank. Bis heute drehen sich darum Verschwörungstheorien, bewegt das Schicksal des Schiffs und der Passagiere Film und Literatur. So auch im Falle „Sherlock Holmes und der Fluch der Titanic“ aus der Feder von J. J. Preyer.

Als Intro zu diesem neuen Sherlock-Holmes-Fall dient ein Prolog über die mysteriöse Zusammenkunft von vier Männern am 29.12.1902 auf Kingsgate Castle in Wiltshire. Diese Männer leisten u. a. einen Schwur, sich in einem Jahr wiederzutreffen, um das Land zu verändern – auf ihrem Tisch ein blühender Kirschzweig.

Die eigentliche Handlung setzt dann zwölf Jahre später in London an. Der Journalist Stanley R. Evans bekommt die Novelle „Hoffnungslos – oder das Wrack der Titan“ zugeschickt, die vierzehn Jahre vor dem Sinken der Titanic erschienen ist und wesentliche Übereinstimmungen zu dem Schiffsunglück hat. Von dem Autor des Textes wird Evans noch weiteres sensationelles Material zum Untergang der Titanic angekündigt – aber dann überschlagen sich die Ereignisse, die in der Ermordung des Journalisten gipfeln. Im Januar 1915 weilt Sherlock Holmes, mittlerweile 61-jährig, in Sussex in einem Hotel und liest in der Zeitung von Evans‘ Ermordung – und dass man bei der Leiche einen blühenden Kirschzweig fand.

Mycroft Holmes kontaktiert seinen Bruder und bittet ihn zu einem Treffen in den „Diogenes Club“ in einer wichtigen Angelegenheit, die ebenfalls mit dem Untergang der Titanic zu tun hat. Mycroft stellt Sherlock dort den Clubkollegen Joseph Bruce Ismay vor, der sich als Inhaber der White Star Line, der Schifffahrtslinie, der die Titanic gehörte, entpuppt. Holmes erfährt, dass der ermordete Journalist in seiner Gazette behauptet hatte, dass Ismay und sein Partner die Titanic versenkt hatten, um die Versicherungssumme zu kassieren. Auch des Mordes an dem Journalisten Evans wird Ismay beschuldigt – und schon steckt Holmes mitten in einem spektakulären Fall. Er schlägt Ismay eine Wiederholungsreise mit der „Olympic“, dem Schwesternschiff der Titanic, vor. Darüber hinaus nimmt er Conelly, den Kollegen des ermordeten Journalisten, mit, damit dieser über die Reise berichten kann, die am 10. April 1915 startet. Unter den Passagieren sind sechs Passagiere, die auch an Bord der Titanic waren und überlebt haben – u. a. auch die beiden Brüder des Kapitäns der Titanic. Ein weiterer Überraschungsgast entpuppt sich als Dr. Watson, der inkognito an Bord gekommen war. Ab da geht es in der Handlung munter weiter.

Sei es eine mysteriöse Mumie, ein wertvolles Collier, ein seit der Tragödie der Titanic stummes Mädchen – und vor allem Irene Adler. Die „spezielle Frau“ in Holmes‘ Leben, ist in einer neuen Identität an Bord. Sie scheint die gleichen Ziele wie Sherlock Holmes zu verfolgen. Natürlich bleibt es nicht bei dem Mord an dem Journalisten, auch der Autor der o. g. Novelle wird gemeuchelt, aber auch an Bord bleiben nicht alle unversehrt. Und noch auf der Fahrt teilt Holmes mit, dass der Fall, der so viele Verästelungen aufweist, erst am 30. Dezember gelöst wird.

J. J. Preyer hat einen interessanten Plot rund um den Untergang der Titanic spannend mit dem Holmes-Universum verquickt. Durch die schnörkellose Sprache des Autors kommen keine Längen in der Handlung auf. Was bei einem nur 224 Seiten langen Roman wesentlich ist, damit er nicht an Inhalt verliert. Der Autor hat gut recherchiert und seine Hausaufgaben gemacht und neben den Fakten rund um die Titanic, und dem Geschehen rund um Sherlock Holmes humorvolle Schlenker eingebaut. So z. B. wenn er und Watson darüber reden, dass eines Tages jemand behaupten würde, es habe sie nie wirklich gegeben, sie seien nur der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Auch biblische Fäden werden gesponnen, neben dem analytischen Verstand des Meisterdetektivs und den Geschichten der Überlebenden des Titanic-Unglücks. Eine Mixtur die bestens unterhält – alle Sherlock-Holmes-Fans, aber nicht nur die!

Die Aufmachung des Buches ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel. Das handliche, gut gebundene kleine Hardcover hat das Buchumschlagmotiv einmal direkt auf dem Deckel und noch einmal auf dem Schutzumschlag. Der Satz ist angenehm augenfreundlich und die Papierqualität gut. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier also.

_Fazit:_

Spannender und interessanter neuer Sherlock-Holmes-Fall in schöner Aufmachung.

|Hardcover: 224 Seiten
Sherlock Holmes‘ neue Fälle, Band Nr. 4
ISBN 978-3-89840-291-0|
[www.blitz-verlag.de]http://www.blitz-verlag.de

_J. J. Preyer bei |Buchwurm.info|:_
[„Sherlock Holmes und die Shakespeare-Verschwörung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5513

E. Richard Johnson – Es kocht in Käfig 5

johnson-kaefig-5-coverEin Massenausbruch in einer Gefängnis-Farm wird vorbereitet aber verraten, was ein beiderseitig gnadenloses Gemetzel auslöst … – Absolut unsentimental und düster erzählt Autor Johnson, der selbst Jahrzehnte hinter Gittern verbrachte, keine originelle, aber spannende und atmosphärisch unerhört dichte Geschichte, zwischen deren Zeilen unerfreuliche Wahrheiten auf den Leser warten: ein richtig böser Reißer!
E. Richard Johnson – Es kocht in Käfig 5 weiterlesen