Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Bonansinga, Jay – Hurricane (Twisted)

Hurricane Katrina, der schlimmste Wirbelsturm aller Zeiten, der im Sommer 2005 über New Orleans fegte, hat auch in der Literatur seine Spuren hinterlassen:

Der FBI-Profiler Ulysses Grove wird eines Abends von einem entfernten Bekannten, dem Uniprofessor Moses de Lourde, angerufen. Moses wohnt in New Orleans und gerade zieht der Hurrikan Cassandra über die Stadt und der Anruf entpuppt sich als Hilferuf. Doch das merkt Ulysses erst bei der Beerdigung, denn er erkennt, dass die Verletzungen, die Moses aufweist, nicht vom Sturm stammen können. Obwohl gerade nach einem sehr belastenden Fall beurlaubt, wittert er einen neuen Fall. Wenig später zieht ein Hurrikan über Florida hinweg – und hinterlässt nicht nur Verwüstung, sondern weitere Mordopfer, die im Auge des Sturms getötet wurden.

Ulysses glaubt, der Mörder will ihn ins Auge locken und er folgt dem Ruf. Doch er ist nicht alleine, denn die Journalistin Maura, mit der Ulysses ein zartes Band der Liebe verbindet, befindet sich auch auf der Jagd nach dem Mörder – und befindet sich, ohne es zu wissen, direkt bei ihm …

Jay Bonansingas Thriller „Hurricane (Twisted)“ ist ein eher unkonventionelles Buch. Schon das Motiv der Handlung – ein psychisch Kranker mordet ausschließlich im Auge des Hurrikans und sein Problem hängt mit dem Hurrikan selbst zusammen – ist eher ungewöhnlich, man möchte sogar sagen: irreal. Nun ja, der Glaube an Geister und Ähnliches, der an manchen Stellen des Buches an die Oberfläche dringt, ist sicherlich nicht gerade sehr authentisch, aber Bonansinga hat dafür eine Erklärung parat. Protagonist Ulysses, dessen Mutter aus Kenia stammt, glaubt selbst ein wenig an Geister, und dank der Einbettung in afrikanische Folklore driftet das Buch nicht in gefährliche Gewässer ab.

Im Gegenteil macht Bonansingas Roman sogar richtig Spaß. Ulysses selbst haftet zwar ein wenig Staub des typisch amerikanischen Protagonisten an – mit seiner glatten Art, dem Erfolg und der Liebe, die er nicht auf die Reihe kriegt -, aber die Handlung ist wirklich sehr gelungen. Wir finden keine übertriebene Action, sondern reale Szenen und eine unaufdringliche, aber spannende Handlung. Sie lässt den Leser lange im Dunkeln tappen, wer denn nun der Mörder ist, der sich in seiner Perspektive als „Heiliger Geist“ bezeichnet.

Die Handlung kann sich also sehen lassen, die Charaktere sitzen allerdings an einigen Stellen den üblichen Stereotypen auf. Ulysses, der geschniegelte FBI-Profiler mit Außenseiterstatus, Maura, die tapfere Journalistin mit Herz, der raubeinige Kaminsky, der Ulysses begleitet, und schlussendlich der Heilige Geist. Selbiger ist bei genauerer Betrachtung ähnlich gestört wie die meisten Mörder in amerikanischen Thrillern, was schade ist. Wäre Bonansinga hier ein wenig weiter gegangen, hätte aus „Hurricane (Twisted)“ ein herausragendes Buch werden können – auch ohne einen wirklich glänzenden Schreibstil.

Der Schreibstil ist nämlich ebenfalls ein wenig zu glatt und in dieser Form schon oft dagewesen. Zwar gelingt es Bonansinga an einigen Stellen, dank seiner distanzierten Schreibe den inneren Konflikt von Ulysses gut darzustellen, aber insgesamt mangelt es etwas an Beweglichkeit. Zu gleichförmig und barrierefrei tröpfelt das Buch dahin und büßt dabei an einigen Stellen an Spannung ein.

Insgesamt lässt sich „Hurricane (Twisted)“ aber gut lesen. Handlung, Schreibstil und Protagonisten sind gelungen und haben nur aufgrund einiger kleiner Kritikpunkte den Sprung in die Thrilleroberliga verpasst.

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Forbes, Colin – Target 5

Mitten in der Nacht und auf offener Strecke holt ihn das FBI aus dem Zug, der ihn in die verdienten Ferien tragen sollte: Keith Beaumont, britischer Abenteurer und Arktis-Experte, der schon mehrfach für den US-Geheimdienst tätig geworden ist, muss zurück nach Grönland, das er gerade erst verlassen hat, um einen ungewöhnlichen Auftrag zu übernehmen.

Wir schreiben das Jahr 1972. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion ist auf seinem Höhepunkt. Sogar in der Arktis belauern sich die beiden Supermächte. Die Machthaber beider Seiten plagt die Angst, der Gegner könne über das Dach der Welt eine Invasion starten. Deshalb unterhält man Militärstützpunkte und noch weiter im Norden kleine „Forschungsstationen“.

Eine seltene Laune des aktuellen Polarwinters bringt es mit sich, dass sich zwei riesige Eisinseln vor der Ostküste von Grönland einander auf vierzig Kilometer genähert haben. „Nordpol 17“ trägt eine Station der Sowjets, während die Amerikaner ihrer schwimmenden Insel den Namen „Target 5“ gegeben haben.

Auf „Nordpol 17“ nutzt ein Mann die Gunst der Stunde: Michael Gorow, Meereskundler von Weltrang, hat genug von der Diktatur in seinem Heimatland. Er signalisiert den Amerikanern seine Bereitschaft überzulaufen. In Washington ist man entzückt, denn Gorow war es, unter dessen Leitung gerade das neue Unterwasser-Ortungssystem der UdSSR auf dem arktischen Meeresboden verlegt wurde. Freilich behalten Militär und Geheimdienst den Wissenschaftler in der Sowjetunion aus diesem Grund besonders sorgfältig im Auge.

Doch nun hält sich Gorow zu Forschungszwecken auf „Nordpol 17“ auf. Nur hier kann er sich absetzen, doch allein wird er den Marsch über das vereiste Nordmeer gen „Target 5“ nicht schaffen. Deshalb sollen ihn Keith Beaumont und seine beiden alten Freunde und Mitstreiter Sam Grayson und Horst Langer in Empfang nehmen und in Sicherheit bringen.

Bevor das Unternehmen begonnen hat, wissen die Russen schon Bescheid. Sie haben einen Maulwurf im amerikanischen Sicherheitssystem platziert, der Beaumont in der US-Militärbasis Thule auf Grönland in Empfang nimmt. Zwar kann der Brite ihn entlarven und ausschalten, aber das Unglück ist schon geschehen: Der Agent konnte noch seinen Chef benachrichtigen, den gefürchteten Oberst Igor Papanin, Leiter der Sicherheitsbehörde für besondere Aufgaben für den arktischen Militärbereich der UdSSR. Der hochintelligente Mann setzt sofort alle verfügbaren Kräfte gen „Nordpol 17“ in Marsch – und sollte ihnen Gorow entkommen, werden sie nicht zögern, sich „Target 5“ zuzuwenden. Als dieses Szenario tatsächlich real wird, beginnt in der Eiswüste ein erbitterter Wettlauf. Beide Seiten unterschätzen freilich sträflich ihren eigentlichen Gegner: den Polarwinter, der schon bald erbarmungslos die ersten Opfer fordert …

Romane wie dieser sind es, die dem Leser bewusst machen, welcher Verlust das Ende der Sowjetunion für die Unterhaltungsliteratur bedeutet hat. Wir haben ihn noch längst nicht verwunden; idealere Bösewichte hat es seither nicht mehr gegeben: kein wirrer & wechselhafter Flickenteppich diktatorisch-mafiöser regierter Einzelstaaten, sondern ein homogenes „Reich des Bösen“, wie Ronald Reagan es einst so lyrisch nannte, bevölkert von finsteren, bis an die Zähne bewaffneten Kommunistenteufeln, die nur auf ihre Gelegenheit lauerten, über ihr positives Gegenstück & die wahren Verfechter der Freiheit auf diesem Planeten – die Vereinigten Staaten von Amerika (sowie ihre westlichen Verbündeten = Handlanger) herzufallen. Die ganze Welt kann als Schachbrett für „das Spiel“ dienen – das unauffällige, deshalb aber nicht weniger verbissene Ringen um die Vorherrschaft auf diesem Planeten, ausgetragen von den Geheimdiensten der Supermächte, da ein offener Schlagabtausch angesichts des auf beiden Seiten angehäuften Atomwaffen-Arsenals reiner Wahnsinn gewesen wäre.

Das ist der Stoff, aus dem mehr als vier Jahrzehnte lang die (Alb-)Träume waren. Weil der Mensch sich den Dingen, die er fürchtet, gern spielerisch nähert (das „Godzilla-Syndrom“), gibt es eine unendliche Zahl von Filmen und Büchern, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges spielen. Einige Autoren verdanken ihren Weltruf sogar dem geschickten Spiel mit der Angst vor den „Roten“ und ihren Tücken; John le Carré ist vielleicht der bekannteste unter ihnen.

Colin Forbes erreicht ganz gewiss nicht le Carrés Klasse. Er begann seine Karriere in den 60er Jahren mit einer Reihe von Romanen, die allerlei Abenteuer wackerer britischer Soldatenhelden während des II. Weltkriegs beschrieben. Dies waren im Grunde reine Wild-West-Geschichten, in denen die Nazis die Rolle der bösen Indianer übernahmen. Allerdings lesen sich diese knalligen Reißer durchaus spannend; nicht umsonst sind sie seit Jahrzehnten sogar in Deutschland immer wieder nachgedruckt worden und haben eindrucksvolle Auflagenzahlen erreicht. („Gehetzt“, „Die Höhen von Zervus“ und „Das Double“, eine wüste Räuberpistole um einen durch einen Doppelgänger ersetzten Adolf Hitler, sind alle im |Heyne|-Verlag erschienen.)

Daneben widmete sich der fleißige Forbes natürlich auch dem Agententhriller. Die Sowjets erwiesen sich als ebenso dankbare Schurken wie die Nazis. Oberst Papanin, der in „Target 5“ auf russischer Seite die Fäden in der Hand hält, ist der roboterhafte Apparatschik par excellence. In Russland ist es immer kalt und dunkel, die Menschen schleichen graugesichtig und geduckt daher, immer gewärtig, von der Polizei oder dem Geheimdienst auf offener Straße verhaftet und verschleppt zu werden, damit man sie foltern und ihnen „Landesverrat“ vorwerfen kann. Aber Russen sind auch schlau, und dies manifestierte sich für den Durchschnittswestler der 1960er und 70er in der schwer verständlichen, ärgerlichen Tatsache, dass sie stets die Schachweltmeisterschaft für sich entschieden. Natürlich konnte ihnen das nur gelingen, weil sie – anders als die braven und vom wahren Sportsgeist beseelten Amerikaner – das Schachspiel nur als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln begriffen. Folglich schleppt sogar der grimmige Papanin stets ein Schachspiel mit sich herum, auf dem er in den weniger freien Minuten, die der Große Bruder im Kreml ihm gewährt, die nächsten Züge gegen den Klassenfeind einübt. Auch die Verräterhatz im Eis betrachtet Papanin als Spiel, das er unter allen Umständen zu gewinnen trachtet.

Den diabolischen Sowjets stemmen sich reinen Herzens die Verteidiger des Westens entgegen. General Dawes lockt Keith Beaumont zwar mit einem faulen Trick in die Arktis, aber er muss halt so handeln, weil es doch im Dienst einer guten Sache ist. Und weil er im Herzen ein wahrer Patriot und Dawes zwar ein harter Brocken, aber eigentlich ein patenter Kerl ist, lacht der brave Keith bald wieder anerkennend über seinen schlauen Chef und lässt Gedanken an Manipulation und Machtmissbrauch gar nicht erst aufkommen. Immerhin verlässt er sich doch auf ihn – und dabei ist er nicht einmal Amerikaner! Ganz verleugnen mochte Colin Forbes also seine Herkunft – und sein treues britisches Publikum nicht. Ohnehin spielt Beaumonts Nationalität für die Handlung überhaupt keine Rolle.

Von der holzschnittartigen Weltsicht einmal abgesehen, funktioniert „Target 5“ als Abenteuerroman ausgezeichnet. Die „Realität“ des Jahres 1972 weckt heute nicht nur nostalgische Gefühle, sondern lässt „Target 5“ ebenso irreal wirken wie die leicht Science-Fiction-lastigen Film-Agententhriller dieser Zeit. Darüber hinaus fesselt Forbes Roman durch die grandiose arktische Kulisse. Der Kampf des Menschen gegen das ewige Eis stellt sich heute kaum anders dar als 1972. Diese Passagen sind quasi zeitlos, und weil Forbes sein Handwerk versteht, sind sie auch heute noch spannend zu lesen.

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Nick Rennison – Sherlock Holmes. Die unautorisierte Biographie

Inhalt:

Die Biografie des Kriminalisten William Sherlock Holmes (1854-1929) lässt Licht in viele dunkle Winkel eines außergewöhnlichen Lebens fallen. Aus meist zufälligen Äußerungen, zeitgenössischen Quellen und allerdings gut begründeten Spekulationen resultieren vor allem die Angaben zur Geschichte der Familie Holmes (Kapitel 1: „Meine Vorfahren waren Landjunker“), in die nicht nur Sherlock, sondern auch der kaum weniger berühmte Mycroft 1854 bzw. 1847 geboren wurden.

Die schwierigen Jugendjahre des Sherlock Holmes, dessen Genie mit einer gleichzeitigen Ablehnung der rigiden viktorianischen Gesellschaftsordnung einherging, ließen ihn nur schwer seinen Platz in der Welt finden. Dem gescheiterten Studium und einem Intermezzo am Theater folgte der Umzug nach London, wo Holmes viele saure Jahre darauf verwenden musste, sich als „beratender Ermittler“ zu etablieren (Kap. 2: „Diese ungastliche Stadt“). Hier lernte er 1880 den ehemaligen Militärarzt John H. Watson kennen, der nicht nur – mit Einschränkungen – zu seinem Biografen, sondern auch zu seinem besten Freund wurde (Kap. 3: „Sie sind in Afghanistan gewesen, wie ich sehe“).

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Keller, Titus – Aussortiert

Wer ist Titus Keller? Eine berechtigte Frage. Immerhin brüstet sich der |Eichborn-Verlag| damit, dass hinter diesem Pseudonym ein bekannter deutscher Schriftsteller steckt. Nur wer? Das ist hier die Frage – oder auch nicht. Denn eigentlich geht es um Kellers Debüt „Aussortiert“.

„Aussortiert“ werden in diesem Krimi Leute, deren Lebenswandel dem Mörder nicht zu passen scheinen. Ein Klempner in einem Pornokino, ein Freier, während eine Prostituierte ihn gerade oral befriedigt, ein Drogendealer. Und bei allen hinterlässt er ein Kärtchen mit einer passenden Aufschrift wie „Zu unsauber für Gott. Aussortiert. Hallelujah.“

Der schrullige Kommissar Nabel und seine gut aussehende Kollegin Lidia Rauch sind nicht die Einzigen, die in dem Fall ermitteln. Auch der Reporter Jimmy Kistner (Nabel nennt seinen Arbeitsplatz auch abschätzig die Schweinezeitung) hat seine Nase in dem Fall und wird prompt ebenfalls ermordet. Als Nabel Kistners Wohnung untersucht, findet er eine Liste mit prominenten Namen, denn anscheinend hat der Journalist die erlesenen Kreise mit Kokain versorgt. Nur die erlesenen Kreise? Lidia Rauchs Name steht auch auf dem Zettel …

Vorweg: Wen interessiert schon, wer sich hinter Titus Keller verbirgt, wenn dessen Name von diesem fabelhaften Büchlein in den Schatten gestellt wird?

Kommissar Nabel gehört sicherlich zu den unterhaltsamsten Charakteren der letzten Zeit. Er ist nicht so heruntergekommen wie die Ermittler der skandinavischen Depression, aber nahe dran, doch er trägt das Ganze mit einer ordentlichen Portion bissigem Humor. Sarkastisch und gänzlich unchristlich kommentiert er seine Ermittlungen, und die Dialoge, die sich mit Kollegin Lidia (in die er heimlich verliebt ist – auf seine schrullige Art und Weise) ergeben, sind einfach nur köstlich.

Die anderen Charaktere sind ebenfalls sehr gelungen, besonders weil sie weit davon entfernt sind, politisch korrekt zu sein. Die Mitarbeiter der Berliner Polizei scheinen alle ihr kleines Geheimnis zu haben, und Keller lässt es sich nicht nehmen, seinen Protagonisten und ihrem Humor dezente Kritik an den Umständen in den Mund zu legen. Im Waschzettel des Verlags nennt sich das so schön „Parallelgesellschaften“, also Türkengangs, Dealergeschäfte, der Straßenstrich – Keller umreißt Berlin unterhaltsam als Stadt, die mehr Sumpf als Kultur ist, ohne dabei zu sehr ins Fabulieren zu geraten.

Die Handlung ist überhaupt eine sehr angenehme Angelegenheit. Sie ist sicherlich nicht die spannendste vor dem Herrn, aber logisch aufgebaut, mit überraschenden Wendungen, vielen Verdächtigen und einer klaren Spannungskurve. Da der Schreibstil und die Charaktere der Handlung jedoch sowieso die Schau stehlen, ist sie zweitrangig – und bietet trotzdem ein gutes Gerüst für den Roman. Was sie nämlich vor allem interessant macht, ist weniger die Suche nach dem Täter als die bereits erwähnte Beschreibung der verschiedenen Welten Berlins, in denen sich der Roman bewegt. Sie alle stellt Keller lebendig und authentisch dar, mit einem guten Auge für kleine, aber unterhaltsame Details.

Diese manifestieren sich vor allem im Schreibstil, der den Zuckerguss auf „Aussortiert“ darstellt. Einfach und schnörkellos erzählt Keller, immer auf der Suche nach dem humorvollen Kick. Er benutzt Metaphern, setzt gehobene Wörter ein, um die Lachmuskeln zu animieren, und überlässt es vor allem seinem zynischen, erdigen Humor, den Leser einzunehmen.

Wer ist Titus Keller? Ein Name, den man auf jeden Fall in Erinnerung behalten sollte, denn mit „Aussortiert“ hat er einen selten unterhaltsamen Roman geschrieben. Nabel gehört zu den originellsten Charakteren in Krimideutschland, die ich bis jetzt gelesen habe, und der Schreibstil geht sowohl in die Tiefe als auch in die Breite und gefällt mit seiner Schlagfertigkeit. Mehr davon!

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Katzenbach, John – Opfer, Das

Nachdem John Katzenbach sich im letzten Jahr mit seinen beiden Thrillern [„Die Anstalt“ 2688 und „Der Patient“ einen Namen gemacht hat, ist er nun mit einem neuen Werk am Start: „Das Opfer“. Wieder ein Psychothriller, nur kommt diesmal kein Psychiater drin vor, wie in den beiden Vorgängerwerken. „Das Opfer“ bedient sich einer Thematik, die schon durch ihren aktuellen Bezug besticht: Stalking.

Der Geschichtsprofessor Scott Freeman findet im Zimmer seiner Tochter Ashley einen Brief, der böse Vorahnungen weckt. |“Keiner könnte dich jemals so lieben wie ich, weder heute noch irgendwann. Wir werden für immer zusammen sein – so oder so.“| – so lauten die Zeilen eines unbekannten Verehrers.

Wie richtig er mit seiner Vorahnung liegt, kann er noch nicht wissen. Auch die Kunstgeschichtsstudentin Ashley ahnt davon noch nichts. Angeheitert und aus einer spontanen Laune heraus, hat sie sich ganz gegen ihre Art auf einen One-Night-Stand eingelassen – mit dem Computerfreak und gerissenen Kleinkriminellen Michael O’Connell. Und genau der lässt sie anschließend nicht mehr in Ruhe.

Was zunächst einfach nur lästig ist, beginnt mit der Zeit, Ashley Angst zu machen. Verwelkte Blumen vor ihrer Tür, massenhafte E-Mails und das ständige Gefühl, verfolgt zu werden, machen ihr schon bald Sorgen. Als Ashley die Sache zu unheimlich wird, vertraut sie sich ihrer Familie an. Vater Scott und Mutter Sally, die Rechtsanwältin ist, suchen nach einem Ausweg, doch was sie auch versuchen, es scheint Michael nur noch mehr anzustacheln.

Michaels Nachstellungen arten in reinen Psychoterror aus und gnadenlos räumt er jedes Hindernis aus dem Weg, das ihm den Zugang zu Ashley versperrt. Schon bald droht die ganze Sache zu eskalieren und die Familie Freeman in ihrem dunklen Sog zu verschlingen – ein Katz-und-Maus-Spiel auf Leben und Tod …

Stalking ist ein durchaus brisantes Thema, das sich hervorragend als Stoff für einen Psychothriller eignet. Der Verfolger, der sich nicht abschütteln lässt und aus obsessiver Liebe heraus seinem Opfer den Alltag zur Hölle macht – das verspricht Spannung und Schauder zugleich. Vor allem ist ein Thriller um das Thema Stalking auch ein Lehrstück, das zeigt, wie verwundbar der Mensch ist, wie leicht ein Leben zur Qual werden kann, wenn sich jemand darin einmischt und wie wenig es braucht, damit Liebesbeteuerungen zu Psychoterror werden.

Dabei ist der Psychoterror selbst oftmals ein ganz subtiler. Und genau darum tun sich Gesetzgeber und Justiz so schwer damit, Stalking als das Verbrechen anzuerkennen, das es ist. Auch Ashley sieht sich mit dieser Problematik konfrontiert. Die Bedrohung durch einen Stalker ist (solange er keine nennenswerten Gesetzesüberschreitungen begeht) eine eher diffuse. Drohungen werden kaum konkret ausgesprochen, aber sie liegen dennoch auf der Hand, wenn auch in chiffrierter Form.

All diese Erfahrungen macht auch Ashley, wobei sie das Pech hat, obendrein an einen äußerst gerissenen und gefährlichen Psychopathen geraten zu sein. Michael ist intelligent und geduldig genug, um in Ashleys Leben jede Menge Schaden anzurichten, und er ist clever genug, um das Ganze so geschickt einzufädeln, dass seine Schandtaten kaum auf ihn zurückzuführen sind.

Ashleys Familie neigt zunächst dazu, die Gefahr, die von Michael ausgeht, zu unterschätzen. Lange Zeit sehen sie nicht, wie gefährlich die Lage für sie ist, und als sie es erkennen, ist es fast schon zu spät. Michael ist ein mächtiger Gegner, und zu beobachten, wie er seine Schachzüge vorbereitet und ausführt, sorgt schon für sich genommen für reichlich Spannung.

Katzenbach geht den Roman von Anfang an spannend an. Ständige Perspektivenwechsel zwischen den Protagonisten, eine Erzählweise, die versetzt über zwei Zeitebenen immer auch schon einen kleinen Blick in die Zukunft wirft und dabei dezente Andeutungen bevorstehender Ereignisse im gegenwärtigen Erzählstrang einstreut – Katzenbachs Rezeptur zur Romankomposition ist ausgeklügelt und wohlakzentuiert. Der Plot folgt einem stetig aufstrebenden Spannungsbogen, in dem auch Gedanken und Gefühle der unterschiedlichen Figuren nie zu kurz kommen.

Über weite Strecken entwickelt sich der Roman äußerst vielversprechend. Katzenbach erzählt zwar gerne ausführlich, aber die Spannung kommt in der Regel dennoch nicht zu kurz. Die Ausführlichkeit hat auch den Vorteil, dass man sich zunehmend gut in die Romanfiguren einfühlen kann.

Die Auflösung der Geschichte hat es obendrein ziemlich in sich. Katzenbach schlägt eine Richtung ein, die alles verändert und dafür sorgt, dass der Roman sich in seiner Grundstimmung vollkommen wandelt. Bereits im vorderen Teil der Handlung lässt Katzenbach auch immer wieder moralische Fragen durchschimmern, insbesondere wenn es um den Schutz von Stalkingopfern und die Verfolgung der Täter geht.

Die moralischen Zwischentöne werden zum Ende hin zunehmend lauter, und darunter leidet dann leider auch ein wenig die Spannung. Die Figuren müssen sich neu positionieren, vieles erscheint plötzlich in einem anderen Licht, und diese Umorientierung dauert ihre Zeit, so dass der ansonsten bis zu diesem Punkt so straffe, aufstrebende Spannungsbogen ein wenig an Fahrt verliert.

Am Ende bleibt ein Haufen Fragen. Die einen muss sich der Leser selbst stellen – in Bezug auf die moralischen Konsequenzen der Geschichte – und die anderen stellen sich in Form letzter nagender Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Handlungsweisen der Protagonisten. Letzteres offenbart eine Schwäche, die auch schon bei [„Der Patient“ 2994 am Ende ein wenig den Lesegenuss getrübt hat. So läuft ein eigentlich sehr gut begonnener Psychothriller am Ende in eine etwas merkwürdige Richtung und verliert etwas dabei an Fahrt, wenngleich nicht an Schärfe und Brisanz.

Unterm Strich also ein solider Thriller, der dem Leser viel Spannung beschert und eine ebenso packende wie aktuelle Geschichte abhandelt. Katzenbach kann so seinen Ruf als Autor spannender Thriller auf jeden Fall festigen, wenngleich er auch hier wieder zum Ende hin ein wenig schwächelt. Trotzdem, ein „Page-Turner“ ist ihm auch mit „Das Opfer“ über weite Strecken wieder einmal gelungen.

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Birgit Erwin – Neun Leben

Die junge Catherine strotzt vor Unternehmungsgeist und Selbstsicherheit und sieht toll aus. Sie ist ein Profi als Privatdetektivin und Tochter einer reichen, adligen Familie in Nordengland. An ihrem Geburtstag besucht sie das Anwesen ihrer Eltern, und für ihren bodenständigen Freund Michael zeigt sich die Gesellschaft so intellektuell und spröde wie im Mittelalter. Der Haussegen hängt schief, Catherines Zwillingsbruder ist nicht gekommen und die alten Geschichten über ihren Berufsweg werden ausgegraben. Catherine und Michael verschwinden so bald wie möglich.

Ein anonymes Schreiben ruft sie an einen sehr persönlichen Ort der Freundschaft zwischen ihrem Zwillingsbruder und ihr, den sonst niemand kennt. Catherine und Michael besuchen ihn in der Nacht, in der Hoffnung auf ein heimliches Treffen mit dem Bruder. Sie finden ihn auch, ermordet.

Die Beziehungen, die Catherine über ihre Familie nutzt, führen dazu, dass ein Freund und Verehrer aus der schottischen Polizei (der Mord geschah knapp in Schottland) den Fall übernimmt. Catherine selbst stürzt sich auf ihren aktuellen Auftrag, der sich mit einer Sekte beschäftigt. Sie hat den Tod ihres Bruders noch nicht verarbeitet und grübelt über ihre Beziehung und setzt alle neuen Erlebnisse mit ihm in Verbindung.

Catherine wird im Zuge ihrer Ermittlungen plötzlich gehäuft in Unfälle verwickelt, aus denen sie immer wie durch ein Wunder nur leicht verletzt hervorgeht. Ihr Arzt wird misstrauisch und befürchtet Verbindungen zu ihrer Arbeit, aber sie glaubt nicht an Mordversuche. Erst ihre Ermittlungen bei der Sekte bewirken eine schleichende Veränderung.

Und während ihr Fall immer mehr unerwartete Verbindungen mit ihrem Bruder bekommt, sie selbst mit den Ansichten der Sekte konfrontiert wird und die Polizei in ihrer Ermittlung nicht vorankommt, macht sich ihr Freund Michael Sorgen und ermittelt auf eigene Faust und auf seine Art als Journalist. Er kommt der Wahrheit auf die Spur und sieht seine Freundin sich immer tiefer verstricken, immer weiter zurückziehen und immer stärker entfremden. Er bekommt ernsthaft Angst, sie zu verlieren.

Wie schon in ihrem Erstling »Lichtscheu« greift Birgit Erwin auf ein verbreitetes unerklärliches Phänomen und einen Glauben zurück, um ihrer Geschichte die phantastische Note zu verleihen. Waren es dort Vampire, sind es hier die ägyptischen Mythen, aus denen Erwin ein Detail aufgegriffen hat. Die Göttin Isis, Schwester des Obergottes Osiris und gleichzeitig seine Frau und Liebesgefährtin, steht als Pate für die Sekte, in deren Fänge es Catherine treibt. Diese Sekte besteht aus sogenannten Kriegern und Kriegerinnen der Isis, die weiterhin ihre Ziele verfolgen und in ihrem Sinne kämpfen. Sie sollen nach dem Glauben der Sekte neun Leben besitzen, um ihren gefährlichen Aufgaben gerecht werden zu können. In einer recht schnellen Wandlung gelangt Catherine von ihrer spöttisch-herablassenden Art, die sie vor allem ihrer sterndeutenden Mutter gegenüber hervorkehrt, zu der Überzeugung, selbst eine Kriegerin mit neun Leben zu sein. Mit diesem Glauben erscheinen die vielen Unfälle in ihrem Leben in einem ganz neuen Licht: Überlebte sie nur aufgrund ihrer Eigenschaften? Überlebte sie also gar nicht, sondern verlor lediglich ein Leben?

Man könnte die Wandlung in ihrer Schnelligkeit kritisieren. Erwin hat geschickt den Tod des Bruders als Erklärungsansatz für Catherines Labilität geliefert, andere Agonisten spekulieren im Laufe der Geschichte, dass sie gar nicht so selbstsicher sei, sondern durch ihre Entwicklung und selbst durch die Beziehung zu ihrem Bruder in ihrer Psyche geschwächt sei.

Michael hat ebenfalls seine Probleme. Er ist sich weder seiner Liebe zu Catherine noch ihrer Liebe zu sich sicher. Wenn er auch nicht als Alkoholiker bezeichnet wird, kommt man doch nicht umhin zu sehen, dass er seine Probleme in Bier ertränkt. So wie der zur Flasche greift, ist das jedenfalls nicht völlig normal. Das gemeinsame Leben der beiden zeugt bis zu dieser Situation auch nicht gerade von Harmonie. Und in dieser »heißen Phase« kommunizieren sie über gekritzelte Notizen und leben aneinander vorbei, statt die Probleme miteinander anzugehen. Seine Neigung zum Alkohol lässt auch ihn nicht gerade als Sympathieträger auftreten.

Erwins Stil ist persönlich und modern, trifft damit sicher den Geschmack vieler Leser und stößt andere vielleicht ab. Flüche, wie sie sonst oft vermieden oder dezent eingesetzt werden (zum Beispiel »Scheiße«) kommen in naturalistischer Häufung vor, und wahrscheinlich wird im normalen Leben noch mehr geflucht und geschimpft. Spannend und unterhaltsam ist die Geschichte auf jeden Fall, flüssig zu lesen, weitgehend glaubwürdig. Vor allem in die Überlegungen von Catherine kann man sich hineinversetzen, man kann sogar den Schwenk in die Übernatürlichkeit mit vollziehen. Nochmal bedacht, ergibt er sich aus der Angst und dem großen Verlust, den Catherine erfahren und der ihrem Leben eine gleichmäßige Stütze genommen hat. In dieser Phase erkennt sie ihren Lebensgefährten nicht als Hilfe.

So steuert der Roman einem beinahe klassischen Finale entgegen, wobei man sich über weite Strecken fragen könnte, wohin der Weg führt. Lange bleibt der Sinn des Titels verborgen, so dass er sogar aus dem Bewusstsein verschwindet. Schließlich wird alles mit einem Schlag deutlich und das Ende ist absehbar, aber in seiner Dramatik doch überraschend.

Gerade der Epilog befriedigt die Spannung, die sich über den Roman aufbaut und in unerwarteter Tragik entlädt. Er kann aber nicht verschleiern, dass die Geschichte lange ohne Ziel verläuft und so nur die Hoffnung auf ein gutes Ende bleibt.

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Donzowa, Darja – Spiele niemals mit dem Tod

Das Leben als Schriftsteller muss wunderbar sein. Ruhig und friedlich, den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen und schreiben. Die Russin Darja Donzowa ist da allerdings anderer Ansicht.

Die vierzigjährige, aufgeweckte Tanja ist gerade als Haushälterin im Haus des berühmten Krimi-Autors Kondrat Rasumow und seiner jüngeren, schönen Frau eingestellt worden, als der Autor bei dem allabendlichen Kriegsspiel mit seinem vierjährigen Sohn plötzlich zusammenbricht – tot, wie sich herausstellt. Erschossen mit einer Waffe, die jemandem dem spielzeugwaffenvernarrten Wanja in die Hand gedrückt hat. Es ist ganz klar, dass der Vierjährige seinen Vater nicht mit Absicht ermordet hat, aber wer hatte dem Jungen die scharfe Waffe zugesteckt?

Für die Miliz ist der Fall klar. Es war Lena, denn Rasumow war ein ziemlicher Schürzenjäger und sie nicht sonderlich glücklich darüber. Die Einzige, die an Lenas Unschuld zu glauben scheint, ist Tanja, und die macht sich jetzt auf die Suche nach dem wahren Täter. Anhaltspunkte findet sie im letzten, noch unveröffentlichten Werk von Rasumow, in dem er über einige Menschen aus seinem Leben herzieht. Tanja beschließt, diese Leute aufzusuchen und sie darüber auszufragen, wie sie zu dem Schriftsteller standen, doch irgendwie scheinen all diese potenziellen Zeugen ums Leben zu kommen …

Einer der großen Boni von „Spiele niemals mit dem Tod“ ist die unglaublich sympathische Hauptperson Tanja, die mit ihrer resoluten Art den Haushalt des Schriftstellers auch nach seinem Tod zusammenhält. Gleichzeitig kümmert sie sich aber auch noch mit einer großen Portion Herz um die Tochter und auch um den Nachbarn Andrej, ein ehemaliger Gangster, der ihr während ihren Ermittlungen zur Seite steht.

Tanja weiß genau, wie sie an die Zeugen herankommt, und sie ist sehr geschickt, wenn es darum geht, Lügen zu erfinden, um die Leute zu treffen. Trotzdem schafft Donzowa es, Tanjas heimliche Ermittlungsarbeiten sehr authentisch wirken zu lassen, da sie nicht auf Superheldenkräfte setzt, sondern in so kleinen, nachvollziehbaren Schritten vorgeht, dass es tatsächlich real wirkt. Dabei ist ja gerade die Frage nach der Realität diejenige, die man sich in Büchern, bei denen der Normalbürger ermittelt, gerne stellt.

Donzowa meistert diese Hürde unglaublich gut und schafft es dabei auch noch, eine Menge Spannung aufzubauen. In Tanjas Leben tauchen plötzlich so viele fremde Menschen auf, dass weder sie noch der Leser wissen, wem sie jetzt eigentlich vertrauen können. Die Autorin schafft es dadurch, einige falsche Spuren auszulegen und Tanja immer tiefer in einen Sumpf geraten zu lassen, bei dem man nicht immer zwischen aufrichtigem, aber illegalem Angebot und Bosheit unterscheiden kann.

Wer ist der Mörder des Schriftstellers? Lange wird diese Frage noch nicht mal ansatzweise beantwortet, aber schlussendlich, nach vielen Wendungen und Überraschungen kommt die Wahrheit ans Licht – und ist vielleicht das Überraschendste am ganzen Buch.

Neben Tanja als Hauptperson, die aus der Ich-Perspektive erzählt, ist aber vor allem Donzowas Schreibstil bezeichnend für „Spiele niemals mit dem Tod“. Nicht umsonst wird sie auf dem Buchrücken als „Die große Satirikerin unter den Krimi-Frauen“ (|Literaturen|) bezeichnet. Gewitzt und nicht unkritisch lässt sie Tanja das Leben in Moskau beschreiben. Dabei schafft sie es auf der einen Seite, sehr liebevoll und sauber zu schreiben, so dass sich ein flüssig zu lesendes Ganzes ergibt, und auf der anderen Seite unterhält sie den Leser mit ihren kleinen Witzchen, Bemerkungen, Anspielungen, die manchmal beinahe sarkastisch klingen. Der Roman ist also in einem frischen, flüssigen, manchmal zum Lachen animierenden Stil geschrieben ist, den man sofort ins Herz schließt.

Genau wie das ganze Buch. „Spiele niemals mit dem Tod“ hebt sich schon deshalb von anderen Kriminalromanen ab, weil im Mittelpunkt eine Frau aus dem gewöhnlichen Volk steht, die gelernte Harfenistin ist, aber als Haushälterin arbeitet und dabei in eine Sache schlittert, die eigentlich eine Nummer zu groß für sie ist. Eine sympathische Protagonistin, ein Fall mit Winkeln und Ecken und ein unterhaltsamer Schreibstil – diese Zutaten sorgen dafür, dass „Spiele niemals mit dem Tod“ ein richtig gutes Buch ist!

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Clark, Robert – Verbrechen des Mr. White, Das

Herbert White gehört zu jenen unauffälligen Zeitgenossen, die ihr gesamtes Leben am Rande der Gesellschaft verbringen und dort von ihren Mitmenschen kaum zur Kenntnis genommen werden. Dabei ist es nicht einfach, ihn zu übersehen, ist er doch auffällig groß und kräftig und trotz seiner Jugend mit einer spiegelblanken Glatze geschlagen. Mit ruhiger Regelmäßigkeit geht er seinem farblosen Angestelltenjob nach und verbringt die Feierabende und Wochenende daheim. Dort schneidet er Zeitungsartikel aus, die über Neues in der Welt berichten. Für White ist das wichtig, denn er leidet an Gedächtnisstörungen und kann sich schlecht merken, was in den letzten Tagen und Wochen geschehen ist oder er selbst getan hat.

Das ist fatal, denn es sichert ihm zusammen mit seinem zweiten Zeitvertreib die ungeteilte Aufmerksamkeit der örtlichen Polizei. Herbert White fotografiert gern – am liebsten junge und schöne Frauen. Dafür ist er schon bekannt bei den Tänzerinnen der „White Castle“-Bar, denen seine harmlose Obsession eine schöne Nebenerwerbsquelle erschließt. Doch wir schreiben das Jahr 1939, und St. Paul, Whites Heimatort, ist keine weltoffene Großstadt, sondern ein kleines Nest irgendwo im US-Staat Minnesota. Hier gelten eigene, oft ungeschriebene Regeln, deren wichtigste lautet, dass jeder als verdächtig gilt, der sich „anders“ verhält als die braven Bürger.

Und Verdächtige sind Männern wie den Polizisten Welshinger und Trent vom Sittendezernat des Städtchens St. Paul ausgeliefert – selbstherrlichen, rassistischen und korrupten Männern, die gern Landstreicher, Schwarze, Juden und andere Minderheiten, die sich nicht wehren können, schurigeln, demütigen oder erpressen. Die meisten ihrer Kollegen sind aus demselben Holz geschnitzt. Lieutenant Wesley Horner ist allerdings anders – ein beruflich integerer Mensch, dem privat viel Schlimmes widerfahren ist. Seine Ehefrau ist nach langer Krankheit gestorben, die Tochter fortgezogen. Nun ist er allein und grübelt zu viel. Der Dienst leidet aber nicht darunter, was nur gut ist, als in einer lauen Spätsommernacht die Leiche der Tänzerin Charlene Mortensen entdeckt wird; die junge Frau wurde erschlagen. Mord ist ein seltenes Delikt in St. Paul. Die Polizisten schwärmen aus, doch Eifer ersetzt solide Fahndungsarbeit. Ein Täter muss her, und das möglich rasch, denn Presse und Öffentlichkeit werten jede Verzögerung als Schwäche. Da ist die Versuchung groß, die Ermittlungen ein wenig abzukürzen. Es dauert auch nicht lange, bis Herbert White ins Visier der Beamten gerät. Er passt nicht nur gar zu gut in ihr beschränktes Weltbild, sondern eignet sich auch hervorragend als Hauptverdächtiger. Sein umständliches Verhalten, seine angeblichen Gedächtnislücken und sein ungewöhnliches Hobby verschaffen ihm einen schweren Stand. Gar zu gern würden Welshinger und Trent ihm die Bluttat anhängen. Zwar ist die Indizienkette mehr als dünn, doch dem ließe sich nachhelfen …

Als „Mr. White’s Confession“ 1999 von den ehrwürdigen „Mystery Writers of America“ als bester Kriminalroman des Jahres mit dem „Edgar Allan Poe Award“ ausgezeichnet wurde, war niemand erstaunter als Robert Clark, der niemals einen klassischen Thriller im Sinn hatte, als er die traurige Geschichte des Herbert White niederschrieb. Nachdem man sie gelesen hat, versteht man ihn gut, denn in der Tat steht „Das Verbrechen …“ zwischen den Genres: Krimi, Liebesgeschichte, historischer Rückblick, psychologische Studie – das alles und noch mehr steckt in der Geschichte, die trotzdem ein harmonisches und sehr stimmiges Ganzes ergibt und glänzend ihren Verfasser bestätigt, der es ablehnt, sich in literarische Schubladen sperren zu lassen.

Ist der Leser bereit, über seinen (oder ihren) Schatten zu springen und sich auf die Geschichte einzulassen, bleibt die Belohnung nicht aus. Ja, es ist wahr: In diesem Roman geschieht nicht gerade viel, und es gibt eigentliche keine Figur, die wirklich sympathisch wäre. Das schließt Herbert White, den tragischen Anti-Helden, ausdrücklich mit ein. Sogar die wenigen Polizisten, die sich tatsächlich bemühen, Recht und Ordnung zu vertreten, sind recht unbedarft und leicht auf falsche Fährten zu locken. Das mindert jedoch in keiner Weise die Wirkung einer ganz spezifischen Rekonstruktion des Jahres 1939. Dabei beschränkt sich Robert Clark auf ganz wenige Pinselstriche, wenn er das St. Paul von einst wiedererstehen lässt. Er hat es nicht nötig, Authentizität durch ausufernde historische Reiseberichte zu erzwingen. Die Vergangenheit wird nur dort beschworen, wo sie für die Handlung relevant ist.

Die scheint wiederum Jim Thompson Recht zu geben, der stets der Meinung war, die scheinbare Idylle der kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt und man sich stets untereinander hilft, könne sich als arger Saustall entpuppen, in dem es genauso schmutzig zugeht wie in der verluderten Metropolis. Doch Clark ist kein Zyniker wie Thompson, und St. Paul kein Höllenpfuhl, sondern einfach ein Ort, bewohnt von Menschen, die grundsätzlich bemüht sind, ihr Leben regelkonform zu führen. Das schützt sie nicht vor dem Scheitern: „Das Verbrechen des Mr. White“ ist eine ganz einfache Geschichte, wie sie das Leben tatsächlich manchmal schreibt, und weil ihr Verfasser sein Handwerk versteht, liest sie sich trotzdem spannend. Das Ausbleiben einer Auflösung ändert daran gar nichts. Wer zwischen den Zeilen liest, wird den wahren Mörder ohnehin selbst erkennen. Gewissheit gibt es allerdings nicht: Clark verstreut sehr geschickt Andeutungen und Indizien über den ganzen Text, die neben dem boshaften Welshinger noch andere Verdächtige zulassen. Auch Herbert White wird nie völlig entlastet. So bleibt dem Leser die Entscheidung überlassen.

St. Paul ist übrigens kein fiktiver Ort; er existiert tatsächlich, und Robert Clark ist dort geboren und aufgewachsen. Inzwischen ist er mit Ehefrau und zwei Kindern in Seattle ansässig.

Sidor, Steven – Skin River

Seit anderthalb Jahren ist Buddy Bayes Besitzer der Black Chimney Tavern. Außerhalb Gunnars, einer kleinen Stadt im Nordosten des US-Staates Wisconsin einsam gelegen, ist die Kneipe ein beliebter Treffpunkt für Urlauber, Jäger und Fischer. Sie ist aber auch ein Versteck für Bayes, der in seiner Heimatstadt Chicago den Gangster Red um viel Geld betrogen hat und sich nun verborgen halten muss, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Buddy hat sich eingelebt und in der jungen Mutter Margot auch eine Freundin gefunden; er ist zufrieden.

Natürlich meidet er tunlichst öffentliche Aufmerksamkeit. Daher ist es schlecht, dass ausgerechnet er die Überreste der jungen Melissa Teagles im Skin River treibend findet. Sie ist dem „Ziegenhäuter“ in die Hände gefallen, einem psychopatischen Serienkiller, der seine Opfer mit dem Messer jagt und zerlegt. Die Existenz eines unsichtbar bleibenden Killers, der womöglich zu den Einheimischen gehört, übersteigt das Verständnis des kriminalistisch nur bedingt fähigen Sheriffs Glen Rafferty. Er hält sich an Buddy Bayes, den Neuling in der Gemeinde, der sich ihm als Verdächtiger anbietet.

Notgedrungen muss sich Bayes selbst als Detektiv versuchen. Leider fehlt ihm jede Erfahrung. Seine ungeschickten Ermittlungen bringen den düpierten Red und seine Schergen auf seine Spur. Sie wollen das unterschlagene Geld, und sie wollen Bayes strafen. So wird der Kneipenwirt plötzlich von zwei Seiten unter Druck gesetzt. Zu allem Überfluss wird der „Ziegenhäuter“ auf Bayer aufmerksam. Er stellt ihm eine Falle und plant seine Form von Vergeltung, denn er hat ein Auge auf Margot geworfen …

Solche Thriller liest man gern: Eine einfache und bewährte Story wird mit diversen Hakenschlägen in einen rasanten Thriller verwandelt. „Skin River“ ist stets für eine Überraschung gut. Der Plot wird ordentlich gegen den Strich gebürstet: Die Hauptfigur selbst ist es, die ihren Untergang einleitet. Längst hat der von ihm gefoppte Gangster seine Niederlage als böse Erfahrung abgehakt – er denkt gar nicht daran, seine Zeit damit zu vergeuden, nach Buddy zu suchen. Der hat sich völlig unnötig in der Wildnis eingegraben und tritt jetzt denkbar ungeschickt seinem Gegner noch einmal auf die Füße.

Auf dieser Welt geht eben schief, was schiefgehen kann. „Murphys Gesetz“ ist ein wichtiges Element dieses Romans. Kein Zufall ist so irrwitzig, dass es ihn nicht geben könnte. Bemerkenswerterweise erscheint dem Leser dies nie seltsam, übertrieben oder unlogisch: Sidor hat seine Geschichte vor allem in ihren ersten beiden Dritteln fest im Griff.

Danach wird das bisher so dichte Handlungsgefüge ein wenig löchrig. Der Verfasser muss einen Weg finden, die einzelnen Fäden seiner Story, die er so kundig gesponnen hat, für das Finale zu einem soliden Knoten zu verknüpfen. Hier zeigen sich leichte Schwächen, denn Sidor wählt den einfachen Weg und inszeniert eine wilde Verfolgungsjagd, die einerseits in eine mörderische Abrechnung zwischen Bayes und dem Gangster und andererseits in der Entlarvung des „Ziegenhäuters“ mündet. Das ist wiederum sehr spannend, aber nicht raffiniert.

Das trifft auch auf die Figurenzeichnung zu. Selten treten uns die Protagonisten eines Thrillers so plastisch vor das innere Auge wie hier. Mit Buddy Bayes hat Sidor einen zwielichtigen „Helden“ geschaffen. Anfänglich schildert er uns einen sympathischen Zeitgenossen, der mit seiner verbrecherischen Vergangenheit abgeschlossen hat. Bayes hat einen Schurken betrogen, das ist ja nicht so „schlimm“. Nun führt er eine Kneipe, kommt gut mit seinen Gästen aus und knüpft sogar zarte Bande zu einer schönen Frau.

Dann holt besagte Vergangenheit ihn nicht etwa ein. Bayes weckt sie, denn er hat noch eine zweite, deutlich düsterere Seite. Wenn er in Chicago prüft, ob man ihm auf den Fersen ist, kommt plötzlich der „alte“ Bayes zum Vorschein – ein gewiefter Krimineller, für den Gewalt ein alltägliches „Instrument“ ist. Dieser Bayes droht, schlägt und schießt. Er ist deshalb kein Psychopath, sondern erledigt nüchtern seinen „Job“. Erst weil wir diesen Bayes kennen gelernt haben, erscheint uns die gewaltige Schießerei in und um Buddys Kneipe nicht unwahrscheinlich: Die Situation ist nicht unbedingt neu für unseren bedrängten Mann, und deshalb meistert er sie.

Die zweite zentrale Gestalt des „Skin River“-Dramas ist der „Ziegenhäuter“, ein Psychopath der ganz finsteren Sorte. Sidor schildert ihn erfreulich realistisch nicht als diabolisch genialen Übermenschen, der auf überkomplizierte Art killt und quasi nebenbei die verfolgende Polizei mit sardonischen Scherzen neckt. Sein „Ziegenhäuter“ ist ein Mensch, der von seinem dunklen Trieb beherrscht wird. Mit diesem Drang hat er sich arrangiert, er ist ein „organisierter“ Serienmörder, der seine Spuren verwischt und es im Laufe vieler Jahre auf eine bedrückend beeindruckende Jagdstrecke gebracht hat, ohne auch nur in Verdacht zu geraten.

Doch seine psychische Situation ändert sich. Sidor schildert einen „Ziegenhäuter“, der die Kontrolle über sich zu verlieren beginnt. Die inneren Stimmen in seinem Kopf werden so laut, dass er sich nicht mehr darauf konzentrieren kann, seine Tarnung als liebenswert unkonventioneller Außenseiter in der Gemeinde Gunnar aufrechtzuerhalten. Er wird schlampig, versteckt seine Opfer nicht mehr, sondern präsentiert sie. Größenwahn erfüllt ihn. So würde er sich irgendwann sogar dem engstirnigen Sheriff Rafferty verraten, doch da ist Buddy Bayes. Zwar ist der „Ziegenhäuter“ verrückt, doch dumm ist er nicht. Deshalb legt er falsche Spuren, die Bayes in Verdacht geraten lassen.

Schließlich erfolgt der geistige Zusammenbruch so schnell, dass dem „Ziegenhäuter“ solche Schlichen und seine Maske gleichgültig werden. Der Wahn beherrscht ihn vollständig. Diesen Prozess weiß Sidor eindringlich zu schildern. Der „Ziegenhäuter“ ist auf der einen Seite selbst ein Opfer. Die berühmt-berüchtigte „gestörte Kindheit“ hat ihn geprägt und die Saat für seinen Krankheit gelegt. Auf der anderen Seite ist der „Ziegenhäuter“ womöglich ein Psychopath von Geburt an. Sidor legt sich hier nicht fest und folgt damit der Forschung, die weiterhin nicht wirklich weiß, wie ein Serienmörder „entsteht“ oder „funktioniert“.

Zu guter Letzt bleibt vom „Ziegenhäuter“ nur das groteske Zerrbild eines Menschen. Sidor schildert ihn etwa wie den alten Ed Gein, den berüchtigten Mörder und Leichenschänder, der u. a. als Vorbild für den Horrorfilmklassiker [„Texas Chainsaw Massacre“]http://www.powermetal.de/video/review-58.html diente. Seine letzten Jahre verbrachte Gein in einem Sanatorium für geisteskranke Kriminelle: ein geistig zerbrochener, täuschend friedlicher Mann, der nach Ansicht seiner Ärzte jedoch weiterhin von seinen Dämonen getrieben wurde. Der „Ziegenhäuter“ ist so wahnsinnig geworden, dass sich die in ihm aufgestaute Gewalt nicht mehr gegen unschuldige Opfer, sondern gegen sich selbst entlädt: Die Bestie zerstört sich selbst.

Auch den Randfiguren schafft Sidor detaillierte Biografien. Hier übertreibt er es in seinem Eifer allerdings, denn der Aufwand lohnt sich nur bedingt. So wichtig werden Figuren wie Sheriff Rafferty, Margot oder Gangster Red nicht, dass sie uns so aufwändig vorgestellt werden müssten. Andererseits fällt auch hier auf, wie geschickt der Autor Klischees vermeidet. Er vervollständigt damit das erfreuliche Bild eines Thrillers, der es keineswegs verdient, im Meer jener Durchschnittskrimis zu versinken, die Monat für Monat auf den deutschen Buchmarkt geworfen werden. Das kann leider leicht geschehen, denn sowohl die Aufmachung als auch der alles und gleichzeitig nichts sagende Covertext verschleiern erfolgreich, welches Kleinod hier auf seine Leser wartet!

Viel ist noch nicht bekannt über Steven Sidor, der bisher nur zwei Romane geschrieben hat und ein drittes Werk für 2007 ankündigt. Auch seine [Website]http://www.stevensidor.com zeichnet sich in biografischer Hinsicht durch bestürzende Kargheit aus. Den knappen Verlagsinfos lässt sich entnehmen, dass Sidor das Grinnell College besuchte und an der University of North Carolina in Chapel Hill studierte. Er arbeitete anschließend in der Betreuung psychisch kranker Menschen. Heute lebt Sidor mit seiner Familie in der Nähe von Chicago.

http://www.knaur.de

Gillian Flynn – Cry Baby

Die Werbekampagne des Scherz-Verlages für den Debütroman der hübschen Autorin Gillian Flynn war groß und edel angelegt: Im Börsenblatt blickte einem eine dunkelrote zweiseitige Anzeige entgegen, das Buch wird in einem ansprechend bedruckten Pappkarton und mit einem schicken Schutzumschlag angeliefert und ist schon auf den ersten Blick ein Hingucker. Doch auch wenn man in das Buch hineinschaut und -liest, wird man feststellen, dass einem nicht zu viel versprochen wird durch die schicke Optik, sondern dass dieses Werk in der Tat etwas ganz Besonderes ist…

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Buticchi, Marco – dritte Prophezeiung, Die

Das Interesse von Verschwörungsfanatikern an den Templern ist nach wie vor ungebrochen und auch die katholische Kirche ist immer wieder für einen packenden Thriller gut. So bedient der gefeierte italienische Autor Marco Buticchi sich zweier erfolgversprechender Komponenten für seinen Thriller „Die dritte Prophezeiung“. Und wenn man den Lobpreisungen auf den Umschlagseiten glauben darf, so hält man hier das Buch des italienischen Dan Brown in Händen, der nun endlich der Erste sein könnte, der den großen Brown von seinem Bestsellersockel stoßen könnte. Die Erwartungen sind also hoch, wenn man das Buch aufschlägt und zu lesen beginnt. Schauen wir uns an, was uns zwischen den Buchdeckeln geboten wird:

Zu Beginn begegnen wir im Jahre 1918 dem Unteroffizier Igor Drostin, der der Hinrichtung der Familie Nikolaj Romanows beiwohnt und später in den Kleidern der Romanows eine wertvolle Entdeckung macht, nämlich zahlreiche kostbare Juwelen, von denen er einige auf die Seite schafft. Seinem Enkel Josif Drostin vermacht Igor ein paar abgenutzte Schreibhefte, in denen er verschlüsselt den Weg zu den vergrabenen Juwelen offenbart. Doch noch ahnt Josif nichts von seinem anstehenden Glück und verzweifelt immer mehr an seiner frustrierenden Arbeit in der Fabrik, bei der er zusätzlich von einem cholerischen Vorgesetzten gequält wird. Bevor Josif es allerdings zu großem Reichtum bringt, muss er einige Schicksalsschläge überstehen; seine Freundin wird ermordet und er selbst wird als mutmaßlicher Mörder gesucht. Der Zufall will es aber, dass Josif in russischen Mafiakreisen immer weiter aufsteigt und es schließlich zum mächtigsten Waffenhändler bringt. Ein besonders gefährlicher Auftrag führt Josif allerdings auf eine Kreuzfahrt, die zum Himmelfahrtskommando auszuarten droht.

Im Jahre 1978 beginnt die Erzählung um Pat Silver und seinen besten Freund Derrick Grant, die bei einer manipulierten spiritistischen Sitzung das Herz von Maggie Elliot und Annie Ferguson erobern wollen. Als Pat mit seinem Schauspiel beginnt, fällt Maggie jedoch tatsächlich in Trance und verkündet in einer fremden Sprache, dass sich die Prophezeiung zu erfüllen droht. In den Jahren darauf hat Maggie immer wieder ihre Ahnungen, in denen sie zukünftige Geschehnisse sehen kann und beispielsweise auch das Attentat auf Papst Johannes Paul II. im Jahre 1981 voraussieht. Diese Gabe verhilft Maggie zu einer erstaunlichen Fernsehkarriere, nur privat läuft es alles andere als rosig. Denn ihre heimliche Liebe zu Pat Silver steht unter keinem guten Stern; die beiden kommen einfach nicht zusammen, sodass Maggie schließlich Timothy Hassler heiratet. Pat kann sie allerdings nie vergessen. Der jedoch dreht ein krummes Ding nach dem anderen und verdient sich eine goldene Nase durch seine illegalen Computertricks. Doch das Schicksal der vier Collegefreunde wird eng miteinander verbunden bleiben und auf einer noblen Kreuzfahrt schließlich ein fulminantes Finale hervorbringen …

Diese beiden Haupterzählstränge, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, verbinden sich, als Derrick Grant seine drei Jugendfreunde auf die Kreuzfahrt mit dem größten Passagierschiff der Welt einlädt. Auf diesem Schiff reist nämlich auch Josif Drostin, der eine gefährliche Ladung zu übergeben hat.

Eine weitere Erzählebene widmet sich Geschehnissen, die einige hundert Jahre in der Vergangenheit liegen. Hier erleben wir im Jahre 1291 in Akkon das Ende des letzten Großmeisters der Templer mit. Die weiteren historischen Ereignisse schildern die gefährliche Reise des jungen Ritters Bertrand de Rochebrune, der dem Gemetzel in Akkon entfliehen konnte, aber in den darauffolgenden Jahren noch viele Abenteuer zu überstehen hat. Spät offenbart uns Marco Buticchi schließlich auch das Bindeglied zwischen den historischen Ereignissen im ausklingenden 13. und beginnenden 14. Jahrhundert und den Geschehnissen am Ende des 20. Jahrhunderts. Bis dahin heißt es für den Leser Rätsel raten …

In seinem packenden Verschwörungsthriller hat uns Marco Buticchi offensichtlich viele Geschichten zu erzählen. Stilistisch hat er sich in der Tat von Dan Brown und seinen Erfolgen inspirieren lassen, denn er fügt seinem Buch die gleichen erfolgversprechenden Komponenten hinzu und schlägt ein unglaubliches Erzähltempo an, das durch die schnellen Wechsel der Schauplätze immer weiter gesteigert wird. Immer dann, wenn es in der Gegenwart besonders spannend wird, springt Buticchi zurück in die Vergangenheit, wo wir Bertrand de Rochebrune auf seinen Reisen begleiten. Die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen schaffen allerdings oft genug auch einige Verwirrung, da Buticchi viele Lebensjahre seiner Protagonisten beleuchten will. So zieht sich alleine die Geschichte um Maggie Elliot und ihre Freunde vom Jahre 1978 bis zum Jahre 1999.

Im vorliegenden Roman erwartet einen folglich eine wahre Informationsflut, der man stellenweise kaum folgen kann. Marco Buticchi bemüht sich zwar, seinen Charakteren Leben einzuhauchen, allerdings empfand ich viele der präsentierten Auskünfte als überflüssig. Nehmen wir nur allein die unglückliche Liebe zwischen Maggie Elliot und Pat Silver, die sich über viele Jahre hinzieht und in einem Seitensprung auf dem Luxusdampfer endet. Auf vielen Seiten breitet Buticchi Pat Silvers kriminelles Berufsleben aus, er umschreibt ausschweifend die Eheprobleme zwischen Maggie Elliot und Timothy Hassler, aber all dies bringt die Erzählung kein Stück voran. Diese Handlungen im Leben der Figuren haben nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun, also nichts mit dem geplanten Anschlag auf das Kreuzfahrtschiff. Derlei schmückendes Beiwerk findet sich an vielen Stellen im Buch und stört sowohl den Spannungsaufbau als auch die Glaubwürdigkeit. Meiner Meinung nach hätte sich Marco Buticchi wie sein großes Vorbild Dan Brown auf das Wesentliche konzentrieren sollen. Im Übrigen hat Buticchi an so mancher Stelle eher schlecht geklaut, denn seine Bösewichte verpackt Buticchi so dürftig, dass selbst der ungeübte Leser diese Verräter schnell enttarnt haben dürfte.

Gelungen fand ich in weiten Teilen den Spannungsbogen des Buches, der durch die schnellen Szenenwechsel immer weiter ansteigt und dafür sorgt, dass man das vorliegende Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Auf der anderen Seite hätte ich mir gewünscht, dass Buticchi seine Erzählebenen enger miteinander verknüpft. Zwar offenbart der Autor uns die Verbindung zwischen den Ereignissen im 13./14. Jahrhundert und denen im ausklingenden 20. Jahrhundert, aber mir persönlich war diese Verbindung zu locker. Es ist nicht deutlich geworden, welchen inhaltlichen Sinn die historischen Exkurse hatten und insbesondere hat Buticchi uns nicht klar gemacht, was genau hinter dem Anschlag auf das Kreuzfahrtschiff steckt. In vielen Szenen treffen wir auf mysteriöse Gestalten, die sich hinter einer Kutte verborgen halten und die offensichtlich zum Templerorden gehören, aber ihre Beweggründe sind mir nicht klar geworden.

So kann Marco Buticchi in Ansätzen zwar überzeugen und man entdeckt auch das schriftstellerische Potenzial, das in ihm steckt. An vielen Stellen hätte man sich allerdings ein strafferes Lektorat gewünscht und insbesondere auch den roten Faden, der die einzelnen Ereignisse miteinander verknüpft und den Leser durchs Buch führt. Denn an vielen Verzweigungen seiner Handlungsstränge lässt Buticchi uns alleine stehen und zeigt uns nicht deutlich genug, wo es eigentlich langgehen soll. Viele Fragen bleiben am Ende offen, die einen etwas unbefriedigt zurück lassen, auch wenn „Die dritte Prophezeiung“ durchaus Unterhaltungswert hat und nett zu lesen ist. Aus der Masse der zahllosen Verschwörungsthriller hebt sich das vorliegende Buch allerdings leider nicht ab.

http://www.piper.de

Seghers, Jan – Braut im Schnee, Die

|Jan Seghers ist das Pseudonym für den Frankfurter Journalisten Matthias Altenburg, unter dem er Kriminalromane schreibt. Nach „Ein allzu schönes Mädchen“ veröffentlichte er den Krimi „Die Braut im Schnee“, in dem ebenfalls der leicht verschrobene Hauptkommissar Marthaler ermittelt.|

Die Leiche einer jungen Zahnärztin wird, in grotesker Weise ausgestellt, vor ihrem eigenen Haus gefunden. Die Frau, die kaum Freunde gehabt zu haben schien, führte ein biederes Leben. Sie kannte nur die Arbeit und ihren entfernt lebenden Verlobten, einen schüchternen Installateur. Das Ermittlerteam um Marthaler kann sich überhaupt keinen Reim aus dem Verbrechen machen, doch ihr Chef Herrmann schießt sich sehr schnell darauf ein, dass ein wegen sexueller Vergehen vorbestrafter Fotograf der Schuldige ist, und zieht alle Polizeikräfte für die Fahndung nach dem Fotografen ab.

Marthaler, der noch nie ein gutes Haar an seinem Chef gelassen hat, ist mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, was zu seiner vorübergehenden Suspendierung führt.

Als Marthaler wieder im Dienst erscheint, ist der Fall immer noch nicht gelöst. Im Gegenteil gibt es ein zweites Opfer, doch dieses Mal ist der Täter beobachtet worden …

In einem lobenden Zitat am Anfang des Buches wird erwähnt, dass es Henning Mankell war, der Jan Seghers zum Schreiben brachte. Wenn das wahr ist, dann wundert es nicht, dass man die eine oder andere Parallele zwischen Ermittlerschwergewicht Wallander und Marthaler entdeckt. Beide sind alleinstehend und eher etwas zurückgezogen, haben Figurprobleme und widersetzen sich ihren Vorgesetzten.

So weit, so gut, denn Marthaler ist im Vergleich von Wallanders manchmal schon entrückt wirkender Depressivität weit entfernt und wirkt menschlicher und alltagsnaher als der beliebte schwedische Polizist. Was ihn sympathisch macht, ist, dass er keineswegs ein Übermensch ist, sondern wie der nette Nachbar von nebenan wirkt. Ein wenig verschroben manchmal, aber an und für sich ein freundlicher Kerl. Manchmal vielleicht ein wenig zu freundlich, wenn es darum geht, in ihm eine herausragende Persönlichkeit zu sehen, die im Gedächtnis bleibt.

Ähnliches gilt für die Handlung. Die ist auch ein sehr freundlicher Kerl, lässt an einigen Stellen aber die Originalität missen. Damit ist sie in Bezug auf den Punkt Authentizität natürlich auf der sicheren Seite, denn man kann ihr nicht den Vorwurf machen, sie würde mit überzogenen, unrealistischen Ereignissen prahlen.

Allerdings nagt es an der Spannung, wenn man als Leser das Gefühl hat, Ähnliches schon einmal in einem anderen Buch gelesen zu haben. Und da hilft es noch nicht einmal, wenn der Ermittleralltag wirklichkeitsgetreu dargestellt wird, indem man zwischen dem ersten Mord und der Aufklärung über ein halbes Jahr verstreichen lässt. Die harmlose Mischung aus Marthalers Privatleben und den Mordermittlungen inklusive einiger weniger Perspektivwechsel hat zwar ihre kleinen Höhe- und Wendepunkte, läuft aber nie zur Höchstform auf.

Der Schreibstil beweist, dass Seghers alias Altenburg sein Handwerk gelernt hat. Es gibt keine Unannehmlichkeiten und das Buch lässt sich flüssig lesen, auch wenn es an der einen oder anderen zu ausschweifenden Ortsbeschreibung ruckelt.

Insgesamt ist „Die Braut im Schnee“ aber ein sehr angenehmes Buch. Nicht besonders aufregend, aber auch nicht schlecht. Ein netter Krimi für zwischendurch, aber keiner, der sonderlich lange im Gedächtnis haften bleibt.

http://www.rowohlt.de

Pickard, Nancy – Schneeblüte

|Wenn man sich die Preise anschaut, die Nancy Pickard für ihre Kriminalromane bereits eingeheimst hat, erwartet man eigentlich eine spannende Geschichte in „Schneeblüte“. Eigentlich …|

1987 findet der junge Rex zusammen mit seinem älteren Bruder Patrick und seinem Vater, dem Sheriff des kleinen Örtchens Small Plains, die Leiche einer jungen Frau im Schnee. Es wird nie geklärt, wer sie ist oder woher sie kam, denn niemand im Dorf scheint sie zu kennen.

In der gleichen Nacht wollen Abby und Mitch zum ersten Mal miteinander schlafen, doch als Mitch aufsteht, um aus der Hauspraxis von Abbys Vater, der der örtliche Arzt ist, Präservative zu holen, kehrt er nicht mehr zurück. Als Abby am nächsten Morgen bei seinen Eltern klingelt, erfährt sie, dass sie ihn weggeschickt haben, weil er sie angeblich nicht mehr sehen wollte.

Siebzehn Jahre vergehen. Abby und Rex sind mittlerweile erwachsen und die Identität der jungen Toten ist immer noch nicht geklärt. Sie liegt in einem anonymen Grab auf dem Friedhof von Small Plains und hat über die Jahre den Status einer Wunder vollbringenden Jungfrau bekommen.

Es ist der Tod von Mitchs Mutter, der Abby aufweckt und sie daran erinnert, dass die junge Frau immer noch anonym ist. Sie versucht Rex, der mittlerweile das Amt seines Vaters übernommen, zu überreden, den Fall nochmals aufzurollen. Zufällig taucht zur gleichen Zeit Mitch wieder auf, dem man nach dessen Verschwinden vor siebzehn Jahren nachsagte, er könnte das Mädchen umgebracht haben. Abby, die sich immer noch von ihm angezogen fühlt, steht vor einem großen Konflikt …

„Schneeblüte“ ist eines dieser Bücher, die man nach der Lektüre mit einem schalen Beigeschmack zur Seite legt und feststellt, dass man doch nur Zeit verschwendet hat.

Nancy Pickards Roman weist eine Handlung auf, die durchaus schlüssig ist. Sie beginnt mit einem in der Vergangenheit liegenden Leichenfund, der dessen Beteiligte auch nach Jahren noch beschäftigt. Die Autorin versucht auch Spannung aufzubauen, indem sie die wirklichen Wesenszüge einiger Figuren im Dunkeln lässt und dem Leser Einblicke gewährt, die die Hauptpersonen nicht haben.

Trotzdem kommt während des Lesens kaum Spannung auf. Das Buch zieht sich in die Länge, weist immer wieder unnötige Passagen auf (in denen es vornehmlich um die weiblichen Probleme von Abby geht) und hat so gut wie keine sich steigernden Spannungsstufen. Seite für Seite tröpfelt das Geschehen vor sich hin, mal mehr, mal weniger vorhersehbar.

Vorhersehbar ist ein Wort, das man im Zusammenhang mit diesem Buch nicht nur einmal verwenden kann. Die Charaktere sind leider recht einfach gestrickt, geradezu oberflächlich, langweilig. Abby erscheint wie die lockerluftige Dauersinglechaotin eines Frauenromans, und das ist nicht gerade die perfekte Besetzung für ein Buch, das sich „Thriller“ nennen lassen möchte.

Hinzukommt eine klischeehafte Schwarzweißzeichnung der Dorfbevölkerung. Es gibt den Bad Boy, der vom College fliegt, wovon aber niemand etwas wissen soll, und der selbst nach siebzehn Jahren immer noch etwas unreif wirkt und zu Gewalt neigt. Es gibt die Dorfseelen, die Dorfhexen und all diese unbescholtenen Bürger, deren einziger Fauxpas zu sein scheint, in den Fall von vor siebzehn Jahren verwickelt gewesen zu sein, was ihnen aber niemand ansieht, weil sie sich wie normale Menschen benehmen. Nancy Pickard scheint voll und ganz auszuklammern, dass selbst die beste Dorfseele ihre Abgründe hat und dass die Menschen eben nicht immer nur nett zueinander sind.

Dummerweise ist der Schreibstil Pickards genauso belanglos wie die Handlung und die Personen. Gerade Letztere fallen an dieser Stelle noch mal negativ auf, da die Autorin zu exzessiven Personenbeschreibungen neigt, die sie nicht in den Erzählfluss einbettet. An solchen Stellen entstehen Brüche, die nicht hätten sein müssen und vielleicht hätten verhindert werden können, wenn Pickard sich dazu aufgerafft hätte, etwas spannender zu schreiben. Stattdessen reiht sie einen wenig tiefgründigen Satz an den anderen und stürzt den Leser damit in verzweifelte Langeweile.

Beim besten Willen, nein. Es ist sehr schwierig, an „Schneeblüte“ auch nur ein gutes Haar zu lassen. Die Handlung schleppt sich so langsam dahin wie ein trister Tag im Herbst, die Charaktere sind sehr oberflächlich und der Schreibstil glänzt durch seine Langeweile. Langeweile ist wohl der beste Begriff für ein Fazit zu diesem Buch von Nancy Pickard, denn viel mehr weiß selbiges nicht zu bieten.

http://www.rowohlt.de

Ellroy, James – Black Dahlia – Die schwarze Dahlie

James Ellroy gehört zu den großen Kriminalautoren unserer Zeit, und so ist es kein Wunder, dass sein Erfolgsbuch „Die schwarze Dahlie“ im letzten Jahr mit einer Starbesetzung und unter der Regie von Brian de Palma in die Kinos kam. Für |Ullstein| ist das Grund genug, um den Roman von 1988 nochmals herauszubringen.

Im Mittelpunkt steht Ich-Erzähler Bucky Bleichert, Polizist in Los Angeles, der in Lee Blanchard, einem hochgewachsenen, meist skrupellosen Polizisten, der mit der ehemaligen Freundin eines Gangsters zusammenwohnt, nicht nur einen Partner, sondern auch einen guten Freund findet.

Das Ermittlungsgeschick der beiden ist gefragt, als 1947 die schrecklich zugerichtete Leiche einer 22-jährigen vor einem heruntergekommenen Haus gefunden wird. Bei der Toten handelt es sich um die naive Elizabeth Short, die nach L. A. gekommen war, um beim Film groß herauszukommen – wie so viele andere Mädchen. Tatsächlich landete sie ständig in den Betten anderer Männer und verstrickte sich in Lügengeschichten von Ehen mit tapferen Soldaten anstatt ein Filmstudio auch nur von außen gesehen zu haben.

Der gesamte Polizeiapparat steht unter großem Druck, denn einen Fall, der so hohe Wellen in der Öffentlichkeit schlägt, sollte man nicht ungelöst lassen. Doch obwohl Bleichert und Blanchard ihr gesamtes Repertoire an legalen und illegalen Ermittlungsmethoden ausschöpfen, kommen sie nicht voran. Währenddessen wird der Fall für Blanchard eine Art Obsession, da ihn die Tote, die aufgrund ihres exzentrischen Aussehens – sie färbte sich die Haare schwarz und trug nur schwarze Kleider – von der Presse als Schwarze Dahlie bezeichnet wird, an seine verschwundene kleine Schwester erinnert.

Und auch Bucky verliert den Bezug zur Realität. Er fühlt sich nicht nur von Kay, der Freundin Blanchards, angezogen, sondern beginnt auch ein Verhältnis mit der verwöhnten Unternehmertochter Madeleine Sprague, die sich auffällig für den Fall der Schwarzen Dahlie interessiert …

Was Ellroys Roman vor allem auszeichnet, sind der hohe Realismus und das hohe Maß an Misstrauen, das er seinen Charakteren entgegenbringt. In „Black Dahlia – Die schwarze Dahlie“ gibt es keinen strahlenden Protagonisten – jeder hat Dreck am Stecken und das, obwohl die meisten Personen Gesetzeshüter sind. Aber gerade dieser Dreck am Stecken lässt die Charaktere unglaublich authentisch aussehen und ihre undurchsichtigen Verwicklungen sorgen innerhalb der Handlung immer wieder für Überraschungsmomente.

Diese Überraschungsmomente kann die Handlung ab und an ganz gut gebrauchen. Obwohl die Atmosphäre des Buches stimmt, zieht sich die Handlung an einigen Stellen etwas zu sehr in die Länge. An anderen Stellen weiß sie dagegen zu überraschen und ein beträchtliches Maß an Spannung aufzubauen. Allerdings ist gerade die Auflösung des Falls, die zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr im Vordergrund steht, ein wenig zu haarsträubend geworden.

Was steht denn dann im Vordergrund, wenn nicht der Kriminalfall? Ganz einfach. Es ist Buckys Leben nach dem Verschwinden seines Partners Lee Blanchard. Denn „Black Dahlia – Die schwarze Dahlie“ ist mehr als ein Kriminalfall und geht weit über den stereotypen Ermittlerroman hinaus. Es behandelt viel mehr das Leben von Bleichert, zusammen mit seinen Frauengeschichten und der Männerfreundschaft zu Blanchard. Dadurch bekommt das Buch sehr viel psychologische Tiefe und hebt sich wohltuend von anderen Kriminalromanen ab.

Der Autor zeichnet folglich ein sehr düsteres Bild vom L. A. der 40er Jahre, das er mit dem ebenfalls recht düsteren Ich-Erzählerschreibstil noch eindrücklicher gestaltet. Bucky Bleichert zeichnet sich auch sprachlich nicht gerade durch Überkorrektheit aus, was zu einigen Flüchen und politisch unkorrekten Äußerungen führt. Dadurch und durch die lakonische Schreibweise entsteht eine beinahe schon filmische Atmosphäre, die an alte Ermittlerstreifen erinnert. Da sowohl Bleichert als auch Blanchard früher leidenschaftliche Boxer waren (und auch mal gegeneinander im Ring standen), würzt Ellroy seine Schreibe noch mit ein wenig Boxerslang, was das Ganze noch verruchter erscheinen lässt.

In der Summe ist „Black Dahlia – Die schwarze Dahlie“ das gestochen scharfe Portrait der Traumfabrik L. A. in den 40er Jahren und eines Ermittlerpaares, das sowohl im dienstlichen als auch im privaten Leben keine weiße Weste aufweist. Auch wenn der Kriminalroman an einigen Stellen in der Handlung schwächelt, tut er sich mit einer wunderbar düsteren Atmosphäre, großartigen Charakteren und einem dreckig-authentischen Schreibstil hervor.

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Japrisot, Sébastien – Mord im Fahrpreis inbegriffen

Sébastien Japrisot, dessen bürgerlicher Name eigentlich Jean-Baptiste Rossi lautete, hat sich in seiner französischen Heimat durchaus den Ruf eines guten und beachtenswerten Autors erarbeitet. Japrisots Werke wurden teilweise verfilmt. Hierzulande dürfte sein bekanntestes Werk „Mathilde“ sein, eine Geschichte, die Jean-Pierre Jeunet vor ein paar Jahren Audrey Tautou in der Hauptrolle auf Zelluloid gebannt hat. Japrisot starb 2003. „Mord im Fahrpreis inbegriffen“ ist ein Krimi, den Japrisot 1962 schrieb und der nun im |Aufbau Taschenbuch Verlag| auf Deutsch erschienen ist.

Die Handlung ist schnell erzählt: Es ist 07.50 Uhr, als der Nachtzug aus Marseille in Paris ankommt. Alle Fahrgäste steigen aus, bis auf eine: Georgette Thomas, die erwürgt in ihrer Schlafwagenkoje liegt. Inspektor Grazziano macht sich zusammen mit seinem smarten Kollegen Gabert an die Arbeit. Es gilt, die fünf anderen Fahrgäste des Schlafwagenabteils Nr. 4 zu finden. Doch Grazziano und Gabert sind immer einen Schritt zu langsam. Ein Zeuge nach dem anderen wird ermordet, bevor die Polizei seine Aussage aufnehmen kann. Den beiden ermittelnden Beamten läuft die Zeit davon …

Japrisot strickt einen sehr klassisch anmutenden Krimiplot. Sehr direkt und unvermittelt steigt er in die Handlung ein. Kaum ist die Leiche gefunden, nimmt Grazziano auch schon seine Ermittlungen auf und schon wenig später gibt es die zweite Leiche. Japrisot schildert die Ereignisse in einem sehr schlichten Stil. Beschränkt auf das Wesentliche, beobachtet er die Figuren präzise und schildert den Plot punktgenau.

Sein Erzählstil wirkt dabei mitunter seltsam distanziert. Man braucht seine Zeit um damit warm zu werden, wird dann mit zunehmender Seitenzahl dennoch durch den spannenden Plot und die offene Frage nach dem Täter gefesselt. Scheinbar unbeteiligt gibt Japrisot die Ereignisse aus stetig wechselnden Perspektiven wieder und ist dabei doch mitten im Zentrum des Geschehens. Mit einem Tempo, wie es einer Agathe Christie würdig wäre, liefert er seine Opfer ans Messer und lässt die ermittelnden Beamten dabei anfangs ziemlich dumm aussehen. Bis diese überhaupt merken, was passiert, ist der Mörder richtig warmgelaufen und schon etwa die Hälfte der Fahrgäste aus Schlafwagenabteil Nr. 4 dahingemeuchelt.

Japrisot setzt in der Erzählweise immer wieder neu an, wechselt den Betrachtungswinkel und serviert dem Leser eine Rückschau der Ereignisse in besagtem Schlafwagenabteil aus unterschiedlichen Sichtweisen. Mit jedem Mal verändert sich das Bild, doch lässt Japrisot den Leser genauso im Dunkeln tappen wie Grazziano und Gabert, was Motiv und Täter angeht.

Erst ganz am Ende lässt Japrisot die Bombe platzen, präsentiert den Täter und sorgt damit definitiv für eine Überraschung. Raffiniert löst er die Geschichte auf und liefert einen Täter, auf den man von selbst nicht so schnell kommt. Selbst versierte Krimileser dürften sich an dieser harten Nuss die Zähne ausbeißen. Japrisots Auflösung kommt wirklich überraschend und lässt sich auch nicht mit dem sonst meist sehr erfolgsversprechenden kritischen Suchen nach dem unverdächtigsten (Nicht-)Verdächtigen entlarven. Das Motiv hat mich dabei zwar nicht bis in den letzten Winkel überzeugt, aber raffiniert und ungewöhnlich ist die Auflösung allemal.

Die Ahnungslosigkeit, mit der der Leser über weite Strecken durch das Buch wandelt, sorgt in jedem Fall dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Japrisots Stil ist ohnehin sehr kalkuliert und präzise. Kein Satz ist zu viel, und so läuft der Autor keine Gefahr den Leser mit Spannungsabfällen zu langweilen. Kontinuierlich dreht er an der Spannungsschraube, um sie zum Ende hin, wenn der Leser sich schon ganz nah an der Lösung glaubt, noch einmal kräftig anzuziehen.

Was obendrein fasziniert, ist, wie Japrisot die Protagonisten skizziert. Oft wirkt die Betrachtung im ersten Moment eher oberflächlich, zumal Japrisots Wortwahl oft so klingt, als schildere er Dinge, die er von jemand gehört hat, die dieser von jemand anderem gehört hat. Dennoch kann man sich von so manchen Figuren ein erstaunlich deutliches Bild machen. Trotz seiner distanziert wirkenden Erzählweise schafft Japrisot also eine erstaunlich dichte Atmosphäre, und auch wenn er am Ende nicht in allen Aspekten seine Sache hundertprozentig gut macht, so bleibt doch ein überwiegend positiver Eindruck zurück.

Fazit: Japrisot schafft es, mit einer raffinierten Auflösung zu überraschen und erzählt seine Geschichte spannend und stets mit wechselnden Blickwinkeln. Wer klassische, flott und präzise erzählte Krimis mag, dem sei Sébastien Japrisots „Mord im Fahrpreis inbegriffen“ durchaus ans Herz gelegt.

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Gear, Kathleen / Gear, Michael – Lucifers Erbe

Genetik. DNS. Replikation. Chromosomen. Alles Begriffe der Vererbungslehre, die spätestens seit dem Klonschaf „Dolly“ in der Diskussion stehen. Genetik ist immer wieder gern der Hauptdarsteller einer phantastischen Handlung, sei es nun im Film oder in Romanen. Aber nicht nur in negativ behafteten Anwendungen und Forschungen: Ein genetischer Fingerabdruck ermöglicht es in der Kriminologie, den schuldigen Täter anhand seines genetischen Codes zu überführen. Erbkrankheiten können verstanden und behandelt werden. Diese Bausteine des Lebens sind dabei, erforscht und gegebenenfalls manipuliert zu werden.

Wissenschaftler in aller Welt sind dabei, Gottes Puzzleteilchen verändern und bauen zu wollen. Wo aber bleiben der ethische und moralische Aspekt? Einerseits kann man durch die Erforschung von Erb- und Zellkrankheiten völlig neue Therapien und Lösungsansätze erwarten. Ein Segen, eine Hilfe für die Menschheit? Oder werden spätere Generationen das „Leben“ nicht mehr zu schätzen wissen, eben weil man es geschafft hat, eine relative Unsterblichkeit zu erwirken, indem man Krankheiten gar nicht mehr ausbrechen lässt oder durch eine Zelldusche eliminiert? Wird es oder gibt es bereits privatisierte Forschungen, die jegliche Gesetze umgehen, da sie staatlich nicht kontrolliert werden?

In dem hier besprochenen Roman von Gear & Gear, „Lucifers Erbe“, ist die Genetik wieder einmal der Hauptdarsteller in der komplexen und sehr spannenden Handlung. Der Roman ist, und dazu komme ich am Ende meiner Rezension, inhaltlich gar nicht so abwegig, zudem wird er sicherlich zum Nachdenken anregen.

_Die Story_

Dr. Jim Dutton ist ein bekannter und inzwischen recht berühmter Anthropologe mit einem eigenen Forschungsbereich. Im Rahmen einer Langzeitstudie hat dieser an einer von dem privaten Pharmakonzern SAC finanzierten Forschung teilgenommen. Dreizehn Jahre lang war die Bonobo-Schimpansin „Umber“ vollwertiges Mitglied einer kleinen Familie und wuchs mit der etwa gleichaltrigen Brett Dutton auf. Umber ist für Dr. Dutton mehr Tochter als Tier und für Brett mehr Schwester als einfacher Affe.

Umbers Entwicklungsfortschritte wurden von ihrem Jim Dutton dokumentiert und in regelmäßigen Abständen dem rechtmäßigen Besitzer von Umber, SAC, gemeldet. Doch Dr. Dutton manipuliert die Ergebnisse, um den tatsächlichen Fortschritt Umbers nicht erklären zu müssen, denn die Ergebnisse sind alles andere als die erwartete Norm und sprengen damit alle anderen Versuchsreihen.

Umber verfügt über einen Sprachsynthesizer, auf dem sie komplexe Sätze verfassen kann, weiterhin über eine komplizierte Gebärdensprache und sie kann lesen und schreiben. Selbst abstrakte Gedanken über sich selbst und die Gegenwart Gottes sind ihr nicht fremd. Zwar ist sie Besitz des Pharmakonzerns SAC, aber Dutton und seine Tochter sehen sie mehr denn je als menschlich an.

Als SAC dahinter kommt, dass das Entwicklungsstadium von Umber sich außerhalb der kalkulierten Werte befindet, üben sie harten Druck auf Dr. Dutton aus. Schließlich ist dieses Projekt ein milliardenschweres, und sollte etwas an die Öffentlichkeit gelangen, so könnte dies unangenehme Folgen haben und natürlich staatliche Nachforschungen nach sich ziehen. Dies will man in jedem Fall vermeiden, egal mit welchen Mitteln, egal, ob legale oder illegale.

Dr. Dutton soll Umber ihrem „rechtmäßigen“ Besitzer zurückbringen beziehungsweise im Kongo-Gebiet in der Wildnis ansiedeln. Zusammen mit seiner Tochter Brett und der Bonobo-Schimpansin reist er nach Afrika in ein recht geheimgehaltenes Forschungslabor des Konzerns.

Dabei kommt es heraus, dass es noch mehr genetische Versuchsreihen gegeben hat. Nicht immer mit dem gleichen Ergebnis wie bei Umber. Bei einigen Versuchstieren wurde nicht nur die Intelligenz gefördert, sondern auch die Aggressivität kam hierbei nicht zu kurz. Als die ersten Menschen innerhalb des Gebietes vermisst werden, läuft SAC Gefahr, dass die schon skeptische Presse Fragen stellt.

Warum sind die Affen auf einmal so gefährlich und was steckt hinter den genetischen Versuchsreihen? Wo ist noch der Unterschied zwischen einem emotional reagierenden Menschen und einem intelligenten Tier, das jenseits aller Moralvorstellungen reagiert, weil es diese gar nicht kennt?

_Kritik_

Vom ersten Augenblick an ist die Handlung sehr, sehr spannend gehalten und entwickelt sich logisch weiter. Selbst wissenschaftliche und genetische Forschungen werden dem Leser plausibel erklärt. Interessant ist, dass dem Leser die moralische und ethische Verantwortung immer wieder vor Augen geführt wird und dabei nicht ins Reich der Fantasie übergeht.

Der wissenschaftliche Hintergrund zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman und lässt nicht viele Fragen offen. Das Autorenduo Gear & Gear, und wahrscheinlich hier besonders W. Michael Gear, der Anthropologie studierte, setzt sein erlangtes Fachwissen genial um. Forensik und die Evolution von Primaten werden dem Leser auf sehr spannende Weise erklärt.

Der private Pharmakonzern wird dabei im Roman sehr negativ dargestellt und nur nach Profitgier der Manager gemessen, die sich der Verantwortung entziehen wollen. Die Tiere, die Bonobos, allen voran natürlich die sympathische Umber, werden dem Leser als sehr menschlich skizziert. Mit all ihren Schwächen und Stärken, ohne aber in irgendwelchen Klischees und Vorurteilen zu münden.

Ich bin recht begeistert von diesem Buch; für mich eines der besten der Autoren. Der Roman ist absolut empfehlenswert, nicht nur aufgrund der Spannungskurve, sondern auch wegen der guten Mischung von Thriller und Wissenschaft.

_Die Autoren_

Die Eheleute W. Michael Gear und Kathleen O’Neal Gear sind beide Wissenschaftler. Wie schon erwähnt, ist W. Michael Gear Anthropologe und Mitglied der American Association of Physikal Anthrologie. Einige Studien aus den Bereichen der menschlichen Osteologie, Forensik und Evolution von Primaten stammen von ihm.

Seine Frau Kathleen O’Neal Gear war Referentin für Archäologie und Geschichte im US-Innenministerium. Zweimal wurde sie für herausragende Arbeiten mit dem Regierungspreis geehrt.

|Anmerkungen und Hintergrund|

Schon bei intensiver Lektüre wurde mir wieder bewusst, wie gefährlich die genetische Forschung sein könnte und wie sie vielleicht auch hinter versteckten Labortüren, in geheimen, nicht unbedingt staatlichen Instituten ausgeübt wird.

Es gibt sicherlich Wissenschaftler, die in einer moralischen und ethischen Grauzone operieren, finanziert von Pharmafirmen, die auf der Suche nach einer Spur Gottes sind. Sicherlich sind ihre Ideen und ihre Motivation nicht nur negativer Natur, es gibt viele Möglichkeiten in der Gentechnologie: Hier könnten Krankheiten wie Krebs oder AIDS besiegt werden, Erbkrankheiten wie Diabetes ausgelöscht. Nahrungsmittel könnten oder werden schon optimiert, und zu guter Letzt die Reproduktion von Nutztieren. Auch die Militärs hätten das eine oder andere Wunschprogramm.

Wie alles im Leben hat auch diese Forschung und Entwicklung an den kleinsten Bausteinen des Lebens immer zwei Seiten. Im Grunde verstehen wir Durchschnittsbürger die rechtlichen Hintergründe nicht, wir kennen sie gar nicht, genauso wenig lesen wir das (ohnehin nur unvollständige) Kleingedruckte auf unseren Lebensmitteln. Noch weniger wissen wir über die medizinischen Präparate, die wir beim kleinsten Wehwehchen für eine rasche Linderung zu uns nehmen. Im Laufe der nächsten fünfzig Jahre werden alle unsere Hoffnungen und manche unserer Ängste uns vielleicht einholen und jeden Tag Einfluss auf unser Leben nehmen.

Ich hoffe, dass der Leser sich am Ende des Romans ein wenig mit dem Thema beschäftigen wird, denn das ist es wirklich wert. Selten hat mich ein wissenschaftlich gut recherchierter Roman so in den Bann ziehen können.

Als einzigen Kritikpunkt muss ich allerdings das rasche Ende erwähnen. Hier hätte ich mir noch einige Erklärungen gewünscht. Aber vielleicht, so hoffe ich, folgt da noch ein weiterer Teil. Ich würde gerne erfahren, wie es mit den Experimenten weitergeht.

|Bonobos (Zwergschimpansen)|

98.4 %. Nur eine Zahl – aber genau dieser Prozentsatz sagt aus, dass Schimpansen unsere engsten Verwandten sind, denn zu 98.4 % verfügen wir über das gleiche Genom.

Im Roman wurde beschrieben, dass die Affen einen begrenzten Wortschatz haben; das ist durchaus wissenschaftlich belegt. Etwa 500 Wörter können die Tiere intelligent anwenden, genau wie der Gebrauch von Werkzeugen und Kreide ihnen möglich ist.

Einige Forscher setzen sich zudem dafür ein, den Tieren individuelle Rechte geben zu dürfen. Die These, die also im Roman dargestellt wird, ist auch in diesem Punkt nicht so abwegig, denn sollte man wirklich genetische Experimente durchführen, so sind diese uns nahen Verwandten prädestiniert dazu.

Bonobos (Zwergschimpansen) gehören der Gattung der Menschenaffen an und leben zumeist in größeren Gruppen im Kongo-Gebiet. Ihre Art ist aber stark dezimiert worden und gehört damit zu den gefährdeten Tierarten.

http://www.gear-gear.com/
http://www.heyne.de

Ellery Queen – Die siamesischen Zwillinge

Queen Zwillinge Cover 1958 kleinDetektiv Ellery Queen und sein Vater Richard stranden in einer einsamen Villa auf der Spitze eines hohen Berges. Der Hausherr bastelt in seinem Labor schauerliche Kreaturen. Als er einem profanen Mord zum Opfer fällt, erwacht in den Queens kriminalistischer Ehrgeiz … – Ungewöhnlicher Ellery Queen-Thriller, der sich der in den frühen 1930er Jahren aktuellen Stimmung der ”Universal”-Horrorfilme bedient. Trotz des bizarren Ambientes werden die Regeln des Genres elegant verbogen, aber nicht gebrochen: Das Böse ist ganz von dieser Welt. Ein Meisterwerk für die Anhänger des klassischen Kriminalromans.
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Jane Adams – Im Bann des Bösen

Das geschieht:

Der wenig erfolgreiche Journalist Simon Emmet und die berühmte Fotografin Tally Palmer bildeten nach allgemeiner Ansicht ein ungleiches Paar. Niemand ist daher erstaunt, als Simon von Tally rüde den Laufpass erhält. Sie liebe ihn zwar, doch es gäbe einen „Jack“, der ältere Rechte geltend machen könne, so Tallys Schlusswort. Simon kann und will den Bruch nicht wahrhaben. Krank vor Eifersucht stellt er der Geliebten nach, überwacht sie heimlich, versucht dem geheimnisvollen Jack auf die Spur zu kommen. Eine letzte Aussprache endet im Streit. Als Simon betrübt den Heimweg antritt, wird er überfallen und niedergestochen.

Hat ihm Jack eine Lektion erteilen wollen? Dies fragen sich Simons Freunde, zu denen auch Detective Inspector Alec Friedman und seine Lebensgefährtin Naomi Blake gehören. Naomi war selbst Polizistin, bis ihr ein Unfall das Augenlicht raubte. Sie hat die unglückliche Liebe zwischen Simon und Tally schon lange verfolgt und kann der Versuchung nicht widerstehen, sich in den Fall einzumischen. Jane Adams – Im Bann des Bösen weiterlesen

Raymond Khoury – Scriptum

Es ist auffällig, wie viele Romane erschienen sind, die im ähnlichen oftmals sogar gleichen Genre wie Dan Browns Erfolgstitel (Sakrileg/Illuminati) spielen und an dessen Erfolgen teilhaben wollen. Fast jeder Verlag versucht ein Stückchen dieses Marktes für sich zu behaupten. Und in jedem Roman spielen der Vatikan, Geheimbünde und Verschwörungen eine Rolle. Hier werden Tatsachen, Theorien der Bibelgeschichte und überhaupt der Geschichte, Magie und Aberglaube miteinander vermischt, es entsteht ein Hang zum Okkulten, ein Drängen danach, die einzige Wahrheit zu finden oder zumindest etwas Licht in die Schattenwelten uralter Geheimnisse zu bringen.

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Ian Rankin – Der diskrete Mr. Flint

Eine Routineüberwachung wird für einen altgedienten Agenten zum Beginn eines Kesseltreibens, das mit seinem Tod enden soll. Der potenzielle Sündenbock kann entkommen und beginnt einen Rachefeldzug gegen seine verräterischen Kollegen … – Dieses frühe Werk des schottischen Meisterschriftstellers ist ein Spionagethriller aus der Zeit des Kalten Kriegs, der seine komplexe Story schnörkellos und mit enormem Tempo über die Runden bringt: eine Ausgrabung, die nicht unbedingt überfällig war aber einen anderen, ebenfalls lesenswerten Ian Rankin präsentiert.
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