Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Cussler, Clive / Kemprecos, Paul – Todeswrack, Das

Clive Cussler war während des Koreakrieges Flugzeugingenieur und Mechaniker der US Air Force, wurde in seiner zweiten Karriere als Autor und Produzent für Radio- und Fernsehwerbekampagnen bekannt und hat an Expeditionen auf der Suche nach vergessenen Goldminen und versunkenen Schiffen teilgenommen. Mit seinem mittlerweile 14. in Deutschland erschienenen Buch „Das Todeswrack“ – zwei weitere Romane sind bereits als gebundene Ausgabe angekündigt bzw. erhältlich – bricht Cussler mit einer Tradition: Zum ersten Mal spielt sein legendärer Held Dirk Pitt, eine Mischung aus James Bond und Indiana Jones, nicht mehr die Hauptrolle, was wohl auf die Hauptarbeit des „Co“-Autors zurückzuführen sein dürfte.

Als die Meeresarchäologin Nina Kirov an der marokkanischen Küste Artefakte entdeckt, die bisher nur in Mexiko gefunden wurden und auf die Olmekenkultur in den Jahren 700-800 v. Chr. datieren, wird ihre Expedition überfallen und ermordet. Nur mit knapper Not kann sie dem Überfall entkommen und wird von Kurt Austin und Joe Zavala, Kollegen von Dirk Pitt im Dienst der NUMA (National Underwater & Marine Agency), gerettet.

Zuerst getrennt, später gemeinsam, machen sich die drei mit Unterstützung weiterer NUMA-Mitarbeiter an die Aufklärung des Überfalls und kommen einem Geheimbund auf die Spur, der seit Jahrhunderten besteht und mit allen Mitteln wissenschaftliche Beweise über den kulturellen Austausch zwischen alter und neuer Welt vor Christoph Columbus vernichtet.

Während die Meeresbiologin Gamay mit einem mexikanischen Professor auf der Flucht vor |Chicleros| (Tempelräuber) in Yucatan ein antikes Navigationsinstrument entdeckt, tauchen Austin und Zavala vor Nantucket zum Wrack der absichtlich versenkten |Andrea Doria| nach weiteren Artefakten, die zu einem sagenhaften Schatz der Maya führen sollen – immer gejagt vom Anführer der geheimen Bruderschaft, der sich als Nachkomme des Gottes Quetzalcoatl sieht und mit diesem ein neues Weltreich der Maya errichten will.

Cusslers Werke sind einfach gestrickte Abenteuerromane ohne besonderen Anspruch auf wissenschaftliche Realität. Nichtsdestotrotz ist jedes seiner Bücher ungemein spannend und bietet kurzweilige Unterhaltung. „Das Todeswrack“ macht dabei keine Ausnahme, zählt aber dennoch zu den schwächsten seiner Romane.
Die Hauptrollen des Heldenpaars Pitt/Giordino wurden nur halbherzig gegen deren Kollegen Austin/Zavala ausgetauscht. Die Charaktere sind zu ähnlich, unterscheiden sich nur in Nuancen und wirken dadurch wie Abziehbilder der bekannten Identifikationsfiguren, leider ohne deren (selbst-)ironischen Witz. Die Story folgt in Struktur und Aufbau allen Vorgängerromanen, weist aber erstmals einige Längen auf, wie zum Beispiel bei der Flucht von Gamay und Professor Chi vor den Chicleros und der fast krampfhaft konstruiert anmutenden Zusammenkunft mit ihren Rettern. Leider erscheint auch das große Finale nicht ausreichend spektakulär.

Neueinsteigern seien ältere Werke wie „Der Todesflug von Cargo 03“, „Um Haaresbreite“ oder „Operation Sahara“ empfohlen.

Deutermann, P.T. – Am Abgrund

Der amerikanische Autor P.T. Deutermann war Captain der U.S. Navy und schreibt seit einigen Jahren erfolgreich Militär- und Actionthriller, die bei uns jedoch weitgehend unbekannt geblieben sind. Im Gegensatz zu den bekannten Genregrößen wie Clancy, Brown, Coonts und den Newcomern wie Harry und Cobb wird bei Deutermann jedoch selten der High-Tech-Krieg zelebriert und/oder die omnipotente Schlag- und Feuerkraft der amerikanischen Militärmacht glorifiziert. Seine Protagonisten sind zumeist demotivierte mittlere Dienstränge am Ende ihrer Karrieremöglichkeiten, die ihre Illusionen in den Schützengräben des militärischen Verwaltungsapparates verloren haben und an der Autorität und Kompetenz ihrer Vorgesetzten zweifeln. Mit ‚Am Abgrund’ legt Deutermann einen Thriller vor, in dem FBI und U.S. Army sowie die privatisierten amerikanischen Eisenbahnen den Hintergrund stellen.

Als eine große Eisenbahnbrücke über den Mississippi gesprengt wird, erhält Assistant Director (AD) und Leiter einer staats- und behördenübergreifenden Ermittlungsabteilung, Hush Hanson, vom FBI den Auftrag, den Fall gemeinsam mit seiner ihm neu zugeteilten Stellvertreterin Carolyn Lang aufzuklären.

Zur gleichen Zeit muss ein beschädigtes Transportflugzeug der Army auf dem Flugfeld eines Waffen- und Munitionsdepots notlanden, in dem zurzeit ein Bahntransport mit zur Entsorgung vorgesehenen chemischen Waffen zusammengestellt wird. Das Gelände wird in kürzester Zeit durch eine Einheit des Special Operations Command (SOC) zur Sperrzone erklärt, da die Ladung des Flugzeugs aus defekten russischen Torpedos mit atomaren Gefechtsköpfen besteht. Der bereits genehmigte und geplante Bahntransport der Chemiewaffen soll nun auf angebliche Anweisung höchster Stellen dazu benutzt werden, die Gefechtsköpfe zu einem Entsorgungslager zu transportieren, da ein Weitertransport per Flugzeug aus technischen Gründen nicht möglich ist.

Dazu muss aber der Mississippi überquert werden, der Attentäter macht jedoch nach der ersten gesprengten Brücke nicht halt und schaltet nacheinander weitere Übergänge durch Sabotageakte aus. Während die Ermittlungen des FBI nur mühsam voranschreiten, muss der Zug immer wieder umgeleitet werden und der Leiter des Transports stößt ständig auf bürokratische und technische Hindernisse. So entsteht ein dramatischer Wettlauf, bei dem sich unaufhaltsam alles auf den Showdown hinsteigert.

Der Roman lebt von den Konfliktsituationen der Beteiligten an den einzelnen Handlungssträngen. Da ist der FBI-Ermittler, der nur langsam herausfindet, dass dieser Fall entscheidend für seine weitere Karriere ist und seine intriganten Vorgesetzten ein übles Spiel mit ihm treiben. Der Attentäter, der aus Rache für ein persönliches Schicksal die Eisenbahngesellschaften zur Verantwortung ziehen will. Der Army Colonel, der sich in ständigem Streit mit der Transportmannschaft aus Karrieregründen eigenmächtig über Befehle hinwegsetzt und verantwortungslos die Zivilbevölkerung gefährdet.

Der Leser weiß schon sehr viel früher als die Ermittler, wer der Attentäter ist. Die Spannung entsteht auch weniger durch die Suche nach dem Täter, sondern aus der Frage, ob und wie dieser es schafft, weitere Brücken zu zerstören.

Zum Showdown hin wird die Handlung etwas zu vorhersehbar, wobei einzelne Aktionen dennoch für die eine oder andere Überraschung sorgen. Kleinere Kritikpunkte sind die etwas unverständlichen Beschreibungen der Brückenkonstruktionen sowie, für Freunde und Kenner des Genres, die gelegentlich vollkommen misslungenen Übersetzungen militärischer Fachbegriffe.

Ansonsten ist Deutermann ein spannender und atmosphärischer Thriller gelungen, schnörkellos und ohne Längen, der gut ausgewogen Actionszenen, militärisches, wirtschaftliches und polizeipolitisches Hintergrundwissen mit gut nachvollziehbaren und einfach geschilderten Psychogrammen der Protagonisten verbindet.