Der Psychothriller „Wenn sie wüsste“ von Freida McFadden erzählt eine spannende Geschichte über Geheimnisse, Machtverhältnisse und Täuschung. Im Mittelpunkt steht Millie Calloway, eine junge Frau, die nach einer schwierigen Vergangenheit verzweifelt versucht, ihr Leben neu zu ordnen.
Als sie eine Stelle als Haushaltshilfe bei der wohlhabenden Familie Winchester bekommt, scheint sich für sie eine unerwartete Chance zu eröffnen. Das luxuriöse Haus, die gute Bezahlung und die scheinbar freundliche Familie wirken zunächst wie der perfekte Neuanfang.
Doch schon bald merkt Millie, dass im Haus von Nina Winchester, ihrem Ehemann Andrew und der Tochter Cecelia (Cece) eine seltsame Atmosphäre herrscht. Hinter der Fassade eines perfekten Familienlebens verbergen sich Spannungen, Manipulation und Geheimnisse, die Millie zunehmend in Gefahr bringen.
Inhalt
Millie Calloway ist dringend auf Arbeit angewiesen. Ihre Vergangenheit hat ihr viele Türen verschlossen, und sie hat Schwierigkeiten, eine feste Stelle zu finden. Als sie schließlich von Nina Winchester als Haushaltshilfe eingestellt wird, kann sie ihr Glück kaum fassen.
Die Winchesters leben in einem großen, beeindruckenden Haus. Millie erhält sogar ein kleines Zimmer auf dem Dachboden. Obwohl dieses Zimmer sehr schlicht ist und sich nur von außen abschließen lässt, nimmt sie das Angebot dankbar an – schließlich hat sie kaum Alternativen.
Doch schnell wird klar, dass ihre Arbeitgeberin Nina eine schwierige Persönlichkeit hat. Sie verhält sich oft launisch und unberechenbar. Mal ist sie freundlich und charmant, im nächsten Moment wieder herablassend und aggressiv. Häufig bringt sie Millie absichtlich in unangenehme Situationen oder beschuldigt sie für Dinge, die sie gar nicht getan hat.
Auch die Tochter Cece ist gegenüber Millie respektlos und übernimmt das Verhalten ihrer Mutter. Für Millie wird der Alltag im Haus immer anstrengender, da sie ständig versucht, es Nina recht zu machen – meist ohne Erfolg.
Der einzige Mensch, der ihr im Haus mit Freundlichkeit begegnet, ist Andrew Winchester, Ninas Ehemann. Er wirkt ruhig, höflich und verständnisvoll. Mehrmals entschuldigt er sich für das Verhalten seiner Frau und deutet an, dass Nina unter psychischen Problemen leidet. Für Millie scheint Andrew der einzige Lichtblick in dieser schwierigen Situation zu sein.
Während sie immer mehr Zeit im Haus verbringt, fallen Millie jedoch zunehmend merkwürdige Dinge auf. Sie entdeckt Hinweise darauf, dass im Leben der Familie Winchester einiges nicht stimmt. Gespräche wirken widersprüchlich, bestimmte Räume im Haus wirken seltsam abgeschottet, und auch das Verhalten der Nachbarn lässt vermuten, dass es in der Vergangenheit bereits Probleme gegeben hat.
Besonders rätselhaft sind auch die Warnungen des Gärtners Enzo, der Millie mehrfach andeutet, dass sie vorsichtig sein sollte. Doch er erklärt nie genau, was er damit meint.
Je länger Millie im Haus arbeitet, desto mehr fühlt sie sich in einem Netz aus Lügen und Manipulation gefangen. Sie beginnt, die Geschichten über Nina zu hinterfragen und stellt sich immer häufiger die Frage, ob wirklich alles so ist, wie es ihr dargestellt wurde.
Die Spannung steigert sich immer weiter, bis schließlich mehrere verborgene Wahrheiten ans Licht kommen. Dabei wird deutlich, dass einige der Personen im Haus ganz andere Motive haben, als Millie zunächst angenommen hat. Die Handlung entwickelt sich schließlich zu einem überraschenden und schockierenden Finale, das viele zuvor gemachte Annahmen völlig auf den Kopf stellt.
Mein Eindruck
„Wenn sie wüsste“ ist ein Psychothriller, der vor allem durch seine intensive Atmosphäre und seine überraschenden Wendungen überzeugt. Besonders gelungen ist die Erzählperspektive von Millie. Durch ihre schwierige Vergangenheit wirkt sie als Figur komplex und vielschichtig. Man spürt, wie sehr sie versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, und leidet gleichzeitig mit ihr, wenn sie immer tiefer in die problematische Situation im Haus der Winchesters gerät.
Die Figuren sind insgesamt sehr interessant gestaltet. Vor allem Nina Winchester ist eine besonders spannende Figur. Ihr Verhalten wirkt zunächst extrem und unberechenbar, wodurch sie schnell als Antagonistin erscheint. Doch je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr beginnt man als Leser, das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Auch Andrew wirkt zunächst wie die sympathischste Figur der Geschichte. Gerade diese scheinbare Klarheit sorgt jedoch dafür, dass man als Leser immer wieder seine eigenen Einschätzungen hinterfragt.
Der Spannungsaufbau ist ein großer Pluspunkt des Buches. Die Geschichte beginnt vergleichsweise ruhig und konzentriert sich auf die ungewöhnliche Dynamik innerhalb der Familie. Doch nach und nach häufen sich die Hinweise darauf, dass etwas nicht stimmt. Kleine Details gewinnen plötzlich an Bedeutung, und die Situation spitzt sich immer weiter zu.
Der Schreibstil von Freida McFadden ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Die kurzen Kapitel und die vielen offenen Fragen sorgen dafür, dass man immer weiter lesen möchte. Genau dadurch entsteht der typische Sog, der viele Leserinnen und Leser dazu bringt, das Buch in kurzer Zeit zu verschlingen.
Über die Autorin und die Übersetzerin
Mit ihrer Gabe für überraschende Twists und packende psychologische Spannung ist der US-amerikanischen Ärztin und Bestsellerautorin Freida McFadden in kürzester Zeit der internationale Durchbruch gelungen. Nach dem phänomenalen Erfolg von »Wenn sie wüsste« stürmte sie mit ihren darauf folgenden Thrillern gleich an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste. Ihre Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Freida McFadden lebt mit ihrer Familie in Boston.
Astrid Gravert studierte Philosophie, Germanistik und Anglistik in Kiel. Sie übersetzt Thriller und Reiseliteratur aus dem Englischen und Französischen. (Verlagsinfo)
Fazit
„Wenn sie wüsste“ ist ein äußerst fesselnder Psychothriller mit einer spannenden Handlung und vielen unerwarteten Wendungen. Die Geschichte rund um Millie, Nina und Andrew zeigt eindrucksvoll, wie trügerisch der erste Eindruck sein kann und wie leicht Menschen manipuliert werden können.
Besonders gelungen sind die komplexen Figuren, die intensive Atmosphäre und das überraschende Finale, das die gesamte Geschichte noch einmal in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Für Fans von spannenden, psychologisch geprägten Thrillern ist dieses Buch eine klare Empfehlung.
Taschenbuch: 400 Seiten
Originaltitel: The Housemaid
Ins Deutsche übersetzt von Astrid Gravert und Renate Weitbrecht
ISBN: 978-3453443693
www.penguin.de
Der Autor vergibt: 




