Hanna Aden – Die Kryptografin

Worum geht’s?

Im Mittelpunkt von „Die Kryptografin“ steht Margot, eine junge Frau mit einer außergewöhnlichen Begabung für Mathematik. In der Nachkriegszeit, in der klare Vorstellungen davon herrschen, wie ein „angemessenes“ Leben für Frauen auszusehen hat, träumt sie von einem selbstbestimmten Berufsweg. Der Roman begleitet Margot dabei, wie sie versucht, ihren Platz in einer Gesellschaft zu finden, die für Frauen wie sie kaum vorgesehen ist – weder an der Universität noch in der geheimnisvollen Arbeitswelt, in die sie später gerät. Es geht vor allem um ihren inneren Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren sowie um die Frage, wie viel Mut es braucht, den eigenen Weg wirklich zu gehen.


Inhalt

Margot entscheidet sich gegen die Erwartungen ihres Umfelds für ein Mathematikstudium. Schon dieser Schritt macht sie zur Außenseiterin. Ihre Fähigkeiten bleiben jedoch nicht unbemerkt, und sie erhält die Möglichkeit, in einem geheimdienstnahen Bereich als Kryptografin zu arbeiten. Dort soll sie Codes entschlüsseln und ihr analytisches Denken einsetzen – eine Arbeit, die faszinierend, aber auch belastend ist.

Parallel zu ihrem beruflichen Werdegang erzählt der Roman viel über Margots persönliches Umfeld: Freundschaften, emotionale Bindungen und gesellschaftliche Zwänge spielen eine große Rolle. Immer wieder gerät sie in Situationen, in denen sie sich rechtfertigen muss – für ihre Ambitionen, ihre Entscheidungen und dafür, dass sie mehr vom Leben will als das, was man ihr zugesteht. Der Roman zeigt dabei nicht nur äußere Konflikte, sondern vor allem Margots innere Zweifel, ihre Unsicherheit und ihr langsames Wachsen an den Herausforderungen.

Mein Eindruck

Ich hatte am Anfang leichte Startschwierigkeiten. Der Einstieg ist ruhig erzählt, und es dauerte eine Weile, bis ich wirklich einen Zugang zu Margot gefunden habe. Anfangs blieb sie für mich etwas distanziert, und auch die Handlung brauchte Zeit, um Fahrt aufzunehmen.

Im weiteren Verlauf hat sich das deutlich gebessert. Je mehr Margots innere Konflikte in den Vordergrund rückten und je stärker ihr beruflicher Weg konkret wurde, desto interessanter fand ich die Geschichte. Besonders gelungen fand ich die Darstellung der subtilen Widerstände, mit denen Margot konfrontiert ist – nicht immer offen feindlich, sondern oft leise, unterschwellig und dadurch umso glaubwürdiger.

Trotzdem hat mich das Buch nicht vollständig überzeugt. Einige Entwicklungen wirkten für mich zu vorhersehbar, und stellenweise hätte ich mir mehr Spannung oder eine stärkere Zuspitzung der Konflikte gewünscht. Auch blieb Margot für mich emotional manchmal etwas auf Abstand, sodass mich nicht jede Entscheidung wirklich mitgerissen hat.

Über die Autorin 

Hanna Aden wurde 1983 in Heidelberg geboren. Neben ihrem erlernten Beruf als Sonderpädagogin schreibt sie journalistische Texte und Kolumnen für Zeitschriften. Sie war Mitglied der Jury für den DELIA-Literaturpreis. Für ihren ersten Roman I love you, Fräulein Lena ließ sie sich von der Geschichte ihrer Großmutter inspirieren. Im Winter 2025 erscheint mit Die Kryptografin der erste Teil einer weiteren spannenden und emotional berührenden Geschichte aus dem Deutschland der Nachkriegszeit. (Verlagsinfo)

Fazit

„Die Kryptografin“ ist ein ruhiger, atmosphärischer Roman, der vor allem von seiner Hauptfigur und den gesellschaftlichen Themen lebt. Margots Geschichte macht deutlich, wie schwierig es war – und ist –, gegen festgefahrene Rollenbilder anzukämpfen. Auch wenn mich das Buch nicht zu hundert Prozent begeistern konnte, hat es mich im Verlauf immer mehr abgeholt und zum Nachdenken angeregt. Für Leserinnen und Leser, die sich für historische Stoffe mit starkem Fokus auf persönliche Entwicklung und Frauenfiguren interessieren, ist es dennoch eine lesenswerte Lektüre.

E-Book: 4,3 MB
ISBN: ‎ 978-3641337278

www.penguin.de

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)