Jane Gaskell – Im Reich der Atlantiden (Atlantis 2)

Aus dem prallen Affenleben

Die abenteuerlustige Thronerbin Cija ist die Gemahlin des Feldherren Zerd, der sich mit einem Heer ungewünschter Bürger des Nordreichs auf eine Selbstmordmission geschickt wurde. Er ist der Renegat, dem es gelang sich auf den Thron von Atlantis zu setzen. Cija ist nun seine Kaiserin, doch schon zu Friedenszeiten ist deren Beziehung problematisch, als aber das Heer des Nordreichs mit Sedili, Zerds erster Gemahlin, an der Spitze und dann das Heer der Waldmenschen mit Lara, Zerds zweiter Gemahlin, an der Spitze in Atlantis landen, gegen die Zerd nur noch die Reste seines alten Heeres setzen kann, muss Cija aus dem Weg – zumal sie einen Bastard gebar, der Zerd so unähnlich sieht… (Verlagsinfo)

Die Atlantis-Trilogie der Engländerin Jane Gaskell entstand ab dem Jahr 1963. Sie zählt zu den besten Verarbeitungen des Atlantis-Mythos. Der Zyklus wurde bei Heyne bereits zweimal aufgelegt, zunächst in vier Bänden 1976, zuletzt 1987 in fünf Bänden. Ich bespreche die Ausgabe von 2001.

Die Autorin

Jane Gaskell (* 7. Juli 1941 in Grange-over-Sands, Lancashire) ist eine britische Fantasy- und Horror-Autorin. (Wikipedia.de)

Cija-Zyklus

1 The Serpent (1963)
Deutsch: Der Turm der Göttin. Heyne SF&F #3508, 1976, ISBN 3-453-30398-9.
2 The Dragon (1963)
Deutsch: Der Drache. Heyne SF&F #3516, 1976, ISBN 3-453-30382-2.

3 Atlan (1965)
Deutsch: Im Reich der Atlantiden. Heyne SF&F #3530, 1977, ISBN 3-453-30396-2.
4 The City (1966)
Deutsch: Im Land der Affenmenschen. Heyne SF&F #3543, 1977, ISBN 3-453-30436-5.

5 Some Summer Lands (1977)
Deutsch: Die Länder des Sommers. Heyne SF&F #4455, 1988, ISBN 3-453-00999-1.

Die Bände „The Serpent“ und „The Dragon“ erschienen ursprünglich in einem Band unter dem Titel „The Serpent“. Die deutschen Übersetzungen sind sämtlich von Horst Pukallus.

Einzelromane

Strange Evil (1957)
King’s Daughter (1958)
Attic Summer (1962)
The Shiny Narrow Grin (1964)
All Neat in Black Stockings (1968)
A Sweet, Sweet Summer (1969)
Summer Coming (1969)
Sun Bubble (1990)

Handlung

Die göttliche Cija ist mittlerweile Kaiserin von Atlantis, nicht weiter verwunderlich, da ihr Gatte Zerd mit seinen Truppen den Inselkontinent unterworfen hat. Allerdings kann die Ärmste auch weiterhin nicht auf ein ruhiges Leben hoffen (sonst wäre ja die Trilogie schon nach dem 1. Band zu Ende). Sie bekommt ein Kind von ihrem Halbbruder Smahil und gerät in die Mühlen von Zerds politischen Intrigen. Wie schon seit eh und je wird sie zum Spielball der miteinander rivalisierenden Parteien.

Nachdem sie – so quasi zwischendurch – ihrem Gemahl Zerd eine Tochter geboren hat, gelingt ihr schließlich die Flucht von Atlantis, nur um auf dem Festland an einen Bordellbesitzer verschachert zu werden. So tief kann man fallen (zumindest in solchen Romanen, denn soviel Tugendhaftigkeit als Gattin kann schnell langweilig wirken).

Auch aus dem Bordell entkommt sie und findet heraus, dass sie in ihrer Heimatstadt gelandet ist. Welch ein Zufall! Offenbar ist es nun an der Zeit, alte Rechnungen zu begleichen. Ihr Vater, der Hohepriester, will sie töten lassen, weil sie als Ergebnis seines Fehltritts seine Karriere bedroht. Ein Rabenvater! Doch Halbbruder Smahil, loyal wie eh und je, ist zur Stelle und rettet das Schwesterherz.

Leider verliert er sie wieder an eine Horde Affenmenschen, die sie entführen. Das spricht nicht gerade für die überlegene Intelligenz der menschlichen Rasse. Cija gelingt es immerhin, nicht verspeist zu werden, was sehr löblich ist, denn so haben wir weiterhin etwas zu lesen. Statt dessen entwickelt einer der Affenmenschen Beschützerinstinkte (ich dachte immer, man hat sie oder hat sie nicht) und muss mit ihr seinen Stamm verlassen – Adam und Eva lassen auch schön grüßen.

Affe und Menschin haben denn auch im Dschungel eine durchaus nicht platonische Liebesbeziehung. Wahrscheinlich zeigt er ihr, wo die Liane hängt. Doch wehe! Dann wird ihr Liebhaber getötet und Cija ihrem Rabenvater erneut ausgeliefert. Soldaten ihrer Mutter retten sie im letzten Moment vom Opferstein. Alles löst sich in Wohlgefallen auf, scheint es, doch Ungemach dräut: Denn Göttergatte Zerd eilt bereits Cija zu Hilfe, und in ihrem Bauch regt sich neues Affenleben.

Mein Eindruck

Die Qualität dieses 2. Bandes der Atlantis-Trilogie ist nur unwesentlich höher als im 1. Band. Die Übersetzerschaft von Horst Pukallus bürgt für Qualität – wie schon bei Stephen Donaldsons „Mordant“-Dilogie und dem Deryni-Zyklus.

Zwar versucht Cija, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, aber das Schicksal (sprich: die Autorin) und ihre weibliche Natur haben sich offenbar böswillig gegen sie verschworen. So stolpert sie wieder einmal von einer Katastrophe in die nächste und verstrickt sich immer tiefer in den Schlamassel aus Schuld. Leider verweigert uns die Autorin die Auskunft darüber, welchem höheren Sinn und Zweck dieses Stolpern nun dienen könnte – außer dem Ergötzen des Lesers.

Die Atlantis-Trilogie ist ein weiß Gott recht verwirrend angelegter Zyklus aus ursprünglich fünf Bänden, der ab 2001 aus drei Bänden besteht. Sie kann mich weder stilistisch-handwerklich noch inhaltlich-konzeptionell überzeugen.

Taschenbuch: 671 Seiten.
Originaltitel: Atlan / The City, 1965/66
Aus dem Amerikanischen von Horst Pukallus.
ISBN-13: 9783453178915

www.heyne.de

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