Joshua Hood – The Treadstone Rendition (Adam Hayes 04)

Letzte Ausfahrt Kabul

Die letzten Tage der amerikanischen Präsenz in Afghanistan bringen Adam Hayes eine Vorladung, die er nicht ignorieren kann. Hayes hat sich zum letzten Mal vom Feld entfernt. Er hat seiner Frau versprochen, dass er sein Leben nicht mehr aufs Spiel setzen wird, und nichts wird ihn dazu bringen, dieses Versprechen zu brechen. Nun… fast nichts.

Mit dem Rückzug Amerikas aus Afghanistan und dem Näherrücken der Taliban wendet sich der Armeesoldat Abdul Nassir an seinen früheren Partner Hayes. Vor zehn Jahren rettete Nassir dem Amerikaner das Leben, und es ist Zeit für die Rückzahlung. Nassir will seine Familie unbedingt aus dem Land holen. Er hat Angst vor den Taliban… aber er kann den Amerikanern auch nicht trauen: Seine Tochter wurde Zeuge eines Massakers von Schurken-CIA-Auftragnehmern. Das lässt nur einen Mann übrig, der sie aus dem Land holen kann: Adam Hayes.

Zum Titel

“Rendition” ist ein in den USA üblicher Ausdruck für die absichtliche Entführung eines Menschen in eine andere Weltgegend, wo weniger strenge Gesetze zur menschlichen Behandlung herrschen als in USA und Europa. Bei diesen Orten kann es sich beispielsweise um geheime CIA-Lager handeln. Der Zweck: meist Folter.

Die Autoren

1) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

2) Joshua Hood

Joshua Hood studierte an der Uni Memphis, TN, bevor er dem Militär beitrat. E diente erst fünf Jahre in der 82. Luftlandedivision und war von 2005 bis 2006 ein Teamführer der Fallschirmspringer im Irak. Von 2007 bis 2008 diente Hood als Schwadronführer bei den Fallschirmspringern in Afghanistan, wo er eine Auszeichnung für Tapferkeit während der Operation „Furios Pursuit“ errang.
Nach seiner Rückkehr ins heimatliche Memphis wurde er der Leiter eines Scharfschützenteams innerhalb einer SWAT-Gruppe. Hier erwarb er eine Lebensrettermedaille. Zur Zeit arbeitet er als Direktor von „Veteran Outreach“ in der „American Warrior Initiative“. Sein Motto lautet: „All killer, no filler“.
Auf seiner Webseite joshuahoodbooks.com sind Fotos seiner Einsätze in Afghanistan (Helmand ist Talibanland) und im Irak zu finden.

Die Treadstone-Reihe

a) The Treadstone Resurrection (Rezension)
b) The Treadstone Exile
c) The Treadstone Transgression
d) The Treadstone Rendition

Weitere Romane

1) Warning Order
2) Clear by Fire

Handlung

Anno 2011

Lieutenant Adam Hayes befindet sich im August 2011 im Tangi-Tal in Zentral-Afghanistan unterwegs, um Vergeltung für den Abschuss eines vollbesetzten Helikopters zu üben. Sein Zwölf-Mann-Team besteht aus Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) und den US-amerikanischen Green Berets. Die Amis trauen den Afghanen nicht so ganz, wenn es um die Jagd auf die Taliban geht. Doch Hayes drückt dem ANA-Captain Abdul Nassim sein Vertrauen aus, eine Geste, die ihm Nassim nie vergessen wird. Denn gleich danach fliegen ihnen die Granaten und AK47-Kugeln um die Ohren. Als Hayes verwundet wird, ist es kein anderer als Nassim, der ihn in Sicherheit bringt. Sie werden Freunde.

Zehn Jahre später: August 2021

Die Amerikaner bereiten den Abzug aus Afghanistan vor. In der gleichen Gegend wie damals ist auch wieder Abdul Nassim unterwegs, allerdings zu völlig anderen Zwecken. Er klaut einem „Money Man“ der Taliban, der verwundet in einem mobilen Lazarett liegt, einen USB-Stick mit hoffentlich wertvollen Daten darauf. Nassim hat nämlich den begründeten Verdacht, dass ein US-Paramilitär namens Dominic Porter, ein ehemaliger Navy SEAL, US-Material unterschlägt und an die Taliban verkauft, die es wiederum gegen die ANA-Soldaten, wie ihn, einsetzen.

Gleich nach dem erfolgreichen Stick-Diebstahl landet der Helikopter der Amis, die sofort den ganzen Ort erobern. Jeder, der sich wehrt, wird erschossen. Porter stürmt als erstes das Lazarett, findet den Money Man tot und beraubt vor. Er bekommt eine Warnung, dass eine Kolonne Taliban im Anmarsch sei. Jetzt muss alles schnell gehen.

Auf dem Weg zur Landezone des Helis entdeckt er einen Mann, dessen Smartphone gerade einen Blitz auslöst: Porter wurde soeben fotografiert! Gut, dass er selbst eine GoPro-Kamera auf dem Helm montiert hat. Damit kann er selbst ein Bild von dem Knipser anfertigen. Eine erste Auswertung in USA ergibt, dass es sich um Abdul Nassim handeln könnte, einen Hauptmann der ANA. Shit!

Nassim ist sich sicher, dass Porter ihn schnell identifizieren wird. Dann wird seine Familie leiden müssen, wahrscheinlich durch Porters Taliban-Kontakte. Nassim kennt nur einen Mann, der ihm aus der Patsche helfen kann: Adam Hayes. Der befindet sich gerade im indischen Mumbai.

Hayes

Hayes arbeitet als Security-Berater in Mumbai, um einen Verräter ausfindig zu machen, der geheime US-Informationen an den Feind – die Taliban, die Russen usw. – sendet. Nachdem er einen Erfolg zu verzeichnen hat, will Hayes eigentlich feiern, doch stattdessen bekommt er einen Hilferuf von Abdul Nassim. Die Zeit drängt, denn die Amerikaner wollen in nur wenigen Tagen Afghanistan verlassen. Hayes ist klar, dass ein ANA-Offizier zwar Asyl beantragen darf, doch das Verfahren dauert Monate. Nassim schickt ihm das kurze Video, das Dominic Porter in der Maidan-Wardak-Provinz vor der Taliban-Klinik zeigt: den Beweis, dass Amerikaner ihr Land verrieten. Hayes verspricht Hilfe.

Neu-Delhi

Hayes hat sich sofort an Levi Shaw, den Leiter des CIA-Programms „Treadstone“, gewandt, doch Shaw weigert sich nach etlichen Reibereien mit Hayes, ihm zu helfen. Also bekommt Hayes keinen Gratisflug nach Kabul. Er fliegt nach Delhi, um einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums zu sprechen. Seth Brooks kümmert sich um die Security des US-Botschafters. Nun präsentiert ihm Hayes die Gelegenheit, der CIA eins auszuwischen. Denn zwischen CIA und Außenministerium herrscht seit jeher ein Kalter Krieg.

Porter

Dominic Porter geht für die Daten, die ihn zu Nassim führen, über Leichen. Diesmal muss ein Beamter im zentralen Archiv Afghanistans ins Gras beißen. Auf den letzten Seiten der Nassim-Akte findet Porter die Adressen von Nassim und seinem Vater: in Jalalabad. Porter ist allerdings klar, dass er nicht persönlich dorthin reisen kann, denn in schon drei Tagen müssen alle Amerikaner das Land verlassen. Für diesen blutigen Job denkt er eher an Nassims Erzfeind, den Anführer einer Elitetruppe der Taliban, einen Mann namens Muhammed Ghul. Er muss ihn allerdings erst überzeugen, dass Ghul dabei profitiert…

Peshawar, Pakistan

Hayes fliegt mit Seth Brooks an seiner Seite nach Peshawar, Pakistan. Sein Plan besteht darin, über den Kyber-Pass nach Afghanistan zu reisen, denn ein Flug kommt nicht infrage. Die neuen Papiere, die ihm Brooks ausgestellt hat, sollten der Prüfung durch den pakistanischen Geheimdienst ISI standhalten. Das tun sie zwar nicht, aber der Grenzpolizist lässt durchblicken, dass der CIA bereits für freie Durchfahrt gesorgt habe. Hayes ist verwundert, aber auch erleichtert. Offenbar hat der Leiter von Treadstone mit dem Chef des CIA gesprochen.

Jalalabad, Afghanistan

Muhammed Ghul nimmt den Auftrag, den Porter ihm erteilt hat, sehr ernst. Mit seinen Leuten gelingt es ihm nun, da die Amis abziehen, ungehindert nach Jalalabad vorzudringen, wo, wie er von Porter erfahren hat, Nassims Großvater lebt. Doch bellende Hunde haben sein Kommen angekündigt. Die Siedlung scheint sehr ruhig zu sein. Als niemand auf sein Klopfen öffnet, lässt er die Tür aufbrechen, die AK-47 im Anschlag…

Hinter dem Khyber-Pass

Brooks, der Mann von der indischen US-Botschaft, ruft Hayes hinter dem Kyber-Pass an. Er habe mit seiner Ex-Frau Jolene gesprochen, die als Armee-Psychologin auch Dominic Porter beurteilen kann. Es handle sich bei Porter um einen gefährlichen Psychopathen, der von Drogen abhängig sei. Nach Rücksprache mit diversen Stellen bittet Brooks nun Hayes, Porter auszuschalten, bevor dieser Afghanistan verlasse und in den USA untertauche. Nichts lieber als das, meint Hayes – und hofft, dass sein Freund Nassim Porters Schergen entkommen konnte. Nun kommt es zunächst darauf an, Porter und Nassim aufzuspüren…

Mein Eindruck

Geschickt nutzt der Autor den bereits bekannten Termin im August 2021 als Dedline, die nicht überschritten werden darf. So kommt gehörige Spannung auf. Allerdings in mehrfacher Hinsicht. Für freie Amerikaner wie Porter und Hayes öffnet sich ein letztes Schlupfloch, doch für Afghanen, die für die ANA arbeiteten, bildet ein amerikanisches Flugzeug die letzte Möglichkeit, den Racheaktionen der Taliban zu entgehen. Der Autor zeigt beide Seiten der sich anbahnenden Tragödie auf, und das ist nicht selbstverständlich. Er zeigt sich ganz klar als Gegner der Taliban.

Nassim muss seine eigene Familie in Sicherheit bringen, was ihm nicht immer gelingt. Die Odyssee dieses verdienstvollen Freundes der Amerikaner führt durch zerstörte Dörfer und Landschaften immer Richtung Kabul. Dort wartet vielleicht die letzte Fluchtmöglichkeit, aber auch medizinische Versorgung. Hier treffen Moderne und Mittelalter aufeinander. Mitten in der Flucht per Brooks-Helikopter wird die Maschine von eine Rakete getroffen. Dramatische Minuten folgen.

Showdown

Kurz vor Kabul kommt es zu einem ersten Showdown, in den einige Akteure verwickelt sind. Es wird knapp für Hayes, Brooks und Nassim, mehr darf nicht verraten werden. Doch Porter hat immer noch einen Freund in den USA, der ihm aktuellste Infos übermittelt. So gelingt es ihm, Hayes und Nassim selbst noch in Kabul selbst, ja, noch knapp vor der Luftwaffenbasis der Amerikaner, Hayes und Nassim zu bedrängen. So ist dafür gesorgt, dass ein Herzschlagfinale den Leser in Atem hält.

Textschwächen

Hier und da fehlen Wörter oder Buchstaben, ja sogar ganze Sätze: ein Indiz, dass der Text gekürzt wurde.

Kabul liegt nicht auf einer Höhe von „1790 Fuß“ (etwa 600 m), wie der Autor behauptet, sondern auf 1790 Metern, wie Google verrät.

Unterm Strich

Ich habe diesen actionreichen Politthriller auf meinem E-Reader in wenigen tagen verschlungen. Man sollte auch ziemlich schnell lesen, denn die Geschichte lebt ja vom Auftreten zahlreicher Akteure, die über eine Menge Orte verteilt sind. Afghanistan ist ein großes, gebirgiges Land, das mit unvertrauten Namen aufwartet, doch einen Ort kennen alle, die Nachrichten sehen: Kabul.

Glücklicherweise findet die Action nur am Schluss in diesem Labyrinth statt, so dass ein gewisses Maß an Überblick gewährleistet ist. Aber eines ist von Anfang an klar: Kabul mag zwar das Tor zu Afghanistan sein, aber mitten im Abzug der Amerikaner bildet es auch das einzige Schlupfloch, das Hoffnung auf ein Entkommen rechtfertigen kann. Der Autor hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht. Ich entsteht der Eindruck, dass er mal selbst vor Ort war. Laut Vita stimmt das: „Von 2007 bis 2008 diente Hood als Schwadronführer bei den Fallschirmspringern in Afghanistan, wo er eine Auszeichnung für Tapferkeit während der Operation „Furios Pursuit“ errang“.

Etwas ungewöhnlich ist die Figur des Verräters Porter, der an amerikanischen Waffenverkäufen verdient. Dieser schlimme Finger ist dann auch – wen wundert’s? – drogenabhängig und somit unzurechnungsfähig. Er hat kein Gewissen, sondern geht, wie sein Taliban-Verbündeter Muhammed Ghul, über Leichen. Nur dass im Gegensatz zu Ghul die besseren Infos und Waffen besitzt. So kommt es, dass Porter länger lebt als Ghul. Aber nur um ein paar Stunden.

Die Achsen, um die die Action rotiert, ist die enge Freundschaft zwischen Hayes und Nassim. Auch sie ist nicht selbstverständlich, aber sie wird gewürdigt und bis zum Schluss durchgehalten. Ob es Hayes gelingt, seinen Freund und dessen Familie zu retten, darf hier nicht verraten werden.

Seth Brooks hört auf seine Frau Jolene, die Psychologin. Auch das ist ungewöhnlich, findet man doch in solche Landser-Romanen häufig nur Macho-Typen vor, denen Frauen zu gehorchen haben. Auf Jolenes Ersuchen hin wagt sich Brooks, der Bürohengst, mitten ins Getümmel und riskiert dabei Kopf und Kragen. Wie die Sache für ihn ausgeht, darf nicht verraten werden. Aber seine Lage ähnelt einem ausländischen Agenten, der in einer Endphase mitten zwischen alle Fronten gerät, ähnlich wie im Untergang von Berlin 1945 oder Saigons 1973. Saigon wird mehrmals erwähnt: höchste Zeit, den letzten Helikopter zu erwischen, der die Überlebenden aus der Stadt bringen kann! Klar ist zu erkennen, dass sich der Autor der Parallelen zu anderen solchen Situationen bewusst war.

So packend der Thriller auch ist, so lohnt er doch kein nochmaliges Lesen: Der Leser weiß ja schon, wie die brenzlige Situation ausgehen wird. Immerhin kann es der Roman schon fast mit einem der jüngeren Jason Bourne Thriller aufnehmen, zumal im E-Book-Format.

E-Book: 376 Seiten
Originaltitel: Robert Ludlum’s The Treadstone Rendition (Adam Hayes 4)
ISBN-13: 978-1-80328579-5

www.headofzeus.com

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