Washington in der nahen Zukunft: Ein Streit tobt um die brennende Frage, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Auf der einen Seite stehen mächtige Politiker, die ihre Wähler nicht vergraulen wollen und sich bei Großkonzernen anbiedern. Auf der anderen Seite arbeiten Wissenschaftler verzweifelt daran, die Öffentlichkeit aufzuklären und gangbare Wege zu finden, eine globale Katastrophe zu verhindern.
Zu diesen Wissenschaftlern zählen Anna Quibler, die bei der National Science Foundation über die Vergabe von Forschungsgeldern entscheidet, und ihr Mann Charlie, der einen aufstrebenden Senator in Umweltschutzfragen berät. Doch die Zeit für theoretische Überlegungen läuft ab, denn die Hauptstadt der USA droht nach einem Unwetter im Hochwasser zu versinken …
Der Autor der Mars-Trilogie und des Bestsellers „Das Ministerium für die Zukunft“ erzählt, wie Anna, Charlie und ihre Freunde nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern für die Zukunft von uns allen.“ (Verlagsionfo von Carcosa)
Diese Besprechung beruht auf der Originalausgabe. Das deutschsprachige E-Book erschien am 26.1.2026, die Printausgabe ist für 22.6.2026 geplant.
Der Autor
Kim Stanley Robinson, geboren 1952 und passionierter Bergsteiger, gehört seit seiner Doktorarbeit über Philip K. Dick und diversen Romanen zur Autoren-Mannschaft, die Mitte der achtziger Jahre als „Humanisten“ bezeichnet wurde. Damit stellte man ihn in Opposition zu den neuen „Cyberpunks“ um William Gibson und Bruce Sterling, die neue Techniktrends aufgriffen und kritisch verarbeiteten. KSR selbst hat es stets als lächerlich abgelehnt, dieses Etikett auf sich selbst anzuwenden. Er legte in seiner bekannten Orange County Trilogie (The Wild Shore; The Gold Coast; Pacific Edge; 1984-1990) mehr Wert auf gute Charakterisierung der Figuren, eine Vision gesellschaftlicher Entwicklung und die Überzeugungskraft seiner Ideen. Das hat mir immer am besten an seinen Büchern gefallen.
Wesentlich bekannter wurde Robinson mit seiner Mars-Trilogie Red Mars, Green Mars und Blue Mars, die in naher Zukunft zu einer Kurzserie fürs Fernsehen gemacht werden soll. Danach folgten die umfangreichen Romane „Antarktika“ (Umweltthriller) und „The Years of Rice and Salt“ (Alternative History), dem im Juni 2004 ein weiterer Roman folgte: „Forty Signs of Rain“, der Startband seiner bislang unübersetzten CAPTIAL-CODE-Trilogie. Im Herzen ist KSR stets ein Erforscher und Warner.
Übersetzte Werke
1) Das wilde Ufer
2) Goldküste
3) Pazifische Küste
4) Roter Mars
5) Grüner Mars
6) Blauer Mars
7) Flucht aus Kathmandu
8) Geschöpfe der Sonne
9) Die Marsianer
10) Antarktika
11) New York 2312
12) New York 2140
13) Aurora
14) Schamane
15) Die eisigen Säulen des Pluto
16) Sphären-Klänge
17) Das Ministerium für die Zukunft
19) Die Romane von Philip K. Dick
Die CAPITAL-CODE-Trilogie
1) Forty Signs of Rain (2004, dt. ab 2026)
2) Fifty Degrees Below (2005)
3) Sixty Degrees and Counting (2007)
Handlung
Anna Quibler ist eine leitende Managerin für Biotechnik innerhalb der ziemlich großen National Science Foundation (NSF) in Washington, D.C. Als sie an diesem Tag das Gebäude betritt, bemerkt sie, dass in der Lobby das Reisebüro ausgezogen ist, aber dieses Büro von buddhistischen Mönchen neu bezogen wird. Sie sagen, sie kommen aus der (fiktiven) Inselrepublik Khembalu, die sich im Golf von Bengalen befinde und inzwischen mehrfach im Jahr überschwemmt werde. Ob wohl die NSF helfen könne? Immerhin befindet sich unter den drei Mönchen kein Geringerer als der Dalai Lama höchstpersönlich.
Warum sie ausgerechnet in der NSF ihr Quartier aufschlagen, vergisst die verblüffte Anna zu fragen. Aber ihrem Kollegen Frank Vanderwal möchte sie es gern erklären, der mit ihr den gleichen Aufzug nimmt. Frank ist seit knapp einem Jahr neben ihrem Büro an einem Schreibtisch, um sich um neueste Biotechnologie zu kümmern. Sei Vertrag läuft bald ab. Deshalb bittet sie ihn, seinen Aufenthalt bei der NSF zu verlängern. Dass dies ziemlich unwahrscheinlich ist, verheimlicht er ihr.
Ihn zieht es nämlich ins heimatliche San Diego, genauer gesagt nach Torrey Pines. Dort arbeiten verschiedene Wissenschaftler beim Biotech-Startup „Torrey Pines Generique“ daran, heilende DNS ohne Viren in eine kranke Zelle zu übertragen, ohne dass das körpereigene Immunsystem gleich zum Angriff übergeht.
Während ein brillanter Mathematiker namens Yann einen ausgefeilten Algorithmus für die Berechnung von Geneffekten auf die Proteinproduktion geschrieben hat, geht sein oberster Chef Derek auf dem Kapitalmarkt zum Angriff über: Er kauft die Start-up-Firma Urtech an der Ostküste, die genau diese Übertragung ungefährdet bewerkstelligen kann. Zumindest laut Patent. Für Forschungsleiter Leo Mulhouse geht das alles zu schnell, aber er muss liefern, wo Derek vorprescht. Ziemlich bald entwickeln sich die Dinge in eine unerwartete Richtung…
Das Klimaschutzgesetz
Charlie, Annas Mann, lebt daheim und kümmert sich um sein Kleinkind Joe. Er gibt ihm Annas abgepumpte Muttermilch zu trinken, nimmt ihn mit in die Kita und geht in den Park. Charlie, der Hausmann, befindet sich in der beneidenswerten Position, als Assistent eines Senators auch im Heimbüro und per Handy arbeiten zu können, während Anna quasi an ihr Büro gekettet ist.
Während er den Text des Entwurfs für ein Klimaschutzgesetz diskutiert, läuft ihm unbemerkt Joe weg. Entsetzt entdeckt er seinen Sohn, wie er schnurstracks auf die vielbefahrene Wisconsin Avenue zuläuft! In letzter Sekunde erwischt er das Kind und rettet es vor den großen LKWs vor seiner Nase. Er prüft seinen Puls: 180. Echt jetzt? Anna ruft an. Sie fragt, ob es OK sei, wenn sie die Mönche aus Kembalu zum Abendessen mitbrächte? Natürlich, Schatz. Und ansonsten ist alles in Ordnung? Natürlich, Schatz. Er arbeitet weiter an Senator Phil Chases Klimaschutzgesetz. Man sollte alle Artikel einzeln in die Parlamentsausschüsse bringen, empfiehlt er, doch der Senator will das Paket als Ganzes einbringen. Diese Strategie erweist sich bald als kontraproduktiv…
Khembalu
Wie Anna herausgefunden ist, liegt die Insel Khembalu am Westrand der Sundarbans im Delta des Ganges, dort wo sich Tiger und Python gute Nacht sagen. Da der Meeresspiegel steigt, ist die Insel trotz ihrer Deiche von Überflutung bedroht, besonders bei einer Springflut. Bei einem gemeinsamen Abendessen bei den Quiblers lernen Anna und Charlie, dass es auch ganz andere Ansichten geben kann, was den Stellenwert der Wissenschaft angeht: Erst das Überleben, dann die Neugier. Daran hat die etwas verbissene Anna zu knabbern. Doch schon am nächsten Tag erkennt sie, dass schon der geringste Versuch, etwas auf politischer Ebene in Bewegung zu setzen, mit Verachtung und Zorn gestraft wird.
Als Frank auf den Autobahnen von Washington, D.C. eine Abkürzung nimmt, lernt er, dass es neben den rationalen Spieltheorien auch sehr irrationale gibt: Auf den Highways fahren die vermeintlichen Gewinner protzige PS-Boliden, die Loser hingegen mickrige E-Autos (Franks Kleinwagen hat eine Brennstoffzolle unter der Haube). Sprich: Alphamännchen fahren gefälligst keine Beta-Männchen-Autos, und Betamännchen fahren damit keine Manöver, die Alphamännchen vorbehalten sind. Lebendig und in einem Stück erreicht er sein NFS-Seminar: die Bewertung von Startup-Projekten. Der Vorschlag von Torrey Pines Generique, in das er investiert hat, kommt immerhin auf Platz 14 von 44 Einreichungen. In guter Stimmung fliegt er nach San Diego zurück, seine alte Heimat, das Biotech-Mekka.
Beim Präsidenten
Charlie hat unterdessen ein geradezu surreales Erlebnis. Er hat bloß mit Joe einen kleinen Ausflug auf die National Mall gemacht und in brütender Hitze geschwitzt, als ihn ein Anruf ins Weiße Haus ruft. Das liegt nur zehn Minuten entfernt, und so geht er mit dem schlafenden Joe zu einer Besprechung mit dem US-Präsidenten und dessen Berater Strengloft, genannt „Dr. Strangelove“. Immerhin geht es um den Gesetzesentwurf seines Klienten Senator Phil Chase. Doch die Gegenargumenten von Präsident und Berater sind so bizarr, dass Charlie am Schluss einen Lachanfall nicht mehr unterdrücken kann. Den findet nicht nur Joe superlustig, sondern auch der Präsident selbst.
Frank in San Diego
Die Dinge gehen in Torrey Pines ziemlich schnell ziemlich steil bergab. Mithilfe von Yanns Algorithmus haben sich die Übertragungsergebnisse verbessern lassen, und zwei Forscherinnen hoffen, damit Algen in Flechten zu verändern, so dass verschiedene Resultate positiv erscheinen. Der Haken: Generique geht das Geld aus, um diesen Ansatz voranzutreiben. Der Makler der Investoren lässt sich alles vortragen, und Ergebnis wird Generique von einem Agropharma-Konzern aus Atlanta gekauft! Alle Forscher werden entlassen, denn die Atlanter wollen lediglich das Kow-how. Frank hat keine Zukunft in Kalifornien. Auch seine Ex Marta will nichts mehr von ihm wissen. Etwas läuft schrecklich falsch. Es beginnt zu regnen…
Offenbarung
In düsterer Stimmung richtet sich Frank in Washington, D.C., ein und wird wohl Annas Angebot annehmen. Das Dumme: Er hat bereits eine vernichtende Kritik an der NSF-Arbeit geschrieben und bei der NSF-Direktorin eingereicht. Dann lernt er den Buddhisten Lama und seine zwei Assistenten kennen. Es ist ein völlig anderer Blickwinkel auf das, was Wissenschaft zum Ziel haben sollte: Überleben statt unablässige Neugier.
„Exzessive Vernunft ist ein sicheres Zeichen für Wahnsinn“, sagt der Rimpoche in der sinngemäßen Übersetzung. Als Frank die Mönche am Abend bei Anna und Charlie wiedersieht, kann er diese Verschiebung seiner rationalen Sichtweise erweitern: Er hat sich in der U-Bahn verliebt! Doch die Schöne hat bei den Fahrstuhltechnikern einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben!
Revolution
Noch in der gleichen Nacht setzt er seine alten Kletterfähigkeiten zielführend, um aus dem Büro der NSF-Direktorin seine vernichtende Kritik zurückzuholen – das Schreiben jedoch ist weg. Bei der Vorstandssitzung am gleichen Mittag – draußen gießt es wie aus Kübeln – fragt ihn die Direktorin, ob er etwas beizutragen habe. Na, und ob!
Frank ist derart aufgedreht, dass ihn Anna kaum wiedererkennt. Er ruft zur Revolution auf. Was ihn so wütend macht? Die neuesten Daten über den nordatlantischen Golfstrom zeigen an, dass der Strom aufgrund fehlenden Salzgehalts – zuviel Schmelzwasser! – nicht mehr zum Meeresgrund absinkt und sich folglich nicht als Kaltwasserpumpe betätigen kann. Die Folgen sind unabsehbar. Und was macht die Wissenschaft der NSF? Fast nichts! In fünf zentralen Aspekten fordert Frank, dass sich die weltweite Wissenschaft zusammenschließt, sich auf bestimmte akute Forschungsgebiete konzentriert und sich direkt in die Politik einmischt! Seinen Zuhörern schlackern die Ohren. Die gewiefte Direktorin macht ihn natürlich sofort zum Leiter des entsprechenden Komitees…
D-Day
Drei tropische Unwetter scheinen sich verschworen zu haben, gleichzeitig Washington, D.C. anzugreifen und zu ersäufen – vom Südwesten, von Norden und aus der Karibik. Zur gleichen Zeit treffen die „Schwimmenden Tiger“ aus Kembalung am Washingtoner Zoo ein. Weil aber der nahe Rock Creek über die Ufer tritt und die Fundamente der Zoogebäude abbröckeln, raten die drei Mönche dazu, alle Tiere freizulassen. Die Tiger allerdings haben im Zoo keine Zukunft. Diese wollen sie bei den Quiblers „zwischenlagern“ – falls sie es bis dorthin schaffen…
Frank Vaderwal hat unglaubliches Glück: Er sieht seine verloren geglaubte Göttin wieder – mitten auf dem Fluss in einer Art Patrouillenboot mit einer kuriosen Kennzeichnung. Mit etwas digitaler Magie kann er sie per Telefon erreichen: Sie ist zwar erstaunt, wolle sich aber melden. Dieser Tag ist gerettet. Es regnet weiter…
Mein Eindruck
Es ist kein Wunder, warum der Heyne-Verlag bei diesem Buch nicht zuschlug, obwohl doch bis heute Robinson einer seiner Hausautoren ist. Die Ironie liegt vielleicht im Schubladendenken: Was als „Science Fiction“ deklariert wird, muss offenbar Belletristik sein, die weit in die Zukunft weist und in der die Wissenschaft ein Bettgenosse der Magie ist. Beides ist bei Robinsons Capital Code Trilogie nicht der Fall. Deren Zukunftsvision ist viel beunruhigender. Die geschilderten Szenarien des Klimawandels liegen nämlich in unmittelbarer Zukunft.
Man sollte die drei Bände als einen zusammenhängenden Roman lesen. Dieser ist an die 1500 Seiten lang. Die beherrschenden Elemente lassen sich schon an den Titeln ablesen: 1) Wasser, 2) Eis, 3) Hitze und Dürre. Im vorliegenden Auftaktband demonstriert der Untergang der US-Hauptstadt, welch verheerende Auswirkungen das Aufeinandertreffen von drei Stürmen haben kann. Zuviel Regen auf einmal, der auf zu enge Passagen trifft, und dann auch noch eine auflaufende Flut, die in die Chesapeake-Bucht drückt.
In den letzten siebzig Seiten findet der Autor eindrückliche Bilder für die Folgen der Katastrophe. Auf der National Mall vor dem Capitol schippern die Überlebenden zwischen den altbekannten Fassaden über einen neuen See, als wäre dieser eine extra für sie geschaffene Attraktion. Die Gegend um den Zoo verwandelt sich in eine Wildnis, in der gefährliche Tiere umherschweifen. Unterdessen gehen in San Diego allmählich die Lichter aus: Ein pazifischer Hurrikan, dort „Taifun“ genannt, beißt ein Stück Land nach dem anderen aus der Abbruchkante, die über den wunderschönen Surf-Stränden liegt. Leo Mulhouses Haus ist eines der letzten Überbleibsel an der Küste…
Spannungsfeld
Die Quiblers stehen in einem Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft, wohingegen Frank Vanderwal sich zwischen Kapital und Wissenschaft steht. Anna arbeitet für die NSF, doch es wird immer klarer, dass die Stiftung nichts tun darf, das den großmächtigen Senatoren und Abgeordneten nicht gefällt. Frank präsentiert am Schluss die Rechnung für dieses Dilemma.
Zuvor aber hat der Autor zahlreiche Szenen geschaltet, um eben diese Szenarien zu veranschaulichen. Wenn also von Algorithmen die Rede ist, dann sollte der Leser dies lediglich als „mathematische Kochrezepte“ verstehen und weiterlesen. Denn was Frank mit Yanns Algorithmus an „Generique“ vermittelt hat, erweist sich schnell als zweischneidiges Schwert: Einerseits bringt er die Forschung weiter, andererseits wird er zum begehrten Beute eines anderen Forschungslabors, das für einen Konzern in Atlanta arbeitet: Es ist die „Intellectual Property“ (IP), hinter der alle her sind, die ihre Chancen in einem hart umkämpften Markt verbessen wollen: urheberrechtliche geschützte Rechte, womöglich Patente. Es geht um Milliarden an Kapital. „Capital in science“ heißt eines der zehn Kapitel, eine weiteres „Science in the Capital“, also in der Kapitale, d.h. der Hauptstadt.
Ökologie
Frank Vanderwals Anliegen ist nichts Geringeres als ein Paradigmenwechsel“, wie Kapitel 8 heißt, und er fragt, was nötig ist, um von einem Rahmenwerk zu einem anderen zu gelangen. Dies wird im neunten Kapitel demonstriert, das mit „Trigger Event“ überschrieben ist: das auslösende Ereignis. Hier wird es endlich richtig interessant: Die Action bestimmt die Veränderung. Diese ist radikal zu allen Akteuren: Frank wird obdachlos und muss sich in der Wildnis der ertränkten Stadt eine neue Bleibe suchen. Er findet sie ausgerechnet in seinem neuen Büro im NSF-Gebäude, also direkt im Zentrum von Washington, D.C.
Liebe
Dass Charlie und Anna Quibler ein Herz und eine Seele sind, wird zunehmend deutlicher, je mehr der Erzähler über sie verrät. Nun beginnen verschiedene Ereignisse, diese Kernfamilie zu gefährden. Die erste Vorwarnung besteht darin, dass Charlie nichtsahnend mit einem Giftefeu in Kontakt gerät. Seine Verbrennungen bereiten ihm Höllenqualen.
Die zweite Vorwarnung, zeitlich davor gelegen, ist der Spaziergang durch die National Mall, wo Charlie um ein Haar einen Hitzschlag erleidet. Glücklicherweise ruft ihn der Präsident zu sich. Und ist es wirklich ein Zufall, dass sich der Dalai Lama der Khembalis so intensiv mit dem kleinen Joe beschäftigt? Oder sucht er vielleicht einen Nachfolger? Das i-Tüpfelchen ist natürlich, dass Charlie in der NSF gestrandet ist, während Anna zwei Schwimmende Tiger in Empfang nehmen darf.
Die Liebe trifft den immer so vernünftigen Frank Vanderwal wie ein Hammerschlag, der aus dem Nichts kommt. Die unbekannte Schöne, die ihn im stecken gebliebenen Metro-Fahrstuhl so intensiv küsst, beglückt ihn, doch gleich danach folgen Höllenqualen: Sie ist untergetaucht! Und wer weiß: Sobald er sie wiedergefunden hat, wird „Jane Smith“ noch eine große Rolle in seinem Leben und für die NSF spielen. In einem Satz wird sie als „Schicksalsgöttin“ apostrophiert. Man merkt, dass der Autor über eine Menge Humor verfügt.
Unterm Strich
Science Fiction ist das einzige Literaturgenre, das sich mit Veränderungen im globalen Maßstab befasst. Robinson hat seine Meisterschaft in diesem Kontext bereits mit seiner vielfach ausgezeichneten MARS-Trilogie bewiesen. Jeder, der seine großen postapokalyptischen Romane wie etwa „New York 2312“ und „New York 2140“ gelesen hat, weiß, dass dieser Autor engagiert an der vordersten Informationsfront unterwegs ist.
Sein Roman „Das Ministerium für die Zukunft“ ist deswegen ein Bestseller geworden, weil darin ein ganzer Katalog von Verbesserungsvorschlägen und Projekten enthalten ist, beispielsweise eine neue Weltwährung. Darüber hinaus nimmt die Geschichte die aggressiven Widerstände ernst. Diese beiden Ansätze fehlen noch im ersten Band der Capital Code Trilogie: Der Widerstand besteht v.a. in politischer Bürokratie, und die Vorschläge sind zwar schon von Frank vorgestellt, aber noch längst nicht umgesetzt worden.
Der Leser muss Geduld aufbringen. Am besten betrachtet man die Trilogie als einen großen umfassenden Roman. Immerhin lässt sich der Leseprobe der Fortsetzung schon entnehmen, dass der nächste Kipppunkt erreicht ist und es nur noch drei Jahre dauern wird, bis wieder eine Eiszeit beginnt. Es ist schon einmal passiert, es kann wieder geschehen.
Hinweis
Mit rund 10 Euro ist die Carcosa-Verlags, gemessen mit den übrigen Titeln, ungewöhnlich preiswert. Der Leser sollte sich zunächst die Ausgabe als E-Book anschauen. Der Verlag schreibt, dass das E-Book kostenlos vorab veröffentlicht worden sei. Das lässt für die Folgebände hoffen.
Taschenbuch: 365 Seiten.
O-Titel: Forty Signs of Rain, 2005
Deutsch von Barbara Slawig.
ISBN-13: 9783910914575
Der Autor vergibt: 




