Liz Moore – Der andere Arthur

Worum geht’s?

„Der andere Arthur“ von Liz Moore erzählt die Geschichte zweier junger Menschen, die auf unterschiedliche Weise am Rand der Gesellschaft stehen: Arthur und Kel. Beide Figuren nehmen eine zentrale Rolle im Roman ein und ergänzen sich in ihrer Bedeutung für die Gesamtgeschichte. Während Arthur stark nach innen gekehrt ist und mit Unsicherheit, Einsamkeit und Identitätsfragen kämpft, bildet Kel einen wichtigen Gegenpol, der das Geschehen aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

Das Buch setzt sich intensiv mit Themen wie sozialer Ausgrenzung, psychischer Belastung, Freundschaft und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit auseinander. Durch die Gegenüberstellung von Arthur und Kel wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen mit ähnlichen schwierigen Lebensumständen umgehen können und wie sehr sie sich gegenseitig beeinflussen.


Inhalt

Die Handlung folgt über weite Strecken dem Leben vom schwer übergewichtigen Arthur, dessen Alltag von Instabilität, innerer Unruhe und sozialen Schwierigkeiten geprägt ist. Seine Gedanken und Wahrnehmungen nehmen viel Raum ein und geben dem Roman eine sehr persönliche, fast intime Atmosphäre. Arthur versucht, in einer Welt zurechtzukommen, die ihm oft fremd und abweisend erscheint.

Kel tritt als zweite zentrale Figur in Arthurs Leben auf und bekommt im Verlauf des Buches immer mehr Gewicht. Er ist nicht nur eine Nebenfigur, sondern ein eigenständiger Protagonist mit eigener Geschichte, eigenen Problemen und einer eigenen Sicht auf die Welt. Die Beziehung zwischen Arthur und Kel ist komplex: Sie schwankt zwischen Nähe, Abhängigkeit, gegenseitigem Verständnis und Konflikten.

Kel übernimmt im Roman eine wichtige Funktion, da er für Arthur sowohl Halt als auch Herausforderung darstellt. Durch ihre Begegnungen werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar, und viele zentrale Themen des Buches entfalten sich erst durch ihr Zusammenspiel. Kel bringt Bewegung in die Handlung und sorgt dafür, dass Arthurs Situation nicht isoliert betrachtet wird, sondern im sozialen Kontext steht.

Mein Eindruck

Ich habe das Buch als sehr emotional, authentisch und nachdenklich erlebt. Besonders gelungen fand ich die Darstellung der Beziehung zwischen Arthur und Kel. Sie wirkt realistisch, manchmal unangenehm ehrlich und nie idealisiert. Gerade durch Kel bekommt die Geschichte zusätzliche Tiefe, da er zeigt, dass es keine eindeutige Grenze zwischen „stark“ und „schwach“ gibt.

Wie schon erwähnt, hat mich das Buch stark dazu gebracht, über mein eigenes Leben nachzudenken. Die Geschichte vermittelt auf subtile Weise ein Gefühl von Dankbarkeit für ein stabiles, sozial geregeltes Leben. Arthur und Kel stehen stellvertretend für Menschen, deren Lebenswege weniger abgesichert sind und die oft übersehen werden.

Kritisch sehe ich weiterhin einige Dialoge, insbesondere zwischen den Figuren. Diese wirkten stellenweise etwas zu einfach oder wiederholend und waren für mich manchmal sogar leicht nervig. Gerade bei zwei so zentralen Protagonisten hätte ich mir in den Gesprächen mehr sprachliche Tiefe gewünscht.

Über die Autorin und den Übersetzer 

Liz Moore, geboren 1983, hat zunächst als Musikerin in New York gearbeitet und anschließend begonnen, Romane zu schreiben. „Der andere Arthur“ ist 2012 unter dem Titel „Heft“ in den USA erschienen und Liz Moores zweiter Roman. Bei C.H.Beck erschienen bereits ihre Bestsellerromane „Long Bright River“ (2020) und „Der Gott des Waldes“ (2025), mit dem sie auch in Deutschland wochenlang unter den Top 10 der SPIEGEL-Bestsellerliste stand. Liz Moore lebt mit ihrer Familie in Philadelphia.

Cornelius Hartz lebt als freier Autor und Übersetzer in Hamburg. Er hat zahlreiche Romane und Sachbücher u.a. von Rye Curtis, Edward Carey, Erin Flanagan, Daniel Mason und Catherine Nixey sowie „Der Gott des Waldes“ von Liz Moore übersetzt. (Verlagsinfo)

Fazit

„Der andere Arthur“ ist ein ernster, berührender und realistischer Roman, der vor allem von der Beziehung seiner beiden Protagonisten lebt. Arthur und Kel ergänzen sich auf überzeugende Weise und machen die zentralen Themen des Buches greifbar. Trotz kleiner Schwächen in der Dialoggestaltung hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen.

Es regt zum Nachdenken an, bleibt lange im Gedächtnis und schärft den Blick für Menschen, die außerhalb gesellschaftlicher Normen leben. Ich würde den Roman besonders Leserinnen und Lesern empfehlen, die sich für tiefgründige, emotionale Geschichten interessieren und bereit sind, sich auf schwierige Lebensrealitäten einzulassen.

Gebunden: 377 Seiten
Originatitel: Heft
Ins Deutsche übersetzt von Cornelius Hartz
ISBN: ‎ 978-3406843334

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