Dekker, Ted – Black: Die Geburt des Bösen

_Handlung_

Thomas Hunter dachte eigentlich, er wäre nur ein einfacher, erfolgloser junger Mann. Doch plötzlich versucht man ihn umzubringen. Er überlebt den Anschlag, doch während seiner Ohnmacht hat er merkwürdige Träume von einem schwarzen Wald mit rotäugigen Fledermäusen. Von da an ändert sich sein Leben rasant, denn die Träume werden immer häufiger und realistischer, sodass er nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden kann. Sobald er in der einen Welt einschläft, wacht er in der anderen auf und umgekehrt.

Richtig beängstigend wird das Ganze aber, als er in seiner vermeintlichen Traumwelt erfährt, dass diese wohl die Zukunft unserer heutigen Welt ist, die durch einen Virus, den so genannten Raison-Virus, der aus einem über die Luft übertragbaren Impfstoff mutiert sein soll, beinahe komplett entvölkert wurde. Als er dann wieder aufwacht, fällt er aus allen Wolken: Morgen soll in Bangkok der neue Raison-Impfstoff vorgestellt werden. Nachdem er kein Gehör bei den amerikanischen Behörden findet, nehmen er und seine Schwester das Heft selber in die Hand.

_Der Autor_

Ted Dekker ist dafür bekannt, christliche Themen in Horrorromanen und Thrillern zu einer Einheit zu verbinden. Von Dekker, der in Indonesien aufwuchs und danach als Marketingdirektor arbeitete, sind bisher [„Das Haus“ 3673 und „Kind des Himmels“ in Deutschland erschienen. Bislang hat er weltweit über 1,7 Millionen Bücher verkauft. Heute lebt er in Colorado.

_Mein Eindruck_

Mit „Black: Die Geburt des Bösen“ ist der erste Teil der Trilogie sehr vielversprechend gestartet, die dann mit „Red: Der Tod des Meister“ und „White: Der Kreis schließt sich“ ihren Abschluss finden wird. Dekker versteht es wirklich, seinen Leser zu fesseln, denn er spart nicht mit unerwarteten Wendungen. Selbstverständlich sticht die Idee, dass Thomas Hunter sich in zwei verschiedenen Welten (oder Zeiten?) befindet, und durch Einschlafen zwischen diesen wechselt, heraus, denn tödliche Viren, welche die Menschheit ausrotten, sind beileibe keine neue Idee, wenngleich sie immer noch einen großen Reiz auf den Leser ausübt. Dies in Kombination mit Zeitreisen dürfte spätestens nach dem Erfolg des Films „12 Monkeys“ keinem mehr gänzlich unbekannt zu sein. Doch kommt dort die Person, die das Drama verhindern will, aus der Zukunft, wohingegen der Protagonist bei „Black“ versucht, seine eigene Welt in seiner eigenen Zeit zu retten, indem er von der Zukunft träumt.

Die vermeintliche Traumwelt strukturiert Dekker allerdings recht simpel. So steht auf der einen Seite der schwarze Wald mit seinen bösartigen Kreaturen, den Shaitaiki, schwarzen Fledermäusen, mit ihrem bösen Herrscher Taleh, und dem entgegen steht ein bunter Wald mit vielen Früchten und zahmen Tieren, in dem die wenigen überlebenden Menschen und die Roush, weiße Fledermäuse, mit ihrem gütigen Herrscher Eljon leben. Hier sind die Parallelen zwischen Paradies und Hölle augenscheinlich, was auch noch dadurch bestärkt wird, dass Taleh versucht, die Menschen dazu zu bringen, von seinen verbotenen Früchten zu essen, die dem, der sie verzehrt, Wissen geben sollen – der Sündenfall in Vollendung. Weitere Ähnlichkeit zur christlichen Mythologie: Die einzigen beiden Roush, die namentlich genannt werden, heißen Michal und Gabil. Von hier aus ist es nicht weit zu den Erzengeln Michael und Gabriel.

Halten wir also fest: Dekker bemüht sich nicht besonders, seine christlichen Wurzeln zu verbergen. Dessen muss sich der Leser bewusst sein, bevor er sich an diese Trilogie heranmacht. Wer damit nicht klarkommt, sollte also besser die Finger davon lassen.

Die technische Handarbeit beherrscht Ted Dekker durchaus sehr gut. Der Roman liest sich sehr angenehm und vor allem sehr kurzweilig. Die Spannungskurve wird immer wieder geschickt aufgebaut, woran auch die beiden Parallelhandlungen einen großen Anteil haben. Auch streut Dekker immer wieder sehr gelungene Ideen ein, mit denen er den Leser wirklich zu überraschen versteht.

Der Protagonist Thomas Hunter ist Dekker zudem gut gelungen. Er ist ein leicht chaotischer Tausendsassa, der, genau wie übrigens auch Dekker selbst, in Südostasien aufwuchs und jetzt in den Staaten lebt. Was mich ein wenig gestört hat, ist, wie oft Thomas einfach so einschläft. Man könnte fast meinen, er leide unter Narkolepsie („Schlafkrankheit“ oder auch „Schlummersucht“ genannt). Natürlich ist mir klar, dass er am Ende jedes Kapitels einschlafen muss, damit es in der jeweils anderen Welt weitergehen kann, aber Dekker macht es sich hier etwas zu einfach. Zudem stößt mir das reine Schwarzweiß-Denken etwas sauer auf. Dass Dekker auch in der „normalen“ Welt einfach zwischen Gut und Böse unterscheidet, ist eine Angewohnheit, die sich besonders häufig US-amerikanische Autoren angewöhnt haben. Hier macht er sich ebenfalls die Sache zu einfach, indem er zu teilweise polemischen Schlagwörtern greift. Zum Glück ist solche Polemik nicht so sonderlich häufig zu finden, als dass es sich negativ auf den Roman auswirken würde.

_Fazit_

Wer sich von der christlichen Mythologie nicht abschrecken lässt, bekommt einen sehr erfrischenden Fantasy-SciFi-Thriller-Mix serviert, der einen gelungen Auftakt der Trilogie bildet. „Black: Die Geburt des Bösen“ leidet zwar unter einigen kleinen Schwächen, ist aber trotzdem durchaus sehr lesenswert und spannend.

Brendow Verlag

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Dr. Tods Horror-Insel (Folge 37)

_Story_

Auf einer gerade geschlossenen Bohrinsel ereignen sich seltsame Dinge. Noch während die letzten Arbeiter auf ihren Abtransport vom stillgelegten Einsatzort warten, wird die gesamte Insel von einem seltsamen Nebel umgeben. Bereits kurze Zeit später werden Mark Brennan und seine Leute von einigen grausamen Ereignissen überrascht, als das Team der Mordliga die Bohrstation infiltriert und bis auf Brennan alle verbliebenen Angestellten tödlich zurichtet. Bei einer Routineabfrage über den Status der zurückgebliebenen Arbeiter gelingt es dem entführten Brennan, ein Signal zu senden, welches schließlich Scotland Yard auf den Plan ruft.

Sofort bricht John Sinclair auf, um die verschollene Mordliga ein für allemal zu vernichten. Aber auch ihm erscheint der Nebel, der von wahrlich Bösem kündet: Solo Morasso und seine Schergen planen nämlich die Wiederauferstehung von Vampiro del Mar und damit den endgültigen Triumph der Untoten. Erst als Sinclair dies klar wird, wünscht er sich, er hätte bei seiner neuesten Mission nicht leichtfertig auf die Schützenhilfe von Bill Conolly und Suko verzichtet …

_Persönlicher Eindruck_

Die heiß ersehnte neue Episode um den beliebten Geisterjäger offeriert mal wieder alles, was man vom modernen Sinclair erwartet, und damit in erster Linie grenzenlosen Bombast. Auf „Dr. Tods Horror-Insel“ trifft man gleich die ganze Riege der Superschurken wieder und damit auch viele alte Bekannte, die bereits in vorherigen Sinclair-Hörspielen zur echten Bedrohung für die Welt des John Sinclair avanciert waren. Nun machen sie an Seite von Dr. Tod gemeinsame Sache und greifen als Mordliga zum ersten Mal in Gesamtstärke an, was den leichtsinnigen Geisterjäger vor seine möglicherweise härteste Probe bisher stellt.

Der bestialische Tokata, der gewiefte Mr. Mondo, der unerbittliche Solo Morasso und die wegen ihrer Naivität nicht gerade ungefährliche Lupina holen zum vernichtenden Schlag aus und vollziehen gerade die letzten Schritte zur Auferstehung eines noch mächtigeren Verbündeten. Dies alles findet natürlich an einem allzu schauerlichen Schauplatz statt, einer verlassenen Bohrinsel, deren Mitarbeiter gerade Schritt für Schritt mit dem Helikopter heimgebracht werden sollen und in ihrer Euphorie ins Verderben stürzen. Und auch der überlebende Brennan wünscht sich bisweilen, er hätte lieber den Tod gefunden, als von der skrupellosen Mordliga versklavt zu werden. Ja, genau das ist der Stoff, aus dem Sinclair-Hörspiele gemacht sind!

Abgesehen vom super-spannenden Plot findet man in Episode 37 aber auch sonst die elementaren Inhalte, die diese Serie über das Gros der Konkurrenz stellen: zynischen Humor von Seiten aller Protagonisten, waghalsige Wendungen im Verlauf der Story, eine finstere Atmosphäre, deren Dichte eines der faszinierendsten Elemente des gesamten Hörspiels ist, und toll eingeführte und aufeinander abgestimmte Charaktere, die zudem auch noch das Glück haben, von jederzeit ambitionierten Sprechern begleitet zu werden. Verbleibt noch der anfangs erwähnte Bombast, der sich nicht bloß in den zahlreichen Effekten widerspiegelt, sondern generell vom Reichtum an Beteiligten und Handlung im Allgemeinen zehrt. Allein die Tatsache, dass die Schurken in gebündelter form auftreten und ein großes Finale im Kampf gegen die Mordliga unmittelbar bevorsteht, sollte den erfahrenen Hörer aufhorchen lassen, ganz zu schweigen vom drohenden Unheil, das Dr. Tods Verbündete gerade einzuleiten gedenken.

Klar, die massiv gestreuten Zitate vergangener Hörspiele mögen letztendlich zwar die Vermutung nahelegen, dass Mr. Dark die Ideen ausgegangen sind und das Rezitieren bekannter Inhalte zu einem zwingenden Erfordernis geworden ist – doch sind es gerade die alten Bekannten, die hier in neuer Form für Begeisterung am laufenden Band sorgen und „Dr. Tods Horror-Insel“ definitiv zum besten der ’neuen‘ Sinclair-Hörspiele aufsteigen lassen. Doch selbst dies scheint nur eine Momentaufnahme zu sein, denn der nächste Dreiteiler steht bereits in den Startlöchern …

http://www.sinclairhoerspiele.de/
http://www.luebbe-audio.de

_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)

Grobel, Lawrence – Al Pacino: Im Gespräch mit Lawrence Grobel

Al Pacino ist bekannt für seine großartige Leistung in Filmen wie „Der Pate“, „Scarface“, „Der Duft der Frauen“, „Im Auftrag des Teufels“ oder „Der Kaufmann von Venedig“. Doch Pacino ist nicht nur im Filmgeschäft äußerst erfolgreich, er ist auch ein engagierter Theaterdarsteller. Er hat u. a. an der Inszenierung von Stücken Brechts, Williams, Oscar Wildes und natürlich Shakespeares mitgewirkt.

Al Pacino wurde am 21. Juli 2007 vom American Film Institute (AFI) mit dem „Life Achievement Award“ für sein Lebenswerk geehrt. Eine Bilanz zu diesem Lebenswerk wie das Ende 2006 erschienene „Al Pacino: Im Gespräch mit Lawrence Grobel“ war überfällig.

Obgleich keine Biographie im strengen Sinne, ist dieses Buch dennoch mehr als eine reine Sammlung von Interviews. Die neun Interviews, welche im Zeitrahmen von 1979 bis 2005 entstanden, ermöglichen nicht nur Einblick in die Persönlichkeit Al Pacinos, sie zeigen auch auf subtile Art und Weise die Entwicklung einer engen Freundschaft zu seinem Interviewer auf.

Der renommierte Journalist Lawrence Grobel erregte erstmals durch seinen Beitrag zum 25. Geburtstag des |Playboy|-Magazins Pacinos Aufmerksamkeit. Grobel hatte nicht nur Marlon Brando (den Pacino sehr bewundert) interviewt, sondern schien auch mit diesem auf einer Wellenlänge zu liegen, was sich durch eine große Offenheit seitens Brando bezahlt machte. Daraufhin kontaktierte Pacino den |Playboy| und erklärte seine Bereitschaft, selbst interviewt zu werden – unter der Bedingung, dass Lawrence (später sollte er ihn „Larry“ nennen) Grobel dieses Interview machen würde. Dies war eine Sensation, denn bis dato hatte Pacino noch jedes Interview verweigert.

In einem der späteren Gespräche mit Grobel erläutert Pacino sehr deutlich, weshalb er generell sein Privatleben weitgehend von der Öffentlichkeit fernhalten will:

|“Wenn man Sachen über einen Schauspieler weiß, fängt man an, Sachen in seine Filme hineinzuinterpretieren. […] Es verändert seine Arbeit und was er als Künstler zu vermitteln versucht. Deshalb sage ich immer, dass die Arbeit für mich spricht. […] Ich versuche nicht, geheimnisvoll zu sein, nur um geheimnisvoll zu sein. Ich mache es für die Arbeit. Ich denke immer daran, dass es nicht gut ist, wenn man als Schauspieler zu oft in den Medien auftaucht. Wenn ich mir ein Theaterstück ansehe, gehe ich meist auch nicht hinter die Bühne. Einfach nur, weil ich das Bild behalten will, das ich gerade gesehen habe. Ich will die Illusion nicht zerstören.“| (S.165 / 166)

Al Pacino ist als Privatperson ebenso schillernd wie als Schauspieler. Die Kontraste sind augenfällig: Auf der einen Seite ist Pacino 1979 bereits ein Superstar – er hat schließlich mit seiner Rolle als Michael Corleone in Coppolas „Der Pate“ schon 1972 Filmgeschichte geschrieben. Auf der anderen Seite empfängt er Grobel in einer chaotischen 3-Zimmer-Wohnung, der jeder erkennbare Luxus abgeht. Pacino, der sich selbst aus ärmlichsten Verhältnissen emporgearbeitet hat, ist 1979 sichtlich irritiert, weil er sich mit seiner neuen gesellschaftlichen Position noch nicht wirklich arrangiert hat. Grobel repräsentiert für ihn eine fremde Welt, und er ist dementsprechend misstrauisch. Aber gleichzeitig fasziniert ihn die Tatsache, dass sich plötzlich unzählige Menschen für seine Meinung interessieren.

26 Jahre später begegnen uns zwei zusammen gealterte Freunde. Pacino, inzwischen 65 Jahre alt, sitzt am Pool seines Hause in Beverly Hills und stellt Grobel ein sehr persönliches Projekt vor: Die im Juni dieses Jahres in den USA erschienene DVD-Kollektion „Pacino: An Actor’s Vision“ [Diese Box enthält wichtige Regiearbeiten Pacinos (zwei davon bisher unveröffentlicht): „The Local Stigmatic“, „Chinese Coffee“ und „Al Pacino’s Looking for Richard“. Eine Veröffentlichung in Deutschland steht noch aus.] Im Gespräch mit Grobel wird deutlich, dass Pacino hier mit Film und Theater zwei Welten zu vereinigen sucht, die für ihn eine gleichermaßen hohe Bedeutung haben.

Aber auch Grobel geht weiterhin konsequent seiner Berufung nach. Seine Freundschaft zu Pacino hält ihn nicht davon ab, kritische Fragen zu stellen und selbst eine klare Position zu vertreten. Die Berufsrollen „Star“ und „Journalist“ werden nicht aufgehoben, eine letzte Grenze bleibt gewahrt. Doch macht es grade den Charme dieser Gespräche aus, dass sich hier zwei Menschen unterhalten, die sich – abseits jeden geschäftlichen Kalküls – wirklich etwas zu sagen haben.

So festigt sich für den Leser nach und nach ein sehr intimes Bild von der Persönlichkeit eines Menschen, der bewusst die Öffentlichkeit scheut. Die zeitlichen Lücken zwischen den einzelnen Interviews gleichen hier dramatischen Pausen. Ob Pacino nun ungewollt in eine gesellschaftliche Debatte hineingezogen wird, einen guten Freund verliert oder sich von Grobels Studenten interviewen lässt – stets finden wir mit jedem Gespräch eine neue Ausgangssituation vor.

Wenn Pacino dann über seine Arbeit spricht, vermag er zwar anhand von einzelnen Beispielen seine favorisierten Herangehensweisen an die Schauspielkunst zu illustrieren, aber was sich genau im Akt des Schauspielens manifestiert, bleibt auch ihm selbst ein Mysterium. Woraus er seine Kraft schöpft, lässt sich aber zumindest erahnen; in den Gesprächen tauchen immer wieder dieselben Motive auf. Insbesondere zwei davon erweisen sich hier als maßgebliche Inspirationsquelle: William Shakespeare und Marlon Brando. Shakespeare lieferte Pacino den Instinkt für anspruchsvollen Stoff und den Esprit, Brando den Ansporn für tiefe Charakterdarstellung.

Pacino erweist sich in den Gesprächen mit seinem Freund Grobel als intelligent, schlagfertig und humorvoll; die Gespräche sind durchgehend interessant und flüssig zu lesen.

Abgerundet wird das Buch durch eine ausführliche Einführung Grobels in das Lebenswerk Pacinos, bislang unveröffentlichte Privatfotos des Schauspielers, eine komplette Auflistung aller Filme und Theaterstücke, in welchen er mitgewirkt hat, sowie ein Vorwort des Virtuosen selbst.

Fazit: „Al Pacino: Im Gespräch mit Lawrence Grobel“ ist ein Musterbeispiel für exzellenten Journalismus. Wer sich für Film oder Theater begeistert, wird hier bestens unterhalten werden. Für Pacino-Fans ist das Buch ohnehin ein Muss.

|300 Seiten plus Fotos
Aus dem US-Englischen von Anne Litvin und Madeleine Lampe|
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

|Siehe ergänzend dazu die [Rezension 3194 von Dr. Michael Drewniok zum Buch.|

Merlau, Günter – Böses Erwachen (Die Schwarze Sonne 2)

Ein Jahr nach den Ereignissen in Derbyshire verschlägt es Adam Salton und Nathnaile de Salis nach Frankreich. Dort treffen sie auf einen alten Freund von de Salis: Den Schriftsteller und Visionär Jules Verne. Doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz, denn auf Verne wird ein Attentat verübt. Sein eigener, hochverschuldeter Sohn schießt auf seinen Vater. Adam kann eine der Kugeln abfangen und wird schwer verletzt, während Verne „nur“ einen Schuss ins Bein abbekommt. Kurz darauf wird Adam dann von Unbekannten entführt und de Salis trifft einen alten Gegenspieler wieder, der gemeinsam mit seiner Organisation nach Macht strebt. Auch die geheimnisvolle Arabella March, die Adam und Nathaniel bei ihrer Ankunft in Frankreich kennenlernten, scheint in die grauenvollen Geschehnisse verwickelt zu sein …

Im Gegensatz zu der ersten Folge basiert das vorliegende Hörspiel auf keiner direkten literarischen Vorlage, dafür aber auf historischen Ereignissen, denn tatsächlich wurde auf Verne im Jahr 1886 ein Attentat verübt. Das Mitwirken von historischen Persönlichkeiten ist aber nur ein Reiz dieser Serie und vor allem die düstere, undurchsichtige Story sowie die hervorragenden Sprecher machen die CD zu einem echten Hörvergnügen. Neben den perfekt besetzten Hauptrollen darf sich der Hörer auf Konrad Halver als Jules Verne und Reinhild Schneider als Arabella March freuen. Beide Darsteller sind Hörspiel-Fans keine Unbekannten mehr und haben bereits in Dutzenden von Produktionen mitgewirkt. Halver war unter anderem in den Winnetou-Hörspielen von |Europa| zu hören.

In dieser Folge taucht außerdem eine Figur auf, die genau wie Salton und de Salis von Bram Stoker erfunden wurde und ebenfalls in dem Roman [„Das Schloss der Schlange“ 2987 mitspielte: Arabella March. In diesem Fall steckt auch hinter dieser Figur eine Person, die in der Geschichte Berühmtheit erlangte, wenn auch auf ungleich traurigere Weise, als Verne.

War die erste Folge noch eine allein für sich stehende Geschichte, so bildet sich in diesem Hörspiel mehr und mehr der Seriencharakter heraus. Etwas störend, wenn auch nicht spannungslos gestalten sich Adams Visionen aus seiner Kindheit in Australien. Der Hörer bekommt darüber hinaus Hinweise darauf, dass Adams Vater etwas in Australien entdeckte, das für die weitere Entwicklung der Serie noch von Bedeutung sein könnte. Zudem weisen die Zeichen auf einen Konflikt von biblischen Ausmaßen zwischen den Mächten des Bösen und denen des Guten hin. Während Adam Salton in einem Dämmerschlaf vor sich hinsiecht, muss sein Freund Nathaniel alles daran setzen, um seinen jungen Gefährten aus den Fängen seiner Feinde zu befreien; dabei wird offenbart, dass auch hinter der Figur des de Salis mehr zu stecken scheint als ein Freimaurer und Detektiv.

Diese grandiose Handlung wird untermalt von einer hervorragenden orchestralen Musik. Das Cover ist wieder einmal sehr gediegen, sieht aber ein wenig zu eintönig aus und animiert nicht gerade zum Kauf, insbesondere, wenn man die Serie nicht kennt.

Fazit: Das Label |Lausch| beweist, dass es sich auf Abwechslung versteht. Neben der Fantasy-Saga [„Drizzt“ 3082 und dem Dark-Fantasy-Spektakel „Caine“, welches mit Heavy-Metal-Musik und einer rasanten Handlung den Hörer unterhält, kommt |Die Schwarze Sonne| sehr mysteriös, fast poetisch daher und begeistert vor allem mit einer gut durchdachten Handlung und einer schlichtweg genialen Besetzung.

|70 Minuten auf 1 CD|
http://www.die-schwarze-sonne.de/
http://www.merlausch.de

_Florian Hilleberg_

Merlau, Günter – Schloss der Schlange, Das (Die Schwarze Sonne, Folge 1)

Als der junge Adam Salton nach Derbyshire in England zu seinem Onkel zurückkehrt, wird er sofort in merkwürdige Ereignisse verwickelt. Unheimliche Visionen plagen den jungen Mann, dessen Eltern erst kürzlich verstorben sind. Dann wird ein Toter entdeckt, der scheinbar das Opfer einer gigantischen Schlange wurde.

Adam Salton und der ebenfalls bei dessen Onkel weilende Arzt Nathaniel de Salis wollen dem Mysterium auf den Grund gehen, stoßen jedoch sowohl bei den Dorfbewohnern als auch bei Adams Onkel auf offene Ablehnung. Doch schon bald gibt es weitere Tote, und auch die Begegnung mit dem Gutsbesitzer Edgar Caswall gipfelt in offener Feindschaft. In einem dämonischen Ritus will der tyrannische Götzendiener Adams Freundin Mimi Watford einer gigantischen, weißen Schlange opfern …

Mit diesem Hörspiel beginnt |LAUSCH| ein neues ungewöhnliches Projekt: Mystery-Thriller mit historischem Hintergrund. Bei der ersten Folge orientierte sich der Autor Günter Merlau an einem Roman von Bram Stoker, dem Schöpfer des berühmten Vampirs Dracula. „Das Schloss der Schlange“ handelt von einem heidnischen Schlangenkult, dem immer noch Opfer dargebracht werden. Die Figuren Adam Salton und Nathaniel de Salis sind ebenfalls diesem Werk entliehen und dienen auch in weiteren Folgen als Protagonisten.

Was beim ersten Hören sofort auffällt, ist die professionelle Machart des Hörspiels. Das Zusammenspiel von Effekten, Musik und Sprechern wirkt sehr harmonisch und hört sich wie die Tonspule eines millionenschweren Hollywood-Projektes an. Abgerundet wird das Hörerlebnis durch eine undurchsichtige Gruselgeschichte mit Krimi-Elementen. Den Charakteren wurden lebhafte, anspruchsvolle Dialoge in den Mund gelegt, welche die Sprecher mit Inbrunst zum Besten geben.

Allen voran glänzen Christian Stark als Adam Salton und Harald Halgardt als Nathaniel de Salis in den Hauptrollen. Ebenso lebhaft wird Edgar Caswell von Michael Prelle verkörpert, dessen markante Stimme vor allem in der Vision Saltons zu Beginn der Geschichte besonders gut zur Geltung kommt. Verena Unbehaun als Mimi Watford sprüht geradezu vor Lebensfreude und auch Peter Weis als John Watford wirkt überaus real und spielt seine Rolle mit Hingabe.

Der Spannungsbogen baut sich kontinuierlich auf und gipfelt in einem infernalischen Showdown, alles untermalt von einem perfekt komponierten Soundtrack. Die Aufmachung wurde ebenfalls sehr mysteriös und unheimlich gehalten. Die Negativbelichtung verstärkt den Eindruck des Bizarren, ebenso wie das Serien-Logo mit dem krakeligen Schriftzug.

Fazit: Meisterhaftes Hörspiel mit hochmotivierten, professionellen Sprechern und einer filmreifen Musik. Die Besetzung stimmt bis zur kleinsten Nebenrolle und die anspruchsvolle Handlung verspricht beste Gruselunterhaltung bis zum Schluss.

http://www.merlausch.de

_Florian Hilleberg_

Mick O’Hare – Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein?

Die Spitze des (Fragen-) Eisbergs

Sogar der in wissenschaftlichen Belangen absolut ahnungslose Zeitgenosse kennt jene raren Momente, in denen er (oder sie) eine alltägliche, selbstverständliche Handlung oder Beobachtung hinterfragt. Wie funktioniert das, und was wäre, wenn man die Ausgangssituation folgendermaßen variiert …? Das hier vorgestellte Buch belegt, dass solche Anwandlungen oft dann aufwallen, wenn man mit Freunden zusammensitzt und zecht.

Mick O’Hare, Redakteur der Zeitschrift „New Scientist“, der führenden englischen Wochenzeitschrift für Wissenschaft und Technik, kennt dieses Phänomen, denn weil oder wenn das Rätsel trotz versammelter Geisteskraft nicht zu knacken ist, wendet sich die Gesellschaft (die sonst vermutlich gern über die Vergeudung von Steuergeldern an nutzloses Forscherpack klagt) gern an ihn und seine Kollegen. 1994 kamen O’Hare & Co. auf den Einfall, solche Fragen in besagtem Magazin zur Diskussion zu stellen. Leser beantworten seitdem Fragen von Lesern, wobei die Redaktion des „New Scientist“ die Moderation übernimmt, d. h. Irrtümer korrigiert, Informationen ergänzt und Spinner aussortiert. Mick O’Hare – Wie dick muss ich werden, um kugelsicher zu sein? weiterlesen

Hans Steinbach – A Midnight Opera 2

Story

Inmitten des Trubels, der beim Aufeinandertreffen der Vertreter der Inquisition und der Armee der Untoten auf den Straßen von Paris entsteht, gelingt es Leroux, seinen Bruder Einblick (alias Ein) aus den Gefechten zu befreien und ihn vor der drohenden Vernichtung zu retten. Gemeinsam fliehen sie zum Bahnhof und von dort aus über Köln nach Osteuropa zu reisen, wo ihre Gefährten stärker vertreten sind. Die Reise erfordert jedoch für Ein einen hohen Preis; seine Geliebte Dahlia Whyte bleibt im Kampfgetümmel zurück und wird unverhofft von ihm getrennt.

Hans Steinbach – A Midnight Opera 2 weiterlesen

O’Connor, Maran – Kloster des Grauens (Larry Brent, Band 108)

_Kurzbeschreibung:_

In der Nähe von Kassel verschwinden plötzlich drei Menschen, und ein weiterer wird von Wölfen angefallen und getötet. Die Spur führt in den Klosterwald. Der Bischof, ein Freund von David Gallun, bittet die PSA um Hilfe und die schickt ihren besten Mann: Spezialagent X-Ray-3 alias Larry Brent.

Um möglichst im Geheimen ermitteln zu können, wird Larry selber zum Mönch und kommt einem unheimlichen Ritual auf die Spur, mit dessen Hilfe sich der Abt, ein Schwarzmagier, der bereits über 400 Jahre alt ist, weiterhin Jugend und Unsterblichkeit sichern will. Doch auch eine Hexe namens Lilith will sich an der Zeremonie beteiligen, verfolgt dabei aber ganz eigene Absichten. Larry droht zwischen die Fronten zu geraten …

_Meinung:_

Der achte neue Fall führt Larry Brent ein weiteres Mal nach Deutschland und sogar in ein Kloster. Doch seine neue Identität als Mönch bereitet dem Agenten mehr Schwierigkeiten als erwartet, und nicht alle Mitbrüder sind dem „Neuen“ wohlgesonnen. Mit „Kloster des Grauens“ ist dem Autoren-Team Maran O’Connor sein bislang überzeugendster und bester Larry-Brent-Auftritt gelungen, der mich wirklich bis zur letzten Seite gut unterhalten hat. Die Kloster-Atmosphäre wird perfekt wiedergegeben und auch die Passagen in der Vergangenheit sind hervorragend zu lesen. Dass alles wieder einmal auf ein großes Ritual hinausläuft, ist man von den Autorinnen ja schon gewohnt, allerdings spielt dieser Roman ja chronologisch gesehen vor „Luzifers Gitarre“ und „Insel des Verderbens“, womit ich diesen Punkt dem Buch nicht anlasten möchte.

Das Eingreifen der Hexe Lilith führt einen weiteren Unsicherheitsfaktor ein und erhöht die Spannung noch einmal. Larry und Iwan tragen dieses Mal nicht wirklich viel zur Lösung bei, dafür ihre junge Kollegin Josiane. Und auch ein junger sympathischer Nachrichtenagent der PSA hat einen Auftritt und darf an der Seite des besten PSA-Agenten ermitteln. Die Charaktere sind alle sehr überzeugend gelungen, so dass dieser Roman jedem Larry-Brent-Fan wärmstens empfohlen sei. Abgerundet wird der Mystery-Genuss durch die gelungenen Illustrationen von Pat Hachfeld. Die kleinen Kunstwerke machen die Bücher zu echten Sammlerstücken.

Zum Titelbild: Leider ist das Cover des Buches eher langweilig und wirkt wieder wie einem Computerspiel entliehen. Ein Rudel zähnefletschender Wölfe vor dem Kloster hätte die Gruselatmosphäre bestimmt treffender wiedergegeben.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Schröder, Rainer M. – Labyrinth der schwarzen Abtei, Das (Die Bruderschaft vom Heiligen Gral 3)

|Die Bruderschaft vom Heiligen Gral:|
Band 1: [Der Fall von Akkon 2324
Band 2: [Das Amulett der Wüstenkrieger 2727
Band 3: _Das Labyrinth der schwarzen Abtei_

Paris im August 1306: Die vier Gralshüter Gerolt, Tarik, Maurice und McIvor haben den Gral aus Akkon retten und nach einer abenteuerlichen Flucht aus Ägypten, quer durch die Sahara und verfolgt von den Häschern des ersten Knechts des Teufels, Sjadú, sicher in den Gewahrsam der Templerburg im Herzen Frankreichs bringen können.

Im Schutz des Templerordens verweilt der Gral lange Zeit sicher vor dem Zugriff der Iskaris, während die vier Gralshüter im Streit auseinandergegangen sind. Tarik arbeitet an einer Übersetzung des Koran, der Stein des Anstoßes für den Zwist. So kommt es, dass Gerolt in Deutschland weilt und seinen verhassten Bruder aufsucht, während Maurice vom Ordensobersten Antoine einen Bußgang auferlegt bekommen hat, da er einfach nicht weiblichen Reizen widerstehen kann. Tarik selbst ist als Stellvertreter Antoines in der Ordensburg zurückgeblieben, während McIvor diesem geflissentlich aus dem Weg geht. So kommt es auch, dass er alleine in einer Schänke über einen Krug Bier brütet, als er in der Nacht vom 12. auf Freitag, den 13. Oktober, von Männer des Königs belästigt wird.

McIvor ist gezwungen, sich gegen die unverhohlene Aggression zur Wehr zu setzen. Er findet ein versiegeltes Dokument mit Befehlen, die eine unverzügliche Verhaftung aller Templer in Frankreich anordnen. Ihnen wird Ketzerei, Sodomie und Götzendienst vorgeworfen. Obwohl McIvor sofort aufbricht, um seine Brüder zu warnen, ist es zu spät: Tarik und Antoine werden mitsamt der gesamten Besatzung der Ordensburg eingekerkert, nur wenige Templer können der perfekt organisierten Polizeiaktion des Königs von Frankreich entkommen.

Für den Plan Philipp des Schönen zeichnet sein Vertrauter Wilhelm von Nogaret verantwortlich, Sjadú hat die günstige Gelegenheit ergriffen, um den König und seinen Stellvertreter zu manipulieren und bereits vorhandenen Hass in seinem Sinne zu nutzen. Der König braucht Geld, welches der Orden im Übermaß besitzt. Zudem musste Philipp sich erst kürzlich schmachvollerweise vor einem Aufstand der eigenen Bürger in der Pariser Ordensburg verstecken, die zu einem Distrikt von beachtlicher Größe gewachsen ist. Das Missfallen des Königs gegen einen mächtigen Staat im Staat und die Tatsache, dass sein Mitgliedsantrag im Templerorden abgelehnt wurde, führen schließlich dazu, dass Philipp IV. nur zu gerne Sjadú und Nogaret sein Ohr leiht …

Es liegt in den Händen McIvors, die Gefährten wieder zu vereinen und den Gral zu retten. Doch ist es damit alleine nicht getan; der Gral muss erneut vor den Iskaris verborgen werden. Die Flucht führt die Gruppe fort aus Frankreich, man beschließt, nach Portugal zu reisen, wo die Templer nicht verfolgt werden. Auf ihren Weg durchziehen die Gralshüter das Gebiet der Katharer, wo es zu einem Wiedersehen mit Beatrice und Heloise kommt, die in die Hände der Inquisition geraten sind und ihrer Hilfe bedürfen.

_Der Autor_

Rainer M. Schröder (* 1951) beschreibt sich selbst als Mann mit vielen Neigungen und Talenten. Bevor er im Jahr 1977 zum Schriftsteller wurde, studierte er Gesang, später Jura und Theaterwissenschaften, arbeitete als Lokalreporter für rheinische Lokalzeitungen und den Rundfunk. Beeinflusst von Autoren wie Jack London und Joseph Conrad, unternahm er zusammen mit seiner Frau abenteuerliche Reisen, von den Everglades über den stürmischen Nordatlantik bis in die australische Wildnis. Zusammen mit dem berühmten Schatztaucher Mel Fisher tauchte er nach der spanischen Schatzgaleone Atocha; diese Erlebnisse verarbeitete er in seinem Abenteuerroman „Das Goldriff“. Heute lebt er in Palm Coast, Florida.

Während Rainer M. Schröder in Deutschland vor allem als Jugendbuchautor mit Schwerpunkt auf historischen Themen bekannt ist, veröffentlichte er unter dem Pseudonym Ashley Carrington umfangreiche historische Gesellschaftsromane für ein erwachsenes Publikum. „Der Fall von Akkon“ stellte den ersten Band der Trilogie „Die Bruderschaft vom Heiligen Gral“ dar, mit der Rainer M. Schröder sowohl jugendliches als auch erwachsenes Publikum erreichen will. Es folgten „Das Amulett der Wüstenkrieger“ und „Das Labyrinth der schwarzen Abtei“.

_Die Zerschlagung des Templerordens_

|“Nun legte Sjadú dem Fürsten der Finsternis ausführlich dar, wie er sich diesen vernichtenden Schlag gegen den mächtigen Orden der Templer vorstellte und wie er ihn in die Wege zu leiten gedachte. Und es war ein wahrhaft überzeugender, teuflischer Plan (…)“|

So unheilvoll deutete Rainer M. Schröder bereits am Ende des letzten Bandes an, was der Leser in „Das Labyrinth der schwarzen Abtei“ zu erwarten hat. Allerdings beschränkt er sich auf die historische exakte Wiedergabe einer der ersten Großrazzias der Geschichte; Sjadú kommt hier nur die Rolle eines Einflüsterers zu. Der Fokus liegt auf den vier Gralshütern, bei denen Gerolt und Maurice weitab vom Geschehen sind und ihre eigene kleine Geschichte erzählen, bis McIvor sie zur Rettung des Grals und Tariks wieder einsammelt. So verspielt Schröder leider die Chance, der Verschwörung etwas mehr Biss zu geben. Vielleicht ging er davon aus, dass die Fakten bereits hinlänglich bekannt sind, dennoch hätte ich mir hier mehr gewünscht.

Schröder wechselt die Erzählperspektive nicht, sie bleibt stets starr auf die Gralshüter fixiert. So erlebt Tarik die Befragungen beziehungsweise Folter der Inquisition nur aus der Sicht eines Gefangenen im Kerker mit, der mit fast zu Tode gefolterten, standhaften Templern und weniger standhaften Geständigen die Zelle teilt. Die Aussagen Großmeister Jacques von Molays, Konflikte zwischen Papst und König sowie die unterschiedliche Verfolgung der Templer außerhalb Frankreichs (nur in Frankreich gelang eine vollständige Zerschlagung des Ordens, in England, Spanien und insbesondere Portugal wurden die Templer oft von den gegen sie erhobenen Scheinvorwürfen freigesprochen) werden nicht direkt erlebt, sondern nur berichtend nacherzählt.

Stattdessen erzählt Schröder in diesem geschichtlichen Rahmen seine eigene Mantel- und Degengeschichte, verbunden mit der Befreiung eines gefangenen Mitbruders, die qualitativ aber nicht an eine ähnliche Situation im zweiten Band „Das Amulett der Wüstenkrieger“ heranreicht. Hier hätte ich mir wirklich mehr erwartet; eine so erfreulich gelungene Verbindung von Historie und Geschichte wie im ersten Band hat er hier leider nicht einmal versucht.

_Im Land der Katharer_

Angenehm überrascht war ich von den Wendungen, die die Flucht der Hüter im Languedoc nimmt. Dort wütet die Inquisition nach wie vor unter den Katharern, sehr zur Freude des Teufels und seiner Knechte, die dort mit ihren Verlockungen viele Diener gewinnen können. Die Gebräuche der Katharer werden dem Leser unterhaltsam nahegebracht und geschickt mit der Story verwoben. Maurice hat den Fluchtweg mit Absicht so geplant, dass sich ihre Wege mit dem der mittlerweile verwitweten Beatrice kreuzen. Diese befindet sich unter dem Verdacht der Ketzerei; gemeinsam mit ihrer mittlerweile zu einer schönen jungen Frau herangewachsenen Schwester Heloise planen die Gralshüter ihre Befreiung, bei der sie mit Hilfe ihrer besonderen Fähigkeiten ein positives Gottesurteil fingieren, um Beatrice der Inquisition zu entreißen. Doch zwei schöne, junge Frauen und vier Gralshüter, von denen einer erwiesenermaßen ein Schürzenjäger ist, schreien nach Problemen. Die Iskaris nützen gnadenlos menschliche Schwächen aus, um sich des Grals zu bemächtigen …

_Das Labyrinth der schwarzen Abtei_

Der Teufel selbst residiert in dieser Festung am Fuße der Pyrenäen. Der Vordereingang ist schwer bewacht von seinen Jüngern, der Hintereingang liegt unter dem „Atem des Todes“; niemand kann dieses Tal betreten und dort überleben. Bis auf Iskaris und Gralshüter. Die vier Hüter müssen sich durch ein zur Bestrafung versagender Teufelsjünger angelegtes Labyrinth voller trickreicher Fallen und gefährlicher Monster vorankämpfen, um den Teufel, seinem ersten Knecht Sjadú und einer Unzahl seiner Jünger zuvorzukommen, die den Gral in einer unheiligen Zeremonie vernichten und ewige Nacht über die Menschheit bringen wollen.

Hier hat Schröder sich viel einfallen lassen; die Rätsel und Gefahren, denen sich die Gralshüter stellen müssen, übertreffen alles, was Steven Spielberg in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ geboten hat. Der große Showdown selbst fällt etwas antiklimatisch aus, insbesondere Sjadú wird recht unrühmlich und unspektakulär abserviert. Dafür hat der Autor eine sehr interessante Idee, wie der Gral in Zukunft gehütet werden soll, und vor allem: Wo er versteckt wird.

_Fazit_

Mit „Das Labyrinth der schwarzen Abtei“ findet die Trilogie um die Bruderschaft des Heiligen Grals ein gelungenes Ende. Insbesondere jüngeren Lesern wird mit den gut kommentierten Fußnoten und der Handlung an sich viel spannendes geschichtliches Hintergrundwissen vermittelt. Auch für ältere Leser bietet Schröder eine spannende Abenteuergeschichte; mein einziger großer Kritikpunkt ist die etwas fantasielose und unspektakuläre, recht nebensächlich wirkende Abwicklung des Untergangs des Templerordens, die viel mehr Potenzial geboten hätte.

Die gewohnt edle Ausstattung der Trilogie – ausgezeichneter Druck, hervorragendes Kartenmaterial und ein sehr gelungener goldener Umschlag des Hardcovers mit Lesebändchen – runden erneut das vorzügliche Gesamtbild der Trilogie ab. Der auf der Umschlagvorderseite gezeigte Gral entspricht exakt der Schilderung Schröders im Roman – so etwas sieht man heute viel zu selten!

Auch wenn ich mir wegen des ersten Bands etwas mehr Stoff für erwachsene Leser erhofft hatte, werden diese nicht enttäuscht sein. Für Kinder und Jugendliche ist diese Trilogie jedoch uneingeschränkt empfehlenswert.

Offizielle Homepage von Rainer M. Schröder:
http://www.rainermschroeder.com/

Homepage des Arena Verlags:
http://www.arena-verlag.de/

Kim, Sung-Jae / Kim, Byung-Jin – Chonchu – Der Erbe des Teufelssteins 2

[Band 1 3996

_Story_

Ulpasso hat auf den Tod seines Bruders mittlerweile das doppelte Kopfgeld ausgesetzt, dessen Verlockung immer mehr Jäger folgen, um die Ausgeburt der Hölle umzubringen. Am Grab seines Ziehvaters wird Chonchu dabei von einer Truppe Kopfgeldjäger überrascht und schwer verletzt, so dass er für eine kurze Zeit blind für seine Umwelt ist. In seinem gebündelten Hass merkt er nicht, dass Kwangnijeong sich ihm nähert, und hält seine plötzliche Ankunft für den Angriff eines weiteren Feindes. Schließlich erhebt er das Schwert und tötet den Jüngling. Als ihm später bewusst wird, was er in seiner Rachsucht verbrochen hat, wird er immer stärker von Selbstzweifeln geplagt. Zu deutlich scheint ihm die Realität, dass er tatsächlich dass Monster ist, das den Mirmidon den Untergang bringen wird. Einst war das Kriegervolk stolz und prächtig, doch nun gehört Chonchu selber zur Gruppe der letzten Überlebenden. Doch während er sich den Kopf über die Vergangenheit zermartert, spinnt Ulpasso weitere Intrigen. Denn er kann nur dann in Frieden leben, wenn sein Zwillingsbruder endlich tot ist.

_Persönlicher Eindruck_

Im zweiten Band der Geschichte um den finsteren Teufelsstein vermengt der Autor einen weiteren aggressiven Blutrausch mit unerwarteten emotionalen Inhalten, die im Falle des Protagonisten fast hin zur Melancholie reichen. Chonchu hinterfragt sein gesamtes Vorgehen, entwickelt Zweifel an seiner Existenz und fühlt sich von der Niederträchtigkeit des Steins einmal mehr überrumpelt. Doch seit Jahren sucht er nach dem persönlichen Frieden und wird von einem unbändigen Kampfeswillen angetrieben, der ihn eines Tages von der Geißel des Dämons befreien soll. Aus diesem Grunde setzt er sich auch radikal zur Wehr, als ihm offenbar wird, dass Ulpassos Späher erneut nach seinem Leben trachten. Blind vor Wut verteidigt er sich gegen die Vielzahl der Häscher und richtet ein Blutbad an, das ihn in einem Maße beflügelt, dass er für kurze Zeit Freund und Feind nicht mehr voneinander trennen kann. Die Folgen dessen sind fatal; der kleine Kwangnijeong, der in Chonchu den Mörder seines Vaters vermutet, läuft ihm ins offene Messer und wird unbeabsichtigt ermordet.

Infolge dessen verfällt der gefürchtete Kämpfer in eine anhaltende Antriebslosigkeit; von allen Seiten muss er einstecken und selbst seine einstigen Verbündeten sind ihm nicht mehr freundlich gesonnen. Besonders Agon, der Anführer der Mirmidon, steigert seinen Hass ins Unermessliche, während seine Tochter Amir die Einzige zu sein scheint, die Chonchu die Treue hält. Doch die Ereignisse erlauben Chonchu nicht, sich mit seinem Seelenleben auseinanderzusetzen. Nach wie vor wimmelt es in der Umgebung von Kopfgeldjägern und Anhängern seines Bruders. Der nämlich besitzt mittlerweile die Voraussetzungen, um seinen Machtbereich kontinuierlich auszubauen, doch wird er dies nur durchführen können, wenn die letzte Hürde überwunden ist und niemand mehr die Wahrheit über den verdrehten Schicksalsverlauf der beiden Brüder in Erfahrung bringen kann – und um dies zu erreichen, sind ihm mittlerweile alle Mittel recht.

So schnell kann man seine Meinung ändern; glaubte man bereits nach dem ersten Band, dass der grobe Verlauf der Serie schon abzusehen wäre, bringt der Autor bereits in der Fortsetzung eine ganze Reihe neuer Komponenten in die Handlung ein, die den Verlauf mit Sicherheit entscheidend prägen und das Überraschungsmoment an gegebener Stelle wieder aufnehmen können. So eindeutig wie vermutet ist die Rollenverteilung nämlich letztendlich doch nicht, denn es kristallisieren sich immer mehr Unbekannten heraus, die noch nicht zu viel über sich preisgeben und die Spannung in diesem zweiten Teil mächtig anheizen. Davon abgesehen bleibt „Chonchu – Der Erbe des Teufelssteins“ eine ziemlich brutale Serie, was sich gerade in einigen Szene offenbart, in denen diverse Körperteile im Kampf nicht gerade jugendfrei abgetrennt werden. Vor dem Hintergrund der Fantasy-Handlung mag das ja legitim sein, allerdings stellt sich mehrfach die Frage, ob der Inhalt für eine Freigabe ab 15 Jahren nicht zu blutig ist. Für meinen Geschmack sollte man hiermit jedenfalls etwas sensibler umgehen.

Die Handlung leidet darunter natürlich keinesfalls, da die betreffenden Szenen fließend in die Geschichte eingebaut wurden und auch problemlos mit dem überhaupt sehr tollen Zeichenstil harmonieren.
Insgesamt sind also ganz klare Fortschritte zu verzeichnen, einerseits was den weiteren Verlauf der Handlung betrifft, andererseits aber auch im Bezug auf die fortlaufende Verschärfung der einzelnen Charakterprofile, die dieses Mal sogar schon vorab in einem Special auf den ersten Seiten noch einmal sehr umfassend dargestellt werden. Ausgehend von den bisherigen Ereignissen kann man gespannt auf die künftigen Bände sein und sicher noch einiges von „Chonchu – Der Erbe des Teufelssteins“ erwarten. Nach anfänglicher Skepsis bin ich nunmehr überzeugt, dass eine starke Fantasy-Serie ihren Weg gehen wird.

http://www.tokyopop.de/buecher/manga/chonchu__der__erbe__des__teufelssteins/index.php

Shocker, Dan – Leichenvögel (Larry Brent, Band 37)

In diesem Buch sind die Heftromane „Leichenvögel“ und „Kastell des Dämons“ enthalten, die erstmals als |Silber-Grusel-Krimis| Band 77 und 79 erschienen sind.

_Leichenvögel_

|“Wer einmal den Vogel sieht, der ist verloren.“|

So erzählen es sich die Leute in Tonklin, einem verschlafenen Nest in England. Der Antiquitätenhändler David Gander schlägt die Warnungen in den Wind und stattet der alten Frau, die etwas außerhalb wohnt, einen Besuch ab. Kurz darauf sieht er den Leichenvogel und wird von Ensebeth Mallory ebenfalls in eine solche Kreatur verwandelt.

Die PSA wird auf das Treiben der Leichenvögel aufmerksam und schickt Larry Brent und Morna Ulbrandson vor Ort. Die Computer in der New Yorker Zentrale geben Alarm, denn es scheint, dass die Dämonengöttin Rha-Ta-N’My hinter den Vorfällen steckt. Doch die beiden PSA-Agenten sind nicht vorsichtig genug und werden von der Hexe und ihren dämonischen Helfern ausgeschaltet. In der Dimension des Grauens sollen sie ebenfalls zu Leichenvögeln werden. Kann Iwan Kunaritschew, alias X-RAY-7, seine Freunde noch retten?

_Kastell des Dämons_

Nahe einem spanischen Kastell mitten in England wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die durch mehrere Messerstiche ums Leben gekommen ist. Der Mann ist in dem düsteren Gemäuer verschwunden. Der Reporter Douglas Learmy will dem Geheimnis des verlassenen Gemäuers, von dem man berichtet, dass es dort spukt, auf den Grund gehen.

Die Computer der PSA haben ebenfalls Alarm geschlagen, und so schickt David Gallun seine beiden besten Agenten vor Ort: Larry Brent und Morna Ulbrandson.
Larry soll den Reporter überwachen und gegebenenfalls schützen. Morna hingegen erhält eine Anstellung als Zimmermädchen bei den Nachbarn. Diese haben vor drei Jahren ihre dreizehnjährige Tochter verloren und dennoch sieht man das Mädchen immer noch an den Rosenträuchern, die sie so sehr liebte. Auch Learmy hat bereits mit dem hübschen Mädchen gesprochen. Doch nicht nur die Geister Verstorbener gehen um. Der Urheber ist ein grausamer Dämon namens Asunta …

_Beurteilung_

Auch dieses Buch hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Der erste Roman ist ein kleines Highlight und hat neben dem Auftreten des Dreiergespanns Brent/Ulbrandson/Kunaritschew auch eine erneute Interaktion der sagenumwobenen Dämonengöttin Rha-Ta-N’My zu bieten, die eigentlich die Erzfeindin von Macabros ist, Dan Shockers zweitem geistigen Kinde, welches ebenfalls im |BLITZ|-Verlag zu neuen Ehren kommt.
Darüber hinaus lebt die Geschichte von der unheimlichen Atmosphäre eines alten, englischen Dorfes inmitten klirrender Winterkälte. Die Attacken der Leichenvögel sind brutal und schonungslos und die Agenten müssen all ihr Können unter Beweis stellen, um dem Grauen Herr zu werden. Stilistisch bleibt Dan Shocker sich treu und fabrizierte einen zeitlosen Klassiker der anspruchslosen Horror-Unterhaltungsliteratur.

Das gilt übrigens auch für die zweite Story, welche nicht unheimlicher beginnen könnte. Ein Auto bleibt vor einem gespenstischen Haus stehen, die Frau wird das Opfer eines unheimlichen Mörders und der Mann verschwindet spurlos. Wieder einmal spielt Dan Shocker perfekt auf der Klaviatur menschlicher Ängste, und obgleich das mit beinahe altbacken wirkenden Methoden geschieht, verfehlt es seine Wirkung keineswegs. Auch das messerschwingende Mädchen, welches tagsüber Rosen pflückt und bereits drei Jahre tot ist, passt hervorragend in diese unterschwelligen Gruselstimmung.

Leider gleitet der Roman in der zweiten Hälfte zu sehr ins Kuriose ab. Die düstere Atmosphäre wird von unmotivierten Aktionen und übertriebenen Actionszenen abgelöst. Mit dem Auftreten des Dämons verliert der Roman einen großen Teil seines Reizes. Auch die Seance, welche Larry mit Hilfe eines Mediums abhält, wirkt konstruiert und unglaubhaft. Das Ende plätschert langweilig vor sich hin und ist darüber hinaus alles andere als originell. Dadurch, dass die Mutter des toten Mädchens an der Beschwörung teilnimmt und ebenfalls bereits unter dem Bann Asuntas steht, was ihre Begleiter allerdings nicht ahnen, bringt der Autor ein dramatisches Element mit ins Geschehen. Doch leider werden die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft und die psychologische Spannung durch die Actionszenen zerstört. Die Darstellung des Dämons als wolkenartiges Wesen mit Rüssel wirkt eher lächerlich als bedrohlich.

Damit bleibt bei diesem Roman ein sehr zwiespältiges Gefühl zurück. Die erste Hälfte ist super, die zweite eher unterdurchschnittlich. Dennoch liest sich der Roman sehr flüssig und schlägt nicht allzu große Kapriolen, die bei Dan Shocker oft schwer nachvollziehbar sind.

Die Illustrationen von Pat Hachfeld sind der ideale Beweis für die künstlerischen Fähigkeiten des Zeichners. Insbesondere das Bild zu „Leichenvögel“ gehört zu den besten Werken des Wolfsburgers und vermittelt einen perfekten Eindruck des Romans. Das vielfarbige Cover zeigt das überaus stimmungsvolle Originaltitelbild des Silber-Grusel-Krimis 77.

Fazit: Durchwachsener Grusel im Doppelpack. Der erste Roman bietet die altbekannte gruselige Unterhaltung, wie man sie vom Autor gewohnt ist, während der zweite Roman nur in der ersten Hälfte zu überzeugen vermag und sich zum Ende hin in Belanglosigkeiten und einem unoriginellen Finale verliert.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Blazon, Nina – Maskenmörder von London, Der

Nina Blazon, Wolfgang-Hohlbein-Preisträgerin, ist vielen vielleicht nur wegen ihrer erfolgreichen Fantasybücher ein Begriff. Tatsächlich schreibt die Autorin aber auch historische Romane wie zum Beispiel „Der Maskenmörder von London“.

Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert. Die Stadt London steht Kopf, denn der italienische Staropernsänger Giacomo Maria Amorelli singt in Prinz Fredericks Theaterhaus. Auch Isobel Burlington, eine betuchte Witwe, ist großer Fan des Sängers, während ihr Neffe Lucius bei der bloßen Erwähnung des Namens die Augen verdreht.

Der junge Mann, der aus ärmeren Verhältnissen aus Dover stammt und in London seine Ausbildung zum Kaufmann machen soll, interessiert sich nicht sonderlich für Opern und das adlige Getue seiner Tante. Doch als bei der Premiere von Amorellis neustem Stück dessen Rivale Ferrante ums Leben kommt, ist Lucius‘ Neugierde geweckt.

Mithilfe der Schleifenmacherin Sisí und dem Volk auf der Straße versucht er den rätselhaften Fall zu lösen. Denn anders als die Polizei unter dem raubeinigen Constable Avory glaubt Lucius nicht daran, dass Amorelli der Mörder ist …

Erneut gelingt es Nina Blazon, in den Mittelpunkt ihrer Geschichte einen jungen, gewitzten Helden zu stellen, der eine knifflige Aufgabe lösen muss. Lucius ist frech und mutig und nicht gerade der Kaufmannslehrling, der er eigentlich sein sollte. Sein Charakter ist gut ausgearbeitet und weist Ecken und Kanten auf. Außerdem ist er sehr sympathisch und interessant, weil er gerne ein wenig über die Stränge schlägt.

Ihm zur Seite stehen weitere Figuren, die ebenfalls sehr schön und zeitgerecht gezeichnet sind. Um Spannung in die Besetzung zu bringen, lässt Blazon die eine oder andere Person etwas undurchsichtig erscheinen, webt persönliche Tragödien ein und stellt Lucius eine tapfere junge Dame an die Seite. Sisí, eine einfache Bürgerin, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie sich gerne über ihre Standesgrenzen hinwegsetzt und Dinge tut, die einem jungen Mädchen eigentlich nicht gebühren.

Die ganze Handlung wird davon geprägt, dass Lucius und Sisí Dinge tun, die sie eigentlich nicht tun sollten. Munter brechen sie die Traditionen des 18. Jahrhunderts, um den wahren Mörder von Ferrante zu finden. Trotz dieser leicht verruchten Komponente und des schönen Erzählstils bleibt die Handlung aber recht blass. Den Ereignissen fehlt oft der zündende Funke. Dadurch kommt kaum Spannung auf beziehungsweise erst am Ende. Hier schlägt Blazon ein paar Haken und sorgt für die Überraschungen, die sie lieber vorher schon hätte einfließen lassen sollen.

Insgesamt lässt die Geschichte auch ein wenig an der Dichte missen, die man sonst von der Stuttgarter Autorin gewohnt ist. Ihre überbordende Fantasie, die ihre Fantasybücher zu kleinen Sensationen werden lässt, scheint in Angesicht einer realen Welt geschrumpft zu sein. Dadurch wirkt der Hintergrund, vor dem sich die Geschichte abspielt, etwas farblos und starr. Blazon bemüht sich zwar, witzige Besonderheiten des 18. Jahrhunderts in die Geschichte einzuweben, aber es gelingt ihr nicht, diese entsprechend zu präsentieren. Die Besonderheiten wirken lose und es fehlt der Geschichte an Dichte.

Immerhin der Schreibstil ist genauso gut wie in Nina Blazons Fantasybüchern. Leichtfüßig und beschwingt mit einer guten Prise Humor schreibt sie aus Lucius‘ Perspektive. Das Buch ist angenehm zu lesen, wenn auch ein wenig ernster als zum Beispiel Blazons „Die Taverne am Rande der Welten“-Reihe. Dieser neue Ernst tut dem Erzählstil aber keinen Abbruch. Nina Blazon beweist erneut, dass sie anspruchsvoll, aber doch jugendfreundlich schreiben kann.

„Der Maskenmörder von London“ gehört nicht zu Blazons besten Büchern. Die Handlung erzeugt dafür zu wenig Spannung und auch der geschichtliche Hintergrund ist vergleichsweise blass. Trotzdem kann sie mit ihrem leichtfüßigen Schreibstil und den sympathischen Charakteren punkten.

http://www.sauerlaender.de

Caputo, Philip – Im Namen des Guten

Der schwarze Kontinent – eines der zuletzt wirklich erforschten Gebiete. Mit Afrika verbinden wir viele geheimnisvolle Eindrücke aus der klassischen Literatur, aus Filmen und Dokumentationen. Die endlosen Weiten der Nationalparks, der beeindruckende Kilimandscharo und die verschiedenen Stämme der Ureinwohner – genau daran werden sich Touristen erinnern und davon schwärmen.

Doch Afrika ist mehr als das muntere, vielfältige und sehr andersartige Land der unerschlossenen und romantischen Träume. Noch immer vergessen wir gern, dass es in vielen kleinen afrikanischen Staaten Kriege gibt, Völkermord in Sierra Leone oder dem Sudan, Bürgerkriege in Somalia und Rassengesetze, die man in Europa gar nicht mehr nachvollziehen kann.

Afrika als Kontinent gesehen ist sehr reich. Verschiedene Bodenschätze wie Silber, Gold und auch Diamanten sind immer wieder Auslöser von nationalen und internationalen Kriegen – der Wert des einzelnen Menschen schrumpft dagegen auf den minimalen Nenner, wenn z. B. das Töten schon von Kindern ausgeführt wird; für die ihre Kindheit nur ein brutaler Schrecken ist und oftmals die Seele wie auch den Körper verkrüppelte.

Zwar versuchen die wirtschaftlich großen Staaten unseres Planeten geringfügig Hilfe zu leisten, aber oftmals stehen diese Organisationen den Interessen einiger skrupelloser Machthaber machtlos gegenüber. Terre de homes, Ärzte ohne Grenzen, Entwicklungshelfer aus aller Welt, selbst die UNO sind machtlos. Ein Paradoxon, das wir oftmals nicht verstehen können.

Philip Caputo hat mit dem Roman „Im Namen des Guten“ eine Geschichte verfasst, die sich mit Afrika und seinen Problemen befasst.

_Die Story_

Die 90er Jahre im Sudan. Wie in vielen kleineren Staaten herrscht Bürgerkrieg zwischen den christlichen Stämmen des Südens und den islamischen Herrschern in der Hauptstadt Khartum. Der Abenteurer und charismatische Amerikaner Douglas Braithwaite gründet mit Hilfe eines Kenianers und eines risikofreudigen texanischen Buschpiloten eine von vielen privatisierten Airlines. Diese Airline soll internationale Hilfsgüter verteilen, um die Versorgung gerade auch in den entlegensten Gebieten zu gewährleisten.

Zeitgleich kommt eine christliche Hilfsorganisation im Sudan an. Die strenggläubige Amerikanerin Quinette verfolgt einzig und allein das Ziel, Sklaven freizukaufen, die in die Mühlen des Bürgerkrieges geraten sind. Doch auch ihr Idealismus findet keinen endgültigen und sicheren Weg der Hilfe. Sie begegnet dem Anführer der sudanesischen Rebellenarmee und verliebt sich Hals über Kopf in den geheimnisvollen und kultivierten Mann. Doch auch dieser verfolgt seine ganze eigene Ideologie und überredet schließlich Douglasm ihm nicht nur Hilfsgüter zu überlassen, sondern ihn auch mit Waffenlieferungen zu unterstützen.

Wo liegen die Grenzen zwischen Hilfe und dem eigentlichen Geschäftswillen? Als die Situation im Lande eskaliert, verschwimmen diese Grenzen und der Idealismus der Hilfsbereitschaft schützt keinen davor, sich letzten Ende schuldig zu fühlen …

_Kritik_

Der Autor Philip Caputo greift ein sehr ernstes Thema auf. Zurzeit scheint sich ja auch jeder für diesen Kontinent mitsamt seinen Problemen zu interessieren. Der Schauplatz des Romans „Im Namen des Guten“ spielt zum größten Teil direkt im Sudan. Ein Land, von Bürgerkrieg geplagt, vom Staatsterror und massiven Verletzungen des Völkerrechtes an den internationalen Pranger gestellt. Wie viele Probleme im Afrika, spielen diese in den Medien nur eine untergeordnete Rolle und werden auch in ihrer Dringlichkeit nicht gewürdigt. Dabei wäre genau dies ein Anfang, ein wirklicher, und nicht das übliche Aufschieben und Wegschauen im Namen der Zivilisation.

Ich muss Philip Caputo wirklich loben, dass er den Völkermord thematisiert und zurück in das Bewusstsein des Lesers holt. Dass der Terror, egal ob nun von staatlicher Seite ausgehend oder von Seiten der Freiheitskämpfer, gefördert wird und die Summe dieser Kriegshandlungen nichts weiter ist als ein eskalierender Genozid, wird dem Leser von Kapitel zu Kapitel glaubhaft erklärt.

Aber nicht nur diese Grausamkeiten werden in den Vordergrund geschoben, hierbei handelt es sich doch eher um die Rahmenhandlung für die Erzählung.
Gekonnt beschreibt Caputo das Versagen der ehrenamtlichen, internationalen und staatlich unterstützten Hilfsorganisationen, die sich gerne als eifrige Helfer profilieren möchten. In einem Bürgerkrieg wird man früher oder später Partei ergreifen müssen, ein unwiederbringlicher Prozess, und leider bleibt dann für eine der beiden Seiten die humanitäre Hilfe auf der Strecke. Vertuschung von Spendengeldern oder unrechtmäßige Verwendung von Hilfsgütern bilden mit den oben genannten Punkten ein strenges und anspruchsvolles Grundgerüst.

Seine Charaktere in „Im Namen des Guten“ sind dagegen weniger gut ausgearbeitet. Ihre Zerrissenheit und ihre eigenen Konflikte sind zwar interessant beschrieben, aber manchmal etwas zu arg stilisiert – entweder als gut oder böse, zwei Aspekte, die in der Geschichte nicht glaubhaft interpretiert werden.

_Fazit_

Ich habe mir von dem Roman vielleicht etwas zu viel versprochen. Gerade vor dem Blickwinkel des Schauplatzes Afrika hatte ich eine ziemlich hohe Erwartungshaltung. Ich hatte einen Spannungsroman erwartet, aber genau das wollte Philip Caputo scheinbar nicht vorlegen. In jedem Fall wollte er die Probleme des Sudan-Konfliktes nicht bagatellisieren, wie viele andere Autoren auch, sondern mit seiner Geschichte die Sinnlosigkeit des Krieges darstellen. Lobenswert finde ich auch die scharfe Kritik, die er direkt an die Hilfsorganisationen richtet; diese Problematik zu thematisieren und zu erklären war wichtig, nicht nur für die Handlung, vielmehr für die Grundproblematik in diesen Regionen.

Vieles ist dem Autor in diesem Roman beispielhaft gelungen. Leider vermisst der Leser aber schnell die Spannung und die maßgebliche Unterhaltung. Der Roman umfasst knappe 750 Seiten, und erst in den letzten Kapiteln wird das Netz von Verstrickungen zu Ende geknüpft. Viele Situationen beschreibt Caputo in einer schier nicht enden wollenden Schleife. Langatmige Umschreibung und Erklärungen fördern die Handlung in diesem Falle überhaupt nicht. Und nach der Lektüre war ich wirklich erschöpft und einfach nur froh, dass es vorbei war.

Caputo hat etwas Großes schaffen wollen, etwas Einmaliges mit vielen, vielen Details. Sicherlich ist der Roman komplex, aber er ist auch mit Kleinigkeiten einfach überfrachtet. Es gibt eine Unmenge von Personen und Beziehungen zueinander, bei denen man doch recht schnell den Überblick verliert und sich dabei ertappt, einige Seiten zurückzublättern. Wie oben schon beschrieben, sind die Charaktere seiner Protagonisten nur oberflächlich konzipiert und nur wenige von ihnen kommen als wirklich glaubhaft rüber.

Ein Pulitzer-Preisträger ist sicher kein Garant für eine spannende und unterhaltsame Geschichte. Ein anspruchsvolles Buch habe ich durchaus erwartet und sicherlich hat „Im Namen des Guten“ auch seine guten Seiten, seine interessanten Kapitel, aber es war einfach zu viel des Guten. Die Grundzüge der Dramaturgie und der Sprachstil konnten durchaus überzeugen und stellenweise auch begeistern, aber der Gesamteindruck bleibt nicht stimmig.

Wer sich mit dem Thema Sudan und vielleicht der Rolle der Hilfsorganisationen in solchen Konflikten befassen will, sollte diesen Roman lesen. Er wird nicht alles erklären können, aber doch das Interesse für mehr Informationen bei den Lesern wecken. Dagegen steht natürlich das Interesse an einer spannenden und trotz allem unterhaltsamen Story, die der Roman leider nicht erfüllen kann.

_Der Autor_

Philip Caputo wurde 1941 in Chicago geboren. Er wurde Auslandskorrespondent der |Chicago Tribune| in Rom und 1973 für seine Reportage über den Wahlbetrug in Chicago mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Später verließ er die Chicagoer Tagespresse und ist seither als Schriftsteller tätig. Mehrere seiner Romane spielen in Afrika und Caputo hat eine sehr persönliche Bindung zu diesem Kontinent, da er viele seiner Länder bereist hat. Zusammen mit seiner Frau lebt Caputo in Norwalk, Connecticut.

|Übersetzung: Sabine Hübner & Nicola Volland
600 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag|
http://www.pendo.de/

Steinbach, Hans – A Midnight Opera 1

_Story_

Ein DeLaLune wollte schon immer ein ganz normales Leben führen und endlich das Leben mit seiner neuen Liebe genießen, doch seine Präsenz als Goth-Metal-Star im Pariser Underground ermöglicht ihm kein bisschen seiner erstrebten Ruhe. Doch andererseits genießt Ein auch sein Leben als Rockstar, zumal sein diabolisches Erscheinungsbild durch und durch authentisch ist. Der Musiker ist nämlich ein Untoter, der bereits vor mehr als 150 Jahren gegen die Inquisition gekämpft hat und erst seit wenigen Jahren endgültig mit dieser Tatsache abschließen konnte.

Nun jedoch werden die alten Wunden erneut aufgerissen, denn kurz nach einem gefeierten Gig wird Ein von seinem Bruder Leroux heimgesucht, der ihn bittet, die Armee der Untoten im neu entflammten Streit gegen die Inquisition zu unterstützen. Auf den Schultern des verwirrten Ein ruhen bereits die letzten Hoffnungen, doch der lehnt dankend ab, schließlich war Leroux einst für den Tod seiner einstigen Geliebten verantwortlich. Aber der große Bruder ist mittlerweile mächtiger als der zum irdischen Dasein bekehrte Rockstar – und so scheint eine Rückkehr in den Lebensstil der Vergangenheit unvermeidlich.

_Persönlicher Eindruck_

Eine recht ungewöhnliche, aber nicht nur deswegen auch sehr interessante Serie schickt dieser Tage der bislang noch unbekannte Autor Hans Steinbach ins Rennen. In „A Midnight Opera“ begibt sich der Newcomer zwar in das bekannte Reich der Untoten und verbindet es mit dem Spirit der Gothic-Szene, unterwirft seine Geschichte allerdings einer weitestgehend unkonventionellen Rahmenhandlung, deren Charaktere eine deutliche Distanz zu den üblichen Genre-Schemen aufweisen.

Mit dem eigentlichen Helden Ein DeLaLune hat Steinbach dabei sofort die außergewöhnlichste Figur entworfen; als Untoter zu einem unglücklichen Dasein verdammt, hat der Knabe sich Stück für Stück aus dem Sumpf von Vampirismus und dem Kampf gegen die Heilige Inquisition herausgezogen und es über die Jahre geschafft, seine Trauer um die verschiedene Liebe zu überwinden. Indes ist er zu einem national bekannten Star herangewachsen, einem Teenie-Idol, dessen teuflisches Äußeres ihn bis an die Spitze einer ganzen Bewegung gebracht hat. Doch insgeheim kann Ein den gewaltigen Schatten seines früheren Lebens nicht ablegen; in Gedanken verfolgen ihn die alten Szenarien ständig wieder, und ganz besonders beschäftigt ihn dabei die Frage, ob es Untoten tatsächlich gestattet ist, Gefühle wie Liebe zu empfinden und auszuleben.

Die Beschäftigung mit diesem heiklen Thema zieht sich schließlich gleich auf mehreren Ebenen durch die erste Ausgabe von „A Midnight Opera“ und ist auch ein Teil des Kerninhalts im Bezug auf das emotionale Befinden des Hauptdarstellers. Viel mehr als der Kampf gegen die Inquisition, der auf Geheiß von Elisabeth Bathory geführt werden soll, sind es die Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, die Ein veranlasst haben, die eigene Vergangenheit hinter sich zu lassen, zumal ausgerechnet sein Bruder das Schicksal nachhaltig beeinträchtigt hat. Aus diesem Grunde reagiert Ein auch mit Hass und rachlüsterner Vergeltung, als ausgerechnet Leroux eines Tages auftaucht und ihn für seine Zwecke gewinnen möchte. Der Anfang für eine spannende, mit drei Bänden allerdings überraschend kurz angesetzte Story ist gemacht …

Der Auftakt zu „A Midnight Opera“ mag neben dem vorschnellen(?) Lob sicher auch einige Zweifler auf den Plan rufen, schließlich arbeitet der Autor über das gesamte Buch verteilt mit reichlich Klischees, sei es nun das Rockstardasein Eins oder eben doch die Meinungsbildung die christliche Kirche betreffend. Man sollte dabei aber berücksichtigen, dass diese alten Stereotypen nicht einfach nur plump wiedergekäut werden, sondern in dieser Form im Rahmen der Handlung schlichtweg Sinn ergeben. Klar, wenn Gestalten wie Elisabeth Bathory eingreifen oder die eine oder andere finstere Namensbezeichnung in der Story auftaucht, darf man schon mal ob des zu starken Einflusses des Metal-Fans (und nicht des unabhängigen Autors) schmunzeln, doch insgesamt harmonieren selbst solche Übergriffe prächtig mit dem Verlauf der Erzählung und werden gerne mit einem Augenzwinkern begrüßt.

Begrüßenswert ist summa summarum dann auch die Idee, basierend auf den gemischten Ideen diese außergewöhnliche, aber homogen strukturierte, einfach stimmige Geschichte zu erzählen, deren Beginn sowohl lyrisch als auch illustratorisch restlos überzeugt. Mit Hans Steinbach respektive „A Midnight Opera“ haben sich |Tokyopop| vielleicht sogar einen ganz dicken Fisch an Land gezogen, von dem man in Zukunft – sprich über diese Serie hinaus – garantiert noch einiges hören wird.

http://www.tokyopop.de/buecher/manga/a__midnight__opera/index.php

Shocker, Dan – Atoll, Das (Larry Brent, Band 36)

Das Buch enthält die beiden Heftromane „Ruine der Kopflosen“ und „Atoll des Schreckens“, welche erstmals als in der Reihe |Silber-Grusel-Krimi| als Heftromane erschienen sind.

_Ruine der Kopflosen_

Zwei Fahrradtouristen auf einer Tour durch Schottland werden in der Nacht Zeugen eines unheimlichen Geschehens. Wo eben noch die Ruine einer Burg stand, erhebt sich plötzlich ein intaktes, düsteres Gemäuer, und zwei Degenfechter duellieren sich im Mondschein. Geisterspuk!

Kurz darauf wird einer der beiden Touristen enthauptet, sein Begleiter als Hauptverdächtiger verhaftet. Doch es wurden bereits mehrere kopflose Torsi in der Umgebung gefunden, und so schickt die PSA ihren besten Agenten vor Ort: Larry Brent.

Auch X-RAY-3 wird Zeuge des grauenhaften Geisterduells. Der besiegte, enthauptete Burgherr tötet als lebender Toter seinen Kontrahenten und geht anschließend auf den PSA-Agenten los. Auch der Torso des geköpften Touristen greift Larry an. Doch wie soll man sich gegen lebende Tote wehren, die selbst den Strahlen aus Larrys Laserwaffe widerstehen?

_Atoll des Schreckens_

Auf einer kleinen Insel auf Tahiti sind acht junge, blonde Frauen spurlos verschwunden. Larry Brent und seine attraktive Kollegin Morna Ulbrandson sollen den Fall aufklären. Die blonde Schwedin ist der ideale Köder. Doch gegen die Gegner, die wirklich hinter den Entführungen stecken, sind die Agenten nicht gewappnet. Die Produkte eines zwanzig Jahre zurückliegenden Atomtestes sind wahre Monster …

_Beurteilung_

Zwei Geschichten, welche die Vielfalt und Ambivalenz der Larry-Brent-Geschichten einmal mehr eindrucksvoll beweisen.

Die „Ruine der Kopflosen“ spielt im klassischen Gruselland Schottland und bedient sich darüber hinaus auch der Elemente der Gothic-Novel. Eine gespenstische Burg, kopflose Geister und ein alter Fluch. Dan Shocker vermengt diese Zutaten darüber hinaus mit kriminalistischen Anteilen, und zu guter Letzt kommt auch noch ein dämonisches Ritual ins Spiel. Die Beschreibung des unterirdischen Gewölbes und des Irrsinns, der den Professor befallen hat, gelingt dem Autor wieder bestens; plastisch kann man als Leser den gruseligen Schädel des Druiden-Priesters in dem Geflecht der Baumwurzel vor Augen sehen. Das Motiv hätte ich mir viel eher als Illustration für die Story gewünscht; der abgeschlagene Schädel auf dem Pflock gelang dem Künstler Pat Hachfeld dieses Mal nämlich nicht so gut. Das Grauen, welches die Menschen durchmachen müssen, wenn sie der kopflosen Leichen ihrer Mitmenschen gewahr werden, ist fast greifbar. Ein echter, schnörkelloser Grusel-Krimi.

Im Gegensatz dazu verschlägt es den braungebrannten Sonnyboy Larry in der zweiten Geschichte in die tropischen Gefilde Tahitis. Hier nimmt sich der Schriftsteller die Folgen einer Atomexplosion als Urheber des Grauens vor. Natürlich auf einem Niveau, welches zeigt, dass die Geschichte lediglich dem Unterhaltungswert dient. Aber dann doch nicht wieder so abgedroschen, dass Riesenechsen über die Lande stampfen. Vielmehr geht es um die Züchtung einer neuen Rasse und um Menschenversuche, außerdem um ein Eifersuchtsdrama mit (fast) tödlichem Ausgang.

Der Roman gestaltet sich sehr kurzweilig, auch wenn einige der Ideen alles andere als neu sind und Morna in der klassischen Opferrolle die Errettung durch Larry herbesehnen darf. Die Dialoge sind sehr realistisch und sprühen vor Wortwitz. Das Lektorat wetzt die eine oder andere Scharte hervorragend aus.

Die Illustration zu der zweiten Geschichte zeigt wieder uneingeschränkt das Talent des Zeichners und vermittelt mit einem vergleichsweise einfachen Motiv einen Eindruck von den Geschehnissen. Das Cover zeigt das Original-Titelbild von Lonati, wie es vor dreißig Jahren einen Heftroman zierte. Das Bild zeigt puren Trash und ist in seiner übertriebenen Darstellung schon fast wieder kunstvoll zu nennen. Die Frau mit den kleinen, spitzen Brüsten und dem knappen Bikini ist das typische Frauenbild, des mittlerweile verstorbenen Malers, wie es oft auf seinen Werken zu sehen ist.

Fazit: Leichte und dennoch spannende Gruselkost mit typischem Shocker-Plot.

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_Florian Hilleberg_

Kalogridis, Jeanne – Kinder des Papstes, Die

Neapel, um 1488: Die zwölfjährige Sancha von Aragon ist die Enkeltochter von König Ferrante. Während sie ihrem Vater, dem Herzog von Kalabrien, feindselig gegenübersteht, liebt sie ihre Mutter und vor allem ihren jüngeren Bruder Alfonso, den das energische Mädchen für seinen Sanftmut bewundert. Als Sancha sechzehn Jahre alt ist, stirbt der alte König. Aus politischem Kalkül wird ihre glückliche Verlobung mit Graf Otoranto gelöst und sie stattdessen zur Heirat mit einem Mitglied der mächtigen Borgia-Familie gezwungen, die für Machtgier und Skrupellosigkeit berühmt ist. Jofre de Borgia, zweiter Sohn von Papst Alexander VI., wird ihr Ehemann. Ein schlimmes Schicksal für Sancha, denn Jofre ist mit zwölf Jahren fast noch ein Kind und sie muss ihre geliebte Heimat Neapel verlassen.

Nicht nur das Heimweh und die mangelnden Gemeinsamkeiten mit Jofre setzen Sancha zu, sondern auch die politischen Wirrungen. Als die Ordnung endlich wieder hergestellt scheint, ruft Papst Alexander VI. seinen Sohn Jofre und Sancha zu sich. Von nun an ist Sancha Teil der legendären Borgia-Familie und erlebt die Ausschweifungen und Grausamkeiten Roms. Sie muss sich gegen Zudringlichkeiten des lüsternen Papstes und dessen grausamen Sohn Juan wehren. Dafür verliebt sie sich unsterblich in den dritten Sohn, den schönen und charmanten Cesare, und nach anfänglichem Misstrauen freundet sie sich auch mit der raffinierten Papst-Tochter Lukrezia an.

Viel zu spät realisiert Sancha, dass sich auch hinter Cesares Fassade eisige Kälte verbirgt und er vor nichts zurückschreckt. Aus der leidenschaftlichen Liebe wird gefährlicher Hass – und Sancha kämpft verzweifelt gegen mächtige Intrigen und um ihr Leben …

Das Zeitalter der Renaissance ist ein sehr dankbarerer Hintergrund für historische Romane. Das farbenprächtige Italien, die Machtkämpfe innerhalb Europas und der Kirche und die schillernden Charaktere der Borgia-Familie bilden den Ausgangspunkt für dieses Werk.

|Überzeugende Charaktere|

Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin Sancha von Aragon, zu Beginn fast noch ein Kind, später eine erwachsene Frau, aber von Anfang an ein stolzer und starker Charakter. Sancha ist nicht so sanftmütig wie ihr geliebter Bruder, doch gerade ihre Schwächen machen sie sympathisch. Entgegen aller Vernunft schlägt sie die Warnungen über die Borgias in den Wind, um sich mit Cesare auf eine fatale Affäre einzulassen, die von nun an ihr Leben bestimmen wird. Sancha ist impulsiv und kaltblütig in ihrem Hass gegenüber denen, die ihren Nächsten schaden wollen. Bezeichnenderweise ist sie keine Heldin, die immer den richtigen Weg wählt, sondern muss Niederlagen und falsche Entscheidungen hinnehmen – doch egal wie schlimm ihr mitgespielt wird, sie gibt nicht auf.

Über die Borgias existieren zahllose Bücher und die verschiedensten Ansichten. Sehr positiv ist hervorzuheben, dass die Familie in diesem Werk nicht auf den Ruf als grausame Giftmischer beschränkt wird. Lukrezia erscheint zunächst als eifersüchtige Schwägerin, die Inzucht mit ihrem Vater stößt Sancha zusätzlich ab. Aber im weiteren Verlauf entsteht eine enge Freundschaft zwischen den Frauen und Lukrezia erscheint mehr als schwaches Opfer denn als die |femme fatale|, als die sie gern verkörpert wird. Papst Alexander erhält eine negativere Darstellung; er vergreift sich an Sancha, hält sich junge Gespielinnen, verhindert nicht die Mordlust seiner Söhne. Immer wieder allerdings blitzen Momente auf, in denen er nur als alter Mann gezeigt wird, der aus fehlgeleiteter Liebe zum Spielball der Ränke seiner Kinder geworden ist. Letztlich ist sogar Cesare als zwiespältiger Charakter geschildert. Auch nachdem Sancha erkannt hat, dass er ein Mörder ist, der vor fast nichts zurückschreckt, flammt immer wieder in ihr das alte Begehren auf, für das sie sich schämt – und es gibt sogar Anzeichen, dass selbst Cesare, der Sanchas Leben systematisch zu zerstören versucht, diese Gefühle erwidert. Die meisten Figuren besitzen sowohl schwarze als auch weiße Schattierungen, was sie glaubwürdig macht und dazu beiträgt, dass man mitgerissen wird.

|Spannung bis zum Schluss|

Das Leben der Borgias und ihr Schicksal sind keine Geheimnisse, dennoch gelingt es der Autorin, den Roman beständig spannend zu halten. Das liegt vor allem daran, dass es zwar viele Vermutungen über bestimmte Aspekte der Borgias gibt, aber nicht immer gesicherte Erkenntnisse. Der grobe Rahmen ist somit zwar historisch festgelegt, doch über einzelne Ereignisse wie Todesfälle und die wahren Charaktere wird nach wie vor spekuliert – genug Spielraum also, um Fantasie walten zu lassen, wer wen ermordet hat und wer an welcher Verschwörung beteiligt war. Mehrmals erlebt man, wie liebgewonnene Figuren in Gefahr geraten oder sogar sterben, sodass man kaum Gewissheit hat, mit wem es welches Ende nimmt. Auch das wechselnde Verhalten der Charaktere sorgt für gebanntes Lesevergnügen. So wie Sancha oft nicht weiß, wem sie trauen darf, kann auch der Leser nicht alle Vorhaben der Personen abschätzen. Man darf sich fragen, ob Lukrezia wirklich die treue Freundin ist, zu der sie sich scheinbar entwickelt hat, ob der wankelmütige, junge Jofre seiner Frau Schaden zufügen wird, welche Intrigen der Papst, Juan und Cesare womöglich planen und auf welche Weise Sancha ihre Rache nehmen wird …

Der historische Hintergrund wird auch für Nichtkundige der Renaissancezeit gut miteingebracht, bleibt dabei immer dezent, ohne trockene Faktenaufzählung. Der Leser spürt das bezaubernde Flair von Sanchas geliebter Heimat Neapel ebenso wie den atemberaubenden Prunk Roms. Die Zustände der damaligen Zeit sind schonungslos und realistisch geschildert, sodass empfindliche Gemüter gewarnt sein sollten – es wird geschändet und gemordet, dass es das Borgia-Herz entzückt. Erfreulicherweise wird jedoch bis auf einmal keine ausufernde Liebeszene erzählt, die sich sonst gerne in historische Romane einschleichen. Dafür begegnet man am Rande auch anderen historischen Gestalten der Zeit, etwa dem kirchenkritischen Prediger Savonarola, dem umstrittenen Philosoph und Politiker Machiavelli und dem gealterten Leonardo da Vinci.

|Kaum Schwächen|

Der Roman braucht ein paar Seiten Anlaufzeit, ehe man richtig in der Handlung Platz genommen hat. Dafür sind hauptsächlich die detaillierten Beschreibungen verantwortlich, die den Beginn etwas zu statisch gestalten. Der Leser erfährt, wer mit wem verwandt ist, wie die einzelnen Personen aussehen und wie die Umgebung gestaltet ist, was sich als etwas ungünstiger Einstieg herausstellt. Ein kleiner Widerspruch taucht auf, als Sancha ihren Halbbruder Ferrandino bei seiner Krönung als hochmütig bezeichnet, denn bei seiner ersten Erwähnung beschreibt sie ihn nur als offen und warmherzig, und da er in der Zeit dazwischen kaum eine Rolle spielt, irritiert dieser plötzliche Umschwung. Etwas unrealistisch wird es, als Juan von der Affäre zwischen seinem Bruder Cesare und Sancha erfahren hat und Gerüchte darüber in Umlauf sind, Sanchas Ehemann Jofre aber nichts davon ahnt. Zu guter Letzt wünscht man sich, man hätte nach Sanchas Umzug nach Rom noch mehr vom Verbleib ihrer übrigen Familie und dem Schicksal der einzelnen Mitglieder erfahren.

_Als Fazit_ bleibt ein faszinierender Historienschmöker aus der Renaissancezeit über das berüchtigte Leben der Borgias. Fantasie und Historie werden gekonnt miteinander verknüpft, die Charaktere überzeugen durch Vielschichtigkeit und die Ich-Erzählerin lädt zum Mitfiebern ein. Bis zum Schluss bleibt der Roman durch individuelle Sichtweisen und Details spannend, selbst wenn man über den geschichtlichen Verlauf bereits informiert ist. Die sehr kleinen Schwächen können den hervorragenden Gesamteindruck nicht trüben.

_Die Autorin_ Jeanne Kalogridis, geboren 1954 in Floria, studierte russische Literatur und Linguistik und unterrichtete acht Jahre lang an der Universität von Washington, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie ist spezialisiert auf historische Romane. Ihr Debütwerk war „Die Seherin von Avignon“, zuletzt erschien [„Leonardos Geheimnis“. 3959

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Shocker, Dan – Borro (Larry Brent, Band 35)

Das Buch beinhaltet die Larry-Brent-Romane „Borro, der Zombie“ und „Dr. Satanas – Herr der Skelette“, die erstmals in der Reihe |Silber-Grusel-Krimi| erschienen sind.

_Borro, der Zombie_

Larry Brent macht Urlaub in Afrika, doch bald wird er wieder in einen Strudel rätselhafter und grauenhafter Vorgänge verwickelt.

Eine grausam entstellte Frauenleiche wird entdeckt, die aussieht, als sei die betreffende Person eine Greisin, obwohl die Frau eigentlich erst 27 Jahre alt ist. Larry informiert seinen Chef David Gallun, der den Agenten offiziell für Ermittlungen einsetzt und ihm die Unterstützung der örtlichen Behörden zusichert. Gemeinsam mit einem Polizei-Captain besucht Brent, alias X-RAY-3, einen Medizinmann, der eventuell mehr über den unheimlichen Mord zu berichten weiß. Doch der Schamane ist vor allem Larry Brent gegenüber eher feindselig eingestellt und überwältigt die beiden Ermittler mit einem Gift, um sie mit einem Voodoo-Zauber anschließend zu töten und wieder ins Leben zurückzuholen. Jetzt weiß Larry auch, mit wem er es zu tun hat: Zombies – die ihren Opfern die Lebenskraft entziehen …

_Dr. Satanas – Herr der Skelette_

Dr. Satanas hat ein Präparat entwickelt, mit dem er ungeborene Kinder im Mutterleib in Skelette verwandeln kann, die anschließend zum Leben erwachen, um als kleine Killer mit übermenschlichen Kräften dem teuflischen Verbrecher zu dienen. Dr. Satanas hat zu diesem Zweck die Identität des Gynäkologen Dr. Roche angenommen.

Die PSA schickt ihre besten Agenten, Larry Brent und Iwan Kunaritschew, nach Paris, wo Kommissar Marcel Tolbiac die Ermittlungen bereits aufgenommen hat. Larry Brent schleust sich mit einer werdenden Mutter in die Klinik ein, wo Satanas sein Unwesen treibt. Doch der Teufel in Menschengestalt ist der PSA bereits auf der Spur …

_Beurteilung_

Der Beginn der ersten Story ist bereits geprägt von klassischen Elementen der Grusel- und Horror-Literatur. Ein altes Schiff, nachts in einem mörderischen Sturm, mit einem Untoten an Bord, der von dem letzten Überlebenden mit einer Ankerkette gefesselt und in die tobende See geworfen wird. Die Szene lebt von einer unheimlichen Spannung, die mit den Ereignissen in Afrika fortgesetzt wird, als ein zum Zombie mutierter Mann sich aus der Erde wühlt.

Der Auftritt Larry Brents wirkt da zunächst wie ein Einschnitt und beehrt den Leser mit dem typischen Humor Dan Shockers. Die Kulisse Afrikas ist nur bedingt dazu geeignet, Spannung zu erzeugen, obwohl der Autor dieser Aufgabe ziemlich gut gerecht wird. Getrübt wird der Lesegenuss im Prinzip nur durch einen haarsträubenden Zufall. Denn ausgerechnet als Borro, der Zombie, am Strand gefunden wird und wieder auf Beutezug geht, macht eine junge Frau in Afrika Urlaub, die ihrer Großmutter zum Verwechseln ähnlich sieht, welche vor mehr als 60 Jahren dem Menschen, der einst Borro war, ihre Liebe verweigerte. Borror schwor finstere Rache und will diese natürlich an der jungen Urlauberin vollenden. Diese hanebüchene Story ist umso ärgerlicher, da die Geschichte auch hervorragend ohne diesen Einschub funktioniert hätte. Auch wenn Larry Brent dann nicht als strahlender Retter hätte fungieren können.

Der zweite Roman ist wieder einmal ein Fall, in dem der berüchtigte Erzfeind der PSA, Dr. Satanas, die Fäden zieht. Bereits zu Beginn darf der Menschenfeind zeigen, wozu er fähig ist und mit welcher Teufelei er dieses Mal vorhat, die Menschheit zu vernichten. Leider wird der zweite Auftritt des wahnsinnigen Wissenschaftlers mit keiner Silbe erwähnt, nur die erste Begegnung von Larry und Iwan mit Dr. Satanas (nachzulesen in Band 30 „Wahnsinnsbrut“) findet Erwähnung. Darüber hinaus wird berichtet, dass der letzte gemeinsame Fall mit Kommissar Marcel Tolbiac die Geschichte mit dem Nachtmahr sei, welche im Roman „Im Würgegriff des Nachtmahrs“ erzählt wird und erst im Buch Nummer 61 erscheint. Allerdings haben Larry Brent und Tolbiac erst im letzten Buch (Band 34 „Der Unheimliche”) einen Fall zusammen bearbeitet, nämlich im Roman „Der Unheimliche aus dem Sarkophag“.

Ansonsten ist dieser Roman aber äußerst spannend geschrieben worden. Das teuflische Doppelspiel des Dr. Satanas ist dazu angetan, einen Schauder des Gruselns zu erzeugen. Hier kann der Leser wieder das Misstrauen des Autors gegenüber Ärzten deutlich spüren. Die Angriffe der kleinen Skelett-Killer haben etwas Beklemmendes, da es für einen Unbewaffneten unmöglich erscheint, sich gegen die Wesen mit den übermenschlichen Kräften zu wehren. Sprachlich und stilistisch bewegt sich Dan Shocker auf einem einfachen Niveau, was der Lesbarkeit des Textes sehr zuträglich ist.

Der neue Satzspiegel sorgt für eine deutliche Reduzierung des Seitenumfangs der Bücher, was sich aber nicht auf die Textmenge niederschlägt. Der alte Satzspiegel mit der größeren Schrift ließ sich allerdings viel besser lesen und die Bücher waren irgendwie handlicher und griffiger.

Die Innenillustrationen von Pat Hachfeld fangen die Atmosphäre der Romane perfekt ein. Insbesondere die Interpretation Borros gelingt dem Wolfsburger besser als Lonati, dessen Bild als Cover auf der Vorderseite des Buches zu sehen ist und bereits den Original-Heftroman zierte.

Fazit: Abwechslungsreiche Horror-Trips aus der Feder Dan Shockers, mit kleinen Schwächen in der Handlung.

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_Florian Hilleberg_

Ellis, Warren / Leach / Fabry / Dillon / Martinez / Muth / Lloyd – Global Frequency 1: Planet in Flammen

_Story_

Die |Global Frequency| ist eine internationale Organisation, die in Extremfällen ihre Agenten aussendet und genau dann eingreift, wenn die üblichen Staatskörper bereits erfolglos ihre Macht ausgespielt haben. Unter der Leitung der unbarmherzigen Miranda Zero hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zur Eliteeinheit entwickelt und selbst staatliche Behörden wie das FBI überrundet. Als in San Francisco plötzlich die Gefahr der Entstehung eines schwarzen Loches gegeben ist, bekommt die Spezialtruppe Gelegenheit, sich zu beweisen. Und auch das Ebola-ähnliche Virus, das London heimgesucht hat, eine militante Gruppe, die in Melbourne ein Gebäude in die Luft sprengen möchte sowie ein außerirdisches Computervirus bereiten den insgesamt 1001 Mitgliedern der Global Frequency genügend Arbeit bei der Eindämmung bevorstehender Katastrophen – ganz gleich, welche Methoden hierzu vonnöten sind …

_Persönlicher Eindruck_

Mit seiner neuen Reihe „Global Frequency“ wagt der erfolgsverwöhnte Star-Autor Warren Ellis nun seinen nächsten Anlauf auf das Publikum der etwas anspruchsvolleren Kost und liefert sein komplexestes, gleichzeitig aber auch ambitioniertestes Werk ab. Bereits im ersten Sammelband, der die Original-Ausgaben 1-6 der Heftreihe enthält, geht der Autor in die Vollen und lädt seine Leserschaft ohne große Vorwarnung in die grausame Welt der „Global Frequency“ ein und bereitet derweil seinen finstersten Zukunftsvisionen ein Forum voller beklemmender Stimmung und bedrückter Ausstrahlung.

Allerdings äußert sich die hier geäußerte Düsternis gleich in ganz unterschiedlichen Facetten; natürlich sind es vorwiegend die außergewöhnlichen Szenarien und die offensichtlichen Gefahren, von denen die hauptsächliche Bedrohung ausgeht, doch auch die generelle Vorstellung des überwachten Staates und einer alles überschauenden Organisation, die mit sämtlichen Machtmitteln ausgestattet ist, um in entsprechenden Fällen einzugreifen, jagt einem gleich mehrfach einen eiskalten Schauer über den Rücken und unterstreicht die pessimistische Grundhaltung, die in den Tarantino-gleichen Episoden des ersten deutschen Bandes offenkundig dominiert.

Problematisch gestaltet sich in diesem Sinne jedoch die unkonventionelle Struktur, die noch jeder einzelnen Folge zugrunde liegt. Ellis hat nämlich zwischendurch einige Probleme, der rasanten Action auf der Handlungsebene zu folgen, so dass man teilweise den Eindruck bekommt, der Plot würde von der Vielzahl sowie der hohen Geschwindigkeit der Ereignisse zunächst überholt und erst später wieder eingefangen werden. Dies hat gleich in den ersten beiden Episoden zur Folge, dass das Verständnis für den leicht konfus gestalteten Inhalt erst mit dem Abschluss der Geschichte aufkeimt und man bis dorthin lediglich auf der Suche nach greifbaren, markanten Eckpunkten ist. Zusätzlich erschwert wird diese Entwicklung durch die undeutliche Abgrenzung der einzelnen Abschnitte. Jede der sechs Episoden erzählt eine völlig unabhängige Story und wird zudem auch noch von individuellen Zeichnern graphisch bearbeitet, doch gerade die Übergänge sind häufig schwierig, weil die Szenarien meistens nicht komplett aufgelöst werden und ein Ende erst mit der Überschrift des Folgeteils ersichtlich ist. Bedenkt man schließlich, dass man vorab mit wirklich null Informationen zur „Global Frequency“ ausgestattet wird und Ellis sich ohne Umwege in die Action stürzt, ist der Einstieg in das umfassende Netzwerk der Handlung mit einigen gar nicht mal so leicht zu meisternden Hürden besetzt und erfordert wirklich äußerste Konzentration, um die vielen versteckten Facetten aufzugreifen und in Zusammenhang zu bringen.

Andererseits gewinnt „Global Frequency“ im Laufe der verschiedenen Erzählungen wieder die Überzeugungskraft, die Ellis in bisher all seinen jüngsten Werken verankert hat. Stetig entdeckt man weitere, fein ausgearbeitete Details, bekommt ein Gespür für die tolle Ausprägung der einzigartigen Charaktere und verliebt sich schließlich in die eigensinnige, völlig außergewöhnliche Science-Fiction, die der Autor nach Meisterwerken wie „Ocean“ konsequent weiterentwickelt. Hier leben Action, Mystik und Poesie gleichberechtigt Seite an Seite und schmücken eines der gewagtesten, zeichnerisch vielseitigsten, definitiv aber auch fortschrittlichsten Comics der letzten Monate. Wer futuristisch geprägte Inszenierungen, Endzeitstimmung, kompromisslose Action, eine überdurchschnittliche große Erzähldymanik und gänzliche unabhängige Ideen gebündelt in seinen illustrierten Büchern sucht, kommt heuer eben nicht mehr an Warren Ellis vorbei – auch wenn es bei der steigenden Anzahl vom ihm verfasster Meisterwerke langsam aber sicher recht teuer ist, sein Fandasein auszuleben …

http://www.paninicomics.de/?s=Wildstorm

Blazon, Nina – Im Land der Tajumeeren (Die Taverne am Rande der Welten 2)

Wenn man in der Taverne am Rande der Welten wohnt, kann man jeden Tag ein neues Abenteuer erleben. Nicht umsonst gibt es im Flur des Gasthauses eine Unmenge von Türen, die in alle möglichen Länder führen.

Das dreizehnjährige Findelkind Tobbs wohnt in der Taverne am Rande der Welten. Er arbeitet dort als Schankjunge und wundert sich den lieben langen Tag, wer seine Eltern sind und was der Wirt Dopoulos hinter der zugemauerten Tür versteckt. Nicht umsonst glaubt er, dass das Geheimnis der Tür etwas mit seiner Herkunft zu tun hat.

Eines Tages prescht ein dickes Botenpony mit einem von einem Pfeil durchbohrten Boten in die Taverne. Der Bote scheint an Gedächtnisverlust zu leiden, denn das Einzige, was er sagt, ist „Iwan!“ Nur Wanja, die starke Schmiedin in der Taverne, kann etwas mit dem Namen anfangen. Sie glaubt, dass ihre Tante Baba Jaga den Reiter geschickt hat. Das kann nur heißen, dass die Hexe, die in einem Haus mit Hühnerbeinen lebt, in Gefahr ist. Wanja sattelt ihr rotes Pferd Rubin und macht sich auf nach Rusanien – ohne zu wissen, dass Tobbs ihr folgt. Er hat sich das arbeitslose Botenpony gesattelt und reitet ihr hinterher, denn er hofft, auf diesem Weg etwas über seine Vergangenheit zu erfahren.

Damit liegt er nicht mal so falsch. Die Truhe, die Baba Jaga in ihrem Haus versteckt hatte, enthielt einen wichtigen Hinweis auf seine Herkunft, wie Wanja ihm erzählt. Doch die Kiste ist weg. Die Roten Reiter, die auch den Boten erschossen haben, haben sie mitgenommen und Baba Jaga ist ebenfalls verschwunden. Wanja und Tobbs finden sie in Tajumeer, einem Land, das an eine Südseetrauminsel erinnert. Dort lässt sich die Hexe die Sonne auf den Pelz scheinen. Als Wanja und Tobbs sie treffen, stellt sich heraus, dass ihr Schatz doch nicht den Roten Reitern in die Hände gefallen ist, sondern am Grund des Meeres liegt. Und das wird von den grausamen Haigöttern bewacht …

„Im Land der Tajumeeren“ ist in der Reihe |Die Taverne am Rande der Welten| erschienen. Wie im Vorgängerband [„Die Reise nach Yndalamor“ 3463 mischt Blazon auch dieses Mal heitere Fantasy mit alten Sagengestalten und ähnlichem.

Der eine oder andere mag den Namen Baba Jaga deshalb schon mal gehört haben. Es handelt sich dabei um eine mythologische Gestalt aus Russland, die in einem Mörser fliegen kann, wie Blazon im Anhang erzählt. Die Autorin, die slawische Sprachen studiert hat, orientiert sich aber nicht nur an diesem Kulturkreis. Ebenfalls mit von der Partie sind die Haselhexe aus Tirol und ein paar römische Gottheiten.

Nina Blazon mixt also alles wild durcheinander. Heraus kommt ein spritziges Fantasybuch, rasant erzählt und mit einem heiteren Unterton. Blazon schreibt leichtfüßig, treffsicher und humorvoll, was ihre Bücher auch für erwachsene Leser zu einem Genuss werden lässt.

Im Mittelpunkt steht wieder Tobbs, ein eher ängstlicher Junge, der auf der Suche nach einer eigenen Identität ist. Er ist kein richtiger Held, denn er hat Angst vor Pferden und kann nicht schwimmen. Ein tragischer Antiheld ist er aber auch nicht, denn er beweist sehr wohl Mut, wenn es brenzlig wird. Blazon stattet ihn mit einer Vielzahl verschiedener Wesenszüge aus und gestaltet ihn rund und anschaulich.

Ihm zur Seite stehen Freunde und Feinde, die durch ihre sauber ausgearbeiteten Charaktere und ihre Originalität bestechen. Blazon ist sich dabei nicht zu schade, ihre Figuren an der Grenze der Lächerlichkeit anzusiedeln. Baba Jaga zum Beispiel benimmt (und kleidet) sich bei den Tajumeeren so, wie man sich eine klischeehafte Seniorin auf einer Südseeinsel vorstellt. Durch solche mutigen Charaktere macht es besonders viel Spaß, das Buch zu lesen.

Die Handlung ist auch dieses Mal sehr rasant. Die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag, und es werden nur wenige Absätze für gedankliche Ausschweifungen verschwendet. Blazons lobenswerter Einfallsreichtum ist verantwortlich dafür, dass man das Buch nicht aus den Händen legen möchte. Sie malt ihre Fantasywelt in den buntesten Farben und stattet sie liebevoll mit Details und Witz aus. Ab und an baut sie kleine Erinnerungen an die reale Welt ein, zum Beispiel auf Seite 32. Dort erzählt Dr. Dian von der neusten „Magie-Technologie“, dem „Magimnesie-Granulat“, das zu einer „magischen Amnesie“ führt.

Was Blazons Bücher, vor allem die aus der Reihe |Die Taverne am Rande der Welten|, besonders auszeichnet, ist ihre Leichtfüßigkeit in Bezug auf den Schreibstil. Sie tänzelt geradezu von einem Satz zum anderen. Sie benutzt ein einfaches Vokabular, dem sie mit ihrem heiteren Humor eine Menge Lebendigkeit einhaucht.

Allerdings ist das Lesevergnügen dieses Mal nicht völlig ungetrübt. An einigen wenigen Stellen benutzt Blazon Wörter, die für die angepeilte Zielgruppe ab elf Jahren noch etwas zu komplex sein dürften. |Salto mortale| (Seite 18) und |konspirativ| (Seite 29) dürften nicht gerade zum Wortschatz eines durchschnittlichen Fünftklässlers gehören.

Was auf der einen Seite amüsiert, auf der anderen aber leicht deplatziert wirkt, ist der Einsatz von Anglizismen. Die Begriffe |Drama-Queen| (Seite 26), |Cowboy| (Seite 49) oder |Playboy| (Seite 237) wirken ein bisschen fehl am Platze in der ansonsten sauber geschriebenen Geschichte.

Insgesamt hat die Wahlstuttgarterin Nina Blazon erneut ein entzückendes Fantasybüchlein für Kinder und Jugendliche abgeliefert. Die rasante Handlung, der heitere Schreibstil und vor allem die blühende Fantasie der Autorin sind Grund dafür, warum „Im Land der Tajumeeren“ ein einziges Lesevergnügen ist.

http://www.ravensburger.de
http://www.ninablazon.de

Moers, Walter – Stadt der Träumenden Bücher, Die

Im Alter von nur 77 Jahren verliert der junge Lindwurm und Dichter Hildegunst von Mythenmetz seinen geliebten Dichtpaten Danzelot von Silbendrechsler. Dieser hinterlässt ihm nicht mehr als ein Manuskript (abgesehen von einem Garten), welches er vor Jahren von einem jungen Talent zugesandt bekam. Und tatsächlich entpuppt sich dieses Manuskript als das wertvollste, schönste und vollkommenste, was Hildegunst je gelesen hat. Er begibt sich auf die Suche nach dem Schöpfer dieses Werkes. Und welcher Ort wäre besser dafür geeignet, einen Autor ausfindig zu machen, als Buchhaim, die Stadt der Träumenden Bücher?

Dort angekommen, überwältigt diese Stadt Hildegunst mit ihrem ganz besonderen Charme, dem er sofort verfällt. Alles ist der Literatur und der Dichtkunst gewidmet. An jeder Ecke finden sich Antiquariate, Lektorate, Büchereien und gemütliche Cafés, in welchen regelmäßig Dichterlesungen gehalten werden. Kurzum, diese Stadt ist eine einzige Ode an das Lesen. Hildegunst möchte nicht mehr fort und vergisst kurzfristig, weshalb er überhaupt nach Buchhaim kam.

Doch die Stadt hat auch ihre Schattenseiten in Form eines riesigen unterirdischen Höhlenlabyrinthes. Angeblich lebten dort die ersten Bewohner von Buchhaim, bevor die Stadt erbaut wurde. Und so befinden sich dort die wahren Schätze Buchhaims. Bücher von unermesslichem Wert. Gehoben werden diese Schätze von skrupellosen Buchjägern. Die Labyrinthe sind kein Ort, an welchem sich Hildegunst gerne aufhalten würde. Doch genau dorthin verschlägt es den Helden dieser Geschichte, als er mit seinen Nachforschungen bezüglich des Manuskriptes beginnt.

Welches Geheimnis verbergen die dunklen Schatten? Welche Gefahren lauern dort unten außer Spinxxxen, Harpyren und den schrecklichen Buchlingen? Und welches Geheimnis umgibt den mysteriösen Schattenkönig?

|“Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir. Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.“| Dieses Zitat eines gewissen Danzelot von Silbendrechsler beschreibt treffend genau, in welche Welt Walter Moers den Leser entführt. Eine Welt voller Mysterien, in der die Fantasie des Autors in allen nur denkbaren Facetten dem Leser entgegenschwappt.

Walter Moers versteht es wie kein anderer, vor dem inneren Auge des Lesers eine Welt zu erschaffen, die so unmöglich, so fantastisch, so farbenfroh, so erheiternd und gleichzeitig so grausam sein kann. Mit seiner unbeschwerten Art des Schreibens entführt er den Leser auf eine leichtfüßige Reise durch Zamonien. Selten habe ich bei der Lektüre eines Buches im einen Moment so herzhaft gelacht, nur um Augenblicke später vor Spannung fast zu erstarren.

Dieses Buch ist eine Hommage für alle Buchliebhaber. Die bildhaften Beschreibungen Walter Moers‘ ließen mich das alte Pergament förmlich riechen. Inhaltlich setzt sich Walter Moers mit allerlei Klischees auseinander, und wirklich jeder der Branche bekommt sein ‚Fett weg‘; vom Autor über den Verleger bis zum Kritiker. Niemand wird verschont, doch dies immer auf eine liebenswerte Art und Weise. Ein weiteres Highlight des Buches sind die vielfach verwendeten Namen bekannter Zamonischer Dichter und Autoren, die nahezu alle Anagramme bekannter Größen der Literatur sind und auch diesen somit die Ehre erweisen.

„Die Stadt der Träumenden Bücher“ war mein erster Zamonien-Roman bislang, und ich denke, der Ausflug nach Zamonien hat sich gelohnt. Weder hatte ich als ‚Quereinsteiger‘ Schwierigkeiten, mich in diese mir unbekannte Welt hineinzudenken, noch fiel es mir schwer, mich auf das Abenteuer einzulassen. Einzig und allein das Trompaunenkonzert war für meinen Geschmack etwas zu langatmig ausformuliert. Doch auch das kann nicht über die Klasse des Autors, der ja eigentlich nur der Übersetzer war (Leser des Buches werden wissen, was ich meine), hinwegtäuschen.

Ich bin mir sicher, dass Walter Moers das Orm erworben hat. Anders kann ich mir die Qualität des Buches nicht erklären. Dieses Werk kann uneingeschränkt denjenigen empfohlen werden, die gerne auf fantastischen Pfaden wandeln und sich auf ein unvergleichliches Abenteuer einlassen möchten. Auch Zamonien-Einsteigern sei das Buch sehr ans Herz gelegt.

http://www.piper-verlag.de

_Frank P. Albrecht_