Sara B. Elfgren – Die Insel meiner Schwester

Worum geht’s?

Das Buch „Die Insel meiner Schwester“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern, deren Beziehung durch gemeinsame Erinnerungen, unausgesprochene Konflikte und unterschiedliche Lebenswege geprägt ist. Die Handlung spielt größtenteils auf einer abgelegenen Insel in den schwedischen Schären, wohin eine der Schwestern die andere zu einem Besuch einlädt.

Was zunächst wie ein Wiedersehen nach längerer Zeit wirkt, entwickelt sich jedoch schnell zu einer angespannten und zunehmend bedrohlichen Situation. Die Vergangenheit der beiden spielt dabei eine wichtige Rolle und beeinflusst stark, wie sie miteinander umgehen und welche Entscheidungen sie treffen.

Der Roman beschäftigt sich mit Themen wie familiärer Loyalität, Abhängigkeiten in Beziehungen und moralischen Grenzsituationen. Gleichzeitig entsteht eine düstere Atmosphäre, in der sich persönliche Konflikte immer weiter zuspitzen.

Inhalt

Die Geschichte beginnt mit der Hauptfigur Mirjam, die sich nach einer persönlichen Krise in einer unsicheren Lebensphase befindet. Unerwartet erhält sie eine Einladung ihrer Schwester Nia, mit der sie seit einiger Zeit nur noch wenig Kontakt hat. Nia lebt inzwischen mit ihrem Partner auf einer kleinen Insel, auf der die Schwestern schon in ihrer Kindheit viel Zeit verbracht haben.

Mirjam entscheidet sich schließlich, die Einladung anzunehmen und auf die Insel zu reisen. Schon bei ihrer Ankunft wird deutlich, dass die Beziehung zwischen den beiden Schwestern kompliziert geworden ist. Alte Erinnerungen tauchen wieder auf, gleichzeitig wirkt Nias Verhalten teilweise rätselhaft.

Im Verlauf des Aufenthalts merkt Mirjam immer deutlicher, dass in der Beziehung zwischen Nia und ihrem Partner etwas nicht stimmt. Die Stimmung wird zunehmend angespannt, und die isolierte Umgebung der Insel verstärkt dieses Gefühl zusätzlich.

Während draußen ein Sturm aufzieht, geraten die Figuren immer stärker unter Druck. Konflikte, die lange verborgen geblieben sind, kommen an die Oberfläche. Schließlich muss Mirjam eine schwierige Entscheidung treffen, bei der es nicht nur um ihre eigene Sicherheit geht, sondern auch um die Frage, wie weit sie für ihre Schwester gehen würde.

Mein Eindruck

Besonders positiv ist mir zunächst die Atmosphäre des Buches aufgefallen. Die abgelegene Insel bildet eine sehr passende Kulisse für die Handlung. Durch die abgeschiedene Umgebung entsteht ein Gefühl von Isolation, das gut zur emotional angespannten Situation der Figuren passt. Die Landschaftsbeschreibungen und die Darstellung der Natur tragen dazu bei, dass man sich den Ort der Handlung gut vorstellen kann.

Auch die Beziehung zwischen den beiden Schwestern ist ein interessanter Ausgangspunkt für die Geschichte. Ihre gemeinsame Vergangenheit und die Erinnerungen an ihre Kindheit spielen eine wichtige Rolle und machen deutlich, wie stark familiäre Bindungen Menschen prägen können.

Allerdings hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass das Buch inhaltlich stärker in Richtung Psychothriller geht, obwohl es häufig eher als Roman eingeordnet wird. Die Handlung konzentriert sich stark auf eine bedrohliche Situation und auf die psychologische Spannung zwischen den Figuren. Dadurch wirkt das Buch weniger wie eine klassische Familiengeschichte und mehr wie eine spannende, teilweise düstere Konfliktsituation.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Spannungsbogen. Zu Beginn gelingt es der Autorin sehr gut, eine unterschwellige Spannung aufzubauen. Die Situation auf der Insel wirkt von Anfang an leicht unheimlich und lässt vermuten, dass sich die Ereignisse noch zuspitzen werden.

Im Verlauf der Handlung wird diese Spannung jedoch nicht immer konstant aufrechterhalten. Einige Abschnitte wirken etwas langsamer, und manche Entwicklungen verlieren dadurch an Intensität. Gegen Ende hätte die Geschichte meiner Meinung nach noch stärker zugespitzt werden können, um den zuvor aufgebauten Spannungsbogen vollständig auszuschöpfen.

Über die Autorin

Sara B. Elfgren wurde 1980 geboren und lebt in Stockholm. Neben ihren international erfolgreichen Kinder- und Jugendbüchern schreibt die mehrfach ausgezeichnete Autorin u.a. für Theater, Oper, Radio und Film. Sie war bereits für den August-Preis und den Literaturpreis des Nordischen Rates nominiert. »Die Insel meiner Schwester« ist ihr Bestseller-Debüt in der Erwachsenenliteratur.

Karoline Hippe, aufgewachsen an der Ostseeküste, hat Skandinavistik, Anglistik und Spracherwerbsforschung studiert und übersetzt aus dem Norwegischen, Dänischen und Englischen, u. a. Heidi Furre, Lotta Elstad und Ida Lødemel Tvedt. Die Übersetzung von Espen Dekkos »Sommer ist trotzdem« wurde mit der Silbernen Feder ausgezeichnet. Karoline Hippe lebt in Berlin und Oslo.(Verlagsinfo)

Fazit

„Die Insel meiner Schwester“ ist ein atmosphärisches Buch mit einer interessanten Grundidee und einer intensiven Beziehung zwischen zwei Schwestern im Mittelpunkt. Besonders die abgeschiedene Insel als Schauplatz und die psychologische Spannung zwischen den Figuren machen das Lesen stellenweise sehr fesselnd.

Trotzdem hat das Buch auch einige Schwächen. Vor allem die Einordnung als Roman passt meiner Meinung nach nicht ganz, da die Geschichte in vielen Momenten eher wie ein Psychothriller wirkt. Außerdem gelingt es der Handlung nicht immer, die Spannung konsequent bis zum Ende aufrechtzuerhalten.

Insgesamt ist es daher ein durchaus lesenswertes Buch mit einer starken Atmosphäre, das jedoch nicht in allen Punkten sein volles Potenzial ausschöpft. Eine solide, aber nicht herausragende Lektüre.

E-Book: 7,0 MB
Ins Deutsche übersetzt von Karoline Hippe
ISBN: ‎ 978-3641327194

www.penguin.de

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