Mit dieser Geschichte begründet Lumley seine groß angelegte Saga um Harry Keogh, den Nekroskopen, und Boris Dragosani, den Nekromanten. Abwechselnd steht jeweils eine der beiden Zentralgestalten der Saga im Mittelpunkt der Episoden. Ihr Aufeinandertreffen findet allerdings erst in einer späteren Folge statt.
Hinweise
Die 7 CDs enthalten die „ungekürzte inszenierte Lesung“, wie der Umschlag besagt: 7 Stunden und 45 Minuten Lumley pur – ein Vergnügen für Fans soliden Grusels. Der Schuber ist ganz in Schwarz mit orangefarbener Beschriftung gehalten. Auf der Vorderseite ist eine reichlich unheimliche Fratze zu sehen – ebenfalls in Orange- und Brauntönen.
In England versammelt Harry Keoghs neuer Feind seine Vampyre um sich. Yulian Bodescu verwandelt das Haus seiner Ahnen immer mehr in einen Ort des Schreckens. Wird Harry vom Vampyr Thibor Ferenczy ein Geheimnis erfahren, um die Gefahr zu bannen? Eine Konfrontation scheint unausweichlich …
In den bewaldeten Berghängen Rumäniens schlummert eine tödlich vergessene Gefahr ihrem Erwachen entgegen. Währenddessen wird sich Vampir Yulian Bodescu in seinem englischen Landhaus seiner unglaublichen Kräfte bewusst. Das britische E-Dezernat stürmt den Ort bizarren Schreckens. Doch Totenhorcher Harry Keogh braucht die schonungslose Hilfe seiner toten Freunde, um den Vampir auszuschalten!
Die Wege von Harry Keogh, dem Nekroskopen, und Boris Dragosani, dem Nekromanten, kreuzen sich und die Konfrontation ist unausweichlich. Doch beide kämpfen nicht alleine, sondern mit Unterstützung unheimlicher Verbündeter.
Der Autor
Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er seine Militär-Karriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga „Necroscope“ eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt. Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über 2 Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon, England. (Verlagsinfo) Brian Lumley – Necroscope 2 – Vampirblut (Lesung) weiterlesen →
Zu glauben, der Kampf gegen die Untoten sei entschieden, war ein tragischer Irrtum. Yulian Bodescu wurde schon vor seiner Geburt mit den Fähigkeiten der Vampire ausgestattet. Und langsam fängt das verdorbene Erbgut an zu brodeln und zu arbeiten. Der Schrecken kennt kein Ende.
Die Russen beseitigen noch die Schäden, die Harry Keogh in seiner Endschlacht verursacht hat. Harry erscheint währenddessen in der britischen Zentrale des geheimsten aller Geheimdienste. Er erzählt dort die Geschichte des vernichteten Vampirs Thibor Ferenczy. Doch in England selbst lebt der neue König der Vampire und schmiedet finstere Pläne. (Verlagsinfo)
Der Autor
Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er seine Militär-Karriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga »Necroscope« eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt.
Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über 2 Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon, England. (Verlagsinfo)
Bände (gemäß Wikipedia)
Für die Veröffentlichung im Festa Verlag wurde stets ein englisches Originalbuch auf mehrere deutsche Bände verteilt: Im Jahr 2009 erscheinen die Originalausgaben ungeteilt, als Taschenbücher bei Heyne und gebundene Bücher bei Festa.
1 Das Erwachen ISBN 3-935822-05-7
2 Vampirblut ISBN 3-935822-34-0
Erschienen auch als Sammelband Auferstehung ISBN 3453533070
entsprechen dem englischen Original: Necroscope (1986)
3 Kreaturen der Nacht ISBN 3-935822-35-9
4 Untot ISBN 3-935822-33-2
5 Totenwache ISBN 3-935822-00-6
Erschienen auch als Sammelband Vampirbrut ISBN 3453533089
entsprechen dem englischen Original: Necroscope II: Wamphyri! (1988)
6 Das Dämonentor ISBN 3-935822-10-3
7 Blutlust ISBN 3-935822-37-5
8 Höllenbrut ISBN 3-935822-46-4
Erschienen auch als Sammelband Blutmesse ISBN 3453533232
entsprechen dem englischen Original: Necroscope III: The Source (1989)
9 Wechselbalg ISBN 3-935822-49-9
10 Duell der Vampire ISBN 3-935822-62-6
Erschienen auch als Sammelband Entseelt ISBN 3453533240
entsprechen dem englischen Original: Necroscope IV: Deadspeak (1990)
11 Totenhorcher ISBN 3-935822-65-0
12 Blutkuss ISBN 3-935822-72-3
Erschienen auch als Sammelband Todessaat ISBN 3865521053
entsprechen dem englischen Original: Necroscope V: Deadspawn (1991)
13 Konzil der Vampire ISBN 3-935822-86-3
14 Grabgesang ISBN 3-935822-91-X
15 Blutsbrüder ISBN 3-935822-92-8
Erschienen auch als Sammelband Dämonenhass ISBN 3865521061
entsprechen dem englischen Original: Vampire World I: Blood Brothers (1992)
16 Vampirwelt ISBN 3-86552-016-2
17 Nestors Rache ISBN 3-86552-019-7
18 Metamorphose ISBN 3-86552-020-0
Erschienen auch als Sammelband Totenbeschwörung ISBN 386552107X
entsprechen dem englischen Original: Vampire World II: The Last Aerie (1993)
19 Vormulac ISBN 3-86552-041-3
20 Schlacht der Vampire ISBN 3-86552-042-1
21 Blutkrieg ISBN 3-86552-043-X
Erschienen auch als Sammelband Blutfürsten ISBN 3865521088
entsprechen dem englischen Original: Vampire World III: Bloodwars (1994)
22 Vampire schlafen nie ISBN 978-3-86552-084-5
23 Hund der Nacht ISBN 978-3-86552-085-2
24 Verfluchtes Blut ISBN 978-3-86552-086-9
Erschienen auch als Sammelband Werwolfsjagd ISBN 3865521096
entsprechen dem englischen Original: Necroscope: The Lost Years Volume One (1995).
Die folgenden Werke erschienen gemäß dem Original in einem Buch:
Sammelband 10 Vampirzorn ISBN 386552110X
entspricht dem Original: Necroscope: The Lost Years Volume Two (1996)
Sammelband 11 Nachtgesang ISBN 3865521118
entspricht dem Original: E-Branch: Invaders (1998)
Sammelband 12 Entweiht ISBN 3865521126
entspricht dem Original: Necroscope: Defilers (1999)
Folgende englische Bände sind bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden:
Necroscope: Avengers (2000)
Harry Keogh: Necroscope and Other Weird Heros (2003)
Necroscope: The Touch (2006)
Necroscope: Harry and the Pirates (2009)
Der Sprecher
Lutz Riedel ist ein hochkarätiger Synchron-Regisseur und die deutsche Stimme von Timothy Dalton. Er zeigt hier seine herausragenden Sprecher-Qualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern. Er war auch »Jan Tenner« in der gleichnamigen Hörspiel-Serie.
Der Berliner Schauspieler hat u. a. Timothy Dalton (James Bond) und Richard Hatch (Kampfstern Galactica) synchronisiert. Auch Richard Gere, Samuel L. Jackson und Christopher Walken hat er schon gesprochen.
Lutz Riedel ist mit seiner Kollegin Marianne Groß verheiratet.
Der Text wurde bearbeitet und gekürzt von Frank Festa. Regie, Produktion und Grafik lagen in den Händen von Lars Peter Lueg. Die Musik und Tontechnik steuerte Andy Matern bei.
Der Regisseur Lars Peter Lueg
In den Worten des Verlags: „Nach zehn erfolgreichen Jahren in der Musik- und Medienbranche als Musikproduzent, Künstlermanager, Leiter von Multimediaprojekten und Tontechniker in verschiedenen Tonstudios war es an der Zeit, die vorhandenen Kontakte und Erfahrungen zu nutzen, um eine vollkommen neue und andersartige Firma zu gründen.
Ein kompetentes Netzwerk von ca. 20 spezialisierten Unternehmen lässt LPL sehr effektiv und unabhängig arbeiten. Durch eine Passion für Filme, (Hör)Bücher und (Hör)Spiele, die sich dem Thema Horror verschrieben haben, sind Lars Peter Lueg und seine Partner mit viel Herzblut dabei. LPL stellt ausschließlich Produkte her, hinter denen der Verlagsleiter auch zu 100 % steht.“
Der Komponist
Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.
Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu-Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)
Handlung
Nach der Schlacht ist vor der Schlacht … Im Januar 1977 finden die Aufräumarbeiten auf Schloss Bronitzi in der Nähe von Moskau statt. Hier hat die Schlacht der von Harry Keogh geführten Tatarenzombies gegen die Zentrale der Psitruppen der Partei stattgefunden, die von Dragosani, dem Nekromanten, unterstützt und von Boronitz geleitet worden waren. Borowitz ist tot und bei Dragosani sieht es auch nicht gut aus. Keogh ist definitiv hinüber. Oder?
Felix Krakowitsch hat jetzt das Kommando. Als Parteichef Leonid Breschnew anruft, nimmt er Habachtstellung ein. Breschnew gibt klare Anweisungen, was zu geschehen hat – mit den Zombies (verbrennen!) und mit Dragosani (sehr sorgfältig verbrennen!). Wie sich herausstellt, erweist sich die Entsorgung des Nekromanten als höchst kompliziert und gefährlich. In seinem Innern lebt etwas – ein Ding wie ein großer Wurm, ein Parasit … Auch damit macht Krakowitsch kurzen Prozess. Dass er aber mit Keoghs Vorgesetzten in England Kontakt aufnehmen soll, bereitet ihm weitaus mehr Kopfzerbrechen. Schließlich herrscht Kalter Krieg.
Ende August 1977, London, unweit Whitehall, in einem Hotel mit einem Geheimtrakt. Hier ist die Zenrale des englischen Psi-Geheimdienstes untergebracht, geleitet von Alec Kyle, einem Telepathen. Plötzlich wird es in Kyles Büro dunkel und kalt, eine neonblaue Aura formt sich: Es ist die von Harry Keogh, dem Nekroskopen! Kyle erstarrt: In der Mitte der Aura schwebt der Umriss eines Fötus – Keoghs Sohn, gerade mal einen Monat alt.
Keogh hat Neuigkeiten für Kyle. Es gibt noch weitere Wesen wie den Wamphyr Dragosani. Denn Tibor Ferenczy, der Dragosani zu einem Wamphyr gemacht hat, wurde selbst vor rund tausend Jahren zu einer solchen Kreatur der Nacht gemacht. Damals herrschte in Transsylvanien auf einer hohen Burg ein Mann namens Fetor Ferenzig, den die Zigeuner der Gegend Ferengi oder Ferenczy nannten. Dieses 200 Jahre alte Wesen pflanzte Tibor, einem zuvor rechtschaffenen Soldaten des Fürsten Vlad von Kiew, sein einziges Ei ein, um ihn zu seinem Nachfolger zu machen.
Nun, Tibor wurde bekanntlich (siehe Bände 1 und 2) in den kreuzförmigen Hügeln in einem Mausoleum begraben, das mittlerweile eingestürzt ist. Doch um 1960 herum geriet ein Ehepaar, die Bodescus, beim Skifahren in diese Falle. Der Mann starb, nachdem er sich das Bein gebrochen und Tibors Protoplasmatentakel ihm das Blut ausgesaugt hatte. Der jungen, vor Schreck ohnmächtigen Frau, Georgina, fügte Tibors Essenz irreparablen, aber unsichtbaren Schaden zu. Denn sie war schwanger …
Ihr Kind Julian treibe bereits sein Unwesen in Südengland und wenn man ihn nicht stoppe, könne er ganz England mit dem Wamphyri-Unwesen überziehen, warnt Keogh. Doch um ihn aufzuhalten, müsse Kyle unbedingt Erfahrungen mit dem Russen Krakowitsch austauschen. Das bereitet nun seinerseits Kyle Kopfschmerzen. Eine heikle Operation beginnt …
Mein Eindruck
Dies ist ein Band in der Nekroskopen-Saga, der vor allem dem Aufräumen dient. Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen muss der Leser bzw. Hörer natürlich Bescheid wissen, was in den Bänden 1 und 2 passiert ist. Sonst weiß er mit den Figuren und dem Anfang der Haupthandlung wenig anzufangen. Doch wenn sich der eifrige Leser bisher gefragt hat, wie es denn nun mit Harry Keogh und seinen Widersachern weitergehen soll, so findet er hier Aufklärung: Keogh lebt als eine Art Geist in seinem Kind weiter, reist dabei durch den „Möbius-Raum“ und bereitet seinen vormaligen Boss auf das Auftreten weiterer Vampire und Halbvampire wie Julian Bodescu vor. Dragosani hingegen hat offenbar für immer von der Bühne abzutreten.
Zwei Binnenhandlungen
So weit die ziemlich magere Rahmenhandlung. Viel interessanter sind hingegen die zwei Binnenhandlungen. Würde man eine Zeitlinie zwischen beiden eingebetteten Storys, die Keogh zum Besten gibt, ziehen, so würde sie sich über eintausend Jahre erstrecken: vom Ende des 10. Jahrhunderts über das Jahr 1960, als Tibor Ferencz dem Ehepaar Bodescu erheblich Schaden zufügt, bis zum Jahr 1977, als Julian Bodescus großer Auftritt vier Opfer fordert – in welcher Form auch immer.
1) Tibor der Abenteurer
Wenn Tibor, der ziemlich selbstbewusste Walache, am Dnjestr die Petschenegen bekriegt und dafür von seinem hinterhältigen Fürsten zum Vampir auf dem Berg geschickt wird, so wird aus dem historischen Abenteuerroman plötzlich eine Horror-Fantasy, die sich gewaschen hat. In den Vorgängebänden war des Öfteren von einem gewissen Fetor Ferenczy die Rede, doch nun steht diese halbmythische Figur plötzlich im Mittelpunkt.
Fetor ist ein Gestaltwandler, Telepath und womöglich sogar Telekinet – ein wahrer Übermensch also. Dass er schon 200 Jahre alt ist, überrascht uns nicht mehr, wissen wir doch bereits, wie lange Tibor in seinem Mausoleum überdauert hat: mehrere hundert Jahre. Die Frage, die (vorerst) unbeantwortet bleibt: Wenn die Wamphyri-Parasiten ihren Wirt mit solchen tollen Fähigkeiten ausstatten, woher stammen sie dann? Als Arbeitshypothese können wir annehmen, dass sie nicht von unserer Welt stammen.
2) Julian, der Charmeur
Julian Bodescu weist einige Merkmale eines Teufelssprösslings à la „Damien“ auf: Er ist verschlossen, neugierig, respektiert weder Regeln noch Tabus und muss zu Hause von seiner alleinstehenden Mutter aufgezogen und ausgebildet werden. Als Julian 17 ist, hat er bereits den gesamten Haushalt unter Kontrolle und in „Vlad“ einen schwarzen Schäferhund, der ihm aufs Wort gehorcht, genau wie seinerzeit die Wölfe dem unausgesprochenen Befehl Fetor Ferenczys. Dass er bereits jede Menge Experimente im Keller anstellt, versteht sich von selbst.
Die völlig ahnungslose Familie von Georginas spießiger Schwester Anne gerät in Julians Falle, was natürlich verhängnisvolle Folgen hat. Nur Annes Mann George hat eine instinktive Abneigung gegen den Jungen gefasst. Er starrt fassungslos durch sein Fernglas, als er Julian dabei ertappt, wie er es mit – je, mit wem nun eigentlich?- treibt: mit Georges 16-jähriger Tochter Helen, Julians Jugendfreundin, oder mit Anne selbst?!
Wie auch immer: Man kann sich leicht Georges heftig auflodernden Hass gegen den unheimlichen Jungen vorstellen, der über eine so große erotische Macht verfügt, dass er alle drei Frauen in seine psychische Gewalt gebracht hat. George geht auf Julian los, hat aber gegen ihn und den Hund Vlad keine Chance. Vielmehr sieht er sich alsbald jenem tentakelbewehrten Wesen gegenüber, das sich in Julians Badewanne um Anne und Helen kümmert …
Wie man sieht, kann Lumley in mehreren Tonarten spielen. Sei es die erotische Fantasy oder das historische Abenteuer, der psychologische Horror oder krasse Horrorfantasy – Lumley ist in allen Genres zu Hause. Übrigens entbehrt auch die Begegnung zwischen Fetor und Tibor nicht einer erotischen Komponente. Der Wamphyr-Parasit – Fetors einziges Ei – wird auf einem besonders dafür reservierten Weg übertragen: durch einen Kuss …
Der Sprecher
Doch diese Vielfalt im erzählerischen Tonfall fordert auch vom Sprecher entsprechende Fähigkeiten hinsichtlich der Flexibilität seiner Stimme und seines Vortrags. Wenn Leonid Breschnew anruft, so hören wir seine unheimlich tiefe Stimme. Und dass Felix Krakowitsch vor dem KP-Chef katzbuckelt, hören wir in seiner devoten Antwort.
Eher schwierig wird es für Lutz Riedel, wenn der selbstbewusste Tibor Ferencz auf den ebenso großmächtigen Vlad von Kiew trifft. Sie sind dementsprechend schwer zu unterscheiden. Deshalb ist es hilfreich, jeder der beiden Figuren deutlich ihre Sätze zuzuweisen. Der Erzähler bedient sich dazu einer neutralen, zurückhaltenden Ausdrucksweise.
Fetor Ferenczy zu erkennen, ist hingegen ein Kinderspiel. Der uralte Wamphyr bedient sich einer hohen, krächzenden Stimme, die gut zu einem solchen Nosferatu passt. Doch wenn Fetor lacht, beispielsweise über Tibors ungebrochene Impertinenz ihm gegenüber, so läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.
Die einzige Stimmlage, die höher ist als die für Fetor, ist jene, die Lutz Riedel für Georgina aufbringen kann. Als die arme, frischgebackene Witwe den ausgesaugten Leichnam ihres Gatten daliegen sieht, bricht sie verständlicherweise in ein hohes Wimmern aus. Es ist schon erstaunlich, zu welchen Tiefen und Höhen Riedels Stimme in der Lage ist. Dass er sich aber wie ein begeisterter Schauspieler für diese körperliche Leistung auch mental derartig ins Zeug legt, ist seinem besonderen Engagement für diese Geschichte zu verdanken.
Die Musik
Geräusche gibt es keine, aber dafür eine Menge Musik. Diese ist nicht in den Hintergrund verbannt, sondern dient (außer als Intro und Extro) der Abgrenzung der einzelnen Kapitel wie auch deren Unterabschnitte. Diese Abschnitte sind aufgrund der nichtlinearen Erzählstruktur oftmals mit Rückblenden durchsetzen. Man kann ja auch die beiden Binnenhandlungen als sehr umfangreiche Rückblenden auffassen.
In meinen Notizen habe ich überall das Auftreten von Pausenmusik eingetragen, und dabei stellt sich ein deutliches Muster heraus. Sobald eine Szene ihren Höhepunkt erreicht hat, wird sie oftmals abgebrochen, damit sie sich in der Vorstellung des Lesers bzw. Hörers fortspinnen lässt. Sofort setzt Musik ein, die diesen Vorgang auf emotionaler Ebene steuert und stützt. Auf einer geistigen Ebene tritt hier allerdings eine kleine Verschnaufpause ein …
Man sollte auch bedenken, dass wir es diesmal mit einer stark gekürzten Fassung zu tun haben. Statt der vorherigen sechs CDs sind es diesmal nur noch vier. Abgebrochene Szenen sind zwar mitunter sehr wirkungsvoll, aber wer weiß, was dabei alles verschwiegen wird.
Unterm Strich
Weder Harry Keogh noch Dragosani spielen mehr mit, jedenfalls nur noch als Randfiguren der Rahmenhandlung. Das ist eigentlich recht schade, denn dadurch wird das Buch bzw. Hörbuch zu einem Lückenbüßer. Immerhin: Handlungsfäden werden zu Ende geführt und die Entstehungsgeschichte des Wamphyrs Tibor Ferenczy nachgeliefert. Am interessantesten – und erotischsten – ist daher die kleine Binnenhandlung um die Entstehung des Halbwamphyrs Julian Bodescu.
Die Art und Weise, wie der Spießbürger George und Julians „normale“ Tante Anne auf diesen unheimlichen Sprößling Tibors stoßen, entbehrt nicht vieler ironischer Seitenhiebe auf die Wohlanständigkeit und Engstirnigkeit der englischen Mittelklasse. Erst als sich Julian an Anne und Helen sexuell vergeht, streift George den Lack der Zivilisation ab und wird zu einem reißenden Tier, von unverhohlenem Hass auf Julian erfüllt. Leider hat er gegen den Halbvampir keine Chance. Diese kleine Story könnte man als feines Stück Gesellschaftskritik auffassen.
Der Sprecher Lutz Riedel stellt wieder einmal seine Engagiertheit für die Horrorliteratur unter Beweis, ebenso wie die Flexibilität seines Sprechorgans und seiner Darstellungskraft. Dies trägt dem Hörbuch einen dicken Pluspunkt ein.
Hinweis:
„Necroscope 4 – Untot“ erscheint im August 2006. Den Programmhinweis spricht David Nathan. „Necroscope 5 – Totenwache“ soll im Oktober 2006 erscheinen.
1988; zuerst auf Deutsch bei Festa, 2001
Aus dem Englischen übersetzt von Hans Gerwien
310 Minuten auf 4 CDs
Der LPL-Records-Verlag wurde aufgelöst.
Eine abgelegene Felslandschaft mitten im Uralgebirge beherbergt eine russische Forschungsstation, die argwöhnisch von westlichen Agenten beobachtet wird. Hier hat sich nach einer gewaltigen unterirdischen Katastrophe ein geheimnisvolles Tor geöffnet. Und schon bald wird klar, wer hinter diesem Tor lauert: Vampire! Die Gefahr beginnt erneut …
Der Autor
Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er mit 44 Jahren seine Militärkarriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts |Cthulhu|-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga „Necroscope“ eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt.
Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über zwei Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon im südwestlichen England. (Verlagsinfo) Lumley, Brian – Necroscope 6 – Das Dämonentor (Lesung) weiterlesen →
Die Wege von Harry Keogh, dem Nekroskopen, und Boris Dragosani, dem Nekromanten, kreuzen sich in diesem zweiten Band der über ein Dutzend Romane umfassenden „Necroscope“-Serie, die hierzulande exklusiv bei |Festa| erscheint. Die Konfrontation der beiden ist unausweichlich. Doch beide kämpfen nicht alleine, sondern mit Unterstützung (un)heimlicher Verbündeter.
Band 1: Erwachen
Band 2: Vampirblut
Band 3: Kreaturen der Nacht
Band 4: Untot
Band 5: Totenwache
Band 6: Das Dämonentor
Band 7: Blutlust
Band 8: Höllenbrut
In Brian Lumleys „Blutlust“, dem siebten Teil der endlosen „Necroscope“-Reihe, geht es gar nicht so blutlustig zu, wie der Titel vermuten lässt. Stattdessen gibt es ein paar Schlägereien, unbekannte Dimensionen und Landschaften und allerlei neue Vampire zu bewundern.
Band 1: [Erwachen 779
Band 2: [Vampirblut 843
Band 3: [Kreaturen der Nacht 2371
Band 4: [Untot 2963
Band 5: [Totenwache 3000
Band 6: [Das Dämonentor 4368
Band 7: [Blutlust 4459
Band 8: [Höllenbrut 4610
Wie am Ende von [„Totenwache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3000, dem Vorgänger zum vorliegenden Band „Das Dämonentor“ abzusehen war, endet ein großer Handlungsbogen und beginnt ein neuer. Viele Charaktere, die zuvor handlungstragend waren, sind nun entweder tot oder auf die Ersatzbank verdammt. Selbst Harry Keogh, der Necroscope, spielt hier nur eine kleine Rolle, rüstet sich aber merklich dafür, bald wieder ins Geschehen einzugreifen.
Worum geht es also? Der neue Protagonist heißt Michael Simmons, jedoch wird er gemeinhin nur Jazz genannt. Er ist britischer Spion und undercover in der Sowjetunion unterwegs, um ein Geheimprojekt der Russen auszuspionieren. Dort, mitten im Ural befindet sich nämlich etwas, das wie eine Forschungsstation aussieht, doch hat Jazz keine Ahnung, was oder wer dort erforscht werden könnte. Er grübelt gerade darüber nach, wie er weitere Informationen beschaffen könnte, als er von den Russen gefangengenommen wird.
Anstatt ihn jedoch über den Jordan zu schicken, setzen sie ihn zunächst unter Drogen, um zu erkunden, was er weiß. Als das erstmal aus dem Weg geräumt ist, bleibt er zwar pro forma ein Gefangener, doch teilen die Russen äußerst zuvorkommend die Geheimnisse des Projekts mit ihm, an dem gearbeitet wird.
Jazz befindet sich nun also an der Quelle, mitten im Perchorsk-Institut und wird vom KGBler Tschingis Kuf herumgeführt. Eigentlich sollte in Perchorsk ein Raketenabwehrschirm entwickelt werden, doch der erste Versuch ging schief und es fand eine Art Kernschmelze statt, die den Felsen in Magma verwandelt und ihn teilweise mit den dort arbeitenden Menschen verbunden hat – kein schöner Anblick. Noch schlimmer ist allerdings, dass das schief gelaufene Experiment ein Dimensionstor geöffnet hat. Perchorsk hat nun also sein eigenes Stargate. Oder vielleicht eher seinen eigenen Höllenschlund, denn bisher ist fünfmal etwas aus einer fremden Welt durch dieses Tor geschlüpft. Natürlich wurde auch versucht, von russischer Seite her jemanden hindurchzuschicken, doch riss jedes Mal die Funkverbindung ab und so können die Wissenschaftler und Geheimdienstler nur spekulieren, was auf der anderen Seite ist.
Zumindest ist etwas hindurchgekommen, das aussieht wie das egelartige Ding, das Menschen zu Vampiren macht. Es ist in einer Art Terrarium eingesperrt und wird regelmäßig mit Schlachtabfällen gefüttert. Doch als sein Wärter eines Nachts unaufmerksam ist, kann es sich befreien. Das sind keine guten Aussichten …
An den neuen Protagonisten muss sich der Hörer erstmal gewöhnen, denn Jazz ist auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch. Im Gegenteil, er erscheint als hochnäsiger Angeber, dessen eingebildeten Gedankengängen man nicht unbedingt gern lauscht. Doch tritt das in den Hintergrund, sobald man mit Jazz zusammen das Perchorsk-Institut erforscht. Hier dominieren dann Neugierde und Forscherdrang. Und natürlich ist man auch regelmäßig abgestoßen von dem, was Jazz dort sieht. Brian Lumley war im Erfinden von Grusel- und Schockelementen ja noch nie besonders zimperlich. Und auch hier legt er es wieder darauf an, beim Zuhörer Ekel hervorzurufen.
Ein Tor in eine andere Welt ist natürlich eine dankbare Möglichkeit, die bisherige Story der Serie in eine neue Richtung weiterzuentwickeln. Nun mutet es zwar etwas seltsam an, dass das Tor verdächtig an eine leuchtende Diskokugel erinnert. Aber das sind Details. Wichtig ist hingegen, dass allerlei Getier durch das Tor purzelt – man kann also wilde Vermutungen darüber anstellen, wo man auf der anderen Seite wieder rauskommt. Oder man kann es einfach ausprobieren! Außerdem bleibt natürlich auch herauszufinden, ob dies das einzige existente Tor ist. Schließlich gibt es Vampire ja nun schon seit Jahrhunderten. Irgendwoher müssen die Parasiten ja gekommen sein! Da liegt es nahe zu vermuten, dass es auch noch andere Tore gibt oder zumindest gegeben hat. Vielleicht irgendwo in Osteuropa? Da scheint es ja schließlich besonders viele von den Blutsaugern zu geben.
Lutz Riedel liefert – wie zu erwarten – eine fantastische Leistung ab. Gerade für die Horrorelemente ist seine dunkle, fast raue Stimme ideal besetzt, um dem Hörer einen wohligen Schauer des Grauens über den Rücken zu jagen. Und da der neue Handlungsbogen Aufmerksamkeit beim Hörer geradezu einfordert, braucht sich Riedel auch fast nicht anzustrengen, um den Hörer bei der Stange zu halten. Eigentlich also ein echter Selbstläufer, der so viele neue Möglichkeiten eröffnet, in die die Handlung in Zukunft laufen könnte, dass man sich praktisch sofort auf den nächsten Band stürzen möchte – natürlich in der Hoffnung, dass das Dämonentor ordentlich erforscht wird! Und da der Vampirparasit ja auch entwischt ist, bleibt abzuwarten, ob dieser die verbliebenen Mitarbeiter des Instituts im Geniestreich allein um die Ecke bringt. Nichts ist in diesem Universum schließlich unmöglich!
|302 Minuten auf 4 CDs
Aus dem Englischen übersetzt von Michael Plogmann|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.festa-verlag.de
http://www.brianlumley.com
http://www.andymatern.de
Band 1: [„Erwachen“ 779
Band 2: [„Vampirblut“ 843
Band 3: [„Kreaturen der Nacht“ 2371
Band 4: [„Untot“ 2963
Band 5: [„Totenwache“ 3000
Band 6: [„Das Dämonentor“ 4368
Band 7: [„Blutlust“ 4459
Band 8: [„Höllenbrut“ 4610
Nachdem in den vergangenen zwei Bänden von Brian Lumleys „Necroscope“-Reihe hauptsächlich Historisches referiert wurde und der Leser (bzw. Hörer) ganz viel über die Vampire Thibor und Fetor erfahren durfte, zieht die Handlung in Band 5, „Totenwache“, deutlich an. Lumley nimmt die Zügel auf, schnalzt mit der Zunge und bringt in diesem durchaus dicht konstruierten Teil einige Handlungsstränge zu Ende, die über die vergangenen Bände mitgeschleift wurden. Das hat Vor- und Nachteile …
Doch zunächst zur Handlung: Nachdem es in der Vergangenheit so aussah, als könnte die Zusammenarbeit zwischen englischem und russischem Geheimdienst tatsächlich von Erfolg gekrönt sein, reißt Lumley nun das Ruder merklich herum. Denn während der Chef der Russen zusammen mit den Engländern in Rumänien versucht, Thibors Grab (und alles, was sich noch darinnen befinden könnte) endgültig auszuräuchern, plant seine Vertretung im heimischen Bronitzi heimlich den Aufstand: Ivan Girenko hält nämlich gar nichts von dieser neu erwachten Völkerfreundschaft und hält Krakowitsch für einen Verräter. Drum hintergeht er dessen Pläne, entführt Alec Kyle und lässt diesem durch eine Mischung aus Drogen und Telepathie all seine Geheimnisse entlocken.
Währenddessen versuchen die Agenten an der englischen Heimatfront endlich Yulian Bodescus habhaft zu werden. Zu diesem Zweck starten sie einen großangelegten Angriff auf dessen Elternhaus. Doch Yulian wäre wohl kein ordentlicher Vampir, wenn er nicht irgendwie entkommen könnte. Bis die Engländer seine Spur wieder aufnehmen können, ist es allerdings schon fast zu spät: Denn Yulian hat es auf den Sohn von Harry Keogh abgesehen und überfällt die Wohnung von dessen Mutter. Die dort platzierten Agenten werden praktisch überrannt und die Lage scheint aussichtslos. Doch Klein Harry hat auch ein paar Talente. Und obwohl er noch ein Baby ist, gelingt es ihm, sich selbst und seine Mutter zu retten. Den Rest darf dann der Papa übernehmen, der mit den eilig herbeigerufenen Toten Klarschiff macht.
„Klarschiff machen“ könnte fast der Untertitel dieses Hörbuchs sein, denn viele Handlungsstränge, die Lumley in den vergangenen Teilen aufgebaut hat, werden nun zu einem Höhepunkt – und dann eben einem Ende geführt. Sicherlich lässt er sich auch das ein oder andere Schlupfloch, denn schließlich ist hier ja noch lange nicht das Finale von „Necroscope“ erreicht. Und dennoch hat man das Gefühl, nun eine erste Etappe abgeschlossen zu haben. Was jedoch etwas irritiert, ist die Tatsache, dass Lumley das Wort „Ende“ wohl immer wörtlich nimmt. Der Abschluss eines Handlungsstrangs bedeutet bei ihm in der Regel, den Großteil des Personals umzubringen. Das geschieht zwar immer mit einem großen Knall, viel Action und literweise Blut. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier teilweise das Potenzial von Charakteren verschenkt wird. Denn diese werden durchaus lange vorbereitet und eingeführt, um dann nie wirklich mehr zu werden als ein kurzes Zwischenspiel für eine Actionszene. Da darf die Frage schon gestattet sein, warum Charaktere so detailverliebt eingeführt werden, wenn sie dann nie eine tragende Rolle spielen dürfen. Das grenzt an Verschwendung und ist außerdem ein sehr abruptes Ende für die bisher aufgebaute Spannung.
Ebenfalls zu bemängeln ist Lumleys dilletantischer Umgang mit weiblichen Charakteren. Für ihn (und für seine Figuren) scheinen Frauen nur für zwei Dinge gut zu sein: entweder, um sie zu vergewaltigen oder um sie vor der Schlechtigkeit der Welt zu bewahren. Letzteres impliziert, das sie eben nicht selbst mit der bösen Realität umgehen können und möglichst im Unklaren gelassen werden müssen, was tatsächlich vor sich geht. Schlimmer noch: Lumleys Frauen haben in der Regel auch gar kein Interesse, irgendwie gestaltend in die Handlung einzugreifen. Das ist besonders bei Brenda, Klein Harrys Mutter, ärgerlich. Nun muss es nicht immer gleich Sarah Connor sein – die Übermutter, die ihren kriegswichtigen Sohn vor kampfeslustigen Terminatoren beschützt. Aber ein bisschen Einsatz wäre schon von Vorteil. Was könnte man aus Brenda nichts alles machen?! Aus der naiven, jung verheirateten Frau, die plötzlich Witwe wird und mit einem kleinen Sohn allein da sitzt. Die feststellt, dass dieser Sohn seltsame Fähigkeiten hat. Die schließlich selbst beim Geheimdienst aktiv wird. Stattdessen erfährt man nichts, aber auch gar nichts über Brenda. Sie ist eine langweiliger, nichtssagender Charakter, damit auch ja nicht die Gefahr besteht, der Fokus könne für einen Moment auf jemand anderen als die heldenhaften russischen und englischen Geheimagenten fallen. (Wobei diese nicht immer wirklich heldenhaft sind, sondern sich meist mit abstrusen Plänen selbst in Gefahr bringen, doch das nur nebenbei.) Wohl gemerkt: „Necroscope“ darf ruhig Männerliteratur bleiben – mit viel Blut und Gemetzel. Doch eine etwas realistischere Charaktergestaltung ist auch kein zu hoch gegriffener Wunsch.
Bleibt zu sagen, dass Lutz Riedel wieder eine reife Leistung abliefert. Seine Stimme ist tief und markant – wie gemacht für einen Stoff wie „Necroscope“, der hart und gnadenlos rüberkommen muss. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass es diesmal schlicht mehr Handlung gibt, natürlich ein Pluspunkt. Besonders die beiden großen Actionszenen – einmal der Angriff auf Yulians Haus und dann Yulians Eindringen in Brendas Wohnung – bieten Spannungsliteratur pur. Dass Lumley außerdem so viele losen Enden zu einem abschließenden Ende bringt, stimmt natürlich auch den Leser versöhnlich. So kann man neugierig in den nächsten Band einsteigen und gespannt sein, in welche Richtung Lumley das Ruder nun drehen wird. Im Moment jedenfalls ist alles offen.
In Band 3 von Brian Lumleys Endlossaga „Necroscope“ breitete der Autor die Lebensgeschichte von Thibor Ferenczy vor dem geneigten Leser aus und erläuterte ausführlich, wie dieser vor tausend Jahren zum Vampir wurde. Wer jetzt allerdings glaubt, dass damit in Band 4 nun die Geschichte um Harry und das E-Dezernat weitergehen kann, der irrt. Denn Lumley hält noch mehr Backstory für den Leser bereit.
Zwar ist Thibor mittlerweile ein Vampir, doch war er noch nie der Typ, der sich leicht unterordnen kann. Und so begehrt er sofort gegen seinen „Meister“ Fetor auf, der ihn daraufhin in den Kerker wirft und durch ein wenig Hungerfolter zur Vernunft bringen will. Doch so leicht ist Thibor natürlich nicht einzuschüchtern. Er harrt aus und wartet auf seine Chance, bis es ihm gelingt auszubrechen und Fetor zu überwältigen. Doch ist er Fetor tatsächlich für immer los? Und was ist eigentlich Fetors Geschichte?
Wie gut, dass Harry mit den Toten kommunizieren kann, denn so ist es ihm ein Leichtes, Fetor zu finden und auch seine Version der Geschichte zu hören. Und nachdem Brian Lumley dann en detail alles über walachische Untote erzählt hat, was der Leser jemals wissen wollte (oder eben auch nicht), darf es auch wieder zurück ins Jahr 1977 gehen.
Denn das englische E-Dezernat fürchtet immer noch eine vampirische Bedrohung. Und so wird ein geheimes Treffen mit dem russischen Pendant arrangiert, um herauszufinden, was die jeweiligen Abteilungen wissen und ob der Gefahr nicht irgendwie beizukommen ist. Man bedenke: Wir befinden uns mitten im Kalten Krieg, da ist es schon beachtlich, dass Ost und West so zusammenarbeiten. Doch scheinbar gehen beide Seiten von der Maxime „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ aus und erkennen in den Vampiren das größere Übel. Trotzdem ist dieses Treffen natürlich mehr als geheim. Es wird beschlossen, gemeinsam nach Rumänien zu fahren, um an der Quelle zu forschen.
Laut Harry geht die Gefahr aber nicht nur von Thibor und Fetor aus. Denn auch Yulian, mit Thibors Blut infiziert, fällt im heimischen Devon immer mehr dem Wahnsinn anheim. Im elterlichen Keller stellt er blutige Experimente an und übernimmt bald eine Gewaltherrschaft über den Haushalt. Zwar wird er vom Geheimdienst überwacht, doch sobald er dies bemerkt, hetzt er dem armen Agenten seinen Bluthund Vlad auf den Hals. Und so wird bald klar: Yulian ist abgrundtief böse. Allerdings hat diese Bosheit bisher kein wirkliches Ventil, kein Ziel. Er verletzt und tötet aus einer Art kindlichen Neugier, doch vermutlich braucht es noch die Kontaktaufnahme durch Thibor, um Yulians Niederträchtigkeit eine Richtung zu geben. Doch wehe, wenn er losgelassen …
_Wieder passiert nicht viel_ in diesem Teil der Serie. Es gibt die drei beschriebenen Handlungsstränge: Das Treffen der russischen und englischen Geheimdienste, Yulians beginnender Blutdurst und Thibors bzw. Fetors Geschichte. Letztere bilden den Hauptteil von „Untot“ und auch wenn der Showdown zwischen Thibor und Fetor auf dessen Burg durchaus spannend daherkommt, so möchte man doch Lumley irgendwann zurufen, mit diesen historischen Einschüben endlich fertig zu werden. Zwar ist es durchaus interessant, mehr über Thibor zu erfahren, doch treten nach insgesamt 8 CDs mit Thibor’schem Größenwahn beim Hörer dann doch Ermüdungserscheinungen auf. Irgendwann wirkt dieser Handlungsstrang schier endlos und man wünscht das Ende herbei.. Dass Lumley trotzdem nicht davon lassen mag, immer und immer wieder auf Fetors Burg zurückzukehren, nimmt das Tempo aus der Erzählung und den Fokus weg von der eigentlichen Handlung, die im Jahr 1977 spielt. Diese Zeitebene tritt zunehmend in den Hintergrund, was schade ist, da mit Yulian ein viel versprechender Bösewicht in den Startlöchern sitzt, der aber einfach nicht zum Zug kommen darf. Ein echtes Manko.
In dieser Unausgewogenheit und dem Fehlen eines zentralen Konflikts äußert sich dann auch die Tatsache, dass „Untot“ zusammen mit „Kreaturen der Nacht“ und „Totenwache“ eigentlich einen Band bildet (nämlich „Wamphyri!“). Die Geschichte künstlich auseinanderzureißen, hat dem Roman (bzw. den Romanen) nicht gut getan.
Auch für Harry Keogh wird sich Lumley wohl demnächst etwas einfallen lassen. Eine Figur, die jeden Toten befragen kann – und dadurch praktisch alles weiß – ist natürlich für einen Autor verlockend, doch birgt sie auch die Gefahr, jedes Problem des Plots einfach lösen zu können. Und das ist irgendwann für den Leser nicht mehr zufriedenstellend, weil zu einfach. Doch vielleicht wird Harry gar nicht mehr lange in seiner momentanen Form erhalten bleiben. Er ist an seinen Sohn gebunden, doch in dem Maße, wie dessen kognitive Fähigkeiten wachsen, verdrängt er Harry. Überhaupt der Sohn: Welche Fähigkeiten wird er wohl von seinem Vater geerbt haben? Wird auch er ein Necroscope sein? Oder werden Vater und Sohn miteinander verschmelzen? Fragen und über Fragen und damit genug Stoff für weitere Bände.
Lutz Riedels Interpretation des Stoffes ist ein absoluter Ohrenschmaus. Zwar überzeugt sein russischer Akzent nicht ganz, doch das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, der dem Hörbuch anzulasten ist. Riedels tiefe, fast kratzige Stimme verleiht der Handlung die Ecken und Kanten, die sie braucht. Er ruft mit Leichtigkeit Grauen beim Leser hervor. Kurzum: Seine Stimme eignet sich hervorragend fürs Horrorgenre. Bitte mehr davon!
_Abschließend lässt sich sagen_, dass Thibor und Fetor nun hoffentlich endlich abgehakt sind. Wir haben genug Geschichte über uns ergehen lassen. Jetzt wird es Zeit, dass es im nächsten Band mal wieder etwas Action gibt!
|306 Minuten auf 4 CDs
Aus dem Englischen übersetzt von Hans Gerwien
ISBN-13: 978-3785732052|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.festa-verlag.de
http://www.andymatern.de/
_Brian Lumley auf |Buchwurm.info|:_
|Necroscope|
Band 1: [Erwachen 779
Band 2: [Vampirblut 843
Band 3: [Kreaturen der Nacht 2371
Band 4: [Untot 2963
Band 5: [Totenwache 3000
Band 6: [Das Dämonentor 4368
Band 7: [Blutlust 4459
Band 8: [Höllenbrut 4610
Buch 1: [„Das Erwachen“ 779
Buch 2: [„Vampirblut“ 843
Die große Schlacht ist geschlagen und Schloss Bronitzi liegt in Trümmern. Und eigentlich hat der Angriff der Tatarenzombies, mit dem der Vorgängerband [„Vampirblut“ 843 endete, auch alle bisher wichtigen Charaktere von Brian Lumleys „Necroscope“-Reihe dahin gerafft. Doch man kennt das ja aus Literatur und Film … manchmal kommen sie eben wieder.
_Und so startet_ das dritte Hörbuch der Reihe, „Kreaturen der Nacht“, vergleichsweise gemächlich. Auf Schloss Bronitzi wird aufgeräumt. Da gerade zufällig zur Stelle, wird Felix Krakowitsch von Breschnew persönlich zum neuen Leiter des E-Dezernats ernannt. Seine Aufgabe ist es zunächst, die Zombies aus dem Weg zu schaffen und Dragosanis Leiche sorgfältig zu verbrennen. Allerdings ist Breschnews nächster Auftrag reichlich seltsam: Krakowitsch soll mit dem englischen Gegenstück zum E-Dezernat Kontakt aufnehmen. Und das mitten im Kalten Krieg!
Währenddessen ist Harry Keogh, der Necroscope, zwar tatsächlich immer noch tot, aber da er schon vor seinem Ableben das Reisen im Möbius-Kontinuum gemeistert hatte, ist er eben doch immer noch irgendwie gegenwärtig. Momentan lebt er im heranwachsenden Körper seines eigenen Sohnes weiter und in dieser geisterhaften Erscheinung stattet er auch Alec Kyle, dem Chef der englischen Psi-Abteilung, einen Besuch ab. Harry hatte nämlich viel Zeit und Gelegenheit, mit den Toten zu sprechen und so hat er Kyle einiges über die Vampire im allgemeinen und Tibor Ferenczy im besonderen zu berichten.
Und so springt die Handlung um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit, um zu verfolgen, wie der aus einer Bauernfamilie stammende Tibor sich zum Soldaten hoch arbeitet. Schließlich schickt ihn sein Dienstherr auf die Burg des Fetor Ferenczy. Doch auf dieser Burg gehen seltsame Dinge vor sich. Und Tibor, der zunächst noch meint, die Oberhand zu haben, muss schnell feststellen, dass er gegen Fetor nicht ankommen kann. Dieser ist nämlich ein Vampir und hat beschlossen, Tibor sein einziges Ei einzupflanzen.
_Dass Tibor letztendlich_ gefangen in einem Grab in der Walachei enden wird, weiß der Leser aus den vorhergehenden Bänden. Was neu ist, ist das Wissen, dass er nicht nur Dragosani seinen Stempel aufgedrückt hat. Denn 1977 verunglückte ein Ehepaar nicht weit von seinem Grab. Der Mann verblutete, doch die Frau wurde nur ohnmächtig. Tibor tut sich an ihr gütlich – und an ihrem ungeborenen Kind. Dieses Kind, die Mutter wird ihn Julian nennen, entpuppt sich als ein wahrer Damien. Er ist sonderbar, wird von der Schule geworfen, ist einsiedlerisch und versucht sich offensichtlich an seltsamen Experimenten im elterlichen Keller. Mit Julian wird also noch zu rechnen sein!
An die neue Gangart in „Kreaturen der Nacht“ muss man sich erst einmal gewöhnen. Dragosani ist hinüber (endgültig?), Harry agiert nur als Wissensvermittler, Kyle wieder nur als Zuhörer. Lumley hat einen großen Teil seines Personals in der Schlacht um Schloss Bronitzi ins Gras beißen lassen und so konzentriert er sich nun entweder auf neue Charaktere oder auf Hintergrundinformationen zu bekannten Figuren wie Tibor. Das gibt dem Hörbuch eine andere Richtung und man muss sich zunächst einmal damit abfinden, dass die Handlung um die E-Dezernate kaum voran getrieben wird, bevor man sich auf die historischen Ereignisse um Tibor einlassen kann. Wobei diese nun nicht besonders spannend sind. Sicher, in einer Endlosserie wie „Necroscope“ darf es dem Autor auch gestattet sein, die Vergangenheit der Charaktere zu beleuchten. Doch die Vampirwerdung Tibors schreitet recht langsam voran. Bevor er überhaupt auf Fetor trifft, hat man als Hörer den Eindruck, der Großteil des Hörbuchs wäre damit vorüber gegangen, wie Tibor den Berg zu dessen Burg hinauf läuft. Eine recht unnötige Verzögerungstaktik, die die Spannung so lange hinauszögert, bis sie vollkommen verloren gegangen ist.
Interessanter ist da schon Julian, dessen Platz im großen Ganzen bisher noch nicht erkennbar ist, der aber offensichtlich selbst schon einige Ambitionen hat. Lumley liefert nur die Draufsicht, zeigt nur, wie andere Charaktere Julian wahrnehmen, und das ist eine ungemein effektive Technik, um beim Hörer ein unbestimmtes Grauen zu erzeugen. Julian wird hoffentlich in zukünftigen Bänden noch eine tragende Rolle spielen!
_Abschließend lässt sich_ sagen, dass „Kreaturen der Nacht“ vom Hörer eine Neuorientierung verlangt. Plötzlich sind nicht mehr die Spionage-Abteilungen der Mittelpunkt der Handlung (zumindest für den Moment), sondern es geht ausschließlich um Hintergrundinformationen zu verschiedenen Charakteren – hauptsächlich Tibor und Julian. Das verlangt vom Hörer eine Umstellung in seiner Erwartungshaltung. Daran muss man sich also erst gewöhnen. Auch daran, dass dem Hörbuch dadurch ein zentraler Konflikt fehlt. Und so scheint „Kreaturen der Nacht“ entweder ein Lückenfüller oder eine Brücke zwischen den einzelnen Bänden zu sein. Das Hörbuch ist teilweise langatmig, doch gibt Lumley mit seiner weit ausholenden Erzählung auch eine erste Ahnung davon, welch umfassendes Universum er mit seiner Romanreihe schaffen möchte.
1989 im russischen Uralgebirge. Der britische Spion wurde durch ein Dimensionstor in eine andere Welt gestoßen. Während in seiner Welt die Vampire versuchen, erneut auf der Erde Fuß zu fassen, erforschen Simmons, seine telepathische Gefährtin Zak und sein Verfolger Karl die fremde Welt, aus der die Vampire stammen. Steile Felstürme mit mächtigen Festungsanlagen, eine Sonnen- und eine Sternseite, Krieger auf Drachenschwingen greifen an. Aus den Schatten versuchen die Fangarme der Wamphyri nach den Eindringlingen zu haschen. Ist ein Überleben unter diesen Bedingungen möglich?
Der Autor
Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er mit 44 Jahren seine Militärkarriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts |Cthulhu|-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga „Necroscope“ eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt.
Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über zwei Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon im südwestlichen England. (Verlagsinfo) Lumley, Brian / Festa, Frank / Lueg, Lars Peter / Matern, Andy – Necroscope 7 – Blutlust (Lesung) weiterlesen →
Brian Lumleys „Necroscope“ ist eine Mammut-Romanreihe, deren Umfang kaum noch zu überblicken ist. In Deutschland hat sich der |Festa|-Verlag der Bücher angenommen und ist immerhin schon beim 15. Band angelangt. Allen, denen ob solcher Massen bedruckten Papiers schwach in den Knien wird, kann geholfen werden. |LPL records| nämlich veröffentlicht nach und nach die einzelnden Romane als Hörbücher. Und bei den Spezialisten für gepflegten Hörror ist Lumleys Necroscope-Saga wirklich gut aufgehoben.
LPL hat das erste Hörbuch der Reihe, „Das Erwachen“, mit dem Eyecatcher „Die ultimative Vampirsaga“ versehen. Doch zunächst muss man sich eine Weile gedulden, bis ein Blutsauger in der Geschichte auftaucht. Lumley beginnt nämlich erst einmal mit der Prämisse der PSI-Geheimdienste. Sowohl die USA als auch die Sowjetunion haben in ihren Geheimdiensten Unterabteilungen, die versuchen sollen, mit Hilfe von außergewöhnlich begabten Menschen (Hellsehern beispielsweise) Spionage zu betreiben und sich somit einen Vorteil gegenüber der anderen Großmacht zu verschaffen. Diese Vorstellung ist nicht so abwegig, wie sie vielleicht klingen mag, da die Großmächte tatsächlich PSI-Forschung auf militärischem Sektor betrieben haben. Allerdings waren die Ergebnisse dort weniger spektakulär als bei Lumleys Protagonisten.
Da wäre auf der einen Seite Harry Keogh, den wir anfangs durch seine Jugend begleiten und später als Teenager wiedertreffen. Harry ist an seiner Schule in einer englischen Kleinstadt ziemlich unbeliebt. Er ist schlecht in sämtlichen Fächern und seine Klassenkameraden machen sich über ihn lustig. Doch dann verändert sich Harry schlagartig. Er entwickelt ein unglaubliches mathematisches Talent, löst Aufgaben intuitiv und stellt gar eigene Formeln auf. Und auch nach der Schule verhält sich Harry anders. Wo er sich früher von Mitschülern herumschubsen lassen musste, wehrt er sich nun mit gut platzierten Kinnhaken. Was das mit dem verstorbenen Sportlehrer und dem ebenfalls toten Vater des Mathelehrers zu tun hat, wird erst einmal nur angedeutet. Doch als wir Harry wiedertreffen und er zwar erst 18, aber trotzdem ein erfolgreicher Autor von Kurzgeschichten ist, lüftet sich das Gehemnis vollends. Harry ist es möglich, mit den Toten zu kommunizieren. Deren Körper verwesen zwar, doch ihr Geist existiert irgendwie weiter. Und da sie sich langweilen, führen sie fort, was sie auch zu Lebzeiten getan haben: Musik komponieren, Bücher schreiben, philosophieren ect. Und nur Harry kann mit ihnen reden: Er selbst nennt sich der „Necroscope“.
Parallell dazu wird die Geschichte von Boris Dragosani, einem Mitarbeiter des sowjetischen PSI-Geheimdienstes, erzählt. Er wiederum ist ein Nekromant. Zwar kann er offensichtlich weder Leichen animieren, noch ihnen seinen Willen aufzwingen. Dafür kann er einer Leiche mittels eines Rituals deren Wissen entziehen. Dieses Talent verdankt er einem außergwöhnlichen Mentor, über den er in seiner Kindheit förmlich gestolpert ist. Seine Heimat ist nämlich Rumänien, genauer gesagt die Walachei. Der informierte Leser horcht hier natürlich schon auf. Doch nein, Dracula wird nicht schon wieder bemüht, vielmehr ein Zeitgenosse Draculas, der für diesen dessen Siege auf dem Schlachtfeld errungen hat. Scheinbar überwarf er sich jedoch mit seinen Vorgesetzten und so wurde er in einem Grab mitten im Wald beigesetzt, das er nicht verlassen kann. Denn natürlich ist er untot und darauf erpicht, seinem Gefängnis unter der Erde zu entfliehen. Vor 400 Jahren, so meint er, habe es noch ausgereicht, über die Walachei zu herrschen. Aber heute, wo die Welt viel kleiner geworden ist, müsse es schon der ganze Erdball sein! Und genau dazu braucht er Dragosani. Er weiht ihn häppchenweise in das Geheimnis seiner Existenz ein, hält aber immer genügend Informationen zurück, um Dragosani und den Zuhörer bei der Stange zu halten und hofft dabei merklich auf den Moment, in dem er Dragosanis Hilfe nicht mehr nötig haben wird.
Lumley hat „Das Erwachen“ offensichtlich als Exposition geplant. Es bleibt offen, wie die Geschichten von Dragosani und Harry zusammenhängen und was es mit den Geheimdiensten auf sich hat. Zwischen den Handlungsebenen gibt es bis jetzt keine Berührungspunkte. Trotzdem, oder gerade deshalb, macht das Hörbuch Lust auf mehr. Lumley schreibt zügig voran und scheut sich auch nicht vor deftigen Szenen. Ob Dragosani da nun in den Eingeweiden eines Toten herumwühlt oder seine Unschuld mit einem rumänischen Mädchen verliert – Lumley schaut fasziniert hin und schildert dem Leser bzw. Hörer aufs Genaueste, was er sieht. Gerade auf dem Gebiet der Vampirliteratur, das im Moment romantisch relativ verseucht ist, ist sein Stil sehr erfrischend. Denn er bringt den Vampir dahin zurück, wo er seit Anne Rice nicht mehr war. Er ist weder blass und gutaussehend noch langhaarig und grünäugig. Von Dragosanis Vampir sieht man ohnehin bisher nichts als einen widerlichen Fangarm, der kurz aus der Erde ragt. Doch dieses Wesen ist keineswegs ein Melancholiker und verkappter Romantiker. Er ist ein brutaler, egoistischer Feldherr aus dem Mittelalter, der sich aller nötigen Mittel bedient, um seine Ziele zu erreichen. Er ist skrupellos und das ist von Anfang an zu merken.
Dass dies auch in der Hörbuchfassung so überzeugend klingt, liegt zu großen Teilen am Sprecher Joachim Kerzel, der unter anderem Jack Nicholson, Dustin Hoffmann, Jean Reno oder Sir Anthony Hopkins die Stimme leiht. Er liest sehr konzentriert und durchdacht und kann mit seiner prägnanten und maskulinen Stimme besonders punkten, wenn es um die Darstellung des in der Erde gefangenen Vampirs geht. Diese Szenen klingen fast wie ihm auf den Leib geschneidert und man hat an der sadistischen Ader des Vampirs seine helle Freude.
LPL hat „Das Erwachen“ auf sieben CDs als ungekürztes Hörbuch von 465 Minuten Spielzeit herausgegeben. So muss man nicht das Gefühl haben, gegenüber der Lektüre etwas zu verpassen. Ohnehin ist die Handlung relativ straff durchkomponiert und es kommt weder zu Hängern noch Längen. Wer also auf toughen und spannenden Horror steht, der ist bei „Necroscope“ genau an der richtigen Adresse.
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