Im Fadenkreuz des weltweiten Terrors. Völlig unvorbereitet wird Geheimagent Mitch Rapp vom amerikanischen Präsidenten ins mediale Rampenlicht gezerrt. Nach jahrelanger Arbeit im Schatten kennt plötzlich jeder Terrorist auf der Erde sein Gesicht und seinen Namen. Rapp zieht sich hinter die Kulissen zurück. Doch es dauert nicht lang, bis ein Team der Navy SEALs auf den Philippinen in einen tödlichen Hinterhalt gerät und er zur Rückkehr an die Krisenherde der Welt gezwungen ist. Ein Verräter in der eigenen Regierung führt die Welt an den Rand der Vernichtung. Mitch Rapp im Kampf gegen einen übermächtigen Feind. Erstmals in ungekürzter Übersetzung. (Festa-Verlagsinfo)
Bei Filmen und Romanen kommt es nicht selten vor, dass der Zuschauer oder Leser sich denkt: Nette Story, aber realistisch ge- und beschrieben ist das nicht wirklich, denn das kann so gar nicht passieren. Doch manchmal, Jahre später, erweisen sich einige Autoren geradezu als prophetisch. Nehmen wir mal den Terrorismus als Beispiel: Tom Clancy, seines Zeichens Autor von Action- und Politthrillern, ließ ein Passagierflugzeug auf das Pentagon abstürzen – am 11. September 2001 wurde dieses Szenario brutale Wirklichkeit und veränderte auf immer die Welt.
Es gibt seit diesem tragischen Tag eine zunehmende Menge von Romanen, die das Thema Terrorismus förmlich ausschlachten. Die meisten davon legen eine einseitige „Gut gegen Böse“-Sichtweise an den Tag und urteilen vorschnell, ohne wirklich geschichtliche Hintergründe zu kennen oder einzubeziehen, und aufgegriffene Halbwahrheiten machen dieses Ärgernis nur noch schlimmer.
Was fast allem amerikanischen Autoren gegeben ist, das ist ein strikter und unerschütterlicher Glaube an die eigene Nation und ihren Krieg gegen den Terrorismus, egal mit welchem Mitteln dieser geführt wird. Die arabischen Staaten werden hier gern beharrlich als die absolut „Bösen“ klassifiziert. Vince Flynn – Der Angriff (Mitch Rapp Thriller 03) weiterlesen →
Gerald und Jessie Burlingame haben sich in ihr einsames Sommerhaus zurückgezogen. Gerald möchte dem eintönigen Eheleben etwas Schwung verleihen und fesselt seine Frau ans Bett. Jessie hält gar nichts von den neuen Sexspielchen ihres Mannes und versetzt ihm einen Tritt – mit für ihn tödlichen Folgen. Mit Handschellen ans Bett gefesselt, beginnt für Jessie ein quälender Albtraum: Nachts bekommt sie unheimlichen Besuch …
(Verlagsinfo)
Dieses Buch gilt als das Hauptwerk des Erzählers Ray Bradbury, neben dem Band „Der illustrierte Mann“ ein Klassiker der Science-Fiction und vor allem des Mars-Subgenres. Die romanhaft zusammengefügten 26 Erzählungen berichten von der Begegnung zweier Rassen auf diesem Planeten, die einander völlig fremd – und im Grunde doch so ähnlich – sind.
Bei der Kolonisierung des Mars durch irdische Siedler bringen diese ihre alten Erinnerungen an die Erde mit. In der Episode „Die dritte Expedition“ finden die Kolonisten ein vollkommen aussehendes Städtchen aus dem US-Mittelwesten vor, mitten in der Marswüste. Das ganze Buch hindurch kehrt dieses Thema wieder: Erscheinung und Realität verschwimmen miteinander und trügen. Die Wirkung ist die eines Traumes. Umgekehrt erlangen Wünsche und Phantasien „reale“ Gestalt.
Aus dem feindlichen, unberührten Mars mit seinen seltsamen Bewohnern, die ihre Gestalt verändern können, wird bald eine übervölkerte, jeglicher Romantik beraubte Welt sichtbar, in der kurzbehoste, ignorante Menschen den stillen Zauber des Planeten verdrängen.
Die Marsbewohner sterben aus, und die Menschen verlassen den Mars, auf dem nun wieder Ruhe einkehrt – eine ewige Ruhe, die sich über die verlassenen Geisterstädte der Menschen und die ausgestorbenen Siedlungen der Marsianer senkt.
In der letzten Episode, „The Million-Year Picnic“ (zuerst 1946), suchen die menschlichen Kinder die Marsianer in einem der Kanäle. Doch dieser ist mit Wasser gefüllt, und die einzigen Marsianer, die sie erblicken, sind ihre eigenen Spiegelbilder – eine Wiederkehr des Motivs von traumgleicher Schein-Realität.
Die Geschichten vereinigen sich zur melancholischen, fein gesponnenen, nostalgischen Chronik, zu einem unvergleichlich dichten Stimmungsbild. Bradbury erzählt vom Scheitern der ersten Expedition, von der Landnahme, der stürmischen Entwicklung der Kolonie und vom Wiederverlassen des roten Planeten; vor allem aber vom Unverständnis gegenüber einer fremden Kultur. Daher stellen die Episoden vor allem eine Chronik des Menschen mit seinen Stärken und Schwächen dar, verfremdet aufgeführt auf der Bühne einer anderen Welt.
Ungeachtet des für die Science-Fiction typischen Szenarios fehlen in „Die Mars-Chroniken“ gängige Science-Fiction-Elemente fast vollkommen. Über dem ganzen Buch liegt ein Hauch Fernweh, Nostalgie und Trauer über den Verfall eines Paradieses, das von den unverständigen Menschen zerstört wird. Diese Stimmung könnte Bradburys eigenem Befinden entsprechen: Er wuchs in den 20er und 30er in einer kleinen Stadt im amerikanischen Mittelwesten (Waukegan, Illinois) auf, musste aber aus wirtschaftlichen Gründen (die große Depression) mit seiner Familie nach Kalifornien übersiedeln. Der Rückblick ist nostalgisch gefärbt. Bradbury ist anti-technologisch eingestellt, er feiert in den „Mars-Chroniken“ die Einfachheit und Unschuld, die er in Kalifornien verlor. Er thematisiert das Gefühl des Verlustes in der Übergangsphase zum Erwachsenensein sowie die Anziehungskraft und die Gefahr im Umgang mit Masken, seien sie Masken zu Halloween, zum Karneval oder Alien-Mimikry.
Das Buch wurde 1980 nicht sonderlich überzeugend als Miniserie für das Fernsehen verfilmt, mit Rock Hudson in einer Hauptrolle. Die Effekte und Kulissen waren als reine Staffage auszumachen. Der Roman selbst erlebte allein in den USA über 70 Auflagen und verhalf Bradbury nicht nur zu unsterblichem Ruhm im Genre, sondern auch in der amerikanischen Literaturgeschichte. Daneben bildete dieser Erfolg die Eintrittskarte zu den großen landesweit vertriebenen Mainstream-Literaturmagazinen. Für diese schrieb Bradbury weit über 300 Storys, hingegen nur noch wenige Romane. Sein zweiter bekannter Roman ist [„Fahrenheit 451“, 400 der 1966 von Francois Truffaut verfilmt wurde.
|Originaltitel: The Martian Chronicles, 1946-58
Aus dem US-Englischen übertragen von Thomas Schlück und Wolfgang Jeschke|
Terry Bisson kennt sich mit Kentucky- und Tennessee-Whiskey (was ist nun Scotch und was Bourbon?), mit allerlei Schießprügeln und natürlich mit dem Tabakanbau aus. Dass er von von all diesen Dingen und noch ein wenig mehr ausgezeichnet zu erzählen versteht, beweist er in dem vorliegenden Roman. Dem Leser sei auch seine preisgekrönte Storysammlung „Die Bären entdecken das Feuer“ (Heyne 06/5994) empfohlen.
_Handlung_
Williams ist ein junger naiver Tunichtgut, aber er kennt sich mit Autogetrieben aus. Doch er hätte nicht die Abkürzung nehmen sollen. So landet er nämlich beim Schrotthändler Talking Man (TM), um ein Ersatzteil zu kaufen – oder vielmehr landet er bei dessen 16-jähriger Tochter Crystal, da sich TM gerade aus dem Staub machen musste, weil er von einer weißhaarigen Frau und zwei Killern verfolgt wird.
Aus reiner Sympathie zu der jungen hübschen Crystal folgt er ihrem Vater, zunächst nur bis zur nächsten Stadt, aber dann scheint sich die Welt immer mehr zu verändern: Die Brücken über den Mississippi sind eingestürzt, und in Oklahoma heißt die einzige Stadt Tulsa, gleich dahinter kommt Mexiko. Stets pleite, schlägt sich das unschuldige Pärchen nur mit der Kreditkarte von Williams Vater durch, verpasst meistens nur um Haaresbreite den gesuchten TM, doch Crystal wird zweimal niedergestochen von den Killern. Merkwürdig, dass sie nicht an einem Stich ins Herz stirbt, nicht wahr?
Weiter geht die Verfolgungsjagd an einem niedergebrannten Denver vorbei über die verminte kanadische Grenze bis zum Nordpol. Dort wartet in der grauen Stadt Edminidine der Brunnen zwischen den Welten, und es kommt zum Showdown zwischen TM, den das Pärchen aufgesammelt hat, und den Gegnern. Die weißhaarige Frau, Dgene, ist eine Zauberin wie Talking Man, doch sie will mit Hilfe des Ungewesenen die Welten zerstören, wohingegen sich TM in seine Welt verliebt hat.
_Fazit_
Auf knapp 200 Seiten erzählt Bisson eine romantische Liebesgeschichte, ein Road Movie, eine Alternativweltgeschichte und ein Fantasy-Epos vom Kampf zwischen Gut und Böse, Sein und Nichtsein. Aus Banalem macht er Unheimliches, und Unheimliches erscheint banal. Die für Städter komischen Dinge nimmt er völlig ernst, etwa den Tabakanbau in Kentucky – ein sehr beschwerliche und komplizierte Angelegenheit, wie es scheint. Das komplizierte Innenleben von Auto- und Flugzeugmotoren hingegen wird zu einer einfachen Sache, sobald Talking Man Hand anlegt.
Diese und noch viel mehr wunderbare Dinge machen „Talking Man“ zu einem vergnüglichen Leseerlebnis.
|Originaltitel: Talking Man, 1986
Aus dem US-Englischen übertragen von Irene Bonhorst|
„Xavier Thaxton, ein konservativer Feuilletonredakteur und Nietzsche-Verehrer, ist von den Produkten moderner Popkultur und vom schlechten Geschmack seiner Zeitgenossen mehr als angewidert. Doch nach einem unfreiwilligen Bad in einem radioaktiv verseuchten See verändert sich sein Leben dramatisch: Um den körperlichen Verfall aufzuhalten muß sich Thaxton das Kostüm und das Verhalten eines Comic-Superhelden zulegen – und so zu einer jener Ikonen der Popkultur werden, die er sein Leben so lang verabscheut hat.“ (Verlagsinfo)
Der Autor
Michael Lawson Bishop (* 12. November 1945 in Lincoln, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Autor, der in erster Linie Science-Fiction-Literatur schreibt. Er besitzt einen Master-Abschluss in Englisch der University of Georgia und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten. (Quelle: Wikipedia)
Bishop veröffentlichte 1970 seine erste Kurzgeschichte „Piñon Fall“, sein erster Roman („A Funeral for the Eyes of Fire“) folgte 1975. Zahlreiche Erzählungen und Romane Bishops wurden für diverse Science-Fiction-Preise nominiert. Ausgezeichnet wurde er viermal mit dem Locus Award und zweimal mit dem Nebula Award, 1981 für die Erzählung „The Quickening“ und 1982 für den Roman „Nur die Zeit zum Feind (No Enemy But Time). In diesem Roman, der als sein bekanntestes Werk gilt, geht es um die Zeitreise zur Wiege der Menschheit ins pleistozäne Afrika. Der Roman besticht durch seine Charakterzeichnungen und komplexen Aufbau und verzichtet auf einen technischen Erklärungsversuch der Zeitreise. (Quelle: Wikipedia)
Der in den Südstaaten der USA lebende Autor hat sich als Gegner von rassischen Vorurteilen profiliert, nicht nur in diesem Roman, sondern auch in „Brüchige Siege“ (1994). In „Brüchige Siege“ setzt er Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman (1818) in einer recht unwahrscheinlichen Umgebung fort: im Georgia des Jahres 1943. In dem Roman „Die Einhorn-Berge“ nahm er sich des Themas AIDS an.
Handlung
Xavier Thaxton ist ein vermögender Kulturkritiker bei einer Zeitung in der aufstrebenden Südstaaten-Stadt Salonika, der Metropole von Oconee, einem vom Autor erfundenen US-Staat. Xavier steht auf deutsche Klassikmusik und zitiert Nietzsche aus dem Effeff. Im Gegensatz zu seinen Redaktionskollegen verabscheut er Baseball, Comics und Popkultur, also die amerikanischen Vergnügungen. Kein Wunder, dass Xavier machmal schief angesehen wird. Als er seinen pubertierenden Neffen Mkhail, genannt El Mick, bei sich aufnimmt, wird sein Geschmacksempfinden auf eine harte Probe gestellt: El Mick steht auf Punk, Comics und zerfetzte Jeans.
Doch dann begeht er einen Fehler. Um Nietzsches Natur nah zu sein, badet er in einem einsamen, klar erscheinenden Bergsee. Wie sich später herausstellt, lagerten auf dessen Grund radioaktive Abfälle. Schon nach wenigen Monaten verändert sich Xaviers Gesundheitszustand auf dramatische Weise, und seine ebenso vermögende, doch weniger geschmackvolle Geliebte Bari, eine Designerin, beginnt sich ernsthaft Sorgen um Xavier zu machen, denn Xavier leidet unter dem, was er das „Philistersyndrom“ zu nennen beginnt: Bei guter Kultur wird ihm speiübel. Nur noch in den Niederungen der Kultur fühlt er sich behaglich, seinen Neffen an der Seite.
Schon bald begleitet er seinen Neffen zur Premiere neuer Comic-Figuren. Hier begegnet er seiner künftigen Verkörperung: Graph Geiger, der Kämpfer gegen Verbrecher und Umweltsünder, angetan mit schimmerndem Cape und Kapuze. Xavier besorgt sich die Glitzerkluft, und schon geht’s ihm besser. Es geht ihm so gut, dass er einen Mordanschlag überlebt. Sein Aufstieg als heldenhafte Geiger-Inkarnation ist nicht aufzuhalten.
Doch alles hat einmal ein Ende. Und so entwickelt sich die Geschichte sowohl zu einem Krimi – wer ist für das Verklappen von Atommüll in Bergseen verantwortlich – und zur Rührstory: Xavier schenkt sein schützendes Cape einem Rauschgiftopfer, das danach gesundet. Doch Xavier als Jesusverschnitt hat keine Chance: Binnen weniger Tage verfällt er und siecht dahin.
Mein Eindruck
Xaviers Geschichte ist eine schwarze Komödie, eine Satire reinsten Wassers. Daran lässt Michael Bishop, der Autor des preisgekrönten Baseball-&-Frankenstein-Romans „Brüchige Siege“, keinen Zweifel aufkommen. Folglich sollte man die seltsamen Begebenheiten darin nicht allzu ernst nehmen, doch leider bleibt dem Leser stellenweise durchaus das Lachen im Halse stecken.
Sehr ironisch ist die gegenläufige Entwicklung von Xavier und El Mick. Xavier steigt in die Niederungen hinab und wird dafür mit Heldenstatus belohnt. Mikhail gibt seinen Nihilismus und Anarchismus auf und legt dafür einen guten Schulabschluss hin, findet am Ende sogar seinen gestorbenen Onkel einen „guten Kerl“. Das Dreieck komplettiert die undurchsichtige Bari, die Xavier zunächst verlässt, weil er sich auf seinen Heldentum etwas einbildet, dann aber zurückkehrt und ihn gar am Ende heiratet, als er seinem Beinahe-Mörder verzeiht und abzukratzen beginnt. Bari bietet also eine moralische Zensur der besonderen Sorte.
Diese Geschichte ist eines John Irving durchaus würdig. Bishop erzählt gebildet von den menschlich-allzumenschlichen Seiten seiner Figuren und Settings. Es ist geradezu eine Lust, seinen witzigen Formulierungen zu folgen: Sie tilgen durch ihre Ironie jeden Ansatz zu Klischeehaftigkeit und Rührseligkeit einer Seifenoper. Der deutsche Übersetzer bringt diesen Ton kongenial ins Deutsche herüber.
Taschenbuch: 476 Seiten
Originaltitel: Count Geigers Blues, 1992
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Windgassen.
ISBN-13: 978-3453149151 www.heyne.de
Michael Bishop ist der Autor von „Die Einhorn-Berge“ (1988) und dem preisgekrönten Roman „Nur die Zeit zum Feind“ (1982). In „Brüchige Siege“ setzt er Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman (1818) in einer recht unwahrscheinlichen Umgebung fort: im Georgia des Jahres 1943.
_Handlung_
Daniel Boles ist ein Baseball-Talent-Scout. Dies ist seine Geschichte, wie er unter anderem Frankensteins Monster traf und eine Art Baseball-Krieg überlebte.
Der talentierte 17-jährige Baseballspieler Danny Boles verlässt seine Heimatstadt Tenkiller in Oklahoma, um einem Ruf zu folgen, dem Team der Highbridge Hellbenders beizutreten, einem drittklassigen Club irgendwo in Georgias Chattahoochee Valley. Doch auf der Zugfahrt wird er brutal von einem Soldaten – die USA befinden sich im Krieg mit Japanern und Deutschen – vergewaltigt und ausgeraubt. Er verliert seine Fähigkeit zu sprechen.
Der Manager der Hellbenders, von allen respektvoll „Mister JayMac“ genannt, bringt Danny in einem Zimmer mit dem hochgewachsenen Schlagmann Henry „Jumbo“ Clerval unter. Jumbo stellt sich trotz seiner furchteinflößenden Erscheinung als freundlicher, sehr gebildeter Kamerad heraus. Er bemüht sich, ein besserer Mensch zu werden und liest dazu zahlreiche Bücher. Dennoch schlägt er Bälle bis zum Mond und bringt seinem Team so manchen Homerun-Punkt. Die anderen Teammitglieder sind nichts Besonderes, außer Buck Hoey, der Danny auf dem Kieker hat und ihn mit seinem losen Maul schikaniert.
Auf Seite 300 findet Danny endlich die Wahrheit über seinen mysteriösen Zimmergenossen heraus: In einem Eskimo-Kajak entdeckt er seine Notizbücher. Es sind zum Teil die Originale derjenigen Kopien, auf die sich Mary Shelley stützte, zum Teil beschreibt Henry sein zweites Leben nach dem Tod seines Erzeugers im Polareis. Nach langen Wanderungen in der Arktis auf der Suche nach Erlösung – er hatte die Braut des Doktors getötet – kommt der unsterbliche und heimlich lebende Clerval in den Süden der USA, als hervorragender Baseballspieler. Aufgrund seiner Sprechbehinderung ist Danny genauso ein Außenseiter wie Henry; bald hängen sie zusammen wie Pech und Schwefel. Danny verliebt sich in die Krämerstochter Phoebe Pharram, deren Vater in Europa kämpft und deren Mutter mit einigen Hellbenders herumpoussiert.
Während ihrer Bemühungen, den Siegerwimpel der Chattahochee Valley League zu erringen, verlieren die Hellbenders ihren Hauptspielmacher durch einen recht bizarren Unfall auf dem Feld. Da Charlie Snow Bluter ist, helfen ihm auch keine Spritzen – er stirbt im Lazarett der nahen Airbase. Dort, am selben Tag, trifft Danny Boles seinen Peiniger aus dem Zug wieder. Er brüllt ihn an, er habe ihm seine Sprache gestohlen und solle sie ihm zurückgegeben – Danny gebärdet sich ziemlich wie ein Verrückter. Aber seine Sprechfähigkeit hat er wieder. Das Team verliert seinen Busfahrer, Darius, der, wie Danny herausfindet, der uneheliche Sohn von Mister Jaymac ist. Danny findet auch zufällig heraus, dass es Henry Clerval mit der Frau von Mr. JayMac, Giselle, treibt. Da geht’s drunter und drüber – aber es ist ja auch ein heißer Sommer!
Henrys und Dannys Ruf verbreitet sich derart, dass sie in der nächsten Saison in Philadelphia in der Oberliga spielen sollen. Schandmaul und Erzfeind Buck Hoey wird an den Konkurrenzverein Gendarmes verkauft. Das rächt sich bitter, als Hoey im Saisonfinale Danny aus Rache übel verletzt – Danny wird nie wieder Baseball spielen können! Henry rastet aus: Aus Liebe zu Danny, der im Hospital liegt, verstümmelt er Buck Hoey. Er versucht vergeblich, Miss Giselle zu retten: Nach der Nachricht, dass er nach Philadelphia gehen würde, verbrannte sie sich in seinem Kajak auf einem Teich, mitsamt seinen Notizbüchern – Rache noch im Freitod.
Wenig später, er ist untergetaucht, erfährt er, dass er wegen Mordes gesucht wird. Auf den – von den Japanern zurückeroberten – Aleuten, am Grab von Dannys gefallenem Vater, treffen sich beide Helden noch ein letztes Mal. Henry verschwindet, Doktor Frankenstein findet seine letzte Ruhe, Danny heiratet Phoebe Pharram und wird Scout für die Philadelphia-Baseball-Teams.
_Fazit_
Wer „Frankenstein“ mag, sollte mit der Fortsetzung auf ca. Seite 300 beginnen. Wer sich mit Baseball anfreunden kann, sollte am Anfang beginnen. Und wer weder das eine noch das andere ausstehen kann, sollte vielleicht den ganzen Roman als Südstaaten-Chronik lesen, die zufällig im Baseball-Milieu angesiedelt ist.
Amerikanern sind der Nationalsport Baseball und alle seine Fachausdrücke – siehe das Glossar – natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Doch der normale Deutsche tut sich sicherlich sehr schwer damit. Hinzu kommen noch die Militärausdrücke, Hinweise aus Literatur, Politik und Kunst usw. – insgesamt 16 Seiten Anhang (ohne Fußnoten). Dies ist ziemlich lästig und erst ab Seite 300 (siehe oben) einigermaßen erträglich. Ich habe daher für die Lektüre mit entsprechenden Unterbrechungen etwa ein halbes Jahr gebraucht.
Die Erzählung selbst ist ein wunderbares Beispiel für einen detailgetreu recherchierten und wiedergegebenen Hintergrund, fein gezeichnete, lebendige Charaktere und eine halbwegs spannende Handlung. Deren Fäden bilden ein dichtes Geflecht von Beziehungen und Interaktionen. Deutlich wird der Rassismus des Südens herausgearbeitet, der auch vor Beinahe-Monstern wie Henry nicht Halt macht. Stellenweise anrührend, tragisch, aber auch oft ironisch, wirft das Buch ein Schlaglicht auf eine in der SF-Literatur sehr selten beleuchtete Ära und Sportart – ein ebenso unwahrscheinlicher Hintergrund wie das Monster, das Frankenstein, ein Schweizer Chemiker, einst schuf, und seine Geschichte.
|Originaltitel: Brittle Innings, 1994
Aus dem US-Englischen übertragen von Hendrik P. und Marianne Linckens|
Fritz Leiber hat mit seinen „Schwerter“-Erzählungen in jahrzehntelanger Arbeit einen der interessantesten und spannendsten Zyklen der Fantasy geschaffen. Im Mittelpunkt das sehr ungleiche Anti-Heldenpaar Fafhrd und der Graue Mauser. Die beiden haben es auf ihrem Kontinent Newhon längst zu einem eigenen Zyklus im Reich der Graphic Novels geschafft. Fritz Leiber – Schwerter im Kampf. Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling weiterlesen →
Auf einer kleinen abgelegenen Insel versucht ein Polizist vom Festland das mysteriöse Verschwinden eines kleinen Mädchens aufzuklären. Dabei kommt einem düsteren Geheimnis auf die Spur, das mit den heidnischen Ritualen der Inselbewohner zu tun hat. Zu spät merkt er, dass sie für ihn die Hauptrolle in ihrem Mairitual vorgesehen haben.
_Die Autoren_
Robin Hardy, 1937 in London geboren, führte 1973 Regie bei der ersten Verfilmung von „Wicker Man“. Anthony Shaffer, 1926 in Liverpool geboren, schrieb das Drehbuch. Außerdem verfasste er die Drehbuchvorlagen zu Hitchcocks „Frenzy“ und der Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“.
Der erste Film von 1973 war an der Kinokasse zwar ein Misserfolg, entwickelte sich aber über die Jahre in England zum absoluten Kultfilm, nicht zuletzt wegen der Besetzung mit Christopher Lee, Ingrid Pitt, Diane Cilento und Britt Ekland – lauter B-Movie-Ikonen. Erst 1978 entschloss sich Hardy, die Romanfassung dazu zu schreiben.
Hans Schifferles Buch „Die 100 besten Horror-Filme“ (|Heyne|) ist zu entnehmen, dass es vom Film zwei Versionen gibt, eine mit 86 und eine mit 102 Minuten. 2006 fertigte Neil LaBute („Besessen“) ein Remake an, in dem Nicolas Cage die männliche Hauptrolle des Sgt. Howie spielte. Auch diese Version floppte an der Kinokasse. Der Grund für das fortwährende Floppen dieses Stoffs dürfte nicht zuletzt die Tatsache sein, dass die Geschichte kein Happyend hat.
Mehr Infos unter http://www.wickerman-derfilm.de.
_Handlung_
Polizeisergeant Neil Howie von der West Highland County Police ist das, was man eine männliche Jungfrau nennt. Mit seiner langjährigen Verlobten Mary Bannock hat er es noch kein einziges Mal getan, denn beide sind streng gläubige Protestanten, für die Sex vor der Ehe nicht in Frage kommt. Als er merkt, dass Mary mit ihrer Geduld und ihrem Langmut am Ende ist, verspricht er ihr, sie binnen vierzehn Tagen zu ehelichen. Dazu wird es nicht kommen.
Auf seinem Polizeirevier in Portlochlie an der schottischen Nordwestküste erhält er einen anonymen Brief, worin man ihn bittet, das Verschwinden eines zwölfjährigen Mädchens namens Rowan Morrison auf der Insel Summerisle aufzuklären. Beigelegt ist ein Foto der Verschwundenen. Als pflichtbewusster Polizist macht er sich schon am nächsten Tag, dem Sonntag, nach dem Gottesdienst auf den Weg und nimmt ein Wasserflugzeug zur Insel, die zu den Äußeren Hebriden gehört. Als er das Eiland überfliegt, bewundert er die grünen Auen und die Obstplantagen. Es gibt sogar Palmen. Der warme Golfstrom im Zusammenspiel mit vulkanischem Boden hat das Gedeihen von Apfelbäumen begünstigt. Von hier stammt eine der besten (und teuersten) Apfelsorten des Vereinigten Königreichs.
|Summerisle|
Howie quartiert sich abends im Gasthaus |The Green Man| ein. Der Empfang ist recht feuchtfröhlich, denn hier wird Alkohol offenbar kostenlos ausgeschenkt. Die Lieder, welche die Gäste anstimmen, sind sonderbar schlüpfrig und anzüglich, aber das scheint dem Wirt Alder und seiner schönen Tochter Willow MacGregor nichts auszumachen, ganz im Gegenteil. (Merke: Alle Personen auf Summerisle, außer dem Lord selbst, tragen die Namen von Pflanzen, besonders von Bäumen.)
Er hat sich bereits bei der Mutter von Rowan Morrison darüber informiert, wo ihre Tochter sein könnte. Sie weiß nichts davon, wo sie sein könnte. Natürlich lügt sie. Nach einem weiteren Tag der Ermittlungen ist Sergeant Howie überzeugt, auf einer Insel der Heiden gelandet zu sein, die nichts anderes als Sex und Äpfel im Sinn haben. Und garantiert verstecken sie das kleine Mädchen, das er auf einer weiteren Fotografie entdeckt hat. (Er ist in das Haus des Fotografen eingebrochen.) Selbstredend weiß auch der Lord der Insel, der zugleich das wichtige Amt des Friedensrichters ausübt, nichts vom Verschwinden der kleinen Rowan. Doch wer hat dann den Brief geschrieben?
Doch einem Polizeibeamten Ihrer königlichen Majestät kann man nichts vormachen, und so schnüffelt er weiter, sogar in den Kleiderschränken von alten Jungfern. Die Verführungskunst der üppigen Wirtstochter führt ihn durchaus in Versuchung, doch ein inbrünstiges Gebet kuriert auch diesen Hunger. Selbst die unsittlichen Sexpraktiken der Dorfjugend auf der Dorfwiese bringen ihn nur wenig aus der Fassung. Auch die Tatsache, dass es keinen Pfarrer gibt und die Kirche dem Verfall preisgegeben wurde, macht ihn nur noch entschlossener in seiner Ermittlung. Und dann endlich findet er sie!
|Festtag|
Der 1. Mai ist wie in allen heidnischen Gesellschaften ein hoher Feiertag, denn der Winter ist vorüber und nun muss der Mensch die Götter um Fruchtbarkeit und reiche Ernten bitten. Schon die alten Kelten feierten die Wiederkehr des Sonnengottes Lugh Nuada mit einem Fest, und die Menschen von Summerisle ehren nicht nur ihn, sondern auch die Weiße Göttin, die Erdmutter (Danu).
Für dieses Fest marschiert ein für Howies Empfinden geradezu obszön heidnischer Festzug auf, der von einer Zentaurenfigur, einem Narren und dem so genannten Teaser angeführt wird. Begleitet werden sie von sechs Schwertträgern, die sicherlich eine wichtige Rolle innehaben. Alle Menschen tragen eine Maske, die einem Tier nachgebildet ist: Adler, Fuchs, Eber usw. Inzwischen hat Howie herausgefunden, dass es ein Opfer geben soll, und bestimmt ist damit die kleine Rowan gemeint. Kurzentschlossen klaut er dem Wirt Alder MacGregoer sein Narrenkostüm und mischt sich unter den Festzug. Zwar spielt er seine Rolle nicht sonderlich närrisch, aber er bekommt wenigstens hautnah mit, was passiert.
|Opfer|
Der Festzug passiert mehrere Stationen, um diverse Rituale vorzunehmen, denen allen der Lord der Insel vorsteht. Als schließlich die Küste erreicht wird, steht ein weiteres Fruchtbarkeitsopfer bevor. Da endlich erkennt Howie seine Chance: Er schnappt sich das Mädchen, das er als Rowan erkannt hat, und flieht mit ihr in ein Höhlensystem, das der Erdmutter geweiht ist. Als die beiden wieder an die Oberfläche gelangen, sieht sich Howie jedoch den sechs Schwertträgern gegenüber: Endstation.
Als das kleine Mädchen den Lord fragt, ob es seine Sache gut gemacht habe, erkennt Howie die schreckliche Wahrheit: Nicht sie, sondern er ist das für den Wicker Man, das Idol einer aus Weidenkörben gebauten Statue, vorgesehene Opfer. Denn dafür kommt nur eine männliche Jungfrau in Frage, die zuvor allen Versuchungen des Fleisches (z. B. durch Willow) widerstanden hat.
_Mein Eindruck_
Die bitterböse und mit feiner Ironie vorgetragene Geschichte des streng gläubigen Gesetzesvertreters ist ein Abgesang auf das abgetakelte protestantische Christentum schottischer Prägung, das den nach Fruchtbarkeit drängenden Impulsen der Natur kein Gehör schenkt, ja, ihnen sogar entgegenarbeitet. Mary Bannock kann ein Lied davon singen, wie sie sich nach körperlicher Vereinigung mit „ihrem“ bewunderten Sergeant gesehnt hat und immer wieder abgewiesen wurde. Nicht zuletzt mit der fadenscheinigen, halbherzig vorgebrachten Begründung, sie gehöre ja einer anderen Glaubensrichtung an.
Diese Sektiererei und Selbstverleugnung gibt es auf Summerisle, der Insel der Fruchtbarkeit, nicht mehr. Der Urgroßvater des gegenwärtigen Lords, ein Spätviktorianer, zwang die Insulaner, ihren Pfarrer zu vertreiben und die keltische Fruchtbarkeitsreligion anzunehmen. Seitdem geht es allen gut, denn sie sind nicht mehr auf karge Fischerei angewiesen, sondern können teure Äpfel verkaufen. Und die Fruchtbarkeit der Menschen kennt nur diejenigen Grenzen, die ihnen die Religion auferlegt, also praktisch keine. Folglich kennt man auch keine sexuell bedingten Neurosen, und wenn ein junger Mann sexuell aufgeklärt werden will, so fragt er die schöne Willow, ob sie wohl willens wäre, ihm diesen Gefallen zu tun – unter der Fürsprache des Lords persönlich.
Es versteht sich fast von selbst, dass all dies Sergeant Howie ein Gräuel ist, eine ketzerische Blasphemie. Am liebsten würde er alle verhaften lassen. Tatsächlich hat er schon den Plan gefasst, ein Dutzend Polizisten vom Festland einfliegen und die ganze Brut ausheben zu lassen, um wieder Zucht und Ordnung einzuführen. Genügend Sünden lassen sich ja finden. Zu dumm, dass ausgerechnet am 1. Mai sein Funkgerät streikt, genauso wie der Motor seines Fliegers.
|VORSICHT, SPOILER!|
Doch so erhält er Gelegenheit, zu einem Märtyrer zu werden. So wie Jehoschua von Nazareth am Kreuz sein Leben für die Gläubigen opferte, so bringen auch die Inselbewohner ihrer obersten Gottheit ein großes Opfer dar: eine Arche aus in Weidenkörben (wicker) eingesperrten Tiere. Aus den Körben ist das Idol eines Mannes aufgebaut worden: der Wicker Man. Doch in der Mitte, wo das Herz sitzt, ist ein Käfig noch leer. Hier findet der gefesselte Howie seinen Platz. Dann wird die Konstruktion in Brand gesetzt.
Nachdem er seinen Unglauben über diese unmögliche Situation überwunden hat, verfällt Howie jedoch keineswegs in sinnlosen Wahn, sondern sucht seinem unausweichlichen Ende noch einen Sinn zu verleihen, der nicht von außen kommt, sondern den er selbst stiftet. Er findet diesen Sinn in der Befreiung seiner Lieblingstiere. Als leidenschaftlicher Vogelschützer hat er schon Adler in den Highlands vor Wilderern gerettet (das wird im Prolog hervorragend geschildert). Nun bietet er seine letzten Kräfte auf, um eine Reihe von Vögeln aus dem Gefängnis des Wicker-Man-Gerüstes zu befreien. Jesus würde sagen: „Es ist vollbracht.“
|ENDE SPOILER|
Man kann der Geschichte vorwerfen, hier würden mit den Inuslanern eine Mischung aus Neopaganisten und Flower-Power-Hippies auftreten. Doch man sollte berücksichtigen, dass der Neopaganismus in den letzten Jahrzehnten im Zuge der New-Age-Bewegung starken Zulauf erhalten hat und selbst Autorinnen wie Diane Paxson und Marion Zimmer Bradley („Die Nebel von Avalon“) die alten Riten lobend geschildert haben. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass in der alten Religion die Frau eine viel stärkere Rolle innehatte, als ihr im Christentum gemeinhin zugebilligt wird, das patriarchalisch geprägt ist (die Dreifaltigkeit ist durchweg männlich) und die Frau häufig ausbeutet. In letzter Zeit wird auch dies revidiert und die Stellung von zentralen Figuren wie Maria Magdalena neu bewertet (z. B. in „Sakrileg“ und „Das Magdalena-Evangelium“).
|Stil|
Besonders gut hat mir an dem Buch der gediegene Erzählstil gefallen. Dies ist alter englischer Prosastil vom Feinsten, nicht verschachtelt wie bei den Viktorianern, aber auf das Innenleben und die Motivation der Figuren bedacht. Die Aktionen von Sgt. Howie werden erst durch die genauen, feinfühligen Erklärungen über sein Gefühlsleben und seine religiösen Überzeugungen glaubwürdig. Sein Glaube wird niemals belächelt oder kritisiert, sondern stets absolut ernst genommen. Die Kritik und den Spott übernehmen schon die Insulaner.
Zu diesen Inselbewohnern gehört nicht zuletzt Willow Macgregor, die schöne Wirtstochter. Einer der wichtigsten Momente des Buches passiert in der Walpurgisnacht, also der Nacht zum 1. Mai. Sie präsentiert sich dem späten Gast in nackter Pracht, und ein Mann muss schon sehr starke Prinzipien haben, um diese unverblümte Einladung abzulehnen. Howie kann es. Und das verpflichtet den Autor, eine ganze Menge zu erklären.
|Schwäche|
Nur an einer einzigen Stelle ist eine Unstimmigkeit festzustellen. Auf Seite 282/283 wird er von den Schwertträgern auf den Klippen gestellt, doch plötzlich läuft er wieder los, obwohl er nicht entkommen kann, und wird vom Autor obendrein als Sgt. Howie angeredet. Währenddessen redet Lord Summerisle die ganze Zeit mit ihm. Nun, Howie muss herausfinden, dass ihm kein Ausweg geblieben ist: Die Klippen bieten keinen Weg aus der Falle, in die er getappt ist.
_Unterm Strich_
Ich fand den Roman zum Film ungemein spannend und sehr gut erzählt. Howie als Hauptfigur trägt die ganze Handlung und durch seine Brille sehen wir auch – und werden auf diese Weise selbst getäuscht. Als versierter Krimifreund ahnt man zwar schon von Anfang an, dass die anonyme Botschaft vielleicht nur ein Köder ist und Rowan Morrison ein Lockvogel, aber nichtsdestotrotz bleibt lange Zeit unklar, welche Art von Schicksal für Howie vorbereitet worden ist. Der Wicker Man tritt erst im allerletzten Kapitel auf, vorher wird er nie auch nur mit einem Wörtchen erwähnt. Er ist, als wäre Howies ganze Existenz auf einmal ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gelte, anstelle der Gesellschaft von Summerisle.
Ob wohl noch heute solche jungfräulichen Superchristen wie Howie in Schottland aufgezogen werden, wage ich zu bezweifeln, aber man kann nie wissen. Und ob die neuheidnische Gesellschaft von Summerisle in dieser Form möglich wäre – kein TV, kein Telefon, kein Funkgerät -, ist ebenfalls zu bezweifeln. Doch der Grundkonflikt Fruchtbarkeitsreligion vs. strenges Christentum schwelt weiterhin, nur auf anderen Ebenen.
Schade, dass dieses Buch, welches das Remake der Verfilmung (s. o.) begleiten soll, ohne Filmfotos ausgestattet veröffentlicht wird. Das ist bei |Heyne| eigentlich unüblich. Aber vielleicht wird der Leser ja auf der oben genannten Internetseite diesbezüglich fündig.
|Originaltitel: Wicker Man, 1978
303 Seiten
Aus dem Englischen von Alexander Wagner|
http://www.heyne.de
Heute ist nicht gerade Jack Kernigans bester Tag. Erst ist er vom MIT geflogen und muss jetzt diesen langweiligen Lieferjob in Ohio machen. Und dann hat er gerade eben jemanden überfahren, oder … etwas. Denn das, was da leblos am Straßenrand liegt, ist weder Mensch noch Tier. Ein Alien, ernsthaft? Kurz darauf entdeckt Jack mit seinen Freunden auch noch das Raumschiff – und als sie einsteigen, beginnt für Jack das verrückteste, kosmischste Abenteuer seines Lebens. (Verlagsinfo)
1922: Als Elsa Schiaparelli mit ihrer schwerkranken Tochter nach Paris kommt, scheint ihr großer Traum endlich in greifbarer Nähe. Schon immer will sie die Welt mit ihren farbenfrohen Modeentwürfen erobern. Mit Kleidern, die mutiger und expressiver sind als je zuvor. Inspiriert von ihren Freunden, Künstlern wie Man Ray, Jean Cocteau und Pablo Picasso entwirft Elsa Kreationen, die zu wahren Kunstwerken der Moderne werden und stellt die Grande Dame Coco Chanel damit in den Schatten. Doch Elsa kämpft auch an einer anderen Front: Wird ihre Tochter je wieder gehen können? Auf einer rauschenden Party trifft sie auf den Künstler Théo, mit dem sie bald nicht nur die Leidenschaft zur Mode teilt … Hat sie in ihrem Leben noch Platz für die Liebe? (Verlagsinfo)
Alfred Bester, geboren am 18.12.1913, studierte Natur- und Geisteswissenschaften. Als er 1939 mit seiner Erzählung „The Broken Axiom“ ein Preisausschreiben der Zeitschrift „Thrilling Wonder Stories“ gewann, wurde er freier Schriftsteller. Sein Werk ist schmal, aber sehr gewichtig und einflussreich. Für seinen ersten Roman, „Demolition“, erhielt er 1953 den ersten |HUGO Award| überhaupt. Mit „Tiger! Tiger!“ („The Stars my Destination“, 1956) gelang ihm ein zweiter großartiger Erfolg. Schilderte Bester in „Demolition“ eine halbtelepathische zukünftige Gesellschaft, so bringt hier die Fähigkeit zur Teleportation den Helden dazu, das bestehende Universum in eine Krise zu stürzen. Die beiden Romane gehören zu den besten in der SF überhaupt.
_Handlung_
In einer Gesellschaft des 24. Jahrhunderts, die zu einem beträchtlichen Teil aus Telepathen besteht, sind Verbrechen, besonders Morde, selten, zumal die Polizei über die besten ESP-Talente verfügt, die jede verbrecherische Absicht rechtzeitig erkennen und die Tat verhindern.
Doch Ben Reich, ein Mensch ohne außersinnliche Begabungen, willensstark, skrupellos und zielstrebig, schafft es trotzdem, einen Mord von langer Hand zu planen und eiskalt durchzuführen. Das Opfer, Craye D’Courtney, ist sein Konkurrent. Wie sich herausstellt, auch sein Vater.
Lincoln Powell, ein erstklassiger ESPer im Polizeidienst, setzt sich auf Reichs Fährte. Obwohl die Tat klar ist, so bleiben ihm doch das Wie und das Warum verborgen. Wie konnte der Vorsatz den Überwachern verborgen geblieben sein? Wie schützt Reich auch nach der Tat seine Gedanken? Und warum brachte Reich seinen eigenen Vater um? Powell muss Reich seiner Bestimmung zuführen, der Strafe, die auf Mord steht: der Demolition. Sie besteht in der allmählichen Auslöschung von Erinnerungen und antisozialen Aggressionen. Es entspinnt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel quer durch das Sonnensystem.
_Fazit_
„Demolition“ ist einer der besten SF-Krimis, spannend bis zur letzten Seite, kühn in der Konzeption, rasant im Tempo. Zudem gehört die hier geschilderte Telepathengesellschaft zu den detailliertesten und durchdachtesten des Genres. Erstaunlich ist zudem, dass die Spannung nicht von künstlich erzeugter Action, sondern von der Frage herrührt, wie Reich die ungeuerliche Tat gelang und wie er sich der Demolition entzieht. Ohne Zweifel ein Meisterwerk.
|Originaltitel: The demolished man, 1951/53
Aus dem US-Englischen übertragen von Horst Pukallus|
Weltuntergang en gros: fast so gut wie Philip K. Dick
Es ist ein geringfügiges Vergehen, wegen dessen sich George Orr einer psychologischen Therapie unterziehen muss: Medikamentenmissbrauch. Der Patient tut alles, um seine Träume zu unterdrücken, worauf sein behandelnder Arzt, der Psychiater Dr. Haber, eine gewöhnliche psychische Störung diagnostiziert. Doch George Orrs Träume können die Realität verändern. Ohne zunächst zu ahnen, worauf er sich einlässt, zwingt Dr. Haber seinen anbefohlenen Schützling, eine Reihe künstlich induzierter Träume zu erleben, bis sich Orr ganz und gar in diesen Träumen verliert und von der Welt, wie wir sie kennen, keine Spur mehr übrig ist. (Verlagsinfo)
Privatdetektiv Takeshi Kovacs kann sich über seinen neuen Auftrag nur freuen – hatte ihn der letzte ja eigentlich das Leben gekostet. Aber der Tod scheint inzwischen kein Problem mehr zu sein. Oder etwa doch? (Verlagsinfo)
_Der Autor_
Richard Morgan wurde 1965 in Norwich, England, geboren. Er studierte Englisch und Geschichte in Cambridge und arbeitete etliche Jahre als Englischlehrer im Ausland, bevor er sich entschloss, seinen Lebensunterhalt als freier Schriftsteller zu verdienen. „Das Unsterblichkeitsprogramm“ wurde auf Anhieb ein großer Erfolg und mit dem |Philip K. Dick Award| ausgezeichnet. Die Fortsetzung trägt den Titel „Gefallene Engel“ und wurde im Mai 2005 bei Heyne veröffentlicht. „Heiliger Zorn“ ist für Februar 2005 angekündigt. Morgan lebt heute in Glasgow, Schottland.
_Handlung_
Man schreibt inzwischen das 26. Jahrhundert, und die Erde hat ihre jungen Menschen in Langstreckenschiffen zu fernen Welten ausgesät, um dort Kolonien zu errichten. Takeshi Kovacs gehörte einer gut ausgebildeten Söldner- oder Marinesoldatentruppe an, die gehirnchemisch aufgerüstet ist und über besondere Fähigkeiten verfügt: die Envoys (Abgesandte). Bei einem Spezialauftrag, den er mit seiner Kollegin Sarah auf Harlans Welt ausführt, läuft die ganze Sache jedoch schief. Nachdem er mit ansehen musste, wie Sarah draufging, wird auch er ausgeknipst.
Das macht aber nichts. Weil alle Menschen mit Ausnahme der Katholiken ihre Identität in einem Stück Hardware, dem implantierten Stack (= Stapel), gespeichert haben, lässt sich diese Identität auch wieder transferieren – in einen Körper, der als Sleeve bezeichnet wird (von engl. „Sleeve“: Ärmel). Diese Sleeves lassen sich künstlich züchten, wenn man es sich leisten kann, oder recyceln.
Der neue Körper von Takeshi scheint recycelt zu sein: Er trägt eine Narbe unter dem Auge. Dieser Bursche muss schon einiges mitgemacht haben, und die Muckis, über die er verfügt, belegen, dass er sich seiner Haut wehren kann. Die Polizei nimmt Takeshi in Empfang. Lieutenant Kristin Ortega von der Kommission für „Organische Defekte“ – was man früher einmal Mord nannte – reagiert sehr emotional auf den neuen Sleeve. Takeshi erfährt erst viel später, dass dieser Sleeve einem gewissen Elias Ryker gehört hat, der Ortegas Lover war. Also bitte, wer würde der armen Ortega so etwas antun?
Nun, ein Mann wie Laurens Bancroft beispielsweise. Der über 350 Jahre alte Multimilliardär hat Takeshi von Harlans Welt angefordert und in diesen Sleeve stecken lassen. Unter Bedingungen, die Takeshi nicht ablehnen kann, hat er einen Neutralen angefordert, um Bancrofts Ermordung aufzuklären. Der Haken daran: Die Polizei behauptet felsenfest, dass Bancrofts letzter Tod Selbstmord war. Alle Indizien sprechen dafür, behauptet Ortega.
Doch mal von dem Wie ganz abgesehen, wer könnte ein Interesse daran haben, Bancroft auszuschalten? Leider ist die Zahl seiner Feinde Legion. Eine Spur führt zu einer Prostituierten aus dem Rotlichtbezirk und zu dem Klub „Jerrys Gästezimmer“, wo Takeshi eine Sexarbeiterin namens Louise kontaktiert. Leider ist diese bei seinem zweiten Besuch mausetot. Jemand hat offenbar etwas dagegen, dass Takeshi Informationen in dieser Sache erhält.
Dass Rumschnüffeln gefährlich sein kann, war Takeshi sattsam bekannt. Neu ist ihm, der bislang nur einmal gestorben, hingegen, dass der Tod zwar der Vergangenheit angehören mag, dass man aber auf sehr viele Arten sterben kann …
_Mein Eindruck_
Ich kann gut verstehen, warum dieser Detektivroman plus Hard-boiled-Thriller einen Preis nach dem anderen eingeheimst hat – und zudem für den deutschen Kurd-Laßwitz-Preis nominiert wurde. Die Handlung glänzt durch trickreiche und gut eingebettete Einfälle sowie einem Thriller entsprechende Action. Der Held geht buchstäblich über Leichen. Aber was heißt das schon, wenn die „Seele“ aus der Speichereinheit geholt und in einen neuen Körper gesteckt werden kann (auch wenn’s nicht immer der ursprüngliche ist). Also heißt die Kardinalfrage: „Tod, wo ist dein Stachel?“, um mal die Bibel zu zitieren. (Fragt mich bitte nicht nach Vers und Kapitel.) Und die nächste Frage, die sich daraus ergibt: „Was definiert man als Verbrechen?“
|Comme Blade Runner|
Takeshis Suche beinhaltet selbstverständlich, dass er sich wie einst der gut alte Blade Runner modernster elektronischer Hilfsmittel bedient. Es gibt in Ridley Scotts Film mehrere Szenen, in denen Harrison Ford die kleinsten Details in den Untersuchungsobjekten prüfen muss, um zu einer Entdeckung zu gelangen. Takeshi ist wesentlich weniger subtil: Ihm reicht eine Sammlung Artillerie (euphemistisch „Hardware“ genannt), ein oder zwei Killerviren sowie natürlich jede Menge Unverschämtheit im Umgang mit seinen „Klienten“. Anders als der Blade Runner ist sein primäres Ziel nicht die Eliminierung „lebensunwerten Lebens“, also der Replikanten, sondern die Suche nach dem Grund, warum ein „Methusalem“ (kurz „Meth“ genannt) sich selbst den Schädel wegblasen sollte.
Zunächst sieht alles relativ vertraut aus: Das vollautomatisierte Hotel heißt „Hendrix“ und zeigt holografisch einen Gitarrespieler (guess who!). Die Pornoschuppen sehen aus wie eine Peepshow aus den Achtzigern des 20. Jahrhunderts, und die Ringkämpfe auf verbotenen Schiffen erinnern an „Rollerball“.
|Körper wie Kleenex|
Doch dann kommt endlich das eigentliche Thema zum Tragen: die vollständige und geradezu lapidare Austauschbarkeit des Körpers. Meth Laurens Bancroft, der stets ein Menge Klone als Reserve bereithält, hat kein Problem, unsterblich zu werden. Doch er pflegt ein anrüchiges Hobby: die Befriedigung durch Prostituierte in den „Häusern“, also Nobel-Bordellen. Das exklusivste dieser „Häuser“ schwebt Takeshi die ganze Zeit vor der Nase, ohne dass es ihm auffällt. Klar, dass hier ein entscheidender Showdown stattfindet.
Dass Körpertausch, Prostitution und Verbrechen in engstem Zusammenhang stehen, dürfte klar sein. Takeshi selbst ist nur zwecks Verbrechensaufklärung in einen Körper heruntergeladen worden. So eine Strafe, wie sie ihm aufgebrummt wurde, kann also unter verschiedensten Bedingungen aufgehoben werden: beispielsweise zum Zwecke der Versklavung eines Menschen in der Prostitution. Sie geschieht es mitunter den Frauen in den „Häusern“, es kann aber auchTiere treffen … Als Takeshi endlich darauf stößt, was dort geschieht, dreht es ihm den Magen um.
|Detektiv mit Gewissen|
Aber kann sich ein Detektiv ein Gewissen leisten? An diesem Punkt wird die Vergangenheit Takeshis interessant. Er stammt von Harlans Welt, wo eine junge Freiheitskämpferin namens Quell eine Denkschule gegründet hat, wie es einst Che Guevara oder Mao taten. Als Takeshi die Nase voll von den Irreführungen und Bestechungsversuchen (Miriam Bancroft verführt ihn) hat, nimmt er sich Quells Maxime als Leitspruch zu Herzen: „Nimm es persönlich!“
Fortan tritt er so vielen „maßgeblichen Leuten“ und seinem Auftraggeber auf die Füße, dass er schon bald nicht nur in größte persönliche Gefahr gerät, sondern auch seinen Auftrag viel besser ausführen kann. Er hat fortan mit den Hintermännern zu tun. Und er verändert durch dieses rücksichtlose Vorgehen die Art und Weise, wie eine UN-Resolution zur Behandlung von Sleeves zustande kommt. Was aber für ihn wichtiger ist: Er kann dadurch endlich ein vergangenes Unrecht, das Bancroft begangen hat, wiedergutmachen. Und das ist ihm mehr wert als ein vorübergehend bewohnter Körper, der eh nicht sein eigener ist.
|Der gute Rächer|
Wir haben es also mit dem Archetyp des „guten Killers“ und Rächers zu tun, wie er aus zahllosen Western und Großstadt-Thrillern vertraut ist. Und daher entspricht die Figur Takeshis sowie der Aufbau des Plots auch all den anderen Klischees, die damit einhergehen. Wie Batman und Superman hat auch Takeshi einen speziellen Erzfeind, der zu seiner Nemesis wird: Kadmin. Er trägt sogar einen Comic-Namen: der Patchwork-Mann.
Die Spannung baut sich in fünf Teilen nach klassischem Muster auf. Jeder Buchteil führt zu einem Höhepunkt, im Guten wie im Schlechten. Doch stetig bringt jeder Zwischenhöhepunkt die Handlung voran. Denn natürlich ist das ursprüngliche Ziel noch nicht erreicht: Warum sollte sich Brancroft umbringen – oder hat jemand dabei nachgeholfen? Den entsprechenden Dunkelmann zu finden und zur Strecke zu bringen, erfordert allerdings einige Tricks – und ein handfestes, persönliches Zupacken Takeshis.
|Im Clinch mit Frauen|
Der Nahkampf ist sowieso sein Ding: Er ist nicht der Hackertyp, sondern verfügt über genug Muckis, um richtig hinzulangen, etwa in der Arena. Aber auch das Bett bleibt nicht ungenutzt. Rykers frühere Geliebte Kristin Ortega braucht zwar eine Weile, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass Takeshis Körper vertraut ist, dessen derzeitiger Bewohner jedoch nicht. Als sich das einrenkt, geht die Chose richtig los – mit einem amourösen Stelldichein auf einer Jacht. Was natürlich wiederum Takeshi erpressbar macht …
_Unterm Strich_
Trotz seines imposanten Umfangs ist „Das Unsterblichkeitsprogramm“ ein keineswegs abschreckender Zukunftsthriller, der sich ziemlich kurzweilig lesen lässt. Die Action ist spannend, vielseitig und nicht nur einmal reichlich ironisch. Aber dieser Humor ist so schwarz und trocken, dass er direkt aus den |Films noirs| der vierziger und fünfziger Jahre stammt („Der Big Sleep“, „Der Malteser Falke“ und viele mehr). Dort ist auch die Vorlage für den aufrechten, knallharten Detektiv zu finden, den Takeshi Kovacs darstellt. Die Übersetzung unterstützt diesen Eindruck ausgezeichnet.
Der Roman erweist sich als eine clevere, gut durchdachte Konstruktion, die so viele Erwartungen wie möglich erfüllt, dass den Juroren der Literaturwettbewerbe nichts anderes übrig bleibt, als ihn für die vorderen Plätze zu nominieren. Und im Fall des |Philip K. Dick Award| hat das ja auch geklappt. Wer mehr vom Gleichen haben möchte, der lese die drei SciFi-Thriller, die Peter F. Hamilton am Anfang seiner Autorenlaufbahn schrieb: „Die Spinne im Netz“, „Das Mord-Paradigma“ und „Die Nano-Blume“.
Aufgrund der fehlenden Originalität und der weitreichenden Visionen, wie ich sie etwa bei Dan Simmons („Ilium“, „Hyperion“, „Endymion“) gefunden habe, schießt der Roman aber knapp an einer Spitzenwertung vorüber.
|Originaltitel: Altered Carbon, 2002
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen|
Beagle ist als Autor von „Das letzte Einhorn“ (als Zeichentrick unsäglich kitschig verfilmt), „Das Volk der Lüfte“ und „The Innkeeper’s Song“ (dt. als „Es kamen drei Damen im Abendrot“) bekannt geworden. Er ist sicherlich einer der herausragenden Erzähler moderner Fantasy.
_Handlung_
Für die dreizehnjährige Josephine, genannt Joey, scheint es keinen schöneren Zufluchtsort zu geben als den Musikalienladen des alten John Papas, eines Griechen – bis sie eines Tages Indigo kennenlernt, einen Jungen, der auf einem wunderschönen Horn bezaubernde Melodien spielt. Das Horn gehört einem Einhorn. Heimlich folgt Joey ihm und seinen Melodien. Sie überschreitet dabei die unsichtbare Grenze zum magischen Land Sheil’rah.
Die geheimnisvolle Welt, die sich Joey dort unter der Führung des bocksbeinigen Satyrs Ko offenbart, steckt voller Wunder – und befindet sich in großer Gefahr: Eine Krankheit lässt die Einhörner, deren verzauberte Lieder die Seele des Landes sind, erblinden. Joey ist fest entschlossen, Sheil’rah zu retten. Doch dazu muss sie erst Indigos Geheimnis enträtseln. Und wie sich herausstellt, spielt Joeys mexikanische Großmutter eine bedeutende Rolle in der Rettung des sich bewegenden Einhornlandes.
_Fazit_
„Pure Magie!“, soll David Copperfield zu diesem Buch gesagt haben. Man möchte ihm nach der letzten Seite glatt beipflichten. Selten liest man eine solche bezaubernde Story, die doch von aller Sentimentalität frei ist. Vielmehr führt diese oberflächlich betrachtet als Abenteuergeschichte daherkommende Erzählung den Leser in dramatische Situationen, in denen die Gefühle und Einstellungen der Handelnden den Ausschlag geben. Und es ist insofern eine spannende Detektivgeschichte, als Joey herausfinden muss, wie sie den Einhörnern helfen kann. Viele von ihnen haben sich bereits in menschlicher Gestalt in Joeys Welt niedergelassen, um der Krankheit zu entgehen – Indigo hat es fest vor. Groß ist daher die Freude, wenn Joey ihr Vorhaben gelingt.
Beagle pflegt keinen überladenen Stil, wie so manche(r) seiner Kolleginnen und Kollegen. Nur mit dünnen Strichen zeichnet er die zwei Welten, zwischen denen Joey wandert. Nur mit wenigen Sätzen deutet er das Leid und die Not der Einhörner an, die Gefühle der Beteiligten. Umso größer ist das Vergnügen, wenn er ihre Freude im Spiel mit Joey schildert. Dies ist wirklich keine Symphonie, sondern – wieder Titel sagt – eine Sonate. Genau die Sonate, die Joey in ihrer eigenen Welt komponiert, um den Zauber der Einhörner wiederzugeben …
|Originaltitel: The Unicorn Sonata, 1996
Aus dem US-Englischen übertragen von Jörn Ingwersen|
Auf einer Farm in Colorado leben vier Außenseiter der Gesellschaft in Symbiose miteinander. Libby, geschieden und stets am Rand des Bankrotts, versucht dem HIV-kranken Bo die letzten Monate seines Lebens zu erleichtern. Sam Coldpony, ein Ute-Indianer, und seine psi-begabte Tochter Paisley bewegen sich in einem Niemandsland zwischen indianischer Tradition und dem American Way of Life. Da tritt aus einem Riss in der Realität eine Herde Einhörner in die ländliche Idylle, ebenfalls todkranke Tiere, die sich in dieser seltsamen Welt Heilung von ihrer Seuche erhoffen… (Verlagsinfo)
Spezialagent Puller ermittelt in seinem persönlichsten und schwersten Fall Dreißig Jahre ist es her, dass John Pullers Mutter spurlos verschwand. Nun kommt ein ungeheuerlicher Verdacht auf: Sein eigener Vater, John Puller senior, soll sie damals ermordet haben. Besonders furchtbar daran: Der Drei-Sterne-general ist dement und kann nichts zu seiner Verteidigung vorbringen. Also liegt es an Spezialagent John Puller junior, den Familiennamen reinzuwaschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Verlagsinfo)
Russland in der nahen Zukunft. Nach dem Krieg sind ganze Landstriche verseucht, die Flüsse vergiftet. Die einzelnen Städte haben kaum noch Kontakt zur Regierung in Moskau. Schon seit Jahren harrt Jegor im Außenposten in Jaroslawl aus. Sein Stiefvater Polkan, der Kommandant des Postens, macht ihm das Leben schwer, und die schöne Michelle interessiert sich nicht für ihn. Jegor träumt von der Welt jenseits der Eisenbahnbrücke, auf der anderen Seite des Flusses. Doch schon seit Jahrzehnten ist niemand mehr über diese Brücke gekommen. Bis heute …
(Verlagsinfo)
Zumindest dem Namen nach wird man als genreaffine Lesenden nicht an Glukhovsky vorbeigekommen sein, wurde doch seine Romanreihe um die Moskauer Metro in einer postapokalyptischen Welt mit zahlreichen Preisen überhäuft und entwickelte sich zu einem Hype. Diverse Romane später entwirft er nun mit Outpost neuerlich eine postapokalyptische Situation im Moskauer Raum, diesmal und vorerst zwar unter freiem Himmel, aber gleichfalls in giftiger Umwelt. Hier liegt der letzte Posten der noch zivilisierten russischen Welt an einer der wenigen nach dem Krieg noch erhaltenen Brücken über die Wolga, deren Wasser von tödlichem Gift verseucht sind, so dass sich die Brücken auch ohne Gasmasken ob der Gase und Nebel, die vom Fluss aufsteigen, nicht überqueren lassen. Und tatsächlich ist bei unserem Eintreffen an diesem Vorposten seit vielen Jahren niemand mehr über die Brücke gekommen. Was verbirgt sich jenseits der Wolga? Ist dort alles totes Land voller unaussprechlicher Monster, oder floriert dort womöglich das wiedererwachte Leben, während die Reste der alten Menschheit sich hinter giftigem Nebel verschanzen?
Auch der 2. Band der 2. Foundation-Trilogie-Band ist endlich auf Deutsch erhältlich – ein wesentlich besser geschriebenes Buch als der erste Band! Er setzt die Handlung aus „Der Aufstieg der Foundation / Foundation’s Fear“ von G. Benford fort. Mit David Brins unter dem Titel „Der Sieg der Foundation“ veröffentlichtem Roman (Mitte Dezember 2000) wird die zweite Foundation-Trilogie komplett in Deutsch verfügbar.
Da die ursprüngliche FOUNDATION-Trilogie von Altmeister Isaac Asimov nur 500 der 1.000 Jahre der Übergangszeit abdeckt, baten die Nachlassverwalter Asimovs Gregory Benford, einen weiteren Foundation-Roman zu schreiben. Hieraus wurde, zusammen mit je einem Roman von Greg Bear und David Brin, die zweite Trilogie, die chronologisch vor der ersten steht.
(Quelle: WIKIPEDIA)
Diese Trilogie umfasst die Romane:
6031 – Der Aufstieg der Foundation – 667 Seiten – ISBN: 3453179269
6302 – Foundation und Chaos / Der Fall der Foundation*** – 473 Seiten – ISBN: 3453179323 / 3453521579
6303 – Der Sieg der Foundation – 441 Seiten – ISBN: 3453179382
***: Der Verlag hat den Titel der Paperback-Ausgabe in der TB-Ausgabe geändert!
Unter dem Gottkaiser Leto II. wurde die Menschheit über die Galaxis verstreut. 5000 Jahre später kehren ihre Abkömmlinge aus der Diaspora zurück. Neue Kräfte haben sich entfaltet, neue Technologien wurden entwickelt. Der uralte Orden der Bene Gesserit, der seit vielen Jahrtausenden über die Geschicke des Reiches wacht und die Fäden des genetischen Erbes der Atreides in der Hand hält, sieht sich mit Mächten konfrontiert, wie es sie bisher nicht gab.
Von Arrakis selbst, dem Wüstenplaneten, ist wenig Hilfe zu erwarten. Eine zerstrittene Priesterschaft, die den Gottkaiser Leto, den „Zerlegten Gott“, in Gestalt des Shai-Hulud, des gigantischen Sandwurms, anbetet, und Einheimische, die nur noch Schatten der einstigen stolzen Fremen sind. Doch da kommt ein Mädchen aus der Wüste, das mit geheimnisvollen Kräften über den Shai-Hulud gebietet und ihm seinen Willen aufzwingt. (Verlagsinfo) Frank Herbert – Die Ketzer des Wüstenplaneten (DUNE 5) weiterlesen →
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