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Brown, Dan – Illuminati

_Sakrale Schnitzeljagd_

Ein Teilchenphysiker wird in seinem Schweizer Labor ermordet aufgefunden. In seine Brust eingebrannt entdeckt man merkwürdige Symbole. Symbole, die nur der Harvardprofessor Robert Langdon zu entziffern vermag.

Was er dabei entdeckt, erschreckt ihn zutiefst, denn es scheint, als sei die Geheimgesellschaft der Illuminati, alte Feinde der römisch-katholischen Kirche, zurückgekehrt. Und sie haben im Labor etwas mitgehen lassen: einen Behälter mit Antimaterie, der, wenn er nicht an eine Stromquelle angeschlossen wird, binnen 24 Stunden mit der Wirkung einer großen Wasserstoffbombe explodieren wird. Welcher teuflische Plan steckt dahinter?

|Der Autor|

Dan Brown war genau wie Stephen King zuerst Englischlehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. „Als Sohn eines mehrfach ausgezeichneten Mathematikprofessors und einer bekannten Kirchenmusikerin wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Wissenschaft und Religion keine Gegensätze darstellen“, meint die Verlagsinformation. „Diese Kombination ist es auch, die den weltweiten Erfolg des Autors begründet. ‚Illuminati‘, der erste in Deutschland veröffentlichte Roman von Brown, gelangte innerhalb kürzester Zeit auf Platz 2 der Bestsellerliste.“ Auf welche, wird nicht verraten. Vielleicht weiß Ford Prefect mehr *g*. „Brown ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einer Kunsthistorikerin, in Neuengland.“ Na, das klingt doch direkt nach einer Ko-|Autorin|!

|Der Sprecher|

Wolfgang Pampel ist die deutsche Synchronstimme von Harrison Ford. Das ist sehr passend, denn Robert Langdon erwähnt einen Zeitungsartikel, in dem er selbst als „Harrison Ford in Harris-Tweed“ bezeichnet wird. Ironisch wird’s, weil Langdon diese sensationsheischende Titulierung völlig ablehnt.

Pampel hat an der Theaterhochschule in Leipzig studiert und machte sich anschließend an den verschiedensten Bühnen von Leipzig, Düsseldorf, Berlin und Wien einen guten Namen.

_Handlung_

Zunächst hat es Harvardprofessor Robert Langdon, 45, Experte für religiöse Symbolologie mit einer sportlichen Figur, überhaupt nicht eilig, dem Ruf eines Schweizer Physikers zu folgen. Da schickt dieser ihm ein Fax mit einem Foto darauf: ein toter Mann, auf dessen Brust das Wort „Illuminati“ eingebrannt wurde. Die Illuminaten, die „Erleuchteten“, weiß Langdon, waren zunächst ein Zirkel von aufgeklärten Denkern im Italien um 1500.

Doch schon bald standen sie in Widerspruch zu den Lehren der Heiligen Mutter Kirche und waren ihr ein Dorn im Auge. Sie wurden in den Untergrund verbannt. Die Forscher Leonardo da Vinci und Galileo Galilei sollen ihnen angehört haben. Im Jahr 1686 wurden vier ihrer Mitglieder ebenso gebrandmarkt wie der Tote auf dem Faxfoto. Wollen sich die Illuminati jetzt, nach so vielen Jahren, zurückmelden?

Er lässt sich mit einem Überschalljet nach Genf fliegen, wo er das CERN besucht, die europäische Kernforschungsanlage, die Generaldirektor Maximilian Kohler leitet. Kohler hat das Fax geschickt. Langdon ist skeptisch: Echte Illuminaten hätten einen Forscher, einen Bruder im Geiste, nicht getötet. Doch wie ihm Kohler erklärt, war Leonardo Vetra sowohl Forscher als auch katholischer Priester. Er suchte den Gottesbeweis in den kleinsten Teilchen. Er hatte viele Feinde. Grausig starrt Vetras leere Augenhöhle auf die beiden Amateurdetektive. Kohler wünscht keine Polizei.

Vittoria Vetra, eine Meeresbiologin, ist die bildschöne Tochter des Ermordeten (und ganz nebenbei Yoga-Expertin). Sie berichtet, dass ihr Vater beweisen wollte, dass die Bibel Recht hat: Das Universum sei aus der Leere erschaffen worden – Materie aus Energie. Was Vetra erzeugt hatte, war jedoch Antimaterie. Sie schwebt in winzigen Mengen in Behältern, die durch Magnetfelder den zerstörerischen Kontakt der Antimaterie (AM) mit unserer alltäglichen Materie verhindern. An jedem Behälter verhindert eine Batterie 24 Stunden lang, dass die Reaktion eintritt, die so vernichtend wie eine große Wasserstoffbombe wirken würde.

In Vetras Labor wurde, obwohl es stark gesichert war, eingebrochen und ein Behälter gestohlen. Vetras Auge war für einen Netzhautabtaster missbraucht worden. Vetra hatte die Energiequelle der Zukunft gefunden – oder die schlimmste Waffe der Neuzeit. Wenn sie den Illuminaten in die Hände fiel, so wollen diese sie bestimmt gegen die katholische Kirche einsetzen. Kohler schickt Langdon und Vittoria nach Rom, in den Vatikan. Dort kontaktieren sie die Sicherheitstruppe des Vatikans, die Schweizer Garde. Man lacht sie aus. Oberst Olivetti glaubt an keine Bombenleger.

Der Papst ist tot und das Konklave der 165 Kardinäle ist zusammengetreten, um in der Sixtinischen Kapelle einen neuen zu wählen. Doch der Zeremonienmeister stellt beunruhigt fest, dass vier der Herrschaften fehlen, ausgerechnet die vier Preferiti, die Auserwählten mit den meisten Chancen, gewählt zu werden.

Auf Vittorias Bemühen hin sprechen sie und Langdon mit dem Interimspapst, dem Camerlengo. Carlo Ventresca, 30, hört ihnen zu und befielt Olivetti, die Bombe zu suchen, die irgendwo im Vatikan versteckt sein muss. Tatsächlich zeigt einer der Monitore eine LED-Anzeige, auf der ein Countdown abläuft. Nur noch sechs Stunden bis Mitternacht. Geht dann die Bombe hoch?

Da ruft der Bombenleger und Vetras Mörder beim Camerlengo an. Er sei von den Illuminati und wisse, wo sich die vier verschwundenen Kardinäle befänden. Sie sollen von ihm wie jene vier zuvor im Jahr 1686 geopfert werden. Jede Stunde werde einer davon getötet: in Kirchen und Tempeln. Diese Mordserie wäre das Ende des Papsttums – und die Bombe bedeutet die Vernichtung des Vatikanstaats.

Nur einer weiß, wo die Kardinäle gefunden werden können: Robert Langdon. Doch wird ihm die verbleibende Zeit reichen, um sie zu retten?

_Mein Eindruck_

So beginnt ein rasanter Mystery-Thriller, in dem sakral-okkulte Kunst des Illuminatenordens quasi ein Paralleluniversum an Bedeutungen öffnet, das jeden Esoteriker in Ekstase versetzen würde. Pyramiden, die Zahlenkombination 5+2 sowie jede Menge Engel weisen Langdon den Weg durch den Immobiliendschungel der Tiberstadt. Nicht nur muss er kreuz und quer (was ein Kreuz zeichnet), sondern auch ganz tief hinunter und schließlich sogar ganz hoch hinaus. Auf seiner dreidimensionalen Odyssee bekommt er es mit allen möglichen Schurken zu tun, die er sich nicht hätte träumen lassen. Aber er hat ja die treue und tapfere Vittoria an seiner Seite, die ihn anspornt, sich wie weiland Indiana Jones aufzuführen und James Bond alt aussehen zu lassen. Eine Schnitzeljagd, wie sie im Buche steht. Wer ihr zu folgen versucht, kommt aus dem Staunen kaum noch heraus.

|Charakterisierung|

Die Charakterisierung der drei oder vier Hauptfiguren ist recht schlicht gestrickt. Langdon ist unser ganz normal naiver Harvardprofessor mit einer Phobie vor engen Räumen – Fahrstühlen beispielsweise. Doch zu jeder passenden Gelegenheit enthüllt er verborgene Fähigkeiten: Er war Wasserballspieler und sogar Turmspringer. Dafür hat er leider vom Schießen keine Ahnung, was sich mitunter als verhängnisvoll erweist. Wenigstens trifft er einen Zeh, wenn schon nicht den Leib des Mörders. Manchmal mischt sich so etwas wie Komik in das abenteuerliche Geschehen.

|Die Medien – Komplizen des Terrorismus?|

Wie bei jedem terroristischen Anschlag von astroglobaler Bedeutung mischen auch hier die Medien kräftig mit. Ein BBC-Reporter mit dem schönen Namen Gunter Glick hält in vorderster Front die Linse der Kamera auf das erste Mordopfer in Rom. Ein Kardinal – und nur der erste von vier! Die Sensation des Tages. Schon bald fallen sämtliche Ü-Wagen der Tiberstadt über den Vatikan her und verlangen eine Stellungnahme des gelähmten Mini-Staatswesens. Ein Menschenauflauf ist die Folge, Scheinwerfer und Kameralinsen richten sich auf den Petersdom, hinter dessen Mauern der Countdown der Vernichtung läuft: Es ist der Jüngste Tag, das „Armageddon“, wie es der Autor beschreibt. Ob er wohl den „Zeugen Jehovas“ angehört, die jeden braven Bürger mit diesem Schreckenswort zu ihrer Lehre bekehren wollen?

Doch erst die Medienaufmerksamkeit potenziert die Bedrohung durch die Illuminati bis ins Unendliche: Der ganze Globus nimmt teil am Geschehen. Dass es sich dabei im Grunde um eine Schnitzelhagd handelt, lässt die Sache ein wenig übertrieben erscheinen, also erst richtig witzig aussehen.

|Lausige Logik|

Leider muss der Hörer beide Hühneraugen zudrücken, wenn es um die Qualität der Logik dieses Plots geht. Wie konnte die Bombe so schnell nach Rom gelangen? Wieso ist der „erleuchtete“ Killer scharf auf so weltliche Dinge wie Sex mit Vittoria? Wieviele Pyramiden und Obelisken gibt es eigentlich noch in Rom? Warum muss ausgerechnet Yoga Prof. Langdon das Leben retten?

Nicht Plausibilität ist das Ziel der Unterhaltung, sondern möglichst viele Überraschungen auf möglichst engem Raum. Und so schlägt die Handlung schließlich einen Zickzackkurs ein, der eines Hasen auf der Flucht würdig wäre. Schließlich wundert man sich kaum noch, dass Indy, pardon: Langdon Stunts abliefert, die einen James Bond erblassen ließen, und die Bösewichte im Vatikan sich wie russische Puppen hintereinander verstecken, falsche Fährten inklusive.

|Abrakadabra!|

Kurzum: Wer eine gute Show erwartet hat, kommt voll auf seine Kosten. Fehlen eigentlich nur noch die Karnickel, die aus dem Hut gezogen werden. Und am Schluss ist es keine Frage, ob der Junge das Mädchen bekommt. Es kann – angesichts der Gleichberechtigung – auch umgekehrt sein, das ist uns eh schon gleichgültig.

_Das Hörbuch_

Wolfgang Pampel ist die deutsche Stimme von Harrison Ford, und als solcher liefert er sozusagen den unverfälschten „Indiana Jones“ als Stimmlage von Robert Langdon (und des Erzählers). Jeder Hörer weiß: Hier ist Abenteuer pur garantiert. Pampels Tonlage von Generaldirektor Maximilian Kohler ist nicht nur ein gutes Stück tiefer, sondern auch noch kurzatmig aufgrund seines Asthmas. Und die Tonlage von Vittoria Vetra ist ein wenig höher als die der Figur Langdon.

Den Angehörigen der Schweizergarde haftet hingegen ein allerliebster Schweizer Akzent an, der aber keineswegs mit echtem Schwyzerdütsch zu vergleichen ist. Es handelt sich um korrektes Hochdeutsch, doch mit dem rauen „ch“ der Eidgenossen, und hin und wieder ist eine höhere Intonation von Sätzen zu bemerken, als es im Deutschen meist der Fall ist. Infolge dieser Unterschiede ist es ohne große Mühe möglich, die Figuren auseinander zu halten.

Mit einem gewissen Verdruss bemerkte der sprachlich gebildete Hörer, dass Pampel noch im Hörbuch von „Sakrileg“ etliche fremdsprachliche (meist französische) Namen und Ausdrücke falsch aussprach. Dies ist bei „Illuminati“ nicht mehr der Fall. Tatsächlich hatte ich nur mit einem einzigen Namen etwas Mühe, weil ich die Aussprache nicht richtig hörte: Der Zeremonienmeister der Kardinäle, der das Konklave leitet, heißt entweder Montati oder Mortati oder Mottati.

|Dramaturgie|

Der Text des Buches wurde von Arno Hoven bearbeitet und stark gekürzt. Das tut der Spannung aber nur gut, denn so fallen etliche Beschreibungen der Szenerie und unwichtiger Figuren weg. Dadurch schält sich der berühmte rote Faden heraus, dem der Hörer mit einiger Leichtigkeit zu folgen vermag. Es erweist sich jedoch als hilfreich, sich ein klein wenig in der heiligen Stadt auszukennen. Wichtige Landmarken wie der Petersdom, der Tiber, die Hügel, die Engelsburg und vielleicht noch die sehr schöne Piazza Navona zu kennen, ist gewiss kein Nachteil. Zumal dem Hörbuch natürlich keine Stadtkarte beiliegt.

|Die Musik|

Die dem Text unterlegte Musik von Michael Marianetti und Andy Matern finde ich recht passend, vor allem weil sie sparsam eingesetzt wird, meist als Punktuation zwischen Kapiteln. Mal kommt sie dynamisch drängend daher wie in einem Actionthriller, doch meistens getragen und feierlich wie bei einer Messe. Es geht eben sehr viel um religiöse Inhalte (was hier nicht weiter ausgeführt werden darf, ohne den Clou zu verraten!). Hier passen dann stimmungsvolle Orgeln und ein paar feierliche Chöre.

_Unterm Strich_

Im Grunde geht es dem Autor um die Erörterung des alten (scheinbaren?) Gegensatzes zwischen Vernunft / Wissenschaft und Glauben / Religion / Kirche. Die vier Kardinale werden der Reihe nach auf „Altären der Wissenschaft“ geopfert. Doch dabei handelt es sich um Orte, für die man ebenso Kunst- wie auch mystischen Verstand braucht. Am Schluss spitzt sich der Konflikt zu, doch wie auch immer der Ausgang sein mag, so lässt er sich doch ebenfalls politisch verwenden – ob für oder gegen die Kirche, soll hier nicht verraten werden.

|Engel & Dämonen|

Schrieb Dan Brown in „Sakrileg“ kurz mal die Geschichte des Christentums um, so leuchtet er in „Angels & Demons“ in die Leichenkeller des Vatikans. Er fördert Engel & Dämonen zutage, doch allmählich wird klar, dass die Unterscheidung zwischen dem, was ein Engel sein soll und dem, was ein Dämon sein könnte, gar nicht so einfach ist. Letzten Endes ist es beim Glauben wie mit der Wissenschaft: Es kommt drauf an, was man damit anstellt. Antimaterie kann – wie Atomkraft – Fluch oder Segen sein, je nach ihrer Verwendungsweise.

Das Gleiche, so suggeriert Brown, trifft auch für den Glauben zu: Er kann die Menschen erleuchten und zu erhöhter Spiritualität emporheben, er kann aber auch zur Unterdrückung von Wahrheit und Andersdenkenden benutzt werden. Und wer die Geschichte – der Kirche wie auch der Wissenschaft – nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Engel oder Dämon, der Mensch ist beides. Er muss sich lediglich in Kenntnis der Realität entscheiden.

|Der Sprecher|

Dass der Sprecher des Hörbuchs mit seiner tiefen Stimme wie Harrison Ford alias Indiana Jones klingt, kommt der Spannung und Faszination der eh schon aufregenden Geschichte zugute. In der gekürzten Fassung ist das Geschehen noch mehr auf Action um den roten Faden der Story ausgerichtet. Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, wenn man die Logiklöcher, die übertriebenen James-Bond-Stunts und die Indiana-Jones-Schnitzeljagd hinnimmt. (Tut man dies nicht, kann man den Rest gleich vergessen.)

|Der Preis|

Der stark herabgesetzte Preis von schlappen 10,95 Euronen (bei |amazon.de| derzeit für 7,70 €) dürfte eine Menge Käufer reizen, zu einem Hörbuch zu greifen, das über sieben Stunden spannende Unterhaltung im Stil des bekannten Bestsellers bietet. Und angesichts der Komplexität der Schnitzeljagd könnte man die sechs CDs glatt noch einmal von vorn anhören. Schade, dass man dann schon weiß, wie’s ausgeht. Autofahrer, die sich das Hörbuch auf Nachtfahrten reinziehen, werden jedenfalls bestimmt nicht in Gefahr geraten, am Steuer einzuschlafen.

Fragt sich nur: Wann kommt das Hörbuch zu „Meteor“?

|Umfang: 437 Minuten auf 6 CDs|

Lovecraft, H. P. – Das Ding auf der Schwelle & Die Ratten im Gemäuer

Das Hörbuch kombiniert zwei bekannte und sehr wirkungsvolle Horror-Erzählungen: „Das Ding auf der Schwelle“ (1937) und „Die Ratten im Gemäuer“ (1924). Wie schon bei „Der Schatten über Innsmouth“ spricht Lars Riedel die Rolle des Erzählers. Seine Intonation wird dem Hörer unweigerlich kalte Schauder über den Rücken jagen.

|Der Autor|

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die |Großen Alten|, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber wie in den Zusatztexten zu „Innsmouth“ zu erfahren war, reicht Lovecrafts Grauen weit über die landläufige Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als Liebe spendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.

|Der Sprecher|

Lutz Riedel ist die deutsche Stimme von Timothy Dalton („James Bond“ u. a.). Er zeigt auf diesem Hörbuch seine „herausragenden Sprecherqualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern“. Er war auch „Jan Tenner“ in der gleichnamigen Hörspielserie.

_Die Erzählungen_

a) |Das Ding auf der Schwelle|

„Es ist wahr, dass ich meinem besten Freund sechs Kugeln durch den Kopf gejagt habe, und dennoch hoffe ich mit dieser Aussage zu beweisen, dass nicht ich sein Mörder bin. Zunächst wird man mich einen Wahnsinnigen nennen – wahnsinniger noch als der Mann, den ich in seiner Zelle in der Heilanstalt von Arkham niedergeschossen habe.“

Also spricht Daniel Upton, der Berichterstatter des grausigen Unglücks, das seinem Jugendfreund Edward Pickman Derby zugestoßen ist. Dieser Dichter des Absonderlichen und Student des Okkulten weist, wie etwa auch Charles Dexter Ward, autobiografische Züge auf. Auch er wurde verhätschelt und in eine seltsame Familie geboren. Er trieb sich lieber mit den Bohemiens und Säufern von der verrufenen |Miskatonic Uni| in Arkham herum, statt einem ordentlichen Beruf nachzugehen.

Jedenfalls solange, bis er mit 38 die Frau seines Lebens (oder seines Todes?) traf und heiratete: Asenath White ist die Tochter des alten Hexenmeisters Ephraim White aus dem verrufenen Innsmouth, wo man um 1850 einen Pakt mit seltsamen Wesen aus dem Meer geschlossen hatte (vgl. dazu unbedingt [„Der Schatten über Innsmouth“ 424 ). Daniel Upton erinnert sich an White als „wölfisch“ und „gestorben im Wahnsinn“. Asenath, gerade mal 23 Jahre alt, scheint dessen Kräfte geerbt zu haben. Insbesondere als Hypnotiseurin leistet sie Ungewöhnliches, nämlich den Austausch der Persönlichkeit des Hypnotisierten, so dass dieser sich selbst durch Asenaths Augen sehen kann.

In Ed Derby hat sie ihr ideales Opfer gefunden. Sie hypnotisiert ihn und bemächtigt sich zeitweilig seines Körpers. Das geht über Jahre hinweg, und beide verändern sich so stark, dass sich Upton wundert: Während sich Derby von einem schlaffen Lethargiker zu einem dynamischen, lebensfrohen Macher entwickelt, sieht Asenath von Jahr zu Jahr älter aus. Doch die Wirklichkeit ist weitaus grauenerregender. Denn es ist nicht Asenath, die ihren Körper bewohnt, sondern ihr Vater, der sie schon im Kindesalter übernommen hat. Und dieser bemächtigt sich wiederum des Körpers ihres Mannes, Ed Derby. Sein Ziel besteht darin, wieder zum Mann und unsterblich zu werden, damit er in Kooperation mit den Großen Alten, die im Untergrund des hintersten Berglandes hausen, weiterhin seine okkulte Herrschaft ausüben kann.

Doch diesen Persönlichkeitsverlust verkraftet das zeitweilig übernommene Opfer nicht lange. Nach einem schrecklichen Zusammenbruch vertraut sich Derby seinem Freund an. Aus Verzweiflung erschlägt er schließlich seine Frau. Doch dies ist nicht ihr Ende. Aus dem Keller heraus, in dem er sie verstaut hat, zwingt sie ihn, den Körper mit ihr zu tauschen. Nun gelingt es Derby gerade noch, als „das Ding auf der Türschwelle“ bei seinem Freund zu erscheinen und ihm einen warnenden Brief zu geben, mit einer dringenden Bitte: „Töte das Wesen, das in der Heilanstalt von Arkham als Edward Derby gilt.“

b) |Die Ratten im Gemäuer|

Ein Amerikaner aus Massachusetts hat in England das seit alters her verfluchte Gemäuer der Exham-Priorei wieder bezogen. Es ist der 16. Juli 1926. De La Poer, vormals Delapore, ist der Letzte seines Geschlechts, das in der Priorei seit dem 13. Jahrhundert gelebt hatte, bis Walter de la Poer im 17. Jahrhundert (genauer: 1610) nach Virginia auswandern musste. Dort nahm die Familie die Namensform Delapore an, denn Adlige waren in der neuen Demokratie nicht gern gesehen …

Doch die Grundmauern der Priorei sind weitaus älter als das 13. Jahrhundert. Sie stammen, wie der letzte Spross herausfindet, sogar noch von den Römern des 2. Jahrhunderts. Wie an Inschriften abzulesen, wurden hier abscheuliche Riten für die „magna mater“, die Fruchtbarkeitsgöttin Kybele, und für den dunklen Gott Atys abgehalten. Wie De la Poer herausfindet, stammen die ältesten Mauern noch aus jungsteinzeitlicher, „druidischer“ Zeit, und wer weiß, was damals im Tempel alles geopfert wurde …

Nach einer Woche hört De la Poer bzw. sein treuer Kater „Nigger“ das erste Trapsen und Trippeln in den Mauern seines Schlafgemachs. Auch alle neuen Katzen sind aufgeregt. Zusammen mit seinem Nachbarn Captain Norrys untersucht er den Keller und stößt auf den Altarstein der Kybele. Doch Norrys entdeckt, dass darunter noch eine Etage sein muss. Mit mehreren Gelehrten, darunter „Archeologen“, erforscht man den Tunnel unter dem Altarstein. Massenhaft Skelette, die Knochen von Ratten zernagt, bedecken die Treppe.

Doch das Schlimmste kommt erst noch: eine unterirdische Stadt aus uralter Zeit, in der nicht Menschen, sondern die Ratten das Kommando hatten. Angeführt werden sie von Nyarlathotep, einem der Großen Alten, der im bodenlosen Abgrund haust und nun auch auf de la Poer seinen Einfluss ausübt …

Wie „Schatten über Innsmouth“ ist „Ratten“ eine Geschichte über Degeneration in einer Familie (genau wie in HPLs eigener) und was daraus wurde. Nur verstößt die Form der Degeneration gegen so große und viele Tabus, dass man es hier nicht wiedergeben kann. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unaussprechlich.

_Mein Eindruck_

In diesen, seinen besten Geschichten befolgt Lovecraft konsequent die Forderung Edgar Allan Poes, wonach eine „short story“ in allen ihren Teilen auf die Erzielung eines einzigen Effektes ausgerichtet („unity of effect“) sein solle, egal ob es sich um die Beschreibung eines Schauplatzes, von Figuren oder um die Schilderung der Aktionen handele, die den Höhepunkt ausmachen (können).

Um die Glaubwürdigkeit des berichteten Geschehens und der Berichterstatter zu erhöhen, flicht Lovecraft zahlreiche – verbürgte oder meist gut erfundene – Quellen ein, die beim weniger gebildeten Leser den Unglauben aufheben sollen. Erst dann ist die Erzielung kosmischen Grauens möglich, das sich Lovecraft wünschte. In den meisten Erzählungen gelingt ihm dies, und daher rührt auch seine anhaltende Wirkung auf die Schriftsteller weltweit. Erfolgreiche Serien wie Brian Lumleys „Necroscope“ oder Hohlbeins [„Hexer von Salem“ 249 wären ohne Poe und Lovecraft wohl nie entstanden.

Das heißt aber nicht, dass Lovecraft keine negativen Aspekte eingebracht hätte. Als gesellschaftlicher Außenseiter, der nur intensiv mit einer Clique Gleichgesinnter kommunizierte (er schrieb Briefe wie andere Leute E-Mails), ist ihm alles Fremde suspekt und verursacht ihm Angst: Xenophobie nennt man dieses Phänomen. Darüber hinaus hegte er zunächst rassistische und antisemitische Vorurteile (wie leider viele seiner Zeitgenossen), so dass er von kultureller Dekadenz und genetischer Degeneration schrieb. Degeneration ist das Hauptthema in „Grauen von Dunwich“ und „Schatten über Innsmouth“, aber auch in den beiden hier gesammelten Erzählungen.

Edward Derby ist der dekadente Sprössling, der sich dem verderblichen Einfluss schwarzer Magie zuwendet und so an Asenath White bzw. ihren Vater Ephraim, den unsterblichen Hexenmeister, gerät. Der Letzte der de la Poer stößt, wie der Protagonist in „Innsmouth“, unversehens auf die schrecklichen Wurzeln seiner eigenen Familie, allerdings natürlich nicht in der Neuen, sondern in der Alten Welt, in England. Immer wieder wird bei Lovecraft das Grauen importiert: von anderen Weltgegenden, aber wichtiger noch – aus der alten Zeit. Denn in grauer Vorzeit, so HPLs Privatmythos, herrschten die Großen Alten auf der Erde, bevor sie vertrieben wurden. Daher bleiben von ihnen nur Spuren ihres Einflusses. Und wer lange genug nach seinen eigenen Wurzeln sucht, wird auf diese Wurzeln stoßen. Das „kosmische Grauen“ verschlingt den unseligen Sucher.

Ähnlich passiert dies auch Edward Derby, aber auf ganz andere Weise. Denn die verhängnisvollen Wurzeln verbergen sich in seiner Gattin Asenath, die wiederum von ihrem Vater besessen ist. Dieser wiederum ist ein Diener der Großen Alten, denen er die Unsterblichkeit per Seelenübertragung durch Körpertausch verdankt. Für den armen Ed kommt jede Hilfe, die ihm sein entsetzter Freund, unser Reporter vor Ort, gewähren könnte, häufig zu spät. Mit zwei Ausnahmen: Als Ed aus den Bergen und Wäldern Maines taumelt, fährt Dan ihn nach Hause, wobei Ed ihm die (vermutete) Wahrheit erzählt – bis zu einem gewissen Punkt, an dem Asenaths Geist ihn wieder übernimmt, sozusagen per Fernsteuerung. Die andere Ausnahme ist natürlich der Gnadenschuss für Edward Derby, das heißt: für seinen Körper.

|Der Sprecher|

Lutz Riedel liefert eine tolle, überragende Leistung ab. Sein modulationsreicher, dramatischer Vortrag hat mich sehr beeindruckt. Beide Erzählungen steigern sich in ihrer Wirkung allmählich zu einem Höhepunkt, „Die Ratten im Gemäuer“ sogar noch eindeutiger, unkomplizierter als „Das Ding auf der Schwelle“. Am Höhepunkt steigert sich Riedels Stimme in solche Höhen, dass ich sie einem Mann nicht zugetraut hätte. Doch dieses Stilmittel ist – nur in diesem Augenblick – völlig angemessen. Wer mit dem Geist zu sehen vermag, kann sich das Entsetzen der entsprechenden Szene lebhaft und geradezu wie einen Film vorstellen. Einfach fabelhaft. (Ich stelle mir dazu gerne einen schwarzweißen Stummfilm aus der Ära von Bela Lugosi und Boris Karloff vor.)

Die Musik von Andy Matern und die Ansage durch Helmut Krauss entsprechen dem Motto des Verlegers, Regisseurs, Produzenten und Dramaturgen Lars Peter Lueg ebenfalls in vollkommener Weise: „Gänsehaut für die Ohren“ hat man selten wirkungsvoller erlebt – mit Ausnahme der anderen LPL-Produktionen wie etwa „Necroscope“.

_Unterm Strich_

Ist „Das Ding auf der Schwelle“ auch vielschichtiger aufgebaut als die frühe Erzählung „Die Ratten im Gemäuer“, so bieten beide doch garantiert Grauen höchster Qualität und Wirkung, wie man es nur in den besten Erzählungen von Autoren wie Lovecraft finden kann. Ist „Das Ding …“ eine Art längerer Sinfonie, die sich in Phasen der An- und Entspannung dem Finale nähert, so besticht „Ratten“ durch die strenge Ausrichtung auf die sich stetig steigernde, absolut einheitliche Wirkung, ohne lange nach rechts oder links abzuschweifen. Die Wirkung auf mich war entsprechend größer: wie ein Schlag in die Magengrube (ich wollte gar nicht mehr hinhören!). Der Hörer sollte sie sich als krönenden Abschluss des Hörbuchs gönnen – denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Lutz Riedel erweist sich als optimaler Sprecher der unterschiedlichen Stimmungen in den beiden Erzählungen. Seine stimmliche Modulationsfähigkeit ist wirklich beeindruckend und verhilft den Geschichten zu optimaler Wirkung. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet, die Umrahmung angemessen düster. |LPL records| hat wieder einmal eine sehr gelungene Produktion vorgelegt, die sich jedem Lovecraft- und Horror-Freund bedenkenlos empfehlen lässt.

|Hinweis|

Ein umfangreiches zweites Booklet stellt die weiteren LPL-Produktionen vor, zu denen auch eine Reihe von Erzählungen gehört, die „Alien“-Schöpfer H.R. Giger unter dem Label [„Vampirric“ 581 zusammenstellte. Diese Erzählungen stammen von bekannten Autoren wie Guy de Maupassant („Der Horla“, ein echter Klassiker) und Thomas Ligotti, einem modernen Amerikaner, der stark von Poe und HPL beeinflusst ist („Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts“). Das Design der Hörbücher ist, einem Giger angemessen, bizarr und düster.

|Umfang: 153 Minuten auf 2 CDs|

John Sinclair – 163 – Die Werwolf-Schlucht

Die Handlung:

Werwölfe auf den Shetland-Inseln! Anders ließ sich der Hilferuf der vor Ort stationierten Wissenschaftlerin Dr. Morgana Layton kaum interpretieren. Als auch noch das Militär eingriff und bei dem Versuch, die Insel einzunehmen, scheiterte … da wussten wir, dass uns ein ganz besonders höllischer Fall erwartete! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 328 gemacht, das erstmalig am 15. Oktober 1984 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Wolfgang Hohlbein – Dunkel (Lesung)

Vampirjagd in Neuss

Ein actionreicher Vampirroman, den uns der deutsche Bestsellerautor da auftischt: komplett mit Zweikämpfen zwischen Vampyr und Vampjäger, die meist in irgendwelchen Wohnungen oder Anlagen stattfinden. Und stets spielen ein Fotoapparat (auch digital) und ein Spiegel eine wichtige Rolle …

Der Autor

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953, ist bekanntlich der erfolgreichste deutschsprachige Autor von Unterhaltungsliteratur für jugendliche und erwachsene Leser. Seine Heimatstadt Neuss zwischen Düsseldorf und Köln ist auch im Hörbuch Schauplatz des Geschehens.

Der Sprecher
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Brecht, Berthold / Reich-Ranicki, Marcel – Texte von und über Bertolt Brecht

_“Ungeheuer oben“: Wolken, Liebe, Gedichte_

Der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands spricht über einen seiner Lieblingsautoren und trägt dessen Lieder und Gedichte vor. Ein Booklet-Text von Hans Sarkowicz erhellt die Beziehung zwischen Kritiker und Autor auf anschauliche und informative Weise.

„Auf seine unverwechselbare Art und Weise liest Marcel Reich-Ranicki verschiedene Texte von und über den großen Dramatiker Bertolt Brecht. Der Hörer bekommt einen kleinen, aber lebendigen literaturhistorischen Überblick. Marcel Reich-Ranicki schenkt dem Lyriker Bertolt Brecht besondere Beachtung. Er rezitiert und interpretiert ausgewählte Gedichte.“ (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Bertolt Brecht, am 2. Februar 1898 in Augsburg geboren, war Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Schon mit seinem Debüt „Trommeln in der Nacht“ sorgte er 1922 (dem „Ulysses“-Jahr) für Aufsehen. In dem von ihm so genannten „epischen Theater“ setzte er gegen das möglichst realistische Spiel die kritische Befragung des Bühnengeschehens mit Kommentar, szenischer Montage und Verfremdung (der berühmte „V-Effekt“). Die mit dem Komponisten Kurt Weill geschriebene „Dreigroschenoper“ wurde in Berlin zum Sensationserfolg, und noch heute gibt es Theaterrestaurants, die das Stück oder Ausschnitte daraus regelmäßig aufführen (z. B. im Münchner Stadtteil Au).

1933 blieb dem bekennenden Marxisten nur die Flucht ins Exil, u. a. nach Finnland, in die Sowjetunion und die USA. Erst 1949 kehrte er zurück, nach Ost-Berlin. Weil er sich im Osten niederließ und den Aufbau der DDR mit kritischer Sympathie verfolgte, blieb er nach Angaben des Booklet-Autoren Hans Sarkowicz im Westen geächtet, auch noch lange nach dem 14.8.1956, an dem BB starb. Regelrechte Anti-Brecht-Kampagnen sollen bis in die 60er Jahre hinein die Aufführung seiner Stücke ver- und behindert haben.

_Der Leser_

Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920, ist schlicht und ergreifend der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands. Ob er auch der beste usw. ist, sei dahingestellt. Er ist Bertolt Brecht persönlich begegnet, wie uns das Booklet aufklärt: 1952 in Warschau. „MRR, der Sohn polnisch-deutschjüdischer Eltern, hatte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt und arbeitete im kommunistischen Polen als Kritiker, Übersetzer und Journalist. BB war aus seinem Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrt und besuchte als kultureller Repräsentant den sozialistischen Bruderstaat. MRR hatte Glück. Er wurde in das Hotelzimmer des Dichters geführt und durfte mit ihm ein Interview führen. (…) Nicht erst seit dieser Begegnung, schon lange vorher war MRR ein leidenschaftlicher Verehrer BBs.“ 1958 siedelte MRR nach Westdeutschland über, wurde allmächtiger Literaturchef der FAZ und Gastgeber des „Literarischen Quartetts“ im ZDF. (Alle Abkürzungen stammen von mir, der Text stammt teilweise von Hans Sarkowicz.)

Die Hörbuchaufnahme stamme von 1998, schreibt Sarkowicz. Hier spreche MRR als „bekennender Brecht-Verehrer“ v. a. über den Dramatiker und Lyriker, dessen schönste Gedichte er auch selbst vortrage. 2001 hat MRR im Aufbau-Verlag ein Buch über BB veröffentlicht.

Wer mehr über MRR erfahren möchte, dem sei sein Buch „Mein Leben“ wärmstens empfohlen. Ein Auszug daraus ist in „Das Buch der Deutschen“ abgedruckt, das 2005 von Johannes Thiele bei |Lübbe| herausgegeben wurde.

_Inhalte_

Schon mit 22 oder 23 Jahren, noch vor dem Erfolg von „Trommeln in der Nacht“ (s. o.), will BB sich als „Klassiker“ wahrgenommen haben. Koketterie? Oder zu Recht? Woran ist der „Klassiker“ zu messen – an seiner Wirkung auf die Nachwelt oder auf seine Zeitgenossen? Wie nehmen wir ihn heute wahr: als politischen Dichter oder doch mehr als Dramatiker, als Lehrer oder als Mensch? MRR meint, zuvorderst sei BB doch auch Verführer gewesen. Ganz einfach auch deshalb, weil es die Aufgabe eines Dramatikers und des Theaters sei, den Zuschauer a) zu verführen und b) zu unterhalten, bevor es c) anfangen könne, eine Botschaft zu verbreiten. Pädagogik wirke abschreckend (und langweilig obendrein).

Den Löwenanteil an MRRs Vortrag nimmt sympathischerweise das Thema Liebe und Erotik in BBs Lyrik ein. Dieser Aspekt kommt in vielen kritischen Würdigungen BBs zu kurz, wenn er überhaupt beachtet wird. Aber BB befasste sich schon mit 18 schreibenderweise mit der ersten Liebe, erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt, dann zynisch. Das hat ihm die Rosa Marie angetan. In seinen Liebesgedichten verbindet BB den Wahnsinn der Liebe und das Mysterium der Sexualität mit dem, was dieser Wahn am stärksten bedroht: mit dem Intellekt. Das ist eine höchst interessante Verbindung. In seinem Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, das auf Rosa Marie anspielt, durchläuft das lyrische Ich im dialektischen Dreisprung These, Antithese und Synthese, um schließlich festzustellen, dass jene weiße Wolke, die so „ungeheuer oben“ erblickt wurde, immer noch in der Erinnerung herumspukt und ihn an die Marie A. gemahnt.

MRR zeigt, wie die Liebe von BB in verschiedenen Aspekten reflektiert wurde, und zieht eine interessante Parallele zu Franz Kafka. Kafka liebte „Milena“, die er um ein Haar geheiratet hätte. Er gesteht, dass sich der Liebende in dem durch die Geliebte geschenkten Leben wiederfinde, ja, selbst liebe. Liebe kann durchaus egozentrisch sein. Und BB nutzte seine Frauen (Ruth Bärlau, Helene Weigel, etc.) durchaus aus, wobei sie sich das offenbar gefallen ließen.

|Lieder|

In der „Dreigroschenoper“ tragen Mackie Messer und seine Geliebte ein klassisches Sonett vor, das aber solches kaum erkennbar ist: Die ironisierende Parodie verdeckt die altehrwürdige Form und verbirgt so auch Pathos und Poesie der Liebe, um sie zu schützen. In der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ findet sich ebenfalls ein Liebeslied, das darin allerdings wie ein Fremdkörper wirkt: Es bedient sich ebenfalls eine uralten Form, nämlich der Terzine. Literaturkenner wissen natürlich, dass das berühmteste Gedicht, das jemals in Terzinen verfasst wurde, die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri ist. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

In „Mahagonny“ singen die Hure „Seeräuber-Jenny“ (die später vom Schwarzen Frachter singen wird) und der Holzfäller Ackermann das Lied „Die Liebenden“. Sie tun dies ohne jede Ironie, sind jedoch von einer von Gewalt geprägten Welt umgeben. Daher erscheint das Lied so unpassend und anachronistisch. Seltsamerweise bildet es ein poetisches Gegengewicht zu dem schwermütigen Rest der Oper. Nicht zuletzt deshalb, weil Seeräuber-Jenny und Ackermann auf Dantes Vorlage verweisen. In der „Göttlichen Komödie“ schmort ein Liebespaar im Inferno (= Hölle), weil seine Liebe nicht sein darf. (Wer die genauen Details wissen will, der höre MRR genau zu oder schlage bei Dante nach.)

|Klassisch|

Mit größter Begeisterung, ja, geradezu hingerissen trägt MRR eines von BBs bekanntesten Gedichten vor, das dieser in dem Stück „Schweijk im Zweiten Weltkrieg“ veröffentlichte: „Das Lied von der Moldau“. „Es rollen die Steine am Grunde der Moldau, es liegen drei Kaiser begraben in Prag …“ Obwohl es um die Vergänglichkeit alles Irdischen gehe (die Kaiser, die Steine), so lasse uns Brecht doch Hoffnung: „denn der Tag kommt schon noch.“ Eine Bitte um Nachsicht in „An die Nachgeborenen“ und ein – natürlich lobendes – Fazit beschließen den Vortrag.

_Mein Eindruck_

Nun bin ja als Germanist einschlägig vorbelastet, was Lyrik im Allgemeinen und Brecht im Besonderen anbelangt, doch Reich-Ranicki gelang es in seinem Vortrag, meine Aufmerksamkeit über weite Strecken zu fesseln. Denn MRR hat keineswegs die Brechtianischen Schlager wie „Mackie Messer“ ausgewählt, sondern a) weitgehend weniger beachtete Texte ausgewählt („Erinnerung an Marie A.“ ist relativ bekannt, wird aber selten zitiert) und b) vor allem Liebeslyrik.

Das ist bei einem derart politisch und auch das Tagesgeschehen (17. Juni 1953!) kommentierenden Autor recht verwunderlich. Andererseits eignet sich das Thema Liebeslyrik für eine kompakte Darstellung weitaus besser als etwa eine weitgehend theoretische Erörterung dessen, was man sich unter „epischem Theater“ vorstellen kann bzw. soll. Zudem spricht es auch weibliche Hörer in gleichem Maße an wie männliche. Drittens ist es ein Thema, das politisch unverfänglich ist und an dem sich der Kritiker weder als rechtskonservativ noch als linksliberal zu erkennen geben muss.

Als Literaturfreund, der seit über 50 Jahren nichts anderes tut, als sich mit Literatur zu beschäftigen, ist MRR in der Lage, eine Argumentationskette ebenso geschickt aufzubauen wie seine Thesen mit entsprechenden Werkbeispielen zu belegen. Da Brecht zu seinen Lieblingsautoren gehört, weiß er ganz genau, welche Werke in welchen Ausgaben zu finden sind. Er teilt uns ohne Umschweife mit, welche aktuelle Werkausgabe die maßgebliche ist und dass man darin auch Gedichte aus dem Nachlass finden kann. Eines davon trägt er vor …

|Der Sprecher MRR|

MRR ist ja in manchen Kreisen berüchtigt für seine Dampfwalzenrhetorik, die das Gegenüber, das vielleicht ein paar Einwände anbringen möchte, einfach durch eine vehement vorgetragene Meinung einfach niederbügelt. Als ich die CD einlegte, befürchtete ich einen ebensolchen Vortrag, der auf apodiktische Weise keine andere Interpretation gelten lässt.

Ich wurde angenehm überrascht. Liegt es an der Vorliebe für den Dichter, liegt es am Sujet der Liebeslyrik? Jedenfalls lässt es MRR sachte angehen, und es ist einfach, seinem Vortrag zu lauschen sowie seiner Argumentation zu folgen. Wenn er Liebesgedichte vorträgt – es ist jeweils eine Pause vorgeschaltet -, so tut er dies mit sehr deutlicher Aussprache, langsam vortragend und klar betonend. Diese Vortragsweise eignet sich meines Erachtens für jede Schulklasse, die sich mit dem Thema befasst. Dabei lässt MRR keineswegs den Oberlehrer heraushängen, der ihm früher so viel Ablehnung eingetragen hat.

Die meisten Textzitate sind vollständig, es handelt sich also in der Regel nicht um Auszüge, sondern um das vollständige Gedicht. Das ist bei Lyrik natürlich besonders wichtig, weil ja die letzte Zeile oft eine Pointe bereithält. Wenn also „Erinnerung an die Marie A.“ in allen drei Strophen zitiert wird, so ist dies nicht ein ätzender Versuch des Kritikers, uns zu nerven, sondern pure Notwendigkeit, um den Text zu begreifen. Sicherlich erfordert dies von der MTV-Generation etwas Geduld, aber tut dies nicht alle Literatur, die diese Bezeichnung verdient?

_Unterm Strich_

Das Hörbuch erlaubt es dem Hörer, den berühmten Dichter Brecht von seiner allgemein zugänglichsten und doch unbekanntesten Seite kennen zu lernen: durch seine Liebeslyrik und die entsprechenden Lieder aus Opern und Stücken. Dadurch besteht keine Notwendigkeit, sich mit dem Marxisten Brecht oder dem Theatertheoretiker Brecht auseinander zu setzen. Das Thema ist allgemein verständlich und jedem erwachsenen Menschen zugänglich.

Dass dabei Brechts ganz besonderer und persönlicher Ansatz zum Tragen kommt, ist dem Kritiker Reich-Ranicki zu verdanken. Dass wir diese Gedichte zu mögen lernen, ist dem Sprecher Reich-Ranicki zu danken. Dass die Gedichte einen Platz finden in Brechts Werk und ein Beleg sind für die These „Brecht ist ein Klassiker“, können wir ebenfalls MRR danken, müssen wir aber nicht.

|Die Reihe|

Die |LübbeAudio|-Reihe „X liest Texte von und über Y“ ist eine Gelegenheit, auf schnelle und doch kompetente Weise wichtige Autoren der deutschen Literatur kennen zu lernen. In Zeiten der PISA-Misere eine willkommene Unterstützung im Bemühen vieler Pädagogen und Vermittler, den nachfolgenden Generationen etwas vom mühsam Errungenen – wie vieles wurde verbannt, zensiert, sogar verbrannt! – weiterzugeben, und zwar auf eine Weise, dass es ohne Weiteres zu begreifen ist.

|61 Minuten auf 1 CD|

Kai Meyer – Das Buch von Eden (Lesung)

Im Jahre 1257. In einem französischen Kloster wird die „Lumina“ gehütet – die letzte Pflanze des Gartens Eden. Als Schergen des Erzbischofs von Köln, der die Pflanze haben will, das Kloster überfallen, überlebt nur die Novizin Favola. Als Hüterin der Lumina obliegt ihr deren Schutz. Mit Gefährten macht sie sich auf eine gefährliche Reise gen Arabien. Sie wollen die Lumina an den Ort zurückbringen, an dem der Bibel nach einst der Garten Eden gelegen haben soll. (Verlagsinformation)
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Preston, Douglas / Child, Lincoln – Dark Secret – Mörderische Jagd

_Todestanz verfeindeter Brüder_

|“Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder? Er aber sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?“|

Ein gnadenloser Killer tötet ein Opfer nach dem anderen. Nur ein Mann könnte den Todeslauf stoppen: FBI-Agent Aloysius Pendergast. Doch dieser gilt seit einem gefährlichen Einsatz in Italien („Burn Case“) als verschollen. Sein Partner Vincent D’Agosta von der New Yorker Polizei beginnt zu ermitteln – und stößt auf ein dunkles Geheimnis …

_Die Autoren_

Douglas Preston, Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums in New York City, hatte sich bereits als Sachbuchautor einen Namen gemacht, als er den Verlagslektor Lincoln Child kennenlernte. Gemeinsam schrieben sie 1995 den Wissenschaftsthriller „Relic“, der ein verfilmter Bestseller wurde. Danach folgten bislang sieben weitere Erfolgstitel: Preston liefert den wissenschaftlichen Hintergrund, Child arrangiert die Spannungsbögen. (Verlagsinfo)

|Preston & Child auf Buchwurm.info:|

[„Riptide – Mörderische Flut“ 71
[„Formula – Tunnel des Grauens“ 192
[„Ritual – Höhle des Schreckens“ 656
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 1725
[„Burn Case – Geruch des Teufels“ 2193 (Hörbuch)
[„Dark Secret – Mörderische Jagd“ 2809

_Der Sprecher_

Detlef Bierstedt ist die deutsche Stimmbandvertretung von George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG). Er hat unter anderem auch die Dick-Francis-Romane sowie Dan Browns „Diabolus“ gelesen.

Der Text wurde von Dr. Katharina Theml gekürzt. Die Intro- und Extro-Musik steuerten Horst-Günther Hank und Dennis Kassel bei. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahmeleitung hatte Horst-Günther Hank inne.

_Handlung_

|New Orleans|

Der Literaturstudent Duane Michael wird im Hörsaal der Uni von New Orleans Zeuge eines schrecklichen Schauspiels. In Vertretung des alten Prof. Mayo hält heute Prof. Torrence Hamilton den Vortrag, Thema ist T. S. Eliots epochales Gedicht „Das Wüste Land“ von 1922. Doch kaum hat Hamilton ein paar Sätze vorgetragen, beginnt er sich zu verändern. Er sieht blass und schwitzt aus, sodann verängstigt, als habe er etwas Furchterregendes gesehen.

Er beginnt zu taumeln, verliert die Kontrolle, beginnt plötzlich sogar an seinem eigenen Gesicht zu kratzen. Das Auditorium starrt mit ungläubigen Augen auf das unbegreifliche Schauspiel, das keines ist. Der Professor schlägt sich ins Gesicht, bis Blut hervorspritzt, und dann tut er etwas völlig Unfassbares: Er reißt sich das Auge heraus. Da erst reagiert sein Assistent: „Ruft einen Arzt!“ Doch für den Professor kommt jede Hilfe zu spät. Das starke Nervengift, das ihm jemand verabreichte, hat seine Wirkung getan.

|Das Restaurant|

Horace Sattle, ein Vertreter für Maschinenteile, sitzt mit einem Kunden in einem französischen Restaurant in Manhattan, New York City. Horace ist gelangweilt. Da entdeckt er auf dem Oberlicht über sich einen Mann, der irgendwie von der Decke hängt, an dem Seil vermutlich, das ihm um den Hals geschlungen ist. Da, das Seil reißt, der Mann fällt – auf den Nachbartisch. Horace Sattle macht, dass er rauskommt, bevor die einsetzende Panik den Ausgang blockiert. Auf der Straße geht er gleich weiter. So aufregend hatte er sich den Aufenthalt in New York City aber nicht vorgestellt.

William Smithbeck, Starreporter der „New York Times“, eilt zum Ort des Geschehens, doch die Polizei hat bereits alles abgesperrt. Da bemerkt er zu seinem Erstaunen, dass im 24. Stockwerk des Hochhauses, in dem sich das Restaurant mit der Leiche befindet, ein Fenster offensteht. Der Reporter kombiniert haarscharf: Aha, der Mann am Seil stürzte sich vielleicht aus diesem Fenster – um sich zu erhängen?! Oder wurde er gezwungen? Ein schlauer Versuch, sich als Pizzabote verkleidet einzuschmuggeln, misslingt leider, aber er sieht wenigstens so echt aus, dass er eine Pizzabestellung bekommt.

|Alte Freunde|

Detective Sgt. Vincent Dagosta von der New Yorker Mordkommission sitzt gerade mit seiner Freundin Detective Captain Laura Hayward zusammen, als ein Mr. Proctor ihn abholt. Es sei dringend. Dagosta wird zu einer ihm vertrauten Adresse gefahren: Hier wohnte einst sein Freund, FBI Special Agent Aloysius Pendergast, der seit sechs Wochen tot ist, ermordet in einem italienischen Schloss (vgl. „Burn Case“). Constance Green, Pendergasts Mündel, übergibt Dagosta einen Brief, in dem Pendergast seinen Freund anweist, alles Nötige zu unternehmen, um seinen Bruder Diogenes Pendergast zu stoppen. Diogenes habe angekündigt, am 28. Januar das „perfekte Verbrechen“ zu begehen. Das ist in einer Woche.

Mit Hayward besucht Dagosta die Mutter der zwei ungleichen Brüder, Cornelia Pendergast. Er erfährt mehr über den üblen Charakter von Diogenes – und dass dieser seit 20 Jahren tot sei! Spielt ihm Aloysius einen Streich? Wohl kaum bei einer so ernsten Sache, meint Dagosta. Die Telefonrecherche erbringt nichts. Es steht nur fest, dass Diogenes ein Mann mit reichlichen finanziellen Mitteln wäre, wäre er am Leben: Er erbte 87 Millionen Dollar, nachdem seine Eltern bei einem Hausbrand umkamen. Im Lift seines Apartmenthauses wird Dagosta von einem verkleideten Türsteher gekidnappt: Es ist Aloysius.

Nicht nur, dass er wieder lebt – Diogenes habe ihn aus seinem italienischen Schlossverlies befreit und ins Krankenhaus gebracht. Er verlangt, dass sich Dagosta von seiner Freundin trennt. Das fällt Dagosta sehr schwer, denn er weiß, dass Laura es nicht verstehen wird. Da hat er völlig Recht. Sie schreibt ihn ab. Fortan hängt seine Zukunft völlig von Aloysius Pendergasts Aktionen gegen Diogenes ab.

|Das Museum|

Das Museum of Natural History, New York City, 2 Uhr morgens. Margo Green, die neue Chefredakteurin der vom Museum herausgegebenen Fachzeitschrift „Museology“ gibt die Druckfahnen für die neueste, sehr umstrittene Ausgabe in der Museumsdruckerei ab und strebt dem Ausgang zu, als sie ein Geräusch hört. Aber sie macht sich keine Sorgen, denn das neue Sicherheitssystem ist topmodern. Das Geräusch kommt wieder, ein Klappern. Ein Wachmann würde nicht klappern, nicht wahr? Sie schaut sich die Sache näher an.

Sie ruft. Böse Erinnerungen werden wach. Vor sieben Jahren gab es hier im Museum für Naturgeschichte eine Mordserie. Da sie unbewaffnet ist, greift sie sich ein Teppichmesser, das die Handwerker liegengelassen haben, die den Ausstellungsraum neu einrichten. Plötzlich geht das Licht aus. „Wer ist da?“, ruft sie, und ein unbekannter Mann antwortet ihr mit sanften und distinguiert formulierten Worten. Doch er verspottet sie, kichert. Sie schwingt das Teppichmesser, zweimal, und verletzt ihn. Jetzt ist Schluss mit lustig! Es erfolgt sofort ein Gegenangriff, bei dem ihr Handgelenk gebrochen wird. Bei der Welle des Schmerzes, die aus der Verletzung hervorgerufen wird, bemerkt sie den Schlag in ihren Rücken fast nicht, dort, wo nun ein Messer steckt …

|Schlussfolgerung|

Laura Hayward sieht das Muster, das die Spuren ergeben, immer deutlicher vor sich. Aus seltenen Fasern, einzigartigen Seilknoten, Blutspuren am Messer Margo Greens und aus Spuren bei der Leiche des FBI-Agenten Mike Decker geht nur ein Ergebnis hervor: Alle vier Opfer haben mit einem einzigen Mann zu tun, zu dem alle Spuren passen: Aloysius Pendergast. Das FBI schaltet sich ein. Es will den Verräter aus seinen eigenen Reihen gnadenlos jagen.

_Mein Eindruck_

Aloysius Pendergast ist zwar ein seltsamer Kauz, aber er hat unsere Sympathien, denn erstens ist er ein sehr einfallsreicher Mann – ebenso wie sein Bruder Diogenes – und zweitens ist er fähig, aufrichtig zu lieben, und das unterscheidet ihn ganz erheblich von seinem Gegenspieler. Pendergast liebt sowohl Viola Mascarine, die italienische Geigenvirtuosin, als auch sein Mündel Constance Green (die wohl mit Margo Green verwandt sein könnte, aber das wird in dieser Textfassung nicht näher erläutert). Natürlich versucht Diogenes, diese beiden Damen gegen Aloysius zu verwenden, um ihn daran zu hindern, ihm beim „perfekten Verbrechen“ in die Quere zu kommen.

Wer sich nun fragt, warum dies einen Mann wie Pendergast kümmern sollte, verkennt ihn völlig. Er ist kein Rächer von Waisen und Witwen, sondern er steckt in einer argen Klemme, in die ihn sein Bruder hineinmanövriert hat: Alle vier Todesfälle des Januar scheinen auf Aloysius‘ Konto zu gehen, dafür hat Diogenes sorgfältig gesorgt. Wir werden daran erinnert, dass Diogenes seinen Bruder in ein italienisches Krankenhaus brachte und alle Zeit der Welt hatte, um Fasern, Haare, Blutproben an sich zu nehmen – DNS-Spuren, die die New Yorker Polizei nun eifrig auswertet. Laura Hayward hat bereits die nötigen Schlüsse gezogen. Aloysius kann nur auf einem Wege seine Unschuld beweisen: Er muss Diogenes präsentieren.

|Das perfekte Verbrechen|

Leichter gesagt als getan. Denn der Mann scheint so gut wie unsichtbar zu sein. Sogar die Art und Weise, wie er im Naturhistorischen Museum sein „perfektes Verbrechen“ begeht, lässt ihn nicht ins Licht treten. Vielmehr rätseln alle, welcher Museumsmitarbeiter dem Täter geholfen habe könnte. Denn jemand muss das nagelneue Sicherheitssystem ja ausgetrickst haben.

Mit einem weiteren Trick versucht Diogenes seinen Bruder kaltzustellen. Er lädt Viola Mascarine nach New York City ein, kidnappt sie und hält sie gefangen – eine Geisel, um Aloysius willfährig zu machen. Doch Aloysius hat Dagosta und weitere Helfer, die technisch versierter sind als sie beide zusammen. So gelingt es ihm, seinerseits Diogenes auszutricksen. Nun braucht er nur noch den Tausch seines Unterpfandes gegen Viola zu veranlassen. Showtime, Bruderherz!

|Ungleiche Brüder|

Obwohl wir den Charakter von Aloysius bereits zu kennen glauben, schüren die Vorfälle doch erhebliche Zweifel an seiner Integrität. Zugleich wecken eingehende Beschreibungen von Diogenes gewisses Verständnis für ihn, wenn nicht sogar Sympathie. Diogenes ist ein sehr intelligenter Mann, der nur ein Problem hat: Wie kann er seinem sinnlosen Leben auf diesem elenden Dreckklumpen von Planeten einen Sinn verleihen? Die einzige Antwort, die ihm – neben Suizid – einfällt, ist die Rache an seinem Bruder, der ihm in seinen Augen einiges an Wiedergutmachung schuldig ist. Dieser wunde Punkt wird ihm zum Verhängnis.

|Humoreinlage|

Wir bekommen eine hübsche Humoreinlage serviert. Zu seiner eigenen Sicherheit wird Reporter William Smithbeck in eine Irrenanstalt eingewiesen. Seine Versuche, dort wieder herauszukommen, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren (das kann in Amerika ganz schnell gehen), sind rührend vergebens, denn sie werden von Direktor Tysander stets abgeschmettert. Nur den letzten Versuch lässt er gelten – aber da ist es schon der 29. und für Smithbeck besteht keine Gefahr mehr. Wie sich der Reporter als rebellischer Insasse aufführt, ist bemerkenswert und sehr ironisch.

|Der Sprecher|

Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt kompetent und deutlich artikuliert vorgetragen, so dass man dem Text mühelos folgen kann. Er muss sich nicht besonders anstrengen, denn die amerikanischen und italienischen Namen auszusprechen, ist diesmal kein großes Kunststück für einen Mann mit Allgemeinbildung. Mehrmals war ich von seiner Kenntnis der Aussprache bestimmter Begriffe und Namen beeindruckt. Allerdings spricht er den englischen Ortsnamen Threadneedle Street falsch aus. Statt [thridnidl] muss es [thrädnidl] lauten. Aber mehrmals musste ich auch über seine Betonung deutscher Wörter die Stirn runzeln.

Da sich die Anzahl der Figuren sich in Grenzen hält, gerät man nie in Gefahr, die Übersicht zu verlieren. Bierstedt versucht sein Möglichstes, die Figuren zu charakterisieren. Das gelingt ihm am besten bei den beiden Pendergast-Brüdern: Sie sollen laut Buch einen weichen Südstaatenakzent haben und klingen sanft und kultiviert. Die New Yorker Cops hingegen sind das genaue Gegenteil: hart und rau, mit einer tiefen Stimmlage. Es gibt nur eine Stimmlage, die noch tiefer ist: Direktor Tysander, ein richtig väterlicher Typ.

Alle Frauenfiguren sind mit der gleichen hohen, sanften Stimmlage charakterisiert – mit zwei Ausnahmen. Laura Hayward, die Polizistin, und Margo Green, die Chefredakteurin, klingen wesentlich energischer und tiefer als etwa Constance Green oder Viola Mascarine.

Bei so wenig Abwechslung in den Stimmlagen kommt es darauf an, die stimmliche Expressivität der jeweiligen Szene anzupassen und so den Ausdruck emotionaler und abwechslungsreicher zu gestalten. Dies gelingt dem Sprecher wesentlicher erfolgreicher, und so kann sich der Hörer über Jammern, Verzweiflung, Hysterie, Schniefen, Stammeln, Verlegenheit, Angst, Spott, Arroganz, Sarkasmus, Nervosität, Erleichterung, Erschütterung, Aufregung, Besorgnis, Freude und viele andere Gefühlsausdrücke freuen. Ganz eindeutig ist dies Bierstedts eigentliche Stärke.

|Musik|

Die Musik erklingt als In- und Outro nur am Anfang und Ende des Vortrags. Das Motiv aus Drums, Bässen und Streichern hat mich an nichts so sehr wie an das Titelmotiv von „Die purpurnen Flüsse“ erinnert. Geräusche gibt es hingegen keine.

|Zu lang, zu zerbrechlich|

Insgesamt erschien mir der Text, obwohl gekürzt, noch immer zu lang, und so manche charakterisierende Szene hätte wegfallen können. Inzwischen hat wohl auch der Verlag gemerkt, dass es nicht immer sechs CDs für einen Thriller sein müssen – fünf tun es genauso gut, so etwa bei „Der letzte Coup“ von James Twining. Diese Produktion vom September 2006 ist eine der letzten, die noch in der alten, gewohnten Jewel-Case-Ausstattung produziert wurde. Inzwischen werden die CDs in einer raffinierten neuartigen CD-Halterung untergebracht. Sie hat den Vorteil, dass die mittleren Halterungszähne nicht mehr abbrechen können – es gibt sie nicht mehr.

_Unterm Strich_

Dies ist auf den ersten Blick nur ein weiterer Thriller aus der Schreibfabrik Preston und Child, die schon solche Kracher wie „Relic“ verbrochen haben (der übrigens ebenfalls im New Yorker Naturgeschichtsmuseum spielt). Action, Geheimnis, ein Superverbrecher – es sind alle Zutaten vorhanden. Und diesmal versteigen sich die Autoren auch nicht zu abstrusen Ausflügen ins Übernatürliche. Alle Leute bleiben schön auf dem Teppich der erklärbaren Tatsachen. Klerikalthriller à la [„Sakrileg“ 1897 gibt es eh schon genügend.

|Sherlock|

Wenn Aloysius Pendergast der Sherlock Holmes dieser Kriminalhandlung ist, so spielt sein Bruder die dunklere Hälfte seines Ichs, nämlich Professor Moriarty, das Verbrechergenie. Sgt. Dagosta fällt die Rolle des Dr. Watson zu, und stets gilt es auch, eine junge Dame in Not vor dem Schlimmsten zu retten, und das ist diesmal Pendergasts Herzensdame Viola Mascarine (welch ein schöner Name).

|Ennui|

Was nach einem Plot aus dem viktorianischen Zeitalter klingt, ist es aber bei näherem Hinsehen nur noch hinsichtlich der bewährten Strukturen für Detektivgeschichten, die bislang nicht wesentlich weiter entwickelt worden sind (mit Ausnahme der Schwedenkrimis). Ganz dem 20. Jahrhundert gehört die Krankheit des |ennui| an, unter welcher der Existenzialist Diogenes Pendergast leidet, die völlige Sinnentleertheit des Daseins.

Nur der Gedanke an Rache und das Streben nach dem perfekten Verbrechen vermögen ihn noch zu motivieren. Er ist auch ein Ästhet, der sich an schönen Farben, festgehalten in kostbaren Objekten, zu erfreuen vermag. Nur die Methode, wie er an diese Objekte zu gelangen pflegt, ist höchst verwerflich. Das Hörbuch lässt für das Porträt dieses ungewöhnlichen Verbrechers trotz der Kürzungen noch genügend Raum, dass uns sein ungewöhnlicher Charakter deutlich wird. Danke, Dr. Hoven!

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch wird von Detlef Bierstedt in gewohnter Weise kompetent gestaltet, bietet aber ansonsten keine Zutaten wie etwa Musikuntermalung oder gar eine Geräuschkulisse. Über Bierstedts Fehler in Aussprache und Betonung könnte ich mich aufregen, tu ich aber nicht.

Vielleicht ist es wegen der begrenzten Ausstattung hinsichtlich Musik und Geräuschen ein wenig preisgünstiger als ähnliche Produkte mit sechs CDs ausgefallen. Es kostet knapp 20 Euronen, drei weniger als das erste Hörbuch der Preston/Child-Serie und Aloysius Pendergast. Das ist doch mal ein Fortschritt.

|Originaltitel: Dance of Death, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Michael Benthack
427 Minuten auf 6 CDs|
http://www.luebbe-audio.de

John Sinclair – 162 – Das Vampir-Internat

Die Handlung:

Ein Internat am Rande von London, in dem Schüler angeblich schwarze Messen abhalten und sich in Vampire verwandeln, um das Lehrpersonal zu attackieren. – Was sich nach der überbordenden Fantasie einer panischen Lehrerin anhörte, entpuppte sich als ein Hilferuf in größter Not … denn in der Schule war das Erbe des Sternenvampirs Acron erwacht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
401 gemacht, das erstmalig am 10. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Ken Follett – Die Säulen der Erde (Lesung)

Statt eines kompletten Hörspiels von überladener Ästhetik, wie es der WDR produzierte, lieferte der |Lübbe|-Verlag 2003 die aufs Wesentliche konzentrierte Lesung des eigentlichen Buchtextes, allerdings zu einem besonders günstigen Preis: knapp 20 Euro – bei Amazon nur 15 – für ein Dutzend CDs mit 13,5 Stunden Unterhaltung. Gelesen wird das Hörbuch von einem der besten Synchronsprecher hierzulande, nämlich von Joachim Kerzel.

Der Autor
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Terry Pratchett – Kleine Freie Männer. Ein Märchen von der Scheibenwelt (Tiffany Weh 1)

Lehrreiche Rettungs-Expedition ins Feenland

Nachdem ein Wasserdämon fast ihren kleinen Bruder Willwoll entführt hat, wendet sich das Milchmädchen Tiffany Weh an eine professionelle Hexe. Miss Tick gibt ihr nach vielen neugierigen Fragen einen wertvollen Ratgeber: eine Kröte. Als ihr Bruder aber wirklich entführt wird, braucht Tiffany mächtigere Verbündete.

Da trifft es sich gut, dass die Wir-sind-die-Größten, kleine blauhäutige, saufende, stehlende und kämpfende Gnomen, eine Hexe suchen. Durch ihre Heldentat gegenüber dem Wasserunhold hat sich Tiffany eindeutig als solche qualifiziert und kriegt den Job. Zusammen nehmen sie es mit der grausamen Feenkönigin auf, deren Welt dabei ist, in unsere einzudringen, um Träume zu stehlen.

Der Autor
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James Patterson – Der Zerberus-Faktor (Maximum Ride 2)

Showdown mit der Doppelgängerin

Die Tierärztin Frances O’Neill entdeckt eines Tages in Colorados Wäldern ein genmanipuliertes Wesen, das aussieht wie ein Mädchen mit Engelsflügeln. Tatsächlich kann Maximum, so nennt sich diese Kombination aus Mensch und Vogel, fliegen, wie man sich das von Engeln vorstellt. Der Haken dabei ist natürlich, dass es sich bei Max um das Ergebnis verbotener Experimente eines illegalen Genlabors handelt, das den Decknamen „Die Schule“ trägt. Und dass Max und ihresgleichen enorm wertvolle Organismen darstellen, die entsprechend gejagt werden. Frances gewährt Max und ihren Freunden Unterschlupf und Schutz, wodurch sie selbst in die Schusslinie gerät.

Das Pandora-Projekt:

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Brian Lumley – Necroscope 2 – Vampirblut (Lesung)

Die Wege von Harry Keogh, dem Nekroskopen, und Boris Dragosani, dem Nekromanten, kreuzen sich und die Konfrontation ist unausweichlich. Doch beide kämpfen nicht alleine, sondern mit Unterstützung unheimlicher Verbündeter.

Der Autor

Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er seine Militär-Karriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga „Necroscope“ eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt. Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über 2 Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon, England. (Verlagsinfo)
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Dan Brown – Meteor. Gekürzte Romanfassung (Lesung)

Konkurrenz für James Bond und Michael Crichton

Ein neuer NASA-Satellit hat unter dem Eis der Arktis ein großes Objekt entdeckt. Rachel Sexton und andere Zivilisten werden auf Bitten des US-Präsidenten eingeflogen, um die Echtheit des Fundes zu bestätigen. Sie finden heraus, dass es sich bei dem großen Felsbrocken a) um einen Meteoriten handelt und b) dass darin außerirdische Lebensformen als Fossilien eingeschlossen wurden. Die Begeisterung der Wissenschaftler ist ebenso so groß wie bei den NASA-Mitarbeitern. Der Präsident wird mit dieser Sensation sowohl die NASA retten als auch seinen Wahlkampf gewinnen.

Doch als der riesige Felsen gehoben ist und die Sektkorken knallen, macht einer der Wissnschaftler in dem nun offenen Schacht im Gletscher eine sehr beunruhigende Entdeckung. Doch keine Sorge, Mister President – der Mann befindet sich bereits im Visier einer gut bewaffneten Truppe, die dafür sorgt, dass es keine unliebsamen Überraschungen gibt.
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Dan Brown – Sakrileg – Director’s Cut (Inszenierte Lesung)

Mystery-Bestseller in Special Extended Version

Der Museumsdirektor des Louvre wird in der weltberühmten Galerie kaltblütig erschossen. Er stellt sich als Oberhaupt eines uralten Geheimbundes heraus, denn mit seinem letzten Atem hat er eine Geheimbotschaft geschrieben: den Da-Vinci-Code. Zur selben Zeit setzt eine Gesellschaft des Vatikans alles daran, die größte Macht in der Christenheit zu erlangen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und eine rasante Schnitzeljagd durch die Symbolkunde des Abendlandes beginnt.

Die Verfilmung mit Tom Hanks und Jean Reno soll im Mai in unsere Kinos kommen. Dieses Ereignis würdigt |Lübbe| neben diesem erweiterten Hörbuch auch mit zwei Begleitbüchern.

Das vorliegende Hörbuch bietet eine um 50 Prozent erweiterte Textfassung: statt mickriger 305 sind es nun stattliche 449 Minuten. Das ist wohl eher eines Bestsellers würdig.
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Christine Janson – Just4Women: Erotikbox 2

Zwischen Bondage Fever und Touch Mahal

Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin. Nun vertreibt |Lübbe| die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv: für knapp 27 Euro pro Dreifach-CD.

Auf der ersten CD ist die Episode „Fesselnde Leidenschaft“ zu finden. Hier geht es um Bondage, handfesten Sex, aber auch um Eifersucht zwischen Freundinenn. Die zweite CD enthält das Abenteuer „Slow Motion“, das der ersten Episode sonderbarerweise zeitlich vorausgeht. Das Quartett erkundet in Indien die Liebeskunst, aber Moni gerät auf einer Strandparty in höchste Gefahr.

Die dritte Silberscheibe ist „eine Ratgeber-CD, die in Zusammenarbeit mit Christine Janson, der Autorin und bekannten Expertin in Fragen weiblicher Sexualität, zusammengestellt“ wurde. „Diese CD enthält praktische Tipps und Anregungen zu den Abenteuern unserer vier Freundinnen und ist ab jetzt Bestandteil jeder Box. Was sollte man bei einer Tantra-Massage unbedingt beachten?“ Danach wollen Mann und Frau das sicher gleich selbst ausprobieren.
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Elliot, Brian / Streberg, Gerry / Döring, Oliver – Im Verlies der blutigen Träume (Gespenster-Krimi 01)

Das Schloss gilt als verflucht. Schreckliche Dinge haben sich einst in dem alten Gemäuer abgespielt. Selbst heute noch warnen Eltern ihre Kinder davor, in der Nähe des verlassenen Gemäuers zu spielen.

Besser hätte es der findige Geschäftsmann Larry Landon kaum antreffen können. Er wandelt das Schloss in eines seiner „Horror-Hotels“ um: Aufwändige Kulissen, klassische Hollywood-Monster aus Wachs, Sound-Effekte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und jede Menge schockierender Überraschungen erwarten den zahlenden Gast.

Doch Larry ahnt nicht, dass der Schrecken in seinem Hotel größer sein wird, als er geplant hat. Viel größer … (Verlagsinfo)

Die Sprecher & die Inszenierung

Nana Spier spricht: Claire Carpenter
Andreas Fröhlich: Bruce Barrymore
Franziska Pigulla: Sophie Patin
Lutz Mackensy: Eric
Udo Schenk: Larry Landon
Und sieben weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

Handlung

Claire Carpenter, eine gefürchtete US-Journalistin, und ihr Fotoreporter Bruce Barrymore sind nach Frankreich gekommen, um dort das neueste Horror-Hotel des amerikanischen Millionenerben Larry Landon in Augenschein zu nehmen. Das Hotel liegt auf einer Insel in einem See und ist nur per Fähre zu erreichen. Kurz bevor die beiden zur Anlegestelle gelangen, meint Claire, im Scheinwerferlicht zwei Mädchen am Straßenrand zu sehen, doch es muss wohl Einbildung gewesen sein, denn die Suche verläuft ergebnislos.

Im Hotel begrüßt Eric die beiden Gäste. Er stellt sich als Landons Assistent vor und entschuldigt sich für die andauernden Bauarbeiten, denn das Hotel soll erst in zwei Tagen eröffnet werden. Eine weitere Journalistin trifft ein: Sophie Patin (oder Petain), eine „Lokalreporterin“ aus Paris. Bruce ist Feuer und Flamme für die „Monsters‘ Hall of Fame“, die das Hotel beherbergen soll, ein Wachsfigurenkabinett der berühmtesten Horrorgestalten aller Zeiten. Als Zimmer bekommt er die „Dschungel-Suite“ zugeteilt, und Claire kommt in „Die Gruft“. Im Lift ertönt ein markerschütternder Schrei – passend aus Minilautsprechern ausgestoßen.

Doch allein schon wegen des heraufgezogenen Gewitters kann Claire nicht schlafen – nicht nur wegen der Schreie, des Stöhnens und Wimmerns. Sie beginnt, durch die nächtlichen Flure zu wandern und steigt in den Keller hinab. Schließlich sind dort immer die besten Geheimnisse zu entdecken. So auch diesmal. Sie hört, wie zwei Männer etwas Schweres schleppen. Doch auf einmal ruft Leroy, einer der beiden, etwas zu einer Frau, die Claire nicht sehen kann. Leroys Boss Eric befiehlt ihm, etwas gegen die ungebetene Besucherin zu unternehmen. Leider gehen seine Pistolenkugeln mitten durch sie hindurch! Sekunden später reißt ihm das Gespenst das Herz aus dem Leib …

Sophie ist inzwischen an Claires Seite aufgetaucht. Rasch entfernen sich die beiden aus der Gefahrenzone. Dabei zerreißt Claires Kleid und sie verliert einen Ärmel. Eric ist nicht dumm, findet den Ärmel, erschnuppert Claires Parfüm („Silk“) und zieht den einzigen vernünftigen Schluss: Claire hat Leroy umgebracht. Aus welchem Grund, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Nun hebt eine fröhliche Verfolgungsjagd durch ein von einem blutrünstigen Gespenst bewohntes Schloss an, das ein ebenso gruseliges wie blutiges Geheimnis birgt.

Mein Eindruck

Alte französische Schlösser und ihre blutige Vergangenheit – der ideale Stoff für eine Horrorstory. Diese Vergangenheit reicht diesmal zurück ins Jahr 1745, und der entscheidende Tag des Unheils jährt sich wieder einmal. Die zwei Mädchen, die Claire gesehen hat, gab es damals wirklich, und sie wurden Opfer eine grausigen Tat.

Hexen brennen

Dass Sophie Patin hier ist, hat natürlich auch etwas mit den schicksalhaften Vorgängen jener Zeit zu tun. Es war ihre Vorfahrin, die damals als Hexe hingerichtet wurde. Nun endlich sieht sie sich in der Lage, das Verlies zu suchen, in dem jene beiden Grafentöchter zu Tode kamen. Doch durch wen? War ihre Ahnin doch nicht unschuldig? Diese Backstory ist ziemlich verwickelt. Ich habe sie beim ersten Hören nicht verstanden. Beim zweiten Hören setzen sich die Puzzleteile aber zusammen. Sophie ist hier, um einen Fluch, der auf ihrer Familie lastet, aufzuheben.

Ganoven

Larry Landon und Eric ist diese unheimlich Vergangenheit natürlich völlig schnuppe. Sie sorgen sich vielmehr um ihre unmittelbare Zukunft, die sehr viel mit Kunsthehlerei und anderem zu tun hat. Dass sich die beiden nicht vertragen, verwundert nicht besonders, denn in Sachen krimineller Energie kann Larry seinem „Partner“ nicht das Wasser reichen.

Groteske

Der Superfotograf Bruce Barrymore (wunderbar überdreht und naiv: Andreas Fröhlich) hingegen ist ganz den irdischen Freuden zugetan. Er schläft wie ein Stein, und als man ihn weckt, erwartet er, dass die Show beginnt! In der Tat: Die Show beginnt damit, dass ihm Eric einen Revolver unter die Nase hält und ihn nach Claires Verbleib fragt.

Aber auf einen Besuch im Wachsfigurenkabinett „Monsters‘ Hall of Fame“ muss er trotzdem nicht verzichten. Schade, dass dort eine Leiche die gestellten Szenen um Dracula und Frankenstein verunziert. Und auf deren achtlos herumliegendem Herzen rutscht natürlich prompt jemand aus, als wäre es eine Bananenschale. Bruce sorgt für Slapstick und Comedy makaberster Tonart.

Die Inszenierung

Die zentralen Sprecher hängen sich bei der Darbietung der Handlungen ihrer jeweiligen Figuren voll rein. Das gilt zumindest für Claire und Bruce, gesprochen von Andreas Fröhlich und Nana Spier. Franziska Pigulla als Sophie hält sich ziemlich zurück – schließlich hat Sophie quasi einen Geheimauftrag und will nicht gleich alles verraten. Die Schurken im Schloss sind jedoch allesamt entbehrlich – und führen sich dementsprechend albern und grotesk auf.

Sounds

Die Geräusche sind stilecht: Schreie, Stöhnen, Wimmern, Türenschlagen. Fehlen eigentlich nur das Schlagen einer Großvateruhr und das Klirren von Ketten. Doch die Standuhr ist mittlerweile durch das Piepsen einer Digitaluhr ersetzt worden, und das Kettenklirren wurde komplett abgeschafft. Immerhin darf noch der obligate Donner grollen.

Die Musik

Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von zwei Komponisten: Christian Hagitte und Simon Bertling.

Unterm Strich

„Im Verlies der blutigen Träume“ – ein reißerischer Titel, der nur zur Hälfte zutrifft – lässt einen Jahrhunderte alten Fluch auf die Moderne treffen. Dass dies in einem so genannten „Horror-Hotel“ stattfindet, gibt Gelegenheit zu zahlreichen makaber-ironischen Effekten in der Mitte der Handlung. Dass es um die Aufhebung dieses Fluches geht, erschließt sich erst aus der verwickelt enthüllten Hintergrundstory, die uns Sophie präsentiert. Das muss man sich wahrscheinlich mehrmals anhören, um es richtig zu kapieren.

Zwei Schwestern

An mehreren Stellen habe ich mich über das allzu vertraute Zusammenspiel der Figuren Claire und Sophie gewundert. Und in der Pointe wird auch klar, was die beiden zueinander treibt. Sie wollen mehr als flüchtige Bekannte sein. Viel mehr … Sie stellen eine erlöste Variante der ermordeten Grafentöchter dar, in einem späten Echo. Auch in dieser Hinsicht handelt es sich also um eine Erzählung aus der emanzipierten Gegenwart. Sisters are doing it for themselves.

CD: 49:16 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3785713990
www.luebbe.de/luebbe-audio

Christine Janson / Dana Geissler – Just4Women: Erotikbox 1 (Audio)

Erotik zwischen Lachkrampf und Tiefenentspannung

Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin.

Nun vertreibt Lübbe die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv. Das erste Abenteuer auf den drei CDs ist aber nicht wie ursprünglich „Frauenabend“, sondern „Sexperimente“. |Dabei geht es um Monis und Coras aufregende Erlebnisse in einem außergewöhnlichen Erotikclub. Moni und Michael geben sich – zugegebenermaßen nach einigen Startproblemen – einer heißen Nacht mit einem anderen Pärchen hin. Vor allem Moni kommt dabei voll und ganz auf ihre Kosten, und für sie steht nach diesem Ausflug fest: das war nicht der letzte Ausflug in ein Etablissement dieser Art… Aber Vorsicht, Moni, Suchtgefahr …| (Verlagsinfo)
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David Baldacci – Die Wächter. Camel-Club-Thriller (Lesung)

DEFCON 1!

Einer der exklusivsten Klubs der Welt hat nur vier Mitglieder. Tag und Nacht studieren der Anführer, der sich „Oliver Stone“ nennt, und seine Freunde Verschwörungstheorien und die Skandale in Washington, D.C. Doch dann werden die selbst ernannten Wächter Zeugen eines Mordes, dessen Folgen die Sicherheit der Nation und der ganzen Welt bedrohen. Und die Einzigen, die der Apokalypse noch im Weg stehen, sind eine junge FBI-Agentin, ein altgedienter Secret-Service-Mann und vier vergessene Helden … (Verlagsinfo)

Hinweis

DEFCON bedeutet „Defense Readiness Condition“ und bezeichnet die höchste Alarmstufe der Verteidigungsstreitkräfte der USA. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde DEFCON 3 ausgerufen. DEFCON 1 entspricht dem Kriegszustand.
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Richard Montanari – Crucifix. (Thriller; Lesung)

Deadline Karfreitag: der Killer mit dem Rosenkranz-Programm

Die Bevölkerung von Philadelphia wird mit einer Verbrechensserie konfrontiert, die sie in den Grundfesten erschüttert: Ein durchgeknallter, aber planvoll arbeitender Mörder hat es auf ihre Töchter abgesehen. Und nur auf ihre katholischen Mädchen. Bei seiner Mordserie lehnt er sich an die Passion Christi an: von der Verurteilung über die Geißelung bis zur Kreuzesaufnahme und finalen Kreuzigung. Für die beiden Beamten der Mordkommission Kevin Byrne und Jessica Balzano beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Osterfest steht kurz bevor. Für den Karfreitag hat sich der Killer die Krönung seiner Hinrichtungen vorbehalten. Doch er begeht einen folgenschweren Fehler …

Der Autor
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