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[NEWS] Linus Geschke – Die Verborgenen

Sven und Franziska Hoffmann haben alles, wovon sie einst träumten: eine wunderbare Tochter und ein traumhaftes Haus an der Küste. Alles könnte perfekt sein. Doch dann dringt jemand heimlich in ihr Haus ein. Der ungebetene Gast bedient sich an ihrem Essen, stöbert in ihren Schränken und steht neben ihren Betten, wenn sie schlafen. Als dann noch Gegenstände verschwinden und fremde Fußspuren im Keller auftauchen, bezichtigen sich die Eheleute gegenseitig. Je merkwürdiger die Vorgänge in ihrem Haus werden, desto mehr bröckelt die makellose Fassade der perfekten Familie. Und genau das ist es, was der Eindringling will … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 368 Seiten
Piper

Buchheim, Lothar-Günther – Boot, Das

Den Kinofilm Wolfgang Petersens oder gar den zugrunde liegenden, dreiteiligen Fernsehfilm aus dem Jahre 1982 kennt eigentlich fast jeder und kann man mit Fug und Recht als ein Meilenstein der deutschen Filmindustrie betrachten. Nebenher bemerkt, verhalf das einigen Darstellern und Petersen selbst zum internationalen Durchbruch. Doch erstaunlich wenige Menschen kennen die literarische Vorlage, geschweige denn den Autor und sein restliches Schaffen, von dem „Das Boot“ nur einen Ausschnitt darstellt. Grund genug, einmal in dieses Stück Kulturgut und Geschichte abzutauchen und in Augenschein zu nehmen, warum das Werk von 1973 eine solche Faszination verströmt.

_Der Autor_
Der heute einäugige Buchheim ist Jahrgang 1918, in Weimar geboren und galt schon als Vierzehnjähriger als künstlerisches Talent und Wunderkind. Seine Kindheit verbrachte er in Chemnitz, machte Abitur und studierte später Kunst in Dresden. Bereits in seiner Jugend waren seine Zeichnungen und Malerarbeiten in diversen Zeitungen und Kollektiv-Ausstellungen anzutreffen. Heute unterhält er eine der größten privaten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus in seinem Wahl-Heimatort Feldafing.

Kurz nach dem Krieg eröffnete er eine Kunstwerkstatt / Kunstgalerie – 1951 hob er sogar einen eigenen Kunstverlag aus der Taufe. Während des Krieges diente der schon immer maritim interessierte Buchheim als Marinekriegsberichter auf diversen Schiffen, von Minenräum- und Schnellbooten über Zerstörer bis eben hin zu den U-Booten, die ihm dann letztendlich auch den heutigen Ruhm und natürlich den Stoff für seine zahlreichen Bücher bescherten. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung ist aber nicht sein gesamtes literarisches Schaffen, er verfasste auch schon einige Standardwerke über Kunst, speziell den Expressionismus.

Gerade aber sein beinahe autobiographischer und bekanntester Roman, in dem er seine Fahrten und Erlebnisse auf Schiffen im und nach dem Krieg verarbeitet, ist nicht unumstritten und stieß bei einigen seiner ehemaligen Kameraden auf teils weniger Gegenliebe – wie sagt er schon selbst im Vorwort?: „Dies ist ein Roman – aber kein Werk der Fiktion“. Einige Veteranen sehen das wohl etwas anders und brandmarken „Das Boot“ als zu übertrieben und zu unsachlich. Diese gingen sogar so weit und veröffentlichten eine Gegendarstellung mit dem Titel: „So war es damals nicht!“.

_Zur Story_
Saint Nazaire, Nordfrankreich – Herbst/Winter 1941:
Der Roman beginnt, wie auch der Film, mit der Anfahrt des Kriegsberichterstatters Leutnant Werner, dem „Alten“ (dem Kommandanten von U-96) und dem LI (Leitender Ingenieur) des Bootes auf St. Nazaire, wo Leutnant Werner als Gast des BdU auf dem U-Boot mitfahren soll. Sie werden bereits auf dem Weg über die Landstraße in die Stadt zur „Bar Royal“ von volltrunkenen Teilen der Mannschaft in ihrem Wagen belästigt. Klartext: Sie werden angepöbelt und angepinkelt – was der Kommandant jedoch nur lakonisch kommentiert.

Der „Alte“ wird dem Leser als stoischer, ruhiger Dreißigjähriger präsentiert, der aber durch das Erlebte aussieht, als wäre er schon weit über 40. Ganz besonders deutlich wird sein Charakter, als er später am Abend in der besagten Bar nicht – wie so viele andere – dem Suff verfällt, sondern als ruhender Pol das stattfindende und gegen Ende immer mehr ausufernde Gelage der zurückgekehrten „Seehelden“ über sich ergehen lässt. Man ist ausgelassen und überspielt den eigenen Schiss mit demonstrativ zur Schau gestelltem Optimismus und noch mehr Alkohol.

Das Leben der U-Besatzungen wird in diesen Tagen des Krieges immer schwerer: Die Briten stellen sich auf die U-Boote ein, haben neue Messmethoden, sie aufzuspüren und greifen mit Bombern beinahe unablässig die deutschen Marinestützpunkte an der französischen Küste an… Allein wer lebend von der Feindfahrt zurückkehrt, ist schon ein Held, wer auch noch Versenkungen aufzuweisen hat, kann sich des Ritterkreuzes schon beinahe sicher sein.

Doch eben die prestigeträchtigen Versenkungen durch die U-Waffe nehmen in dieser Phase des Krieges rapide ab, teils durch das von den Alliierten eingeführte Konvoi-System – mit Begleitzerstörern, die über Unterwasserortung (ASDIC) verfügen – teils durch unerfahrene, frisch von der Ausbildung kommende Kommandanten ohne Fronterfahrung. Zudem ist oft die Technik der stählernen Särge von Fehlfunktionen geschüttelt, Torpedos detonieren nicht und allerhand geht an Bord aus diversen Gründen „einfach so“ zu Bruch – ganz zu schweigen von den durch pausenlose Einsätze physisch und psychisch ausgebrannten Mannschaften.

Auf der einen Seite nervenaufreibende, oft wochenlangene Gammeldienste auf Patrouille ohne Feindkontakt oder eben das genaue Gegenteil: Nicht enden wollende Bombenteppiche, die bei Entdeckung durch einen Begleitzerstörer drohen. Kein Wunder, dass die Crews nervlich verständlicherweise vollkommen platt sind. Hinzu kommen natürlich die gnadenlose Enge und der hygienische Ausnahmezustand nach unzähligen Seetagen an Bord eines U-Boots.

Kurzum: Mensch und Material sind an der absoluten Belastungsgrenze, manchmal sogar bereits weit jenseits davon. Da aber die U-Waffe Hitlers und Dönitz’ liebstes Prestige-Objekt ist, kommen solche Marinekriegsberichter wie Leutnant Werner (das Alter-Ego Buchheims) als Propaganda-Lieferanten zum Einsatz, man will an der Heimatfront ein möglichst gutes Bild präsentieren. Der Leser begleitet den jungen Leutnant mit U-96 auf einer „typischen“ Feindfahrt in den Atlantik – quer durch das volle Programm des gnadenlosen U-Boot-Krieges…

_Kritik_
Pate für das Material des Romans stehen Buchheims reale Erlebnisse in der deutschen Kriegsmarine (auch auf U-96, richtiger müsste es aber heißen: UA), allerdings ist ihm aus berufenen Mündern schon oft der Vorwurf gemacht worden, er betreibe Geschichtsverfälschung. „Das Boot“ ist ein Stelldichein aus Buchheims gesammelten Erfahrungen im (See-)Krieg und nicht alle kleinen Geschichtchen und handelnden Personen rund um das legendäre U-Boot gehören wirklich hierher, sondern sind vom Autor in Romanform nur auf U-96 vereint worden. Sie sollen aber einen realen Background haben und nicht vollends aus der Luft gegriffen sein.

Die Figur des „Alten“ ist beispielsweise seine Hommage an (mit ihm lange Jahre nach dem Krieg noch befreundeten) Kapitänleutnant Heinrich Lehmann-Willenbrock, der das Boot, als Buchheim darauf Dienst tat, befehligte, doch auch dieser verwies zu Lebzeiten einige der geschilderten Vorfälle ins Reich der Phantasie und Übertreibung. Hervorzuheben ist beispielsweise der „Gibraltar-Unfall“ (eine dramatische Schlüsselstelle im Roman sowie im Film), dort sollen sich die Ereignisse weit weniger tragisch und nicht so spektakulär abgespielt haben, wie Buchheim sie ausführt – das lässt sich im Nachhinein sogar belegen; was nämlich Fakt ist: Das Meer ist an betreffender Stelle flach und nicht 300 Meter tief.

Hier in diesem speziellen Fall hat Buchheim offensichtlich und nachweislich viel zu dick aufgetragen – was jeder anhand eines guten Atlas mit Seekarten selbst nachprüfen kann. Nicht überall treten die Flunkereien im Dienste der Ausschmückung so deutlich zu Tage. Trotzdem tat er gut daran, das Buch nicht als biographisches Werk zu etikettieren, sondern als „Roman“, wenn er auch steif und fest behauptet, die Begebenheiten seien keine Fiktion – so hat man immer eine passende Entschuldigung parat, wenn mal etwas historisch oder geographisch nicht ganz akkurat beschrieben wird.

Man merkt Buchheim aber an, dass er sich mit der Seefahrt und den technischen Hintergründen exzellent auskennt; Leser, die keine Ahnung vom Bord-Jargon oder auch maritimen Begriffen haben, werden den Text eventuell als etwas holprig empfinden – er geht sehr ins seemännische Detail und bedient sich Ausdrücken, die nicht jeder Landratte geläufig sein dürften. Gottseidank befindet sich aber am Ende des Buches ein Glossar, sodass man dort im Zweifelsfall nachschlagen kann, was der eine oder andere Begriff bedeutet.

Ansonsten ist der Schreibstil sehr bildhaft-blumig, dann wieder – kontrastierend – überdeutlich vulgär und reich an Ironie, die streckenweise sogar als überzogen heiter zu bezeichnen ist. Die handelnden Charaktere sind ebenfalls sehr detailliert ausgeführt, weswegen mir auch klar ist, warum so einige seiner alten Kameraden aufheulten (die werden sich wohl wiedererkannt haben) – wer sieht sich schon gerne als ungewaschenen, stets zotenreißenden Haudegen und somit Antiheld beschrieben, von denen das Buch nur so strotzt? Also ich wäre auch nicht glücklich darüber, so unvorteilhaft wegzukommen.

In meinen Augen sind die dargestellten Personen dennoch realistisch und überaus glaubhaft in ihrem Verhalten in diesen Ausnahmesituationen, die hier beschrieben werden – ich hab keinen Zweifel, dass Buchheim der psychologischen Wahrheit des U-Krieges hier zumindest sehr nahe kommt, auch wenn die einen oder anderen Konversationen, Figuren und Vorfälle vielleicht erfunden – oder nicht auf eben diesem Boot geschehen – sein mögen. Nebenbei erfährt man auch eine Menge Wissenswertes über U-Boote, deren Technik an sich und im Speziellen natürlich über den legendären Typ VII-C, dem U-96 angehört – Buchheim beschreibt gerade während der ansonsten langatmigen ersten 200 Seiten, wo die Mannschaft ohne Feindkontakt Gammeldienst schiebt, sehr plastisch, wie ein U-Boot funktioniert.

In diesem Abschnitt werden auch die Figuren und ihre Funktionen an Bord etwas näher vorgestellt und immer wieder ergießt sich der Autor in prosaischer Beschreibung des Meeres und des Himmels – was anderes hat man ja eh nicht zu tun, wenn der Kahn sinnlos durch den Nordatlantik schippert. Zwischendrin werden die Reibereien, Sympathien und Antipathien deutlich, wenn fünfzig Mann einen Monat lang stupide ohne eigentliche Aufgabe auf engstem Raum zusammenhocken. Die desolate, sich stets weiter verschlimmernde hygienische Lage an Bord tut ihr Übriges und verbessert das Betriebsklima natürlich auch nicht die Bohne.

Die Mannschaften geben sich vorzugsweise Thema Nummer Eins in allen erdenklichen Varianten hin, während die Offiziere gegen die Seekriegsführung und die Politik des Reiches generell (meist verkappt) wettern. Lediglich der penetrante und ideologisch durchgestylte Eins-WO ist, was der „Alte“ gern verächtlich einen „Kinnmuskelspanner“ nennt. Die arme Socke wird an Bord gern geschnitten und hat ein hartes Los als Außenseiter auf dem engen Kahn. Wenn die erste Feindberührung stattfindet, ist das alles jedoch obsolet, jetzt muss man funktionieren – Politik wird zweitrangig – jetzt gilt nur noch das nackte Überleben in der stickigen und verwundbaren Stahlröhre.

Die Ich-Form, in der das Werk verfasst ist, unterstreicht die Ambitionen des Autors, sich seine Erlebnisse von der Seele zu schreiben und erleichtert uns Lesern den Einstieg in die Handlung, man empfindet die stickige Enge, die ständig drohende Gefahr, entdeckt und mit Wasserbomben belegt zu werden, förmlich nach und kann sich in die Rolle eines Crew-Mitglieds versetzen. Ja, man hofft, dass der Zosse den nächsten Angriff trotz aller eingehenden Ausfallmeldungen heil übersteht und möglichst ohne Tote sicher zum Hafen zurückkehren wird.

Allerdings besteht gerade hier die große Gefahr, sich mit den Hauptfiguren und ihrem eigentlich menschenverachtenden „Handwerk“ zu sehr zu identifizieren, zu solidarisieren und alle beschriebenen Geschehnisse unreflektiert für bare Münze und tatsächlich stattgefundene Realität zu nehmen – wie wir gesehen haben, sind jedoch beim Wahrheitsgehalt des Buches einige Abstriche zu machen. Zudem sollte man nie vergessen, dass auch auf der anderen Seite des Periskops Menschen auf den Schiffen ihr Leben riskieren und im Falle der Versenkung auch qualvoll verlieren.

Zwar widmet sich Buchheim auch dem menschlich-moralischem Aspekt des U-Krieges und pflegt neben ein wenig gutem, deutschem Rittertum auch überaus kritische Töne, doch insgesamt ist der Blickwinkel naturgegeben ziemlich einseitig – trotz des Versuchs den Gegner zu ent-anonymisieren. Also: Vorsicht und Nachdenken sind angebracht, wenn man sich mit der Mannschaft über einen gelungenen Torpedotreffer freut: Die lieb gewonnene Mannschaft „unseres“ Bootes ist erfolgreich. Stimmt. Aber zum Preis des Lebens der „anderen“. Überzogenen Pathos, Kriegsverherrlichung und Deutschtümelei kann man Buchheim nicht vorwerfen, dennoch neigt er verständlicherweise zu Parteilichkeit – logisch -, handelt es sich doch um ein Buch mit autobiographischen Zügen, aus der Sicht eines jungen Kriegsberichters erzählt.

Buchheim gibt sich erkennbar Mühe, die damalige menschenverachtende Politik und grotesk-unsinnige Kriegsführung – bei der er selbst ja auch ein Zahnrad im Getriebe war – zu illustrieren, zu hinterfragen und dem sonst so gesichtslosen Haufen von armen Schweinen, die dafür den Kopf hinhalten mussten, eine Identität zu verleihen. Auch wenn er nachweislich zur Überzeichnung neigt und nicht alle Personen tatsächlich auf U-96 Dienst taten, lässt sich schwer sagen, wer davon nun erfunden ist und wer nicht, die Charaktere sind allesamt in sich schlüssig. Gleiches gilt auch für die Handlung als solches: Es _könnte_ trotz der offensichtlichen Ausschmückungen wirklich so gewesen sein.

_Fazit_
Ein stimmungsvoller, in weiten Teilen glaubwürdiger und zuweilen prosaischer Roman über das Bordleben einer WK2-U-Boot-Mannschaft, den ich immer wieder gerne lese. Einige Punkte im Wahrheitsgehalt dürfen hier durchaus bezweifelt werden, doch da Buchheim sein Werk ausdrücklich als Roman und nicht als Tatsachenbericht ausgibt, ist das aber völlig legitim. Spannend (ab etwa Seite 200) und lesenswert (über die gesamte Länge) ist das Buch auf jeden Fall – Auch wenn manche militärischen und seemännischen Fachtermini zu verdauen sind, ist es doch dank der sonst locker-gefälligen Schreibweise relativ leichte und kurzweilige Kost, sieht man vom etwas zäheren ersten Drittel einmal ab. Hat man erstmal Zugang gefunden, legt man den Wälzer so schnell nicht mehr aus der Hand. Relativ geübte Leser ziehen das Buch schätzungsweise in etwa acht bis zehn Stunden reiner Lesezeit durch.

[NEWS] Gisa Pauly – Treibholz (Mamma Carlotta 17)

Vor fünf Jahren wurde Sandra Lührsen des Mordes an ihrer Schwiegermutter schuldig gesprochen. Nun stellt sich heraus, dass eine Falschaussage zu dem Urteil führte. Was für ein Skandal! Die vermeintliche Mörderin muss freigesprochen werden und kehrt nach Sylt zurück. Wie zu erwarten, überschlagen sich die Spekulationen der Sylter – Mamma Carlotta jedenfalls steht auf Sandras Seite, welch schreckliches Schicksal die Arme durchleiden musste! Doch wer ist der wahre Mörder ihrer Schwiegermutter? Genau das soll Kommissar Erik Wolf jetzt herausfinden; kein leichtes Unterfangen nach so langer Zeit. Er ahnt natürlich nicht, dass es tatsächlich jemanden auf der Insel gibt, der mehr weiß und gute Gründe hat, zu schweigen … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
Piper

[NEWS] Jørn Precht – Die Heilerin vom Rhein. Hildegard von Bingen (Bedeutende Frauen 16)

Pfalz, 12. Jahrhundert: Im Garten des Klosters Disibodenberg gedeihen unter Fürsorge der Nonne Hildegard von Bermersheim allerlei Heilpflanzen. Sie forscht von Zahnhygiene bis Wundheilung, wer krank ist, klopft an ihre Pforte. Doch dem Abt sind Hildegards Experimente ein Dorn im Auge, er untersagt die weitere Herstellung von Heilmitteln aus Pflanzen. Hildegards Wissensdurst jedoch kann er nicht bremsen, genauso wenig wie ihre Vision, ein eigenes Kloster zu gründen. Unermüdlich schreibt Hildegard ihre Erkenntnisse über Glauben und Natur nieder und begehrt gegen die Konventionen ihrer Zeit auf. (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
Piper

[NEWS] Alexander von Schönburg – Was bleibt, was wird. Die Queen und unsere Zeit

Der Tod der Queen markiert das Ende einer Ära und zugleich eine Zeitenwende. Alexander von Schönburg, der Elizabeth II. oft begegnet ist, beleuchtet in seinem Buch ihr Vermächtnis. Er geht der Frage nach, was die Werte und Tugenden, für die Elizabeth II. stand, uns heute noch zu sagen haben. Anhand der Ereignisse und der zum Teil dramatischen Wendepunkte ihrer Regentschaft beschreibt er ihre charakterlichen Eigenschaften und zeigt, woran wir uns für kommende Herausforderungen ein Beispiel nehmen sollten und wo es für ihre Erben wichtig sein wird, ganz neu zu denken.
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
Piper

Hanni Münzer – Honigtot

Worum gehts?

Die junge Felicity reist von Amerika nach Rom, um sich dort auf die Suche nach ihrer plötzlich verschwundenen Mutter zu machen. Was sie nicht erwartet, dass sie dort während ihrer Suche auf ein dunkles Familiengeheimnis stößt. In diesem Geheimnis spielen ihre Urgroßmutter Elisabeth und deren Tocher Deborah die Hauptrollen. Felicity führt es um Jahrzehnte zurück in eine schicksalhafte und dramatische Vergangenheit, die bis heute dunkle Schatten auf das Leben der Familie und somit auch auf das von Felicity wirft.
Hanni Münzer – Honigtot weiterlesen

[NEWS] Dai Sijie – Die lange Reise des Yong Sheng

Eine große Reise durch das China des letzten Jahrhunderts
Es ist das Jahr 1911. Zimmermann Yong, der die besten Taubenflöten im Bezirk Putian fertigt, wird ein Sohn geboren. Dem kleinen Yong steht ein außergewöhnliches Leben bevor. Mary, die Tochter des amerikanischen Pastors, in dessen Obhut er aufwächst, ermutigt ihn, der erste chinesische Pastor Putians zu werden. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 432 Seiten
Piper

Poul Anderson – Das zerbrochene Schwert. Eine Saga von der letzten Schlacht


Von Helden, Schwertern, Wechselbälgern

Der Menschensohn Skafloc ist gemäß einer alten Prophezeiung als Einziger in der Lage, das legendäre zerbrochene Schwert Tyrfing wieder zusammenzufügen. Und nur er kann die Waffe schwingen, die im Krieg der Elfen gegen die Trolle die Entscheidung bringen soll. Doch die mächtige Waffe ist zugleich sein Schicksal …

„Das zerbrochene Schwert“ ist das bedeutendste Werk des Großmeisters Poul Anderson. Die fesselnde Saga um Elfen, Trolle und alte Götter gilt als das heidnisch-düstere Gegenstück zu Tolkiens „Der Herr der Ringe“. (Verlagsinfo)

Der Autor
Poul Anderson – Das zerbrochene Schwert. Eine Saga von der letzten Schlacht weiterlesen

[NEWS] Liane Mars – Selbst ist die Fee

Es war einmal eine Märchenfee, die ihrem Schützling Cinderella zum großen Glück mit dem Prinzen verhelfen sollte, um ihre Feenabschlussprüfung zu bestehen. Dummerweise ist diese Cinderella eine ziemlich harte Nuss: Sie ist tollpatschig, weinerlich und komplett unwillig, sich um den Prinzen zu bemühen. Und der Prinz? Eigensinnig, sturköpfig – und zu allem Überfluss auch noch an der guten Fee interessiert statt an Cinderella. Ist die Rettung dieses Märchens für eine einzelne Fee noch zu stemmen? Zumal ihre eigenen Gefühle für den Prinzen ihr zunehmend im Wege stehen? (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 336 Seiten
Piper

[NEWS] Nechama Birnbaum – Das Mädchen mit dem roten Zopf

Crasna, 1944: Rosie ist achtzehn Jahre alt, als sie von den Nationalsozialisten aus dem vertrauten Leben in ihrem Heimatdorf an der rumänisch-ungarischen Grenze gerissen wird. Von diesem Moment an beginnt ihre unvorstellbare Reise durch die Hölle, die sie in verschiedene Arbeits- und Konzentrationslager führt. In Auschwitz wird Rosie auch der letzte Rest Würde genommen, doch inmitten all der Hoffnungslosigkeit wird ihr eines klar: Die Nazis werden ihr nie ihre innere Stärke nehmen können. Und so bleibt sie trotz der unvorstellbaren Gräuel um sie herum entschlossen, nicht aufzugeben. (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
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[NEWS] Stefanie Rogge – Seenebel (Iwersen und Hansen ermitteln 3)

Als der Milchbauer Heiko Mommensen ermordet aufgefunden wird, sind die Bewohner der Insel Föhr entsetzt. Kommissarin Kerrin Iwersen reist aus Flensburg an, um mit dem Inselpolizisten Hark Hansen zusammenzuarbeiten. Die Ermittlungen nehmen gerade Fahrt auf, da verschwindet eine junge Frau. Kurz darauf ist auch sie tot. Doch erst als Nele, die Tochter des ersten Opfers, ebenfalls verschwindet, überwindet sich seine Witwe Anne, die Polizei in ein lang gehütetes Geheimnis einzuweihen. Ist es bereits zu spät? Ist auch Nele tot, oder verfolgt der Täter mit ihrer Entführung ein ganz anderes Ziel? (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten
Piper

Farmer, Philip José – Auf dem Zeitstrom (Der Flusswelt-Zyklus 2)

_Parolando, das Juwel von Demokratie und Technik_

Die Flusswelt ist ein riesiger, künstlich geschaffener Planet. Nach einem Zwischenstopp in der so genannten „Matrix“ gelangen die Verstorbenen hierher, als Wiedererweckte. Sie sind alle nackt und 25 Jahre alt, Nahrung bekommen sie gratis und frei Haus von Automaten. Doch dies ist kein friedliches Paradies, denn alle haben ihre Erinnerungen behalten. Schon bald herrscht allenthalben Krieg.

Sir Richard Burton, der berühmte Reisende und Entdecker des 19. Jahrhunderts, suchte im ersten Band „Die Flusswelt der Zeit“ die Quelle des 20 Millionen Kilometer langen Stroms, doch er fand den Dunklen Turm der Erbauer nicht. Nun will Samuel Langhorne Clemens alias Mark Twain ein ähnliches Unternehmen starten: mit einem Dampfschiff aus Metall. Mast- und Schotbruch, Sam!

_Der Autor_

Philip José Farmer wurde bereits 1918 in North Terre Haute, Indiana, als Nachkomme von deutschen, niederländischen und irischen Vorfahren geboren. 1946 verkaufte er eine Kriegserzählung an das Magazin „Adventure“, sein erster Roman „The Lovers“ (Die Liebenden) erschien 1952 in „Startling Stories“ und brachte zum ersten Mal das Thema Sexualität in die (eher prüden) Science-Fiction-Magazine seiner Zeit ein. Danach galt er als Tabubrecher. Viele seiner Werke zeichnen sich durch unterhaltende Themen und Erzählweise sowie durch Ideenreichtum aus. Das gilt auch für den fünfbändigen Flusswelt-Zyklus.

1) Die Flusswelt der Zeit (1953/1971)
2) Auf dem Zeitstrom (1971)
3) Das dunkle Muster (1977)
4) Das magische Labyrinth (1980)
5) Die Götter der Flusswelt (1983)

Der erste Flusswelt-Roman entstand bereits 1953 anlässlich eines Romanwettbewerbs, doch Farmer wurde um Preis und Honorar betrogen. Das im Jahr 1972 mit dem renommierten Hugo Gernsback Award ausgezeichnete Werk erschien schließlich erst 1971, nachdem der Autor mehrere Teile zu einem lesbaren Ganzen verschmolzen hatte: eine so genannte Fix-up-Novel, wie sie in der phantastischen Literatur keineswegs selten ist.

_Hintergrund: die Flusswelt_

Die Flusswelt ist ein riesiger, offenbar künstlich geschaffener Planet, der keine Jahreszeiten kennt, aber ein angenehmes Klima aufweist. Diese erdähnliche Welt wird von einem über 20 Millionen Kilometer langen Flusstal durchzogen, das zu beiden Seiten von unüberwindbar hohen, steilen Gebirgszügen eingegrenzt wird. Ab und zu fallen Meteore auf die Gebirge, sie bedeuten das einzige Metallvorkommen.

Auf beiden Ufern des Flusstals sind merkwürdige Kunstgebilde auszumachen, die pilzfömig in die Höhe ragen und Schutz vor dem Regen bieten, der pünktlich um drei Uhr morgens einsetzt. Diese „Gralsteine“ sind – neben den Flussfischen – die einzige Nahrungs- und Versorgungsquelle für die künftigen Bewohner: die Menschen der Erde.

Dieser Planet wird im Jahr 2008 zur Stätte der Wiedergeburt für fast die gesamte Menschheit: bis zu 37 Milliarden Bewohner. Unter den Wiedererweckten befinden sich alle restlichen Menschen und Hominiden aus den letzten zwei Millionen Jahren auf Erden. Es wird aber bemerkt, dass es keine Kinder unter fünf Jahren und keine Alten über sechzig Jahre gibt. Der Grund dafür ist unbekannt.

Die hierher gebeamten Menschen finden sich am Wiedererweckungstag nackt, haarlos, beschnitten und 25-jährig an den Ufern des großen Flusses wieder. Die Gralsteine spenden ihnen Nahrung und Kleider. Die Ausgangsposition ist also für alle gleich. Ideal für das Experiment, das die Erbauer dieser Welt hier durchführen. „Dieser zeitliche Schmelztiegel stellt das größte anthropologische und sozialwissenschaftliche Unternehmen dar, das je gestartet wurde“, erkennt einer der Wiedererweckten. Doch zu welchem Zweck?

Denn für die Bewohner erweist sich die Flusswelt keineswegs als das Paradies, sondern als eine Art Vorhölle. Die Wiedererweckten haben ihre Erinnerungen behalten, und darin wimmelt es nur so vor Rivalität und Brutalität. Machtkämpfe sind an der Tagesordnung. Und wenn die Versklavten und Geschundenen ihrem erbärmlichen Dasein durch Selbstmord ein Ende zu bereiten, erwachen sie tags darauf neu geboren an einer anderen Stelle des Flusses. Es gibt kein Entrinnen.

Und doch hat die Flusswelt ihre Reize, wenn man gewillt ist, die Herausforderung anzunehmen, zu den Quellen des Stroms vorzustoßen und das Geheimnis jener fremden Rasse zu lüften, die mächtig genug gewesen ist, ein Projekt dieser Größenordnung durchzuführen. Wenn man mit ihnen redet, könnte man sie ja vielleicht dazu überreden, die elenden Bedingungen des Daseins auf der Flusswelt etwas zu mildern. Sie sind einem kleinen Kreis von zwölf Auserwählten als die „Ethiker“ bekannt.

_Handlung_

Auch Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt unter seinem Autorenpseudonym „Mark Twain“, geboren 1835, hat es in die Flusswelt verschlagen. Allerdings ist er wenig glücklich, denn er vermisst seine Kinder und seine Frau Livy. Um sich durchzuschlagen, hat er sich den Wikingern des 10. Jahrhunderts angeschlossen. Deren Häuptling, Erik Blutaxt, ist ein Mordsbrocken von einem Krieger und kennt keine Furcht. Sein Drachenschiff ist „Die Blutgestählte“, und er führt Raketenwerfer mit sich. Sam hat ihm versprochen, ihm Eisenerzvorkommen zeigen zu können, damit Erik weitere Äxte aus Metall schmieden kann. Metall ist rar. Sam hat gelogen.

|Joe Miller|

Doch es gibt an Bord einen Passagier, der noch größer und stärker ist als Erik: Das Wesen, das Sam auf den Namen „Joe Miller“ getauft hat, ist ein Mittelding aus Gorilla und Neanderthaler, doch verfügt Joe über einen überraschend ausgefeilten Wortschatz, den er von einem Ägypter namens Echnaton erworben hat. Beim Sprechen hindert ihn nur ein kleiner Fehler an korrekter Aussprache: er lispelt „fum Fteinerweichen“. Und fast zum Hohn für seine Bildung verfügt Joe über einen Riesenzinken, der die Ägypter dazu gebracht hat, ihn mit dem ibisgestaltigen Gott Thoth zu verwechseln …

|Sams Plan|

Sam trägt sich mit dem Plan, ein großes Dampfschiff zu bauen, möglichst ganz aus Metall, um damit zur Quelle des Flusses zu fahren. Doch bis es so weit ist, braucht er noch viele Helfer. Einer davon fällt bei einer Seeschlacht auf sein Schiff. Es ist Lothar, der Bruder des Fliegerasses Manfred von Richthofen, den man im 1. Weltkrieg auch den „Roten Baron“ nannte. Beide lauschen andächtig der Erzählung, in der Joe Miller von seiner ägyptischen Expedition zu der Quelle des Flusses berichtet (vielfach unterbrochen von Sams bissigen Kommentaren).

|Joes Expedition|

Auf einem sehr beschwerlichen Pfad gelangte Joe zur Quelle des Stroms wie weiland die Briten zu den Quellen des Nils. Es ist ein unter Wolken liegender riesiger See, umgeben von hohen Bergen. In der Mitte des Wolkenmeers sah Joe einen dunklen Turm emporragen, auf dem ein Fluggefährt niederging. Als Joe vor Überraschung einen Fehltritt machte, stürzte er in die Tiefe – ins Wasser. Viele Meilen stromabwärts schloss er sich Erik Blutaxt an.

|Die Ethiker|

Sam Clemens hat schon Sir Richard Burton getroffen, der ebenfalls zur Quelle des Flusses unterwegs war. Und der berichtete ihm von den so genannten Ethikern und ihren Agenten. Es gebe sogar Abtrünnige unter den Ethikern, so dass man also von Fraktionen unter den Erbauern des Planeten sprechen könne. Sam sieht eine reelle Chance, die Ethiker umstimmen zu können. Und vielleicht kann er tatsächlich seine Livy mit seinem neuen Schiff finden.

Eines Nachts eröffnet ihm ein geheimnisvoller Fremder, dessen Gesicht Sam nie zu Gesicht bekommt und den er für einen der Ethiker hält, dass er dafür sorgen wolle, dass Sam seinen Traum von einem Dampfschiff verwirklichen könne. Er habe einen Meteor so umgelenkt, dass er an einer bestimmten Stelle des Stromes herabfalle, wo schon Metallerze in der Erde lagern. Sam brauche bloß noch hinzufahren. Na, dankeschön aber auch!

|Parolando|

Zusammen mit seinen Gefährten erobert Sam einen Streifen Ufer von den bisherigen Bewohnern und errichtet mit Erik Blutaxt eine Regierung. In Esperanto, das als lingua franca dient, nennt Sam das Land „Parolando“. Allerdings wird ihm schnell klar, dass Erik nicht gewillt ist, eine friedliche Herrschaft einzurichten oder sie gar mit Sam zu teilen. In einem Staatsstreich gelingt es Sams Mannen, Erik zu töten und die Herrschaft zu übernehmen. In der nun folgenden Schlacht kommt ihm unverhofft der englische König John Lackland aus dem 13. Jahrhundert (der mit der „Magna Charta“) zu Hilfe. Natürlich muss er mit John die Herrschaft teilen.

Nach wenigen Jahren hat Sam mit Hilfe seiner drei Ingenieure ein ungeheures Fabrikgelände geschaffen, das beginnt, nicht nur Sams Dampfschiff zu bauen, sondern auch Waffen, Werkzeuge und Chemikalien. Das Land ringsum ist entwaldet und das Holz muss importiert werden. Die Nachbarstaaten merken, was hier vor sich geht und lassen sich ihre Holzlieferungen gut bezahlen, erst in Waren, dann aber auch in Waffen. Allmählich entwickelt sich das Umland von Parolando zu einer hochgerüsteten Zone, die viel Ähnlichkeit mit Mitteleuropa vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat. Ringsum, so finden Sams und Johns Spione heraus, finden Eroberungskriege statt, die dazu dienen, die jeweiligen potenziellen Feinde Parolandos mächtiger zu machen.

Die wichtigsten Feinde sind ein japanisches Imperium unter der Führung von Fürst Ieyasu, dem ersten der Shogune des 16. Jahrhunderts, und ein Land, das darauf aus ist, nur von Schwarzen regiert zu werden. Der Herrscher namens Hacking hasst alle Weißen und setzt seine Holzpreise ständig herauf, bis Sam und John schier der Kragen platzt. Während seine Majestät John Lackland darauf aus ist, Hacking zu überfallen, solange Ieyasu noch schwach ist, plädiert Sam dummerweise ständig für eine Beschwichtigungspolitik. Er hat insofern Erfolg, als sein wackliger Frieden tatsächlich lange genug hält, dass das Schiff halb fertig gestellt werden kann.

|Die Invasion|

Doch das prekäre Gleichgewicht kann nicht ewig halten. Als Fürst Hacking auf Sams Einladung hin Parolando besucht, entpuppt sich sein Geleitschutz als getarnte Invasionsstreitmacht. Diese Gelegenheit lässt sich auch Ieyasu nicht entgehen und greift am nächsten Tag an. Doch beide haben nicht mit einer List des verschlagenen John Lackland gerechnet …

_Mein Eindruck_

Nun könnte man meinen, das Buch strotze nur so von Action, in der sich Mord und Totschlag die Klinke in die Hand geben. Das ist mitnichten so, und alle Actionfanatiker seien hiermit ernsthaft gewarnt. Es gibt in diesem Roman lange Strecken, in denen lediglich philosophiert wird. Denn der Autor klopft darin mehrere grundlegende Bedingungen der menschlichen Existenz daraufhin ab, ob sie sich unter den experimentellen Bedingungen der Flusswelt etwa verändert haben.

|Rassismus|

Hacking beispielsweise ist ein schwarzer Rassist, der keine Weißen oder Araber auf seinem Land duldet. Dem steht John Lacklands weißer Rassismus gegenüber, und auch Sam Clemens ist kein unbeflecktes Blatt. Hat er nicht in seinem umstrittenen Roman „Huckleberry Finn“ ständig von einem „Nigger Jim“ geschrieben? Er verteidigt sich damit, dass am Mississippi, wo er aufwuchs, alle die Schwarzen immer nur „Nigger“ nannten und sich keiner was dabei dachte. Doch nach dem Bürgerkrieg ab 1865 müssten diese Bedingungen doch anders gewesen sein, oder? Es geht also um Rassismus und soziale Toleranz.

|Pazifismus|

Der zweite Themenkomplex betrifft Pazifismus und Aggression. Parolando ist die einzige Demokratie am Fluss, ahnt Sam. Während er seinen Pazifismus ständig verteidigen muss, verficht sein Mitkonsul John Lackland, der allgemein verachtete Ex-König, eine Politik der Stärke und Aggression. Er würde am liebsten Soul City, die Hauptstadt Hackings, dem Erdboden gleichmachen und Fürst Ieyasu angreifen, solange noch Zeit ist. Damit er zugleich Holz und Erze gesichert. Hätte Sam das zugelassen, wäre ihm eine Menge Ärger erspart geblieben.

Doch Sam ist keineswegs herzlos und hat seine Prinzipien, die sich auch in seinen Romanen wiederfinden: Toleranz, Achtung vor dem Anderen, Demokratie. Obendrein findet er die Argumente der Kirche der Zweiten Chance, die am Fluss entstanden ist, recht einleuchtend. Wie Jesus Christus predigen diese Missionare, zu denen auch ein Deutscher namens Hermann Göring gehört, Nächstenliebe und Toleranz, auf jeden Fall das Gegenteil von Krieg. Aber diese Jünger lehnen Sams Schiff als Grund für Streit und Intoleranz ab, und deshalb lehnt Sam auch diese Kirche ab. Sein humanistisch-pazifistisches Zaudern kann den kommenden Krieg nicht verhindern, nur hinauszögern.

|Determinismus|

Eine wichtige philosophische Frage entzündet sich am Prinzip des Determinismus. Sam glaubt, dass alles von vornherein dadurch festgelegt ist, wie ein Mensch aufgewachsen ist und wie er geprägt wurde. Er kann sich nicht ändern. Folglich hat er auch nicht einen sehr eingeschränkten freien Willen, etwas gegen seine vorgegebene Natur zu tun.

Joe Miller tritt für das Gegenteil ein: Menschen können sich ändern, und zwar aus eigenem Antrieb. Sam braucht eine kleine Ewigkeit, um dies zu akzeptieren. Und der Mensch, der ihm dies am besten demonstriert, ist ausgerechnet seine Frau Livy. Sie war einst auf der Erde schwach und kränklich. Doch nach mehreren Wiedererweckungen und seit sie an der Seite des feschen Chevaliers Cyrano de Bergerac lebt, ist sie zu einer furchtlosen Kämpferin geworden, die in der Schlacht neben ihrem Freund steht und ihm Waffen und Munition reicht, mitunter auch selbst zusticht. Was für eine Veränderung! Sam kann es kaum fassen.

Doch er selbst verändert sich kaum. Bis zum Schluss glaubt er an das Gute im Menschen, und so kommt es, dass er auf John Lacklands größten Verrat nicht vorbereitet ist. Er muss zusehen, wie der Ex-König mit Sam fertiggestelltem Schiff davondampft und schwört ihm ewige Rache, weil er ihm seinen Lebenstraum gestohlen hat. Selber schuld, kann man da nur sagen.

|Die Übersetzung|

Diese Ausgabe bietet zwar noch die alte Übersetzung von Ronald M. Hahn, jedoch eine „vollständig überarbeitete Neuausgabe“. Will heißen, dass hier sämtliche Druckfehler ausgemerzt wurden und auf eine modernisierte Ausdrucksweise Wert gelegt wurde.

_Unterm Strich_

Aufgrund der erwähnten philosophischen Debatten ist der Roman keineswegs so flott und mühelos zu lesen, wie es sich der Freund Actionabenteuern erhofft haben mag. Andererseits freut sich natürlich der Liebhaber intelligenter Science-Fiction mit Tiefgang genau darüber, dass die Helden eines SF-Romans in der Lage sind, rational zu denken und über ihr Tun und Lassen zu reflektieren.

Die Flusswelt ist eine brutale Welt, die nur das Gesetz der Faust zu kennen scheint. Sams Parolando ist darin eine große Ausnahme: eine pazifistisch eingestellte Demokratie. Man muss sich schon wundern, dass es Sam lange gelingt, den Frieden zu erhalten. Doch der Preis, den er dafür zahlt, besteht verhängnisvollerweise in Waffen. Die so gestärkten Gegner sehen ihre Chance wachsen, je länger Sam mit einem Angriff wartet.

Der Leser muss nachdenken und selbst entscheiden, wem er den Vorzug gibt: diesem zynischen Betrüger, Verräter und Vergewaltiger namens John Lackland oder dem braven, aufrechten, pazifistischen Samuel Langhorne Clemens? Hätte Parolando weiterbestehen können unter einem König John? Wohl kaum. Es wäre weder eine Demokratie geworden noch ein friedliebender Staat, der zu einem Schiffbau imstande wäre. Stattdessen hätte König John das Umland mit Krieg überzogen, bis er mit seinem Heer auf einen Stärkeren getroffen wäre. Dann schon lieber Sams Frieden mit einer Perspektive. Auch wenn seine Niederlage viele Opfer fordert.

Ich bewunderte bei der Lektüre immer wieder die Detailkenntnis, mit der der Autor über das Leben der einzelnen Figuren schreibt, sei es Sam Clemens, John Lackland, Wolfgang Amadeus Mozart, Hermann Göring oder Cyrano de Bergerac. (Diese Figuren tauchen in der späteren Romanen wieder auf.) Dazu muss eine breite Lektüre und Recherche gehört haben. Aber auch über Sozialpolitik, Philosophie, Wirtschaft und Sexualität muss der Autor ganze Bibliotheken verschlungen haben, nach dem Wissen zu urteilen, das er in den ersten beiden Romanen der Serie, die ich bislang gelesen habe, durchscheinen lässt. Der TV-Film „Riverworld“ lässt von diesen philosophischen Aspekten nicht das Geringste ahnen und sollte mit größter Vorsicht genossen werden.

Fazit: Volltreffer.

|Fortsetzungen|

Natürlich fordert das Ende eine Fortsetzung. Diese wird sogar angekündigt: Sie trägt den Titel „Das dunkle Muster“ (The Dark Design, 1977), muss aber zusammen mit dem vierten Band „Das magische Labyrinth“ gelesen werden. Band 3 und 4 sollten ursprünglich in einem Band erscheinen, um die Trilogie zu komplettieren, doch aufgrund dessen Umfangs von 400.000 Wörtern musste er aufgeteilt werden. Am Schluss des 4. Bandes glaubt Farmer, alle Antworten gegeben zu haben, doch er hält sich ein winziges Hintertürchen offen. Dadurch ist es ihm möglich, einen 5. Band folgen zu lassen: „Götter der Flusswelt“, in dem er die Antworten wieder in Frage stellt.

|Originaltitel: The Fabulous Riverboat, 1971
291 Seiten
Aus dem US-Englischen von Ronald M. Hahn
ISBN13: 978-3-492-26658-1|
http://www.piper-verlag.de
http://www.pjfarmer.com

[NEWS] Erin Young – The Fields. Was vergraben bleibt

Drückende Sommerhitze liegt über Iowa, als in einem Maisfeld eine übel zugerichtete Leiche gefunden wird. Die zuständige Ermittlerin Riley Fisher ist erst kürzlich in ihre alte Heimat im Mittleren Westen zurückgekehrt und verbindet eigentlich nur schlechte Erinnerungen mit der Gegend. Als sich herausstellt, dass die Tote eine ehemalige Schulkameradin ist und weitere Opfer auftauchen, fühlt sich Riley unter Druck, den Fall schnellstmöglich zu lösen. Doch während ihrer Ermittlungen stößt sie auf einen unvorstellbaren Skandal, der nicht nur ihr kleines Dorf und ihre eigene Familie betrifft …
(Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 496 Seiten
Piper

Noam Chomsky – Hybris

Professor Noam Chomsky, der im Dezember 2004 75 Jahre alt wurde, ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Und umstritten, denn sein Schaffenswerk und seine Einstellungen zu diversen Themenbereichen sind alles andere als leicht und in Schubladen einzuordnen. Dennoch ist er derzeit der meist zitierte lebende Intellektuelle. Besonders in linkspolitischen Studenten- und Akademikerkreisen genießt er ähnlichen Kultstatus wie beispielsweise der „Drogenprofessor“ Timothy Leary, ohne jedoch (zum Glück?) mit dessen abenteuerlicher Biographie mithalten zu können. Zugleich wird er von der radikalen Linken ebenso angefeindet wie vom Establishment und diversen anderen Kreisen, denn Chomsky ist kontrovers, erhitzt die Gemüter und füttert Gesprächsthemen – und ist dennoch aufgrund seiner messerscharfen Logik und seines akademischen Leumunds bislang nicht überzeugend angreifbar.

Der Autor

Noam Chomsky, geboren in Philadelphia als Sohn des renommierten Hebräischgelehrten William Chomsky, studierte Philosophie, Linguistik und Mathematik an der University of Pennsylvania, promovierte in Harvard und ist seit 1955 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Zudem war er unter anderem in Princeton, Oxford, Cambridge, Neu-Delhi und Leiden aktiv. Er bekam Dutzende von akademischen Ehrengraden verliehen und ist in zahlreichen Gesellschaften aktiv. Seine linguistischen Theorien (am bekanntesten sind die „Chomskyhierarchien“, aber auch die „generative Transformationsgrammatik“ u.a.) haben bis in die Informatik und Psychologie hinein bedeutsamen Einfluss genommen, selbst die Medizin nutzt seine Werke (so baute beispielsweise Jerne seine nobelpreisprämierte Theorie über das Immunsystem auf Chomskys Arbeiten auf). Er gehört zu den weltweit führenden Autoritäten als Linguist und Politologe. Besonders in letzterem Wirkungsfeld ist er über rein akademische Kreise hinaus der aufmerksamen Weltöffentlichkeit bekannt, und genau dieses soll uns hier vornehmlich interessieren.

Auch politisch gesehen, ist Chomsky nicht leicht einzuordnen und hat seinen ganz eigenen Willen, der sich handlicher Schubladisierungen zu widersetzen weiß. So sieht er sich in der Tradition des „libertarian socialism“; eine anarchistische Ausrichtung, die gegen Hierarchien und Autoritäten orientiert ist. Obwohl er in seinen Schriften vehement und treffsicher analysierend gegen Machenschaften der amerikanischen Regierung angeht, ist er alles andere als „anti-amerikanisch“ (ein Kampfbegriff, der mittlerweile fälschlicherweise gleichbedeutend mit „kritisch gegenüber amerikanischer Politik“ gesetzt wird; wer nicht für uns ist, ist gegen uns und ein potenzieller Terrorist) oder unpatriotisch und unterstützt durchaus die republikanischen und demokratischen Grundsätze. Und eben die Verstöße gegen diese Prinzipien der staatlichen Freiheit prangert er an.

Dass Washingtons Ansichten dazu, was demokratisch ist und was nicht, der eigentlichen Definition beständig widersprechen, wird in seinem aktuellen Buch ebenfalls an Beispielen betrachtet. Ebenso richtet er sich explizit gegen die mehr als bedenklichen politischen Vorstöße der israelischen Regierung, was selbstverständlich als antisemitisch uminterpretiert wird. Eigens zu solchen Zwecken wurde ja auch der urbane Mythos vom „sich selbst hassenden Juden“ inszeniert. Chomsky selbst betrachtet sich als Unterstützer des Zionismus; mit dem Unterschied, dass der Begriff in den vergangenen Dekaden radikal neu interpretiert wurde und inzwischen so ziemlich das Gegenteil darstellt. Chomsky bleibt bei der traditionellen und tatsächlichen Bedeutung, und als Linguist von Format muss er es wissen. Derartige Standpunkte haben ihm natürlich den Vorwurf der Haarspalterei eingebracht. Ja, warum sollte man es mit der Sprache auch so genau nehmen, letztlich ist die derzeitige amerikanische Hetzkampagne ein Musterbeispiel dafür, wie beliebig Begriffe wie „Terrorist“ und „Terrorismus“, „humanitäre Intervention“, „anti-amerikanisch“, „unpatriotisch“ oder „Achse des Bösen“ schlagfertig und massenkompatibel aufbereitet je nach Situation zum Einsatz gebracht werden können.

Diese wirksamen verbalen Spitzfindigkeiten (oder eher Plattitüden?) werden in Chomskys Buch „Hybris“ ebenso beleuchtet wie das politische Gebaren der U.S.A. insgesamt. Dabei ist der Autor zugleich hochaktuell wie auch historisch orientiert, denn viele derzeitige Abläufe lassen sich an fast identischen Ereignissen der neueren Geschichte amerikanischer Politik erklären und in Parallelen analysieren.

Erklärtes Ziel derzeitiger amerikanischer (Macht-)Bestrebungen ist es, eine einseitig definierte weltweite Hegemonie zu erschaffen und also die alleinige Vorherrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zu sichern. Dies geschieht dabei aus dem Anspruch heraus, der einzig legitime Heilsbringer von Freiheit und Demokratie zu sein, der weiß, was für seine Kinder gut ist und wie man ungehorsame Kinder im Sinne amerikanischer Freiheit zu erziehen und zu bestrafen hat. Das klingt pathologisch, ist es auch und wird von Chomsky ausführlich analysiert, auch und gerade sprachlich, indem unzählige Zitate in die Fließtext eingestreut werden, die von besorgten „Demokratieverfechtern“ stammen (die wohl entweder nicht wissen, was sie da eigentlich reden oder aber gedankenlos in Kauf nehmen, dass ihre wirklichen Motive durch solche Aussprüche offenkundig werden).

Die U.S.A. definieren dabei auf breiter Basis neu. Oben erwähnte Begriffe gehören dazu, außerdem wird mit Nachdruck definiert, was Demokratie ist, was Freiheit ist, was Willkür und was nicht, was Krieg ist und was nicht, wann Menschenrechte zur Geltung kommen und wann nicht (in diesem Zusammenhang und in Sachen Aufrüstung wird übrigens auch die Türkei im Buch unter die Lupe genommen; wer danach noch für eine EU-Erweiterung in den Nahen Osten ist, der hat einige Grundprinzipien nicht verstanden), wann die UN und die mit ihnen verknüpften Institutionen etwas beizutragen, und wann sie sich gefälligst herauszuhalten haben, wer welche Auflagen zu erfüllen hat, Sperrverträge zu unterzeichnen hat, sich auf- oder abzurüsten hat – und warum die U.S.A. daran selbst nicht gebunden sind.

Überhaupt ist ein wesentliches Merkmal des Hegemonialbestrebens und seiner unmittelbaren Aktivitäten, dass beständig mit zweierlei Maß gemessen wird. Was auf einen missliebigen Staat anwendbar ist, ist bei gleichem Sachverhalt noch lange nicht für Washington gültig, so zum Beispiel beim Begriff des „internationalen Terrorismus“. Die „Think Tanks“ sind dabei, die ursprünglich von den U.S.A. selbst aufgestellten Kriterien für Terrorismus- und Kriegsfälle umzugestalten, da sämtliche Definitionen bislang einwandfrei auf amerikanisches Verhalten anwendbar sind. Chomsky hält es hier wie auch bei den oben angeführten Begriffen, indem er schön bei den ursprünglichen, noch unverfälschten Bedeutungen bleibt und sie auch dementsprechend zum Einsatz bringt.

Chomsky führt einige Fälle amerikanischer Intervention aus, so unter anderem Kosovo und Ost-Timor, Kuba oder Nicaragua. Bezeichnend war, um ein Beispiel zu nennen, dass die sowjetische Stationierung von Raketen auf Kuba als kritische Bedrohung aufgefasst wurden (zu Recht), die gleichzeitige Stationierung amerikanischer Raketen an der türkischen Grenze allerdings nicht einmal Medienerwähnung fand. Kuba ging gegen Blockaden und Sanktionen sowie militärische Übergriffe der Amerikaner vor, indem es sich ordnungsgemäß an die UN und den Sicherheitsrat wandte (abgeblockt von, man errät es, den U.S.A. und Israel, den beiden Chefblockierern bei jeder Abstimmung, die „amerikanische Interessen“ tangiert), während die U.S.A. eine abgefeuerte Patrone (oder ein wahlweise von ihnen selbst gesprengtes Schiff) als ausreichenden Grund ansehen, um sofort massiv zu bombardieren (und dabei auf die korrekte Fütterung der Medien zu achten).

Aber einen genüsslich großen Teil der Drecksarbeit müssen die Staaten dabei gar nicht selbst erledigen, dafür sind sie zu sehr Meister darin, Kontras, Guerillas, revolutionäre und militante Gruppierungen zu finanzieren, auszubilden und mit Waffen zu versorgen und zudem für ein ausreichend hohes Kriminalitätspotenzial des jeweiligen Landes zu sorgen, um dann im Zusammenspiel mit einem geeigneten und medienwirksamen Schreckensereignis (auch wenn man es sich zunächst aus den Fingern saugen und irgendwelche Massaker erfinden oder notfalls selbst inszenieren muss, später interessiert es sowieso keinen mehr – ähm, was war noch mal der Kriegsgrund? Und Kriegsverbrechen durch die Streitkräfte der U.S.A.? Gibt es nicht.) mit patriotischer Inbrust und im Superman-Kostüm die Welt vor irgendwelchen schrecklichen Terroristen retten zu dürfen. Ganz altruistisch natürlich; wovon, so Chomskys Analyse, ein erschreckend hoher Teil der Aktivisten amerikanischen Imperialbestrebens aufgrund ihres Selbstverständnisses tatsächlich und aufrichtig überzeugt ist. Missionarischer Eifer mit ein paar netten machtpolitischen Nebeneffekten, wie wir ihn seit den Kreuzzügen nicht mehr hatten – aber dafür wurde jetzt ein neuer Kreuzzug ausgerufen und wir marschieren selbst pflichtbewusst in vorderster Reihe mit.

Der „war on terror“ ist natürlich keine Innovation neuerer Zeit, er wurde zuletzt bereits Anfang der Achtziger von den U.S.A. ausgerufen und die Terrorismus- bzw. Kommunismuskeule packen die Macher in Washington ja bekanntlich auch nicht erst seit gestern erfolgreich aus. Immer wieder beliebt und gern gesehen, haben sich diverse – ironischerweise eigentlich wirklich plumpe – Stilelemente als beständig wirksam erwiesen und werden in immer gleichem Schauspiel mit neuer Besetzung aufgeführt – und das Publikum scheint den Nepp nicht zu bemerken und spendet tosenden Applaus. Brot und Spiele für das Volk. Und dank neuester Technologien so werbewirksam in die Menge zu streuen wie nie zuvor. Da schafft man es auch ganz schnell und rechtzeitig vor dem nächsten Irakkrieg, die Öffentlichkeit (ca. 70 Prozent laut Umfrageergebnissen) davon zu überzeugen, dass der böse Hussein mit den ach so nützlichen Anschlägen vom 11.9. ganz bestimmt etwas zu tun hatte und die Mehrheit der nach unbekannten Kriterien festgelegten Flugzeugattentäter wohl Iraker gewesen sein müssen. Die „Schöne neue Welt“ und der „Große Bruder“ machen’s möglich.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihre Grenzen ausgelotet und sind folgerichtig zu dem Schluss gekommen, dass sie nunmehr eine aggressive und unilateral legitimierte „Nationale Sicherheitsstrategie“ verkünden dürfen, die es ihnen gestattet, auf jedwede durch sie selbst definierte Bedrohung ihrer Interessen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu reagieren, bevorzugt mit militärischer Überlegenheit. Das wird natürlich zunächst gegen wehrlose Ziele gerichtet, weshalb beispielsweise Nordkorea erst einmal vor Übergriffen sicher sein dürfte. Allein die bloße Verkündung dieser Gewaltbereitschaft führt allerdings in Wirklichkeit bereits zu einer neuen Aufrüstungsspirale, die Ausführung dieser Androhung zu terroristischen Gegenmaßnahmen, die wiederum als Legitimierung weiterer militärischer Interventionen (oh, es heißt ja nun „humanitäre Intervention“) dienlich sind und ihre Existenz und Notwendigkeit somit tautologisch begründen können.
Um die innenpolitischen Sorgenkinder wird sich im gleichen Zuge fachgerecht gekümmert, Patriot Act (Teil II demnächst auch in Ihrem Kino), Homeland Security und andere ganz unbedenkliche Einrichtungen zum Schutz und Wohle der amerikanischen Freiheit (wie war der Begriff gleich noch definiert?) machen es möglich.
Chomsky stellt dabei heraus, dass gerade die „Sicherheitspolitik“ dafür sorgt, dass sowohl Amerika als auch das stabile Weltgefüge in massive Gefahr geraten. Statt „Überleben durch Hegemonie“ stellt er eher die Wahlfrage: „Hegemonie oder Überleben“? [Originaltitel: „Hegemony or Survival“]

Noam Chomsky ist erneut eine explosive Analyse gelungen, untermauert von zahllosen Zitaten und Quellenbelegen und scharfsinnig zu einem schlüssigen Bild zusammengefügt, dabei alles, was dem argumentativen Totschlaghammer „Verschwörungstheorie“ Nahrung geben könnte, vermeidend. Nackte Fakten, die für sich sprechen, gewürzt mit einer griffigen Prise Zynismus, und ein angenehmer Schreibstil abseits von akademischen Wortungetümen machen „Hybris“ zu nahrhafter Vollwertkost für aufmerksame Beobachter derzeitigen Weltgeschehens. Pflichtlektüre.

Eine herausragende und beispielhafte Aktion hat der Europa-Verlag in Kooperation mit „attac Deutschland“ gestartet, indem unter http://www.chomsky-forum.de/ neben allerhand Sekundärliteratur zu Chomsky die Volltexte der sechs vor „Hybris“ erschienenen Werke veröffentlicht wurden. Shareware-Prinzip, wie es Schule machen sollte.

[Deutsches Noam-Chomsky-Forum]http://www.chomsky-forum.de
[Offizielle Homepage von Noam Chomsky]http://www.chomsky.info/
[Chomsky bei Wikipedia]http://en.wikipedia.org/w/wiki.phtml?title=Noam__Chomsky&printable=yes

Weiterführende Lektüre:
[Die Kriegslüge]http://www.stern.de/politik/ausland/index.html?id=521345
Neunteiliger Rückblick-Artikel des „stern“ über US-Außenpolitik, Kriegstreiben und Desinformation seit dem Amtsantritt von George W. Bush

[Schlecht für Irak, gut für die Welt]http://www.taz.de/pt/2004/03/20/a0162.nf/textdruck
taz Nr. 7314 vom 20.3.2004, Seite 3, 313 Interview mit Noam Chomsky von ERIC CHAUVISTRÉ

[Projekt für ein neues europäisches 21. Jahrhundert]http://www.medienanalyse-international.de/projekt.html
Analysen und Lösungsvorschläge von Jochen Scholz, erschienen beim Internationalen Institut für Medienanalyse und Friedensforschung.
Scholz: Nach 38 Jahren als Berufsoffizier der Luftwaffe nun außenpolitischer Berater. Die letzten sechs Dienstjahre im Bundesministerium der Verteidigung im Stab des Generalinspekteurs eingesetzt. Davor zwölf Jahre in NATO-Gremien, sechs Jahre in NATO-Stäben.

Inhaltsverzeichnis:

_I. Hegemonie oder Überleben_
„Zwei Supermächte“
Der Feind im Innern
Der Feind jenseits der Grenzen

_II. Die imperiale Strategie_
Die Hegemonie erzwingen
Neue Normen des internationalen Rechts
Die Herrschaft des Gesetzes
Das internationale Recht und seine Institutionen
Besorgnisse der US-Eliten
Absichtsvolle Ignoranz

_III. Die neue Epoche der Aufklärung_
Kosovo und Ost-Timor
„Die Notwendigkeit der Kolonisierung“
Wie man unartige Kinder vor Ansteckung bewahrt

_IV. Gefährliche Zeiten_
„Nur ein Wort vom Atomkrieg entfernt“
Internationaler Terrorismus und Regimewechsel: Das Beispiel Kuba
Erfolgreicher Widerstand
Leitlinien US-amerikanischer Politik
Internationaler Terrorismus und Regimewechsel: Das Beispiel Nicaragua

_V. Die Irak-Connection_
Das Drehbuch I: Außenpolitik
Das Drehbuch II: Innenpolitik
Unbedeutende Risiken
„Die wilden Flügelstürmer“
Demokratie und Menschenrechte
Befreiung von der Tyrannei: Konstruktive Lösungen

_VI. Weltmachtprobleme_

_VII. „Ein Hexenkessel von Feindseligkeiten“_
Ursprung und Entwicklung der israelisch-amerikanischen Beziehungen
Camp David II: Palästina als „dauerhafte koloniale Dependenz“

_VIII. Terrorismus und Gerechtigkeit_
Binsenweisheiten und Terror
Die Kunst, unerwünschte Tatsachen verschwinden zu lassen
Binsenweisheiten und die Theorie des gerechten Krieges
In Konfrontation mit dem Terror

_IX: Ein Alptraum, der vorübergeht?_

_Anmerkungen_
_Personenregister_

[NEWS] Nikola Vertidi – Unheilvolles Kreta

Ein besorgniserregender Anruf erreicht Hyeronimos, während er den Blick über das tiefblaue Meer schweifen lässt. Stelios Mentakis, Chef der Mordkommission in Heraklion, der eigentlich seinen Burnout in einer Berghütte auskurieren wollte, wurde angegriffen und schwebt in Lebensgefahr. Hyeronimos und sein Team machen sich sofort auf die Suche nach Verdächtigen. Doch wer hatte ein Motiv und wusste, wo sich Mentakis aufhielt? Findet sich der Täter vielleicht sogar in den eigenen Reihen? Ein Fall, der allen an die Substanz geht, fordert die Ermittler. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 500 Seiten
Piper

[NEWS] Anna-Luise Melle – Die Meisterin der Wachsfiguren (Bedeutende Frauen 15)

Anna-Luise Melle schreibt in ihrem faszinierenden biografischen Roman »Die Meisterin der Wachsfiguren« atmosphärisch dicht und unerhört spannend über das unglaubliche Leben der Frau, die als Madame Tussaud weltberühmt wurde.
Paris, 1778: Am glücklichsten ist Marie Tussaud, wenn sie ihrem Onkel bei der höchst anspruchsvollen Fertigung von Wachsbüsten und -figuren helfen darf. Bald wird man in Versailles auf die schöne junge Frau mit dem außergewöhnlichen Talent aufmerksam: Marie darf eine Schwester des Königs unterrichten! Dass sie sich dabei unsterblich in den attraktiven, aber verheirateten Maler Jacques verliebt, bringt sie in Schwierigkeiten.
(Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 320 Seiten
Piper

[NEWS] Martina Winkelhofer – Sisis Welt

Um Sisis Alltag und Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Die renommierte Historikerin Martina Winkelhofer bringt dank außerordentlicher Funde und Neuauswertungen von Quellen endlich Licht ins Dunkel: Was erzählen uns Kaiserin Elisabeths Sinn für Mode, ihre Ausstattung und Hobbys über Frauenleben dieser Zeit? Was sagen ihre Beziehungen über ihr Leben aus? Welche Geheimnisse können wir ihren Alltagsgegenständen entlocken und was erzählen sie über diese Epoche? Welche Sehnsüchte stecken hinter ihren Reisen? Eine kenntnisreiche Dekonstruktion des Mythos, der Sisi nicht weniger schillern lässt. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten
Piper

[NEWS] Richard Swan – Im Namen des Wolfes

Im Reich des Wolfes gärt es. Rebellen und mächtige Patrizier gefährden die Macht des kaiserlichen Throns. Nur der Orden der Richter stellt sich dem Chaos entgegen. Sir Konrad Vonvalt ist der gefürchtetste von ihnen, der gemeinsam mit seiner Schreiberin Helena und seinem Vollstrecker Bressinger Recht und Gesetz vertritt. Als die drei den Mord an einer Adeligen untersuchen, kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die Spitze der kaiserlichen Gesellschaft reicht. Vonvalt muss sich entscheiden: Wird er die Gesetze missachten, die geschworen hat, zu schützen, um das Reich zu retten?
(Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 528 Seiten
Piper

[NEWS] Nicola Förg – Hohe Wogen (Alpen-Krimi 13)

Für »Hohe Wogen«, Band 13  ihrer beliebten Krimi-Reihe, wählt die SPIEGEL-Bestsellerautorin den Starnberger See als idyllischen Schauplatz für einen ungewöhnlichen Mord: Eine Frau wird auf ihrem SUP-Board mitten im See gefunden – getötet mit einem Fünfzack. Irmi Mangolds Ermittlungen führen sie zwischen die Fronten von Freizeit-Wassersportlern und Berufsfischern, von Anwohnern und Ausflüglern, von Naturschützern und Erholung Suchenden. Die Emotionen schlagen hohe Wellen in diesem neuen Fall. Die Tote war vielen in der Region als übergriffige Frau bekannt, die als Locationscoutin für einen Filmdreh die schönsten Orte suchte. Hat sie ihre Nase in anrüchige Dinge gesteckt? Irmi Mangold muss all ihre Intuition aufbieten, um zu erspüren, welche stillen Wasser Abgründe verbergen. (Verlagsinfo)

Taschenbuch ‏ : ‎ 320 Seiten
Piper

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