Schlagwort-Archiv: Wiesenburg

Norbert Sternmut – Der Tote im Park

Ein sonnenklarer Fall, Herr Inspektor – oder?

Der Ich-Erzähler, ein erfolgloser Schriftsteller und Lyriker, hat eine Leiche beim Spazieren im Park gefunden. Helmut Schröder, so hieß der Ermordete (ob die Ähnlichkeit mit Politikernamen Zufall oder Absicht ist, bleibt offen), hatte ein beneidenswertes Leben als „gemachter Mann“ geführt, bevor ihn der Tod ereilte. Der Schriftsteller berichtet dem Polizeiinspektor genau, welche Gedanken ihn bei der Entdeckung des toten Schröder bewegten. Und diese Gedanken sind überhaupt nicht nett, wie sich generell der Schriftsteller beim Leser durch abfälligen Zynismus unbeliebt macht.

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Norbert Sternmut & Birte Schumann – Pfeilschrift. Reflexionen über die Liebe

Dieses umfangreiche Buch ist wieder mal eine Kooperationsarbeit in Norbert Sternmuts lyrischem Werk: Birte Schumann schrieb die Essays und stellte Märchen zum Thema „Liebe und Tod“ zusammen. Sternmut schrieb die Gedichte zum Thema. Warum Märchen? Weil sie eine der ältesten Formen der Poesie und Dichtung darstellen.

„Ganz besonders hat es ihnen ein klassisches Liebesmärchen angetan: Dornröschen. Dieses Märchen birgt in seinen Fassungen von Basile ganze Dramenstränge über die Abgründe der Liebe, spielt aber auch mit der tiefen, offenkundigen Schönheit, die der Liebe seit Menschengedenken anhaftet.“ (Verlagsinfo)
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Sternmut, Norbert / Funke, Volker – 88 Rätsel zur Unendlichkeit. Gedichte und Grafiken


Semantische Forschungsreise in Text und Bild

Ein Grafiker und ein Schriftsteller haben sich zusammengetan, um ein sogenanntes „Gesamtkunstwerk“ zu schaffen. Nun, im Zeitalter von Multimedia sehen „Gesamtkunstwerke“ wohl anders aus als eine gedruckte Kombination von Grafik und Text, die weder bewegt noch mit Ton unterlegt ist. Umso reizvoller ist es zu sehen, welche Wirkung aus dieser Beschränkung heraus erreicht werden kann.

Über die Künstler

Beide Künstler werden am Schluss des Buches ausführlich vorgestellt.

Norbert Sternmut
Norbert Sternmut

Norbert Sternmut (= Norbert Schmid), geboren 1958, lebt in Ludwigsburg und arbeitet als Sozialpädagoge. Der Theaterautor, Rezensent, Maler, Lyriker und Romanschreiber erhielt Stipendien vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Gerlingen. Er veröffentlichte zwanzig Einzeltitel seit 1980 und ist in über 50 Anthologien vertreten. Als Maler trat er mit 75 Ausstellungen an die Öffentlichkeit. Der gelernte Werkzeugmacher wurde nach einem Studium zwischen 1982 und 87 Sozialpädagoge und ist seit 1993 in der Bildungsarbeit im Bildungszentrum Stuttgart tätig. Mehr Infos gibt’s auf seiner Website www.sternmut.de.

Seit 1980 hat Sternmut eine ganze Reihe von Lyrikbänden veröffentlicht, darunter die von mir vorgestellten Bücher „Photofinish“, „Triebwerk“ und „Absolut, du“. In dem Band „88 Rätsel zur Unendlichkeit“ arbeitete er mit dem Grafiker Volker Funke zusammen: Die Rebus-artigen Rätselgrafiken harmonierten mit den frei assoziierenden Gedichttexten Sternmuts. Eine Webseite ergänzte das multimediale Werk auf der Zeit angemessene Weise.

Auf der Prosaseite ist seine Romantrilogie hervorzuheben, zu der „Der Tote im Park“ (1999), „Marlies“ (2003) und sein Roman mit dem Titel „Norm@n“ gehören. Eine Reihe von z.T. phantastischen Erzählungen erschienen in dem Band „Das Zeitmesser“ (Rainar Nitzsche Verlag, Kaiserslautern, 1997).

Volker Funke, gen. Funné, geboren 1964 in Heilbronn. 1987-93 Studium an verschiedenen Kunstakademien und Freien Kunstschulen Kunst und Freie Grafik, 1993-97 Studium an der Universität Stuttgart Kunstgeschichte und Philosophie. Seit 1993 freischaffend als Bildender Künstler und Dozent tätig. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Lebt und arbeitet in Heilbronn.

Der Prolog

Wie Funke in seinem PROLOG erzählt, entstanden die 88 Collagen am Computer, und zwar während des Halbjahres vom Juni bis Dezember 2000. Es waren seine ersten Arbeiten am Rechner, doch schon bald hatte er den Bogen raus.

Er wollte Rätsel darstellen, aber nicht irgendwelche, sondern solche zur Unendlichkeit. Das seit dem 17, Jahrhundert übliche Symbol dafür ist eine liegende 8, auch als Lemniskate bezeichnet. Diese Schleife ist unendlich und liefert zahlreiche Möglichkeiten, sie zu spiegeln und zu verdoppeln. Daher kam Funke schließlich auch auf die Anzahl 88 … Norbert Sternmuts Gedichte kamen dann im Jahr 2004 hinzu.

Für Esoteriker sei erwähnt, dass die Lemniskate auf der TAROT-Karte des Magus zu finden ist. Der Magus wird auch als Schwindler bezeichnet. Doch wie den Weisen vom Betrüger unterscheiden? Möglicherweise beschäftigen sich deshalb viele der Rätsel mit unendlichen Dingen wie etwa der Zeit und Leuten, die damit zu tun, wie etwa der Erfinder. „Der Erfinder“ ist der Titel des ersten Rätsels, „Die Zeit“ der des letzten.

Dem Prolog ist ein Textzitat angehängt, das angeblich aus einem Buch namens „Der große Magier, 11. Buch, De Tempore“ [Über die Zeit] stammt. Ich kenne dieses Buch nicht, lasse mich aber gerne aufklären.

Inhalte

Im Anfang war die Grafik. So eine Grafik scheint auf den ersten Blick rein assoziativ zusammengestellt worden zu sein, um dem gestellten Thema gerecht zu werden. Vielfach sieht man grafische Motive mit Figuren aus dem 19. Jahrhundert oder der Jahrhundertwende von 1900. Es ist manchmal, als läse man den „Struwwelpeter“ oder eine technische Illustration aus jener Zeit.

Diesen Eindruck hebt die Verarbeitung auf: Verfremdende Farben, die recht kräftig wiedergegeben sind, entrücken das Motiv dem Reich des Realismus. Hinzu kommen zwei Konstanten, die in jedem Bild auftauchen: das Buchstabenpaar „UE“ – für Unendlichkeit – und das Zeichen für „acht“ beziehungsweise „endlos“ oder „unendlich“. Am ehesten entsprechen die Motiv-Kombinationen noch dem Rebus-Rätsel.

Mal sehen, was sich der Dichter dabei gedacht hat. Denn die Gedichte dienen nicht allein der Beschreibung der Grafiken, sondern entwickeln vielmehr ein lyrisches Eigenleben, ohne jedoch die Verbindung zur Grafik und deren Thema aufzugeben. Somit entsteht ein Spannungsfeld von thematischen Assoziationen – zwischen Bild und Sprache, zwischen grafischer Aussage (oder Rätsel) und einer möglichen Interpretation durch einen lyrischen Text.

Die Themen und ihre Verarbeitung

Was soll denn nun an diesen Bildern und Texten so rätselhaft sein? Und müssen es gleich so viele sein – 88 Stück? (Siehe dazu oben den PROLOG.) Viele Titel verraten schon, um was es in den Texten gehen soll: um geheimnisumwobene Gestalten der Märchen, Mythen und Sagen: Ikarus, der Seher, der Prophet, die Nixe, das alte Weib (eine Hexe?) und den Fliegenpilz, die Nymphe und so weiter. Die entsprechenden semantischen Resonanzräume, die der Begriff öffnet, erkundet der lyrische Text auf seine jeweils eigene Weise.

Die nachzulesenden Ergebnisse sind manchmal originell und vor Ideen sprühend, manchmal abgedroschen und matt. Deutlich ist das Interesse des Dichters für seine Seelenverwandten zu spüren, allen voran Ikarus und „der Narr“. Diese Texte sind entweder voll Leidenschaft oder voll Wortwitz, rühren aber den Leser an. Andere Texte wie etwa „Fliegenparade“ sammeln lediglich – und laut Autor mit Absicht – enzyklopädische Wissenstrümmer, wieder andere, wie „Die Dämonen“, quälen den Leser mit Schreckensvision, wie sie Paul Celan nicht evokativer hätte formulieren können. Hier ist zu spüren, dass Celan („Die Todesfuge“) mit zu den dichterischen und sprachlichen Vorbildern Sternmuts gehört.

Der Dichter sehnt sich nach dem Ausbrechen aus den Vorgaben der Welt, die er in der Mehrzahl seiner Texte erkundet. Das Freudsche „Unbehagen an der Kultur“ wird überdeutlich an den Rückblicken auf Genesis und Propheten: Es gibt keinen Weg zurück zur Unschuld, und auch die Warnungen und Prophezeiungen änderten nichts am Lauf der Welt. Ausbrüche aus den Vorgaben sind Narren und Liebenden vorbehalten.

Die Narren dürfen ungestraft, weil maß-los und unzurechnungsfähig, kritisieren und mit ihrer Narrenkeule strafen („Sei doch ein Narr“). Den Liebenden ist die Tiefe des Eros geöffnet, der als „Jungbrunnen“ fungieren kann, sofern die Kommunikation („Lichtspruch“) klappt. Dabei schreckt das Begehren des Erotikers keineswegs vor Heiligenfiguren zurück, wie der Text „Madonna“ deutlich macht. Grenzüberschreitung ist das belebende Prinzip der Erotik und eine Voraussetzung für befreiende Liebe im Eros – Richtung Unendlichkeit, wie die Grafikzeichen verdeutlichen. Dass der Schelm Hand in Hand mit dem Erotiker geht, versteht sich von selbst. Die „Vorsehung“, der „Brillenmacher“ (Erkenntnisfähigkeit) – sie haben nach ihrem Scheitern ausgedient.

Mein Eindruck

Ist das nun ein „Bilder-Buch“ – oder ein Gedicht-Band? Von beidem etwas, also sowohl als auch. Denn beide Komponenten ergänzen und verstärken einander. Obwohl zuerst das Bild kam und der Lyriker sich davon inspirieren (mitunter ‚be-geistern‘) ließ, lädt doch der Text das Bild in umgekehrter Richtung wieder semantisch auf. Natürlich tauchen assoziativ eingesetzte Motive wie etwa ein Frosch oder Käfer in merkwürdig unmotiviertem Kontext in manchen Texten auf. Nicht immer gelingt es dem Lyriker, alle grafischen Elemente unter einen Generalthema-Hut zu bringen. Und nicht immer kommt dabei Lyrik heraus. Der Text über Hildegard von Bingen („Die Kräuterfrau“) ist eher Prosa, wie sie aus einer Enzyklopädie stammen könnte. Und nicht immer stimmen die Titel von Gedicht und Grafik überein, wie man leicht am vierspaltig gesetzten Inhaltsverzeichnis ablesen kann.

„88 Rätsel“ liefern einen Rundumblick über die Welt der Phänomene, doch es ist nur selten ein Blick in die Gegenwart darunter. Gerade, dass mal ein Handy oder ein VW „Käfer“ vorkommt, doch viele mythisch resonante Begriffe stammen aus den Jahrhunderten vor dem schrecklichen zwanzigsten. Nur die moderne Sprache und die skeptische Melancholie bewahren die Lyrik-Grafik-Verbindung vor dem Biedermeiertum. Das Lob des Eros und der Narrheit lassen die Perspektive, den Horizont des Erlebens aus den Schranken des 19. Jahrhunderts ausbrechen.

Ein hohes Ziel hatten sich die beiden Künstler gesetzt, formuliert in Pro- und Epilog-Texten. „Ernsthaft sein, aufwühlend, fragend, / Ergreifend, nicht langweilig, / Kalt oder mürbe“, so sollten die Bild-Text-Kombinationen wirken. Die allerwenigsten dieser Texte sind langweilig, kalt oder mürbe. Doch Zweifel kommen auf hinsichtlich der Fähigkeit einiger Texte, den Leser zu „ergreifen“ und gar „aufzuwühlen“. Vieles ist mir zu „ernsthaft“, wohl wahr, etliches auch Celanisch und zu melancholisch.

Mit ein wenig mehr Mühe und Sorgfalt, so mein Eindruck, wären einige Texte, die bislang noch zerfasern oder ganz in Prosa abgleiten, zu fokussierten Sinn- und Sprachgebilden geworden, deren Wirkung sich der Leser nicht entziehen könnte. Die Offenheit der Form, die lyrischer Text und Grafik anbieten, geboten jedoch möglicherweise das Thema und sein Gestaltungsprinzip: Unendlichkeit, Endlosschleifen, Kombinatorik.

Unterm Strich

„88 Rätsel“ ist eine interessante Erkundung der Möglichkeiten, die Grafik und Lyrik in Kombination bieten. Mag auch nicht alles gelungen erscheinen – schon gar nicht auf den ersten Blick -, so bieten sich dem interessierten Leser und Betrachter doch zahlreiche Facetten der semantischen Forschungsreisen, die hier unternommen wurden.

Ziel war es offenbar nicht, Klassiker der Darstellung und Formulierung zu schaffen. Bestimmend ist vielmehr der offene, aber unendliche Prozess- und Experiment-Charakter des Kunstwerks. Wünschenswert wäre eine multimediale Realisierung, in der auch Ton und Musik zu ihrem Recht gelangen. Vielleicht könnte sich einer der Hörbuchverlage für ein solches Projekt erwärmen.

Warum das Buch so teuer sein muss

38 Euro sind kein Pappenstiel, wird sich jetzt so mancher Leser dieses Berichts denken. Ob es sich lohnt? Der Grund für den hohen Preis ist das offensichtlich enorm hochwertige Papier, das dem 200-Seiten-Buch auch sein hohes Gewicht verleiht. Die Notwendigkeit, genau dieses und kein billigeres Papier zu verwenden, ergibt sich aus der Wiedergabe der Grafiken. Diese Wiedergabe muss farbecht sein und auch winzige Nuancen und Linien beachten.

Wie oft habe ich schon Druckerzeugnisse gesehen, in denen die Farben verschwammen oder „absoffen“, wie der Drucker sagt. Das lag am billigen Papier, das die Tinte anders als gewünscht aufnahm. So ein Ergebnis kann nicht im Sinne des Urhebers sein. Entweder ganz oder gar nicht, muss hier die Devise sein. Daher besitzt „88 Rätsel“ die Druckqualität eines Ausstellungskatalogs. Und dass diese meist weit über 40 Euro kosten, dürfte sich herumgesprochen haben.

Somit eignet sich das stabil gebundene und vorzüglich gedruckte Buch sowohl als wertvolle Bereicherung einer Kunstbibliothek wie auch als Weihnachtsgeschenk für feinsinnige, für Literatur und Grafik empfängliche Rätselrater.

Werke bis 2018

• Augen und Steine. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-039-4.
• In hundert Jahren. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-040-8.
• Goldene Zeiten. Theaterstück 1985, Der Karlsruher Bote, ISBN 3-88256-178-5.
• Lauf der Dinge. Gedichte 1987, Hutters-Verlag
Sprachschatten. Gedichte 1989, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-16-4.
• Lichtpausen. Gedichte 1994, Verlag Günther Dienelt, ISBN 3-88397-153-7.
• Verfrühtes Auslösen des Zeitraffers. Gedichte 1995, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-28-8.
• Sternmut. Gedichte 1996, Röhn-Verlag, ISBN 3-931796-15-9.
• Das Zeitmesser. Kurzprosa 1997, Verlag Rainar Nitzsche, ISBN 3-930304-21-X.
Photofinish. Gedichte 1997, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-36-9.
Absolut, Du. Gedichte 1998, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-42-3.
Der Tote im Park. Roman 1999, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-28-7.
• Trainingscenter. Theaterstück 2000, Theaterboerse
• Metallica. Theaterstück 2001, Theaterboerse
• Keine Regeln für Sina. Roman 2001, Betzel Verlag, ISBN 3-932069-82-X.
Marlies. Roman 2003, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-89-9.
88 Rätsel zur Unendlichkeit,Lyrik-Grafik-Kunstdruckband. Bilder von Volker Funné.[9] Wiesenburg Verlag, 2004, ISBN 3-937101-35-7.
Triebwerk. Gedichte 2005, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-69-5.
• Seelenmaschine. Gedichte 2006, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-939518-34-4.
Norman. Roman 2008, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-939518-94-5.
• Fadenwürde. Gedichte 2009, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-67-8.
• Nachtlichter. Gedichte 2010, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-87-6.
• Wildwechselzeit -Tagebuch einer Beziehung. Roman 2011, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-942063-25-8.
• Spiegelschrift. Gedichte 2011, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-007-2.
• Schattenpalaver. Gedichte 2012, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-032-4.
• Zeitschrunden. Gedichte 2012, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-045-4.
• Nachbrenner. Gedichte 2013, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-081-2.
• Sonnwend. Gedichte 2014, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-092-8.
Pfeilschrift -Reflexionen über die Liebe. Gedichte und Prosa 2015, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-95632-284-6.
• Atemecho. Gedichte und Bilder 2016, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-110-9.
• Totentango. Gedichte und Bilder 2017, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-145-1.
Strahlensatz. Gedichte 2018, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-199-4.

(Quelle: Wikipedia)

Hardcover: 201 Seiten
ISBN-13: 978-3937101354

http://www.wiesenburgverlag.de
www.sternmut.de

_Norbert Sternmut bei |Buchwurm.info|:_
[„Triebwerk. Gedichte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3752
[„Marlies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1935
[„Der Tote im Park“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3751
[„Photofinish“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7067
[„Absolut, Du“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7068

Sternmut, Norbert – Marlies. Roman

Von Normans Spielfeld und Marlies, der Hexe

Nach dem erfolreichen Krimi „Der Tote im Park“ folgt nun das Mittelstück einer Trilogie: „Marlies“. Der Leser darf sich auf alles gefasst machen, denn die rothaarige lüsterne Marlies macht sich wieder einmal über den wankelmütigen Schriftsteller Norman her, der selbstverständlich keine Chance gegen ihre Attacke hat.

Der Autor

Norbert Sternmut
Norbert Sternmut

Norbert Sternmut (= Norbert Schmid), geboren 1958, lebt in Ludwigsburg und arbeitet als Sozialpädagoge. Der Theaterautor, Rezensent, Maler, Lyriker und Romanschreiber erhielt Stipendien vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Gerlingen. Er veröffentlichte zwanzig Einzeltitel seit 1980 und ist in über 50 Anthologien vertreten. Als Maler trat er mit 75 Ausstellungen an die Öffentlichkeit. Der gelernte Werkzeugmacher wurde nach einem Studium zwischen 1982 und 87 Sozialpädagoge und ist seit 1993 in der Bildungsarbeit im Bildungszentrum Stuttgart tätig. Mehr Infos gibt’s auf seiner Website www.sternmut.de.

Seit 1980 hat Sternmut eine ganze Reihe von Lyrikbänden veröffentlicht, darunter die von mir vorgestellten Bücher „Photofinish“, „Triebwerk“ und „Absolut, du“. In dem Band „88 Rätsel zur Unendlichkeit“ arbeitete er mit dem Grafiker Volker Funke zusammen: Die Rebus-artigen Rätselgrafiken harmonierten mit den frei assoziierenden Gedichttexten Sternmuts. Eine Webseite ergänzte das multimediale Werk auf der Zeit angemessene Weise.

Auf der Prosaseite ist seine Romantrilogie hervorzuheben, zu der „Der Tote im Park“ (1999), „Marlies“ (2003) und sein Roman mit dem Titel „Norm@n“ gehören. Eine Reihe von z.T. phantastischen Erzählungen erschienen in dem Band „Das Zeitmesser“ (Rainar Nitzsche Verlag, Kaiserslautern, 1997).

Handlung

Norman, der Schriftsteller, hat sich mit seiner Frau Regina und den zwei Kindern Lisa und Gloria (die nicht von ihm sind) fest eingerichtet in einer sicheren, gedeihlichen Umgebung, so dass er an seinem nächsten Roman schreiben kann. Was die mütterlich treu sorgende Regina allerdings nicht ahnt: Norman hat eine Geliebte, eine gewisse Eva Adam. (Man sieht: Namen tun hier wenig zur Sache.) Das dürfte für ihn zu einem gewissen Problem werden.

Marlies hat nämlich angerufen – Marlies, die Zerstörerin, Aphrodite und Kalí in einem, Normans femme fatale. Leider konnte Norman die Klappe nicht halten und erzählte ihr von Eva. Wenig später meldet sich der Herr Inspektor (der überhaupt keinen Namen hat) bei Norman an: Eva Adam sei ermordet (mit „aufgetrennten Brüsten“ und zerschnittenen Genitalien) aufgefunden worden, und ob der Herr Schriftsteller, dessen Fingerabdrücke man überall in der Eva-Wohnung gefunden habe, etwas Erhellendes dazu beitragen könnte? Norman kann nicht.

Als Marlies vor der Tür steht, während Regina beim Einkaufen ist, kann Norman ihr nicht widerstehen, so sehr er sich das auch wünschen würde – von wegen Treue zu Regina und so. Die anschließende Sexszene dauert so lange, dass Regina die beiden in ihrer Wohnung vorfindet. Regina wurde von ihrer Freundin Helga gewarnt, dass der Schriftsteller sie eines Tages enttäuschen würde. Regina stellt Norman auf die sanfte Tour vor die Wahl zwischen zwei Frauen. Doch er hält an ihr fest. Sagt er.

Der Verdacht des Herrn Inspektors gegen Norman wird immer dringender. Warum, bleibt vorerst unklar – Polizeigeheimnis. Allerdings gibt Norman das Verhältnis zu Eva Adam erstmals zu. Das ist wohl nicht so geschickt. Marlies lädt ihn zu einem Stelldichein bei sich ein, doch er erzählt ihr nochmals, dass Eva seine Geliebte gewesen sei und er seiner Frau „treu“ bleiben wolle. Nix da: Marlies‘ Verhältnis zum Schriftsteller, über das nun endlich mehr zu erfahren ist, verhindert, dass er sich ihr verweigern kann. Seine fatale Muse ist für ihn ebenso lebensnotwendig wie die treue Versorgerin.

Da taucht der Herr Inspektor auf und nimmt den Schriftsteller wegen dringenden Mordverdachts fest. Ob ihn Marlies oder Regina aus seiner Zelle herausholen, dürfte der zweite Teil des Romans zeigen.

Mein Eindruck

„Marlies“ ist zwar ein Krimi mit entsprechender Handlungsstruktur, aber es ist beileibe kein realistischer Roman im handelsüblichen Sinne. Das lässt sich schon an der Tatsache ablesen, dass es der Autor wagt, einer der wichtigsten Figuren eines Krimis, nämlich dem Ermittler, hier den Eigennamen zu verweigern. Unerhört, nicht wahr! Er ist einfach nur „der Herr Inspektor“ – eine Chiffre. Jeder Leser kann sie mit einem Gesicht versehen. Das gilt im Grunde auch für die übrigen Figuren in diesem Stück: Marlies, die fatale Muse; Regina, die mütterliche Ehefrau; Norman, der schwankende Schriftsteller, der wie sein Namensvetter Norman Bates (aus Hitchcocks „Psycho“) womöglich einen gravierenden Mutterkomplex hat.

Nicht nur die Figuren sind typisiert, als habe man es mit einem morality play zu tun, sondern auch ihre Sprechweise widerspricht dem mimetischen Prinzip, demzufolge die Figuren so sprechen sollten, wie es wirkliche Menschen tun. Sie deklamieren, argumentieren, überreden, beschwören, flehen einander an, sprechen mit Ausrufezeichen, Fragezeichen und was nicht alles. Der Ton erinnert an Theaterstücke, an hymnische Gedichte (Klopstock, Hölderlin usw.).

Dann wieder beschäftigt sich der Autor mit prosaischen Themen wie dem Leben in Ibbenbüren bei Osnabrück, von wo nie ein Bundespräsident o. Ä. gekommen ist. Auch Elfriede (Jelinek) und Peter (Handke) sowie (Martin (Walser) tauchen als Chiffren auf, herbeizitiert, wie es dem Zweck des Moments dienlich erscheint.

Eines wird also klar: Die Darstellung von Fakten, wie sie einem Krimi wohlansteht, ist hier nicht weiter von Belang. „Wahrheit“ ist nur ein Wort und Fiktion alles. „Wirklichkeit“ ist der Willkür ausgeliefert. Insofern hat es der Leser eher mit einer subjektiven Weltkonstruktion wie bei Joyce oder T. S. Eliot zu tun als mit einer realistischen Erzählweise, die sich eben an Realien festmacht. Die Bewusstseinsebenen wechseln ebenso leicht wie die Sprachebenen.

Gleichzeitig reflektiert der Ich-Erzähler, der sich selbst als „Norman-Figur“ auf die Bühne des Geschehens stellt, über die dargestellte Geschichte: Fiktion und Reflexion sind eng miteinander verknüpft. Selbst wenn „Norman“ also stürbe, so wäre dies relativ unerheblich: Dies ist nur für die Fiktion relevant, nicht aber für den reflektierenden Erzähler.

Für ihn ist die Fiktion eine Versuchsanordnung. Falls er sich in „Norman“ spiegelt, so findet sich Norman in einem Experiment der Beziehugnen zwischen drei Frauen: Marlies, Regina und Eva Adam. Eva wird schon bald aus der Gleichung entfernt, und wer weiß, was Regina noch zustößt? Falls Norman versucht, eine Position zu finden, so ist dieser Versuch wohl zum Scheitern verurteilt. Als Nicht-Handelnder, sondern Gelegenheit-Ergreifender, als Beobachter, ist er ein Spielball mehr oder weniger sichtbarer Kräfte – Marlies ist eine davon. Norman kann nur versuchen, möglichst „gut“ zu scheitern – frei nach Samuel Beckett. Woran sich die Qualität dieses Scheiterns bemisst, ist jedem Leser selbst überlassen.

Unterm Strich

Für den durchschnittlichen Krimileser, der nur eine einigermaßen spannende Unterhaltung für zwei bis drei Tage erwartet, nach denen er den nächsten Krimi „verschlingen“ kann, eignet sich „Marlies“ nur in sehr eingeschränktem Maß. Schon bald bildet nämlich das Spiel mit der Fiktion Stolpersteine auf dem Weg zur Unterhaltung. „Marlies“ bietet kein Paralleluniversum, sondern eine Spielwiese, auf der sich der Autor nach Belieben auslässt, wonach ihm der Sinn steht. Dafür muss der Leser nicht einmal den ersten Band der Trilogie, „Der Tote im Park“, kennen.

Wenn dies also kein „richtiger Krimi“ ist, dann ist es vielleicht ein erotischer Liebesroman? Die Marlies-Figur als verführerische Muse, die den Schriftsteller aus Reginas fürsorglichem Herrschaftsbereich in das Reich von Eros und Sexus entführt, ist die klassische Hexe. Und die Norman-Figur verbrennt sich an ihr regelmäßig die Finger, bedient sich ihrer aber ebenso gerne. (Die Sexszenen sind durchaus erotisch.) Wahrscheinlich schreibt er sogar über Marlies (lies = Lügen). Was aber, wenn dieser Erlebnisdurst seine Existenz zerstört?

Die wichtigste Ebene des Romans dürfte die des reflektierenden Spiels mit Figuren, Gedanken, Empfindungen und Erinnerungen sein. Der Autors verfügt hier über ein breites Repertoire, das durchaus seinen Reiz hat. Immer wieder verweist er auf Samuel Beckett, den alten Iren: „Das letzte Band“ und „Warten auf Godot“ sind in diesem Zusammenhang die maßgeblichen Werke. Gut, wenn man sie schon kennt. Das optimale Scheitern – vielleicht lässt es sich auf dieser Grundlage besser beurteilen. Der Leser sollte auf jeden Fall die nötige Spielfreude mitbringen.

Vielleicht klärt sich ja der Fall „Marlies“ im nächsten Band der Trilogie mit dem Titel „Norm@n“ (s.o.). Man sollte aber keine endgültigen Antworten erwarten.

Werke bis 2018

• Augen und Steine. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-039-4.
• In hundert Jahren. Gedichte 1984, Hutters-Verlag, ISBN 3-88877-040-8.
• Goldene Zeiten. Theaterstück 1985, Der Karlsruher Bote, ISBN 3-88256-178-5.
• Lauf der Dinge. Gedichte 1987, Hutters-Verlag
Sprachschatten. Gedichte 1989, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-16-4.
• Lichtpausen. Gedichte 1994, Verlag Günther Dienelt, ISBN 3-88397-153-7.
• Verfrühtes Auslösen des Zeitraffers. Gedichte 1995, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-28-8.
• Sternmut. Gedichte 1996, Röhn-Verlag, ISBN 3-931796-15-9.
• Das Zeitmesser. Kurzprosa 1997, Verlag Rainar Nitzsche, ISBN 3-930304-21-X.
Photofinish. Gedichte 1997, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-36-9.
Absolut, Du. Gedichte 1998, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-42-3.
Der Tote im Park. Roman 1999, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-28-7.
• Trainingscenter. Theaterstück 2000, Theaterboerse
• Metallica. Theaterstück 2001, Theaterboerse
• Keine Regeln für Sina. Roman 2001, Betzel Verlag, ISBN 3-932069-82-X.
Marlies. Roman 2003, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-932497-89-9.
88 Rätsel zur Unendlichkeit,Lyrik-Grafik-Kunstdruckband. Bilder von Volker Funné.[9] Wiesenburg Verlag, 2004, ISBN 3-937101-35-7.
Triebwerk. Gedichte 2005, Verlag Edition Thaleia, ISBN 3-924944-69-5.
• Seelenmaschine. Gedichte 2006, Wiesenburg Verlag, ISBN 3-939518-34-4.
Norman. Roman 2008, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-939518-94-5.
• Fadenwürde. Gedichte 2009, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-67-8.
• Nachtlichter. Gedichte 2010, POP Verlag, ISBN 978-3-937139-87-6.
• Wildwechselzeit -Tagebuch einer Beziehung. Roman 2011, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-942063-25-8.
• Spiegelschrift. Gedichte 2011, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-007-2.
• Schattenpalaver. Gedichte 2012, POP Verlag, ISBN 978-3-86356-032-4.
• Zeitschrunden. Gedichte 2012, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-045-4.
• Nachbrenner. Gedichte 2013, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-081-2.
• Sonnwend. Gedichte 2014, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-092-8.
Pfeilschrift -Reflexionen über die Liebe. Gedichte und Prosa 2015, Wiesenburg Verlag, ISBN 978-3-95632-284-6.
• Atemecho. Gedichte und Bilder 2016, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-110-9.
• Totentango. Gedichte und Bilder 2017, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-145-1.
Strahlensatz. Gedichte 2018, edition monrepos, ISBN 978-3-86356-199-4.

(Quelle: Wikipedia)
Hardcover: 330 Seiten
ISBN-13: 9783932497896
www.sternmut.de