Gilles Servat – Das Geheimnis von Bre (Der Mythos des Arktur 01)

Heldensaga auf Keltenart

Spannende, actionreiche Science Fantasy bietet dieser Startband einer Tetralogie vom französischen Starautor Gilles Servat. Der Dichter, Sänger und Musiker kann seine bretonische Vorliebe nicht verleugnen und taucht ohne Scheu in eine keltische Welt ein, wie sie hätte sein können. Hier denke man „Bre = Bretagne“. Jedes Kapitel ist mit schönen keltischen Schnörkeln versehen; eine Landkarte erleichtert die Orientierung.

Der Mythos des Arktur

Band 1: Das Geheimnis von Bre

Band 2: Myrdhinns Reise

Band 3: Das Vermächtnis des Nuada

Band 4: Die Waffen der Götter

Der Autor

Gilles Servat (* 1. Februar 1945 in Tarbes) ist ein französischer Sänger, Musiker, Songwriter, Schauspieler, Dichter und Schriftsteller, der in der Bretagne lebt. In seinen Songs unterstützt er die Bretonen, ihre Kultur und die Bretonische Sprache. Seine frühe Karriere wurde durch das Lied La Blanche Hermine (etwa: „Das weiße Hermelin“) geprägt.

Leben

Gilles Servat wurde in Südfrankreich in eine Familie geboren, deren Wurzeln in der Region Nantes in der Bretagne liegt. Er verbrachte seine frühe Kindheit in der Umgebung von Nantes und Cholet. Servat war Student an der Hochschule für Bildende Künste in Angers und studierte Malerei, Zeichnung, Skulptur und Druckgrafik.

Seine Musik wurde ursprünglich von den Werken der bretonischen Musiker Glenmor und Alan Stivell inspiriert. Der Titelsong aus seinem ersten Album wurde eine Hymne für die Bretonen. In den 1990er Jahren wurde er Teil des „Héritage des Celtes“ („Keltisches Erbe“).

Servat singt in Bretonisch, Französisch, Englisch und anderen keltischen Sprachen.

Servat ist auch Schauspieler und Schriftsteller; er verfasste mehrere Romane, inspiriert von keltischen Mythen und Legenden.

Handlung

Bre, das ist ein kleiner Planet in den Tiefen des Weltraums. Wir erfahren nicht, in welcher Zukunft sich das folgende Geschehen abspielt. Das ist auch nicht wichtig. Jedenfalls erleidet unser Held Skinn Mac Dana auf Bre Schiffbruch und sein Raumschiff explodiert. Doch Skinn ist keineswegs verzagt, denn er ist unter seinem Volk eine Art Anführer der Krieger, der ‚Nuada‘. Gerne denkt er an seinen Freund Myrddhin zurück.

Gleich als erstes wird er von einem Ungeheuer angegriffen, das unter der einheimischen menschlichen (!) Bevölkerung Furcht und Schrecken verbreitet. Nachdem er es getötet hat, erfährt er von den Einheimischen, die ihn dafür endlos bewundern, dass ihnen so etwas nicht möglich wäre: Diese Nerden genannten Ungeheuer versetzen ihre Gegner mittels Telepathie in einen traumhaften, hilflosen Zustand, in dem sich das Opfer hilflos -–etwa in der Arena – töten lässt. Kein Wunder, dass der Held sofort zum König der Gegend gebracht und dort gesundgepflegt wird.

So lernt er seine zukünftige große Liebe kennen: die Prinzessin Lirne. Er wird ihr Beschützer, ihr treuer Ki (das heißt: Hund). So lautet sein Name von nun an Kilirne. Allerdings ist Lirne bereits einem anderen König versprochen. Das sorgt noch für viel Ärger, denn Lirne hält von diesem König von Askol ebensowenig wie Skinn. Bevor sie abgeliefert werden kann, nimmt sie mit Skinn Reißaus. Während sie bei Fischerleuten leben, wird Lirne schwanger, später gründen die beiden eine Kolonie freier Krieger. Hier bringt Lirne ihrer beider Sohn Arktur zur Welt.

Durch Verrat gelingt es den Kriegern von Askol, das Dorf Lirnes zu erobern, während Skinn und seine Männer auf Nerdenjagd sind. Sie stirbt bei dem Angriff, doch Arktur kann in Sicherheit gebracht werden. Als Skinn zurückkehrt, ist seine Rache an König, Königin und deren Meisterkämpfer ebenso geduldig wie kompliziert. Sein Name ist nun ‚Silberhand‘. Diese Szenen erinnerten mich an griechische, aber auch an manche irische Sagen. Es ist absolut unmöglich, das Buch nun wegzulegen.

Als Skinns Freund Myrddhin auf seiner Suche nach Skinn auf Bre eintrifft, geführt von einem verborgenen Sender, findet er weder von Skinn noch von Arktur eine Spur, sondern lediglich diesen Bericht.

Mein Eindruck

Wie schon angedeutet, ist der Roman ungemein lebendig, anschaulich und spannend. Der Autor bzw. seine Erzähler, nämlich Skinn, warten zu Beginn vieler Kapitel mit Hintergrundwissen auf: über Wörter, Tiere, Personen, Ämter usw. So gibt es etwa Druiden, aber in einem Königreich auch Priesterinnen. Der Autor hat an Details in seinem Weltenbau nicht gespart.

Die Ähnlichkeiten mit der Legende um König Artus sind für den Kenner unübersehbar. Myrddhin ist die walisisch-keltische Form des Namens Merlin. Arktur ist Artus, der künftige König und Held, Skinn entspricht seinem Vater Pendragon. Pendragon bedeutet so viel wie ‚Drachenbanner‘ und mit Drachen hat es auch Skinn: Einer seiner Namen ist ‚Drachenkopf‘. (Die Kelten auf Bre haben offizielle Namen und geheime, persönliche Namen. Wahre Namen zu wissen verleiht magische Macht über den so Benannten.) Die Königin von Askol spielt die Rolle der bösen Fee Morgaine: Sie ist wunderschön, doch sobald Skinn sie aus Treue zu Lirne verschmäht, wird sie zu einer hinterhältigen Zicke.

Zahlreiche Eigenheiten kennzeichnen die Völker auf Bre als Kelten. So etwa ist das Konzept des Meisterkämpfers bekannt, des weiteren die Vorstellung eines ‚geas‘, eines religiösen, quasi-magischen Banns oder Gelübdes. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Figur des Helden namens ‚Silberhand‘ geht auf alte keltische Legenden zurück. So taucht Silberhand etwa auch bei Stephen Lawhead auf, in dessen Albion-Trilogie. Skinns Vatername ‚dana‘ (‚mac‘ bezeichnet das Verwandtschaftsverhältnis) ist ebenfalls ein keltischer Ausdruck: entweder für König oder für Familie (siehe die Band De Dannan). Aber im Sommer 2000 gab es ein schönes bretonisches Lied, das „de dana“ hieß.

Was es noch zu beachten gilt

Dass Skinn eine Hand abgeschlagen und ersetzt wird, ist ein dezenter Hinweis darauf, dass es in dieser Geschichte – wie in praktisch allen irischen Geschichten – recht gewalttätig zugeht; das ist also nichts für Zartbesaitete.

Diese Trilogie hätte ein besseres Papier und besseres Druck verdient gehabt. So aber erscheinen die Vorsatzbilder zu jedem Kapitel unterschiedlich gut gedruckt. Auch die Schrift selbst ist in meiner Ausgabe recht blass geraten.

Die Karte auf der allerersten Seite zeigt den Kontinent von Bre, aber auch eine sehr merkwürdige Entfernungsangabe: 111 –222 – 333. Sollen das Kilometer oder Meilen oder sonstwas sein? Der Zeichner lässt uns die Wahl.

Taschenbuch: 396 Seiten,
O-Titel: Skinn Mac Dana, 1995;
Aus dem Französischen übertragen von Ulrike Werner-Richter.
ISBN-13: 9783404203987

www.luebbe.de

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