
Der inzwischen verstorbene Herausgeber der Heyne Science Fiction Reihe, Wolfgang Jeschke, pflegte von 1980 bis 2000 eine schöne Tradition: Jedes Jahr präsentierte er seinen Lesern eine Anthologie von guten phantastischen Geschichten zu einem sehr erschwinglichen Preis. Lag dieser 1980 noch bei schlappen 4,80 DM, so war der Preis im Jahr 2000 bereits bei 18,00 DM angelangt – und wäre heute überhaupt nicht mehr bezahlbar. (Man könnte man die Preissteigerungsrate ausrechnen: Sie ist astronomisch hoch.)
Wie immer jedoch lieferten die SF-Jahresbände Erzählungen, die von der ersten Liga der Autoren und Autorinnen stammte. Stets war ein kleiner Ausreißer dabei, sei es ein Autor aus dem Ostblock – zu dem Jeschke von jeher gute Kontakte pflegte -, oder ein Kurzroman, so etwa von Altmeister Robert Bloch.
Der Herausgeber
Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechien, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science Fiction Reihe Deutschlands beim Heyne Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.
Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z.T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Seine erster Roman „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Story-Sammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“. Er starb 2015.
Die Erzählungen
1) Weder Krieg noch Kampfeslärm (No War, Or Battle’s Sound, 1970)
Die Raumschlacht beginnt! Doch statt nun mit Strahlenkanonen auf den Gegner, der die Erde besetzen will, zu feuern, begeben sich die Soldaten in voller Montur in Kapseln, die mit Hilfe einer Magnetkanone auf ein feindliches Raumschiff abgefeuert werden. Der Literaturstudent Dom Priego ist als Unteroffizier unter der Gruppe, die einen Flankenangriff als Ablenkungsmanöver durchführt. Die Hauptgruppe platziert eine Sprengladung, um Zugang zum Schiff zu erhalten.
Hier kämpfen Erdtruppen mitten im Raum gegen die sogenannten Edinburger, die sich mit Hilfe von Materietransmittern auf jeden Himmelskörper versetzen können – und umgekehrt. Das stellt sich als besonderes Problem für Dom Priego und seine Leute heraus: Der Feind bekommt durch seinen Materietransmitter so viel Nachschub an Soldaten, dass jedes Vordringen witzlos wird. Also muss man den Materietransmitter selbst ausschalten. Dom Priego begibt sich auf ein Himmelfahrtskommando…
Mein Eindruck
Das Kampf- und Schlachtengetümmel ist schon ein wenig erstaunlich, bedenkt man, dass Priego eigentlich ein friedliebender Literaturstudent ist, der seinen John Milton und Oscar Wilde mit sich führt. Tatsächlich ist das eigentliche Thema der kurzen Geschichte nicht das Schlachtgetümmel mit Waffen der Zukunft, sondern das Problem, ob Krieg nicht eine unterbewusste Anziehungskraft auf den männlichen Verstand ausübt.
Kampf als Beweis der Männlichkeit? Zunächst weist Priego diese Idee seines Feldwebels von sich, aber dann kommen ihm Zweifel. Die Welt, die sich einst Milton erträumte – siehe den Titel der Story – hat nie existiert, denn Krieg und Kampf hat es immer gegeben. Was sagt dies über den Mann aus?
Zum Originaltitel weiß Google: „“No war, or battle’s sound / Was heard the world around“ is
a famous opening line from the hymn stanza of John Milton’s 1629 poem, „On the Morning of Christ’s Nativity“. It describes a mythical, profound silence and universal peace on earth at the moment of Jesus’s birth, featuring imagery of hung-up armor and calm nature. “
2) Frank Herbert: Die Mary-Celeste-Umzüge (The Mary Celeste Move, 1964)
Der politische Berater Martin Fisk erstattet dem Politbürokraten Merrill in Washington, D.C. , Bericht über das, was er Beunruhigendes über die Mary-Celeste-Umzüge herausgefunden hat. Sie sind benannt nach jenem Segelschiff, das einst auf dem Meer treibend gefunden wurde und dessen Besatzung verschwunden war. Auch diesmal geht es um verschwundene Menschen. Wie es scheint, waren alle diese Männer und Frauen Autofahrer.
Den Berichten zufolge fand die Umzugsarbeiter stets ein kürzlich verlassenes Haus oder Appartement vor, in dem noch halb verhungerte oder schon tote Haustiere lebten. Das weist auf eine Abreise hin, die nicht geplant war – die Bewohner wollten gleich wieder zurück sein. Auch die vielen Gebrauchtwagenverkäufe an den Enden der Autobahnzubringer seien ein Indiz: Dort strandeten diese Autofahrer, brauchten Geld und verhökerten ihr Vehikel für einen Appel und ein Ei. Die Verschwundenen werden immer mehr und fehlen der Wirtschaft ebenso wie der Wählerschaft.
Merrill hat eine Erklärung: „Diese unbedarften Autofahrer sind in ihrem Leben noch nie schneller als 240 gefahren und werden auf einmal von einem Expressway gezwungen, 450 oder 500 zu fahren. Klar, dass diese Erfahrung sie für den Rest ihres Lebens erschüttert – sie wollen nie wieder auf einen Freeway.“ Nervös denkt Fisk an seine eigenen Erfahrungen mit Free- und Expressways, etwa an Generäle, die einem die Spur schneiden…
Mein Eindruck
Das also könnten die Verkehrsprobleme der Zukunft sein, projiziert auf das längst überholte Jahr 1997. Immerhin aber machten sich Leute wie Frank Herbert, Alan Dean Foster („California Freeway“) und Richard Matheson („Duell“) Sorgen um die künftigen Zustände auf den Autobahnen des Landes. Herbert überspitzt die Zustände und sieht dabei nicht voraus, dass sich durch verbesserte Kommunikationsmittel wie E-Mails und Mobiltelefone die Situation radikal abschwächen würde. Und Flugzeuge würde natürlich die meisten Autobahnen überflüssig machen – das ist heute der Fall.
3) Robert Bloch: Fiese Aussichten (Sneak Preview, 1971)
Nach einem Atomkrieg leben die meisten Menschen unter Glaskuppeln, die sie vor der radioaktiven Strahlung schützen sollen, wie die jeweilige Regierung verkündet. Die Kinder werden schon frühzeitig konditioniert, der Regierung alles zu glauben, insbesondere die Technos und die Psychos. Nur den „Talenten“ gestattet man kritisches Denken, zumindest eine Zeitlang. Graham, der 24-jährige Regisseur, ist solch ein Talent, aber heute hat er einen Fehler gemacht: Er hat etwas Neues versucht. Der Streifen wird schon bald in der Versenkung verschwinden, sagt ihm sein 44-jähriger Chef Zank: Statt der obligatorischen 08/15-Weltraumoper hat Graham ein Auto-Duell auf der Erde gedreht – pfui! Zank empfiehlt eine Auszeit und eine neue Partnerin.
Wanda ist eine tolle Bettpartnerin, aber als Graham weiterhin kritische Gedanken hegt, outet sie sich als Agentin seines Chefs. Graham soll dem Schicksal seines Vaters, der mit rund 40 Jahren gen Süden verschwand, keinesfalls nachspüren. Indem sie mit einer Betäubungspistole droht, fliegt sie Graham nach Hollywood ins Hauptquartier der Psychos, die ihm schon den Kopf waschen werden. Doch Graham lässt sich überlisten: Das Empfangskomitee versetzt ihn ins Koma.
Doch was tun mit den aufmüpfigen Talenten? Das muss das Komitee der Chef-Psychos ausknobeln. Sigmond, der Oberpsycho, verteidigt die bestehende Praxis. Wie die aussieht, bekommt Graham schon bald mit. Zunächst führt ihm allerdings Sigmond einen Film von Grahams eigenen verborgenen Gedanken und Phantasien vor. Eine fiese Zusammenstellung verdammenswerter Ausdrücke seines Unbewussten. Doch Graham, der keinen Ausweg sieht, dreht den Spieß um und verkleidet sich als Angehöriger des Militärs.
Dieses Militär hat gerade einen Transport von Senioren nach Miami, Florida, auszuführen. Solange ihn jemand für einen anderen hält, geht alles gut. Erst als er merkt, dass die Senioren über dem Golf von Mexiko erst vergast und dann verklappt werden sollen, gehen Graham die Nerven durch. Der Chef durchschaut ihn, doch ein Schleudersitz bringt Graham aus der Gefahrenzone – direkt in die haiverseuchten Gewässer des Golfs.
Doch noch ist nicht Feierabend: Angehörige der Widerstandsbewegung fischen ihn aus der See. Sie haben einen Plan und einen ganz besonderen Grund, ausgerechnet Graham, das Filmtalent, dafür einzuspannen…
Mein Eindruck
Dies ist ein kompletter Roman. Er ist unterteilt in die üblichen drei Teile eines Romans: Auftakt und Konflikt, Umkehrung des Konflikts zum Lösungsansatz, finale Auseinandersetzung. Kurz gesagt handelt es sich bei der Geschichte um den Ablauf einer Revolution, wie man sie aus der US-Geschichte durchaus kennt. Die gehorsam gehaltene, verdummte Bevölkerung hat das Recht, befreit zu werden, denn die früher geltende Rechtfertigung für die Kuppeln, nämlich die radioaktive Verstrahlung des Landes zwischen den 200 Kuppeln, existiert mittlerweile nicht mehr.
Nun taucht ein interessantes psychologisches Problem auf. Da es mutmaßlich nur eine dünne Elite gibt, die zur Planung eben dieser Revolution imstande wäre, muss es eine Instanz geben, die die Revolutionäre von ihren andressierten Hemmungen befreit und sie ausbildet, einen Umsturzplan in die Tat umzusetzen. Wer sollen diese Leute sein, wenn doch die besten Pensionäre alle im Meer verklappt werden?
Die Antwort ist alles andere als plausibel und muss vom Autor immer wieder gut begründet werden. Es gibt einen Widerstand seitens der Intellektuellen (Mediziner, Juristen) und der Talente, wie Graham eines ist. Das sind ungezähmte, undressierte Gehirne, die eigenständig handeln und entscheiden können, ja., sogar improvisieren. Außerdem gibt es diejenigen Pensionäre, die vom Widerstand aus dem Meer gefischt worden und ausgebildet worden sind.
Kurzum: Es gibt einen fähigen Trupp Revolutionäre in allen 200 Kuppeln. Aber der Angriff in Hollywood, dem Hauptquartier der Psychos, soll die Wende bringen: Dort soll der Film ausgestrahlt werden, der den hörigen Massen die Wahrheit über die Verklappung der Alten enthüllt. Allerdings kommt es wie stets in einem Plan zu zahlreichen Fehlern, die nicht vorgesehen waren.
Robert Bloch, der Autor von „Psycho“, der Buchvorlage für Hitchcocks Horrorklassiker, kannte sich mit der Filmherstellung und dem Geschäft aus. Er führt eine interessante Idee ein: Filme, die nicht nur Gedanken, sondern auch unbewusste Triebe, Wünsche, Aggressionen usw. wiedergeben. Diese Technik ist ziemlich fies – und wird von den Psychos weidlich ausgenutzt.
Die geplante Gesellschaft der Kuppeln hingegen hat er einfach bei dem Wissenschaftler B.F. Skinner, einem Behavioristen, abgekupfert und vielleicht auch bei Ernst Callenbachs Entwurf eines gesteuerten Utopia. Ich fand die Weiterentwicklung mittlerweile etwas fade, aber handwerklich grundsolide gemacht. Das Finale ist durchaus fesselnd – und wartet mit einem blutigen Gruseleffekt auf.
4) Larry Niven: Tod durch Ekstase (Death by Ecstasy, 1969)
Als man Owen Dennington tot in seinem Apartment auffindet, findet die Polizei in seinem Ausweis den Namen eines weiteren Mannes: Gil Hamilton arbeitet derzeit bei der Polizei der Vereinten Nation UNP, war aber mal drei Jahre lang Owens Arbeitskollege im Asteroidengürtel. Er kannte ihn also gut genug, um mit Bestimmtheit sagen zu können, dass sich Owen als Gürtel-Mann niemals in eine solche Schuhschachtel eingemietet hätte, wie sie heute, bei einer Weltbevölkerung von 18 Milliarden, üblich sind. Aber der Apparat auf Owens Kopf gibt ihm zu denken.
Der Apparat ist nur ein kleiner Kabelstecker mit Transformator, der einen Draht mit Strom versorgt, der ins Lustzentrum führt und es stimuliert. Owen war also ein Strom- und Lust-Junkie, und die Frage lautet, wieso er das nötig gehabt hatte. Gil selbst ist ein Psi-begabter Telepath und Telekinese, der bei der UNP ein gutes Auskommen hat. Aber er weiß noch, wie er seinerzeit seinen rechten Unterm verloren hat – damals rettete ihm Owen das Leben. Auf die Erde reiste er nur, um einen echten Arm zu bekommen – zusätzlich zu seinem telekinetischen. Seitdem heißt er immer „Gil der Arm“.
Bei einem One-night stand kommt Gil die Erleuchtung: Es kann sich nur um einen Mord handeln. Und wenn Owen das Opfer ist, dann hat er wahrscheinlich Gil ein paar Informationen hinterlegt, die nur er finden kann. So ist es: In einem Schließfach des Raumhafens Death Valley finden Gil und der Inspektor von der Kripo Los Angeles 23 Hologramme von Männern, die einem Schmugglerring für Organe angehören, den ein gewisser Loren leitet.
Leider hat Loren irgendwie Wind bekommen, dass Gil hinter ihm her schnüffelt, und lässt ihn gefangen nehmen und fesseln. Während Gil insgeheim hofft, dass seine telepathische Kollegin Julie sich als der Schutzengel erweisen wird, den er jetzt dringend braucht, merkt er, wie Loren immer wütender wird. Gil hat nämlich dessen Freund umgelegt. Nun soll er dafür büßen. Doch vor seinem unfreiwilligen Abgang braucht Gil dringend ein paar Auskünfte Owen betreffend…
Mein Eindruck
Die lange Erzählung greift das Thema von Nivens bekannter Story „The Jigsaw Man“ wieder auf: Ein aus Transplantaten zusammengesetzter Mann hat seine neuen Organe völlig legal zusammengestellt – mit Hilfe eines Rechtssystems, das alle Kriminellen zu potentiellen Organbanken auf zwei Beinen macht. Dies nun ist die Krimivariante, aus der Sicht eines UNO-Polizisten betrachtet.
Am interessantesten ist dabei der kulturelle und mentale Unterschied zwischen den Bewohnern des Asteroidengürtels und den „Flachländern“ von der Erde. Hier knüpft Niven an seine eigentlichen Science-Fiction-Geschichten aus dem „Known Space“ beziehungsweise dem Ringwelt-Universum an, die er zu einem sogenannten „Shared Universe“ ausgebaut hat – andere Autoren wie etwa Poul Anderson platzierten dort ebenfalls ihre Geschichten. Kurz und gut: In der Beschreibung dieser Unterschiede wirkt die Story am glaubwürdigsten – bei der Entwicklung des Kriminalfalls aber am unglaubwürdigsten.
5) Robert Silverberg: Trip in die Wirklichkeit ( The Reality Trip, 1970)
David ist ein außerirdischer Spion, der in einem New Yorker Hotelzimmer sein Quartier aufgeschlagen hat, um die hiesige Welt zu beobachten und seiner Heimatwelt darüber Berichte per „Ultrawellensender“ zu schicken. Eigentlich sieht er aus wie eine große Kakerlake, aber natürlich braucht er einen menschlichen Körper, um sich zu tarnen: Er ist eine Art verborgener Schachspieler, der eine große Maschine bedient.
Nach elf Jahren Einsamkeit sehnt er sich nach der Heimat zurück. Außerdem macht ihm eine Hitzewelle zu schaffen. Bisher hat er es geschafft, seine Tarnung aufrechtzuerhalten, doch zwei Ereignisse gefährden dies. Er entdeckt per Zufall, dass im gleichen Hotel noch ein Agent namens Swanson lebt. Folgenschwerer ist hingegen die Zuwendung von Elizabeth, einem weiteren Dauergast. Sie ist Dichterin, schwärmerisch veranlagt und will David offenbar unbedingt verführen. Es gehört zu ihrer Philosophie der Lebensbejahung, ihr Leben mit jemand anderem zu teilen. Das muss natürlich auch für David gelten.
Er kann nicht umhin, sie ihre Gedichte vorlesen zu lassen. Aber das ist ihr nicht genug. Sie will den Trip in die Realität. Wie kann er sie nur loswerden, fragt sich David, und beginnt, seinen Körperanzug zu öffnen. Eine Begegnung mit einer großen Kakerlake müsste eigentlich abschreckend genug wirken. Aber da hat er sich verrechnet…
Mein Eindruck
Der Alien-Agent spielt eine Rolle wie ein Schauspieler. Er trägt seinen Körper wie ein Kostüm, aber er bedient ihn wie eine Maschine. Das ist also die „Realität“, die Elizabeth zu erkunden wünscht. Die Dichterin muss schon ziemlich verknallt und sehr idealistisch sein, um selbst beim Anblick der Kakerlake, die aus diesem Kostüm hervorkriecht, nicht in Panik die Flucht zu ergreifen.
Aber es wird ausdrücklich erwähnt, dass sie sich auf einem LSD-Trip befindet und die Erscheinung wohl nur für einen Alptraum hält. (Wobei der Übersetzer „Acid“, also LSD, mit „Pot“, also Marihuana, zu verwechseln scheint – oder der Autor selbst.) Aber wider Erwarten kehrt sie zurück und ist fasziniert von der „Realität“, die so ganz anders ist als ihre Vorstellung.
Als David dann auch zwecks Abschreckung die Kakerlake Swanson in sein Bett nimmt, um Elizabeth abzuschrecken, zeitigt auch dies nicht die geeignete Wirkung – ganz im Gegenteil: Nun hat die Dichterin etwas, mit dem sie den Spießbürger schockieren kann. So kann man auch in die Klatschspalten gelangen, sollte man meinen, doch Elizabeth ist zu allem entschlossen… Am Schluss muss sich David zwischen Elizabeth und seiner Alien-Heimat entscheiden – eine Heimat, die seine Anträge um Versetzung immer nur abgelehnt hat.
Natürlich ist diese Erzählung eine verschlüsselte Methode des Autors, über abweichendes Sexualverhalten zu sprechen und so selbst ein paar Tabus zu brechen. Wir finden: platonischen Sex mit Andersrassigen (lies: mit Afroamerikanern), Homosexualität (David und Swanson), eine Menage à trois (Elizabeth) – und schließlich, zum traurigen Schluss, eine heterosexuelle, aber wenigstens gemischtrassige Ehe.
6) Brian W. Aldiss: Tür schlägt zu in der Vierten Welt (Door Slams in Fourth World, 1982)
Nach dem Angriff von islamistischen Armeen und der Zündung von biologischen Bomben ist Europa seit neun Jahren verwüstet. Aber es hat Entwicklungshilfe gegeben, von den Chinesen und den Saudis. Sie hatten die glorreiche Idee, in dem relativ wenig beschädigten Hessen und Franken ein Tourismuszentrum zu errichten, mit Nachbauten von Attraktionen wie Schlössen, Burgen und Türmen. Dies ist die sogenannte Vierte Welt.
Jeremy Hemingway und seine Frau Peggy kommen mit ihrem armenischen Psychiater Mirbar Azurianan nach Würzburg, um dort die schöne Residenz zu bewundern. Mit Passierscheinen und Eskorte erreichen sie ihr Hotel. Doch während Jeremy einen auf lustig und naiv macht, trauert Peggy immer noch um ihre Nichte Patricia, die durch den Verlust ihrer Mutter Rachel, Peggys geliebter Schwester, in Israel dem Wahnsinn verfallen zu sein scheint. Dabei war Patricia ein so aufgewecktes Kind, und Rachel hatte in sie all ihre Hoffnungen gesetzt.
Deshalb sucht Peggy insgeheim eine Alternative. Der höfliche, freundliche Saudi Fahd scheint diese Alternative zu bieten. Doch die Nacht, in der sie sich ihm anbietet, verläuft anders als erwartet…
Mein Eindruck
Das Schreckensszenario, das der ehemalige britische Soldat Brian W. Aldiss (geboren 1925, stationiert in Burma) hier entwirft, wird beunruhigenderweise jeden Tag, der im Nahen Osten vergeht, wahrscheinlicher: ein von biologischen Waffen verwüstetes Europa, das nun als eine Art Disneyland mit Denkmalcharakter neu zusammengebastelt wird.
Können ihr die reichen Saudis wirklich einen Ausweg aus ihrer Trauer um die Nichte und aus der Misere der Zerstörung bieten, fragt sich Peggy Hemingway. Ihr Namensvetter Ernest Hemingway kam seinerzeit ebenfalls nach einem Krieg in ein zerstörtes Europa. Doch in einer einfühlsamen und sehr eindringlichen Szene scheitert auch dieser Versuch des Ausbruchs.
Der Gipfel der Demütigung folgt am Ende der Nacht: Der Psychiater erklärt ihr, dass es nicht Jeremy ist, um den er sich kümmern soll, sondern um sie, Peggy. Empört weist sie seinen Annäherungsversuch zurück. Anscheinend hält er Frauen für käufliches Freiwild, genau wie der Saudi Fahd. Sie lässt ihn stehen, und auch der äußere Krieg geht weiter, wie die Schüsse in der Stadt belegen. Was der Autor andeutet, ist die totale Ausbeutung von Frauen in einer Nachkriegssituation. Aber eine Frau, die dazu auch noch emotional labil ist, ist um ein Vielfaches gefährdeter.
7) Kate Wilhelm: Somerset träumt (Somerset Dreams, 1969)
Somerset ist nicht die westenglische Grafschaft, sondern eine Kleinstadt in Neuengland, in der nur noch 40 Einwohner leben – alle anderen sind weggezogen. Hier wollen Wissenschaftler von der Harvard University die Träume der Stadtbewohner messen und untersuchen. Die 30-jährige, ledige Krankenschwester Janet Matthews, die hier aufwuchs, hilft ihnen dabei. Das erweist sich als Handicap.
Janet protokolliert zunächst ihre eigenen Träume, die immer mit ihrer Zerrissenheit zwischen ihrer Arbeit in New York City, ihrem Aufenthalt in Somerset und ihrem Vater, der im Pflegeheim lebt, zu tun haben. Sie filtert und anonymisiert nicht nur ihre Träume, sondern auch die der wenigen Bewohner, die sich dazu bereitfinden. Die Studenten und ihr Professor messen ihre eigenen Träume mit Hilfe eines EEGs, quasi als Kontrollgruppe: Werden sie, die aus der großen Stadt Boston kommen, die gleichen Träume haben, wie sonst, oder werden sich diese ändern?
In einer beklemmenden Zuspitzung der psychischen Situation endet das Unterfangen in weitverbreiteten Alpträumen. Und als sich Janet leichtsinnig dazu bereiterklärt, ihre Träume unzensiert, ungefiltert und nicht anonym von einem EEG aufzeichnen zu lassen, stellt sich heraus, dass sie Alpträume hat – dass die Studenten Alpträume bekommen, und dass folglich die Studie abgebrochen werden muss.
In einem entscheidenden Moment berührt sie sogar einen der Alpträumenden und nimmt teil an seinem Traum – einen Traum aus der Blütezeit Somerset, also vor mindestens 50 Jahren. Doch wie kann dieser junge Mann von Dingen träumen, die er nie erlebt hat?
Mein Eindruck
Meines Erachtens ist Wilhelm am besten in ihren Kurzgeschichten, die stets eine bewegende oder witzige Pointe haben. Sie erzählen das Neue aus der Ausgangssituation des gewöhnlichen Familienlebens heraus, kippen dann Science Fiction- oder Fantasy-Situationen und brechen am Punkt der größten Erkenntnis unvermittelt ab: sehr wirkungsvoll. Diese feine Erzählung lieferte dem bei Heyne veröffentlichten Erzählband „Somerset träumt“ (1988) den Titel.
Die Atmosphäre ist bei Wilhelm stets ebenso wichtig wie der komplexe Charakter des meist weiblichen Erzählers. Dies erweist sich auch in Somerset als von zentraler Bedeutung. Der Leser muss genau aufpassen, was hier im Plauderton berichtet und beobachtet wird. Janet ist eine Schauspielerin, die Dr. Staunton gegenüber den Dorftrottel spielt, obwohl sie einen hochqualifizierten Abschluss als Anästhesistin hat. Ihr waches Augen bemerkt die Geister der Erinnerungen um sie herum und unvermittelt geht ihr Bericht in eine Rückblende über. Ihr Bericht beginnt mit einem Traum, oder dies kenntlich zu machen.
Es sieht ganz so, als würde nicht nur das Dorf Somerset selbst einen psychischen Sog ausüben, sondern auch Janet selbst. Das erinnert ein bisschen an die Geschichte „Sleepy Hollow“ mit Rip van Winkle, dem Jahrhundertschläfer. Aber die Geschichte kritisiert auch indirekt die wissenschaftliche Methode: Diese setzt einen unabhängigen, „objektiven“ Beobachter voraus, der keine Messergebnisse verfälschen kann. Janet ist weder unabhängig noch unparteiisch, sondern mischt sich vielmehr in anderer Leute Träume ein.
Die Implikationen sind beunruhigend: Es ist das Handicap der Psychologie als Wissenschaft, dass sie selten so wissenschaftlich vorgehen, wie sie zu sein hofft. Kein Wunder also, wenn Janet am Schluss beschließt, ihren Job am Krankenhaus zu beenden und sich der Psychologie zuzuwenden. Dort gibt es offenbar noch viel zu verbessern – und das war anno 1969.
8) Andrew Darlington: Isis (Isis, 1987)
In ferner Zukunft fliegt die Reisegesellschaft Isis Center Touristen in einem Luxusliner-Raumschiff zu bestimmten Stellen im Raum-Zeit-Kontinuum, an denen gerade eine Sternexplosion zu beobachten ist. Diesmal ist der Stern Mozambique an der Reihe. Kurz vor der Nova verlässt ein Kurzstrecken-Boot in einem ungenehmigten Notstart den Luxusliner, wobei zwei Reiseveranstalter dem Tod im Vakuum des Raums nur um Haaresbreite entgehen. Doch wer ist an Bord dieses Bootes und warum fliegt es mitten hinein in die Sternexplosion?
In mehreren Rückblenden wird erzählt, dass der Passagier Wandre Londartgin zusammen mit dem letzten Überlebenden des Planeten Mozambique zumindest körperlich an Bord des Bootes ist. Eigentlich sollte sich sein Körper auf Desirée, dem Ausgangpunkt der Reise im Tiefkühlschlaf befinden. Auf Desirée werden Vergnügungen aller erdenklichen Art verkauft. Doch im Auftrag des Mozambique-Botschafter wird diese Pseudo-Leiche von Grabräubern geraubt und durch das Abwassersystem Desirées auf den Luxus-Liner geschmuggelt.
Die Seele Wandre Londartgins befindet sich indessen ganz woanders. Auf Goschen, einem Planeten des Mozambique-Systems, betätigt sich Wandre als Archäologe. Er untersucht geheimnisvolle Zikkurats, also Stufenpyramiden. Sind sie Pharaonengräber, Kultstätten oder astronomische Observatorien? Seine Forschungen verlaufen bislang ergebnislos, als er von einem Chinesen, der sich nicht an der Infiltration Goschens durch Menschen beteiligt hat, gewarnt wird: Wandre müsse sich schleunigst in Sicherheit bringen. Aber warum und wovor?
Zu spät entdeckt der Archäologe, was die aktuellen Bewohner Goschens in die Flucht getrieben hat wohin sie ihr Weg zu Abermillionen führt: auf die Zikkurats zu. Endlich erfährt er zu seiner Verwunderung, woraus dieser Pyramiden gemacht sind…
Mein Eindruck
Diese Story ist eine clever verschachtelte Erzählung, die auf drei Handlungssträngen eine interessante Geschichte von einem Weltuntergang schildert. Was ich oben skizziert habe, muss sich der Leser erst zusammenreimen, aber das ist in Ordnung so, denn durch das Rätsel entsteht eine gewisse Spannung, die den Leser bei der Stange hält.
Die Aussage über Wandre ist recht ironisch: Der Archäologe versucht das Rätsel der Vergangenheit zu lösen, gerät aber mitten in ein Rätsel der Gegenwart und erkennt dessen Bedeutung zu spät, um sich (d. h. seine Seele) vor den Konsequenzen zu retten. Die Szenen in den Abwasserkanälen und auf dem luxus-Liner sind im Vergleich dazu nur stützendes Beiwerk. Außerdem trifft der Autor eine Aussage über den Sinn eines Weltuntergangs durch eine Nova: Für die einen ist er eine vergnügliche Touristenattraktion, für die anderen die ultimative Katastrophe, für die Dritten die Auflösung im Göttlichen, die Apotheose.
9) Vonda N. McIntyre: Transit (Transit, 1983)
Die Astronautin Laenea und ihr Freund Radu Dracul haben sich getrennt. (Das wurde in „Azteken“ erzählt.) Er fliegt mit dem erstbesten Frachtschiff durch den Transitraum nach der erstbesten Welt. Er kennt eines der Crewmitglieder bereits: Atna stammt von der Zielwelt. Auch dort klappt alles wie am Schnürchen: Die Fracht besteht aus Schmuckstücken, die hier wie Warzen an den Bäumen wachsen. Doch beim Abschied bittet Atna seinen Kollegen Radu, nicht mit diesem Schiff zurückzufliegen. Doch der Pilot, Wassilij Nikolajewitsch, lacht über solchen Humbug nur. Also fliegt Radu zurück.
Doch seine Alpträume von Laenea, für die er fürchtet, sorgen dafür, dass das Betäubungsmittel, das die Besatzung den Transitraum überstehen lässt, versagt: Er erwacht, sehr zum Entsetzen des Piloten. Wegen dieses Vorfalls hat das Schiff den Transit verlassen und befindet sich an unbekannter Position. Offenbar hat die Psyche viel mit der Transitfähigkeit zu tun. Radu ist der einzige Mensch, der auch im Transit stets genau die Uhrzeit weiß, so merkwürdig dies Wassilij auch anmutet.
Zwei weitere Betäubungsversuche schlagen fehl, und Radu fliegt bei vollem Bewusstsein durch den Transit. Der Pilot ist außer sich: So etwas habe es noch nie gegeben. Wenn jeder Beliebige mit einer solchen Fähigkeit im Transit fliegen können – wer braucht dann noch Piloten?! Piloten, die immerhin ihr Herz geopfert haben…
Auf der Erde sind die anderen Piloten hinter Radu her, doch eine ans Meer angepasste Frau, die Teil der Besatzung war, hilft ihm – bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Unterdessen hat Radu erfahren müssen, dass Laenea auf einem Trainingsflug verschollen ist – seit zwei Wochen. Seine Intuition, ausgedrückt in einem Alptraum, hat ihn nicht getrogen. Nachdem er den Piloten alles erzählt hat, was er zu berichten weiß (außer über seine Liebe zu Laenea), macht er ihnen ein ungewöhnliches Angebot: Er will Laeneas Schiff im Transitraum wiederfinden. Das ist bislang noch keinem gelungen.
Die Piloten lassen sich auf das Angebot ein, denn es sind schon viele der Ihren im Transit verlorengegangen. Wassilij, die Pilotin Ramona und Orca, die Meerfrau, kommen mit auf einen Flug, wie es noch keinen gegeben hat…
Mein Eindruck
Dies ist die Fortsetzung der preisgekrönten Novelle „Azteken“ (deutsch u.a. im „Heyne SF Story-Reader 13“ abgedruckt). Beide sind Teil des Romans „Superluminal“ (= überlichtschnell). Es ist also hilfreich, die dort eingeführten Hauptfiguren Radu und Laenea bereits zu kennen, aber keineswegs zwingend erforderlich. „Transit“ kann für sich allein stehen.
Die Novelle ist sorgfältig und folgerichtig aufgebaut, und die nah an den Figuren erzählte Handlung zieht den Leser in ihren Bann. Manchmal ist es etwa so, als würde man einer ziemlich fortschrittlichen Episode „Star Trek“ folgen. Die Spannung wird auf der psychologischen Seite aufgebaut und beruht auf der romantischen Beziehung zwischen Radu, dem Bauernsiedler von der rustikalen Welt Twilight (wo er fast Opfer der Pest wurde), und dem im Vergleich geradezu zerbrechlich wirkenden Piloten Wassilij, Crewmitglied Orca und natürlich der fernen Laenea.
Der Realismus in der Beschreibung der Schiffsführung und des Verhaltens an Bord reicht beinahe schon an den von C.J. Cherryh heran, die in dieser Disziplin unschlagbar ist. Das trägt zur Glaubwürdigkeit des Plots bei, obwohl an keiner Stelle auch nur der Versuch unternommen, den Antrieb zu erklären, der den Transit überhaupt erst ermöglicht. Denn mit den Hyperraum-Sprüngen, die bei Cherryh gang und gäbe sind, hat diese Fortbewegungsweise nichts zu tun: Sonst würde nämlich die seelische Verfassung von Figuren wie Radu keine Rolle spielen.
Die Übersetzung
Die Texte wurden von sehr unterschiedlichen Übersetzern ins Deutsche übertragen. Deshalb ist ein allgemeines Urteil wenig sinnvoll. Die meisten Fehler fand ich in Robert Blochs Roman.
S. 94: „Monogomie“. Das soll vermutlich „Monogamie“ heißen.
S. 103: „Überbelagerung“ soll wohl „Überlagerung“ heißen. Es geht um Bilder in einem Film.
S. 134: „dem (…) Lärm einer Plektrongitarre verfallen“. Es soll wohl Elektrogitarre heißen. Ein Plektron ist das kleine Blättchen zum Anreißen einer Gitarrensaite. Es gibt einen schönen Film mit Jack Black, der das Plektron des Teufels klauen will, um bessere Musik zu machen.
S. 147: „Faulkner, Hemingway, Luxley und Mailer“ – lauter wichtige Autoren des 20. Jahrhunderts. Statt „Luxley“ sollte es wohl „Huxley“ heißen, denn gemeint ist wohl der Autor von „Brave New World“.
S. 494: Statt „Pulsschalg“ sollte es besser „Pulsschlag“ heißen.
S. 496: „die Transitautorität“: Gemeint ist kein höheres Wesen, sondern die Behörde, die alle Transitflüge genehmigt und verwaltet.
S. 577: eine Verwechslung von Namen. „Was du gerade beschrieben hast, „wandte sich Ramona an Wassilij…“ Aber es war Radu, auf dessen Beschreibung sie sich bezieht. Die Verwechslung kann bereits der Autorin unterlaufen sein.
Unterm Strich
Dieser Jahresband ist einer der problematischsten unter allen rund 20 SF-Jahresbänden, die Wolfgang Jeschke veröffentlichte. Die ältesten Beiträge stammen aus den sechziger Jahren, der modernste („Isis“) aus dem Jahr 1987. Der SF-Sammler kann genau ablesen, welche rasante Entwicklung des Genres zwischen diesen beiden Marken stattgefunden haben muss.
Die alten Beiträge wirken heute meist brav und irrelevant. Dazu gehören nicht nur der Roman „Fiese Aussichten“ von Robert Bloch, der hier in voller (gekürzter?) Länge abgedruckt ist, sondern auch der SF-Krimi „Tod durch Ekstase“ und „Der Trip in die Realität“, die beide schon in der Anthologie „Der metallene Traum“ abgedruckt wurden. Diese drei Geschichten befassen sich mit psychologischer „Hygiene“, so als wäre ihnen das Seelenheil wichtiger als irgendwelche äußeren Realitäten. Natürlich geht es um Unfreiheit, Befreiung und Erlösung.
Dass eine betagte Geschichte dennoch auch heute noch fesseln und relevant sein kann, belegt „Somerset träumt“ von der fabelhaften Autorin Kate Wilhelm. In dem abgelegen Kaff Somerset läuft ein Experiment zu Untersuchung von Träumen, doch es ist ausgerechnet die Chronistin, die dessen Ablauf entscheidend manipuliert. Der SF-Aspekt basiert nur auf einer kurzen Szene, doch er bedeutet, dass jemand in die Träume eines anderen sehen kann – um sie vielleicht zu manipulieren.
Auch die Geschichte von Aldiss zeigt eine alternative Realität auf, allerdings diesmal in Deutschland, und sie ist von beklemmender Aktualität: Islamistische Terroristen haben mit einer biologischen Bombe Mitteleuropa entvölkert, und der Wiederaufbau hat seine Tücken. Das muss ein amerikanisches Ehepaar am eigenen Leib erfahren.
Die Beiträge von Harry Harrison, Andrew Darlington und Vonda McIntyre haben ihren Schauplatz draußen im Weltraum. Mal ist der Raum ein Schlachtfeld (Harrison), mal voller Geheimnisse (McIntyre), dann wieder ein Spektakel für das Vergnügen blasierter Touristen (Darlington). Die Story „Isis“ gewinnt dem Geschehen trotz ihrer Kürze durch geschickten Einsatz ihrer Figuren – eine Seele in einem fremden Alien-Körper, während der zugehörige Körper entführt wird – die reizvollsten Aspekte ab.
Wie mir der Band gefiel
Mir gefielen „Isis“ und die Beiträge von Wilhelm, McIntyre und Aldiss am besten: Sie wirken am frischesten, und nicht nur wegen ihres Veröffentlichungsdatums. Dass die restlichen Beiträge überholt wirken, macht diesen Band nicht gerade zu einem begehrten Sammlerobjekt. Deshalb habe ich mir mit der Besprechung auch rund 30 Jahre Zeit gelassen.
Sammler werden mit dem 1988 folgenden SF-Jahresband viel besser bedient: Er versammelt zum 25-jährigen Jubiläum der Heyne-SF-Reihe exzellente Beiträge von den besten Autoren der späten achtziger Jahre. Offenbar hatte der Herausgeber inzwischen dazugelernt – oder einfach mehr Geld für diesen Band.
Taschenbuch: 587 Seiten.
Diverse Übersetzer.
ISBN-13: 9783453313804
Der Autor vergibt: 



