
Sie sind jung – sie sind smart – und sie sind Hexen!
Ein jahrhundertealter Hexenzirkel zieht Cassie in seinen Bann. Doch es gibt eine dunkle Macht, die alles zu zerstören droht. Wird Cassie ihre magische Liebe opfern, um das Überleben der Hexen zu sichern?
Cassie ist todunglücklich, als sie aus dem sonnigen Kalifornien in das düstere New Salem umziehen muss. Doch schon bald findet sie eine neue Freundin – die wunderschöne Diana, die auch noch zur angesagtesten Clique der Schule gehört. Was Cassie nicht ahnt: Sie hat es mit einem uralten Kreis von Hexen zu tun. Und Cassie ist eine von ihnen… (Verlagsinfo)
Die Autorin
Lisa Jane Smith, als Autorin L. J. Smith, (* 4. September 1958 in Fort Lauderdale, Florida; † 8. März 2025 in Danville, Kalifornien) war eine US-amerikanische Jugendbuchautorin. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihre Reihe „Tagebuch eines Vampirs“, die seit 2009 auch für eine Fernsehserie unter dem Titel „The Vampire Diaries“ verfilmt wurden. Auch ihre Trilogie „Der magische Zirkel“ wurde 2011/2012 unter dem Titel „The Secret Circle“ als Fernsehserie ausgestrahlt. Obwohl sie die Rechte an beiden Buchserien verloren hatte, schrieb sie weiter Fan-Fiction zu „Tagebuch eines Vampirs“.
1) Die Ankunft
2) Der Verrat
3) Die Erlösung
Die Trilogie erschien bereits 1994 unter dem Titel „Die Hexen von Salem“ im deutschen CORA-Verlag, der auf romantische Frauenliteratur spezialisiert ist.
Der komplette Zyklus (Wikipedia):
The Initiation, HarperCollins 1992, ISBN 978-0-06-106712-9.
Auf Deutsch: Die Ankunft, übersetzt von Ingrid Gross, cbt Verlag 2010, ISBN 978-3-57030660-4.
The Captive, HarperTeen 1992, ISBN 978-0-06-106715-0.
Auf Deutsch: Der Verrat, übersetzt von Ingrid Gross, cbt Verlag 2010, ISBN 978-3-57030661-1.
The Power, HarperTeen 1992, ISBN 978-0-06-106719-8.
Auf Deutsch: Die Erlösung, übersetzt von Ingrid Gross, cbt Verlag 2010, ISBN 978-3-57030662-8.
The Divide, HarperTeen 2013, ISBN 978-0-06-213039-6.
Auf Deutsch: Der Abgrund, übersetzt von Michaela Link, cbt Verlag 2013, ISBN 978-3-57038041-3.
The Hunt, HarperTeen, 2012, ISBN 978-0-06-213042-6.
Auf Deutsch: Die Hexenjagd, übersetzt von Michaela Link, cbt Verlag 2014, ISBN 978-3-57038042-0.
The Temptation, 2014
Auf Deutsch: Die Versuchung, übersetzt von Michaela Link, cbt Verlag 2014, ISBN 978-3-57030931-5.
Handlung
PROLOG
Cassie Blake stammt ursprünglich aus dem sonnigen Kalifornien und fühlt sich im kühlen Boston, wohin sie mit ihrer geschiedenen Mutter gezogen ist, gar nicht wohl. Deshalb nutzt sie jeden Sonnenstrahl, der auf den Strand von Cape Cod fällt. Sie wundert sich, als ihr neue Schulfreundin Portia, eine reiche Erbin, stutzt, weil sie einen jungen Mann entdeckt hat. Na und? Aber Portia tut gerade so, als hätte dieser proletenhafte Fischer den Aussatz. Nur Cassie schaut sich den feschen Burschen genauer an; sein Hund sieht ebenfalls sympathisch aus. Portia zischt ein leises „Hexer!“ und holt ihre zwei Brüder.
Cassie schlendert alleingelassen auf den Bootssteg, als der Junge mit dem Hund angerannt kommt, als würde er verfolgt werden. Und das ist auch wirklich so, wie er erklärt. Sie zeigt ihm ein Boot, in dem er sich verstecken kann. Wenig später hetzen Portias zwei Brüder heran, und einer von ihnen ist, wie Cassie entsetzt bemerkt, mit einer Pistole bewaffnet. Weil sie den Jungen deckt, laufen die anderen in die falsche Richtung weiter. Geschafft! Zum Dank schenkt ihr der nette Junge, der nie seinen Namen verrät, einen magischen Stein – und einen Kuss. Cassie fühlt sich aus ihrem Körper herausgehoben und erblickt ein silbernes Band, das ihre beiden Körper verbindet. Wow! Und schon isser weg.
Haupthandlung
Noch am gleichen Tag muss Cassie mit ihrer Mutter erneut umziehen, diesmal nach Salem, wo im 17. Jahrhundert Hexen verfolgt wurden, und weiter auf eine Insel, auf der New Salem errichtet wurde. Es scheint eine geschlossene Gemeinschaft zu sein, die sich hier angesiedelt hat, und das älteste Haus stammt tatsächlich aus dem 17. Jahrhundert, als dies noch „Die Kolonien“ waren. Hier wohnt Cassies Großmutter. Sie ist zwar nett, aber sie sagt ihr nicht, was eigentlich der Hintergrund für den neuerlichen Umzug ist. Cassie staunt Bauklötze über das rosa Himmelbett, in dem sie nun schlafen darf.
Dann beginnt der Ernst des Lebens: die Schule. Merkwürdig: Sie wurde ebenfalls 1693 erbaut, genauso wie New Salem. Schon bald bemerkt Cassie drei junge Frauen aus der Oberstufe der Highschool, die sich ganz anders anziehen und verhalten als die anderen Mädels: dominant, verführerisch – und hinterhältig, wie sich bald herausstellt.
Cassie kann nicht umhin, die drei bei einem Solo-Lunch zu belauschen: Faye, Suzan und Deborah. Sie hecken etwas aus, was mit Jungs zu tun hat, vor allem mit Jeffrey, dem Freund der Schulsprecherin Sally. Da kommt Sally auch schon angerauscht und will dem Trio eine Standpauke halten. Doch irgendeine Macht, die die drei besitzen, lässt sie kleinlaut werden. Danach erscheint die Unterstuflerin Kori. An ihrem bevorstehenden 15. Geburtstag will sie sich den dreien anschließen, nach einem Aufnahmeritual. Cassie bekommt den Eindruck, es handle sich um einen Geheimzirkel mit strengen Regeln. Sie fühlt sich ausgeschlossen, würde aber sehr gerne dazugehören. Sie ist so einsam.
Als die drei entdecken, dass Cassie sie belauscht hat – sie steht Sally bei -, ergeht es ihr fortan schlecht. Höchst unerfreuliche Dinge befinden sich in ihrem Schulspind, dass sie schier durchdreht. Gewisse Jungs und Mädchen treiben Schabernack mit ihr. In der Cafeteria wird sie gemieden, als wäre sie aussätzig. Selbst der Rektor hat kein Mitleid, als sie ihm eine eklige Puppe aus ihrem Spind bringt. Schließlich locken Faye und ihre zwei Freundinnen sie in eine Falle. Faye spielt wie üblich mit ihrem Lieblingsspielzeug: Feuer! Und als sie droht, Cassies Liebesgedicht an den Jungen aus Cape Cod anzuzünden, fleht Cassie sie verzweifelt an.
Da tritt ein viertes Mädchen auf, und Cassie kommt die Blondine, die sie in ihrer Straße bemerkt hat, vor wie ein Schutzengel: Diana. Sie weist Faye und Co. zurecht und rettet die wimmernde Cassie aus den Klauen ihrer Peinigerinnen. Selbst mit dem eigenen Auto bringt sie Cassie zu sich nach Hause. Dort kann Cassie ihre schmutzigen Kleider wechseln und ein entspannendes Bad nehmen. Sofort fühlt sie sich wie ausgewechselt. Sie verliebt sich auf der Stelle in Diana, selbst als deren Freundinnen Laurel und Melanie eintreffen. Diana hat Bilder antiker Göttinnen in ihrem Haus – ihr Vater ist ein vielbeschäftigter Mann und ist selten zu Hause.
Doch dann kommt ein schwarzer Tag: Die fünfzehnjährige Kori wird tot am Fuß einer Klippe nahe der Schule aufgefunden. Wurde sie gestoßen und ermordet – oder war es nur ein Unfall? Polizisten verhören auch Cassie andauernd, bis sie völlig genervt ist. Aber sie bekommt ein besonderes Angebot von Diana: Dem magische Zirkel der Mädchen von New Salem fehle jetzt ein Mitglied; sie bietet Cassie an, in den Zirkel der weisen Jungfrauen aufgenommen zu werden. Cassies Träume von Zugehörigkeit und dem Ende ihrer Einsamkeit werden wahr. Freudig sagt sie zu.
Doch beim Aufnahmeritual am Strand stellt sie fest, dass der obligatorischen Zahl von zwölf Mitgliedern immer noch eines fehlt. Wer könnte es sein, fragt sie sich. Dann hört sie von den anderen, dass es einen Neuankömmling gibt: Dianas Liebsten. Er heißt Adam. Was für ein Unglück!, denkt Cassie. Denn dreimal dürfen wir raten, um wen es sich dabei handelt…
Mein Eindruck (VORSICHT, SPOILER!)
Aus diesem Stoff sind Heldinnen gemacht: Der Vater über alle Berge, die Mutter krank im Bett, die Großmutter zum Schweigen verdammt – und alle Wurzeln zu Gleichaltrigen ausgerissen. Kein Wunder also, dass Klein-Cassie sehnlichst Anschluss sucht. Blöd nur, dass sie an ihrer Schule erst die abweseisendsten Schülerinnen kennenlernt, nämlich die Hexen des magischen Zirkels von New Salem. Die im 17. Jahrhundert in Salem hingerichteten und vertriebenen Hexen sind keineswegs ausgetilgt, sondern lediglich bei ihrer letzten Generation angelangt. Ganz klar, dass sich Faye, Suzan und Deborah auf einer besonderen Mission wähnen. Blöd nur für Cassie, dass diese Damen der „dunklen Seite der Macht“ verfallen sind und sie dies spüren lassen.
Diana hingegen ist die Vertreterin der hellen Seite der Macht und muss folglich der malträtierten Heldin als Retterin und Schutzengel erscheinen. Dies wird verheerende Folgen für Cassies Liebesleben haben. Denn Cassie folgt keineswegs den Regeln ratioanler Logik, denn solche Dinge wie Vernunft sind ihr denkbar fern. Nein, sie folgt vielmehr der emotionalen Intelligenz. Kein Wunder also, dass sie nicht mal zwei und zwei zusammenzählen kann, sondern von einer Falle in die nächste tappt.
Die nächste Falle ist von ausgesuchter Perfidität. Diana liebt ausgerechnet denjenigen, den sich bereits Cassie Jungfernherz ausgesucht hat. Ein silbernes Band verbindet sie mit IHM. Die Vorbestimmung ist offensichtlich. Da Cassie jedoch von Herzen auch Diana liebt, entsagt sie ihrer Liebe, um Dianas Liebe zu schützen. Diese Verheimlichung bemerkt allerdings nicht nur der Angebetete, sondern auch ein ungebetener Zeuge: ausgerechnet Faye, die Ausgeburt des Bösen, die obendrein auch noch von einem Hexenmeister der alten Zeit besessen ist. Faye zögert denn auch nicht, die hilflose Cassie zu ihrem willfährigen Werkzeug zu machen, zur Sklavin.
Allerdings fragt man sich trotz des offenbar vorherrschenden Mangels an Vernunft, warum der Angebetete nicht davor zurückschreckt, seine Beziehung zu Cassie erneuern und mit ledienschaftlichen Küssen zu vertiefen. Ein untreuer Schlemihl ist er, jawohl, dass er gleich zwei Herzensdamen für sich haben will, und damit die Wurzel allen Übels für Cassie heraufbeschwört. Andererseits: Ohne diesen mehrfachen Verrat wäre das Buch verdammt vorhersehbar und langweilig.
Die Übersetzung
Die Sprache ist derart anspruchslos, dass die ursprüngliche Übersetzerin Ingrid Gross nicht viel falsch machen konnte. Dennoch ist es ihr gelungen. Auf Seite 147 fehlt ein Wort in folgendem Satz: „Deshalb lassen sich viele (…) uns nicht fotografieren. Es kann sich wohl nur um das Wörtchen „von“ handeln.
Mehrmals verwendet sie auch das Wort „Verantwortung“ falsch. Sie meint nämlich „Verantwortungsbewusstsein“. Dieses mangele den Hexen, lautet mehrmals der Vorwurf.
Auf Seite 189 wird der 22. September als „Herbstzeitwende“ bezeichnet. Dieses Wort gibt es im Deutschen nicht, wohl aber die herbstliche Tagundnachtgleiche (Äquinoktium). Offenbar hat die Übersetzerin nach dem kürzestmöglichen Ausdruck gesucht – und daneben gegriffen.
Unterm Strich
Ich habe das anspruchslose Märchen binnen weniger Stunden gelesen, denn die Sprache ist denkbar simpel und die Handlung ist es auch. Jeder zehnjährige Teenie kann sie verstehen. Dabei lässt die Autorin offen, wie alt ihre Heldin eigentlich ist. Cassie darf zwar schon autofahren, verhält sich aber wie eine Dreizehnjährige. An sexuelle Dinge wie die Periode darf sie nicht mal denken, wohl aber Suzans mächtigen Busen erwähnen – er ist ja wohl auch unübersehbar. Und Beziehungen zu Jungs spielen sich ausschließlich oberhalb der Gürtellinie ab.
Da Cassie so ein hässliches, verlorenes Entlein ist, freut sie sich natürlich, durch die Aufnahme in den Hexen-Zirkel Geborgenheit und Unterstützung zu finden, andererseits auch ein kleines bisschen Macht. Aber worin besteht diese Hexenmacht, fragt sich der nach Sensationen gierende Leser. Es handelt sich erst einmal um die gewöhnliche Heilkraft, wie sie jede Kräuterfrau beherrscht.
Interessanter ist da schon einer der Gegenstände der Macht, die einst im 17. Jahrhundert verborgen wurde: ein Kristallschädel. Dieser ist nicht von Damien Hirst und auch nicht von Indiana Jones, sondern mit einer unheilvollen Seele besessen – einem Hexenmeister. Das erinnert an den Hexenmeister, den H.P. Lovecraft in seinem Roman „Der Fall Charles Dexter Ward“ so anschaulich beschreibt und der ebenfalls aus Salem stammte.
Die Benutzung des Kristallschädels hat interessante und unheilvolle Folgen – nicht nur für Faye, sondern auch für Cassie, obwohl sie über ihre eigene, der Erde verbundene Kraft verfügt. Jedenfalls dürfte dies der Handlung der restlichen Trilogie ein pikantes Element verleihen. Leider erfahren wir bislang herzlich wenig über Cassies Mutter und die Vorgeschichte der Hexen von New Salem. Diese Backstory muss noch nachgeliefert werden.
Hinweis
Das Buch von 1992 wurde bereits 1994 erstmals übersetzt. Offenbar kommen solche Stoffe im Zuge des Erfolgs von Stephenie Meyer und der Verfilmungen wieder zu neuen Ehren. Das macht sie aber keinen Deut besser. Es ist schon ulkig zu lesen, wenn hier niemand ein Handy hat und sich bei Diana die CDs bergeweise stapeln…von MP3-Playern und Smartphones also keine Spur. So wird die Lektüre zu einem nostalgischen Vergnügen.
Taschenbuch: 256 Seiten
O-Titel: The secret circle – the initiation, 1992;
aus dem US-Englischen von Ingrid Gross/Kerstin Windisch;
ISBN 9783570306604
CBT-Verlag
Der Autor vergibt: 



