Sophie Stava – Eine falsche Lüge

Worum geht’s?

In „Eine falsche Lüge“ geht es um Sloane Caraway, die die Angewohnheit hat, sich mit kleinen Lügen interessanter zu machen. Für sie sind diese Unwahrheiten zunächst eher harmlos und gehören fast schon selbstverständlich zu ihrem Alltag. Doch als sie durch einen Zufall Kontakt zur wohlhabenden Familie Lockhart bekommt, entwickelt sich aus einer kleinen spontanen Lüge schnell eine immer kompliziertere Situation.

Besonders Violet Lockhart fasziniert Sloane von Anfang an. Ihr perfektes Auftreten, ihr luxuriöses Leben und die scheinbar ideale Familie üben eine starke Anziehung auf sie aus. Mit der Zeit wird Sloane immer mehr Teil dieses Lebens und beginnt zunehmend, Grenzen zu überschreiten. Dabei verschwimmen Bewunderung, Neid und der Wunsch nach einem anderen Leben immer stärker miteinander.

Inhalt

Die Geschichte beginnt zunächst eher ruhig. Sloane hilft im Park einem kleinen Mädchen und gibt sich dabei spontan als Krankenschwester aus — eine typische kleine Lüge, wie sie für sie fast schon selbstverständlich geworden ist. Durch diesen Vorfall lernt sie Jay Lockhart und später auch dessen Frau Violet kennen. Überraschend schnell wird Sloane Teil ihres Umfelds und schließlich sogar Kindermädchen der Familie.

Je enger der Kontakt wird, desto stärker verändert sich die Dynamik zwischen den Figuren. Sloane beginnt nicht nur, Violet zu bewundern, sondern sie regelrecht zu imitieren. Gleichzeitig merkt man als Leser früh, dass hinter der perfekten Fassade der Lockharts einiges nicht stimmt. Beziehungen wirken angespannt, Geheimnisse werden angedeutet und immer wieder entstehen Situationen, in denen man das Gefühl hat, dass wichtige Informationen fehlen.

Der Thriller lebt dabei weniger von actionreichen Szenen als von psychologischer Spannung und unterschwelliger Unsicherheit. Immer wieder werden neue Hinweise eingestreut, die den Eindruck verändern und Zweifel an einzelnen Figuren wecken. Besonders interessant ist dabei, dass keine Figur vollkommen vertrauenswürdig wirkt. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, in der man ständig versucht, die wahren Absichten hinter dem Verhalten der Charaktere zu erkennen.

Im weiteren Verlauf kommen mehrere Wendungen hinzu, die das Geschehen in eine andere Richtung lenken. Manche davon sind vorhersehbar, andere funktionieren überraschend gut und sorgen dafür, dass man trotz ruhigerer Passagen weiterlesen möchte.

Mein Eindruck

Mir hat das Buch insgesamt wirklich gut gefallen, auch wenn ich zwischendurch einige kleinere Probleme mit dem Erzähltempo hatte. Besonders auffällig waren für mich die deutlichen Parallelen zu den Thrillern von Freida McFadden, vor allem zu Wenn sie wüssten. Sowohl die Grundatmosphäre als auch die Art, wie mit psychologischen Spannungen und überraschenden Enthüllungen gearbeitet wird, erinnern stark an diesen Stil.

Gerade Leserinnen und Leser, die Freida McFadden mögen, dürften sich deshalb schnell in der Geschichte zurechtfinden. Das Buch liest sich angenehm flüssig, die Kapitel sind oft relativ kurz gehalten und man kommt grundsätzlich schnell voran. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Geschichte stellenweise etwas dahinplätschert. Manche Szenen ziehen sich länger als nötig und nicht jeder Abschnitt trägt gleichermaßen zur Spannung bei.

Dadurch entsteht leider keine dauerhaft hohe Spannungskurve. Immer wieder gibt es starke Momente und interessante Wendungen, doch zwischen diesen Spannungsbögen gibt es auch ruhigere Passagen, für die man etwas Durchhaltevermögen braucht. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu lange auf bestimmte Enthüllungen hinarbeitet. Gerade im Mittelteil verliert der Thriller deshalb zeitweise etwas an Dynamik.

Trotzdem hat mich das Buch insgesamt gut unterhalten. Besonders gelungen fand ich die psychologischen Aspekte und die unterschwellige Unsicherheit darüber, wer hier eigentlich die Wahrheit sagt. Die Figuren wirken nicht perfekt oder eindeutig, sondern oft widersprüchlich und manipulativ — genau das macht einen großen Teil der Atmosphäre aus.

Auch das Spiel mit Identität und Anpassung fand ich interessant umgesetzt. Sloanes Entwicklung wird nachvollziehbar dargestellt, selbst wenn ihr Verhalten teilweise unangenehm oder fragwürdig wirkt. Dadurch bleibt die Geschichte trotz kleinerer Längen spannend genug, um wissen zu wollen, wie alles endet.

Über die Autorin und die Übersetzerin

Sophie Stava war Ghostwriterin, bevor sie sich an ihren ersten eigenen Thriller »Eine falsche Lüge« wagte. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden Kaliforniens und arbeitet bereits an einer neuen spannenden Thrilleridee.

Janine Malz studierte Übersetzen in Germersheim, Triest und München. Nach Stationen in Übersetzungsagenturen sowie im Lektorat eines großen Publikumsverlags ist sie heute als freiberufliche Literaturübersetzerin aus dem Englischen, Italienischen und Niederländischen tätig. (Verlagsinfo)

Fazit

„Eine falsche Lüge“ ist ein unterhaltsamer psychologischer Thriller, der vor allem Fans von Freida McFadden gefallen dürfte. Die Geschichte bietet interessante Figuren, einige gelungene Wendungen und eine Atmosphäre voller Misstrauen und Manipulation.

Zwar gelingt es dem Buch nicht durchgehend, die Spannung konstant hochzuhalten, da sich manche Passagen etwas ziehen und der nächste Spannungsbogen teilweise auf sich warten lässt. Dennoch sorgt die Geschichte immer wieder für genug Neugier und Überraschungen, um dranzubleiben.

Wer psychologische Thriller mit unzuverlässigen Figuren, geheimnisvollen Beziehungen und schleichender Spannung mag, wird hier definitiv gut unterhalten. Für mich kein perfekter Thriller, aber ein lesenswertes Buch mit starken Momenten und einer interessanten Grundidee

E-Book: 4.8 MB
Originaltitel: Count my Lies
Ins Deutsche übersetzt von Janine Malz
ISBN: 978-3104921532
www.fischerverlage.de

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