Dominik Irtenkauf versteht es, den verheißungsvollen Untertitel, den sein zweites Buch trägt, mit Leben zu füllen. Seine Literatur ist aus zweierlei Gründen eine Alchemie: Zum einen transformiert sie Sprache, sodass sich die Worte beginnen zu krümmen und zu strecken und schließlich einen farbenfrohen Zoo lebendiger Literaturen ergeben, zum anderen geht es Irtenkauf um eine Erforschung der verborgenen Prägungen seiner Texte. Er kann selbst nicht mit Gewissheit sagen, ob er das, was nun verfasst vor ihm liegt, selbst vollständig entschlüsseln kann. Seine literarische Erforschung des Rätselhaften bleibt unabgeschlossen. Das ist ihm ein wichtiger Zug.
„Worträtsel. Aufgabe in Mensch und Wort“ ist ein unaufgeregtes Buch. Es wirkt nüchtern; es ist keinesfalls bockbeinig, wie Irtenkaufs Vorgänger [„Der Teufel in der Tasche“. 2657 Die vielen Rätsel zwischen den Zeilen kommen völlig ohne subversiven Stachel aus, sie sind eher subtil, aber nicht trocken. Das offene Bekenntnis spricht Irtenkauf auf Novalis. Denn sein rätselhafter Weg führt nach Innen. „Meine ehrliche Absicht liegt in der Bewusstmachung der verschrobenen Wege im eigenen Kopf“, wie es im Nachwort heißt.
Irtenkauf spielt mit verträumter Anmut, keine Frage, doch begegnet sie dem Leser keineswegs in Form romantischer Trunkenheit. Die Erzählungen führen uns in wohlüberlegte Denkfiguren ein: in Erkenntnis- und Entwicklungswege und, wen wundert’s, in Rätsel, deren spürbare Verschlossenheit gerade den Reiz der erzählten Geschichten ausmachen.
Dominik Irtenkauf präsentiert mit „Worträtsel. Aufgabe in Mensch und Wort“ eine Sammlung unterschiedlicher Erzählungen: frühe Werke, aktuelle Werke, alles dabei. Wir erleben eine Expedition, fahren mit dem Taxi durch die nächtliche Stadt, besuchen den Zirkus und unternehmen Reisen in archaische Zeiten. Die Vielfalt ist Programm, das betrifft Form und Inhalt. Irtenkaufs Geschichten zeigen nicht zuletzt, dass der Literat von heute keine Schreibstubenkultur betreibt, sondern sich – wie Irtenkauf betont – mutig unserer komplexen Welt entgegenwirft, die Konfrontation nicht scheut und auch mit nüchternen Worten den Oberflächenbewohnern zu zeigen imstande ist, dass Dreidimensionalität im 21. Jahrhundert nicht aus der Mode gekommen ist.
_Aus dem Inhalt_
Byzantinischer Schlaf
Abziehbild eines Ausgangs
Kubbeln
Nur ein Flügel hat gestreift
Jenseitstraum
Rasender Schwund
Rabenwetter
Verunglückung
Nachwort: Rätsel in Wort und Mensch
Mit seinem Roman [„Die Kunst des Lokomotivführens“ 2853 gelang dem Australier Steven Carroll eine beachtenswerte Momentaufnahme um Liebe, Lebensträume und enttäuschte Hoffnungen. Nun liegt mit „Die Gabe der Geschwindigkeit“ der Nachfolgeband vor.
Gleiche Figuren, gleicher Ort, aber eine andere Zeit. Spielte der Vorgängerroman noch Anfang der fünfziger Jahre in einem verschlafenen Vorort von Melbourne, so sind seitdem knapp zehn Jahre vergangen. Vic, der ehemalige Lokomotivführer ist mittlerweile den ganzen Tag zu Hause und träumt von einem besseren Leben weit weg. Seine Frau Rita dagegen träumt von schicken französischen Fenstertüren und zeigt damit wieder einmal, dass ihr Geschmack, ihr Stil eigentlich ein bisschen zu gut für diesen Vorort ist.
Sohn Michael interessiert das alles herzlich wenig, denn die Welt des Sechszehnjährigen dreht sich in erster Linie um einen kleinen roten Ball. Von morgens bis abends übt er das Werfen und träumt von der großen Kricketkarriere. Eines Tages muss sie sich ihm doch offenbaren, die Gabe der Geschwindigkeit, und dann könnte ihr Schwung ihn aus der Einöde dieses Vorortes hinauskatapultieren. Bis es so weit ist, übt Michael Werfen, tagein, tagaus.
Doch als Michael Kathleen Marsden begegnet, ändert das einiges in seinem sonst so überschaubaren Leben. Kathleen weckt Gefühle in Michael, die er bislang nicht kannte, und die Begegnung mit ihr ist es, die Michael zeigt, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt außer Kricket.
So wie „Die Kunst des Lokomotivführens“ eine Momentaufnahme ist, so lässt sich auch „Die Gabe der Geschwindigkeit“ einordnen. Carroll schildert den Moment in Michaels Leben, in dem seine Kindheit unwiederbringlich zu Ende ist. Die gesamte Handlung läuft auf einen bestimmten Moment zu. Dennoch ist der Roman gänzlich anders als sein Vorgänger. Diesmal spielt die Handlung über einen längeren Zeitraum, während der gesamte Vorgängerroman an nur einem einzigen Abend spielt.
Carroll zieht die Handlung etwas auseinander, baut zeitliche und räumliche Sprünge ein und ordnet mehr Figuren in den Gesamtkontext ein. Vics Mutter, die nach einem Unfall in Vics und Ritas Haus untergekommen ist, erlaubt dem Leser Einblicke in Vics Kindheit und in ein Geheimnis, das der Mutter ihr ganzes Leben lang schon auf den Schultern lastet.
Und auch dem Kapitän der westindischen Kricketmannschaft Frank Worrell kommt eine Rolle zu. Die Handlung des Romans beginnt und endet mit einem Kricketturnier, zu dem Worrell mit seiner Mannschaft anreist. Dem Leser offenbart Carroll Worrells Gedanken während des Turniers ebenso wie die Einsamkeit, in die ihn die Kapitänsbürde zwingt.
Und dann wäre da noch der einsame Fabrikbesitzer Webster, der in seinen schlaflosen Nächten in einem schicken Sportwagen durch die Vororte braust und damit eine geheime Leidenschaft auslebt, von der nicht einmal seine Frau weiß.
Diese Vielfalt an Figuren, die neben Rita, Vic und Michael genauer betrachtet werden, zieht die Handlung etwas in die Länge. Insbesondere in der ersten Hälfte des Romans wirkt die Handlung schnappschussartig. Carroll schaut mal hierhin, schaut mal dorthin, und so ganz weiß man als Leser während dieser Zeit noch nicht, in welche Richtung das überhaupt abzielen soll. Das war in „Die Kunst des Lokomotivführens“ zwar ähnlich, durch eine stärkere räumliche und zeitliche Konzentration der Handlung aber wesentlich greifbarer.
Zwar fügt Carroll die Handlungsstränge am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, zwar schafft er es dabei auch, zum Ende hin eine gewisse Spannung aufzubauen, dennoch ist mir die Atmosphäre aus dem Vorgängerroman als wesentlich dichter in Erinnerung. Man spürt, dass alles auf einen unausweichlichen Augenblick hinausläuft, der alles verändern wird, und dass die Protagonisten danach nicht mehr dieselben sein werden wie vorher. Auch „Die Gabe der Geschwindigkeit“ steuert auf so einen Punkt zu, allerdings vor allem in der ersten Hälfte wesentlich weniger konzentriert und zielstrebig.
Lebte „Die Kunst des Lokomotivführens“ von dem tiefen Einblick in die Figuren und von der greifbaren Spannung des Augenblicks, so zieht sich der Nachfolger in den ersten Kapiteln etwas zähflüssig und langsam dahin. Carroll ist kein Mann für temporeiche Plots, keiner, der viel Wirbel um seine Handlung macht und seine Geschichte mit Effekten und Actioneinlagen aufbläht. Er ist ein Autor der leisen Töne, der zurückhaltenden Beobachtung und der ausgefeilten Persönlichkeitsskizzierung. Bei „Die Kunst des Lokomotivführens“ sind das die Zutaten, in denen man sich als Leser verlieren kann. Der Roman entwickelt eine ganz eigene Spannung, und genau die lässt in den ersten Kapiteln von „Die Gabe der Geschwindigkeit“ auf sich warten.
Zum Teil liegt das auch an den sprachlichen Mitteln. Carroll beschreibt stets sehr genau, mit einem Blick für kleine Details und den tieferen Sinn der Dinge. Das lässt sich auch im aktuellen Roman nicht leugnen. Dennoch entwickelt er einen Zug, der mit fortschreitender Seitenzahl stets ein bisschen mehr nervt: Er neigt zu Wiederholungen. Bestimmte Formulierungen schleichen sich wieder ein, nachdem sie ein paar Zeilen zuvor schon aufgetaucht waren, und das lässt Carrolls Stil hie und da überausführlich erscheinen.
Und so dauert es diesmal, bis sich das Spannungsfeld der Figuren, das Besondere des Augenblicks überhaupt richtig entfalten kann. Erst ab etwa der Hälfte fängt die Geschichte an, den Leser gefangen zu nehmen. Michaels Leben steuert auf den Punkt zu, an dem er erwachsen wird. Alles läuft in einem Augenblick zusammen, und man kann sich der aufkommenden Spannung kaum entziehen.
Aber bis dahin hat man erst einmal eine einige Kapitel andauernde Durststrecke zu überwinden. „Die Gabe der Geschwindigkeit“ ist ein literarisches Kleinod, das es dem Leser nicht leicht macht. Nur wer ausreichendes Durchhaltevermögen beweist, wird am Ende belohnt. Aber diese Belohnung reicht leider nicht ganz aus, um den etwas faden Beigeschmack der langatmigen ersten Buchhälfte vergessen zu machen.
Bleibt unterm Strich also ein durchwachsener Eindruck zurück. Einerseits wunderbar tiefe und vielschichtige Charakterskizzierungen, andererseits aber eine etwas zähe und langatmige Lektüre in der ersten Buchhälfte. Man braucht schon einen Sinn für die feinen Töne in Carrolls Buch, ansonsten reicht am Ende das Durchhaltevermögen nicht. Im Vergleich dazu ist [„Die Kunst des Lokomotivführens“ 2853 dichter und kompakter erzählt und damit eben auch um einiges besser.
Wenn man den Islam kritisiert, geht es normalerweise darum, wie sehr die Frauen in dieser Religion unterdrückt werden. Dass dies nicht nur für die Frauen Folgen hat, sondern auch für Männer, zeigt Zoë Ferraris in ihrem ersten Roman „Die letzte Sure“.
Wer sich nun denkt: Nanu? Wie will uns eine Frau mit einem westlichen klingenden Namen die Welt des Korans erklären?, dem sei Ferraris‘ Biografie ans Herz gelegt. Sie hat ein Jahr lang in einer strenggläubigen Gemeinde in Saudi-Arabien gelebt, nachdem die Liebe sie dorthin geführt hat. Selbst wenn sie die Welt, in der ihr Roman spielt, nicht mit der Muttermilch aufgesogen hat, wird sie also eine ungefähre Ahnung davon haben, worüber sie beschreibt.
Um ehrlich zu sein: Sie hat mehr als das. „Die letzte Sure“ findet vor einem perfekt recherchierten Hintergrund statt, der auf mich als Laienleserin einen sehr starken Eindruck gemacht hat. Das Buch ist unglaublich homogen und versetzt den Leser aufgrund der farbigen Beschreibungen, der sehr gut ausgearbeiteten Charaktere und des zeitlosen Schreibstils direkt in die heiße Wüste Saudi-Arabiens und die flirrende Großstadt Dschidda.
Die Geschichte beginnt in der Wüste. Der Wüstenführer Nayir sucht gemeinsam mit seinem Trupp die riesigen Sanddünen nach einem jungen Mädchen ab. Nouf, die Schwester seines Freundes Othman, ist von zu Hause fortgelaufen und wird hier vermutet. Als man sie schließlich findet, ist die Sechzehnjährige tot. Sie ist in einem wasserführenden Trockental ertrunken. Und obwohl ihre reiche Familie ihren Tod als Unfall abtut, will sich Nayir nicht mit dieser Begründung zufriedengeben. Zu viel ist im Unklaren geblieben über die Flucht des Mädchens, das kurz vor seiner Hochzeit stand. Wieso wird sie beispielsweise beim traditionellen Begräbnis wie eine Schwangere in ihr Grab gelegt? Und wieso möchte Othman auf einmal, dass Nayir sich nicht weiter um die Geschichte kümmert?
Nayir ist nicht der Einzige, der Verdacht schöpft. Katya, die die Leiche Noufs in der Rechtsmedizin obduziert hat und außerdem mit Othman verlobt ist, lässt sich ebenfalls nicht so einfach bremsen. Sie gehört zu den wenigen Frauen in der konservativen Stadt, die arbeiten gehen, und ihre forsche Art ist Nayir, als er sie kennenlernt, sehr unangenehm. Als sie auch noch darauf besteht, gemeinsam mit ihm in diesem Fall zu ermitteln, wird sein gesamter Glaube auf den Kopf gestellt.
Der islamische Glaube durchzieht das Buch als roter Faden. Zoë Ferraris bleibt dabei überaus neutral und wird gegenüber der Religion niemals unfair. Sie stellt ihre Grundsätze sehr anschaulich und leicht verständlich dar, verschleiert aber nichts. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Protagonist Nayir, ein Palästinenser, der oft für einen Beduinen gehalten wird, in Wirklichkeit aber ein Fremder in diesem Land ist und manchmal deshalb wie ein einsamer Wolf wirkt. Aufgewachsen bei seinem Onkel, hat er kaum Kontakt zu Frauen. Sein Onkel kann ihm keine Hochzeit arrangieren und er selbst wird durch die Restriktionen des Islam davon abgehalten, überhaupt einmal Frauen kennenzulernen. Als Katya in sein Leben tritt und energisch darauf pocht, mit ihm zusammenzuarbeiten, wird sein strenger Glaube gehörig durcheinandergewirbelt. Trotzdem bleibt er der ehrliche, standhafte Mann, der er schon immer war – er merkt nur, dass er einige Dinge vielleicht manchmal zu verbissen sieht.
Neben dieser männlichen Sicht sorgt die Rechtsmedizinerin Katya dafür, dass auch die Frauen in diesem Buch zu Wort kommen. Sie stellt ihren Glauben allerdings nicht so sehr in Frage, wie die sechzehnjährige Nouf das tut. Mit der Zeit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Teenager sich eingeengt fühlte und den Vorstellungen der strenggläubigen Eltern zu entfliehen versuchte. Ferraris gelingt es dabei sehr schön darzustellen, wie anstrengend das Leben einer Frau in Saudi-Arabien sein muss, wenn es kaum möglich ist, einen einzigen Schritt ohne Begleitung eines Mannes aus der Familie zu machen.
Die Autorin verarbeitet das Wissen, das sie über diese Religion erfahren hat, auf eine sehr verständliche Art und Weise in ihrer Geschichte. Sie ufert nie aus, erzählt aber immer genug, damit der westliche Leser bestimmte Dinge versteht, auch wenn er sie aufgrund seiner Erziehung und Kultur vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Obwohl eine Menge zu erklären ist, vergisst Ferraris darüber nie die eigentliche Geschichte: den Kriminalfall um Nouf. Mit viel Cleverness und konventionellen Methoden wie der Hilfe eines beduinischen Spurensuchers, Befragungen und Denkarbeit lösen Nayir und Katya das Rätsel um Noufs Tod. Sie befinden sich dabei mehr als einmal auf dem Holzweg, aber Ferraris bringt die beiden immer wieder auf den richtigen Pfad, indem sie sie häppchenweise mit wichtigen, oft alles verändernden Hinweisen füttert. Das macht die Geschichte spannend und fesselnd. Allerdings ist es eine stille Sorte Spannung, die ihre Kraft nicht aus reißerischen Actionszenen, sondern vielmehr aus den Widersprüchen und Geheimnissen in Noufs Leben bezieht.
Der Schreibstil korrespondiert mit dieser stillen Spannung. Ferraris schreibt angenehm leise. Sie verzichtet auf Gewaltdarstellungen oder reißerische Effekte. Sie verkürzt keine Sätze, um Spannung darzustellen und es gibt auch keine plötzlichen Geistesblitze. „Die letzte Sure“ liest sich nicht wie ein Krimi, sondern wie ein belletristischer Roman, und das ist einer seiner großen Trümpfe. Der Schreibstil ist zeitlos. Nicht flapsig wie von manchen Jungautoren und auch nicht ruhelos, wie man das von anderen amerikanischen Krimischreibern kennt. Poetisch angehaucht und oft nachdenklich präsentieren sich die Perspektiven von Katya und Nayir. Sie wahren dabei eine gewisse Distanz zu ihren Protagonisten, ohne kalt zu wirken, und erlauben es dem Leser, viel Eigeninterpretation in die Lektüre einzubringen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient Ferraris‘ Umgang mit den Gegebenheiten eines Wüstenlandes. Die Hitze wird oft anhand von bunten Schilderungen thematisiert. An einer Stelle beschreibt die Autorin, wie Katya, die auf dem Gehweg auf ihren Fahrer wartet, ihre Sandalen danach wegwerfen muss, weil die Hitze die Gummisohlen geschmolzen hat. Diese unglaubliche Bildkraft führt dazu, dass der Leser sich wie direkt in die Wüste versetzt fühlt.
Zoë Ferraris‘ Debütroman „Die letzte Sure“ ist ein Roman von seltener Harmonie. Handlung, Personen, Schreibstil – wirklich alles passt genau zusammen und präsentiert sich in einem harmonischen, aber sehr eindrucksvollen Gewand. Bitte mehr davon!
Was kann das für ein Buch sein, an dessen Übersetzung aus dem Englischen sich drei Übersetzer gütig getan haben? Ist es so kompliziert, dass keiner der Übersetzer mehr als ein paar Seiten schaffte? Setzen die drei einfach gerne auf Teamwork?
Diese Frage wird bei der Lektüre von Siri Hustvedts „Was ich liebte“ leider nicht beantwortet. Muss es auch nicht, denn um ehrlich zu sein, wird die Frage mit der Zeit immer unwichtiger. Es gibt andere Dinge, über die der Leser nachzudenken hat, Dinge, die in direktem Zusammenhang mit der Geschichte stehen.
Das Buch erzählt rückblickend fünfundzwanzig Jahre aus dem Leben des Literaturprofessors Leo Hertzberg. Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit und dementsprechend viel geschieht in dem Buch. Eines bleibt aber all die Jahre konstant: die Freundschaft zu dem Künstler Bill Wechsler. Gemeinsam fahren die beiden Männer in den Hafen der Ehe ein, werden etwa zur gleichen Zeit Väter zweier Söhne und überstehen nicht nur einen tragischen Todesfall in Leos Leben, sondern auch die negative Entwicklung von Bills Sohn Mark.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Während der erste Teil quasi die Vorgeschichte darstellt, geschieht im zweiten Teil etwas, das das Glück von Leo und seiner Frau Erica und deren Ehe stark belastet. Im dritten Teil dagegen steht ein ganz anderes Thema im Vordergrund: Bills Sohn, der sich zu einem notorischen Lügner entwickelt hat, Drogen nimmt und mit den falschen Leuten Umgang pflegt.
Die ersten beiden Teile, die rückblickend von Leo erzählt werden, muten sehr biografisch an. Stellenweise ohne chronologische Reihenfolge, erzählt er als alter Mann, was seine Freundschaft zu Bill ausmacht und wie sie ihre Frauen kennengelernt haben. Immer wieder beschreibt er die Kunstausstellungen von Bill und die Verbindungen zwischen den Familien Wechsler und Hertzberg.
Es passiert nicht wirklich viel bis zu dem Unglück. Vielmehr ist es Hustvedts dichter, detaillierter Schreibstil, der den Leser bei der Stange hält. Sie gehört zu den Autoren, deren Figuren und Schreibstil man beinahe zusammenfassend betrachten möchte, weil sie sich so ähnlich sind. Sie sind von einer seltenen Tiefe gekennzeichnet, von einer unglaublichen Durchkonstruiertheit und Lebendigkeit. Jedes Wort, jeder Charakterzug, jedes noch so kleine Ereignis scheinen an der richtigen Stelle zu stehen, um ein farbenprächtiges, realistisches Gesamtbild zu schaffen.
Man merkt der Autorin an, dass sie aus einem sehr intellektuellen Hintergrund kommt. Der Vater ein Norwegisch-Professor, hat sie selbst Geschichte studiert und in Anglistik promoviert. Dementsprechend intellektuell wirkt auch „Was ich liebte“. Da das Buch in vielen Teilen in der Künstler- und Schriftstellerszene spielt – Bills zweite Frau sowie Erica beschäftigen sich mit Letzterem -, beschreibt es diese ausgiebig, ohne zu langweilen. Hustvedt hat sich sämtliche Ausstellungen von Bill Wechsler erdacht und auch die Bücher, die Violet, Bills zweite Frau, zu den Themen Hysterie und Essstörungen schreibt, fließen stark in die Geschichte ein. Beispiele aus dieser Literatur werden immer wieder zitiert und gestalten den Roman sehr abwechslungsreich.
Der letzte Teil der Geschichte, in dem es um Mark und seine zwielichtigen Verbindungen geht, unterscheidet sich stark vom Vorherigen. Plötzlich hat das Buch eine richtige, lineare Handlung, die es an einigen Stellen sogar schafft, Spannung aufzubauen. Ich möchte nicht so weit gehen, den dritten Teil von „Was ich liebte“ als Krimi oder Thriller zu bezeichnen. Dennoch fällt es ab diesem Punkt schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Es gewinnt an Fahrt, ohne etwas von seiner Qualität zu verlieren, und überrascht immer wieder durch originelle Wendungen. Hustvedt rückt von Themen wie Kunstausstellungen und wissenschaftliche Literatur ab und führt den Leser stattdessen – natürlich aus der Sicht von Leo – in die Jugendszene von New York ein.
Es entsteht ein mehrpoliges Buch, das sich mit sehr unterschiedlichen Themen beschäftigt. Es ist Siri Hustvedts literarischem Talent zu verdanken, dass es dabei nicht in zwei Teile zerbricht. Zum einen hängt es mit den authentischen Figuren zusammen, die sie zeichnet und die das ganze Buch begleiten. Keine der Personen ist wirklich gut oder wirklich schlecht. Stattdessen skizziert sie in verschiedenen Grautönen die Personenkonstellation aus Familien, Freunden, Kindern und zerbrochenen Ehen. Jede Person hat dabei ihre eigenen Charakterzüge, spezifische Eigenheiten und ist dem scharfen Auge von Ich-Erzähler Leo ausgesetzt. Unwichtige Gesten, bestimmte, wiederkehrende Tätigkeiten, Laster werden sorgfältig beschrieben und in die jeweilige Person „eingepasst“.
Die originellen Figuren werden von dem bereits erwähnten sehr belletristischen Schreibstil eingerahmt. Hustvedt benutzt gehobenes Vokabular, das nie zu hochgestochen klingt, und die Erinnerungen eines alten Mannes, um ein wunderbar dichtes und vielschichtiges Erzählambiente zu schaffen. „Was ich liebte“ entwickelt einen ganz eigenen Zauber, dem man sich selbst an Stellen, an denen sich nur wenig ereignet, nicht entziehen kann.
Siri Hustvedts dritter Roman „Was ich liebte“ zeichnet sich durch ein sehr genaues Bild von zwei Familien und deren Schicksalen aus. Die Autorin erzählt flüssig und sehr genau von den einzelnen Personen und darüber, was sie verbindet. Dabei sind es vor allem ihre feinen Charaktere und der bindende, atmosphärische Schreibstil, die das Buch so herausragend machen.
Nur eine Frage bleibt unbeantwortet: Wieso drei Übersetzer?
Für ihr Debüt „Adler und Engel“ wurde Juli Zeh gelobt und mit Preisen ausgezeichnet. Ihr zweiter regulärer Roman „Spieltrieb“ schickt sich an, das Gleiche zu tun.
Das Buch spielt in Bonn, Zehs Heimatstadt, genauer gesagt in der fiktiven Ernst-Bloch-Schule. Die Privatschule mit angeschlossenem Internat ist die neue Heimat der fünfzehnjährigen Ada. Die hochintelligente, aber gefühlskalte und arrogante Schülerin ist kein einfaches Kind. Sie widerspricht den Lehrern, ist aber nicht aggressiv, sondern schweigsam. Sie hat keine Freunde, doch als Alev neu in die Klasse kommt, baut sich zwischen den beiden etwas auf. Freundschaft oder Beziehung kann man das nicht gerade nennen. Die beiden sind von ihrer Intelligenz und ihrer abgebrühten Einstellung her auf gleicher Ebene. Es gibt keine emotionale Beziehung zwischen ihnen. Mal ignoriert Alev Ada, mal schenkt er ihr all seine Aufmerksamkeit. Ada, obwohl sie sich nicht zu solchen Gefühlen fähig wähnt, wird von dem jungen Halbaraber mit den komischen Ansichten angezogen.
Manchmal meint es das Leben nicht gut mit uns. Wie zum Beispiel mit Max, dem Protagonisten in Juli Zehs Romandebüt „Adler und Engel“.
Max ist dreiunddreißig und erfolgreicher Karrierejurist. Er ist einer der wenigen Balkanspezialisten und arbeitet in einer angesehenen Kanzlei. Doch seine rosigen Zukunftsaussichten werden zerstört. Nachdem seine Freundin Jessie sich umgebracht hat, geht es mit Max bergab. Er geht nicht mehr zur Arbeit, nimmt Unmengen von Koks und möchte sterben.
Liebe auf den ersten Blick ist out – heutzutage trifft man seinen Zukünftigen nicht mehr im echten Leben, sondern im virtuellen. Online-Partnerbörsen und Chat-Foren boomen und nicht selten werden dort die ersten Liebesbande geknüpft. Ob diese dann das erste Treffen allerdings überstehen, steht wohl auf einem anderen Blatt.
Diese Erfahrung muss auch Protagonistin Alex machen, die im wirklichen Leben zwar nicht schlecht aussieht, aber trotzdem den Traummann noch nicht gefunden hat. So meldet sie sich in verschiedenen Foren und Single-Börsen an, doch erst als sie „Listen2Me“ – im wirklichen Leben ganz schlicht Roman – kennenlernt, meint Alex, am Ziel zu sein. Roman ist IT-Spezialist, doch seine einfühlsame Seite zeigt er im Internet durch das Posten verschiedener Gedichte. Die beiden kommen ins Gespräch und beginnen ausgiebig zu telefonieren. Ein wenig schreckt Alex zurück, als Roman von Beginn an sehr besitzergreifend ist und von ihr verlangt, in ihrem Profil zu vermelden, dass sie nun vergeben sei. Das will sie sich allerdings nicht gefallen lassen, meldet sich kurzerhand ab und bastelt sich ein neues Profil. Mit Roman läuft es trotzdem telefonisch prima, sodass die beiden beschließen, dass sie sich kennenlernen sollten.
Kurzerhand fährt Alex aus ihrer Heimatstadt Leipzig gen Hessen, um dort ihr Herzblatt zu treffen. Doch aufgrund von Romans momentaner Arbeitslosigkeit wohnt er bei einem komischen Kauz, der sich offensichtlich als Messie erweist. Alex ist schockiert angesichts des Chaos in Romans Übergangswohnung. Doch noch ahnt sie nichts Böses, denn sie schiebt diese Unordnung auf den Wohnungseigner und gibt Roman keine Schuld. Auch wenn der erste Sex nicht gerade berauschend ist, bleibt Alex zuversichtlich. Nach dem ersten Treffen ist sie zwar unsicher geworden, hegt aber immer noch gewisse Hoffnungen auf ein Happy-End. Merkwürdig findet sie zwar, dass immer sie Roman anrufen muss und er nicht bereit ist, die Telefonkosten zu tragen. Auch dass er sich die Fahrt nach Leipzig nicht leisten kann und Alex das Ticket zahlen muss, schreckt sie noch nicht genügend ab. Als Roman in Leipzig dann aber schließlich mit einem verschlissenen Mantel und deutlichem Körpergeruch vor ihr steht und seinen Trolley öffnet, der lauter nasse Klamotten enthält, steht Alex plötzlich ihrem wahr gewordenen Albtraum gegenüber. Aber es kommt noch schlimmer …
Das Internet – es ist eine schöne neue virtuelle Welt, die sich uns erschließt. Alles ist bequemer geworden, man muss nicht mehr in überfüllten Läden stöbern, um Sachen einzukaufen, man kann alles von zu Hause ordern, vor allem aber muss man nicht mehr nervös seinem Angebeteten gegenübertreten und ihn um ein Date bitten, man kann sich erst anonym im Internet kennenlernen, telefonieren und dann entscheiden, ob man sich dem realen Leben stellen möchte. Dass nicht alles Gold ist, was im Internet noch glänzt, das muss Alex auf erschreckende Weise feststellen, denn Roman ist im echten Leben ein Albtraum!
Anke Behrend schildert herrlich komisch, wie Alex und Roman sich langsam näherkommen, wie sie telefonieren und diskutieren. Langsam aber sicher wird man als Leser immer skeptischer; Roman offenbart merkwürdige Eigenschaften, er ist eifersüchtig, besitzergreifend und hat sehr eigene Ansichten. Doch Alex lässt sich davon nicht abschrecken. Wie frau eben so ist, stolpert sie blind in ihr Unglück und will ihre Hoffnungen erst dann begraben, wenn sie wirklich unsanftest auf den Boden der Tatsachen gebracht wird. Ach, wie sehr kommen mir einige ihrer Eigenschaften bekannt vor. Wer kennt diese Hoffnung nicht, dass ER doch nicht so schlimm ist, wie es gerade wirkt, er wird sich schon noch bessern und am Ende wird alles gut sein. Nein, aufgeben gibt es nicht, frau kämpft bis zum bitteren Ende – bis zu einem Ende, wie es bitterer kaum sein könnte. Anke Behrend hält ihren Leserinnen einen unbarmherzigen Spiegel vor Augen. Ganz so naiv und blind ist frau vielleicht nicht, aber Behrend überzeichnet so gekonnt, dass man sich manchmal schon schämen kann, eine Frau zu sein.
Doch ganz ehrlich. Den Mann trifft es in „Fake Off!“ noch härter. Behrends männliche Protagonisten sind schlimm: Sie räumen nicht auf, drehen sich permanent misslungene Zigaretten und rauchen sie an Ort und Stelle und scheren sich keineswegs darum, ob sie gerade in der Wohnung einer Nichtraucherin sitzen. Männer waschen nicht ab und übersehen gekonnt sämtliches dreckiges Geschirr. Männer duschen natürlich auch nicht und tragen im Bett ihre dreckigen Socken, die ihre beste Zeit schon längst hinter sich haben. Männer tragen stinkende, abgetragene Klamotten und merken gar nicht, dass sie damit zwar Aufmerksamkeit erregen, aber sich wahrlich keine Freunde machen. Und vor allem halten Männer sich für die Größten, ihr Intellekt ist unübertreffbar und natürlich kann keine Frau ihnen in Sachen Computer das Wasser reichen, Männer sind dazu da, um hilflose Frauen zu beschützen und um ihnen das Leben zu erklären. Doch da haben sich die Männer geschnitten! Alex lässt sich zwar viel gefallen, aber auch nicht alles.
Zunächst beginnt das Buch noch recht alltäglich; die weibliche Hauptfigur meint, ihren Traumpartner im Internet gefunden zu haben, und ist anschließend blind vor Liebe. Als sich bei Alex aber die Blindheit legt, wird sie zur rächenden Furie. Sie muss eine schreckliche Entdeckung machen, fühlt sich erst hilflos und ausgenutzt, doch hat sie schnell einen Plan, um es einem ganz bestimmten Mann heimzuzahlen. Spätestens ab hier wird die Geschichte urkomisch. Alex schleicht sich mit ihrem zweiten anonymen Account an ihr Opfer heran, chattet mit ihm, spielt ihm etwas vor und kommt der Erfüllung ihres Racheplanes immer näher. Anke Behrend überzeichnet ihre Figuren und die geschilderten Situationen so sehr, dass es herrlich abstrus wird.
Sprachlich ist das Buch ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn viele Teile der Geschichte spielen im Chat, und dort sind großbuchstaben eher die ausnahme und die wesentliche aussage findet sich meist zwischen zwei sternen versteckt *dieStirnrunzel*. Aber irgendwo passt es schon, zumal Roman der deutschen Sprache offensichtlich nicht allzu mächtig ist, sich ständig verschreibt und die herrlichsten Rechtschreibfehler einbaut. Hier hat niemand die Fehler herausredigiert, aber das ist okay so, denn dadurch gewinnt die Geschichte irgendwie auch an Charme.
„Fake Off!“ erzählt eine völlig überzogene Geschichte, die sich den Irrungen und Wirrungen der Internetliebe widmet. Und so sehr die Charaktereigenschaften der handelnden Figuren auch überspitzt sein mögen, so findet sich doch ein Fünkchen Wahrheit darin, sodass einem auf schonungslose Weise vorgeführt wird, wie naiv und merkwürdig man sich manchmal verhält, wenn man einfach blind vor vermeintlicher Liebe ist!
Trolle sind nicht unbedingt das, was man mit Belletristik für Erwachsene verbinden würde. Denn: Trolle? Sind das nicht diese skandinavischen Märchenfiguren mit den großen Füßen und den Knollnasen?
Immerhin in einem Punkt bestärkt uns die finnische Autorin Johanna Sinisalo. „Troll: Eine Liebesgeschichte“ spielt tatsächlich in Skandinavien, um ganz genau zu sein in Helsinki. Allerdings hat ihr Roman wenig mit drolligen Kindergeschichten wie den Mumins zu tun.
Als der gutaussehende Werbefotograf Angel eines Abends von einem Date nach Hause kommt, sieht er eine Bande von Jugendlichen ein Kind im Innenhof zu seiner Wohnung verprügeln. Mutig schreitet er ein, doch als er sich über den leblosen Jungen beugt, muss er feststellen, dass es sich dabei überhaupt nicht um ein Kind handelt. Das Wesen mit den schwarzen Zotteln und den feuerroten Katzenaugen ist ein junger Troll.
Er scheint verletzt und schwach. Deshalb nimmt Angel ihn mit in seine Wohnung, wo er ihn aufpäppelt. Pessi, wie er den Troll nach einer Kinderbuchfigur nennt, erholt sich nur langsam. Obwohl Angel anfangs nicht so genau weiß, was er mit dem Wesen machen soll, wird es immer mehr Teil seines Alltags. Darüber vergisst er nicht nur seinen Beruf, sondern auch die wenigen Freunde, die er hat. Er bindet sich vollkommen an den Troll, ohne zu merken, dass das mythische Wesen einen großen Einfluss auf ihn hat. Als Martes, Arbeitgeber und Date von Angel, seinem komischen Benehmen auf die Spur kommen will, kommt es zum Eklat. Pessi ist und bleibt ein wildes Wesen – für ihn gelten keine Menschenregeln …
Was die Autorin sich da ausgedacht hat, ist ziemlich überraschend. Ein Troll? In einem Roman für Erwachsene?
Ja, für Erwachsene. „Troll: Eine Liebesgeschichte“ ist kein Buch für Kinder. Sinisalo holt den Troll aus seiner Märchenhöhle und dichtet ihm aphrodisierende Wirkung an. Pessi, als Wesen der Wildnis, verströmt Pheromone, die einen nicht ungefährlichen Einfluss auf seine Umwelt haben. An der einen oder anderen Stelle geht die Autorin sogar einen Schritt in Richtung Erotik, ohne dabei zu offensichtlich zu werden.
Dadurch ist das Buch, zumindest gegen Ende, stellenweise sehr aufgeladen. Am Anfang kann man das nicht gerade behaupten, Die Geschichte schleppt sich mit melancholischer Stimmung vorwärts. Angel findet den Troll und beschäftigt sich mit dessen Lebens- und Essgewohnheiten. Der Leser ebenfalls. Sinisalo flicht in ihre Prosaerzählung zahlreiche Informationen über die Trolle ein, sei es durch Lexikonartikel oder längere Zitate aus Literatur und Dichtung. Das ist auf der einen Seite durchaus interessant, da sich die Erkenntnisse daraus aber wiederholen, zugleich auch nervig. Vor allem deshalb, weil diese Sachtexte, die ab einem gewissen Zeitpunkt keinen wirklichen Zusammenhang zur Erzählung mehr haben, den Lesefluss stören.
Gegen Ende schafft die Finnin es dann doch noch, ihre Geschichte in Schwung zu bringen. Die Ereignislosigkeit, die den Anfang regiert, wird durch Ereignisse ersetzt. Es kommt ein gewisser Zauber auf, der leider sehr schnell zusammen mit der Geschichte zu Ende geht. Das ist natürlich ungeschickt. Trotzdem zeigt das Buch, im übrigen das erste Belletristikwerk der Science-Fiction- und Fantasyautorin, dass Johanna Sinisalo das Zeug für eine gute Geschichte hat. Es offenbart sich nur nicht so ganz bei „Troll: Eine Liebesgeschichte“.
Personen und Schreibstil wirken ebenfalls oft so, als ob sie noch in den Kinderschuhen steckten. Die Charaktere, die aus der Ich-Perspektive erzählen, wirken meist etwas schwammig. Ihnen fehlt es an echten Wesenszügen, auch wenn Sinisalo sich sichtlich bemüht. Trotzdem ähneln sich die Figuren zu stark, um als herausragend bezeichnet zu werden.
Palomita, die einzige Frau im Ensemble, kann dennoch Lob verbuchen. Die junge Philipinnin, die „Katalogbraut“ von Angels Nachbarn, wird authentisch dargestellt. Ihre Denkweise ist naiv und ihr Wortschatz ist sehr einfach. Sie lebt in Angst vor ihrem herrischen Ehemann und schafft es dennoch immer wieder, Angel und den Troll hinter dessen Rücken zu treffen.
Während Palomitas Perspektive durch die Einfachheit im Schreibstil besticht, macht es sich Sinisalo bei den anderen Figuren manchmal unnötig schwer. Nicht immer, aber an einigen Stellen wirken ihre Worte nicht flüssig, sondern geradezu anstrengend. Der kantige Schreibstil, der durchaus seinen Charme hat, wird der Finnin zum Verhängnis. Dass die Übersetzung daran ihren Anteil hat, ist natürlich möglich. Woran sie aber sicherlich nicht schuld ist, ist Sinisalos Hang zu Reihungen, vor allem in Bezug auf beschreibende Adjektive vor einem Nomen. Diese Konstellation tritt sehr häufig auf und erweist sich oft als Stolperstelle.
Lobenswert zu erwähnen ist Johanna Sinisalos Umgang mit Stilmitteln. Sie benutzt viele Bilder, Metaphern und Vergleiche, die teils kühl, teils poetisch für Anschaulichkeit sorgen. Sie schreckt auch nicht davor zurück, eigene Begriffe zusammenzusetzen, wie zum Beispiel auf Seite 33.
|…[meine] Augen öffnen sich, und ringsum ist die blaugraue Spielnacht des Zimmers.|
Dadurch würzt sie die Geschichte mit einer eigenen Note. Eine eigene Note hätten dem gesamten Schreibstil oder den Personen auch nicht geschadet. Sie wirken ausbaufähig, genau wie die Handlung. Dennoch hat „Troll: Eine Liebesgeschichte“ seine Höhepunkte. Das Ende der Geschichte und der Einsatz von rhetorischen Stilmitteln können sich sehen lassen. Insgesamt fehlt es dem Buch aber ein wenig an Substanz.
Lasse liebt Tess. Tess liebt Lasse. Seit sieben Jahren schon. Doch das scheinbare Traumpaar hadert mit den Tücken einer langwierigen Beziehung, die im Hin und Her des beruflichen Alltags zu ersticken droht. Lasse ist ein abgehalfterter Comedian, der mittlerweile nur noch Seniorennachmittage auf Kreuzfahrten moderiert. Tess dagegen macht bei VW groß Karriere und hat daher noch weniger Zeit für Lasse, als Lasse für Tess hat.
Dennoch scheint das Paar nach außen glücklich zu sein – im Innern hingegen rumort es kräftig. Die mittlerweile zweijährige Sexflaute nagt am Selbstwertgefühl und wirft so manche Sinnfrage auf. Ist das noch eine Beziehung oder nur noch Freundschaft? Als Tess dann ein Jobangebot in China bekommt, können die beiden ihre Probleme nicht länger ignorieren. Sie müssen sich entscheiden, was sie wollen. Bedeutet ihnen die Beziehung noch genug, um sie aufrecht zu erhalten? Wollen sie Liebe oder Karriere, Freundschaft oder Sex?
Als wenn das nicht schon genug wäre, entpuppt sich dann auch noch Lasses Vater als schwerkrank. Lasse pendelt zwischen Castingterminen mitten im Kölner Karneval und dem Krankenbett des Vaters in Dänemark hin und her. Und der fordert von Lasse dann auch ausgerechnet einen ganz speziellen letzten Wunsch: Er soll Tess endlich einen Heiratsantrag machen …
„Beziehungswaise“ ist ein Roman, der schon dem Titel nach Wortwitz und Humor verspricht. Ein Comedian als Hauptfigur, da darf man wohl zu Recht so einiges erwarten. Michel Birbæk wird dieser Erwartung durchaus gerecht. Schon im ersten Kapitel, das Lasses Erlebnisse beim Besuch der Hochzeit eines Freundes in Amerika schildert, gibt viel Anlass zu Lachen und zu Schmunzeln.
Doch wer aufgrund dieser Tatsache auch in allen folgenden Kapiteln ein nicht enden wollendes Gagfeuerwerk erwartet, der sei gewarnt. Bei Birbæk jagt nicht über die gesamten knapp 500 Seiten eine Pointe die nächste. Dafür entwickelt die Geschichte eine zunächst unerwartete Tiefe, die die vielseitigen Facetten der Gefühle auslotet.
Birbæks Roman dreht sich um die großen Fragen, die rund um Beziehung, Trennungsschmerz, Familienleben, Freundschaft aber auch um Krankheit, Trauer, Tod und Abschied auftauchen. „Beziehungswaise“ wird dadurch zu einem Wechselbad der Gefühle – mal heiter, charmant und unkompliziert, mal voller Ernsthaftigkeit, Schwermut und Traurigkeit. Der Balanceakt, sowohl die Tragik, als auch die Komik, die das Leben von Lasse widerspiegelt, unter einen Hut zu bringen, gelingt Birbæk ausgesprochen gut.
Lasse wirkt als Protagonist durchaus glaubwürdig. Er zweifelt an seinem Job, zweifelt an der Sinnhaftigkeit seiner Beziehung zu Tess und während in Dänemark sein Vater dem Tod ins Antlitz schauen muss, versucht Lasse irgendwie die Freude an dem wiederzufinden, was er tagein, tagaus tut. Die Entwicklung, die er dabei innerhalb der Geschichte durchläuft, ist größtenteils durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar, nur mit Lasses erwecktem Interesse an der Umweltschutzarbeit seines Mitbewohners Arne und seinem Wunsch, sich zu engagieren, scheint Birbæk irgendwie ein bisschen über das Ziel hinauszuschießen. Das ist dann doch ein bisschen viel der Charakterwandlung.
Überhaupt sind die Mitbewohner in Lasses Kölner WG der einzige Knackpunkt in Sachen Glaubwürdigkeit. Mag man Arne den schweigsamen, kraftraumgestählten Ökoterroristen noch halbwegs im Rahmen des Möglichen ansiedeln, so sprengt Frauke, die dauerbekiffte Rechtsanwältin, dann doch ein bisschen das Vorstellungsvermögen. Solche Anti-Klischees wirken dann eben doch etwas überzeichnet, wenngleich sie sicherlich einen gewissen Unterhaltungswert versprechen.
Dabei sind die Figuren und ihre Verhaltensweisen ansonsten durchaus nachvollziehbar. Vor allem Lasses emotionale Lage lässt sich gut mitfühlen, egal ob es um den Umgang mit seiner scheiternden Beziehung geht oder um die Auseinandersetzung mit dem zu befürchtenden Tod seines Vaters oder seine Gedanken um Freundschaft und Familie ganz allgemein. „Beziehungswaise“ enthält viele Gedanken, in die man sich gut hineinfühlen kann und die sich unter Umständen auch auf das eigene Leben projizieren lassen.
Sprachlich kann Birbæk auf ganzer Linie punkten. Er schreibt gewitzt und höchst unterhaltsam und jongliert seine Sätze mit einer Prise Wortwitz, die den Lesegenuss besonders würzt. „Beziehungswaise“ macht so gesehen mit jeder Seite Spaß, ohne dass es Birbæks Gedanken an der nötigen Tiefe mangeln lassen.
Ironische Seitenhiebe auf den Medienbetrieb gibt es stets dann, wenn Lasse im Casting darum bangt, in die nächste Runde zu kommen und gegen die mal mehr und mal weniger witzige Konkurrenz antritt. Diese Episoden bilden einen ziemlich drastischen Kontrast zu den Episoden in Dänemark, in denen Lasse sich um die Familie kümmert und mit seiner Schwester zusammen um das Wohlergehen des Vaters bangt. Dennoch ergibt sich aus diesem Kontrast ein durchaus stimmiges Ganzes, das sowohl einfühlsam als auch unterhaltsam erzählt daherkommt.
Bleibt unterm Strich also ein durchaus positiver Eindruck zurück. Trotz der etwas überspitzt wirkenden Anti-Klischees in Form von Lasses Mitbewohnern Frauke und Arne und einer etwas zu weit vollzogenen Charakterwandlung von Lasse weiß „Beziehungswaise“ gut und überzeugend zu unterhalten. Ein lockerer, gewitzter Erzählstil, viel Stoff zum Schmunzeln und Lachen, aber nicht minder Gedanken, die bewegen und anrühren und dem Buch eine gewisse Tiefe verleihen, die man anfangs nicht vermuten mag – so ist „Beziehungswaise“ ein ausgewogener und unterhaltsamer Lesegenuss, den man gerne weiterempfiehlt.
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|Siehe ergänzend auch unsere [Rezension 714 zu „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“.|
Sibylle Zimmermann
Achim Wagner
Malte König
Dietmar Hübner
Michaela Grollegg
Angelika Brox
Bettina Jungblut
Christoph Schwarzenböck
Michael Metzner
Lutz Schafstädt
Ingrid Fohlmeister
Gudula Goering
Werner Anthon
Annemarie Nikolaus
Sibylle Luithlen
Silvia Konstantinou
Ingeborg Restat
Birgit Erwin
Anant Kumar
Ulrich Meurer
Anne Zeisig
Evelyn Sperber
Marion Schäfer
Fran Henz
Iris ter Haar
Barbara Jung
Mit „Honigfalter“ hat der |Schreiblust|-Verlag von Andreas Schröter 2003 seine erste große Anthologie herausgegeben, die immer noch zu den meistverkauften Büchern des Verlags gehört. 26 Autorinnen und Autoren haben sich mit dem zeitlosen Thema „Liebe“ auseinandergesetzt, welches laut Klappentext zu Kurzgeschichten führte, die jenseits von Kitsch und Schwülstigkeiten liegen. Eine Vorgabe, die freilich nicht jede Story erfüllt. Die Beiträge „Paris“ und „Hochwasser“ wurden nicht nur sehr gefühlvoll erzählt, sondern sind auch stark angereichert mit verträumten, ein wenig schnulzigen Liebesbekundungen.
Doch originell sind sie alle, die Geschichten um Liebesglück und Liebesschmerz. Und so, wie in vielen Kriminal-, Science-Fiction- und Fantasy-Romanen eine Liebesgeschichte vorkommt, spielen einige der Storys in dem vorliegenden Buch in eben jenen Genres. „Der einsame Fels“ beispielsweise ist eine Science-Fiction-Geschichte, in der es um eine bedingungslose Liebe zu einem vollkommen fremdartigen Wesen geht. Auch „Anders“ bewegt sich vor einem futuristischen Hintergrund.
Zwei historische Liebesgeschichten schrieben Ingrid Fohlmeister und Fran Henz mit ihren Storys „Bluthochzeit“ und „Träume“. Beide wurden nicht nur flüssig und anschaulich verfasst, sondern zeugen auch von einem hervorragenden Fachwissen und guter Recherche. Die erstgenannte Geschichte handelt dabei von einem bekannten Freibeuter namens Störtebeker.
Eine sehr fantasievolle Episode steuerte Marion Schäfer mit „Casanova Clothing Trade Mark“ bei, welche aus einer vollkommen unerwarteten Sichtweise geschildert wurde. Sehr humorvoll ist dagegen Malte Königs Geschichte „Hannos erster Kuss“, der sich sehr einfühlsam mit den Tücken des Erwachsenwerdens auseinandersetzt. Aber auch die dunkle Seite der Liebe wird nicht unter den Tisch gekehrt und kommt in der Erzählung „Als die Farben Trauer trugen“ von Silvia Konstantinou zur Sprache.
Dass jedem Leser jede Geschichte gleich gut gefällt, kann nicht erwartet werden, aber es sind mit Sicherheit für jeden Leser einige Beiträge enthalten, mit denen er sich identifizieren kann.
Das Cover wirkt aufgrund seiner einfachen Gestaltung ein wenig bieder, und auch auf Illustrationen muss der Leser verzichten, obwohl sie gerade diesem Band gut zu Gesichte stünden. Dafür wurde bereits diese erste Anthologie mit stabilem Karton broschiert und auf hochwertigem Papier gedruckt.
_Fazit:_ Eine abwechslungsreiche Reise durch die Welt der Liebe mit originellen Beiträgen, die nur selten in die kitschigen Gefilde abdriften. Ein Buch, das sein Geld ebenso wert ist wie die Zeit, die der Leser für die Lektüre investieren muss.
|“Vom Winde verweht mit brasilianischem Feuer“|, so preist das Buchcover Ana Velosos Erstlingsroman an und hängt die Messlatte für Freunde „historischer Schmöker mit Liebesgeschichte inklusive“ sehr hoch, doch so viel sei vorweggenommen: Dieses kurze Zitat verspricht nicht zu viel, denn wer Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“ geliebt hat und vielleicht noch ein Fan von „Fackeln im Sturm“ ist, der ist bei Ana Veloso sehr gut aufgehoben.
Die siebzehnjährige Vitória da Silva lebt auf der blühenden Kaffeeplantage Boavista zusammen mit ihrem älteren Bruder Pedro und ihren Eltern. Vita liebt das Leben und wird von ihm geliebt, an jedem Finger hat die hübsche junge Dame einen Verehrer, aber keiner konnte bislang ihr Herz erobern, doch das soll sich ändern, als ihr Bruder mit drei seiner Freunde zu Besuch auf die Plantage kommt. Eines Nachmittags taucht an der Tür der Plantage ein verwahrloster Mann auf, dem Vita kurzerhand die Tür vor der Nase zuknallt, weil er sich erdreistet hat, an der Vordertür statt am Dienstboteneingang zu klingeln. Zu Vitas Schande stellt sich hinterher allerdings heraus, dass sie damit Pedros Freund León Castro des Hauses verwiesen hat, der abends geschniegelt und gestriegelt auftaucht und sich als der berühmte Journalist und Abolitionist vorstellt.
Von Anfang an knistert es zwischen Vita und León, der sie immer wieder mit diesem Missverständnis aufzieht und sich als ihr persönlicher Sklave gibt. Als Vita daher einige Zeit später eine Einladung von León zu einer Theaterpremiere in Rio de Janeiro erhält, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um tatsächlich nach Rio reisen zu können, doch leider bekommen ihre Eltern spitz, was Vita plant, und verpassen ihr Hausarrest. Doch das wird Vita und León nicht trennen können. Als Vitas Bruder Pedro und seine Angebetete Joanna nämlich ihre Verlobung auf Boavista feiern, ist auch León eingeladen, der Vita ebenso verfallen ist wie sie ihm.
Als sie bei einem nächtlichen Treffen von einem Unwetter überrascht werden, flüchten sie sich in eine Hütte und erleben dort ihre erste gemeinsame Liebesnacht, die Vita allerdings ungewollt ein „Geschenk“ hinterlässt, sie wird nämlich schwanger. In einem Brief setzt sie León von der Schwangerschaft in Kenntnis, doch dieser unternimmt eine längere Reise und ist für Vita unerreichbar. Diese ist am Boden zerstört und tief verletzt, verzweifelt wägt sie ihre Alternativen ab. Soll sie das Kind abtreiben oder zur Adoption freigeben und anschließend ins Kloster gehen? Oder soll sie womöglich einen ihrer ungeliebten Verehrer heiraten? Keine der Alternativen erscheint ihr erträglich, doch als schließlich ein Brief Leóns eintrifft, erleichtert dieser ihr die schwere Entscheidung …
Ana Velosos Debütroman ist großes Kino; sie zeichnet eine exotische Welt im ausklingenden 19. Jahrhundert. Vita lebt ein glückliches Leben auf der florierenden Kaffeeplantage ihrer Eltern und genießt den Reichtum. Aufgrund der Krankheit ihrer Mutter muss Vita schon früh Verantwortung übernehmen, doch ihre starke Persönlichkeit erleichtert ihr diese Arbeit. Erst als León sich aus der Verantwortung stiehlt, wächst ihr alles über den Kopf. Wir erleben eine Welt in Brasilien, die noch dominiert ist von der Sklaverei, doch dann platzt der berühmte Sklavereigegner León Castro in das Leben der da Silvas und ist bei Vitas Eltern natürlich kein gern gesehener Gast. Als eines Tages der stumme Félix von Boavista verschwindet, ahnt noch niemand, dass León ihm zur Flucht verholfen hat und Félix nun auf seiner Plantage arbeitet und dort lesen und schreiben lernt.
Zu der Zeit, in der die Geschichte beginnt, bricht das System in Brasilien zusammen, die Sklaverei steht kurz vor der Abschaffung und auch die Monarchie ist deutlich marode geworden. All diese Umwälzungen erleben wir hautnah mit, auch den Tag, als die Sklaven plötzlich befreit sind und ihre Plantagen verlassen, um ihr Glück in der Stadt zu suchen. Die vormals reichen Plantagenbesitzer stehen vor dem Nichts und müssen nun ihren eigenen Haushalt führen und die Plantagen verfallen lassen, da sie niemanden haben, der den Kaffee ernten kann. Doch Vita hat vorgesorgt; sie lebt bereits als reiche Frau in Rio, die ihr Geld in andere Industriezweige investiert und gut angelegt hat, was ihr so viel Wohlstand beschert hat, dass sie ihre ganze Familie damit weiter versorgen kann.
Vor diesem dramatischen Hintergrund erzählt Ana Veloso die Geschichte der Vita, die in der Tat viele Charakterzüge einer Scarlett O’Hara trägt. Natürlich ist sie das schönste Mädchen weit und breit, das sich vor Verehrern kaum retten kann, aber ihr Herz verschenkt sie dann an einen Rebellen, mit dem ihre Eltern nicht einverstanden sind. Genau wie Rhett und Scarlett zwischen Liebe und Hass schwanken, ist auch die Beziehung von Vita und León von großer Leidenschaft, aber auch viel Leid und Schmerz geprägt, da sie einfach nicht zueinander finden wollen.
Zu Beginn schafft es Ana Veloso überzeugend, die magische Anziehungskraft zwischen Vita und León zu beschreiben, von der ersten Begegnung an knistert es zwischen den beiden, und dem erfahrenen „Historienschmöker-Leser“ ist natürlich sofort klar, dass sich zwischen ihnen eine leidenschaftliche und dramatische Affäre entwickeln wird. Als Vita dann aber schwanger wird und León durch die Lande reist, anstatt sich um seinen entstehenden Nachwuchs zu kümmern, kommt es zum Bruch zwischen den beiden. Vita schickt León einen Hilferuf, auf den León gar nicht reagiert.
Als sie sich einige Zeit später wiedersehen, erfährt Vita, dass León von ihrer Schwangerschaft nichts gewusst hat. Doch anstatt das Missverständnis aufzuklären, eiern die beiden ziellos umeinander und verletzen sich fortan bewusst gegenseitig. Mir ist Vitas Verhalten ehrlich gesagt nicht ganz klar geworden. Sie hätte eventuell die Möglichkeit gehabt, ihre Beziehung zu León zu retten, aber sie macht es nicht. Hier konnte Ana Veloso das Handeln ihrer beiden Hauptfiguren leider nicht ganz glaubwürdig schildern. In punkto Charakterzeichnung überzeugt Ana Veloso nicht auf ganzer Linie, denn auch Vitas Bruder Pedro zeigt teilweise merkwürdige Anwandlungen, die nicht immer schlüssig erscheinen. Aber vor dem exotischen Hintergrund und vor allem der spannenden historischen Rahmenhandlung mag man das Veloso durchaus verzeihen.
Während sich Ana Veloso zu Beginn des Buches noch auf die Familie da Silva konzentriert und sich die gesamte Handlung auf Boavista abspielt, spaltet sich die Erzählung im weiteren Verlauf der Geschichte in mehrere Handlungsstränge auf. So begleiten wir den stummen Félix auf seiner Flucht vor der Sklaverei, die er ohne Leóns Hilfe nie geschafft hätte. Dank León erhält Félix Arbeit und kann das Schreiben erlernen, sodass er sich mithilfe einer Tafel schließlich auch verständigen kann. Die Geschichte um Félix, der es schafft, in Rio sein eigenes Leben zu führen, nimmt später viel Raum ein und fügt sich stimmig in das Buch ein, was aber erst sehr spät klar wird, wenn uns Ana Veloso gen Ende mit einigen erschütternden Details füttert. Auch von Pedro und seiner Frau Joana werden wir viel zu lesen bekommen, sodass wir uns manchmal über weite Strecken des Buches von Vita trennen müssen. Genau das hat mich aber immer wieder zum Weiterlesen verleitet, weil ich natürlich wissen wollte, wie es mit den beiden Hauptfiguren weitergeht. Ohne den bunten Strauß an Nebenhandlungen hätte „Der Duft der Kaffeeblüte“ mit Sicherheit nicht sein volles Aroma entfaltet und kein solches Tempo entwickelt.
Am Ende bleibt ein sehr positiver Eindruck zurück. Ana Veloso versetzt ihre Leser in das 19. Jahrhundert und nimmt uns mit nach Brasilien auf eine florierende Kaffeeplantage, die schließlich aber verfällt, als die Sklaven befreit werden und niemand mehr den Kaffee ernten kann. Vor diesem spannenden Hintergrund zeichnet sie eine tragische und bewegende Familien- und Liebesgeschichte, die einen einfach gefangen nehmen und hinreißen muss. Wer schon „Vom Winde verweht“ verschlungen hat, wird auch dieses Buch lieben!
Janice Deaners Debütroman „Als der Blues begann“ wurde bereits 1994 in Deutschland veröffentlicht und erhielt viel Lob. Im Sommer 2007 bringt |Rowohlt| das Buch als Neuauflage heraus, um dem geneigten Leser mit einem wunderbaren Familienroman in der heißen Jahreszeit zu erfrischen.
Die zehnjährige Maddie lebt mit ihrer älteren Schwester Elena, dem kleinen Bruder Harry und den Eltern Leo und Lana in den Siebzigern in Detroit. Leo gibt Klavierunterricht, während Lana von sich behauptet, Schriftstellerin zu sein, und den ganzen Tag in einem Sessel sitzt und in Notizbücher schreibt, die ihre Kinder nicht lesen dürfen.
Die fünfundzwanzigjährige Saudi-Araberin Rajaa Alsanea hat mit ihrem Debütroman „Die Girls von Riad“ eine Welle der Empörung in ihrer konservativen Heimat losgetreten. Dort wurde das Buch zuerst verboten, weil es die alten Traditionen in Frage stellt. Für den westlichen Leser ist die Aufregung vermutlich nicht wirklich verständlich. Alsanea hat keinen reißerischen, pornografischen Roman geschrieben, sondern ein leichtfüßiges Buch, das aus dem Leben von vier Freundinnen in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, berichtet.
Dabei geht es weniger darum, eine stringente Handlung auf die Beine zu stellen oder einen umfassenden Einblick in die Sitten und die Gesellschaft Saudi-Arabiens zu geben. Stattdessen erzählt die Autorin in kurzen, abgeschlossenen Episoden aus dem Leben der jungen Frauen, beschränkt sich aber hauptsächlich auf deren Liebesleben. Da wäre zum Beispiel Kamra, die mit einem ihr unbekannten Mann verlobt wird und mit ihm nach Amerika zieht. Sie findet heraus, dass er dort eine Geliebte hat, und als sie die Geliebte zur Rede stellen will, reicht er die Scheidung ein. Kamra kehrt nach Riad zurück, schwanger, geschieden und damit so gut wie wertlos auf dem Heiratsmarkt.
Den anderen Protagonistinnen ergeht es ähnlich. Auch sie haben mit Zwangsverheiratung zu kämpfen. In manchen Fällen werden sie selbst zwangsvermählt, in anderen, wie zum Beispiel im Fall der recht frei denkenden Michelle, deren Mutter Amerikanerin ist, ist es der Geliebte, der plötzlich mit einem anderen Mädchen verheiratet wird und sie verlässt.
Auf knapp 330 Seiten erzählt Alsanea von den Versuchen der Freundinnen, das große Liebeslos zu ziehen. Die Betonung liegt auf „Versuchen“, denn viel Einfluss haben sie nicht darauf. Die Freundinnen haben Geld, sind gebildet, studieren Medizin und Informatik und können trotzdem ihr Leben nicht selbst bestimmen. Alsanea, selbst überzeugte Kopftuchträgerin, hält sich mit Kritik in ihrem Buch vornehm zurück. An der einen oder anderen Stelle blitzt diese zwar zart durch, doch letztendlich zeigt die Autorin lediglich auf und lässt ihre Romanfiguren für sich selbst sprechen.
Der Aufbau des Buches ist dabei ungewöhnlich. Den vier Freundinnen ist eine Ich-Erzählerin vorangestellt, die in Newsgroup-E-Mails von den Girls von Riad erzählt. Die Kapitel sind dabei immer gleich aufgebaut. Nach einem einleitenden Sprichwort oder Gedicht wendet sich die Erzählerin kurz an den Leser, um auf aktuelles Geschehen und die Reaktionen auf ihre E-Mails einzugehen. Danach folgt eine Episode aus dem Leben der Mädchen, in die sich die Erzählerin nicht mehr einklinkt.
Stattdessen berichtet sie in einem leicht oberflächlichen, dokumentarisch wirkenden Schreibstil, der eine simple, manchmal poetisch angehauchte Sprache benutzt. Romantische Begriffe tauchen immer wieder auf und bringen etwas Pathos in die Geschichte, der es aufgrund des berichtenden Stils an Lebendigkeit mangelt. Insgesamt wirkt das Buch sehr „mädchenhaft“, und gelegentlich hat man das Gefühl, Zeuge eines Von-Freundin-zu-Freundin-Gesprächs zu sein.
Wer kein Fan von Mädchengesprächen ist, wird deshalb vermutlich seine Probleme haben, mit „Die Girls von Riad“ warm zu werden. Der Roman dreht sich nun mal hauptsächlich um die Liebeswirren der Mädchen und stellt den Schreibstil sowie auch die Charaktere etwas in den Hintergrund. Der Berichtstil tut das Seinige, um Tiefgang in Bezug auf die Protagonistinnen zu verhindern, so dass das Buch an einigen stellen etwas an Oberflächlichkeit kränkelt.
Trotzdem hinterlässt „Die Girls von Riad“ einen positiven Gesamteindruck. Der Einblick in die saudische Gesellschaft beschränkt sich zwar auf einen sehr kleinen, unscharf umrissenen Ausschnitt, aber Rajaa Alsaneas lieblicher Schreibstil, der leichtfüßig aus dem Leben der Mädchen berichtet, bereitet Freude und sorgt für gute Unterhaltung.
Die Deutschen werden dicker und dicker. Laut einer aktuellen Studie soll inzwischen bereits jeder zweite an Übergewicht leiden – was könnte da also passender sein als ein Diät-Buch? Doch Susanne Fröhlichs „Moppel-Ich“ ist kein typisches Diät-Buch, hier gibt es keine Rezepte zu lesen und auch keine Diät vorgesetzt, nein, hier geht es um das Zwiegespräch mit dem Moppel-Ich, das Susanne Fröhlich während ihrer eigenen (offensichtlich vergangenen) Diät oftmals gehalten hat. Das Moppel-Ich – wer kennt es nicht? – das ist der innere Schweinehund, der einem nach der halben Pizza „gut“ zuredet, dass es nun ja nicht mehr drauf ankomme und man ruhig auch noch die andere Hälfte und das Dessert essen dürfe. Eine Diät könne man immerhin auch morgen anfangen, der heutige Tag sei schließlich mit der ersten Hälfte Pizza bereits ruiniert. Tja, und naiv wie man nun mal ist, möchte man nur allzu gern auf dieses besagte Moppel-Ich hören, das einen immer wieder an einer erfolgreichen Diät hindert.
Wie Susanne Fröhlich richtig erkannt hat – ich kann das aus eigenen leidvollen Erfahrungen bestätigen – ist es tatsächlich das Moppel-Ich, an dem die anvisierte Kleidergröße zwangsläufig scheitern muss. Doch damit soll nun Schluss sein, Fröhlich will den Kampf gegen das eigene Moppel-Ich aufnehmen und schildert in ihrem Diät-Tagebuch von ihren eigenen Abnehmversuchen, die schlussendlich zum Verlust von rund 25 kg geführt haben. Ganz nebenbei erzählt Fröhlich von ihren eigenen unangenehmen Erfahrungen mit dem (Über-)Gewicht, wenn beispielsweise die anprobierte Hose in der Umkleidekabine partout nicht über den Po gehen will und schlussendlich einige Nähte den Anziehversuchen nachgeben müssen oder wenn zickige Schlanke mit ihren spitzen Fragen das Selbstbewusstsein der abnehmenden Dicken erschüttern möchten. Doch Fröhlich will sich von all dem nicht verunsichern oder gar demotivieren lassen, denn sie hat längst erkannt, dass Schlanke ihr den Abnehmerfolg bloß nicht gönnen, weil sie dann zur schlanken Konkurrenz werden könnte. Denn jeder dicke Mensch hat seinen besonderen Status in der Gesellschaft, im Freundeskreis ist es derjenige der dicken und gutmütigen Freundin, die im Bikini garantiert schlechter aussehen wird als man selbst, und auch in der Öffentlichkeit ist es die Rolle der Dicken, gegen die jede andere Frau dann umso schlanker aussehen kann.
In zahlreichen Episoden schildert Susanne Fröhlich uns ihre erfolgreiche Diät, aber sie lässt auch nicht die Rückschläge aus, wenn dann doch die kulinarischen Verlockungen und das Moppel-Ich stärker sind. Aber sie macht Hoffnung darauf, dass ein Rückschlag noch lange nicht das Ende einer Diät sein muss, solange man sich davon nicht so weit deprimieren lässt, dass man instantan die begonnene Diät wieder abbricht. Auch die Analyse des Diät-begleitenden Partners findet Eingang in dieses Buch oder aber die kritische Auseinandersetzung mit heutigen Konfektionsgrößen, die bei gleichem Stoffumfang einen immer erniedrigenderen Namen tragen, denn schon mit Kleidergröße 38 wird man nur schwerlich in die Größe XL in manch einem Geschäft passen, wenn man Fröhlich glauben mag. So ist „Moppel-Ich“ schließlich ein Diät-Potpourri, das viele Seiten (gute wie schlechte) einer Diät aufzeigt und den Leser an die Hand nehmen und dazu motivieren mag, auch sein eigenes Leben und seine Ernährung umzustellen. Erst ganz am Ende berichtet Fröhlich von der Diät, die sie selbst eingeschlagen hat, und beruft sich dabei größtenteils auf die Glyx-Diät. Andere Diät bekommen dagegen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Fett weg.
So viel zum Inhalt, an dem man schon erkennen kann, dass sich das vorliegende Buch nur schwer einem Genre zuordnen lässt. Denn es handelt sich dabei weder um einen Roman noch um ein Sachbuch, es gibt keine Romanhandlung, keine fiktiven Figuren, durch deren Leben wir geführt werden, und um sich Sachbuch nennen zu können, fehlen mir persönlich ehrlich gesagt die wissenschaftlich fundierten Fakten. Auf mich macht „Moppel-Ich“ eher den Eindruck eines etwas erweiterten Tagebuchs, das Susanne Fröhlich inzwischen erfolgreich zu viel Geld gemacht hat.
Doch wer soll eigentlich die Zielgruppe für dieses Buch sein? Offensichtlich gehöre ich dazu, denn ich habe den Fehler gemacht, mir das Buch zu kaufen – zugegebenermaßen allerdings unter falschen Voraussetzungen, denn eigentlich hatte ich mir einen lustigen Roman inklusive Romanhandlung darunter vorgestellt. Damit lag ich allerdings weit daneben. Zu „Moppel-Ich“ werden wahrscheinlich all die diätgeplagten Frauen greifen, denen die Hosen vor dem Sommer wieder einmal arg kneifen und bei denen die Bikini-Figur in weiter Ferne liegt. Allerdings wird genau diese Zielgruppe nicht bedient. Denn was hat Frau Fröhlich uns eigentlich zu sagen? Im Grunde genommen nämlich nicht viel und vor allem nichts Neues. Denn dass Sport zu einer Diät dazugehört und dass Frauen größtenteils abnehmen, weil sie in schönere Klamotten passen wollen (die es eben nicht bei Ulla Popken zu kaufen gibt), das ist nun wirklich ein alter Hut. Warum sollte ich also „Moppel-Ich“ lesen? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Das vorliegende Buch ist weder lustig noch informativ, sodass ich alle diätwilligen Frauen, die ein weiteres Diätbuch lesen wollen, nur vor einem Kauf warnen kann; da sollte man lieber bei Helen Fieldings „Bridget Jones“ bleiben – das ist zwar auch kein wirkliches Diätbuch, aber zumindest eins mit einer sympathischen moppeligen Hauptfigur, die die eigenen Sorgen teilt.
Frau Fröhlich möchte hier wohl ihre eigenen Erfahrungen und einige Episoden aus ihrem bewegten Leben mitteilen. Doch leider versucht sie dies mit ziemlich erzwungenem Humor, der einem beim Lesen das Lächeln im Gesicht gefrieren lässt. Ehrlich gesagt glaube ich, dass selbst Hera Lind humorvoller schreiben kann als Susanne Fröhlich. Fröhlichs Episoden verdienen meistens eher den Stempel „peinlich“ als „lustig“, denn was nutzt mir eine 24-seitige Abhandlung über familiäre Diätbremsen, die mir erklärt, dass Kinder, Ehemann und Mutter dick machen, weil sie jede Diät boykottieren? Immerhin kann man seine Familie schlecht abgeben, wenn man denn eine Diät plant; hinterher mag man dann zwar ein paar Kilo verloren haben, aber auch seine Familie und wahrscheinlich gar die Freunde, wenn man mit der Einstellung an eine Diät herangeht, dass alle von außen die Abnehmversuche ohnehin nicht unterstützen werden.
Unter dem Strich bleibt nur noch einmal festzuhalten, dass man vom „Moppel-Ich“ lieber die Finger lassen sollte. Wer ein gutes Diätbuch sucht, sollte sich direkt ein Buch über die Glyx-Diät kaufen, die im übrigen zum Teil sehr informativ sind, und wer einen lustigen Roman sucht, der findet unzählige bessere und unterhaltsamere Bücher. So war das „Moppel-Ich“ meine erste und mit Sicherheit auch letzte „literarische“ Bekanntschaft, die ich mit Susanne Fröhlich geschlossen habe …
Fiktive Vororte haben schon seit längerem ihre Blütezeit. In amerikanischen Abendserien sprießen sie aus dem Boden wie Unkraut und auch die Engländerin Rachel Cusk hat sich ein lauschiges Plätzchen zusammengesponnen.
„Arlington Park“, Buchtitel und fiktiver Londoner Vorstadtort, ist die Heimat von Familien der gehobenen Mittelschicht, die mit lukrativen Jobs und zwei bis drei Kindern gesegnet sind. Es passiert nicht viel in Arlington Park. Man bringt die Kinder zur Schule und zum Kindergarten und holt sie wieder ab. Man lädt sich zu Kaffee und Dinner ein und verschwendet den Rest des Tages darauf, sich Gedanken über sein kleines Leben zu machen.
Tun das wirklich alle? Nein. Tatsächlich sind es Frauen zwischen dreißig und vierzig, die in Rachel Cusks Buch die Kapitel hauptsächlich mit dem Sinnieren über ihre Situation verbringen. Mit der sind sie zumeist natürlich nicht zufrieden, aber sie machen eigentlich nichts dagegen. Nur Juliet, Lehrerin an einer Mädchenschule, wagt einen radikalen Schritt und lässt sich ihre hüftlangen Haare raspelkurz schneiden. Wirkliche Erleichterung bringt ihr das aber nicht, denn am Ende des Buches bleibt alles gleich: Die Ehefrauen kochen ihren Männern das Essen und erziehen die Kinder.
„Arlington Park“ beginnt mit seiner sehr umfassenden und bildreichen Beschreibung eines Regentags in Arlington Park, ohne die Protagonistinnen dabei schon vorzustellen. Dieser verregnete Tag ist bezeichnend für das ganze Buch, denn sonderlich optimistisch stellt Cusk ihren fiktiven Vorort nicht dar.
Die Handlung besteht aus verschiedenen Frauenperspektiven, die ihren zähen Alltag beschreiben. Es passiert nicht wirklich etwas. Trotzdem ist der Autorin ein unterhaltsames Büchlein gelungen, das man so schnell nicht aus der Hand legt. Damit ein Buch mit so wenig Handlung gefällt, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Die Personen müssen interessant sein und der Schreibstil etwas Fesselndes besitzen. Beides ist Cusk gelungen, wobei die beiden Kriterien oft zusammen auftreten.
Die Charaktere sind, wie gesagt, hauptsächlich Frauen in den besten Jahren, deren Leben teilweise einer Sackgasse namens Arlington Park gleicht. Am besten im Gedächtnis bleibt Juliet, die sich die Haare schneiden lässt. Grund dafür ist ihr zynischer Humor, der in ihren Gedanken immer wieder durchschimmert. Ihre Hochzeit bezeichnet sie zum Beispiel gerne als den Zeitpunkt, an dem ihr Mann sie umbrachte. Während sie ihre Schülerinnen unterrichtet, denkt sie auch immer wieder über deren Zukunft nach und ob sie vielleicht eines Tages auch „umgebracht“ werden.
Die anderen Frauenfiguren sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet, vor allem, was ihre Persönlichkeit angeht. Maisie lästert zum Beispiel gerne und Amanda fühlt sich im Frauenkreis von Arlington Park nicht akzeptiert. Allerdings gelingt es den wenigsten, an den Witz von Juliet heranzukommen, was sich ein wenig nachteilig auswirkt. Sie hinterlassen dadurch weniger Eindruck und sind auch weniger interessant. Vor allem entstehen dadurch ein oder zwei Charaktere, die austauschbar bzw. sich sehr ähnlich wirken.
Was das Buch letztendlich zusammenhält, ist Cusks intelligenter und wacher Schreibstil. Der Großteil der Zeilen wird im Kopf der Protagonistinnen bestritten, jedoch auf so abwechslungsreiche Art und Weise, gemischt aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, dass keine Langeweile aufkommt.
Cusk beweist sich als erstklassige Beobachterin des mittelständischen Lebens. Ihre Darstellungen sind unglaublich authentisch und treffen schmerzhaft den Nagel auf den Kopf. Jeder wird sich vermutlich in dem einen oder anderen Absatz wiederfinden, denn Cusk schildert lebensnah, was in den Köpfen der Frauen vor sich geht. Die Konflikte und der Schmerz ob der oft aussichtslosen Lage beschreibt die Britin sehr realistisch; überhaupt weiß sie Gefühle sehr gut in Buchstaben umzusetzen. Mit einem einfachen und nüchternen Wortschatz schafft sie es, den Inhalt des Buches in beinahe klassischer Art und Weise darzustellen. Ab und zu benutzt sie bildschwangere Beschreibungen oder garniert das Ganze mit einer guten Portion Zynismus, ohne dabei ins komödiantische Fach abzugleiten.
Rachel Cusk umreißt in „Arlington Park“ die mittelständische Gesellschaft aus der Sicht der unzufriedenen Mütter. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, wird aber auch nicht ausfällig, sondern beschreibt in klaren, intelligenten Bildern mit Witz und einem guten Auge fürs Detail das Leben in Arlington Park.
Holly Berger ist 38 Jahre alt und führt ein vermeintlich perfektes Leben: Sie ist mit ihrem Traummann Chris verheiratet, den sie einst auf einer WG-Party kennen gelernt hat, als sie sich in der Gästetoilette eingeschlossen hatte und die Tür nicht mehr aufbekam. Chris wurde an dem Abend nicht nur ihr Retter in der Not, sondern auch ihre große Liebe. Aber auch nach 15 Ehejahren sind die beiden glücklich wie am ersten Tag und leben nun zusammen mit ihren beiden Kindern, die kurz vor der Pubertät stehen. Holly hat bereits zwei erfolgreiche Ratgeber geschrieben und sucht nun nach einem Thema für den nächsten Bestseller. In dieser perfekten Idylle erfährt Holly allerdings, dass sie als Neugeborenes ausgesetzt wurde und dass ihre Eltern demnach nicht ihre leiblichen Eltern sind. Holly ist schockiert, ihr ganzes bisheriges Leben ist für sie zu einer großen Lüge geworden.
Auf der Verlobungsfeier ihres „Bruders“ kommt es zum Eklat: Holly klagt ihre Adoptivmutter Margarete an und wirft ihr vor, sie 38 Jahre lang belogen zu haben, die ganze Familie droht auseinanderzubrechen. Als Holly aber auch noch erfahren muss, dass sogar ihr Mann Chris von dem großen Geheimnis gewusst hat, zerbricht alles, woran sie bislang geglaubt hat. Trotz der wenigen Hinweise, die sie auf die wahre Identität ihrer Mutter hat, macht Holly sich auf eine detektivische Suche nach ihren Wurzeln. Nach und nach kommt sie ihrer Mutter auf die Spur, die sie schließlich nach Ägypten in ein Frauenkloster führt.
In Ägypten erhält sie Hilfe durch die lebenslustige Inga und ihren Geschäftsführer Ashraf, die Holly bei ihrer Suche in allen Belangen unterstützen. Im Kloster angekommen, erfährt Holly allerdings, dass ihre Mutter sie gar nicht sehen will; eine Welt bricht für Holly zusammen, denn selbst ihre Ehe kriselt gewaltig, außerdem bemerkt Holly, dass sie Ashraf mehr als nur nett findet und kommt ihm immer näher …
Ob Holly ihre leibliche Mutter am Ende schließlich doch noch kennen lernen wird und ob sie ihre Ehe wieder kitten kann, das enthält Amelie Fried uns natürlich nicht vor, denn ganz am Ende wird sich alles auflösen. Gemeinsam mit Holly Berger erleben wir, wie ihr bisheriges Leben auseinanderbricht, als sie erfahren muss, dass sie als Kind ausgesetzt wurde und ihre Familie gar nicht ihre „echte Familie“ ist.
Zu Beginn lernen wir Holly als glückliche Familienfrau kennen, die in ihrem Beruf als Schriftstellerin erfolgreich ist und nun nach einem Thema für ihr nächstes Buch sucht. Ihr Verleger Jochen, der gleichzeitig ein guter Jugendfreund Hollys ist, schlägt ihr einen Ratgeber für eine glückliche Ehe vor, weil Holly und Chris das einzig glückliche Ehepaar im gesamten Freundeskreis sind. Während Holly nämlich die schwerste Krise ihres Lebens durchstehen muss, erleben auch ihre beiden besten Freundinnen Schlimmes: Diana, die beruflich außerordentlich erfolgreich ist und sich nebenbei einen Geliebten hält, weil sie dies für wesentlich unkomplizierter hält als eine Ehe, wird nun von der Frau ihres Geliebten verfolgt und tyrannisiert, aber Karins andere beste Freundin Karin hat es sogar noch übler getroffen: Ihr Ehemann sendet versehentlich eine für seine Geliebte bestimmte SMS an seine Frau, sodass seine Affäre auffliegt. Karin ist am Boden zerstört, denn ihr Mann weigert sich, die Affäre zu beenden und verlangt vielmehr Verständnis für seine außerehelichen Eskapaden von Karin. Ein Eheratgeber scheint also die perfekte Idee für einen neuen Sachbuchbestseller zu sein. Obwohl Holly sich einen Haufen Literatur zu dem Thema besorgt, kommt sie mit ihrem Buch aber nicht so recht voran, da die Suche nach ihrer Mutter und ihre persönlichen Probleme sie zu sehr ablenken.
Wir erleben jedes Hoch und jedes Tief in Hollys Leben mit; Amelie Fried zeichnet einen Charakter, der zu Beginn des Buches ins Bodenlose stürzt und ein emotionales Chaos erlebt. Wir lernen Holly zu einem Zeitpunkt kennen, als sich ihr gesamtes Leben verändert und sie zum ersten Mal eine große Krise meistern muss. Zugegebenermaßen können wir ihre teilweise irrationalen Handlungen nicht immer nachvollziehen, denn manchmal erscheint mir Holly für eine 38-jährige Erwachsene dann doch etwas zu stur. Außerdem reagiert Holly einige Male über, sodass sie hier auch mal einige Sympathiepunkte einbüßt. Doch über die meisten Strecken des Buches begleitet man Holly ausgesprochen gerne auf ihren verschlungenen Wegen, die am Ende zu ihrer Mutter führen sollen und zur Aufklärung der Frage, warum diese Holly damals ausgesetzt hat.
Auf herzerfrischende Art und Weise erzählt uns Amelie Fried die Geschichte einer Frau, deren Leben von einem Tag auf den anderen zerstört wird, als sie ein dunkles Familiengeheimnis aufdeckt. Fried schafft es, diese ungewöhnliche Geschichte zum größten Teil glaubwürdig zu schreiben, und macht Hollys Unglück spürbar, sodass Holly für uns zu einer guten Freundin wird. Mit ihrem sympathischen Schreibstil und einer gelungenen Figurenzeichnung erschafft Amelie Fried einen unterhaltsamen Roman, der alle eigenen Sorgen vergessen und Hoffnung darauf macht, dass man viele Krisen im Leben doch überstehen kann, wenn man es denn nur versucht. Getrübt wird das Lesevergnügen allerdings durch zahlreiche Tipp- und Rechtschreibfehler, die den Lesefluss stören und ein gutes Korrektorat offensichtlich vermissen lassen.
Insgesamt ist „Die Findelfrau“ ein erfrischendes Leseerlebnis, wenn auch sicherlich keine große Literatur. Dennoch hat Amelie Fried eine verwickelte Familiengeschichte mit sympathischen Charakteren zu erzählen, mit denen man gerne einige Lesestunden verbringt, auch wenn die Geschichte doch recht vergänglich ist und wohl schnell in Vergessenheit geraten wird. Aber für den bevorstehenden Sommer und Urlaube am Strand ist „Die Findelfrau“ genau die richtige Lektüre zum Entspannen, Träumen und um die Welt um einen herum zu vergessen.
http://www.heyne.de
|Amelie Fried bei Buchwurm.info:|
[„Liebes Leid und Lust“ 562
[„Taco und Kaninchen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=561
[Interview vom September 2004]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=26
Es ist Fußballeuropameisterschaft, und Deutschland befindet sich angesichts des bevorstehenden Spiels gegen Tschechien im Ausnahmezustand. Jeder Fußballfan fiebert dem spannenden Spiel entgegen, und auch unser Roman(anti)held Dieter Rotmund schaut sich das Fußballspiel in einer überfüllten Kneipe an. Doch das Getümmel wird ihm fast zu viel: Während er noch überlegt, ob er nicht doch lieber nach Hause gehen soll, erblickt er unter dem Tisch im Dreck sein eigenes Ohr liegen. Zunächst denkt er darüber nach, ob er sich das Ohr in einem unbemerkten Moment schnappen und damit verschwinden soll, doch dann kann er sich doch nicht überwinden, das abspenstige Körperteil vom schmutzigen Fußboden aufzuheben, und beschließt, lieber sein Haar über die kahle Stelle zu legen und sich später eine Ohrklappe zuzulegen.
Aber mit dem Ohr alleine ist der Verfall Rotmunds noch nicht abgetan: Seine Ehe steht auf der Kippe, eigentlich hat er Edith nichts mehr zu sagen, doch seiner Tochter zuliebe fährt er an den Wochenende nach Hause in den Schwarzwald, um die Familienfassade aufrechtzuerhalten. Edith dagegen tut rein gar nichts mehr für die Ehe, gibt am laufenden Band Geld aus, das die Familie eigentlich gar nicht übrig hat, und gesteht ihrem Mann schließlich, dass sie eine Affäre hat und von ihm nichts mehr wissen will.
So ist es also nicht nur Rotmunds Körper, der langsam aber sicher zerfällt, obwohl er doch erst Anfang 40 ist, auch in seinem Privatleben geht es rauf und runter – allerdings eindeutig mehr runter als rauf. Dafür erwartet Rotmund im Berufsleben ein überraschender Aufschwung, denn unverhofft wird er zum Finanzdirektor seiner Firma befördert, obwohl eigentlich jemand anderer für den Job viel besser geeignet wäre, wie sowohl Rotmund als auch besagter Kollege sehr genau wissen.
Eine Zufallsbekanntschaft ist es, die Rotmund so etwas wie „Liebesglück“ beschert, da ist nämlich die geheimnisvolle Frau Schweitzer – seine Vormieterin -, die noch ein paar Sachen aus dem Keller abholen möchte, die sie beim Auszug nicht mitgenommen hat, die Rotmund bislang aber noch gar nicht aufgefallen waren. Nach einer kurzen Phase der Annäherung landen die beiden im Bett, aber da Frau Schweitzer den Eindruck macht, als brauche sie Geld, legt ihr Rotmund nach jedem Geschlechtsverkehr Geld hin, bis sie eines Tages verschwindet und Rotmund sich auf den Weg macht, sie zu finden …
Wilhelm Genazinos Protagonisten sind Antihelden meist männlichen Geschlechts und mittleren Alters – so auch hier. Wir begegnen Dieter Rotmund, der mit seinem Job nicht ganz zufrieden scheint und den Geldsorgen plagen. Seine Frau Edith gibt so viel Geld aus, dass er sich die Bahnfahrkarte am Wochenende nicht leisten kann und lieber im völlig überfüllten Zug vor der Toilette steht, um in diese verschwinden zu können, sobald die Fahrscheinkontrolle droht. Aber als er in einer lauten Kneipe sein Ohr verliert, ist er auch offensichtlich „geschädigt“ und fühlt sich plötzlich nicht mehr komplett. Zunächst kaschiert er sein fehlendes Ohr mit einer Ohrklappe, doch irgendwann lässt er diese einfach weg und geht vermeintlich selbstbewusst seines Weges. Als ihm im Schwimmbad aber plötzlich noch ein kleiner Zeh abhanden kommt, ist das Gejammer sogar noch größer als beim Ohr. Rotmund spürt, dass etwas mit ihm und seinem Leben passiert, will aber die Zeichen nicht erkennen. Nach und nach zerbricht sein Leben, trotzdem macht er weiter, als sei nichts geschehen.
Seine Trauer und sein eigenes verkorkstes Leben kaschiert Rotmund durch die genaue Beobachtung fremder Menschen, an deren Leben er stichpunktartig teilhaben kann, wenn er kleine Situationen beobachten und miterleben kann. Diese Momente sind es, in denen er seinen eigenen Kummer übertönen kann und in denen mehr die Gefühle und kleinen Katastrophen der anderen Menschen zählen. Rotmund flieht vor sich, seinem eigenen Leben und seinen Problemen.
Und auch wenn es merkwürdig anmuten mag, wenn eine Romanfigur nach und nach einzelne Körperteile verliert, so passt es doch zum Buch und Genazinos Antihelden, der auch für andere sichtbar verfällt und sich nicht mehr vollständig fühlen kann. Ihm fehlt etwas, aber es ist nicht nur das Ohr und es ist nicht nur der Zeh, sondern es sind auch Familie, (Lebens-)Glück und Zufriedenheit. Selbst über die unverhoffte Beförderung kann er sich nicht so recht freuen, er denkt vielmehr darüber nach, dass jemand anderer in der Beförderungskette eigentlich vor ihm gestanden hätte.
Rotmund kann nicht einmal Erfolge feiern, stattdessen erscheint er uns resigniert und seinem eigenen Leben gegenüber teilnahmslos. Als er eines Abends zu einer Prostituierten geht und bemerkt, dass sie ihn mit einem billigen Trick um den „richtigen Geschlechtsverkehr“ bringen will, lässt er dies geschehen und sieht es stattdessen als Wink des Schicksals, als ebendiese Prostituierte ihm zu viel Wechselgeld gibt, sodass sein kleines Abenteuer ihn im Endeffekt nichts gekostet hat.
In bestechender Treffsicherheit bringt uns Wilhelm Genazino ein weiteres Mal seinen Antihelden und seine gesamte Umgebung näher. Kaum jemand kann Menschen so genau beobachten und ihre gesamte Persönlichkeit sezieren wie Genazino durch die Worte seines Protagonisten, aber auch kaum ein Schriftsteller lässt so hoffnungslose Charaktere auf den Plan treten wie eben Genazino. Und genau hier liegt seine Besonderheit.
Wir lernen einen eigentlich ganz alltäglichen Menschen kennen, der aber trotz (oder vielleicht auch wegen) seiner Alltäglichkeit gerade so besonders wird. Es sind die kleinen Eigenarten und die kleinen Katastrophen, die diesen Menschen zu etwas Besonderem und auch Interessantem machen. Wie immer passiert auf der Inhaltsebene bei Genazino nicht sonderlich viel; er konzentriert sich ein weiteres Mal auf eine überaus genaue Charakterzeichnung, die seinen Helden als Menschen aus Fleisch und Blut – wenn auch ohne Ohr – erscheinen lässt. Und damit dürfte er seine Fans wieder einmal glücklich gemacht haben.
Unter dem Strich ist „Mittelmäßiges Heimweh“ wieder ein „typischer Genazino“, der von seiner gelungenen Figurenzeichnung, der feinen Sprache und seinen Beobachtungen lebt, die jede noch so winzige Kleinigkeit festhalten und zu etwas ganz Besonderem machen. Verglichen mit der [„Liebesblödigkeit“ 999 schneidet Genazinos aktuelles Werk vielleicht etwas schlechter ab, einfach weil die Rahmengeschichte mich nicht so sehr gepackt hat wie bei seinem letzten Buch, aber Genazino kann an so vielen anderen Stellen punkten, dass er mich erneut nach dem Lesen des Buches tieftraurig zurückgelassen hat – einmal, weil das Buch bereits ausgelesen war, aber auch weil Genazino mir in beeindruckender Weise das traurige Schicksal seines Helden vor Augen geführt und mich damit tief berührt hat. Wilhelm Genazino ist und bleibt einfach etwas Besonderes!
DBC Pierre hat sich mit seinem Debüt „Vernon God Little“ (Deutsche Übersetzung: [„Jesus von Texas“) 1336 eine große Anhängerschaft erschrieben, die er hofft, mit „Bunny und Blair“ bei Laune halten zu können.
Erneut setzt er auf sehr schräge Charaktere, denn die beiden im Titel erwähnten Brüder sind getrennte, siamesische Zwillinge, die in einem Heim leben. Sie haben die dreißig bereits überschritten, als sie das erste Mal aus Albion herauskommen und bei einer Art Projekt für eine Weile zu zweit in einer Wohnung in London leben dürfen.
Blair, der Stärkere von beiden, hofft, sich in der großen Stadt endlich seine sexuellen Träume erfüllen zu können, während der schwächliche Bunny am liebsten den ganzen Tag in der Badewanne sitzt, Alkohol trinkt und seinen Bruder mit dreisten Sprüchen aufstachelt. Blair, der ein wenig naiv ist, fällt auf die großherzigen Versprechen seines Chefs herein, was darin endet, dass er sich in das Bild einer jungen Kaukasierin verliebt, das von einem schmierigen Heiratsvermittler ins Internet gestellt wurde. Blair glaubt, das Mädchen seiner Träume gefunden zu haben, und macht sich mit seinem protestierenden Bruder und einem Bündel von Cocktailpulverpäckchen, die ähnlich wie Viagra wirken, auf den Weg zu Ludmilla.
Diese ist dem Leser bereits bekannt, denn zusammen mit den beiden ungleichen Brüdern bestreitet sie das Buch. Es wird erzählt, wie sie ihren aufdringlichen Großvater umbringt, indem sie ihm einen Handschuh in den Rachen schiebt, und wie sie hierauf von ihrer bitterarmen Familie in die nächste Stadt geschickt wird, wo sie mit ihren Englischkenntnissen etwas verdienen soll. Sie landet in der Bar eines windigen Heiratsvermittlers, der ihr auf die Pelle rückt, doch mit ihrer direkten, bäuerlichen Art hat sie dieses Problem sehr schnell im Griff.
Auf verschlungenen Wegen begegnen sich die drei Protagonisten und im Haus von Ludmillas Familie kommt es schließlich zum blutigen Showdown …
Eines vorweg: Wer schon „Jesus von Texas“ als Zumutung empfand, dem wird „Bunny und Blair“ auch nicht gefallen. Pierre kopiert die Geschichte zwar nicht, aber die Mittel bleiben die gleichen: ein paar schräge Vögel von Charakteren, ein politisch nicht ganz korrekter Schreibstil und eine Handlung zwischen echter Spannung, Verwirrung und Ratlosigkeit.
Besonders die Handlung ist ein wenig das Sorgenkind. Lange Zeit besteht sie hauptsächlich aus Wortgeplänkeln zwischen Bunny und Blair oder zwischen Ludmilla und ihrer Familie. Ziemlich langsam kommt Schwung in die Geschichte, wobei sie sich leider manchmal an ihren eigenen Kapriolen verschluckt. DBC Pierre hat ohne Frage ziemlich viel Fantasie, aber er schafft es nicht immer, sie auch in verständliche Bahnen zu lenken. Manchmal sind Sprünge im Plot, die der Leser nicht ganz nachvollziehen kann, und manchmal ist die Handlung so abgehoben, dass man sie beim besten Willen nicht mehr verstehen kann.
Tatsächlich ist das aber das kleinere Übel. Viel besorgniserregender ist, wie bereits erwähnt, der zähe, meterlange Vorspann, in dem einfach nichts passieren möchte. Wortgeplänkel und gelegentliche, banale („banal“ für DBC Pierre’sche Verhältnisse) Ereignisse sind nun wirklich kein Ersatz für einen durchkomponierten und zielorientierten Handlungsaufbau.
Die Charaktere dagegen begeistern, weil sie einfach unglaublich originell und urkomisch sind. Alleine schon die Wahl der Protagonisten – eine osteuropäische Landpomeranze und zwei ehemalige siamesische Zwillinge – ist schon derart ausgefallen, dass daraus nur Gutes erwachsen kann. Und tatsächlich. Unglaublich schillernd und individuell zeichnet Pierre die Personen, wobei er dabei oft auf Klischees zurückgreift und diese schlitzohrig übertreibt. Besonders Osteuropa hat es ihm in diesem Fall angetan, denn neben der Bauernschläue und der Dumpfbackigkeit, die er diesem Volk andichtet, bastelt er ihm auch eine ureigene Sprache. Begriffe wie „Mach die Futterluke dicht!“ oder „Sperr die Lauscherchen auf!“, „Du Ganter!“ oder „Klatsch deinen Kuckuck!“ sorgen dafür, dass man einen sehr guten Eindruck davon bekommt, wie Pierre sich die Bewohner von Ubil vorstellt. Ob das politisch korrekt ist, sei dahingestellt. Lustig ist es allemal und ein paar Lacher tun der transusigen Handlung ganz gut.
Pierres größte Stärke ist aber nach wie vor sein fantastischer Schreibstil. Wild und ungebändigt toben die Worte zwischen den Buchdeckeln herum und formen sich zu grandiosen Bildern und Metaphern. Über allem thront ein skurriler schwarzer Humor, der sich für nichts zu fein ist. Je dreckiger desto besser, und Pierre hat definitiv keine Berührungsängste, wenn es darum geht, Schimpfwörter zu benutzen. Empfindliche Gemüter mögen sich daran stören, aber tatsächlich passt dieser derbe Humor zu dem Buch und seinen Person wie die Faust aufs Auge.
Was Pierres Schreibstil neben dem Witz am meisten auszeichnet, ist sein Umgang mit der Sprache. Er biegt sie sich immer so zurecht, dass alles passt, das heißt, dass er Begriffe zweckentfremdet, seinen Personen eine sehr eigentümliche Sprache in den Mund legt oder sogar selbst Begriffe erfindet. Ein großes Lob gilt an dieser Stelle dem Übersetzer Henning Ahrens, der es geschafft hat, die Atmosphäre, die in Pierres englischsprachigen Büchern herrscht, ins Deutsche zu übertragen.
„Bunny und Blair“ hat durchaus seine Höhepunkte. Die originellen Charaktere und der Schreibstil sind ziemlich einzigartig in der Literaturwelt und machen das Buch, trotz schwacher Handlung, zu einem humoristischen Genuss. Trotzdem, Mister Pierre, das nächste Mal bitte mit etwas mehr Substanz! Dann wird es eines Tages ein Klassiker.
Edward St Aubyn, dessen Debütroman „Schöne Verhältnisse“/“Never mind“ in England bereits im Jahr 1992 erschien, hatte lange damit zu kämpfen, dass die englische Presse ihn nicht als Schriftsteller ernst nahm. Die Journaille stürzte sich lieber darauf, dass St Aubyn, Mitglied einer großen Adelsfamilie aus Cornwall, früher drogenabhängig und von seinem Vater sexuell missbraucht worden war. Dabei kann man nicht gerade behaupten, dass der Roman von schlechten Eltern wäre …
Eines schönen Sommertages im einem schönen, kleinen französischen Örtchen bereiten sich drei Pärchen darauf vor, sich zum Abendessen zu treffen. Gastgeber ist der tyrannische David Melrose, der nicht nur einen Heidenspaß daran hat, Ameisen zu ersäufen, sondern auch seinen Sohn tyrannisiert und sexuell missbraucht und seine Frau Eleanor, die ihn ohne Alkohol gar nicht mehr aushält, erniedrigt. Nicholas und Victor waren mit David auf einer Schule und gehören wie er zur gehobeneren Schicht Englands. Während Victor seine Zeit mit Philosophie und der cleveren und schlagfertigen Amerikanerin Anne verbringt, hat Nicholas sich mit der proletenhaften, jointrauchenden Bridget eingelassen.
Bei solch einer Ausgangslage ist es natürlich wichtig, dass die Charaktere dementsprechend ausgearbeitet und originell sind. Der originellste ist dabei David Melrose, um den sich das ganze Buch zu drehen scheint. Er ist ein sadistischer Tyrann, der überzogene Forderungen an seine Mitmenschen stellt und sich dessen auch noch bewusst ist. Da ihm aber niemand Paroli bietet, kann er seinen Zynismus perfekt ausleben. Er unterdrückt seine unterwürfige Frau auf garstige Art und Weise und auch der fünfjährige Sohn Patrick hat unter seinem patriarchischen Vater zu leiden. Das ist in gewisser Weise sicherlich bemerkenswert, denn St Aubyn hat in einem Interview zugegeben, dass Patrick sein literarisches Alter Ego ist.
Die Einzige, die im Verlauf des Abendessens keine Rücksicht auf Davids Eigenheiten nimmt, ist Bridget, die, jung und ungebildet, eine Art Gegenpol zur übrigen Tischgesellschaft darstellt. Obwohl es ihr ein wenig an Intelligenz mangelt, stellt sie sich immer wieder die Frage, was sie hier eigentlich will und wieso alle dem Hausherren so hörig sind.
Sohn Patrick fällt ebenso aus dem Rahmen, was schon allein mit seinem Alter zusammenhängt. Edward St Aubyn gelingt es, sehr authentisch aus der Perspektive des Kindes zu schreiben. Alles sieht aus wie ein Spiel oder ist im kindlichen Kontext übertrieben.
Diese beiden Perspektiven, nämlich Patrick und Bridget, bringen frischen Wind ins Geschehen und lockern das Buch, das stellenweise an den alten Herren etwas zu ersticken droht, auf. Die alten Herren nehmen zwar kein Blatt vor den Mund und ihre zynischen Ansichten erheitern durchaus, doch manchmal zieht der Autor die Dialoge zu sehr in die Länge.
Da kaum Handlungselemente existieren, beruht der Roman hauptsächlich auf der Darstellung der einzelnen Charaktere und deren Beziehungen zueinander. Neben der Bezugnahme auf herrschende Klischees über Briten bzw. Amerikaner wird hauptsächlich „gelästert“. Auffällig ist, dass Beschreibungen von Charakteren, Orten etc. selten objektiv, sondern zumeist persönlich eingefärbt und in eine der Erzählperspektiven eingebunden sind. Bereits dadurch entsteht der Eindruck, als hätten die Personen wahrlich nichts Gutes über einander zu sagen, was auf der anderen Seite aber, dank des fiesen Humors, in gewisser Weise den besonderen Charme ausmacht. Es entsteht ein gänzlich unchristliches Bild von der englischen Intellektuellenschicht, wobei St Aubyn nicht versucht, direkt zu kritisieren, sondern vielmehr durch das bloße Aufzeigen der Ungereimtheiten das Gehirn des Lesers anspricht.
Er wählt dazu einen trockenen, nüchternen Schreibstil ohne großartige Emotionen, dessen beißender Witz sich erst in den Dialogen oder Gedanken der Personen zeigt. Dadurch wirkt das Buch wider Erwarten sehr lebendig, weil nur dann scharfzüngiges Leben im Spiel ist, wenn der Fokus auf den Personen und nicht der Umgebung liegt.
Ist es positiv, wenn sich ein Buch beinahe ausschließlich auf seine Charaktere konzentriert? Diese Frage lässt sich in diesem Fall einfach beantworten, denn wenn die Protagonisten so stimmig sind wie in „Schöne Verhältnisse“, ist die Gefahr der Langeweile gering. Der Roman hat zwar an der einen oder anderen Stelle einen kurzen Durchhänger, aber da er mit knapp 190 Seiten nicht gerade besonders lang geraten ist, fallen Handlungslosigkeit und Dialoglastigkeit nicht sonderlich ins Gewicht.
http://www.dumontliteraturundkunst.de/
|Ergänzend:|
[Interview im Deutschlandfunk]http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/602891/drucken/
„Die Grastänzer“ gehört zu den außergewöhnlichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Das meiste, was je über Indianer und ihre Kultur geschrieben wurde, stammt aus der Feder von Nicht-Indianern. Mit „Die Grastänzer“ hielt ich zum ersten Mal ein Buch in der Hand, das von einer Indianerin geschrieben wurde.
Aber das war es nicht allein. Als ich versuchte, etwas zu diesem Buch zu schreiben, stellte ich fest, dass ich keinen ordentlichen Inhaltsabriss zustande brachte. Diese Geschichte ließ sich einfach nicht auf gewohnte Weise in Worte fassen. Erst, als ich das Pferd von hinten aufzäumte, war der Sache beizukommen!
_Fangen wir also mit den Charakteren an:_
Zunächst ist da Harley Wind Soldier, ein junger Bursche kurz vor seinem High-School-Abschluss. Harley hat ein Problem mit sich selbst, mit seinem Inneren. Er fühlt sich leer, an der Stelle, wo sein Ich sein sollte, ist nur ein schwarzes Loch.
Harleys Mutter Lydia ist seine einzige Verwandte. Seit Harleys Vater und Bruder bei einem Autounfall ums Leben kamen, hat sie kein Wort mehr gesprochen, nur noch gesungen.
Dann ist da noch Charlene, eine Klassenkameradin von Harley, die ihn ziemlich anhimmelt. Auch sie hat ein Problem, nämlich ihre Großmutter Mercury, die ziemlich besitzergreifend ist.
Mercury hieß früher Anna, hat sich aber irgendwann einfach umbenannt. Sie ist im ganzen Reservat gefürchtet, denn sie besitzt Zauberkräfte, die sie sehr selbstsüchtig einsetzt, nicht zum Wohl der Menschen.
Zu guter Letzt sei noch Red Dress erwähnt. Sie ist eine Vorfahrin von Anna, genau gesagt, ihre Großtante, und eine Kriegerin.
_Die Geschichte_ beginnt in der Gegenwart, genau gesagt 1981, im Reservat der Dakota. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt. Jedes Kapitel trägt eine Jahreszahl und geht in der Historie ein Stück zurück. Es wird sozusagen rückwärts erzählt. Manche Kapitel tragen auch einen Namen, in der Regel den derjenigen Person, von der die Geschichte gerade handelt.
Hauptsächlich ist es Annas Geschichte. Die Geschichte einer erstaunlichen Frau, die zunächst nichts Besonderes zu sein schien, bis sie durch ein Ereignis gewissermaßen zu Stahl gehärtet wurde, und die die oben genannten Personen und noch weitere in ihr Schicksal mit hineinzieht, sich selbst zu ihrem Schicksal macht.
Je weiter man liest, desto mehr erfährt man über das Warum: Man erfährt, warum Harley sich so leer fühlt, warum Lydia nicht mehr spricht, warum Jeanette McVay, die weiße Lehrerin, das Reservat nicht verlassen kann, warum Anna so eine harte, selbstsüchtige Frau ist; aus den Lebensfäden der Personen wird ein Netz von Verstrickungen und Abhängigkeiten, durch die Annas Faden sich zieht wie eine leuchtendrote Linie.
Dadurch, dass die Geschichte von hinten nach vorn erzählt wird, hat man den Eindruck einer Blume. Am Anfang sieht man nur die äußere Hülle der Knospe. Doch je weiter man liest, desto weiter erblüht die Blume, desto mehr innere Blätter kann man erkennen, bis sie schließlich voll erblüht ist, an ihrem Ursprung, bei Red Dress. Und während die Blume erblüht, erblüht auch das Verstehen.
Am Ende kehrt die Geschichte in die Gegenwart zurück, die, wie wir jetzt wissen, unter dem Schatten der Vergangenheit liegt, um zu erfahren, wie die, auf denen der Schatten lastet – Harley, Charlene und Jeanette McVay -, sich daraus lösen, um ihren eigenen Weg zu gehen.
_Faszinierend_ ist aber nicht nur der Erzählverlauf an sich, sondern auch die Sprache, das heißt, die Bilder, die sie entstehen lässt. Es sind Bilder, denen eine andere Weltsicht, eine andere Art zu denken zugrunde liegt. Für die Indianer sind ganz andere Dinge wichtig als für uns, auch ihr Umgang miteinander und mit der Welt im Allgemeinen ist anders. Das mag wie eine Binsenweisheit klingen, trotzdem zeigt sich immer wieder, dass der Weiße Mann diese Tatsache noch immer nicht wirklich begriffen hat. Mag sein, dass er ganze Bücher mit Informationen über die Indianer und ihre Kultur füllen kann; Wissen kann man das aber nicht nennen. Das fängt schon damit an, dass die indianische Kultur ungefähr so einheitlich ist wie die europäische. Deshalb wird in „Die Grastänzer“ auch nicht die Kultur der Indianer lebendig, sondern die der Dakota.
Die Welt der Dakota ist von Geistern erfüllt, denen verstorbener Vorfahren, und anderen. Man kann sie sehen und mit ihnen reden, wenn sie und man selbst es zulassen. Sie sind Mahner, Ratgeber, manchmal auch Helfer zur Erkenntnis sowohl seiner selbst als auch anderer.
Das macht das Buch stellenweise sehr mystisch. Man sollte das aber keinesfalls mit Mystery verwechseln! Hier geht es nicht um die Inszenierung des Geheimnisvollen oder Unerklärlichen, sondern um eine tiefe Verbundenheit der Dakota mit ihrem Volk und ihrem Land, aber auch um die Tatsache, dass diese Verbindung zu einem großen Teil verloren gegangen ist.
Was mich an diesem Buch so gefesselt hat, war, dass all das, was ich bisher aus trockenen Sachbüchern erfahren hatte (und das war leider nicht viel), hier nicht nur durch ganz unerwartete Dinge ergänzt und erweitert wurde, sondern dass all das in diesem Buch zum Leben erweckt wird, eine konkrete Bedeutung erhält, mit Sinn gefüllt wird. Wir lesen nicht das Buch eines Forschers, der niederschrieb, was er wusste oder glaubte zu wissen, sondern wir lesen direkt in den Wolken, im Wasser und im Gras.
Eines darf man allerdings nicht erwarten: Wildwestromantik. Die Indianer und Weißen in diesem Buch sind keine Helden und Schurken, wie wir sie von Karl May oder Cooper kennen, sondern einfach Menschen. Ihr Leben besteht nicht aus dem, was wir unter Abenteuern verstehen, auch nicht im Kapitel von Red Dress. Dies ist die Geschichte des „Wilden Westens“ aus Sicht der Indianer, nicht aus Sicht der Weißen. Diese Geschichte ist auf ihre Art ebenso dramatisch, aber nicht so stilisiert, nicht so idealisiert.
Wer also nostalgisch veranlagt ist und seine Träume von einem Amerika à la Winnetou nicht demontiert sehen will, der lese dieses Buch nicht.
Es bietet keine Spannung im Sinne eines Krimis oder Abenteuerfilmes, es bietet keine große Liebesgeschichte, keine Lacher und auch keinen echten Grusel. Aber es bietet durchaus Dramatik und Gefühl. Jedem, der sich für Menschen und für indianische oder überhaupt für fremde Kulturen interessiert, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Einziger Nachteil: Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.
_Susan Power_, geboren 1961 in Chicago, ist eine Standing-Rock-Sioux und Nachfahrin des berühmten Häuptlings Mato Nupa (Two Bears). Schon als Kind hat sie sich intensiv mit der Kultur der Sioux und der benachbarten Cheyenne auseinandergesetzt und studierte schließlich in Harvard Literatur und Kunstgeschichte. Außer „Die Grastänzer“ hat sie einige Kurzgeschichten geschrieben, die u. a. in „The Best American Short Stories“ sowie als Sammlung unter dem Titel „Roofwalker“, allerdings nicht auf Deutsch, erschienen sind.
|Originaltitel: The grass dancer, 1993
Deutsch von Marion Sattler Charnitzky|
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