Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Dorison, Xavier (Autor) / Lauffrey, Mathieu (Zeichner) – Prophet 1: Ante Genesem

_Die „Prophet“-Reihe:_

1 _“Ante Genesem“_
2 [„Infernum in Terra“ 6412
3 [„Pater Tenebrarum“ 6413
4 – nur angekündigt –

_Story:_

Als Jack Stanton gemeinsam mit dem renommierten Kollegen Alexander Kandel in den Gipfelregionen des Himalayas auf ein außergewöhnliches Relikt stößt, wird dem ehrgeizigen Wissenschaftler schnell bewusst, dass es sich hierbei um einen Fund von enormer historischer Tragweite handelt. Kandel, der die Entdeckung des monströsen Reliefs nicht überlebt, bittet Stanton in seinem letzten Atemzug, diesen Fund niemals publik zu machen. Doch der wesentlich jüngere Kollege missachtet diesen letzten Willen in seiner Erfolgsgier und veröffentlicht ein Buch zu diesem brisanten, nach außen hin unglaubwürdigen Thema – und schon bricht die Hölle über ihn hinein.

Kurz nach dem ersten Radiointerview zu seinem neuen Buch verübt ein Mormonenpriester einen Mordanschlag auf ihn, den Stanton aber ebenso überlebt wie das gewaltige Erdbeben, welches New York infolge eines gestrandeten Öltankers heimsucht. Als er schließlich mit seinem Auto von der Brooklyn Bridge stürzt und sich plötzlich in einer neuen Welt wiederfindet, muss Jack jedoch endgültig den Preis für seinen kompromisslosen Wissensdurst zahlen. Plötzlich holen ihn seine Dämonen wieder ein und verändern die Welt für ihn offenbar für immer …

_Persönlicher Eindruck:_

„Prophet“ gehört, so viel darf man ruhig schon einmal vorwegnehmen, zu den komplexeren Serien französischer Herkunft und gleichermaßen zu den Comics, deren philosophische Tragweite nur sehr, sehr schwer greifbar ist. Ein sehr spezieller Themenkreis wird hier angeschnitten, abstrakt transferiert und mit Mitteln bedient, die selbst für ein solches Projekt kaum unkonventioneller sein könnten – und schon haben Xavier Dorison und Mathieu Lauffray als Urheber der Geschichte sich in die unliebsame Schublade derjenigen Outputs gesetzt, die definitiv einen polarisierenden Effekt haben.
Die Geschichte und ihre tragenden Charaktere wirken im ersten Band „Ante Genesem“ bereits sehr befremdlich und eigenartig abstrahiert. Stanton als offenkundiger Protagonist beispielsweise ist absolut unscheinbar, als Mensch aber auch kaum zugänglich.

Er ist weder abstoßend in seinem karriereverrückten Handeln, noch ein Sympathieträger, dem man wünscht, heil durch die verschiedenen Zonen zu navigieren, die dieses erste Kapitel schon für ihn bereithält. Die Personen und Persönlichkeiten in „Ante Genesem“ wirken bei Weitem noch nicht so wichtig wie die Handlung selber, nicht zuletzt weil das angeschlagene Tempo vergleichsweise sehr hoch ist. Dorison wechselt beinahe im Sekundentakt die Szenarien und Schauplätze und sorgt für sich ständig überschlagene Ereignisse und Landschaftsbilder. Die Herausforderung an den Leser, der seinen Antihelden auf wenigen Seiten vom Himalaya durch die schillernde Welt New Yorks in die seltsame Hölle begleitet, in die das Schicksal Stanton führt, ist entsprechend groß. Zumal manche Passagen in der ersten Ausgabe – die Story erfordert es einfach – einer gewissen Hektik unterliegen.

Man durchschaut den Background nur marginal, und selbst wenn der Autor in der angefügten Nachlese ein paar Fakten preisgibt, was genau hinter Stantons außergewöhnlichen Odyssee steckt, ist alles noch schwer fassbar und begreiflich.
Dem gegenüber steht jedoch ein sehr actionreicher, unheimlich spannender Plot, der nicht nur mit einer gewaltigen Tiefe aufwartet, sondern eine Unberechenbarkeit ausstrahlt, die selbst für den experimentellen Bereich im Splitter-Katalog sehr ungewöhnlich ist. Damit mausert sich „Ante Genesem“ einerseits zu den interessantesten Debüts im Verlagsprogramm, nimmt aber andererseits auch die Stellung eines Projektes ein, an dem man sich locker die Zähne ausbeißen kann. Doch das darf man, bei allen polarisierenden Inhalten, auch gerne als Qualitätsmerkmal auffassen! Empfehlenswert, keine Frage!

|Graphic Novel: 56 Seiten
ISBN-13: 978-3868690620|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu

Frank Cho, Doug Murray – Jungle Girl

Neulich im Umkleideraum eines Fitnessstudios. Ein Fremder steckt mir eine Pressemitteilung zu, die offensichtlich nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangen sollte. Bevor ich mir ein Handtuch umschwingen und „Hast du kein Zuhause?“ rufen konnte, war der Fremde auch schon wieder verschwunden. Wer war das? Ein Saboteur? Ein Comic-Leser? Der Hausmeister meiner Mucki-Bude? Fragen über Fragen. Während ich verwirrt mein Handtuch festhalte, beginne ich zu lesen:

|“Betrifft: Frank Chos »Jungle Girl«.

Für Interessierte, zur Kenntnisnahme.

Leidenschaft, Erfolg und Spaß bestimmen die Arbeit von Frank Cho, Doug Murray und Adriano Batista. Nach dieser Philosophie unterstützen sie ihre Leser bei dem Wunsch, besser auszusehen und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Das Erfolgsteam ist begeistert von Comics, und das sollen die Leser spüren.

Attraktivität ist das Kernstück ihrer Arbeit. Ihr Motto »Einfach geile Comics lesen.« bringt das kurz und präzise auf den Punkt. Ihre Leser möchten straffe Körper, Explosionen und Dinosaurier sehen. Wie bereits bei »Shanna – The She Devil« steht auch ihr neuester Comic »Jungle Girl« für einen ehrlichen und humorvollen Umgang mit diesen speziellen Wünschen der männlichen Leserschaft.

Frank Cho und sein Team sind erfolgreich, weil ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Dieses Gefühl möchten sie an ihre Leser weitergeben. Die Verleger von »Jungle Girl« unterstützen sie dabei. Dynamite Entertainment bietet seinen Fans eine einzigartige Erlebnis- und Lifestyle-Welt. Regelmäßig veranstaltet die Redaktion aus New Jersey spezielle Aktionen, zum Beispiel Variant-Cover, Gewinnspiele oder Wet-T-Shirt-Contests. Und die Leser können immer hautnah dabei sein. Wie bei Jana, der Hauptfigur von »Jungle Girl«, kommt jedes gezeichnete Good-Girl frisch aus dem Design- und Layout-Studio von Dynamite Entertainment. Leseproben gibt es natürlich auch. Außerdem sind alle Cover lackiert und abwaschbar. Kurz: Die Macher von »Jungle Girl« tun alles, damit ihre Fans Freude am Lesen haben.

Frank Cho und sein Team sind Profis in Sachen Comics. Warum? Weil sie sich auf das konzentrieren, was sie am besten können: Geschichten ohne Tiefgang, mit Popos, prallen Brüsten und Dinosauriern. Gemeinsam mit Erotik-Experten, Schönheitschirurgen und Steinzeit-Machos haben sie ein weltweit einzigartiges Lese- und Betreuungskonzept entwickelt. Für ihre Fans heißt das: jederzeit maximale Unterstützung, die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der halbnackten Tatsachen und individuell zugeschnittene Titten-Storys.

»Jungle Girl« ist ein hochwertiges, individuelles Comicprodukt zu einem unschlagbaren Preis. Diese hohe Qualität in den Bereichen Lese- und Masturbationstraining können die Macher den Lesern bieten, weil sie bewusst auf teure Zusatzangebote wie Inhalt, Charaktertiefe und Hintergrund verzichten. »Jungle Girl« zu lesen bedeutet, die Nummer eins des Dschungels zu lesen, gemeinsam mit Hunderttausenden Gleichgesinnter.“|

Verlag: Panini
Autor: Adriano Batista, Doug Murray, Frank Cho
Format: Hardcover
Kategorie: Comics
Marke: Jungle Girl
Seitenzahl: 132
Storys: Jungle Girl 0-5

David, Fabrice (Autor) / Bourgier, Eric (Zeichner) – Drekkars (Söldner 2)

_Reihentitel:_

Band 1: [Das Lied von Anoroer]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6264
Band 2: Drekkars

_Story:_

Während in den Reihen der Menschen das jüngste Attentat auf den Königssohn und dessen gerade erst vermählte Schwester betrauert wird, herrscht auch bei den Drekkars Disharmonie. Der Hegemon hat eine Schar Partisanen um sich geschart und plant eine Rebellion gegen den Herrscher, um endlich Unabhängigkeit von dessen puristischer Monarchie zu erlangen und jenseits des Passes eine neue Stadt erbauen zu können. Doch der Justicar durchschaut das windige Treiben und klagt den Hegemon für den Mord an ein Ratsmitglied an, welches als Lieferant für eine lebenswichtige Droge einer der wichtigsten Verbündeten des Herrschers war. Als sich die Fronten verhärten und die jeweilige Gegenseite von den Plänen der Kontrahenten erfährt, sehen sich die Revoluzzer gezwungen zu handeln. Und statt den Pass zu verteidigen und das Bündnis mit den Drachen zu stärken, beginnen die Drekkars, ihr Volk in den Bürgerkrieg zu schicken …

_Persönlicher Eindruck:_

Überraschende Wendung in der „Söldner“-Story: Statt das Attentat auf die Armee des Königs aufzugreifen und den Spannungsbogen direkt an seinem bisherigen Höhepunkt anzunehmen, wechselt Autor Fabrice David unverhofft die Fronten und stellt im zweiten Kapitel seiner neuen Reihe die Gegenseite von Kriel und seinen neuen Verbündeten vor. Die Drekkars stehen, der Titel verheißt es bereits, im Rampenlicht, und mit ihnen eine der interessantesten, intrigantesten Gemeinschaften der jüngeren Comic-Historie.

Wie so oft, so geht auch hier die Faszination der Sache von der Boshaftigkeit der Charaktere und ihren revolutionären Plänen aus, von denen es wiederum in „Drekkars“ so einige gibt. Bevor es jedoch in die Vollen geht, gewährt der Autor einen weiteren Einblick in die Vergangenheit, verfasst hierbei einen Brief an den ursprünglichen König aus Sicht seines verräterischen Bruders und zeigt auch die Entstehung der bösen Brut. Erst dann führt David sein Publikum an das faszinierende Volk der Drekkars heran, bringt dessen Protagonisten vor, analysiert das komplexere Herrschaftssystem, nennt Motive und die Beweggründe der einzelnen Sparten und schafft es hierbei prima, die Fehde bis auf die Spitze zu treiben und ihr einen absolut intelligenten Charakter zu verpassen – und dies wohlgemerkt vor einem Volk, dessen Charakterzüge im Grunde genommen von durchgängiger Primitivität gezeichnet sind!

Ähnlich wie das hinterlistige Treiben der Menschen sich in der ersten Ausgabe manifestiert hat, kommt es nun auch auf der verfeindeten Seite zu Ungereimtheiten, deren Ausschmückung offenkundig eines von Davids Steckenpferden ist. In kürzester Zeit kreiert er eine sehr intensive Atmosphäre, reizt die Spannung weitaus klarer aus als im Debüt, wird bei der Beschreibung seiner Figuren konkreter und spannt in den letzten Panels dann doch noch den Bogen zu den Ereignissen aus dem vorangegangenen Kapitel. Und spätestens hier wird einem wieder offenbar, dass „Söldner“ ganz klar zu den großen Namen im Splitter-Katalog gehört. Und das schon nach zwei Fünfteln Teilstrecke …

|Graphic Novel: 49 Seiten
Originaltitel: Servitude – Drekkars
ISBN-13: 978-3868690071|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de

David, Fabrice (Autor) / Bourgier, Eric (Zeichner) – Lied von Anoroer, Das (Söldner 1)

_Reihentitel:_

Band 1: Das Lied von Anoroer
Band 2: [Drekkars]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6265

_Story:_

Einst vereinte Afenor ein riesiges Gebiet unter seiner Krone. Der König der Söhne der Erde und der Beschützer der Menschheit verband sich mit den Riesen und ließ vier Städte erbauen, die auf ewig zu verteidigen er seinem Volk versprach. Doch Afenors Herrschaft bekam einen erheblichen Riss, als die Drachen sich gegen ihn verbündeten und das Land langsam aber sicher zu unterjochen begannen. Gemeinsam mit den Drekkar, einer höllischen Bastion misanthropischer Kämpfer, die von den Drachen kreiert wurden, stürzten sie Farkas und das gesamte Königreich in den Untergang. Selbst Afenors Söhne, Arkanor, Anoroer und Veriel, konnten das Unglück nicht verhindern. Ihre Armeen fielen im Kampf gegen die Drachen und wurde für die Ewigkeit begraben, während die Nachfahren des Königs die Provinzen des nunmehr dreigeteilten Reiches zu beschützen verpflichtet waren. Eine Verantwortung, die sie nun an ihre Erben weitergegeben haben …

Ein festliches Ereignis steht unmittelbar bevor: Lerine, die Tochter des Königs von Anoroer, und der unadlige Kriel gehen ihre Vermählung an und ersinnen, das Erbe der Familie auf weitere Schultern zu verteilen. Doch die Hochzeit wird in den Provinzen nicht allerorts gut aufgenommen. Besonders der Herrscher von Veriel spricht öffentlich seinen Missmut aus und bleibt den Feierlichkeiten fern. Aber auch Tarquain, Lerins Bruder, von dem sie heimlich ein Kind erwartet, befürchtet den Bruch der Familie und des königlichen Geschlechts.

Bevor die Zeremonie jedoch überhaupt erst von den Gästen ausgekostet werden kann, unterbricht die Kunde von einem schrecklichen Vorfall die Räumlichkeiten. Die Abgesandten des Königs wurden auf der Passage nach Vriel überfallen und von den Drekkar zur Strecke gebracht. Erstmals seit Jahrzehnten ist wieder die Rede von Drachen. Und als Kriel und Tarquain mit einer weiteren Armee gen Osten ziehen, stürzen sie selber in ihre größte persönliche Tragödie …

_Persönlicher Eindruck:_

„Das Lied der Anoroer“ ist der Beginn eines neuen Fantasy-Fünfteilers aus der Feder von Fabrice David, der mit „Live War Heroes“ und „Zodiac Killer“ bereits zwei Serien an den Start gebracht hat. Sein aktuelles Werk macht jedoch von Beginn an den Eindruck, gleichzeitig sein ambitioniertestes zu sein, weil bereits in der ersten Episode so viel Leidenschaft und Hingabe zum Detail zu erkennen ist, dass die Vermutungen, hier eine der nächsten ganz großen Reihen in Empfang nehmen zu dürfen, schon im Auftakt ihre Berechtigung finden.

Die Story ist dabei erst einmal gar nicht so vertrackt, wie man es nach dem ausführlichen Prolog und dem Zeitsprung hätte erwarten können. Die Fronten sind von Beginn an klar abgesteckt, die Rollen und Meinungen absolut transparent. Hinzu kommt, dass David sich (noch) nicht die Zeit nimmt, seine Charaktere deutlicher auszuschmücken, was dabei der Masse an Entscheidungsträgern auch definitiv keine leichte Aufgabe ist. Zunächst beschränkt er sich darauf, die Ansichten klarzustellen und die Stellungen zueinander aufzuklären – und somit die Basis für das zu schaffen, was hier nur leicht angedeutet, künftig aber mit Sicherheit noch intensiver beleuchtet wird.

‚Basis‘ ist daher auch das passende Stichwort, denn diese in einem so umfangreichen Epos, wie es „Söldner“ offenkundig ist, nicht nur breiter ausgelegt als in herkömmlichen Comic-Serien, sondern bedarf auch etwas mehr Vorbereitung in dieser Beziehung. David verbringt womöglich etwas viel Zeit mit dem Geplänkel um die Hochzeitsvorbereitungen, erhöht die Schlagzahl dann aber in der zweiten Hälfte des Auftaktalbums deutlich. Die Atmosphäre verdüster sich derweil kontinuierlich und bringt im letzten Viertel genau das zutage, was ihre finsteren Anteile erst ausmacht: Geschichten von Verrat, hinterhältige Intrigen, blutige Machtkämpfe und zuletzt natürlich die üblichen Mittel der Fantasy, sprich ausdrucksstarke Szenarien mit allerhand Fabelgestalten, die jene Szenerie erst lebendig gestalten.

Dennoch: „Das Lied von Anoreor“ ist erst der Beginn und als solcher noch nicht von solcher Spannung erfüllt wie das, was den Leser in „Söldner“ noch erwartet. Das mag an dieser Stelle wie eine gewagte These ohne wirklichen Background klingen. Doch mit dem Wissen um die Inhalte des nachfolgenden Bandes und dem daraus resultierenden Überblick über die Konzeption sei hier versichert, dass David und sein Zeichner Eric Bourgier hier etwas Gewaltiges geschaffen haben!

|Graphic Novel: 59 Seiten
Originaltitel: Servitude – Le chant d‘ anoroer
ISBN-13: 978-3940864970|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de/

Chauvelle, David (Autor) / Collette, Xavier (Zeichner) – Alice im Wunderland

_Story:_

Auf der Suche nach einem weißen Kaninchen verirrt sich Alice in einer Höhle und fällt schließlich in ein tiefes Loch. Nach langen Minuten stürzt sie in einen Raum, aus dessen Fenster sie einen wunderschönen Garten sieht – ihr erklärtes Ziel. Doch das vermeintliche Paradies scheint unerreichbar, bis Alice schließlich die Speisen und Tränke ihrer neuen Heimat kennen lernt und mit ihen wächst und schrumpft.

Doch der Garten ist bei weitem nicht so friedlich, wie ihn sich das kleine Mädchen vorgestellt hat. Sie trifft dort auf die seltsame Grinsekatze, eine Reihe von traurigen Tieren, den merkwürdigen Märzhasen und eine Hexe, die ihr Baby ohne weiteres der kleinen Reisenden anvertraut. Schließlich ist sie zum Krocket mit der Königin eingeladen, und das in besagtem Garten. Als Alice auch dort eintrifft, stellt sie fest, dass die Herrscherin ein grausames Wesen ist und jeden köpfen lässt, der ihr in irgendeiner Form schlechter gesonnen ist. Am Ende ist es sogar Alice selbst, die sich im Prozess gegen die Königin des Traumlandes behaupten muss …

_Persönlicher Eindruck:_

Die Veröffentlichung für die Comic-Adaption von Charles Lutwidge Dodgson’s Fantasy-Meilenstein „Alice im Wunderland“ hätte David Chauvel kaum besser wählen können. Der gekrönte Kinostreifen mit Superstar Johnny Depp hat sich binnen kürzester Zeit zum Straßenfeger entwickelt und das Interesse einmal mehr auf dieses zeitlose Märchen gelenkt. Und das Bombastfeuerwerk der Lichtspielhäuser spiegelt sich auch in jenem üppigen Album wieder, welches der französische Autor in Kooperation mit seinem Zeichner Xavier Collett entworfen hat.

Begonnen bei den sehr experimentell erscheinenden Figuren über die sehr stimmungsvolle, aber auch enorme düstere Szenerie bis hin zum allgemeinen Stimmungsbild, das die Story als solche preisgibt ist die illustrierte Fassung von „Alice im Wunderland“ ein Fass ohne Boden, umfangreich, ausladend, bisweilen sogar episch, aber in jeder einzelnen passagen auf den Punkt ausgearbeitet und mit dem Fokus auf jeder einzelnen Facette der eigenwilligen Handlung.

Alice selber ist dabei Hauptdarstellerin und Nebenrolle zugleich. Immer wieder übernimmt sie die Führung und sucht nach Antworten auf all die Fragen, die das Wunderland aufwirft, wird aber gleichzeitig von der unfassbaren Umgebung zur Seite gedrängt, die jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht und überhaupt keine anderen Möglichkeiten lässt, als über den kreativen Output zu staunen und ihn zu bewundern. Für Chauvel war die Aufgabe dementsprechend knifflig, einerseits den mythischen Touch des Originals aufzunehmen und derweil seine Märchenhaftigkeit zu respektieren, gleichzeitig aber auch eine eigene Note einzubringen, die über die Interpretation im zeichnerischen Bild hinausgeht.

Gerade zu Beginn tut sich der erfahrene Comic-Stratege mit dieser Herausforderung jedoch ziemlich schwer, da sich zunehmend der Eindruck versteift, Chauvel würde nur nachzuerzählen versuchen. Doch sein eigener Stil nimmt im zweiten Drittel kontinuierlich Gestalt an und manifestiert sich vor allem in der Darstellung der Figuren und Gestalten. Die Story verliert zur gleichen Zeit ganz klar ihre Berechenbarkeit und stellt schließlich das große Rätsel in den Raum, auf welches Finish der Autor zusteuert. Ist es die philosophische, die gruselige, einfach nur die spannende, oder doch die kindlich-freundliche Variante?

Durch die vielschichtigen Ansätze und des zwischenzeitlichen Verbleibs im erzählerischen Nirgendwo lässt sich der Urheber des Comics alle Optionen offen, wählt am Ende vielleicht die offensichtlichste, kann hierbei aber auf jeden Fall überzeugende Argumente für diese Entscheidung bringen – sowie überhaupt für den Entschluss, dieses riskante Werk anzupacken, an welchem man sich ebenso leicht hätte die Finger verbrennen können. Chauvel meistert „Alice im Wunderland“ jedoch mit sehr viel Hingabe und seinem leidenschaftlichen Erzählstil, der insgesamt nicht weniger beeindruckt als das famose Kinowerk dieser Tage. Empfehlenswert, und das unbedingt!

|Graphic Novel, gebunden: 72 Seiten
ISBN-13: 978-3940864116|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de/

Lupano, Wilfrid (Autor) / Augustin, Virginie (Zeichner) – Alim der Gerber 2: Die Verbannung

_Reihentitel:_

Band 1: [Das Geheimnis des Wassers]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6260
Band 2: Die Verbannung
Band 3: Der weiße Prophet
Band 4: Dort, wo die Blicke brennen

_Story:_

Alim, Bul und Pepeh ist die Flucht vor den Spähern des Kommissars gelungen, welcher nun vor den Obrigkeiten die Strafe für sein Nachlässigkeiten zahlen muss. Die als gottlos verschrienen Flüchtigen hingegen retten sich in die Berge, wo sie von einem Luftschiff aufgenommen und als neue Gefährten begrüßt werden. Heiter ziehen sie weiter durchs Land, während die Schergen des Herrschers auf ihrer Suche alles dem Erdboden gleichmachen, was ihnen bei der Erkundung hinderlich ist.

Torq Djihid, der berüchtigte Feldherr und brutalste Kämpfer in den Reihen der Jesameth-Anhänger, führt den Rachefeldzug gegen Alim an und scheint endlich fündig zu werden. Doch der Gerber hat in den vergangenen zwei Jahren gelernt, sich durchs Leben zu schlagen und dem Tod zu trotzen – und genau diese Erfahrung soll ihm auch nun im Kampf gegen den kompromisslosen Jesmathen zugute kommen!

_Persönlicher Eindruck:_

Holla, das ist mal eine Veränderung: Erschien „Alim der Gerber“ im Auftakt noch als phantastisches, sympathisches Märchen mit einzelnen Fantasy-Inhalten, so wendet sich das Blatt in der zweiten Ausgabe der Serie schon gewaltig. Die Handlung wird schlagartig brutaler, die Charaktere in ihrem Erscheinungsbild deutlich härter, und selbst diejenigen, die einem zuvor noch wohlgesonnen und schlichtweg nett waren, haben einen deutlichen Schritt gemacht und sind ein ganzes Stückchen weniger nahbar, als es noch im ersten Teil der Fall war.

Die Rahmenbedingungen haben sich also verändert, aber auch inhaltlich macht die Story einen wesentlichen Sprung. Der Schauplatz ist völlig frisch und wechselt gleich mehrfach im Laufe der Handlung, und durch die Hinzunahme weiterer tragender Figuren erweitert sich der Komplex beträchtlich, selbst wenn keine einzige Person auch nur einen Zweifel an der individuellen Motivation lässt. Und natürlich haben all diese Effekte auch einen deutlichen Einfluss auf die Eingruppierung des Zielpublikums, welches aufgrund so mancher blutiger Szene in „Die Verbannung“ auf jeden Fall die Grenzen zum Erwachsenenalter überschritten haben sollte. Anders als erwartet ist die zweite Episode zu „Alim der Gerber“ nämlich kein buntes, humorvolles Märchen mehr!

Die Story hingegen profitiert spürbar von dieser Entwicklung, auch wenn Letztgenannte zunächst gewöhnungsbedürftig ist, da sie überhaupt nicht dem entspricht, was zuvor suggeriert wurde. Doch das Tempo steigt erbarmungslos, die Spannung kämpft sich von Gipfel zu Gipfel, und da Autor Lupano auch nicht vor unbequemen Passagen halt macht, haftet dem Plot immer wieder etwas Unberechenbares an.

Die effiziente Wirkung: Alles ist möglich, da sich auf keiner der beiden Handlungsseiten etwas Entscheidendes anbahnt. Und obschon die Ziele von Alim und seinen Gefährten auf der einen und all seinen Jägern auf der anderen Seite klar definiert sind, zeigt sich in „Die Verbannung“, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, diese Hatz auszuschmücken und pulsieren zu lassen. Ausgehend hiervon darf man sich bereits jetzt auf all das freuen, was der Autor und seine talentierte Zeichnerin noch in der Hinterhand bewahren. „Alim der Gerber“ hat im zweiten Band ein neues Gesicht bekommen und sich maßgeblich weiterentwickelt. Und das scheint an dieser Stelle nur ein erster Schritt zu sein. Bravo!

|Graphic Novel: 48 Seiten
Originaltitel: Alim le tanneur – Le vent de l‘ exil
ISBN-13: 978-3-940864-94-9|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de

Lupano, Wilfrid (Autor) / Augustin, Virginie (Zeichner) – Alim der Gerber 1: Das Geheimnis des Wassers

_Reihentitel:_

Band 1: Das Geheimnis des Wassers
Band 2: [Die Verbannung 6261
Band 3: Der weiße Prophet
Band 4: Dort, wo die Blicke brennen

_Story:_

Für einen kastenlosen Gerber und Tunichtgut wie Alim ist das Reich Jesameth das genaue Gegenstück des Paradieses. Bereits mehrere Male ist der unglücksselige Mann aus der Arbeiterklasse mit Kommissar Reinkhol aneinander geraten. Und der Herrscher über das Gebiet der Gottheit Jesameth macht ihm auch jetzt wieder Angst, da seine kleine Tochter Bul am Strand einen Drachen hat steigen lassen und so öffentlich Gotteslästerung begangen hat. Ein letztes Mal kommen Vater und Tochter mit einem blauen Auge davon, doch Reinkhol hat die Sünde noch nicht vergessen.

Während der Feierlichkeiten zur Ankunft der Götter bekommt Alim den Auftrag, eine gestrandete Killersirene aufzulesen und vom Strand zu entfernen. Kurzerhand macht er sich gemeinsam mit Bul auf, seiner Berufung als Gerber nachzugehen, und staunt nicht schlecht, als er im Magen des Meerestiers die Reliquien Jesameths findet – und damit den Beweis, dass die heiligen Schriften, in denen der Gott als Bezwinger des Meeres gepriesen wird, nicht auf wahren Fakten beruhen.

Alim und sein Schwiegervater Pepeh sind sich der Brisanz ihres Fundes bewusst und vereinbaren Stillschweigen. Doch ausgerechnet bei der Opfergabe am Pier der Hauptstadt widersetzt sich Bul, erschrocken von den menschlichen Opfern, Reinkhols gottesfürchtiger Propaganda. Alim und Bul werden daraufhin zum Tode verurteilt – und nur Pepeh, der die gefundenen Reliquien verwaltet, kann die beiden jetzt noch aus dem Schlamassel retten …

_Persönlicher Eindruck:_

Wer sich unter dem leicht irreführenden Titel „Alim der Gerber“ eine Geschichte aus 1001 Nacht erhofft, sieht sich schnell getäuscht. Denn auch wenn einige Elemente dezent entliehen sind zielt Wilfrid Lupano nicht auf das Märchenpublikum, sondern eher auf die Lachmuskeln seines Publikums, verwöhnt dieses jedoch gleichzeitig mit einer Fantasy-reichen Action-Handlung, die genau jenen Abwechslungsreichtum bietet, die man von einem modernen Märchen erwartet. Also doch ein Märchen? Nun, vielleicht …

Die Geschichte um Alim und seine Tochter Bul beginnt jedenfalls recht dramatisch: Das kleine Mädchen wird dem Komissar vorgeführt, weil ihre kindlichen Spiele von ihm als Gotteslästerung ausgelegt werden. Alim, der keiner Kaste angehört und mittlerweile (warum auch immer) alleinerziehend ist, bleibt nichts anderes übrig, als sich ständig Reinkhols Urteil zu beugen und alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Herrscher nicht weiter zu verärgern. Allerdings meint es das Schicksal mit dem lustigen gerber nicht gerade gut. Nicht nur, dass er die Feierlichkeiten zur Ankunft Jesameths nicht von Anfang an begleiten darf, sondern auch die tatsache, dass er bei seiner Aufgabe, eine Killersirene zu beseitigen die Reliquien des verehrten Gottes entdeckt, bereiten ihm unfreiwillige Schwierigkeiten.

Und genau hier setzt der wirklich sehr schön ausgewogene Mix aus temporeicher Action, feinem Humor, ein bisschen Emotionalität und liebevoller thematischer Aufbereitung dann ganz effizient an.
Der Autor verbindet ganz verschiedene Elemente, zielt hier aber vorrangig auf ein jugendliches Publikum, nicht nur wegen seiner ebenfalls noch jungenhaft anmutenden Hauptfigur. Mit Alim hat er einen tragischen Helden geschaffen, einen ganz normalen Typen, der als Identifikationsfigur leichter kaum zugänglich sein könnte.

Gleichermaßen lässt er es im ersten Band zunächst ganz langsam angehen und macht seine Leser erst einmal mit den Handelnden vertraut, eben ganz so, wie es sich für ein anständiges Debüt gehört. Doch Lupano lässt es sich im Zuge dessen trotzdem nicht nehmen, das Erzähltempo recht schnell anzuziehen und zur Mitte des ersten Kapitels senkrecht in die Story zu stürzen, bis schließlich die Überzeugung gereift ist, dass „Alim der Gerber“ als Serie auf Anhieb taugt und „Das Geheimnis des Wassers“ einen wunderbaren Einstieg in die sympathische Welt des unscheinbaren Titelgebers ist. Gerade diejenigen, bei denen Fantasy nicht immer mit Schlachten zusammenstehen muss, sondern bei denen die entspannten Aspekte dieser Sparte zählen, sollten sich daher mal dringend mit der von Virginie Augustin gezeichneten Reihe auseinandersetzen!

|Graphic Novel: 48 Seiten
Originaltitel: Alim le tanneur – Le secret des eaux
ISBN-13: 978-3-940864-93-2|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de/

Arleston, Christophe (Autor) / Floch, Adrien (Zeichner) – Das Zeichen der Ythen (Die Schiffbrüchigen von Ythaq 7)

_Reihentitel:_

Band 1: Terra Incognita
Band 2: Die falsche Ophyde
Band 3: Seufzer der Sterne
Band 4: Khengis Schatten
Band 5: Das letzte Geheimnis
Band 6: Aufstand der Spielfiguren
Band 7: Das Zeichen der Ythen

_Story:_

Nachdem Granit und ihre Begleiter dem wochenlangen Schwindel Kurgors auf die Schliche gekommen sind, sieht die Besatzung des Luxusraumers ‚Kometenstaub‘ endlich eine Chance, der Gefangenschaft auf Ythaq zu entfliehen. Krugor legt ein ausführliches Geständnis ab und berichtet seinen eigentlichen Mitstreitern vom teuflischen Spiel, an welchem er als einer der Protagonisten partizipiert, und in welches Granit und Co. eher zufällig hineingeraten sind.

Derweil bietet sich den übrigen Gestrandeten eine Möglichkeit, Ythaq mit dem Schiff zu verlassen. Doch eine Piratenbastion entert die Fregatte und entführt die Mannschaft. Wie der Zufall es will stranden die Passagiere erneut und treffen dort auf alle verschollenen Figuren des Spielsystems: Narvarth kehrt unverwundet zurück und Leah offenbart sich als weitere Hauptakteurin, die den Schlüssel zu Ythaqs Hauptstadt Drohna mit sich führt – dort wo die Figuren seinerzeit das Spiel starteten. Doch erst als Granit, Narvarth und ihre Gefährten hier ankommen, wird ihnen bewusst, welchen Umfang der riesige Komplex innehat, der dem Sieger die Unsterblichkeit verspricht …

_Persönlicher Eindruck:_

Die siebte Episode über „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ leistet nach ziemlich langem Verwirrspiel über den Ursprung der Handlung nun erste Aufklärungsarbeit und erklärt Passagen des bis dato undurchschaubaren Backgrounds der spannenden Fantasy-Story. Allerdings gibt Arleston beim Erhalt der Spannungskurve keineswegs nach, auch wenn er konkretere Einblicke erlaubt und der Lösung des Problems, mit welchem sich die Schiffbrüchigen nun schon seit einer halben Dutzendschaft herumschlagen, ein Stückchen näher kommt.

Doch spätestens der finale Cliffhanger zeigt wieder, dass die Geschichte noch kein echtes Ende in Sicht hat und man sich auf weitere entscheidende Wendungen gefasst machen darf. Doch bis hierhin fungiert „Das Zeichen der Ythen“ zunächst als informatives Interludium, das die Handlung zwar nicht im selben Tempo weiterbringt wie die letzten Ausgaben, dafür aber durchaus mehr Transparenz schafft, als man dies nach den geheimnisvollen bisherigen Ausgaben hätte erwarten können.

Infolge der jüngsten Entwicklungen stagniert die Charakterentwicklung natürlich ein wenig, was jedoch keinesfalls kritisch zu betrachten ist, weil erneut frische Elemente in die Story gelangen, neue Figuren auf dem Schachbrett platziert werden und die Szenerie wiederum einen komplett neuen Anstrich bekommt. Neue Rahmenbedingungen, neue Optionen, neue Feinde, neue Mysterien – in dieser Hinsicht bleiben sich „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ indes treu, wobei die Ausgangssituation für die nächsten Kapitel nun etwas klarer definiert sein sollte.

Entscheidende Fakten gelten nun als aufgedeckt, und die Marschrichtung scheint vorgegeben. Ein Ende scheint also jetzt doch auf absehbare Zeit in Sicht – zumindest wenn der Autor sich nicht wieder dazu hinreißen lässt, neue Elemente ins sprichwörtliche Spiel zu bringen und den Komplex weiter auszudehnen. Die Serie geht also in die entscheidende Phase, und „Die Zeichen der Ythen“ ist eine Schlüsselkomponente für die weiteren Fortsetzungen. Doch als solche ist auch der siebte Band eine sichere Bank und genau das, was Arleston zur Aufhebung aller zuletzt ausgelösten Hektik braucht. Insofern kann man erneut sagen: Alles richtig gemacht!

|Graphic Novel: 56 Seiten
Originaltitel: Les Naufragés d‘ Ythaq – La Marque des Ythes
ISBN-13: 978-3-940864-90-1|
[www.splitter-verlag.de]http://www.splitter-verlag.de/

Tehy / Guenet / Renéaume / Vee – Yiu – Die Apokalypse: Buch 2 – Das Versprechen, das ich dir gab

_Reihentitel:_

Band 1: [Yiu – Die Apokalypse 1 – In der Hölle 6107
Band 2: Yiu – Die Apokalypse 2 – Das Versprechen, das ich dir gab
Band 3: Yiu – Die Apokalypse 3 – Heilige Mörder
Band 4: Yiu – Die Apokalypse 4 – Bete, dass du stirbst
Band 5: Yiu – Die Apokalypse 5 – Der Fall des Evangelischen Imperiums

_Story:_

Yius kleiner Bruder Ji-A wartet im Sankt Johannes Hospital in Jerusalem immer noch darauf, dass seine Schwester endlich das nötige Geld für die genetische Rückbildung auftreibt und ihn von seiner Einsamkeit, seinem Kummer und seinem Leiden befreien kann. Nur noch ein Auftrag, noch eine letzte Mission, dann steht der Wiedervereinigung der Geschwister nichts mehr im Wege.

Doch Yius Auftraggeber ahnen selber noch nicht, auf welches Monster sie die Killerin in Kürze loszulassen gedenken. Inmitten der ökumenischen Festung steigt der Bastard des Paläo-faschistischen Ordens auf und verspricht, die Welt in die Apokalypse zu stürzen. Delfi Myazannhauer, treibende Kraft der lediglich geduldeten Sekte, hat die Kräfte seiner Schöpfung unterschätzt und die Kontrolle über das mächtige Wesen völlig abgeben müssen. Und jetzt, wo sich die Inkarnation alles Bösen wie eine brutale Plage über die Menschheit ausbreitet, steht für Yiu nicht nur die Existenz ihrer Familie auf dem Spiel, sondern die Zukunft der gesamten Welt!

_Persönlicher Eindruck:_

Es hat ganz den Anschein, als würde das „Yiu“-Prequel „Die Apokalypse“ einen ähnlichen Weg gehen wie die ebenfalls sehr ruckartig gestartete Originalserie, deren Vorgeschichte nun in diesem Siebenteiler erzählt wird. Auch im klassischen „Yiu“ brauchte Chefdenker Tehy vergleichsweise lange, bis er die grundsätzlichen Gegebenheiten und das Setting erläutert und die Umstände erklärt hatte, die zu den brutalen Ereignissen führten, die die Titelheldin in ihren Aufträgen als Profikillerin durchlebte.

Und auch in „Yiu – Die Apokalypse“ wurde schon eine geschlagene Episode darauf verwendet, Rahmenbedingungen abzustecken, einen minimalen Einblick in den Hauptcharakter zu gewähren und die leicht veränderte Logistik aufzureißen, die in diesem Fall eine noch elementarere Rolle für den Inhalt der Story einnimmt.

Nun, wo der zweite Band vorliegt, besteht natürlich die Hoffnung, dass die Action nicht nur Action bleibt, sondern auch etwas mehr Effekt für den Spannungsaufbau hat. Doch das Ergebnis ist nur teilweise befriedigend, da Tehy wieder lange zögert und zaudert, dann aber doch noch die Kurve bekommt …

Doch die Probleme der neuen Serie sind im übergeordneten Sinne ganz anderer Art. Der Autor bemüht sich, verstärkt auch durch die enorm düstere Atmosphäre der Illustrationen, ein sehr intellektuelles Konstrukt von größerer Bedeutung zu schöpfen, dass es aber – zumindest bis hierhin – gar nicht sein kann. Die ständigen Andeutungen, hinter unzähligen futuristischen Fachtermini versteckt, fordern schlichtweg mehr.

Und auch wenn der Teufel höchstpersönlich in moderner Gestalt heraufbeschworen wird und der Story zumindest zum Ende hin etwas zurückgibt, was die fadenscheinig anmutenden Ankündigungen suggerieren, scheint hier vieles künstlich kunstvoll zu sein. Dabei sind es nicht einmal Klischees oder dergleichen, die die Handlung untergraben. Es ist vielmehr das Potenzial, welches eine Geschichte, die so tief gräbt und so gewaltsam ins Bewusstsein dringen möchte, besitzen muss, um den großen Worten auch große Taten folgen zu lassen.

Aber hier ist auch das zweite Kapitel namens „Der Versprechen, das ich dir gab“ nur eine Art Kompromiss, der durch die günstige Entwicklung zwar nicht zu stark in die Kritik gerät, sich aber auch immer wieder dadurch rettet, dass die fragwürdigen (weil sehr künstlich aufgebauschten) Passagen mit guter Action und angenehm flotten Tempo ausgekontert und kaschiert werden können.

Nur, und das sollte dem Autor klar sein, ist diese Übergangslösung kein Allheilmittel, welches die Schwächen der Handlung übertünchen kann. Es ist lediglich ein zweckmäßiges Vorgehen, das sich aber nicht über weitere fünf Bände ziehen lässt.

Immerhin, eine Steigerung zum enttäuschenden Debüt ist „Das Versprechen, das ich dir gab“ allemal. Und auch die Spannungskurve nimmt langsam aber sicher einen angenehmen, annehmbaren Verlauf, nachdem durch die Introduktion des ganzen Hintergrunds hier noch Ebbe angesagt war. Aber, und schon wieder ist die Parallele zum erstveröffentlichten Ableger präsent, man wird analog zur Entwicklung dort auch in „Die Apokalypse“ noch einige Schippen draufpacken müssen. Ansonsten werden Anspruch und Realität auch weiterhin aneinander vorbeilaufen!

|Graphic Novel: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868690002|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

_Weitere „Yiu“-Comics bei |Buchwurm.info|:_

[Yiu 1 – Die Armee des Neo-Mülls 4289
[Yiu 2 – Die Auferstehung des Unreinen 4290
[Yiu 3 – Die Kaiserin der Tränen 4920
[Yiu 4 – Der Schwur der Söhne 5114
[Yiu 5 – Operation Geisha 5485
[Yiu 6 – Der Inquisitor und seine Beute 5968

Arleston, Christophe (Autor) / Alary, Pierre (Zeichner) – SinBad 2: In den Klauen des Djinns

_Reihentitel:_

Band 1: [SinBad 1: Der Kelch von Alexandria 6130
Band 2: SinBad 2: In den Klauen des Djinns

_Story:_

Nachdem Sinbad die Insel der Tubarah verlassen hat, setzt ihm die Zauberin mit allen magischen Mitteln nach. In der Sicherheit der Wüste trifft er schließlich auf Azna, den weißen Panther der mächtigen Magierin, und droht nun endgültig zerfleischt zu werden. Doch ein Kuss befreit Azna endgültig aus der Haut der Raubkatze und macht sie zu einem freien Gestaltenwandler, der sich nun Sinbad anvertraut.

Der jedoch nutzt das neue Vertrauen schamlos aus und konzentriert sich in erster Linie auf die Suche nach seinen Eltern. Doch Tubarah gibt keine Ruhe und entsendet einen Fluch, der Sinbad schwer zusetzt und ihn nur durch Aznas verzweifelte Unterstützung von der tödlichen Schippe springen lässt. Dennoch will der gewiefte Betrüger nicht erkennen, dass Azna Gefühle für ihn entwickelt hat. Spätestens jedoch, als der Kalif bei einem Wettbewerb seinen Flaschengeist zur Verfügung stellt und Sinbad feststellt, dass seine Gefährtin die besseren Voraussetzungen mitbringt, wird ihm bewusst, dass die blasse, dürre Gestaltenwandlerin mehr für ihn sein sollte, als er zulässt. Aber Sinbad folgt einmal mehr seiner Eigennützigkeit …

_Persönlicher Eindruck:_

Mit dem zweiten Band von Arlestons neuer Comic-Reihe „SinBad“ verschlägt es den Titelhelden endgültig in die typischen Gefilde aus 1001 Nacht. Sinbad kehrt nach seinem Abstecher auf der Insel der Magierin nach Bagdad zurück, versucht dort jedoch zunächst einmal dem Einfluss der hinterlistigen Zauberin zu entfliehen. Mit einer gemeinen List überwältigt er zuerst deren ausgesandte Pantherin, erschleicht sich schließlich das Vertrauen einiger einflussreicher Gestalten und überwindet eine fiese Krankheit, ohne den Einsatz zu schätzen, der hierfür notwendig gewesen ist.

Der Namensgeber entpuppt sich demnach schon nach wenigen Seiten wieder als hinterhältiger Stratege, der stets den Profit im Auge hat, seine Mitmenschen immer wieder übers Ohr haut und selbst enge Vertraute wie beispielsweise Azna gemein ausnutzt, um seine Ziele zu erreichen. Doch was an anderer Stelle Grund genug wäre, die Sympathien abzugeben, kommt in „SinBad“ überhaupt nicht infrage. Die Situationskomik ist hier die aussagekräftigste Präventivmaßnahme, die rasanten Szenenwechsel hingegen, in denen der Titelheld immer wieder seine heimliche Tollkühnheit unter Beweis stellen kann, sind schließlich erneut das Salz in der Suppe und lassen die Spannung trotz der inhaltlichen Fülle kaum abflauen.

Was Aleston im Übrigen gut hinbekommt, sind die Brücken zwischen den einzenen Zwischenepisoden. Auch „In den Klauen des Djinns“ ist in mehrere Unterkapitel gegliedert, die individuell für sich stehen könnten und abgeschlossene Mini-Geschichten erzählen, die schließlich immer weiter fortgeführt werden. Somit ist gewährleistet, das viel passiert und ein gewisser Überraschungseffekt erhalten bleibt, der Autor selber aber auch immer noch einen draufsetzen kann, wenn er den Spannungsbogen mal wieder weiter ausdehnt.

Zuletzt ist auch die Atmosphäre herrlich, einerseits vielleicht sogar wegen der breiten Ausstaffierung der Klischees, andererseits aber auch, weil sich der Autor sehr nah an den orientalischen Originalen orientiert und für deren faszinierende Welt ein echt tolles Gespür hat. Das gilt für die Charaktere, die Story und zuletzt auch für den gesamten Rahmen, in den Arleston seine eigenwillige Interpretation der Dinge aus 1001 Nacht packt.

Mit wenigen Worten: Band 2 hält das überzeugende Niveau seines Vorgängers und baut dessen gute Eigenschaften phasenweise sogar noch weiter aus. So schaut ein gelungener, märchenhafter Comic aus!

|Graphic Novel: 53 Seiten
ISBN-13: 978-3940864826|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

Ange (Autoren) / Alary, Pierre (Zeichner) – Ludwig (Belladonna 3)

_Reihentitel:_

Band 1: [Marie 6121
Band 2: [Maxim 6127
Band 3: Ludwig

_Story:_

Nach dem Sturz des Gelben Königs steht Marie vor einer ausweglosen Zukunft. Will sie das Leben des Bettleroberhaupts retten, muss sie den französischen Throninsassen umbringen, und sieht daher keine andere Möglichkeit mehr, als sich dem Druck ihrer unliebsamen Zweckverbündeten zu beugen. Als Marie schließlich untertaucht, sind alle Seiten überzeugt, dass die letzte Stunde des Königs geschlagen hat. Die Sicherheitsmaßnahmen werden verschärft, und selbst die Geheime Kammer, einst Maries Freunde und Mitstreiter, bereitet sich auf ein Duell mit ihrer neuen Feindin vor.

Doch Maxim, der seine heimlichen Gefühle für Marie unterdrücken muss, und dessen Mutter wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass Marie ihre Ideale nicht verraten hat. Während der Anführer der Kammer sich jedoch seiner Verantwortung stellt und den Schutz des Königs vorbereitet, spinnt die alternde Madame de Breuil im Hintergrund die Fäden, um den Gelben König zu befreien und den erpresserischen Komplott zu beenden. Doch Marie ist inzwischen in den Gemächern des Königs angelangt und richtet ihren Degen gegen den Monarchen …

_Persönlicher Eindruck:_

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt: Nach der viel versprechenden zweiten Episode der „Belladonna“-Trilogie konnte man davon ausgehen, dass im letzten Band in erster Linie die Vergangenheit der Titelheldin noch einmal intensiver beleuchtet wird und man mehr über die Mysterien und Schatten erfährt, die hiermit in Verbindung stehen. Pustekuchen lautet jedoch die Antwort des Autorenteams Ange, welches erst gar nicht tiefer bohrt, sondern ähnlich wie im Vorgänger die Action sprechen lässt. Und deren Präsentation galt bis dato ja ohnehin als außergewöhnlich stark.

De facto bietet „Ludwig“, so der Titel des abschließenden Werkes, also alles, was ein glamourös inszeniertes Finale erfordert, sprich rasante Action, eine weitere Tempoverschärfung (was ebenfalls schon bemerkenswert ist), eine klare Weiterentwicklung der Charaktere und schließlich auch diverse Überraschungseffekte, die gerade in den ersten Passagen einige Aha-Erlebnisse nach sich ziehen.

Alles kulminiert schließlich in einem sehr bombastisch ausgelegten Szenario, welches die wichtigsten Figuren noch einmal zusammenbringt, dies aber in einer ungewohnten, derart unerwarteten Konstellation. Oder aber lange Rede, kurzer Sinn: Die letzten Szenen von „Belladonna“ haben es noch einmal in sich, gestalten das (vorzeitige) Ende jedoch absolut befriedigend!

Für den dritten Band individuell lässt sich sagen, dass es gerade die unverhofften Entwicklungen sind, die hier die Akzente setzen. Figuren wie Madame de Breuil wachsen mit einem Mal über sich hinaus, aber auch Maxim und der Minister, die ansonsten eher losgelöst vom Hauptstrang agierten, finden noch besser in die Story hinein und füllen schließlich die wenigen Lücken, die bislang noch offen waren. Lediglich ein wichtiger Nebenschauplatz bleibt noch vage, lässt dem Autorenpaar jedoch gleichzeitig die Möglichkeit, „Belladonna“ über diese Trilogie hinaus lebendig zu halten.

Auf der letzten Seite heißt es jedenfalls ’Ende des ersten Zyklus’. Und da das Potenzial für eine ausführliche Fortsetzung in jedem Detail der Handlung schlummert, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, würde man von dieser Serie nicht schon bald mehr hören. Ausgehend von dem, was vor allem in diesem – bis auf Weiteres – letzten Kapitel geschieht, wäre es aber auch nur wünschenswert, wenn sich die beiden Herrschaften schnellstmöglich aufraffen würden. „Belladonna“ gehört nämlich zweifelsohne zu den Perlen im gesamten Splitter-Katalog und zu den heimlichen Highlights des Comic-Jahres 2009!

|Graphic Novel: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3940864857|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

Ange (Autoren) / Alary, Pierre (Zeichner) – Maxim (Belladonna 2)

_Reihentitel:_

Band 1: [Marie 6121
Band 2: Maxim
Band 3: Ludwig

_Story:_

Zweimal bereits konnte Marie das Leben des Königs durch ihr kurzfristiges Eingreifen schützen, doch immer noch ist der Attentäter auf freiem Fuß und trachtet seiner Majestät nach dem Leben. Da die Spuren des italienischen Killers jedoch im Sande verlaufen, hält Minister Lovois für seine Anvertraute neue Aufgaben bereit. Sie soll ihr Geschick nutzen, um den Untergrund-Helden Vicomte in der umliegenden Provinz zur Strecke zu bringen. Doch Marie gerät in einen Hinterhalt und wird von Vicomtes Leuten erbarmungslos gefoltert, ohne dabei jedoch ein Wort über den Orden Louvois‘ preiszugeben.

In letzter Not gelingt ihr die Flucht, die sie auf direktem Wege in die Hände von Enrico bringt, jenem Italiener, den sie erst kürzlich jagte. Der verzweifelte Ansatz, ihn im Kampf zu besiegen, scheitert aber an den Argumenten des begabten Degenfechters: Enrico hat den Gelben König unterworfen und die Herrschaft über das niedere Volk an sich gerissen. Und außerdem hat er die Informationen über Maries Vergangenheit, auf welche die rechte Hand des Königs stets gehofft hatte. Allerdings ist der Preis, den Enrico anbietet, enorm hoch: Entweder stirbt Marie oder aber der König durch ihre Hand …

_Persönlicher Eindruck:_

In der zweiten Episode von „Belladonna“ setzt das Autorenduo Ange gerade im Actionbereich noch einmal gewaltsam einen drauf. Das 48-seitige Album ist von der ersten bis zur letzten Seite mit vielen sehr lebendigen Sequenzen gefüllt, seien es nun Degengefechte, verbale Auseinandersetzungen, Folter oder die unbarmherzige Jagd nach dem Killer. Die Waffen stehen kaum still, was unter anderem auch dadurch begünstigt wird, dass die beiden Autoren ein enorm hohes Tempo anschlagen und die Handlung von unzähligen Szenenwechseln durchsetzt wird. Und sollten Marie und Co. dann doch mal kurz verschnaufen, rast die inhaltliche Entwicklung anderweitig im Eiltempo voran, sei es nun durch politische Ränke, weitere Intrigen oder aber im breiter ausgeschmückten Nebenschauplatz, dem Thron des Gelben Königs.

Dabei würde die vordergründige Story alleine schon völlig ausreichen, um das hohe Niveau zu wahren bzw. es an den gegebenen, sehr flotten Stellen noch weiter auszubauen. Marie als Jägerin und Gejagte gibt eine fabelhafte Protagonistin ab, die Dumas-Atmosphäre mit dem deutlichen Musketier-Anstrich verleiht dem Ganzen die passende Stimmung, und die bereits erwähnte Geschwindigkeit, mit der die Dinge hier voranschreiten, tut ihr Übriges dazu, um die Spannung am Siedepunkt zu halten.

Doch Ange lassen nicht locker und greifen auch die Tragödie um Maries Vergangenheit auf und machen sie, wenn auch nur in kurzen, knappen Passagen, zum zweiten Kernthema des Plots, jedoch ohne gleichzeitig einen weiteren Mythos heraufzubeschwören, der im noch verbleibenden Band alleine schon wegen der hierzu erforderlichen Detailschärfe gar nicht mehr adäquat aufbereitet werden könnte. Weniger ist also in diesem Fall mal wieder mehr, und auch wenn die Story diesen Handlungszusatz nicht zwingend benötigt, so kann man ihn auch in „Maxim“ als Bereicherung betrachten.

Was ein wenig auf der Strecke bleibt, ist der politische Background, der im Gesamtkonzept von „Belladonna“ schließlich auch eine übergeordnete Rolle spielt. Zwar geschieht oberflächlich so einiges, doch die eigentlichen Ränke werden nicht weiter vertieft, sondern nur grob angerissen, bevor die Action wieder das Zepter in die Hand nimmt. Hier wird noch ein wenig passieren müssen, soll die Sache am Ende rund sein. Doch angesichts der rasanten Entwicklungen und der aufrechterhaltenen Klasse, die „Belladonna“ im zweiten von drei Kapiteln zeigt, braucht man sich hier auch für das Finalwerk keine großen Gedanken machen. Bis dato ist die Aufgabe, Mantel & Degen auf höchstem Spannungsgrad zu inszenieren, schließlich auch souverän von Anne und Gerard gelöst worden!

|Graphic Novel: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3-940864-84-0|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

Ange / Varanda, Alberto / Meddour, Fabrice – Legende der Drachenritter, Die – Band 8: Der Chor der Finsternis

_Reihentitel:_

Band 1: [Jaina 3349
Band 2: [Akanah 3585
Band 3: [Das leblose Land 3826
Band 4: [Brisken 4153
Band 5: [Schlossgärten 4749
Band 6: [Jenseits der Berge 5143
Band 7: [Die Sonne wiedersehen 5534

_Story:_

Das Übel breitet sich mit immer größerer Geschwindigkeit und Effizienz über die Länder aus. Seuchen raffen das Volk dahin, eigenartige Kreaturen ergötzen sich am Menschenfleisch, und lediglich der Orden der Drachenritter scheint nun noch Mittel und Wege zu kennen, das schier unvermeidbare Ende der Menschheit und den endgültigen Sieg des Drachen und seiner instrumentalisierten Bösartigkeit abzuwenden.

Ritter Marly, gerade erst 19 Jahre alt und als Jungfrau für diesen Auftrag prädestiniert, soll die sagenumwobene Drachenritterin Krista aufspüren, um die sich bereits die wildesten Gerüchte ranken. Doch die zur Legende erklärte Verschollene bleibt ein Phantom. Und obschon in der Dschungellandschaft, in die Marly entsandt wurde, jeder schon von Krista gehört hat, findet Marly lediglich barbarische Stämme, die die vom Übel dahingerafften Menschen hilflos in den Tod schicken.

Die junge Ritterin vom Drachenorden beginnt zu resignieren, will jedoch nicht wahrhaben, dass es für die verseuchten Mitmenschen keinen anderen Ausweg gibt. Als sie sich während eines weiteren Angriffs der wilden Dschungelkreaturen schließlich ein letztes Mal aufbäumt, realisiert sie erst, von welchem Ausmaß der Schaden bereits ist, den die Drachen und die von ihnen initiierte Krankheit angerichtet haben.

_Persönlicher Eindruck:_

Von Ausgabe zu Ausgabe wird das Autorenduo Ange wieder vor die gleiche, stetig wachsende Herausforderung gestellt, wie man mit den unabhängigen Geschichten zum Serienepos „Die Legende der Drachenritter“ neue Wege beschreiten, gleichzeitig dem bisherigen Handlungskonzept noch neue Impulse verschaffen kann. Es gab stille, intrigante, heimtückische, zuletzt auch blutrünstige Episoden um den Orden der jungfräulichen Ritter, selten jedoch auch Kapitel, in denen die tatsächliche Jagd nach den Drachen bzw. die Herkunft des Übels genauer angeschnitten wurden.

In der vorliegenden, inzwischen bereits achten Ausgabe ändert sich daran grundlegend nichts. Allerdings ist die Seuche diesmal zentrales Thema und für die illustrative Präsentation des aktuellen Bandes der heimliche Ideengeber. Die beiden Autoren haben sich eingehend damit beschäftigt, wie man einen Link zwischen der Hauptstory und den Erscheinungsformen dessen, was die Folge des Konflikts zwischen Drachen und Menschen beschreibt, erstellen kann und dabei einen sehr beklemmenden, letzten Endes aber ganz klar überzeugenden Weg gewählt. Und natürlich gibt es im Orden der Drachenritter auch diesmal allerhand Intrigen und Heimlichkeiten.

Erstmals im Laufe der Handlung wird das Tun und Handeln der Titellegenden jedoch ernsthaft in Frage gestellt. „Der Chor der Finsternis“ beschreibt, wie die Position der Drachenritter falsch ausgelegt werden könnte und wirft die inhaltliche Frage auf, ob der Orden überhaupt mit lauten Mitteln spielt oder ob es im Grunde genommen lediglich eine groß angelegte Manipulation ist, die hinter alldem steckt.

Mit der recht naiven Protagonistin Marly, die in ihrer rosaroten Perspektive gar nicht abschätzen kann, welche Grausamkeiten das Gefecht gegen die Drachen in der Zwischenzeit hervorzubringen vermag, hat man eine gewagte Figur in die Mitte gestellt, die das Gewicht der sehr schweren Kost in Band 8 jedoch tragen kann. Sie verkörpert schließlich all die Werte, die eine stille Heldin in dieser Serie verinnerlicht haben soll und wirbt mit unbändigem Willen und der Motivation, das Übel zu richten, für ihren Orden.

Dementsprechend groß ist der Kontrast, den ihre eigentlichen Verbündeten in der Dschungellandschaft aufwerfen, und der schließlich zum lebendigen Kern der Geschichte heranwächst. Hoffnung und Freiheitsdrang auf der einen, Verzweiflung und Selbsterhaltungsdrang auf der anderen Seite bilden auf inhaltlicher Basis den lebendigen Output von „Der Chor der Finsternis“ und ergeben gekoppelt mit der sehr eindringlichen Erzählatmosphäre und den feinen, finsteren Illustrationen ein stimmiges Gesamtpaket, das problemlos das Niveau der bisherigen Folgen aufrecht erhält.

Und dennoch: Dieses Kapitel ist irgendwie anders, von düstereren Stimmungen geprägt, im Bereich der Charaktere gewagter und individueller und handlungsspezifisch betrachtet einfach noch fieser und gemeiner als die Nummern 1-7. Das überzeugt dann gleich doppelt und bestärkt die Hoffnung, dass „Die Legende der Drachenritter“ auch künftig noch eine Menge Überraschungen bereithalten kann. In dieser Verfassung ist die Serie nämlich längst noch nicht am Ende angelangt!

|Graphic Novel: 46 Seiten
Originaltitel: La geste des chevaliers dragons – Le choeur des ténèbres
ISBN-13: 978-3-939823-42-1|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

Arleston, Christophe (Autor) / Floch, Adrien (Zeichner) – Aufstand der Spielfiguren (Die Schiffbrüchigen von Ythaq, Band 6)

_Reihentitel:_

Band 1: [Terra Incognita 3722
Band 2: [Die falsche Ophyde 3744
Band 3: [Seufzer der Sterne 3777
Band 4: Khengis Schatten
Band 5: [Das letzte Geheimnis 5158

_Story:_

Die Bedingungen der Schiffbrüchigen von Ythaq verschärfen sich von Tag zu Tag mehr. Während Khengis und Hetzel sich abseits der Zivilisation erbitterte Gefechte liefern, wird auch Granit und ihren Verbündeten langsam klar, dass viel mehr hinter ihrem Aufenthalt auf der eigenartigen Insel steckt, als sie anfangs vermuteten. Der Verdacht erhärtet sich noch, als sie auf der anderen Seite der Insel einen kleinen Kontinent entdecken, der allerdings erst seit einer Woche belebt ist, und auf dem ständig neue Menschen landen, die sich keinen Reim darauf machen können, warum sie in Ythaq aufgewacht sind.

Erst als Narvarth erneut von den Wunden des Skopanders gepeinigt wird und ein großes Unwetter die Schiffbrüchigen in den geheimnisvollen Tempel des neu entdeckten Kontinents treibt, findet Granit die ersten wirklichen Informationen über ihren Aufenthalt. Ihr Team und ihre Freunde sind lediglich Spielfiguren in einem Spiel, dessen Regeln in den vergangenen Stunden völlig außer Kontrolle geraten sind …

_Persönlicher Eindruck:_

Es ist wirklich erstaunlich, dass eine längst etablierte, inhaltlich eigentlich gefestigte Serie wie „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ kurz vor dem vermeintlichen Zieleinlauf – jedenfalls ließ sich ein solcher nach den Ereignissen der letzten beiden Episoden perspektivisch für die kommenden ein oder zwei Bände festlegen – noch einmal solch krasse Wendungen aufnimmt und sich in seiner Grundkonstitution ein weiteres Mal völlig verändert.

Allerdings wirkt der Break der Ausgangslage für die Protagonisten alles andere als erzwungen, sondern fungiert stattdessen als völlig logische Begründung für die Entwicklungen der bisherigen Episoden. Man durfte zwar schon vermuten, dass die Schiffbrüchigen lediglich Spielfiguren in einer übergeordneten Partie sind. Doch dass die Geschichte solche Wellen schlagen könnte und die Hintergründe des Ganzen mit so vielen zusätzlichen Überraschungen ausgestattet sind, das konnte man nun wirklich nicht erwarten.

Dabei beginnt das sechste Album noch relativ standesgemäß. Die ewigen Streitereien zwischen Callista und Granit werden mal wieder humorvoll in Szene gesetzt und das Erstgenannte dabei mal wieder den absoluten Tollpatsch gibt, gleichzeitig aber auch den Mund wieder sehr voll nimmt, heizt den Spaß noch weiter an. Die bissigen Wortwechsel, seit jeher eine Stärke der Serie, kommen also auch heuer nicht zu kurz. Ferner führt dieser ewige Zweikampf der beiden Damen aber auch erst zur nächsten Expedition, in deren Verlauf auch zahlreiche neue Charaktere in die Handlung einsteigen. Auch das überrascht, denn vor dem anvisierten Ende entstehen hier gleich neue persönliche Bündnisse und Konflikte, die fernab alldem ausgetragen werden, was bislang geschehen ist, und die ein vorzeitiges Finish letzten Endes gänzlich ausschließen.

Gleichzeitig finden bei einigen Figuren beträchtliche Entwicklungen statt: Narvarth rückt in ein völlig neues Licht, Krugor entpuppt sich ebenfalls als persönliche Enttäuschung, aber auch Granit und ihre Gefährten verändern sich im Hinblick auf die neue Ausgangssituation und gestalten den weiteren Verlauf der Story nach wie vor sehr lebendig.

Leben ist daher auch das richtige Stichwort: „Die Schiffbrüchigen von Ytahq“ bleiben im steten Wandel und setzen bei der Weiterentwicklung der Handlung auf Intensität und unglaubliche Überraschungseffekte. Und entgegen allen Erwartungen bäumt sich die Serie vor dem erahnten Zieleinlauf noch einmal auf, entwickelt neue Stränge, brilliert mit frischen Ideen und schafft es dabei sogar, das ohnehin sehr hohe Niveau ein weiteres Mal zu steigern. Keine Frage also, auf „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ ist Verlass – in Band 6 vielleicht sogar mehr denn je!

|Graphic Novel: 49 Seiten
Originaltitel: Les Naufragés d‘ Ythaq – La Révolte des Pions
ISBN-13: 978-3-940864-89-5|
[http://www.splitter-verlag.de/]http://www.splitter-verlag.de/

Arleston, Christophe (Autor) / Alary, Pierre (Zeichner) – SinBad 1: Der Kelch von Alexandria

Christophe Arleston gehört inzwischen zu den renommiertesten Schreibern im westeuropäischen Comic-Sektor. Immerhin 60 Alben gehen mittlerweile auf seine Kappe, darunter auch der Geniestreich „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“, welcher in bislang sechs Episoden über den |Splitter|-Verlag herausgegeben wurde. Arlestons Faible für Märchen war hingegen die Triebfeder für eine weitere Serie, die nun über den deutschen Vertrieb veröffentlicht wird. Mit „SinBad“ entführt der Autor sein Publikum in 1001 Nacht – und stellt die klassischen Geschichten aus dem Orient mal gewaltig auf den Kopf!

_Story:_

Im unbändigen Willen, seine Zukunft vorhersehen zu lassen, begeht der Kalif Aladin einen folgenschweren Fehler. Der Geist aus der Lampe verrät ihm, dass einer seiner Söhne ihn eines Tages töten und sein eigen Fleisch und Blut sein Verhängnis sein wird. In einer Kurzschlussreaktion lässt Aladin alle seine Kinder töten – und seine Frauen gleich mit. Doch als er sieht, wozu ihn der Geist getrieben hat, bereut er seinen Entschluss. Doch glücklicherweise konnte ein Kind versteckt werden …

Jahre später entschließt sich ein junger Seefahrer, seinen Adoptivvater und dessen Schiff zu verlassen, um seine Familie zu finden. Sinbad erfährt auf seiner Suche vom geheimnisvollen Kelch von Alexandria, mit dessen Hilfe man ein einziges Mal in seine persönliche Vergangenheit blicken kann. Mit List gelingt es ihm, auf der Insel der Zauberin Turbah Zugang zu deren Palast zu bekommen und mit ihr ein Tauschgeschäft zu vereinbaren. Doch der gewiefte Jüngling nimmt des Nachts Reißaus und stiehlt den Kelch ohne Gegenleistung. Und während er auf der Flucht bereits Turbahs Zorn zu spüren bekommt, sieht er im Antlitz des Kelches erstmals das Gesicht seiner Mutter …

_Persönlicher Eindruck:_

Arleston ist schlichtweg ein Magier, wenn es darum geht, märchenhafte Szenarien anzupacken, die Atmosphäre träumerisch aufzubauen und dabei Geschichten zu erzählen, die einfach nur mitreißen, ohne dabei von den klassischen Schemen der erkennbaren Ursprünge abzuweichen. Bei „SinBad“ ist die Wurzel der Handlung natürlich offenkundig der reiche Märchenschatz aus 1001 Nacht, den Arleston hier jedoch gewaltig verdreht. Reichlich bekannte Figuren tauchen in der Story auf, allerdings in einer Konstellation, die für den Verfechter der Traditionen sicherlich ein Schlag ins Gesicht bedeutet, in der hiesigen Anordnung und im gesamten Story-Arrangement aber erst das Salz in der Suppe ist. Erwartungsgemäß, will man da schon fast behaupten …

„Der Kelch von Alexandria“ ist dabei eine teils recht skurrile Mischung aus phantasievoller Märchengeschichte, ziemlich finsterer Orient-Romantik, charmantem Wortwitz und einer nicht endenden Situationskomik, die vor allem durch die Verwegenheit des Titelhelden begründet ist, sich aber hier und dort auf die immer mal wieder aufgegriffenen Klischees stützt. Sinbad selber taugt zwar als Heldenfigur nur bedingt, da er sich eher mit Glück und Risikobereitschaft durchs Leben schlägt, doch da sein gelegentlich sogar tollpatschig-naives Verhalten fast immer von Erfolg gekrönt ist, avanciert der Kerl alsbald zum Sympathieträger, der jedoch ständig mit seinem Gewissen kämpfen muss.

Die Story selber ist actionreich und flott, überschreitet zwar den normalen Umfang eines Albums, drängt aber in der Entwicklung ständig vorwärts und weist für einen insgesamt relativ simpel gestalten Comic relativ viele Handlungsschauplätze auf. Doch Arleston beugt einer Überstrapazierung der ständigen Wechsel vor, indem er seinen Protagonisten immer wieder sesshaft macht, Hoffnungen und Erwartungen schürt, dann aber wieder das Tempo anzieht, einen Umbruch forciert und somit wieder einen Steilknick in der Spannungskurve initiiert.

Damit bleibt dieses erste Kapitel auch bis zur letzten Seite heiter und lebendig, vor allem aber aufregend und abenteuerlich – eben das, was man von einer (illustrierten) Erzählung aus 1001 Nacht erwartet! Dementsprechend hat der Autor (und auch sein Zeichner Alary, der bereits aus „Belladonna“ bekannt sein dürfte) zum wiederholten Male ein überzeugendes Werk kreiert und einen Serienstart nach Maß abgeliefert; „SinBad“ mag zwar in vielerlei Hinsicht vorhersehbarer gestaltet sein als die klassischen Arleston-Geschichten, aber an Klasse mangelt es dem orientalischen Spaß deshalb definitiv nicht!

|Originaltitel: Sinbad – Le cratère d’Alexandrie
56 Farbseiten
ISBN-13: 978-3-940864-81-9|
http://www.splitter-verlag.de

Ange (Autoren) / Alary (Zeichner) – Belladonna 1: Marie

Das Autorenpaar Ange gehört mittlerweile zu den meist angesehenen Vertretern des frankobelgischen Comic-Stils. Hierzulande konnten sie sich vor allem mit den beiden |Splitter|-Serien „Das verlorene Paradies“ und „Die Legende der Drachenritter“ einen Namen machen, welche verdientermaßen mit großartiger Resonanz bedacht wurden (siehe unsere Rezensioen dazu). „Belladonna“ soll nun den nächsten Paukenschlag markieren, und das schon in absehbarer Zeit. Ungewohntermaßen setzen Ange nämlich in diesem Fall ’nur‘ auf einen Dreiteiler!

_Story:_

Paris im Jahr 1680: Am Hofe des Sonnenkönigs werden geheime Intrigen gesponnen und insgeheim bereits die gewaltsame Entmachtung des Throninsassen vorbereitet. Nur mit viel Glück und der Voraussicht der begabten Degenkämpferin Marie, die sich in Gestalt einer Nonne in den Festsaal geschlichen hat, gelingt es, ein Attentat auf Ludwig XIV. zu vereiteln. Der Attentäter, ein ebenfalls begabter Fechter italienischer Herkunft, kann entkommen, bleibt Marie jedoch im Gedächtnis.

Derweil rüstet sich die Geheime Kammer, eine Agentenorganisation, der neben Marie auch der gediegene Maxim angehört, für den angekündigten nächsten Anschlag und bereitet sich unter Aufsicht von Minister Louvois auf einen Gegenschlag vor. Und während Marie all ihre Beziehungen spielen lässt, um mehr über die Hintergründe des Attentats und auch über ihre Vergangenheit zu erfahren, ziehen die nächsten düsteren Nebel über den Königspalast. In Versailles kommt es zum Wiedersehen mit dem kompromisslosen Italiener – und dieses Mal geht er nicht mehr so zimperlich mit seinem Degen um …

_Persönlicher Eindruck:_

Keine Frage: Ein Setting in der Umgebung des Sonnenkönigs ist durchaus gewagt, da der Sektor mit vergleichbaren Beiträgen schon mehrfach überschwemmt wurde. Und nicht nur der Comic-Markt ist reich an thematischen Überschneidungen, auch sein audiovisuelles Pendant, die Anime-Sektion, hat sich zuletzt relativ erfolgreich an Interpretationen versucht, man denke nur an die grandiose TV-Serie „Le Chevalier D’Eon“.

Weniger übersinnlich, dafür aber mindestens ebenso eigenwillig geht es nun in „Belladonna“ zu. Natürlich werden hier wieder einige Klischees aufgegriffen, und gewohntermaßen gibt es auch die berüchtigten Intrigen am Hof des Königs, dargestellt in einem Mordkomplott und seltsamen Verwicklungen im Rücken des Throninsassen. Doch statt ausschließlich auf das majestätische Flair zu setzen, haben sich die Autoren für einen leichteren, näher liegenden Weg entschieden, nämlich eine Figur abseits des Throns zu etablieren, ihr die Hauptrolle zu verpassen und das Geschehen, natürlich um viele fiktive Ergänzungen erweitert, aus einer anderen Perspektive zu beleuchten – und siehe da: Das Projekt schlägt ein!

Dabei ist „Belladonna“ sicherlich eine typische Mantel- und Degen-Story auf der einen Seite. Die Atmosphäre gemahnt an die Dumas-Geschichten, die Action im Gefecht spielt gleichsam keine unbedeutende Rolle, und auch die Charaktere sind zum größten Teil (wenn nicht gerade anrüchig) Edelmänner mit Bezug zum Schwertkampf. Allerdings hat „Belladonna“ auch eine ganz andere Seite, und die spiegelt sich vor allem in den sehr eigensinnigen Charakterzeichnungen wider.

Marie, die Protagonistin dieser illustrierten Erzählung, ist hier als unberechenbare Figur das Prunkstück der Serie. Ungewisse Vergangenheit, mystische Aura, bezaubernd-sympathische Ausstrahlung und eine nicht näher zugeordnete Zugehörigkeit. Mit anderen Worten: Hier schlummert bereits eine Menge Potenzial. Nicht anders schaut es bei den übrigen Kompagnons; die Identitäten werden grob geformt, doch die Feinheiten müssen sich erst künftig herausformen und hinterlassen für die Autoren und auch für die Story noch eine Menge positiven Handlungsspielraum. Typisch Ange, kann man da fast sagen, und da es im Hinblick auf die Reputation der beiden Initiatoren kaum ein lobenswerteres Statement geben könnte, ist die Qualität der Reihe, ausgehend von dieser ersten Episode, bereits klar definiert!

Ein letztes Wort noch zum zeichnerischen Gesamtbild: Alary hat jahrelang für die |Disney Studios| gearbeitet und mehrere Kinofilme mit seinen Beiträgen unterstützt. Diesen Einfluss kann er selbstredend nicht ablegen, jedoch sorgt er auch dafür, dass sich das Gesamtwerk entscheidend von den übrigen Ange-Serien abhebt und auch hier ein hohes Maß an Individualität gewährleistet ist.

Unterm Strich ist also nichts zwingender als eine klare Empfehlung für Inhalt, Story und Visualisierung!

|Originaltitel: Belladone – Marie
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-83-3|
http://www.splitter-verlag.de

Téhy / Vax / Vee / Guenet / Renéaume – Yiu – Die Apokalypse: Buch 1 – In der Hölle

Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289
Band 2: [„Die Auferstehung des Unreinen“ 4290
Band 3: [„Die Kaiserin der Tränen“ 4920
Band 4: [„Der Schwur der Söhne“ 5114
Band 5: [„Operation Geisha“ 5485
Band 6: [„Der Inquisitor und seine Beute“ 5968

Das brachiale Science-Fiction-Konstrukt, das der französische Autor Téhy vor einiger Zeit unter dem Namen „Yiu“ publizierte und welches hierzulande vom |Splitter|-Verlag vertrieben wird, gehörte von Beginn an zu den diskussionswürdigsten Vertretern seiner Zunft.

Die Action war (und ist) übermäßig brutal, die Storys waren dagegen gerade in den ersten beiden Bänden relativ plump und größtenteils auf die Darstellung der Gewalt ausgelegt, und auch die wortkarge Titelheldin konnte ihren Part nur mäßig befriedigend erfüllen. Erst mit wachsender Episodenzahl bekam „Yiu“ dann ein Format, das eine Entwicklung von erträglich über ansprechend bis hin zu begeisternd durchmachte – und heute schon gar nicht mehr aus der Dark-Fiction-Welt wegzudenken ist. Genau diesen Zeitpunkt haben Autor und Verlag nun abgewartet, um das Prequel zur Serie herauszugeben. Parallel zu den üblichen Releases der Reihe werden nun die sieben Bücher von „Die Apokalypse“ veröffentlicht, in denen geschildert wird, wie Yiu zu dem wurde, was sie in der späteren Story als Profikillerin darstellt.

_Story:_

2166: Eine immense Krise hat den Globus radikal umstrukturiert und das Leben in den Erdenregionen zur Katastrophe für die normalsterblichen Bürger gemacht. Biowaffen gehörten in der Vergangenheit zum Standard, grausame Vernichtungen haben die bedeutenden Metropolen dahingerafft, und die einzige Instanz, die sich in der Zeit der seelischen Dürre und der brachialen Machtkämpfe weiter hat etablieren können, ist der Klerus.

Am 31. Mai kommt es dann zu einem folgenschweren Attentat: Der Bruder des buddhistischen Führers wird von einer nackten Schönheit, die er für seine alltägliche Hure hält, mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der Mann, dessen Glauben die Reduktion auf das Wesentliche propagiert, wird noch vor der nächsten religiösen Verfehlung ermordet und hat keine Gelegenheit mehr, zu erleben, was seine Ermordung initiiert: die Apokalypse …

_Persönlicher Eindruck:_

Unter Berücksichtigung vieler Aspekte ist der Auftakt von „Yiu – Die Apokalypse“ sicherlich ein richtig guter Comic. Da wäre zum einen definitiv die Tatsache, dass es sich hier um die Einleitung eines Prequels handelt, dessen seitenlang aufgebaute Dramaturgie durch die geschichtliche Rückblende auf jeden Fall Wirkung erzielt. Die übergroßen Panels, in denen der schrittweise Untergang noch einmal nachhaltig erläutert wird, bieten inhaltlich und zeichnerisch Klasse und den Verstand, den man von Téhy (ausgehend von den Episoden 4-6 aus der regulären Serie) gewohnt ist.

Dann muss natürlich auch berücksichtigt werden, dass es sich bei „In der Hölle“ ausschließlich um einen Rückblick handelt, der in der Form eines bloßen Tatsachenberichts eine erklärende Wirkung haben soll, quasi das Setting etablieren muss, gleichzeitig aber auch schon einmal die Voraussetzungen für das schaffen sollte, was in den folgenden Kapiteln in ausladender Form geschehen wird. Und natürlich ist ein gewisses Verständnis vorausgesetzt, nämlich dafür, dass in „Yiu“ die wiederum nicht ganz gewaltfreie Bildsprache die Akzente setzt – und darauf kann man sich hier auch voll und ganz verlassen.

Warum also diese Rechtfertigungen? Nun, der Plot ist enttäuschend und inhaltlich sehr begrenzt. Nach der bildgewaltigen Vergangenheitsbewältigung der Weltgeschichte folgt eigentlich nur der perfide inszenierte Mord an der Nummer zwo der buddhistischen Führung mit der explosiven Flucht der Attentäterin. Wer genau dahinter steckt, muss nicht näher erläutert werden, so dass die Verbindung zur eigentlichen Serie natürlich direkt hergestellt ist.

Nichtsdestotrotz wäre ein klein wenig mehr Tiefgang wünschenswert gewesen, da Story und Zeichnungen hier einen so großen qualitativen Kontrast entwerfen, dass die nicht zu Unrecht aufgeworfene Kritik, Téhy würde sich hinter der Gewalt der illustrierten Entwürfe verstecken, mal wieder in den Fokus rückt. Und man erinnere sich nur an den Auftakt von „Yiu“ vor ungefähr zwei Jahren: Da lautete das Urteil ähnlich.

Nun denn, die Hoffnung auf die Zukunft bleibt, ebenso die bleibenden Eindrücke der gewohnt starken, düsteren Zeichnungen. Doch langfristige Begeisterung erfordert mehr, weshalb man sich nun besser auf die Erfahrungen stützt und sich darauf verlässt, dass bereits die zweite Episode das Gleichgewicht wieder ins Lot bringen möge. Eine weitere derart langsam vorangeschobene Entwicklung wie beim letzten Mal wäre jedenfalls fatal!

|Originaltitel: Yiu – Aux enfers
69 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-99-4|
http://www.splitter-verlag.de

Arleston, Christophe & Latil, Dominique (Autoren) / Labrosse, Thierry (Zeichner) – Morea 5: Die Flamme der Finsternis

Band 1: [„Das Blut der Engel“ 4350
Band 2: [„Das Rückgrat des Drachen“ 4561
Band 3: [„Das Feuer der Zeit“ 5028
Band 4: [„Der Duft der Ewigkeit“ 5275

_Story:_

Als Moreas unsterblicher Butler Jeeves von einer sonderbaren Miliz erfährt, die in einigen afrikanischen Staaten gewaltsam das Regime stürzen will und dabei scheinbar auch mit dem DWC-Vize Gregor Nonce in Verbindung steht, entsendet der vermeintliche Hausdiener seinem rothaarigen Schützling eine Nachricht mit dem nächsten Auftrag. Doch die Botschaft kommt nicht rechtzeitig an, denn der Privatjet der reichen Erbin wird mitsamt Besatzung über dem afrikanischen Luftraum vom Himmel geschossen.

Morea und ihre Gefährten überstehen den Absturz mit einigen Blessuren und erfahren auf ihrem Trip durch die Steppe vom Rebellenführer Mupata, dessen teuflischer Plan tausende von Menschenleben kosten soll. Doch der Versuch, die Rebellen zu stürzen und sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, wird schon im Keim erstickt. Lediglich der kompromisslose Ritter Terkio scheint noch eine Idee dazu zu haben, mit welchen Mitteln Mupata in die Schranken zu weisen ist …

_Persönlicher Eindruck:_

Ende des ersten Zyklus – eine fatale Botschaft für die „Morea“-Fangemeinde, die sehnlichst darauf gewartet hat, dass sich der Konflikt zwischen Engeln und Drachen zuspitzt und das Überirdische, das die Serie bislang immer nur im Hintergrund ausgetragen hat, langsam aber sicher einmal zum Kernthema werden würde. „Die Flamme der Finsternis“, die fünfte Episode der Comic-Serie, bietet diesbezüglich dann auch kaum Befriedigendes, wenn man mal von der Tatsache absieht, dass Morea und Terkio gleich mehrfach von den Toten auferstehen. Doch den urzeitlichen Konflikt, den die beiden Parteien der Unsterblichen zu bewältigen haben, schneidet Arleston in seinem vorläufig letzten Beitrag nicht mehr an.

Stattdessen gibt es zum Grand Finale noch einmal Comic-Action-Feinkost der ganz besonderen Sorte, liebevoll inszeniert, humorvoll arrangiert, aber auch knallhart umgesetzt. Die Action steht in „Die Flamme der Finsternis“ deutlicher denn je im Zentrum, wird durch Schusswechsel, ziemlich brutale Nahkampfaktionen und stilechtes Gemetzel zusätzlich genährt, führt aber erstmals auch dazu, dass die Jugendfreigabe der Serie in Grenzbereiche vorstößt. Die Szene, in der eine Kettensäge als Mordwaffe instrumentalisiert wird, ist jedenfalls in diesem Zusammenhang grenzwertig.

Inhaltlich wiederum bleibt das Niveau konstant hoch, sicherlich auch durch das hohe Tempo bedingt, vor allem aber forciert von den steten Wechseln in der Story, in deren Mittelpunkt still und heimlich nun auch Jeeves rückt, der im letzten Band zwar schon einen großen Auftritt hatte, sich nun aber immer mehr als Fadenzieher entpuppt – leider aber erst zum Abschluss dieses Zyklus. Außerdem hat Arleston noch einmal alles in den Plot hineingepackt, was für die Serie bislang von Bedeutung war: die ständige Rangelei um den Führungsposten in der DWC, die eigenartigen Liebeleien der Titelheldin, das vorlaute Mundwerk von Terkio, dazu der stete Kampf gegen einige gefährliche Untergrundorganisationen und natürlich die beispielhaft ausgearbeitete Interaktion der Hauptdarsteller, wobei man an dieser Stelle sagen muss, dass der stets unsensible Terkio der Titelfigur in der letzten Runde noch die Show zu stehlen droht.

Doch gerade dies ist auch eine der nicht zu verachtenden Stärken dieser Serie: Sie wird nicht bloß von einer Figur getragen, sondern verteilt die Last auf mehrere Schultern, die wiederum auch allesamt dazu imstande sind, ihre Verantwortung als Protagonisten zu tragen. Insofern ist es schade, dass dieser Zyklus nun hier ein überraschend schnelles Ende findet, gerade auch deshalb, weil der abschließende Part die bisherigen Ereignisse mit einem starken Action-Plot krönt. Doch die Hoffnung, dass es hier schon sehr bald Nachschlag gibt, ist sicher nicht unberechtigt, da die Geschichte ihr Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft hat und Arleston und seine Gehilfen mit Sicherheit wissen, was für einen Brocken sie hier geschaffen haben. Also, danke für fünf starke Comics und Blick voraus zur nächsten Edition!

|Originaltitel: Morea – La brûlure des ténèbres
47 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-939823-94-0|
http://www.splitter-verlag.de

Istin, Jean-Luc / Jigourel, Thierry – Druiden, Die – Band 3: Die Lanze des Lug

Band 1: [„Das Geheimnis der Oghams“ 5607
Band 2: [„Die weiße Stadt“ 5972

_Story:_

Auf der Suche nach den Mördern der kopflosen Mönche scheint Gwenc’hlan schneller als erhofft fündig geworden zu sein. Über den Dächern der Stadt Ys stellt er einen verschleierten Flüchtenden, der offensichtlich Bruder Thomas auf dem Gewissen hat. Doch im Zweikampf gelingt dem Fanatiker erneut die Flucht, so dass Gwenc’hlan und sein Anhänger Taran weiter im Dunkeln tappen.

Doch Bruder Thomas ist den Druiden auch nach seinem Tod eine große Hilfe, da ein Manuskript preisgibt, was hinter den geheimnisvollen Artefakten des Ordens steckt und welche Bedeutung sie für die keltische Geschichte haben. Dabei findet Gwenc’hlan heraus, dass die Lanze des Lug sich direkt unter den Gemächern von Prinzessin Duhad verbirgt.

Diese weiß von dem geheimen Versteck und plant mit Gurvan, ihrem Geliebten, eine Palastrevolution. Doch Gurvans Avancen entpuppen sich als Schein: Der rücksichtslose Anhänger eines weiteren geheimen Ordens hintergeht nicht nur die Prinzessin und den König, sondern arbeitet geradewegs darauf hin, dass die Druiden zerstört werden. Noch während der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Stadt schlägt Gurvan zu und stürzt seine einstigen Verbündeten kompromisslos ins Verderben …

_Persönlicher Eindruck:_

Die Geschichte wird komplexer, so viel steht schon nach den Eindrücken der ersten Seiten des neuen Bands von Istins und Jigourels Gemeinschaftswerk „Die Druiden“ fest. Ein neuer Mythos wird eröffnet, neue Figuren – allen voran Gurvan – nehmen einen entscheidenden Platz in der Handlung ein, und darüber hinaus wandeln sich auch die Positionen einiger wichtiger Figuren. Doch dazu soll an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten werden …

Inhaltlich macht der Plot weitere Fortschritte, unter anderem auch deshalb, weil die Distanz zum offenkundigen Vorbild „Die Name der Rose“ ausgebaut wurde und es keine entscheidenden Parallelen mehr gibt. Derweil ist die Rollenverteilung immer noch nicht gänzlich geklärt. Abgesehen von Taran und Gwenc’hlan, die unablässig für ihren Orden einstehen und die Mordserie zu ihren Gunsten aufklären wollen, ist kaum einer der tragenden Charaktere langfristig berechenbar. Doch diese mangelnde Transparenz heizt die Spannung an den gegebenen Stellen noch weiter an, denn bis zuletzt ist man sich beispielsweise nicht sicher, welche Position Prinzessin Dahud einnimmt, was genau Gwendole im Schilde führt und welche Intrigen von den vielen zwielichtigen Gestalten in den Nebenrollen noch gesponnen werden.

Es gibt noch recht viele unbekannte Elemente in der Story, was grundsätzlich auch sehr gut ist, da somit das Potenzial für die Fortsetzungen spielerisch gesichert wird. Doch das Autorenteam sollte Vorsicht walten lassen, denn auf Dauer wirkt es weniger glaubwürdig, mit völlig neuen Voraussetzungen in ein neues Kapitel zu starten. Völlig neue Schauplätze sind es zwar nicht, die in „Die Lanze des Lug“ Einzug halten, doch alleine schon durch die Artefakte, die bislang noch mit keinem Wort erwähnt wurden, nun aber mit einem Mal einen solch hohen Stellenwert zugesprochen bekommen, entsteht ein komplett überholter Background, der die Story wiederum ein wenig durcheinander bringt.

Doch bevor an dieser Stelle Panik ausbricht: Es besteht kein Grund, nervös zu werden, weil die beiden Schreiber die Geschichte immer wieder problemlos in die richtigen Bahnen lenken und die neuen Elemente sehr schön in das bestehende Konzept einbringen. Die Gefahr, das Ganze nun zu überladen, sollte jetzt in den Folgebänden umschifft werden. Bis dahin darf aber wenigstens eine gewisse Restskepsis bleiben, denn es sollte über kurz oder lang schon darauf hingearbeitet werden, auch einmal ein paar Punkte zu setzen bzw. generell auf den Punkt zu kommen. Bis hierhin sind die Ausschmückungen und die Detailverliebtheit in manchen Bereichen jedoch einer der wichtigsten und überzeugendsten Bestandteile von „Die Druiden“ – und mitunter auch das, was die Geschichte bis zu dieser Erzählphase zusammenhält!

Was soll uns dies nun zum Schluss sagen? Nun, in erster Linie, dass die Serie konsequent weitergeführt wird und die guten Ansätze und Entwicklungen des zweiten Kapitels bestätigt werden. Und dass die Atmosphäre nach wie vor berauschend ist. Vielleicht noch, dass das Tempo erhöht wurde. Aber eben auch, dass der schwere Einstieg doch noch nicht ganz vergessen ist, gerade in den Phasen, in denen die Entwicklung etwas undurchsichtiger ist. Aber alles in allem verdient „Die Lanze des Lug“ eine ganze Menge Lob, da die Spannung auf einem sehr hohen Level bleibt und der Inhalt letzten Endes makellos ist!

|Originaltitel: Les druides – La lance de lug
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-42-0|
http://www.splitter-verlag.de

Téhy / Vax / Vee – Yiu 6 – Der Inquisitor und seine Beute

Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289
Band 2: [„Die Auferstehung des Unreinen“ 4290
Band 3: [„Die Kaiserin der Tränen“ 4920
Band 4: [„Der Schwur der Söhne“ 5114
Band 5: [„Operation Geisha“ 5485

_Inhalt:_

Von ihren jüngsten Erfolgen getrieben, erledigt Yiu einen atemberaubenden Auftrag nach dem nächsten und etabliert ihre Position als weltweit beste Profikillerin in gleich drei sagenhaften Demonstrationen. Doch als ihr Auftraggeber erstmals Zweifel am Chefhirn ihrer Organisation in den Raum wirft, scheint die nun folgende Mission aussichtslos. Ausgerechnet Eggor Eden Afschillen, dessen Visionen zu den größten Verbrechen der drei Hauptreligionen geführt haben, wünscht eine persönliche Audienz und bittet Yiu in sein entlegenes Versteck.

Unter größten Vorsichtsvorkehrungen kommt Yiu dieser Bitte nach und stellt dabei entsetzt fest, dass Afschillen niemand Geringerer als ihr grausamer Ausbilder in der Jugendzeit ist. Als ausgerechnet er sie darum bittet, Hand an ihn anzulegen und die Welt davor zu schützen, dass sein Wissen in andere Hände fällt, erklärt sich die Killerin nicht bereit, ihm einen letzten Gefallen zu tun. Doch Afschillen hat vorgesorgt: In seinen Händen befindet sich das Memo-Tech, das die Daten aller Aufträge der letzten Jahre beinhaltet!

_Persönlicher Eindruck:_

Wer bereits Erfahrungen machen bzw. Einblicke in die ersten Ausgaben von Téhys Sciencefiction-Reihe „Yiu“ genießen durfte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die apokalyptischen Zukunftsvisionen, die hier gezeichnet und in sehr actiongeladene Plots aufgefahrenen werden, nichts für zart besaitete Comic-Liebhaber sind. Téhy und seine beiden Mitstreiter Vax und Vee haben sich allerdings nicht davon abhalten lassen, das bereits bestehende Rahmenkonstrukt noch zu intensivieren und gerade in Sachen Brutalität in der Darstellung noch eins draufzulegen. „Der Inquisitor und seine Beute“ ist nun der vorläufige Höhepunkt einer einerseits bedenklichen, andererseits aber gerade zeichnerisch beachtlichen Entwicklung, die „Yiu“ sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf das illustrative Gesamtbild zu einem echten Grenzgänger werden lässt.

Die Geschichte, die den sechsten Band umspannt, folgt dabei deutlich dem hohen Potenzial der letzten drei Ausgaben. Das Dreigespann arbeitet mit geschickt eingebauten Rückblenden und stellt das derzeitige Dilemma der Hauptdarstellerin gegen die tragischen Ereignisse ihrer Kindheit und reflektiert in beiden Handlungsebenen, wie Yiu erst zu der Person werden konnte, die sie letztendlich geworden ist. Und gerade hier nimmt die Darstellung Züge an, die jegliche Jugendfreigabe verbieten und gerade deswegen nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Massenhaft Blut, Eingeweide, inszenierte, fast schon rituelle Morde und dieses beklemmende Angstgefühl, das sich unbehaglich einnistet und sich auch nicht mehr verdrängen lässt, zeichnen einen an sich sehr interessanten, zuletzt auch spannenden, aber eben nicht gerade zensurfreien Comic. Daher auch hier der gezielte Hinweis, dass selbst eine bis dato schon als sehr brutal eingestufte Reihe wie „Yiu“ diesbezüglich noch nicht an ihre Grenzen gekommen ist!

Auf der anderen Seite ist das Fundament der Erzählung brillant, vielleicht sogar das bislang solideste im ganzen Serienverbund. Die Dramaturgie stößt an immer neue Spitzen, die Vermischung von Vergangenheitsbewältigung und aktuellem Konflikt funktioniert wirklich wunderbar, und da vor allem die Protagonisten hier mit sehr vielen Details entworfen wurden, bekommt die gesamte Story eine noch weitaus eindringlichere Bedeutung zugeschrieben, als ihr brisanter Inhalt ohnehin schon suggeriert. In der finalen Kulmination der Ereignisse brechen schließlich alle Dämme und damit auch die berechtigten Bedenken ob der Schwerpunktverteilung von Effekten und tatsächlichem Content.

Das Resümee stützt sich daher auch in erster Linie auf die hervorragend, insgesamt sehr perfide inszenierte und apokalyptisch untermalte Handlung und bestätigt Téhy in seiner überaus positiven Entwicklung vom ersten Band bis zur aktuellen Episode. „Der Inquisitor und seine Beute“ ist ein starker Sci-Fi-Comic, wenn auch sehr brutal umgesetzt!

|Originaltitel: Yiu, permier missions – L‘ Inquisiteur et la proie
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-86869-028-6|
http://www.splitter-verlag.de