Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Allan Heinberg, Will Pfeifer – Wonder Woman – Wer ist Wonder Woman? (100% DC Bd. 12)

Story

Nach einjähriger Abstinenz sind die Rachegedanken Wonder Woman gegenüber immer noch nicht abgerissen. Obwohl Donna Troy inzwischen mehr oder weniger erfolglos versucht hat, diesen Part auszufüllen, geben sich weder die Bevölkerung noch die zahlreichen Gegenspieler, die den Mord an Maxwell Lord sühnen wollen, mit dem einstigen Wonder Girl zufrieden.

Als die Situation zu eskalieren droht und ihre beiden Amazonen-Schwestern Donna und Cassie selbst in die Schusslinie geraten, kann Diana von Themyscira ihre Isolation nicht mehr länger aufrechterhalten. Doch ihr Auftritt gegen Herkules und Circe macht ihr immer wieder bewusst, dass sie sich in ihrem Heldenkostüm und in ihrer zweiten Rolle nicht mehr wohlfühlt. In der Tarnung der Spezialagentin Diana Prince erfährt sie zudem von der mangelnden Akzeptanz, die man Wonder Woman nach der Mordanklage entgegenbringt. Soll sie nun endgültig den Schritt wagen und zum Menschsein übergehen? Oder ist Diana auf Lebenszeit und darüber hinaus gezwungen, sich ihrer ewigen Berufung zu stellen?

_Persönlicher Eindruck_

Jahrelang fristete Wonder Woman, einst eines der Zugpferde des |DC|-Universums, in mehreren Crossover-Serien ein Mauerblümchendasein und kam als unabhängige Superheldin nur noch sehr selten so recht zum Zuge. Einige Hauptrollen wie etwa diejenigen in den beiden „Crisis“-Reihen wurden ihr gegönnt, hier und dort gab es Gastauftritte, doch die unverständlicherweise verschwundene, nach ihr benannte Heftreihe wurde über die Jahre nicht wieder mit einem Comeback versehen. Und dabei hat die Background-Geschichte um |DC|s liebste Amazone doch insgeheim mehr Potenzial als das Gros der vielen Team-Serien, mit denen sich der Verlag in letzter Zeit wieder häufiger ans Publikum wagt.

Im Rahmen der „100% DC“-Reihe folgt nun aber doch noch die heiß ersehnte Wiederauferstehung von Diana von Themyscira, allerdings in einem eher merkwürdigen, insgesamt leider auch unwürdigen Rahmen. Das Autorenteam Heinberg/Pfeifer knüpft in der ersten Mini-Serie der jüngst in Amerika neu aufgelegten Heftreihe genau dort an, wo auch schon die neuen Episoden von „Batman“ und „Superman“ zuletzt erneut Anker warfen. Ein Jahr nach der „Infinite Crisis“ – die Parallelen sind sicher nicht zufällig – kehrt Diana nun also zurück und ist sich ebenso wie ihre Kollegen nicht ganz über ihr weiteres Dasein als Superheldin im Klaren. Klischeehaft, wie es sich in diesem Rahmen nun fast schon von selbst versteht, bedarf es einer bevorstehenden Krise, die das Eingreifen der Protagonistin erfordert, damit diese sich bei ihrer Sinnorientierung wieder fangen kann. Und natürlich betrifft der anstehende Konflikt ihre direkte persönliche Umgebung, nämlich Cassie und Donna, die sich um die legitime Nachfolge der Titelheldin bewerben, als solche aber nicht anerkannt werden.

So viel zu den Rahmenbedingungen, die an dieser Stelle ein wenig ironisch dargestellt sind, um einfach noch einmal bewusst zu machen, wie sehr sich die Motive des zurückgekehrten „Infinite Crisis“-Triumvirats doch gleichen. Nur eben setzt man bei Wonder Womans Quasi-Comeback doch recht deutlich auf altbekannte Klischees, bezieht sich ein weiters Mal auf die Herkunftsgeschichte der Amazone, versucht gleichzeitig mit der Sinnfrage ihres Superheldendaseins philosophische Inhalte in den Plot zu tragen und übergeht damit die eigentliche Handlung immer wieder. Ein fokussierter Spannungsaufbau ist solchermaßen kaum möglich, da die fragmentierte Aneinanderreihung von lose zusammenhängenden Kapiteln dies gar nicht zulässt. Einige interessante Ideen werden angeschnitten, keine jedoch zielgerichtet verfolgt, so dass am Ende genau das geschieht, was insgeheim doch alle erwartet haben. Da können auch die Jagd auf Circe oder das plötzliche Gefecht mit Herakles kaum für Abwechslung sorgen und den Fortschritt des Plots nur wenig beeinflussen. Es fehlt einfach an magischen Momenten und präziser entwickelten Charakteren und Szenarien, und darüber kann auch die stetig bemühte Action nicht hinwegtäuschen. So graziös wie erwartet ist das Comeback von „Wonder Woman“ nämlich absolut nicht.

Tja, da ringt die |DC|-Amazone seit Jahren um eine neue eigene Serie, hat hierfür in den vergangenen Crossover-Reihen auch schon einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und bekommt nun eine vergleichsweise schwache Erzählung aufgebrummt, die den ersten Sammelband mit den US-Ausgaben eins bis fünf zu einer derben Enttäuschung machen. Der Esprit, der Charme, ja selbst die zeichnerische Eleganz sind in „Wer ist Wonder Woman?“ nur angedeutet, nicht jedoch auf gewohntem Niveau vorzufinden. Und nimmt man die im Untertitel gestellte Frage einmal wörtlich, ist man sich selber schon nicht mehr sicher, wie die Antwort nun aussehen könnte. Bleibt zu hoffen, dass die nächsten Ausgaben diesbezüglich etwas mehr Aufschluss geben, vor allem aber diesen schwachen Auftakt schnell wieder vergessen machen!

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Meltzer, Brad / Johns, Geoff / Benes / Eaglesham – Justice League Of America 3: Die Lightning-Saga

Band 1: [„Aus der Asche“ 3997

_Story_

Als Batman in seiner Höhle mit dem lange verschollenen Karate Kid konfrontiert wird, ist dies die Initialzündung für die Rückkehr einer einstigen Heldenorganisation, die noch an Supermans Seite gekämpft hatte. Gemeinsam mit dem verstörten Starman bildet er die Speerspitze einer siebenköpfigen Gemeinschaft, die aus dem 31. Jahrhundert in die Jetztzeit gereist ist, ohne wirklich zu verstehen, welcher Mission sie tatsächlich nachgehen.

Für Batman, Superman und Konsorten ist dies Grund genug, erstmals die JLA und die JSA zusammenzufügen und in einzelnen Splittergruppen nach den übrigen fünf Legion-Mitgliedern Ausschau zu halten. Nach und nach entdeckt man die merkwürdigen Rückkehrer, wittert aber gleichsam eine Intrige der Legion. Doch was genau haben die beiden kooperierenden Teams zu fürchten?

_Persönlicher Eindruck_

Es soll der Crossover der Giganten sein, ein weiteres monumentales Ereignis mit Starbesetzung und vielleicht auch die endgültige Rückkehr der beiden prominentesten Teams des DC-Universums – doch was kann man vom dritten Sonderband der „Justice League Of America“ tatsächlich erwarten?
Tja, nach einer halben Ewigkeit hat man nun also ein unverständliches Versäumnis nachgeholt und die Justice League mit der Justice Society zusammengeführt. Jedoch ist diese Kombination lediglich der Aufhänger für eine zunächst recht geradlinige, nach und nach aber immer komplexer werdende Story, an deren Ende mal wieder die Rückkehr eines kurzzeitig vermissten Helden steht.

So viel also zum innovativen Aspekt des Crossovers. Davon abgesehen ist die Handlung aber wirklich interessant und enorm facettenreich gestaltet. Schon auf den ersten Seiten zeichnet sich ab, dass die fünfteilige, hier zusammengefasste „Lightning-Saga“ gleich auf mehreren Ebenen ausgetragen wird, was angesichts der ziemlich großen Zahl potenzieller Hauptdarsteller aber auch nicht anders zu erwarten war. Dabei gelingt es dem Viergespann Meltzer, Johns, Benes und Eaglesham jedoch erstaunlich gut, die Last der Handlung auf recht viele Schultern zu verteilen und somit auch die Teams als solche, nicht aber einzelne Würdenträger ins Rampenlicht zu stellen.

Problematisch wird dies lediglich in der Fortentwicklung der Story, während der ständig neue Persönlichkeiten die Szenerie säumen und mitunter auch den wachsenden Mangel an Übersichtlichkeit begründen. Zwischenzeitlich fragt man sich nämlich, worauf sich der Plot innerhalb des kleinen Durcheinanders stützt und wie er auf das schlussendliche Finale zusteuern kann. Jedenfalls stehen die vornehmlichen Abläufe und die unverhoffte Wiederkehr eines verlorenen Helden der „Infinite Crisis“ nur geringfügig in Zusammenhang miteinander, was dem gesamten Schlussakt eine Art Alibifunktion verleiht, die an dieser Stelle nicht dringend benötigt worden wäre. Eigentlich könnte die Geschichte, so wie sie sich in den ersten Kapiteln konstituiert, nämlich auch ohne derartig künstlich hervorgerufene ‚Highlights‘ leben.

Und dennoch ist das Aufeinandertreffen der beiden renommierten |DC|-Mannschaften an sich ein gelungenes Spektakel mit einem anständigen Grundgerüst und einer weitestgehend ordentlichen Story. So manche Ungereimtheit in den letzten beiden Episoden mag dem Autorenteam angesichts der ziemlich weitreichenden Background-Story erlaubt sein, zumal wirklich alle namhaften Superhelden der amerikanischen Comic-Schmiede gleichermaßen spektakulär zum Einsatz kommen, und das wollen die Fans schließlich auch sehen. Da auf illustrativer Ebene auch Lob und Anerkennung verdient erarbeitet wurden, steht am Schluss dann doch die leicht eingeschränkte Empfehlung für diesen gutklassigen, kompakten Crossover!

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Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags in Panama, Die (Amerikaserie, Band 12)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 12: Die Digedags in Panama (Mosaik 196 bis 199)_

Nach dem unangenehmen Wiedersehen mit den ehemaligen Mississippi-Piraten Doc und Jack in San Francisco verpassen die Digedags die von Mrs. Jefferson – aus offensichtlich weniger barmherzigen Gründen – gesponserte Überfahrt mit dem Dampfschiff nach Panama. Zwar haben die findigen Wichte zusammen mit Jenny Joker den Goldschatz gerettet, doch wie soll’s nun weitergehen? Käpt’n Blubber hat die Idee, seinen alten Pott, der seit einem Vierteljahrhundert als Hotelschiff in Friscos Hafen festlag, wieder seetüchtig zu machen. Was bei allen Beteiligten berechtigterweise Zweifel daran aufkommen lässt, ob der morsche Seelenverkäufer es überhaupt aufs offene Meer, geschweige denn bis nach Panama schaffen kann. Im Heuerbüro erntet der forsche Käpt’n jedenfalls nur Hohn. Kein Seemann scheint bekloppt genug, um dieses Wagnis eingehen zu wollen. Die Chance ergreifen Doc und Jack.

Als Matrosen verkleidet, heuern sie als Crewmitglieder auf dem ollen Walfänger an. Niemand schöpft Verdacht. Dafür ist auch gar keine Zeit, denn jeder an Bord – ob Seemann oder nicht – hat alle Hände voll damit zu tun, den vollkommen maroden Kahn zusammen- und irgendwie funktionstüchtig zu halten. Tatsächlich schippert man alsbald in Richtung Zentralamerika. Kurz vor der Ankunft an der Landenge trifft man auch auf den in Frisco verpassten Dampfer mit ihren Widersachern, der aufgrund von Mrs. Jeffersons bekannt sturer Art arge Probleme mit einer wütenden Walherde hat. Doc und Jack nutzen die Gunst der Stunde, um sich fix per Rettungsboot abzusetzen – mit dem Goldschatz. Sie können aufgehalten werden, was aber wertvolle Zeit kostet und im Schiffbruch endet. So hat man schon wieder Mrs. Jefferson und den Colonel am Kanthaken, als sie sich gezwungenermaßen auf dem Landweg nach Aspinwall an der Atlantikküste durchschlagen müssen.

_Eindrücke_

Der neue Band zwölf war früher einmal Band acht und dazu auch noch umfangreicher. Genau zwei Kapitel fehlen zur früheren Version aus DDR-Zeiten. Dort waren es sechs, hier sind es seit der 2005er Neuauflage nur noch deren vier. Egal welche Ausgabe man auch bemüht, das letzte Drittel des Amerika-Abenteuers ist angebrochen und folgt weiter dem alten Rezept, dass die Digedags sich von ihren Verfolgern einfach nicht freischwimmen können. Jetzt tauchen auch noch Doc und Jack aus der Versenkung auf, deren großer (Ex-)Boss Coffins ja unrühmlich in die ewigen Jagdgründe eingekehrt ist (vgl. „Die Digedags und der Goldschatz“). Auch ohne ihren gerissenen, ehemaligen Anführer sind die beiden gefährlich, wenn auch nicht so intelligent, aber überaus hartnäckig.

Zwei Figuren verlassen die Geschichte hier nun. Die beiden Kapitäne Smoky und Blubber verabschieden sich von den Jokers und den Digedags, um gemeinsam eine Hotelier-Karriere zu starten. Major Pinkerton war ja bereits im letzten Band in San Francisco endgültig ausgeschieden. Mrs. Jefferson und der Colonel bleiben dem Leser noch mindestens ein wenig erhalten, wobei man merkt, dass die Autoren die beiden irgendwie schon fast abgeschrieben haben – es fehlt ein wenig der Biss der alten Jefferson, und der Colonel ist nur noch farbloses Beiwerk, ganz so, als hätten sie etwas resigniert. Dabei versuchen die beiden Dauerwiedersacher selbstverständlich immer noch, den drei Gnomen den Goldschatz abzujagen. Neu hinzu kommt mit Pedro „Der stärkste Mann der Welt“, dem die Digedags unter kuriosen Umständen auf dem Jahrmarkt begegnen. Er wird das Trio die nächsten zwei Bände buchstäblich tatkräftig begleiten.

_Fazit_

Inhaltlich fast identisch mit der alten Ausgabe, jedoch in der Neuauflage um zwei Kapitel gekürzt, ist dieser Band wieder einer der witzigeren und spannenderen. Man besinnt sich auf alte Tugenden der Serie. Es passiert auch viel, was die Story weiter vorantreibt. Immerhin müssen es die Wichte in den letzten drei Bänden der Serie über Zentralamerika noch den weiten Weg bis nach New York schaffen, womit sie ein entsprechend hohes Tempo anschlagen müss(t)en. Der Band endet mit dem gleichen Cliffhanger, der neugierig auf den nächsten Band macht. Wäre die auf 15 Bände aufgeblähte Neuauflage nicht so teuer, könnte man für die Panama-Episode den Daumen noch ein Stückchen höher recken.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags in Panama“ – Amerikaserie, Band 12
Enthält die Mosaik-Hefte 196 bis 199
© 1978 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1884-0 (neu)

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Moore, Alan / Charest, Travis – WildC.A.T.S 1: Heimkehr nach Khera

Auf den ersten Blick ist Heimkehr nach Khera ein ziemlich gewöhnlicher Superhelden-Comic. Vom Cover bis zur letzten Seite springen da dem Leser die WildC.A.T.S entgegen: bunte, athletische Körper ohne den geringsten Makel. Sie sind ein außerirdisches Superhelden-Team, vergleichbar mit der JLA oder den Teen Titans. Sie können durch die Luft fliegen, Wände einreißen und andere tolle Sachen machen. Ihre Fähigkeiten setzen sie natürlich nur zum Guten ein, Menschheit beschützen, Katastrophen verhindern, Katzen retten und dergleichen. Von den knalligen Seiten lächelt einem die glatte Plastikwelt der US-Comicindustrie entgegen. Nach wie vor führen Superhelden in den USA die Verkaufszahlen an.

Frank Neubauer kennt sich mit Superhelden aus. Schließlich hat er sie lange übersetzt, beispielsweise für |Ehapa| oder |Dino Comics|. Vor einer Weile fand er sehr passenden Worte, um den Charme vieler Superhelden-Comics zu beschreiben. „Bei manchen Serien stumpft man ab, weil man bei Heft 20 weiß: Okay, da kommen jetzt vier Seiten Vorstellung der Figuren, fünfzehn Seiten auf die Mütze hauen und drei Seiten Abgesang“, so Neubauer in einem Gespräch mit |Comicgate.de|. Schema F also. Was tun? Durchblättern, lächeln und wegwerfen, das Zeug?

So ein Einstieg verrät natürlich, dass bei „Heimkehr nach Khera“ vieles anders ist. Muss es auch, schließlich ist der kürzlich bei |Panini| erschienene Band schon zwanzig Jahre alt. Kurz nach seiner Erstveröffentlichung in den USA erschien er hierzulande bei |Splitter|. Die Alben sind natürlich längst vergriffen, so dass das Szenario lange Zeit in der Versenkung verschwunden war. Einen stinknormalen Superhelden-Comic hätte niemand wieder ans Licht holen müssen.

In Wirklichkeit handelt es sich bei „WildC.A.T.S: Heimkehr nach Khera“ um eine seltene Perle im Superhelden-Universum. Einen ersten Hinweis darauf könnte der Name des Autors auf dem Cover sein, wenigstens für eingefleischte Comic-Fans. Denn hier hat der Brite Alan Moore Hand angelegt. Moore, eher bekannt durch Klassiker wie [„V wie Vendetta“, 2428 „Watchmen“ oder „From Hell“, hat im Laufe seiner Karriere auch Spuren im amerikanischen Mainstream hinterlassen. So schrieb er unter anderem auch an Jim Lees „WildC.A.T.S.“ mit.

Neben Frank Miller ist Alan Moore einer der großen Dekonstruktivisten des Superhelden-Comics. Soll heißen: Anstatt Geschichten von aalglatten Übermenschen zu erzählen, nimmt er Abstand von solchen Konzepten und konzentriert sich auf die zerbrechlichsten Stellen seiner Figuren. Eben dieses Interesse macht „Heimkehr nach Khera“ zugleich spannend und unterhaltsam. Wer sich jetzt ein düsteres, sich selbst auflösendes Werk denkt, liegt falsch. Es sind noch immer Superhelden, sie bleiben es auch bis zum Ende, aber sie ringen mit sich selbst, nicht mit ihren Feinden. Parallel beackern Moore und der fabelhafte Zeichner Travis Cherest zwei Schauplätze, nämlich Khera und die Erde. Ein Teil der WildC.A.T.S ist zu ihrem Heimatplaneten zurückgekehrt, einige andere sind auf der Erde geblieben und versuchen dort, ein neues Superhelden-Team aufzubauen.

Auf Khera müssen die WildC.A.T.S feststellen, dass der Krieg gegen die Erzfeinde (die Daemoniten) inzwischen gewonnen wurde. Nach dem Krieg kam weder ein Paradies noch der himmlische Friede, sondern eine strenge soziale Hierarchie und mit ihr eine Ordnung, die auf viele einstige Lichtgestalten einen finsteren Schatten wirft. Wer Freund oder Feind ist, hängt plötzlich vom eigenen Standpunkt ab und ist nicht mehr vordefiniert. Es ist die Ebene der Politik, die Alan Moore da berührt. Die Folge ist der Zusammenbruch des Teams, weil jeder auf andere Art und Weise auf die soziale Ungerechtigkeit reagiert. Man könnte auch sagen, die WildC.A.T.S zerfleischen sich selbst in dem Moment, als ihnen die Feinde ausgehen.

Die Probleme auf der Erde sind etwas anders gelagert. Dort versuchen die verbliebenen WildC.A.T.S ein neues Team aufzubauen. Das gelingt nach einigen Anstrengungen auch, aber das Ergebnis ist höchst unbefriedigend. Die neuen Mitglieder sind in erster Linie gewalttätig und auf ihren eigenen Vorteil bedacht und erst in zweiter Linie Diener am Gemeinwohl. Mit H.A.R.M., dem ersten Superschurken, den sie fertigmachen, bekommt der Leser beinahe Mitleid. „Er hatte nur einen kindischen Traum … Er wollte 1500 Pfund wiegen und Boden-Luft-Raketen in den Schultern haben.“ Aus der Traum. Die neue WildC.A.T.S besuchen den Schwerverbrecher zu Hause und erschießen ihn, natürlich aus Versehen. Kein Wunder, dass die Unterwelt auf so eine Provokation reagiert. Ganz zu schweigen von der Witwe …

Wer als Kind gerne Superhelden-Comics gelesen hat und glaubt, dem Medium inzwischen entwachsen zu sein, sollte einen Blick auf „Heimkehr nach Khera“ werfen. Dieser Comic macht einfach Spaß. Unter der Oberfläche des recht simplen Plots schlummert ein wunderbarer Witz und Verstand, so dass sich die Geschichte trotz ihres Alters noch immer frisch und lebendig anfühlt. Und nicht nur die Story und die Dialoge, sondern auch die Zeichnungen und die Kolorierung sind brillant. Hier wurde aus der Versenkung geholt, was nicht dorthin gehört. Auf die Mütze hauen und drei Seiten Abgesang? So einfach macht es sich Moore bei den „WildC.A.T.S“ zum Glück nicht.

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Ellis, Warren / Bisley / Sprouse / Story / Bermejo / Coker / Pearson – Global Frequency 2: … oder wie ich lernte, Gewalt zu lieben

[„Global Frequency 1: Planet in Flammen“ 3982

_Story_

Miranda Zero und ihr Team von der Global Frequency stellen sich erneut internationalen Terror-Organisationen, werden dabei aber auch immer deutlicher zum Feindbild verschiedener Untergrundbanden. Die Leiterin der Frequency erfährt dies am eigenen Leibe, als sie von einer brutalen Gruppierung entführt und gezwungen wird, die Daten ihres Geheimbunds preiszugeben. Doch Zero denkt nicht daran, sich und ihr Lebenswerk zu verraten und spielt unterdessen mit ihrem Leben.

Derweil wird die Frequency auch in Japan aktiv. Zero und ihr Team rekrutieren den längst ausgeschiedenen Takashi, um ein geheimnisvolles Labor zu infiltrieren. Was er dort jedoch entdeckt, übersteigt all seine Vorstellungskraft. Aber auch Aleph, die im Hintergrund alle Fäden zieht, wird mehrfach mit dem Tod konfrontiert. Zum ersten Mal in ihrer fünfjährigen Karriere bei der Global Frequency muss sie aktiv ins Geschehen eingreifen, als eine feindliche Gruppierung den Zentralkomplex der Einheit aufspürt. Jedoch kann sich Aleph in diesem Fall nicht auf ihre 1001 Agenten verlassen, die sie in den bisherigen Missionen über den Globus gescheucht hat …

_Persönlicher Eindruck_

Warren Ellis – ein Name, ein Monument und demnächst sicherlich auch eine Legende. Mit seiner jüngst eröffneten neuen Serie „Global Frequency“ schürte er zunächst noch einige Diskussionen über die tatsächliche Genialität dieser hierzulande in Sammelbänden veröffentlichten Heftreihe, konnte seine wachsende Fangemeinde jedoch schlussendlich doch wieder von seinen finsteren, futuristischen Mini-Thrillern überzeugen. Der zweite Kompaktband der Serie offenbart nun mit den Episoden 7-12 der amerikanischen Original-Auflage endgültig die Qualitäten, die man bisweilen im direkten Vorgänger noch nicht in ihrer hier vorliegenden Fülle entdecken konnte. Deftige Action, beklemmende Atmosphäre, faszinierende Charaktere und interessante Themen – Ellis weiß um den perfekten Crossover, der vonnöten ist, um sein Publikum ein weiteres Mal zu begeistern!

Dabei beginnt „Global Frequency … oder wie ich lernte, Gewalt zu lieben“ noch relativ schwach. Eine Mini-Geschichte aus dem künftigen Hamburg mag zwar als Einführung in die Welt der Organisation taugen, vermag jedoch unter den Aspekten eines guten Comic-Thrillers keinesfalls zu punkten. Austauschbar, mitunter sogar langweilig, was hier geboten wird. Der radikale Umschwung folgt dann aber direkt auf dem Fuße: Der zweite Plot mit der Entführung von Drahtzieherin Miranda Zero ist ein atemberaubend inszeniertes Action-Feuerwerk, welches bisweilen als modernes James-Bond-Meisterwerk durchgeht, bei dem aber sowohl die Figuren als auch die Story noch eine Spur cooler sind.

Im Folgenden kristallisiert sich dann auch immer deutlicher die brutale Seite der Serie heraus. Takashis Auftrag in Osaka ist ein recht perfide gestaltetes Zwischending aus Mystery-Handlung und Horror-Story, in seiner Darstellung aber schon ziemlich heftig. Etwas zielstrebiger, dafür aber auch noch eine Spur blutiger ist schließlich das seitenlange Gefecht zwischen dem ‚Franzosen‘, einem inkognito ermittelnden Frequency-Agenten, und seinem Kontrahenten Wellfare, welches in Sachen Nahkampf-Action in etwa das Niveau der neuesten [„Rambo“-Verfilmung]http://www.powermetal.de/content/artikel/show-1338.html erreicht, allerdings nicht bloß auf diesen Effekt schielt. Auch wenn inhaltlich nicht viel geschieht, so ist die kompromisslose Auseinandersetzung vor allem zeichnerisch unheimlich sehenswert und ein abwechslungsreicher Beitrag zur Serie.

Dies kann man auch vom Grand Finale behaupten, welches einerseits mit einem ebenfalls recht actionreichen Zwischenfall in der Zentrale der Global Frequency aufwartet, andererseits aber auch eine neue Konfrontation mit einem unbekannten Terror-Akt aufbietet. Besonders die letzte Geschichte distanziert sich dabei ziemlich deutlich von den bisherigen Storys, nicht bloß auf die Handlung als solche bezogen, sondern auch hinsichtlich der griffigeren Illustrationen. Zwar mangelt es der Serie bis dato absolut nicht an Vielseitigkeit, jedoch sind derartige Einschnitte in die übliche Schemen jederzeit erfrischend und verfehlen ihre Wirkung auch in diesem Fall nicht. Bravo, Mr. Ellis!

Insgesamt lässt sich sagen, dass es dem Autor unheimlich gut gelungen ist, sein Publikum Stück für Stück intensiver in die Welt der „Global Frequency“ eintauchen zu lassen. Ellis umhüllt die Organisation nach wie vor mit einem geheimnisvoll anmutenden Schleier, enthüllt aber auch kontinuierlich einige Mysterien und lässt somit eine permanente, interessant anzusehende Entwicklung zu. Des Weiteren ist das Tempo immer noch unheimlich hoch, was aufgrund der inhaltlichen Themenkreise und der recht knappen räumlichen Limitation der Kurzgeschichten auch nicht anders tragbar wäre. Der wichtigste Punkt des durch und durch positiven Resümees ist allerdings der, dass die Spannung – abgesehen von der Auftaktstory – in allen Beiträgen rasch am Siedepunkt ist und dementsprechend wirklich keine Zeit zum Verschnaufen bleibt. Dies zeichnet einen Starautor, wie es Warren Ellis nunmehr längst ist, eben aus und macht den zweiten Sammelband der „Global Frequency“ zur Pflichtlektüre für qualitätsbewusste Comic-Leser.

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Peyer, Tom / Trainor, Mary / Dixon, Chuck – Bart Simpson Comics 34

_Inhalt_

|“Mr. Bart Krabappel“|

Bart erlaubt sich in der Schule einen Scherz mit einigen Schwammsauriern, kann seinen Kopf jedoch beim Urteil der Polizei so gerade noch aus der Schlinge ziehen und schiebt die Schuld für sein Vergehen Mrs. Krabappel zu. Doch der Preis für seine Unschuldsbekundung ist hoch: Die Lehrerin muss zwangsweise für einige Wochen im Hause der Simpsons unterkommen – und kramt dort die Hierarchie gewaltig durcheinander …

|“Willie und die Weasels“|

Ein außergewöhnlicher Beat im Heizungsrohr macht Bart und seine Klassenkameraden neugierig. Hausmeister Willie ist der Verursacher des flotten Rhythmus und erzählt voller Begeisterung von seiner Zeit bei den Weasels, einer schottischen 60er-Kapelle, deren Werdegang deutliche Ähnlichkeiten zu einer berühmten Gruppe aus Liverpool aufweist. Doch Willie hat noch mehr Geschichten auf Lager als die vom erfolgsverwöhnten Musiker …

|“Burger Meister“|

Homer kann einfach nicht akzeptieren, dass er Bart bei kleinen hausinternen Rivalitäten dauernd unterlegen ist. Auch er will einmal auf der Siegerstraße fahren und meldet sich hierzu bei einem Burgerwettbewerb aus Krustys TV-Show an. Doch schon die Erstellung des Rezepts bereitet ihm Probleme, und während er noch grübelt, sendet Bart seinen Vorschlag bereits ein …

_Persönlicher Eindruck_

Na, das ist ja nach längerer Zeit mal wieder eine lohnenswerte Ausgabe der „Bart Simpson Comics“. Obwohl die drei Geschichten ziemlich kompakt und knapp gestaltet sind, greifen die drei Autoren doch auf ein richtig gut bestücktes Repertoire aus Gags und Anspielungen zurück, die den Humor der zuletzt noch recht mäßigen Reihe wieder gehörig vorwärts bringen.

Bereits der Auftakt ist ein Volltreffer und erinnert insgeheim an die vielen Storys mit Marges ungeliebten Schwestern. Mrs. Krabappel wird ins Haus der Simpsons zwangsverwiesen, übernimmt dort jedoch relativ schnell das Zepter, ganz zum Unmut der männlichen Hausbewohner, die alsbald rebellieren und sich gegen die neue Besetzerin auflehnen. Und als wäre dies nicht genug, muss der neunmalkluge Bart plötzlich auch noch den Spott seiner Mitschüler ertragen. Witzig.

Den vorläufigen Höhepunkt markiert unterdessen die unglaubwürdige Fabel von Hausmeister Willie, der hier einmal mehr seinen Hang zu phantastischen Erzählungen auslebt und seine Karriere als Mitglied eines Beatles-Pendants zum Besten gibt. Gerade in Anbetracht der vielen witzig umgesetzten Querverweise und der coolen grafischen Nachahmungen im Simpsons-Stil werden hier erneut Akzente bei der Wiederbelebung historischer Inhalte im Comic-Stil gesetzt.

Die letzte Story im Bunde ist mal wieder ein typischer Homer-vs.-Bart-Plot, der im Grunde genommen total unsinnig ist und sich zum x-ten Male wider die Moral ‚der Klügere gibt nach‘ behauptet. Doch derlei Aspekte zeichnen das Simpsons-Universum von Grund auf aus und machen auch diesen Beitrag zu einem wertvoller seiner Art.

Also, auf den Punkt gebracht: Nr. 34 ist eines der wenigen zählbaren Highlights dieser inhaltlich häufig schwankenden Serie und somit auch ein empfehlenswertes Exemplar der „Bart Simpsons Comics“. Da fragt man sich doch zwangsläufig, warum dieses Niveau nicht permanent aufrechterhalten werden kann …

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Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags und der Goldschatz, Die (Amerikaserie, Band 11)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 11: Die Digedags und der Goldschatz (Mosaik 192 bis 195)_

Eben noch Gefangene ihrer eigenen Goldmine, gelingt den Digedags und der entführten Jenny Joker die Flucht aus den Klauen von Prediger Coffins und gleichwohl von der Insel des vergessenen Indianer-Volkes. Es scheint, als hätte der Erzgauner die Partie gewonnen. Zwar sind sie mit Hilfe ihres alten Freundes Rote Wolke in Sicherheit, doch die Mine können sie offensichtlich abschreiben. Die Insel ist nicht zuletzt dank Coffins‘ in Buffalo Springs angeheuerten Gunmen (vgl. „Die Digedags und die Dampforgel“) nunmehr eine uneinnehmbare Festung – ganz so, wie Colonel Springfield es unter anderen Umständen schon einmal prophezeit hatte. Nur dass die olle Jefferson, Abe Gunstick und er selbst nicht damit gerechnet hatten, vom falschen Reverend dermaßen ausgebootet zu werden. Sein Selbstbau-Katapult steht nun in Coffins‘ Diensten.

Rote Wolke versteht es, die niedergeschlagenen Digedags aufzurichten, die mit dem Gold ja ihren Beitrag zur Unterstützung der Sklavenbefreiung leisten wollten. Das erkennt der Häuptling als überaus edles und unterstützenswertes Ziel an, sodass er mit einem gut gehüteten Geheimnis herausrückt bzw. seine Story von damals (vgl. „Die Digedags in den Rocky Mountains“) erweitert: Er kennt die Stelle im See, wo das alte Indianer-Volk der Insel den Göttern in Form von Goldgötzen opferte. Mit vereinten Kräften und unter Anleitung der technisch beschlagenen Wichte werden ein Kriegsfloß und eine Taucherglocke gebaut. Das Kriegsfloß dient dazu, die neuen, renitenten Inselbewohner in Schach zu halten – speziell des Colonels Katapult. Mit der Taucherglocke bergen die Digedags allerhand goldene Kunstgegenstände vom Seegrund, was bei den Gegnern nicht unbemerkt bleibt. Die Situation eskaliert und Coffins begeht in seiner Wut einen fatalen Fehler.

_Eindrücke_

Nur zwei Kapitel der Neuausgabe von 2005 finden sich in der Urfassung des Sammelbandes (damals – bis 1989 – Band 7) wieder, nämlich die letzten zwei. Die vorangegangenen vier sind seit der geänderten Fassung in „Die Digedags und die Dampforgel“ umgemodelt worden. Dieses Kuddelmuddel, welches Kenner der alten Version Fragezeichen aufs Gesicht zaubert, ist der Reduzierung der Kapitelzahl zuzuschreiben. Statt früher sechs, sind es neuerdings nur noch vier. Das erweitert die komplette Anzahl Sammelbände der Amerikaserie von früher zehn auf heute 15. Der aufmerksame Leser und Rechenkünstler stellt fest, dass dieser neue Band mit der Nummer elf daher jetzt zwei andere Kapitel beinhalten muss, die vorher nicht drin waren. Das ist korrekt. Und zwar wanderten die ersten beiden von „Die Digedags in Panama“ (alte Ausgabe) hinein, was thematisch nicht so recht ins Bild passen will und einmal mehr einen sehr zerrissenen Eindruck der Neuauflage hinterlässt.

Inhaltlich bemerkenswert an diesem Band ist, dass zum ersten und einzigen Mal innerhalb der Amerikaserie jemand zu Tode kommt. Coffins segnet das Zeitliche mit einem großen Knall. Moralisch gesehen, ist dagegen nichts einzuwenden, dennoch stellt es einen kleinen Tabubruch dar, wenn sonst selbst Schusswaffengebrauch, diverse Zug- sowie Schiffsunglücke oder ganze Büffel-Stampedes bei den Digedgas immer für die Beteiligten glimpflich und ohne Schramme ausgehen. Da leuchtet Coffins‘ von Habgier motiviertes Ableben als deutliches Fanal besonders hell. Apropos Coffins: In diesem Band gibt es ein Wiedersehen mit seinen alten Piraten-Kumpanen Doc und Jack. Der alte Abe Gunstick entschwindet aus der Story, Mrs. Jefferson und der Colonel sind jedoch nicht abzuschütteln. Natürlich sind die beiden Duos auf den Goldschatz scharf und warten nur auf die Gelegenheit, seiner habhaft zu werden. Das sorgt weiterhin für Spannung und teils wilde Verfolgungsjagden.

_Fazit_

Ein rasanter Band, in dem viel passiert. Der Schnitt von Rocky Mountains auf San Francisco ist recht harsch, das war in der alten Version eleganter gelöst: Am Ende des Rocky-Mountains-Zyklus war auch das Buch zu Ende; so kam man für Frisco und Panama frisch rein. Dagegen wirkt der neu aufgelegte Band thematisch zusammengewürfelt, was leider für fast die gesamte Neuauflage gilt. Da aber die überaus lesenswerte Comic-Serie deutscher Fertigung nur komplett wirklich Sinn macht, ist die Aufteilung eigentlich wurscht – sieht man von den happigen 12,95 € pro Sammelband einmal ab. Und jetzt sind’s deren immerhin 15 Stück.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags und der Goldschatz“ – Amerikaserie, Band 11
Enthält die Mosaik-Hefte 182 bis 195
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1883-2 (neu)

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Whedon, Joss / Jeanty, Georges – Buffy: Die Rückkehr der Jägerin (Staffel 8, Teil 1)

Buffy ist zurück. Die Vampirjägerin, die mit sieben Staffeln (1997-2003) zu den langlebigsten und erfolgreichsten Fernsehserien der letzten Jahre gehört, feiert ihre Rückkehr. Allerdings nicht als TV-Serie, sondern im Comic-Format. „Die Rückkehr der Jägerin“ aus dem |Dark House| ist dabei nicht nur ein Marketing-Gag, denn der Comic kommt als achte Staffel daher, konzipiert von |Buffy|-Erfinder Joss Whedon persönlich. Die deutsche Übersetzung stammt von |Panini| und enthält als Sammelband die ersten fünf Episoden – von geplanten 30.

Elf Jahre ist es her, dass die Pilotfolge von „Buffy – Im Bann der Dämomen“ ihr Debüt im amerikanischen Fernsehen feierte. Der Erfolg war zunächst mehr als ungewiss, denn die noch recht unbekannte Hauptdarstellerin Sarah Michelle Gellar (jetzt Sarah Michelle Prinze) und ihre noch weniger bekannten Kollegen waren nicht unbedingt Publikumsmagneten. Die Serie musste also durch die Qualität überzeugen, und das tat sie – nach einem eher bescheidenen Beginn hinsichtlich der gewünschten Quoten – dann schließlich auch. Sie brach Konventionen und vermischte die Motive einer Teenie-Serie mit Horror und Komik. Einzelfolgen wie „Hush“, in der fast die ganze Zeit geschwiegen wird, oder die Musical-Folge „Once More With Feeling“, in der ein Dämon die Hauptdarsteller zum Singen bringt, haben Referenzen gesetzt.

Der Weg zum Erfolg und einer noch immer großen Fangemeinde war aber recht steinig. Die Serie lehnte sich nämlich an einen gleichnamigen Kinofilm aus dem Jahr 1992 an, der im Kino floppte. Drehbuchautor Joss Whedon verließ wegen Unstimmigkeiten vorzeitig das Set, da er seine Ideen nicht richtig umgesetzt fand. Mit der Serie, die er fünf Jahre später begann, wollte Whedon noch einmal von vorne beginnen und – dieses Mal auch auf dem Regiestuhl – in die gewünschte Richtung lenken. Der Erfolg sollte ihm Recht geben.

_Inhalt_

Buffy ist ein junges Mädchen, das sich mit der Schule und den Jungs herumärgern muss. Doch das sind nicht ihre einzigen Sorgen, denn als Auserwählte ist sie ebenfalls dazu bestimmt, gegen das Böse zu kämpfen. Die Fernsehserie spielt in Sunnydale, das direkt über dem Höllenschlund liegt und demnach genügend Bösewichte in Form von Vampiren und Dämonen bereithält.

Zum Glück ist Buffy jedoch nicht auf sich allein gestellt. Ihr zur Seite steht Giles, der belesene Bibliothekar der Schule und zugleich Ausbilder und Wächter der Jägerin. Zu Buffys Freunden zählen der etwas chaotische Xander und die schüchterne Musterschülerin Willow, die sich allmählich zu einer magiekundigen Hexe entwickelt. Im Laufe der sieben Staffeln kommen neue Verbündete hinzu, etwa Buffys kleine Schwester Dawn oder Andrew.

Am Ende müssen sie alle zusammenhalten, um das Urböse ein für allemal zu vernichten. Ihr Plan geht auf, Sunnydale wird jedoch zerstört. Buffy ist zudem keine Auserwählte mehr, denn überall auf der Welt erfahren junge Mädchen außergewöhnliche Kräfte. Die Gruppe sieht sich also neuen Aufgaben gegenüber, verteilt sich in kleinen Teams und lässt sich an verschiedenen Orten nieder, um neue Mädchen auszubilden, die den Kampf aufnehmen. Genau an diese Stelle beginnt der Comic.

Buffy ist mit einigen Jägerinnen auf einem routinemäßigen Einsatz. Die Monster sind schnell besiegt, doch nach dem Kampf finden die Mädchen in dem Unterschlupf ihrer besiegten Gegner einige Leichen. Die Menschen können noch nicht lange tot sein. Eigenartig ist allerdings, dass sie ein mystisches Abzeichen auf der Brust eingebrannt haben: einen Stern, der über einer liegenden Sichel steht. Buffy ist dieses Symbol unbekannt, und obwohl sich dahinter nichts mehr als ein unbedeutendes Branding verbergen kann, geht die Vampirjägerin auf Nummer Sicher, fertigt einen digitalen Abdruck an und schickt ihn zu Xander, der in einer bestens ausgestatteten Kommandozentrale die Koordination übernommen hat – ja, auch Buffy und ihre Freunde haben sich auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Vorbei sind die Zeiten, in denen Buffy auf die Bibliothek von Giles zurückgreifen musste. Von der Naivität der früheren „Scooby-Gang“, wie sich die Freunde zu College und Highschool-Zeiten nannten, ist ebenfalls nicht mehr viel zu spüren. Vielmehr wirkt die neue Truppe wie eine militärisch geführte Einheit, die sich per Funk und Handy verständigt. Der Pflock wird zwar immer noch als Waffe gegen Vampire eingesetzt, zur Grundausrüstung gehören jedoch jetzt auch Kampfstäbe oder Harpunen – je nachdem, welchem Monster man gegenübersteht.

Über die fünf enthaltenen Episoden in diesem ersten Band ist ein Hauptstrang noch nicht zu erahnen. Vielmehr werden Spuren für spätere Folgen gelegt, bisher unbeantwortete Fragen beantwortet und die Wandlung der Charaktere beschrieben. Willow etwa hat ihre Zauberkraft wieder unter Kontrolle und ist mächtiger denn je. Dawn, Buffys kleine Schwester, muss mit den Auswirkungen ihrer ersten Liebesbeziehung klarkommen: Ihr Freund entpuppte sich nämlich als Gefräßiger (im englischen deutlich eleganter als Thricewise bezeichnet), der Dawn in einen Riesen verwandelt hat. Und Andrew, der sich in Staffel sieben vom liebenswerten Bösewicht zum liebenswerten Helden gewandelt hat, versucht die Moral der neuen Jägerinnen durch mehr oder weniger sinnvolle Methoden zu heben. Auch die böse Seite schläft nicht und schickt neben neuen Schurken auch altbekannte Vertreter wie Amy oder Warren ins Rennen. Wer genau hinschaut und zwischen den Zeilen liest, wird aber erahnen können, dass auch in Staffel acht etwas Großes wieder seinen Lauf nimmt.

_Bewertung_

Der |Buffy|-Comic „Die Rückkehr der Jägerin“ muss zwei Arten von Konsumenten zufriedenstellen, die nicht unbedingt die gleichen Erwartungen an einen |Buffy|-Comic hegen. Das sind zum einen die Fans, die sich Buffy auf DVD gekauft haben und jede Folge bis ins Detail auseinandernehmen, im Internet mit anderen Fans diskutieren und sich im besten Fall noch auf Conventions treffen. Sie wollen, dass die Geschichte um die liebgewonnenen Charaktere nahtlos an die siebte Staffel anschließt und keine Brüche in der Erzählung oder der Erzählweise auftauchen. Zum anderen sind da die Comicleser, die Buffy im Fernsehen gesehen und gemocht haben und sich nun darüber freuen, dass eine Umsetzung erschienen ist, denen es aber eher um den Comic als um Buffy geht. Natürlich gibt es auch Buffy-Fans, die schon immer viele Comics gelesen haben, das dürfte aber die Ausnahme sein.

Um es vorwegzunehmen: „Die Rückkehr der Jägerin“ kann keine der beiden Seiten völlig zufrieden stellen, versucht sich aber an einem Mittelweg, der nicht als fauler Kompromiss daherkommt, sondern die Vorzüge der Buffy-Serie mit den Möglichkeiten des Comicformats geschickt verbindet. Dafür müssen allerdings Abstriche gemacht werden. Die Handlung knüpft nämlich nicht direkt an die letzte TV-Staffel an, sondern lässt eine zeitlich größere Lücke, die unter anderem zum Spannungsaufbau genutzt wird. Der Leser erfährt nur häppchenweise, wie es der „Scooby-Gang“ seit der Zerstörung von Sunnydale ergangen ist.

Allerdings wird nicht nur eine Lücke gelassen, sondern die Umstellung auf ein anderes Format auch genutzt, um aus der Teenie-Serie einen Erwachsenencomic zu machen: Buffy präsentiert sich so rau wie nie zuvor, zudem sind die Beziehungs- und Teenagerprobleme neuen Konfliktpunkten gewichen. Dazu kommt, dass technische Neuerungen Einzug gehalten haben und eine große Rolle im Kampf gegen das Böse spielen. Aus der ehemals kleinen Schüler- bzw. Studentengruppe ist eine militärische Einheit entstanden. Wer sich an die vierte Staffel erinnert, in der die Initiative eine große Rolle gespielt hat, wird einige Parallelen erkennen. Das erscheint zunächst eigenartig, denn gerade diese Staffel gilt unter den Fans nicht als Buffy-Höhepunkt. Dennoch, die Neuausrichtung in Comicgestalt ist sinnvoll und gut in Szene gesetzt. Ob es unbedingt notwendig gewesen wäre, so stark in eine militärische Richtung zu gehen, muss jeder selbst entscheiden. Fans der Serie werden sich aber trotz der neuen Ausrichtung mit dem Comic anfreunden können, denn der |Buffy|-Witz und -Charme sind beibehalten worden.

Auch die ’normalen‘ Comic-Leser müssen Abstriche machen und sich klar darüber sein, dass „Die Rückkehr der Jägerin“ nicht für sich alleine steht, sondern nur in Kombination mit der Serie funktioniert. Die vielen Verweise und Charaktere, vor allem der zahlreichen Nebenfiguren, die plötzlich auftauchen und nicht eingeführt werden, sind nur von genauen Kennern der Serie zu verstehen. Die DVDs sollte man also zumindest zu Hause haben, sonst bereitet der Comic nicht viel Freude. Allerdings sind auch unabhängig von diesem Hintergrund die Folgen aufgrund zahlreicher Szenenwechsel und einer vollgepackten Erzählung sehr komplex ausgefallen und verlangen vom Leser einiges ab.

„Die Rückkehr der Jägerin“ geht einen schwierigen, aber mutigen Weg. Anstatt das Erfolgskonzept der TV-Serie zu kopieren, schlägt der |Buffy|-Comic eine neue Richtung ein, präsentiert sich deutlich erwachsener. Worauf die achte Staffel zusteuert, ist bisher nur zu erahnen. Doch dieser erste Sammelband zeigt bereits, dass Joss Whedon ein ehrgeiziges Konzept gestartet hat, hinter dem mehr steht als nur eine lieblose Fortführung der alten Geschichte. Denn Whedon nutzt hervorragend die Möglichkeiten des Mediums Comic aus, um |Buffy| ein neues Gewand zu verpassen. Der Comic ist actionreich, lustig und optisch gut umgesetzt. Wer sich auf die neue Buffy einlässt und nicht der alten Serie hinterhertrauert, bekommt ein ausgezeichnetes Produkt geboten. Und das auch in der deutschen Ausgabe von |Panini|, die mit einer guten Übersetzung zu überzeugen weiß und zudem als hübscher und stabiler Sammelband daherkommt.

http://www.paninicomics.de/?s=Buffy

Boothby, Ian – Futurama Comics 30

_Inhalt_

|“Der Tod und das Mädchen“|

Fry, Bender, Leela und Co. sind fasziniert von der Fernsehsendung „Die Tür des Grauens“, deren Erzählungen und Berichterstattungen lediglich auf überraschenden Wendungen basieren. Kurzerhand beschließen sie, die Studios aufzusuchen und die Produzenten nach der Entstehung der Serie zu befragen. Man erfährt dabei, dass die Geschichten allesamt auf wahren Begebenheiten fußen, was Bender dazu veranlasst, den Studioinhaber nach Manipulationen der Realität zu fragen und die Tipps auch sofort umzusetzen. Plötzlich befinden sich die ungleichen Freunde in einer seltsamen Parallelwelt wieder, in der seltsame Bekanntschaften, ein Leben nach dem Tod und Nuklearanschläge an der Tagesordnung sind. Alsbald will jeder von ihnen nichts mehr als endlich wieder in die Realität außerhalb der „Tür des Grauens“ zurückzukehren.

_Persönlicher Eindruck_

Die 30. Ausgabe der „Futurama Comics“ ist eine deutliche Anspielungen auf die einstige SciFi-Produktion „The Twilight Zone“, die in den 50ern und 60ern zu den TV-Magneten des amerikanischen Publikums gehörte. In allerlei Szenen werden das Prinzip der Sendung bzw. die raschen Wendungen der Handlung auf die Schippe genommen, wobei Bender und Co. sich parallel hierzu durch eine ganze Reihe merkwürdiger Absurditäten kämpfen müssen.

Die Geschichte ist unterdessen ein wenig verworren aufgebaut und windet sich im Gesamtverlauf mehr oder weniger unbewusst an einem tatsächlichen Höhepunkt vorbei. Im Sinne der überraschenden Umkehrung der Storyline springt man von Szenerie zu Szenerie, wechselt dabei ständig den Standort und lässt auch keine stringente Struktur zu. Dies mag unter Berücksichtigung der vielen starken Gags und dem Prinzip von „The Twiligh Zone“ aber kaum belastend sein, schließlich ist der Verlauf der Geschichte jederzeit nachvollziehbar und die Figuren sind erneut sehr schön in die Story eingewoben. Und dass Linearität sich im Rahmen des üblichen, hier besonders ausgeprägten „Futurama“-Chaos fast schon von selbst ausschließt, darf man in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen.

Dennoch bleibt der Inhalt in erster Linie ausschließlich für Insider greifbar, da die witzigen Elemente ein wenig Vorwissen über die ursprüngliche Serie erfordern. Doch gerade wegen dieser Beharrlichkeit bzgl. nonkonformen Themen und unkonventionellen Handlungsmuster ist auch „Der Tod und das Mädchen“ ein weiteres Highlight der „Futurama Comics“ und zum 30. Jubiläum ein würdiger Vertreter der Reihe, den Liebhaber eben deswegen erneut zu schätzen wissen werden.

http://www.paninicomics.de/futurama-s10311.html

Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags und die Dampforgel, Die (Amerikaserie, Band 10)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 10: Die Digedags und die Dampforgel (Mosaik 188 bis 191)_

Wie nicht anders zu erwarten, gelingt es dem findigen Gauner Coffins wieder einmal, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Er und seine Kumpanen kommen durch unerwartete Hilfe von außen aus dem Knast von Buffalo Springs frei. Die Digedags hatten dank Dan Botchers Luftschiff „Königin der Lüfte“ eigentlich unbeabsichtigt aber dennoch höchst erfolgreich in den Gouverneurswahlkampf des Städtchens eingegriffen und dem republikanischen Kandidaten Betterman somit zum Sieg verholfen (vgl. „Die Digedags am Missouri“). Sein fieser und einflussreicher Gegenspieler Mr. Goldner kocht und sinnt auf Rache. Man verschanzt sich auf Goldners Ranch und schmiedet Pläne, Buffalo Springs wirtschaftlich zu ruinieren – möglicherweise gar mit dem Gold der Mine, welche die Digedags in den Rockies entdeckten. Die aufgebrachten Bürger sind allerdings schon auf dem Weg, Goldner den Marsch zu blasen.

Den Tumult nutzt Coffins zur Flucht und schafft es nebenbei, die ehemalige Leibgarde Goldners sowie ein Dampfschiff samt Crew anzuheuern. Das verschafft ihm einen immensen Vorsprung. Die Digedags haben derweil das Nachsehen, holen erst einmal Jeremias und Jenny Joker ab und tuckern zusammen mit ihnen auf der reparierten Barkasse Kapitän Smokys den Beaver-Creek hinauf in die Berge. Dort treffen sie einen alten Bekannten wieder, dessen Begeisterung über das Wiedersehen sich zunächst allerdings in Grenzen hält: Major Pinkerton (vgl. „Die Digedags bei den Indianern“). Den hat man seit ihrer letzten Begegnung hierher an den Arsch der Welt strafversetzt. Man begräbt aber das Kriegsbeil, und Pinkerton verspricht, es mit Colonel Springfield aufzunehmen. Der hatte zusammen mit Old Abe Gunstick und Mrs. Jefferson ja versprochen, die Indianer-Insel in eine Festung zu verwandeln (vgl. „Die Digedags und Häuptling Rote Wolke“), und Coffins darf man erst recht nicht unterschätzen.

_Eindrücke_

Das kurze und zudem vergleichsweise langweilige Intermezzo in Buffalo Springs findet in diesem Band sein orgelndes Finale, und die Geschichte um den Goldfund auf der mysteriösen Indianer-Insel in den Rocky Mountains geht endlich weiter. Dan Botcher, Doc Snyder, Betterman, Goldner, Lobby, General Knocker und auch die beiden Geheimdienstagenten Clever und Sniffler verschwinden somit endgültig aus dem Dunstkreis der Digedags. Sie spielen in der Serie keine Rolle mehr, waren sie doch eh nur Füllmaterial. Allenfalls Clever und Sniffler hätten vielleicht einen etwas ausführlicheren Abgang verdient, denn die beiden Figuren waren interessant aufgezogen und gestaltet. Dafür bekommt der Leser einen beinahe geläuterten Major Pinkerton sowie Jeremias und Jenny Joker wieder.

Als ebenbürtiger Haupt-Gegenspieler bleibt der falsche Reverend Coffins erhalten und erweist sich überdies den Digedags hier um eine deutliche Nase voraus. Drei weitere altbekannte Gestalten halten nach einigen Bänden wieder Einzug in die Geschichte: das erprobte Triumvirat Jefferson-Springfield-Gunstick. Zwar auch nicht unbedingt große Freunde der drei Wichte, aber im Gegensatz zu Coffins eher harmlos, weil leicht plemplem und in ihrer Gold-Gier sich selbst ständig im Weg stehend. Die drei bilden einen humorigen, fast schon sympathischen Gegenpol zum Erzgauner.

Band zehn ist gegenüber seinem Vorgänger wesentlich temporeicher und spannender erzählt, wobei der typische Witz darunter nicht leidet, auch wenn es vielleicht streckenweise etwas ernster zugeht. In den vier Kapiteln wird jede Menge Stoff durchgebracht, doch der Showdown in den Bergen muss bis zum nächsten Buch warten.

_Fazit_

Die ursprüngliche Geschichte nimmt wieder Fahrt auf und der rote Faden wird endlich weitergesponnen. Nebencharaktere verlassen die Bühne und lieb gewonnene Figuren aus der Vergangenheit der Serie tauchen stattdessen aus der Versenkung auf. Wären Preisgestaltung und – gegenüber der DDR-Originalausgabe – geänderte Aufteilung der Neuauflage nicht so daneben, so würde dieser seit 2005 neu hinzugekommene Zwischenband sich glatt eine Fünf-Stern-Wertung einhandeln. So bleibt dem geneigten Leser nichts anderes übrig, als wenigstens noch einmal zähneknirschend rund 13 Euro zu investieren, um zu erfahren, wie es in den Rocky Mountains weitergeht.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags und die Dampforgel“ – Amerikaserie, Band 10
Enthält die Mosaik-Hefte 188 bis 191
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1882-4 (neu)

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Azzarello, Brian (Autor) / Risso, Eduardo (Zeichner) – 100 Bullets: Bd. 7 – Samurai

Brian Azzarello und Eduardo Risso werden seit einiger Zeit als Dream-Team des US-Action-Comics gehandelt. Nicht ohne Grund. Ihre Serie „100 Bullets“ ist ein Dauerbrenner und hat schon einen Haufen Preise abgeräumt. Hierzulande folgt |Panini| der Spur und veröffentlichte kürzlich „Samurai“, den siebten Band der Serie. Er enthält die Knastgeschichte „Chillen im Ofen“ und die Parabel „InStinkt“.

„Chillen im Ofen“ ist eine Gefängnisgeschichte, in der eigentlich nicht viel passiert. Die Handlung ist recht statisch und gleicht eher einem erzählten Gemälde als einer Achterbahnfahrt. Eingangs wird der Knastbruder Loop, die Hauptfigur dieses Vierteilers, aus der Einzelhaft entlassen. Mehrere Tage hat er in einer kakerlakenverseuchten Höhle ohne Fenster zugebracht. Nun wird er zurück in den Alltag hinter Mauern geschickt. Wieder unter Leuten, muss er aufpassen, dass ihm niemand das Fell über die Ohren zieht. Loop ist nämlich gut darin, sich Feinde zu machen. Nacheinander werden nun die Figuren ins Feld geführt, die ihm ans Leder wollen. Ex-Minuteman Lono ist darunter, Aufseher Dirtz und schließlich Nine Train, dem Loop die Luftröhre brach, weswegen er in der Einzelhaft landete. Viel Platz zum Manövrieren bleibt ihm nicht, denn seine Gegner sind alle größer, stärker und einflussreicher als er. Was er braucht, ist eine List, ein Zaubertrick, um aus der Situation herauszukommen. Eine Geschichte ohne Agent Graves, ohne einhundert Kugeln, dafür aber mit Lono und Sheperd, die direkt an die Episode „Die Nacht des Zahltags“ (100 Bullets 6: [„Sechs im Roten Kreis“) 3283 anknüpft.

In dem Dreiteiler „InStinkt“ dreht sich alles um Tiger, Mafiosi und zwei Junkies. Einer der Heroinabhängigen ist der ehemalige Minuteman Jack, ein großer Kerl mit zerschlissenen Hosen und einer Pistole, die ihm Agent Graves gab. Plus einhundert Kugeln, die nicht zurückverfolgt werden können. Zu der Waffe gab Graves noch den Hinweis, dass Jack sich selber in die Scheiße geritten habe. So ist Jack also angehalten, über sich selbst nachzugrübeln. Zurzeit kurvt er mit seinem Junkie-Freund Mikey durchs nächtliche Nirgendwo. Als Mikey den Wagen zu seinem Cousin Garvey lenkt und Jack dort einen stolzen Tiger hinter Gittern erblickt, bekommt er den entscheidenden Denkanstoß. Der Tiger wird zum Spiegelbild seiner eigenen Situation. „Ob er glaubt, er hat’s verratzt?“ Während Jack auf solch geistigen Höhenflügen reitet, empfängt Cousin Garvey Besuch. Drei suspekte Herren aus der Großstadt mit italienischem Akzent sind angereist, um viel Geld auszugeben und dafür einen Tiger zu erschießen. In seinem Käfig, null Risiko. Der König des Dschungels als Schlachtvieh. Jack erkennt, dass für ihn der Zeitpunkt gekommen ist, um sein Leben zu ändern. Hätten sich die italienischen Herren doch besser einen anderen Tag für ihren Besuch ausgesucht …

Wer die Arbeiten von Azzarello und Risso mag, wird an „Samurai“ seinen Spaß haben. Knallharte Macker, scharfe Babes, kurze, bissige Wortwechsel und ein schmierig-düsteres Ganoven-Milieu machen auch dieses Mal wieder den Flair der Storys aus. Etwas spannender kommt der erste Teil „Chillen im Ofen“ weg, da die Handlung facettenreicher und weniger vorhersehbar ausfällt als „InStinkt“. Das zweite Szenario lahmt, weil der Leser zu schnell den Braten riecht, der ihm da vorgesetzt werden soll. Das Gleichnis zwischen Tiger und dem Minuteman Jack ist klar, die Konsequenz daraus folgt jedoch zu langsam. Die Geschichte hinkt etwas hinter den Gedanken des Lesers hinterher. So ist „Samurai“ eine konsequente und gute Weiterführung der Serie „100 Bullets“, aber sicherlich kein Meilenstein der Comic-Literatur.

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Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags am Missouri, Die (Amerikaserie, Band 9)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 9: Die Digedags am Missouri (Mosaik 184 bis 187)_

Da sich der hohe Regierungsbeamte Mr. Lobby als alter Kumpel von General Knocker entpuppt und zudem auf seiner eigenen Farm der Sklavenhaltung frönt, steht für die Digedags fest, dass sie schleunigst aus Saint Louis verschwinden müssen. Sie können niemandem mehr trauen, nicht mal mehr den beiden Nordstaaten-Geheimdienstlern Clever und Sniffler. Somit werden sie schon wieder verfolgt – was irgendwie nicht neu für die drei Wichte ist. Hilfe erhalten die Digedags von Kapitän Smoky, der sie mit seiner als Flatboat getarnten Barkasse auf dem Missouri aus der Stadt schafft. Coffins und seine neue Zweckgemeinschaft sind ihnen jedoch dicht auf den Fersen. Durch geschickte Informationsverbreitung bekommt er gleich ein ganzes Dampfschiff nebst Crew und Passagieren in wilden Goldrausch versetzt. Sehr zum Leidwesen der Flüchtenden ist jener Dampfer wesentlich schneller als der alte Eimer und holt unaufhaltsam auf.

Das Glück will es jedoch, dass Coffins und Kumpane irrtümlich ein anderes Flatboat attackieren – die Digedags könnten sich nun bequem aus dem Staub machen, doch ihre krankhafte Neugier ist ihr Verhängnis: Sie werden aus Versehen gerammt, als sie sich dem Tumult nähern. Zwar landen die Verfolger allesamt im Kittchen des aufstrebenden Örtchens Buffalo Springs, doch der Schaden an ihrem Boot ist beträchtlich. Dummerweise tobt derzeit auch noch ein heißer Gouverneurs-Wahlkampf in der Stadt, sodass der Sheriff wegen des Trubels für „normale“ Fälle keine Zeit und erst recht keinen Sinn hat. Das muss warten. Eine Reparatur des Schiffes wird wegen „Beweissicherung“ abgelehnt, die Weiterfahrt aufgrund späterer Zeugenbefragung ebenfalls untersagt. Beide Parteien sitzen also fürs Erste hier fest. Während Coffins & Co. Fluchtpläne schmieden, wirbeln die Digedags den Wahlkampf auf die ihnen eigene Art gehörig durcheinander.

_Eindrücke_

Der zusammengeschrumpfte Sammelband hat mit der alten DDR-Ausgabe fast nur noch den Titel gemein. Die hatte sechs Kapitel, die Neuauflage nur noch deren vier. Die Digedags befinden sich mal wieder auf der Flucht vor Coffins, der ihnen stets am Hacken klebt wie eine Tube UHU Schnellfest. Das ist für gestandenen Leser nicht sehr neu. Auch nicht, dass sich die drei eigentlich blitzgescheiten Gnome mal wieder selbst ein Beinchen stellen. Immerhin sorgt das dafür, dass das Autorenteam in diesem Band das kuriose amerikanische Rechts- und Wahlsystem kräftig aufs Korn nehmen kann – glücklicherweise trotz seiner realsozialistischen Brötchengebern vollkommen ohne billige Klassenfeind-Polemik, dafür aber mit viel feinsinnigem Humor.

Da stört es aber, wenn dieser gesamte Abschnitt stark konstruiert wirkt, so als müsse man irgendwie die Zeit totschlagen, bis die eigentliche Geschichte um die Goldmine und den Sklavenexpress endlich wirklich weitergeht. Langsam hat man von der ewigen Flüchterei den Kanal – pardon: Mississippi und Missouri – voll. Noch dazu ist bei allem Witz kaum Spannung drin und die Momente mit etwas Action sucht man ebenfalls mit der Lupe. Wie schon manch anderer Band der Amerikaserie leidet dieser arg an der Neuaufteilung, gut zu erkennen daran, dass sich das Problem in Buffalo Springs erst im nächsten Band („Die Digedags und die Dampforgel“) mit einem zünftigen Showdown klärt. Dagegen ist nun erst einmal das Vorgeplänkel angesagt, und das zieht sich etwas hin. Immerhin werden einige neue und leidlich interessante Figuren eingeführt; bis auf Smoky allerdings keine von größerer Bedeutung.

_Fazit_

Der Erzählfluss gerät ein wenig ins Stocken, da das eigentliche Finale seit Einführung der Neuauflage erst einen Band später stattfindet. Zwar ist auch dieser Teil wieder witzig getextet und liebevoll illustriert, doch der Funke springt nicht so recht über. Trotzdem gehört auch Band neun auf jeden Fall gelesen und in die Sammlung eingereiht. Was allerdings ein kostspieliges Vergnügen darstellt, denn allein die 15-teilige Amerikaserie liegt komplett bei rund 200 Euro. Die Preise haben sich seit der Wiedervereinigung und -öffentlichung explosionsartig nach oben entwickelt. Wer günstig an gut erhaltene Exemplare herankommt, sollte der alten zehnbändigen DDR-Fassung (bis 13. Auflage 1989) den Vorzug geben. Die noch rareren Mosaik-Einzelhefte sind kaum zu bezahlen.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags am Missouri“ – Amerikaserie, Band 9
Enthält die Mosaik-Hefte 184 bis 187
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1881-6 (neu)

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Dixon, Chuck / Templeton, Ty – Simpsons Comics 134

_Inhalt_

|“Simpsons Comics International“|

Als Mitarbeiter in Matt Groenings Comic-Imperium hat man es oft nicht leicht. Die zahlreichen Archive wollen gehütet werden, denn darunter befinden sich verschiedene internationale Schätze, die auch für den berüchtigten Produzenten als Inspiration gedient haben. So berichtet der Praktikant von Abenteuern mit Ninja-Helden in Nahost, analysiert am Beispiel eines homerisierten Waffelverkäufers die belgische Ess- und Comic-Kultur und beschreibt den Fluchtversuch mexikanischer Arbeitsloser, die sich illegal über die Grenze schleichen wollen. Allen ist jedoch eines gemeinsam: Sie haben allesamt eine deutliche Ähnlichkeit zu einigen anderen Figuren aus dem heutigen Springfield …

_Persönlicher Eindruck_

Bereits die Ankündigung in der letzten Ausgabe der „Simpsons Comics“ weckte Neugierde, war da doch schon die Rede von einem ganz außergewöhnlichen Comic-Projekt, welches die Grenzen des bislang Dagewesenen deutlich verlassen würde. Die Autoren und Zeichner haben tatsächlich Wort gehalten und dieses Mal nicht Film- und TV-Helden sowie andere Medien auf die Schippe genommen, sondern sich ausführlich um den internationalen Comic-Markt und dessen vielseitiges Erscheinungsbild gekümmert.

Das erste Abenteuer, welches sinnbildlich direkt aus den ehrwürdigen Hallen von Simpsons-Erschaffer Matt Groening erzählt wird, lässt dabei schon kein Fettnäpfchen aus; die philosophische Komponente der Manga-Kultur wird hier ebenso durch den Kakao gezogen wie der bisweilen eigenartige Humor, und da der asiatische Markt genügend Angriffsfläche für Spitzfindigkeiten bietet, hat man auch einige seiner naivsten Ausgeburten in die Story eingeflochten, in diesem Fall zum Beispiel Naruto, der an dieser Stelle von Bartumo ersetzt wird. Trotz des knappen Geschichte: Kult!

Im Ausflug in die belgische Comic-Welt setzt Autor Ty Templeton sogar noch einen drauf. Die mehrsprachige Nation, ihr charakteristischer Comic-Zeichenstil, ihre Vorliebe für Pommes, Waffeln und noch einmal Pommes sowie Persönlichkeiten vom Schlage Jean-Claude van Damme werden so richtig schön verdummbeutelt, bevor dann Helden wie Tim und Struppi oder die Schlümpfe auch noch ihr Fett wegbekommen. Stark. Sehr stark!

Mexiko ist im letzten Abenteuer hingegen etwas zu klischeebesetzt dargestellt, wobei der Humor sich im ebenfalls recht knappen Plot um Homero und Margarita auch nicht richtig durchsetzen kann. Dies war aber nach den beiden starken Vorgaben zuvor auch kaum mehr zu erwarten. Dennoch: Gelungen ist auch diese Story allemal!

Der Clou an den Comics besteht aber sicherlich in den außergewöhnlichen Illustrationen, die sich den Eigenheiten der jeweiligen Comic-Kultur sehr stark anpassen und die Figuren aus dem Hause Simpson zum ersten Mal außerhalb der Halloween-Storys abseits ihrer linientreuen Darstellung präsentieren. Und dass dieses Unikum nicht nur interessant, sondern auch vollkommen gelungen ist, versteht sich bei erprobten Zeichnern wie James Lloyd und John Delaney fast schon von selbst.

In diesem Sinne: Nr. 134 bietet Fortschritt innerhalb einer eigentlich recht limitierten Serie, dazu eine Menge Außergewöhnliches und gleichzeitig massig übersteuerten Humor. Die Ideen wurden fantastisch umgesetzt, die Themen sind erstklassig. Ergo: Das sind „Simpsons Comics“, wie man sie lieben gelernt hat!

http://www.paninicomics.de/simpsons-comics-s10015.html

Leiber, Fritz / Mignola, Mike / Chaykin, Howard – Fafhrd und der Graue Mausling

Seit den 1930er Jahren bis zu seinem Tod schrieb Fritz Leiber Geschichten über das Diebes-Duo „Fafhrd und der Graue Mausling“, inzwischen ein Klassiker der Fantasy-Literatur, der oft zusammen mit Howards „Conan der Barbar“ genannt wird. Auf der Grundlage dieser Erzählungen schufen dann Mike Mignola und Howard Chaykin 1990 einen Comic, der inzwischen ebenfalls zum Klassiker geworden ist. Seit September 2007 sind die Abenteuer der beiden geselligen Diebe wieder auf Deutsch erhältlich.

Ich bin in einem langweiligen Vorort groß geworden. Zu den interessantesten Orten gehörte damals für mich eine kleine Leihbibliothek in der Nähe meiner Schule. An den freien Nachmittagen verbrachte ich dort oft meine Zeit, stöberte, blätterte und las. Im Laufe der Jahre schleppte ich in meinem Rucksack Unmengen von Büchern nach Hause und wieder zurück. Die freundlichen Bibliothekarinnen kannten bald mein Gesicht und sagten hallo, wenn ich mal wieder vorbeikam.

In der Leihbibliothek gab es zwei Abteilungen, eine für Kinder und eine für Erwachsene, säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Teilen des Gebäudes. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich zu den Büchern der Erwachsenen verirrte, vielleicht war es nur ein Zufall. Vielleicht war ich aber auch neugierig oder die Bücher in der Kinderabteilung waren mir zu langweilig geworden. Ich ging umher und sah mich um. Die Regale in dem Erwachsenenbereich hatten auf den ersten Blick wenig Interessantes zu bieten: Lexika, Sachbücher, Frauenromane … Da gab es nicht viel, was die Begeisterung eines Grundschülers hätte wecken können. Bis ich die Comics entdeckte.

Ich war überrascht, dass auch Erwachsene Comics lasen. Neugierig setzte ich mich hin und sah die kleine, ziemlich unsortierte Sammlung durch. Die meisten Comics kamen mir fremd vor. Aus der Kinderabteilung kannte ich „Asterix“, „Isnogud“ und „Garfield“, aber das hier war etwas ganz anderes. Fasziniert begann ich zu stöbern. An ein Heft, das mir damals in die Hände fiel, erinnere ich mich noch genau. Es war ein großformatiger, sehr zerfledderter Fantasy-Comic, in dem es um zwei Freunde und jede Menge Zauberei ging. Mir gefielen die Zeichnungen, klar, kontrastreich und voller Details, deshalb nahm ich das Heft mit nach Hause.

Ich erinnere mich, dass dieser Comic damals enormen Eindruck auf mich gemacht hat. Die Story war irgendwie merkwürdig, aber nicht undurchschaubar, sondern eher verwinkelt und total phantastisch. Außerdem war sie düster und witzig zugleich, eine seltsame Mischung, die ich bis dato noch nie kennengelernt hatte. Trotz meiner Begeisterung vergaß ich den Comic bald wieder, wahrscheinlich, weil es in der Bibliothek nur ein Heft aus dieser Reihe gab und ich nicht weiterlesen konnte. Vielleicht war ich aber auch noch nicht alt genug, um mit dem Stoff etwas anfangen zu können.

Meine frühe Expedition in die Welt der Erwachsenencomics fiel mir letztes Jahr wieder ein, als ich sah, dass |Cross Cult| eben jenen Comic wieder herausgeben wollte, der mich damals so beeindruckt hatte. Ich hatte ihn über die Jahre ganz vergessen. Dieses Mal sollte ich jedoch kein zerfleddertes Heft in die Hände bekommen, sondern einen edlen Hardcover-Band, der nicht so schnell aus dem Leim ging und gut in der Hand lag. Und das Tollste: Es sollte eine Gesamtausgabe werden! Endlich würde ich die anderen Episoden kennenlernen.

Die Geschichte, die ich schon kannte, trug den Titel „Der heulende Turm“. Darin geht es um eine unheimliche Ruine und einen Zauberer, der den Tod fürchtet. Und der Titel des Comics? „Fafhrd und der Graue Mausling“, erfunden von Fritz Leiber, gezeichnet von Mike Mignola. Ich verschlang die fünf Kapitel des zweihundertseitigen Buches binnen einer kurzen Nacht. Zu meiner Freude musste ich feststellen, dass sich der Comic noch immer genauso anfühlte wie früher: verwinkelt, düster, witzig und absolut phantastisch. Danach dämmerte der Morgen. Ich legte das Buch beiseite und blinzelte ins anbrechende Tageslicht. Für einen kurzen Moment hatte ich mich wieder so gefühlt, als wäre ich ein Grundschüler und stünde zum ersten Mal in der Erwachsenenabteilung der kleinen Leihbibliothek. Dieses Mal nahm ich mir fest vor, „Fafhrd und den Grauen Mausling“ nicht wieder zu vergessen. Sie verdienen Besseres. Dieser Comic ist ein Portal in eine andere Welt, und ich kann sie jetzt betreten, wann immer ich will.

http://www.cross-cult.de

Siehe ergänzend dazu auch unsere Rezension zu [„Der unheilige Gral“ 2340 (Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling 1; Ausgabe 2004, |Edition Phantasia|).

Geoff Johns – Green Lantern Sonderband 7: Sinestro Corps War 1

Story

Der grausame Sinestro ist zurückgekehrt, um seine Erzfeinde, die Green Lanterns, endgültig zu vernichten und mit einem eigenen Corps die Galaxis unsicher zu machen. Mit der Macht eines gelben Kraftrings rekrutiert er ehemalige Verbündete und schürt mit seinen neuen Unheilstiftern einen Krieg, dem selbst die stärksten Lanterns nicht gewachsen zu sein scheinen. Zu jung ist noch das Schicksal von Hal Jordan, zu verheerend scheinen die Auswirkungen von Sinestros geplantem Attentat.

Inmitten der Attacken steht Kyle Rayner in einem gehörigen Zwiespalt. Er ist das Hauptziel der Angriffe des Sinestro Corps und sieht sich einer fürchterlichen Prophezeiung ausgesetzt. Auf Oa soll das Blut der Lanterns fließen – und Sinestro ist bereits zu stark, als dass er noch aufzuhalten scheint.

Geoff Johns – Green Lantern Sonderband 7: Sinestro Corps War 1 weiterlesen

Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 4 – Die letzte Festung

Willinghams „Fables“ geht bei |Panini| in die vierte Runde. Der bisher seitenschwächste Band enthält eineinhalb Geschichten, nämlich „Die letzte Festung“ und die ersten drei Kapitel von „Aufmarsch der Holzsoldaten“. Inhaltlich wird an die vorangehenden Bände angeknüpft. Der „Fables“-Kosmos wird solider, und man spürt, dass Bill Willingham sich warm geschrieben hat.

In „Die letzte Festung“ gewährt er dem Leser endlich einen Blick in die Vergangenheit, als ein furchtbarer Krieg die Fabelwesen aus ihrer Heimat vertrieb. Blue Boy erzählt Snow White vom Kampf um die letzte Festung, den er als der letzte Überlebende hautnah miterlebt hat, bevor sich die Portale schlossen.

In „Aufmarsch der Holzsoldaten“ wird an diese Erzählung von Blue Boy angeknüpft. Seine Freundin Rotkäppchen (Red Riding Hood) taucht plötzlich in Fabletown auf. Sie galt bislang als verschollen und behauptet, dem Feind durch eine List entkommen zu sein. Und das, obwohl alle Portal seit über zweihundert Jahren verschlossen sind. Bigby Wolf traut ihren Worten nicht und macht sich auf, um die Wahrheit herauszufinden. Neben dieser neuen Entwicklung gibt es natürlich auch noch diverse Altlasten, die offen herumliegen. Prince Charming will Bürgermeister von Fabletown werden, und Snow White ist schwanger.

„Fables 4“ vereint zwei Erzählbausteine miteinander. Zum einen wird Hintergrundmaterial geliefert, das bislang fehlte und den Fables-Kosmos angenehm verdichtet. Zum anderen werden mehrere richtig gute Cliffhänger aufgebaut: Intrige, Politik und Soap. Nicht unbefriedigt, aber doch extrem nervös bleibt der Leser nach der letzten Seite zurück. Vielleicht sollte man mal über ein Verbot von extrem gutem Storytelling und offenen Handlungssträngen nachdenken …

http://www.paninicomics.de

_Die „Fables“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Fables 1 – Legenden im Exil“ 3175
[„Fables 2 – Farm der Tiere“ 3506
[„Fables 3 – Märchenhafte Liebschaften“ 4062

Vaughan, Brian K. / Henrichon, Niko – Löwen von Bagdad, Die

Was ist eigentlich ein Symbol? Schwierige Frage. Wahrscheinlich könnte man ein ganzes Zwei-Zimmer-Appartement mit Büchern zu diesem Thema füllen. Das ginge jedoch für eine Comic-Rezension zu weit. Nehmen wir für den Augenblick einfach an, dass ein Symbol ein Zeichen mit einer Bedeutung ist. Die Bedeutung und das Zeichen müssen einer bestimmten, nicht zu kleinen Gruppe von Menschen bekannt sein, damit von einem Symbol gesprochen werden kann. Außerdem darf ein Symbol nicht zweideutig sein. Jedem Zeichen kommt somit nur eine Bedeutung zu, nicht mehr und nicht weniger.

Die Graphic Novel „Die Löwen von Bagdad“ trägt bereits im Titel zwei Symbole, nämlich den Löwen und Bagdad. Erinnerungen an Disney’s „König der Löwen“ werden wach, nicht ohne Grund. Mit dem Löwen verbindet man im Allgemeinen den König der Tiere. Im Disney-Film wurde dieses Symbol aufgegriffen und neu bearbeitet, es knüpft jedoch an ältere Vorbilder an. In der Fabel ist der Löwe der Stolze, der Ehrenhafte und der Kühne, ein Vorbild und eine Leitfigur. Den Löwen als literarische Figur denken wir uns generell als etwas Majestätisches. Das zweite Symbol ist Bagdad. Gemeint ist nicht die wirkliche Stadt, sondern vielmehr das, was das Wort Bagdad in den Köpfen der Leser bedeutet. Die wirkliche Stadt kommt in diesem Comic natürlich nicht vor, das ist gar nicht möglich, sondern bloß ihre literarische Abbildung, eine Interpretation, wenn man so will. Ob Bagdad schon ein Symbol ist, bleibt im Gegensatz zum Löwen ungewiss. Sicher ist, dass viele Leser beim Namen dieser Stadt an den Irak und an Saddam Hussein, an Öl und Panzer, an Wüste und an Moscheen denken werden. Und vielleicht auch an den Golfkrieg. Sollte jemand andere Assoziationen hegen, wird er schon bei flüchtigem Durchblättern in die richtige Richtung gestoßen.

Die Hauptfiguren der Geschichte sind die vier Löwen Zill, Noor, Safa und Ali. Sie leben im Zoo von Bagdad, als amerikanische Flugzeuge die Stadt angreifen. Es ist das Jahr 2003, der jüngste Golfkrieg ist in vollem Gange. Prophetisch schreit ein Vogel: „Der Himmel stürzt ein! Der Himmel stürzt ein!“ Was nach „Asterix“ klingt, ist hier ernst gemeint. Kurz darauf bersten die Wände des Geheges und die Tiere kommen frei. Für die vier Löwen beginnt ein zielloser Fußmarsch durch die zerstörte Stadt.

Zurück zu den Symbolen. Comic-Autor Brian K. Vaughan weiß, was Symbole bedeuten und wie sie funktionieren. Einen wichtigen Hinweis darauf liefert er mit den Worten der Riesenschildkröte, die den Löwen auf ihrer Reise begegnet: „Alles hat einen Namen. Damit macht man klar, dass einem irgendwelcher Kram gehört.“ Und: „Es sind nur Symbole. Menschen sagen nie, was sie meinen.“ Um es kurz zu machen: Symbole sind ein wichtiges Instrument der Macht. Sie dienen dazu, Macht darzustellen und Menschen zu lenken. Wer das nicht glaubt, sollte sich einmal Gedanken darüber machen, warum zum Beispiel den Astronauten von Apollo 11 das Aufstellen der US-Flagge auf dem Mond so verdammt wichtig war.

Symbole, Macht – in „Die Löwen von Bagdad“ geht es zweifelsohne um Politik. Es soll keine kurzweilige Tiergeschichte sein, sondern ein Kommentar zur US-Politik im Nahen Osten, vermittelt durch Tiere. Comic-Kenner dürften das erwartet haben, denn Brian K. Vaughans wichtigste Serien „Ex Machina“ und „Y – The Last Man“ besitzen schließlich auch eine elementare politische Dimension.

Wie sieht nun der politische Kommentar aus, den Vaughan in „Die Löwen von Bagdad“ versteckt? Man kann versuchen, das an den beiden Löwinnen Safa und Noor greifbar zu machen. Safa ist die alte Löwin, einäugig, gezeichnet von der Außenwelt. Sie zieht das Gefängnis des Zoos der Alternative in Freiheit vor. Man könnte sagen, sie symbolisiert jenen Teil der irakischen Bevölkerung, der sich mit der Diktatur arrangiert hatte und keine Veränderung wollte. Noor ist Safas Antagonistin. Sie will die Freiheit und plant schon vor dem schicksalhaften Luftangriff, irgendwie aus dem Zoo zu entkommen. Sie könnte ein Symbol für den Teil der Iraker sein, die sich wehren und die Diktatur abschaffen wollten. Freiheit ist also das Stichwort. Zum Symbol der Freiheit wird der Horizont, den die Löwen im Gehege wegen der Mauern nicht sehen können. Der Junglöwe Ali weiß nicht einmal, was ein Horizont ist, weil er in Gefangenschaft geboren wurde.

Als die Zoo-Mauern dann unerwartet von den US-Fliegern eingerissen werden, steht Noor der neu gewonnenen Freiheit skeptisch gegenüber. „Freiheit kann einem nicht geschenkt werden, man muss sie verdienen.“ Angewendet auf die US-Politik im Irak könnte man Vaughans Kommentar in „Die Löwen von Bagdad“ so verstehen: Die irakische Bevölkerung hätte sich besser selbst von der Diktatur Saddam Husseins befreien sollen als amerikanische Hilfe aufgedrückt zu bekommen. Die Löwen wurden schließlich nicht gefragt, ob amerikanische Bomben ihr Gehege einreißen sollen. Die Folgen sind Rat- und Ziellosigkeit und das seltsame Gefühl, dass irgendetwas nicht richtig ist. Am Ende erblicken die Löwen den Horizont, aber die Gefühle dabei bleiben zwiespältig.

Natürlich schreibt Vaughan nicht für ein irakisches, sondern für ein amerikanisches Publikum. Er versucht zu vermitteln, wie das Eingreifen der USA im Irak wahrgenommen wird, und zu erklären, warum sich nicht der Großteil der Iraker ausgelassen über die Befreiung durch die Amerikaner freut. „Die Löwen von Bagdad“ ist eine Arbeit für mehr Verständnis und eine Darstellung der Ambivalenz politischer Entscheidungen. Vaughan ist vorsichtig, versucht Pathos möglichst zu vermeiden und bringt den Irakern in Gestalt der Löwen sehr viel Respekt entgegen. Ob man seine Ansichten teilt, bleibt natürlich Sache des persönlichen Standpunktes. Raffiniert gemacht bleibt der Comic „Die Löwen von Bagdad“ allemal.

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Crisse, Didier / Keramidas, Nicolas – Luuna 1: Die Nacht des Totems

_Story_

Luuna, die Häuptlingstochter der Paunamoks, steht vor ihrer bislang größten Ehrerbietung. Der Rat ihres Stammes ist sich einig, dass die hübsche junge Dame endlich ihrem Totem begegnen soll, und sendet sie in einer verheißungsvollen Nacht in den Wald aus. Jedoch avanciert diese Prüfung alsbald zu einem bitteren Akt; noch bevor die Unterredung mit dem Herrn des Schicksals über ihren persönlichen Werdegang und ihr Totem stattfinden kann, tauchen Abgesandte des Unkui auf, um die Zeremonie zu manipulieren.

Machtlos ergibt sich der Wächter des Waldes dem gewaltigen Unkui und schließt einen Pakt, demzufolge Luuna fortan einen finsteren und einen leuchtend weißen Totem an ihrer Seite führen soll. Dieses unverhoffte Schicksal bringt sie jedoch in einen Zwiespalt; eine Rückkehr zu ihrer Familie scheint unter diesen Bedingungen ausgeschlossen, also beschließt sie, den weisen Hirschen Kauyumari nach Rat zu fragen. Doch wiederum greifen die Krieger des Unkui ein, um die Nacht, wie bereits angekündigt, zu seinem Freudenfest zu machen. Dieses Mal jedoch setzen sich Luuna und ihre treuen Gefährten zur Wehr, bezahlen dies jedoch mit einem Preis, der Luuna bereits in der ersten Nacht auf die Seite ihres bösen Totems schlägt. Hat der Unkui bereits Besitz von ihr ergriffen?

_Persönlicher Eindruck_

Didier Crisse ist Comic-Freunden im Allgemeinen und Verfechtern der hochwertigen Ausgaben des |Splitter|-Verlags im Speziellen als Visionär unter den franko-belgischen Künstlern bekannt. Zuletzt verzauberte er sein Publikum noch mit Serien wie „Ishanti“ und „Canari“ und der leider nach wie vor nicht abgeschlossenen Antike-Reihe „Atalante“.

Nun wagt er sich gemeinsam mit seinem neuen Zeichner Nicolas Keramidas an eine neue Fantasy-Serie heran, die einerseits zwar seinen teils jugendlich-naiven Stil beibehält, andererseits aber auch regelmäßig mit übergreifenden Genres kokettiert. „Luuna“ ist nicht nur der Titel dieser Serie, sondern zugleich auch – man ist es in dieser Form nicht anders gewohnt – der Name der Protagonistin, die einmal mehr als einflussreiche Tochter einer bedeutsamen Person ins Abenteuer zieht und (selbst das kennt man von Crisse) sich bei weitem noch keine Vorstellung von den Konsequenzen ihrer Mission machen kann.

Grob betrachtet breitet der beliebte Autor also weitestgehend bekannte Strickmuster aus und leitet einen Teil der Story aus mehr oder weniger deutlichen Zitaten vorhergegangener Werke ab. Insbesondere die Rollenverteilung erscheint in diesem Zusammenhang mal wieder prägnant, da die Szenerie zum größten Teil von Außenseitern und vermeintlichen Anti-Helden gesäumt wird, die jedoch in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel erstaunlich gut harmonieren – zumindest, wenn man die teils ungewöhnlichen Züge ins Visier nimmt, welche die Handlung vor allem im zweiten Teil der Debütausgabe „Die Nacht des Totems“ durchlebt.

An dieser Stelle setzt dann auch die Kritik an, die sich einerseits mit dem erweiterten Verwirrspiel beschäftigt, das den stringenten Plot auseinanderreißt, sich andererseits aber auch der immer schwerer wiegenden Ziellosigkeit widmet, mit welcher die Story bisweilen zu kämpfen hat. Nach den vielversprechenden Anfängen und der kurzen, jedoch markanten Charaktereinführung beginnt Crisse nämlich, auf inhaltlicher Basis zu schwimmen. Die verschiedenen Stränge und die Vielfalt der zunächst schwer zuzuordnenden Figuren sorgen erst für Verwirrung, später dann für den Mangel an Linearität, der dem Plot stellenweise auch die Spannung raubt. Der Autor ist bemüht, in vergleichsweise wenigen kleinen Kapiteln ein breit gefächertes Comic-Gebilde zu konstruieren, bleibt dabei anfangs auch auf einem guten Weg, überfrachtet die Story schließlich aber mit den zahlreichen Wendungen, indem er das Erzähltempo über die eigentliche Geschwindigkeit der zumutbaren Eindrücke und Bilder hinwegsetzt – und genau dieser Punkt trübt den Genuss mit wachsender Lesedauer gewaltig.

Dennoch darf man gewissermaßen auf die Fortsetzung gespannt sein, zumal die eigentliche Basisidee äußerst ansprechend ist und Crisse auch trotz der genannten Schwächen ein fantastischer Geschichtenerzähler bleibt. Weiterhin bedingt durch den unterschwelligen Humor, der die Handlung durchzieht, und die sympathische, märchenhafte Atmosphäre ist „Die Nacht des Totems“ daher dennoch ein ganz anständiger, in vielerlei Hinsicht aber definitiv ausbaufähiger Comic und somit auch fernab vom Status eines Crisse-Meisterwerks. Dies lässt sich allgemein auch für die gewöhnungsbedürftigen, schlichten Illustrationen anführen, die nicht zu den besten Kooperationswerken des Urhebers gehören. Aber letztendlich überwiegt doch irgendwie der Charme, der die Protagonistin begleitet, ihren Charakter ausmacht und schließlich ein halbwegs positives Resümee hervorlockt. Jenes allerdings in der festen Überzeugung, dass dieser Sympathie-Bonus nicht ewig währt!

http://www.splitter-verlag.de

_Crisse auf |Buchwurm.info|:_

[„Canari 1: Die goldenen Tränen“ 3179
[„Canari 2: Die letzte Welle“ 4073
[„Ishanti 1: Die Tränen der Isis“ 3344
[„Atalante 1: Der Pakt“ 3630
[„Atalante 2: Nautiliaa“ 3631
[„Atalante 3: Die Wunder von Samothraki“ 3632

Rodgers, Eric – Futurama Comics 29

_Inhalt_

|“Ein ziemlich fauler Kern“|

Bender und Fry staunen nicht schlecht, als ein mächtiger Wirbelsturm dazu führt, dass selbst der TV-Empfang nicht mehr möglich ist. Eine Krisensitzung beim Professor schafft Klarheit; der Erdkern wurde von einem überdimensionalen Bohrer angegriffen, und das ist einzig und allein Benders Verdienst. Der irrwitzige Roboter hat nämlich beim letzten Hofflohmarkt ein Exemplar aus der Forschungsreihe des Professors an ein mutiertes Lavavolk veräußert und diesem nun freie Bahn ins Erdinnere geebnet. Alsbald begeben sich Fry, Leela und ihr nichts taugender Partner auf eine Mission zum Kern, um dort für Klarheit zu sorgen. Doch die Lavabrüder sind alles andere als begeistert vom Besuch ihrer offensichtlichen Konkurrenten …

_Persönlicher Eindruck_

Die „Futurama Comics“ sind im rein visuellen Bereich die wohl beharrlichste Konstante, weil in all den bislang veröffentlichten Ausgaben das mit Abstand niedrigste Qualitätsgefälle zu verzeichnen ist. Selbst die geliebten |Simpsons| mit all ihren neuen Serien und Comic-Publikationen können hier nur bedingt mithalten, auch wenn Groenings wohl größer illustrierter Geniestreich sich auch eher selten Ausnahmen erlaubt.

Die Oktober-Story aus der Zukunft fügt sich nun in diese makellose Bilanz beispielhaft ein. Erneut treffen Bissigkeit, zynischer Humor, eine völlig abstrakte Story und mal wieder toll in Szene gesetzte Charaktere aufeinander, passen sich in den hitzigen Dialogen die abstrusesten Dinge zu und kreieren zum wiederholten Male einen völlig eigenständigen, ideenreichen Plot. Was will man grundsätzlich mehr?

Vereinzelt grenzen die Einfälle von Autor Eric Rodgers gar an kleine Geniestreiche, gerade was die Kaltschnäuzigkeit des Tunichtguts Bender anbelangt. Der hoffnungslos einfältige Roboter zeigt sich als Schmierenkomödiant sondergleichen, gerade im zweiten Teil, der Mission zum Erdkern, die aufgrund des sich mehrenden Magnetismus zu erheblichen Fehlfunktionen in seinem Betriebssystem führt. Das Highlight hierbei: Der Hemmschwellen-Generator wird ausgeschaltet und bringt einige Wahrheiten zutage, die mal wieder ziemlich derbe unter die Gürtellinie gehen. Ganz zu schweigen vom penetranten Singsang, den der fehlgeleitete Blechkasten plötzlich anstimmt und kaum mehr einstellen will. Hier wird kurzzeitig die Schmerzgrenze selbst härter gesottener Fans getestet, wobei man manchmal sogar froh ist, dass die Comics keine Soundausgabe haben. Jedenfalls nicht in der Realität, die außerhalb des |Futurama|-Universums existiert …

Erfreulich ist letzten Endes auch die Reduzierung des Reklame-Anteils im Heft. Abgesehen von den handelsüblichen Erklärungen der zweideutigen Zitate des Comics und einiger brauchbarer Rubriken hat man sich hier auf ein Mindestmaß beschränkt und einen mehr als akzeptablen Maßstab für folgende Exemplare angelegt. Dies in Kombination mit der starken Geschichte sorgt wiederholt zur erwarteten Kaufempfehlung für Heft Nr. 29 der „Futurama Comics“. Hier gilt ganz klar das Fazit: Stark wie eh und je!

http://www.paninicomics.de/futurama-s10311.html

Baker, Kyle / Moore, Terry / Powell, Eric / Groening, Matt / Morrison, Bill – Bart Simpsons Horror Show 11

_Inhalt_

|“Homers Arche!“|

Homer wird betrunken vom Blitz getroffen und wacht in Gottes Himmelreich wieder auf. Dort bekommt er den Auftrag, die große Küchenschabenplage zu bekämpfen und hierzu eine Arche zu bauen. Unermüdlich arbeitet Homer 40 Tage und 40 Nächte an diesem Projekt und erregt dabei das Aufsehen der ganzen Stadt. Als es dann tatsächlich ans große Sprühen gehen soll, gerät das sich mehrende Publikum des Archenbaus außer Kontrolle.

|“Der Blutfluch der bösen Elfen!“|

Weil Homer den Fernseher kurzzeitig unschädlich gemacht hat, sieht sich Bart genötigt, seine kleine Schwester Maggie mit einem Märchenbuch zu unterhalten. Dort entdeckt er die Geschichte einer unschuldig eingesperrten Elfe, die nach ihrer Befreiung ihren Blutfluch in die Tat umsetzt. Und wie es nicht anders sein kann, ist auch hier der Märchen-Homer das Ziel des Fabelwesens.

|“Willie: Portrait eines Hausmeisters“|

Bart und Milhouse treiben sich mit einem Schmierblättchen in der Schule herum, als plötzlich Skinner und Hausmeister Willie auftauchen. Schnell reißen sie die wichtigsten Coupons heraus und überlassen das Heft seiner selbst. Der Hausmeister stößt alsbald auf die Zeitschrift und ordert sich ein weibliches Emu als neuen Partner. Dies entgeht auch Homer nicht, der bei einer Fernsehsendung triebgesteuert nach neuem Futter Ausschau hält. Da kommt das Emu gerade recht …

_Persönlicher Eindruck_

Die Horror-Geschichten aus Matt Groenings gelber Welt sind mittlerweile schon legendär und haben über verschiedene Sondereditionen im audiovisuellen und im Comic-Bereich längst Kultstatus erlangt. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an den neuen Sonderband aus der Reihe „Bart Simpsons Horror Show“, der drei neue Storys aus der Welt der durchgeknallten Familie aufbietet, andererseits aber auch nicht geringer die Enttäuschung darüber, dass dieses eher selten erscheinende Magazin in diesem Fall dazu verdammt ist, ein echter Rohrkrepierer zu sein.

Die größte Kritik verdient in diesem Zusammenhang das visuelle Erscheinungsbild der Geschichten. Eine alternative Herangehensweise mag zwar im zeichnerischen Bereich erfrischende Wirkungen zeigen, jedoch sollte hierzu vorausgesetzt sein, dass man sich zumindest an den bekannten Strukturen orientiert. Dies ist bereits in der ersten Erzählung nicht mehr der Fall. Terry Moore skizziert sehr freizügig, aber auch ziemlich grob und präsentiert die bekannten Gesichter mit gealterten, teils blassen Mienen. Außerdem fehlt es hier an Detailschärfe bei den Personenzeichnungen, die selbst vor dem Hintergrund der Themenüberschrift schlichtweg inakzeptabel sind. Und da machen auch die biederen Bilder von Kyle Baker und der Graphic-Novel-mäßige Output Eric Powells im letzten Plot keinen Unterschied aus.

Davon abgesehen mangelt es den Storys auch zunehmend an Witz. Sind die Anspielungen in „Homers Arche!“ noch für den einen oder anderen Lacher gut, will das blutrünstige Treiben in der zweiten Geschichte ebenso wenig begeistern wie das zynische Gesamtbild der abschließenden Handlung. Gute Ideen sind Mangelware, der bekannte Biss ist selbst zwischen den Zeilen und Zeichnungen nicht zu spüren. In Kombination mit den schwachen Illustrationen ist die Wirkung schließlich fatal. Die Oktober-Ausgabe der „Bart Simpsons Horror Show“ kann auf keiner Ebene überzeugen und ist ein erheblicher Schwachpunkt innerhalb der zuletzt durchweg starken Publikationen um die gelbe Familie.

http://www.paninicomics.de/simpsons-specials-s10499.html