Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Loeb, Jeph / McGuinness, Ed / Finch, David / Cassaday, J. – Fallen Son – Der Tod des Captain America (Marvel Exklusiv 71)

_Ein Ereignis verheerenden Ausmaßes_

Die letzten Crossover aus dem Hause |Marvel| schienen inhaltlich revolutionär und die bisherige Krönung aller übergreifender Serien, die der renommierte amerikanische Superhelden-Comic-Verlag in den vergangenen Jahren publiziert hat. Zunächst war es das „House Of M“, dessen anschließende Aufarbeitung jedoch leider etwas dürftig ausgefallen ist, und dann natürlich der alles übertreffende „Civil War“, an dessen Ende es erstmals glaubwürdig bewerkstelligt wurde, einen echten Umschwung in der Superhelden-Branche zu schaffen. Letzteres bleibt vor allem als epochalen Ereignis in Erinnerung, weil eine der populärsten |Marvel|-Figuren dabei das Zeitliche Segnete. Captain America alias Steve Rodgers erlag einem hinterhältigen Anschlag kurz vor einer geplanten Inhaftierung und hinterlässt das Comic-Universum und dessen weltweite Fangemeinde in einem ergreifenden Schockzustand. Selbst die ganz großen Medien berichteten über den Tod des sympathischen, kritischen Patrioten, in dessen Person sich in allen Phasen der Comic-Geschichte der jeweils aktuelle Zeitgeist widerspiegelte, und so manifestierte sich sogar der Glaube – oder vielleicht auch die Hoffnung –, der Verlag sei konsequent und würde diesen einerseits traurigen Event auch nicht wieder in irgendeiner Form, sprich in einer späteren Wiederauferstehung, relativieren.

„Fallen Son“, die inoffizielle Laudatio auf das Leben des berühmten Charakters, soll hierüber bereits erste Aufschlüsse geben. Niemand Geringerer als Jeph Loeb, der lange erprobte |Marvel|-Schreiber, der kürzlich selber den Tod seines verunglückten Sohnes verkraften musste, stellte sich der schweren Aufgabe, sein Vermächtnis adäquat am Leben zu erhalten und mittels einer würdigen Verabschiedung zu krönen.

_Story_

Amerika trauert um den treuesten Sohn der Staaten, den Verfechter von Gerechtigkeit und Ehre, der infolge der Wirren um das Registrierungsgesetz hinterrücks ermordet wurde. Doch die Gefühle sind gespalten, Iron Man Tony Stark bemüht sich um nüchterne Souveränität, Wolverine stürzt sich alsbald in eine rachsüchtige, blutige Mission und Spiderman wiederum ist am Boden zerstört, da seine persönliche Ikone sich nun völlig unerwartet aus dem Leben verabschieden musste. Während die Misere ganze Landstriche befleckt, klammert sich Stark an seinen verbliebenen Zweckoptimismus. Als schließlich der ebenfalls tot geglaubte Hawkeye plötzlich wieder auftaucht, bietet Iron Man ihm das Kostüm des gefallenen Sohnes an, wohl wissend, dass Hawkeye seit jeher nach seiner wahren Identität gesucht hat. Doch kann es unter moralischen Aspekten überhaupt einen Nachfolger geben?

_Persönlicher Eindruck_

Man muss Jeph Loeb zugute halten, dass die sich bietende Herausforderung in „Fallen Son“ einiges an Mut vom betroffenen Autor abverlangte, da bei dieser Story wirklich eine ganze Menge auf dem Spiel stand. Nach den vielen abgeschwächten bzw. begrenzten Verabschiedungen, die man bei den beiden Comic-Größen |DC| und |Marvel| innerhalb der letzten Jahre hat miterleben dürfen, stellte sich nämlich auch im Falle des Captains die Frage, ob sich der Verlag tatsächlich einen Radikalschlag zutrauen würde. Und wie „Fallen Son“, quasi die direkte Fortsetzung an die Ermordung des Superhelden, schon ziemlich klar andeutet, scheint auch dieser Abschied nur zeitweilig zu sein.

Loeb hat bereits einen potenziellen Ersatzkandidaten gefunden, der in diesem Sonderband auch gleich einmal kurz in das Kostüm des Verstorbenen schlüpft, dort aber zu diesem Zeitpunkt einfach keine Akzeptanz erwarten kann. Insofern scheidet Hawkeye prinzipiell schon einmal als tatsächlicher Nachfolger aus, da dies schlichtweg zu vorhersehbar wäre und ein solcher Schritt den Lesern definitiv nicht entgegenkäme – zumindest erwecken die ersten Erfahrungen an dieser Stelle einen solchen Eindruck.

Davon abgesehen ist die Story ein sprichwörtliches Trauerspiel. Mit teils weniger glaubhaftem Pathos verarbeiten die Beteiligten den Todesfall und gleichen in ihrer Darstellung einem Schatten ihrer selbst, besonders Spiderman, der in „Fallen Son“ ein regelrechtes Häufchen Elend abgibt. Inhaltlich sieht es leider auch kaum besser aus; die Geschichten mögen zwar interessant sein, als Ruhmesrede auf den Verstorbenen jedoch selten wirklich würdig. In diesem Sinne ist lediglich der schleichende Wandel des undurchdringlichen Tony Stark erwähnenswert, der in der nahen Zukunft wahrscheinlich die Schlüsselrolle im |Marvel|-Universum einnehmen wird. Ansonsten ist das meiste vorhersehbar; überproportionierte Emotionen zieren die letzten Seiten, und auch wenn die Zeichnungen um die Grabfeier kurzzeitig für Gänsehaut sorgen, vermag die Story kaum zu begeistern, nicht einmal mehr in der klischeebesetzten Abschiedsrede von Falcon, der in Kurzform die inspirative Wirkung des Lebenslauf des Captains aufarbeitet und dabei nicht vor aufdringlichem Pathos haltmacht. Dies war zwar zu erwarten, allerdings hätte man sich insgeheim doch gewünscht, Loeb würde sich diesbezüglich nicht ganz so emotional-getrieben zeigen, sondern den Mythos in stillem Gedenken lebendig halten.

Dementsprechend zwiespältig ist auch das Resümee zu „Fallen Son“; es fehlt der Mut zum radikalen Einschnitt genauso wie die Vision, die mitunter härtere Gangart der letzten Monate auch in derartigen Phasen konsequent in die Handlung zu transferieren. Somit ist dieser Sonderband lediglich ein Aufguss all dessen, was grundsätzlich schon ausgesprochen war, nur eben mit dem Unterschied, dass der gestorbene Held nun einen anderen Namen trägt wie seine zahlreichen, mittlerweile wieder auferstandenen Kollegen. Trotz der Einbeziehung der gesamten Superhelden-Riege, der treuen Ergebenheit zu den Ereignissen im „Civil War“ und reihenweise interessanter Ideen ist „Fallen Son“ schließlich eine eher durchschnittliche Ehrerbietung an den Cap und garantiert nicht von dem Wert, wie es dieser tragischen Figur gerecht würde. Am Kaufargument, dies sei dennoch die Dokumentation eines entscheidenden Wendepunkts in der |Marvel|-History, lässt sich deswegen zwar immer noch nicht rütteln, doch bleibt zweifellos festzuhalten, dass diese Laudatio auch mit ihren bravourösen Zeichnungen hinter den großen Erwartungen beträchtlich zurückbleibt. Leider!

http://www.paninicomics.de/marvel-exklusiv-s10357.html

Arleston, Christophe / Labrosse, Thierry – Morea 2: Das Rückgrat des Drachen

Morea 1: [„Das Blut der Engel“ 4350

_Story_

Nachdem Morea endgültig Gewissheit über ihr Schicksal und ihre Bestimmung erlangt hat, versucht sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Doch ihre Häscher lassen ihr keine Chance und verwandeln ihren Alltag weiterhin in Chaos. Ein Anschlag in ihrem Konzern löst schließlich die nächste Verfolgungsjagd aus; der skrupellose Wissenschaftler Lambert tötet seine Kollegin, als diese mit Erfolg das Projekt zur Terraformierung des Mars vorantreibt, und bringt das zugehörige Programm in den Besitz seiner Auftraggeber, der Engel.

Gemeinsam mit ihrem ritterlichen Gefährten Terkio reist Morea in die Vereinigten Staaten, um das Eigentum der DWC zurückzuerlangen, gerät dabei aber alsbald in den Konflikt mit den kompromisslosen Behörden des Kontrollstaats USA. Und während Terkio und Morea die Seite der Drachen in einem anschwelenden Konkurrenzkampf vertreten und gegen die amerikanischen Obrigkeiten kämpfen, beginnt innerhalb der DWC das große Stühlerücken. Die in Kuba verbliebenen Direktoren planen einen firmeninternen Komplott und erhoffen, in Moreas Abwesenheit an die Spitze des wirtschaftlichen Machtapparats zu kommen. Allerdings habe sie hier die Rechnung ohne die Wirtin gemacht – und die heißt in diesem Fall erneut Morea.

_Persönlicher Eindruck_

Eigentlich könnte die Rezension zum zweiten Band der auf insgesamt fünf Episoden angelegten Serie eine Blaupause des Debütwerks sein, jedoch mit dem Unterschied, dass die kritischen Punkte von dereinst diesmal etwas abgeschwächter in die Waagschale geworfen werden müssen. Arleston tut sich nämlich in „Das Rückgrat des Drachens“ bei weitem nicht mehr so schwer, die Identität seiner Protagonisten zu festigen bzw. sie auch von den üblichen Schemen des Action-Comics zu lösen.

Morea und vor allem ihre zahlreichen direkten und indirekten Gefährten gewinnen an Profil und Glaubwürdigkeit und sind nun endgültig etabliert. Allerdings birgt dies die Gefahr, dass sich der Autor damit das Potenzial überraschender Wendungen nimmt, da die Rollenverteilung bis auf weiteres wirklich eindeutig zu sein scheint. Die Serie entpuppt sich bereits zu diesem Zeitpunkt als ein vorgezeichneter Schlagabtausch zwischen Gut und Böse, wenngleich die Feinheiten bzw. die Actionhandlung hier noch recht variabel strukturiert sind. In diesem Fall hat Arleston allerdings lediglich einen Aufhänger gesucht, um einen erneut tempo- und spannungsreichen Thriller zu inszenieren, denn wie auch schon in „Das Blut der Engel“ liegen der Geschichte keine sonderlich kreativen Ideen zugrunde. Dies scheint bisweilen aber auch gar nicht erforderlich, da sich der Plot inmitten der vielen bekannt anmutenden Zitate relativ eindrucksvoll entwickelt und eben wegen der hohen Erzählgeschwindigkeit den Mangel an Eigenständigkeit weitestgehend kaschieren kann.

Nichtsdestotrotz wird sich der Autor noch steigern müssen, will er die bis hierhin ganz akzeptablen Eindrücke auch weiterhin ausgebaut bekommen. Der eigentliche Konflikt zwischen Engeln und Drachen bedarf eines viel breiter gestreuten Nährbodens, die mystische Komponente gehört viel stärker betont und auch die Charakterzeichnungen sollten noch deutlicher präzisiert werden, um die Handlung über alle fünf Bände spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Möglicherweise ist durch das daraus resultierende Mehr an Individualität auch die Forcierung eines eigenständigeren Gesamtbildes möglich. Abgesehen von einigen kleinen Nuancen besteht dieses nämlich bislang noch nicht. Was aber nicht bedeutet, dass man den zweiten Band der Serie nun nicht auf den Einkaufszettel vermerken sollte. Wer nämlich an „Das Blut der Engel“ seine Freude hatte, wird auch „Das Rückgrat des Drachen“ mögen.

http://www.splitter-verlag.de/

Balent, Jon – Tarot – Witch of the Black Rose 5: Holiday-Hexen

[Band 4 4150

_Story_

Tarot und Raven Hex sehnen sich nach ein paar Urlaubstagen zwischen all den anstrengenden magischen Kämpfen der letzten Zeit. Doch die Sippe der Schwarzen Rose wird dennoch nicht mit Ruhe belohnt, sondern sieht sich alsbald neuen Konflikten gegenüber. Eine Halloween-Feier gerät zur hoffnungslosen Jagd auf eine Horde Lebkuchen-Zombies, ein Saunabad in winterlicher Umgebung hingegen endet im Racheakt einer Winterfee, die sich Ravens Provokation zu Herzen genommen hat und mit ähnlichen Mitteln zurückschlägt.

Erst als Tarots neuer Liebhaber Job die Hexen nach Hawaii ausführt, scheint endlich Urlaubsstimmung in Sicht. Doch die Reise, die der frisch Verliebte dazu nutzen möchte, seiner Herzdame einen Heiratsantrag zu machen, verwandelt sich alsbald in einen Horror-Trip, der in einem verzwickten Kampf gegen einige Meeresungeheuer resultiert …

_Persönlicher Eindruck_

Man mag zum pseudoerotischen, klischeebesetzten Inhalt der „Tarot“-Ausgaben stehen wie man will, eine gewisse Faszination übt die nunmehr bereits im fünften Sammelband veröffentlichte Serie aus der Feder Jim Balents in gewisser Weise dennoch aus. Zwar waren noch die letzten Eindrücke zur vorangegangenen Veröffentlichung äußerst mäßig und entlockten dem Rezensenten einige scharfe kritische Worte, doch war dies nicht gleichbedeutend mit einer generellen Abneigung gegen die Geschichten um die meist barbusigen Hexenmädels. Dieser Umstand wird in „Holiday-Hexen“ nun mit einigen teils witzigen, wenn auch betont fleischeslüsternen Storys belohnt. Die neue Sonderedition enthält fünf weitere Kurzgeschichten, darunter einen Zweiteiler, und bietet zumindest über weite Strecken ganz anständige, wenn auch stellenweise bedenkliche Unterhaltung auf akzeptablem Niveau.

Dieses Mal nutzt Balent die Klischees vorwiegend zur Etablierung eines ziemlich eigenwilligen Humors. So entpuppt sich bereits der merkwürdige Kampf gegen die zombiehaften Lebkuchen-Inkarnationen als unfreiwilliger Spaßgarant, der seine Höhepunkte gerade dann hat, als ein parodierter Harry-Potter-Verschnitt mit magischen Mitteln die Oberlebkuchendame zerschlägt – Trash der feinsten Sorte. Nicht minder witzig (ein anderes Wort will dem Leser in diesem Zusammenhang nicht in den Sinn kommen) ist das unsittliche Vergehen Ravens in der zweiten, direkt anschließenden Episode. Tarots Schwester vergreift sich zu Unrecht an einer Eis-Fee, die ihre Brüste hat einfrieren lassen, und muss nun mit den fürchterlichen Konsequenzen leben. Zack!, gibt es mit eisigen Schlägen etwas auf den Hintern, und schon ist die Szenerie wieder aufgelöst. Köstlich, wenn auch nicht im entferntesten Sinne gehaltvoll.

Die Hawaii-Story indes macht den Kern von „Holiday-Hexen“ aus und wird einerseits von Jons heimlichen Vorhaben, andererseits aber auch vom unverhofften Kampf gegen die streiteslustigen Meerbewohner dominiert. Hinzu kommen einige Albereien infolge unfreiwilliger Entblößungen und Enthüllungen, die ihren Teil dazu beitragen, dass selbst die illustrativ horrendsten Darstellungen nie wirklich schockierend sein können, da sie einfach nicht die passende Atmosphäre in der Erzählung wiederfinden. Und dennoch wirken derlei Diskrepanzen irrelevant, da sie spürbar zum Unterhaltungswert beitragen.

Lediglich die letzte Story flacht ein wenig ab und unternimmt den verzweifelten Versuch einer philosophischen Betrachtung des Hexendaseins bzw. des Schicksals, welches die Protagonisten seit ihrer Kindheit durchleben. Zeichnerisch ist die Story – wie im Übrigen auch im gesamten Band – prima eingefangen, inhaltlich hingegen zeigt sich, dass die Geschichten zumeist auf dumpfen Plattitüden basieren und gegenüber den eindeutigen Posen der Hauptdarstellerinnen einfach zurückstecken müssen. Allerdings ist dies der potenziellen Käuferschicht auch vorher bekannt.

Nach den enttäuschten Eindrücken des Vorgängers darf man in „Holiday-Hexen“ also mit einigen sehr positiven Überraschungen rechnen. Die Geschichten verquicken Witz und Action sehr gekonnt miteinander, die Zeichnungen sind wie gehabt perfekt und das Thema im Rahmen des Möglichen ziemlich gut eingefangen. Ob der übertriebene Symbolismus indes erotisch oder dergleichen ist, muss dennoch jeder für sich entscheiden. Balent neigt nämlich wiederum dazu, seine Modelle völlig überproportioniert darzustellen, was letztlich eher abtörnt als aufreizt. Spätestens in dem Moment, in dem man selber realisiert, dass man außer Busen und nackter Haut nichts anderes mehr wahrnimmt, wird einfach klar, dass der visuelle Teil des Heftes zur Maßlosigkeit neigt und somit das künstlerische Niveau ein Stück weit untergräbt – und genau dies wäre bezogen auf die zufriedenstellenden Episoden absolut nicht notwendig gewesen. Effekthascherei um jeden Preis hat sich schließlich noch nie ausgezahlt.

http://www.paninicomics.de/tarot-s10288.html

Bendis, Brian M. / Cho, Frank – Ruhmreichen Rächer, Die: Die Initiative (Band 1)

_Story_

Als eine neue Heerschar mutierter Bösewichte die gesamte Welt unsicher macht und selbst die lange untergetauchten Mole Men dafür sorgen, dass der Planet einem raschen, bedrohlichen Klimawandel unterworfen wird, erkennt Iron Man Tony Stark alsbald die Notwendigkeit, ein neues Rächer-Team ins Leben zu rufen.

Infolge des Registrierungsgesetzes kann Stark aus dem Vollen schöpfen und rekrutiert neben seiner Anführerin Miss Marvel die mächtigsten Mutanten, die ihm nunmehr zur Verfügung stehen. Doch die Initiative gegen die unkontrollierten Monster gerät zum Desaster. Schon kurze Zeit nach der Zusammenstellung der ruhmreichen Rächer steht Iron Man einer Gegnerin unbekannter Herkunft gegenüber. Noch bevor er sich in irgendeiner Form zur Wehr setzen kann, wird er von der unverwüstlichen Ultron geradezu verschlungen – und fortan für tot erklärt.

_Persönlicher Eindruck_

Dass nach den jüngsten Ereignissen eine neue Rächer-Serie ins Haus steht, wirkt auf den ersten Blick ein wenig verwunderlich und schwer nachvollziehbar, befindet sich doch das gesamte |Marvel|-Universum infolge der Geschehnisse und Konsequenzen des |Civil War| in einem radikalen Umbruch, der grundsätzlich ein wenig mehr Zeit bedürfte. Trotzdem wird nach den Erfahrungen im ersten Teil der „Ruhmreichen Rächer“ wohl jeder zustimmen, dass das preisgekrönte Team Bendis/Cho diesen Schritt genau zum rechten Zeitpunkt gewählt hat, da man den Umschwung äußerst konstruktiv nutzen und die postapokalyptische Atmosphäre der letzten Ausgaben des Bürgerkriegs fließend in den neuen Komplott transferieren konnte.

Dennoch ist auch in diesem Fall aller Anfang schwer, nicht zuletzt, weil Iron Man Stark nach seinem intriganten Spiel beim Gesetzesentscheid erheblich an Sympathien bei den Lesern verloren hat, nun aber plötzlich eine neue Heldentruppe, noch dazu soloch eine mit nach wie vor gutem Klang, als Drahtzieher leiten soll. Allerdings wird man beim Lesen feststellen, dass derlei Gedanken in diesem bedrohlichen Intermezzo relativ schnell wieder verschwinden und für die Eindrücke zum neuen Abenteuer kaum mehr relevant sind. Stattdessen gilt es zunächst, sich auf eine völlig frische Inkarnation der Rächer vorzubereiten, die erstmals ohne Captain America auskommen muss und dennoch den Geist des alten Teams aufrechterhält. Dies gelingt selbst mit vermeintlich schwierigen Charakteren wie Ares und Wonder Man, die an Miss Marvels Seite vorerst noch im Hintergrund agieren, für die Handlung aber dennoch von großer Bedeutung sind, da sie eine ganz andere Heldengeneration verkörpern als die zuletzt stets präsenten Protagonisten.

Insofern benötigt das Ganze auch noch etwas Zeit, um sich homogen zusammenzufügen. Das Team ist bei weitem noch nicht so stark verwachsen wie die letzte Version der Rächer, die Gefährdung durch die Mole Men und Ultron sowie die grundsätzlichen Bedingungen sind wiederum völlig anders als noch zuletzt, Daher bedarf es einer intensiven Gewöhnungsphase beziehungsweise einer tieferen Auseinandersetzung mit den Charakteren und dem Setting, die aufgrund des hohen Erzähltempos und der recht ausführlich betonten zwischenmenschlichen Passagen (hier in Gedankenblasen dargestellt) aber kaum realistisch ist. Gerade Neulinge werden sich hier unheimlich schwertun, die Situation einzuordnen und die Motive der ganz unterschiedlichen Beteiligten überhaupt zu begreifen, geschweige denn die Zusammenhänge nach dem Auftauchen Ultrons in das bestehende Gefüge zu integrieren. Auf Basis dessen kann man auch ruhigen Gewissens sagen, dass Einsteiger in die Welt der |Marvel|-Comics besser die Finger von diesem komplexen Verwirrspiel lassen, da mangels Hintergrundwissen einfach viel zu viel im Verborgenen bleibt, ganz abgesehen von den zahlreichen Mysterien, die der Plot selber spinnt.

Andererseits muss man einfach betonen, dass Bendis und Cho trotz allem den Ansatz eines Meisterwerks gefunden haben, der jedoch in der künftig folgenden Auflösung des Plots noch den nötigen Feinschliff einfordert. Der Autor und sein meisterhafter Zeichner lehnen sich recht weit aus dem Fenster und lösen sich inhaltlich trotz klar definierter Orientierung recht weit von gängigen Konventionen, beweisen damit aber auch den häufig vermissten Mut, neue, manchmal auch unliebsame Wege zu beschreiten. Die letztendliche Eindrücke mögen zwar ganz unterschiedliche Meinungen hervorrufen, doch zeigt derlei Spaltung auch, dass man mit „Die Ruhmreichen Rächer“ ein recht extremes Kapitel der modernen |Marvel|-Comics aufschlägt, dessen wahres Niveau sich jedoch erst im weiteren Verlauf zeigen kann. Bis dato jedenfalls muss man von einem gelungenen, wenn auch schwierigen Einstieg sprechen, der den guten Namen der Rächer auch in einer neuen Generation mit Ehren pflegt. Wer den |Civil War| und dessen partielle Radikalität mochte, der sollte diese neue Serie alsbald lieben lernen!

http://www.paninicomics.de/die-ruhmreichen-raecher-neu-s10519.html
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Vincent – Albatros 2: Der böse Blick

Band 1: [„Shanghait“ 4355

_Story_

Nach ihrer Flucht aus dem Kabarett von Madame Couradille gelang es Ombeline, ihren Verfolgern knapp zu entrinnen und sich auf das ebenfalls gejagte Piratenluftschiff |Albatros| zu flüchten. Doch an Bord des Schiffes der schrulligen Emerance, des weiblichen Kapitäns, hat die junge Ex-Aktrice nicht sonderlich viel zu lachen. Ihre neue Vorgesetzte ächtet sie und lässt sie eine zweifelhafte Flugvorrichtung testen, die Ombeline möglicherweise in den Tod stürzen kann. Doch trotz all ihrer Ängste besteht sie die Prüfungen auf der |Albatros| und erfüllt ihre Missionen zuverlässig.

So gelingt es den Piraten, einen Absturz zu überleben und die Verfolger vor Ort ein weiteres Mal abzuschütteln, obgleich hierbei ein Teil der Schiffsladung zurückbleiben muss. Die Passagiere werden alsbald jedoch zu einer weiteren Notlandung gezwungen, da die Vorräte sich dem Ende zuneigen und auch Emerance neues Morphium benötigt, um die Wunden aus ihrem jüngsten Kampf zu betäuben. Ombeline fasst sich ein Herz und stiehlt sich an ihren alten Arbeitsplatz, um die notwendigen Mittel aufzutreiben. Doch dort macht sie eine allzu furchtbare Begegnung, die ihr gesamtes Leben mit einem Schlag verändern soll …

_Persönlicher Eindruck_

Bereits der erste Teil der Story zu „Albatros“ bot ein ambivalentes Erscheinungsbild zwischen viel versprechender Hintergrundstory und letztendlich eher unbefriedigender Charakter- und Plot-Entwicklung. Es fehlte an Highlights und Überraschungen, ganz besonders jedoch vermisste man einen erkennbaren Spannungsaufbau, der in der weitestgehend vorhersehbaren Handlung aber auch kaum möglich schien.

An dieser Struktur hat Comic-Designer Vincent beim zweiten Release der Trilogie nun doch beachtlich gearbeitet. Die Geschichte vermag ein wenig mehr zu fesseln, die Charaktere bekommen langsam aber sicher doch ein zufriedenstellendes Profil und auch die düstere Atmosphäre wirkt insgesamt geschlossener und überträgt sich auch auf die wesentlichen Punkte der Story. Doch grundsätzlich schöpft der „Albatros“-Urheber das Potenzial des Projektes weiterhin nur zu gewissen Teilen aus, sieht aber scheinbar nicht die Lücken, die seine Arbeit ganz klar offenlegt. Nach wie vor schreitet Ombelines Geschichte eher behäbig, wenn auch linear voran und scheint bis zu einem gewissen Punkt vorgezeichnet. Dann jedoch geschehen einige wirklich unvorhersehbare Dinge, die sich aufgrund Ombelines zum Ende bizarrer Entwicklung kaum mehr mit den bisherigen Geschehnissen in Einklang bringen lassen wollen. Warum zum Beispiel fühlt sie sich mit einem Mal so zur Anführerin des Piratenschiffs hingezogen und therapiert sie und ihre Wunden, obschon sie zuvor heftigste Prügel von ihr beziehen musste? Das Motiv, sie auf diesem Wege zu beseitigen, liegt zunächst nahe, findet aber im Werdegang der weiteren Story keine weitere Berechtige und lässt gerade die Schlussszenen ein wenig kurios, in gewisser Weise auch verwirrend erscheinen. Es sind weiterhin recht viele absurde Ereignisse innerhalb einer Handlung, die für derlei Außergewöhnlichkeiten eigentlich keine Freiräume bietet, es aber auch nicht schafft, von einem womöglich geschaffenen Mythos zu zehren. Dafür sind die wenigen markanten Punkte nämlich mehr verwirrend als innovativ.

Dem entgegen findet eine gehörige Entwicklung statt, die den Comic trotz der teils schon zu offenkundigen Defizite dennoch irgendwie lesenswert macht. Vincent ist es nämlich trotz allem gelungen, Ombeline in einen faszinierenden Charakter zu verwandeln, dessen Handeln nicht immer schlüssig ist, der jedoch einer eigentlich recht müden Story deutlich Farbe verleiht und „Albatros“ zumindest auf dieser Ebene einigermaßen lukrativ macht. Aber auch die Illustrationen sind eine Augenweide und werten die stellenweise ermüdende Geschichte merklich auf. Damit gehört die Serie zwar nach wie vor zu den Schlusslichtern im ruhmreichen |Splitter|-Programm, verbleibt dort aber nicht bloß mit negativer Kritik. Letztere könnte hingegen ganz ausbleiben, würden sich Zeichnungen und Story auf einem Level ansiedeln. Doch das diesbezügliche Gefälle hat der kreative Kopf hinter „Albatros“ bis dato einfach nicht im Griff. Noch nicht? Das bleibt abzuwarten!

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Rucka, Greg / Lieber, Steve – Whiteout

Das Leben in der Antarktis ist nicht leicht. U.S. Marshal Carrie Stetko kann davon ein Lied singen. Allein in so gut wie rein männlicher Gesellschaft, Witterungsbedingungen, welche die Antarktis zum vermutlich lebensfeindlichsten Ort des Planeten machen – und dann geschieht auch noch ein Mord.

Es liegt an Carrie, den Fall aufzuklären und den Täter in der antarktischen Eiswüste dingfest zu machen. Doch Carrie hat wenig Zeit. Der Winter steht unmittelbar bevor, die meisten Menschen werden in ihre Heimat ausgeflogen, und wenn Carrie den Täter nicht vorher findet, brechen sechs Monate Dunkelheit über sie herein – in der Ungewissheit, dass der Täter sich noch irgendwo da draußen befindet, während sie für sechs Monate von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Carries Ermittlungen werden durch die ungünstigen Witterungsbedingungen erschwert und zudem machen ihre Vorgesetzten auch noch Druck: Löst sie den Fall nicht bis zum Einbruch des Winters, ist sie ihren Job los. Doch Carrie bekommt die unerwartete Unterstützung einer britischen Kollegin namens Lily Sharpe. Gemeinsam machen die beiden sich auf die Suche nach dem Täter und stolpern dabei über weitere Leichen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Was Greg Rucka und Steve Lieber mit „Whiteout“ aufs Papier gezaubert haben, ist ein Krimi in ebenso eindrucksvoller wie ungewöhnlicher Kulisse. Die Antarktis ist als Handlungsort mit das unverbrauchteste Terrain, das man sich vorstellen kann, und das macht zu einem nicht unerheblichen Teil den Reiz der Geschichte aus. Genaugenommen ist es dabei das Zusammenspiel von Ort und Zeit.

Die Antarktis ist kurz vor Wintereinbruch ein Ort in Aufbruchstimmung. Die meisten Menschen werden in ihre Heimat ausgeflogen, bevor die restlichen Verbliebenen für sechs Monate in der Dunkelheit des antarktischen Winters eingeschlossen sind. Carrie muss den Mörder unbedingt rechtzeitig finden – zum einen, um zu verhindern, dass er vorher in Richtung Heimat verschwindet, zum anderen (falls er zur Winterbesatzung gehört), um nicht für die nächsten sechs Monate mit ihm zusammen an einem Ort festzustecken, der von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Auch die Britin Lily Sharpe weiß um dieses Problem. Die Antarktis teilt sich in verschiedene Zuständigkeitsbereiche auf, je nachdem, unter wessen organisatorischer Leitung die jeweiligen Antarktis-Stationen stehen. Ein einzelner U.S. Marshal allein kommt da nicht weit. Die entmutigende Frauenquote von etwa zweihundert zu eins macht den beiden ermittelnden Damen die Sache nicht unbedingt leichter. Aber Stetko und Sharpe schieben nicht umsonst Dienst in der Antarktis. Sie sind aus hartem Holz geschnitzt und meistern sowohl die widrigen Witterungsbedingungen als auch die männliche Übermacht.

Der Fall an sich nimmt einen durchaus spannenden, aber auch etwas vorhersehbaren Verlauf. Der aufmerksame Leser bekommt schon recht früh einen sehr entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falls präsentiert. Es ist der Wettlauf gegen die Zeit, der die Sache spannend macht, und mit zunehmender Seitenzahl ist es auch die Befürchtung, dass die beiden Heldinnen drauf und dran sind, in eine Falle zu tappen, weil sie Zusammenhänge, die der Leser schon erkannt hat, selbst noch nicht erfasst haben.

Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch der Handlungsort selbst. Die spannendste Szene der Geschichte spielt sich folglich mitten in einem verheerenden antarktischen Sturm ab. Daher hat die Geschichte auch ihren Titel, denn die Stürme der Antarktis mit Minusgraden bis in den dreistelligen Bereich und Sichtweiten, die im dichten Treiben von Schnee und Eiskristallen teilweise nur bei fünfzehn Zentimetern liegen, nennt man |Whiteout|. In so einen Whiteout geraten auch Carrie und Lily. Ihr Leben hängt an einem Leitseil, das die einzige Möglichkeit darstellt, sich innerhalb der Basis fortzubewegen, ohne völlig orientierungslos im Sturm zu erfrieren. Das verspricht Spannungsmomente allererster Güte und dürfte auch in der in diesem Jahr in den Kinos anlaufenden [Verfilmung]http://www.imdb.com/title/tt0365929/ des Stoffs – mit Kate Beckinsale in der Rolle der Carrie Stetko, Regier führt Dominic Sena („Passwort: Swordfish“) – ein echter Leckerbissen werden.

Besonders stimmig wirkt die Geschichte aufgrund der Zeichnungen von Steve Lieber. Er fängt die beklemmende Atmosphäre der antarktischen Kälte wunderbar ein. Man möchte meinen, dass Schwarz-Weiß-Zeichnungen bei einem Handlungsort wie der Antarktis schnell etwas öde werden, aber Lieber beweist das Gegenteil. Er arbeitet viel mit diffusen Grauschattierungen, kehrt aber auch immer wieder harte Kontraste heraus. Und so erweckt er die Geschichte wunderbar zum Leben.

Bleibt unterm Strich ein positiver Eindruck zurück. Greg Rucka und Steve Lieber haben mit „Whiteout“ eine Geschichte abgeliefert, die als Krimi sehr solide ist, aber durch ihren ungewöhnlichen Handlungsort und die damit einhergehenden besonderen äußeren Umstände ein absolut besonderes und ungewöhnliches Lesevergnügen ist. Und so kann man „Whiteout“ Krimi-Freunden und Graphic-Novel-Liebhabern gleichermaßen sehr ans Herz legen.

http://www.cross-cult.de

Boothby, Ian – Simpsons Comics 133

_Inhalt_

|“Ausverkauf bei Marge“|

Marge entdeckt auf dem Speicher des Hauses allerhand unbrauchbaren Kram, darunter vor allem einen riesigen Stapel uralter Fernsehzeitschriften, von denen sich Homer bislang nicht trennen wollte. Marge lässt sich hiervon jedoch nicht länger beeinflussen und sucht händeringend Abnehmer für den nutzlosen Papierkram – vergeblich. Dank Lisas Rat lernt sie dann jedoch das Online-Auktionshaus ebuy kennen und erzielt dort einen erstaunlich hohen Preis für die Illustrierten.

Dies nötigt Marge dazu, gleich das Ganze Mobiliar und noch einiges mehr per Internet zu versteigern, bis sie schließlich realisiert, dass dies ein Fehler war. Da jedoch nur ein einziger Käufer die Sachen abgenommen hat, scheint die Möglichkeit, sich alles wieder zurückzuholen, noch gegeben. Als sich jedoch hinter dem mysteriösen Auktions-Profi niemand Geringerer als Marges alter Verehrer Artie Ziff verbirgt, macht sich die Familie nur noch wenig Hoffnung. Ziff plant nämlich, das Leben der Simpsons nachzuempfinden – und nun hat er endlich die notwendigen Mittel hierzu …

_Persönlicher Eindruck_

Im 133. Part der „Simpsons Comics“ erweist sich Ian Boothby mal wieder als ausgesprochen freizügiger Scharfschütze mit Spürsinn für die richtigen Zielobjekte. Dieses Mal muss das eigentlich schon längst überfällige Auktionshaus eBay dran glauben, welches hier – wenngleich namentlich leicht modifiziert – als Verursacher für ein etwas unverhältnismäßiges Kaufverhalten recht derbe durch den Kakao gezogen wird. Natürlich wählt der Autor hierzu mal wieder eine ganze Reihe überspitzter Darstellungen und verbindet sie mit einer völlig verrückten Story, wie sie wohl nur in den vier Wänden der gelben Familie stattfinden kann.

Der Plot entwickelt sich allerdings zunächst nur schleppend; man glaubt schon, es sei eine dieser typischen Marge-Hysterie-Geschichten, die letztendlich mit einer moralischen Note zum Ende kommen, doch entgegen den Erwartungen zeigt sich die etwas verdutzte Dame des Hauses keinesfalls reumütig. Generell aber sind die Emotionen in diesem Fall relativ gezügelt. Selbst Homer kann locker damit umgehen, dass seine liebsten Biervorräte im Verbund mit dem Kühlschrank außer Hauses gegangen sind, was indes auch bedeutet, dass Boothby gleichsam den gemäßigten Weg wählt und dieses Mal vor krasseren verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Hauptdarstellern zurückweicht. Doch genau dies wäre eventuell sogar erforderlich gewesen, um der Story anfangs etwas Schwung zu verpassen.

In der zweiten Hälfte geht es dann gewohnt tempo- und abwechslungsreich weiter; Boothby nähert sich der gewohnten Quote an Nettigkeiten und zwiespältigen Anspielungen und erreicht bis zum Schluss doch noch das Pensum an zweideutigem Humor, das dieser Magazin-Reihe standesgemäß innewohnen sollte.

Auch wenn die Geschichte nicht ganz so reizvoll ist wie manche erst kürzlich veröffentlichte in dieser Serie, so erhält die Nr. 133 dennoch den Zuschlag für kurzweilige, leider aber auch wieder allzu kurze Unterhaltung (mittlerweile nehmen schon mehr als ein Drittel des Heftes Rubriken und Werbung ein) auf mehr als durchschnittlichem Simpsons-Niveau. Schade ist halt nur, dass der Comic-Teil immer deutlicher abnimmt und Platz für allerhand Nebensächlichkeiten macht. Dieser Umstand sollte sich künftig besser wieder ändern, damit der Heft-Untertitel „Der große Simpsons-Ausverkauf“ demnächst nicht noch wörtlich genommen werden muss …

http://www.paninicomics.de/simpsons-comics-s10015.html

Hammock, Lee / Faerber, Jay – Halo Graphic Novel

_Inhalt_

|“Die letzte Reise der Infinit Succor“|

Der Elite-SpecOps-Commander wird per Notruf zu einem manövrierunfähigen Allianzschiff am Rande des Threhold-Systems beordert. Zunächst scheint die Situation harmlos und der innerhalb der Infinite Succor befindliche Legat in Sicherheit. Dann jedoch taucht eine Garnison gefährlicher Flood-Monster auf, verrichtet ein verheerendes Blutbad und prägt die letzte Reise des einst so mächtigen Schiffs.

|“Rüstungstest“|

Bei einem Rüstungstest wird ein Spartaner per Fallschirm in ein Krisengebiet hinabgelassen, wo er sich mit zahlreichen Angreifern messen und seine schützende Uniform erproben soll. Doch der Test avanciert zu einem tödlichen Unternehmen für zahlreiche Beteiligte.

|“Ausbruch aus der Quarantäne“|

Seargeant Avery Johnson ist gefangen inmitten eines extraterrestrischen Artefakts, dessen Inneres nur so vor Kriegern der Flood-Lebensform wimmelt. Mit äußerster Brutalität kämpft er sich durch den Sumpf der hochinfektiösen Gegner und hat dabei lediglich die Optionen, zu entkommen oder zu sterben.

|“Zweiter Sonnenaufgang über New Mombasa“|

Vor ihrer endgültigen Zerstörung war New Mombasa eine schillernde Metropole. Nach der Vernichtung erinnert sich nun einer ihrer prominentesten Bürger an die Zeit vor der Katastrophe und ihre tapferen Bürger, die bis zuletzt gegen den Angriff der Allianz ankämpften.

_Persönlicher Eindruck_

Die grafische Aufarbeitung einiger Ereignisse der „Halo“-Historie schien vielen Verfechtern des legendären Computer- und Konsolenspiels bereits seit geraumer Zeit dringend notwendig, sollte jedoch gleichermaßen nicht zum Schnellschuss werden. Schon im Jahr 2004 arbeitete eine Kommission an der gezielten Vermarktung des Erfolgsprodukts und rief dabei auch jenes Projekt ins Leben, welches von einer ganzen Reihe unterschiedlicher Comic-Künstler realisiert und zielgerichtet auf die Liebhaber der Background-Geschichte zugeschnitten war.

Insgesamt hat man vier kurze Geschichten ausgearbeitet, die sich in ihrem Erscheinungsbild recht deutlich voneinander abgrenzen, letztendlich aber allesamt aus dem direkten Umfeld der ersten Konsolenveröffentlichung entstammen. Jenes zu kennen, erweist sich dementsprechend als Vorteil, da die vier Storys zahlreiche Facetten und Nuancen als bekannt voraussetzen und darüber hinaus auch nur Momentaufnahmen der breit gefächerten Game-History anschneiden, die man teilweise gar nicht als echte Mini-Plots verkaufen kann.

Mit dem vielversprechenden Eröffnungsstrang „Die letzte Reise der Infinite Succor“ beginnt der Reigen allerdings noch sehr standesgemäß. Die Erzählung ist zwar auch nur gewissermaßen oberflächlich und verlässt sich auf die überstrapazierten Metzel- und Action-Szenen, spiegelt die Atmosphäre der Vorlage aber sehr authentisch wider. Kritisch sind nur die äußerst verschwommenen Zeichnungen, in diesem Fall zwar sicherlich typische Vertreter einer Graphic Novel, aber gerade in den Kampfszenen sehr undifferenzierte Bilder, die besonders bei der Zeichnung der Charaktere Schwierigkeiten beim Erkennen der Protagonisten hervorrufen. Eine etwas präziser skizzierte Story wäre hier jedenfalls vorteilhafter gewesen.

Letzteres ist in „Rüstungstest“ grundsätzlich vorhanden, allerdings vermisst die Geschichte sowohl Spannung als auch Tiefe. Auch hier gilt: Eine stark gezeichnete Momentaufnahme, aber es fehlt die Dynamik.

Episode drei orientiert sich wiederum am temporeichen ersten Strang, bleibt aber bis zum Schluss eine rein grafische Umsetzung. Doch die Bilder sprechen teils Bände und offerieren zwischen Gemetzel und Ballerei einige vorzügliche Einblicke in die Wirren des „Halo“-Universums – auch ohne Text.

Das Highlight spart man sich allerdings bis zum Schluss auf. Brett Lewis und Jean Giroud lassen den Untergang von New Mombasa, eine der Schlüsselszenen der bekannten Backing-Geschichte, Revue passieren und setzen dabei illustrativ und inhaltlich klare Akzente, die ihre Vorgänger zumeist nur bedingt zu präsentieren vermochten.

Der Sammelband, der hierzulande von |Panini| vertrieben wird, zeugt letztendlich auch nur bedingt von der langen Arbeit, die in der Kreation der vier Titel steckt. Die Geschichten erfordern ein wenig Vorwissen, können jedoch auch mit dem entsprechenden Background nur partiell überzeugen. Zu wenig verwertbarer, handlungsbezogener Inhalt, ein zu deutliches Schwergewicht bei der Darstellung der brutalen Action und insgesamt keine wirklich stringente Linie, die von den unterschiedlichen Künstlern gefahren wurde. Die Graphic Novel zum möglicherweise wichtigsten Action-Konsolen-Titel des aktuellen Jahres gefällt zwar durch einen interessanten Aufbau, nicht jedoch wegen einer etwaigen, spektakulären Umsetzung. Verpflichtend ist der Titel daher auch allenfalls für beinharte Fans des Klassikers – wenn überhaupt. Zwischen künstlerischem Anspruch und Realität liegen nämlich letzten Endes deutliche Unterschiede.

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Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 4 – Die letzte Festung

Wer bereits mit den ersten drei Teilen der „Fables“-Reihe vertraut ist, der wird in etwa wissen, was er von dem mittlerweile vierten Band um die Märchenfiguren im Exil erwarten kann. Nachdem Autor Bill Willingham sich ausführlich dem Leben seiner Helden in Fabletown und auf der Farm der Tiere gewidmet hat und der Leser nun weiß, wie es den Märchenfiguren so geht, die unerkannt in New York als geschlossene Gemeinschaft im Exil leben, gibt es nun einen Blick in Richtung alte Heimat.

In „Fables: Die letzte Festung“ steht nun einmal Blue Boy im Mittelpunkt, der bislang eher unscheinbar gebliebene Gehilfe von Snow White. Blue Boy ist in düsterer Stimmung. Es ist der Jahrestag der glücklichen Flucht der letzten Fables aus der alten Heimat – der Tag, an dem das letzte Schiff in unsere Welt aufbracht. Und es ist auch der Tag, an dem Blue Boy seine große Liebe verlor, da er auf dem letzten Schiff war und sie nicht. Und so erinnert sich Blue Boy, wie es dazu kam: die letzte große Schlacht gegen den Feind. Der aussichtslose Kampf, der dazu dient, die letzte Festung und damit das letzte Tor in unsere Welt so lange wie möglich zu verteidigen. Blue Boy war dabei, als viele tapfere Fables ihr Leben lassen mussten.

Im Anschluss an diesen dunklen Moment in der Geschichte der Fables springt Willingham in der nächsten Geschichte zurück in die Gegenwart. „Aufmarsch der Holzsoldaten“ hängt zumindest insofern inhaltlich mit „Die letzte Festung“ zusammen, als dass diese Geschichte erzählt, wie Red Riding Hood – damals die große Liebe von Blue Boy, die er im Kampf um die letzte Festung für immer verloren geglaubt hat – heute durch das Tor zur Welt der Menschen gelangt und nach Fabletown kommt. Doch so ganz viel Wiedersehensfreude mag nicht aufkommen, vermutet Bigby Wolf hinter dem plötzlichen Auftauchen der Dame doch etwas ganz anderes als einen glücklichen Zufall. Etwa zur gleichen Zeit tauchen drei merkwürdige Gestalten zweifelhafter Herkunft und Gesinnung in Fabletown auf …

Ganz pauschal kann man schon mal sagen, dass die „Fables“ sich auch mit dem vierten Band in gewohnt guter Manier präsentieren. Was Willingham und sein Zeichnerteam mit den ersten drei Bänden so wunderbar vollzogen haben, setzt sich auch in „Die letzte Festung“ fort. Mark Buckingham sorgt für die gewohnt gute Optik der Geschichten und wird diesmal von Craig Hamilton und Philip Craig Russel unterstützt.

Inhaltlich zieht Willingham wieder einmal kräftig an der Spannungsschraube. Gerade die zweite Geschichte „Aufmarsch der Holzsoldaten“, die in einem ganz gemeinen Cliffhanger endet, der den Leser quasi nägelkauend auf den nächsten Band warten lässt, strotzt nur so vor Spannung. Was Willingham hier aufbaut, ist eine unverhofft komplexe Geschichte um Spionage, Intrigen und Verrat, die auch im nächsten Band noch viel Spannung bescheren dürfte.

Prince Charming steigt in den Wahlkampf ein (genaugenommen gab es in Fabletown zuvor noch nie einen Wahlkampf, da noch nie jemand die Kompetenz des amtierenden Bürgermeisters King Cole in Zweifel gezogen hat). Fabletown stehen nicht nur politisch einschneidende Veränderungen bevor. Getreu dem Motto „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“, schürt der „Aufmarsch der Holzsoldaten“ dunkle Erwartungen für den nächsten Band. Was Willingham da auffährt, dürfte, nach dem Verlauf dieser Geschichte zu urteilen, noch spannender und düsterer werden.

Wer hätte am Anfang der Fables-Reihe gedacht, dass ein paar im Exil lebende Märchenfiguren so viel Potenzial für nervenaufreibend spannende Geschichten bieten? Dass man das eigentlich so nicht erwartet, unterstreicht im Grunde nur, was Bill Willingham für ein hochkarätiger Autor ist.

Er versteht sich darauf, die unterschiedlichen Facetten seiner Figuren auszuleuchten, er erzählt mal lustige, mal verzwickte Geschichten, er schürt Spannung und sorgt für Schmunzler, und so bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen. Mit jedem Band lernt der Leser neue Figuren näher kennen, jeder Band hat seine ganz eigene Grundstimmung, und doch ist das Gesamtkonzept in sich stimmig.

Bleibt also festzuhalten, dass Bill Willingham und seinem Zeichnerteam wieder mal eine schöne Fortsetzung der „Fables“-Reihe geglückt ist. Ich war nie so gespannt auf den nächsten Band, wie ich es nach diesem bin. „Die letzte Festung“ ist spannend, atmosphärisch dicht und wird getragen von düsteren Vorahnungen. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht zu lange auf die Fortsetzung warten müssen …

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_Die „Fables“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Fables 1 – Legenden im Exil“ 3175
[„Fables 2 – Farm der Tiere“ 3506
[„Fables 3 – Märchenhafte Liebschaften“ 4062

Salvatore, R. A. / Dabb / Seeley / Semeikis – silbernen Ströme, Die (Die Saga vom Dunkelelf 5)

Band 1: [„Heimatland“ 2498
Band 2: [„Exil“ 2843
Band 4: [„Der gesprungene Kristall“ 4440

_Story_

Drizzt, Bruenor, Wulfgar und Regis begeben sich auf die Suche nach der sagenumwobenen Zwergenfestung Mithrilhalle, Bruenors Geburtsort und gleichzeitig der Scheideweg seiner Ahnen, die hier im Kampfe starben. Doch ihre Reise ist erneut von unzähligen Hindernissen und vor allem Hassempfindungen dem Drow gegenüber gezeichnet. Schon in der Händlerstadt Luskan begegnet man ihm feindselig, obwohl man ihn aber insgeheim dennoch bestaunt. Doch seine Ankunft hier macht den Magier Dandybar neugierig, der bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach dem Kristall ist, der sich in Regis‘ Besitz befindet, und den er nun mit einem teuflischen Schlag gegen den Dunkelelfen und seine Gefährten zurückerobern will.

Er schließt daher einen Pakt mit dem zweifelhaften Mörder Artemis Entreri, setzt seinen neuen Verbündetem mit einem Golem und einer Schar seiner Männer auf Drizzt und seine Freunde an und verfolgt sie bis nach Silbrigmond. Gleich mehrfach entkommen der Dunkelelf und die übrigen Helden ihren Häschern, ohne dabei von ihrer Existenz zu wissen. Erst als Bruenor endlich seine alte Heimat wiederentdeckt und dort einen Schauplatz des Grauens auffindet, kommt es zum überfälligen Schlagabtausch …

_Persönlicher Eindruck_

Bereits im letzten Band kündigte sich ein deutlicher Wandel in der „Saga vom Dunkelelf“ an, nun wird er auch formal voll und ganz vollzogen. „Die silbernen Ströme“ versprüht nämlich erstmals das Gefühl einer klassischen Rollenspiel-Quest, die in diesem Fall zwar durch Salvatores Romanvorlage vorgegeben ist, insgesamt aber mehr den Charakter eines klassischen Heldenabenteuers besitzt als den einer epochalen Fantasy-Geschichte.

Letzteres ist in der Tat bedauerlich, alleine schon deshalb, weil der fünfte Band der Comic-Reihe so gerade einmal das Mindestmaß an Spannung bereithält, im Gegensatz zu den vorangegangenen Storys jedoch nicht mehr so atemberaubend und düster gestaltet wurde, wie man es von den Epen aus den Vergessenen Reichen gewohnt ist. Bezeichnend ist hierfür die Degradierung der Hauptfigur zum Mitläufer, auch wenn Drizzt im Prinzip (wenn auch passiv) Mittelpunkt der Handlung bleibt. Der Dunkelelf ist Aufhänger für Konflikte das Zünglein an mancherlei Waage in „Die silbernen Ströme“, jedoch keineswegs mehr die treibende Kraft. Diese Aufgabe hat er bereits in „Der gesprungene Kristall“ zu gewissen Teilen an Wulfgar übertragen, wohingegen es nun zum ersten Mal der berüchtigte Artemis Entreri, eine der beliebtesten und markantesten Persönlichkeiten dieser Fantasy-Saga, ist, der das Zepter bzw. den Fortschritt der Handlung an sich reißt. Ein passionierter Bösewicht mit undurchschaubaren Motiven und klarer Bestimmung, eben ganz so wie die klassische Drow-Variante, jedoch insgeheim noch mächtiger und tückischer – hier bahnt sich in der Prioritätenskala ein Wandel an, welcher zwar für Salvatores Genie bei den individuellen Charakterzeichnungen spricht, der Handlung hingegen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich weiterhilft. Hierfür geschieht aber auch in diesem Buch viel zu wenig Nennenswertes.

Das schwerwiegendste Problem ist sicherlich, dass man den größten Teil des Verlaufs schon zu Beginn der Story absehen kann. Es scheint selbstverständlich, dass der wieder erstarkte Bruenor in seine Heimat zurückkehren kann, auf das Duell zwischen Artemis und Drizzt kann man sich nach einer kurzen Einleitung auch schon mal gefasst machen, und auch die ablehnende Haltung dem Protagonisten gegenüber ist nicht mehr sonderlich originell, auch wenn hier kurzzeitig versucht wird, über die emotionale Schiene und mit Selbstzweifeln von Drizzts Seite her diesem Aspekt noch ein wenig mehr Dramaturgie zu schenken. Die erhoffte Funktionalität indes ist nicht gegeben.

So kommt es, wie es leider kommen musste; auch wenn die Story an sich nicht schlecht ist und ein gewisses Potenzial birgt, fehlt es ihr doch letztendlich an markanten, einschneidenden Ereignissen, die das Interesse auf Anhieb steigern könnten. Ähnlich wie im gleichnamigen Rollenspiel-Segment schreitet das Abenteuer erbarmungslos schnell voran, bleibt aber aufgrund des fehlenden Einflusses Dritter mitsamt der etwas steifen Handlung lediglich im unteren Mittelfeld der Salvatore-Adaptionen stecken. Oder anders gesagt: Der Plot vermisst Flexibilität und Überraschungen und dadurch bedingt auch, ganz wichtig, die zumeist ausbleibende Spannung.

Selbst die Zeichnungen von Val Semeikis lassen diesen prägenden, düsteren Touch vermissen, der die ersten Comic-Publikationen auszeichnete und der Serie auch im illustrierten Bereich einen Start nach Maß bescherte. Aus diesem Grund darf man letztendlich auch von einer kleinen Enttäuschung sprechen, die nach dem sehr gelungen umgesetzten Umschwung der Reihe im vorherigen Band derart noch gar nicht abzusehen war. Die Hoffnung auf einen einmaligen Zwischenfall stärkt aber dennoch den Optimismus, dass die bald veröffentlichte sechste Ausgabe „Der magische Stein“ hier wieder Besserung gelobt. Bis dato zehrt die Serie noch von der eindringlichen Erhabenheit ihrer ersten vier Geschichten …

http://www.paninicomics.de/vergessene-reiche-s10333.html

Godderidge, Ulrig / Floch, Adrien – Slhoka 3 – Die weiße Welt

Band 1: [„Die vergessene Insel“ 3795
Band 2: [„Die Gärten der Sangali“ 4090

_Story_

Im siebten Jahr des Krieges der Flammen befinden sich Slhoka und Svendai noch immer auf der Flucht vor den kompromisslosen Okranern. Lediglich dieses unberechenbare Duo scheint nämlich noch imstande, das von Coroner Kraal unter Gewalteinfluss geführte Volk davon abzuhalten, die Superwaffe endgültig zu errichten und das fehlende Element, das Xhodium, als Katalysator in das Zerstörungsprojekt einzubauen. Nun jedoch sind die beiden mit ihrem Flugzeug in der Nähe der Front abgestürzt und müssen sich sowohl vor den Herrschern und Armeen aus Zeide als auch vor den Okranern rechtfertigen. Gleich mehrfach entrinnen sie in letzter Sekunde der Gefangenschaft und ihrem sicheren Ende. Kraal zeigt sich indes erfinderisch und belebt Slhokas umgekommene Geliebte Leidjill, um sie unter Hypnose für seine Zwecke zu manipulieren. Trotz heftigen Widerstands gelingt es schließlich, das Xhodium an Ort und Stelle zu bringen und den Befehl für den Einsatz der Waffe zu geben – mit einem unerwarteten Ziel …

_Persönlicher Eindruck_

Man spürt im dritten Band des Vierteilers aus den Federn von Godderidge und Floch, dass die Geschichte langsam aber sicher zielgerichtet aufs Finale zusteuert. Das Tempo wird in „Die weiße Welt“ von Beginn an verschärft, aber auch die einzelnen Beziehungsgeflechte nehmen noch einmal an Brisanz zu und machen den Plot wesentlicher schwerer durchschaubar, als er es zunächst war. Vor allem die unterschiedlichsten Bündnisse avancieren mit zunehmender Dauer zu kaum durchdringbaren Mysterien. Auf Seiten der Okraner scheint man sich vorerst wie ein Fähnchen im Wind zu drehen, zeigt indes später die wahre Seite der tyrannischen Führung, während auch die Zeider sich mit aller Macht gegen alles und jeden stellen, Zweckverbindungen knüpfen und sie unverhofft und plötzlich wieder für den eigenen Profit brutal zerschlagen.

Ergo entwickelt sich die Story zu einem heftigen, rasanten Wechselspiel, in dem die sehr individuell strukturierten Charaktere oftmals das überraschende Zünglein an der Waage abgeben. Das Handeln der Protagonisten ist ebenso unvorhersehbar wie das ihrer Gegner, die Transparenz wird mitunter völlig verdeckt, was angesichts der zahlreichen spannungsfördernden Wendungen jedoch nachhaltig zu begrüßen ist. Lediglich der Grad der wachsenden Komplexität hätte etwas gediegener ansteigen können, da diese neue Undurchschaubarkeit der Storyline und in diesem Sinne die Verschärfung der verschachtelten Inhalte nach dem eher gradlinigen Beginn der Serie nunmehr nur noch schwierig zu verarbeiten sind.

Dennoch: Der Fortschritt der Geschichte im Geschwindigkeitsrauschist fabelhaft inszeniert, die Individualität von „Slhoka“ wird durch die enorme Vielschichtigkeit der Erzählung ein weiteres Mal eindrucksvoll forciert. Allerdings stellt genau dieser Umstand das Dream-Team Godderidge/Floch vor ein erhebliches Problem: Mit dem nächsten Band soll die Geschichte bereits enden, dabei sind noch eine ganze Reihe nur dezent ausgearbeiteter Stränge bis auf weiteres offen. Mit anderen Worten: Es wird für die beiden Männer hinter dem Comic-Projekt „Slhoka“ ungleich schwieriger sein, einerseits das erneut erhöhte Niveau zu halten und andererseits die Geschichte zufriedenstellend zu Ende zu bringen und dabei besagte Handlungsaspekte ausreichend abzuschließen. Angesichts des bislang besten, hier vorliegenden Bandes darf man aber selbst diesbezüglich guter Dinge sein. „Slhoka“ hat sich in kürzester Zeit zu einer der besten Publikationen aus dem |Splitter|-Verlag gemausert und erlebt nun den vorläufigen inhaltlichen Höhepunkt. So dicht, so farbenfroh, so schnell und so abwechslungsreich – dieser Comic hat es wirklich in sich!

http://www.splitter-verlag.de/

Martin, George R. R. / Crowell, Mike / Avery, Ben / Miller, Mike S. – Heckenritter, Der

_Story_

Als Knappe des respektierten Heckenritters Ser Arlan ist der wagemutige Dunk in seiner Jugend durch alle Lande gezogen. Stolz vertrat er seinen Meister und gelangte an seiner Seite selber zu Ritterehren. Als Ser Arlan am Wegesrand infolge einer Erkrankung tot zurückbleiben muss, beschließt Dunk, sein Erbe anzutreten und an seiner statt am Turnier in Ashford teilzunehmen. Doch der einstige Knappe hat seine neue Mission völlig unterschätzt; als er in den königlichen Gefilden eintrifft, wirkt er ohne würdige Ausrüstung geradezu hilflos und muss sein Pferd gegen die benötigten Silberstücke eintauschen. In dem jungen Burschen Egg hat er allerdings einen würdigen Stallburschen gefunden, der Dunk alias Duncan der Große treu ergeben ist.

Während die ersten Kämpfe schließlich das Publikum unterhalten, begeht der etwas unbeholfene Heckenritter eine riesige Torheit. Dunk hatte schon längere Zeit die Augen auf eine Puppenspielerin geworfen, der er auch die Bemalung seines Schildes anvertraut hatte. Als diese öffentlich des Verrats an der Krone bezichtigt wird, weil sie in einer ihrer Vorführungen das Wappen des Throns beschmutzt habe, greift Duncan der Große ein. Er schlägt dem Prinzen in seiner Wut ins Gesicht und wird mit sofortiger Wirkung vor Gericht gestellt. Unter gemilderten Umständen wird ein Gottesurteil gefällt. Duncan muss sich Prinz Aerion im ‚Urteil der Sieben‘ im Kampfe stellen. In nur einer Nacht ist es an ihm, sechs Gefährten zusammenzusuchen, um seine Unschuld mit Lanze und Schild zu beweisen. Doch in diesen schweren Zeiten fühlt sich niemand dem törichten Neuling verbunden …

_Persönlicher Eindruck_

Im permanent wachsenden, verlagseigenen Fantasy-Repertoire hat Deutschlands wohl renommierteste Comic-Schmiede |Panini| in den vergangenen Monaten bereits einige echte Meisterwerke hervorgebracht, man denke nur an die fantastischen Adaptionen von Salvatores „Saga vom Dunkelelf“ oder den meisterhaften Transfer von Howards legendärer Sagengestalt „Conan“. Nun jedoch hat man die Messlatte noch ein weiteres Mal nach oben gesetzt. Mit „Der Heckenritter“ folgt jetzt eine Geschichte aus dem Umfeld der sieben Königreiche, der Sagenwelt von George R. R. Martins modernem Fantasy-Klassiker [„Das Lied von Eis und Feuer“, 3651 welches ja nach Meinung nicht weniger Genre-Liebhaber das bislang beste Werk der phantastischen Literatur ist. Dementsprechend schwierig war natürlich auch die Umsetzung dieser illustrierten Erzählung, vor allem bedingt durch die enorm hohen Erwartungen, an denen jüngst ja auch schon die gezeichnete Fassung von Michael Moorcocks „Elric – Die Erschaffung eines Hexers“ scheiterte. Doch Ben Avery, hierzulande noch ein Greenhorn in der Comic-Abteilung, hat bei dieser Adaption fantastische Arbeit geleistet und nicht nur in seinem Genre, sondern generell in der illustrierten Literatur einen echten Meilenstein geschaffen – ganz so wie einst Martin, als er seine ersten Geschichten aus dem Land der sieben Königreiche zum ersten Mal dem Publikum vorstellte.

Dabei nimmt sich Martins Erbe die erforderliche Zeit, um die Detailfülle der Originalvorlage würdig auszudehnen. Ganz langsam kreiert er die faszinierende Sagenwelt, zehrt aber von Beginn an von der fantastischen Atmosphäre, die sowohl die Charaktere als auch die grandiosen Schauplätze umgibt. Schwierigkeiten bekommt man als Neuling lediglich bei der Ansammlung der teils gleich klingenden Ritternamen, was man jedoch nicht kritisch auslegen kann, schließlich handelt es sich hierbei ausschließlich um eine Frage der Orientierung, die spätestens zur Mitte der Story tadellos gemeistert werden kann. An derartige Unwegsamkeiten denkt man aber eigentlich schon ab dem Moment nicht mehr, an dem Dunk Ashford erreicht und seine Prüfung als Ritter vorbereitet. Von dort an entwickelt sich die zunehmend spannendere Geschichte behäbig aber sehr bestimmt fort, scheut bei der Darstellung von phantastischen bzw. transferierten mittelalterlichen Themen und emotionalen Inhalten nicht zurück und setzt alle Hebel in Bewegung, um die majestätische Erzählung mit einem bezaubernden Finale zu beenden. 160 Seiten voller erhabener Schlachten, hinterhältiger Intrigen und zwischenmenschlicher Dramen später ist man sich schließlich gewiss: Avery hat dem Verlag sein bisheriges Fantasy-Meisterstück beschert und – natürlich auch dank der genialen Vorlage – mit diesem Werk neue Maßstäbe gesetzt.

In diesem Sinne bleibt natürlich zu hoffen, dass der Autor mit der offiziellen Vorgeschichte zum „Lied von Eis und Feuer“ erst den Anfang einer neuen, darauf basierenden Comic-Serie geschaffen hat. Im Zweigespann mit seinem zeichnenden Kollegen Mike S. Miller wäre er jedenfalls sicherlich imstande, das grandiose Vorwerk von Fantasy-Ikone R. A. Salvatore noch zu übertreffen und das gesamten Genre maßgeblich zu beeinflussen. Dass Martins Originalromane hierzu das nötige Potenzial besitzen, steht außer Frage, ebenso wie Averys Qualitäten, schwere Lasten wie den Erwartungsdruck zu seinen Gunsten auszuspielen. Mit „Das verschworene Schwert“ steht eine weitere Adaption schon in den Startlöchern. Nach den überwältigenden Eindrücken von „Der Heckenritter“ ist die Vorfreude auf alles noch Folgende jedenfalls unermesslich groß!

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Schultz, Mark / Olivetti, Ariel – Superman/Batman vs. Aliens/Predator

_Story_

Ein neuer verheerender Konflikt droht der unwissenden Weltbevölkerung, und dies schon seit mehreren Jahrtausenden. Eine gestrandete Predator-Rasse hat sich in den tiefsten Höhlen im Andengebiet verschanzt und plant von dort aus die Ausbreitung in klimatisch angenehmere Gefilde. Dieser Bund von Jägern ist an einen bestimmten Code gebunden, welcher jede Begegnung direkt zum körperlichen Konflikt avancieren lässt, was auch Batman bei der Analyse hinterhältiger Machenschaften in einem Stahlwerk zu spüren bekommt.

Er folgt der Spur des aggressiven Jägers und trifft im peruanischen Gebirge auf seinen alten Gefährten Clark, der eigentlich als Journalist vor Ort ist, schließlich aber nach einer Attacke der Predators in den Konflikt involviert wird. Mit verbündeten Kräften durchforsten die beiden Helden das Höhlennetzwerk ihrer neuen Kontrahenten und stellen dabei fest, dass diese neue Aliens züchten, um ihren Erhalt zu sichern. Jedoch ist ein neuer Standort für die Predators ungemein wichtig, da das raue Klima der Gebirgskette und der bevorstehende Ausbruch eines Vulkans ihren unnatürlichen Lebensraum bedrohen. Obwohl die außerirdische Rasse den Menschen feindlich gesonnen ist, sieht Superman keine Notwendigkeit in der Vernichtung dieser Lebensformen. Stattdessen plant er, sie von ihrer Gefangenschaft auf der Erde zu befreien und ihnen somit ein sicheres Leben auf einem anderen Planeten zu schenken. Allerdings zeigen sich die fremden Wesen wenig kooperativ, und als schließlich die Regierung Wind von der Sache bekommt und mit einem Atomschlag droht, tickt für das dynamische Duo die Zeit unerbittlich …

_Persönlicher Eindruck_

Die 52. Ausgabe von „DC Premium“ bietet einmal mehr einen regelrechten Overkill an ehrwürdigen Titelträgern. Erneut machen Batman und Superman gemeinsame Sache, jedoch sind ihre Gegner dieses Mal von einem ganz anderen Kaliber. Statt der üblichen schurkischen Charaktere müssen die beiden Superhelden sich mit kampfeslustigen Predators und einer heranwachsenden Alien-Brut auseinandersetzen, die in ihrem blinden Überlebenswahn und dank ihrer Jägerinstinkte zu keiner Friedensverhandlung imstande sind. Die einzige Handlungsstrategie scheint offensichtlich; das außerirdische Leben gehört ausgelöscht, die Bedrohung umgehend vernichtet. Allerdings kehren unsere beiden geliebten Stars dieses Mal nicht ihre rationale Seite heraus, sondern gehen ungewöhnlich emotional an die Sache heran.

Supermans Moral verbietet es ihm, Leben unnötig zu zerstören, ganz gleich, welche bösen Absichten auch noch dahinter stecken mögen. Also sucht er nach Mitteln und Wegen, den eigentlichen Weg der Predators nachzuzeichnen, ihre missliche Lage nachzuempfinden und die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, alle Überlebenden der extraterrestrischen Lebensform zurück ins All zu befördern. Natürlich geht dies jedoch nicht reibungslos vonstatten. Die Aliens widersetzen sich jeglicher guter Absicht, und Supermans Plan, die Festung der Einsamkeit zum vorübergehenden Standort seiner eigentlichen Feinde zu machen, entpuppt sich als vorübergehendes Fiasko. Als auch noch die Regierung die Unterstützung versagt und sogar mit dem Einsatz von Atomsprengkörpern droht, wird die Lage ernst. Eine Stunde Zeit bleibt den beiden Köpfen, ihr Problem zu lösen und die Fremdlinge unbeschadet aus der Atmosphäre zu befördern. Eine Stunde, die leider Gottes so vorhersehbar wie nur eben möglich verläuft.

Nun, das Aufeinandertreffen der beiden ungewöhnlich konstituierten Fronten ist bei weitem nicht so spektakulär, wie man es anfangs noch hoffen durfte. Die Geschichte ist recht flach, die zahlreichen Zufälle mitunter bedenklich und das gesamte Geschehen derart durchschaubar, dass man bereits nach der Hälfte der Zeit das vermeintliche Happy-End absehen kann. Statt des erwarteten Showdowns kommt es zu einigen eher verhaltenen Konfrontationen, deren Darstellung ebenso unbefriedigend ist wie die einzelnen Lösungsvorschläge der verschiedenen Konflikte. An Ambitionen mag es zwar insgesamt nicht mangeln, jedoch sind die Ideen ziemlich mäßig und auch in ihrer Umsetzung größtenteils recht dürftig. Dieser Umstand wird schließlich noch von den stimmungsarmen Illustrationen unterlegt, die fast ausschließlich am Computer entstanden sind und dies auch durchweg erkennen lassen. Hier fehlt die Lebendigkeit und Dynamik früherer Publikationen, was jedoch mittlerweile zu einem generellen Problem in den Mini-Serien bei DC geworden ist. Insofern ist die Fehde zwischen Batman und Superman auf der einen und den Aliens und Predators auf der anderen Seite auch ein aktueller Maßstab für den Output der berühmten Comic-Schmiede. Nach den beiden Maga-Crossovers um die „Infinite Crisis“ ist erst einmal die Luft raus, und genau dies bekommt der Leser in dieser neuen Sonderausgabe sehr deutlich zu spüren.

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Russell, Philip Craig / Palmiotti, Jimmy / Busiek, Kurt / Howard, Robert E. – Conan 5: Die Juwelen von Gwahlur & Die Tochter von Midora

[„Conan 1 – Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten“ 2840
[„Conan 2 – Der Gott in der Kugel und andere Geschichten“ 3156
[„Conan 3: Der Elefantenturm und andere Geschichten“ 4028
[„Conan 4: Die Halle der Toten und andere Geschichten“ 4044

_Inhalt_

|“Die Juwelen von Gwahlur“|

Conan reist auf der Suche nach neuen Abenteuern und Auftraggebern in das Königreich Keshan. Bemüht, sein Vermögen und seinen Ruhm alsbald weiter auszubauen, tritt er vor den König und bietet seine Dienste als Anführer seiner Streitmacht an. Allerdings kommt ihm sein alter Feind Thutmekri in die Quere und unterbreitet dem König ein weitaus lukrativeres Angebot, so dass Conan das Nachsehen hat. Allerdings gelüstet es den teuflischen Kontrahenten einzig und alleine nach den Juwelen von Gwahlur, einem der mächtigsten Schätze des Reiches, um den sich geheimnisvolle Mythen und Kulte ranken. Angestachelt von den intriganten Ränken kommt Conan Thutmekri zuvor und stellt sich gegen die Schurken seines Feindes, enttarnt ein falsches Orakel und jagt verbissen nach dem wertvollen Schatz. Doch was steckt wirklich hinter den Zähnen von Gwahlur?

|“Die Töchter von Midura“|

In einer Schenke der heiligen Stadt Gouvia landet Conan in einer selbst verschuldeten Prügelei und wird daraufhin von den Wachen des Königs inhaftiert. Der Barbar unternimmt einen Fluchtversuch, landet jedoch einmal mehr in den Armen der Königstochter Valensa, die den mächtigen Krieger einmal mehr aufs Kreuz legt. Dennoch bietet der König ihm einen fairen Deal für seine Entlassung; Conan soll die entführte Zwillingsschwester Valensas, Hannah, wieder zurück in die heilige Stadt bringen, um die sichere Thronfolge zu gewährleisten. Gemeinsam mit der übermütigen Valensa und zwei Kriegern reist er den Entführern der zweiten Königstochter nach – und macht sich selbst zum Mittelpunkt einer außerordentlichen Tragödie …

_Persönlicher Eindruck_

Die fünfte Ausgabe der deutschsprachigen „Conan“-Reihe verläuft nicht nach dem althergebrachten Strickmuster. Statt die amerikanische Serie wie üblich fortzusetzen, greifen die Macher der Comics auf zwei Mini-Serien aus den Jahren 2004 und 2005 zurück. Grund hierfür: Die Originale sind noch nicht so weit fortgeschritten, als dass eine deutsche Fortsetzung schon umsetzbar gewesen wäre. Bevor nun im März nächsten Jahres mit „Die Dämonen von Khitai“ der reguläre Nachfolger auf den Markt kommt, müssen die Fans sich zunächst einmal mit einem rückblickenden Interludium begnügen.

Allerdings haben die Initiatoren nicht bloß irgendeinen Comic ausgewählt, sondern zwei kleine Serien, die der heutigen Reihe direkt vorausgingen und erst zu der Entwicklung der zeitgemäßen Conan-Abenteuer führten. Den Anfang macht dabei die recht spannende Geschichte um den mysteriösen Schatz von Gwahlur. Der Leser stößt hier auf einen längst gereiften, inzwischen 37 Jahre alten Barbaren, dessen grundlegendes Gemüt weitaus rauer und aggressiver ist, als man es bislang aus seinen Abenteuern kennt. Der Titelheld ist nicht mehr gänzlich der ehrbare Streiter, der für Recht, Ordnung und einen ordentlichen Tagelohn kämpft, sondern gibt sich als Dieb und Intrigant wesentlich unmoralischer und abgebrühter. Dementsprechend unvorhersehbar sind seine Handlungsschritte sowie die Story im Allgemeinen, die innerhalb der vier kurzen Kapitel doch einige sehr plötzliche Wendungen erfährt. Diese Unvorhersehbarkeit ist auch in den sehr schön ausgeprägten Charakterzeichnungen festgehalten, ganz besonders im unsteten Barbaren, der sich hier keinen gängigen Konventionen mehr unterordnet und seinem eigentlich Status des kompromisslosen Barbaren gerechter denn je wird. Lediglich der Zeichenstil ist für eine moderne Ausgabe der Klassiker-Serie ein wenig altbacken ausgefallen. Philip Craig Russell, im Übrigen auch Autor des Plots, orientiert sich an den ganz alten Conan-Comics, was grundsätzlich ja auch nicht verkehrt ist, dennoch aufgrund der fehlenden Detailfülle nicht die erwünschte Stimmung hervorruft. Im Gegensatz zur überzeugenden Geschichte hat „Die Juwelen von Gwahldur“ daher unter illustrativen Aspekten einige leichte Abzüge verdient.

Fast schon umgekehrt ist das Resümee für die zweite, etwas kürzere Mini-Serie dieses fünften Sammelbands. „Die Töchter von Midora“ zeichnet einen recht simplen, stringenten Plot ohne wirkliche Tiefe, im Rahmen der Serie auch ein wenig ungewöhnlich. Conan fehlt bisweilen das furchterregende Antlitz, seine Mitstreiter sind äußerst beliebig ausgewählt und die Geschichte an sich reißt den Leser auch nicht wirklich mit. Es fehlt an fesselnden Inhalten und markanten Ereignissen, sieht man mal vom allzu brutalen Gemetzel um den hier leicht naiv vorgestellten Cimmerier ab. Indes sind die Zeichnungen hier auf einem höheren Niveau angesetzt und viel stärker den zuletzt veröffentlichten Abenteuern Conans nachempfunden. Zumindest diesbezüglich gibt es einen dezent erkennbaren, roten Faden, der alle bisherigen Ausgaben der deutschen Serie zusammenhält.

Trotzdem ist der Doppelband nicht ganz so stark wie die bisherigen Geschichten um den unverwüstlichen Kämpfer. Die Epik einstiger Tage kommt ein wenig zu kurz, die notwendige Tiefe kann hingegen gerade wegen der Kürze der Storys nicht erzielt werden. Insofern bieten beiden Geschichten nette Unterhaltung und zudem auch interessante Aspekte und Charaktereigenschaften des Cimmeriers, jedoch keinen Fantasy-Bombast, wie man ihn seit Release des Debütbandes „Die Tochter des Frostriesen …“ regelmäßig geboten bekam. Nichtsdestotrotz sollten Conan-Fans nicht auf „Die Juwelen von Gwahlur & Die Tochter von Midura“ verzichten. Ein gewisses Level ist nämlich immer noch gewährleistet, und das ist selbst im vergleichsweise schwächeren, neuen Werk immer noch höher als in 90 Prozent aller vergleichbaren Publikationen!

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Salvatore, R. A. / Dabb / Semeiks – gesprungene Kristall, Der (Die Saga vom Dunkelelf 4)

Band 1: [„Heimatland“ 2498
Band 2: [„Exil“ 2843

_Story_

Nach seiner schweren Jugend in der Unterwelt hat Drizzt Do’Urden seine Freiheit als Waldläufer in den Regionen des Eiswindtals gefunden. Er agiert als Berater der Räte von Zehnstädte und schließt sich seinen neuen Genossen im Kampfe an, wird aber nicht allerorts gleichberechtigt akzeptiert. Als sich ein Barbarenstamm schließlich aufmacht, das Reich der Zwerge einzunehmen, eilt Drizzt seinem engsten Verbündeten Bruenor zur Hilfe und bewahrt Zehnstädte vor dem vorzeitigen Untergang. Im Kampf schützt der Zwergenhäuptling außerdem einen jungen Barbaren vor dem sicheren Tod, gibt ihn jedoch in die eigene Sklaverei.

Jener Sohn, Wulfgar, wächst in den nächsten fünf Jahren unter Bruenors Obhut zu einem gefürchteten Krieger heran und bekommt schließlich vom Dunkelelfen den Feinschliff. Ein halbes Jahrzehnt nach dem ersten Angriff auf das Eiswindtal fühlt sich der gestandene Krieger immer mehr seinen neuen Verbündeten zugehörig und stellt sich sogar gegen sein Volk, als er von dessen Verrat erfährt. Die Barbaren haben sich nämlich ebenso wie Oger, Orks und Riesen an den verwegen Magier Akar Kessell verkauft, der mit einem Relikt aus alten Zeiten selbst Dämonen zu unterwerfen vermag.

Als Kessell die Horden um sich schart, um Zehnstädte endgültig dem Erdboden gleichzumachen, ist der einstige Barbar ebenso gefragt wie seine beiden Lehrmeister und der verschmitzte Halbling Regis Knurrbauch. Die von Crenshinibon verliehene Kraft macht Kessell zum derzeit mächtigsten Mann der Oberwelt – und nur ein geschickter Streich kann ihm diese Macht je wieder rauben …

_Persönliche Meinung_

Die Zeiten, in denen Drizzt Do’Urden gegen die frevelhaften Auswüchse seiner eigenen Familie kämpfen und bestehen muss, sind mit dem vierten Band der „Saga vom Dunkelelf“ vorerst vorüber. Mit seinem Aufstieg in die Oberwelt und der endgültigen Flucht aus dem Reich der Spinnenkönigin beginnen für den mächtigen Dunkelelfen neue Abenteuer, aber auch erneut unsichere, schwer vorhersehbare Zeiten. Die Lebewesen seiner Herkunft sind an der Oberfläche Faerûns nicht gerne gesehen, da die Dunkelelfen in der Vergangenheit zu oft bewiesen haben, dass ihre Ehre eher zweifelhaft ist, und das ihnen gegebene Vertrauen häufig missbraucht wurde. Trotz seiner guten Absichten und seiner zahlreichen Hilfestellungen im Kampf wird Drizzt von manchen Königen und Häuptlingen nicht akzeptiert, teils sogar völlig abgelehnt.

Doch der gutherzige Kämpfer aus dem Hause Do’Urden lässt sich von der Haltung der Bürger in Zehnstädte nicht abschrecken; ungeachtet der entgegengebrachten Abscheu lässt er sich von Moral und Ruhm treiben, findet alsbald Verbündete und wird schon kurze Zeit nach seiner Ankunft auf seine Standhaftigkeit und Loyalität getestet. Doch selbst als er seinen neuen Angehörigen im Kampfe beisteht, erfährt er weiterhin nicht den gebührenden Respekt. Den hingegen erfährt der neue Schützling Bruenors, der versklavte Jüngling Wulfgar, der seinem Todesurteil durch die Gefangenschaft entrinnen konnte. Ausdauernd leistet er seinen fünfjährigen Pflichtpfand im Hause der Zwerge ein, knüpft eine innige Freundschaft mit dem Dunkelelfen und wird als Sohn und Freund aus der Sklaverei entlassen.

Unterdessen wird das gesamte wacklige Bündnis von Zehnstädte von einer unbekannten Bedrohung heimgesucht. Der intrigante Magier Akar Kessell hat sich mangels vorhandener Fertigkeiten für den radikalen Weg entschieden, seinen Meister getötet und das vielleicht stärkste Artefakt der Macht in seinen Besitz gebracht, um das Volk des Eiswindtals zu unterjochen. Während er Dämonen beschwört, ganze Völker manipuliert und seinen Angriff auf die Städte des Rats vorbereitet, ist man in Zehnstädte noch immer damit beschäftigt, die Freundschaft zu befestigen und gemeinsam gegen das bevorstehende Unheil vorzugehen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt jedoch noch niemand, dass ausgerechnet der Dunkelelf das Zünglein an der Waage sein wird.

Drizzts neuestes Abenteuer markiert einen eindeutigen Wandel, fort von der klassischen Fantasy-Serie und mehr hin zu unabhängigeren Handlungssträngen. „Der gesprungene Kristall“ ist nach der Trilogie um die Jugend des Dunkelelfen der erste Roman, der prinzipiell für sich alleine stehen könnte und keiner längeren Vorgeschichte bedarf. Die Charaktere sind größtenteils neu und unbekannt, die Motive des Protagonisten schnell ersichtlich und das Szenario im Wesentlichen weitaus simpler strukturiert als die bisherigen Ausgaben der Saga. Allerdings ist der neue Lebensabschnitt des Dunkelelfen sphärisch auch kaum mit den vorherigen Storys zu vergleichen; die Finsternis ist nicht bloß optisch gewichen, die Bösartigkeit der meisten Beteiligten nicht so Ehrfurcht erregend, wie man dies bisher gewohnt war. Aber auch die zahlreichen Ränke sind nicht ganz so detailliert ausgearbeitet, was die Brisanz der Handlung zumindest im direkten Vergleich eher entschärft.

Dennoch ist „Der gesprungene Kristall“ inhaltlich ein weiterer Dauerbrenner aus der Welt der „Vergessenen Reiche“. Die Story ist spannend, temporeich und einem echten Fantasy-Epos definitiv würdig, dazu auch in dem Maße fortschrittlich, dass Salvatore und das Comic-Team sich nicht durchweg an den Erstveröffentlichungen aus dieser Sagenwelt orientieren. Eine neue Dynamik zeichnet das Bild und bringt mächtig Bewegung in die Reihe, fordert allerdings auch den Tribut der entschärften, unterschwelligen Aggressionen, die dieses Meisterwerk in den Bänden eins bis drei als eines der prägenden Elemente auszeichneten. Dennoch: Eine gelungene, teilweise fast wieder geniale Fortsetzung ist der vierte Teil der Saga ohne Zweifel – und das sowohl im Bezug auf Story und Tempo als auch hinsichtlich der grafischen Aspekte. Fans kommen ohne Wenn und Aber auch an „Der gesprungene Kristall“ nicht vorbei!

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Hannes Hegen (Hrsg.) / Lothar Dräger (Text) / Edith Hegenbarth (Zeichnungen) – Die Digedags in Sankt Louis (Amerikaserie, Band 8)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

Die Digedags

Hannes Hegen (Hrsg.) / Lothar Dräger (Text) / Edith Hegenbarth (Zeichnungen) – Die Digedags in Sankt Louis (Amerikaserie, Band 8) weiterlesen

Vaughan, Brian K. / Henrichon, Niko – Löwen von Bagdad, Die

_Story_

Es liegt etwas in der Luft in den Gehegen des Zoos in Bagdad. Die Tiere sind nervös, befürchten Schlimmes und lassen sich von der anhaltenden Ruhe mitreißen. Besonders die Löwin Safa lässt sich von dieser Laune anstecken und versucht erfolglos, die anderen Tiere zum Ausbruch aus den Käfigen zu motivieren. Kurze Zeit später erfolgt die Befreiung auf unerwünschte Art und Weise. Eine Schwadron von Kampfbombern umkreist und bombardiert die Stadt und trifft auch die Bestallungen im Zirkus. Safa, Noor, Zill und der kleine Ali entkommen als einzige Löwen dem kriegerischen Treiben und laufen fortan hilflos durch die Straßen der Stadt. Getrieben vom Wunsch, auch nur ein einziges Mal, so wie in Zills Beschreibungen, den Horizont zu sehen, kämpfen sie sich durch persönliche Aggressionen und Fehden, erlegen einen Bären und schaffen es tatsächlich auf die Spitze eines Daches. Dann jedoch bemerken sie die wahre Grausamkeit des Krieges …

_Persönliche Meinung_

Das neue Meisterstück von Starautor Brian K. Vaughan beruht in diesem Fall auf einer wahren Begebenheit, die sich im Jahre 2003 auf irakischem Boden zutrug. Nach einem verheerenden Angriff der amerikanischen Fliegerstaffeln wurde das Gelände des Zoos stark beschädigt und entließ die Tiere in die unsichere Freiheit. Unter den vielen Exemplaren, die nie zuvor in freier Wildbahn gelebt hatten, waren auch vier Löwen, die es schafften, dem Bombardement zu entkommen und sich vorerst in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf wurden sie von den amerikanischen Truppen völlig ausgehungert entdeckt und schließlich erschossen.

Jene tragische Geschichte hat den Autor dazu bewogen, eine recht eigenwillige Erzählung zu kreieren, in der es weder tatsächliche Helden noch Recht und Unrecht in der uns bekannten Ausprägung gibt. Im Krieg gilt das Gesetz des Stärkeren, ebenso wie im Reich der Tiere, damit also auch in der Hierarchie der vier Protagonisten, die sich in ihrer zoologischen Umgebung ihren Mitinsassen überlegen fühlten. Dennoch wurde der Versuch gestartet, sich zusammenzurotten und vorzeitig das Weite zu suchen, da die Stimmung der letzten Tage nichts Gutes verhieß. Doch sinnbildlich für die menschlichen Rassenunterschiede konnten auch die Tiere keine Einigung erzielen und waren sich nach kurzen Annäherungsversuchen wieder spinnefeind. Hass und Verzweiflung machte sich folglich in den Gemütern der Löwinnen breit, die ihre letzte Hoffnung auf ein Leben in Freiheit nun wahrscheinlich aufgeben müssen, weil sie erneut durch den Einfluss der Menschheit in ihrem instinktiven Wunsch, in der heimischen Natur ausgesetzt zu werden, beeinträchtigt werden. Freiheit bedeutet in diesem Falle Flucht, ähnlich wie in so vielen Landstrichen in Nahost und Afrika, der Herkunft der Tiere, und wer sich dennoch der Konfrontation stellt, hat gegen die größeren Mächte, vertreten durch die Geschwader der Vereinigten Staaten, letztendlich doch keine Chance.

Natürlich schwingt eine ganze Menge Pathos in der Story mit, allerdings umschifft Vaughan die drohende Pseudo-Dramatik recht geschickt durch die hitzigen Dialoge zwischen den tierischen Protagonisten. Man ist sich selbst innerhalb der eigenen Rasse nicht friedlich gesonnen und neidet dem anderen Erfahrungen und Bedürfnisse, ist nicht bereit zu geben, aus Angst, man könne selber nicht ausreichend befriedigt werden. Infolge dessen sind Streitereien untereinander an der Tagesordnung; statt sich gegenseitig zu bestärken, heizt man den Krieg intern weiter an und gefährdet sich und seine Begleiter schlussendlich sogar selbst. Dies mag zwar in diesem Sinne nichts grundlegend Neues sein, jedoch wird es vom Autor von „Die Löwen von Bagdad“ derart außergewöhnlich und fantastisch inszeniert, dass es einem manchmal die Spucke verschlägt. Die Story hat gehörigen Symbolcharakter und ist bisweilen auch stark politisch motiviert, durch den versteckten Biss aber noch zusätzlich reizvoll und brisant. Echte Spannung will zwar im vorbestimmten Verlauf der Handlung nicht aufkommen, jedoch liegt hierin auch nicht die Intention des Autors. Vaughan beabsichtigt einen genaueren Fokus auf die unbewussten Nebenschauplätze der allgegenwärtigen Kriege und hat sich hierzu ein empfindliches Thema ausgesucht, um die enormen Auswirkungen in einer nüchternen, allerdings sehr bewegenden Ausarbeitung nahe zu bringen. Der Effekt ist bemerkenswert; die Geschichte um die vier Löwen geht unter die Haut und sensibilisiert auf eine Art und Weise, wie man Krieg noch nie erleben und erfahren musste. Vaughan bleibt ein Eigenbrötler und Individualist in der Comic-Welt; doch so gehaltvoll und tiefgreifend wie seine Geschichten immer wieder konstituiert sind, ist dieser Status nur absolut willkommen. „Die Löwen von Bagdad“ ist ein weiterer Geniestreich eines richtungsweisenden Comic-Autors.

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Gossett, Christian / Kayl, Bradley – The Red Star 2 – Nokgorka

Band 1: [„Die Schlacht vor Kar Dathras Tor“ 3462

»Wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, ho, ho, ho, ho, ho, hey!« So sangen einst |Dschingis Khan| im Jahre 1979. Ralph Siegels Tanztruppe hatte offensichtlich eine Schwäche für den Wilden Osten. Bei Comic-Mastermind Christian Gossett und seinem Team dürfte das ähnlich sein. Mit „The Red Star“ schufen sie einen Comic, der optisch und inhaltlich aus russischen Brunnen schöpft. Die Serie ist eine anspruchsvolle Komposition aus Bleistiftzeichnungen und 3D-Computermodellen. Der zweite Band „Nokgorka“ erschien im August bei |Cross Cult|.

Als im Januar 2007 der erste Band von „The Red Star“ veröffentlicht wurde, dachte schon so mancher Leser: Wow, ist das ein Brocken! Die Geschichte über „Die Schlacht vor Kar Dathras Tor“, über die Kriegszauberin Maya Antares, ihren Ehemann Markus und seinen vermeintlichen Tod nahm knapp 170 Seiten ein. So zauberte |Cross Cult| einen Comic-Band, dessen Äußeres seinem Inhalt entsprach: groß, gehaltvoll und pathetisch. Der zweite Band „Nokgorka“ ist noch einmal runde 40 Seiten dicker als der erste. Es gibt wieder einen ansehnlichen Textteil (Einführung, Infos über die Macher sowie ein Lexikon), allerdings liegt die Hauptschuld für den Zuwachs bei einem Kapitel mehr. Der „Nokgorka“-Zyklus ist nämlich ein Heft länger.

Seit der Schlacht vor Kar Dathras Tor sind sieben Jahre vergangen. Die Vereinigten Republiken des Roten Sterns sind am kränkeln. Das Imperium zerfällt allmählich. Trotz der anhaltenden militärischen Stärke versuchen immer wieder kleine Teile der Republik die Unabhängigkeit zu erlangen. So auch Nokgorka, ein frostiger Landstrich, in dem die Menschen stolz und kühn sind. Vermittelt wird der ungleiche Kampf durch die junge Soldatin Makita. Obwohl beinahe noch ein Kind, ist sie schnell, zäh und zu allem entschlossen. Auf der anderen Seite der Front folgt man bereits bekannten Figuren. Sowohl die Kriegszauberin Maya Antares als auch die Schleicher-Kapitänin Alexandra Goncharova sind wieder mit von der Partie.

Inhaltlich geht es zweigleisig zu. Auf der einen Seite wird die Schlacht um die Provinz Nokgorka geschildert, auf der anderen Seite spielen Einzelschicksale eine Rolle, die – so sagt eine Prophezeiung – eng mit dem Schicksal des ganzen Landes verwoben sein sollen. Die Leser sehen also nicht nur futuristische Schlachtschiffe, Riesenpanzer und Explosionen, sondern erleben die Handelnden auch in Naheinstellung.

Merkwürdigerweise gelingt es den Machern von „The Red Star“, Pathos zu erzeugen, ohne dabei lächerlich zu wirken. Das ist eine Seltenheit. Oft wirken Großereignisse in amerikanischen Comic-Serien überzogen, albern und unglaubwürdig. Wie gelingt „The Red Star“ dieser Kunstgriff? Sicherlich trägt die persönliche und dichte Darstellung der Hauptfiguren dazu bei, den Pathos ins rechte Licht zu rücken. Die Leser erfahren ganz unmittelbar von den Sorgen, Ängsten und Nöten der Protagonisten. Obwohl in „The Red Star“ mächtig geprotzt wird, sind die Figuren verletzliche Wesen, keine Superhelden.

Aber es kommt noch etwas anderes hinzu, um zu erklären, warum der Pathos nicht lächerlich wirkt. Bei aller Gigantomanie ist den Machern von „The Red Star“ immer bewusst, dass für die Entstehung eines Imperiums wie der V. R. R. S. viele unschuldige Menschen leiden mussten. Mit der Freiheit des Individuums ist es nicht weit her. Das Großreich ist nicht glatt und glänzend, sondern hat Risse. Deutlich wird das zum Beispiel, wenn Maya von ihrer Freundin darauf hingewiesen wird, dass sie ein illegales Buch liest. Oder wenn ein Luftmarshall auf eigene Truppen Feuer regnet lässt, um in den Straßenschluchten nebenbei ein paar Gegner zu töten. Oder wenn der gute Geist Pravda davon spricht, wie nach der Revolution, der Geburtsstunde des Imperiums, Millionen Revolutionskämpfer von der Regierung in die Eiswüste geschickt wurden, weil ihre aufsässigen Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollten. Bei solchen Rissen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Der Pathos kommt beim Leser an, weil ihm kein Wolkenschloss vorgesetzt wird. Was gezeigt wird, ist eine Diktatur, die sich trotz der phantastischen Elemente so echt anfühlt, als wäre sie real. Das Thema von „The Red Star“ ist eigentlich nicht mehr und nicht weniger als der Kampf zwischen dem Individuum und dem System. Anspruchsvoll, möchte man sagen. Aber wer einfache Kost bevorzugt, kann ja Schlager hören. Ho, ho, ho, ho, ho, hey!

http://www.crosscult.de/

Carey, Mike / Dillon, Steve / Frusin, Marcelo – John Constantine: Hellblazer 2 – Der Rote Tod

Band 1: [„Hölle auf Erden“ 3621

Vom Nebendarsteller zur Hauptfigur: John Constantine gehört seit langer Zeit zum festen Repertoire der US-Comic-Welt. Der Straßenmagier im Trenchcoat und seine Serie „Hellblazer“ stehen für erwachsenen Horror und gute Qualität. Im September ist der Band „Der Rote Tod“ bei |Panini| erschienen.

Die Serie über John Constantine weist eine Kontinuität auf, die meistens nur Superhelden zuteil wird. Im nächsten Jahr feiert die Reihe ihren zwanzigsten Geburtstag. Da erscheint dann in den USA Heft #240, der erste Teil der brandneuen Story „The Laughing Magician“. Bis diese Geschichte dann in Deutschland erscheint, wird es wohl eine Weile dauern. Solche Verzögerungen über den Atlantik sind nichts Ungewöhnliches, insbesondere bei Serien, die in Deutschland eher am Rande des Mainstreams liegen und ein spezielles Publikum haben. Umso erfreulicher das Bemühen, die Serie auch hierzulande vollständig zu veröffentlichen. Bei |Panini| ist man mit „Hellblazer 2“ gerade erst bei den US-Heften von Anfang 2003 angekommen. Im September ist also „Der Rote Tod“ erschienen. Er enthält die beiden Storys „Die Droge Leben“ und „Der Rote Tod“, bestehend aus insgesamt sechs US-Heften (2+4). Die zwei Geschichten sind locker miteinander verknüpft durch die Figur Gemma, Constantines Nichte.

„Die Droge Leben“ spielt in Liverpool und dreht sich um ein verfluchtes Hochhaus, in dem Menschen der untersten sozialen Schichten ihr Dasein fristen. Ein grauer, von Alkohol und Fernsehen dominierter Alltag wird hier nur gelegentlich unterbrochen, zum Beispiel, wenn sich mal wieder jemand aufhängt. Constantine wittert, dass an diesem Ort irgendetwas faul ist. Er kann nur noch nicht genau sagen, was. Während seiner Nachforschungen lernt er nicht nur die attraktive Kellnerin Angie kennen, sondern muss auch mit dem Stress und den Sorgen seiner Schwester Cheryl fertig werden. Und dass der Striptease-Killer noch immer auf freiem Fuß ist und sein Unwesen treibt, entspannt die Situation nicht gerade.

„Die Droge Leben“ wurde von Steve Dillon (Preacher) gezeichnet. Die Geschichte erschien erstmals im September und Oktober 2002 unter dem Titel „High on Life“ (Hellblazer #175-176) bei |DC Vertigo|.

Für „Der Rote Tod“ wechselt John Constantine den Ort. Der kettenrauchende Magier reist nach London, um seine Nichte Gemma zu finden. Die hat sich in ihrem naiven Wunsch, die Wege der Magie besser kennen zu lernen, in die Hände des skrupellosen Großgrundbesitzers Fredericks begeben, ohne dabei zu ahnen, dass sie nur als Druckmittel dienen soll, um ihren Onkel gefügig zu machen. Denn Fredericks hat nicht vor, Gemma zur Magierin auszubilden. Er hält sie als Geisel, um mit Constantines Hilfe an den Roten Tod zu kommen, ein tödliches Artefakt aus Indien, das ebenso legendär wie mächtig ist. Und Fredericks ist nicht der Einzige, der nach dem Roten Tod sucht. Constantine braucht eine Weile, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, und gerät dabei zwischen die Fronten. Der Leser folgt ihm von Puzzlestück zu Puzzlestück.

„Der Rote Tod“ wurde von Marcelo Frusin („Loveless“) gezeichnet und erschien zum ersten Mal von Dezember 2002 bis März 2003. Der Originaltitel lautet „Red Sepulchre“ (Hellblazer #177-180).

Die beiden Geschichten in „Der Rote Tod“ passen ins Hellblazer-Universum und treffen den angenehm düster-verrauchten Grundton der Serie. Es geht um Gewalt, um Macht, am Rande auch um Geld, da fällt insbesondere bei Frusins Zeichenstil die Verwandtschaft mit „100 Bullets“ auf. Zu den besten Szenen in „Der Rote Tod“ gehört sicherlich Constantines Gespräch mit Fredericks, einem dicken, Zigarre rauchenden Ex-Kolonialisten, unsympathisch durch und durch. Sie treffen sich im Savoy, Fredericks hat gerade sein Frühstück beendet, um darüber zu verhandeln, was Constantine tun muss, um seine Nichte zu retten. Trotz seiner schwächeren Position gelingt es dem Magier, seinen Widersacher so in Rage zu versetzen, dass er von ihm mit einer Gabel angegriffen wird. Das ist John Constantine in Reinform, dreckig und unverschämt, lässig und zu allem entschlossen. Neu erfunden wird die Serie von Autor Mike Carey dabei nicht, aber er bleibt in der Spur und erzählt tollen Horror, ohne auf den blanken Effekt zu reduzieren. Woran man das festmachen kann? Zum Beispiel an einer Anzahl interessanter Nebenfiguren. Oder an dem spannend inszenierten Ende, wenn das letzte wichtige Puzzlestück ans Licht kommt. Auch der Dämon – einer muss in einem Hellblazer-Vierteiler schon vorkommen – ist dramaturgisch logisch und am richtigen Punkt des Spannungsbogens eingesetzt. Obwohl stellenweise ein wenig vorhersehbar, ist „Der Rote Tod“ ein Comic für alle, die die Serie mögen oder gerne guten Horror lesen. Und „100 Bullets“-Freunde dürfen auch einen Blick riskieren.

[Rezension von Björn Backes zu Band 2 4253

http://www.paninicomics.de/
[Verlagsseite zur Reihe]http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10457

Way, Daniel / Saltares, Javier – Ghost Rider 2 – Die Legende von Sleepy Hollow

_Story_

In einem verschlafenen Örtchen in der Nähe Chicagos versetzt ein wahnsinniger Mörder die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Ein junger Knabe namens Cameron wurde unter anderem beim Versuch, seine neue Liebe zu vergewaltigen, von dessen unbarmherzigem Feuer heimgesucht, und auch einige weitere Leichen gehen auf das Konto des Unbekannten. Der Sheriff ist sich indes sicher, die Identität des Täters aufgedeckt zu haben, als ein verwahrloster Gammler in der direkten Umgebung entdeckt wird. Jener gibt sich als Johnny Blaze aus und beweist ihm auf allzu schmerzliche Weise, dass er mit den Morden nichts zu tun hat. Allerdings ist der Ghost Rider kompromissbereit und stellt sich mit dem Gesetzeshüter gegen die neue maskierte Bedrohung in Sleepy Hollow.

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem eher durchwachsenen [Auftakt 3724 der neuen „Ghost Rider“-Serie geloben Daniel Way und Javier Saltares im zweiten Band der Marvel-Horror-Reihe nun deutliche Besserung. Zwar basiert ihr feuriger Tie-in zum Crossover-Epos „Civil War“ auf einer allzu bekannten cineastischen Vorlage, bewegt sich darin jedoch sehr frei und spannungsgeladen, so dass der etwaige Vergleich letztendlich fast nur noch im Titel eine vollständige Berechtigung findet. Ansonsten ist der Aufhänger „Sleepy Hollow“ lediglich ein geringfügiger, letztendlich aber kaum mehr relevanter Orientierungspunkt für das Publikum des Ghost Rider.

Die Story indes ist als Verknüpfung zu besagtem Mega-Event angedacht, erstellt diesbezüglich jedoch keine echte Verbindungslinie, so dass sie schließlich doch als unabhängiges Element agieren muss. Johnny Blaze muss sich erneut seinem schärfsten Widersacher Luzifer stellen und ihn in einem diabolischen Kleinkrieg aus Sleepy Hollow vertreiben. Außerdem beteiligt er sich währenddessen daran, den Urheber einer Mordserie dingfest zu machen, der jedoch unter derselben feurigen Kürbismaske steckt wie der aufs Neue personifizierte Höllenfürst.

Die Story schreitet schließlich zügig voran und setzt vorrangig auf die äußerst lebendige Action, die von den beiden kontrahierenden Flammenköpfen getragen wird. Gleich mehrfach kommt es zu gravierenden Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ausgeburten der Hölle, verstärkt durch den Rachefeldzug des Sheriffs, der einzig und alleine danach sinnt, Vergeltung für seinen verstorbenen Sohn Cameron zu üben. Dies alles verläuft weitestgehend stringent und bestimmt, hat jedoch den Nachteil, dass die Geschichte kaum Überraschungspunkte offenbart und alles in allem doch recht durchschaubar bleibt. Auch der groß erwähnte Zusammenhang zum „Civil War“ ist abgesehen von einigen wenigen Szenen äußerst dürftig, prinzipiell aber kaum präsent, was insofern absurd ist, als die Geschichte auch ohne Namedropping und dergleichen ganz gut funktioniert und derartig werbeträchtige Darstellungen insgesamt eher unnötig sind.

Damit wären die Kritikpunkte des zweiten Bandes der neuen Saga aber auch schon auf den Punkt gebracht und im Vergleich zur schwachen Auftaktstory schon merklich reduziert. Der Verfechter der innovativen Komponenten mag zwar noch bemängeln, dass sich Way und Saltares bisweilen zu sehr auf bewährten Klischees ausruhen und dem Image des Ghost Rider keinen erfrischenden Stempel aufdrücken, allerdings muss man dies vor dem Hintergrund wiederum relativieren, dass die beiden Autoren diesbezüglich definitiv in erster Linie die Erwartungen der konservativeren Leserschaft berücksichtigen, die elementare Veränderungen im Bezug auf ihre Heldenfigur nicht sofort akzeptieren würde.

Schlussendlich darf man also bis auf weiteres mit der Umsetzung von „Die Legende von Sleepy Hollow“ zufrieden sein, da ein Großteil der vorherigen Schwächen schon ausgemerzt und die Story darüber hinaus tatsächlich spannend und abwechslungsreich gestaltet wurde. Sollte sich dieser Aufwärtstrend in den nächsten Ausgaben weiterhin bestätigen – und das wollen wir ja wohl hoffen –, sollte der „Ghost Rider“ sich schon bald wieder dort einpendeln, wo er eigentlich hingehört, nämlich an die Spitze eines kompletten Genres. Für den Anfang ist „Die Legende von Sleepy Hollow“ ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung und sicherlich mehr, als man zuletzt noch erhoffen durfte.

http://www.paninicomics.de/ghost-rider-s10473.html