Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Hanover, Daniel – Drachenschwert, Das (Dolch und Münze 1)

Dolch und Münze:

Band 1: „Das Drachenschwert“
Band 2: „The King’s Blood“ (noch ohne dt. Titel)

Geder Palliako wäre eigentlich gern ein Gelehrter und würde das Buch vor ihm lieber zu Hause übersetzen als in einem zugigen Zelt. Vor allem, weil die übrigen Adligen seiner Kompanie ihn ständig verspotten. Aber der König hat befohlen, die freie Stadt Vanai zu erobern …

Söldnerführer Marcus Wester hat genug vom Krieg. Doch das Einzige, was ihn vor einer Zwangsrekrutierung durch den Fürsten von Vanai schützt, ist ein Vertrag, den er nicht erfüllen kann, weil der Fürst seine Männer hat einsperren lassen. Es sei denn, er bekäme kurzfristig Ersatz irgendwoher …

Cithrin ist ein Mündel der mächtigen Medean-Bank, seit sie denken kann. Quasi ihr ganzes Leben lang hat der Leiter der Filiale in Vanai sie ausgebildet. Aber nichts, wirklich nichts hätte das junge Mädchen, das bisher kaum das Haus verlassen hat, darauf vorbereiten können, dass es Vermögenswerte der Bank vor dem drohenden Krieg aus der Stadt schmuggeln muss …!

Der Autor hat seine Geschichte mit einer ganzen Menge an Figuren bevölkert. Und interessant sind nicht nur die Hauptfiguren.

Geder ist im Grunde ein sanfter, freundlicher und gutmütiger Mensch. Aber er ist weder besonders stark noch besonders belastbar. Die vielen Demütigungen durch seine Standesgenossen gehen nicht spurlos an ihm vorüber, und dem Druck, den die Eroberung Vanais bedeutet, ist er letztlich nicht gewachsen. Gleichzeitig gehört Geder nicht zu den Leuten, die schnell und leicht verzeihen.

Marcus Wester hingegen ist vor allem ein guter Soldat und fähiger Anführer, zynisch, aber verlässlich und kompetent. Und er besitzt die Sorte von Anstand, die dafür sorgt, dass er des öfteren Entscheidungen wider jede Vernunft trifft.

Cithrin wiederum ist ein unerfahrenes junges Mädchen. Deshalb hat sie beim Verlassen Vanais vor allem eines: panische Angst vor Entdeckung! Aber sie ist nicht dumm, und sie hat gelernt, wie ein Geschäftsmann zu denken, und die Beschäftigung mit den Belangen des Bankwesens stärkt ihr Selbstbewusstsein ganz ungemein.

Unter den Nebenfiguren fand ich vor allem Clara bemerkenswert. Sie ist mit Dawson, dem Jugendfreund des anteanischen Königs, verheiratet. Und während Dawson, der Reaktionär, beinahe einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht, nur um jegliche Art von gesellschaftlicher Veränderung in Antea zu verhindern, wirkt Clara stets besänftigend, dämpfend im Hintergrund, und sorgt so dafür, dass ihr Gemahl die Grenzen zivilisierten Benehmens nicht überschreitet, ohne jedoch ihrem Gatten zu irgendeinem Zeitpunkt ihre Unterstützung zu entziehen. Ein faszinierender Balanceakt.

Interessant ist auch Meister Kit, denn obwohl bereits bei dem Hinterhalt der Räuberbande klar war, mit wem der Leser es da zu tun hat, wird kaum etwas über seine Person verraten. Meister Kit fasziniert vor allem durch seine besondere Weltsicht und seine erstaunlichen Fähigkeiten, die vor allem auf der Theaterbühne zum Vorschein kommen.

Jeder einzelne von ihnen hat mir gut gefallen, vor allem Geder, dessen Entwicklung eine recht bedenkliche Richtung genommen hat. Die Darstellung wirkt jederzeit glaubhaft und echt, selbst Westers, der schon ziemlich dem Typus des mürrischen Haudegens entspricht. Und selbst diejenigen Charaktere, die noch weiter am Rand stehen, wie die einzelnen Schauspieler von Meister Kits Truppe, oder die diversen anteanischen Adeligen, sind alle, so knapp sie auch gezeichnet sein mögen, durchaus eigenständig und lebendig.

So bunt wie die Personenriege wirkt auch die Welt, die der Autor seiner Geschichte zugrunde gelegt hat. Allein dreizehn Menschenrassen gibt es, davon ein großer Teil mit tierischen Merkmalen wie Fell, Hauer, Schuppen oder Chitinpanzer. Zumindest teilweise wurden sie als Sklaven von den Drachen erschaffen, die einst die Welt beherrschten, ehe sie sich in einem verheerenden Bürgerkrieg selbst gegenseitig auslöschten. Jetzt herrschen die Erstgeborenen – man könnte sie als „normale Menschen“ bezeichnen – , und auch sie halten die anderen Rassen offenbar für minderwertig. Und dann gibt es noch, sozusagen am Ende der Welt, im von der Zivilisation vergessenen Osten, ein Kloster mit Mönchen, die eine Spinnengöttin verehren. Und die Ansichten darüber, welche Rolle diese Göttin in der Weltgeschichte gespielt hat, gehen offenbar ziemlich auseinander …

Der Entwurf der Gesellschaftsordnung entspricht sozusagen den Erwartungen: Es gibt Königreiche, von denen bisher allerdings ausschließlich Antea eine Rolle spielt, mit Adeligen, Kaufleuten, Handwerkern und Bauern sowie Söldnerheeren und den dazugehörigen Rangeleien um Macht und Einfluss.

Das gilt auch für die Handlung. Intrigen am Königshof von Antea, Krieg, eine Gruppe von Gefährten, die durch’s Land reist, das klingt alles nicht unbekannt. Ich könnte auch nicht sagen, daß die Geschichte besonders spannend gewesen wäre. Denn obwohl die Karawane nur knapp der Entdeckung durch das anteanische Militär entgeht, zeigt der parallel laufende Handlungsstrang um Dawson und seine Frau Clara, daß Antea im Grunde ganz andere Probleme hat als Vanai. Im Grunde ist die Eroberung dieser Stadt nur eine unbedeutende Episode innerhalb der anteanischen Politik und keiner Erwähnung wert, hätte nicht Geder Palliako daran teilgenommen!

Und auch Cithrins Flucht und ihr Neuanfang in Porta Oliva wären nicht unbedingt weltbewegend. Dass diese Ereignisse ein wichtiger Teil des Gesamtgeschehens sind, zeigt sich erst am Ende des Buches. Im Grunde sind die Eroberung Vanais und deren Folgen lediglich der Anstoß für etwas viel Weitreichenderes, Tiefgreifenderes. Etwas, das ganz bestimmt nicht angenehm werden wird!

Obwohl das Buch also trotz seines Umfanges eher eine Art Einleitung für die folgenden Bände ist, habe ich mich zu keiner Zeit gelangweilt. Das ist zum einen der gelungenen Charakterzeichnung zu verdanken. In jedem der einzelnen Handlungsstränge gab es eine oder mehrere Personen, die stark und interessant genug ausgearbeitet waren, um die Erzählung auch über weniger turbulente Stellen hinweg zu tragen. Ein wenig lag es auch an der oft nur angedeuteten Historie der Welt, die es erforderlich macht, dass der Leser gelegentlich seinen eigenen Kopf benutzt, um die einzelnen Teile zusammenzusetzen. Vor allem aber war der Verlauf der Geschichte eine einzige lange Kette von Ursache und Wirkung, eines kommt zum anderen, wobei teilweise auch sonst getrennt verlaufende Handlungsstränge einander bedingten. Und diese Kette entwickelte ihren ganz eigenen Sog. Der Leser ahnt im Grunde erst ziemlich gegen Ende, wohin die ganze Sache letztlich führen mag, und doch ist ihm mehr oder weniger die ganze Zeit über klar, dass die Protagonisten da unausweichlich in etwas hineinschlittern, das größer ist als die Frage, ob eine Gesellschaftsordnung reformiert werden sollte oder nicht, und bedeutender als der Kampf eines jungen Mädchens um seine Zukunft. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird.

Daniel Hanover ist eines der Pseudonyme, hinter denen sich der Verfasser des Zyklus Die magischen Städte verbirgt. Warum in Deutschland allerdings die Autorennamen Daniel Abraham und M. L. N. Hanover zu Daniel Hanover zusammengemischt wurden, erschließt sich mir nicht ganz. „Das Drachenschwert“ ist der erste Band seines neuen Zyklus Dolch und Münze, auf Englisch ist auch der zweite Band bereits erhältlich unter dem Titel „The King’s Blood“. Ein Erscheinungstermin für die deutsche Ausgabe ist nicht bekannt.

Taschenbuch 670 Seiten
Originaltitel: „The Dragon’s Path“ (The Dagger and the Coin 1)
Deutsch von Simone Heller
ISBN-13: 978-3-442-26865-8

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Pax, Rebekka – Flammenmond (Vampirjäger 2)

_|Vampirjäger|:_

Band 1: [„Septemberblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7976
Band 2: _“Flammenmond“_

[„Septemberblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7976 war eine ziemlich unüberraschende Romantic Fantasy aus der Feder einer deutschen Autorin. Es gab die üblichen Klischees zu bestaunen: Ein einzelgängerischer und mysteriöser Vampir, der an eine unschuldige Maid gerät, woraufhin die beiden in unsterblicher Liebe zueinander entbrennen. Eine Geschichte, wie man sie auf die eine oder andere Weise wohl schon Dutzende Male gelesen hat. Im zweiten Band von Rebekka Pax‘ Reihe um den jahrhundertealten Vampir Julius Lawhead und seine menschliche Geliebte Amber geht es gar nicht mehr in erster Linie um die beiden: In „Flammenmond“ stehen stattdessen Julius‘ Freund Brandon und dessen Freundin Christina im Mittelpunkt. Und das ist gut so. Denn wenn der erste Band „Septemberblut“ vor allem daran krankte, dass es fast ausschließlich um die mäßig interessante Liebesgeschichte zwischen Amber und Julius ging, bekommt Rebekka Pax im zweiten Band elegant die Kurve und nimmt den Leser mit auf einen vampirischen Road Trip, der mit allerlei spannenden Momenten aufwarten kann.

Brandon und Christina sind am Anfang des Romans unterwegs in Brandons Vergangenheit, mit der er endlich Frieden schließen will. Doch dieser Versuch geht gründlich nach hinten los, denn bald werden die beiden von dem Vampir Nathaniel Coe aufgegriffen. Dieser ist Brandons alter Meister, ein sadistischer Vampir, den alle für tot gehalten hatten. Doch nun hat er Brandon wieder in seinen Fängen und will ihn prompt behalten – etwas, das Julius unmöglich zulassen kann. Und so macht er sich mit Amber und einem vampirtauglich umgebauten Wohnwagen auf ins Indianergebiet, um mittels Diplomatie Brandon zurückzuholen. Doch diese Mühlen mahlen langsam und bevor Julius irgendwelche Fortschritte machen kann, hat Nathaniel Brandons Geist schon so weit zerstört, dass dieser sich nur noch nach dem Tod sehnt. Und das auch noch, als Julius ihn endlich befreien kann. Was also tun? Ein selbstmordgefährdeter Vampir ist sicherlich keine gute Gesellschaft für seine Mituntoten.

Nachdem L. A. in Pax‘ Erstling „Septemberblut“ bisweilen recht steril wirkte, kann sie nun in „Flammenmond“ mit lebendigen und interessanten Settings punkten. Die Beschreibungen der Stationen des Road Trips, die besuchten Siedlungen und nicht zuletzt die Einblicke in das Leben der amerikanischen Indianer sind originelle Einfälle, die man so vielleicht nicht in einem Vampirroman erwarten würde und die deshalb umso mehr Wirkung entfalten. Pax nimmt sich viel Zeit, um die heutige Indianerkultur lebendig werden zu lassen und wer „Ein Mann, den sie Pferd nannten“ gesehen hat, wird wahrscheinlich bei der Lektüre ein Déjà-vu erleben. Den dort gezeigten „Sonnentanz“, einen indianischen Ritus, bei dem sich die tanzenden Krieger mit Holzpflöcken die Haut durchstechen und vier Tage und Nächte um einen Baum tanzen, findet man an zentraler Stelle in „Flammenmond“ wieder. Mit großer Detailverliebtheit und angemessenem Respekt vor der indianischen Kultur widmet Rebekka Pax einen großen Teil ihres Romans Brandons Suche nach seinen indianischen Wurzeln. Dabei nimmt sie in Kauf, dass der Leser – wie Julius im Roman – befremdet auf die unbekannten Riten und Traditionen reagiert. Doch in dieses Befremden mischen sich zunehmend Faszination und Respekt. Nachdem sich Generationen von Autoren französische, amerikanische, russische und manchmal auch japanische Vampire ausgedacht und auf den Buchmarkt losgelassen haben, ist Rebekka Pax vermutlich die erste, die ihrem Publikum einen Indianer als Vampir präsentiert. Interessante Wahl …

Rebekka Pax lässt ihre männlichen Protagonisten offensichtlich gern leiden, allerdings nimmt man Brandon die Rolle des tragischen Helden eher ab als Julius in „Septemberblut“, der gern weinerlich und unentschlossen beim Leser rüberkam. Brandons Charakter jedoch hat echte Brüche und so folgt man seiner Reise mit wirklichem Interesse. Julius und Amber spielen diesmal die zweite Geige – und das tut dem Buch unheimlich gut.

_Insgesamt muss man_ Rebekka Pax eine wirklich positive Entwicklung bescheinigen. „Septemberblut“ war noch sehr geradlinig gestrickt und bot kaum Überraschungen für den Leser. In „Flammenmond“ gelingt es Pax dann plötzlich, ihre Settings und Charaktere tatsächlich zum Leben zu erwecken. Es passiert generell mehr und das, was passiert, ist durchdachter und fesselnder. Und im Gegensatz zu dem eindimensionalen Bösewicht ihres Erstlings hat sie mit Nathaniel Coe hier nun einen herrlichen Schurken geschaffen, den man mit jeder Faser hassen kann. Schließlich ist Coe mehr als das reine Abziehbild des Bösewichts – er ist ein Charakter mit einer eigenen Geschichte. Und das verleiht dem zentralen Konflikt des Romans mehr Tiefe.

Wer nach „Septemberblut“ aufgeben wollte, der sollte „Flammenmond“ auf jeden Fall noch eine Chance geben. Leser, die schon den Erstling mochten, werden mit Freude feststellen, dass sich Rebekka Pax als Schriftstellerin steigern konnte.

|Taschenbuch: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3548282497|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

Harris, Charlaine – Vampir mit Vergangenheit (Sookie Stackhouse 11)

_|Sookie Stackhouse|_:

Band 1: [„Vorübergehend tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=788
Band 2: [„Untot in Dallas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=939
Band 3: [„Club Dead“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1238
Band 4: [„Der Vampir, der mich liebte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2033
Band 5: [„Vampire bevorzugt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3157
Band 6: [„Ball der Vampire“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4870
Band 7: [„Vampire schlafen fest“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5450
Band 8: [„Ein Vampir für alle Fälle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6161
Band 9: [„Vampirgeflüster“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6593
Band 10: [„Vor Vampiren wird gewarnt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7208
Band 11: _“Vampir mit Vergangenheit“_

Da ist er nun also: Der elfte Band in Charlaine Harris‘ Erfolgsserie um die Gedanken lesende Kellnerin Sookie Stackhouse. „Vampir mit Vergangenheit“ heißt er und um es kurz zu machen: Er ist zumindest besser als der Vorgängerband [„Vor Vampiren wird gewarnt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7208. Harris hat diesmal versucht, sich zusammenzureißen und ihren Lesern so etwas wie einen stringenten Plot zu präsentieren.

Das heißt nun nicht, dass nicht auch dieser Band an den gleichen Ermüdungserscheinungen leidet, der die Serie schon seit zwei oder drei Jahren heimsucht: Zum einen scheint sich die Autorin bezüglich ihres eigenen Universums nicht mehr ganz sicher zu sein und vergisst von Zeit zu Zeit, was sie in vergangenen Romanen geschrieben hat. Auf der anderen Seite gibt es auch in „Vampir mit Vergangenheit“ die schon bekannten Urschleimexpositionen, die Grundlegendes wiederholt seit Beginn der Serie wiederkäuen. Offensichtlich hat Harris eine Liste mit Dingen, die sie in jedem Band mindestens einmal erwähnen möchte: Die Tatsachen, dass Sookie früher kein Geld hatte und dass sie eine neue Küche hat (nachdem ihr Haus fast abgebrannt wäre) gehören dazu. Charlaine Harris wird einfach nicht müde, diese Fakten dem genervten Leser wieder und wieder aufzutischen. Man sollte Autoren vertraglich dazu verpflichten, solche Erklärungen für neue Leser zu streichen – sie beleidigen nur die Intelligenz langjähriger Fans. Und wer beim Bücherkauf wirklich findet, es sei eine gute Idee mit Band elf einer Serie einzusteigen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Sei’s drum. Zumindest hat es Harris diesmal geschafft, die banalen Alltäglichkeiten in Sookie Stackhouses Leben auf ein erträgliches Minimum zu reduzieren. Zwar erleben wir auch hier wieder, wie Sookie putzt, duscht und sich die Haare schneiden lässt, doch ersticken diese Füllszenen zum Glück nicht den Rest der Handlung. Und immerhin gibt es an dieser Front so einiges zu berichten! Victor macht Eric das Leben schwer – immer noch. Mittlerweile hat er eine Kneipe aufgemacht, die vom Merlotte’s Kunden abzieht. Und eine Vampirbar hat er auch eröffnet, was Erics Fangastia sofort zu spüren bekommt. Die Animositäten zwischen Eric und Victor gehen also weiter, doch wird nun heimlich beschlossen, Victor und seinen Anhängern endgültig den Garaus auszumachen. Und so schmieden Eric, Sookie und Pam einen Plan, wie man den unliebsamen Victor loswerden könnte.

Außerdem verfolgt Charlaine Harris Sookies Elfenerbe weiter. Nicht nur haben sich Claude und Dermit praktisch auf Dauer in Sookies Obergeschoss eingenistet, auch findet Sookie beim Ausräumen des Dachbodens einen geheimnisvollen Elfengegenstand, den ihr ihre Großmutter vererbt hat. Zunächst heißt es also herauszufinden, was es mit dem Gegenstand auf sich hat – und dann zu entscheiden, wie er am besten einzusetzen ist!

Abgesehen von diesen beiden Haupthandlungen bietet Harris wieder die übliche Parade von Nebenschauplätzen- und charakteren. Bill darf ein paar Sätze sagen und Elvis darf diesmal sogar singen. Sookie richtet für Tara eine Babyparty aus, Amelia kommt zu Besuch, Mr Cataliades schaut kurz vorbei und Sookie besucht mit ihrem Neffen Hunter den Tag der offenen Tür von dessen zukünftiger Vorschule. Wie gesagt, all diese Nebensächlichkeiten wirken in „Vampir mit Vergangenheit“ nicht so willkürlich wie zum Beispiel in „Vor Vampiren wird gewarnt“. Doch ist es wohl trotzdem zu spät, Charlaine Harris zu raten, ihre Personage etwas einzudampfen. Es scheint, sie will sich wirklich jeden Charakter für das große Finale in Band 13 warmhalten. Ob dieses Abdriften ins Seifenopernhafte der Reihe jedoch gutgetan hat, bleibt weiterhin zu bezweifeln.

_Wer sich bis hierhin_ durch die Sookie-Stackhouse-Reihe gekämpft hat, der bekommt mit „Vampire mit Vergangenheit“ endlich wieder einen lesbaren Band präsentiert, der zwar nicht an die Glanzzeiten der Serie anknüpfen kann, aber immerhin solide und spannende Unterhaltung bietet. Weniger Filler, dafür mehr Killer war diesmal wohl Harris‘ Devise. Diese Taktik geht auf: Es fließt wieder mehr Blut, die Taktfrequenz der Action wurde hochgeschraubt und Sookie und Eric dürfen wiederholt aneinandergeraten. Was etwas schade ist, ist das die Grundkonstellation der Reihe (Gedanken lesende Kellnerin) schon seit einer Weile aus dem Blick geraten ist. Wo Sookies fragwürdige Begabung zu Anfang fast wie eine Behinderung wirkte, hat sie mittlerweile kaum noch damit zu kämpfen, dass sie anderer Leute Gedanken lesen kann. Meistens stellt es sich als superpraktisch heraus, einen Moment vorher zu wissen, dass einem jemand nach Leben trachtet. Doch die unangenehmen und peinlichen Momente, die Sookie einst zur Einzelgängerin machten, die gibt es kaum noch.

Trotzdem kann man „Vampir mit Vergangenheit“ empfehlen. Das Buch lädt mit seinem griffigem Umfang von 400 Seiten zum Schmökern ein und bietet sich geradezu dazu an, an einem lauen Sonntagnachmittag in einem Rutsch durchgelesen zu werden. Na dann, viel Vergnügen!

|Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel: Dead Reckoning
ISBN-13: 978-3423213868|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de

_Charlaine Harris bei |Buchwurm.info|:_

|Harper Connelly|:
Band 1: [„Grabesstimmen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4704
Band 2: [„Falsches Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5608
Band 3: [„Ein eiskaltes Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6318
Band 4: [„Grabeshauch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7031

Briggs, Patricia – Aralorn – Die Wandlerin (Sianim 1)

_|Sianim|-Reihe:_

Band 1: _“Aralorn – Die Wandlerin“_
Band 2: „Aralorn – Der Verrat“ (November 2012)
Band 3: „When Demons Walk“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Wolfsbane“ (noch ohne dt. Titel)

Patricia Briggs ist in Deutschland hauptsächlich für ihre Bücher um die Werwölfe in den Tri-Cities bekannt. Dem Erfolg der „Mercy Thompson“- und der „Alpha und Omega“-Serie sei dank hat sich Bastei Lübbe nun entschieden, die ersten High-Fantasy-Romane der Autorin ebenfalls zu veröffentlichen. Den Anfang macht „Aralorn – Die Wandlerin“, der erste Band der losen „Sianim“-Reihe, der in den Staaten ursprünglich 1993 erschien.

Wirklich weit entfernt sich die Autorin allerdings nicht von ihrem Lieblingsthema: Auch Hauptfigur Aralorn ist eine Gestaltwandlerin. Allerdings funktioniert diese Gabe bei ihr etwas anders als bei den anderen Figuren Briggs‘. Aralaron kann mit grüner Magie umgehen, die ihr hilft, ihr Äußeres zu verändern. Das können einzelne Gesichtszüge sein, sie kann sich aber auch in Tiere verwandeln, zum Beispiel in eine Maus, was in ihrem Beruf sehr nützlich ist.

Aralorn arbeitet als Spionin. Ihr aktueller Auftrag ist nicht ungefährlich. Sie soll sich in der Burg des ae’Magi, des stärksten Magiers des Landes, umschauen und in Erfahrung bringen, ob es wirklich stimmt, dass jemand ein Attentat auf ihn plant. Doch was sie in den Gemächern des Zauberers sieht, lässt sie ihren eigentlichen Auftrag vergessen. Der ae’Magi tötet Menschen, sogar Kinder, um seine Macht zu stärken.

Doch als Aralorn ihre Bedenken, dass in der Burg etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, laut äußert, wird sie plötzlich in ganz Sianim gemieden. Ihr Vorgesetzter, der Meisterspion Ren, schickt sie absichtlich auf eine langweilige Mission, um sie loszuwerden. Nur einen gibt es, der ihr glaubt: der sprechende Wolf namens Wolf, den Aralorn vor vier Jahren gerettet hat. Obwohl er schon so lange ihr Reisegefährte ist, der kommt und geht, wann er will, weiß sie nicht viel über ihn. Noch nicht mal, was er eigentlich ist. Ein Grünmagier ist er nicht, das merkt sie, aber ein Menschenmagier könnte sich nicht derart verwandeln.

Doch das ist nicht sein einziges Geheimnis. In einem abgelegenen Tal hat sich eine kleine Gruppe von Leuten zusammengefunden, die ein ähnliches Erlebnis wie Aralorn hatten: Nach Kritik am ae’Magi wurden sie verfolgt oder geschnitten. Unter ihnen ist auch Myr, der König von Reth, den der ae’Magi gerne beseitigen möchte. Sie finden heraus, dass die Leute, die Aralorn und ihre neuen Gefährten vertrieben haben, unter dem Einfluss des ae’Magi stehen. Gemeinsam mit Wolf macht sie sich daran, dem mächtigsten Magier des Reiches das Handwerk zu legen …

_Nach der Lektüre_ von „Aralorn – Die Wandlerin“ stellt sich vor allem eine Frage: Wieso hat der deutsche Verlag sich so lange Zeit gelassen, das Buch auch hier zu veröffentlichen? Sicher, Briggs‘ Debütroman ist nicht ohne Fehler, bietet aber trotzdem sehr gute Unterhaltung.

Seine größte Stärke sind der Humor und die Lockerheit, die vielen Fantasyromanen fehlt. Der Schreibstil lebt von seinen schlagfertigen Dialogen, eingestreuten witzigen Bemerkungen und dem gleichzeitig stellenweise sehr gehobenen Schreibstil. Zusammen ergibt dies eine tolle Mischung, die aber nie übertrieben komödiantisch wirkt. Sicherlich ist das Buch durch diesen flapsigen Stil und die junge Hauptfigur eher etwas für eine jüngere Zielgruppe, aber auch Erwachsenen macht das Lesen Spaß.

Aralorn und Wolf sind zwei sehr sympathische Hauptfiguren. Sie funktionieren schon alleine ganz gut. Aralorn ist eine sehr gewiefte Spionin, die gemeinsam mit ihrem frechen Pferd Schimmer ihre Aufträge immer zur vollsten Zufriedenheit erledigt. Die grüne Magie, mit deren Hilfe sie sich verwandeln kann, ist eine nette Idee. Die Hintergrundinformationen, die die Autorin dazugibt, verflechten sich mit der Zeit zu einem sehr interessanten Konstrukt, mit dessen Hilfe schließlich auch Wolfs Geheimnis gelöst wird. Aralorns treuer Gefährte wirkt anfangs brummig und verschlossen, zeigt dem Leser aber bald eine andere Seite von sich. Gerade das humorvolle Zusammenspiel zwischen beiden Hauptfiguren macht die Geschichte zu etwas Besonderem.

Die Handlung der Geschichte ist interessant und gut aufgebaut. Die Welt, in der Briggs ihren Roman spielen lässt, ist, genau wie die Vergangenheit ihrer Hauptpersonen, toll ausgearbeitet und schlüssig. Das eigentliche Ziel des Buches, das Ausschalten des ae’Magi, ist keine besonders innovative Idee und wird von Briggs eher konventionell gelöst. Das ist allerdings nicht das Problematische. Die meisten Autoren erfinden das Rad nicht neu. Briggs stellt sich zwischendurch allerdings immer wieder selbst ein Bein. Dann wird sie zu kompliziert, will zu viel auf einmal oder vergisst, was ihr eigentliches Ziel ist. Die sympathischen Hauptfiguren und der tolle Schreibstil helfen allerdings über diese Stellen hinweg.

_Unterm Strich bleibt _letztendlich trotzdem ein überdurchschnittliches Fantasybuch zurück. Der ungewöhnliche lockere Tonfall und das gute Zusammenspiel der Figuren machen sehr viel Spaß beim Lesen und helfen über die eine oder andere Handlungsschwäche hinweg.

|Taschenbuch, 380 Seiten
Originaltitel: Masques
Deutsch von Michael Neuhaus
ISBN-13: 978-3404206803|
http://www.luebbe.de
http://www.patriciabriggs.com

_Weitere Bücher von Patricia Briggs bei |Buchwurm.info|:_
[„Drachenzauber“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3933
[„Rabenzauber“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4943

_Alpha & Omega:_
Band 1: [„Schatten des Wolfes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5926
Band 2: [„Spiel der Wölfe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6851

_Mercy-Thompson-Serie:_
Band 1: [„Ruf des Mondes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4490
Band 2: [„Bann des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5091
Band 4: [„Zeit der Jäger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6250
Band 5: [„Zeichen des Silbers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6976
Band 6: [„Siegel der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7470

McDonald, L. J. – Schattenmacht (Die Krieger der Königin 3)

_|Die Krieger der Königin|:_

Band 1: [„Die Krieger der Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7079
Band 2: [„Falkenherz“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7575
Band 3: _“Schattenmacht“_

Sylphental wächst und gedeiht, dank der Handelskarawanen, die aus allen Teilen des Kontinents anreisen. Doch keines der Nachbarländer hat das junge Königreich bisher politisch anerkannt, Solies ehemalige Heimat Eferem begegnet ihr sogar mit offener Feindseligkeit. Es hat ihr zwar nicht direkt den Krieg erklärt, dafür aber gleich eine ganze Gruppe Attentäter geschickt.

Nun ist es nicht so einfach, ein Attentat auf jemanden zu verüben, der von hochempathischen Kriegssylphen bewacht wird, und so ist es kein Wunder, dass die Männer recht schnell gefasst sind. Aber wie kommt es dann, dass innerhalb kurzer Zeit mehrere Kriegssylphen ihre Meister verlieren? Ist das wirklich nur Zufall?

_Der einzige Neuzugang_ unter den Charakteren ist Sala. Sala ist Gabralinas beste Freundin, zumindest glaubt das Gabralina, aber die hübsche Blondine ist so gutmütig, wie sie dumm ist. Sala dagegen ist überhaupt nicht dumm, sondern extrem ehrgeizig und genießt es, Macht über andere zu haben. Abgesehen von ihrem Ehrgeiz ist sie aber vollkommen gefühllos. Empfindungen wie Freude, Mitgefühl oder Trauer scheint sie nicht zu kennen, nicht einmal Ärger. Bestenfalls Nervosität, wenn etwas nicht so klappt, wie sie es geplant hat.

Obwohl Salas Darstellung zu keiner Zeit an die Rils oder Claws heranreicht, ist sie doch klar und stimmig ausgefallen. Sala ist ein manipulatives, intrigantes Miststück und als solches ausgesprochen gelungen.

Das gilt vor allem im Hinblick auf die Handlung, die die Autorin aufgebaut hat. L. J. McDonald legt fast von Anfang an offen, wer der wahre Feind ist, und welche Absichten er hat. Und da der Leser weiß, mit wem er es zu tun hat, kann er jeden ihrer Schritte mitverfolgen. Selbst wenn sie ihre Maßnahmen erst im Nachhinein reflektiert, weiß der Leser schon vorher, was wirklich passiert ist und warum. Aber Solie und ihr Rat wissen es nicht!

Da sie gerade erst eine Handvoll Attentäter dingfest gemacht haben, suchen sie den Täter zunächst in einer völlig falschen Richtung. Und Sala ist klug genug, niemals selbst in Erscheinung zu treten, sondern schickt immer andere. Und sie geht indirekt vor, sodass jemand, der das eigentliche Ziel nicht kennt, keine Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ereignissen herstellen kann. Der Leser sieht deshalb zu, wie sich die Schlinge allmählich immer enger zieht, während Solie und ihre Verbündeten zunehmend hilflos und unsicher agieren.

Selbst, als Leon und die Witwe Blackwell die ersten Anhaltspunkte finden, um zum Kern der Sache vorzudringen, dauert es noch eine ganze Weile, ehe für die Sylphentaler offensichtlich wird, wer dahinter steckt. Und obwohl ab diesem Zeitpunkt ziemlich klar ist, dass Sala ihr Ziel wohl nicht erreichen wird, spitzt sich die Lage dennoch immer weiter zu bis zum Showdown.

Abgesehen von dem intelligent angelegten Plot hat die Autorin auch zum ersten Mal einen genaueren Blick in die Welt geworfen, aus der die Sylphen ursprünglich stammen, ein dünner Handlungsstrang zwar, der aber zusätzlich zur eigentlichen Geschichte interessante neue Aspekte mit einbrachte.

_Ich muss gestehen,_ ich war von diesem dritten Band des Zyklus ziemlich überrascht. Nach den beiden leichtgewichtigen Vorgängern hatte ich nicht erwartet, dass die Fortsetzung derart spannend ausfallen würde! Doch das tat sie, und das ist hauptsächlich Sala zu verdanken. Dabei ist sie nicht einmal der übermächtige, unbesiegbare Gegner, der sonst so gern in der Fantasy bemüht wird, sondern verfolgt ihre Pläne einfach nur mit einer unauffälligen, gründlichen und gleichzeitig so gefühllosen Niedertracht, dass man nur staunend den Kopf schütteln kann. Da fiel nicht einmal mehr die naive Gutgläubigkeit ins Gewicht, mit der Blue sich davon abhalten lässt, Sala zu kontrollieren.

Der dritte Band bietet so viel mehr als die ersten beiden, dass er regelrecht aus dem Zyklus heraussticht. Ihn einzeln zu lesen, macht allerdings wenig Sinn. Wer jetzt Lust auf dieses Buch bekommen hat, wird die anderen beiden zuerst lesen müssen.

_L. J. McDonald_ ist Kanadierin und begann mit dem Schreiben auf die Ermunterung ihres Englischlehrers hin. Ein Schreibwettbewerb im Jahr 2008, den sie nicht gewann, brachte dennoch den Durchbruch. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Geschichte um Solie und ihre Kriegersylphen bereits aus vier Bänden. Im April dieses Jahres erschien neben den bisher veröffentlichten drei Bänden eine Anthologie aus vierundzwanzig Kurzgeschichten mit dem Titel „Alphabet Soup for Sylphes“ , in denen auch die Elementarsylphen eine etwas größere Rolle spielen. Zwei weitere Bände stehen in der Warteschlange. Die Autorin arbeitet derweil an neuen Ideen für ihren nächsten Zyklus.

|Taschenbuch 336 Seiten
Originaltitel: Queen of Sylphs
Deutsch von Vanessa Lamatsch
ISBN-13: 978-3-426-50948-7|
http://www.ljmcdonald.ca
http://www.droemer-knaur.de

E.L. Greiff – Zu den Anfängen (Zwölf Wasser 1)

Zwölf Wasser:

Band 1: „Zu den Anfängen“
Band 2: (erscheint Oktober 2013)
Band 3 (erscheint Oktober 2014)

Babu entstammt einem Volk ehemaliger Nomaden. Doch im Gegensatz zu seinen Stammesgenossen ist er rastlos und unzufrieden. Als ein Sterbender ihm ein gefährliches Geheimnis verrät, verlässt Babu seine Heimat, um … ja was eigentlich?
Felt ist im Grunde das genaue Gegenteil von Babu. Er hätte keine großen Schwierigkeiten damit, sein gesamtes Leben damit zu verbringen, auf den Mauern seiner Heimatstadt Goradt zu patrouillieren, obwohl es der ungastlichste Ort auf dem gesamten Kontinent zu sein scheint. Aber dann geschieht das Ungeheuerliche: Die Undae brechen ihr Schweigen und sprechen eine Warnung aus! Und gegen seinen Willen findet Felt sich bald darauf auf einer Reise wieder, deren Ziel er nicht kennt, und deren Zweck er nicht begreift …

E.L.Greiff macht es dem Leser nicht leicht mit seinen Charakteren. Selten habe ich über Figuren gelesen, die so außerhalb jeglicher Schublade standen wie Babu und Felt.

Felt ist Soldat, pflichtbewusst, diszipliniert, sorgfältig. Aber sein Vorstellungsvermögen ist begrenzt, und so ist sein einziger Halt auf der gemeinsamen Reise mit den Undae die Tatsache, dass er es gewohnt ist, Befehle zu befolgen, selbst wenn er ihren Sinn nicht versteht. Je länger er unterwegs ist, desto deutlicher wird allerdings, dass Felt sich auf Dauer nicht davor drücken kann, die Zusammenhänge zu verstehen. Der Panzer aus Sturheit und Unwissenheit bekommt Risse.

Babu dagegen ist ein Getriebener, der nicht weiß, was ihn treibt. Er sucht nach Freiheit, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was Freiheit ist, und gleichzeitig nach seinen Wurzeln, die er nicht zu haben scheint. Und doch kann er sich erst von seinem Zuhause trennen, als er dazu gezwungen wird.

Bei beiden hat der Leser das Gefühl, die Undae hätten ihnen Hemden übergestreift, die ihnen ein paar Nummern zu groß sind, und jetzt müssen die beiden irgendwie da hineinwachsen. Ein schmerzhafter Prozess.

Mit der Handlung verhält es sich ähnlich. Wer den Klappentext des Buches gelesen hat, wird sich irgendwann im Laufe der ersten Kapitel fragen, ob die Seiten den richtigen Einband tragen. Nur eine kurze Szene am Fluss verrät, dass es sich bei dem Text tatsächlich um das beschriebene Buch handelt. Denn zunächst dreht sich die Handlung ausschließlich um Babu. Erst als sie sich nach gut hundert Seiten Felt zuwendet, taucht auch die eigentliche Thematik des Buches auf: Das Wasser und die Bedrohung der Quellen. Aber auch, nachdem die Undae und ihre Begleiter sich auf den Weg gemacht haben, scheint die ganze Angelegenheit nicht so recht vom Fleck zu kommen. Das liegt nicht nur an den weltlichen Hindernissen, sondern auch ein wenig an den Undae.

Die Undae sind so etwas wie die Priesterinnen des Wassers. Jahrhundertelang haben sie nichts weiter getan, als seinem Gemurmel zu lauschen. Und es ist das erste Mal in all dieser Zeit, dass Hohe Frauen ihre Grotte verlassen. Man könnte meinen, dass sie deshalb ziemlich weltfremd sind, doch das ist ein Irrtum. Durch das Wasser sind die Undae mit allem verbunden, was lebt. Allerdings haben sie eine völlig andere Sichtweise! Und da sie ihr Verhalten niemals im Voraus erklären, wird der Leser genau wie Felt und Babu immer wieder mit Situationen konfrontiert, die seltsam, unverständlich, ja befremdlich wirken, letztlich aber doch immer irgendwie Sinn machen.

Nicht nur die Undae sind rätselhaft, auch sonst ist das Buch voller Geheimnisse. Das fängt an mit demjenigen, das Babu veranlasst hat, seine Heimat zu verlassen und reicht über Babus eindeutig magischen Falken und die offizielle Geschichtsschreibung, die offenbar nicht ganz vollständig ist, bis hin zu den einzelnen Stationen der Reise. Dabei sind es vor allem die diversen Orte, die am meisten zum mystischen Flair der Geschichte beitragen. Schon allein die Ascheebenen des ehemaligen Welsien wirken entrückt und fremdartig, noch mehr gilt das für die Quellen, für die Sümpfe und Boirad, den Nebelwald, und ganz besonders für die Stadt in den Wolken. Fantasy ist ja – zumindest bis zu einem gewissen Grad – immer mit einer Welt verbunden, die fremdartige Züge trägt, hier jedoch ist es so, dass selbst innerhalb des Fantastischen noch eine weitere Ebene zu existieren scheint, halb losgelöst von Babus Tal, Goradt und der reichen Stadt Pram, eine Art geistige Parallelwelt, die wie ein Schleier über dem Alltäglichen liegt, und mit dem Felt und Babu nun zum ersten Mal in Berührung kommen. Selbst die Kämpfe, die hier ausgefochten werden, finden gleichzeitig sowohl auf greifbarer als auch geistiger Ebene statt.

Ich fand dieses Buch ausgesprochen faszinierend. Schon die Idee der Quellen, die mehr als nur Ursprung eines Gewässers sind, klang hochinteressant, aber auch die Umsetzung hat mir sehr gefallen. Greiff schreibt sehr plastisch und eindringlich, ob es nun um Träume, Örtlichkeiten oder Ereignisse geht. Die beiden Hauptfiguren sind weder edle Übermenschen noch unfreiwillige Helden voller Selbstzweifel, sondern lebendige und glaubhafte Personen, die nicht nur mit ihren eigenen inneren Dämonen zu kämpfen haben, sondern auch mit denen, die die Existenz der Welt bedrohen.

Wer von seiner Lektüre erwartet, dass sie sofort zur Sache kommt, wer beim Lesen gern auf der Ebene greifbarerer Schwierigkeiten wie geographischen Hindernissen, Schwertkämpfen und hinterhältigen Intrigen bleibt, der ist hier wahrscheinlich eher falsch. Wer allerdings schon lang in den Massen der Drachen-Elfen-Vampir-Fantasy nach etwas wirklich Neuem, Ausgefallenem sucht, der sollte sich dieses Buch auf jeden Fall gönnen. Es ist keine Geschichte, die man einfach so wegliest. Aber in dieses Hemd reinzuwachsen, lohnt sich!

E. L. Greiff ist in Kapstadt geboren und lebt inzwischen in den Niederlanden. Nach einem Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaften folgte eine längere Tätigkeit in der Filmregie. „Zu den Anfängen“ ist nicht nur der erste Band der Trilogie |Zwölf Wasser|, sondern auch Greiffs Romandebut. Die Fortsetzungen sollen jeweils im Oktober 2013 und 2014 erscheinen.

Broschiert 608 Seiten
ISBN-13: 9783423249140

http://www.12wasser.de/
http://www.dtv.de/

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Catherine Jinks – Blutsbande. Bekenntnisse einer Vampirin

Man kennt das ja: Vampire sind schön, stark und haben übersinnliche Kräfte. Aber ist das wirklich so? Nicht, wenn man der australischen Autorin Catherine Jinks Glauben schenken mag. Denn ihre Vampire sind ziemliche Loser: Sie sind eigenbrötlerische Einsiedler, die von Schwäche- und Übelkeitsanfällen geplagt werden, unter Geldnot leiden und sich von Meerschweinchen ernähren. Nicht gerade der Stoff, aus dem Träume sind …

Für einen Roman reicht es jedoch gerade so. „Blutsbande – Bekenntnisse einer Vampirin“ klingt als Titel spektakulär, bei der Lektüre sollte man sich als Leser jedoch auf ein vorherrschendes Gefühl einstellen: Mitleid nämlich. Protagonistin und Ich-Erzählerin ist die Vampirin Nina, die vor über 50 Jahren von einem Vampir infiziert wurde und seitdem in ihrem Teenagerkörper feststeckt. Das hat einerseits den Vorteil, dass sie immer noch bei ihrer Mutter wohnen kann, ohne dass sich jemand etwas dabei denkt. Andererseits verhindert es auch, dass sie einen Führerschein machen kann … schließlich sieht sie immer noch aus als wäre sie minderjährig.

Catherine Jinks – Blutsbande. Bekenntnisse einer Vampirin weiterlesen

Cinda Williams Chima – „Der Wolfsthron“ (Seven Realms 3)

The Seven Realms

Band 1: Der Dämonenkönig“
Band 2: Das Exil der Königin“
Band 3: „Der Wolfsthron“

Nachdem es Raisa am Ende des vorhergehenden Bandes gelungen ist, sowohl den Bayars als auch Gerard Montaigne zu entkommen, ist sie in dem Grenzstädtchen Fetterford hängen geblieben. Jetzt wartet sie darauf, dass Amon Byrne und sein Triple sie finden und sicher zurück in die Fells bringen. Han weiß zwar nicht genau, was Raisa zugestoßen ist, aber er ist fest entschlossen, sie zu finden. Doch es ist weder Han noch Amon, der Raisa letztlich aufstöbert …

Neue Charaktere bietet dieser dritte Band nicht. An Komplexität zugenommen hat er aber durchaus, dabei sind noch gar nicht alle Fäden, die die Autorin in Band zwei angelegt hat, mit eingewoben. Dekanin Abelard und Fionas Vorschlag an Han sind gerade mal der Hauch einer Randerscheinung, kaum mehr als eine Erwähnung, damit der Leser nicht vergißt, dass da ja auch noch was war.

Aber auch ohne diese beiden Fäden tut sich beileibe genug. Allein bis Raisa und Han das Marisa Pines Camp erreichen, ist fast ein Drittel des Buches gelesen. Der lebhaftere Strang ist dabei der um Raisa, und tatsächlich dauert es diesmal etwas länger, bis die prekäre Situation sich auflöst, und es kostet die Protagonistin auch mehr Mühe, sich aus der Affäre zu ziehen. Die Szene mit Gillen allerdings lief noch immer ein wenig glatt, was im Hinblick auf den Jugendbuchcharakter der Geschichte aber in Ordnung ist.

Der Rest des ersten Drittels ist mit dem Austausch von Informationen ausgefüllt, denn natürlich wollen alle Beteiligten wissen, was dem jeweils anderen während der Trennung widerfahren ist. Außerdem dient dieser kurze Abschnitt dem Aufbau der Ausgangssituation, in der Raisa gelandet ist und aufgrund derer sie nun agieren muss. Zwar ist Raisa ursprünglich nicht ganz freiwillig in ihr Land zurückgekehrt, ihren Anspruch auf den Thron gedenkt sie aber keineswegs aufzugeben.

Um auf den Thron zu kommen, muss sie aber nicht nur ihren Gegnern die Stirn bieten, sie muss auch ständig zwischen ihren Unterstützern vermitteln. Das fängt schon damit an, dass Han von überhaupt niemandem akzeptiert wird, nicht einmal von den Demonai, obwohl er zumindest zur Hälfte von den Clans abstammt. Der Oberkommandierende der regulären Streitkräfte pflegt sorgfältig sein Konkurrenzgehabe gegenüber der Wache, und Lord Bayar als Vorsitzender des Magierrates und Averill Demonai als Vertreter der Clans misstrauen einander schon aus Prinzip, von ihrer persönlichen Aversion gegeneinander ganz abgesehen. Das allein ist schon ein Balanceakt für sich.

Außerdem stehen seit Raisas Rückkehr sofort wieder alle möglichen jungen Männer auf der Matte und werben um ihre Hand, angefangen bei sämtlichen Kandidaten, die bereits zu ihrer Namensfeier Schlange standen, über Nightwalker, den jungen Anführer der Demonai-Krieger, bis hin zu Micah Bayar, den sie weder abweisen noch heiraten kann, ohne sich zusätzlich in Lebensgefahr zu bringen!

Dazu kommt noch die Bedrohung von Außen. Gerard Montaigne, der ausgesprochen unangenehme Prinz aus Arden, hat seinen Krieg gegen Tamron offenbar gewonnen, und sein in seiner Offenheit geradezu unverschämtes Heiratsangebot an Raisa lässt nicht den geringsten Zweifel daran, dass er es auch auf die Fells abgesehen hat.

Als wäre das alles noch nicht genug, werden in den Straßen der Stadt immer wieder die Leichen von Magiern gefunden, deren Amulette fehlen!

Und um das Maß endgültig vollzumachen, hat Han auf Raisas Geständnis über ihre tatsächliche Identität nicht gerade positiv reagiert, und es kostet sie einiges an Mühe, ihre Freundschaft zu ihm wieder zu kitten.

Wahrlich genug Stoff, um sechshundert Seiten zu füllen, und diesmal ist es der Autorin sogar gelungen, all diese Konflikte ganz allmählich übereinander zu schichten, die altbekannten zuerst, und dann immer einen weiteren obendrauf, und auf diese Weise tatsächlich steigende Spannung zu erzeugen. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich vor Aufregung feuchte Hände bekommen hätte, aber immerhin hat sich die Situation im Laufe der Handlung immer weiter zugespitzt. Schließlich endet das Buch mit einem fiesen kleinen Cliffhanger, der dieser Zuspitzung sozusagen die Krone aufsetzt.

Unterm Strich hat sich dieser Band im Vergleich zu den beiden Vorgängern merklich gesteigert. Das liegt nicht nur daran, dass die Handlung vielschichtiger geworden ist, sondern vor allem daran, dass zum ersten Mal so etwas wie eine Entwicklung hin zu einem Höhepunkt erkennbar ist. Raisa ist an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr einfach weglaufen kann, die Situation, in der sie sich jetzt befindet, muss sie bis zum Ende durchkämpfen. Abgesehen davon sorgten auch eine Menge Fragen dafür, dass das Interesse des Lesers wachgehalten wird, allen voran die, ob Micah Bayar, dessen Ziele ganz offensichtlich nicht die seines Vaters sind, wirklich zu trauen ist oder nicht, aber auch die Frage nach dem Mörder der Magier und seinen Absichten, oder die, was Gerard Montaigne wohl als Nächtstes unternehmen wird. Alles in allem muss ich sagen, dass mir die Lektüre dieses Zyklus zunehmend Spaß macht, und ich bin gespannt, wie die Sache ausgeht.

Cinda Williams Chima schrieb schon in der Schule Geschichten, die meist von ihren Lehrern konfisziert wurden. Nach einem abgeschlossenen Studium in Philosophie war sie zunächst als freie Mitarbeiterin einer Clevelander Zeitung Plain Dealer tätig. Mit einem weiteren Abschluß in Ernährungswissenschaften arbeitete sie mehrere Jahre lang im medizinischen Bereich, ehe sie sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der vierte und letzte Band ihres Zyklus Seven Realms unter dem Titel „The Crimson Crown“ erscheint im Oktober dieses Jahres auf Englisch. Außerdem schreibt die Autorin an einem weiteren Zyklus, den Heir Chronicles, der bisher aus drei Teilen besteht, auf Deutsch aber (noch?) nicht erhältlich ist.

Broschiert 605 Seiten
Originaltitel: The Grey Wolf Throne
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3-442-46976-5
http://cindachima.com/index.htm
http://www.randomhouse.de/goldmann/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)

Charles Yu – Handbuch für Zeitreisende

Das Handbuch für Zeitreisende ist ein Buch von Charles Yu an sich selbst, das er immer wieder liest und verfasst, während er es liest, doch das erfährt er erst recht spät in der Geschichte, als er sich in eine Zeitschleife manövriert. Er ist Zeitmaschinen- und Zeitreiseingenieur einer Firma, die die Geräte verleiht. Yu erhält jeweils den Auftrag, Kunden zu betreuen oder aus Situationen zu befreien, in die sie sich mit ihren Zeitmaschinen begeben, denn eines ist ein unumstößliches Gesetz der Zeitreise: Man sucht immer den schlimmsten Zeitpunkt der eigenen Vergangenheit auf und hat doch keine Chance, ihn zu beeinflussen.

Yu sieht sich selbst als gescheiterte Existenz, die sich in das Betriebssystem der Zeitmaschine verliebt hat, und seine eigene enttäuschende Vergangenheit ist es, die er in der Zeitschleife immer wieder erlebt. Das Handbuch zeigt ihm dabei die Lösung auf, doch scheint es bisher keine seiner älteren Existenzen geschafft zu haben, den entscheidenden Moment zu packen und aus der Schleife zu entkommen. Ihr Ende/Anfang ist nämlich ebenso erschreckend wie unausweichlich: Yu erschießt sein älteres Ich …

Die Implikationen sind interessant, doch bis es soweit ist, vergeht die Hälfte des Romans mit der Entwicklung des Universums, das von Science-Fiction-Figuren bevölkert wird. So hat zum Beispiel Anakin Skywalker seine Zeitmaschine beschädigt und ruft Yu zur Hilfe. Aber bis zur Zeitschleife fehlt der gewisse Anreiz, der den Leser dringend zum Weiterlesen animiert. Es ist recht zäh und fühlt sich zwanghaft humorvoll an, wobei der Humor nur aus der Wortwahl und den Anspielungen besteht und beim Leser nicht zündet. Die verlorene Existenz des Alter-Ego von Charles Yu berührt uns nicht und ruft auch kein Interesse hervor, erst mit Einsetzen der Zeitschleife gewinnt die Geschichte, nämlich die Frage, ob und wie die Schleife durchbrochen werden kann. Und erst jetzt entwickelt sich auch das Interesse an Yus Vergangenheit, an seinem Vater, mit dessen verzweifelter Verbissenheit die Entwicklung der Zeitreise möglich wurde, der aber die Familie vernachlässigte auf der tragischen Suche nach einer Möglichkeit, die verlorenen Stunden zurück zu bringen. Und der persönlich schließlich doch scheiterte.

Für Yu ist also die Zeitschleife auch und vor allem eine Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit und eine Selbstfindung, was dem Roman neben der nun natürlicher werdenden Komik den menschlichen Aspekt verleiht und die eigentliche Leseempfehlung ausmacht.

Enttäuschend ist dagegen die Hoffnung, die irgendwelche Zitate auf dem Buchrücken hervorrufen und die nicht erfüllt wird. Der Vergleich mit Douglas Adams und damit die freudige Erwartung sind unverständlich, wahrscheinlich Marketing und völlig ungerechtfertigt.

Über den Autor schreibt Rowohlt:

Charles Yu, geboren 1976 in Los Angeles, wurde für seine Erzählsammlung «Third Class Superhero» (2006) mit dem National Book Foundation’s 5 Under 35 Award und dem Sherwood Anderson Fiction Award ausgezeichnet.

„Handbuch für Zeitreisende“ ist Yus erster Roman, mit dem er unter den Time’s Top 10 Fiction Books 2010 sowie New York Times‘ 100 Notable Books of 2010 gelistet wurde. Eine Verfilmung ist in Arbeit. Der Autor lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Los Angeles.

Bezieht man diese Aussage in die Überlegungen mit ein, kann man sich gut vorstellen, dass aus diesem Buch ein interessanter Film gedreht werden könnte, der möglicherweise die Schwächen des Romans sogar ausgliche. Jedenfalls scheint Yu in seiner Heimat einigen aufstrebenden Erfolg zu haben, was sich leider anhand des vorliegenden Buches nicht so deutlich begreifen lässt.

Der Roman bietet ab der Hälfte gute, interessante Unterhaltung und stößt vor allem bei Lesern, die schon des Öfteren mit der Zeitreiseproblematik konfrontiert wurden und auch Interesse daran haben, auf schmunzelnden Genuss. Ihm fehlt zur uneingeschränkten Empfehlung aber eine tragfähige erste Hälfte, und der Vergleich mit Adams lässt ihn eher schal wirken als zu punkten.

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Broschiert, 267 Seiten
Originaltitel:
How to Live Safely in a Science Fictional Universe
ISBN 978-3-86252-022-0
Deutsche Erstausgabe
Aus dem Englischen von Peter Robert

http://www.rowohlt.de

Suzanne Collins – Flammender Zorn (Die Tribute von Panem 3)

Die Tribute von Panem:

Band 1: „Tödliche Spiele“
Band 2: „Gefährliche Liebe“
Band 3: „Flammender Zorn“

_Mit dem Werk „Flammender Zorn“_ findet Suzanne Collins‘ erfolgreiche Buchreihe „Die Tribute von Panem“ nun ihr Ende.

_Nachdem die Geschichte_ in „Gefährliche Liebe“ ein plötzliches Ende fand, als es Katniss und ihren Mitstreitern gelang, die Arena der grausamen Hungerspiele in die Luft zu jagen, Katniss nur in letzter Sekunde gerettet werden konnte und sich plötzlich in einem Luftschiff der Widerstandsorganisation wiederfand, werden die Geheimnisse der Rebellen nun gelüftet. Nicht nur ihr vermeintlicher Mentor Haymitch, dem die Jugendlichen vertrauten, sondern auch Tribute aus anderen Distrikten und sogar eingeschleuste Politiker des Kapitols gehören zu den Rebellen, die alles von langer Hand geplant haben, um dem Kapitol einen entscheidenden Schlag zu versetzen.

Suzanne Collins – Flammender Zorn (Die Tribute von Panem 3) weiterlesen

Collins, Suzanne – Gefährliche Liebe (Die Tribute von Panem 2)

_|Die Tribute von Panem|:_

Band 1: [„Tödliche Spiele“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6397
Band 2: _“Gefährliche Liebe“_
Band 3: „Flammender Zorn“

_Hochspannend und nervenaufreibend_ geht es im zweiten Band von Suzanne Collins‘ „Die Tribute von Panem“-Reihe, „Gefährliche Liebe“, nach dem Erfolg des ersten Werks der Trilogie weiter.

_Katniss und Peeta sind_ aus dem Kapitol zurückgekehrt und werden überall im Land als das siegreiche Liebespaar aus Distrikt 12 gefeiert. Doch der Frieden trügt: Nicht nur, dass Katniss Peeta auf der Heimreise gestanden hat, dass sie ihre Gefühle für ihn nur für die Kameras gespielt hat und auch ihre Freundschaft nun endgültig zerstört scheint, auch das Kapitol hat es auf die beiden, die im Untergrund inzwischen als Symbole der Rebellion angesehen werden, abgesehen. Um einen drohenden Aufstand gegen die Regierung zu verhindern, sollen Katniss und Peeta die Menschen mit ihrer Liebesgeschichte ablenken, doch schon bald merken die beiden, dass es dafür schon lange zu spät ist. In mehreren Distrikten haben die Rebellen bereits das Feuer des Widerstands entfacht, Friedenswächter, die Soldaten des Kapitols, werden angegriffen, doch natürlich schlägt das Kapitol zurück, mit dem Willen, jeden Widerstand mit Gewalt niederzuschlagen, egal um welchen Preis. Und um Katniss und Peeta als vermeintliche Symbole der Aufstände aus dem Weg zu räumen, werden die beiden unter dem Deckmantel besonderer Jubiläumsspiele, bei denen nur Tribute teilnehmen dürfen, die bereits einmal gewonnen haben, ein zweites Mal in die Arena geschickt. Und ihre Gegner sind diesmal um ein Vielfaches stärker, erfahrener und bekannter als sie und niemand weiß, wer auf der Seite des Kapitols oder der der Rebellen steht. Allein können Katniss und Peeta nicht gewinnen, doch wem können sie trauen?

_Nahtlos knüpft „Gefährliche Liebe“_ an seinen großartigen Vorgänger an und erzählt die tragische Geschichte der jungen Katniss und ihrer ungewollten Rolle in einem Krieg zwischen Volk und Diktatur, zwischen Recht und Unrecht, für Freiheit und Gleichheit weiter. Nachdem der erste Band zwar erahnen ließ, wohin die Reise gehen soll, die politische Botschaft jedoch nur subtil in die Geschichte eingewoben wurde, geht es im zweiten Band nun in die Vollen. Gräueltaten des Kapitols als Antwort auf alles, was sich gegen es stellt, werden offen dargestellt und mit ihnen die Gefühle und Erlebnisse der einzelnen Charaktere. Der Kampf eines jeden einzelnen mit sich selbst, ob er mutig und stark für seine Überzeugungen einstehen soll oder sich aus Angst um sein eigenes Leben und das seiner Freunde und Familie beugt, ist in jedem Wort nahezu greifbar. Und gerade diese Zerrissenheit und Emotionalität macht „Gefährliche Liebe“ zu einem Werk, das man am liebsten in einem Zug verschlingen würde. Man wird regelrecht in die Geschichte hineingezogen, man fiebert mit den Personen mit, teilt ihre Angst und ihre Konflikte, wird selbst schockiert und überrascht davon, was ihnen geschieht und wie sie handeln, man wird einfach voll und ganz mitgerissen.

_Und deshalb ist_ auch „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ ein absoluter Pflichtkauf, wenn man Fantasy-/Science-Fiction-Literatur und gesellschaftskritischen Botschaften etwas abgewinnen kann.

|Gebunden, 431 Seiten
Originaltitel: The Hunger Games – Catching Fire
Ins Deutsche von Sylke Hachmeister und Peter Klöss
ISBN-13: 978-3789132193|
http://www.dietributevonpanem.de
http://www.oetinger.de

Collins, Suzanne – Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem 1)

_|Die Tribute von Panem|:_

Band 1: [„Tödliche Spiele“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6397
Band 2: „Gefährliche Liebe“
Band 3: „Flammender Zorn“

Einen fulminanten Einstieg in eine wahrlich außergewöhnliche Buch-Reihe veröffentlichte die Amerikanerin Suzanne Collins mit „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“. Im Amerika der Zukunft ist das Land Panem in zwölf Distrikte und das Kapitol, die diktatorische Regierung, geteilt. Einst gab es auch einen 13. Distrikt, der nach einem versuchten Aufstand gegen das Kapitol jedoch als Machtdemonstration dem Erdboden gleichgemacht wurde. Einmal jährlich müssen die übrigen Distrikte nun, um ihre Unterwürfigkeit und Abhängigkeit vom Kapitol zu zeigen, eine junge Frau und einen jungen Mann als Tribute ins Kapitol aussenden, zur Teilnahme an den Hungerspielen. Dort müssen sich die Jugendlichen, um Ehre und Nahrungsmittel für ihren Distrikt zu erlangen, gegenseitig bis zum Tod bekämpfen.

Katniss Everdeen, ein Mädchen aus Dristrikt zwölf, meldet sich bei der alljährlichen Ernte freiwillig, um zu verhindern, dass ihre kleine Schwester Prim zu den Spielen geschickt wird. Mit ihr ins Kapitol muss der Bäckerssohn Peeta, der Katniss kurz darauf vor laufenden Kameras seine Liebe gesteht – angeblich um die Aufmerksamkeit der Sponsoren auf die beiden zu lenken. Doch schon bald muss sich Katniss der Frage stellen, ob hinter Peetas Offenbarung nicht doch mehr steckte, denn obwohl er dafür sein Leben riskieren muss, tut er alles, um die rebellische Katniss in der Arena vor Fallen und anderen Tributen zu beschützen. Erst nach einer Regeländerung, die besagt, dass zwei Tribute aus einem Distrikt gemeinschaftlich gewinnen können, können die beiden sich zusammentun und kommen sich langsam näher. Katniss ist sich ihrer Gefühle zu Peeta und plötzlich auch zu ihrem besten Freund Gale in der Heimat, jedoch nicht sicher und weiß, auch in Anbetracht der ständig drohenden Lebensgefahr, bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Schlussendlich erweist sich auch die vermeintliche Regeländerung als Trick der Spielemacher, Katniss und Peeta in einen finalen Kampf gegeneinander zu zwingen. Doch die beiden verstehen es, sich gegen das Kapitol aufzulehnen, was sie und all ihre Freunde und Verbündeten schon bald teuer bezahlen müssen …

_“Tödliche Spiele“ zählt_, neben seinen Nachfolgern, zu den besten Werken, die ich in letzter Zeit aus dem Genre Jugendbuch/Fantasy lesen durfte. Unglaublich spannend und kurzweilig erzählt Collins die Geschichte des Mädchens Katniss, das versucht, sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen und für Freiheit und Gleichheit zu kämpfen. Geschickt und subtil setzt sich die Autorin mit gesellschaftlichen Problemen und Missständen auseinander, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, und präsentiert zugleich ihre düstere Vision von der Zukunft unseres Planetens und der Menschheit. Wie viele Parallelen ein jeder zur heutigen Welt ziehen möchte, ist seiner Interpretation überlassen, doch es sind nicht wenige, setzt man sich intensiv mit der Thematik auseinander. Und das ermöglicht „Tödliche Spiele“ auf einer Ebene, die allen Altersklassen zugänglich ist, weshalb sich dieses Werk nicht nur an Jugendliche richtet, sondern auch für Ältere interessant sein kann. Und auch, wenn man „Tödliche Spiele“ nur zu Unterhaltungszwecken liest, so garantiert dieses Werk, dass man es in einem Zuge verschlingen muss. Stets wartet die Geschichte mit neuen Überraschungen und Wendungen auf, keine Sekunde wird es langweilig. Beeindruckend ist auch, mit welcher Kreativität und Liebe zum Detail Collins das Land Panem, seine Geschichte und seine Bewohner charakterisiert, ohne auf Altbekanntes zurückgreifen zu müssen. In „Tödliche Spiele“ steckt wahrlich eine ganze Menge Fantasie.

_Fazit:_

Ein Muss für Fans von klischeefreier Fantasy-Literatur mit ernstem Kern. Kein Wunder, dass dieses Werk inzwischen verfilmt wurde!

|Hardcover: 414 Seiten
Originaltitel: The Hunger Games 1. The Hunger Games
Aus dem Amerikanischen von Peter Klöss und Sylke Hachmeister
Empfohlen ab 14 Jahren
ISBN-13: 978-3-7891-3218|
http://www.dietributevonpanem.de
http://www.oetinger.de

Pattison, Eliot – Asche der Erde, Die

_Das geschieht:_

25 Jahre nach der atomaren Apokalypse, die durch einen von Terroristen gestarteten III. Weltkrieg ausgelöst wurde, gibt es nur noch wenige Menschen auf einer vielerorts verstrahlten Erde. An der Grenze zum ehemaligen Kanada hat sich an einem der Großen Seen die US-Kolonie New Carthage entwickelt. Unter dem strengen Regime des „Gouverneurs“ Lucas Buchanan führen 9000 Menschen ein hartes Leben, das dem ihrer Vorfahren im 19. Jahrhundert gleicht. Das Wissen um die Vergangenheit schwindet mit dem Aussterben der Elterngeneration, der weitere Niedergang scheint vorprogrammiert.

Hadrian Boone gehört zu denen, die sich weigern zu resignieren. Einst gehörte er dem Rat von New Cathage an. Doch Gouverneur Buchanan hat sich in einen Feudalherren verwandelt, der seine ‚Untertanen‘ zunehmend deckelt. Dass er Boone nicht schon längst in die tödliche Verbannung geschickt hat, verdankt dieser der schützenden Hand des alten Wissenschaftlers Jonah Beck, der für New Carthage zahlreiche Errungenschaften der Vergangenheit bewahren oder neu erschaffen konnte.

Doch Beck wird umgebracht – ein weiterer Mord, den Buchanan verschweigt: Sämtliche Kundschafter, die er hinausschickte, um nach anderen Siedlungen zu suchen, wurden ebenfalls getötet. Boone wird beauftragt, das Rätsel zu lösen. Eine abenteuerliche Erkundungsreise in den Norden führt ihm vor Augen, dass die Menschheit sich zwar zu erholen aber dabei die tödlichen Sünden der Vergangenheit zu wiederholen beginnt. Boone entdeckt, dass New Carthage von einer feindlichen Macht unterwandert wird, die es auf die Vorräte der Siedlung abgesehen hat. Der unsichtbare Feind verfügt nicht nur über Waffen und Munition aus der ‚alten Welt‘, sondern auch über andere, viel gefährlichere Mittel zur Unterstützung der anstehenden Invasion …

_Scheinbar neue Weisheit im alten Gewand_

Es ist immer ein Seiltanz, wenn ‚echte‘ Literaten sich in Genre-Unterhaltung versuchen bzw. sich bestimmter Genre-Elemente bedienen, um ihre Geschichte zu ‚würzen‘ und für jene Leserschichten attraktiver zu gestalten, die sonst wohl nicht zugreifen würde. Eliot Pattison ist durch eine Serie vielgelesener Kriminalromanen bekannt geworden. Diese spielt außerdem im modernen Tibet und vor dem Hintergrund der dort herrschenden chinesischen Diktatur. Da Pattison politische und gesellschaftskritische Aspekte stark in den Vordergrund stellt, hat er das Interesse entsprechend gepolter Kritiker erregt, die der Ansicht sind, dass Pattisons Tibet-Romane ihren Teil dazu beitragen, die lesende Welt auf die chinesischen Verstöße gegen die Menschenrechte aufmerksam zu machen, weshalb sie schon deshalb literarischen Wert besitzen.

Mit „Die Asche der Erde“ wechselt Pattison zwar das Reittier – das zum Transport der eigentlichen Botschaft gesattelte Genre -, bleibt aber auf gewohntem Kurs. Im Gewand einer „Post-Doomsday“/Science-Fiction-Geschichte spielt er erneut in allen Einzelheiten durch, wie gesellschaftliche Systeme ausarten können. Als Identifikationsfigur dient ihm abermals ein unbeugsamer Idealist. An die Stelle von Shan Tao Yun tritt Hadrian Boone. Bereits der Name ist Programm, denn wie der antikrömische Kaiser (76-138 n. Chr.) ist Boone ein Mann, der die Bewahrung und Förderung der Kultur über Eroberungspläne stellt.

Die chinesische Diktatur wird durch das neo-feudale New Carthage ersetzt. Wenn sich Pattison nun auf einen überschaubaren Mikrokosmos konzentriert, kann er die Sünden des Machtmissbrauchs wesentlich deutlicher aufzeigen, indem er sie Individuen zuordnet. Hat das Böse einen Namen, lässt es sich leichter identifizieren.

|Unterdrücken ist leichter als Lernen|

Pattison erklärt sich in einem Nachwort so über „Die Asche der Erde“: |“Der vorliegende Roman ist gewiss nicht als Prophezeiung gedacht, doch er basiert zum Teil auf Vorhersagen über den Stand von Technologie und Wissenschaft nach einer so umfassenden Zerstörung. Auch mit bestens ausgebildeten Fachleuten unter den Überlebenden würde eine solche Gesellschaft wahrscheinlich ohne Elektrizität und Verbrennungsmotoren auskommen müssen und sich wieder auf die Technik des frühen Industriezeitalters besinnen.“| (S. 429) Auf der Basis dieser Erkenntnisse zeichnet Pattison freilich eine Zukunftswelt, die sich von den Entwürfen vieler SF-Autoren kaum oder gar nicht unterscheidet. So hat beispielsweise Robie Macauley (1919-1985) in „A Secret History of Time to Come“ (dt. „Dunkel kommt die Zukunft“) schon 1979 alles Themenrelevante gesagt. Einen tiefen Blick in eine durch die Altlasten der Vergangenheit gebremste Zukunft warf zuletzt Robert Charles Wilson in „Julian Comstock“ (2009). (Aber das ist ja nur Science-Fiction …)

Dies schließt die soziale Komponente ausdrücklich ein. Pattisons Blick auf diesen Bereich der menschlichen Zukunft wirkt banal: |“Bei einer Gruppe, die einen zufälligen Querschnitt der heutigen Gesellschaft darstellt, gäbe es reich Gelegenheit, sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten der menschlichen Existenz zur Schau zu stellen.“| (S. 430) Die Welt um das Jahr 2050 wird für Pattison zur „Bühne“, deren „überaus fruchtbaren Boden für die Phantasie“ er mit entsprechenden Figuren bevölkert. Damit reiht sich „Die Asche der Erde“ in die lange Reihe mehr oder weniger gelungener „Post-Doomsday“-Geschichten ein. Die von Pattison (vorsichtig) beanspruchte oder gar eine auf Literatur-‚Wert‘ basierende Sonderstellung kann dieser Roman nicht beanspruchen.

|Von New Carthage nach Old Hollywood?|

Aber reine Unterhaltung kann er ebenso wenig bieten. Dies liegt einerseits an Pattisons jederzeit erhobenem Zeigefinger, mit dem er seine Leser didaktisch auf nachfolgende Erkenntnisse hinweist. Pattinson schwelgt andererseits in einem Weltschmerz, den weder die „Bühne“ noch seine Figurenzeichnung hergibt. Nicht einmal die innere Zerrissenheit des zum Tyrannen gewordenen Lucas Buchanan vermag zu beeindrucken. Sie wirkt theatralisch, kann es jedoch nicht mit dem geballten Gutmenschentum des Hadrian Boone aufnehmen. Er gibt eine Art Schmerzensmann, der für die Sünden dieser und der untergegangenen Welt den Kopf hinhält; es gibt keine andere Romanfigur, die so ausgiebig verprügelt, angeschossen oder auf andere Weisen malträtiert wird wie Hadrian Boone. Im nächsten Absatz rappelt er sich wieder auf, denn sein Auftrag, dieser Welt das Heil – Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, fließendes Wasser – zu bringen, duldet keine Auszeiten.

Die ebenfalls auf Hollywood-Format herunter gebrochenen Konflikte bieten nur eine routinierte Folge von Streitigkeiten, Intrigen, enttäuschten Erwartungen und vor allem Schurken, denen die Bosheit wieder einmal in die Visagen geschrieben steht. Vom Gefängniswärter Kenton, dem der Knüppel stets locker sitzt, über den allezeit mörderischen Kapitän Fletcher bis zum kalt-intriganten Dr. Kinzler sind sie alle so fürchterlich verworfen, dass man sich als Leser das Grinsen oft nicht verkneifen kann.

Trotzdem sind sie erträglicher als die ‚Guten‘, die sich viel zu oft die Zeit für viel zu ausführliche Klagen und Was-wäre-wenn-Vorträge nehmen. Dazwischen schieben sich radioaktiv geröstete Mutanten, die Pattison zur neuen, ausgegrenzten Minderheit erklärt und an denen die üblichen Anti-Unterdrückungs-Routinen abgearbeitet werden.

|Der tote Kundschafter in der Latrinengrube|

Am besten liest sich „Die Asche der Erde“ als Kriminalroman. Pattison leitet mit einem Leichenfund in die Handlung ein; Boone versucht sich als Detektiv, sucht Spuren, wertet Indizien aus, knüpft kausale Ketten. Dass er sich dabei auf einfache Mittel und Methoden beschränken muss, rückt „Die Asche der Erde“ in die Nähe des Historienkrimis. In der Tat könnte diese Geschichte problemlos ohne die SF-Zugaben funktionieren und beispielsweise in einer nordamerikanischen Grenzsiedlung des 19. Jahrhunderts spielen.

Dazu passt das Element der Konspiration, das dem Geschehen ein wenig Thriller-Schwung gibt, das es bitter nötig hat. Wie so oft kann die Auflösung dem Rätsel nicht standhalten, wobei hier das Problem hinzukommt, dass uns die Grenzen und Regeln dieser Welt unbekannt sind. Pattison kann sie und damit den Kreis der Verdächtigen nach Belieben erweitern, um seiner Geschichte eine neue Richtung zu geben, und genau das macht er auch und zieht dabei immer neue Verschwörer und Schurken aus dem Hut.

„Die Asche der Erde“ liest sich trotz aller Einwände angenehm schnell. Pattison mag nicht besonders originell sein, aber schreiben kann er; hierzulande wird er zusätzlich von einem guten Übersetzer unterstützt. Doch jegliche Nachwirkung bleibt aus. Ist das Buch geschlossen, beginnt sich die Erinnerung an das Gelesene umgehend zu verflüchtigen.

_Autor_

Joseph Eliot Pattison (geb. am 20. Oktober 1951 in Schottland) ist hauptberuflich Rechtsanwalt. Als Fachmann für internationales Recht berät er internationale Unternehmen. Als Journalist und Autor hat er zahlreiche fachspezifische Artikel und Fachbücher veröffentlicht.

Seine Arbeit führt Pattison seit jeher oft ins Ausland. Vor allem mit den Verhältnissen in China ist er vertraut. Diese Erfahrungen flossen nicht nur in seine journalistische Tätigkeit, sondern auch in den Kriminalroman „The Skull Mantra“ 2000 (dt. „Der fremde Tibeter“) ein, der 2000 mit einem „Edgar Allan Poe Award“ als bester Erstlingsroman ausgezeichnet wurde. Diesem ersten Fall des Ermittlers Shan Tao Yun, der in Peking in Ungnade fiel und nach Tibet verbannt wurde, ließ Pattison weitere, ebenfalls sehr erfolgreiche Bände folgen. Mit „Bone Rattler“ begann er 2007 eine zweite Reihe um den Ermittler Duncan McCallum, die im kolonialen Nordamerika des 18. Jahrhunderts spielt.

Mit seiner Familie lebt Eliot Pattison auf einer Farm in Oley Valley im US-Staat Pennsylvania.

|Paperback mit Klappenbroschur: 431 Seiten
Originaltitel: Ashes of the Earth (Berkeley/California : Counterpoint 2011)
Übersetzung: Thomas Haufschild
ISBN-13: 978-3-352-00826-9|

|eBook: 644 KB
ISBN-13: 9-7838-4120-400-4|

Home


http://www.aufbau-verlag.de

Britain, Kristen – Pfad der Schatten, Der (Reiter-Zyklus Band 4)

_|Green Rider:|_

Band 1: [„Grüner Reiter“ 174
Band 2: [„Spiegel des Mondes“ 530
Band 3: [„Der schwarze Thron“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5904
Band 4: _“Der Pfad der Schatten“_

_Seit langer Zeit_ hat Karigan wieder einmal Gelegenheit, ihre Familie zu besuchen. Nachdem sie im letzten Band einige gewöhnungsbedürftige Dinge über ihren Vater erfahren hat, findet sie diesmal ein paar überraschende Details über ihre Mutter heraus. Das Wichtigste an ihrem Ritt nach Corsa ist allerdings eine Begegnung, an die sie sich danach nicht mehr erinnert …

Alton sucht immer noch nach einer Möglichkeit, den Wall zu reparieren. Zwar besitzt er nun eine Abschrift des im letzten Band so heiß umkämpften Buches über den Wallbau, es hilft ihm aber nicht wirklich weiter. Bis Karigans Freundin Estral am Wall auftaucht …

Großmutter ist mit ihren Anhängern in den Schwarzschleierwald gezogen, um eine Mission zu erfüllen, die ihr Gott ihr aufgetragen hat. Aber auch die Eleter haben sich auf den Weg ins ehemalige Argenthyne gemacht!

_Neuzugänge unter den Charakteren_ gibt es diesmal kaum, zumindest sind sie nicht nennenswert. Sie sind lediglich Transporteure für die Handlung, entwickeln kaum eigenes Profil, und die meisten von ihnen überleben das Ende des Buches nicht.

Die Handlung lässt sich grob in drei Teile gliedern:

Der Erste spielt sich hauptsächlich in Sacor-Stadt ab und dreht sich vorwiegend um Estora und die Reichspolitik. Dass Intrigen hier eine große Rolle spielen, versteht sich von selbst. Schade nur, dass dem Leser so früh klar ist, wer hier eigentlich der Gegenspieler ist, und was er vorhat.

Der Zweite dreht sich um die Ereignisse am Wall, wo es so aussieht, als käme Alton den gesuchten Antworten mit Estrals Hilfe endlich etwas näher. Doch das bleibt auch dem Feind nicht verborgen.

Im Dritten geht es um die Ereignisse im Schwarzschleierwald, die letztlich auch zum Showdown führen.

Obwohl sie alle mehr oder weniger miteinander in Verbindung stehen, sind diese Verbindungen eher dünn. Großmutter wirft mithilfe ihrer Magie gelegentlich einen Blick auf das, was ihr Verbündeter Birch bei seinem Versuch, eine bewaffnete Streitmacht des zweiten Reiches aufzustellen, bis dahin erreicht hat. Trace, die eine geistige Verbindung mit Connly teilt, sorgt dafür, dass die Nachricht vom Geschehen in Sacor-Stadt an den Wall und andersherum die Erkenntnisse, die Alton im Laufe des Buches gewinnt, in den Palast gelangen. Gravierenden Einfluss auf den Verlauf der jeweiligen Handlungsstränge hat dieser Austausch von Informationen aber vorerst nicht.

Insofern spielen sich hier drei unterschiedliche Geschichten parallel zueinander ab, und schon allein durch die Örtlichkeit und die dort herrschenden Grundbedingungen unterscheiden sie sich so sehr voneinander wie nur denkbar.

Die Ereignisse im Palast stellen dabei den größten Teil der Gesamthandlung. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich Karigan in der ersten Hälfte des Buches noch im Palast aufhält. Bis Karigan den Auftrag erhält, sich der Expedition der Eleter anzuschließen, ist bereits ein Drittel der insgesamt knapp neunhundert Seiten gelesen, als sie endlich aufbricht, ist der Leser in der Mitte angekommen. Die Intrige ist zu diesem Zeitpunkt lediglich angedeutet, sie kommt erst nach Karigans Abreise wirklich zum Tragen.
Stellt sich die berechtigte Frage, womit Kristen Britain dann all die Seiten bis dahin gefüllt hat. Hauptsächlich mit Einleitung. Das klingt voll daneben, trifft den Inhalt aber doch am ehesten. Die Begegnung in der Nähe ihrer Heimatstadt dient der Vorbereitung des Showdowns, und auch der Maskenball, dem Karigan vor ihrer Abreise noch wohl oder übel beiwohnt, enthält Elemente, die für die Ereignisse im Schwarzschleierwald wichtig werden. Da der Leser das zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wirkt die erste Hälfte des Buches ein wenig wie ein ziemlich umfangreiches Sammelsurium bedeutungsloser Kleinigkeiten. Außerdem lässt die Autorin sich Zeit mit diesen Aspekten, manchmal ist die Ausgestaltung vielleicht doch ein wenig zu detailreich. Der Übungskampf zwischen Karigan und Flogger zum Beispiel wird gleich zweimal aus verschiedenen Perspektiven dargestellt. Ein wenig Geduld braucht der Leser also schon, immerhin aber sind die einzelnen Facetten so unterschiedlich, dass es wenn schon nicht spannend, so zumindest auch nicht langweilig wird.

Ähnliches gilt für die Ereignisse am Wall. Abgesehen von den beiden kurzen Szenen im Erdturm ist dieser Handlungsfaden vollkommen actionfrei. Da auch die Suche nach einem Heilmittel für den Wall nur in winzigen Schritten vorangeht, hat die Autorin diesen Teil mit einer Romanze angereichert, die zu ein paar emotionalen Verwicklungen führt, wobei ich persönlich nicht alle damit verbundenen Reaktionen nachvollziehen konnte. Die Betroffenen benehmen sich hier teilweise ein wenig wie Trottel. Aber gut, Menschen sind verschieden.

Bleibt der dritte Teil des Buches, der um den Schwarzschleierwald. Aber obwohl dieser bedrohliche Ort eine Menge Potenzial für Hindernisse aller Art bietet, und die Autorin dieses Potenzial auch nutzt, will sich selbst hier etwas wie Spannung nicht so recht einstellen. Erst als sowohl Großmutter als auch die Eleter die ehemalige Hauptstadt Argenthynes erreichen, zieht die Schraube an. Letztlich löst sich das Problem aber erstaunlich einfach, die Hindernisse, die Karigan dabei überwinden muss, hätte man durchaus schwieriger gestalten können. Vielleicht hat die Autorin darauf verzichtet, weil das Buch ohnehin schon so dick geworden ist. Ich persönlich hätte es allerdings vorgezogen, wenn sie die erste Hälfte des Buches zugunsten des Showdowns etwas gestrafft hätte. Zumal auch die Intrige in Sacor-Stadt sich ziemlich problemlos auflöst. Der endgültige Schluss wiederum ist eine ziemliche Überraschung.

_Unterm Strich_ bleibt zu sagen, dass das Buch zwar viel Abwechslung bot – ein wenig Romantik, eine wenig Intrige, ein paar Ungeheuer und auch ein wenig Geschichte – , der Sog, der ein Buch zu dem macht, was man gemeinhin als Pageturner bezeichnet, blieb jedoch aus. Zwar waren die Handlungsabläufe und ihre Zusammenhänge untereinander sauber aufgebaut und ausgeführt, ein etwas höheres Erzähltempo hätte allerdings nicht geschadet. Auch neue Ideen, die dem Ganzen ein wenig zusätzliche Würze verliehen hätten, wie es im ersten Band Haus Siebenschlot tat oder im dritten Großmutters Fadenmagie, fehlen hier völlig. So ist es allein der unerwartete Schluss, der Akzente zu setzen vermochte, während der dünne Nebenfaden um die ehemalige Rabenmaske fast völlig losgelöst vom Rest der Ereignisse nebenher läuft. Wahrscheinlich wird er erst im nächsten Band relevant. Denn den wird es ohne Zweifel geben, der vollkommen offene Schluss des Buches lässt gar nichts anderes zu.

_Kristen Britain_ ist hauptberuflich eigentlich Park Rangerin, und das nach einem abgeschlossenen Studium in Filmproduktion. Das Schreiben, mit dem sie bereits im Alter von neun Jahren angefangen hat, hat sich letztlich aber nicht unterkriegen lassen. Außer ihren Romanen über die Grünen Reiter gibt es noch weitere Veröffentlichungen von Kurzgeschichten und Cartoons.

|Taschenbuch, 890 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-52936-6
Originaltitel: Blackveil
Deutsch von Michael Nagula|
http://www.heyne.de

Home

Sinclair, Alison – Schattengeboren

_Die Trilogie:_

Band 1: [„Nachtgeboren“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7946
Band 2: [„Lichtgeboren“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7988
Band 3: _“Schattengeboren“_

_Um Fejelis zu_ retten, hat Tammorn den jungen Prinzen samt dessen Bruder Orlanjis und sich selbst auf magische Weise in die Grenzlande versetzt. Kein sehr sicheres Pflaster, denn gerade erst haben Schattengeborene Stranhorne, die Nachbarbaronie Strumhellers, überrannt.
Während Vladimer und Telmaine in Begleitung der meisten nachtgeborenen Magier auf dem Weg nach Süden sind, um der Invasion zu begegnen, sind Strumheller und Balthasar in die Hände der Schattengeborenen gefallen.

_Nun ist es_ also so weit: Der Feind erhält endlich ein Gesicht. Dass es sich bei den Schattengeborenen nicht nur um Ungeheuer handeln kann, zeigte eigentlich schon das Ende des ersten Bandes, und hun wird es bestätigt. Überraschend ist, wie wenige sie sind!

Sebastien ist noch sehr jung und besitzt enorme magische Kraft, allerdings ist sie unausgebildet. Der Junge ist eine ebenso große Gefahr für sich und seine Freunde wie für seine Feinde. Auch von der Magie abgesehen ist er unausgeglichen. Einerseits roh und unberechenbar, andererseits einsam, unglücklich und verängstigt. Er fürchtet sich vor seiner Herrin, will sie aber trotzdem nicht verlassen.

Neill ist der Anführer des Angriffs auf Stranhorne. Teilweise wirkt er geradezu gemäßigt, gleichzeitig bricht und versklavt er den Willen seiner magischen Ungeheuer und anderer Tiere mit derselben Gleichgültigkeit, wie Sebastien es bei Menschen tut. Und auch Neill scheint nicht daran zu denken, seiner Herrin untreu zu werden, trotz der Tatsache, dass Emeya offenbar wahnsinnig ist.

Außer diesen beiden tauchen noch vier weitere Magier auf, allerdings werden ihre Persönlichkeiten nicht so ausführlich geschildert wie Neills und Sebastiens. Diese beiden sind dafür ein interessanter Zuwachs zur Personenriege, gewohnt lebensecht und glaubwürdig gezeichnet. Das Einzige, was ich nicht nachvollziehen konnte, war Neills und Sebastiens Verhalten im Hinblick auf Emeya.

Die Handlung entwickelte sich in diesem Band allmählich zu einer kleinen Herausforderung. So lange es hauptsächlich um die Eroberung Stranhornes geht, bleibt die Sache mit zwei Handlungssträngen noch übersichtlich. Doch nach knapp zweihundert Seiten kommen die Fäden von Floria, Telmaine, Fejelis und Tammorn hinzu. Jetzt sind wir nicht nur bei sechs, es spielt sich auch so vieles zeitgleich ab, dass der Leser schon konzentriert bei der Sache sein muss, um nicht durcheinanderzugeraten.

Inhaltlich ist es allerdings so, dass durch die Menge an Ereignissen die Ausführlichkeit ein wenig leidet. Das Geschehen um Fejelis wirkt teilweise geradezu komprimiert, dasselbe gilt für Tammorn. Die Entwicklung zum Höhepunkt hin gestaltet sich dadurch zwar einerseits temporeich und zügig, andererseits entwickelt sich nicht derselbe Sog, den die Autorin in den beiden Vorgängerbänden zu erzeugen wusste.

Der Showdown erwies sich dann eher als verwirrend denn als spannend. Der Leser erfährt zunächst gar nicht, was genau da eigentlich geschieht. Erst im Zusammenhang mit Strumhellers Plan wird die Sache etwas klarer. Schade, dass ich hier auf einen logischen Knacks gestoßen bin. Denn selbst, wenn bei einem Tauziehen beide Parteien gleichzeitig aufgeben, ist das Tau danach immer noch da.

_Unterm Strich_ fand ich „Schattengeboren“ doch nicht ganz so gut wie seine beiden Vorgänger. Normalerweise habe ich keine Probleme mit einer Vielzahl von Handlungssträngen. Hier aber hat die Autorin in ihrem Bemühen, Gleichzeitiges möglichst gleichzeitig zu erzählen, ihre Abschnitte so kurz gewählt, kommen die Wechsel zwischen den einzelnen Fäden in so kurzen Abständen, dass der Verlauf sich doch sehr sprunghaft gestaltet. Da die beiden mächtigsten Schattengeborenen Emeya und Isolde nur so wenig auftauchen, und Isolde ihre wahren Absichten nicht verrät, während Emeya überhaupt nichts sagt, werden ihre Motive und Ziele zu keiner Zeit wirklich klar, sodass der Leser kaum weiß, worum es jetzt eigentlich wirklich geht. Unklar bleibt auch das seltsame Verhältnis zwischen Emeya und Neill und Sebastien. Trotzdem ist auch der Abschlussband der Trilogie interessant und unterhaltsam, was nicht zuletzt der größtenteils sehr gelungenen Charakterzeichnung sowie gelegentlichen Anflügen sehr trockenen Humors zu verdanken ist. Insgesamt gesehen hat Alison Sinclair hier einen sehr lesenswerten Zyklus abgeliefert.

_Alison Sinclair_ stammt ursprünglich aus Schottland, lebt inzwischen aber in Montreal, wo sie an der Universität McGill unterrichtet. Mit dem Schreiben begann sie Mitte der Neunziger Jahre, zunächst im Bereich Science-Fiction. Diese Trilogie ist ihr erster Ausflug ins Fantasy-Genre.

|Taschenbuch: 507 Seiten
Originaltitel Shadowborn
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-802-58337-7|


http://www.egmont-lyx.de

Sinclair, Alison – Lichtgeboren

_Die Trilogie:_

Band 1: „Nachtgeboren“
Band 2: „Lichtgeboren“
Band 3: „Schattengeboren“

_Balthasar, Telmaine und Strumheller_ ist es gelungen, Vladimer aus seiner unnatürlichen Bewusstlosigkeit zu wecken. Allerdings war es nicht möglich, ihm die Entwicklung der Ereignisse zu erklären, ohne auch Telmaines Magie zu erwähnen. Und obwohl Vladimer sich weigert, sich von Telmaine heilen zu lassen, hat er keinerlei Skrupel, ihre Fähigkeiten anderweitig schamlos für seine Zwecke einzuspannen. Um seinen Bruder zu unterstützen, ist ihm jedes, wirklich jedes Mittel recht!

Das hat unangenehme Folgen. Denn nahezu unmittelbar nach Vladimers Rettung wird der Prinz der Lichtgeborenen ermordet! Sein Sohn Fejelis ist gerade erst mündig geworden, und beauftragt als Erstes seinen einzigen Freund und Vertrauten, den Magier Tammorn, mit der Suche nach dem Mörder. Doch Tammorn steht außerhalb des Magierstammbaumes, er ist ein sogenannter Wildschlag und wird deshalb von den Magiern mit Misstrauen betrachtet. Als wäre das noch nicht problematisch genug, findet Tammorn Spuren einer Magie, von der ihm übel wird … Schattenmagie!

_Durch die Ausdehnung_ der Handlung auf die Lichtgeborenen taucht eine ganze Riege neuer Charaktere auf. Die meisten davon sind vorerst nur Nebenfiguren, wie zum Beispiel Fejelis Mutter Helenja und ihr Lieblingssohn Orlanjis, sowie diverse andere Verwandte. Das Hauptaugenmerk ruht auf nur zwei Neuzugängen:

Fejelis mag jung sein, aber er ist weder dumm noch naiv. Höchstens ein wenig idealistisch. Mit sieben ist er nur knapp einem Mordversuch entgangen, das hat ihn misstrauisch werden lassen. Er rechnet nicht damit, besonders lange zu regieren, das hat die seltsame Konsequenz, dass er dazu neigt, Risiken einzugehen … weil es ja eh schon egal ist. Gleichzeitig hat er erstaunliche Pläne und Ideen, die er nur zu gerne umsetzen wird, wenn er die Chance dazu erhält.

Tammorn ist ebenfalls noch ziemlich jung. Und die Tatsache, dass er ein Wildschlag ist, ist nicht der einzige Grund, warum er mit den Magiern in Konflikt geraten ist. Tatsächlich neigt er dazu, es mit Gesetzen und Verträgen nicht so genau zu nehmen, und mit Autoritäten hat er auch seine Probleme. Der einzige Magier im Turm, den er respektiert, ist Lukfer, und der ist ein Wildschlag wie er selbst. Kein Wunder, dass die Magier es gar nicht gern sehen, dass Fejelis ausgerechnet Tammorn unter Vertrag nehmen will.

Und dann ist da natürlich noch Floria, die in diesem Band etwas näher an den Kern der Handlung rückt. Für echte Tiefe hat es in ihrem Fall aber noch nicht ganz gereicht. Natürlich ist sie – berufsbedingt – eine sehr gute Kämpferin, vor allem aber ist sie loyal.

Wie schon im ersten Band ist die Darstellung der Figuren auch hier wieder ausgesprochen glaubhaft, lebendig und nachvollziehbar geraten, von Fejelis und Tammorn bis hin zu Cousine Ember, obwohl sie nur ein einziges Mal den Mund aufmacht. Sehr gelungen.

Da in diesem Band die Lichtgeborenen so sehr im Mittelpunkt stehen, mussten die Nachtgeborenen ein wenig beiseite rücken. Balthasar und Stromheller werden lediglich erwähnt, tauchen aber nicht persönlich auf. Nur einer der vier Handlungsstränge dreht sich um die Nachtgeborenen, und das ist Telmaines. Wobei das nicht viel heißen will, denn der Autorin ist es gelungen, die parallel laufenden Fäden so eng miteinander zu verknüpfen, dass man sie nicht so einfach trennen kann. Nachdem die neuen Personen eingeführt sind, wird aus dem Nebeneinander rasch ein Durcheinander. Was im Licht geschieht, bedingt, was die Nacht bringt, und das nächtliche Geschehen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Ereignisse im Licht.

Natürlich ist dem Leser von Anfang an klar, warum der Prinz ermordet wurde, schließlich hat er den ersten Band gelesen und weiß, wer dahintersteckt. dass die Handlung trotzdem zu keiner Zeit vorhersehbar oder langweilig war, liegt daran, dass die Autorin es auch diesmal geschafft hat, den Auslöser am Anfang des Buches immer größere Kreise ziehen und dabei nach und nach immer mehr Details einfließen zu lassen, die die ursprüngliche Situation eines Mordes auf eine Intrige dynastischen Ausmaßes steigern. Denn wie im ersten Band sind auch hier nicht nur die Schattengeborenen am Werk. Eine ganze Anzahl von Cliquen und Parteien kocht an ihrem eigenen Süppchen, ganz wie bei den Nachtgeborenen auch.

_Herausgekommen ist_ ein komplexes, intelligentes und spannendes Buch mit sehr lebensechten und auch sympathischen Charakteren, der einen oder anderen unerwarteten Wendung und einem vielversprechenden Ende. Und das alles ohne logische Hänger, vor allem aber ohne einen übermächtigen Bösewicht, der eigentlich völlig unbesiegbar ist; ohne bluttriefendes Gemetzel und Geschlachte; und ohne einen Helden, der als Einziger auf der ganzen Welt selbige retten kann, weil das zufällig in irgendeiner Prophezeiung steht.

Alison Sinclairs Zyklus hat mich bisher von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies auch dem dritten Band gelingen wird.

_Alison Sinclair_ stammt ursprünglich aus Schottland, lebt inzwischen aber in Montreal, wo sie an der Universität McGill unterrichtet. Mit dem Schreiben begann sie Mitte der Neunziger Jahre, zunächst im Bereich Science-Fiction. „Lichtgeboren“ ist der zweite Band ihrer ersten Fantasy-Trilogie. Die anderen beiden Bände erschienen unter dem Titel „Nachtgeboren“ und „Schattengeboren“.

|Taschenbuch: 446 Seiten
Originaltitel Lightborn
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-802-58336-0|


http://www.egmont-lyx.de

Jack Finney – Die Körperfresser kommen

Das geschieht:

Mill Valley liegt zwar im US-Staat Kalifornien, ist aber trotzdem ein abgelegenes Städtchen, dessen Bürger das Leben geruhsam angehen. Nach seiner Scheidung ist Dr. Miles Bennell deshalb hierher zurückgekehrt, wo bereits sein Vater als Arzt praktizierte, um ein wenig Abstand für einen Neuanfang zu gewinnen.

Normalerweise ist man in Mill Valley recht gesund, weshalb eine Folge seltsamer ‚Krankmeldungen‘ für Aufregung in den örtlichen Arztpraxen sorgt: Verschiedene Bürger behaupten, Familienmitglieder oder Freunde seien nicht mehr sie selbst, sondern äußerlich perfekte aber seelenlose, gefühlskalte ‚Kopien‘. Auch Bennell wird mit solchen Fällen konfrontiert und glaubt an eine Massenpsychose, bis ein Freund, der Autor Jack Belicec, ihn mit einem makabren Fund aus seinem Keller konfrontiert – eine Leiche ohne Fingerabdrücke und mit ‚unfertigen‘ Gesichtszügen.  Jack Finney – Die Körperfresser kommen weiterlesen

Pax, Rebekka – Septemberblut (Vampirjäger 1)

_|Vampirjäger|:_

Band 1: _“Septemberblut“_
Band 2: „Flammenmond“

_In „Septemberblut“ von Rebekka Pax_ geht es manchmal durchaus um Blut und der Roman spielt im September. Ansonsten ist der Titel ziemlich irrelevant und austauschbar, lässt er doch kaum erahnen, worum es eigentlich gehen soll. Nämlich darum: In L. A. macht ein Vampirjäger namens Frederik mittels eines magischen Messers Jagd auf Vampire. Diese wollen Frederik natürlich stoppen und das Messer an sich bringen. Doch bevor es dazu kommen kann, wählt Frederik den Freitod. Das Messer geht daraufhin an seine Schwester Amber, die ein beschauliches und völlig durchschnittliches Leben führt. Bis sie ihr Erbe antritt und es plötzlich mit allerlei Monstern zu tun bekommt.

Julius hingegen ist ein 200 Jahre alter Vampir, der für seinen Meister die Drecksarbeit erledigt und die Stadt von Vampiren säubert, die sich nicht an die Gesetze halten. Er soll für seinen Meister Curtis das Messer besorgen – und zwar bevor der böse Vampir Gordon es in die Finger bekommt. Curtis trägt Julius auf, Amber per Siegel zu seiner Dienerin zu machen und so quasi durch sie Gewalt über das Messer zu bekommen. Der Plan geht nur leider nach hinten los. Nicht nur lässt sich das Messer nicht so einfach austricksen. Auch verlieben sich Amber und Julius ganz ungeplant ineinander und müssen sich fortan den Anfeindungen der großen, bösen Welt gemeinsam stellen. Gordon will nämlich immer noch das Messer und schreckt auch nicht davor zurück, dafür Julius und / oder Amber in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

Natürlich hadert Amber mit ihrem Schicksal. Doch hauptsächlich hadert sie mit der Tatsache, dass sie sich in einen Vampir verliebt hat. Schließlich siegen aber immer wieder die Hormone und ein Großteil des Romans ist daraufhin mit Szenen gefüllt, in denen sich Julius und Amber ihre ewige Liebe gestehen. Von da an sabotiert die Liebesgeschichte der beiden den Rest der Handlung. Denn während man zu Beginn der Lektüre den Eindruck gewinnen konnte, dass das magische Messer der zentrale Konflikt der Handlung sein würde, verliert es als Waffe und magischer Gegenstand im Verlauf der Handlung mehr und mehr an Gewicht. Dabei hat Autorin Rebekka Pax hier eine durchaus gute und originelle Idee gehabt (was man vom Rest ihres Plots nicht unbedingt sagen kann). Deswegen ist es schade, dass viele Fragen, die das Messer betreffen, offenbleiben. Wo hat Frederik es eigentlich her? Ist es tatsächlich biblischen Ursprungs? Wenn ja, dann hat das weitreichende und äußerst faszinierende Folgen für das Vampiruniversum, das Pax geschaffen hat. Das Messer bietet also mehr als genügend Erzählstoff für ein Buch. Doch wie gesagt: All das bleibt im Dunkeln und so muss sich der Leser stattdessen durch eine schier endlose Reihe simpel gestrickter Szenen kämpfen, in denen die Charaktere über ihre Gefühle reden.

Denn letztendlich hat Rebekka Pax dann doch eine Romantic-Fantasy geschrieben: Ihre Protagonisten verlieben sich urplötzlich und auf den ersten Blick ineinander, ohne das Geringste voneinander zu wissen. Allerdings zeigen sie auch im Verlauf der Handlung kaum Interesse, mehr voneinander zu erfahren und konzentrieren lieber auf ihre eigene Gefühlswelt. Das ermüdet sehr schnell. Vor allem, da Rebekka Pax’ Stil ans Schwülstige und Kitschige grenzt, z. B. wenn Julius über Amber sagt: „Sie war da, meine Retterin. Ihre Stimme zog mich wie aus einem Lichtpfad hinaus aus der Hölle meiner Träume.“ Amber rettet Julius hier nicht etwa aus Lebensgefahr. Nein, der arme Vampir hatte einen Alptraum. Das Verhältnis zwischen dem Erzählten und dem wie es erzählt wird passt hier – wie an vielen anderen Stellen – einfach nicht. Der Regler mit der Aufschrift „Drama“ ist bei Rebekka Pax immer ganz nach oben geschoben, ob die Handlung nun wirklich dramatisch ist oder nicht.

_Letztendlich kann sich „Septemberblut“_ nicht über den Durchschnitt erheben, denn es gibt wenig, das im Gedächtnis bleibt. Die Charaktere sind blass und uneindeutig gezeichnet. Obwohl sie seitenweise über ihre Gefühle reden, kennt man sie nicht wirklich. Das liegt wohl auch an der unentschlossenen Charakterzeichnung der Autorin, die sich nie so recht entscheiden kann: Ist ihr Protagonist Julius nun ein Vollstrecker, der kaltblütig andere Vampire um die Ecke bringt, oder ist er eine weinerliche Memme, die sich an Amber klammert, wenn es mal böse Träume gibt? Beides geht einfach nicht zusammen. Das Gleiche gilt für Julius’ Meister Curtis, der mal als Vaterfigur und mal als herzloser Tyrann auftritt. Sowohl bei Julius als auch bei Curtis hat man wiederholt den Eindruck, man hätte es mit gespaltenen Persönlichkeiten zu tun, da ihr Handeln und Fühlen inkonsistent ist.

Offensichtlich hat Pax ihre Vampire an die frühen Bände der „Chronik der Vampire“ von Anne Rice angelehnt. Daran ist nichts Verwerfliches. Auch Lestat und Louis haderten mit dem Leben und ihrem eigenen Schicksal, auch sie haben sich mal in Selbstmitleid gewälzt. Doch sie haben nicht immer nur drüber geredet: Bei Anne Rice hat die Geschichte die Charaktere getragen. Bei Rebekka Pax soll es wohl umgekehrt sein. Das funktioniert nur leider überhaupt nicht und man ist Julius’ Selbstmitleids ganz schnell überdrüssig.

Dass die Handlung sich der Liebesgeschichte unterordnen muss, wurde bereits erwähnt. Pax hat ohnehin nicht zu viel davon in „Septemberblut“ gepackt. Das Tempo ist gemächlich, auf Twists verzichtet sie ganz und ihr Bösewicht taucht immer nur auf, wenn er grad gebraucht wird. Die Handlung ist so geradlinig wie ein amerikanischer Highway, Überraschungen bleiben deshalb aus. Auch ihrem Setting nähert sie sich distanziert. Zwar erfährt man aus ihrem Autorensteckbrief, dass sie in L. A. gelebt hat, doch wird die Stadt auf den Seiten des Romans nicht lebendig. Lokalkolorit heißt bei ihr hauptsächlich, dass sie Straßennamen nennt und ein paar Ortsbeschreibungen einfügt, die auch aus einem Reiseführer stammen könnten.

_“Septemberblut“ hat damit kaum etwas_, das den Leser langfristig fesseln kann und so gestaltet sich die Lektüre recht langatmig. Es bleibt zu hoffen, dass es Rebekka Pax gelingt, im Folgeband „Flammenmond“ mehr Fahrt aufzunehmen.

|Taschenbuch: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3548282480|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

Salvatore, R. A. – Gauntlgrym (Niewinter 1)

_Unzählige Fantasy-Serien_ veröffentlichte der US-amerikanische Autor R. A. Salvatore bereits, und nicht wenige behaupten, dem Schriftsteller sein in den letzten Jahren langsam aber sicher die Ideen ausgegangen. Ich kenne nicht annähernd alle Werke Salvatores, doch könnte mir gut vorstellen, dass es über die Dunkelelfen, die Lieblingsfiguren des Amerikaners, nach über 20 Jahren tatsächlich nicht mehr allzu viel Neues und Spektakuläres zu erzählen gibt. Um mir jedoch ein fundiertes Urteil erlauben zu können, habe ich mich an Salvators neuste Serie „Niewinter“ gewagt, die in drei Bänden die Geschichte des Drow Drizzt Do’Urden weiter erzählt.

_Bruenor, König von Mithril-Halle,_ kann auf ein langes und erfülltes Leben zurückblicken, doch seit dem Tod seines Freundes Regis und seiner Adoptivtochter Cattie-Brie ist er unglücklich und täuscht deshalb kurzerhand seinen Tod vor, um sich noch einmal auf Abenteuer zu begeben: Gemeinsam mit seinem Freund Drizzt und seinem Wächter Pwent macht er sich auf die Suche nach dem uralten, legendären Zwergenreich Gauntlgrym. Zur gleichen Zeit macht sich auch eine andere Gruppe, ebenfalls bestehend aus einem Drow, Jarlaxle, und einem Zwerg, Atrogate, sowie der talentierten Elfenkämpferin Dahlia, dem Vampir Dor’Crae und dem geisteskranken, aber unglaublich mächtigen Lich Valindra, auf, das Zwergenreich zu finden. Der Zwerg Athrogate jedoch, von den magischen Kräften der Elfenhexe Sylora beherrscht, befreit dort ein gefährliches Feuerelementar, das, mit unermesslichen Kräften ausgestattet, eine Welle der Zerstörung über das Land bringen und zahllose Untote erwecken wird. Um dies zu verhindern und die Welt zu retten, müssen sich die beiden eigentlich verfeindeten Gruppen zusammentun und das Elementar erneut verbannen. In den Hallen von Gauntlgrym kommt es schließlich zum finalen Kampf …

_Wie schon diese Zusammenfassung_ deutlich macht, wartet der erste Band der Niewinter-Saga mit einer großen Vielfalt an Personen auf, die das Verständnis zu Beginn nicht einfach machen, im Laufe der Geschichte jedoch für eine gewisse Abwechslung sorgen (dennoch bin ich nicht unglücklich darüber, dass so einige der Charaktere im nächsten Band nicht mehr dabei sein werden). Viel mehr an positiven Dingen gibt es zu „Gauntlgrym“ allerdings schon kaum zu sagen. Tatsächlich leidet das Werk nämlich an einem erschreckenden Mangel an Inspiration und Einfallsreichtum. Typischer für ein Fantasy-Buch könnten Personen, Schauplätze und Verlauf der Geschichte nämlich kaum sein, und auch einige kreative Ideen im Detail, zum Beispiel bei der Beschreibung der Kampfszenen, machen nicht ansatzweise wett, dass die Story fast vollständig vorhersehbar ist. Nicht einmal das große Finale wartet mit plötzlichen Wendungen und Überraschungen auf.

_In gewisser Weise muss_ man wohl feststellen, dass an Schriftsteller, die schon lange im Geschäft sind, einfach nicht derselbe Anspruch auf Innovation und Kreativität gestellt wird, wie es bei Neueinsteigern der Fall ist. Denn sie sind es nun mal, die den Markt mit gewissen Inhalten gefüllt haben und diese nun auch für sich beanspruchen können, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, aus der Masse an Veröffentlichungen besonders herauszustechen, um sich einen Namen zu machen. Ich möchte nicht behaupten, dass R. A. Salvatore sich auf diesen Lorbeeren ausruht, weil er weiß, dass seine Werke ohnehin gekauft werden, doch diesen Eindruck vermittelt „Gauntlgrym“ in gewisser Weise schon. Glück für ihn, dass er über die Jahre eine ganze Menge treuer Fans um sich geschart hat, die keinen Wert auf Neuerungen legen und deshalb auch mit diesem keinesfalls schlechten, nur eben zu unspektakulären, doch auf jeden Fall gut geschriebenen Werk bestimmt ihre Freude haben werden.

|Originaltitel: Gauntlgrym
Übersetzung: Imke Brodersen
480 Seiten, broschiert
ISBN-13: 978-3442268511|
http://www.randomhouse.de/blanvalet/
http://www.rasalvatore.com
http://www.exploreneverwinter.com

_Mehr von R. A. Salvatore auf |Buchwurm.info|:_

|Graphic Novels:|

[„Heimatland“ 2498 (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 1)
[„Exil“ 2843 (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 2)
[„Der gesprungene Kristall“ 4440 (Die Saga vom Dunkelelf 4)
[„Die silbernen Ströme“ 4497 (Die Saga vom Dunkelelf 5)
[„Der Dämon erwacht“ 4874 (Dämonendämmerung 1)

|Bücher:|

[„Die Invasion der Orks“ 476 (Die Rückkehr des Dunkelelf 1)
[„Kampf der Kreaturen“ 715 (Die Rückkehr des Dunkelelf 2)
[„Die zwei Schwerter“ 2530 (Die Rückkehr des Dunkelelf 3)
[„Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7046
[„Gauntlgrym“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7974 (Niewinter 1)

|Hörspiele:|

Folge 1: [„Der dritte Sohn“ 2978
Folge 2: [„Im Reich der Spinne“ 3055
Folge 3: [„Der Wächter im Dunkel“ 3082
Folge 4: [„Im Zeichen des Panthers“ 4458
Folge 5: [„In Acht und Bann“ 4422
Folge 6: [„Der Hüter des Waldes“ 4488
Folge 7: [„Der gesprungene Kristall“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5467
Folge 8: [„Die verschlungenen Pfade“ 5396
Folge 9: [„Die silbernen Ströme“ 5431

Turner, Megan Whalen – Verschwörer, Die (Die Legenden von Attolia 4)

_|Die Legenden von Attolia|:_

Band 1: [„Der Dieb“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7530
Band 2: [„Die Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7531
Band 3: [„Der Gebieter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7532
Band 4: _“Die Verschwörer“_

_Sophos ist_ der zukünftige König von Sounis. Außerdem ist er ein ziemlicher Jammerlappen, der sich ausschließlich für Literatur und Wissenschaft interessiert. Zumindest war das so, bevor er entführt wurde. Pech für seine Entführer, dass die damit einhergehende Horizonterweiterung ganz ungeahnte Auswirkungen auf den jungen Prinzen hat!

_Bisher ist Sophos_ nur im ersten Band persönlich aufgetaucht. Da wirkte er wie ein verschüchterter Halbwüchsiger von höchstens fünfzehn Jahren. Der Sophos in diesem vierten Band des Zyklus erzählt seine Entführung als Rückblende, und obwohl zwischen den Ereignissen in „Der Dieb“ und Sophos‘ Erzählung nicht viel mehr als ein Jahr liegen kann, könnte man meinen, Sophos sei inzwischen Anfang zwanzig. Dabei ist im Grunde kaum etwas passiert. Sophos hat lediglich eine Entscheidung getroffen, allerdings eine, die sein Leben komplett umgekrempelt hat: Er hat sich dazu durchgerungen, Verantwortung zu übernehmen. Das hat ein paar unerwartete Eigenschaften zutage gefördert, zum Beispiel Mut, Eigeninitiative und Entschlusskraft.

Die Darstellung dieser Entwicklung ist gut gelungen, vor allem auch deshalb, weil sie trotz aller Veränderung Sophos nicht zu einem gänzlich anderen Menschen gemacht hat. Schließlich war Sophos niemals dumm oder gleichgültig. Teilweise liegt es aber auch daran, dass Sophos sich der Veränderung und ihrer Auswirkungen nicht bewußt zu sein scheint. Er selbst sieht sich noch immer als Versager.

Die Handlung kann mit der Charakterentwicklung nicht recht mithalten. Sie verläuft zunächst nahezu ereignislos, weil sie sich ausschließlich mit Sophos‘ neuer Lebenssituation befasst. Alles, was sich außerhalb seines unmittelbaren Umfelds abspielt, wird lediglich in einem beiläufigen Satz erwähnt. Aber auch, nachdem Sophos Attolia erreicht hat, tut sich erst mal nicht viel. Hauptsächlich wird hohe Politik betrieben, und das auf eine recht umständliche Art und Weise, was die Auffrischung der alten Freundschaft zwischen Gen und Sophos ziemlich behindert.

Erst als Sophos sich auf den Weg nach Elisa macht, um sich dort zum König wählen zu lassen, kommt allmählich Bewegung in die Handlung. Der Schluss des Buches kann dann noch einmal mit einer kleinen, überraschenden Wendung aufwarten, vor allem deshalb, weil der Leser über die Pläne von Sophos und Eugenides völlig im Unklaren gelassen wurde. Echte Spannung wollte sich aber während des gesamten Buches nicht entwickeln.

Mag sein, dass dies auch diesmal wieder am ausgiebigen Gebrauch der Ich-Perspektive lag. Zwar wird der Mittelteil der Geschichte von einem übergeordneten Erzähler geschildert, zwei Drittel der Handlung werden jedoch von Sophos selbst erzählt, was bedeutet, dass zum Beispiel der ursprüngliche Plan der Entführer oder auch sämtliche Absprachen, die die rebellierenden Barone untereinander oder mit den medischen Abgesandten getroffen haben mögen, fehlen. Die zuspitzende Wirkung, die Maßnahme und Gegenmaßnahme im Wechsel erzeugen können, fällt dadurch gänzlich weg. Da nutzt es auch nichts, dass Teile davon im Nachhinein rekonstruiert werden, der Aha-Effekt kann den Mangel an Spannung nicht wirklich ausgleichen.

Abgesehen davon war dieser Band aber auch insgesamt eher ereignisarm. Während Gen in Band zwei und drei durchaus aktiv war und das Geschehen um sich herum beeinflusst hat, tut Sophos nahezu nichts. Seine Tage auf dem Gut des Hanaktos verlaufen eintönig, sodass es darüber kaum etwas zu berichten gibt, die Verhandlungen in Attolia geben ebenfalls nicht viel her, weil die Autorin, wie es ihre Art zu sein scheint, die eigentlich entscheidenden Punkte geheim hält, um den Leser am Ende damit zu überraschen. Und selbst, als Sophos schließlich handelt, besteht sein Handeln zunächst darin, nichts zu tun oder zu reden. Die einzigen Ausnahmen sind Sophos‘ Flucht, das Scharmützel bei Brimedius und die Folgen der Königswahl. Insgesamt machen diese Abschnitte jedoch nicht mehr als zehn Prozent der Erzählung aus.

_Bleibt zu sagen,_ dass der vierte Band des Zyklus wieder ein ziemliches Stück hinter den beiden Mittelbänden zurückgeblieben ist. Er ist spannungsarm und wenig abwechslungsreich, meist plätschert die Handlung so vor sich hin. Allein die Figur des Sophos hält den Leser einigermaßen bei der Stange, wirklich fesseln konnte dieser eine Aspekt allein den Leser jedoch nicht. Schade, vor allem, weil die Autorin bereits bewiesen hat, dass sie durchaus in der Lage ist, die gelungene Darstellung einer Figur mit einer bewegten und temporeich erzählten Handlung zu verbinden. Ich hoffe, dass sie sich in ihrem nächsten Band wieder daran erinnert, wie so etwas geht. Denn einen nächsten Band wird es wohl geben, schließlich sind die Meder noch immer ganz gierig darauf, sich einen Brückenkopf auf der Halbinsel zu schaffen.

_Megan Whalen Turner_ stammt aus den USA, studierte Anglistik und arbeitete zunächst als Buchhändlerin, ehe sie sich dem Schreiben zuwandte. Zunächst veröffentlichte sie Kurzgeschichtensammlungen, mit „Der Dieb“, dem Auftakt zu den |Legenden von Attolia|, schrieb sie ihren ersten Roman. Ob und wann ein weiterer Band zu diesem Zyklus erscheint, ist noch unbekannt.

|Taschenbuch 352 Seiten
Originaltitel: Attolia 4: A Conspiracy of Kings
Deutsch von Maike Claußnitzer
ISBN-13: 978-3-442-26879-5|
http://www.randomhouse.de/blanvalet
http://meganwhalenturner.org