Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Thomas Elbel – Asylon

Thomas Elbel ist ein bisher in Genrekreisen völlig unbekannter Name, und auch sein Romanerstling Asylon blieb einige Zeit unbemerkt. Bekommt man das Buch dann in die Hände, reizt erstmal weder Titel noch Cover noch Klappentext übermäßig zum Lesen, denn offenbar handelt es sich um ein abgeschlossenes System, eine Stadt als Asyl für die letzten Menschen nach einer dramatischen Katastrophe – ein nicht gerade innovativer Plot. Nimmt man es dennoch zur Hand, bemerkt man schnell, dass sich Elbel von einer attraktiven Idee leiten lässt und das Buch mehr Charisma und Spannung und Grusel enthält, als man vermuten mochte.

Masterleveller Torn entdeckt eine Leiche in den besonderen Sperrzonen der Stadt Asylon, im Minenfeld, das die Stadt gegen das feindliche Umfeld und die sie belagernden Horden verseuchter Menschen schützt – so heißt es. Und so nimmt Torn auch vorerst an, die Leiche gehöre zu einem Eindringling. Seinem munteren Assistenten allerdings fällt auf, dass die Leiche derart ausgerichtet liegt, wie es nur bei der Bewegung nach außen, also weg von der Stadt, vorkommen kann. Bevor er seine Entdeckung allerdings mitteilen kann, wird er von Torns heftigstem Widersacher unterbrochen, dem Polizisten Rygor, der sich von Torn in seiner Kompetenz bedroht sieht und den Fall des vermeintlichen Eindringlings übernimmt. Und ab da überschlagen sich die Ereignisse, sodass die Entdeckung vorerst unbeachtet bleibt.

Torn ist ein Leveller, besser der Masterleveller Asylons, das heißt, er sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Gangstercliquen, um Stabilität zu garantieren. Seine drastischen, oft tödlichen Maßnahmen werden dabei von allen Seiten toleriert und als Notwendigkeit erkannt – bis Torn, noch aufgewühlt von seiner Konfrontation mit Rygor, in einen menschenverachtenden Konflikt einer Bande verwickelt wird und einen der Mächtigen, ein Stabilitätsfaktum, umbringt. Das führt dazu, dass er seiner Pflichten enthoben und geächtet wird, sodass er nun mittellos ein gejagter Gesetzloser wird. Und dass, wo doch seine Frau schwanger in der Klinik liegt.

Als das Neugeborene unter undurchsichtigen Umständen verschwindet und Torns Frau für verrückt erklärt wird, brechen alle Schranken und Torn begibt sich in einen Kampf zwischen die herrschenden Clans und die geduldete Regierung. Was er entdeckt bei der Suche nach seinem Kind, wirft sein gesamtes Weltbild und das Konstrukt der Realität, mit dem jeder Asylonier lebt, über den Haufen. Hier werden geheime Geschäfte abgewickelt, Kinder auf genetische Prädispositionen untersucht, Gerüchte vom freien Leben außerhalb der Stadt greifen um sich und die dubiosen Machenschaften der Machthaber lassen ihn an seinem Verstand zweifeln.

Thomas Elbel entwirft mal wieder ein dystopisches Zukunftsbild, so scheint es dem Leser anfangs. Doch was sich dahinter verbirgt, ist weit mehr als das. Es ist ein Betrug, der nicht nur die Menschen in der Stadt halten, sondern noch weit größere Verbrechen vertuschen soll. Dabei führt er uns häppchenweise in die Hintergründe ein, aber auf eine spannende, fließend in die Handlung integrierte Art; anders als oft in Ermanglung des nötigen Spielraums trocken aufgetischter Informationen bekommt man hier düstere, teils unglaubliche Verbrechen von bizarrer Brutalität serviert, die in sich den Hintergrund der Story tragen.

Der Betrug, der auf dramatische Weise für einen Teil der Verantwortlichen eine tragische Wendung nahm, ist schließlich der Punkt, der die Geschichte von ähnlichen Romanen um unwissende Gefangene abhebt. Hier geht es nicht darum, dass der Protagonist irgendwann eine Tür durchtritt und feststellt, die Apokalypse draußen hatte nie stattgefunden – das ist nur ein Teil der Lösung, die Elbel hier anbietet. Viel tiefer verschachtelt in mehrere Rätsel ist die Erkenntnis.

Trotz dieser Qualität des Entwurfs bleiben in der Ausführung Mängel, die den Leser in leider zu vielen Momenten verärgern. Die Bilder und Strukturen wirken verwaschen, wie schon oft gehörte Klischees solcher Endzeitstimmungen. Darüber sieht man manchmal hinweg im Bewusstsein, dies ist der Romanerstling des Autors. Doch man erwartet schließlich, dass ein ordentliches Lektorat solche Missstände aufdecken und wegarbeiten müsste, doch leider zieht sich dieses Bild durch den gesamten Roman.

Zum Glück spiegelt der Autor diese Probleme mit seiner besonderen Stärke, nämlich der Beschwörung horroriger Szenen, wie sie nicht besser zu diesem Buch hätten passen können. Die perverse Brutalität des Gegenspielers, sein Doppelbild für die Romanöffentlichkeit, die klaustrophobischen Szenen in der Leichenkammer … Das hält den Leser bei der Stange und bleibt glücklicherweise deutlicher in Erinnerung als der Ärger über stilistische Mängel.

Insgesamt ein durchaus beachtenswerter Romanerstling, der vor allem durch die Idee und die düsteren, perversen Szenarien besticht. Die erzählerische Leistung während füllender Handlungszeiten bleibt dabei ausbaufähig, sodass man auf weitere Geschichten Elbels warten darf mit Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit des Autors.

Taschenbuch, 438 Seiten
ISBN-13 978-3-492-26792-2
ORIGINALAUSGABE

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

D.W. Schmitt – PERLAMITH 1: Der Graue Berg

D. W. Schmitt? Romandebüt? Wurdack-Verlag? Da klingelts doch. Man erinnert sich an die Anfänge dieses Verlags, als vor allem die Sammlungen der Storyolympiade-Geschichten veröffentlicht wurden und sich hieraus die ersten Anthologien abzweigten. So war ein Dieter Schmitt mitverantwortlich für den ersten Sciencefictionband des Verlags, Deus Ex Machina, der einen Stein ins Rollen brachte. Mittlerweile befindet sich Schmitt vor allem im Hintergrund der Verlagsarbeit, doch mit PERLAMITH betritt er wieder die Bühne. Entsprechend gespannt wurde sein Romanerstling erwartet.

Im abgelegenen Perlamith-System häufen sich ungewöhnliche Ereignisse: Ein Erdenbote strandet abseits der Transferstation in der Wildnis des unwirtlichen Planeten Karhenan; der technisierteste Planet des Systems, Menz, greift ohne Vorwarnung den Nachbarn Rogamar an, dessen diktatorisches Regime schnell kapitulieren muss; ein Kampfpilot von Rogamar ist in geheimer Mission nach Karhenan unterwegs und trifft dabei auf einen geheimnisvollen Besucher eines Nachbarsystems, der undurchsichtige Vorhaben verfolgt.

Alle Ereignisse scheinen mit einem Artefakt zusammenzuhängen, dem Jev Maltin, der rogamarische Geheimagent ohne Erinnerung an seinen Auftrag, auf Karhenan auf die Spur kommt. Dabei scheinen die unterschiedlichen Parteien von Informationen aus ungesicherten Quellen geleitet zu sein, so dass sich die Zweifel an ihrer Herkunft mehren und ein Verdacht aufkommt, der auch extraterrestrische Intelligenzen mit einbezieht. Was geht hier vor sich, woher kommt die brisante Nachricht von Massenvernichtungswaffen auf Rogamar, die die Regierung von Menz zu einem Präventivschlag veranlasste, und wer versucht, die menschlichen Parteien zu beeinflussen?

Ein rasanter Wettlauf beginnt, bei dem der menzer Geheimdienst auch ungewöhnliche Methoden einsetzt, um die entscheidenden Informationen und Vorteile zu erlangen, während der Lateralmönch von Centon-B, hinter dem sich ein undurchsichtiges Geheimnis verbirgt, den erinnerungslosen Jev Maltin in Richtung „Grauen Berg“ lenkt, der, wie sich herausstellt, ein außerirdisches Artefakt verbirgt und entscheidende Bedeutung erlangt in einem Konflikt, von dem die Bewohner des Perlamith-Systems noch nichts ahnen …

Der Romanerstling von Dieter Schmitt vermittelt den Auftakt einer groß angelegten Space Opera, und wie es bei „Piloten“ häufig der Fall ist, wartet auch „Der Graue Berg“ mit einer Fülle von Charakteren, Organisationen, Hintergründen und Rätseln auf, die im Verlauf des Mehrteilers eine Rolle spielen werden. Das erfordert vom Autor allerdings ein ausgeprägtes Geschick, diese umfassende Informationsvermittlung in eine spannende Geschichte zu verpacken und den Leser zum Kauf der folgenden Bände zu reizen. Dieter Schmitt wagt diesen Spießrutenlauf auf unbekanntem Terrain, und es ist gleich eine doppelte Herausforderung, denn es ist eben nicht nur der Auftakt eines Mehrteilers, sondern sein Romandebüt, wodurch für ihn noch ganz andere Schwierigkeiten eine Rolle spielen.

Vor dem Hintergrund der Ausrichtung auf einen Mehrteiler macht Schmitt seine Sache gar nicht schlecht, denn er führt umfangreiche Rätsel ein, die schon ein gewisses Suchtgefühl erzeugen und den Leser bei der Stange halten könnten. Die Ausführung der Romanhandlung gelingt ihm teils sehr gut, teils fühlt man sich aber auch an Romanheftserien erinnert, deren Stil selten in längeren Romanen funktioniert. Die Aufspaltung in die ungezählten Handlungsstränge ist für diesen ersten kurzen Roman nicht sehr glücklich gewählt, hier hätte die Konzentration auf einen oder zwei Erzählebenen für eine dichtere Atmosphäre sorgen können. Andererseits ist das Ziel des Romans mit der Ermittlung der drei Piloten schon so fortgeschritten, dass an einen detaillierten Ausbau der anderen Ebenen in späteren Romanen schwerlich zu denken ist, so dass dieser Schritt der parallelen Erzählung durchaus nachvollziehbar ist.

Die Welt, in der Dieter Schmitt seine Geschichte erzählt, hält spannende Geheimnisse und historische Verstrickungen bereit, so dass man gespannt sein kann, wie sich die Zusammenhänge finden, der Wissensdurst des Lesers befriedigt wird und wie sich die Menschen – denn um sie geht es hier schließlich immer noch – behaupten und weiterentwickeln.

Der Stil erinnert an verschiedene Romanmehrteiler der letzten Jahre, wie zum Beispiel die „SunQuest“-Serie aus dem Fabylon-Verlag oder Armin Rößlers „Argona“-Universum, wobei man wieder den Vergleich zum Heftroman ziehen kann, denn zumindest im ersten Beispiel lassen sich die Einflüsse dieser Literaturform nicht abstreiten. Die Charakterisierungen der Protagonisten fallen recht kärglich aus und orientieren sich sehr an ihrer äußerlichen Beschreibung und an für den Leser hörbaren Gedanken, die teilweise in wiederkehrenden Selbstzweifeln verharren oder versuchen, Erinnerungslücken zu schließen. Hier bleibt zu hoffen, dass Dieter Schmitt mit fortlaufender Handlung auch einen eigenen, fesselnderen Stil entwickelt. Allerdings, muss man sagen, hat sich im vorliegenden Roman jenseits der ersten Hälfte die Spannung merklich gehoben und ein durstiges Gefühl hinterlassen, auf dem die Folgebände sicher guten Nährboden finden.

Klappenbroschur
208 Seiten
ISBN 978-3-938065-76-1

wurdackverlag.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 3,00 von 5)

Hulick, Douglas – Unter Dieben (A Tale of the Kin 1)

Drothe ist ein Gangster, allerdings keiner der Sorte „Schläger“ oder „Killer“. Sein Job ist die Beschaffung von Informationen. Mit dem Reliquiendeal wollte er eigentlich nur ein wenig Geld dazuverdienen. Aber die Umstände, unter denen der beteiligte Schmuggler offenbar versucht hat, ihn anzuschmieren, haben ihn hellhörig gemacht. Außerdem ist er von Natur aus neugierig. In diesem besonderen Fall ist das allerdings eine ziemlich ungesunde Eigenschaft …

Für einen Gangster ist Drothe ein recht anständiger Kerl. Er ist zwar nicht zimperlich – manche Informanten rücken eben erst mit Antworten heraus, wenn man ein wenig nachhilft -, aber er ist loyal und verlässlich. Zumindest versucht er es, allerdings mit schwindendem Erfolg. Zum Glück ist er ein passabler Kämpfer, ausgesprochen zäh und vor allem schlau!

Sein Boss Nicco dagegen ist ein misstrauischer, paranoider Brutalo, der sich aus purem Neid mit seinem einstmals besten Freund Kells überworfen hat, weil der mit Gerissenheit und guter Planung bessere Ergebnisse erzielte als Nicco mit purer Gewalt. Jelem der Verschlagene wiederum ist ein ganz anderes Kaliber. Der Djanese gehört keiner Organisation an, ist aber einer der gefährlichsten Gangster der Stadt, und das nicht nur, weil er sich mit Magie auskennt. Und dann ist da noch Baldesar, der Schreiber, ein hagerer, faltiger Kerl, der mehr Fälschungen anfertigt als legale Kopien.

Dazu noch ein paar kleinere Gauner wie Diebe und Hehler, ein paar Attentäter und Männer fürs Grobe sowie ein paar geheimnisvolle Unterweltgrößen, und fertig ist das Milieu. Jede einzelne Figur ist dabei lebendig und interessant geraten, selbst wenn die meisten nicht wichtig genug waren, um ihnen echte Tiefe zu verleihen.

Die Welt, in der Douglas Hulick seine Geschichte angesiedelt hat, ist ziemlich alt. Schon seit Jahrhunderten ist ein und derselbe Kaiser an der Macht. In drei verschiedenen Inkarnationen, die sich in der Regierung abwechseln, wird er regelmäßig wiedergeboren. Und er hütet seine Macht eifersüchtig. Außer geringfügiger Alltagsmagie – Glücksbringer, kleine Heilzauber und Segenssprüche – ist jegliche Magie illegal. Einen charismatischen Kerl, dem es gelang, sämtliche Verbrecher vom kleinsten Licht bis zum dicksten Fisch hinter sich zu bringen und sich zum absoluten König der Unterwelt zu machen, hat er zusammen mit fast allen Anhängern und deren Familien gnadenlos ausradieren lassen.

Dabei ist ein unmittelbarer Einfluss des Kaisers auf das tägliche Leben der Menschen kaum zu spüren. Seine Polizisten sind so bestechlich wie alle Ordnungshüter im Umfeld organisierter Kriminalität, und Soldaten treten offenbar nur bei offenen Revolten oder exzessiven Bandenkriegen in Erscheinung. Leute wie Seelsorger, Beamte oder Spione des Kaisers tauchen überhaupt nicht auf. Der Autor hat sich nahezu ausschließlich auf die Ausarbeitung der Unterwelt beschränkt.

Die ist dafür ungemein stimmig und plastisch geraten. Das liegt nicht nur an den gelungenen Charakteren, sondern auch am Jargon, den der Autor eigener Aussage nach teils selbst erstellt, teils der Realität entliehen und sowohl in unveränderter als auch modifizierter Form verwendet hat. Ich persönlich kenne mich mit Gaunerslang überhaupt nicht aus, empfand das Gesamtbild aber wie aus einem Guss, völlig locker und unbemüht, und auch deshalb als besonders angenehm, weil Douglas Hulick es verstanden hat, seine Begriffe so in den Kontext einzubauen, dass der Leser ihre Bedeutung verstehen konnte, ohne in einem Glossar nachschlagen zu müssen.

In dieser Welt aus zwielichtigen Gesellen, rivalisierenden Banden und einer gnadenlos ihren Machtanspruch verteidigenden Regierung ist Drothe auf der Suche nach einem Buch und der Antwort auf die Frage, warum in aller Welt das Teil so wichtig ist, dass jemand dafür tötet! Und obwohl eine ganze Menge unterschiedlicher Parteien völlig verschiedener Meinung sind, was mit dem Buch geschehen sollte, sind sich die meisten zumindest in dem Punkt einig, dass diese ganze Sache Drothe überhaupt nichts angeht!

Kein Wunder also, dass Drothe auf seiner Suche ständig über Leute stolpert, die ihm auf jegliche erdenkliche Weise ans Leder wollen. Das führt zu einer Menge Duellszenen, die den größten Teil der Action in diesem Buch bestreiten. Hier kommt es dem Autor zugute, dass das Fechten zu seinen Hobbys gehört, was sich spürbar in den Kampfbeschreibungen niederschlägt, und das in Formulierungen, die frei von Fachbegriffen und damit auch für Normalsterbliche verständlich sind. Dabei kommen nicht nur Schwerter und Dolche zum Zug, sondern auch magische Waffen, die für interessante Abwechslung sorgen.

_Aus all dem hat_ Douglas Hulick eine temporeiche Schnitzeljagd gestaltet, die den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt und trotz aller Verwicklungen und Geheimnisse niemals über sich selbst stolpert. Ein rundum gelungener Wurf. Ich bin jetzt schon gespannt auf die Fortsetzung.

_Douglas Hulick_ stammt aus den USA und hat nach einem technisch-naturwissenschaftlichen Studium gleich noch ein sprach- und geisteswissenschaftliches drangehängt. Zum Schreiben kam er nach einer wahren Odyssee durch die unterschiedlichsten Berufe. „Unter Dieben“ ist sein erster Roman und der Auftakt zum Mehrteiler |A Tale of the Kin|. Der zweite Band „Sworn in Steel“ soll im Juni dieses Jahres in den USA erscheinen.

|Broschiert 575 Seiten
Originaltitel: A Tale of the Kin 1 – Among Thieves
Deutsch von Norbert Stöbe
ISBN-13: 978-3453528628|
http://www.douglashulick.com

Brian W. Aldiss – Tod im Staub

Ein Hauch von Graham Greene: die Endlösung der Bevölkerungsfrage

Als Kapitän Nolan mit seinem Frachter im 22. Jahrhundert über den Atlantik schippert, fischt sein Maat einen Toten auf, der über die Wellen geht. Damit handelt sich die Besatzung eine Menge Ärger ein. Denn die mit 20 Milliarden Menschen überbevölkerte Welt ist voller Gifte, und die alten Supermächte sind längst auf den Stand von Entwicklungsländer herabgesunken. Währenddessen haben sich die afrikanischen Nationen zu Großmächten aufgeschwungen, die eifersüchtig über ihre Besitzstände wachen. Durch den Toten wird Nolan mitten in diesen Konflikt hineingezogen …

_Der Autor_

Brian W. Aldiss (* 1925) ist nach James Graham Ballard und vor Michael Moorcock der wichtigste und experimentierfreudigste britische SF-Schriftsteller. Während Ballard nicht so thematisch und stilistisch vielseitig ist, hat er auch nicht Aldiss‘ ironischen Humor.

Aldiss wurde bei uns am bekanntesten mit seiner „Helliconia“-Trilogie, die einen Standard in Sachen Weltenbau in der modernen SF setzte. Das elegische Standardthema von Aldiss ist die Fruchtbarkeit des Lebens und die Sterilität des Todes. Für „Hothouse“ („Am Vorabend der Ewigkeit“) bekam Aldiss den HUGO Award. Er hat auch Theaterstücke, Erotik, Lyrik und vieles mehr geschrieben.

_Handlung_

Im 22. Jahrhundert schippert Kapitän Knowle Noland mit seinem vollautomatisierten Frachter „Trieste Star“ gerade auf die südwestafrikanische Skelettküste zu, um dort Sand zu laden, als der Tote auftaucht. Dieser Tote hält sich nicht an die Regeln: Er liegt nicht brav in einem stillen Grab, sondern schwebt über die Wellen des Atlantiks.

Als Nolans erster Maat den Toten an Bord holt, zeigt sich, dass dieser einen Antigrav-Anzug umgeschnallt trägt, die sein Gewicht auf etwa zehn Kilo reduzierte. Dr. Thunderpeck weiß Bescheid: So etwas können sich nur sehr reiche und herzkranke Leute leisten, und der feine Anzug des Toten spricht dafür. Wahrscheinlich machte er eine Erholungskur an der Küste, in einer Luxusferienanlage. Von dort wehte ihn vielleicht der Wind aufs Meer hinaus, wo er verhungerte. Und jetzt haben sie den Salat, denkt Noland.

Genau. Als sei der Tote ein Geist seiner schuldbeladenen Vergangenheit, balgt sich Noland mit ihm – und entdeckt die Briefe. Es sind Liebesbriefe von einer gewissen Justine an einen gewissen „Peter“. Sie muss einen Geheimauftrag im Umkreis des afrikanischen Präsidenten El Mahasset haben und der Adressat, den sie „Peter“ nennt, ein hohes Tier aus Großbritannien sein. Der letzte Brief datiert erst zwei Tage zuvor. Justines Worte verzaubern den seit 19 Monaten pausenlos auf See schippernden Kapitän. So entgeht ihm eine verhängnisvolle Entwicklung an Bord.

Der Autopilot ist ausgefallen. Noch während er mit dem Maat die unheilbringende Leiche – der Maat hat bereits rote Flecken im Gesicht – über Bord wirft, erkennt der Kapitän, dass das Land der klippenstarrenden Küste bereits in unmittelbarer Nähe ist. Jede Kursänderung kommt zu spät, wird ihm klar. Vollgas gebend lacht Noland auf: „Jetzt erst recht, Justine!“ Und rammt seinen 80.000-Tonnen-Kahn mit Karacho in die Felsen der Skelettküste, die ihren Namen vollauf verdient. Unzählige Wracks liegen hier. Und schon ist die „Trieste Star“ eines von ihnen.

|Rückblende|

In seinem Bericht blickt Noland zurück auf die Ereignisse, die ihn hierhergebracht haben. Wegen seines speziellen geistigen Zustands, der ihn unter Stress in Halluzinationen mit Schreikrämpfen verfallen lässt, war er vor zwölf Jahren aufs Land verschickt worden. Dort befinden sich nur scharf bewachte Strafkolonien in der mechanisierten Landwirtschaft. Als er per Zufall auf die vogelfreien „Wanderer“ stieß, verriet er deren Anführer und wurde von seinem Boss, dem Farmer, dafür mit dem Posten auf der „Trieste Star“ belohnt. Seit jenem Tag vor zwölf Jahren fühlt sich Noland an der Ermordung der „Wanderer“ schuldig.

|Odyssee|

Der Atomreaktor der „Trieste Star“ gerät just in dem Moment außer Kontrolle, als eine Militärpatrouille von Neu-Angola an Bord gehen will, um die leckere Prise in Besitz zu nehmen. Die Atomexplosion verschont lediglich das Leben von Noland, doch keinen sonst (ein Irrtum, wie sich herausstellt). Auf der Suche nach Nahrung wendet sich der Schiffbrüchige nach Süden und wird von einer anderen Patrouille gefangen genommen.

In dem Freistaat Walvis Bay geht etwas vor sich: Überall wird gebaut und dekoriert. Hier lernt Noland endlich seine Traumfrau kennen, die Justine aus den Briefen. Er kann nicht anders, als ihr seine Liebe anzubieten. Voll Verachtung schiebt sie diesen ahnungslosen „Plebejer“ beiseite. Aufgrund der Briefe, die man ihm abnimmt, verdächtigt sie Noland natürlich, etwas mit dem Tod jenes Mannes zu tun haben, der mit seinem Antigravgerät auf das Meer hinausgetrieben worden – er war ein Spion. Ergo muss auch Noland ein Spion sein, oder? Vergeblich beteuert er seine Unschuld, was ihn nur umso erbärmlicher wirken lässt.

Seine Häscher wollen ihn zu Justines Verbündetem bringen, der natürlich ebenfalls in den unheilvollen Briefen erwähnt wird: Es ist der Adressat Peter Mercator. Zu seinem Entsetzen stellt sich Mercator als sein früherer Boss heraus. Welche Rolle Justine und Peter an diesem schicksalhaften Vorabend spielen wollen, soll Nolan nur zu bald herausfinden. Denn sie haben ihm eine zentrale Rolle dabei zugedacht …

_Mein Eindruck_

Dieser SF-Klassiker war einer der Ersten, der sich ernsthaft und konsequent mit dem schon Anfang der sechziger Jahre absehbaren Problem der Überbevölkerung auseinandersetzte. Ein halbes Jahrzehnt später beschäftigte sich John Brunner in „Schafe blicken auf“ mit den daraus entstehenden Schwierigkeiten, die die Menschheit zu bewältigen hat. In dieser Thematik sind die britischen Autoren, zu denen auch J. G. Ballard zu zählen ist, den meisten ihrer amerikanischen Kollegen um Jahre voraus.

Aldiss schildert ein 22. Jahrhundert, in dem sich nicht weniger als 24 Milliarden menschliche Wesen in Städten drängen, die inzwischen auf Plattformen über der völlig ausgebeuteten und automatisierten Landwirtschaft gebaut werden. Die Macht der Nationen hat sich inzwischen umgekehrt: Der Westen und Asien schauen neidisch auf die vergleichsweise noch fruchtbaren Ebenen Afrikas. Deshalb spielt jenes Afrika, in dem Noland strandet, eine so entscheidende Rolle.

Und er landet hier am Vorabend eines Tages, der über die Zukunft Afrikas und somit der Erde entscheidet: Der afrikanische Präsident El Mahasset soll in Walvis Bay, einer winzigen Exklave, praktisch einen neuen Staat gründen. Gelingt ihm dies, so wäre dies eine Demonstration für den Frieden in Afrika. Scheitert er, so wird er Krieg mit Algerien und Neu-Angola führen, die nur darauf warten, ihn zu ersetzen.

Fatalerweise steht mit dieser Entscheidung auch das Problem der Überbevölkerung auf der Kippe: Die Maßnahme der Enthaltsamkeit, der sich die Abstinezler-Sekte hingibt, fruchtet nichts. Nun sinnt die Sekte auf eine weitaus radikalere Maßnahme, um die zunehmende Überbevölkerung nicht nur zu stoppen, sondern sogar zu verringern: Krieg ist das patentierte und erprobte Mittel zur Dezimierung von Menschenmassen. Und Krieg wird es geben, sobald El Mahasset in aller Öffentlichkeit ermordet wird.

Dies haben Justine und Peter Mercator im Sinn, als Noland auftaucht. Da Mercator todkrank ist, soll Noland für ihn einspringen. Und was soll er bitteschön davon haben, fragt er hartnäckig. Das ist eben die knifflige Frage, die er in intensiven Dialogen mit Mercator und Justine erörtert. Was gewinnt er, was gewinnt die Welt, wenn er El Mahasset tötet? Die Frage sei doch vielmehr, ob es mindestens einen Gewinner geben wird, erwidert Justine: die Wanderer, die Noland selbst so schnöde verraten hat. Und mit ihnen hätte die Erde eine Überlebenschance. Wird Noland schießen?

_Die Übersetzung_

Die Übersetzung, die der Lichtenberg-Verlag 1970 unter der Leitung von Günther Schelwokat anfertigen ließ, zeichnet sich durch hohes sprachliches Niveau und das Fehlen jeglicher Druckfehler aus. Das erlaubt ein höchst erfreuliches Leseerlebnis. Erst 1973 und erneut 1983 veröffentlichte Heyne diese Übersetzungsfassung.

Lediglich zwei Wörter fielen mir auf. Auf S. 37 ist von einer „Sprue“-Krankheit die Rede. Der Ausdruck war mir nicht geläufig. Das englische Wort bezeichnet eine fiebrige Erkrankung. Auf Seite 53 wird das Wort „Garage“ wieder mal im alten Sinn „Autowerkstatt“ verwendet.

_Unterm Strich_

Die Imitation des offensichtlichen Vorbilds Graham Greene, bekannt für Romane wie „Der stille Amerikaner“ und „Der Honorarkonsul“, rechtfertigt noch nicht, dass dieser Roman einen Status als Klassiker erreicht hat. Nein, es reicht nicht, einen Engländer in eine Agentensituation à la James Bond zu schicken, auch wenn die Action noch so packend ist. Es ist daher die zweite Komponente, die den Ausschlag gibt: die Figur des Knowle Noland selbst.

Er ist nicht nur das hilflose Produkt der Zustände auf einer übervölkerten, ausgepowerten Erde. Vielmehr ist er obendrein ein höchst unzuverlässiger Chronist. Er leidet an einer seltenen Geisteskrankheit, die ihm Visionen und Halluzinationen vorgaukelt, die mal poetisch, mal horrormäßig anmuten. Und einer dieser Trancezustände verzerrt seinen Geisteszustand derart, dass er eine lange „Fugue“ von Visionen erlebt. Wir können zwar annehmen, er sei zu Tode gestürzt, und er selbst nimmt das ebenfalls an, doch ist das objektiv nicht der Fall – der Leser wird genarrt.

In dieser Fugue findet ein fundamentaler Wandel in Nolands gequälter Seele statt. Die Begegnung mit dem Tod, mit Toten, mit weisen Männern voll ironischer Sprüche – all dies ermöglicht erst, dass Noland verändert zu Mercator und Justine zurückkehren kann – um mit ihnen zu kollaborieren. So eine seelische Transformation sucht man in konventionellen SF-Abenteuern vergeblich. Dieser Inner Space hebt das Buch, ebenso wie die Problematik, weit über den Durchschnitt hinaus.

Entgegen meiner Erwartung – ich war abgestoßen vom scheußlichen Titelbild – erlebte ich also einen spannenden Roman, der politisch relevant ist, eine kritische Vision der Zukunft aufweist und zudem so gut erzählt ist, dass einem die Figur des Knowle Noland unweigerlich in Erinnerung bleibt. Hinzukommt die hohe Qualität der Übersetzung. Sammler greifen am besten zur weißen Ausgabe aus der Heyne SF Bibliothek, die 1983 erschien.

Taschenbuch: 144 Seiten
Originaltitel: Earthworks (1965)
Aus dem Englischen von Evelyn Linke
ISBN-13: 978-3453309050
www.heyne.de

Troisi, Licia – Im Bann der Wächter (Die Feuerkämpferin 1)

_|Die Feuerkämpferin|:_

Band 1: _“Im Bann der Wächter“_
Band 2: „Tochter des Bluts“

_Story:_

Es scheint, als habe die Aufgetauchte Welt endlich ihren Frieden gefunden; Learco hat die Schreckensherrschaft seines Vaters beendet und steht als König der ganzen Länder ebenso hoch im Kurs seiner Bevölkerung wie als Friedensbotschafter in der Geschichte seiner Welt. Gemeinsam mit seiner Frau Dubhe regiert er am Hofe Makrats, blickt stolz auf die Entwicklung seiner Drachenritter zurück und hat über eine weitere Generation eine neue Familie gegründet. Doch nach einem halben Jahrhundert, in dem der Frieden gefestigt und die Länder wieder zusammengewachsen sind, scheint sich eine neue Bedrohung einzunisten. Eine rätselhafte Seuche, die das Volk mit schwarzen Flecken versieht und sich alsbald als Todesurteil entpuppt, befällt immer mehr Städte der Aufgetauchten Welt. Und weder der König noch sein treuherziges Gefolge haben auch nur den Funken einer Ahnung, was genau hinter diesem sich schnell verbreitenden Virus steckt.

Zur gleichen Zeit entdeckt der angehende Drachenritter Amhal auf einer verlassenen Wiese eine junge Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, scheinbar jedoch besondere Fähigkeiten in sich trägt. Amhal nimmt sich ihrer an und bringt sie selbstlos nach Makrat, wo sie am Hofe des Königs eine Stellung als Kindermädchen für Learcos Enkeltochter Amina erhält. Der junge Ritter tauft sie auf den Namen Adhara und entwickelt sehr schnell Gefühle für die eigenartige Schönheit – und diese Gefühle werden von Adhara noch intensiver erwidert. Erst als der verlorene Sohn San, Sennars Enkel, wieder zurückkehrt, scheint sich die Situation zu ändern. Amhal ist fasziniert von dem magischen Kämpfer, der ihm zuvor bereits in seinen Träumen begegnet war, und verliert die junge Liebe mit einem Mal wieder aus ihren Augen. Stattdessen verfällt er der Versuchung, seiner ständigen Blutlust nachzugeben, was San schamlos ausnutzt, um Amhal weitere verbotene Zauber beizubringen. Als sich die Seuche immer weiter über das Land legt und durch eine Intrige das gesamte königliche Gefolge in Mitleidenschaft gezogen wird, entfernen sich San und Amhal in ein externes Lager. Und während Amhal immer noch glaubt, sein legendärer neuer Lehrmeister ist die einzige Person, die die Aufgetauchte Welt noch vor ihrem Untergang bewahren kann, schmiedet dieser bereits Pläne, die seinem namhaften Erbe nicht mehr gerecht werden. Dies wird auch Adhara bewusst, die Amhal nachreist und endlich herausfinden möchte, welche Ereignisse ihre Vergangenheit ausgemacht haben …

_Persönlicher Eindruck:_

Eigentlich war es nur eine Frage der Zei, bis Licia Troisi ihre Geschichte um die Aufgetauchte Welt fortführen würde. Zu viel Liebe hat sie in die Deals zu ihrer Fantasy-Schöpfung investiert, zu ausgefallen waren die Charaktere, die die italienische Autorin vor allem in ihrer zweiten Trilogie Drachenkämpferin geschaffen hat. Insofern war der Start eines weiteren Dreiteilers nicht nur logisch, sondern dringend erwünscht, nicht zuletzt, weil der letzte Band der vorangegangenen Serie relativ abrupt endete, jedoch noch eine Menge Potenzial bewahrte, Dubhe, Learco, San und Co. weiterleben zu lassen – und die ist nun mit „Die Feuerkämpferin“ respektive dem ersten Kapitel „Im Bann der Wächter“ geschehen.

Allerdings ist die neue Story zu Beginn noch nicht ganz so atemberaubend und unberechenbar, wie es Troisis Bücher in der Vergangenheit waren. Recht viele Parallelen zur mysteriösen Dubhe aus „Die Drachenkämpferin“ erlebt man beispielsweise in der Charakterzeichnung der neuen Protagonistin Adhara, die zwar richtig stark in die Story eingefügt wird, in ihrem weiteren Handeln jedoch mehrfach sehr naiv agiert, was den Plot nicht bloß einmal weniger glaubwürdig gestaltet, als man das von der jungen Italienierin gewohnt ist. Abeer auch der unstete Partner, der ihr in „Im Bann der Wächter“ zur Seite gestellt wird, scheint zu leicht beeinflussbar, hat nicht diese Leidenschaft und Ausdrucksstärke wie die Helden aus Troisis früheren Werken. Amhal beispielsweise auf eine Stufe mit Lonerin oder Ido zu stellen, wäre absolut vermessen – hier zeigt die Autorin jedenfalls einige klare Schwächen bei der Erstellung neuer, glaubhaft agierender Persönlichkeiten.

Der Aufbau der Erzählung indes ist gewohnt souverän, auch wenn man hier und dort das Gefühl bekommt, Troisi müsste sich zu einigen Wendungen zwingen, um das spannungsvolle Gerüst auch aufrechtzuerhalten. Dabei spielt man ihr eigentlich die Bälle zu, sei es nun bei der Erwähnung des finsteren Ordens, beim Mysterium um Adhara oder eben bei der Dokumentation von Sans eigenartigem Lebenswandel. Aber auch die bekannten Figuren, die ihr Wesen im Laufe der Zeit selbstredend angepasst und verändert haben, geben einiges her, was Troisi jedoch nicht allzu konsequent nutzt, um der Geschichte noch ein paar weitere pikante Eckdaten zu verpassen. Man könnte daher sagen, dass hier auf Nummer sicher gegangen wird, nicht zu viel Risiko existent ist, um das Niveau zu halten. Letzteres geschieht zwar alleine schon wegen des tadellosen Schreibstils völlig automatisch, doch „Die Feuerkämpferin“ bringt auch ohne den bekannten Vorbau schon genügend Potenzial mit, um öfter mal ein Wagnis einzugehen und die Story nicht mit Geplänkel wie der ziemlich naiven Liebelei zwischen Amhal und Adhara oder der offenkundigen moralischen Blindheit mancher Akteure zu vergeuden. Erstmals gibt es einige Längen, vor allem auf den letzten 100 Seiten, die auf ein anständiges Finish abzielen, dieses aber nicht gebührend inszenieren, als dass die Wirkung entsprechend mitreißend ist. Die Autorin verliert zwischenzeitlich den eigentlichen Fokus aus dem Auge und damit auch den Kernpunkt dessen, was „Im Bann des Wächters“ im rasanten Start ausmacht, später aber nicht mehr gleichermaßen leidenschaftlich auslebt.

Nichtsdestotrotz ist einmal mehr die Saat für eine sehr gute Fantasy-Story ausgelegt, und das trotz der Kritik auch auf Ebene der Charaktere. Denn was man auch nicht übersehen darf: Troisi bringt renommierte Opfer, um den Plot anzukurbeln und bewahrt sich somit dennoch einen Teil der Unberechenbarkeit der letzten beiden Dreiteiler. Fans dieser Serien werden daher auch nicht an „Die Feuerkämpferin“ vorbeikommen – so viel ist jetzt schon klar! Doch man darf dem Beginn dieser Trilogie eben auch nicht ganz unkritisch gegenüberstehen. Schließlich hat die Südeuropäerin durch ihren berechtigten Erfolg auch Erwartungen geschürt, die hier zwar größtenteils, aber eben nicht in Gänze befriedigt werden. Allerdings hat sie ja noch zwei weitere Romane, um verlorenen Boden wieder gutzumachen …

|Gebunden: 512 Seiten
Originaltitel: Leggende del Mondo Emerso 1 – Il destino di Adhara
ISBN-13: 978-3453266179|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Licia Troisi bei |Buchwurm.info|:_
[„Im Land des Windes“ (Drachenkämpferin 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2488
[„Der Auftrag des Magiers“ (Drachenkämpferin 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4130
[„Der Talisman der Macht“ (Drachenkämpferin 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4507
|Die Schattenkämpferin|:
Band 1: [„Das Erbe der Drachen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6633
Band 2: [„Das Siegel des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7342
Band 3: [„Der Fluch der Assassinen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7648

James Graham Ballard – Der Sturm aus dem Nichts

Die Welt, zu Staub zermahlen

Nach einer Sonneneruption erhebt sich ein weltumspannender Riesensturm, dessen Stärke pro Tag um etwa 8 km/h zunimmt. Ein Arzt und ein U-Boot-Kommandant sowie zwei Reporter, versuchen dem nachfolgenden Inferno zu entrinnen. Sie stoßen auf den geheimnisvollen Multimillionär Hardoon, der nicht nur eine Privatarmee aufgestellt, sondern auch eine riesige Pyramide gebaut hat. Doch zu welchem Zweck? Ist es eine Arche oder eine Narretei? Das versuchen die Überlebenden herauszufinden.

_Der Autor_

James Graham Ballard wurde 1930 als Sohn eines englischen Geschäftsmannes in Schanghai geboren. Während des Zweites Weltkrieges, nach der japanischen Invasion 1941, war seine Familie drei Jahre in japanischen Lagern interniert, ehe sie 1946 nach England zurückkehren konnte. Diese Erlebnisse hat Ballard in seinem von Spielberg verfilmten Roman „Das Reich der Sonne“ verarbeitet, einem höchst lesenswerten und lesbaren Buch.

In England ging Ballard zur Schule und begann in Cambridge Medizin zu studieren, was er aber nach zwei Jahren aufgab, um sich dem Schreiben zu widmen. Bevor er dies hauptberuflich tat, war er Pilot bei der Royal Air Force, Skriptschreiber für eine wissenschaftliche Filmgesellschaft und Copywriter (was auch immer das sein mag) an der Londoner Oper Covent Garden.

Erst als er Science-Fiction schrieb, konne er seine Storys verkaufen. Ab 1956 wurde er zu einem der wichtigsten Beiträger für das Science-Fiction-Magazin „New Worlds“. Unter der Herausgeberschaft von Autor Michael Moorcock wurde es zum Sprachrohr für die Avantgarde der „New Wave“, die nicht nur in GB, sondern auch in USA Anhänger fand.

Ballard und die New Wave propagierten im Gegensatz zu den traditionellen amerikanischen Science-Fiction-Autoren wie Heinlein oder Asimov, dass sich die Science-Fiction der modernen Stilmittel bedienen sollte, die die Hochliteratur des 20. Jahrhunderts inzwischen entwickelt hatte – zu Recht, sollte man meinen. Warum sollte ausgerechnet diejenige Literatur, die sich mit der Zukunft beschäftigt, den neuesten literarischen Entwicklungen verweigern?

Doch was Ballard ablieferte und was Moorcock dann drucken ließ, rief die Politiker auf den Plan. Seine Story „The Assassination of John Fitzgerald Kennedy Considered as a Downhill Motor Race“ (1966) rief den amerikanischen Botschafter in England auf den Plan. Ein weiterer Skandal bahnte sich an, als er Herausgeber von „Ambit“ wurde und seine Autoren aufrief, Texte einzureichen, die unter dem Einfluss halluzinogener Drogen verfasst worden waren. Seine härtesten Texte, sogenannte „condensed novels“, sind in dem Band „The Atrocity Exhibition“ (1970, dt. als „Die Schreckensgalerie“ und „Liebe und Napalm – Export USA“) zusammengefasst, dessen diverse Ausgaben in den seltensten Fällen sämtliche Storys enthalten …

Seither hat Ballard über 150 Kurzgeschichten und etwa zwei Dutzend Romane geschrieben. Die ersten Romane waren Katastrophen gewidmet, aber derartig bizarr und andersartig, dass sie mit TV-Klischees nicht zu erfassen sind. Bestes Beispiel dafür ist „Kristallwelt“ von 1966, das ich hier aber nicht darlegen möchte, sondern ich verweise auf meine entsprechende Rezension. Äußere Katastrophen (wie die Kristallisierung des Dschungels) wirken sich auf die Psyche von Ballards jeweiligem Helden aus und verändern sie. Dabei stehen die vier Romane „The Wind from Nowhere (1962), „The Drowned World“ (1962), „The Drought“ (Die Dürre, 1964) und schließlich „The Crystal World“ sinnbildlich für Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, ausgedrückt durch die Metaphern Luft, Wasser, Feuer und Erde/Diamant (Kristall). Ballard starb 2009.

_Handlung_

Der Arzt Donald Maitland will gerade von London Heathrow nach Vancouver fliegen, um einer gescheiterten Ehe zu entfliehen, als das Startverbot erteilt wird: Die Scherwinde sind viel zu stark, als dass ein Flieger gefahrlos abheben könnte. Also steigt er wieder ins Taxi und schafft es durch die vielen Staus zu seiner Wohnung. Er hat aber bereits seine Schlüssel an Susan abgeschickt und muss bei sich selber einbrechen. Dabei wird er von Susan und ihrem derzeitigen Lover Sylvester überrascht und niedergeschlagen. Willkommen daheim!

Eigentlich sollte die reiche Alkoholikerin Susan ja in ihrem luxuriösen Haus an der Küste der Lust frönen, doch sie klagt, der aufgekommene Wind habe alle Scheiben bersten lassen, das gestiegene Wasser habe sie sogar vom Festland abgeschnitten. Wie grässlich! Da platzen auch in Maitlands Wohnung die Scheiben, und ein kristalliner brauner Staub bläst herein. Maitland hält hier nichts mehr, schon gar nicht Susan.

Bei seinem Kollegen Andrew Symington, einem Luftfahrtingenieur mit guten Verbindungen, gibt es auch keine guten Neuigkeiten. Luxusdampfer verkehren inzwischen ebenso wenig wie Flugzeuge; man kommt nicht mehr runter von der Insel Britannien. Der Sturm trägt Lössboden aus Tibet und Nordchina nach Europa: 50 Mio. Tonnen davon. Symington erfährt, dass die britische Regierung erste „Vorsichtsmaßnahmen“ plane: Evakuierungen in Bunker und U-Bahn-Schächte. Das Radio berichtet von enormen Verwüstungen in Asien.

|Genua / Nizza |

Der amerikanische U-Boot-Kommandant Lanyon bekommt den Auftrag, von seinem Stützpunkt in genau 240 Kilometer nach Nizza zu fahren und dort einen General aus einem Lazarett abzuholen, der bei einem Flugabsturz schwer verletzt worden sei. Die Fahrt wird bei Windgeschwindigkeit von rund 185 km/h zu einem Himmelfahrtskommando. Nur weil der Wagen schwer gepanzert und geländegängig ist sowie Allradantrieb hat, kommt Lanyons Fahrer überhaupt durch.

Der General ist mittlerweile tot und wird in einem Sarg in den Panzerwagen geladen. Auf der Rückfahrt nimmt Lanyon vier Amerikaner mit, doch sie schaffen es nur bis kurz vor Genua. Der Wagen kippt um, und wer aussteigt, wird vom Sturm weggerissen. Lanyon kann sich mit einer Radioreporterin namens Patricia Olsen in einen Keller retten. Doch wie sollen sie überleben, wenn draußen die Windstärke weiter zunimmt?

|London: die Operationszentrale, die Tunnel |

Über Symingtons Verbindungen ist es Maitland gelungen, bei der Navy als Arzt unterzukommen. Auf diese Weise kann er der Operationszentrale ebenso wie den Menschen helfen. Als er jedoch einem verunglückten kommandierenden Offizier und dessen Sekretärin hilft, entdeckt er in dessen Haus Gasmasken und Minenwerfer, außerdem genug Leute für eine Privatarmee. „Haldoon“ steht auf den Kisten. Die Geräte sind von einem Multimillionär hergestellt worden, der auf dem Lande sein eigenes Bunkersystem angelegt hat, soweit sich Maitland erinnert. Er fragt sich, was dort vor sich gehen könnte.

Die Windgeschwindigkeit ist auf 180 Meilen pro Stunden angewachsen, das sind rund 290 km/h. Sie nimmt pro Tag um 5 Meilen / Stunde zu. Nun standen auch selbst relativ moderne Gebäude dem Winddruck und -sog nicht mehr stand. Die Diensttruppen bewegen sich nur noch in gepanzerten Fahrzeugen durch die dunklen Straßen Londons, und die Zivilisten bewegen sich zwischen Zementsackbarrikaden wie Ratten in dunklen Tunneln, wenn sie zwischen Keller und U-Bahnstation wechseln wollen.

Als er erfährt, dass Susan sich immer noch in seiner Wohnung befindet, eilt er zu ihr. Warum weigert sich die Millionärin, sich in Sicherheit zu bringen? Ist sie denn irre? Sie argumentiert, dass sie nichts mehr mit Männern zu tun haben wolle, die über sie bestimmen. Als er sie packen will, um sie in die Tunnel zu bringen, reißt sie sich los – und wird vom gierigen Sturm hinaus ins Nichts gerissen. Maitland kann gerade noch dem einstürzenden Haus entgehen, als er sich vor verrammelten Tunnelzugängen wiederfindet. Gefangen …

|Unterdessen|

Die Pyramide ist fertiggestellt. Ihr Erbauer blickt zufrieden aus sicherem Versteck auf sein Werk, wo nun weitere Zugangstunnel angebaut werden. Er nennt die Pyramide „Die Tore des Sturmwinds“. Doch zu welchem geheimnisvollen Zweck hat er sie erbaut? Donald Maitland und Captain Lanyon sollen es schon bald herausfinden …

_Mein Eindruck_

Der Autor hat den Roman mit einer Geschwindigkeit von 6000 Wörtern pro Tag an nur zehn Tagen rausgehauen, um das hübsche Sümmchen von 300 Pfund Sterling zu verdienen – anno 1961 noch ein Jahresgehalt wert. (Siehe dazu das Ballard-Interview mit Pringle & Goddard von 1975.) Dementsprechend anspruchslos wirkt die Story auch. Sie unterscheidet sich in beinahe nichts von all jenen britischen Katastrophenromanen, die spätestens seit H.G. Wells‘ „Krieg der Welten“ und John Wyndhams „Die Triffids“ so in Mode gekommen waren.

Immerhin sorgt dieses in fast jeder Hinsicht konventionelle Werk für beste Unterhaltung. Actionszenen und Romantik halten sich die Waage, alles unter dem Alpdruck der bangen Frage: Wird es einen Fortbestand der Menschheit geben? Das Finale steigert das Geschehen noch einmal ins Gigantomanische: Dann wird die Frage beantwortet, ob Hardoons Pyramide der Urgewalt des titelgebenden Sturms standhalten kann oder nicht. Das soll hier aber nicht verraten werden.

Entgegen den Behauptungen anderer Rezensenten gibt der Autor durchaus eine Begründung für diesen immensen Sturm an. Die stetig steigende Windstärke soll die Folge eines ungewöhnlich starken Sonnensturms sein. Das ist zwar ziemlich hanebüchen, entsprach aber damals, anno 1961, wohl dem Stand der Wissenschaft. Immerhin hatte die Astronomie sich gerade dazu durchgerungen, die tropischen Sümpfe auf der Venus, die noch Heinlein & Co. als Abenteuerspielplatz gedient hatten, ins Reich der Phantasie zu verweisen.

Ballards Debütroman (einen anderen Erstling soll er zuvor entsorgt haben) ist ein klassisches Experiment: Was passiert, wenn eine unendlich starke Kraft auf ein Objekt trifft, dessen Widerstand möglicherweise unendlich groß ist? Die Kraft des Sturms nimmt ständig zu, und wir laufend mit Informationen versorgt, welche Bauwerke bei welcher Stärke dem Druck nachgeben. Traurig aber wahr: Auch die Krönung der Architektur in Gestalt von britischen Gebäuden der Londoner City (dito in New York City) geben nach, und selbst Bunker für U-Boote sehen sich dem Einsturz gegenüber.

Muss dann nicht die Errichtung einer großen Pyramide wie pure Narretei wirken? So flach die Figur des Multimillonärs Hardoon auch gezeichnet sein mag, so erfüllt sie doch eine Schlüsselfunktion: Sie beantwortet die Frage, ob irgendetwas von Menschenhand Errichtetes Bestand haben kann – und zwar im Schnellvorlauf. Hardoon agiert aus Trotz und fordert die Götter heraus, wenn es sie noch gäbe. Sein Schicksal liefert eine Antwort auf obige Frage (und soll hier nicht preisgegeben werden). Gleich darauf legt sich der Wind. Q.E.D.

Der absurde Wind ohne Ursache ist ebenso purer Ballard wie die Halluzinationen, unter denen Maitland leidet. Ballard wollte bekanntlich Psychiater werden und kannte sich mit abweichenden Geisteszuständen aus, ebenso mit dem grafischen Surrealismus. Allerdings hält er sich mit symbolischen Umschreibungen in diesem Debüt äußerst zurück, so dass der Roman auch als Drehbuch für einen realistischen Katastrophenthriller dienen könnte.

_Unterm Strich_

Dass der Roman völlig konventionellen Vorgaben gehorcht und voller Klischees der Katastrophenliteratur steckt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir es doch mit einem Ballard zu tun haben: Eine einzige Kraft transformiert die gesamte Erde, genau wie in „The Drowned World“, „The Drought“ und „The Crystal World“. Stets hat der Mensch eine Möglichkeit, sich der Landschaft anzupassen, sei es in den Tropen, im Sandmeer oder im Dschungel der Kristallwelt.

Die vorliegende Umwandlung lässt den Menschen jedoch nicht die geringste Chance, sich der entstehenden Landschaft anpassen – denn aus all den Bauwerken des Menschen und allen Formen des natürlichen Lebens entsteht nur eines: Staub. Mit anderen Worten: Die Erde wird so unbewohnbar wie der Mars, aus einem relativen Eden wird eine unbarmherzige Hölle. Nur im allerletzten Augenblick gewährt die Natur den todgeweihten Überlebenden – seien es vier oder 400 – einen Gnadenaufschub. Bis zum nächsten Mal?

Die Figur Hardoons ist sowohl konventionell als auch dramatisch wichtig. Der Millionär fordert die Urkraft des Elementes Luft heraus. Er ist jedoch weder der Magier Prospero noch Kapitän Ahab, sondern ein Trotzkopf, der der unintelligenten Natur etwas selbst Errichtetes entgegenstellt. Wird er damit bestehen oder untergehen? Das sollte man selbst lesen.

|Die Übersetzung |

Bei der Übersetzung durch Gisela Stege kommt keinerlei Freude auf. Allzu sachlich und umständlich formuliert sie die Sätze, die das Original vorgibt, nach. Was aber im Englischen als guter Stil gegolten haben mag (anno 1962), das muss nicht unbedingt für das Deutsche gelten. Ich warte also immer noch auf eine mustergültige Übersetzung.

Taschenbuch: 155 Seiten
Originaltitel: The Wind from Nowhere (1962)
Aus dem Englischen von Gisela Stege
SBN-13: 978-3453305014
www.heyne.de

Rothfuss, Patrick – Furcht des Weisen, Die (Teil 2, Die Königsmörder-Chronik: Zweiter Tag)

_|Die Königsmörder-Chronik|:_

Erster Tag: [„Der Name des Windes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5367
Zweiter Tag: [„Die Furcht des Weisen“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7443
Zweiter Tag: _“Die Furcht des Weisen“_ (Teil 2)
Dritter Tag: „The Doors of Stone“ (angekündigt, noch ohne dt. Titel)

_Nach dem dramatischen_ Geschehen am Ende des Vorgängerbandes macht die Truppe um Kvothe sich auf den Rückweg nach Severe. Sie haben jedoch nicht einmal das Wirtshaus zum güldenen Penny erreicht, als ihnen eine Ablenkung begegnet, der Kvothe nicht widerstehen kann …

_Das klingt jetzt so,_ als fülle diese Ablenkung den Rest des gesamten Buches. Dem ist aber nicht so. Tatsächlich bildet dieses Abenteuer – rein von der Seitenzahl her – nur eine eher kurze Episode. Der Löwenanteil der Geschichte spielt bei den Adem, wo Kvothe das Kämpfen lernt. Mit diesem einen Satz könnte man fast die gesamte Handlung zusammenfassen, falls man lediglich Wert auf Äußerlichkeiten legt.

Natürlich ist es nicht so einfach. Kvothe lernt nicht nur zu kämpfen, er lernt auch eine Sprache. Vor allem aber lernt er eine Kultur kennen, die sich deutlich von seiner eigenen unterscheidet. Das ist es, was eigentlich die übrigen Seiten füllt, und die Geschichte über die schnöden Bewegungsabläufe eines Zweikampfs hinaus interessant hält. Wie schon bei den Ereignissen an der Universität gelingt es dem Autor auch hier, seine Erzählung interessant zu halten, obwohl sie nicht viel Bewegung bietet.

Eine neue Umgebung bedeutet zwangsläufig auch neue Figuren. Nennenswert sind hier vor allem Shehyn, die Leiterin der Kampfschule, und Vashet, Kvothes Lehrerin. Beide sind lebendig und glaubwürdig dargestellt, allerdings nicht mit allzu viel Tiefe. Ich schätze, nachdem Kvothe am Ende des Buches wieder an die Universität zurückgekehrt ist, werden diese Charaktere – ebenso wie Kvothes Begleiter auf der Suche nach den Banditen – wahrscheinlich nicht mehr auftauchen.

Die Suche nach den Chandrian hat in diesem Band erneut kaum Fortschritte gemacht. Durch eine Geschichte aus den Überlieferungen der Adem weiß der Leser nun etwas genauer, wer die Chandrian sind. Und es wurde eine Vermutung bestätigt, die dem aufmerksamen Leser wohl schon an Ende des Vorgängerbandes kam. Alles Übrige entwickelt sich jedoch so subtil, dass ich mir nie so ganz sicher bin, ob ich da nicht vielleicht zu viel reininterpretiere. Trotzdem frage ich mich schon seit längerer Zeit, ob es möglich ist, dass Dennas Schirmherr ein Chandrian ist! Und seit Neuestem, ob es wohl Zufall ist, dass Kvothes Yllisch-Lehrer plötzlich krank wird, nachdem Denna von Kvothes Yllisch-Unterricht erfahren hat.

Abgesehen von den Chandrian finde ich den Cthaeh erwähnenswert, ein boshafter Baum, der die gesamte Zukunft kennt, und sein Wissen nutzt, um diejenigen, die ihm eine Frage stellen, in seinem Sinne zu beeinflussen, weshalb die Sidhe versuchen, jegliches Geschöpf von ihm fernzuhalten. Dieser Aspekt sorgte nicht nur für Streit zwischen Bast, Kvothe und dem Chronisten, sondern auch für einen kurzen Blick auf die philosophische Seite der Problematik.

_Unterm Strich_ bleibt zu sagen, dass der zweite Teil der |Königsmörder-Chronik| genauso fesselnd und interessant erzählt ist wie die Erste. Der Ausflug in einen anderen Landesteil hat der Geschichte sehr gut getan, und wahrscheinlich hat Kvothe in dieser Zeit mehr gelernt als in seinem Jahr an der Universität. Einziger Minuspunkt ist die Aufteilung in zwei Bände. Obwohl ich die Beweggründe des Verlages in diesem Fall durchaus nachvollziehen kann, hat es sich doch als sehr störend erwiesen, und ich würde jedem empfehlen, beide Bände unmittelbar hintereinander zu lesen. Sollte der dritte Teil der Trilogie ebenfalls aufgeteilt werden, bringe ich hoffentlich die Geduld auf, das Erscheinen der zweiten Hälfte abzuwarten.

Patrick Rothfuss stammt aus Wisconsin. Lange Zeit unsicher, was er mit seinem Leben anfangen sollte, studierte er zahllose Fächer, bis die Universität ihn zwang, endlich irgendwo einen Abschluss zu machen. Inzwischen ist er an derselben Universität als Lehrkraft tätig, und die langen Winter in Wisconsin, die er früher mit Lesen verbrachte, verbringt er nun mit Schreiben. Ein Erscheinungstermin für den letzten Band der Trilogie steht bisher noch nicht fest.

|519 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarte & Lesebändchen
Originaltitel: The Wise Man’s Fear. Kingkiller Chronicle Vol.2
Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer und Wolfram Ströle
ISBN-13: 978-3608939262|
[www.patrickrothfuss.com]http://www.patrickrothfuss.com
[www.klett-cotta.de]http://www.klett-cotta.de/home
[www.hobbitpresse.de/PatrickRothfuss]http://www.hobbitpresse.de/PatrickRothfuss__autor1429.php

T. H. White – Der König auf Camelot (Band 1-4)

Der König auf Camelot:

Buch 1: „Das Schwert im Stein“ (1938)
Buch 2: „Die Herrin von Luft und Dunkelheit“ (1939)
Buch 3: „Der missratene Ritter“ (1940)
Buch 4: „Die Kerze im Wind“ (1958)
Buch 5: „Das Buch Merlin“ (1977)

Die beste Version der Artus-Legende

Auch dies ist eine Verarbeitung der Artus-Legende, die eigentlich eine französische Erfindung war – und eigentlich die beste, einfallsreichste und vergnüglichste überhaupt. T. H. White hat sein Epos über 20 Jahre hinweg von 1938 bis 1958 geschrieben, also länger, als Tolkien für den „Herrn der Ringe“ benötigte.

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Larke, Glenda – Magierin, Die (Die Inseln des Ruhms 3)

Die Inseln des Ruhms:

Band 1: „Die Wissende“
Band 2: „Der Heiler“
Band 3: „Die Magierin“

Glut und ihren Gefährten ist es auf Xolchaspack endlich gelungen, den Dunkelmagier Morthred zu vernichten. Flamme jedoch hat sich noch vor Morthreds Tod aus dem Staub gemacht und ist nach Breth gesegelt, um dort Morthreds ursprünglichen Plan auf eigene Rechnung durchzuführen. Ruath ist ihr gefolgt, aber außerstande, etwas zu ihrer Rettung zu unternehmen.

Während Flamme immer mehr unter den Einfluss der Dunkelmagie gerät, hat die Gruppe um Glut sich getrennt. Thor und Kelwyn machen sich auf den Weg nach Tenkor, um dort nach einem Heilmittel gegen die Dunkelmagie zu forschen. Glut und Dek versuchen derweil, Flamme wiederzufinden, um sie ebenfalls nach Tenkor zu bringen.

Noch einmal wurde die Riege der Figuren um zwei weitere ergänzt. Elarn ist ein Gezeitenreiter, eine Art Surfer, der als Bote zwischen der Hauptstadt der Wahrer-Inseln und der Hafenstadt Tenkor unterwegs ist. Außerdem ist er ein leichtfertiger, egozentrischer, junger Kerl, der sein Hirn zwischen den Beinen herumträgt und erst noch erwachsen werden muss.

Und dann ist da noch Jesenda, Dasriks Tochter. Sie ist nicht nur eine Silbin, sondern auch intelligent, schön und stolz. Außerdem besitzt sie einen ausgeprägten Hang zum Risiko. Und sie ist so nachtragend, dass man es schon als rachsüchtig bezeichnen muß.

Beide sind ausgesprochen gut und lebendig gezeichnet. Dasselbe gilt für Ruarth, der in diesem Band erstmals als Erzähler auftritt, und dessen Persönlichkeit dadurch erheblich an Tiefe gewonnen hat. Nicht nur wegen seiner Verzweiflung angesichts der Umwandlung Flammes, auch die Auswirkungen von Morthreds Tod, mit denen er zu kämpfen hat, wurden dadurch noch deutlicher. Überhaupt gehört die eindringliche Schilderung dessen, was den Dunstigen-Vögeln widerfahren ist, zu den gelungensten Aspekten des gesamten Zyklus.

Die Handlung wurde durch die zusätzlichen Erzähler ebenfalls um einen weiteren Strang erweitert. Das wirkt sich zunächst nicht allzu stark aus, da das Hauptaugenmerk dabei auf Ruarth und Elarn liegt. Erst zu Beginn des Showdowns wird auch wieder aus der Sicht von Glut und Kelwyn erzählt.

Der Spannungsbogen hat dadurch nicht gelitten. Tatsächlich hatte beim Lesen dieses dritten Bandes weder Durchhänger, noch fühlte ich mich durch Wiederholungen genervt. Zwar entwickelt dauert es ein wenig, bis Elarn und Jesenda eingeführt und aufgebaut sind, die Entwicklung in Breth sorgte jedoch dafür, daß die Handlung insgesamt auch während dieser Phase interessant blieb, zumal es der Autorin gelungen ist, beide Stränge allmählich aufeinander zuzuführen und so eine Situation zu schaffen, in der Glut und ihre Helfer gleich von zwei Seiten in die Zange genommen wurden. Zwar weiß der Leser, dass Glut überleben wird, wie hätte sie Shor iso Fabold aus Kell sonst die ganze Geschichte erzählen können. Flamme dagegen hat während des gesamten Zyklus nicht ein einziges Wort selbst erzählt …

Einige nette Details sorgten für zusätzlichen Pepp, darunter ein erneuter Auftritt des kauzigen Garwin Gilfeder, dessen medizinischer Blickwinkel auf das Phänomen der Magie eine angenehme Abwechslung bedeutete, sowie die Tagebucheinträge einer jungen Kellin, welche bisher nur in Shor iso Fabolds Briefen aufgetaucht ist, und die ebenfalls eine völlig andere Sichtweise beinhalten als die des Ethnologen.

Bleibt zu sagen, dass der dritte Band endlich gehalten hat, was seine Vorgänger versprochen haben. Er war interessant, abwechslungsreich und spannend und hat keine Fragen offen gelassen, sodass der Leser am Ende des Zyklus das Buch zufrieden zuklappen kann. Insgesamt betrachtet war der Zyklus vielleicht nicht einer der mitreißendsten, hat sich gegen Ende aber spürbar gesteigert, und die glaubwürdigen und lebendigen Charaktere sowie der gelungene Entwurf der Magie trösteten über die vorhandenen Schwächen hinweg.

Glenda Larke stammt aus Australien und wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Zunächst kam jedoch eine Heirat und ein Lehrerberuf dazwischen. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien kehrte die Lust am Schreiben zurück, seither hat die Autorin den Einzelroman „Havenstar“ sowie die Trilogien The Mirage Makers und The Isles of Glory geschrieben. „Die Wissende“ ist der erste Band der Trilogie Die Inseln des Ruhmes und das erste ihrer Bücher, das ins Deutsche übersetzt wurde. Der letzte Band ihres jüngsten Zyklus Watergivers kam letztes Jahr in die Buchläden. Die nächste Trilogie mit dem Arbeitstitel |Sorcery and Spice| ist bereits in Arbeit.

Taschenbuch: 574 Seiten
Originaltitel: The Isles of Glory 3 – The Tainted
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3-442-26762-0

www.glendalarke.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)

Habel, Lia – Dark Love

_Die Zombie-Trilogie:_

Band 1: _“Dark Love“_
Band 2: „Dearly, Beloved“ (25.09.2012, noch ohne dt. Titel)
Band 3: – geplant –

_Das Jahr 2195:_ Im Schatten einer neuen Eiszeit ist die Gesellschaft zerfallen, und die Menschen kämpfen gegen lebende Tote. Als die 17-jährige Nora entführt wird, verliebt sie sich ausgerechnet in deren Anführer. Sie erfährt, dass sie das Schicksal aller wenden kann. Doch sie muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht …

Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher – das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tages entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt – und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut. Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe. Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht? (Verlagsinfo)

_Kritik_

Mit „Dark Love“ hat die Autorin Lia Habel einen aufsehenerregenden dystopischen Roman verfasst, der außerdem Elemente der Genres Steampunk und Horror beinhaltet. Diese Mischung ist Lia Habel unglaublich gut gelungen.

„Dark Love“ übt einen ganz besonderen Reiz aus. Nicht nur die Elemente dystopischer Romane tragen dazu bei, ungewöhnlich ist, dass Zombies unter anderem die Hauptfiguren sind. Der Erzählstil der Autorin ist leicht verständlich und flüssig zu lesen. Detailliert wird das Bild der Welt im Jahre 2195 gezeichnet. Lia Habel schickt uns Leser in das Neu-Viktorianische Zeitalter und schnell gelingt es die örtlichen Gegebenheiten, die sittsame Kleidung und auch technischen Errungenschaften bildlich vor Augen zu haben. Auch die Gesellschaftsformen und die Lebensumstände sind gut ausgearbeitet. Hier trifft die viktorianische Etikette auf technische Neuerungen. Die Gesellschaft ist in Gruppen wie Adel und „gemeine“ Bürger unterteilt sowie die Randgruppe der Punks, die die neuviktorianische Lebensweise ablehnt. Stimmige und vielfältige Beschreibungen bieten einen abwechslungsreichen Blick in eine postapokalyptische Zukunft. Die Grundstimmung könnte man als düster aber dennoch hoffnungsvoll bezeichnen. Nicht nur die Gefühle, die die Protagonisten füreinander entwickeln, tragen dazu bei. Obwohl „Dark Love“ in den Fantasybereich gehört, schafft es die Autorin, einen glaubwürdigen Plot zu entwickeln und zu halten.

Ziemlich schnell entwickelt sich ein Spannungsbogen, der seine Leser nicht mehr loslässt. Die Autorin versteht es meisterhaft, immer mehr Neugier zu schüren und die Ereignisse, die die verschiedenen Figuren erleben, tragen dazu bei, dass die Leser das Buch kaum aus der Hand legen können. Einen zusätzlichen Reiz macht hier auch die Art der Perspektive aus. Verschiedene Protagonisten erzählen aus der eigenen Perspektive und klug gesetzte Cliffhanger an den Kapitelenden steigern die Spannung enorm.

Aus den Perspektiven Noras und Brams erfährt der Leser viel über die Zombies und wie diese leben und sogar fühlen. Während Pamela davon erzählt, was in den elysischen Gefilden nach der Entführung von Nora passiert. Auch Noras tot geglaubter Vater Victor und „Wolfe“, der Hauptmann der Zombies, kommen zu Wort. So erfährt der Leser deutlich, wie es in den verschiedenen Charakteren aussieht und auch die Pläne, die diese haben werden, deutlich und nachvollziehbar. Zusammen gesehen ergänzen sich die Perspektivenwechsel gerade zu perfekt und ein rundes Bild entsteht. Die verschiedenen Handlungen ergänzen sich und an Schluss bleiben keine Fragen offen. Für eine geplante Trilogie ungewöhnlich ist hierbei, dass „Dark Love“ durchaus als Einzelband bestehen kann.

Die unterschiedlichen Hauptdarsteller sind hervorragend ausgearbeitet. Dreidimensional und mit viel Tiefe begegnen uns Lesern hier lebendige Figuren, die meist sympathisch und glaubwürdig sind.

Nora Dearly begegnet uns als aufgeschlossen, tough, stark und mutig, durchaus aber auch verletzlich. Als Höhergeborene untypisch ist die Wahl ihrer besten Freundin, die zu einer unteren Schicht gehört. Dies macht sie liebenswert und zeigt, dass Nora trotz ihrer Erziehung, nicht zu Allüren neigt. Untypisch sind auch ihre Interessen, statt sich mit typischem Mädchenkram abzugeben, interessiert Nora sich mehr für die Kriegskunst. Ihre Charaktereigenschaften helfen ihr, als sich ihre komplette Welt auf den Kopf stellt.

Captain Abraham Griswold, genannt Bram, ist der wohl feinfühligste und liebenswerteste Zombie, den es je gegeben hat. Trotz seines Schicksals als Untoter „leben“ zu müssenn bleibt er sehr menschlich. Durch regelmäßige „Wartung“ kann er sich Körper und Intelligenz erhalten und wird nicht zu einem menschenfressenden Ungeheuer. Brams Gefühlswelt wird eindringlich beschrieben und macht ihn aus.

Nicht nur die Hauptdarsteller sind der Autorin geglückt, auch die Nebenfiguren nehmen Raum ein und bleiben schnell unvergessen. Sogar die Gegenspieler sind nachvollziehbar konzipiert.

„Dark Love“ kommt als wunderschönes Paperback daher. Auf tiefschwarzen Grund sind silberne, durch Spotlack hervorgehobene Ornamente zu sehen. Titel und der Autorenname passen sich an. An den jeweiligen Kapitelanfängen wird als Überschrift der Name der Person gesetzt, die die Perspektive übernimmt.

_Autorin_

Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu „Dark Love“ hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte.

Weiteres zur Autorin: [www.liahabel.com]http://www.liahabel.com

_Fazit_

„Dark Love“ von Lia Habel überzeugt durch den dystopischen Plot der, durch die Verbindung mit Steampunk-Elementen zu etwas ganz Besonderem wird. Dem Leser wird reizvolle, spannende und emotionale Unterhaltung geboten, die ihn nicht loslässt. Ungewöhnlich, aber sehr reizvoll, ist die Wahl der Gattung „Zombies“, verbunden mit einer leisen und stimmigen Romanze.

Mich hat „Dark Love“ schlicht begeistert und ich kann es kaum erwarten, dass die Folgebände erscheinen.

|Taschenbuch: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3492702195
Originaltitel: Dearly, Departed|
[www.piper.de]http://www.piper.de

Jeschke, Wolfgang – Orte der Erinnerung (Gesammelte Werke Band 3)

_Krönender Abschluss der Gesammelten Werke, aber teils überflüssig_

Mit dem vorliegenden Band liegen, nach „Der Zeiter“ und „Partner fürs Leben“, sämtliche Erzählungen von Wolfgang Jeschke in einer dreibändigen, vom Autor durchgesehenen und mit Nachbemerkungen versehenen Ausgabe vollständig vor. In „Orte der Erinnerung“ wurden alle Erzählungen (nicht die Hörspiele) aus dem Sammelband „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“ aufgenommen, ergänzt um die 2010 in dem Shayol-Magazin „Pandora“ erschienene Titelnovelle.

»So bewundernswert der Erfolg des Herausgebers Jeschke ist, so hinderlich war er für den Autor Jeschke, der nur in der Freizeit und während des Urlaubs zum Schreiben kam. Erstaunlich genug, was er in dieser Zeit trotzdem hervorbringen konnte! Erst in jüngster Zeit, nachdem er 2002 sein Amt bei Heyne aus Altersgründen zurücklegte, kann er sich unbehindert den schriftstellerischen Aktivitäten widmen. Und das ist nicht nur erfreulich für ihn, sondern auch für seine Leser. Ich warte mit Spannung auf das, was wir von Wolfgang Jeschke noch erwarten dürfen.« Herbert W. Franke in seinem Vorwort.

_Der Autor_

Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science-Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction Reihe Deutschlands beim Heyne Verlag, München. Von 1973 bis 2002 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die Einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z.T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Sein erster Roman ist „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) und befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

Der Shayol-Verlag hat alle seine Erzählungen in drei Bänden veröffentlicht:

1) Der Zeiter
2) Partner fürs Leben
3) Orte der Erinnerung

Die Hörspiele fehlen in diesen drei Bänden.

_Die Erzählungen _

_1) Yeti (1980, erschien in PLAYBOY)_

Ein Promoter verleitet zwei Bergsteiger, der Philosophie Reinhold Messners zu folgen, der Sauerstoffgeräte ablehnte, aber noch einen draufzusetzen: keine Schutzkleidung, keine Zelte, keine Helme – kurzum: nur den nackten Adam. Die Methode ist einfach: Gen- und Hormonbehandlungen sollen unseren zwei Helden u.a. einen Pelz wachsen.

Die zwei Bergsteiger haben den Termin die Mount-Everest-Besteigung bereits in der Tasche, müssen sich also ranhalten. Doch im 21. Jahrhundert ist die Gentechnik schon weit fortgeschritten, und so dauert es nur fünf Monate, bis ein wärmender Pelz gesprossen ist. Die Tour beginnt am Golf von Bengalen: Keine Helikopter tragen unsere Helden zum Basislager, nein, Sir, sondern sie legen den ganzen Weg zum Gipfel auf Schusters Rappen – Moment: stimmt ja gar nicht! Mit Hilfe ihrer Krallen und harten Fußsohlen brauchen sie weder Schuhe noch Kletterhilfen. Der Gipfelsturm ist also gesichert.

Ein Bergsteiger aus Simbabwe, der ihnen unter dem Gipfel begegnet, erkennt die Wahrheit, wenn er sie sieht und murmelt bestürzt: „Yeti …“

|Mein Eindruck|

Die witzige Story ist Reinhold Messner gewidmet, dem Gröbaz, also dem größten Bergsteiger aller Zeiten. Er propagiert „fair means“, also nur faire Mittel, die zum Bergsteigen eingesetzt werden sollten, daher die Ablehnung von Sauerstoffgeräten. Die Story setzt noch einen drauf und macht aus Gipfelstürmern Yetis. Folgerichtig titelte der PLAYBOY: „Nackt zum Gipfel“.

Während das Thema, die genetische Aufrüstung des Menschen, auf die Schippe genommen wird, so macht die Story Spaß, weil die Szenen wirklich authentisch wirken, so etwa sprachlich. Der Epilog liefert die Pointe: Die beiden Helden werden im Stich gelassen und ihr Fell nicht mehrlos – sie haben sich buchstäblich zum Affen machen lassen.

_2) Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung (1981)_

Man schreibt das Jahr 2436 im Jahre der Fleischwerdung Gottes, also genau 442 Jahre nach der „Verheerung des Landes“ anno 1994. Das „Land“ ist wieder auf frühmittelalterliches Niveau herabgesunken, nachdem Strom und Öl, Gas und Kohle sowie Medizin aufgebraucht worden sind. Lediglich Dampfkraft lässt sich noch erzeugen – mit Holz, versteht sich.

Ein kranker Pilger berichtet von einer neuen Seuche im Norden, als er in Österreich am Reschenpass eintrifft. Der Abt von Reschen weist ihm ein Quartier im abgelegenen Hungerturm zu, bei den Mutanten und vermutlich Kranken. Der Reisende namens Heike oder Haike, der von der Saar gekommen ist, hinterlässt ketzerische Schriften aus der Zeit vor der Verheerung. Diese Schriften stammen aus Garching bei München, erstellt von „Mäd saientists“, welche wenig später von Truppen des Bischofs von Freising niedergeworfen und in die Bergwerke von Salzburg verkauft wurden.

|Mein Eindruck|

Die Dokumente beschreiben, wie es dazu kommen konnte, dass ein mit biologischen Waffen geführter Krieg ausbrechen konnte. Sie beginnen 1972 mit den Vorhersagen und Warnungen des Club of Rome, konzentrieren sich aber auf das Jahr 1980, als die Umweltschutz- und Anti-Atom-Bewegungen zur Gründung der Grünen führen und extrapolieren dann einen Geschichtsverlauf, der in der Verheerung endet. Viele der Dokumente stammen aus SPIEGEL, ZEIT und VDI-Nachrichten, umfassen aber auch direkte Vorträge und Graffite, ja, sogar ein Zitat aus John Brunners Roman „Morgenwelt“.

Ist das wirklich eine Erzählung, fragt sich der Leser zu Recht. Die Auszeichnung mit dem Kurd-Laßwitz-Preis 1981 muss ja gerechtfertigt gewesen sein. Dazu ist eine Eigenleistung erforderlich. Diese besteht m.E. nicht nur in der Rahmenhandlung, sondern besonders auch in der Auswahl der Texte. Diese beleuchten Probleme wie Überbevölkerung, Energieversorgung (bes. Kriege ums Erdöl), Nahrungsmittel, Gentechnik, Nuklearenergie, Aufrüstung, Umweltverschmutzung usw., also alles Probleme, denen wir uns auch heute noch gegenübersehen, 30 Jahre danach.

Der Aufstieg der Informatik und der Massenkommunikation wird nur in Ansätzen registriert, aber immerhin. Das i-Tüpfelchen sind die letzten Texte, vorgebliche Reden von Amerikanern, die aus den neunziger Jahren datieren – und ergo erfunden sind. Darin lässt der Autor die Nutzung von Solarenergie, die von Weltraumspiegeln zur Erde geleitet wird, als unabdingbar bezeichnen – Stoff für eine Debatte.

Die Rahmenhandlung ist alles andere als skurril. Wenn die Kultur auf den strengkatholischen Glauben und dessen Diktate zurückfällt, dann hat das seinen guten Grund: Schutz und Segen erhoffen sich die wenigen Überlebenden. In dieser Hinsicht ähnelt die Rahmenhandlung Carl Amerys Bestseller „Der Untergang der Stadt Passau“ (siehe meinen Bericht) und Georg Zauners Roman „Die Enkel der Raketenbauer“.

|3) Osiris Land (1982)|

Man schreibt das Jahr 2036 n.Chr. und ein paar wenige Jahre nach dem atomaren und biologischen Holocaust, der mehreren Milliarden Menschen das Leben gekostet hat. An den Rändern der noch bewohnbaren Gebiete in der westlichen und mittleren Sahara treten in den verseuchten Gebieten Mutanten auf. Die Einheimischen töten sie aus Gründen des Selbstschutzes.

Die Geschichte wird erzählt von Beschir, einem Jungen aus einem Dorf in der Sahel-Zone. Seine auf die äußere Welt gerichteten Beobachtungen werden ergänzt von den Tagebucheintragungen eines Weißen, der aus dem unverseuchten Südafrika bereits Tausende Kilometer quer durch Afrika gezogen ist. Sein Name: Master Jack. Sein Ziel: das weitere Tausende Kilometer entfernte Ägypten oder was davon noch übrig ist, nachdem der zerstörte Assuan-Staudamm alles Land unter seinen ungeheuren Wasser- und Schlammassen begraben hat. Dort wurden merkwürdige Lichterscheinungen beobachtet: Raumfahrt in Zeiten nach der Apokalypse?

Zusammen mit einem Führer und Beschir als Helfer zieht Master Jack von Dorf zu Stadt, von Brunnen zu Fluss, stets die Zerstörungen beobachtend, die weißen Eunuchen-Sklaven und reichen Potentaten, die selbstherrlichen Flusskapitäne und die kannibalischen Einheimischen an den Ufern des Nils. Und schließlich treffen Jack und Beschir auf Außerirdische, Vorbilder für die altägyptischen Götter. Während Jacks Seele mit ihnen ins Herz der Galaxis fliegt, bewegt sich sein androider Körper, sein Bewusstsein mit Beschir zurück nach Südafrika.

|Mein Eindruck|

In Jeschkes wunderbar stimmungsvoll erzähltem Expeditionsbericht treffen der Orient aus Karl Mays Reiseerzählungen und die surrealen Landschaften James G. Ballards („Kristallwelt“) aufeinander und bilden eine eigenartig faszinierende Kombination, deren Zauber man sich nicht zu entziehen vermag. Die Erzählung weist den Autor als guten Stilisten und Fabulierer aus, der seine Figuren und ihre Welt mit Leben zu füllen vermag.

Doch unter der orientalisch-märchenhaften Oberfläche wartet das Grauen des Holocaust, das dem Leser vor allem durch die Tagebucheintragungen Master Jacks vermittelt wird – die Berichte, wie es den wenigen verzweifelten Überlebenden erging, die an Nordafrikas Küsten Zuflucht suchten und dort allesamt erschlagen wurden. Doch den dortigen Potentaten nützte diese „Schutzmaßnahme“ nichts, denn die Zugvögel brachten die Erreger der Beulenpest dennoch ins Land.

Wie es zu diesem globalen ABC-Krieg kommen konnte, zeichnet der Autor mit dem Kenntnisstand der Entstehungszeit Anfang der 80er Jahre (Iranische Revolution 1979) nach. Diese explosive politische Lage führte zwar zum Glück nicht zu einem Weltkrieg, wohl aber zu drei Golfkriegen. Und wer weiß: Wenn Oberst Gaddafi damals die Bombe gehabt hätte, als die Amerikaner Tripolis bombardierten…

_4) Wir kommen auf Sie zu, Mister Smith (1983)_

Ein Personalleiter bekommt den Bewerber Winston Smith [so heißt die Hauptfigur in Orwells Roman „1984“] gemeldet. Soll eine Minute warten, lässt er seine Sekretärin ausrichten. In dieser Zeit liefert ihm sein Rechercheur Rechmann per Datenleitung und telefon sämtlichen relevanten Daten über Smith, seine Frau und das Kind, die Autos, die Hypothek, die vorherigen Firmen und die anhaltende Arbeitslosigkeit.

Er empfängt Smith kurz und sagt ihm dann, er käme wieder auf ihn zu. Sobald Smith gegangen ist, versieht er dessen Bewerbung mit dem Vermerk: „ABSAGEN.“ Smith zeigt ihm viel zu wenig Selbstvertrauen, um ihn auf den Posten eines Projektleiters zu setzen. Und der nächste Bewerber wartet schon.

Mein Eindruck

Der Pfiff an dieser Geschichte ist nicht die banale Handlung, sondern die Art der Datenbeschaffung. Rechmann scheint ein „Hacker“ zu sein, der schon mal illegal Daten abzapft, so etwa bei Sparkassen-Halbjahresabschlüssen. Es geht also um den „gläsernen Bürger“. Heute mutet diese Methode vorsintflutlich an. Jeschke schrieb die Story für eine Anthologie zum Orwell-Jahr 1984, um vor den Auswüchsen zu warnen. Heute ist die Lage für den Datenschutz trotz aller moderner Gesetze keinen Deut besser geworden, hat man den Eindruck.

_5) Nekromanteion (1985)_

Anfang des 21. Jahrhunderts ist es Wissenschaftlern gelungen, nicht nur Objekte zu kopieren, zu speichern und zu übermitteln, sondern auch komplette Lebewesen, darunter auch Menschen. Die MIDAS genannte Technologie ist jedoch, wie jede Aufzeichnungstechnik, nicht perfekt. Die menschlichen Kopien, die z. B. in ferne Raumfahrzeuge gesendet werden, erweisen sich als nur für kurze Dauer lebensfähig und es kommt zu schweren Fehlern.

Die US-Regierung, die Milliarden in das Projekt gesteckt hat, stellt es ein. Dafür kauft das Privatunternehmen Nekromanteion Inc. die Rechte und bietet in aller Welt einen neuen Service an: die Wiederauferstehung der Toten. Der einmal aufgenommene Tote (Jargon: Record) wird zu beliebigen Zeiten als Kopie neu erstellt, damit seine Angehörigen etc. ihn treffen können.

Solch ein Nekromanteion gab es vor 2500 Jahren am Fluss Acheron, der in der westgriechischen Provinz Epirus aus den Bergen in die Adria fließt. Damals bezeichnete er die Grenze zum Totenreich und es gab einen florierenden Kult von Priestern, die den Besuchern gegen hohes Entgelt eine Begegnung mit dem lieben Verstorbenen verschafften – ein aufgelegter Schwindel.

Nun bekommt die Familie Katsunaris, die Nekromanteion Inc. ein Grundstück am Acheron verkauft hat, ein Sonderangebot: die kostenlose Aufzeichnung von Opa Kristos. Die Söhne des Alten, darunter unser Chronist Apostoles, sind schlüssig, bis schließlich die Tochter Elena, die das Gasthaus führt, entscheidet, dass einem ja so viel Geld nicht in den Schoß fällt.

Also fährt Apostoles, mittlerweile schon in den Fünfzigern, den Alten zum Institut, auf dass er gescannt werde. Es ist nichts dabei. Und geschah gerade noch rechtzeitig, denn schon im gleichen Herbst segnet Opa Kristos das Zeitliche und wird im Nekromanteion beigesetzt. Vorerst. Zu seinem hundertsten Geburtstag anno 2034 macht sich die gesamte Sippe auf den Weg, um seiner Wiederauferstehung beizuwohnen und seinen Geburtstag zu feiern. Es wird ein Fiasko …

|Mein Eindruck|

Die sehr anrührende und anschauliche Erzählung verweist bereits auf den Roman „MIDAS oder Die Auferstehung des Fleisches“ voraus, der 1993 bei Heyne erschien (aber vorher bereits woanders). Bemerkenswert sind nicht nur die Entsprechungen zwischen Antike und Gegenwart bzw. naher Zukunft, sondern auch die schier unmerkliche Überbrückung der Lebenszeiten der Sippe Katsunaris. Am Anfang ist Apostoles, der Erzähler, noch selbst ein junger Mann, der mit einer deutschen Archäologin schöne Schäferstunden pflegt. Am Schluss ist er selbst über siebzig und ein schläfriger alter Kerl, der als einziger Sohn keine Kinder hat.

Während eine neue Flechte sämtliche Betonbauten ringsum und auf der Welt in Trümmer fallen lässt und die Region wieder in antike Verhältnisse versinkt, stellt das Nekromanteion heute wie damals einen großen Schwindel dar. Doch die Kritik richtet sich wie zu erwarten nicht etwa gegen den Betrug an den zahlenden Lebenden. Vielmehr erweist sich die unausgereifte Technologie als mieser Verrat an den Toten selbst: Ihre zeitweilige Wiederauferstehung gerät schon nach wenigen Stunden zu einer widerwärtigen Farce mit grausigen Untertönen. Man muss es gelesen haben, um es zu glauben.

Der Tod und die mehrfach zitierte „Hinfälligkeit des Fleisches“ ist das Generalthema, aber auch die ständige Erneuerung durch Kinder. Von einem trügerischen Idyll, das erotische Intermezzi kennt, führt der Weg der Erzählung geradewegs zum Horror einer Farce der Auferstehung. Der Eindruck, den die Erzählung hinterlässt, hallt noch lange nach.

_6) The Mississippi Straightforward Society (1988)_

Die titelgebende Unternehmensberatung stellte dem Verlagsleiter Rolf Heyne aus Anlass des 30-jährigen Verlagsjubiläums (1958-1988) herrliche Wachstumszahlen in Aussicht. Schon Mitte des 21. Jahrhunderts würden die Heyne-Lagerkapazitäten den Regierungsbezirk Oberbayern abdecken und anno 2100 die Grenzen des Deutschen Reiches im Jahr 1937 überschreiten. Desgleichen tolle Wachstumsraten würden die Personalentwicklung, die Anzahl der Außenrepräsentanten, der monatlichen Buchtitel (über 1 Million in 2100) und natürlich des Holzverbrauchs aufweisen!

Doch dieser Wahnsinn hat Methode, nämlich die von Mark Twain. In dessen Buch „Das Leben auf dem Mississippi“ findet sich bereits die benutzte Extrapolationsmethode, abgeleitet vom erstaunlichen Trend des Vaters der Ströme, sich zu verkürzen. Durch Begradigung (daher auch „straightforward“) verliert der Strom im Schnitt soundso viele Kilometer. In wenigen Jahren, so ergibt sich daraus, dürften die Städte Cairo (Oberlauf) und New Orleans (Mündungsdelta) nebeneinanderliegen!

|Mein Eindruck|

Auch dieser scherzhaft gemeinte Text ist ein Beitrag zu einer Anthologie, nämlich zum „Rolf Heyne Taschenbuch“ 1988. Nach dem anfänglichen Marketinggesülze legt der Schreiber richtig los. Die prognostizierten Wachstumsresultate sind aberwitzig. Es wird angenommen, dass es keinerlei Grenzen des Wachstums geben werde. Tatsächlich wurde der Heyne-Verlag schon zwölf Jahre später, nach einer Fusion mit List und Ullstein (genannt „HEUL“) an den Bertelsmann-Konzern verkauft. Nix war’s mit Wachstum.

Doch das ist nicht der Punkt. Dem Autor geht es um die Bloßstellung der Beraterphilosophie, dass unbegrenztes Wachstums- und Profitstreben allein positiv sei. Egal, dass der Wald dabei dran glauben muss – ein Ende des Waldsterbens ist dadurch garantiert: positiv!

_7) Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan (1990)_

Die Schweizer Garde des Vatikans schiebt wieder mal eine anstrengende Nachtschicht. Während eine Hologrammprojektion die stille Erhabenheit des Petersplatzes vorgaukelt, schiebt ein Baufahrzeug mit seiner riesigen Schaufel Tausende von Leichen zusammen auf einen vier bis fünf Meter hohen Berg. Es handelt sich um fast 45.000 Babyleichen. Sie wurden aus allen Teilen der Welt hierhertransport, um entsorgt zu werden – gen Himmel.

Am Morgen ist die harte Arbeit geschafft. Die ersten amerikanischen Touristen besuchen den Petersplatz, der nun wieder leer und erhaben daliegt. Nur ein Vietnamveteran schöpft Verdacht: „Hier riecht es nach Tod, nach frischem Tod.“ Lang lebe Giovanni Paolo Secondo, der neue Papst.

|Mein Eindruck|

Die erstmals 1993 im kurzlebigen Magazin „Solaris“ veröffentlichte Erzählung ist eine bittere und mitunter eklige Anklage der päpstlichen Botschaft, dass alles Leben heilig sei und Abtreibung folglich eine Sünde, ebenso wie Empfängnisverhütung. Dem Dogma stellt der Autor die abstoßende Realität entgegen: Babys als Heroinversteck für Schmuggler missbraucht, Jungs und Mädchen als Kindersoldaten in Rebellenkriegen verheizt, der Babystrich in Asien und Afrika, Babys als Ersatzteillager für Organhändler, und noch vieles mehr (diese Untaten wurden den Nachrichten entnommen, versichert der Autor).

Zweifellos ist dies eine von Jeschkes wichtigsten und umstrittensten Geschichten, so umstritten offenbar, dass er es nötig fand, bei jedem Abdruck (auch beim Ersten) ein zweiseitiges Vorwort voranzustellen, um seinen Standpunkt klarzustellen.

_8) Die Sonne des Anaximandros (2008)_

Der Neuling Dr. Scribner stellt den Dr. Katsaros, einen Veteranen unter den Exobiologen, zur Rede, was die Erkenntnisse über das Leben auf den beiden Welten Qurat und Zaqra anbelangt. Während Katsaros infrage stellt, dass man auf den Welten intelligentes Leben gefunden habe, wagt Scribner doch auf einige ungewöhnliche Beobachtungen hinzuweisen, die genau dies nahelegen …

Es wurden doppelflügelige Riesenlibellen beobachtet und untersucht, deren Gehirn verstümmelt war. Und es schien, als ob Passagiere davon abgesprungen wären, als sie eingefangen wurde. Außerdem fand sich DNS, die auf Qurat wie auf Zaqra identisch war. Wie so etwas möglich sei, wenn die Evolution nicht den gleichen Ursprung hatte?

Nach einem kleinen Intermezzo bei den intelligenten, aber eben sehr kleinen Bewohnern von Qurat kehrt die Erzählung zu Katsaros und Scribner zurück. Der Veteran schockt seinen Besucher, indem er seinen halbierten Körper von einem Sockel zu einem anderen versetzt. Tja, das ist der Preis der Forschung. Katsaros hat sein Opfer gebracht, und was für ein Unmensch wäre Scribner, wenn er ihm dieses Opfer einweihte, indem er Katsaros‘ berufliches Verdienst schmälerte?

|Mein Eindruck|

Wie schon im Hörspiel „Jonah im Feuerofen“ (in dem Erzählband „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“) beschäftigt sich der Autor hier mit der Unfähigkeit von Spezies, einander zu erkennen. Das Besondere dabei: Diese Unfähigkeit betrifft diesmal nicht nur die Menschen und ihre wissenschaftliche Methode, sondern auch die Aliens, die sich die Existenz von riesigen Ungeheuern, die intelligent sind, gar nicht vorstellen können. Es ist das alte Gulliver & Lilliput-Problem, verstärkt durch den hierarchischen Konflikt zwischen Neuling und Veteran, wobei der Veteran immer auf seine Meriten pochen kann.

Auch dieser Text war eine Auftragsarbeit, die aus Fragmenten entstand. Dementsprechend rudimentär wirkt der erzählerische Aufbau, und von einer Handlung kann nicht gesprochen werden. Es ist noch nicht mal ein sokratischer Dialog, sondern einfach ein Austausch konträrer Ansichten.

_9) Ein Ruf aus der Dunkelheit (2010)_

Isaiah lebt auf einer Welt im Sagittariusarm der Milchstraße, zusammen mit anderen Klosterschülern. Sie sind alle Horcher, die empathische Rufe von weither empfangen können, und zwar im gleichen Augenblick, selbst wenn millionen Lichtjahre zwischen Sender und Horcher liegen.

Im Unterschied zu seinen Klosterschülern ist Isaiah schon tausend Erdenjahre alt, denn er ist fast mit Lichtgeschwindigkeit hierhergereist, und die Zeitdilatation besorgte den Rest. Nachdem er ihnen vom Tag, als er entdeckt und abgeholt wurde, erzählt hat, besteigen sie das wandernde Kloster und begeben sich auf den Berg tausende Meter über dem Meer. Zusammen mit fünf anderen Klöstern der Horcher triangulieren sie den Ursprungsort eines fernen Rufes, der aus der Dunkelheit kommt, aus einer anderen Galaxie …

|Mein Eindruck|

Wie schon in seinem Kurzhörspiel „Happy birthday, dear Alice! Happy birthday, dear Anne!“ (in „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“) geht es auch hier um das Thema der Horcher, die instantane Verständigung ermöglichen. Waren es dort Klonschwestern, so sind es hier einfach begabte Jugendliche. Die Erzählerin ist ein Mädchen, es hört dem alten Isaiah zu. Das Kloster ist ein Lebewesen und mit dem Bergkloster in der Jeschke-Erzählung „Das Geschmeide“ verwandt. Sein Name „Hièn trén máy“ ist übrigens vietnamesisch und bedeutet „das in den Wolken wohnt“.

Auch diese Story war eine Auftragsarbeit, diesmal zum Thema Verständigung mit Aliens. Wie so häufig mangelt es auch diesem Text an Handlung.

_10) Orte der Erinnerung (o. J., nach 2005)_

Der Kunstmaler Howard Szajnberg ist mit der erfolgreichen Hirnchirugin Yude Rice verheiratet, als die merkwürdigen Vorfälle beginnen. Erst hat sie einen sich wiederholenden Traum von einem schönen Tal, in dem aber zwei Zeiten nebeneinander existieren. Dann erhalten sie beiden anonyme Anrufe von einem Kerl, der es gut zu meinen scheint. Er nennt sich ihren Schutzengel. Yude wird vor einem finanziellen Verlust bewahrt, doch Howard soll sich beruflich neu orientieren: vom erfolglosen und ausgebeuteten Maler zum Fotografen.

Nur weil der „Schutzengel“ sich bereits als hilfreich erwiesen hat, willigt Howard ein. Er kauft eine teure Ausrüstung (natürlich von Yudes Geld) und lässt sich an Orte schicken, von denen der „Schutzengel“ behauptet, dass dort gleich eine Naturkatastrophe stattfinden werde. Regelmäßig trifft die Vorhersage ein. Howard ist mit seiner Kamera meist als erster und einziger Fotograf vor Ort. Die Kamera schickt die Bilder direkt per Satellit an seine Agentur, die sie wiederum Publikationen in aller Welt anbietet. Im Handumdrehen wird Howard, den man bald „Super-Ho“ nennen wird, Millionär.

Die Monate vergehen, und Howard bemerkt mit Besorgnis, dass Yude offenbar Probleme mit ihrem eigenen Gehirn hat: Die Kopfschmerzen hindern sie bald daran, ihren Beruf weiter ausüben zu können. Sie geht in eine Klinik, ohne Ho Bescheid zu geben.

Denn der Schutzengel hat Pläne mit ihm. Er schickt Howard in den Golf von Bengalen, wo ein großes Hochwasser zahlreiche Tote gefordert haben soll. Mit einem gemieteten Katamaran geht’s hinaus in das Mündungsgebiet, doch außer töten Tierkadavern und Treibholz ist nichts zu sehen. Auch die anderen Fotografen an Bord sind enttäuscht, allen voran Ho’s größter Konkurrent, ein Japaner. Ein Sturm zieht, das Bott eilt zurück in den Hafen – und erleidet Schiffbruch.

Ho erwacht auf einer Sandbank. Im Sand entdeckt er ein glitzerndes Gerät, das er in die Sonne legt, damit sich seine Akkus aufladen können. Das sprechende Ding nennt sich der Personal Digital Assistant des japanischen Fotografen. Ho wählt den Namen, den es vorher hatte: Totore, der Waldgeist aus einem Animationsfilm von Miyazaki. Nun wird Totoro zu Howards Schutzengel: Er ruft Hilfe herbei. Und so schafft es Ho endlich nach Hause.

Doch dort steht nichts zum Besten für unseren Odysseus. Yude ist ohne Nachricht verschwunden (nämlich in die Klinik). Als er ihre letzte Spur entdeckt, ist er bestürzt: Ihr Körper lebt nicht mehr – der Hirntumor war inoperabel. Sie hat aber die Chance ergriffen, das neue Verfahren von Dr. Weiskrantz zu nutzen und einen Persönlichkeits-Scan von sich anlegen und speichern zu lassen. Weiskrantz versichert Ho, dass Yude noch „lebe“, und zwar keineswegs in einer Totenwelt à la Hades. Leider führt sich der Arzt aber doch als Zerberus auf, indem er Ho den Zugang zu der geliebten Frau verweigert.

Doch mit Totoros Hilfe ist auch dieser Zugang kein Hindernis für unseren Orpheus …

|Mein Eindruck|

Ganz klar ist diese wunderschöne Erzählung, die den krönenden Abschluss dieses Bandes bildet, eine Verarbeitung des antiken Mythos von Orpheus und Eurydike. Wie schon in „Nekromanteion“ wird ein Abbild eines Menschen erstellt und gespeichert, damit es jederzeit abgerufen werden kann. Doch ist Howards Eurydike wirklich glücklich, dort, wo sie jetzt ist? Er muss es unbedingt herausfinden!

Wie sich herausstellt, befindet sich ihr Bewusstsein in eben jenem schönen Tal, von dem sie einst träumte. Zufall oder Notwendigkeit? Und denkt sie auch mal an ihn, Howard? Sie denkt, dass sie es tut, nennt ihn aber lediglich „Freund“. Und nun ergibt sich die Notwendigkeit, Weiskrantz‘ Barrieren zu umgehen und in die Vergangenheit zu telefonieren – so wird Howard sein eigener „Schutzengel“. Er war es ja, der den ledigen Ho einst anrief, um ihn zu bewegen, diese tolle Lady auf dem Züricher Flughafen anzusprechen …

So entsteht unversehens eine Zeitschleife, in der Ho an seinem früheren Liebesleben mit Yude indirekt noch einmal teilhaben kann. Doch dann geschieht etwas Unvorhergesehenes …

Diese höchst romantische Geschichte, die eigentlich als Hörspiel konzipiert war, greift Jeschkes Standardthemen (Überwindung des Todes, Zeitreisen, Virtuelle Realität usw.) auf, die ich mehrfach vorgestellt habe, erweitert sie aber um Altersweisheit, Romantik, Sinnlichkeit und einen sanften, selbstironischen Humor. Außerdem gibt es nur zu dieser Geschichte Illustrationen von Thomas Franke, der Stil einzigartig ist – sie das Titelbild.

_11) Vorwort von Herbert W. Franke_

Franke ist selbst ein Veteran der deutschsprachigen Science-Fiction und Autor einer großen Zahl von Romanen, Erzählungen und Drehbüchern (er schrieb eine Fortsetzung der Kultserie „Raumpatrouille Orion“). Zum Glück drückt er sich nicht geschwollen und professoral aus, wenn er die Maßstäbe für qualitätsvolle Literatur auf Wolfgang Jeschkes Werke anwendet.

Diese seien originell, gedanklich gehaltvoll und sprachlich hochstehend – drei der wichtigsten Voraussetzungen sind also erfüllt. Dass auch idealerweise eine Handlung und interessante Figuren vorkommen sollen, muss nicht immer unbedingt der Fall sein, wie es scheint.

Interessanter fand ich jedoch, was Franke über seinen Berufskollegen und Mitarbeiter (zwischen 1969 und 1977) zu erzählen weiß. In diesen Bemerkungen findet sich ein sehr persönlich gehaltenes Bild von Jeschke wieder, das man woanders lange suchen müsste. Am ehesten würde sich uns der Mensch Jeschke – auf literarisch abstrahierter Ebene – als Autor der Vorworte des Heyne-SF-Jahrbuchs präsentieren, meint Franke. Allerdings ist klar, dass dieser Jeschke in erster Linie Herausgeber, Lektor und Marktbeobachter war. Seine bissigen Anmerkungen waren stets ein freudig erwarteter Beitrag im Jahrbuch (das übrigens bis heute bei Heyne erscheint!).

Jeschke kam wegen seiner Auslastung aus Herausgeber nur im Urlaub etc. zum Schreiben. Seit seinem Ausscheiden 2002, das er aus Altersgründen vornahm, veröffentlicht er wieder qualitätsvolle Texte, so den Roman „Das Cusanus-Spiel“ oder die Erzählung „Orte der Erinnerung“ (s. o.). Franke freut sich auf weitere solche Werke. Ich auch.

_Unterm Strich_

Die ersten sieben der zehn Texte erschienen bereits in Jeschkes Collection „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“ (s. dazu meinen Bericht). Deshalb fragt man zu recht, wieso man nun zu diesem wesentlich teureren Buch „Orte der Erinnerung“ greifen sollte. Es gibt zwei gewichtige Gründe: Erstens befindet sich die Collection aus dem Jahr 1992 nach mittlerweile fast 20 Jahren ihrer Existenz nur noch im Gebrauchtbuchhandel (v. a. online), und der Sammler bekommt dort nicht immer garantiert beste Qualität, wie ich mehrfach feststellen musste (und wenn doch, dann nur zu hohen Preisen).

Zweitens enthält „Orte der Erinnerung“ drei wichtige neue Texte, die ich bislang noch nicht kannte. Deshalb habe ich sie oben auch ausführlicher vorgestellt als die anderen Texte. Die Erzählung „Orte der Erinnerung“ – ich sagte es bereits – ist für mich der krönende Abschluss dieser Gesammelte Werke. Sämtliche von Franke erwähnte Qualitätskriterien für Literatur werden erfüllt, durch die Illustrationen Thomas franke noch wertvoller gemacht, Und wer Jeschkes Empfehlung folgt und Glucks Oper „Orphée et Eurydice“ anhört (oder zumindest den „Reigen der seligen Geister“), bekommt sogar ein multimediales Werk geboten.

|SF als Literatur des Wandels|

Science-Fiction wurde einmal die Literatur bezeichnet, die das Phänomen des Wandels am angemessensten beschreibt, bezeichnet. Und da der Wandel aller Lebensbedingungen aufgrund des Internets – Stichwort „Arabischer Frühling“ – inzwischen global wahrgenommen wird, liegt es nicht fern, SF als globales Phänomen aufzufassen. SF-Filme laufen heute in den Kinos und Wohnzimmern rund um den Globus.

Doch andersherum ist es auch zur Aufgabe des Autors geworden, global zu denken, um entsprechende Probleme aufgreifen zu können. Jeschke ist mir stets als einer derjenigen deutschen Autoren bekannt gewesen, der seine Figuren in allen Weltgegenden, vorzugsweise in Asien, agieren und den Wandel erleben lässt.

|Vorreiter|

Andere Autoren, wie Frank Schätzing, Michael Iwoleit und Andreas Eschbach, sind ihm hierin gefolgt. Sie alle ersetzen den deutschen Macher als Hauptfigur nicht einfach durch einen angelsächsischen Macher, wie es noch in den sechziger und siebziger Jahre für deutsche Autoren obligatorisch war, wollten sie Erfolg haben. Nein, ihre Teams sind multinational, ihre Schauplätze auf der ganzen Welt angesiedelt und ihre Themen von zahlreichen Kulturen nachvollziehbar, so etwa der Klimawandel (Schätzings „Schwarm“), das Ende des Ölbooms (Eschbachs „Ausgebrannt“) oder die Auswüchse der Gen- und Cybertechnologie (Iwoleits „Psyhack“).

Mit Frankes Worten aus dem Vorwort kann man also heute schon anhand deutscher Autoren und ihres Erfolgs sehen, wie sich Jeschkes jahrzehntelange Herausgeberschaft auf die deutsche SF-Autorenschaft (und ebenso auf die Grafiker) positiv ausgewirkt hat. Das mag sich für den Autoren Jeschke als irrelevant anmuten, ist aber das Gegenteil: Dem Anspruch, den der Herausgeber Jeschke aufstellte, musste auch der Autor Jeschke genügen. Und durfte sich dennoch einige witzige Storys wie „Yeti“ erlauben.

|Abschluss|

Mit diesem dritten Band sind die „Gesammelten Werke“ vorerst abgeschlossen. Der neueste Text ist ja von 2010. Der Sammler hat damit ein gutes Fundament, das er nun durch die Romane „MIDAS oder Die Auferstehung des Fleisches“, „Der letzte Tag der Schöpfung“ und „Das Cusanus-Spiel“ ergänzen kann.

|Schwächen|

Punktabzug gibt es von mir nur für die Auftragsarbeiten „Anaximandros“ und „Ruf aus der Dunkelheit“ sowie „Mister Smith“. Ihnen fehlt eine Handlung. Außerdem habe ich mich über die fehlenden Jahresangaben zu den einzelnen Texten nicht gerade gefreut, was besonders bei „Orte der Erinnerung schade ist. Die ersten sieben Texte findet man jedoch in „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“ datiert und „Anaximandros“ und „Ruf aus der Dunkelheit“ werden vom Autor datiert. Ich habe diese Angaben bei jedem Text eingetragen. Auf die drei Druckfehler, die ich fand, brauche ich nicht näher einzugehen, denn es handelt sich um simple Flüchtigkeitsfehler.

|Taschenbuch: 256 Seiten
Illustriert von Thomas Franke
ISBN-13: 978-3926126917|
[www.shayol.net]http://www.shayol.net

_Wolfgang Jeschke (als Herausgeber) bei |Buchwurm.info| [Auszug]:_
[„Titan-1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4724
[„Titan-2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7346
[„Titan-3“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7347
[„Titan-4“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7086
[„Titan-5“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7087
[„Titan-6“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4327
[„Titan-7“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4486
[„Titan-8“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3747
[„Titan-9“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4274
[„Titan-10“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3687
[„Titan-11“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4509
[„Titan-12“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4538
[„Titan-13“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7350
[„Titan-14“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7348
[„Titan-15“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7351
[„Titan-16“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7349
[„Titan-18“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7353
[„Titan-19“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7352
[„Titan-20“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7354

Jeschke, Wolfgang – Partner fürs Leben (Gesammelte Werke – Band 2)

_Top Science-Fiction aus deutschen Landen, mit kleinen Ausfällen_

Dieser zweite Band der Gesammelten Werke Wolfgang Jeschkes enthält neben dem Kurzroman »Meamones Auge« aus dem Jahre 1992 weitere sechs Geschichten, die Jeschke in den vergangenen fünfzehn Jahren geschrieben hat und die bisher noch nicht in Buchform vorlagen. Darin beschäftigt er sich in bester sozialkritischer Tradition mit den Möglichkeiten und Gefahren der modernen Naturwissenschaften, nicht zuletzt der Gentechnologie und der vielfältigen Gefährdung unserer Umwelt. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Lichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction-Reihe Deutschlands beim Heyne-Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die Einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z.T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Seine erster Roman ist „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

_Die Erzählungen _

_1) „Meamones Auge“ (Kurzroman, 1994)_

In ferner Zukunft haben die Menschen Planeten um Planeten erobert, ausgebeutet, verwüstet und wieder verlassen. Gentechnik und Terraforming-Methoden erlauben ihnen, dass ganze Planeten oder Monde mit künstlich geschaffenen Lebewesen und Pflanzen ausgestattet und schließlich als Nahrungsquellen abgeerntet werden können. Aber der Mensch ist die alte Bestie geblieben, egoistisch, machtbesessen und manchmal genial in seiner Kunst, zum Beispiel in der Gentechnik.

Auf Confringet, einem Mond des Riesenplaneten Meamone, hat sich unvorhergesehen intelligentes Leben entwickelt. Der despotische Herrscher des Planeten schickt seine Soldaten und Jäger aus, das Wesen zu fangen. Seine junge Tochter, rebellisch und eigenwillig, verdächtigt ihn, ihre Mutter vor Jahren in die ringsum liegende karge Wüste verbannt zu haben, wo sie bei den feindseligen Wüstenbewohnern unweigerlich umkommen musste.

Die junge Frau, Meta, steht auf der Seite der Entrechteten und ergreift natürlich Partei für das Wesen Om, als man es eingefangen in den Palast zurückbringt. Sie entdeckt, dass sie sich telepathisch mit Om verständigen kann. Er betrachtet sie als eine Göttin und „Geistschwester“.

Als die Kreaturenhändler sich für Om interessieren, um ihn an die Gen-Designer zu verschachern, probt die junge Frau den Aufstand – vergeblich. Oms Gene sollen den großen Gentechnikkonzernen zusätzliche Möglichkeiten bereitstellen, willfährige Intelligenz in Organismen einzubauen. Ein Horrorszenario von kompletten Planetenbevölkerungen mit künstlichem Bewusstsein, künstlicher Religion usw. wird an die Wand gemalt. Um warum sollten Metas telepathische Fähigkeiten nicht auch ihrem Vater etwas wert sein? Meta befürchtet, ebenfalls verkauft zu werden – womöglich ebenso wie ihre verschwundene Mutter.

Die Raumschiffe, die die weit entfernt voneinander liegenden Welten miteinander verbinden, indem sie mit Beinahe-Lichtgeschwindigkeit wissenschaftlich und militärisch wertvolle Güter transportieren (Gensequenzen werden hingegen digital übertragen), werden von telepathisch begabten „Rufern“ gesteuert. Sie haben Kontakt mit „Horchern“ auf den angeflogenen Welten. Meta beschließt, sich zu einer Horcherin ausbilden zu lassen und den Planeten zu verlassen. Man hat ihr gesagt, auch ihre Mutter haben diesen Weg gewählt. Nun sucht sie ihre Spur.

Nach einem relativistischen Zeitraum von 300.000 Confringet-, aber nur wenigen Bordjahren, kehrt Meta in ihr Heimatsystem zurück. Wie schon bei ihrem Abflug vorauszusehen, wurden die Meamone-Monde Confringet und Conteret, die sich den gleichen Orbit geteilt hatten, bei einem Zusammenstoß zertrümmert. Doch der große dunkle Wirbelsturm auf dem Riesenplaneten, „Meamones Auge“, besteht immer noch – und starrt Meta gleichgültig an.

|Mein Eindruck|

Jeschkes Roman enthält Anklänge an das exzentrische Himmelskörpersystem in „Helliconia“ des englischen Autors Brian W. Aldiss, an die DUNE-Navigatorengilde und die arabisch anmutenden Wüstenbewohner in den Wüstenplanet-Romanen von Frank Herbert, an die italienische Palastkultur der Renaissance sowie an die Gentechniker auf Jackson’s Hole in den „Barrayar“-Romanen von Lois McMaster Bujold. Insgesamt ist dies eine ziemlich hochkarätige Ahnenreihe. Die neuartige Mischung dieser Elemente hebt Jeschkes Roman aus der Masse der angelsächsischen Science-Fiction heraus, bleibt dieser aber verbunden. Dem Leser ist nachdenklich machende Unterhaltung ist gewährleistet.

Auffällig ist die bei fast allen Figuren außer dem Herrscher anzutreffende hohe Rationalität, wie moralisch verwerflich auch die jeweiligen Handlungen sein mögen. Doch angesichts der beständigen Bedrohung durch den ko-orbitalen Mond Conteret sollte man erwarten, dass sich eine Weltuntergangsreligion entwickelt habe, deren Priester einen beachtlichen gesellschaftlichen Einfluss ausüben. Diese Kaste fehlt ebenso wie die Ausübung irgendeiner Religion. Das wirkt etwas unplausibel.

_2) „Partner fürs Leben“ (1994/96, Kurd-Laßwitz-Preis 1996)_

Der alte Hessler fristet seinen Lebensabend in der Klinik von Prof. Dr. Scheufele, der an ihm die Creutzfeld-Jacob-Krankheit feststellt: BSE. Das kommt von Hesslers Vorliebe für rohes Rindfleisch. Schon macht sich Vergesslichkeit in Hesslers Hirn bemerkbar.

Zum Glück hat der alte Ingenieur in seinen besten Jahr vorgesorgt: durch die Lifelong Partnership Association, kurz LPA. Dies stellt praktisch eine Art Körperversicherung dar: Indem der Versicherungsnehmer seinem lebenslangen Partner eine bestimmte Prämie zahlt, kommt dieser mit seiner Familie zu Wohlstand und kann sich was aufbauen. Dafür verpflichtet er sich im Versicherungsfall das benötigte Organ zu spenden – in diesem Fall erst ein Auge, dann das andere.

So geschieht es, doch die Folgen unerwartet. Die Partnerschaft findet auch auf geistig-emotionalem Gebiet ihre Umsetzung. Hessler träumt von Reisfelder in Indonesien, die ein Muslim sehen würde, sowie dessen Frau, die liebliche Nining. Und Jono, sein Partner in Indonesien, verspürt auf einmal Appetit auf tierisches Eiweiß, ein unerhörter Luxus in seiner ländlichen Gemeinde …

|Mein Eindruck|

Das nenn‘ ich mal eine richtige Entwicklungshilfe: Sie funktioniert in beide Richtungen. Natürlich würde es gegen eine solche Art der Körperversicherung, wie schon der Autor voraussah, erhebliche Proteste geben, nicht zuletzt von der Kirche. Andererseits: Wer seinen Körper, wie viele im Westen, durch Fehlernährung – BSE war 1994 in den Schlagzeilen – zugrunde richtet, der kann gleichzeitig auch was Gutes tun, indem er seinen Lifelong Partner unterstützt, statt in eine Lebensversicherung einzuzahlen, in deren Genuss nur seine Verwandten und Nachkommen kämen. Es gibt dem Begriff „Leibrente“ eine ganz neue Bedeutung …

_3) „Der Geheimsekretär“ (1999)_

Zwei Leute blicken im Jahr 2100 zurück auf das Jahr 2000, als alles noch ganz anders war. Einer der beiden Leute ist ein Mensch, wie es scheint, doch der andere ist der titelgebende Geheimsekretär, eine Künstliche Intelligenz, die in einem Ring ihren Sitz hat. Der Großvater des Menschen traf damals die Großmutter, was für ein Glück.

Wenn man sich heute die Südostschweiz anschaut, dann hat sich doch einiges gebessert. Die Antigravitation macht vieles besser. So gibt es etwa kein Parkplatzproblem mehr – die Autos schweben ja über dem Dorf. Und auch Hochwasser gehören der Vergangenheit an. Der LKW-Durchgangsverkehr saust mit Schallgeschwindigkeit durchs Tal, wie eine Magnetschwebebahn auf Anti-G-Schienen. Fast geräuschlos, wenn es den Überschallknall nicht gäbe. Na, das ist doch was.

|Mein Eindruck|

Der Autor sollte einer Zeitung in der Südostschweiz um Chur, wo ja bekanntlich viel Durchgangsverkehr herrscht, eine kleine Story zur Jahrtausendwende schreiben. Herausgekommen sind einige witzige Ideen zu den Folgen der Erfindung der Antischwerkraft und zu den Folgen der Datenflut im Internet. Mehr bringt der Dialog aber auch nicht.

_4) „Allah akbar and so smart our NLWs“ (1999?)_

NLW sind non-lethal weapons, also nicht tödliche Waffen. Ihren Einsatz verfolgen die beiden Techniker von GLUE, dem genetischen Aufspür- und Ausführungskommando der USA, in Afghanistan. Der Talibanführer, den ihre miniaturisierten und als Fliegen getarnten Beobachtungsdrohnen, im Visier haben, ist nicht bloß ein Kämpfer, sondern auch ein homosexueller Pädophiler.

Das Verstecken unter Tarnnetzen, um den Spähaugen der Satelliten zu entgehen, nützt den Taliban nichts, denn sie werden ja sowohl optisch beobachtet als auch genetisch aufgespürt. Dennoch merkt der Rebellenführer, dass mit den Fliegen etwas nicht stimmt: Sie starren ihn alle an. Seine Reaktion kommt zu spät für ihn und seine Leute. Sie werden von kleinen Spinnen in Kokons eingesponnen und vom Gift künstlicher Käfer bewegungsunfähig gemacht.

Das ist zwar alles ganz nett, aber wie hält man die Gefangenen davon ab weiterzukämpfen? Gar nicht, meint der andere Techniker. Solche Gefangenen werden von anderen Taliban getötet. Weiß der Geier, warum.

|Mein Eindruck|

Die Landschaft ist zwar nicht die Afghanistans, sondern Syyriens, aber der Autor hat sie selbst gesehen (1984), deshalb wirkt sie so authentisch. Ebenso die Bewohner, auch wenn die Gedankengänge des homosexuellen Pädophilen sicher nur Spekulationen bleiben können. Aber das ist nur Nebensache.

Der Blickwinkel springt zwischen ihm und den in den USA stationierten Technikern hin und her. Der Krieg hat eine groteske Form der Telepräsenz angenommen, bei der keine physischen Soldaten mehr eingesetzt werden, sondern mikrominiaturisierte und ferngesteuerte Waffen – eben die titelgebenden NLWs.

_5) „Das Geschmeide“ (2004, Kurd-Laßwitz-Preis)_

Auf der Siedlerwelt Cartesius, die schon lange vor den Menschen besiedelt gewesen ist, geschieht ein schrecklicher Frevel. Das Geschmeide der Götter, in dem Generationen von lebenden Göttinnen eingeschlossen sind, ist mutwillig gestohlen worden. Die Diebe aus der Flotte haben es auf die Diamanten abgesehen. Doch selbst als der Abgesandte der Flotte eine wiederhergestellte Version des Geschmeides zurückbringt, ändert dies nichts. Vier der Diamanten sind nicht mehr die ursprünglichen. Die aktuelle lebende Göttin, die Keschra, stirbt an der Aufregung und die Flottenabgesandten müssen sich vor den wütenden Pilgern im abgelegenen Keschra-Kloster in Sicherheit bringen.

Palladier, der als Dolmetscher Zeuge dieser skandalösen Vorgänge wurde, liegt verletzt im Hospital und versucht, das Vorgefallene zu verstehen. Trägt er eine Mitschuld? Doch die Bürgermeisterin der Siedler versichert ihm, es verhalte sich ganz anders. Es sei eine Folge der Zeitverschiebung, dass die Angehörigen der Flotte mutwillig mit den Siedlerwelten umsprängen: Sie erleben durch die Lichtgeschwindigkeit vier oder fünf subjektive Jahre Flugzeit, während auf den Welten Zehntausende von Jahren vergingen. Ihr Zuhause sei daher das Schiff im Raum, nicht die besuchten Welten.

|Mein Eindruck|

Trotz anfänglicher Wirrnis gelingt es dem Autor, ein spannendes und interessantes Garn zu weben. Was wie eine Fantasyerzählung beginnt, weitet schrittweise den Blickwinkel aus, bis daraus eine Science-fiction-Erzählung geworden ist. Die entworfenen Welten und Kulturen könnten die Grundlage für ein DUNE-mäßiges Epos abgeben, doch der Autor hat den kleinen Rahmen gewählt – und so viel mehr gewonnen als mit einem Epos. (Die Story gewann den KLP, nachdem sie in Andreas Eschbachs Anthologie „Eine Trillion Euro“ erschienen war.)

_6) „Lucia“ (2005)_

Gerd und Linda machen sich Sorgen um ihr „Baby“ und eilen zum Ort, wo sie Lucia beobachten können. Dr. Klein und Dr. Wittig wirken sehr besorgt. Die Bilder, die sie hereinbekommen, sind nicht ganz das, was sie erwartet haben. Denn Lucia befindet sich am denkbar heißesten Ort des Sonnensystems: in den äußeren Schichten der Sonn. Sie ist eine Sonde und wird vom Orbiter, der sie filmt, beobachtet. Wird sie es schaffen, diese Feuerprobe zu bestehen?

|Mein Eindruck|

Zunächst scheinen sich Linda und Gerd um einen jungen Menschen („Baby“) zu sorgen, doch nach wenigen Seiten wird klar, dass unser Autor absichtlich irregeführt hat: Das „Baby“ ist die Sonnensonde. Die Feuerprobe gilt ihrer schützenden Haut: Wird die spezielle Beschichtung die extreme Hitze aushalten? Diese Beschichtung wird von den Amis (von wem sonst?) „Skunk Coating“, also Stinktierbeschichtung, genannt.

Der Autor hat diese kleine Story für eine Firmen-Anthologie geschrieben, und diese Firma stellt – wen wundert’s? – eben solche Beschichtungen her. Der Grund ist jedoch weniger der finanzielle Anreiz, als vielmehr eine Hochachtung vor solchen Technikern, die auf Jeschkes eigener Ausbildung in Handwerk, Technik und Uni beruht – dies erklärt sein Begleitwort im einzelnen.

_7) „post-OP“ (2007)_

Der Erzähler ist in einer deutschen Klinik operiert worden. Seltsamerweise bestehen sowohl das Personal als auch die Patientenschaft aus Menschen, die zwar deutsch sprechen, aber aus anderen Ländern stammen: Bosnien, Äthiopien, Griechenland, Albanien, Türkei usw. Er wird froh sein, wenn er wieder nach Hause darf.

|Mein Eindruck|

Auch diese Story war eine Auftragsarbeit, und es ist beileibe keine SF-Erzählung: Die Anwesenheit der vielen „Ausländer“ ist ja bereits heute Realität. Der Herausgeber Hannes Riffel bestand trotzdem darauf, den Text in diese Auswahl aufzunehmen. Immerhin: Die Wahrnehmung von Fremdheit ist eines der zentralen Themen der Zukunftsliteratur.

_8) Vorwort von Franz Rottensteiner_

Nachdem er die Misere des gewandelten Verlagsmarktes abgehandelt hat, kommt der bekannte Herausgeber („Suhrkamps Phatastische Bibliothek“, „Quarber Merkur“, usw.) auf die Spielarten der Science-Fiction zu sprechen, zwischen den Polen der Faktenpopularisierer und den Fabulierern. Dann endlich beginnt er Jeschke einen Stellenwert zuzuweisen und dessen Werke unter ihren verschiedenen Aspekten zu beurteilen.

Rottensteiner sieht Jeschke meistens unter den Fabulierern und Weltenschöpfern, besonders in „Meamones Auge“, „Der letzte Tag der Schöpfung“ usw., aber auch als Reiseführer bei einer Odysssee, etwa in „Osiris Land“. Aber Jeschke stütze sich durchaus auf wissenschaftliche Fundamente, nicht nur in „Meamones Auge“ (das an Aldiss‘ „Helliconia“ erinnert), sondern auch in „Das Cusanus-Spiel“, einem Zeitreise-Roman.

_Unterm Strich_

Der stärkste Text in diesem Mittelband der Trilogie gesammelter Jeschke-Erzählungen ist zweifellos „Meamones Auge“. Der Kurzroman greift einen Traum der Gentechnik auf und verlegt ihn zwischen die Sterne. Das ist durchaus spannend und anrührend zu lesen. Leider gibt es, wie im gesamten Band, keine einzige Illustration zu dieser Geschichte, anders als im Heyne-SF-Band von „Meamones Auge“.

Auf dem zweiten Rang finden sich die Erzählungen „Partner fürs Leben“, das auch die Medizin globalisiert, und „Das Geschmeide“, das zwischen Fantasy und Science Fiction wandert. Beide Texte erhielten zu Recht den Kurd-Laßwitz-Preis.

Die restlichen Texte kann ich leider nur als Füllsel ansehen. Mag auch ab und zu, besonders in „Allah akbar“, eine Menge Einfallsreichtum dahinterstecken, so beleuchten die handlungslosen Stories lediglich schlaglichtartig mögliche Entwicklungen. Nichtsdestotrotz steht in ihnen immer der Mensch im Mittelpunkt, als Täter wie auch als Opfer, so etwa von neuester Technik. Es sind Short Short Storys, wie sie v. a. in den USA gepflegt werden (Isaac Asimov hat davon 1984 bei Goldmann einen ganzen Band veröffentlicht).

Was Rottensteiner zu erwähnen vergisst, ist die bemerkenswerte Tatsache, dass Jeschke zu den wenigen deutschen SF-Autoren gehört, die auch in Übersee veröffentlicht worden sind, insbesondere in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. (Rottensteiner publizierte Jeschke in den USA in mindestens einer Anthologie, wie Jeschke berichtet.) Damit befindet sich der Autor in einer Riege mit Andreas Eschbach und Frank Schätzing.

Die drei Illustrationen von Thomas Franke (zwei auf dem Umschlag, eine auf dem Frontspiz) illustrieren das Aufeinandertreffen bzw. die Koexistenz von Natur und Technik, Gestern und Heute, Tradition und Wissenschaft. Ganz besonders gefiel mir dabei der urwüchsige Schamane auf dem Frontispiz.

|Taschbenbuch: 192 Seiten
ISBN-13: 978-3926126788|
[www.shayol.net]http://www.shayol.net

_Wolfgang Jeschke (als Herausgeber) bei |Buchwurm.info| [Auszug]:_
[„Titan-1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4724
[„Titan-2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7346
[„Titan-3“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7347
[„Titan-4“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7086
[„Titan-5“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7087
[„Titan-6“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4327
[„Titan-7“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4486
[„Titan-8“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3747
[„Titan-9“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4274
[„Titan-10“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3687
[„Titan-11“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4509
[„Titan-12“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4538
[„Titan-13“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7350
[„Titan-14“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7348
[„Titan-15“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7351
[„Titan-16“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7349
[„Titan-18“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7353
[„Titan-19“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7352
[„Titan-20“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7354

Grimbert, Pierre – Macht der Dunkelheit, Die (Die Götter 3)

_|Die Götter:|_

Band 1: [„Ruf der Krieger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7307
Band 2: [„Das magische Zeichen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7422
Band 3: _“Die Macht der Dunkelheit“_
Band 4: „Das Schicksal von Ji“ (13.08.2012)

_Die Suche der Erben_ nach den Geheimnissen der sagenumwobenen Insel Ji geht in eine weitere Runde: „Die Macht der Dunkelheit“ heißt der dritte Teil Pierre Grimberts „Die Götter“-Saga, in dem Damián, Guederic, Lorilis, Josion, Maara, Najel und Souanne weiterhin die Spuren ihrer verschwundenen Eltern verfolgen, um herauszufinden, ob Götter und Dämonen tatsächlich auf die Welt zurückgekehrt sind. Behilflich sind den Protagonisten dabei diesmal verschlüsselte Aufzeichnungen von Damiáns und Guederics Vater, die der mittlerweile befreundeten Gruppe zwar zahlreiche Hinweise für ihre Suche geben, ihnen aber schlussendlich auch eine unglaubliche Überraschung eröffnen: Sind die Erben möglicherweise selbst die wiedergeborenen Götter und Dämonen?

_Als Pierre Grimbert_ im zweiten Teil „Das magische Zeichen“ endlich tiefer in die eigentliche Geschichte der Saga einstieg, nachdem er sich im ersten Band „Ruf der Krieger“ größtenteils darauf beschränkte, Vorgeschichte, Schauplätze und Personen vorzustellen, hatte ich mich schon gefreut. Endlich wurde es spannend, endlich passierte etwas. Vom dritten Band der Saga erhoffte ich mir dann natürlich, dass Grimbert die einmal aufgebaute Spannung des vorherigen Teiles nutzen, sie weiter steigern und die Handlung weiter vorantreiben würde. Doch leider stellt „Die Macht der Dunkelheit“ diesbezüglich eher ein Schritt nach hinten dar. Die Geschichte wird zwar fortgeführt, schleppt sich jedoch über zahlreiche Seiten eher gemächlich vor sich hin, ohne dass etwas wirklich Aufregendes passiert, sodass der Spannungsbogen nach und nach in sich zusammenbricht. Und das bei ist bei gerade einmal 280 Seiten (erneut hängt der eigentlichen Geschichte ein „kleines Lexikon der bekannten Welt“ an). Da bekommt man glatt das Gefühl, Grimbert hätte krampfhaft versucht, so viele Seiten wie möglich voll zu bekommen. Erst im letzten Viertel des Buches nimmt der Autor wieder etwas Fahrt auf und besonders das Ende von „Die Macht der Dunkelheit“ kommt dann doch ziemlich überraschend. Das allein reicht jedoch nicht aus, um dieses Werk wirklich empfehlenswert zu machen. Dafür genügt es auch nicht, dass sich dieses Buch, ähnlich wie seine Vorgänger, aufgrund der einfachen Sprache recht schnell liest und sich deshalb gut als Lektüre zwischendurch eignet.

_Meiner Meinung nach_ hätte man die ersten beiden Bände der Saga problemlos zu einem Werk zusammenschnüren können und wahrscheinlich wird das beim dritten und vierten Band ähnlich sein. Dennoch ist „Die Macht der Dunkelheit“ natürlich kein schlechtes Buch, Fans von Grimbert oder klischeehafter Fantasy-Literatur generell finden bestimmt auch Gefallen an diesem Teil der Saga. Dennoch bleibt natürlich zu hoffen, dass es im vierten Teil, „Das Schicksal von Ji“, wieder etwas mehr zur Sache geht.

|Taschenbuch: 336 Seiten
Originaltitel: Le Souffle des Aieux
Ins Deutsche übertragen von Sonja Finck und Bettina Arlt
ISBN 978-3453528093|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Raumposition Oberon (Weltraumpartisanen – Band 22)

_Mark Brandis bei |Buchwurm.info|:_

Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [Triton-Passage]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391
Band 21: [Blindflug zur Schlange]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7618

_Band 22: Raumposition Oberon_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch, und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen, zu bekommen sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in diesem seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über ein einziges – wenig beachtetes und noch weniger geliebtes – Buch nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Original-Serie noch einmal, mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit, an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und später wieder als Cheftester in der zivilen Institution VEGA tätig (Band 5 – 20), hat in seiner bewegten Laufbahn schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt. Seit Band 21 ist er nun Vormann der UGzRR, der unabhängigen Gesellschaft zur Rettung Raumschiffbrüchiger.

_Zur Story_

Sommer/Herbst 2083. Die UGzRR hat sich als von den Machtblöcken unabhängiger Raumrettungsdienst gut etabliert. Die Akzeptanz bei Raumpiloten aller Herren Länder ist inzwischen recht groß. Besonders wenn man dort erstaunt wie erfreut feststellt, dass der Service, den die kleine Flotte mit Sitz in Las Lunas leistet, kostenlos ist. Diese tragen EAAU und VOR gleichermaßen. Doch das Zeichen Malteserkreuzes und die demonstrative Neutralität schützt nicht immer vor Übergriffen. Leider. Ein HERCULES-Transporter mit augenscheinlich technischen Schwierigkeiten reagiert auf keinerlei Kontaktversuche – dabei bieten gleich zwei Schiffe ihre Hilfe an. Darunter die „Elsa Brandström“ mit Commander Mark Brandis als Gast an Bord. Der vermeintlich harmlose Havarist scheint wohl ein Waffenschmuggler zu sein und attackiert unversehens mit versteckt installierten Waffensystem. Nur durch Glück – und seinen offenbar schwächelnden Energiezellen – passiert nichts Schlimmeres. Der Zwischenfall bleibt nicht ohne Schäden an Material und Nerven – und ohne Folgen auch nicht.

Mancher UGzRR-Commander würde seine Mühle zum Selbstschutz gern mit Energiekanonen ausstatten lassen. Die strategische Raumflotte der EAAU ist mit einem solchen Danaer-Geschenk an die Organisation herangetreten. Der Preis dafür wären kleinere Patrouillendienste, um etwa solchen Waffenschiebern das Handwerk zu legen. Man hat derzeit alle Hände voll zu tun, die Separatistenbewegung auf der Venus in Schach zu halten. Da kämen der EAAU ein paar billige Deputys grade recht. Brandis als 1. Vormann und Repräsentant der UGzRR lehnt dies kategorisch ab. Waffen auf zivilen Raumrettungskreuzern in humanitärer Mission? Undenkbar! Man sei schließlich keine Truppe von willigen Hilfssheriffs. Bei einer Abstimmung des Kommando-Rates darüber unterliegt er jedoch und wird als Vormann abberufen – Brandis und seine „Henri Dunant“ schickt man einstweilen zur ungeliebten Position nahe beim Uranus-Mond Oberon. Während sich im Sonnensystem ein kosmisches Unwetter-Phänomen zusammenbraut, geht sein Nachfolger lieber auf Verbrecherjagd.

_Eindrücke_

Schon der zweite Band der nahtlos über die Leserschaft hereingebrochene UGzRR-Ära stellt die junge Organisation vor die erste Feuertaufe und steht natürlich ganz im Zeichen der humanitären wie pazifistischen Message, welche NvM so gern in seinen Romanen verwendet. Mit der, an die DGzRS angelehnte, Raumrettungsflotte hat er dafür natürlich ein nahezu ideales Transportmedium, mit deren Zielsetzungen sich wohl jeder sofort identifizieren kann. Selbstverständlich gibt es auch wieder einen passenden, charakterlich nicht ganz so koscheren, Gegenspieler, welcher Brandis‘ schöne caritative Welt empfindlich stört. Klar, dass der letztendlich vom stets moralinsauer weichgespülten Hauptdarsteller triumphal einen auf den verbeulten Raumhelm bekommt. Gleichzeitig gönnt er einer seiner offensichtlichen Lieblingsfiguren mal eine kleine Pause: Grischa Romen ist auf Lehrgang, diesmal also nur eine Randnotiz wert, fiedelt nicht, spielt keine Mundharmonika, mobilisiert keine anderen Zigeuner und ist auch sonst an der Rettung des Sonnensystems – pardon der UGzRR – persönlich mal nicht beteiligt. Überraschung.

Dafür ist es weitaus weniger überraschend, dass genau der schon so oft aufgekochte SAR-Brei mit allen seinen üblichen Querelen von A bis Z kredenzt wird, was für sich alleine vor diesem Setting ja nicht verwunderlich ausnimmt und auch vollkommen OK ist. Dummerweise tapert NvM bei genauerer Betrachtung dabei jedoch von einem Figuren-Stereotyp (Ivan Stroganow darf u. a. ständig Captess Katos verhunzte Metaphern übersetzen, was auf Dauer dann irgendwann doch ziemlich unlustig wird und sogar nervt, dass Brandis nicht mal selbst drauf kommt) und Story-Klischee ins Nächste und lässt auch diesmal wieder das Verständnis des Lesers in naturwissenschaftliche Zusammenhänge – sprich: (Astro-)Physik – in ihren Grundfesten erzittern. Zwei Asteroiden-Hurrikane, die sich verhalten wie irdische Atlantik-Tiefdruckgebiete über der Biskaya, sind in der Science-Fiction bis dato unbekannt gewesen und tauchten hernach auch nie wieder in irgendeiner ernst zu nehmenden Publikation – fiktiv oder dokumentarisch – auf. Aus gutem Grund: Unfug. Spannend ist der Kladderadatsch aber doch. Auch wenn der Ausgang vollkommen klar ist.

_Fazit_

Schraubt man sein naturwissenschaftliches Wissen heutiger Tage auf ein Minimum zurück, was Kenner und Liebhaber der Serie ohnehin längst gewohnt sind, ist die 2. UGzRR-Story mit ihrer gefälligen, humanistisch-pazifistischen Message gar nicht mal so übel und liest sich flott runter. Sogar für Quereinsteiger ist diese Geschichte durchaus geeignet, die Kenntnis aber mindestens des Vorgängerbandes („Blindflug zur Schlange“) anzuraten. Leider ist sie ansonsten wenig originell, da sie sich schon wieder einmal vieler bereits häufig verwendeter Versatzstücke aus dem MB-Baukasten bedient, sowohl was die Figurenzeichnung angeht (NvMs Frauentypisierung wäre z. B. für Psychoanalytiker sicher nicht ganz uninteressant) als auch dem Plot selbst. Somit rangiert „Raumposition Oberon“ dennoch im stabilen Mittelfeld und es ist begrüßenswert, dass dieses Stück nostalgischer, deutscher SciFi derzeit eine kleine Renaissance erlebt.

|Taschenbuch, 176 Seiten
Ersterscheinung: 1982
ISBN: 978-3-938065-79-2|
[www.wurdack-verlag.de]http://www.wurdack-verlag.de

_|Mark Brandis| als Hörspiel:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468
11 „Die Vollstrecker 1“
12 „Die Vollstrecker 2“
13 [„Pilgrim 2000 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7059
14 [„Pilgrim 2000 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7060
15 [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7128
16 [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7129
17 [„Alarm für die Erde“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7479
18 [„Alarm für die Erde“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7480
19 „Sirius Patrouille“ (geplant für März 2012)

Licia Troisi – Der Fluch der Assassinen (Die Schattenkämpferin 3)

Die Schattenkämpferin-Trilogie:

Band 1: „Das Erbe der Drachen“
Band 2: „Das Siegel des Todes“
Band 3: „Der Fluch der Assassinen“

Story:

Nach der teils triumphalen Rückkehr der einzelnen Gefährten beschließt der Rat des Wassers, die Gilde der Assassinen endgültig zu vernichten und die Schreckensherrschaft Dohors‘ parallel hierzu zu einem friedlichen Ende zu führen. Auch Dubhe fühlt sich inzwischen ihrer Aufgabe verpflichtet und reist mit der ungleichen Magierin Thena nach Makrat, um die Herkunft ihres Siegels zu ergründen und es durch den Tod des kriegstreibenden Königs endgültig zu verbannen. Als Mägde verkleidet fallen die beiden jedoch schnell in die Hand von Sklavenhändlern und werden auf dem Markt als neue Hilfskräfte feilgeboten. Ausgerechnet Learco, Dohors Sohn, verpflichtet Thena und Dubhe für seine Dienste, nicht wissend, wen er künftig mit sich führt. Während ihrer treuen Dienste am Hofe von Dohor erforschen Dubhe und Thena die Bibliothek des Königs und werden für ihre Hartnäckigkeit belohnt. Gleichzeitig nähern sich auch Learco und Dubhe immer weiter an – eine Begebenheit, die in der Schattenkämpferin Gefühle weckt, die ihr bislang in dieser Intensität immer fremd waren. Dubhe offenbart sich schließlich dem ungeliebten Königssohn und überredet ihn zur Verschwörung gegen den finsteren Herrscher. Doch bevor ihr Attentat umgesetzt werden kann, wird der Hochverrat bekannt.

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Mull, Brandon – Schattenplage, Die (Fabelheim 3)

_|Fabelheim|:_

[„Fabelheim“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5819
[„Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6499
_“Fabelheim – Die Schattenplage“_
„Secrets of the Dragon Sanctuary“ („Die Zuflucht der Drachen“, August 2012)
„Keys to the Demon Prison“ (noch ohne deutschen Titel)

_Fabelheim, das Schutzreservat_ für magische Kreaturen, wird noch immer bedroht. Die geheimnisvolle Gesellschaft des Abendsterns hat ihre Bemühungen, Kendra, ihren Bruder Seth und ihren Großvater Sorensen in die Knie zu zwingen, längst noch nicht aufgegeben. Jetzt breitet sich die geheimnisvolle Schattenplage aus, die Wesen des Lichts in Kreaturen der Finsternis verwandelt. Bei der Verteidigung der guten Feen muss Seth über sich selbst hinauswachsen und erkennen, wozu er wirklich fähig ist – oder aber Fabelheim wird untergehen.

Kendra hingegen wird von den Rittern der Morgenröte aufgefordert, ihrer Gemeinschaft beizutreten. Denn die Schattenplage ist nur ein Ablenkungsmanöver. In Wahrheit hat die Gesellschaft des Abendsterns ein viel schrecklicheres Ziel als nur die Ermordung unzähliger magischer Wesen. Die Zerstörung von Fabelheim wäre nur der erste Schritt zur Vernichtung alles Guten in der Welt. (Verlagsinfo)

_Kritik_

Zum dritten Mal schickt uns Brandon Mull auf eine abenteuerliche Reise mit Kendra und Seth. Im dritten Teil seiner Reihe um das magische Reservat „Fabelheim“ bekommen es die dortigen Bewohner und Freunde mit der „Schattenplage“ zu tun, und nie stand Fabelheim so kurz vor der kompletten Zerstörung.

Wie schon in den vorangegangenen Bänden „Fabelheim“ und „Die Gesellschaft des Abendsterns“ lässt Brandon Mull uns Leser wieder in die magische Welt von Fabelheim eintauchen. Geboten wird eine All-Age-Fantasyreihe, die jüngere Leser sowie Erwachsenen völlig in den Bann zieht und begeistert zurücklässt. Der Roman punktet vor allem durch originelle Ideen, durch die sich „Fabelheim“ von der breiten Masse deutlich abhebt. Wurden die Leser in den ersten beiden Romanen noch in die Welt der magischen Reservate eingeführt und lernten Fabelheim dadurch gut kennen, wird nun der Radius erweitert und auch andere Reservate spielen eine Rolle. Auch hier werden Abenteuer erlebt und das Ganze fügt sich so zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Das Abenteuer als solches ist am Ende abgeschlossen und dürfte zufriedene Leser zurücklassen. Endgültig ist dieses Ende allerdings nicht, denn zu gerne möchte man wissen wie es mit den Figuren und den Reservaten weitergeht – können sie der „Gesellschaft des Abendsterns“ trotzen?

Der zeitgemäße Schreibstil des Autors macht es leicht, den Ereignissen zu folgen. Ein klarer Satzbau mit treffender Wortwahl unterstützt das Lesevergnügen, und so ist es ein Leichtes, durch die Seiten zu fliegen und an den abwechslungsreichen Abenteuern der Geschwister Kendra und Seth teilzuhaben. In dem abenteuerlichen Plot kommt auch der Humor in Fabelheim nie zu kurz. Der Inhalt und die gewählte Sprache passen hervorragend zusammen. Erzählt wird das Abenteuer aus der Perspektive eines Beobachters in der Vergangenheitsform. Dieser Erzähler konzentriert sich auf das Geschwisterpaar Kendra und Seth, vergisst dabei aber auch nicht, dass andere wichtige Figuren mitspielen.

Dem Autor gelingt es, eine fantastische Welt zu schaffen, die so bildlich beschrieben wird, dass es kein Problem ist, sich diese vorzustellen. Schnell hat der Leser die Möglichkeit, die Schauplätze vor dem inneren Auge wahrzunehmen. Detailreich und faszinierend ist das Bild, welches der Autor zeichnet.

Schon auf den ersten Seiten erzeugt der Autor eine fesselnde Spannung, die er durch den kompletten Roman hält. Durch die wechselnden Schauplätze werden zudem immer wieder neue Cliffhanger geschaffen, die es schwermachen zu pausieren. Die Ereignisse in „Die Schattenplage“ lassen den Figuren nicht sehr viel Zeit zu handeln; schnell schreitet die bedrohliche „Krankheit“ voran, und so ist Fabelheim schnell zu einem unsicheren Ort geworden. Die Rettung dieses magischen Reservats muss also schnell vorangetrieben werden. Dennoch hat der Autor die Muße, für Überraschungen zu sorgen und neue Wesen, Helfer und Gegner vorzustellen. Sicherlich kommt es zu kleineren Schwächen, wie logischen Fehlern, diese können dem Gesamtwerk jedoch nicht schaden.

Die Figurenzeichnung ist individuell vielfältig, das zeigt sich vor allem, weil Brandon Mull seinen Protagonisten, aber auch den Nebenfiguren eine breite Bühne gibt, um sich zu entwickeln. Kendra und Seth merkt der Leser schnell an, dass sie an Reife gewinnen. Kendra präsentiert sich weiterhin bedacht und vorsichtig, zeigt aber auch an, wie sie über sich selbst hinauswachsen kann und so eine Menge erreicht. In ihrer vorsichtigen Art ist Kendra trotzdem mutig und entschlossen. Auch Seth, der uns Leser durch seine verantwortungslose und überstürzte Art so manches Mal in die Verzweiflung trieb, verändert sich. Sicherlich ist er immer noch der chaotische kleine Held, der sich zwingend beweisen muss, aber er lernt, für seine Handlungen Verantwortung zu übernehmen.

Das Cover hätte wirklich sehr schön sein können. Leider kam jemand auf die abstruse Idee, statt des üblichen Aufklebers als Werbemittel hier einen blauen Fleck in das Cover zu platzieren. Schade! Sonst wurde das Originalcover bis auf ein paar kleine farbliche Änderungen übernommen. Leider sieht das Ganze im Regal auch nicht vorteilhaft aus. Kam der erste Band noch gebunden auf den deutschen Markt, entschied der Verlag sich beim zweiten Band für die Taschenbuchausgabe, diese ist allerdings um ein paar wenige Zentimeter kleiner als die jetzige Taschenbuchausgabe.

_Autor_

Der internationale Bestsellerautor Brandon Mull hat schon von Kindheit an davon geträumt, eines Tages ein erfolgreicher Schriftsteller zu sein – ein Traum, der sich bereits mit der Veröffentlichung seines Debütromans erfüllt hat. Sechs Monate nach Erscheinen der amerikanischen Ausgabe von „Fabelheim“ konnte er seinen Angestellten-Job an den Nagel hängen und widmet sich seither ausschließlich dem Schreiben. Mull lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem friedlichen kleinen Tal, unweit der Mündung eines Canyons.

_Fazit_

Wieder hat Brandon Mull in „Fabelheim 3 – Die Schattenplage“ alles vereint, was einen guten und unterhaltsamen Roman im Genre Fantasy ausmacht. Verschiedenste Fabelwesen wie Zentauren, Satyre, Feen und Nymphen, gepaart mit dem abenteuerlichen und fantastischen Plot, liebenswerten und sympathischen Darstellern und einem undurchsichtigen Feind, machen Fabelheim aus. Der Geschichte kann man sich kaum entziehen, und schon jetzt hoffe ich auf eine baldige Übersetzung des vierten Teils „Secrets of the Dragon Sanctuary“!

|Broschiert: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3764530891
Originaltitel: Fablehaven 3. Grip of the Shadow Plague|

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Gijsen, Wim – Im Reich der Zauberinnen (Deirdre 3)

_Die |Deirdre|-Trilogie_:

1. Band: [„Wendekreise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7624
2. Band: [„Die Sandrose“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7625
3. Band: [„Im Reich der Zauberinnen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7626

_Fantasy-Action: Entscheidung beim Orakel_

Im dritten und abschließenden Band von Wim Gijsens Trilogie um die Entwicklung und Abenteuer der jungen Frau Deirdre in den Ländern am Lavendelmeer kommt es zur Entscheidung: Wird die Welt weiterhin gespalten bleiben oder wird es Deirdre gelingen, als geweissagte Retterin der Welt, als die „Bidahinne“ die Spaltung aufzuheben und Frieden zu bringen?

_Der Autor_

Wim Gijsen (1898-1990) ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren. In Deutschland erschienen seine Science-Fiction-Romane „Die Ersten von Rissan“ (1980) und „Die Könige der Vorzeit“ sowie die Fantasy-Romane um Iskander den Traumdieb (alle bei Heyne). „Die Sandrose“ ist der zweite Band in der Trilogie um die junge Frau Deirdre, die dazu berufen scheint, die seit Jahrtausenden gespaltenen Völker, die um das Lavendelmeer herum siedeln, wieder zu versöhnen.

_Handlung_

Die weisen Frauen eines Wüstenklosters haben in Deirdre, der ehemaligen Priesterin und Tempeldienerin, die „Bidahinne“ erkannt. Sie soll dem Lure-Imperium den heißersehnten Frieden bringen. Diese Ereignisse wurden im zweiten Band der Trilogie, „Die Sandrose“, berichtet.

Ins Reich Lure gelangt Deirdre jedoch als Gefangene der telepathischen Zauberin und Herrscherin Katein, ein Faustpfand, um für Katein Macht und Einfluss unter ihresgleichen zu erringen. Doch Katein ist entgangen, dass der Kampf zwischen ihr und Deirdre nicht mit Gewalt, sondern mit den Waffen des Geistes ausgetragen wird.

Denn Deirdre erzählt in Kateins Palast von ihrem Land, das ihren Zuhörern wie ein freundlicherer Gegenentwurf zu ihrer eigenen, auf Gewalt und Machtausübung aufgebauten Gesellschaft erscheint. So überzeugt sie Kateins Schwester Themis, eine als harmlos und versponnen geltende Künstlerin, ihr zur Flucht zu verhelfen. Deirdre flieht in die Berge, wo sie sich den Rebellen anschließt und ihre Gefährten wiederfindet. Später schließt sich ihr Themis an, sozusagen als erste Jüngerin.

Katein ist zwar außer sich vor Wut, dass ihr die wertvolle Fremde entwischt ist, doch sie muss sich dem Orakel der Erdmutter stellen # die konkurrierenden Herrscherhäuser haben sie des Hochverrats angeklagt. Sie wird wider Erwarten freigesprochen, und es gelingt ihr sogar, die anderen Häuser hinter sich zu bringen. Auf der Höhe ihres Ruhms angelangt, kann Katein nun mit ihrer Flotte in See stechen, um die Länder am Lavendelmeer ihrem Machtbereich einzuverleiben. Doch sie hat nicht mit der Überzeugungskraft Deirdres gerechnet, die sich ihr in den Weg stellt.

_Mein Eindruck_

Der Schlussband der „Deirdre“-Trilogie weist eine kunstvolle Erzähltechnik auf, die geschickt die Perspektiven der Hauptpersonen einander kontrastierend gegenüberstellt. Deirdre ist entsetzt über ein Land, in dem Frauen genauso schlimm herrschen und Untertanen ausbeuten, wie in ihrer Heimat dies Männer tun. Katein hingegen ist so von Machtgier besessen, dass sie ihre eigene Schwester tötet und Aufstände erbarmungslos niederschlägt.

Allmählich verschiebt sich (mit zahlreichen ironischen Aspekten) das Gleichgewicht zwischen den beiden, sodass Kateins Anhänger zu Deirdre überlaufen. Der Entscheidungskampf bleibt jedoch buchstäblich bis zur letzten Seite aufgeschoben. So ist dieser Schlussband ein außerordentlich spannendes, einfallsreiches und lebendiges Buch.

|Originaltitel: Lure (1986)
Taschenbuch: 382 Seiten
Aus dem Niederländischen übertragen von Hildegard Höhr
ISBN-13: 978-3453156081|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

Gijsen, Wim – Sandrose, Die (Deirdre 2)

_Die |Deirdre|-Trilogie_:

1. Band: [„Wendekreise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7624
2. Band: [„Die Sandrose“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7625
3. Band: [„Im Reich der Zauberinnen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7626

_Kampf mit den inneren Dämonen_

Mit der „Deirdre“-Trilogie hat Gijsen ein Juwel europäischer Fantasy geschrieben, das sich einfallsreich und wohltuend von der Einheitskost amerikanischer Fantasy abhebt. Mag der erste Band noch nicht besonders rasant gewesen sein, so entschädigen dafür doch die beiden Folgenbände durch mehr Action.

_Der Autor_

Wim Gijsen (1898-1990) ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren. In Deutschland erschienen seine Science-Fiction-Romane „Die Ersten von Rissan“ (1980) und „Die Könige der Vorzeit“ sowie die Fantasy-Romane um Iskander den Traumdieb (alle bei Heyne). „Die Sandrose“ ist der zweite Band in der Trilogie um die junge Frau Deirdre, die dazu berufen scheint, die seit Jahrtausenden gespaltenen Völker, die um das Lavendelmeer herum siedeln, wieder zu versöhnen.

_Handlung_

Deirdre wurde als Kind von einer alten weisen Frau prophezeit, dass sie das Schicksal der Völker bewegen werde. Nun ja, im ersten Teil der Trilogie, Wendekreise, sah ihr Leben nicht danach aus: Sie wurde in die Leibeigenschaft verkauft und musste sich im Tempel der Göttin prostituieren.

Das Blatt wendet sich für Deirdre radikal, als die Äbtissin eines ihr bislang völlig unbekannten Kloster ssie freikauft und sie von einem Seemann namens Lodderein zu sich bringen lässt. Die Reise führt sie per Schiff übers Lavendelmeer, das so heißt, weil eine gefährliche Algenart mit dem Lavendelduft die Sinne der Menschen betäubt und sie so in Gefahr bringt.

Die Reise geht immer weiter, bis Deirdre mit ihren Gefährten mitten in der Wüste auf das Kloster Dodenisse stößt. Die geheimnisvolle Äbtissin namens Shihazar eröffnet Deirdre, dass sie sie freigekauft habe, weil Deirdre möglicherweise die geweissagte Bidahinne sei, die Befreierin der Völker, die erkennbar sei am Zeichen der Rose so ein Zeichen trägt Deirdre am Arm. Die aber hat so ihre Zweifel, das Mal stammt von einem Hundebiss.

Im Kloster erlernt Deirdre die Selbsterforschung, den Kontakt mit der Geisteswelt und die Telepathie allesamt sehr nützliche Dinge, wie sich zeigen soll. Shihazar schickt sie mit einem Dutzend Begleiter auf eine gefährliche Mission ins verborgene und feindliche Land Lure, um mit dessen Bewohner, die sich vor Urzeiten von der Glaubensrichtung Dodenisses abgespalten haben, Kontakt aufzunehmen und zu einem Einverständnis zu gelangen.

Als Führerin über den hohen Bergpass, den Deirdres Gesellschaft bezwingen muß, erweist sich die Gefangene Kateien, die aus Lure stammt. Doch kaum ist der Pass glücklich bezwungen, übernimmt die schon zuvor hochmütige Katein plötzlich das Kommando: Nur Deirdre kann den telepathischen Kräften der ehemaligen Hohepriesterin standhalten, ihre Gefährten werden gefangen.

Es sieht so aus, als habe Deirdre schlechte Karten in Lure. Doch die Göttin hält ihre Hand über die junge Bidahinne, die bald wieder den Glauben an sich gewinnt.

_Mein Eindruck_

Dieser Mittelband erzählt von Übergängen, Reisen und Wandlungen – die Lösung folgt erst im Schlussband. Höhepunkt ist sicherlich die Klostersitzung, auf der Deirdre zu Retterin der Welt der Bidahinne erklärt wird.

Die Action findet nicht in äußerlichen, sondern innerlichen, seelischen Kämpfen statt. Eindringlich weiß der Autor von Deirdres Initiation in die Anderwelt zu erzählen: In einem stockdunklen Raum in den Gängen der uralten Totenstadt, allein mit sich und ihren Dämonen Einsamkeit, Begierde und Tod.

Der Stil unterscheidet sich stark von amerikanischer Fantasy, weist viel weniger Dialoge und mehr Innenwelt auf. Zudem nimmt der Erzähler kein Blatt vor den Mund, wenn es um sexuelle Dinge geht nach dem Motto: Bloß keine falsche Scham!

Man darf auf den Schlussband gespannt sein.

|Originaltitel: Bidahinne (1985)
Taschenbuch: 333 Seiten
Aus dem Niederländischen übertragen von Hildegard Höhr
ISBN-13: 978-3453156050|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

Dick, Philip K. – Radio Freies Albemuth

_Der Autor_

Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science- Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow My Tears, the Policeman Said“ (dt. als „Die andere Welt“ bei Heyne) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon. Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstress‘ durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967.

Er erlebte noch, wie Ridley Scott 1980 seinen Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ zu „Blade Runner“ umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat.

Ben Affleck soll in naher Zukunft in einem Film namens „Paycheck“ auftreten, der auf der gleichnamigen Dick-Story aus dem Jahr 1953 beruht. An einem Skript zu Dicks Roman „Der dunkle Schirm“ wird seit Jahren gebastelt. Und vom Roman „UBIK“ hat Dick selbst ein Skript erstellt (das in der Heyne-Ausgabe vom 11/2003 enthalten ist), das aber noch keine Umsetzung gefunden hat.

_Der Roman_

Diese Urfassung von Dicks VALIS-Roman entstand 1975/76, wurde aber erst posthum in Dicks Nachlass gefunden und veröffentlicht. Er konnte das Manuskript seinerzeit nicht bei den Verlagen unterbringen, wohl auch aus politischen Gründen.

„Albemuth“ ist durchaus ein eigenständiger Roman und als solcher jedem Leser absolut verständlich, selbst wenn man die spätere Trilogie nicht gelesen hat. Es handelt sich um einen durch und durch politischen Roman, der mit Anspielungen auf reale Ereignisse Anfang der 70er Jahre gespickt ist.

Während Dick in der realen Welt mit der Geheimpolizei der Nixon-Regierung unliebsame Bekanntschaft machte, so sind es der Dick und sein Freund Brady in einer Parallelwelt, die sich gegen die Machenschaften Präsident Ferris F. Freemonts behaupten müssen. Freemont will offenbar die ganzen USA in ein riesiges Konzentrationslager verwandeln bzw. hat das schon getan.

Nicholas Brady, vom kleinen Plattenverkäufer (war PKD auch mal) zum bekannten Talentsucher der kalifornischen Popmusikbranche aufgestiegen, gerät unversehens in den Verdacht subversiver kommunistischer Tätigkeit. Dabei hatte er nur Kontakt mit sehr seltsamen Außerirdischen.

Mit Hilfe der von VALIS, einer außerirdischen Intelligenz, übermittelten Informationen finden Dick und Brady schließlich heraus, dass Freemont als Inkarnation des Bösen ausgeschaltet werden muss – und dass eine Schlacht im Gange ist, in der sich die Seite der Guten der Hilfe von Paralleluniversen versichert hat, um Freemont alias Nixon auszuschalten. Eine Invasion aus dem All scheint das letzte Mittel gegen den ultrakonservativen Präsidenten zu sein, der überall den Einfluss des Kommunismus wittert …

_Mein Eindruck_

Ein optimales Werk für Paranoiker also. All die Bezüge zu realen Ereignissen machen „Albemuth“ zu einem Schlüsselroman in Dicks Werk, der nicht nur für eingefleischte Dick-Fans interessant ist. Die Story selbst ist unterhaltsam und spannend im typischen Dick-Ton erzählt.

|Taschenbuch: 269 Seiten
Originaltitel: Radio Free Albemuth, 1975/76;
Aus dem US-Englischen übertragen von Peter Robert
ISBN-13: 978-3811837461|
[www.vpm.de]http://www.vpm.de

Viele weitere Rezensionen zu _Philip K. Dick_ findet ihr in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Blindflug zur Schlange (Weltraumpartisanen – Band 21)

_Mark Brandis bei |Buchwurm.info|:_

Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [Triton-Passage]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391

_Band 21: Blindflug zur Schlange_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch, und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen, zu bekommen sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in diesem seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über ein einziges – wenig beachtetes und noch weniger geliebtes – Buch nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Original-Serie noch einmal, mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit, an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und bislang wieder als Cheftester in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt.

_Zur Story_

Dezember 2082. Commander Mark Brandis ist seit Kurzem nicht mehr bei der VEGA tätig, sondern beim Raumrettungsdienst UGzRR (Unabhängige Gesellschaft zur Rettung Raumschiffbrüchiger) mit Sitz in Las Lunas auf dem Mond. Die Gründung ist eine erste sinnvolle Kooperation der EAAU und VOR, welche beide Personal sowie Material für den Betrieb der UGzRR stellen. Ein Knochenjob. Brandis‘ Flaggschiff ist die „Henri Dunant“, ein älteres, aber sehr solides Arbeitspferd – vorbei die Zeiten, in denen er schicke, brandneue Prototypen durch das Sonnensystem scheuchte, die es auf Herz und Nieren zu testen galt. Einige seiner bisherigen VEGA-Kollegen und Mannschaftskameraden sind ihm hierher gefolgt. Navigator Ivan Stroganow zum Beispiel. Oder auch sein Freund und ehemaliger Pilot Grischa Romen. Der ist dadurch quasi sogar die Karriereleiter herauf gefallen und hat ein eigenes, zunächst vorübergehendes, Kommando bekommen.

Sein Schiff soll auch das erste sein, dass mit einem dunklen Schatten der Vergangenheit in Berührung kommt. Dieser heißt „Vendetta“ und steht unter dem Kommando von Ahmed Khan, ein längst tot geglaubter Ex-VOR-Commander und späterer Raumpirat übelster Sorte. Die „Florence Nightingale“ wird von der „Vendetta“ gekapert und Schiff wie Crew geraten in die Fänge der Piraten. Brandis ist derweil auf dem Weg zu einem VN – Vielleicht-Notfall – als er erfährt, dass Captain Romen sich nicht mehr meldet. Brandis gabelt bei einer Rettungsaktion auf einer, von bislang Unbekannten offensichtlich kürzlich zusammengeschossenen, VOR-Raumstation, einen letzten Überlebenden auf, der zu einem geheimen Telepathie-Programm gehört. Den ehrwürdigen Guru im Bordhospital untergebracht macht sich die „Henri Dunant“ auf, die vermisste „Florence Nightingale“ aufzuspüren.

_Eindrücke_

Ohne Übergang wird der Leser damit konfrontiert, dass Brandis und Konsorten nun nicht mehr für die VEGA tätig sind, sondern für die neu gegründete UGzRR, quasi als „Gelbe Engel“ des Sonnensystems. Erläuterungen dazu tröpfeln nur sporadisch und nebenher. Wiewohl ein solch bemerkenswerter Schnitt vielleicht besser eines Brückenbandes bedurft hätte, entschied sich NvM offenbar für den Kopfsprung ins kalte Wasser – was in diesem Zusammenhang auch ein höchst passendes Bild abgibt, denn schließlich ist die UGzRR nichts anderes als die SciFi-Ausgabe der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ (kurz: DGzRS), welcher er sich NvM stets sehr verbunden fühlte. Nur, dass die Seenotrettungskreuzer hier eben halt nicht durch Nord- und Ostsee, sondern durchs Weltall, schippern. Damit ist einmal mehr der Beweis erbracht, dass NvM es verstand, gesellschaftliche Themen, die ihn (und den damaligen Zeitgeist generell) bewegten, in eine SciFi-Story zu übertragen. Meist gelang ihm dies auch recht passabel.

Weniger bei Wissenschaft, da ging er doch wohl eher nach dem Motto vor, dass in der Science-Fiction so ziemlich alles möglich ist. Daher sind seine Romane aus technisch-physikalischer Sicht auch immer hart an der Grenze zur Naivität. „Blindflug zur Schlange“ bedient sich wieder einmal des schon früher von ihm gern verwendeten Hirn-ohne-Körper-Plots. Das hatten wir alles schon mal unter anderem bei General Gordon B. Smith (Band 1 – 4) und später noch einmal in abgewandelter Form bei den so genannten MOBs und FLOBs. Originell sieht ganz sicher anders aus. Allerdings entschädigt die spannend aufgezogene SAR-Geschichte drumrum für den erneuten Griff in die große MB-Grabbelkiste. Der clevere Showdown ist sogar richtig gut gelungen, auch wenn die Logik zuweilen etwas zu wünschen übrig lässt und die Figurenzeichnung zu arg im Klischee versackt. Das betrifft – weder zum ersten noch zum letzten Mal in der Serie – besonders Zigeuner Grischa Romen und ebenso deutlich auch Brandis‘ neue Pilotin Captess Kato.

_Fazit_

Band 21 stellt eine wichtige Wegmarke innerhalb der Serie dar. Es ist vornehmlich schon einmal die Geburtsstunde der multinationalen Raumrettungsflotte und somit genau das, was Brandis eigentlich ausmacht. Da gehörte er allein vom Charakter her schon immer hin. Die Zweigleisigkeit der Story macht die Sache spannend, obwohl einem fast alle Elemente – so oder ganz ähnlich – bei MB bereits schon mehrfach begegneten, ist die endgültige Kombination gelungen. Das Buch liest sich flott und bringt dank der UGzRR auch eine gewisse Frische mit. Natürlich stehen auch diesmal die Menschen im Vordergrund, weswegen die kleineren Technikpatzer eigentlich kaum ins Gewicht fallen – oder (wie die gelegentliche Phrasendrescherei NvMs) vom Kenner der Serie ohnehin längst überlesen werden. Daumen hoch.

|Taschenbuch, 168 Seiten
Ersterscheinung: 1981
ISBN: 978-3-938065-78-5|
[www.wurdack-verlag.de]http://www.wurdack-verlag.de