Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Licia Troisi – Das Siegel des Todes (Die Schattenkämpferin 2)

Die Schattenkämpferin-Trilogie:

Band 1: „Das Erbe der Drachen“
Band 2: „Das Siegel des Todes“
Band 3: „Der Fluch der Assassinen“

Story:

Nach ihrer Flucht aus dem Verlies der Gilde reisen der Magier Lonerin und die von einem bösartigen Fluch gezeichnete Dubhe über die Grenzen der Aufgetauchten Welt, um den verschollenen und schon für tot erklärten Magier Sennar aufzuspüren. Der Gatte der legendären Drachenkämpferin Nihal soll einerseits dabei unterstützen, die finsteren Pläne des tyrannischen Königs Dohor zu durchkreuzen, andererseits aber auch das Siegel brechen, welches Dubhe von Zeit zu Zeit in eine Bestie verwandelt und sie in einen unkontrollierten Blutrausch treibt. Doch die Reise des ungleichen Duos ist nicht nur von den natürlichen Hindernissen der fremden Welt beeinträchtigt; auch die Ausgesandten der Assassinen sind stets im Nacken der Flüchtigen und wollen Dubhe, ihr Wissen und ihr Geheimnis vor dem Rat schützen. Unter der Führung der kompromisslosen Rekla reist ein ausgewählter Trupp der Meuchelmörder hinter Lonerin und Dubhe – und bringt das Duo immer näher an den Rand des Todes.

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RICHELLE MEAD – Feenkrieg (Dark Swan 3)

Das Leben als Herrscherin über ein Feenreich ist nicht einfach. Das hat Eugenie Markham, halb Mensch, halb Fee und im echten Leben Schamanin, mittlerweile schon festgestellt. In Band 3 von Richelle Meads „Dark Swan“-Serie sieht sie sich vor der beinahe unlösbaren Aufgabe, einen großen Krieg zu beenden.

Dabei an ihrer Seite: der intrigante Feenkönig Dorian, ihr ehemaliger Erzfeind und jetzt Geliebter. Gemeinsam überlegen sie, wie sie den Streit mit Königin Katrice für sich entscheiden können. Während Dorian sich nur wenig Gedanken über tote Zivilisten und Soldaten macht, ist Eugenie da wesentlich sensibler.

Als sie eines Tages in der Menschenwelt ihrem Beruf als Schamanin nachgeht und einen Dämon in die Anderswelt verbannt, erscheint ihr ein weiblicher Geist, der ihr seine Hilfe anbietet. Wenn Eugenie herausfindet, wer Deanna umgebracht hat, wird sie sie zur Eisenkrone führen, einem wertvollen Artefakt, das helfen kann, den Konflikt friedlich zu lösen.

Eugenie ist zuerst unentschlossen, ob sie die Krone holen soll. Es fällt ihr schwer zu glauben, dass eine einfache Krone den Kampf beenden kann. Schließlich gelingt es Dorian, sie dazu zu überreden und weil er sie nicht selbst begleiten kann, besteht er darauf, dass sie Kiyo mitnimmt, ihren Exfreund, der sich in einen Fuchs verwandeln kann. Wenig später stellt sich heraus, dass das keine besonders gute Idee war …

Richelle Mead hat mit „Dark Swan“ eine Serie begonnen, die sich vor allem durch die Zielgruppe von ihren wohl erfolgreichsten Büchern, der „Vampire Academy“-Serie, unterscheidet. Während Letztere sich an junge Erwachsene wendet, sind die Geschichten um Eugenie Markham eindeutig an ein älteres Publikum adressiert. Gerade im dritten Band ist der Anteil expliziter Szenen sehr hoch. Zu hoch? Nun, wenn der Rest der Handlung überzeugen würde, wäre der Sex sicherlich nicht das Problem. Leider ist die Geschichte aber nicht gerade spannend. Sie wirkt unstrukturiert und es mangelt am Spannungsaufbau. Statt einem Höhepunkt gibt es mehrere, die nicht sehr geschickt miteinander verbunden sind. Wenn man eigentlich denkt, das Ziel der Geschichte wäre erreicht, taucht plötzlich ein neues Ereignis auf. Die einzelnen Situationen sind aber häufig nicht besonders gut ausgearbeitet. Die Suche nach der Eisenkrone beispielsweise, die eigentlich im Mittelpunkt des Romans steht, erweist sich als kurz und unspektakulär. Stattdessen liegt erhöhter Augenmerk auf Eugenies Liebesleben – leider. In ihrer „Vampire Academy“-Reihe hat die Autorin nämlich gezeigt, dass sie sehr wohl spannende Geschichten schreiben kann.

Die schwache Story wirkt sich negativ auf die Hauptperson aus. In den Vorgängerbänden war Eugenie eine starke Frau, die neben einem harten Alltagsjob auch noch ein hartes Los als unfreiwillige Herrscherin eines Elfenreichs hat. In diesem wirkt sie nun wie der Spielball der beiden Männer, die in der Vergangenheit und Gegenwart um ihre Gunst buhlen. Das Emanzipierte, das sie bisher immer ausgemacht hat, ist etwas zu sehr in den Hintergrund getreten, ihre Entwicklung stagniert.

Da auch der Schreibstil sich kaum von ähnlichen Büchern des Genres abhebt, ist „Feenkrieg“ der bislang schwächste Band der Serie. Die Handlung tröpfelt uninspiriert vor sich hin, die Entwicklung der Protagonistin stagniert. Es bleibt zu hoffen, dass der vierte Band diesen Fauxpas ausbügeln kann.

Broschiert: 300 Seiten
Originaltitel: Iron Crowned
Deutsch von Frank Böhmert
ISBN-13: 978-3802584848

http://www.egmont-lyx.de
http://www.richellemead.com

Andrews, Ilona – Spiegeljagd (Land der Schatten 2)

_|Land der Schatten|_:

Band 1: [„Magische Begegnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6772
Band 2: _“Spiegeljagd“_

Mit dem zweiten Band von „Land der Schatten“ geht das Autorenduo Ilona Andrews eher ungewöhnliche Wege. In „Spiegeljagd“ steht nicht das Protagonistenpaar aus dem ersten Band im Vordergrund, sondern zwei ganz andere Charaktere. Während der Gestaltwandler William bereits im Vorgänger eine Nebenrolle spielte, ist Cerise ein völlig neuer Charakter.

In der Geschichte gibt es zwei verschiedene Welten: das magische Weird und das der unseren Welt entsprechende Broken. Dazwischen liegt das Edge, ein sehr unwirtlicher Streifen Land, in dem es immerhin ein wenig Magie gibt. Im dortigen Moor lebt die junge Cerise Mar, die neuerdings das Oberhaupt ihrer riesigen, verarmten Familie ist, seit die Spione Louisianas, einem Herzogtum des Weird, ihre Eltern entführt haben.

Der Anführer der Spiongruppe, die auch „die Hand“ genannt wird, ist Spider. Der wiederum ist der Erzfeind von William, dem Gestaltenwandler. Eines Tages bekommt William Besuch von zwei Agenten des Spiegels, dem Geheimdienst Adrianglias, eines weiteren Herzogentums des Weird. Sie wollen, dass er Spider stellt und vernichtet.

Auf seinem Weg ins Edge begegnet er Cerise, ohne zu wissen, dass sie in Spider beide den gleichen Feind haben. Bei ihrer gefährlichen Reise durchs Moor lernen sich die beiden schätzen und lieben …

_Ilona Andrews_ haben mit ihrer „Stadt der Finsternis“-Reihe viele Fans gewonnen. „Land der Schatten“ hat mit dieser nicht viel gemeinsam, sondern spielt vor einer ganz anderen Kulisse und hat auch einen ganz anderen Ton. Die Autoren sagen dazu auf ihrer Website sehr treffend: „Kate Daniels series is about extraordinary people. The Edge is about ordinary people.“. Tatsächlich zeichnet sich die Geschichte durch einen gewissen rauen, hinterwäldlerischen Charme aus. Die Mars, Cerises Familie, sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit sehr unterschiedlichen Charakteren und magischen Kräften. Sie sind arm, aber gewieft, ein wenig seltsam, aber trotz allem sehr liebenswert.

William, ein Aussteigertyp, der sich gegen seine eigentliche Herkunft sträubt, passt da perfekt ins Ensemble. Auch er ist sehr originell. Da er sich in einen Wolf verwandeln kann, haftet ihm in Menschengestalt etwas Tierisches an. Dies wissen die Autoren gut herauszustellen und auf witzige Art und Weise einzuarbeiten. Was allerdings negativ auffällt: Die Figurenkonstellation ähnelt, besonders am Anfang, sehr stark der aus dem ersten Band. Junge Frau mit einer großen Last auf den Schultern trifft auf einsamen Wolf und rauft sich mit ihm zusammen. Etwas mehr Kreativität wäre schön gewesen.

Das Gleiche gilt für die Handlung. Diese lebt vor allem von den Reibereien und Liebeleien zwischen Cerise und William. Die eigentliche Storyline ist ein wenig konfus. Es beginnt mit einer Menge Geplänkel. Es wird nicht wirklich klar, worauf die Geschichte eigentlich hinaus möchte. Es gibt eine Menge Nebenereignisse, aber eine konsistente Linie ist nur ansatzweise vorhanden. Das Ende kommt dann sehr rasch und wirkt durcheinander. Bei einem Umfang von über 500 Seiten kommen solche Schwächen deutlich zum Tragen.

Zwei Dinge helfen, die Geschichte trotzdem noch über den Durchschnitt zu hieven. Zum einen ist die Kulisse fantastisch. Das Edge und seine Bewohner werden sehr lebendig und vielschichtig dargestellt. Der raue Charme von Land und Leuten macht Spaß und spiegelt sich auch im humorvollen, aber nicht übertrieben komischem Schreibstil wider, der immer wieder durch skurrile Dialoge und trockene Bemerkungen überrascht.

_“Spiegeljagd“ ist ein Buch_, das man nicht unbedingt gelesen haben muss. Die Handlung überzeugt aufgrund der Ungeordnetheit nur selten, die Geschichte wirkt sehr lang. Wer allerdings den ersten Band gelesen hat oder aus Prinzip Fan von Ilona Andrews ist, wird darüber möglicherweise hinwegsehen können. Figuren, Schreibstil und die herrliche Kulisse sind durchaus Gründe für den Roman.

|Broschiert: 540 Seiten
Originaltitel: Bayou Moon
Deutsch von Ralf Schmitz
ISBN-13: 978-3802583414|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.ilona-andrews.com]http://www.ilona-andrews.com

_Weitere Bücher von Ilona Andrews bei |buchwurm.info|:_
[„Die Nacht der Magie (Stadt der Finsternis 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5963
[„Die dunkle Flut (Stadt der Finsternis 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=6134
[„Duell der Schatten (Stadt der Finsternis 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6289
[„Magisches Blut (Stadt der Finsternis 4)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7002

Keiner, Mira – Wolkenkrone, Die (Nescéa Nayar – Artefakte der Nacht 1)

_Das Reich Ialungar_ wurde immer von dem Rat der sieben Weisen friedlich regiert. Friedliche Jahre waren dies, bis sich dann Lord Argras zum tyrannischen Herrscher an die Spitze der Regierung setzte. Lord Argras begann nicht nur einen Krieg gegen das Nordreich, auch sein Volk leidet unter dem erbarmungslosen Herrscher. Nun droht wieder ein Krieg dem Reich Ialungar, der um mehr als nur das Nordland geführt wird.

Seit frühester Kindheit lebt der Zauberlehrling Maro bei seinem Meister Ignoris im Schattenmoor. Auf dem besten Wege ein mächtiger Zauberer zu werden, bekommt Maros Leben eine gefährliche Wendung, als der Elf Ranag bei Meister Ignoris auftaucht. Ranag verfolgt einen selbstmörderischen Plan. Mit Ignoris Hilfe will Ranag Lord Argas stürzen. Gerne ist Ignoris bereit, das seine zu dem gefährlichen Plan beizusteuern, allerdings auf eine andere, seine Art. So begleitet Maro den Elf auf die Mission, um den grausamen Herrscher zu stürzen.

Gemeinsam, begleitet von dem Kobold Twip, schließen sich Ranag und Maro dem frisch rekrutierten Heer Argras an, um getarnt die Hauptstadt Silum zu erreichen. Doch schon bald verliert die Gruppe den Anschluss zu dem Soldatentrupp.

Nun müssen Mensch, Elf und Kobold einen Weg durch das Reich Ialungar finden. Mehr Wunder, als er jemals erahnte, erwarten den Zauberlehrling Maro auf der Reise. Als die kleine Gruppe auf ihrer Mission Tyala, die entflohene Tochter Argras, treffen, haben sie eine neue Verbündete. Auf der Flucht vor ihrem bösen Vater schließt sich Tyala der Gruppe an, mit einem wertvollen Wissen. Nur Tyala kennt die Schwachstelle ihres Vaters.

_Kritik_

„Die Wolkenkrone“ ist der erste Band der geplanten Trilogie um die „Nescéa Nayar – Artefakte der Nacht“ der jungen Autorin Mira Keiner.

Mira Keiner bedient sich einem lebendigen und leicht verständlichen Erzählstil, dem auch junge Leser spielend folgen können. Auf Umgangssprache verzichtet Mira Keiner, ihre Wortwahl ist erstklassig und zeugt von einem gewaltigen Wortschatz. Die zwischen den Charakteren geführten Dialoge sind lebhaft und ansprechend zu lesen. Aufgewertet wird der Stil der Autorin zudem durch Reime, die sich in Zaubersprüchen und dem Gesang der Mondweberinnen wiederfinden. Ausdrucksstark und sehr anschaulich beschreibt die Autorin das Reich Ialungar. Dabei verrennt die Autorin sich niemals in ihren Beschreibungen sondern gibt auch der fesselnden Handlung reichlich Raum um sich zu entwickeln.

Gleich mit dem Begin der Erzählung wird ein solider Spannungsbogen erzeugt, der sich konstant durch die Geschichte zieht. Gefesselt an die Abenteuer der Protagonisten fällt es schwer, aus der Geschichte aufzutauchen. Anfangs teilt sich die Geschichte in zwei Handlungsstränge, die die Spannung nochmals steigern. Diese werden mit dem Zusammentreffen der drei Gefährten und Tyala zusammengefügt. Erzählt wird die Handlung rückblickend von einer dritten Person, die das Geschehen immer im Blick behält.

In verschiedenen Nebenhandlungen erzählt Mira Keiner uns Lesern die verschiedenen Sagen Ialungars. Mira Keiner lässt Eisvögel entstehen, erzählt die Herkunft der Mondweberinnen und die Entstehung der schwebenden Stadt unglaublich märchenhaft. Diese bezaubernden Sagen sind perfekt im Plot verwoben und verleihen der Geschichte das besondere Etwas.

Viel Ideenreichtum beweist die junge Autorin auch bei der Zeichnung ihrer Figuren. Auch wenn Elfen, Kobolde und andere bekannte Fabelwesen das von ihr geschaffene Fantasyreich bevölkern, sind sie trotzdem einzigartig. Der Leser erfährt nicht nur, wie die einzelnen Charaktere aussehen, auch ihre Motivation, ihre Gefühle und Charaktereigenschaften werden deutlich. Gerade die Hauptdarsteller werden so schnell sympathisch und nachvollziehbar.

Maro, seines Zeichens Zauberlehrling, und auch Argras Tochter Tyala beweisen eine Menge Mut und auch Treue ihren Gefährten gegenüber. Ein wenig hochnäsig dagegen kommt der Elf Ranag daher, schnell ist aber auch klar, dass der Elf niemanden im Stich lässt und Werte wie Mut, Treue und Freundschaft eine wichtige Rolle für ihn spielen. Für eine Menge Humor in der Geschichte sorgt dann der Kobold Twipp, immer mit dem Magen denkend, zaubert dieser dem Leser durch seine Art zu denken und zu erzählen das eine oder andere Lächeln ins Gesicht.

Den mächtigen Gegenspieler Lord Argras lernt der Leser als Person kaum kennen, lediglich einige Randerzählungen zeugen von seiner grausamen Herrschaft. Diese wirken allerdings so nachhaltig, dass der Leser auf ein näheres Kennenlernen gerne verzichtet.

Leider ist das Cover nicht besonders ansprechend gestaltet. Alles ist in verschiedenen Grautönen dargestellt, nicht einmal der Titel hebt sich besonders hervor. Dies ist sehr schade, trägt doch vor allem dieser erste Eindruck zur Kaufentscheidung bei.

_Autorin_

Die 1995 in Gießen geborene Mira Keiner legt mit „Die Wolkenkrone“ ihren Debütroman vor. Bereits mit 14 Jahren begann sie das Buch zu schreiben und konnte es ein gutes Jahr später fertigstellen. Schon seit der Grundschule will sie Schriftstellerin werden, verschlingt ein Buch nach dem anderen – am liebsten Fantasy. Mira Keiner lebt mit zwei jüngeren Geschwistern und ihren Eltern in Wetzlar. „Die Wolkenkrone“ bildet den Auftakt der Trilogie „Nescéa Nayar – Artefakte der Nacht“.

_Fazit_

Mit ihrem Debütroman „Die Wolkenkrone“ hat Mira Keiner den magischen Start ihrer Trilogie „Nescéa Nayar – Artefakte der Nacht“ vorgelegt.

Kaum zu glauben, dass diese Autorin erst junge 16 Jahre alt sein soll, von Sprach- und Schreibstil steckt sie so manche andere Autoren locker in die Tasche! Mit Begeisterung habe ich die abenteuerliche Geschichte geradezu verschlungen und war so manches Mal angenehm überrascht. Sei es die stilsichere Wortwahl, die magischen Geschichten oder auch die feine Zeichnung der Figuren.

Mit Spannung erwarte ich die weiteren Teile der „Nescéa Nayar – Artefakte der Nacht“ Trilogie und hoffe, dass Mira Keiner ihre Schreibgeschwindigkeit beibehält.

|Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3943022018|
[www.verlag-schmenk.de]http://www.verlag-schmenk.de

Hoffman, Paul – letzten Gerechten, Die

_Die Trilogie:_

Band 1: [„Die linke Hand Gottes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6336
Band 2: _“Die letzten Gerechten“_
Band 3: -geplant-

_Thomas Cale ist „Die linke Hand Gottes“,_ ein Novize der Erlösermönche, einer religiösen Kriegerkaste, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Willen Gottes in der ganzen Welt zu verbreiten. Doch friedlich oder gar diplomatisch geht es nicht zu. Die Erlösermönche haben mit grausamer Brutalität die prächtige Stadt Memphis eingenommen. Ziel war es, neben der Eroberung ihren abtrünnigen Novizen Thomas Cale wieder in ihren Reihen aufzunehmen.

Cales Mentor Bosco liegt viel daran, Thomas Cale an seiner Seite zu wissen. Schon längst plant er die Absetzung oder die Beseitigung des Papstes, um an seiner statt diesen Platz einzunehmen. Bosco weiß um das tödliche Talent seines Schülers. Cale ist nicht nur eine mörderische Waffe, sondern auch ein Genie, was militärische Taktik und Strategie angeht. Außerdem kann man Cale auch als eine Marionette einsetzen, denn die Prophezeiung, dass ein Gesandter Gottes die Welt erlösen und neu aufbauen wird, ermöglicht es einen Feldzug gegen die Antagonisten und andere Ketzer zu beginnen. Und niemand anderer als Cale selbst soll die Welt befreien und den einzig wahren Glauben verbreiten, sodass die verbliebenden Menschen, die letzten Gerechten, eine neue Zeitrechnung erschaffen können.

Cale weiß selbst, dass ihn nicht viele Alternativen bleiben. Eine erneute Flucht ist zu diesem Zeitpunkt nicht ratsam, die Erlösermönche würden ihn wiederum finden und diesmal ohne Prozess exekutieren. Der Kriegerorden geht an vielen Fronten in die Offensive, nicht ohne Verluste, aber zum Wohle der Menschheit erobert er konsequent und tyrannisch die kleinsten Länder und breiten ihren Einfluss, ihre Macht immer weiter aus. Auch Cale begleitet als Kommandeur einer Eliteeinheit diesen Feldzug und beweist sich wieder einmal als geschickter Taktiker und Stratege.

Zusammen mit seinem Waffenbruder und engsten Freund und Vertrauten Vague Henri kämpft und erobert er ganze Landstriche. Das kompromisslose Vertrauen, das sein Mentor Bosco in ihm setzt, verstärkt und bestätigt sich mit jedem Sieg von Cales. Bosco kommt seinem Ziel die Papstwürde zu erreichen immer näher, doch auch die innenpolitischen Verhältnisse verlagern sich. Der intrigante Kampf um die Führung der Erlösermönche entfacht, die Machtverhältnisse verschieben sich und Thomas Cales Pläne gehen auf …

_Kritik_

„Die letzten Gerechten“ von Paul Hoffmann ist der zweite Band einer geplanten Trilogie. Nach „Die linke Hand Gottes“ erzählt der Autor die dramatische Geschichte um den Novizen Thomas Cale und seinen Freunden weiter fort.

Thomas Cale ist ein Anti-Held, ein vielschichtiger Charakter, der, getrieben von seinem Wunsch nach Freiheit und Individualität, seinem Schicksal scheinbar nicht entgehen kann. Nach dem Schrecken, den er jahrelang zu erdulden hatte, den täglichen drakonischen Bestrafungen und der begleiteten Todesangst und der kurzen Freiheit nach seiner Flucht aus dem Orden, ist der Wunsch nach Liebe und Frieden nicht weniger geworden. Doch weiß er auch, dass eine erneute Flucht nur kurze Freiheit bringen würde und die Strafe, die ihn wann auch immer treffen würde, endgültig wäre. Den Leser wird es verwundern, dass sich der junge Mann so in eine ihm prophezeite Rolle reinpressen lässt. Erst gegen Ende des Romans erfasst man seine Motivation und seinen Plan. Doch der Preis, den Thomas Cale zahlt, ist hoch. Die Menschen, die er getötet hat, oder töten lassen musste, die Opfer die der Krieg und die Schlachten mit sich brachten, verfolgen und verändern ihn, sodass er letzten Endes förmlich unter deren Last zusammenbricht.

Die Handlung teilt sich in drei Erzählstränge. Im Ersten begleitet man Cale und seine Erlösermönche auf diverse Feldzüge, der Zweite erzählt das Schicksal von Kleist, der zusammen mit Vague Henry und Cale geflohen ist und sich einem kleinen Bergvolk anschließt. Kleist geht den für ihn größten Entwicklungsschritt, nachdem er eine Frau aus den Händen von Räubern befreit hat, lernt er eine andere Freiheit kennen. Ihm offenbart sich das Geheimnis und die Bürde der Liebe, dicht gefolgt von Sexualität und Ehe. Auch er begegnet seinem ehemaligen Orden wieder, doch diesmal steht er auf der anderen Seite und wird dessen erbarmungsloser Feind.

In der dritten Handlung verdeutlichen sich die innenpolitischen Machtverhältnisse des Erlöserordens. Auch hier geht es minder mit friedlichen Waffen zu. Mit allen Mitteln balgen sich die Kirchenfürsten, um Einfluss und Autorität und deren Ideale und Ideen weiter auszubreiten.

Wie schon im ersten Teil „Die linke Hand Gottes“ gibt es viele Parallelen zu historischen wie auch aktuellen Geschehnissen. Dass Religion oft nur ein Mittel zum Zweck war, um anderen Völkern seinen Willen aufzuzwingen oder gar eine ganze Zivilisation zu vernichten, zeigt sich auch in diesem vorliegenden Roman.

„Die letzten Gerechten“ ist zwar im Genre Fantasy eingeordnet, doch betrachtet man die Handlung im Detail, so hätte man hier auch als Schauplatz das manches Mal etwas finstere Mittelalter nehmen können. Nach und nach bekommt der Leser den Eindruck, dass die Welt, derer sich hier der Autor Paul Hoffman bedient hat, die postapokalyptische Zukunft ist! Städte und Regionen werden hier genannt die eindeutig real sind, z. B. Stuttgart, Rom, die Golan-Höhen usw. Der Autor beschreibt sehr geschickt und gewollt offensichtlich, dass Religion eine Waffe, ein Machtmittel und deswegen prädestiniert ist, das Gewissen zu beruhigen, wenn davon die Rede ist, Gottes Willen durchzusetzen.

Insgesamt tut sich die Handlung manchmal etwas schwer und der Leser muss sich oftmals stark konzentrieren, um den roten Faden nicht zu verlieren. Die Atmosphäre ist bedrückend, die erzählten Kämpfe mit der Armee der Erlösermönche und deren Feinde werden blutig und im Detail beschrieben. Auch wenn sich die Haupthandlung sehr mit Thomas Cale beschäftigt, so wäre es für den Roman besser gewesen, wenn Cale seine Handlungen aus seiner ganz persönlichen Perspektive geschildert hätte. Ansonsten begreift man es viel zu spät, worauf Cale eigentlich abzielt. Der Leser ist doch sehr verwundert, dass er sich scheinbar seinem Schicksal ohne Gegenwehr ausliefert.

Das Tempo ist sehr gedrosselt, erst gegen Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und Handlungen greifen ineinander. Viel zu viel Wert legte der Autor auf die Beschreibungen der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Erlösermönchen. Im Nachwort erklärt Paul Hoffman, dass er viel aus historischen Schlachten übernommen hat. Auch bei einigen Zitaten basieren seine Dialoge aus längsten vergangenen Epochen. Militärische Grundtaktiken und Strategien, derer sich Cale bedient, findet man ebenso in der historischen Geschichte wieder.

_Autor_

Paul Hoffman hat nach seinem Anglistik-Studium in über zwanzig verschiedenen Berufen gearbeitet, unter anderem als Buchmacher, Kurierfahrer, Lehrer und als Gutachter für den Britisch Board of Film. Teile seines ersten Romans „The Wisdom of Crocodiles“ wurden mit Jude Law verfilmt. Als Drehbuchautor hat er neben vielen anderen mit Francis Ford Coppola gearbeitet. „Die letzten Gerechten“ ist der zweite Teil seiner Trilogie.

_Fazit_

Der Roman „Die letzten Gerechten“ ist wie eine brennende Lunte an einem Pulverfass, und das wird mit großer Wahrscheinlichkeit im letzten und dritten Band hochgehen. Zu lange haben die Erlösermönche mit Gewalt und Tyrannei ihre Religion durchsetzen wollen, und wie man schon aus unserer Vergangenheit gelernt hat – bisher ist jedes Imperium den Bach runtergegangen.

Enttäuschend empfand ich die Entwicklung einzelner Charaktere, allen voran leider Thomas Cale. Erst am Ende ist Cale förmlich mit sich am Ende. Dramaturgisch gesehen wäre es für die Handlung positiver gewesen, wenn dies eher geschehen wäre. Die Spannung ist konstant niedrig im Gegensatz zum ersten Teil damit längst nicht so hoch wie erwartet.

Bevor der Leser zu dem Roman „Die letzten Gerechten“ greift, sollte man unbedingt den ersten Teil „Die linke Hand Gottes“ gelesen haben, sonst kann der Leser kaum jedem Schritt der Protagonisten folgen. Insgesamt ein durchschnittlicher Fantasy-Roman, der nicht den Erwartungen entspricht, aber am Ende doch vieles wieder positiv darstellt und damit noch mehr Interesse an dem dritten Teil weckt.

Ich freue mich auf jeden Fall auf den dritten Teil, der wahrscheinlich ein Feuerwerk an Emotionen und Dramatik bieten wird.

|Broschiert: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3442312566
Originaltitel: The Last Four Things|
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann

Isau, Ralf – zerbrochne Welt, Die

_|Die zerbrochene Welt|:_

Band 1: _“Die zerbrochene Welt“_
Band 2: „Feueropfer“ (Oktober 2011)
Band 3: -geplant-

_Einst eine ganze Welt_ und dann vor langer Zeit in unzählige Scholle zerbrochen, das ist Berith. Die einzelnen Schollen treiben seitdem durch den Äther und sind von einer Luftblase umgeben. Jede Scholle beherbergt eine eigene Lebensform, die sich der Umgebung angepasst hat.

Der Zeridianer Taramis ist ein äußerst begabter Krieger und verfügt über eine einzigartige Waffe, den Stab Ez. Dieser tötet bei Berührung alles, was nicht reinen Herzens ist. Taramis wird auf eine seiner Heimat Jar’en ferne Scholle entsandt, um dort ein menschenfressendes Wesen zu vernichten.

Als er nach erfolgreicher Jagd wieder nach Jar’en zurückkommt, muss er mit Grauen feststellen, dass auf seiner Scholle die grausamen Dagonisier eingefallen sind und ihm alles genommen haben, was ihm lieb und teuer ist. Nicht nur seiner Verlobte Xydia fiel den fischköpfigen Dagonisier zum Opfer, auch seine Mutter und viele seiner Freunde und Kameraden wurden grausam getötet.

Taramis schwört Rache. In den Bund der Nebelwächter aufgenommen, verfolgt er die kriegerischen Dagonisier, die das friedliche Berith mit Gewalt einnehmen wollen. Doch bald muss Taramis feststellen, dass es nicht nur um seine persönliche Rache geht. Taramis ist der Einzige, der die grausamen Dagonisier aufhalten kann, um so die Zerstörung Beriths zu verhindern.

_Kritik_

Ralf Isau hat mit „Die zerbrochene Welt“ etwas vollkommen Neues und Einzigartiges geschaffen.

Direkt auf der ersten Seite wird der Leser in das spannende Geschehen katapultiert. Ein langsames Kennenlernen der Protagonisten und dieser einzigartigen Welt fällt daher weg und erst innerhalb der Handlung lernt der Leser die faszinierenden Charaktere und die von Isau erschaffene Welt nach und nach kennen.

Der Autor erzählt uns Lesern die Geschichte mit einem leicht verständlichen Sprachstil, den er durch manchmal ungewöhnliche Nomen und Verben seiner Welt Berith anpasst. Dies passt zu der einzigartigen Geschichte und der Lesefluss wird dadurch keinesfalls gestört. Die Welt, die Isau erschaffen hat, wird bildgewaltig beschrieben und so ist es ein Leichtes, sich diese anschaulich vorzustellen. Schnell wird eine atemberaubende Spannung aufgebaut, die sich bis zum Schluss hält und die Handlung vorantreibt.

Getrieben von der actionreichen Handlung fehlt es manchmal ein wenig an Tiefe, gerade bei Taramis, der nur durch die Rachegedanken getrieben wird, fällt dies auf. Trauer und andere Gefühle verblassen in der turbulenten Geschichte. Ralf Isau hält sich trotz oft wechselnder Schauplätze strikt an seinen roten Faden. Trotz vieler Überraschungen weiß der Autor die Geschichte zu lenken und dabei die Handlungsstränge im Blick zu behalten.

Ralf Isaus Ideenreichtum scheint unendlich, nicht nur mit einer einzigartigen Welt wird der Leser hier konfrontiert, auch die eigens für Berith erschaffenen Lebensformen zeugen davon. Lebewesen, die unterschiedlicher und einzigartiger nicht sein könnten, eine Tierwelt, die es so noch nicht gegeben hat, und sogar eine eigene Flora und Fauna warten hier auf den Leser. Sogar die Magie entwickelt der Autor hier neu, nur Kraft eines Wunsches oder einer Vorstellung wird hier „gezaubert“.

Berith wird von einer Vielzahl außergewöhnlicher „Menschen“ bevölkert. Diese unterscheiden sich nicht nur charakterlich sowie äußerlich, auch die Anatomie ist oft eine ganz andere. Da gibt es „Menschen“ die nur innerhalb ihrer Sphäre atmen können, aber auch welche, die über Kiemen atmen und so gefahrlos durch den Äther reisen können. Die unterschiedlichen Wesen haben ihre Heimat auf den verschiedenen Splittern Beriths und eine eigene Lebensform entwickelt.

Ob nun die Helden Beriths oder auch die Gegner, die die Vernichtung und Herrschaft der Welt planen, alle Gruppen hat Ralf Isau akribisch entwickelt und so seinen Figuren Leben eingehaucht. Vielschichtige und äußerst interessante Protagonisten bereichern die Welt der Schollen.

Ein Register am Ende des Romans erklärt die Welt Beriths und seine Lebensformen. Schön wäre allerdings auch eine Karte Beriths gewesen, diese fehlt leider völlig. Das Cover passt zum Plot, zu sehen sind einzelne Schollen, die im Äther schweben. Der Titel wird durch Prägung und silberner Farbe hervorgehoben.

_Autor_

Ralf Isau, geboren 1956 in Berlin, arbeitete lange als Informatiker. In seinen Büchern entwirft der mehrfach preisgekrönte Autor detailreiche Welten und gilt als großer Erzähler phantastischer Literatur. Seine Romane werden in 14 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien bei Piper die Fantasy-Saga „Die zerbrochene Welt“. Ralf Isau lebt mit seiner Familie bei Stuttgart. Weiteres zum Autor: [www.isau.de]http://www.isau.de

_Fazit_

„Die zerbrochene Welt“ ist der Auftakt zu einer High-Fantasy-Trilogie, die durch den Ideenreichtum ihres kreativen Schöpfers besticht. Ralf Isau hat hier eine Welt geschaffen, die es vorher nicht gegeben hat und Berith seinen Stempel aufgedrückt. „Die zerbrochene Welt“ überzeugt auch sprachlich, trotz der gehobenen Sprache macht der Autor es seinen Lesern leicht, der Geschichte zu folgen.

Bildgewaltig und lebendig vermischen sich Abenteuer, Magie und atemberaubende Spannung zu einem grandiosen Werk. Ralf Isau versteht sein Handwerk.

Lesern der High Fantasy ist „Die zerbrochene Welt“ ans Herz zu legen. Der zweite Teil der Trilogie erscheint unter dem Titel „Feueropfer“ am 07.10.2011.

|Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
ISBN-13: 978-3492701914
http://www.piper-verlag.de|

_Ralf Isau auf |Buchwurm.info|:_
[„Das Jahrhundertkind“ (Kreis der Dämmerung 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1357
[„Der Wahrheitsfinder“ (Kreis der Dämmerung 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1502
[„Der weiße Wanderer“ (Kreis der Dämmerung 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1506
[„Der unsichtbare Freund“ (Kreis der Dämmerung 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1535
[„Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz“ (Die Legenden von Phantasien)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1095
[„Die Galerie der Lügen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4208
[„Die Dunklen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4829
[„Der Mann, der nichts vergessen konnte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5361
[„Messias“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5869
[„Das gespiegelte Herz“ (Die Chroniken von Mirad 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1807
[„Der König im König“ (Die Chroniken von Mirad 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2399
[„Das Wasser von Silmao“ (Die Chroniken von Mirad 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3014
[„Der verbotene Schlüssel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6731

Karl Schroeder – Segel der Zeit (Das Buch von Virga 3)

Virga – eine künstliche Welt im Wega-System, eine Sphäre, geschaffen mit Hilfe unvorstellbarer Technik mit dem Ziel, innerhalb der eigenen Grenzen eben solche Technik zu unterbinden – zum Schutz der eigenen Freiheit vor der „Künstlichen Natur“. Die alles vereinnahmt, umpolt, beschleunigt und gleichschaltet. Den Menschen bevormundet. Das Leben verneint.

Karl Schroeder, junger amerikanischer Autor, der in Deutschland mit seinem phantastischen Ideenreichtum um Virga bekannt wird, setzte im ersten Roman der Reihe „Planet der Sonnen“ eine rasante Entwicklung in Gang, die unbedingt nach weiteren Romanen aus diesem Kosmos verlangte. „Segel der Zeit“ ist nun der dritte Band, in dem der Fokus auf den patriotischen und menschlichen Admiral Chaison Fanning gerichtet ist. Fanning, im ersten Band durch heldenhaften Einsatz Retter seiner Nation Slipstream, wurde von der gegnerischen Partei, der Falkenformation, gefangen genommen und eingekerkert. Dies ist die Geschichte seiner Befreiung, seiner abenteuerlichen Reise mit der geheimnisvollen Heimatschutzagentin durch Feindesland und schließlich seiner Rückkehr nach Slipstream, wo er als Staatsverräter gebrandmarkt gefangen gesetzt wird und erst eine unheimliche Bedrohung für ganz Virga den Auslöser seiner erneuten Befreiung gibt. Dabei werden die Hintergründe der Weltensphäre Virga häppchenweise aufgedeckt und die Gefahr, die von der ausgesperrten Künstlichen Natur ausgeht, anschaulich formuliert.

Die Flucht Fannings hat mehrere erzählerische Gründe. So werden zum einen weitere abenteuerliche Aspekte der künstlichen, auf mittelalterlichem Niveau gestrandeten Zivilisation dargestellt und lassen den Leser teilhaben an Schroeders faszinierendem Ideenreichtum. Es werden politische Auseinandersetzungen thematisiert, in die allzeit Völker involviert werden, die oftmals weder Interesse noch Nutzen daran haben und trotzdem in vielfältiger Weise mit ihrem Leben bezahlen. Virgas Abwehrsysteme und ihre zerbrechliche Sicherheit werden eingeführt und werfen ihre Schatten voraus. Und nebenbei wird Fannings Charakter und Motivation erprobt, gefestigt und weiter entwickelt. Zu guter Letzt läuft natürlich alles auf ein Happy End heraus, zumindest was das Wiedersehen der beiden so unterschiedlichen Fannings (Venera und Chaison) betrifft. An wichtigen Charakteren aus dem ersten Band bleiben hiernach also nur noch Aubry Malhallan und Hayden Griffin. Erste fällt wohl aus, da sie ihr Ende bereits in der ersten Sonne fand, doch Hayden Griffin ist mittlerweile (aus Andeutungen gewonnene Erkenntnis) auf einem guten Weg, seiner Nation Aerie zu neuer Unabhängigkeit zu verhelfen. Hier ist das letzte Wort hoffentlich noch nicht geschrieben.

Das Auftreten der Künstlichen Natur ist relativ kurz und stroboskopisch, sodass sich das undeutliche Bild der Zusammenhänge durch eigene Fantasie des Lesers zusammensetzen muss; umso intensiver ist das Gefühl, das diese Vorstellung hervor ruft. Schroeder schafft hier ordentliches Potenzial zu mehr, denn obwohl er Venera den Schlüssel zu Candesce zerstören lässt, wird es sicherlich noch andere Wege für die Künstliche Natur oder für weitere dumme Menschen wie die Splittergruppe des Heimatschutzes geben. Veneras Tat ist überhaupt erst durch ihre Entwicklung im zweiten Band „Säule der Welten“ glaubwürdig, denn der ursprünglichen Venera hätte die Macht dieses Schlüssels mehr bedeutet als die damit verbundene Gefahr für die Sphäre.

Inzwischen macht die Ausführung und die Auflösung dieses Romans eine Fortsetzung unwahrscheinlich, denn es ist ein Höhepunkt und ein Abschluss erreicht, der an Intensität und Informationsflut genug für den Leser hinterlässt und durch weitere Ausformulierungen wohl nicht besser zu vollenden ist – es sei denn, Schroeder hätte noch bahnbrechende andere Optionen in der Hinterhand. Natürlich ließe sich in diesem Kosmos noch einiges an spannenden Abenteuern erzählen, doch würde das der Geschichte Virgas dienen? Es müsste zu ihrer Auflösung oder Integration durch und in die Künstliche Natur führen, oder der Status quo müsste Bestand behalten – denn anders herum, eine Eroberungswelle der unveränderten Menschen aus Virgas Schutzbereich in die Sphäre der KN, lässt sich nicht logisch entwickeln.

Ich wünsche Schroeder noch viele geniale Einfälle für seine Geschichten, aber mit Virga hat er sich bereits ein Denkmal gesetzt. Es ist auch immer etwas Wehmut im Spiel, wenn so eine gute Geschichte zu Ende geht.

Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3453528055
Originaltitel:
Pirate Sun – The book of Virga 3
Deutsch von Irene Holicki

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Grimbert, Pierre – Ruf der Krieger (Die Götter 1)

_|Die Götter|:_

Band 1: _“Ruf der Krieger“_
Band 2: „Das magische Zeichen“
Band 3: „Die Macht der Dunkelheit“ (12.12.2011)

Nachdem der französische Autor Pierre Grimbert mit „Die Magier“ und „Die Krieger“ bereits zwei erfolgreiche Buch-Reihen über die geheimnisvolle Insel Ji veröffentlichte, erzählt er in seiner dritten, „Die Götter“ benannt, nun von den Kindern der Protagonisten der Vorgänger-Zyklen.

„Ruf der Krieger“ setzt ca. 20 Jahre nach „Das Labyrinth der Götter“, dem letzten Band der „Dir Krieger“-Reihe, an. Viel ist in der Zwischenzeit passiert: Jal, die Wiege der Götter und Dämonen, wurde zerstört, die Welt liegt wieder in den Händen der Menschen, von denen kleine Gruppen jedoch weiterhin verzweifelt versuchen, Dämonen oder Götter zu beschwören. Die Helden der Geschichte haben sich zur Ruhe gesetzt und Familien gegründet.

Doch eines Tages werden ihre Sprösslinge Damián, Guederic, Lorilis, Josion, Maara, Najel und Souanne unter rätselhaften Bedingungen zusammengerufen und müssen sich damit auseinandersetzen, plötzlich von gefährlichen Kultanhängern mit seltsamen Symbolen auf der Stirn verfolgt zu werden. Ohne zu ahnen, warum sie von ihren Eltern zusammengebracht wurden und warum sie in großer Gefahr schweben, flieht die Gruppe zum Familiensitz eines ihrer Gefährten, um mehr über diese rätselhafte Entwicklung herauszufinden.

_Der erste Band_ des „Die Götter“-Zyklus ist für Leser, die die vorherigen Reihen nicht kennen, meiner Meinung nach wenig geeignet. Zwar dient eine kurze Einleitung, die die Story von „Die Magier“ und „Die Götter“ kurz zusammenfasst, dazu, den Leser in die Geschichte einzuführen und auch ein kleines Lexikon am Ende des Buches, das kurze Erklärungen zu allen Namen, Begriffen und Orten liefert, hilft beim Verstehen, doch selbst wenn man der Story folgen kann, so ist „Ruf der Krieger“ kein passender Einstieg in die Geschichte Jis.

Das Werk lässt sich meiner Meinung nach nämlich eher als eine Art Vorspiel zur eigentlichen Handlung betrachten, in dem die Figuren vorgestellt und einige Hintergründe erklärt werden, doch die Handlung dieses Buches selbst scheint bloß eine nette Beigabe, um die Erklärungen zu verpacken, die für Fans Grimbert vielleicht interessant sein mögen, neue Leser jedoch eher abschreckt: Recht musterhaft stellt Grimbert zunächst die einzelnen Figuren vor, charakterisiert sie und führt diese Stränge irgendwann zusammen. Die verunsicherten Personen misstrauen sich und behalten ihr Wissen und ihre Geheimnisse, die die Gruppe wirklich voranbringen würden, für sich, sodass sich die eigentliche Handlung langsam voranschleppt und lediglich durch die wenigen spannenden Stellen getragen wird. Und gerade dadurch, dass Grimbert den Spannungsbogen nur hin und wieder etwas anspannt, verliert man recht schnell die Lust am Lesen, was bei einem Buch von nicht einmal 300 Seiten normalerweise recht schwierig ist. Dennoch rauft man sich immer wieder auf, in der Hoffnung, die Geschichte würde irgendwann ihren Lauf nehmen, offensichtlich passiert das jedoch erst im zweiten Band der Reihe „Das magische Zeichen“. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sich das Buch, besonders durch die einfache, verständliche Sprache und recht simple Satzstrukturen, sehr flüssig, leicht und deshalb verhältnismäßig schnell liest.

_Doch „Ruf der Krieger“_ bietet aber auch abseits der Sprache mit Sicherheit nicht nur Anlass zur Kritik, denn wie gesagt: Fans Grimberts, die mit den vorherigen Reihen bereits vertraut sind und sich deshalb nicht in die Vorgeschichte, die Personen und Orte einfuchsen müssen, finden am Auftakt der neuen Reihe des französischen Autors bestimmt Gefallen.

|Taschenbuch: 333 Seiten
Originaltitel: La volonté du démon
Ins Deutsche übertragen von Sonja Finck und Andreas Jandl
ISBN 978-3453527683|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne

_Katharina Beck_

Larke, Glenda – Heiler, Der (Die Inseln des Ruhms 2)

Die Inseln des Ruhms:

Band 1: „Die Wissende“
Band 2: „Der Heiler“
Band 3: „Die Magierin“

Glut ist zusammen mit Flamme die Flucht aus Gorthen-Nehrung gelungen. Die beiden Frauen haben beschlossen, dem Dunkelmagier zu folgen und ihn zur Strecke zu bringen. Aber gleich auf der nächsten Insel, die sie erreichen, geraten sie in die nächste Patsche … und an den Heiler Kelwyn Gilfeder, der eigentlich seine ganz eigenen Sorgen hat und nun auch noch in eine Angelegenheit hineingezogen wird, die seinen bisher eher beschränkten Horizont bei Weitem übersteigt.

Kelwyn Gilfeder ist der einzige, nennenswerte Neuzugang in der Geschichte, dafür aber gleich besonders nennenswert, denn seine Person erweitert die Riege der Erzähler in diesem Band. Gilfeder ist ein recht widersprüchlicher Charakter: so schusslig und ungeschickt er sonst ist, sobald er jemanden behandelt, ist er ruhig, selbstsicher und fähig. Er mag die Welt da draußen nicht, fühlt sich aber gleichzeitig durch die Beschränkungen in seiner Heimat eingesperrt. Sein Geist ist einerseits wissbegierig und offen für Neues, gleichzeitig aber streng rational und skeptisch gegenüber allem, was nicht wissenschaftlich erklärbar ist, wie zum Beispiel Magie, an die er nicht glaubt. Und seine Prinzipien geraten nur zu bald in Konflikt mit den Realitäten, mit denen ihn seine Reise mit Glut und Flamme konfrontiert.

Eine wirklich gelungene Charakterzeichnung, die Gilfeder schon allein deshalb zu einem Gewinn für die Geschichte macht.

Zusätzlich dazu erlaubt ein weiterer Erzähler die Ausweitung der Handlung auf zwei Stränge, was für ein wenig Abwechslung sorgte. Denn Gilfeder weigert sich zunächst, Glut und Flamme bei ihrer Aufgabe zu unterstützen. Gilfeder scheint eine besondere Art Weißbegabung zu besitzen, allerdings nicht wie Glut, die Silb- und Dunkelmagie sehen kann. Statt dessen kann er sie riechen, aber erst, als er regelrecht mit der Nase draufgestoßen wird, ist er bereit, diese ihm bisher unbekannten Gerüche als die von Magie zu akzeptieren. Und macht sich auf den Weg, den beiden Frauen zu folgen.

Bis dahin ist allerdings bereits die Hälfte des Buches gelesen. Und so interessant Gilfeder als neuer Charakter auch ist, zog sich die Geschichte anfangs doch ziemlich. Die Verwicklungen, anhand derer der Heiler auf die beiden Frauen trifft und sie letztlich begleitet, beleuchten zwar Gilfeders kulturellen Hintergrund und erklären damit auch seine Denkweise, ein Spannungsbogen entwickelt sich in dieser Zeit jedoch nicht. Da helfen auch die vielen Andeutungen auf Flammes sich erneut verschlechternden Zustand nichts, zumal die Ursache hierfür viel zu schnell klar ist. Tatsächlich verspürte ich gelegentlich den Wunsch, Glut und Gilfeder zu schütteln, weil sie so schrecklich schwer von Begriff waren.

In der zweiten Hälfte zieht das Erzähltempo dann etwas an, und es kommt erneut zur Konfrontation mit dem Antagonisten. Hier entwickelt sich zum ersten Mal Spannung, falls der Leser sich aber Antworten auf eine der Anspielungen erhofft, die bisher mehrfach fallen gelassen wurden, so hat er sich vorerst zu früh gefreut. Die Spannungskurve sinkt zunächst noch einmal ab, die Gefährten müssen ihrem Zielobjekt erst noch einmal hinterherjagen, ehe es schließlich auf einer weiteren Insel zum Showdown kommt. Da es sich um eine Trilogie handelt, ist am Ende des Buches natürlich noch immer nicht alles abgehakt, aber einige Fragen sind jetzt tatsächlich beantwortet.

So ist der Gesamteindruck am Ende erneut eher durchwachsen. Viele Aspekte – wie Gilfeders kultureller Hintergrund – waren durchaus interessant, im Verhältnis zu ihrer Relevanz aber ein wenig zu ausführlich ausgebreitet, und wirkten dadurch hemmend auf die Entwicklung der Handlung. Das kann der interessante Charakter des Heilers nicht ganz ausgleichen. Nachdem in der zweiten Hälfte vermehrt Bewegung in die Handlung kommt, wird die Lektüre spannender, und der Leser erhält endlich ein paar Antworten. Ein nettes Bonbon sind die eingestreuten Briefe des kell’schen Forschers an seinen Onkel, die die Handlung durch ihren anderen Blickwinkel immer wieder auflockern.
Eine wirklich fesselnde Lektüre war also auch der zweite Band nicht wirklich, da steckt immer noch Entwicklungspotenzial drin. Wer genug Geduld aufbringt, die anfänglichen Längen auszusitzen, kann sich aber zumindest gut unterhalten fühlen.

Glenda Larke stammt aus Australien und wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Zunächst kamen jedoch eine Heirat und ein Lehrerberuf dazwischen. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien kehrte die Lust am Schreiben zurück, seither hat die Autorin den Einzelroman „Havenstar“ sowie die Trilogien The Mirage Makers und The Isles of Glory geschrieben. Der dritte Band der Trilogie Die Inseln des Ruhmes erscheint im Januar nächsten Jahres unter dem Titel „Die Magierin“. Die Autorin hat derweil ihre neue Trilogie Watergivers beendet, der dritte Band kam Anfang August in die australischen Buchläden.

Taschenbuch: 597 Seiten
Originaltitel: The Isles of Glory 2 – Gilfeather
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3442267613

www.glendalarke.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Johnson. Alaya – Moonshine – Stadt der Dunkelheit

_Moonshine_:
Band 1: _Stadt der Dunkelheit_

Heutzutage müssen Vampirromane ganz bestimmte Lesererwartungen erfüllen: Sie müssen in der Alten Welt spielen oder zumindest in New Orleans. Die vampirischen Protagonisten müssen gutaussehend und moralisch sein, während sie mit ihrem Schicksal hadern und nur auf die richtige, wenn auch etwas tapsige, Frau warten, die ihnen ewiges Glück bescheren wird. So gesehen ist Alaya Johnsons Debutroman „Moonshine – Stadt der Dunkelheit“ wirklich erfrischend, denn er hält sich an keines dieser gängigen Klischees.

_Als Setting wählt_ Johnson das New York der 1920er Jahre – mit einigen pikanten Details. Es gibt alles, was man von dieser Periode der amerikanischen Geschichte erwarten würde: Prohibition und Flüsterkneipen, korrupte Politiker und schier endlose Wellen von Einwanderern, Jazz und natürlich auch Charleston. Doch darüber hinaus gibt es in New York haufenweise Vampire und sonstige nicht ganz menschliche Mitbewohner, die kurz unter Andere zusammengefasst werden. Diese sehen sich Vorurteilen und restriktiver Gesetzgebung ausgesetzt, sie werden schlechter bezahlt als Menschen und müssen schlechtere Arbeitsbedingungen hinnehmen. Kurzum, Vampire und Andere sind die klassische Minderheit, die von der herrschenden Klasse unterdrückt und ausgebeutet wird. Und da kommt Zephyr Hollis ins Spiel, ihres Zeichens singende Vampirrechtlerin – ja, wirklich! Zephyr ist ein Gutmensch, wie er im sprichwörtlichen Buche steht. Aufgewachsen in einer Familie von Dämonenjägern hat sie sich irgendwann von diesem blutigem Zeitvertreib abgewandt und sich auf die Seite der Entrechteten geschlagen. Nun fährt sie mit dem Fahrrad kreuz und quer durch New York, unterrichtet Einwanderer in Etiquette und Englisch, arbeitet für den Bürgerrat, fährt für Vampire Blut aus, engagiert sich in über dreißig Wohltätigkeitsorganisationen und schiebt ihr Geld so lange bettelnden Vampiren zu, bis ihre eigenen Taschen leer sind und sie ihre Miete nicht mehr zahlen kann. Das kommt dem Dschinn Amir wiederum gelegen, der ihr Geld bietet, damit sie für ihn Rinaldo ausfindig macht, den mafiösesten Vampirboss der Stadt, von dem allerdings niemand weiß, wo er sich aufhält. Und so macht sich Zephyr mehr schlecht als recht an die Turn Boys, Rinaldos Bande, heran und findet darüber hinaus immer mehr Gefallen am geheimnisvollen Amir.

_Johnson verknüpft also_ einen Krimiplot mit einer Liebesgeschichte, das verspricht gute Unterhaltung und für jeden Geschmack etwas. Was könnte also schief gehen? Abgesehen von der passablen Milieuschilderung leider so einiges. Alaya Johnson bekommt das New York der 20er Jahren durchaus anschaulich hin, wenn sie auch Längen hinter der Atmosphäre von P. N. Elrods [„Vampirdetektiv Jack Fleming“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=432 zurückbleibt (das zehn Jahre später spielt). Das Elend der Einwanderer wird greifbar geschildert – die prekären Jobs und billigen Mietshäuser spielen im Verlauf der Handlung eine durchaus wichtige Rolle. Demgegenüber stehen die schillernden Partys der Upper Class, die sich den illegal importieren Champagner literweise in den Rachen schütten während auf den Straßen Armut und Hunger herrschen. Und das ist auch schon das erste Problem von Alaya Johnsons Roman: Ihre Heldin Zephyr Hollis. Denn anstatt auf ihre Schreibkunst zu vertrauen und den Leser selbst darauf kommen zu lassen, dass die gesellschaftlichen und politischen Zustände in New York unhaltbar sind, benutzt Johnson ständig ihre moralingesäuerte Heldin, um dem Leser unter die Nase zu reiben, dass es schlecht ist, zu tanzen, während andere hungern. Dass es schlecht ist, sich ein Kleid zu kaufen, während zehnköpfige Familien in Einzimmer-Apartments leben. Dass es unverzeihlich ist, im Waldorf Astoria ein Gurkensandwich zu essen (und womöglich auch noch zu genießen) während es auf dieser Welt noch irgendwo Unrecht gibt.

Zephyr ist Sufragette, Gutmensch, Vampirrechtlerin und sogar Vegetarierin – alles in einem. Sie ist der Alptraum eines jeden Genussmenschen – und ist nicht jeder Leser irgendwie auch ein Genussmensch? Dann aber einer Protagonistin folgen zu müssen, die aber auch immer ein Haar in der Suppe findet und in den unpassendsten Augenblicken Slogans aus ihren Flugblättern unter die Leute bringt, das ist schon wirklich anstrengend. Dass es innerhalb der Handlung auch bedeutet, dass man sich als Leser den ständig gleichen Handlungselementen ausgesetzt sieht – Zephyr fährt mit dem Rand durchs schneebedeckte New York, um einen Abendkus zu geben – ist da nur noch die Krönung der Langeweile.

Ebenfalls problematisch ist die Tatsache, dass Alaya Johnson vom Prinzip der Exposition noch nicht wirklich etwas gehört zu haben scheint, denn viele grundsätzliche Fragen zu dem von ihr geschaffenen Universum bleiben offen. Warum beispielsweise gibt es in New York Vampire und Andere? Was ist geschehen, dass sie sich als Bürger frei bewegen dürfen, wann sind sie aus dem Geheimen sozusagen ins Licht der Öffentlichkeit getreten? Was hat den Bruch zwischen Zephyr und ihrer Dämonen jagenden Familie verursacht? Warum schlägt sie sich jetzt auf die Seite der Vampire und das, obwohl es in dem ganzen Buch nicht einen halbwegs netten Vampir gibt? Wofür sich für jemanden einsetzen, der einem hauptsächlich an die Kehle will? Was sind Amirs Motive? Warum hält er sich in der menschlichen Welt auf? Warum besucht er Zephyrs Kurse? Und warum setzt er sie auf Rinaldo an, nur um dann den Rest des Romans damit zu verbringen, sie davon wieder abbringen zu wollen, weil es zu gefährlich ist? „Moonshine“ durchziehen einfach zu viele Ungereimtheiten, als dass man sich wirklich in die Lektüre fallen lassen könnte.

_Man legt das Buch_ mit einer gewissen Ungerührtheit zur Seite, denn obwohl es alle Zutaten für einen spannenden Unterhaltungsroman mitbringt, berühren die Schauplätze, die Charaktere und deren Probleme nie wirklich. Der Krimiplot ist zumeist banal und Johnson muss haarsträubende Zufälle bemühen, um ihn überhaupt voranzutreiben. Die Liebesgeschichte plätschert ebenfalls vor sich hin, da man mit den handelnden Personen kaum warm wird. Und alle Nebencharaktere sind ohnehin so austauschbar, dass man sie kaum auseinanderhalten kann. Damit wird “Moonshine” leider nicht zum Lesevergnügen.

|Broschiert: 425 Seiten
Originaltitel: |Moonshine|
Deutsch von Christiane Meyer
ISBN-13: 978-3426507162|
[www.knaur.de]http://www.knaur.de

Chandler, David – Metropole der Diebe, Die (Ancient Blades 1)

_|Ancient Blades|:_

Band 1: _“Die Metropole der Diebe“_
Band 2: „Das Grab der Elfen“ (April 2012)
Band 3: „Honor Among Thieves“ (Noch ohne dt. Titel)

_Die freie Stadt Ness_ ist eine beeindruckende Metropole. Der noch junge, aber sehr talentierte und ausgefuchste Malden ist nur einer der Diebe, die Tag und Nacht ihr flinkes Handwerk in den Straßen und auf den Dächern der Stadt ausüben. Malden gehört keiner Gilde an, keiner Vereinigung von Dieben und arbeitet auf eigene Faust. Der junge Mann weiß um die Gefahren seiner Zunft, aber dem ehemaligen Waisenkind bleiben nicht viele Alternativen zum Überleben.

Doch so „frei“ er sich auch fühlt, schon längst hat Malden die Aufmerksamkeit von Cutbill, dem Meister der Diebesgilde von Ness auf sich gezogen. Und Cutbill macht dem jungen Dieb ein Angebot, das ihm ganz neue Perspektiven präsentiert, ihm aber auch einige Einschränkungen bescheren würde. Malden soll sich den Regeln der Diebesgilde unterwerfen und von seiner Beute einen nicht gerade geringen Anteil an Cutbill abtreten. Dafür genießt er den umfassenden Schutz der Gilde und hat Zugriff auf Pläne, Beziehungen und wertvolle Hilfsmittel, die ihn das Leben als Dieb erleichtern.

Malden fühlt sich geschmeichelt, er wägt das Angebot ab und geht auf Cutbills Angebot ein. Mit dem Schutz der Gilde im Rücken träumt er davon, sich eine Existenz aufzubauen, um eines Tages „frei“ zu sein, sodass er die Stadt Ness verlassen kann und nicht sofort jenseits der Stadtbefestigung als Feldsklave aufgegriffen und verkauft zu werden.

Doch die erste Hürde, die Malden nehmen muss, ist sich den Rang eines Gesellen zu verdienen. Dafür muss er seine Aufnahmegebühr entrichten, die absurd hoch ist. Als Malden am nächsten Tag auf dem Marktplatz von Ness versucht, ein paar Geldbeutel von reichen Kaufmännern zu stehlen, wird er um ein Haar gefasst und auf der Flucht begegnet er einem geheimnisvollen Mann, dem Schwertkämpfer Bikker und der Magierin Cythera. Beide beauftragen den jungen Dieb mit einem riskanten Diebstahl, dessen Konsequenzen er in keinem Moment wirklich abschätzen kann. Er soll für die geheimnisvolle und schöne Cythera die goldene Krone des Burggrafen stehlen.

Dem talentierten Dieb gelingt dieses Husarenstück, doch der Preis ist hoch. Natürlich wird der Diebstahl entdeckt und der Burggraf verdächtigt alleine der Logik wegen, die Gilde der Diebe um Meister Cutbill. Dessen geheimer Schlupfwinkel wird von den Männern des Grafen infiltriert und alle Diebe, die sich vor Ort befinden, werden getötet. Malden kann sich mithilfe des Gildenmeisters Cutbill verstecken und belauscht das Gespräch zwischen dem Meister der Diebesgilde und dem Vogt, der um jeden Preis wissen möchte, wer die Krone gestohlen hat und wo sie sich derzeit befindet.

Cutbill verrät Malden nicht, droht ihm aber, dass er, wenn er den Tod findet, auch Malden der Nächste sein wird. Verzweifelt und verängstigt zieht sich Malden nun gezwungen die Krone ein zweites Mal zu stehlen. Doch diesmal ist die Gefahr um ein Vielfaches größer: Die Krone befindet sich nun im persönlichen Besitz des mächtigsten Magiers, den man kennt – Hazoth – uralt, grausam, eiskalt und mit Sicherheit ein tödlicher Gegner.

Viele Verbündete bleiben Malden nicht. Ihm stehen zur Seite, der verfluchte und zudem tote Kartenspieler Kemper, der edle Ritter Sir Croy, der Cythera liebt und zudem ihre Mutter aus Hazoths Fängen befreien möchte. Ein Trio, das es mit dunkler Magie und einer ganzen Stadt aufnehmen muss …

_Kritik_

„Ancient Blades – Die Metropole der Diebe“ aus der Feder von David Chandler hält, was der Buchrücken verspricht.

David Chandler lässt sich Zeit, erzählt geschickt und sehr ausführlich seine Einleitung. Im Detail stellt er die Stadt Ness vor und präsentiert dem Leser nach und nach die Protagonisten der Geschichte. Dadurch entsteht schon in den ersten Kapiteln eine ungemein dichte Atmosphäre, mit sehr vielfältig ausgeprägten Charakteren, Nebengeschichten und Konflikten. Alleine schon die Vorbereitungen der ersten Diebestat und die Ausführung beobachtet der Leser mit gespanntem Interesse. Das Tempo der Handlung ist gedrosselt, aber das macht David Chandler so anpassungsfähig, dass die Spannung und Neugier erhalten bleibt und die Handlung bis zum Ende hin begleitet. Dass die Handlung vorhersehbar ist und der Leser ahnt, dass Malden auch aus jeder noch so ausweglosen Situation ein Schlupfloch findet, entschuldigt man gerne. Hier ist der Weg das Ziel und jeder Zufall oder schlichtes Glück, das der Dieb hat, erscheint gar nicht als Klischee sondern wirkt faszinierend. Es gibt halt immer besagten „Plan B“.

Dadurch, dass die Charaktere so bunt und vor allem unterschiedlich sind, bleibt noch viel Platz für ein paar kleinere Nebengeschichten, die hervorragend platziert sind. Welche Macht und Einfluss hat der alte Zauberer Hazoth und warum bindet er sich Chythera und ihre Mutter an sich? Auch die Krone formiert sich zu einem Rätsel und bis zum Schluss bleibt die Identität des mysteriösen Auftraggebers verborgen.

David Chandlers Welt – „Die Metropole der Diebe“ – ist eine facettenreiche Welt, in der es neben den bekannten Figuren eine Vielzahl von Rassen wie Zwerge, Elben, Dämonen und Oger gibt. Nicht alle kommen hier zum Zuge, doch lassen wir uns doch überraschen, wer uns im zweiten Teil – schon im Frühjahr 2012 – begegnen wird. Es gibt immer wieder actionreiche Momentaufnahmen, ebenso auch dramatische und man schleicht gerne mit dem Dieb Malden durch Gänge, über Dächer und Straßen.

Der Zauber dieser wunderbaren Geschichte und das wirklich Interssante neben der Handlung sind die Charaktere in „Ancient Blades“. David Chandler gibt seinen „Helden“ so viel an Charisma und Geheimnissen mit, dass es eine wahre Freude ist und die Neugier noch lange nicht befriedigt ist. Auch nicht, wenn man das Buch beendet hat.

Malden ist uneingeschränkt die Hauptfigur, aber widmen wir uns doch den Nebenfiguren. Allen voran Sir Croy, einem wirklichen Ritter, der in seiner eigenen, sehr verklärten Märchenwelt lebt und ständig seine Ideale ausleben möchte. Sehr zum Spaß von Malden und Kemper, allerdings gleich viel zum Leid von Cythera die versucht ihn immer von seiner Naivität zu heilen. Hier gibt es herrliche Dialoge zwischen den beiden.

Auch Kemper, der verfluchte und tote Dieb und Kartenspieler, weiß zu unterhalten. Und der Zwerg Slag, der Malden bei seiner Ausrüstung behilflich ist, ist so herrlich mürrisch und typisch „zwergisch“, dass er hervorragend ins Bild passt. Genauso sympathisch, wie diese Figuren sind, so reizvoll sind auch der Magier Hazoth, der Vogt und auch der Burggraf und nicht zuletzt der Schwertkämpfer Bikker.

Der Titel des Buches „Ancient Blades“ erklärt sich dem Leser erst recht spät. Allerdings auch hier ist David Chandler ein Fuchs, denn die Ancient Blades – sind sieben Ritter, die mit magischen Schwertern ausgerüstet gegen Dämonen gekämpft haben. Zwei dieser geheimnisvollen Schwerter tauchen in „Die Metropole der Diebe“ auf, doch welche Magie verbirgt sich in den anderen verschollenen fünf Schwertern und vor allem, wer führt diese?

_Autor_

David Chandler wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und lebt in New York. Nachdem er für die Vereinten Nationen arbeitete, schreibt er heute phantastische Romane. Nach „Die Metropole der Diebe“ führt er mit „Das Grab der Elfen“ seine High-Fantasy-Reihe „Ancient Blades“ fort.

_Fazit_

„Ancient Blades – Die Metropole der Diebe“ ist ein sehr zu empfehlendes Buch aus dem Genre Fantasy. Hier überzeugt uns die Spannung, eine abwechslungsreiche Handlung, sehr gut entwickelte Charaktere, die das Lesen zu einem wahren Vergnügen machen.

Wer die Romane von Brent Weeks und Peter V. Brett gelesen hat, wird sich in diesem Roman gleich zu Hause fühlen.

Ein brillanter Roman. Der Leser kann sich auf die Fortsetzung „Das Grab der Elfen“ freuen, das im Frühjahr 2012 im Piper-Verlag erscheinen wird. „Ancient Blades – Die Metropole der Diebe“ ist uneingeschränkt empfehlenswert.

|Taschenbuch: 484 Seiten
Originaltitel: |Den of Thieves|
Deutsch von Andreas Decker
ISBN-13: 978-3492267540|
[www.piper-verlag.de]http://www.piper-verlag.de/piper/index.php

Meydan, Lena – Clan der Vampire

Lena Meydan – das klingt wie eines dieser Fantasy-Pseudonyme, unter denen amerikanische Autorinnen ihre Vampirromanzen unters lesende Volk bringen. Und tatsächlich ist Lena Meydan – entgegen der Tatsache, dass es eine Webseite mit Kurzbio und Steckbrief gibt – ein Pseudonym, hinter dem sich die drei russischen Schriftsteller Alexey Pehov, Elena Bitschkowa und Natalja Turtschaninowa verbergen. Eigentlich ein unnötiger Schachzug, genießt russische Fantasy hierzulande doch spätestens seit der Wächter-Trilogie einen durchaus guten Ruf. Außerdem heißt es über Lena Meydans Roman „Clan der Vampire“, er sei für den internationalen Markt umgeschrieben worden. Man dachte wohl, sich auf dem internationalen Parkett dem momentan gängigen niedrigen Niveau wenigstens annähern zu müssen. Glücklicherweise ist das nicht gelungen. Denn auch wenn der englische Titel „Twilight Forever Rising“ das Buch mit Gewalt in die Meyer-Ecke drängen will und auch der deutsche Klappentext versucht, das Gewicht auf die Liebesgeschichte zu legen, so handelt es sich bei „Clan der Vampire“ doch keineswegs um eine rührselige Vampirschmonzette. Wer also aufgrund des Marketings die Finger von diesem Roman lässt, verpasst unter Umständen ein gutes Buch.

Tatsächlich hat „Clan der Vampire“ (der russische Originaltitel ist „Kindret“) dafür einiges mit dem Rollenspiel „Vampire – The Masquerade“ zu tun. Diese geistige Verwandtschaft tragen die drei Autoren als Banner offensichtlich auf dem Buchdeckel: „Kindred“ (bzw. deutsch „Clan der Vampire“ – dafür ein Bonuspunkt für die korrekte deutsche Übersetzung) war eine kurzlebige Serie, die auf dem Rollenspiel fußte. Dass Vampire sich in Clans, also bestimmte Familien, unterteilen, die verschiedene Eigenschaften besitzen und sich in menschliche Politik und Wirtschaft einmischen, ist der gedankliche Grundpfeiler des Romans. Protagonist ist Darrel Dachanawar, ein Telepath, der für seinen Clan andere Vampire, aber gern auch menschliche Geschäftspartner aushorcht. Während die Moskauer Vampire – oder Blutsbrüder, wie sie sich selbst nennen – menschliche Emotionen und Handlungsmuster kaum noch nachvollziehen können, hält sich Darrel gern in der Welt der Menschen auf. Dabei begegnet ihm Lorraine, mit der ihn bald eine zarte Romanze verbindet. Doch eine Verbindung zwischen einem Menschenmädchen und einem Vampir kann nicht lange gut gehen. Schon gar nicht, wenn die Balance der verschiedenen Familien ohnehin gestört ist und jeder mit geschickt eingefädelten Intrigen versucht, die Oberhand zu gewinnen.

Doch „Clan der Vampire“ handelt nicht nur von Darrel. Seine Geschichte ist zwar der rote Faden, der sich durch den Roman zieht. Doch daneben erfährt der Leser noch ganz viel über andere Vampirfamilien und deren Oberhäupter. Die Erzählperspektive wechselt häufig. Mal folgt man Miklosch Balsa, dem Oberhaupt der Tschornis, mal Paula, einer Feriartos. Zusammen ergeben all diese Geschichten dann ein großes Mosaik. Das heißt aber auch, dass sich die Handlung nur langsam entschlüsselt. Als Leser muss man Geduld mitbringen. Nicht nur braucht es eine Weile, bis man all die verschiedenen Familien und ihre wichtigsten Figuren auseinanderhalten kann, auch spielen sich viele Handlungsstränge parallel ab und ergeben erst am Ende des Buches Sinn. Wer diese Geduld aufbringt wird allerdings belohnt: „Clan der Vampire“ ist – trotz der abgekupferten Grundidee – ein originelles und vor allem spannendes Buch. Und gerade die zahlreichen Erzählperspektiven stellen sicher, dass jeder Leser einen Charakter findet, der ihn persönlich anspricht.

So gibt es zwar durchaus eine Liebesgeschichte zwischen Darrel und Lorraine, doch diese ist eben nur ein kleines Mosaiksteinchen im großen Ganzen – „Clan der Vampire“ ist keineswegs ein Liebesroman. Mancher Leser interessiert sich vielleicht eher für Miklosch, das schmale, blonde Oberhaupt der Tschornis, der gern komponiert und einen Hygienetick hat, aber gleichzeitig unglaublich brutal sein kann und sich eine ganze Armee von Söldnern hält. Oder vielleicht doch lieber Christoph, der französische Ritter, der in einer Wohnung lebt, die er alle drei Monate komplett umräumt und der Leichen wiederwecken kann. Jede Figur wird mit der gleichen Liebe zum Detail dargestellt – niemand ist einfach nur gut oder böse, einfach nur schwarz oder weiß. Und es ist genau diese differenzierte Darstellung, die „Clan der Vampire“ so lesenswert macht.

Was ein wenig zu kurz kommt – gerade für einen deutschen Leser – ist das Setting. „Clan der Vampire“ spielt in einem fast kontemporären Moskau (die russische Originalausgabe gibt über jedem Kapitel einen Tag im Jahr 2004 an, in der deutschen Ausgabe wurde diese genaue zeitliche Verortung weggelassen). Leider jedoch spielt Moskau als Ort der Handlung kaum eine Rolle und wäre, wenn nicht einige bekannte Gebäude oder Straßen erwähnt würden, sogar vollkommen austauschbar. Stattdessen entführen die Autoren in Clubs und Restaurants, die so hipp und beliebig sind, dass sie sich auch in jeder anderen Großstadt dieser Welt befinden könnten. Das ist ein bisschen schade, würde ein gut beschriebener Handlungsort doch ungemein zur Atmosphäre des Romans beitragen. Vampire in einem finsteren Moskau? Wer kann da widerstehen?

Natürlich muss auch dazu gesagt werden, dass dieser Roman der Auftakt zu einer Tetralogie ist. Deshalb endet „Clan der Vampire“ mit einem ordentlichen Cliffhanger. Das Autorentrio hat sich viel Zeit genommen, eine Romanwelt aufzubauen und zu gestalten. Wie im Schachspiel werden die verschiedenen Figuren platziert und zueinander in verschiedenen Beziehungen gestellt. Im Verlauf des Romans gibt es erste Schachzüge, doch wird sich erst in den Fortsetzungen zeigen, in welche Richtung das Spiel sich entwickelt. Die Familien stehen am Beginn eines Kriegs um die Vorherrschaft. Wer daraus als Sieger hervorgeht, wird sicher erst der vierte Band zeigen. Hoffen wir, dass der deutschsprachige Markt nicht zu lange auf die Fortsetzungen warten muss. Es passiert heutzutage schließlich nicht mehr allzu häufig, dass originelle, düstere und unterhaltsame Vampirliteratur veröffentlicht wird. Ein echter Pageturner!

|Taschenbuch: 560 Seiten
Originaltitel: Kindret, Krownye bratja
ISBN-13: 978-3453266902|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne

Curt Siodmak – Donovans Gehirn

Ich ist ein anderer: spannender Bewusstseinskrimi

Als der Banker Donovan in der Nähe von Dr. Patrick Corys medizinischem Forschungslabor abstürzt, ist sein Körper unrettbar zerstört. Doch der Gehirnspezialist kann das unverletzte Gehirn bergen und am Leben erhalten. Es beginnt im Labor weiterzuwachsen und neuartige Fähigkeiten zu entwickeln, bis es seiner Umwelt seinen Willen aufzwingt und sie bedroht …

_Der Autor_

Curt Siodmak, 1902 in Dresden geborener Bruder von Hollywoodregisseur Robert Siodmak, schrieb neben zahlreichen Novellen und Filmdrehbüchern („F.P.1 antwortet nicht“, 1931) einige SF-Romane, die mittlerweile als Klassiker des Genres gelten. Neben „Das dritte Ohr“ (1971) sind vor allem das verfilmte „Donovans Gehirn“ (1941/42) sowie „Hausers Gedächtnis“ (Buch 1968) berühmt geworden, die sich ebenfalls mit Psi-Phänomenen beschäftigen. Alle drei Bücher sind bei Heyne erschienen.

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Minte-König, Bianka – Amanda – Deine Seele so wild (Die Dunkle Chronik der Vanderborgs 2)

_|Die dunkle Chronik der Vanderborgs|:_

Band 1: [„Estelle – Dein Blut so rot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6693
Band 2: _“Amanda – Deine Seele so wild“_
Band 3: „Louisa – Mein Herz so schwer“ (September 2011)

In „Estelle – Dein Blut so rot“ beschrieb Bianka Minte-König eine große vampirische Romanze zwischen ihrer Titelheldin Estelle und deren Liebhaber Amadeus. Aus dieser Beziehung ging eine Tochter hervor, Amanda, und um diese entspinnt Minte-König im zweiten Teil der „Dunklen Chronik der Vanderborgs“ eine neue Geschichte um Liebe, Identität und deutsche Geschichte.

Amanda wächst zunächst behütet auf dem Gut Blankensee unweit von Berlin auf. Ihre Mutter jedoch verfällt nach dem Tod ihres Geliebten in Depressionen und verschwindet schließlich sogar. Als mit vierzehn Jahren Amandas vampirisches Erbe hervorbricht und sie ihr Dienstmädchen in den Hals beißt, steckt sie ihr Onkel in die Nervenheilanstalt. So ist er das verrückte Kind los und kann sich dessen Erbe unter den Nagel reißen. Amanda wird derweil von Professor Müller-Wagner einer revolutionären Therapie unterzogen – man malträtiert sie mit Elektroschocks, in der Hoffnung, ihr Hirn wieder richtig zu polen. Erst nach drei Jahren entkommt sie dieser Hölle, als sich ein Freudianer, der junge Conrad Lenz, in der Anstalt einfindet und sich der mittlerweile katatonischen jungen Frau annimmt. Mit Hilfe der Psychoanalyse versucht er zu Amanda durchzudringen, die aufgrund der brutalen Elektroschockbehandlung unter Amnesie leidet.

So vergeht der erste Teil des Romans damit, dass Amanda ihre Vergangenheit langsam wieder zusammensetzt, bevor sich eine zarte Liebe zwischen ihr und Conrad entspinnt. Als dann überraschend ein Brief ihrer Mutter eintrifft, macht es Amanda sich zur Aufgabe, Estelle aus den Fängen ihres Ehemanns Karolus Utz zu befreien, der sie auf der karpatischen Familienburg gefangen hält. Zu diesem Zweck reisen Amanda, Conrad und der alte Vanderborg zurück in die polnischen Karpaten, wo sie auch tatsächlich Estelle – aber eben leider auch Utz vorfinden. In einer dramatischen Flucht von der Burg kommen sie gerade so mit dem Leben davon. Zurück in Berlin wird das Glück, dass Conrad und Amanda miteinander empfinden durch Kinder gekrönt. Allerdings werden die gesellschaftlichen und politischen Umstände bald wieder prekär und als Hitler an die Macht kommt, ist den beiden klar, dass ein neuer Krieg am Horizont heraufzieht.

_Bianka Minte-König ist_ dem Konzept, das sie für „Estelle“ entwickelt hatte, auch in dieser Fortsetzung treu geblieben. Die Handlungsschauplätze pendeln zwischen Berlin, Blankensee und den Karpaten und auch die Liebesgeschichte zwischen Amanda und Conrad verläuft in durchaus erwartbaren Bahnen. Aus dieser Richtung sind also kaum Überraschungen zu erwarten. Am besten gelungen ist Minte-König wohl der Beginn des Romans: Der Handlungsschauplatz der Nervenheilanstalt ist mit kalter Präzision beschrieben und Amandas Grauen angesichts dieser modernen Folterkammer kommt ungefiltert beim Leser an. Ebenso interessant lesen sich die Passagen zum Thema Psychoanalyse und Freud, die in krassem Gegensatz zu Müller-Wagners mittelalterlich anmutender Schocktherapie steht. Dass Amanda zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hat, dass sie ein Vampir ist, macht die ganze Sache nur noch spannender, denn so können Therapeut und Patientin über ihr dunkles Es spekulieren, ohne zu realisieren, dass es eben nicht Amandas Unbewusstes ist, dass ihr solche Probleme bereitet, sondern ihr ganz realer Blutdurst. Eine psychoanalytische Interpretation des Vampirthemas ist nicht neu und drängt sich in diesem Sujet geradezu auf. Trotzdem gehen diese Passagen kaum in die Tiefe und kratzen nur küchenpsychologisch an Amandas „so wilder Seele“. Immerhin, einen Vampir in eine Nervenheilanstalt zu stecken ist eine durchaus originelle Idee, gerade weil hier sowohl Vampir als auch Therapeut im Dunkeln tappen.

Leider versteht es Minte-König nicht, die moralische Problematik des Vampirismus wirklich auszuloten, stattdessen lässt sie ihre Heldin im Angesicht ihres Blutdursts mal mitfühlend, mal kaltherzig reagieren – gerade wie es die Handlung im Moment verlangt. So pendelt Amanda stets zwischen Gutmenschentum und geradezu lästerlicher Menschenverachtung. Im einen Moment noch lamentiert sie darüber, dass das Töten von Menschen ihr moralisch zu schaffen macht und im nächsten erörtert sie, dass es geradezu ein Gnadenakt sei, Arbeitslose und Kriegsversehrte per Vampirbiss von ihrem tristen irdischen Dasein zu befreien. Minte-König lässt diese zweifelhaften Gedankengänge unkommentiert im Text stehen. Nie erlaubt sie ihrer Protagonistin eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit diesen Problemen und so schleicht sich die Schizophrenie, die Conrad Lenz zu Beginn noch heilen wollten, durch die Hintertür dann doch wieder in Amandas Psyche.

Grundsätzlich scheint Bianka Minte-König nach dem Motto „Drama, Baby!“ zu arbeiten, denn an jeder Weggabelung in Amandas Leben wählt die Autorin den Pfad, der ihrer Heroine den meisten Herzschmerz bereiten wird. Amanda verliert ihre Mutter. Amanda kommt in die geschlossene Anstalt. Amanda erringt die Freiheit, hat aber keine Bürgerrechte mehr. Amanda findet ihre Mutter wieder, nur um sie sofort wieder zu verlieren. Amanda verliebt sich in Conrad, den aber auch ein düsteres Schicksal ereilt. Amanda bekommt Zwillinge, doch ein Kind stirbt tragisch … und so weiter. Amandas Leben verläuft damit auf dermaßen hohem dramatischem Level, dass dem Leser von Zeit zu Zeit die Puste auszugehen droht. So viel Pech kann doch eine einzelne Romanfigur gar nicht haben, oder? Und wenn Minte-König dann nicht nur das Level, sondern auch noch das Tempo des Dramas anhebt, dann bleibt der Leser vollends auf der Strecke. So krankt leider der gesamte Handlungsstrang in den Karpaten daran, von allem einfach zu viel vorzuweisen – zur völligen Aufgabe jeglicher Plausibilität. Da präsentiert Minte-König ausgestorbene Dörfer, Mädchenleichen, die auf Misthaufen entsorgt werden, ein mittelalterliches Bankett, Blutsklavinnen, eine brennende Burg, eine Flucht über unwegsame Bergpässe und natürlich heulende Wolfsrudel. Damit allein hätte sich ein ganzer Roman füllen lassen – Minte-König stopft all diese Handlungselemente jedoch in 100 Seiten, die den Leser reichlich atemlos und verwirrt zurücklassen.

Etwas beschaulicher geht es im letzten Teil des Romans zu, wo sich Minte-König wieder darauf beschränkt, ihre Figuren als exemplarische Vertreter ihrer Zeit in ein sprudelndes Berlin zu stellen. Da geht es um politische und gesellschaftliche Umbrüche, den Aufstieg des Nationalsozialismus, Amandas Arbeit in der Gewerkschaft und es gibt – wie auch schon in „Estelle“ – viele gut gelungene Szenen über das Berliner Leben, komplett mit Kleinkunst, Kabarett und Berliner Schnauze. Darüber gerät Minte-König manchmal ins referieren und vergisst ihre eigentliche Handlung, doch das ist nach dem völlig unüberschaubaren Karpatenplot geradezu erholsam.

_“Amanda – Deine Seele so wild“_ ist eine etwas unausgegorene Fortsetzung, die vielversprechend beginnt und nach einer chaotischen Mitte eher bedächtig ausklingt. Doch wie im Liebesroman üblich, ist auch hier alles besonders groß: Die Liebe, das Drama und der Herzschmerz. Darüber hinaus punktet die Autorin auch hier wieder mit einem detailliert recherchierten Setting, das der eigentlichen Vampirstory fast die Schau stielt. Wer sich also bei der Lektüre in ganz große Gefühle fallen lassen will, der ist bei Bianka Minte-König richtig. Realisten sind hier eher fehl am Platze.

|Taschenbuch: 424 Seiten
ISBN-13: 978-3800095346|
[www.otherworld-verlag.com]http://www.otherworld-verlag.com/index.php?set__language=de&cccpage=bucher__toptitel

Michael Marrak – Black Prophecy: Gambit

Michael Marrak erschafft eine neue galaktische Zivilisation der Menschen und entwirft ein Szenario der dunkelsten Zukunft, in dem der Mensch sich selbst aufs Abstellgleis schickt – Black Prophecy heißt das Onlinegame, für das Marrak federführend tätig war und die Hintergrundgeschichte nun bei Panini zu Papier bringt.

Als die Menschheit das erste fremde Sonnensystem besiedelte, schuf sie genetisch optimierte künstliche „Menschen“, die auf fernen Welten durch ihre hohe Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit als Pionier für die eigentlichen Homo sapiens dienen sollen. Nach der Besiedlung sind sie den Menschen im Weg und werden von der neu erschlossenen Welt verbannt. Aus Angst vor der Rache der sogenannten „Geniden“ entwickeln die Aussiedler kybernetisch hochgerüstete Truppen – doch der befürchtete Angriff bleibt aus. Schließlich kommt es auch zum – freiwilligen – Exodus der sogenannten „Tyi“, der Kyberneten, die sich in die Weiten der Galaxis aufmachen.

Die beiden Schöpfungen der Menschheit treffen bei der Neubesiedlung von Rohstoff- und Kolonialwelten immer wieder aufeinander und führen einen ewigen Konkurrenzkrieg. Doch in einer Angelegenheit sind sie sich schnell einig: Die Menschheit, der Homo sapiens, ist ihnen so weit unterlegen, dass sie ihn schließlich entmachten, enteignen und ihm alle Rechte entziehen. Der Mensch ist auf der untersten Stufe der Bedeutung angelangt, von seinen eigenen Schöpfungen versklavt.

Für niedere Dienste stehen die Menschen den selbsternannten „Superior“-Rassen zur Verfügung, wie zum Beispiel als Testpioniere auf neuen Welten, um die Gefährlichkeit der Erreger und des Lebens dort zu eruieren. Oder als Schiffsmannschaften auf interstellaren Reisen, denn die Superior ziehen während der Jahre dauernden Raumflüge die Kryokammer vor.

Jerome, der sich durch harte Arbeit eine verhältnismäßig angesehene Stellung bei den Superior erarbeitet und etwas aus dem Schattendasein der Sapiens befreit hat, ist bei einer der seltenen gemeinsamen Besiedlungen der Superior einer der mit der Sicherheit einer Raumstation betrauten Spezialisten; einer Raumstation, auf der Tausende ungeduldiger Siedler aller Rassen darauf warten, dass die Untersuchungen und Probenanalysen in den Speziallabors alles für die Besiedlung vorbereitet haben.

Als seine ehemalige Freundin Abhazia, die für Schizophren erklärt wurde wegen der Wahrnehmung seltsamer Wesen, die weder von anderen Menschen noch von Kameras erblickt werden können, spurlos verschwindet, wird Jerome misstrauisch und ermittelt halb inoffiziell in diesem Fall. Dabei verstrickt er sich in Konflikte mit den Superior-Rassen und kommt einem gefährlichen Komplott auf die Spur, das den relativen Frieden der Zivilisation und sogar ihr Bestehen hochgradig gefährdet. Und während er auf verschiedenen Fährten versucht, alles mit ihrem Fall in Verbindung zu bringen, gelangt Abhazia in eine Enklave anderer Interessen, die eine ungeheure Entdeckung gemacht hat, ohne sie noch richtig einordnen zu können …

Als Marrak vor Jahren in seinem Log von seiner Arbeit für ein Onlinegame berichtete, konnte seine Begeisterung nur teilen, wer ebenfalls den Computerspielen anheimgefallen ist – für den Real-Life-Verwurzelten hieß das nämlich nur eines: weniger krasse Romane! Mit Lord Gamma legte Marrak sich selbst natürlich auch eine herausfordernde Messlatte an, an deren Höhe die folgenden Romane mit absteigendem Erfolg kratzten – vielleicht ein Grund, warum seine Geschichten immer seltener wurden? Trotzdem hat jeder seinen eigenen Charme und ein typisches Charisma. Hier heißt „absteigender Erfolg“ nicht unspannend oder Ähnliches, sondern echt geile Geschichten, die aber den „Gamma“ nicht erreichen.

Thematisch haben seine Geschichten immer etwas Abstruses oder Transzendentes zu bieten, und da kommt die Sprache auf den vorliegenden neuesten Roman, der den Kosmos eben jenes Onlinegames beleuchtet: Er ist weder abstrus noch transzendent. Er transportiert eine detailliert ausgefeilte Welt, manche Abschnitte lösen sich regelrecht aus der Handlung und pfropfen Fakten hinein, die literarisch zu thematisieren der Raum fehlt.

Darin erkennt man die Arbeit, die Game-Historie, und doch glänzen in den Handlungsabschnitten Marraks erzählerische Talente und packen den Leser und vermitteln ihm das Leben und Streben der wichtigen Charaktere. Für sich allein gelesen ist der Roman unbefriedigend, wirft er doch Unmengen Fragen auf und lüftet nur einen Zipfel der Rätsel, die er anlegt. Es ist wie der Auftakt zu einer Serie, doch hinterlässt der Hinweis auf Folgebände im Zusammenhang mit Michael Marrak einen schalen Beigeschmack: Es wäre nicht der erste auf mehrere Bände angelegte Roman, der nicht über den ersten Teil hinaus kommt. So verschwand sein groß angekündigtes und ambitioniertes Jugendromanprojekt Das Aion recht schnell unbemerkt und fast kommentarlos nach dem ersten vielversprechenden Roman – sodass sogar mancher Verlagsmitarbeiter von seiner Existenz gar nichts wusste …

Es ist ein Seiltanz zwischen Weltentwurf und spannender Handlung, den Marrak trotz der großen Informationsdichte auf fesselnde Weise bewältigt. Allerdings bleiben die Charaktere recht oberflächlich, obwohl Marrak gerade bei Abhazia und Jerome einen tragischen Hintergrund einzuflechten versucht. Nur Jerome erhält eine gewisse Persönlichkeit und entwickelt sich zu einem heldenhaften, sympathischen Charakter, der mit allen Wassern gewaschen scheint und aus jeder Lage einen Ausweg findet.

Die dabei eingeflochtenen historischen und wissenschaftlichen Informationen reichern das Universum von Black Prophecy an und sind hier im Roman so spannend und interessant zu lesen, dass man die dadurch verursachte teilweise Handlungslichte gut verzeihen kann. Einziger Wermutstropfen ist das wirklich sehr unvollständige Ende, wodurch die Geschichte ohne einen Folgeband zu unbefriedigend wirkt.

Man braucht mehr davon! Obwohl die Marrak-typische Düsternis und Tiefe noch fehlt.

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)

Broschiert: 315 Seiten
ISBN-13: 978-3833223556

Black Prophecy – offizielle Homepage
www.marrak.de

Nicolai, Lea – Hexen, Die

|“Wisse, du bist nicht allein“ (Gisela Graichen – Die neuen Hexen)|

_Straßburg 2011._ Nach einem Überfall in ihrer eigenen Wohnung hat sich das Leben für Ravenna komplett geändert. Die Angst sitzt ihr als beständiger Begleiter ständig im Nacken und nicht nur einmal ist es ihr passiert, dass sie einen Filmriss von mehreren Stunden hatte und dunkle Visionen sie heimsuchen. Da Ravenna sich in ihrer Wohnung nicht mehr sicher fühlt, ist ihre jüngere Schwester, die Wicca Yvonne samt ihrer Katzen bei ihr eingezogen. Um ihren Ängsten zu entfliehen, wagt Ravenna einen Ausritt. Ravenna reitet zu einem alten Kloster am Odilienberg, als ihr Pferd scheut und Ravenna in einen magischen Hexenring stürzt …

Straßburg 1253. Auf dem Odilienberg leben „die Sieben“, ein mächtiger Hexenzirkel, mit ihren Hexenschülerinnen in einem Konvent außerhalb der Stadtmauern Straßburgs. Seit die abtrünnige Elinor aus Rache, da sie nicht in den Kreis der Sieben aufgenommen wurde, den Dämon Beliar beschworen hat, kämpfen die Sieben gegen das übermächtige Böse. Beliar und Elinor wollen die Welt in die Finsternis stürzen und in ihrer Not rufen die Sieben eine Hexe aus der Zukunft, die mächtig genug scheint, Beliar zu stürzen.

Ravenna findet sich nach ihrem Sturz auf einem Pentagramm wieder und die Sieben lehren Ravenna, die bisher kaum mit Magie in Berührung kam, Hexenkunst zu wirken. Ravenna nimmt ihr Schicksal und das Erbe ihrer Vorfahren an, weil sie keine andere Wahl hat. Doch nichts hat sie auf das vorbereitet, was sie erwartet …

_Kritik_

Mit ihrem Debütroman „Die Hexen“ hat die Autorin Lea Nicolai einen fesselnden Roman um eine junge Frau, die lernen muss, mit ihren geheimnisvollen Kräften umzugehen, um das Böse in der Welt zu bekämpfen, geschrieben.

Ein klarer Satzbau mit treffender Wortwahl sorgt für jede Menge Lesespaß. Lea Nicolai bedient sich einem besonders flüssigen und bildgewaltigen Schreibstil, der ausführlich die Handlung, aber auch die Umgebung charakterisiert. Den größten Raum nimmt dabei die Handlung ein, sodass dem Leser nie langweilig wird. Ein intelligent eingewobener Spannungsbogen hält sich konstant über die komplette Geschichte, wobei geschickt eingesetzte Spannungsspitzen es schwer machen, dieses Buch zur Seite zu legen. Zwei Zeitzonen, die heutige Zeit und die Ereignisse um 1253, sind gut aufeinander abgestimmt und die Umgebung und die jeweilige Zeit werden lebendig. Die Atmosphäre ist gerade in der Vergangenheit passend düster wiedergegeben.

Der interessante Plot, der sich mit dem alten heidnischen Hexenglauben beschäftigt, gewährt glaubwürdige Einblicke dieser naturverbundenen Religion in der damaligen Zeit, am Rande aber auch zu der heutigen. Nebenhandlungen passen perfekt zum Inhalt und ergänzen diesen sinnvoll. Nach einem atemberaubenden Showdown ist diese Geschichte noch nicht zu Ende, im Epilog kommt es zu einem Cliffhanger, der auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

Neutral erzählt ein Beobachter die Geschehnisse, wobei dieser zwischen den Schwestern Ravenna und Yvonne wechselt. Leicht können die Wechsel verfolgt werden, da diese sich meist durch einen Wechsel der Zeit ankündigen. Der Leser erhält so einen umfassenden Einblick auch in die Motivation der Figuren.

Glaubwürdige Protagonisten, wenn diese auch manchmal leicht durchschaubar sind, wurden von der Autorin vielschichtig konzipiert. Auch wenn das Böse hier klar definiert ist, ist bei den meisten Charakteren alles möglich. Detailliert und anschaulich werden die Figuren beschrieben und besitzen eigene Charaktereigenschaften, Motive und Ziele, die die jeweilige Person ausmachen. Auch die Entwicklungen, die die Hauptdarsteller im Verlauf der Geschichte durchmachen, sind glaubwürdig und nachvollziehbar ausgearbeitet.

Die Schwestern Ravenna und Yvonne sind nicht nur äußerlich grundverschieden. Ravenna wirkt, auch aufgrund ihrer Erlebnisse, recht scheu und kann nur wenig mit Magie anfangen. Warum gerade sie auserwählt ist den Orden der Sieben zu unterstützen, kann Ravenna erst kaum nachvollziehen. Ihre jüngere Schwester Yvonne dagegen ist lebhaft und eigenwillig. Erste Erfahrungen mit dem Wicca-Kult machen Yvonne ihrer Meinung nach zu einer voll ausgebildeten Hexe. Trotz der geschwisterlichen Liebe die Yvonne, für die stille Ravenna empfindet, verändert Yvonne sich und nicht nur Neid ist hier der Auslöser.

In der heutigen Zeit gibt es recht wenige wichtige Darsteller. Dafür aber in der Vergangenheit, neben den Mitgliedern des Hexenordens wird die Geschichte auch von den Rittern des Lichts, diese sind die Gefährten der Hexen und selbstverständlich den mächtigen Widersachern, getragen.

Der 697 Seiten starke Roman ist in Prolog, Epilog und dazwischen, in mehrere Kapitel unterteilt. Wo es zu Zeitsprüngen kommt, wird dieses in der Überschrift vermerkt. Die Überschriften passen immer zu den Ereignissen und werden am Beginn durch ein Inhaltsverzeichnis vorgestellt.

Mystisch mutet die Gestaltung des Covers an, ein düsterer Waldweg, auf dem eine in rotem Mantel verhüllte Gestalt wandelt, passt zum Plot. Auf den Umschlaginnenseiten wird ebenfalls ein düsterer Waldabschnitt gezeigt, geschmückt von einem Anhänger, der ein Pentagramm zeigt.

_Autorin_

Lea Nicolai (geb. 1972) liebt ihren Kräutergarten, ihre drei Katzen, ihre Bibliothek, Kerzenschein und Musik. Sie studierte Musikwissenschaft und singt in einem Jazzchor. Das Thema Hexen fasziniert sie seit Langem, weil es Magie, Mystik und Wirklichkeit verbindet. Für den Roman „Die Hexen“ ging sie auf Zeitreise ins Elsass.

_Fazit_

Lea Nicolais Debütroman „Die Hexen“ überzeugt durch einen mystischen Plot, authentische und sympathische Protagonisten und eine faszinierende sowie spannende Handlung. Die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart gepaart mit der ereignisreichen Handlung ist absolut empfehlenswert.

Obwohl das Buch in sich abgeschlossen wirkt, lässt ein reizvoller Cliffhanger darauf hoffen, dass diese Geschichte fortgesetzt wird. Lesern, die sich für den heidnischen Glauben der Wicca-Kultur interessieren, ist „Die Hexen“ ans Herz zu legen.

|Taschenbuch: 704 Seiten
ISBN-13: 978-3453533899|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne/index.jsp

Sharon Ashwood – Seelenkuss (Dark Magic 3)

Dark Magic-Reihe:_

Band 1: „Hexenlicht“
Band 2: „Vampirdämmerung“
Band 3: „Seelenkuss“
Band 4: „Höllenherz“

Ashe Carver, Monsterjägerin,_alleinerziehende Mutter einer zehn Jahre alten Tochter und ihrer Magie beraubte Hexe, hat alle Hände voll zu tun. Sie muss nicht nur einem Gericht beweisen, dass sie eine gute Mutter ist, sondern auch Job und familiäre Pflichten füllen das Leben der Vampirjägerin aus.

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Kearney, Susan – Kuss des Zeitreisenden, Der (Pendragon 3)

_Pendragon:_

Band 1: [„Die Geliebte des Zeitreisenden“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6961
Band 2: [„Der Bann des Zeitreisenden“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7243
Band 3: _“Der Kuss des Zeitreisenden“_

_Die Stämme bedrohen mittlerweile die Erde_ und die letzte Hoffnung den Planeten und die Menschen zu retten ist den Heiligen Gral zu finden. Die Vorsitzende des mächtigen Vesta Konzerns, Vivianne Blackstone, einwickelt mit dem attraktiven Ingenieur Jordan McArthur das Raumschiff Draco, dieses ist die letzte Hoffnung der Menschheit gegen die grausamen Stämme. Jordan stammt aus dem Zeitalter König Arthurs und ist in Besitz eines unvollständigen Gegenstandes, mit dem er die Galaxis retten kann, doch dafür braucht er Viviannes Raumschiff, denn der Heilige Gral allein wird die Stämme nicht auslöschen können. Hierfür müssen noch drei lang verschollene Artefakte gefunden werden, die in der gesamten Galaxis verstreut sind.

Als Eile geboten ist, entführt Jordan kurzerhand das Raumschiff und die an Board befindlichen Mechaniker. Auch Vivianne befindet sich auf der Draco. Vivianne kann Jordan nach dieser Entführung nur für den Feind halten und sie braucht lange, um das nötige Vertrauen in ihn zu fassen.

Wird die Mission der Draco Erfolg haben und letztendlich die erbarmungslosen Stämme besiegt sein?

_Kritik_

Mit dem abschließenden dritten Teil der „Pendragon“-Trilogie schickt die Autorin Susan Kearney uns Leser nochmals auf eine abenteuerliche Reise quer durch die Galaxis. Hat im zweiten Teil der Trilogie der Fokus fast überwiegend auf der Erotik gelegen, ist das Verhältnis in „Der Kuss des Zeitreisenden“ wieder ausgewogener.

Die Handlung in dem Roman „Der Kuss des Zeitreisenden“ wird von der Autorin lebendig und reizvoll beschrieben. Bei der Reise durch die Galaxis kommen nun auch Sciencefiction-Fans voll auf ihre Kosten. Die einfallsreichen Beschreibungen der Rese selbst und der angesteuerten Planeten sind so plastisch, dass es leicht fällt, sich diese vorzustellen. Selbstverständlich kommen auch Fantasy-Elemente und eine sinnliche Lovestory bei Susan Kearney nicht zu kurz. Blieben in den Vorgängerromanen „Die Geliebte des Zeitreisenden“ und der „Bann des Zeitreisenden“ noch einige offene Fragen, so werden diese hier zufriedenstellend gelöst und runden so das Gesamtbild perfekt ab.

Viel Raum bekommt auch wieder die Sage um König Arthur und den Heiligen Gral. Vermischt mit den Sciencefiction- und Fantasy-Elementen erzählt die Autorin die Sage um den Heiligen Gral und die Ritter der Tafelrunde vor futuristischem Setting.

Fesselnd wird der mitreißende Plot unterstützt durch einen ansprechenden Spannungsbogen, der sich gleichmäßig durch die Geschichte entwickelt, erzählt. Gebannt folgt der Leser dem packenden Geschehen und fiebert mit den sympathischen Protagonisten mit. Dank des leicht verständlichen wie auch ausführlichen Schreibstils fällt es zusätzlich leicht, in der Geschichte zu versinken.

Erzählt wird wieder aus der Betrachtungsweise eines Beobachters. Rückblickend auf die Ereignisse konzentriert sich der Erzähler hauptsächlich auf Vivianne und Jordan und deren Lebensgeschichte. Hierbei wird auch deutlich, was die beiden antreibt und wie Vivianne und Jordan zu dem wurden, was die Figuren ausmacht.

Besonders viel Liebe hat die Autorin auch in die Zeichnung ihrer Protagonisten gesteckt. Lebendig, vielschichtig und mit einem nachvollziehbaren Hintergrund sind die einzelnen Hauptdarsteller konzipiert. Besonders Jordans mystische Geschichte und alles, was diese Figur erlebt hat, trägt deutlich zum Lesegenuss bei. Allerdings bleiben die Nebenfiguren eindimensional, der Leser lernt diese zwar grob kennen, denen Hintergrund bleibt dabei jedoch im Dunkeln.

48 Kapitel in angenehmer Länge laden den Leser zum Schmökern ein. Wobei jedes Kapitel mit Zitaten wie |“Wenn es nicht die letzte Minute gäbe, würde vieles nie erledigt werden“| (Ehronischer Kriegsherr), |“Mann sollte nicht damit zufrieden sein zu gehen, wenn man den Drang zum Fliegen verspürt“| (Herrin Cael) oder auch |“Tu erst das Nötige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du auch das Unmögliche“| (Heiliger Franz von Assisi) eingeleitet wird. Diese Zitate passen immer zu den Ereignissen der einzelnen Kapitel. Ein schön gestaltetes und zum Inhalt passendes Cover rundet die Ausstattung ab. Lediglich, wie schon in den beiden ersten Bänden, ist die Titelwahl nicht günstig gewählt. Reisende zwischen den Welten, wirklich sehr alte Protagonisten und auch Drachenwandler sind Bestandteil der Geschichte, Zeitreisende sucht der Leser nach wie vor vergeblich.

_Autorin_

Susan Kearney schreibt prickelnde Romanzen mit futuristischem Setting. Sie hält sich an die alte Regel, über das zu schreiben, was man kennt – deshalb schreibt sie über die Zukunft. Und als Taucherin, Expertin in Kampfkunst, Seglerin, Eiskunstläuferin, Immobilienmaklerin, ehemalige Besitzerin eines Tauschgeschäfts, eines Fitnessstudios für Frauen sowie eines Friseursalons, hat sie genug Stoff für den Rest ihres Lebens gesammelt.

_Fazit_

Susan Kearney hat es mit dem abschließenden Band ihrer Pandragon Trilogie „Der Kuss des Zeitreisenden“ geschafft, die Mischung aus der Artus-Sage, fantastischen Welten, einer sinnlichen Liebesgeschichte und feindlichen Widersachern abschießend zu erzählen und das Gesamtbild der Trilogie einwandfrei abzurunden.

Susan Kearney nimmt die Leser auf eine riskante Reise in die Zukunft mit, in der die magische Sage um den Heiligen Gral eine große Rolle spielt, aber auch von sinnlichen Drachenwandlern, der Möglichkeit ferne Planeten zu entdecken und bösartigen Feinden erzählt wird.

Für mich persönlich war der dritte Band der „Pendragon“-Trilogie der Beste. Die Mischung der verschiedenen Elemente war hier ausgewogener und insgesamt hatte die Geschichte mehr Tiefe.

|Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3492267946
Originaltitel: Jordan. The Pendragon Legacy|
[www.piper-verlag.de]http://www.piper-verlag.de

Gratton, Tessa – Blood Magic

_Drusilla hat vor_ nicht allzu langer Zeit ihre Eltern in einer riesigen Blutlache auf dem Boden des Arbeitszimmers gefunden. Seither ist sie ziemlich durch den Wind, aber sie weigert sich, wie alle anderen zu glauben, dass ihr Vater dieses Blutbad angerichtet hat. Als sie eines Tages ein geheimnisvolles Buch vor dem Haus findet, scheint sich ihre Überzeugung zu bestätigen. Nick, der Sohn ihrer neuen Nachbarn, ist allerdings nicht begeistert davon, dass Silla die Anweisungen aus dem Buch befolgt …

_Das war das erste Mal_, dass ich ein Buch vor allem deshalb gelesen habe, weil mir das Cover so gut gefallen hat. Na gut, der Klappentext klang auch nicht schlecht. Allerdings hat er ziemlich untertrieben. Von einem Tropfen Blut war da die Rede. Aber hier wird nicht getropft, hier wird gepfützt! Selbst das Schlachten eines Kaninchens ist eine ziemlich triefende Angelegenheit. Das fand ich dann doch zu viel des Guten.

Immerhin, der Plot als solcher war nicht schlecht angelegt. Denn wenn es stimmt, dass Sillas Vater sich nicht selbst umgebracht hat, wer war es dann? Und warum? Und was hat es mit dem seltsamen Verhalten von Nicholas Mutter auf sich? Die Antworten auf all diese Fragen enthüllen sich Schritt für Schritt im Laufe der Geschichte und ergeben allmählich ein interessantes Netz von Ursache und Wirkung, das über hundert Jahre in die Vergangenheit reicht. Tessa Gratton hat dieses Geheimnis und seine Lösung sauber aufgebaut, alles ist plausibel und nachvollziehbar. Spätestens ab dem Moment, wo Silla das erste Mal mit einer besessenen Person konfrontiert ist, wird es auch zunehmend spannend, und der Showdown kann sich durchaus sehen lassen.

Die Hauptcharaktere, um die die Autorin ihre Geschichte gesponnen hat, sind natürlich Silla und Nick. Silla ist siebzehn, und der Schock über den Tod ihrer Eltern sowie ihre Faszination hinsichtlich der Magie sind gut herausgearbeitet. Auch ihr Faible fürs Schauspielern wird recht deutlich. Nick dagegen bleibt eher blass. Er mag seine Stiefmutter nicht, er mag die neue Stadt nicht, in die er gezogen ist, und vor allem mag er die Magie nicht, seiner Mutter wegen, an deren Schicksal er immer noch knabbert. Die Einzige, der er mag, ist Silla, die dafür aber gleich richtig. Nur, für echte Tiefe hat das nicht gereicht, weil sich die Romanze zwischen den beiden viel zu schnell entwickelt. Sie fallen sich bereits um den Hals, da haben sie noch kaum zehn Sätze miteinander gewechselt. Da fehlte definitiv die Substanz.

Der interessanteste Charakter war deshalb die Antagonistin. Zur Abwechslung ist der Bösewicht mal kein machtbesessener Möchtegernweltherrscher, sondern einfach nur eine Frau, die sich vor allem und fast ausschließlich durch ihren Egoismus auszeichnet. Ihre Wünsche und Ziele sind das Einzige, was zählt. Was das den Rest der Welt kostet, ist ihr herzlich egal. Das gilt sogar für ihren Lebensgefährten.

_Insgesamt war_ der Gesamteindruck also ein wenig durchwachsen. Tessa Gratton hat eine interessante Geschichte abgeliefert. Das allmähliche Aufdecken der Vergangenheit und das Lösen der verschiedenen Rätsel, sowohl das im Zusammenhang mit Sillas Eltern als auch das um Nicks Mutter, waren wirklich gut ausgedacht und erzählt. Auch die Idee der Magie hat was, selbst wenn die Autorin es mit der Menge an Blut und Tod für meinen Geschmack zu sehr übertrieben hat. Was ich nicht so gelungen fand, war die Liebesgeschichte zwischen Silla und Nick. Ihre ständige Knutscherei fand ich genauso übertrieben wie das viele Blutgetriefe, nicht nur, weil hier eine echte Basis fehlte, sondern auch, weil gleichzeitig die Beziehung zwischen Silla und ihrer besten Freundin Wendy so fadenscheinig daherkam, obwohl sie viel älter ist als die Romanze. Und welche Rolle spielte eigentlich der Diakon in dieser Geschichte? Zwar hat er Silla das Buch zukommen lassen, aber danach war er wieder völlig von der Bildfläche verschwunden, als ob ihn der Ausgang des Ganzen gar nicht kümmerte, sodass ich mich fragte, warum er sich überhaupt eingemischt hat? Und warum ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt und nicht schon viel früher?

Abschließend möchte ich noch feststellen, dass ich die Altersangabe ab 13 Jahren für recht gewagt halte. Vielleicht unterschätze ich die heutige Jugend und den Grad ihrer Abgebrühtheit, aber trotzdem schwappt meiner Ansicht nach für 13-jährige Leser zu viel Blut aus den Seiten, und auch das Öffnen von Gräbern und das Schänden von Leichen muss in dem Alter nicht unbedingt zur Lektüre gehören.

_Tessa Grattons Vater_ war bei der US Navy. So wurde die Autorin in Japan geboren und hat ihre Kindheit auf Reisen um die halbe Welt verbracht, bis sie als Studentin in Kansas hängen blieb, wo sie noch immer lebt. „Blood Magic“ ist ihr erster Roman, derzeit schreibt sie an einem Zweiten, der im Sommer nächsten Jahres erscheinen soll.

|Gebundene Ausgabe: 443 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
Deutsch von Anne Brauner
ISBN-13: 978-3570152867|
[www.randomhouse.de/cbjugendbuch]http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp
[tessagratton.com]http://tessagratton.com
[www.blood-magic.de]http://www.blood-magic.de

Flinn, Alex – Kissed

_Schwere Zeiten stehen für_ den 17-jährigen Johnny und seiner Mutter an. Sie nehmen in ihrem Schustergeschäft nicht genügend Geld ein und können den Strom zuhause nicht mehr bezahlen. Johnny arbeitet Tag und Nacht, doch auch das reicht kaum aus. Aber auch diese Pechsträhne hat ein Ende, als Johnny im Hotel auf Prinzessin Victoriana trifft, die ihm ein Angebot macht, dass er kaum ablehnen kann.

Prinzessin Victoriana erzählt ihm, dass ihr Bruder, Prinz Philippe, in einen Frosch verwandelt wurde und seitdem spurlos verschwunden ist. Sie gibt Johnny den Auftrag, ihren Bruder zu finden, damit ihr das Schicksal erspart bleibt, den verfeindeten Prinz Wolfgang zu heiraten. Als Dank dürfte Johnny Prinzessin Victoriana heiraten und seine finanziellen Probleme wären auf einen Schlag gelöst. Johnny macht sich auf die Suche nach Prinz Philippe und erhält dabei Hilfe, die er nicht erwartet hat …

_Nachdem mich Alex Flinn_ bereits mit „Beastly“ sehr begeistert hat, konnte ich ein weiteres Buch von ihr kaum erwarten. Als ich „Kissed“ dann zum ersten Mal in den Händen hielt und die ersten beiden Kapitel gelesen habe, kamen mir jedoch schon die ersten Zweifel, ob dieses Buch wirklich das Richtige für mich ist.

Damit möchte ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, im Gegenteil. Die Geschichte ist im Prinzip ganz ansehnlich und auch die Ideen der Autorin wurden hierbei gut umgesetzt, allerdings wollte der Funke nie so ganz überspringen, was ich ein wenig schade finde.

Der Schreibstil ist gewohnt gut und durch die kurzen Kapitel ist das Buch schnell zu lesen. Die Idee, an jedem Kapitelanfang ein Märchenzitat einzubauen, hat mir gut gefallen, vor allem, weil diese Zitate immer zur jeweiligen Situation gepasst haben. Dagegen gestört haben mich die unzähligen Schuhzitate irgendwelcher Designer, die ich nicht gebraucht hätte. Dadurch wirkten die Dialoge zwischen Meg und Johnny zum Teil sehr langatmig. Ebenfalls etwas langatmig wirkten die Dialoge zwischen Johnny und Prinzessin Victoriana. Zwar sind beide recht interessante und vielseitige Charaktere, allerdings hat mich Prinzessin Victorianas Akzent hier enorm gestört. Hier wäre es deutlich besser gewesen, wenn die Autorin einfach erwähnt hätte, dass Victoriana einen Akzent hat, statt diesen ständig in die Dialoge einzubauen. Dadurch wirkte alles eher verkrampft.
Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen.

Mit den Charakteren konnte mich Alex Flinn jedoch begeistern. Johnny ist für seine 17 Jahre sehr reif und vernünftig und er weiß genau, was er mit seinem Leben anstellen will. Er arbeitet im Schusterladen seiner Mutter und träumt von einer Karriere als Schuhdesigner. Das Talent hat er, allerdings fehlt ihm dafür das Geld. Da auch seiner Mutter das nötige Geld fehlt, arbeitet er beinahe rund um die Uhr, nur um Geld für sich und seine Mutter zu verdienen. Mit Prinzessin Victorianas Angebot sieht er seine Probleme in Luft auflösen, agiert dabei jedoch ein wenig blauäugig, da er sie nur wegen des Geldes und ihrer Schönheit heiraten möchte.

Prinzessin Victoriana tritt hier als Nebenrolle auf, die so ziemlich jedes Klischee erfüllt, welches man von einer Blondine erwartet. Sie stellt sich absichtlich unwissend und betrunken, nur um ihre Rolle in den Medien zu erfüllen. Hier musste ich spontan immer an Paris Hilton denken.

Sehr positiv aufgefallen ist mir Meg, die trotz vieler Rückschläge zu Johnny hält und ihm hilft, obwohl ihr bewusst ist, dass sie durch ihre Hilfe ihren besten Freund evtl. ganz verlieren könnte. Sie arbeitet mindestens genauso hart wie Johnny und ist um keinen Spruch verlegen.

Die Idee, hierbei sprechende Tiere mit in die Geschichte einfließen zu lassen, ist ein klarer Pluspunkt. Vor allem die Umsetzung und das Zwischenspiel zwischen Johnny und den Tieren haben mir gut gefallen. Die Forderungen der Tiere sind zwar nicht immer nachvollziehbar, aber dennoch passend, wenn man die Geschichte vollständig betrachtet.

Die Covergestaltung ist ein absoluter Hingucker und springt sofort ins Auge. Der Frosch könnte passender nicht sein und ich kann mir hierfür kaum ein besseres Cover feststellen. Das satte Grün und der grau-schwarze Hintergrund passen sehr gut zusammen.

_Fazit:_

„Kissed“ konnte mich trotz der Fantasyelemente nur mäßig begeistern und blieb hinter meinen Erwartungen zurück. Da mich „Beastly“ jedoch umgehauen hat, gebe ich der Autorin noch eine weitere Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Für Märchenfans ist dieses Buch jedoch empfehlenswert.

|Hardcover: 368 Seiten
Originaltitel: Cloaked
Ins Deutsche übertragen von Sonja Häußler
ISBN 978-3833900211|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
[www.alexflinn.com]http://www.alexflinn.com

_Sabrina Reithmacher_