Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Eric Frank Russell – Gedanken-Vampire

Russell Gedankenvampire Cover kleinDas geschieht:

Im Mai des Jahres 2015 fallen – zunächst unbemerkt – berühmte Wissenschaftler seltsamen ‚Unfällen‘ und ‚Selbstmorden‘ zum Opfer. Bill Graham, Agent der Finanz- und Kreditabteilung der US-Regierung, wird in New York zufällig Zeuge eines solchen Todesfalls und reagiert berufsbedingt neugierig.

Während Leutnant Wohl, der für die Kriminalpolizei im Fenstersturz des Dr. Irwin Webb ermittelt, Wahnsinn oder Drogen als Ursache vermutet, entdeckt Graham die Spuren einer bizarren Verschwörung: Die Todesserie begann mit dem schwedischen Physiker Peter Bjornsen, der als Koryphäe auf dem Gebiet der Optik galt. Er hatte versucht, das Sichtspektrum des menschlichen Auges zu erweitern und war dabei sehr erfolgreich gewesen.

Als weitere Wissenschaftler sterben, die nachweislich mit Bjornsen in Kontakt standen, wird Graham dem US-Geheimdienst überstellt: Die Regierung ist über den akademischen Aderlass besorgt und wünscht rasche Aufklärung. Graham findet einen Forscher des Bjornsen-Kreises, der lang genug lebt, um ihn über die Vitonen aufzuklären: Tief im sonst für den Menschen unsichtbaren Infrarot-Spektrum des Lichts entdeckte Bjornsen blaue Energiewesen, die nicht nur intelligent, sondern auch außerirdischen Ursprungs sind. Seit sie auf die Erde kamen, förderten die Vitonen Konflikte und Kriege, denn sie ernähren sich von den dabei freigesetzten Emotionen.

Auf die Tatsache ihrer Entdeckung reagieren die Vitonen erwartungsgemäß unfreundlich. Fatalerweise können sie das menschliche Hirn nicht nur manipulieren, sondern auf geringe Entfernung auch Gedanken lesen. Wer ihnen in die Quere kommt, kann deshalb rasch ausgeschaltet werden. Dessen ungeachtet bricht ein weltweiter, entbehrungsreicher Kampf um die Freiheit der Menschheit aus …

Böse Geister in harten Zeiten

Die Science Fiction galt einmal als Genre, das der Gegenwart ‚Informationen‘ über den Alltag der Zukunft liefern konnte. Diese Ansicht war vor allem in der „Goldenen Ära“ der SF vor dem II. Weltkrieg verbreitet; sie wurde durch aktuelle Fortschritte in Wissenschaft und Technik unterstützt, die sich scheinbar grenzenlos fortschreiben ließen, weshalb die Menschen in unserer Geschichte zwar ohne Handy oder Internet leben müssen, aber immerhin auf mehrstöckig übereinander montierten Hochstraßen zur Arbeit fahren können.

Tatsächlich besitzt auch der SF-Autor keinen Draht in die Zukunft. Science Fiction ist eine ganz im Hier & Jetzt angesiedelte Literatur, die Gegebenheiten der Gegenwart in zukünftige Zeiten extrapoliert und damit höchstens zufällig ins Schwarze trifft. In „Gedanken-Vampire“ fällt dem Leser der Gegenwart beispielsweise der elektronische „Zeitungswiedergabeschirm“ auf; die dort angezeigten Blätter lassen sich bei Bedarf ausdrucken: Da ist es – irgendwie – doch, das Internet! Dennoch wirkt Russells 2015 jederzeit altmodisch.

Interessant und historisch relevant ist die Extrapolation an sich, die viel über die Entstehungszeit aussagen kann. Dabei darf man freilich nicht übers Ziel hinausschießen und SF nachträglich fehl- bzw. überinterpretieren. „Gedanken-Vampire“ wurde erstmals 1939 – in der März-Ausgabe des legendären Pulp-Magazins „Unknown“ – veröffentlicht und fällt in eine Ära, die ganz im Zeichen eines drohenden zweiten Weltkriegs stand, der bekanntlich noch im gleichen Jahr ausbrach.

Die Vitonen waren vor den Nazis da …

Sind die Vitonen also mit den Nazis gleichzusetzen, die in Mitteleuropa nach Belieben schalteten und walteten, während das Ausland ihrem Treiben scheinbar machtlos ausgeliefert war? Russell selbst gab in einem Vorwort zur überarbeiteten und erweiterten Buchausgabe von 1948 selbst (wenn auch indirekt) die verneinende Antwort: „Falls jemals eine (Science-Fiction-) Story auf Tatsachen beruhte, so ist es diese“. Es folgt eine Schimpfkanonade gegen die etablierte Wissenschaft, die ihr nicht genehme Fakten unterschlage und einsame Propheten lächerlich mache.

Gemeint ist Charles Fort (1874-1932), ein besessener Sammler unerklärter bzw. unerklärlicher Phänomene, die er in mehreren, zu seiner Zeit sehr populären Büchern nicht nur auflistete, sondern ‚erklärte‘. Forts Theorie einer dem Menschen unsichtbaren Welt oberhalb der Wolken, die der Erdball als buchstäblicher Luft-Ozean umgibt, schien Russell einleuchtend. Jenseits dieser „sinister barrier“ lebten nach Fort nicht nur seltsame Kreaturen, sondern lauerten womöglich auch Wesen, die dem Menschen keineswegs wohlgesonnen waren.

In John W. Campbell, Jr. (1906-1972), Herausgeber von „Unknown“ (und dem ungleich berühmteren Magazin „Astounding Science-Fiction“), fand Russell einen Mann, dem solche Spökenkiekerei nicht fremd war; u. a. unterstützte Campbell lange Jahre den „Dianetics“-Humbug des SF-Schreibers L. Ron Hubbard, dem die „Scientology“-Sekte entwucherte. Russells Irrglaube war deutlich harmloser; er hielt sich freilich ähnlich hartnäckig – die Vorstellung einer unsichtbaren Überwelt griff der Verfasser noch in den 1950er Jahren wieder auf.

Vom SF-Krimi zur Apokalypse

Dieser ‚ernsthafte‘ Hintergrund lässt sich viele Jahrzehnte später problemfrei ausblenden. „Gedanken-Vampire“ entpuppt sich (auch in der Version von 1948, die allen deutschen Übersetzungen zugrundeliegt) als typisches Garn der Pulp-Ära. Entschlossene Männer geben heimtückischen Aliens Saures; zwischendurch bleibt Zeit für wilde Verfolgungsjagden und Schießereien, aber auch für eine Liebesgeschichte, denn zumindest der Held begnügt sich nicht mit der Rettung der Welt, sondern freut sich über eine schöne Frau als finale Belohnung.

Diese wird hier weder von geilen „Bug-Eyed“-Monstern gekidnappt oder muss in Ohnmacht fallen, sondern darf sogar ein wenig zur Handlung beitragen. Überhaupt trägt Russell nicht gar so dick auf wie viele seiner Pulp-Kollegen. Ansonsten frönt Russell der in der britischen SF ausgeprägten Lust an der Apokalypse: Während Campbell und sein treuer Kumpel Wohl nach der Achillesferse der Vitonen fahnden, findet quasi im Hintergrund ein globaler Atomkrieg statt.

Vor diesem turbulenten Hintergrund konzentriert sich Russell auf Bill Graham, einen „All American Hero“ aus dem Bilderbuch. Er steht stellvertretend für das gesichtslose Heer der Spezialisten, die sich im Falle einer realen Katastrophe einem Problem stellen. Solche Vereinfachung führt zu der irritierenden Erkenntnis, dass offenbar nur Graham den Vitonen Paroli bietet. Selbst der Präsident wartet ab, was Graham herausfindet und anordnet.

Kampf den blauen Kugeln!

Dabei startet Campbell nicht einmal als Geheimdienstmann ins Gefecht. Er ermittelt für eine Regierungsbehörde, die ein Auge auf verschwenderische Wissenschaftler im Staatsdienst hält. Allerdings sind in diesem Krieg weder Erfahrung noch Intelligenz, sondern Tatkraft, Entschlossenheit und Einfallsreichtum nötig. Es ist ein hübscher Einfall, die klügsten Köpfe der Welt gerade deshalb zum Bersten zu bringen, weil sie sich zu gedankenklar mit den Vitonen beschäftigen, die ihnen so leicht auf die Schliche kommen.

„Gedanken-Vampire“ startet als Kriminalroman. Auch später bedient sich Russell Elemente dieses Genres (weshalb eine deutsche Übersetzung in einer Reihe namens „Utopia Kriminal“ erscheinen konnte). Eine Spur von Indizien, die entschlüsselt und in die korrekte Reihenfolge gebracht werden müssen, führt zu den Vitonen.

SF kommt ins Spiel, wenn geklärt ist, wie man dem Gegner beikommen kann. Weil dem Leser keine Antwort auf zuvor gestellte Fragen vorenthalten bleiben soll, bemüht sich Russell sehr um ‚logische‘ Erklärungen. Diese sind natürlich Humbug, klingen aber immerhin wissenschaftlich und belegen außerdem, dass Technobabbel keine Erfindung des „Star-Trek“-Franchises ist.

Dagegen spart sich Russell eindeutige ‚Informationen‘ über die Vitonen. Über ihre Herkunft und mögliche Motive wird nur spekuliert. Sie bleiben auf diese Weise fremde und gefährliche „Gedanken-Vampire“. Ihre Geschichte ist weder anspruchsvoll noch raffiniert, aber sie besitzt Unterhaltungsqualitäten, mit denen sich noch heute Leser finden lassen – und sei es nur deshalb, weil Russell sich in der Darstellung einer erderschütternden Krise so kurz zu fassen vermag …

Autor

Geboren wurde Eric Frank Russell am 6. Januar 1905 quasi im Schatten der „Royal Military Academy“ in Sandhurst, der Schmiede englischer Berufsoffiziere, zu denen auch der Vater gehörte. Dieser wurde dienstlich oft versetzt, was die Familie an ferne Orte des Empires führte; so lebte man lange in Ägypten und im Sudan.

Schon 1937 hatte Russell eine erste Science-Fiction-Geschichte, „The Saga of Pelican West“, in „Astounding Stories“, einem der besseren der zahllosen Pulp-Magazine dieser Ära, veröffentlicht, die als „Golden Age“ der SF gilt. Noch während des Krieges begann Russell eine Serie von Storys um den Roboter Jay Score, der nicht nur Menschengestalt besitzt, sondern sich bemüht, ein echter Mensch zu werden.

Nach dem II. Weltkrieg und einem kurzen beruflichen Zwischenspiel als Ingenieur wurde Russell Vollzeit-Schriftsteller. Vor allem in „Astounding“ erschienen seine Kurzgeschichten so oft, dass der Autor sich der Pseudonyme Duncan H. Munro und Webster Craig bediente. Was Russell in seiner Zeit bei der Royal Air Force in Sachen Militär-Logik und Bürokratie erlebt hatte, diente ihm als unerschöpflicher Fundus für bissige aber nie bösartige Satire. Zu Klassikern der Science Fiction wurden die Novelle „… And Then There Were None“ (dt. „… dann war‘n sie alle futsch“) oder die 1956 mit einem „Hugo Gernsback Award“ als beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnete Story „Allamagoosa“ (dt. „Technischer Bluff“).

Obwohl Russell als Autor beliebt und erfolgreich war, gab er die Schriftstellerei 1964 auf. Er starb am 28. Februar 1978 im Alter von 73 Jahren. Posthum wurde Eric Frank Russell 2000 in die „Science Fiction and Fantasy Hall of Fame“ aufgenommen.

Taschenbuch: 141 Seiten
Originaltitel: Sinister Barrier (Kingswood/Surrey : World’s Work 1943)
Übersetzung: Otto Kühn
http://www.ullsteinbuchverlage.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Trudi Canavan – Die Heilerin (Sonea 2)

Sonea

Band 1: Die Hüterin“
Band 2: „Die Heilerin“
Band 3: „The Traitor Queen“ (2012, noch ohne dt. Titel)

Lorkin ist Tyvara, die ihm das Leben gerettet hat, in den Schlupfwinkel der Verräter gefolgt. Er hofft, einen Handel zwischen Gilde und den Verrätern einfädeln zu können: das Wissen um die Magie der Steine gegen das Wissen über magische Heilung. Allerdings ist die Gemeinschaft der Verräter tief gespalten …

Sonea weiß zwar Bescheid über Lorkins Aufenthaltsort, macht sich aber dennoch Sorgen. Und nicht nur Lorkins wegen: ihre Suche nach dem wilden Magier Skellin kommt einfach nicht voran. Und dann geschieht auch noch ein Mord … mit Hilfe schwarzer Magie!

Und auch Dannyl hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten, denn seit er zugelassen hat, dass Lorkin Tyvara in die Berge gefolgt ist, haben sich fast alle Ashaki von ihm zurückgezogen. Also macht sich Dannyl, da er nichts anderes zu tun hat, auf nach Norden, zum Volk der Duna …

Tatsächlich geht es dem Leser bei der Lektüre dieses Buches ein wenig wie Sonea und Dannyl: Er hat das Gefühl, dass sich überhaupt nichts tut.

Dannyl ist als Botschafter nicht ausgelastet und widmet sich deshalb lieber seiner Forschung. Die Kultur der Duma hätte eine interessante Bereicherung des Gesamtschauplatzes sein können … wenn die Autorin ihr denn mehr als nur eine oder zwei Zeilen gewidmet hätte! Statt dessen hat sie sich ganz auf die Details beschränkt, die in direktem Zusammenhang mit Dannyls Forschung stehen, also die magischen Steine. Aber selbst in dieser Hinsicht war sie mit Informationen so sparsam, dass man es schon als geizig bezeichnen muss. Sie hat gerade so viel verraten, dass die Komplikationen, die sich daraus ergeben, nachvollziehbar sind. Leider steht das in keinem Verhältnis zu der Anzahl der Seiten, die sie für die Erlangung dieser kümmerlichen Krümel aufwendet. Statt dessen ergeht sie sich ausführlich darin, das Hin und Her zwischen Dannyl und Ashaki Achati zu schildern, einer Nebensächlichkeit, die – zumindest bisher – nichts zur Entwicklung der eigentlichen Geschichte beigetragen hat.

Ähnliches kann man von dem Handlungsstrang um Lorkin sagen. Der Riss innerhalb der Gemeinschaft der Verräter hätte eine Menge Potential für Ränke und Machtkämpfe geboten. Stattdessen verhalten sich die Parteien nahezu passiv, und als sich endlich mal jemand dazu aufrafft, etwas zu unternehmen, fehlt der Aktion jegliche Finesse, und die Durchführung ist so stümperhaft, dass es schon zum Lachen ist. Gleichzeitig haben wir hier eine Liebesgeschichte, der so etwas wie Herzblut oder auch nur Wärme entschieden fehlen. Lorkins Gefühle werden mit einem Mangel an Eindringlichkeit geschildert, dass es schon an Gleichgültigkeit grenzt. Dementsprechend war die Wirkung: Selten hat mich eine Romanze so kaltgelassen wie diese.

Bleiben die Ereignisse in Imardin. Soneas Suche nach Skellin stockt nicht nur, sie ist eigentlich überhaupt nicht vorhanden. Im Vordergrund steht die Mordgeschichte, und leider ist die vollkommen fadenscheinig und durchschaubar. Die Frage, wer der Täter ist, stellt sich überhaupt nicht, höchstens die, wie er diese Tatsache vor der Gilde verbirgt. Die Suche nach dem Täter plätschert einfach vor sich hin, ohne jede Dynamik, und seine Enttarnung und Festname bilden nicht annähernd das, was man einen Handlungshöhepunkt nennen würde. Zu allem Übel bleibt der Leser auch hier nicht von Belanglosigkeiten verschont. Das Geplänkel zwischen Sonea und Dorrien hatte ebenso wenig Auswirkung auf das Geschehen wie das zwischen Dannyl und Achati und war so farblos und nichtssagend wie die Romanze zwischen Lorkin und Tyvara. Gleichzeitig zeichnet sich der doch eigentlich recht gefährliche Skellin durch einen erstaunlichen Mangel an Präsenz aus.

So enttäuschend wie die Handlung waren auch die Charaktere. Dass das Verhältnis zwischen wichtigen Informationen und unwichtigen Ausschmückungen so unausgewogen ist, hat dazu geführt, dass zentrale Figuren, vor allem Sonea, an Faszination verloren. Die Energie, die die junge Sonea in der ersten Trilogie noch ausstrahlte, ist völlig verschwunden. Auch von Cerys Einfallsreichtum ist nichts mehr übrig. Noch trauriger ist es um die Neuzugänge bestellt. Die Naivität der jungen Lilia kommt der Geistlosigkeit gefährlich nahe, und Lorkins Freund Evar besitzt überhaupt kein eigenes Profil. Interessante Charaktere aus den Vorgängerbänden, auf die ich gehofft hatte – wie zum Beispiel Savara -, spielen gar keine Rolle.

Um es kurz zu machen: Ich war von diesem Band schwer enttäuscht. Er hat nichts von dem gehalten, was ich mir nach der Lektüre des Vorgängers versprochen hatte. Weder auf die Duna noch auf Skellins Volk wurde genauer eingegangen, Skellin selbst bleibt die ganze Zeit über völlig untätig, die Konflikte innerhalb der Gemeinschaft der Verräter wirken wie der Sandkastenkrieg von Kleinkindern, und das einzige Ergebnis im Zusammenhang mit dem Mordfall ist eine weitere Schwarzmagierin. Nichts von all dem hat dafür gesorgt, dass sich so etwas wie Spannung oder auch nur Interesse entwickelte. Selbst im Hinblick auf den neuen Aspekt der Magie, die magischen Steine, ist die Ausarbeitung mager und unergiebig geblieben. Statt dessen muss sich der Leser mit einer Menge Trivialitäten und Nichtigkeiten herumschlagen, die mit der eigentlichen Geschichte gar nicht direkt zu tun haben.

Das einzig Positive an diesem Buch war der Ausblick auf den nächsten Band: Dannyl und Lorkin stecken in mehr als einer Hinsicht in der Klemme, und in Imardin ist Skellins Mutter die Flucht gelungen. Diese Situation könnte sich durchaus interessant entwickeln. Könnte! Aber das ließ sich auch von der Situation am Ende des Vorgängerbandes sagen.

Trudi Canavan stammt aus Australien, wo sie nach einem Studium am Melbourne College of Decoration als Designerin, Illustratorin und Kartenzeichnerin für verschiedene Verlage tätig war, ehe sie zu schreiben begann. 1999 gewann sie mit ihrer Kurzgeschichte „Whispers of the Mist Children“ den Aurealis Award for Best Fantasy Short Story. 2001 erschien dann ihr erster Roman, der erste Band der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier. Ihre Trilogie Das Zeitalter der Fünf ist inzwischen ebenfalls auf Deutsch erhältlich. Für „The Traitor Queen“, den dritten Band des laufenden Zyklus, steht noch kein Veröffentlichungsdatum fest.

Gebundene Ausgabe 576 Seiten
Originaltitel: The Traitor Spy 2 – The Rogue
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3764530426

http://www.trudicanavan.com/
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 von 5)

Stephen Baxter – Die letzte Arche

Als die Erde in einer globalen Dauerflut ertrinkt, soll ein gigantisches Raumschiff gebaut und ein ferner Planet besiedelt werden … – Was Autor Baxter mit „Flut“ episch begann, setzt er hier ebenso ausführlich fort: Episodisch rafft er die Geschichte von Jahrzehnten und tritt dennoch immer wieder auf der Stelle. Die quasi-dokumentarische Handlung ist gut recherchiert, ereignisreich und spannend, ächzt aber auch unter Klischees und ist weitschweifig: trotzdem sehr nahrhaftes Lesefutter.
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Lynch, Scott – Die Lügen des Locke Lamora (Gentleman Bastards 1)

Locke Lamora:

Band 1: „Die Lügen des Locke Lamora“
Band 2: „Sturm über roten Wassern“
Band 3: „Die Republik der Diebe“ (11.10.2011)
Band 4: „The Thorn of Emberlain“ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: „The Ministry of Necessity“ (noch ohne dt. Titel)
Band 6: „The Mage and the Master Spy“ (noch ohne dt. Titel)
Band 7: „Inherit the Night“ (noch ohne dt. Titel)

Locke Lamora ist eine Waise, was auf viele Kinder in der Stadt Camorr zutrifft. Was Locke von seinen Altersgenossen in derselben Situation unterscheidet, ist seine Eigeninitiative. Und so kommt es, dass Locke als eines von fünf Kindern eine ganz und gar ungewöhnliche Ausbildung genießt …

Scott Lynch lässt seine Geschichte langsam angehen. Er erzählt abwechselnd von der Gegenwart und der Vergangenheit und zeichnet so zunächst den Werdegang seines Protagonisten nach:

Der junge Locke Lamora ist schmächtig, mager und nicht besonders ansehnlich. Aber er hat Köpfchen, und er weiß es. Das führt dazu, dass er oft und weit über die Stränge schlägt. Seine Ideen verraten mindestens so viel Witz wie Dreistigkeit und neigen meist dazu, nicht vollständig durchdacht zu sein, was ihm regelmäßig Ärger einhandelt.
Der erwachsene Locke ist immer noch mager, schmächtig, unansehnlich und übermütig. Als Kämpfer ist er miserabel, als Schauspieler dafür brillant. Allerdings betrügt er nicht aus Habgier oder Ehrgeiz, sondern aus purer Lust am Spiel. Und seine Bande ist keine zufällige Ansammlung von Kriminellen, sondern eine verschworene Gemeinschaft von engen Freunden.

Als wahrhaft tiefschürfend kann man die Charakterzeichnung nicht bezeichnen. Von Lockes Gedanken erfährt man kaum etwas, seine Vergangenheit blitzt nur ausschnittweise auf. Trotzdem ist Scott Lynch eine Figur gelungen, die über reine Nachvollziehbarkeit hinausgeht. Sie entwickelt sich zusammen mit dem Plot, weg von geradezu unbeschwertem Übermut hin zu Trauer und verbissenem Zorn, und das sehr glaubwürdig und lebensecht.

Wie die Charakterzeichnung so kommt auch der Plot nur allmählich in die Gänge. Es dauert über hundert Seiten, bis endlich deutlich wird, was Locke mit seiner Scharade in der Gasse neben dem Tempel der Glück verheißenden Wasser bezweckt, und dieses Gaunerstück ist nur ein kleiner Bestandteil des gesamten Buches. Zum Teil liegt die Trägheit darin begründet, dass hier Adlige über den Tisch gezogen werden. Es dauert einfach eine Weile, bis all der Höflichkeiten genüge getan wurde, die unter zivilisierten Leuten üblich sind. Darunter leiden zeitweise auch die Ereignisse Rabennest.

Zum Teil lag es aber auch daran, dass Scott Lynch seiner Welt einiges an Aufmerksamkeit widmet. So wurde die Entwicklung von Lockes neuestem Coup zusätzlich durch eingestreute Beschreibungen adliger Freizeitkultur unterbrochen, durch Volksbelustigung, das Rezept eines besonders harten Drinks und Ähnlichem. Das bremst den Anfang doch ziemlich aus. Andererseits entstand so ein sehr bildhaftes, plastisches, lebhaftes Bild der Stadt, in der Locke lebt. Den Namen Camorr darf man wohl als Anspielung verstehen, auch wenn die Darstellung von Inseln und Kanälen eher an Venedig erinnert als an Neapel. Türme und Brücken aus Elderglas rücken das Ganze wieder etwas mehr in den Bereich der Fantasy, letztlich spielt Magie aber eine eher untergeordnete Rolle. Hier geht es um Gauner, nicht um Zauberer. Insgesamt ist die Bühne des Dramas also keine neue Erfindung, aber sie ist zumindest stimmungsvoll und passend in die Geschichte integriert.

Und die Geschichte hat es – nach Überwindung des etwas zähen Anfangs – durchaus in sich. Tatsächlich tritt der Betrug, der zu Beginn so ausführlich beschrieben wird, bald in den Hintergrund, während eine Bedrohung, die zunächst nur am Rande erwähnt wurde, immer mehr an Bedeutung gewinnt und schließlich die gesamte Handlung bestimmt. Und das ist nicht das einzige, was Lockes Leben plötzlich zunehmend verkompliziert. Denn Locke ist ins Visier einer ganzen Reihe von unangenehmen Leuten geraten.

Mit der Zeit werden die Ereignisse nicht nur immer komplizierter, sie schlagen auch immer wieder Haken. Mehrmals ist es dem Autor gelungen, mich völlig zu überraschen. Dazu trug natürlich Lockes Einfallsreichtum eine Menge bei, vor allem, weil er die meiste Zeit auf Improvisation beruhte. Und während der eine Gegner uns wissen lässt, was er zu unternehmen gedenkt, und dadurch für steigende Spannung sorgt, lässt der andere uns völlig über seine Pläne im Dunkeln bis zu dem Moment, in dem er sie umsetzt, und verpasst uns so immer wieder mal eine kalte Dusche.

Immer größer, immer unberechenbarer werden die Schwierigkeiten, mit denen Locke und seine Bande sich konfrontiert sehen, und jedes Mal, wenn Locke sich mit Müh und Not und Hilfe seiner Freunde aus einer ausweglosen Situation gerettet hat, sieht die Lage noch schlimmer aus. Die Probleme ufern regelrecht aus, die Spannungskurve zieht sich zu.

Also um ehrlich zu sein: Obwohl es ein paar Szenen gab, die für meinen Geschmack eigentlich zu brutal waren, wie die Folter im Schwimmenden Grab, fand ich das Buch klasse. Für den Anfang braucht man ein starkes Interesse für Details von Kultur und Gesellschaft oder einfach nur ein wenig Geduld. Aber dann wird man mit einer spannenden, abwechslungsreichen und wenig vorhersehbaren Handlung belohnt. Locke Lamora ist ein sehr sympathischer Held, der am Anfang zwar durch das kräftige Herauskehren seiner Stärken wie ein unfehlbarer Übermensch wirkt, aber nur zu bald so auf die Nase fällt, dass dieser Eindruck schnell schwindet. Was ich aber vor allem gut fand, war, dass die Handlung als solche abgeschlossen ist, ohne lose Enden oder offene Fragen zu hinterlassen. Ich war ziemlich zufrieden, als ich das Buch zuklappte, und trotzdem neugierig auf die Fortsetzung, die nun frei ist, eine völlig neue Geschichte aufzubauen.

Scott Lynchs beruflichen Werdegang, bevor er seinen ersten Roman veröffentlichte, könnte man salopp mit über-Wasser-halten umschreiben, als Tellerwäscher, Kellner und dergleichen. Inzwischen sind die Abenteuer von Locke Lamora bis Band drei gediehen, der im Februar auf Englisch erschien und im Oktober unter dem Titel „Die Republik der Diebe“ auf Deutsch erscheinen wird.

Taschenbuch 845 Seiten
Originaltitel: The Lies of Locke Lamora
Ins Deutsche übertragen von Ingrid Herrmann-Nytko
ISBN-13: 978-3453530911

http://www.scottlynch.us/
http://www.lockelamora.co.uk/
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jeschke, Wolfgang / Pohl, Frederik – Titan-5

_Classic SF: Pfarrer Amos erklärt Gott den Krieg_

In der vorliegenden ersten Ausgabe des 1977er-Auswahlbandes Nr. 5 von „Titan“, der deutschen Ausgabe von „Star Short Novels“ und „Star Science Fiction 5+6“, sind viele amerikanische Kurzgeschichten gesammelt, von bekannten und weniger bekannten Autoren. Diese Auswahlbände gab ursprünglich Frederik Pohl heraus. Er machte den Autoren 1953 zur Bedingung, dass es sich um Erstveröffentlichungen handeln musste. Das heißt, dass diese Storys keine Wiederverwertung darstellten, sondern Originale.

Die Kriterien der deutschen Bände waren nicht Novität um jeden Preis, sondern vielmehr Qualität und bibliophile Rarität, denn TITAN sollte in der Heyne-Reihe „Science Fiction Classics“ erscheinen. Folglich konnten Erzählungen enthalten sein, die schon einmal in Deutschland woanders erschienen waren, aber zumeist nicht mehr greifbar waren. TITAN sollte nach dem Willen des deutschen Herausgebers Wolfgang Jeschke ausschließlich Erzählungen in ungekürzter Fassung und sorgfältiger Neuübersetzung enthalten. Mithin war TITAN von vornherein etwas für Sammler und Kenner, aber auch für alle, die Spaß an einer gut erzählten phantastischen Geschichte haben.

_Die Herausgeber _

1) _Wolfgang Jeschke_, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Kichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Sciencefiction-Reihe Deutschlands beim Heyne Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z. T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Seine erster Roman ist „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

2) Der Werbefachmann, Autor, Literaturagent und Herausgeber _Frederik Pohl_, geboren 1919 in New York City, ist ein SF-Mann der ersten Stunde. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte er der New Yorker „Futurian Science Literary Society“ an, bei der er seine späteren Kollegen Isaac Asimov und Cyril M. Kornbluth kennenlernte. Von 1940-41 war er Magazinherausgeber, wandte sich dann aber dem Schreiben zu.

Als er sich mit Kornbluth zusammentat, entstanden seine bekanntesten Romane, von denen der beste zweifellos „The Space Merchants“ (1952 in „Galaxy“, 1953 in Buchform) ist. Er erschien bei uns unter dem Titel „Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute“ (1971). Darin kritisiert er auf bissige, satirische Weise die Ausbeutung des Weltraums. Ebenso erfolgreich ist seine Gateway-Trilogie, die zwischen 1977 und 1984 erschien und von denen der erste Band drei wichtige Preise einheimste.

_Die Erzählungen_

_1) Arthur Sellings: |Der Kulissenschieber| (|The Scene Shifter|)_

Der Schauspieler Boyd Corry entdeckt eines Tages in der Kinovorstellung seines Films, dass die Schlussszene verändert wurde. Er sieht lächerlich aus. Wie kann es das Studio wagen?! Wutschnaubend geht er zum Studio-Agenten Cavanagh, der sich doch sehr wundert: Er weiß nichts davon. Und der Studiochef Drukker erst recht nicht, der seine Existenz schon in Gefahr sieht. Denn Änderungen könnten ja auch unzüchtige Inhalte umfassen, die zur Zensur eines Films und so zu massiven Einnahmeausfällen führen könnten.

Nachdem ein Fehler der Technik und des Vorführpersonals ausgeschlossen worden ist, kommt eigentlich nur noch die Zuschauerschaft infrage. Durch Videoüberwachung grenzt man den Kreis der Verdächtigen auf fünf, dann auch einen Verdächtigen ein: ein älterer Herr namens Alfred Stephens. Wie hat er es gemacht, das mit den Änderungen? Und warum, will Drukker wutschnaubend wissen. Denn seine Studie ist nicht das Einzige, das von Mr. Stephens‘ Machenschaften betroffen ist.

Stephens ist unbeeindruckt, sondern sagt, er finde die Filme schlecht gemacht und habe das Recht, sie zu verbessern. Und wie? Durch die Kraft seiner Gedanken …

|Mein Eindruck|

Ist dies ein früher Entwurf für selbst produziertes Kino (personal video), also für YouTube? Vielleicht hat sich der Autor auch nur darüber geärgert, wie mies die Qualität der Hollywoodschinken seiner Zeit war und wollte aufzeigen, dass es nicht beim passiven Konsum bleiben muss. Der Zuschauer wird bei ihm kreativ – und alle anderen außer den Filmschaffenden haben Spaß daran.

Doch Alfred Stephens, der selbsternannte Filmkorrektor, ist keineswegs ein Spaßvogel oder Scherzkeks, sondern ein Philosoph. Das stellt auch Cavanagh in einem langen Dialog fest, an dessen Ende etwas übertragen wird. Stephens weigert sich, nur passiver Konsument zu sein. Er ist aber kein Psi-Gigant, der die Welt aus den Angeln hebt.

Vielmehr wirkt er sehr bescheiden, als er sich auf Platons Höhlengleichnis beruft: Alles, was wir sehen, sind gleichsam nur Schatten an der Wand einer Höhle, die vom Feuer der Ideen geworfen werden. Geld, Macht, Schönheit – alle sind solche vergänglichen Schatten. Doch wenn man das Potential der Ideen nur eine Winzigkeit einsetzen würde – dann würde man beispielsweise Filme verbessern …

_2) Algis Budrys: |Abstieg| (|Star Descending|)_

Die Firma Spot Dialog bietet einen ganz speziellen Service: Allwissenheit. Wenn ein Klient bei einem wichtigen Treffen, etwa einer Stellenbewerbung nicht mehr weiter weiß, schickt ihm die Agentur per Hyperwelle das benötigte Wissen direkt ins Bewusstsein. Klar, dass sich diesen Service nur Besserverdienende leisten können.

Doch bei Mr Carmer ist etwas schiefgelaufen, und Henry Walters, der Anteilseigner von Spot Dialog, und Mr Stephenson, sein Geschäftspartner für den Betrieb, sind besorgt. Es stellt sich heraus, dass Mr Carmer mitten im Satz abbrach, als er einen wichtigen Mann traf. Die einzige vernünftige Erklärung lautet, dass die Übertragungswelle überlagert wurde – von einem Konkurrenten.

Beim nächsten Klienten zeigt sich auch schon die Wahrheit dieser Erkenntnis. Mr Dietz, der Klient, ist ein Agent der Agentur Easyphrase, deren Geschäftsführer dem von Spot Dialog ein Angebot zur feindlichen Übernahme macht: Henry Walters wird mit einem Aktienpaket und einem Abteilungsleiterposten abgespeist. Doch ohne Henry Walters!

Leider hat Walters nicht damit gerechnet, dass ihm Stephenson in den Rücken fallen würde. Er wird komplett ausgebootet. Doch wer nicht Gottes Part spielen kann, der muss eben den von Luzifer übernehmen, beschließt Walters …

|Mein Eindruck|

Der unterkühlte Stil von Algis Budrys war noch nie mein Fall, und auch hier behandelt er ein metaphysisches Thema auf rein materialistische Weise. Zwei Agenturen bekämpfen sich, und der erste Agenturinhaber verliert. Doch er gibt nicht auf. Dass er nicht mehr die Rolle eines Gottes, sondern die eines Teufels spielen will, ist der einzige Hinweis darauf, worum es wirklich geht: über die metaphysische Herrschaft über die Menschen – der Kampf zwischen Gott, dem Allwissenden, und seinem abtrünnigen Engel Luzifer. Mache jeder Leser selbst daraus, was er kann.

_3) Lester Del Rey: |Denn ich bin ein eifersüchtig Volk| (|For I Am a Jealous People|)_

Die Invasion der Aliens hat begonnen. Als Pfarrer Amos Strong in der Kirche von Wesley, Kansas, seinen Morgengottesdienst abhält, donnern bereits die Düsenjäger der amerikanischen Luftwaffe in Richtung auf einen der Landeplätze der Alien-Raumschiffe. Doch dieser Morgen ist auch noch in anderer Hinsicht anders für Vater Amos: Er hat die Nachricht bekommen, dass sein Sohn Richard bei der Verteidigung des Mondes gefallen sei. Doch sein Glaube an den allgütigen Gott ist unerschüttert.

Doch dann stürzt Dr. Alan Miller, der Atheist, in die Kirche und bereitet dem friedlichen Moment der Einkehr ein jähes Ende: „Die Aliens kommen hierher!“ Während alle Dorfbewohner erst dem Aufmarsch der Verteidiger und dann der Rückkehr der besiegten zusehen, begibt sich Amos zu seiner Frau Ruth. Sie teilt ihm mit, dass Richard heimlich Anne Seyton aus Topeka geheiratet habe, und die junge Frau sei nun hier. Doch auch Anne hat sich von Gott abgewendet und hat für Amos nur Zorn übrig. Als Ruth in den Garten hinausgeht, um etwas fürs Essen zu holen, mäht der Kugelhagel eines feindlichen Tieffliegers sie nieder.

In der Nacht wird Wesley evakuiert. Doch Dr. Miller harrt wider Erwarten bei Amos aus, sodass sie am nächsten Zeugen des Einzugs des Feindes werden. Man nimmt sie gefangen und wirft sie auf den Wagen zu den Leichen. Anne Seyton feuert wutentbrannt auf die Eindringlinge, doch die Geste ist vergebens. Keine Sekunde später ist auch sie tot. Amos hat bereits drei Familienangehörige an nur zwei Tagen verloren. Ihm kommen zweifel an Gottes Absichten. Will er ihn etwa wie einst Hiob prüfen?

In der nächsten Stadt, Clyde, stecken ihn die Fremden zusammen mit Miller in eine Art improvisierte Zelle. Ein fetter Alien, der Englisch spricht, gibt ihnen Auskunft, man wolle sie als Lebensmittelvorrat halten. Und er gibt sich als Priester zu erkennen, dessen Gott ihm aufgetragen habe, die Erde von allen Greueln und Schändlichkeiten zu reinigen, denn dies sei das Gelobte Land.

Es ist nicht schwer, das Schloss der improvisierten Zelle zu öffnen und mit den anderen in die Kirche von Clyde zu eilen. Dort weiß Amos einen Fluchtweg in der Sakristei. Doch bevor er weitereilt, spürt er ein merkwürdiges Kribbeln auf der Haut. Ein unheimliches Gleißen dringt aus dem Altarraum hervor: Zwei priester der Aliens stehen vor einer Lichtquelle, die mit einem Schleier verhüllt ist – „Gott!“, entfährt es Dr. Miller.

Und dieser Gott spricht zu Amos‘ Verstand, als wäre er leibhaftig hier. Danach ist für Amos nichts mehr wie zuvor. Denn Gott hat den Vertrag, den er einst mit Abraham schloss, aufgekündigt und ihn mit den Eindringlingen, den Mikhtash, neu geschlossen, auf dass sie die Menschen ausrotten mögen …

|Mein Eindruck|

Man fragt sich natürlich sofort, ob dies Handlung eine Anspielung auf den Kalten Krieg ist, der in den fünfziger Jahren zu einem Wettrüsten, unzähligen Atom- und Wasserstoffbombenversuchen sowie zu vielen Stellvertreterkriegen (z.B. in Korea) führte. Sind die USA wirklich das Auserwählte Volk, das Gott auf seiner Seite hat? Zweifel sind berechtigt, wenn mann berücksichtigt, dass die Russen ebenso fortschrittlich sind, was Wirtschaft und technik anbelangt. Sie schickten als Erste einen Satelliten (Sputnik) ins All und ließen den ersten Menschen (Gagarin) die Erde umrunden.

Doch der Autor Lester del Rey geht noch einen Schritt weiter: Er lässt die Aliens die USA auf deren eigenem Boden angreifen, indem sie Brückenköpfe besetzen und die Raketenabwehr lähmen. Wo ist denn nun der ebenso kostbare wie kostspielige Raketenabwehrschirm hin, scheint der Autor keck zu fragen. Und in Vater Amos kommen angesichts der persönlichen Verluste Zweifel auf, ob sich Gott noch auf seiner Seite befindet.

Man liest jedoch nicht oft, dass sich Gott auf die Seite des Feindes geschlagen habe (von Hollywoodfilmen darf man dies schon gleich gar nicht erwarten), sodass er sich seine bisherigen Anhänger zum Feind macht. Das wirft eine ganze Menge seltsamer theologischer Fragen auf: Was wird beispielsweise aus den Seelen der Verstorbenen? Landen sie jetzt irgendwo im Limbus, einer kosmischen Wartehalle? Man könnte fast meinen, Lester del Rey sei selbst man Pfarrer gewesen. Oder zumindest Philosoph, denn er ist der einzige (neben Philip K. Dick) mit bekannte SF-Autor der USA, der Kants Kategorischen Imperativ korrekt zitiert.

Vater Amos macht eine nachvollziehbare Entwicklung durch. Sobald die ersten militärischen Erfolge erzielt worden sind – Atombomben ohne radioaktiven Fallout machen’s möglich – kehrt er zurück an die Stätte seines jahrelangen Wirkens, schart die Überlebenden um sich und hält eine fulminante Predigt: „Denn ich bin ein eifersüchtig‘ Volk“ heißt es ja schon in der Bibel. Gott, so verspricht Amos, solle in der Menschheit einen würdigen GEGNER finden. Keine Rede von Luzifer also. Vielmehr beruft sich Amos, bei sich selbst, auf Kant, als er sich rechtfertigt: Menschen sollen kein Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst sein. Und er, Amos, müsse ihnen deshalb dienen. Gott sollte sich mal besser warm anziehen …

_4) Gordon R. Dickson: |Der Schutzengel| (|Dreamsman|)_

Mr Willer macht sich fein, bevor er mit seinem 1937er Auto losfährt, um die Conalts zu besuchen. Er stellt sich als Vertreter der Liberty Versicherung vor, doch eigentlich geht es ihm um etwas anderes. Das frisch verheiratete Paar Edith und Henry Conalt hat einen telepathischen Suchruf ausgeschickt, und er hat ihn aufgefangen, verfügt er doch selbst über Psi-Kräfte. Solch ein Ruf sei selten, sagt, und sie seien deshalb etwas Besonderes. Man würde sie auf der Venus daher mit offenen Armen willkommen heißen. Das Raumschiff dorthin stehe schon bereit.

Doch da tritt ein weiterer Typ auf, und die Conalts sind reichlich erstaunt, wollten sie doch bereits die Rakete besteigen. Dieser zweite Mann stellt sich als der Schutzengel der Psi-Talente vor und weist Willer in die Schranken. Der alte Wilo sei bloß darauf aus, neue Psi-Talente in die Wüste zu schicken, damit möglichst alles beim Alten bleibt. Willer meint, er möge alles so, wie es ist.

|Mein Eindruck|

Auch hier wird eine Art Teufel geschildert, nämlich der Versucher in Gestalt von Mr Willer (der nie seinen Vornamen nennt, sofern er einen besitzt). Sobald sich ein Menschenpaar zeigt, das ein neues Talent aufweist, das es über die Masse heraushebt, taucht Mr Willer auf, um es – per Raumschiff zur Venuskolonie – in die Wüste zu schicken. Auf diese Weise bleibt alles, wie es ist: Mittelmäßig.

Die Frage erhebt sich, wofür dieser symbolische Vorgang steht. Schnappen sich die Geheimdienste solche Talente, um sie zu missbrauchen und danach zu eliminieren? Nur bei Stephen King („Feuerkind“). Ist es das Showbusiness, das die Talente aufsaugt und danach wieder ausspuckt? Siehe Marilyn Monroe. Oder die Regierung, die – wie schon in „Ehrbare Kaufleute und eine Handvoll Venus“ – zusammen mit der Werbewirtschaft redliche junge Paare zur Besiedlung von Wüstenplaneten verführt, die ihnen nur Verderben bringen?

Auch diesen Saubermann können wir dem ansonsten so renommierten Autor Dickson nicht abnehmen. Dieser scheint die Wahrheit und Ehrlichkeit gepachtet zu haben und hält seine schützende Hand über den Fortschritt, den die Conalts verkörpern. Er hat noch nicht einmal einen Namen, geschweige denn menschliche Züge. Dieser Schutzengel (siehe Titel) macht die Erzählung zu einer durchsichtigen Allegorie von Gut und Böse, die abgeschmackt wirkt.

_5) Tom Purdom: |Der heilige Gral| (|The holy grail|)_

Morgan Valentine ist gewalttätiger Bursche, der seine Frau Teresa schlägt. Er braucht dringend einen Psychiater, das ist ihm klar. Doch ein Psychiater kostet eine Stange Geld – Geld, das Morgan im Vergnügungspark verdienen muss. Dort ist er der Anwerber für Süchtige, die den Glücksgenerator der Huxley-Maschine nicht mehr entbehren können, so wie Laura.

Doch Morgan braucht neue Kunden – „Abschüsse“. Und da taucht auch schon eine neue Frau auf. Sie sieht aus wie 29 oder 30: zu alt, um unerfahren zu sein, aber alt genug, um verzweifelt auf der Suche nach einem Ehemann zu sein. Sie geht denn auch in die Liebesschule, Morgan wusste es ja. Sie wurde vor dem künstlichen Glück gewarnt, hat aber Schuldgefühle, dieses Glück überhaupt anzunehmen. Sie zu überreden, ist leicht, und sie setzt sich in die Huxley-Maschine, für eine Gratistour. Perfekt.

Doch dann macht ihm sein Kollege Wilson einen Strich durch die Rechnung …

|Mein Eindruck|

Noch ein teuflischer Verführer! Noch dazu ein prügelnder Dealer, der dringend einen Psychoklempner nötig hat. Er verkauft eine süchtig machende Glücksmaschine, sozusagen einen Ersatz für Drogen wie Morphium und Heroin (Kokain gab es in den Fünfzigern noch kaum). Suchtdrogen waren bereits in diesem Jahrzehnt durchaus bekannt und als Gefahr erkannt, wie der erstklassig mit Frank Sinatra verfilmte Roman „Der Mann mit dem goldenen Arm“ von Nelson Algren zeigt.

Allerdings zeichnet der Autor den Pusher oder Dealer nicht als reinen Schurken, sondern ebenfalls als ein Opfer des Systems: Die Heilung in Form eines Psychiaters kostet zuviel, um sie sich als Elektriker verdienen zu können. Und gerade als Land in Sicht ist, wird der Pusher selbst gelinkt, von seinem Konkurrenten, der ihn erpresst. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der für Pusher wie für Junkies nur abwärts führen kann. Eine deprimierende Story, die den Leser hart an die Realität der Drogenszene heranführt – selten für Sciencefiction.

_6) Rosel George Brown: |Ein haarsträubendes Abenteuer| (|A Hair Raising Adventure|)_

Sam ist verliebt in alte Sprachen und dadurch lange Zeit Junggeselle geblieben. Erst die Heirat mit Ruth bringt eine gewisse Veränderung mit sich: Er solle für den zu erwartenden Nachwuchs mehr Geld verdienen und die Beschäftigung mit dem Altskythischen bleiben lassen. Indem er sich auf Binsenweisheiten seines Vaters beruft, weist er die mit reichlich Geschäftssinn Gesegnete sanft zurecht. Das wiederum quittiert sie schlauerweise mit einem Weinkrampf.

Erst auf einer Party mit Chuck bekommt sie mit, dass Sam über Wissen verfügt, das ihnen beiden ein Vermögen einbringen könnte: ein Haarwuchsmittel der alten Skythen! Doch da Sam ein freigebiger Mensch ist und jeder Menschenseele nur das Beste zutraut, gibt er sein Rezept wenigstens in groben Zügen weiter, worin Stutenmilch, Wein und ein bestimmtes Kraut eine Rolle spielen. Denn Chuck ist ja kahlköpfig, braucht das Zeug also dringender als er selbst. Ruth fällt vor Verzweiflung in Ohnmacht.

Schon wenige Tage später macht die Kunde vom neuen Haarwuchsmittel der Firma Full Head die Runde. Kaum ist Chuck wieder zurück, taucht ein Afrikaner mit einem Speer auf. Er will die Korrekturbögen für Sams Artikel, in dem die Herstellung des skythischen Haarwuchsmittels beschrieben wird. Mit einem cleveren Trick weiß sich zu Ruths Erstaunen des Afrikaners zu entledigen. Und zu Sams Genugtuung erweist sich auch Chucks Haarwuchsmittel als Desaster.

Denn als Chuck das Rezept aus einem der Korrekturbögen abschrieb, übernahm er unwissentlich einen Setzfehler des Verlags. Die Folge war ein Herstellungsfehler. Was würde Chuck nicht alles darum geben, um diesen Setzfehler korrigiert zu bekommen! Keine Chance. Er schickt Sam sogar eine berückende Blondine mit aufregenden Kurven ins Haus – angeblich will sie das Skythische eifrig studieren. Ruth hat das blonde Gift jedoch sofort durchschaut. Nur Sam kann sie davon abhalten, das Mädchen hinauszuwerfen.

Doch dann klopft der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich an die Tür von Ruths und Sams Haus …

|Mein Eindruck|

Diese nette Erzählung bildet den komischen Kontrast zu den vorangehenden Teufels- und Verführergeschichten. Sam, der ökonomisch unbedarfte Exzentriker behält wundersamerweise die Oberhand, weil er seiner Frau Ruth beweist, dass immaterielle Werte weitaus wichtiger sind als jene materiellen, an die sie glaubt. Wissen ist zwar Macht, aber es muss sich nicht in bare Münze umsetzen lassen. Insofern ist die Story auch wieder eine Art Märchen, in dem nicht der Schurke obsiegt, sondern der reine Tor.

_7) Cordwainer Smith: |Angerhelm| (|Angerhelm|)_

Der Erzähler ist der Stellvertreter des Buchhalters von FBI und CIA. Er wundert sich über den Wirbel, den die Russen über ein seltsames Tonband machen, auf dem nichts zu hören ist – rein gar nichts außer einem merkwürdigen Summen und Klicken. Doch nachdem der sowjetische Botschafter seinem amerikanischen Kollegen vom Außenministerium das Tonband vorgespielt hat (dreimal!), weiß jeder im Raum eine Adresse: „Nelson Angerhelm, 2322 Ridge Drive, Hopkins, Minnesota“. Die Amis wundern sich, wie das sein kann und was dieser Angerhelm damit zu tun hat.

Besagter Angerhelm ist ein Nachfahre schwedischer Einwanderer, die den Namen Ankerhjelm trugen, und seines Zeichens ein betagter Hühnerfarmer, der alleine lebt. Binnen kürzester Zeit wird sein Haus von sämtlichen Geheimdiensten und der Bundespolizei verwanzt. Das Ergebnis ist gleich null. Er ist kein Spion, kein Außerirdischer, noch nicht mal Russe. Weil aber die Russen immer noch darauf bestehen, die Bedeutung ihres Tonbands zu erfahren, müssen die Amis eines Tages schließlich doch zur Hühnerfarm hinausfahren. Und wer muss in die tiefste Provinz fahren? Natürlich nicht irgendein hochbedeutender Amtsleiter, sondern ein Subalterner wie unser Chronist.

Angerhelm stöhnt, als man ihm das Tonband abspielt. Auch er hat klar und deutlich seine eigene Adresse – nun, „gehört“ wäre wohl zuviel gesagt. Aber sein Gehirn hat sie registriert. Aber er sagt, da sei noch viel mehr: eine lange Botschaft von seinem Bruder Tice. Genau – der Tice, der schon längst tot ist. Und wenn das FBI nichts dagegen hat (warum auch?), werde er, Nelson Angerhelm, auf ein anderes Tonband sprechen, was sein Bruder aus dem Totenreich zu sagen hatte …

|Mein Eindruck|

Dies ist mal keine von Smiths Geschichten über die „Instrumentalität“, die eine mögliche Zukunft für die Menschheit entwerfen (seit Kurzem chronologisch geordnet und vollständig in einem Heyne-Sammelband erhältlich). Vielmehr ist „Angerhelm“ teils komische Diplomaten- und Agentensatire, teils metaphysische Tragödie. Der Autor, selbst als Diplomat auf internationalem Parkett unterwegs, kennt sich offensichtlich bestens mit den Gepflogenheiten seiner Branchen, aber auch mit der dunklen Seite der Geheimdienste aus – ein großer Spaß, diese Paranoia, wenn sie auf ein unerklärliches Phänomen wie das Angerhelm-Tonband trifft.

Das Tonband wurde nicht nur per Telekinese bespielt, sondern ist selbst ebenfalls telekinetisch aktiv: Es überträgt seine Botschaft, wie es ein telepathischer Gedanke tun würde. Dadurch wird die Botschaft selbst ins Metaphysische gerückt. Und sie wäre es schon alleine dadurch, dass ihr Absender sich nicht mehr unter den Lebenden befindet. Aber wo ist Tice Angerhelms Seele eigentlich? Weder im Himmel noch in der Hölle, sondern in einem Limbus, den Dante als Purgatorio (Fegefeuer, Vorhölle) beschrieben hätte. Und von dort schickt Tice, der Scherzkeks, seinen letzten Witz ab …

_Unterm Strich_

Für einen Leser unserer Zeit ist es schon recht erstaunlich, wie hoch der Gehalt dieser Auswahl an metaphysischen Anspielungen (bei Dickson, Cordwainer Smith, Budrys), theologischen Diskussionen (bei del Rey etwa) im Vergleich zu weltlichen Themen wie etwa des Drogenproblems oder der Konformität ist. Auch die Philosophie kommt nicht zu kurz, so etwa Platon bei Sellings und Kant bei del Rey. Hier gibt es immer noch eine Menge Gesprächsstoff oder Diskussionsbeiträge.

Da lobt man sich doch ob dieser Gedankenschwere solche netten Komödien wie „Ein haarsträubendes Problem“ oder die Diplomaten- und Agentensatire „Angerhelm“. Auch „Kulissenschieber“ hat seine amüsanten Momente. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass del Reys Novelle das Haupt- und Prunkstück dieser Auswahl darstellt. Ja, sie wurde sogar mitten ins Zentrum gerückt, und das zu Recht: Mit rund 50 Seiten ist sie doppelt so lang wie die längsten anderen Beiträge.

|Das Hauptstück|

Die Geschichte von Pfarrer Amos ist die Geschichte einer Bekehrung – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Es ist Gott, der sich von den Menschen abgewandt und den Invasoren zugewandt hat. Soll Amos vom Glauben abfallen oder wird er nur, wie weiland Hiob, geprüft? Es ist eine für damalige Verhältnisse wohl recht spannende Frage, doch für uns Heutige doch reichlich uninteressant. Es sei denn, man ist ein fundamentalistischer Christ oder ein Sektenanhänger.

Dennoch war ich erstaunt, wie stark mir Amos‘ innerer Wandel ans Herz ging und mich interessierte, ganz ungeachtet von Amos‘ vielen Verlusten. Denn erstens beeindruckte mich auch seine Kenntnis und Übernahme von Kants Kategorischem Imperativ und zweitens weiß der Leser nie, wohin Amos‘ Entwicklung führen wird.

Ich hätte nicht erwartet, jemals einen amerikanischen Priester Gott den Krieg erklären zu sehen. Ob wohl jemals ein muslimischer Imam in eine solche Lage geraten ist, etwa im Irak oder Afghanistan, angesichts einer westlichen Invasion? Ich könnte es mir nach dieser Erzählung ein wenig besser vorstellen. Ohne allerdings die Abkehr von Allah zu erwarten.

|Die Reihe|

Für den deutschen SF-Leser des Jahres 1977 waren diese Originalbeiträge – allesamt Erstveröffentlichungen von 1954 und 1959 – willkommenes Lesefutter, um sich einen Überblick über die Entwicklung des Genres in den fünfziger Jahren zu verschaffen. Der Erfolg des TITAN-Formats mit seinen etwa zwei Dutzend Bänden gab Herausgeber Jeschke Recht. Auch die sorgfältige Übersetzung trägt noch heute zum positiven Eindruck bei. Die wenigen Druckfehler lassen sich verschmerzen.

|Taschenbuch: 157 Seiten
Im Original: Star Short Novels, 1954; Star Science Fiction 5+6, 1959/1977
Aus dem US-Englischen von Walter Brumm, Horst Pukallus und Joachim Pente
ISBN-13: 978-3453304406|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

_Die |Titan|-Reihe bei Buchwurm.info:_
[„Titan-1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4724
[„Titan-4“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7086
[„Titan-5“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7087
[„Titan-6“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4327
[„Titan-7“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4486
[„Titan-8“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3747
[„Titan-9“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4274
[„Titan-10“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3687
[„Titan-11“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4509
[„Titan-12“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4538

Jeschke, Wolfgang / Pohl, Frederik – Titan-4

_SF-Storys: Der falsche Messias und andere Maskeraden_

In der vorliegenden ersten Ausgabe des Auswahlbandes Nr. 4 von „Titan“, der deutschen Ausgabe von „Star Science Fiction 2,3, 4 und 5“, sind viele amerikanische Kurzgeschichten gesammelt, von bekannten und weniger bekannten Autoren. Diese Auswahlbände gab ursprünglich Frederik Pohl heraus. Er machte den Autoren 1953 zur Bedingung, dass es sich um Erstveröffentlichungen handeln musste. Das heißt, dass diese Storys keine Wiederverwertung darstellten, sondern Originale.

Die Kriterien der deutschen Bände waren nicht Novität um jeden Preis, sondern vielmehr Qualität und bibliophile Rarität, denn TITAN sollte in der Heyne-Reihe „Science Fiction Classics“ erscheinen. Folglich konnten Erzählungen enthalten sein, die schon einmal in Deutschland woanders erschienen waren, aber zumeist nicht mehr greifbar waren. TITAN sollte nach dem Willen des deutschen Herausgebers Wolfgang Jeschke ausschließlich Erzählungen in ungekürzter Fassung und sorgfältiger Neuübersetzung enthalten. Mithin war TITAN von vornherein etwas für Sammler und Kenner, aber auch für alle, die Spaß an einer gut erzählten phantastischen Geschichte haben.

_Die Herausgeber _

1) _Wolfgang Jeschke_, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im Kichtenberg Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Sciencefiction-Reihe Deutschlands beim Heyne Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z.T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Seine erster Roman ist „Der letzte Tag der Schöpfung“ (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

2) Der Werbefachmann, Autor, Literaturagent und Herausgeber _Frederik Pohl_, geboren 1919 in New York City, ist ein SF-Mann der ersten Stunde. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte er der New Yorker „Futurian Science Literary Society“ an, bei der er er seine späteren Kollegen Isaac Asimov und Cyril M. Kornbluth kennenlernte. Von 1940-41 war er Magazinherausgeber, wandte sich dann aber dem Schreiben zu.

Als er sich mit Kornbluth zusammentat, entstanden seine bekanntesten Romane, von denen der beste zweifellos „The Space Merchants“ (1952 in „Galaxy“, 1953 in Buchform) ist. Er erschien bei uns unter dem Titel „Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute“ (1971). Darin kritisiert er auf bissige, satirische Weise die Ausbeutung des Weltraums. Ebenso erfolgreich ist seine Gateway-Trilogie, die zwischen 1977 und 1984 erschien und von denen der erste Band drei wichtige Preise einheimste.

_Die Erzählungen_

_1) Algis Budrys: |Die integrierten Menschen| (|Congruent People|)_

Dexter Bergenholm geht wie jeden Tag, von seiner Frau Miriam verabschiedet, aus dem Haus Richtung Büro. Doch diesmal bemerkt sein Unterbewusstsein am Kiosk mit den Tageszeitungen etwas Merkwürdiges: Ein Mann gibt dem Verkäufer eine Zeitung und bekommt dafür ein Geldstück. Als sein Bewusstsein endlich geruht, davon Notiz zu nehmen, schrillen die Alarmglocken: Müsste es nicht normalerweise umgekehrt sein?!

Bergenholm kauft die dem Verkäufer gegebene Zeitung und vergleicht sie mit der üblichen Ausgabe der „New York Times“. Es gibt einige gravierende Unterschiede. Doch war ist auf der abweichenden Ausgabe von „Stufe eins“ die Rede? Und wieso ist der Wetterbericht bis auf die Minute genau?

Als er dem Mann folgt, sieht er ihn in einen Lieferwagen steigen, der aber innen wi ein Bus ausgestattet ist. Am nächsten Morgen wiederholt sich der Vorgang, doch diesmal folgt Bergenholm dem Mann in den getarnten Buss. Der Mann begrüßt ihn mit seinem Namen, Bergenholm, stellt sich als Indoktrinator vor und lädt ihn zu einem Gespräch ein.

Wie sich zeigt, gehört der Mann zu einer Gruppe von Leuten, die sich dem gewohnten Einerlei der Wirklichkeit, eben der Stufe eins, entzogen haben und sozusagen mitten unter uns eine parallele Gesellschaft aufgebaut haben, damit sie besser und freier leben können. Doch der Mann stellt Bergenholm vor eine Alternative: Bergenholm soll ohne seine Frau auf die Stufe zwei gelangen, und das ist natürlich ein Problem. Aber nicht lange, wie sich herausstellt …

|Mein Eindruck|

Der Stil von Algis Budrys ist stets ein wenig unterkühlt, entbehrt aber nicht des Witzes. Für die Fünfziger Jahre typisch war die von Senator McCarthy geschürte Angst vor einer kommunistischen Unterwanderung. Leben die Spione (wie die verurteilten Rosenbergs) wirklich unerkannt unter uns, Leute wie du und ich, fragten sich die braven Bürger damals. Und brav war jeder, der sich den Regeln konform verhielt. Die „Regeln“ wurden allerdings von anderen aufgestellt, von Schiedsrichtern des Geschmacks ebenso wie von den diversen Gesetzgebern und Moralwächtern. Nicht ohne Grund erlebte die Zensur eine Blütezeit, die erst 1968 endete.

Bergenholm ist so ein braver Bürger. Seine Frau passt auf, dass an ihm alles regelkonform aussieht. Doch er ist anders, sonst würde er nicht bemerken, wie ein Zeitungskauf nicht regelkonform abläuft. Und er würde auch nicht in den getarnten Bus steigen, um den Verdächtigen zu beschatten. Am Schluss löst sich die potenziell gefahrvolle Aktion jedoch in reines Wohlgefallen auf, pointiert mit einem Witz. Doch im Leser bleibt, wie beabsichtigt, der Verdacht: Was wäre, wenn es wirklich eine Parallelgesellschaft gäbe, die uns von der „Stufe eins“ um Längen voraus wäre?

_2) Hal Clement: |Der kritische Faktor| (|Critical Factor|)_

Halbflüssige Wesen, die im Untergrund unserer Erde leben, haben gerade ein kleines Problem: Eroberer aus dem Norden bedrohen ihr Territorium. Ein Späher namens Pentong kehrt aus der Antarktis zurück und berührt den Ältesten, um zu berichten, was er dort gefunden hat: Eine Schicht über dem Gestein, die durch heißes Magma in Ozean verwandelt wird – im Klartext: Eis.

Was Pentong vorschlägt, ist revolutionär: Man könnte durch Eisschmelzen doch den Ozean so weit ausbreiten, dass der für die Untererdbewohner giftige Sauerstoff nicht mehr an das Erdreich gelangen könnte. Mithin würde sich ihr Lebensraum vergrößern.

Eigentlich eine geniale Idee. Doch Derel der Denker bezweifelt ihre theoretische Grundlage ebenso wie die praktische Ausführung. Er stellt ein paar Experimente mit dem Verhalten von Flüssigkeiten in Hohlräumen an und stößt auf eine neue unheimliche Kraft, die ihn fast das Leben kostet: Schwerkraft!

|Mein Eindruck|

Die rein naturwissenschaftlich orientierte Story erzählt, wie so viele von Clements Storys, von Alien mit fremden Naturgesetzen und fremdartigem Denken. Doch das hindert sie nicht daran, allgemeingültige Gesetze zu entdecken, die auch uns vertraut sind – Schwerkraft beispielsweise.

Die Tatsache, dass die Anderen das uns Vertraute erst entdecken, führt uns wiederum die Besonderheit des Phänomens vor Augen. Schwerkraft, so lernen, ist nichts, das wir für selbstverständlich und allgegenwärtig halten sollten. Denn stets gilt der Grundsatz: Alles ist relativ.

_3) Jerome Bixby: |Schöner leben| (|It’s a Good Life|, 1953)_

Peaksville lag vor vier Jahren in Ohio, doch wo es jetzt liegt, ist seinen Bewohnern unbekannt. Denn kurz hinter den letzten Häusern beginnt das Nichts. Nur hinter dem Haus der Fremonts liegen ein Maisfeld, eine Weide und ein schattiger Baum. Doch wer die Fremonts besucht, so wie jetzt Bill Soames mit seinen Kolonialwaren, der bangt um sein Leben. Zumindest aber um seine geistige Gesundheit. Denn bei den Fremonts lebt Anthony. Er dringt in Gedanken ein und kann Leute verschwinden lassen. Man sollte ihn besser nicht verärgern, haben alle gelernt. Und niemals darf ein Kind sich zur Farm verirren. Ein verschwundenes Kind ist Lektion genug.

Bill Soames ist froh, wieder unbeschadet von dannen radeln zu können. Doch abends kommt es zu einem Eklat. Dan Hollis‘ Geburtstag feiern die Dorfbewohner im Wohnzimmer der Fremonts, und einer spielt Klavier. Doch als Dan sich spätabends darüber ärgert, dass er seine ihm geschenkte Schallplatte nicht abspielen darf und zu singen anfängt, erscheint Anthony, und Totenstille tritt ein. Er nennt Dan einen „bösen Mann“, tut etwas Furchtbares mit ihm und lässt ihn verschwinden.

Wieder eine Lektion gelernt. Während alle die Frau von Dan Hollis zum Verstummen bringen und festhalten, verschwindet Anthony nach zwei Stunden wieder. Wer hätte gedacht, dass ein Dreijähriger so ein Tyrann sein kann …

|Mein Eindruck|

Eine Teufelsgeschichte! Diesmal mit einem der in den fünfziger Jahren so beliebten Mutanten. (Es wird keine Ursache für die Mutation angegeben, auch kein Atomkrieg.) Geschildert wird eine wahre Hölle, über die ein Einziger mit der Macht über Leben und Tod herrscht. Leider ist das Kind völlig unzurechnungsfähig.

Aber darum geht es eigentlich nicht. Wie der Titel schon andeutet, richtet der Autor sein Augenmerk nur en passant auf Anthonys Launen und konzentriert sich vielmehr auf die Bedingungen für das friedliche Überleben in dieser Hölle. Erstaunlicherweise sind zwar einige unzufrieden mit den Bedingungen, doch sie dürfen es niemals laut sagen. Stets müssen sie sagen, alles sei gut, prächtig oder schön, um nur den Tyrannen nicht zu verärgern (wie Dan Hollis). Außerdem versuchen sie nichts zu denken, denn der Tyrann ist ja bekanntlich ein Gedankenleser, der sogar geistige Strafmaßnahmen verhängen kann, wie bei seiner Tante Amy.

Die Geschichte ist leicht als Metapher für jedes repressive System zu deuten, sei es nun ein faschistisches, ein stalinistisches, feudalistisches oder ein kapitalistisches. Die Gedanken- und Verhaltenskontrolle ist bereits verinnerlicht, sodass es nur selten zu Verstößen gegen die Konformität kommt. Flucht wäre ja auch sinnlos, denn draußen wartet nur das Nichts. Der Autor hat eine Versuchsanordnung geschildert. Man kann den einen oder anderen Faktor ersetzen, beispielsweise Anthony durch einen Mann der Kirche, aber das Ergebnis bleibt immer das gleiche: Es ist eine Hölle.

_4) Isaac Asimov: |Ein so herrlicher Tag| (|It’s Such a Beautiful Day|)_

Der neuartige Materietransmitter ist endlich auch für den Personentransport geeignet und wird als T-Tür eingebaut. Das kalifornische Wohngebiet A-3 ist in dieser Hinsicht Vorreiter: Alle seine Gebäude inklusive der Schule verfügen über T-Türen, und die gewöhnlichen, manuell bedienbaren Türen (mit einfachem T) werden als „Notausgang“ bezeichnet.

Als Mrs. Hanshaw von der Lehrerin Miss Norris also einen Beschwerdeanruf wegen Richard Hanshaw, ihrem Sohn, bekommt, ist sie also höchst erstaunt: Ihr Dickie soll eine volle Stunde zu spät zum Unterricht erschienen sein?! Es muss sich wohl um einen schlechten Scherz handeln, den sie sich selbstredend verbittet.

Doch als Richard auch nicht zur vorgesehenen Rückkehrzeit um 15:00 Uhr per T-Tür erscheint, beginnt sich Mrs. Hanshaw Sorgen zu machen und zu grübeln. Heute Morgen war die T-Tür defekt, und Richard ging zu den Nachbarn, um deren T-Tür zu benutzen. Das hat aer aber offenbar nicht getan. Was ist bloß in den Jungen gefahren? Inzwischen war der Reparateur da und hat eine Pentode ausgewechselt, die den Feldgenerator steuert.

Richard kehrt zurück – durch den Notausgang! Und wie er nur aussieht! Von oben bis unten verdreckt und bestimmt voll schrecklicher Krankheitskeime. Ab, Marsch ins Bad mit ihm! Eins ist klar: Wie Miss Norris vorschlug, ist Richard wohl ein Fall für die Psychosonde. Aber man darf selbstverständlich kein Aufsehen erregen und muss auf Diskretion achten. Man könnte sonst zum Gespött der Nachbarschaft werden. Also geht Mrs. Hanshaw zum Hirnklempner, einem Psychotherapeuten namens Sloane.

Wohl wegen seines geringen Alters von knapp 40 Jahren lehnt Sloane es strikt ab, Richard einer Psychosondierung zu unterrichten. „Ein traumatisches Erlebnis für einen jungen Menschen“, warnt er. Vielmehr nimmt er Richard mit auf einen Spaziergang – nach draußen! Mrs Hanshaw ist fassungslos.

Richard zeigt Sloane die unbekannten Wunder des Draußen: grünes Gras, blauer Himmel, ein Bach, Insekten und bunte Vögel. Hier hat sich also der Junge die Zeit vertrieben. Und wenn er es recht bedenkt, findet Sloane es recht bedenklich, wenn ein Mensch in einer T-Tür erst in seine atomaren Bestandteile zerlegt und dann auf der Gegenseite wird zusammengesetzt wird …

|Mein Eindruck|

Die Idee des Materietransmitters ist schon ziemlich alt, beinahe unmöglich zu realisieren, wurde aber ungezählte male in der Sciencefiction eingesetzt. Bei John Brunner ersetzen Transmitter die Raumfahrt (vgl. „Die Sonnenbrücke“ und „Verbotene Kodierungen“). Doch während bei Brunner ein Kniff der Dimensionsmathematik den Durchtritt erlaubt, greift Asimov das Problem als Materie-Auflösung und -Zusammensetzung auf.

Wie er richtig sagt, ist das Verfahren schweineteuer, energieintensiv und obendrein gefährlich. Wie leicht könnte beim Berechnen der Zusammensetzung ein Hard- oder Softwarefehler auftreten? So einfach geht das „Beamen“ also nicht. Doch die Technik ist gar nicht der Schwerpunkt der Geschichte: Es geht um die veränderte Psyche.

Mrs Hanshaw kennt das Draußen gar nicht mehr als Lebensraum: Es kommt ihr so gefährlich vor wie uns der Weltraum. Ganz im Gegensatz zu Sohnemann Richard: Er entdeckt die vielfältigen Freuden, die das Draußen für den langsamen Betrachter bereithält. Daher: Zurück zur Natur!

_5) Henry Kuttner: |Tyrell der Erlöser| (|A Cross of Centuries|)_

Im Jahre 5000 ist Tyrell bekannt als der Reine Gesalbte, der Messias des Friedens, der Güte und der Liebe Gottes. Doch er lebt bereits 2000 Jahre und muss sich alle hundert Jahre einer Auffrischung seines Gedächtnisses unterziehen. Dies erfolgt mit Hilfe einer Maschine, die im Bergkloster von Abt Mons (= Berg) verborgen ist.

Auch diesmal kommt Tyrall zusammen mit seiner 300 Jahre alten, aber wie eine Zwölfjährige aussehende Jüngerin Nerina ins Bergkloster. Vor dem Teich der Wiedergeburt legt er seine wenigen Kleider und seine Schuhe ab und badet darin. Nur Nerina scheint zu bemerken, wie sehr sein Gedächtnis nachgelassen hat.

Am nächsten Morgen erzählt der runderneuerte Tyrell seiner erstaunten Anhängerin detailreich von der alten Zeit, die er damals zu überwinden geholfen habe. Der Anti-Christ sei umgegangen und habe die Tier-Menschen aufgestachelt, auf Tausenden von Welten habe Brudermord geherrscht. In der Tat ist Tyrell das einzige Wesen aus jener Zeit, das immer noch am Leben ist, um sich daran zu erinnern.

Am zweiten Morgen findet man die erwürgte Leiche eines Mönchs. Das Entsetzen unter den Brüdern ist ebenso groß wie bei Tyrell und Nerina. Wie kann es einen Akt der Gewalt nach acht Jahrhunderten Frieden geben? Doch als nerina in der folgenden Nacht einen Schrei hört und auf den Gang vor der Klosterzelle eilt, entdeckt sie zu ihrer Bestürzung Tyrell mit einem blutigen Messer in der Hand.

Wie kann es sein, dass er getötet hat, fragt sie sich und berät sich mit Abt Mons. Schier sprachlos vor Schrecken stammelt Mons etwas davon, wie die Maschine funktioniert. Es muss zu einem Fehler gekommen sein. Oder die Mönche habe ihre Arbeitsweise nicht richtig verstanden. Doch am Ende ahnt Nerina, worin ihre Pflicht besteht, um Tyrell zu erlösen. Sie nimmt das immer noch blutige Messer …

|Mein Eindruck|

Einmal ist die Religion die Zielscheibe von Autoren der fünfziger Jahre (siehe auch die zwei Auswählbände von H.J. Alpers bei Bastei-Lübbe). Der Profi-Autor Henry Kuttner, Gatte der Autorin Catherine L. Moore, schreibt in seiner Story das Leben des Messias einfach in die Zukunft vor. Er stellt nicht die Funktion eines solchen Gesalbten in Frage, wohl aber die Wahrheit, die mit dieser Figur verknüpft wird.

Anders als von den Mönchen angenommen, wird Tyrells Gedächtnis nicht jedesmal gelöscht, wenn er die Maschine benutzt, sondern nur in die Tiefe des Bewusstseins verdrängt. Mittlerweile sind es – nach 2000 Jahren – 20 Schichten. Es ist etwas schiefgegangen: Statt Neues zu speichern, hat sich das uralte Unterbewusstsein gemeldet: Mit tödlichen Folgen.

Tyrell gesteht es nur Nerina: Er war selbst jener Anti-Christ, der vor fast tausend Jahren die Menschen abschlachtete, damit sie ihn zu fürchten lernten. Nur so führte er den allgemeinen Frieden herbei, nicht mit der Sanftmut von Lämmern, sondern mit der Pranke des Löwen.

Der Autor stellt also die Botschaft Christi infrage und behauptet im Gegenteil, dass nur Stärke und sogar Vernichtung den Frieden herbeiführen könne. Das ist eine sehr kontrovers zu diskutierende Aussage. Und am Schluss eine messianische FRAU vorzustellen, dürfte die Gemüter im Vatikan ebenfalls nicht gerade beruhigt haben.

_6) Damon Knight: |Einer muss der Dumme sein| (|Idiot Stick|)_

Das Raumschiff der galaktischen Föderation landet in New Jersey. Die Aliens, lautet spindeldürre Kerle, verteilen Kapseln, die dem Empfänger ein intensives Glücksgefühl vermitteln. Kein Wunder, dass die Aliens nicht nur mit Wohlwollen, sondern mit einem Ansturm von Glücksbedürftigen empfangen werden.

Die Fremden wollen eine friedliche Niederlassung zu Studienzwecken bauen. Natürlich sind Zehntausende bereit, das Gelände dafür zu ebnen und das Gebäude zu errichten. Der Lohn besteht ja in den begehrten Glückskapseln. Jeder kriegt einen Stecken, der auf wundersame Weise den Boden einebnet und asphaltiert. Baker und Cooley sind sich einig, dass dies ein „Dummenschwengel“ sei – und sie, als Arbeiter, die Dummen. Die Dinger lassen sich nicht einfach nachbauen.

Wochen später, entdeckt ein Reporter vom Star-Ledger in New Jersey den Sprecher der Fremden betrunken in einer Bar. Der Sprecher lallt etwas von Mitleid. Mitleid mit wem? Mit den armseligen Menschen und ihrem nichtswürdigen Planeten. Solches Gerede macht den Reporter erst stutzig, dann wütend. Dan rückt der Sprecher, der voll auf Aspirin abfährt, mit der Sprache heraus: Das Gebäude werde ein Bohrloch verdecken, in welches man einen Sprengsatz einführen werde, der im Erdinnersten zünden solle. Puff, und Terra wird eine Staubwolke. Welchselbige man zur Abwehr einer möglichen Invasion benötige. Von wem ist leider nicht zu erfahren.

Wenige Tage später erobert ein wütender Mob das fremde Raumschiff und erschlägt alle Aliens – mit dem Dummenschwengel. Es kommt eben darauf an, an welchem Ende davon man sich jeweils befindet, meint Baker.

|Mein Eindruck|

Würde so eine Invasion funktionieren, fragen sich Baker und Cooley. Ohne Weiteres, meinen sie – und das meine ich auch. Es findet sich immer ein Idiot, der für ein bisschen momentanes Glücksgefühl sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkaufen würde (vgl. dazu die Bibelgeschichte von Jakob und Esau, den Söhnen Isaaks, des Sohnes Abrahams).

Eine blutige Wendung nimmt die Story am Schluss: Für die Modifikation des fremden Allzweck-Stocks mussten in zehntausend Versuchen zehntausend Menschen ihr Leben lassen. Ist das also der Preis des Überlebens? Wenn das so ist, so die Aussage, dann ist der Preis keineswegs zu hoch. Dieses Prinzip sollte man aber tunlichst nicht auf Atombomben anwenden …

_7) Robert Silverberg: |Kolonist Wingert in der Klemme| (|Company Store|)_

Kolonist Roy Wingert ballert wild um sich, um die Kreaturen zu vernichten, die es auf ihn abgesehen haben. Er ist sauer, denn die terranische Kolonisationsbehörde hatte behauptet, dieser Kontinent wäre frei von solchem Kroppzeug. Da hört er eine Stimme hinter sich: „Darf ich Ihnen einen Taschenfeldgenerator anbieten, mit dem sie ein Sperrfeld errichten können?“ Aber immer doch! Das Feld hält die Viecher fern.

In der Verschnaufpause stellt sich der Besucher: ein Verkaufsroboter aus der Kleinen Magellanschen Wolke. Klingt harmlos, aber als der Blechkumpel verrät, er habe diese aggressiven Viecher extra zu diesem Verkaufszweck hierhergeschafft, bringt ihm das nicht gerade Pluspunkte ein. Wingert findet, der Robot müsste noch einiges über Verkaufsmethoden lernen. Er sagt ihm, er soll sich verziehen.

Wingert aktiviert den hier deponierten Materietransmitter und nimmt Verbindung mit der Erde auf, um Rasierklingen zu bestellen. Er kriegt eine Transportrechnung über 50 Dollar bei einem Warenwert von 1 Dollar. Moment mal! Doch seine Beschwerde wird abgeschmettert: Steht alles im Vertrag – Luxusgüter werden extra berechnet. Die Rückgabe kostet natürlich ebenso viel. Und bei der Konkurrenz dürfe er natürlich keinesfalls kaufen. Steht auch im Vertrag. Darauf steht eine Konventionalstrafe. Wingert rechnet aus, dass der Vertrag dafür sorgt, dass er bis zu seinem Lebensende in der Schuld der Company stehen wird. So sieht also moderne Sklaverei aus.

Der Roboter, der ihm das Enthaarungsgel angeboten hat, besteht jedoch seinerseits ebenfalls auf dem Kauf. Würde er seine Quote nicht erfüllen, würde man ihn demontieren. Mit gezücktem Desintegrator besteht der Robot darauf, dass Wingert den Feldgenerator bezahlt und mehr kauft. Das bringt den Kolonisten auf eine brillante Idee. Er stellt Kontakt mit der Erde her …

|Mein Eindruck|

Die Erfindung der Schuldknechtschaft liegt schon ein paar Jährchen zurück. Mehrere Jahrtausende, um genau zu sein. Und wie dem „Menschenhandel“-Buch von E. Benjamin Skinner zu entnehmen ist (ISBN 978-3-7857-2342-5; siehe meinen Bericht), ist diese Form der Sklaverei in vielen Gegenden der Welt noch so verbreitet, dass noch Millionen Menschen darunter leiden müssen.

Kolonist Wingert blickt jedoch auf Erfahrung mit Verkaufstypen wie dem Roboter zurück und kann dessen Drohung kühl hinnehmen, gibt sie ihm doch ein handfestes Argument gegenüber der Terra-Kolonisationsgesellschaft in die Hand: Was sich jetzt angesichts der Drohung als „lebensnotwendig“ (und nicht etwa ein Luxusartikel) ist, ist schlicht und ergreifend Geld. Und wenn die Company keines schickt, stellt das einen Vertragsbruch dar.

Es kommt, wie es kommen muss. Nach dem Vertragsbruch zerreißt Wingert das wertlose Papier und erklärt sich per Siedlerrecht zum Besitzer dieses Planeten. Eine ganze neue Verhandlungsposition für Wingert. Man sieht also, dass die Story einen gewissen Yankee-Witz verrät, einen Sinn für die praktischen Erfordernisse des Überlebens. Zum Beispiel Kaltschnäuzigkeit.

_Unterm Strich_

Während sich die meisten Beiträge dieser Storyauswahl mit den zeitbedingten Phänomenen beschäftigen, ragt Henry Kuttners Erzählung über den falsch programmierten Messias haushoch darüber hinaus. Profis wie Silverberg und Asimov mögen handwerklich top sein, doch Kuttner ist ihnen inhaltlich, wie auch stilistisch weit überlegen. Es ist nicht auszuschließen, dass seine Frau C.L. Moore daran mitgeschrieben hat. Die beiden benutzten auch viele Pseudonyme, um gemeinsame Arbeiten zu verkaufen.

Asimov greift die absehbaren Folgen der Verstädterung auf, Silverberg die Schuldknechtschaft in vielen Ländern, Budrys hingegen ist noch unter dem Eindruck der Kommunisten-Infiltration – so als könne ein Volk unterwandert werden. Hinter der öffentlichen Fassade existiert eine andere Welt. Ebenso auch in Bixbys kritischer Story über den dreijährigen Mutanten Anthony. Offensichtlich griffen mehrere Autoren die bürgerliche Fassade an. Doch nur Kuttner traute sich, das religiöse Fundament anzutasten.

Für den deutschen SF-Leser des Jahres 1976 waren diese Originalbeiträge – allesamt Erstveröffentlichungen von 1953 – willkommenes Lesefutter, um sich einen Überblick über die Entwicklung des Genres in den fünfziger Jahren zu verschaffen. Der Erfolg des TITAN-Formats mit seinen etwa zwei Dutzend Bänden gab Herausgeber Jeschke Recht. Auch die sorgfältige Übersetzung trägt noch heute zum positiven Eindruck bei. Ich fand nur einen einzigen Druckfehler.

|Taschenbuch: 143 Seiten
Im Original: Star Science Fiction 3+4, 1953, 1954, 1958 und 1959/1977
Aus dem US-Englischen von Walter Brumm und Horst Pukallus
ISBN-13: 978-3453304260|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

John Flanagan – Die Belagerung (Die Chroniken von Araluen 6)

_|Die Chroniken von Araluen|:_

John Flanagan arbeitete als Werbetexter und Drehbuchautor, bevor er das Bücherschreiben zu seinem Hauptberuf machte. Den ersten Band von „Die Chroniken von Araluen“ schrieb er, um seinen 12-jährigen Sohn zum Lesen zu animieren. Die Reihe eroberte in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in Australien.

Die Bände der Serie „Die Chroniken von Araluen„:

Teil 1: The Ruins of Gorlan, Random House, Melbourne 2004, ISBN 0-7593-2075-6
Die Ruinen von Gorlan, cbj, München 2006, Übersetzer Karlheinz Dürr, ISBN 3-570-27072-6
Teil 2: The Burning Bridge, Random House, Melbourne 2005, ISBN 1-74166-090-4
Die brennende Brücke, cbj, München 2006, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 3-570-27073-4
Teil 3: The Icebound Land, Random House, Melbourne 2005, ISBN 1-74166-021-1
Der eiserne Ritter, Omnibus, München 2008, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 3-570-21855-4
Teil 4: Oakleaf Bearers, Random House, Melbourne 2006, ISBN 1-74166-082-3
Der Angriff der Temujai-Reiter, cbj, München 2009, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22065-8
Teil 5: The Sorcerer in the North, Random House, Melbourne 2006, ISBN 1-74166-128-5
Der Krieger der Nacht, cbj, München 2009, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22066-5
Teil 6: The Siege of Macindaw, Random House, Melbourne 2007, ISBN 1-74166-134-X
Die Belagerung, cbj, München 2011, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22222-5
Teil 7: Erak’s Ransom, Random House, Melbourne 2007, ISBN 1-74166-209-5
Der Gefangene des Wüstenvolks, cbj, München 2012, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22229-4
Teil 8: The Kings of Clonmel, Random House, Melbourne 2008, ISBN 978-1-74166-301-3
Die Befreiung von Hibernia, cbj, München 2012, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22342-0
Teil 9: Halt’s Peril, Random House, Melbourne 2009, ISBN 978-1-74166-302-0
Der große Heiler, cbj, München 2012, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22343-7
Teil 10: The Emperor of Nihon-Ja, Random House, Melbourne 2010, ISBN 978-1-74166-448-5
Die Schwertkämpfer von Nihon-Ja, cbj, München 2013, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22375-8
Teil 11: The Lost Stories, Random House, Melbourne 2011, ISBN 978-1-86471-818-8
Die Legenden des Königreichs, cbj, München 2014, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22486-1
Teil 12: A New Beginning, Random House, Melbourne 2013, ISBN 978-1-86471-819-5
Das Vermächtnis des Waldläufers, cbj, München 2015, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22508-0
Teil 13: The Red Fox Clan, Philomel Books, New York 2018, ISBN 978-1-5247-4138-9
Königreich in Gefahr, cbj, München 2019, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-31255-1
Teil 14: Duel at Araluen, Philomel Books, New York 2019, ISBN 978-1-5247-4141-9
Im Bann des dunklen Ordens, cbj, München 2020, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-31269-8
Teil 15: The Missing Prince, Philomel Books, New York 2020, ISBN 978-0-593-11345-5
Die Verschwörung von Gallica, cbj, München 2021, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-31389-3
Teil 16: Escape From Falaise (Erscheinung 1. Dezember 2022)
Flucht aus dem Kerker (Erscheinung 14. Dezember 2022)

Die Chroniken von Araluen – Wie alles begann (Ranger’s Apprentice – The Early Years)
Teil 1: The Early Years, The Tournament at Gorlan, Random House, Melbourne 2015, ISBN 978-1-74275-930-2
Wie alles begann, Das Turnier von Gorlan, cbj, München 2017, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22625-4
Teil 2: The Early Years, Thema Battle of Hackham Heath, Philomel Books, New York 2016, ISBN 978-0-399-16362-3
Wie alles begann, Die Schlacht von Hackham Heath, cbj, München 2018, Übersetzerin Angelika Eisold-Viebig, ISBN 978-3-570-22631-5

_Finale auf Burg Macindaw: Showdown im Burgfried_

Sein ganzes Leben hat der 15-jährige Waisenjunge Will davon geträumt, ein Ritter zu werden wie sein Vater. Weil er aber zu klein und schmächtig ist, wird er dem geheimnisvollen Waldläufer Walt als Lehrling zugeteilt. Als das Königreich Araluen von einem alten Feind und dessen ungeheuerlichen Kreaturen angegriffen wird, muss Will sich bewähren und stellt fest, dass das Leben eines Waldläufers viele Herausforderungen, aber auch besondere Möglichkeiten birgt …

Band 5: Kaum hat Will Hallas seine Ausbildung zum Waldläufer abgeschlossen, bekommt er es mit übernatürlichen Mächten zu tun. Zunächst hält er die Gerüchte über Hexerei für blanken Unsinn. Doch dann erblickt er im Wald die unwirkliche Gestalt eines dunklen Kriegers. Will muss sich einem Kampf stellen, auf den ihn keine Ausbildung der Welt vorbereiten konnte …

Band 6: Burg Macindaw wird von Verrätern besetzt gehalten. Es ist an Will, die Verteidigung gegen eine drohende Invasion der Skotten aufzustellen. Mit Mut und Einfallsreichtum – und der Hilfe eines alten Freundes – macht sich Will an seine erste geheime Mission im Dienste des Königs …

_Der Autor_

John Flanagan, geboren 1944, arbeitete als Werbetexter und Drehbuchautor, bevor er das Bücherschreiben zu seinem Hauptberuf machte. Den ersten Band von „Die Chroniken von Araluen“ schrieb er, um seinen 12-jährigen Sohn zum Lesen zu animieren. Die Reihe eroberte in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in Australien. (Verlagsinfo)

_Vorgeschichte_

Als Gaukler und Musikant verkleidet macht sich Will auf den Weg ins Nordland. Als Waldläufer würden die Leute ihm nur mit Misstrauen begegnen und keinen Ton sagen, was wirklich dort vorgehe, meinen seine Ausbilder Walt und Crowley. Dies soll sich schnell als richtiges Urteil erweisen, denn erst nachdem Will zwei Abende in einem Gasthaus aufgespielt hat, rückt der Wirt mit der Sprache heraus und gibt ihm den Tipp, sich vor dem Sumpfwald Grimsdell zu hüten. Will beschließt, sich daran zu halten, aber der Sache auf den Grund zu gehen.

Während Lord Orman ihn kühl begrüßt, weil er nichts für Musikanten und Gaukler übrighat, ist Sir Keren umso freundlicher. Schon nach dem ersten Abend mit Musik findet Will Gelegenheit, mit seiner treuen Hündin den Wald von Grimsdell zu erkunden. Prompt stößt er auf das Gespenst, das „Krieger der Nacht“ genannt wird. Es warnt ihn eindringlich davor, länger zu verweilen, und ermahnt ihn zu verschwinden, solange noch Zeit ist. Will nimmt die Beine in die Hand und verduftet aus dem gruseligen Wald.

Als tags darauf Lady Gwendolyn von Almare eintrifft und Lord Orman ihre Aufwartung macht, ist Will überaus erleichtert, in ihr seine zuverlässige Alyssa wiederzuerkennen. Natürlich darf niemand von ihrem engen Bund wissen und so verstellen sich beide. Sie beschließen, zusammen dieser mysteriösen Burg auf den Grund zu gehen und wenn es ihre Seelen kosten sollte.

Die beiden entdecken im Sumpf ein paar verräterische Hinweise, die mehr mit weltlichen als übernatürlichen Ursprüngen zu tun haben. Wenig später stellen sich die Verhältnisse auf Burg Macindaw als ganz anders gelagert dar, als Will sie bisher aufgefasst hat. Er hielt Orman für den Schurken und Keren als den guten Kumpel, doch hat er sich offenbar vom äußeren Anschein blenden lassen – genau wie alle anderen hinsichtlich des Kriegers der Nacht im Wald. Das Ende: Alyssa ist gefangen und der Gegner hat die Burg in seiner Hand, die Skotten sind bereits auf dem Vormarsch.

_Handlung_

Will muss die Belagerung der Burg organisieren. Mit großem Glück entdeckt er die 25 Nordmänner Gundar Hardstrikers, deren Langboot gestrandet ist. Gundars Gefangener John Buttle ist in die Burg entkommen. Wenig später findet Will heraus, dass Buttle im Auftrag seines Herrn Lord Keren Leute rekrutieren will – doch er wird nicht fündig.

Der Mann, der ihm dies sagt, ist kein anderer als der Ritter vom Eichenblatt – Horace, der sich unter dem Decknamen „Hawken“ nach einer Anstellung als freier Ritter umsieht. Die Wiedersehensfreude der beiden Freunde ist natürlich riesig, und sie feiern den Anlass auf der Lichtung des Heilers Malcolm, dem vormaligen Zauberer Malkallam. Hier organisiert Will den Widerstand gegen Lord Keren.

Und er plant die Befreiung Alyssas, die von Lord Keren im obersten Stockwerk des Turms eingesperrt worden ist. Alyssa gelingt es, Will mit Lichtzeichen auf sich aufmerksam zu machen. Es sind die Lichtzeichen der Waldläufer, die anderen unverständlich sind. Aufgrund der Verständigung, die sie erreichen, kann er ihr Malcolms Zauberstein per Kurierpfeil in die Kemenate schießen.

Nun verfügt sie über einen Schutz gegen Lord Kerens eigenen Zauberstein und plaudert nicht mehr alles aus. Dadurch erfährt sie ihrerseits, dass die Skotten im Anmarsch sind, und alarmiert Will entsprechend. Dieser kann sich nun bestens auf Kerens Verbündete vorbereiten. Der Skottengeneral bringt allerdings nur ein gutes Dutzend Soldaten – soll dies schon alles seiner Armee sein oder ist dies bloß die Vorhut, fragen sich Will und Horace.

Als der General wieder aus der Burg kommt, um zu seiner Armee jenseits des Passes zurückzukehren, legen ihm Will, Horace und ihre Nordländer einen Hinterhalt. Während sie mit dem Rest des Haufens leichtes Spiel haben, stellt sich der Skottengeneral als harter Brocken heraus, mit dem Will alle Mühe hat. Er muss sogar sein Leben riskieren …

_Mein Eindruck_

Das Hauptthema dieses Bandes ist, wie schon zuvor, die Treue. Diese nimmt zahlreiche Formen an, die allesamt auf den Prüfstand gestellt werden. Die wichtigste Form der Treue ist die Freundschaft zwischen Will und Horace, hier aber auch die problematischste. Will neigt als Agent in geheimer Mission dazu, die Leute herumzukommandieren, doch das lässt sich der Ritter vom Eichenblatt natürlich nicht ohne Weiteres gefallen. Horace muss lernen, Will und dessen Pläne zu verstehen, um ihm helfen zu können.

Wills Freundschaft zu Alyssa geht inzwischen über Kameradschaft und Kollegialität – sie ist ja königlicher Kurier in geheimer Mission – weit hinaus. Doch kaum hat Will erkannt, dass er die eingekerkerte Lady liebt, wird diese Liebe bereits auf das Äußerste gefährdet. Lord Kerens Zaber bringt nämlich Alyssas Geist per Hypnose unter seine Kontrolle. Er befiehlt ihr, den zu ihrer Befreiung heranstürmenden Will mit Kerens Schwert zu töten. Und es sieht ganz danach aus, als würde sie ihm gehorchen. Doch es gibt ein Zauberwort, das selbst diesen Bann brechen kann …

Lord Keren ist der Inbegriff der gebrochenen Treue in dieser Geschichte. Er hat seinen Herrn, Lord Syron, vergiftet und es bei Lord Ormand fast geschafft. Dieser konnte gerade noch rechtzeitig (in Band 5) in den Wald in Sicherheit gebracht werden, wo sich Malcolm, der Heiler, um ihn kümmerte. Nun sieht Keren, als er sich mit Alyssa unterhält, nur noch einen Ausweg, sobald die Skotten die Burg in ihre Gewalt gebracht haben werden: Ins Ausland gehen, um ein Lehen zu erwerben. Für diesen zweiten Verrat an der Burg bittet er Alyssa, mit ihm zu gehen. Wird sie einwilligen?

Den absoluten Tiefpunkt in puncto Treue bildet John Buttle. Der Raufbold und Gesindelkommandeur auf Kerens Burg ist das Inbild des Opportunisten. Seine Treue, sofern existent, gehört niemandem, der ihn nicht bezahlt. Er findet ein verdientes ruhmloses Ende, als Wills Leute die Burg stürmen.

Will erweist sich als ein Mann, der Treue in anderen inspiriert, ähnlich wie Aragorn. So gelingt es ihm, die Waldbewohner auf seine Seite zu ziehen, die von Malcolm beschützt werden. Ebenso gelingt es ihm, die Nordmänner unter Gundar hinter sich zu scharen, und nachdem er selbst den Dümmsten unter ihnen besiegt hat, folgen sie ihm selbst noch dann, als seine Pläne echt kompliziert werden.

Dies alles wäre aber notwendig, wenn der ortsansässige Waldläufer, ein Typ namens Melanor, seinen Job gemacht hätte. Melanor hat es sich jedoch im fernen Norgate, der Grenzfestung Araluen, einfach zu gut gehen lassen und in Macindawr nicht nach dem Rechten gesehen. Er hat es verdient, dass er abgelöst wird, finden die Chefs der Waldläufer, Walt und Crowley.

Aber nicht durch Will, stellt dieser erleichtert fest. Und so kann der junge Waldläufer zufrieden in sein eigenes Schutzgebiet auf der Insel Seacliff heimkehren. Allerdings fehlt ihm etwas Entscheidendes zu seinem Glück, wie er bekümmert feststellt: Er vermisst die liebe Alyssa. Da erreicht ihn zusammen mit anderen Botschaften und Dingen ein Brief der königlichen Kurierin, mit einer ganz besonderen Botschaft …

_Die Übersetzung _

Inzwischen hat sich ein Muster im Aufbau der Serie abgezeichnet: Es handelt sich um Doppelromane. Die ersten zwei Romane ergaben eine ganze Geschichte, ebenso Band 3 und 4. Und da es sich hier um Band 6 handelt, ist dies die zweite Hälfte, die aus Band 5 ein Ganzes ergibt.

Dem Text ist eine Karte des Geländes um die Burg Macindaw vorangestellt. Allerdings wird die sonst übliche Karte von Araluen schmerzlich vermisst. Diese muss der Leser in den vorangegangenen Bänden suchen, v.a. in Band 1 und 2.

Die Übersetzung ist sehr gut gelungen und inhaltlich fehlerfrei. Es fanden sich jedoch Druckfehler auf den Seiten 192, 239 und 331.

_Unterm Strich_

Um diesen zweiten Teil des Doppelromans zu verstehen, ist natürlich Kenntnis des Bandes „Der Krieger der Nacht“ notwendig. Das sollte für Fans dieser Reihe jedoch kein Problem darstellen – es sei denn durch die lange Wartezeit, die zwischen den beiden Erscheinungsterminen verstrichen ist.

Ich fand diese zweite Hälfte des Doppelromans durchaus spannend in der ersten und in der zweiten Hälfte, ab etwa Seite 200 zudem richtig actionreich und humorvoll. Zwischen diesen beiden Hälften liegt eine kleine Durststrecke, in der Will einen Plan finden und dann den anderen erklären muss, wie er die Burg zu erstürmen gedenkt: mit List und Tücke, wie sonst? Hier muss der Leser sich gedulden, bis der Plan in die Tat umgesetzt wird – eine Sache von etwa 40 Seiten.

Die erste Hälfte gipfelt in der Gefangennahme des Skottengenerals in einer tollen Actionsequenz. Danach geht es darum, dem ziemlich harten Brocken seine Geheimnisse zu entlocken: Wann soll die Invasion der Skotten aus Picta erfolgen? Bleibt noch Zeit, bis der Ersatz aus Norgate kommt oder müssen die Waldläufer, Waldbewohner und Nordmänner – also nur eine Handvoll Leute – vorher die schwer verteidigte Burg erstürmen, in deren Kerker Alyssa schmachtet?

Um den General zu überreden, kommt es zur einzigen Fantasy-artigen Szene dieses an übernatürlichen Elementen nicht gerade reich gesegneten Bandes. Ich Fantasy-artig, weil auch die Spezialeffekte, die dem General das Erscheinen eines Dämons von schrecklichem Erscheinungsbild vorgaukeln, alle rational erklärt werden. Ich fand diese Szene deshalb sehr ironisch, doch sie verfehlt ihre Wirkung nicht, wenn man an das Übernatürliche glaubt.

Den absoluten Höhepunkt des Bandes hat der Autor natürlich für das Finale aufgespart: Es ist die Szene in Alyssas Gefangenenquartier im großen Turm. Alyssa, von Keren hypnotisiert, wendet sich gegen ihren Freund Will und soll ihn töten. Mehr darf nicht verraten werden, aber allein diese höchst emotionale Szene lohnt die Lektüre, wenn man die drei Freunde Will, Alyssa und Horace mag.

Sieht man also von dem Durchhänger in der Mitte ab, so bekommt man als Fan der Reihe eine Menge Spannung, Romantik, Action und Humor für sein Geld. Und sobald Will zu seiner Liebsten galoppiert ist, werden wir die drei Freunde im nächsten Band wiedersehen.

Fazit: Vier von fünf Sternen.

|Taschenbuch: 384 Seiten
Originaltitel: The Siege of Macindaw (Ranger’s Apprentice 6) (2007)
Aus dem Australisch-Englischen von Angelika Eisold-Viebig
ISBN-13: 978-3570222225|
[Verlagshomepage]http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp

McDonald, L.J. – Krieger der Königin, Die

_Solie ist_ ausgerissen. Ihr Vater hat es sich in den Kopf gesetzt, sie zu verheiraten, an einen Mann, den sie abstoßend findet. Solie hofft, bei ihrer Tante unterzukommen. Doch unterwegs begegnet sie drei Soldaten aus der Hauptstadt. Und die waren gerade auf der Suche nach einem Mädchen wie ihr …

_Zu Beginn_ der Lektüre könnte man meinen, die Hauptfigur des Buches sei Devon mit seiner Luftsylphe Airi. Erst nach ein paar Seiten stellt sich heraus, daß es hauptsächlich um Solie geht.

Solie ist ein junges Mädchen von siebzehn Jahren, das unter dem Einfluss seiner Tante mehr Selbstbewusstsein entwickelt hat, als seinem Vater lieb ist. Trotzdem ist sie noch jung und unerfahren und muss in ihre Rolle erst hineinwachsen.

Leon Petrule dagegen weiß genau, wie die Welt funktioniert. Er besitzt Erfahrung, Weitsicht und Durchsetzungsvermögen, ein geborener Anführer. Was ihn von seiner Umgebung am Hof unterscheidet, ist sein Gefühl für Anstand und Ehre, auch den Sylphen gegenüber.

Leons Sylph Ril weiß diesen Anstand durchaus zu schätzen, was das Verhältnis zu seinem Meister sehr kompliziert …

Letztlich hat dieser Charakterentwurf zur Folge, daß Nebenfiguren Solie ein wenig den Rang ablaufen. Das junge Mädchen ist zwar zur Abwechslung mal nicht die junge Heldin, die sofort alles im Griff hat, dafür ist sie so stark auf ihren eigenen Sylphen Hedu fixiert, dass ansonsten kaum noch etwas von ihr übrig bleibt, und sie recht blass und farblos wirkt. Rils zerissenes Verhältnis zu seinem Meister gab da wesentlich mehr her.

Gut gefallen hat mir die Idee der Sylphen, wobei der Begriff hier nicht nur für Geister der Luft verwendet wird, sondern auch die übrigen Elemente umfasst sowie außerdem zusätzlich den Aspekt der Heilung und des Kampfes. Die Elementarsylphen sind sich untereinander recht ähnlich, zwar jeweils mit Fähigkeiten entsprechend ihres Elementes ausgestattet, aber alle sanftmütig und freundlich. Ausnahme sind die Krieger, die einzigen männlichen Sylphen. Sie sind ausgesprochen aggressiv gegenüber allen Männchen, die nicht zu ihrem Volk – oder Stock, wie es hier genannt wird – gehören. Denn ihre Hauptaufgabe ist es, die Königin zu beschützen.

Das klingt jetzt für alle, die Anne Bishop gelesen haben, ziemlich nach Blutleuten. Aber ab und zu sind Ähnlichkeiten in den Massen von Neuerscheinungen einfach unvermeidlich, und tatsächlich ist es so, dass die Unterschiede die Ähnlichkeiten bei Weitem überwiegen. McDonalds Welt ist – abgesehen von dem grausamen Ritual, mit dem Kriegersylphen beschworen werden – weit weniger düster als Bishops, und auch die Sexualität spielt – wiederum abgesehen von der Erhebung einer Königin – lediglich eine Nebenrolle.

Die Handlung als solche ist ebenfalls weit weniger grausam als die um Jaenelle. Solie besitzt keine eigene Magie und ist auch von ihrem Naturell her wesentlich sanfter und gutmütiger. Ähnliches gilt auch für den Antagonisten, der nicht wie Dorothea bewusst grausam ist, weil er die Qualen der Unterlegenen genießt, sondern einfach nur ignorant. So erzählt die Geschichte letztlich, wie ein Königreich allmählich in einen Krieg schlittert, nur weil sich die Macht nicht für Motive und Ursachen interessiert. Dabei spielt es eine nicht unerhebliche Rolle, dass die Menschen offenbar so gut wie nichts über die Geschöpfe wissen, die sie da in so großer Zahl beschwören und versklaven.

_Unterm Strich_ fand ich die Ideen und den Verlauf der Geschichte durchaus eigenständig genug, um in dem Buch mehr zu sehen als eine weichgespülte Wattevariante des |Juwelenzyklus|‘. Mag sein, dass L. J. McDonalds Buch nicht denselben Sog entwickelt, wie ihn die ersten drei Bände um Jaenelle erzeugten. Auch die Charakterzeichnung ist bei Weitem nicht so intensiv und eindringlich geraten. Trotzdem waren hier eine Menge sympathischer Figuren geboten, vor allem Ril und Leon, aber auch die Witwe mit ihrem Kochlöffel, die für so manchen Schmunzler sorgte und leichte Ausrutscher ins Klischee, vor allem unter den Höflingen, ausglich. Und das Ende des Buches macht durchaus neugierig auf die Fortsetzung. Alles in allem vielleicht nicht die absolut mitreißendste Lektüre, aber durchaus nette und angenehme Unterhaltung.

_L.J. McDonald_ ist Kanadierin und begann mit dem Schreiben auf die Ermunterung ihres Englischlehrers hin. Ein Schreibwettbewerb im Jahr 2008, den sie nicht gewann, brachte dennoch den Durchbruch. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Geschichte um Solie und ihre Kriegersylphen bereits aus vier Bänden, die auch auf Englisch noch nicht alle veröffentlicht sind. Der zweite Band erscheint auf Deutsch unter dem Titel „Falkenherz“ voraussichtlich im Januar 2012. Die Autorin arbeitet derweil an neuen Ideen für ihren nächsten Zyklus.

|Taschenbuch: 412 Seiten
Originaltitel: The Battle Sylph
Ins Deutsche übertragen von Vanessa Lamatsch
ISBN 978-3426508619|
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de/home
[ljmcdonald.blogspot.com]http://ljmcdonald.blogspot.com/

_|Die Krieger der Königin|:_
Band 1: _“Die Krieger der Königin“_
Band 2: „Falkenherz“ (06.01.2012)
Band 3: „A Midwinter Fantasy“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Queen of the Sylphs“ (September 2011, noch ohne dt. Titel)

Mark Lawrence – Prinz der Dunkelheit (The Broken Empire 1)

The Broken Empire:
Band 1: „Prinz der Dunkelheit“
Band 2: „King of Thornes“ (noch ohne dt. Titel)

Jorg war einst ein Prinz. Bis zu dem Tag, an dem er erkennen musste, dass sein Vater für den Mord an Mutter und Bruder keine Rache nehmen würde. Jetzt ist Jorg ein Straßenräuber übelster Sorte, geplagt von Alpträumen aus Schuldgefühlen und Hass. Und er ist auf dem Weg zu seines Vaters Burg, um ihn herauszufordern …

Die Mitglieder von Jorgs Räuberbande sind größtenteils Nebenfiguren. Selbst über die beiden, die einigermaßen wichtig sind, gibt es im Grunde nichts zu sagen, zumal der eine das Ende des Buches nicht erlebt.

Bleibt die Hauptfigur, Jorg. Der Junge ist vor allen Dingen stur, er neigt dazu, stets das Gegenteil von dem zu tun, was man ihm sagt. Außerdem ist er für sein Alter ungewöhnlich brutal und skrupellos, gleichzeitig ist er aber immer noch ein Kind, das sich mit Selbstvorwürfen quält und sich nach Anerkennung durch seinen Vater sehnt.

Jorg erzählt seine Geschichte selbst, nicht nur, was passiert, sondern auch, was er denkt und fühlt. Er bleibt dabei in der Regel ziemlich nüchtern, weitschweifige Beschreibungen fehlen. Nur wenige Details werden knapp und präzise ausgedrückt. Dennoch gelingt es dem Autor auf diese Weise hervorragend, nicht nur Jorgs Persönlichkeit selbst lebendig und plastisch darzustellen, sondern auch die Beziehungen zu den Personen um ihn herum.

Genauere Beschreibungen der Welt fehlen ebenfalls. Was den Ort des Geschehens interessant macht, sind die Andeutungen, die immer wieder eingestreut sind und dem Leser ziemlich vertraut vorkommen. Gleichzeitig gibt es Magie, Vampire und Geister. Eine recht ungewohnte Mischung.

Die Handlung ist zweigeteilt. Parallel wird erzählt, wie es kam, dass Jorg die heimatliche Burg verlassen hat, und wie er wieder zurückkehrt, wobei die Rückblenden die Motive und Erklärungen für den Hauptstrang liefern. Der zeitliche Ablauf ist dabei geschickt aufeinander abgestimmt. Und auch die einzelnen Aspekte der Haupthandlung – Jorgs Charakterentwicklung, sein gespanntes Verhältnis zum Vater, die Entwicklung des eigentlichen Plots – sind gekonnt ausbalanciert.

Ich kann nicht sagen, dass es Spaß gemacht hat, dieses Buch zu lesen. Auch würde ich es nicht unbedingt als spannend bezeichnen. Der Begriff, der am ehesten darauf passt, ist fesselnd. Der Autor hat es verstanden, seine Geschichte so zu gestalten, dass sie in jeder Hinsicht Interesse weckt. Die Erwähnung von aus flüssigem Stein gegossenen Mauern und Büchern mit Seiten aus „Plastick“ verleihen dem Entwurf der Welt nicht nur eine gewisse Würze, sie machen den Leser auch neugierig darauf, was in der Vergangenheit dort geschehen sein mag. Der Plot entwickelt sich in einem eleganten Bogen, der weit genug ist, um nicht eckig zu wirken, aber dennoch verhindert, dass der Leser bereits zu Beginn des Buches das Ende sehen kann. Vor allem aber fasziniert die Figur des Jorg, denn je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher steht die Frage im Raum, wer dieser Junge eigentlich wirklich ist.

Auch sprachlich fand ich das Buch sehr gelungen. Die eher nüchterne Erzählweise verhinderte blutgetränkte Ekelexzesse, wie sie in der Fantasy leider nur zu häufig vorkommen, brachte aber trotzdem die Brutalität der Räuber immer noch deutlich genug zum Ausdruck, ebenso wie Jorgs Zerissenheit oder Katherines Interesse an dem jungen Prinzen. Tatsächlich erzeugte das Fehlen nahezu jeglicher Ausschmückung hier seine ganz eigene Stimmung und wirkte im Hinblick auf die Hauptperson und die Ich-Form der Erzählung weit authentischer als episch ausgeschmückte Prosa.

Mit anderen Worten, ein gelungener Einstieg in einen vielversprechenden Zyklus. Einziger Wermutstropfen: Der Originaltitel „Prince of Thorns“ wurde – aus welchem Grund auch immer – mit „Prinz der Dunkelheit“ übersetzt. Wahrscheinlich, weil alles, was mit Dunkelheit zu tun hat, gerade modern ist!

Mark Lawrence arbeitet hauptberuflich als Wissenschaftler an der Entwicklung künstlicher Intelligenz. „Prinz der Dunkelheit“ ist sein erster Roman, außerdem hat er einige Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Er lebt mit seiner Familie in England.

Taschenbuch: 380 Seiten
Originaltitel: Prince of Thornes
Ins Deutsche übertragen von Andreas Brandhorst
ISBN 978-3453528253

www.princeofthorns.com/index.html
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Besher, Alexander – Virtual Tattoo (Rim-Trilogie 2)

_Die |RIM|-Trilogie:_

1) „Rim“ (1994, „Satori City 2.0“, dt. 1996)
2) „Mir“ (1998, _“Virtual Tattoo“_, dt. 1999)
3) „Chi“ (1999, „Cyber Blues“, dt. 2001)

_Spielzeugland Cyberspace_

Nachdem Alexander Besher bereits mit „Satori City 2.0“ eine furiose Mischung aus Cyberspace-Opera, Thriller und Fernost-Esoterik-Trip abgeliefert hatte, bietet er mit „Virtual Tattoo“ gewissermaßen eine Fortsetzung.

Hieß das erste Buch im Original noch „RIM“ – englisch für Rand – , so heißt „Virtual Tattoo“ im Original „MIR“ – russisch für Frieden, Welt. Auch hier taucht der Held des Romans „RIM“, Frank Gobi, wieder auf. Die Hauptrolle spielt nun jedoch sein Sohn Trevor. Dass es sich bei „Virtual Tattoo“ um ein Drama handelt, macht die Einteilung des Romans in drei Akte, zwei Pausen sowie Pro- und Epilog deutlich.

_Der Autor_

Alexander Besher war Chefredakteur der Zeitschrift „Chicago Review“, bevor er eine erfolgreiche japanische Krimiserie entwickelte und Schriftsteller wurde. „Satori City 2.0“, der Startband der „RIM“-Trilogie, war sein erster Roman. Dass Besher als Sohn weißrussischer Eltern in China geboren wurde und in Japan aufwuchs, merkt man seinen Romanen auf jeder Seite an: Die Kultur, Sprache und das Verhalten des Fernen Ostens sind ihm so geläufig wie nur wenigen anderen Autoren.

Dass der Autor mit dem Fernen Osten so vertraut ist, setzt allerdings beim westlichen SF-Leser ebenfalls eine gewisse Vertrautheit voraus. Gibson leistete zwar schon Vorarbeit, aber Besher geht doch weit über die „Neuromancer“-Trilogie hinaus.

Heute lebt er in San Francisco, wo er als Journalist über Technologietrends berichtet. In den letzten zehn Jahren veröffentlichte er die Kabbala-Trilogie, die Supernatural-Horror und Thriller verknüpft, sowie zwei Bände über den Manga Man. Sein Debütroman „Satori City 2.0“ wurde für den Philip K. Dick Award nominiert.

_Handlung_

Im Jahr 2036 ist ein neuer Kalter Krieg ausgebrochen, diesmal aber im Cyberspace. Da dies aber nicht mehr nur das Internet und die dreidimensionalen „Avatars“ darin umfasst, sondern auch die Schnittstellen zum menschlichen Geist und Körper, bedrohen die Mächte, die im Cyberspace das Sagen haben, letzten Endes alle Menschen, die mit dem Cyberspace arbeiten.

Ein russischer Hacker hat über die Raumstation MIR ein außerirdisches intelligentes Software-Virus eingefangen und „veredelt“. Es wird vom Geheimdienst zur Bestrafung von Verbrechern in einem geistigen Gulag benutzt. Leider kommt es dem Abteilungsleiter, Graf Viktor Trobolski in Nizza abhanden. Zwei unbeteiligte US-Touristen kehren damit nach San Francisco zurück: Nelly und Trevor Gobi, unser alter Bekannter.

Wie sich zeigt, benutzt das Virus zur Ausbreitung Tätowierungen, die mit ihrem Träger interagieren, also halb intelligent sind. MIR 3.0 bewegt sich sehr bald schon durch den Cyberspace, und von Tattoo zu Tattoo breitet er sich auf der Erde aus. Seine erste Wirtin, Nelly, transformiert er und verhilft ihr zu höherem Bewusstsein. Ihr Freund Trevor macht sich mit Recht Sorgen um sie, wird aber abgelenkt durch eine heiße Affäre mit einer Regierungsagentin, Alex Fortuna, die illegal eingewanderte Avatars im Cyberspace bekämpft und sich auffallend für Nelly interessiert. Natürlich sind auch die russischen Hacker hinter Nelly und ihrem Virus her.

Was nun aussieht, als ob es auf eine Katastrophe zusteuert, findet doch noch ein Happy End – auf einem esoterischen Cyberspace-Woodstock-Festival. Nelly und Trevor finden wieder zueinander, und die Bösen finden ihr gerechtes Ende.

_Mein Eindruck_

Besher ist leider weit entfernt von der Innovationskraft und Kritikfähigkeit William Gibsons („Neuromancer“, „Idoru“). Vielmehr schwelgt er in der Lust an sprachlichen Spielereien, ergötzt den Leser mit einem bunten Ramschladen von Esoterik-Schnickschnack, und führt schließlich alles zu einem guten Ende. Bei ihm ist die Welt zwar gefährlich, aber am Schluss stets gerecht. So können die zwei Hauptfiguren, Nelly und Trevor, zwar wie die Traumwandler von Gefahr zu Gefahr taumeln, sie finden jedoch überall einen hilfreichen Freund, und sei es auch eine Bande Taxi fahrender tibetischer Mönche. „Lonley Planet“ lässt grüßen!

Seine Handlung würzt Besher mit zahlreichen Neben-Erzählungen und Rückblenden, die lästiger- und überflüssigerweise in Kursivschrift gesetzt sind – ebenso übrigens wie die Gedanken der Figuren. Das ist wirklich penetrant. Offenbar soll hier jedem 15-Jährigen klar werden, was gerade Sache ist. Auch die zahlreichen erotischen Szenen sprechen pubertierende Boys and Girls an, und Besher schreckt dabei vor keinem Klischee zurück. Immerhin liest sich sein Garn äußerst flüssig, wenn man es mit der Logik nicht so genau nimmt.

|Taschenbuch: 344 Seiten
Originaltitel: MIR (1998)
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Nagula
ISBN-13: 978-3442250110|
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann

Frenz, Bernd – Bannkrieger

_Rorn ist auf_ Fasanenjagd. Der junge Schmied will seiner Liebsten ein paar Schwanzfedern für einen Fächer verehren. Doch seine Jagd wird von zwei Reitertrupps gestört. Und so gerät der junge Mann unversehens mitten hinein in eine Auseinandersetzung von lebensbedrohlichen Ausmaßen …

_Rorn ist im_ Grunde ein gutmütiger Kerl, trotzdem sollte man es sich gut überlegen, ehe man ihn oder jemanden, der ihm teuer ist, bedroht. Ruppel ist ein eingebildeter Dummkopf, Nispe ein Waschlappen und Mea ein verwöhntes, hochnäsiges Balg. Und Alvin und Bornus sind zwar mit Zerbe verbündet, aber im Gegensatz zum Hormuk nicht auf den Kopf gefallen.

Mehr gibt es zu den Charakteren eigentlich nicht zu sagen. Zerbe ist keine Person, deshalb hat er keinen Charakter, und alle übrigen, sind zwar nachvollziehbar geschildert und teilweise auch durchaus sympathisch, aber mehr als das ist nicht geboten. Einzig die Frage, wer hier eigentlich die Guten und wer die Bösen sind, macht die Figurenkonstellation kurzzeitig interessant. Leider ist die Antwort nur zu bald absehbar.

Auch dem Entwurf seiner Welt hat der Autor bisher nicht allzu viel Mühe angedeihen lassen. Die Vergangenheit wird nur kurz gestreift, die erwähnten Fabelwesen sind alle ausgestorben. Das Einzige, was den Handlungsort noch von einem beliebigen, ländlichen Gebiet in Mitteleuropa unterscheidet, sind die nicht menschliche Leibwächterin Meas und die Magie.

Über das Volk der Phaa erfährt der Leser so gut wie nichts, diese Rasse bleibt völlig auf den Charakter der Leibwächterin beschränkt. Die Magie manifestiert sich in dreierlei Formen. Die Magie der Greifen wird lediglich gestreift. Die Magie der Lederhäuter basiert auf Insekten. Eine interessante Idee, wenn auch aufgrund der Masse gelegentlich leicht unappetitlich. Und dann gibt es da noch die Jadepriester. Ihre Macht ist die einzige, deren Funktionsweise näher erläutert wird. Im Zentrum ihrer Magie steht ein Edelstein namens Schattenjade, den die Jadepriester als Speicher für ihre magischen Kräfte benutzen. Diese gebündelte Macht kann lediglich von der Jadeträgerin eingesetzt werden. Denn nur sie ist unschuldig …

So weit die Theorie. Die Praxis der Handlung sorgt allerdings schon bald für Widersprüche. Nachdem nämlich erst einmal klar war, welche Art von Unschuld für das Wirken der Banne erforderlich ist, fragte ich mich, warum eigentlich alle Mea so wichtig nehmen. Jedes beliebige naive und unwissende Ding könnte sie ersetzen. Zumindest wird nirgendwo ein Grund dafür genannt, warum das nicht möglich sein sollte. Vielleicht war es angesichts dessen besser, dass Bernd Frenz kein Wort darüber verlauten lässt, wie die anderen Formen der Magie funktionierten. Noch besser hätte es mir allerdings gefallen, wenn der Autor diesen grundlegenden Teil seiner Geschichte genauer und sorgfältiger ausgestaltet hätte.

Und nicht nur diesen Teil. Auch sonst lässt die Handlung einige Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel, wie der Anführer der Lederhäuter, die Rorns Dorf angegriffen haben, an einen Umhang der ALTEN gekommen ist. Oder wieso die Ruinen der alten Greifenfestungen sich auf einmal von selbst wieder aufbauen. Und wie kommt es, dass in einem Land, das über Berufssoldaten verfügt, ein einfacher Schmied seinen Sohn im Schwertkampf unterrichtet hat? Und dass dieser Sohn später ein besserer Kämpfer ist als nahezu alle Soldaten, denen er über den Weg läuft, und zwar völlig unabhängig von der Tatsache, dass er ein Bannkrieger ist?

Mit anderen Worten, Bernd Frenz hat die äußeren Umstände seiner Geschichte vernachlässigt und sich statt dessen voll auf die Handlung als solche konzentriert. Und obwohl recht früh deutlich wurde, wer hier der eigentliche Feind war, bot die Entwicklung der Ereignisse durchaus immer wieder die eine oder andere kleine Überraschung. Die ganze Heimtücke des gegnerischen Planes zeigte sich tatsächlich erst gegen Ende des Buches. Das ist gut so. Denn so richtig spannend wurde die Geschichte auch nicht. Dafür ging vieles einfach zu glatt, so zum Beispiel Alvins Befreiung oder Rorns Flucht aus dem Thronsaal von Greifenstein.

Möglicherweise lag es aber auch daran, dass der Autor seine vielen Kampfszenen – für die er offenbar ein Faible hat – mit mehr Details ausgestattet hat als den gesamten Rest des Buches. Nicht, dass der Autor sich in Blut und Innereien wälzt, dankenswerterweise ist er in dieser Hinsicht eher zurückhaltend. Dafür beschreibt er so ziemlich jeden Schritt, jeden Handgriff und jede Waffenbewegung, sodass der Ausgang des Kampfes letzten Endes völlig in den Hintergrund rückt. Bei jedem Duell blieb für mich eine Weile die Zeit stehen, und erst, wenn die Sache entschieden war, ging die Geschichte für mich weiter. Vielleicht muß man ein Fechtfan sein, um einer solch präzisen Kampfbeschreibung etwas abzugewinnen.

_Unterm Strich blieb_ bei mir ein durchwachsener Eindruck zurück. Die Charaktere waren ganz nett, boten aber durch ihre mangelnde Tiefe kaum Identifikationspotential. Die Ausarbeitung der Welt war eher fad; der Entwurf der Magie, der ihr ein wenig mehr Farbe hätte verleihen können, wirkte leicht unausgegoren; und zu viele Fäden endeten in der Luft: So gibt es zum Beispiel keinerlei konkrete Verbindung zwischen dem Zeitpunkt der Handlung und der Vergangenheit der Welt, nur Andeutungen. Die Grundidee des Plots fand ich nicht schlecht, und auch die kleinen unvorhergesehenen Wendungen, die die Handlung bot. Das Augenmerk lag aber so sehr auf Rorn und seinen Duellen, dass die Zuspitzung der Situation zum Ende hin völlig an den Rand gedrängt wurde. Ein Showdown war eigentlich nicht vorhanden, und selbst die letzte Attacke auf Rorn verpuffte wirkungslos, weil der Leser zu dem Zeitpunkt bereits weiß, dass das Ungleichgewicht in der Welt wieder behoben ist.

Sprich: eine Menge netter Ansätze, aber großteils so lieblos umgesetzt, als hätte der Autor nur deshalb überhaupt einen Gedanken daran verschwendet, weil er für seine vielen Kampfszenen einen Rahmen brauchte.

Leute mit Insektenphobie sollten dieses Buch ohnehin nicht lesen. Aber auch alle übrigen Leser werden dieser Geschichte wohl nur dann etwas abgewinnen können, wenn sie sich für Schwertkampf interessiert, oder wenn es ihnen genügt, dass eine Handlung eine Menge Action und Bewegung bietet. Wer allerdings mehr von einem Roman erwartet als ein paar blasse Ideenansätze und eher lose wirkende Handlungsfäden, die den einen oder anderen überraschenden Haken schlagen, der dürfte von diesem Buch eher enttäuscht sein.

_Bernd Frenz ist_ studierter Betriebswirtschaftler. 1987 gewann er einen von Wolfgang Hohlbein ausgeschriebenen Kurzgeschichtenwettbewerb, und war seither ununterbrochen produktiv. Seit 1998 ist er hauptberuflich Schriftsteller. Aus seiner Feder stammen Folgen der Serien |Maddrax| und |Perry Rhodan|, diverse Comic-Texte und Romane zu Computerspielen sowie die Fantasytrilogie |Blutorks|. Derzeit schreibt der Autor an seinem ersten Historienroman.

|Taschenbuch: 509 Seiten
ISBN-13: 978-3442268078|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet
[www.berndfrenz.de]http://www.berndfrenz.de

_Bernd Frenz bei |Buchwurm.info|:_
[„S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Chernobyl, Bd. 1: Todeszone“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3555

Nick Lake – Der Novize des Assassinen

Die Blood Ninja-Trilogie:

Band 1: „Der Novize des Assassinen“
Band 2: „Das Blut des Assassinen“
Band 3: – geplant –

Vampire tummeln sich seit einigen Jahren munter in der fantastischen Belletristik. Die Fürsten der Dunkelheit beißen und kämpfen sich flugs durch alle Zeitzonen. Mal sind die Blutsauger in der Ausbildung, manchmal mimen sie den versnobten Gentleman, und genauso oft haben sie alle „Menschlichkeit“ verloren und vegetieren wie Tiere inmitten einer fast untergegangen Zivilisation.

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Sykes, Sam – Buch des Dämons, Das (Die Tore zur Unterwelt 1)

_|Die Tore zur Unterwelt|:_

Band 1: _“Das Buch des Dämons“_
Band 2: „Black Halo“ (noch ohne dt. Titel)

_Lenk und seine Gefährten_ sind Abenteurer, und ihr derzeitiger Auftrag besteht darin, einen Priester und Gesandten der Kirche von Talanas auf seiner Reise zu begleiten, als … nun, Erlediger von was eben gerade anfällt. Im Augenblick sind es Piraten. Allerdings verhalten diese sich für Piraten ausgesprochen seltsam. Und Lenk zerbricht sich den Kopf darüber, hinter was sie eigentlich her sind …

_Vordergründig wirkt_ der Haufen um Lenk wüst und roh, außerdem streitet ständig irgendjemand mit irgendwem. Vor allem aber hält sich jeder einzelne für allen anderen überlegen, aus welchem Grund auch immer, und schaut verächtlich auf die anderen herab. Es spricht für Lenks Führungsqualitäten, dass sich diese lose Ansammlung von Individuen trotz mangelnden Zusammenhalts noch nicht in alle Winde zerstreut hat. Allmählich jedoch kristallisiert sich heraus, dass in den einzelnen Figuren mehr steckt, als ihre ruppige, derbe Oberfläche vermuten lässt. Ihre jeweiligen Gedanken geben bruchstückhafte Einblicke in ihre Vergangenheit und ihren kulturellen Hintergrund und offenbaren mit der Zeit auch Motive und Gefühle. Noch kann man nicht unbedingt von echter Tiefe sprechen, aber es entwickelt sich.

Was die Handlung betrifft, so tut sich eigentlich nicht viel. Irgendwann stellt sich heraus, dass es um eine Fibel geht, ein extrem gefährliches Buch, das zu hüten der Priester und Gesandte der Kirche von Talanas eigentlich beauftragt war. Als sie gestohlen wird, machen die Gefährten sich auf, um die Fibel zurückzuholen. Das ist eigentlich schon alles. Natürlich kann man mit einer solchen Geschichte durchaus siebenhundert Seiten füllen, wenn man genug Ideen hat, um die Grundhandlung entsprechend auszuschmücken.

Leider kann man das von Sam Sykes nicht behaupten. Hier gibt es nichts, was dieses Abenteuer spannend, fesselnd oder auch nur interessant macht: Keine Intrigen, keine überraschenden Wendungen, keine unerwarteten Hindernisse. Nicht einmal der Ausgestaltung seiner Welt hat der Autor mehr als nur flüchtige Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Meer mit ein paar Inseln, einige Namen von Göttern, verschiedene Rassen – wobei die Shict ein wenig an recht rabiate Elfen erinnern – das war’s.

Bestenfalls lässt sich sagen, dass Sam Sykes sich große Mühe gegeben hat, sich von allem, was man vielleicht als typisch für Fantasy bezeichnen könnte, fernzuhalten. Hat aber auch nicht so ganz geklappt. Bestes Beispiel ist Lenks Truppe, deren Mitglieder sich ständig zanken. Zwar war es immerhin mal eine Abwechslung, keine Truppe vor sich zu haben, die sich durch völlige Konfliktfreiheit und Selbstaufgabe auszeichnete, aber auf Dauer war das ständige Gezänk zwischen den Gefährten eher anstrengend und irgendwann nervig. Und trotz aller bemühten Harmonieabwehr denkt der Leser angesichts eines Magiers, einer Heilerin, einer Art Elfe und eines Kriegers letztlich doch an eine Rollenspielgruppe.

Bleibt die Frage, womit der Autor dann die Seiten vollgeschrieben hat, auf denen nicht gestritten wird. Die Antwort lautet: Mit Gemetzel. Und zwar ziemlich drastisch dargestelltem Gemetzel. Mal ist der Gegner ein Dämon, mal ein Pirat, mal ein Langgesicht, manchmal schlachten sich auch die Antagonisten untereinander ab, aber letztlich läuft die Sache jedes Mal ziemlich gleich ab: Hack-Knirsch-Spritz. Abgesehen davon, dass eine Geschichte, die nur aus gelegentlich von Streit unterbrochenen Massakern besteht, ziemlich stumpfsinnig ist, frage ich mich, ob wirklich irgendjemand wissen will, wie genau es sich anhört, wenn einem Menschen ein Bein ausgerissen wird, oder wie genau ein Augapfel über eine Schiffsplanke kullert.

Auch mit der Logik ist es nicht allzu weit her. So fragte ich mich, warum ein Buch wie die gestohlene Fibel nicht bei der ersten, sich bietenden Gelegenheit verbrannt wurde. Welchen Grund kann es gegeben haben, so etwas aufzuheben?

_Bleibt zu sagen_, dass die zarten Andeutungen von charakterlicher Entwicklung einiger Protagonisten so ziemlich das einzig Lesenswerte an diesem Buch waren. Die Handlung besteht ansonsten nur aus Gekeife oder dem Verteilen von Blut und Hirnmasse, und so etwas wie der Entwurf einer Welt ist eigentlich gar nicht vorhanden.

Nicht, dass mich Denaos‘ Vergangenheit nicht interessiert, oder die Frage, wieso es außer Gariath keine anderen Rhega mehr gibt, was es mit der Stimme in Lenks Kopf auf sich hat, oder wie es kam, dass Asper ihre beste Freundin getötet hat. Womöglich hätte ich den nächsten Band sogar gelesen. Wenn nicht die neu aufgetauchten Langgesichter dieselbe Sorte blutgieriger Mordlust verkörpert hätten wie vorher die Piraten; oder wenn unter all den Dämonen wenigstens einer gewesen wäre, der sich durch Intelligenz statt durch Grausamkeit ausgezeichnet hätte. Da aber meine Neugierde nicht groß genug ist, um mir ein weiteres blut- und schleimgetränktes Kasperltheater anzutun, werde ich die Antworten auf die wenigen interessanten Fragen in dieser Geschichte nie erfahren.

_Sam Sykes_ ist fünfundzwanzig Jahre alt und stammt aus den USA. „Das Buch des Dämons“ ist sein erster Roman und Auftakt zum Zyklus |Die Tore der Unterwelt|, dessen zweiter Band unter dem Titel „Black Halo“ im März dieses Jahres auf Englisch erschienen ist.

|Taschenbuch: 731 Seiten
Originaltitel: The Aeon’s Gate 1. Tome of the Undergates
Ins Deutsche übertragen von Wolfgang Thon
ISBN-13: 978-3764530556|
[www.randomhouse.de/penhaligon]http://www.randomhouse.de/penhaligon
[samsykes.com]http://samsykes.com

China Miéville – Die Stadt & Die Stadt

China Miéville ist von Städten gefangen, vereinnahmt … ja fast hypnotisiert, so scheint es, wenn man sich durch seine Bibliografie liest. Immer neue Facetten entdeckt er und verarbeitet sie in den unterschiedlichsten, teils wunderbar abgefahrenen Romanen, denken wir nur an London, in das er bereits mehrfach seine Geschichten verfrachtete (zum Beispiel „König Ratte“ oder „Un Lon Dun“). Dort wird der im Sommer 2011 bei Lübbe erscheinende Roman „Der Krake“ ebenfalls angesiedelt sein und Miévilles Städten eine neue dunkle Seite hinzufügen.

Seine absonderlichste, brutalste, farbenprächtigste und dabei genialste Schöpfung ist New Crobuzon, die Hauptstadt seiner fiktiven Welt Bas Lag und wundervoll zu erleben in „Perdido Street Station“. Mit dem vorliegenden Roman entwirft er eine ebenso abstruse wie faszinierende Stadtschmelze, die beiden Städte Beszél und Ul Quoma, die sich durchdringen, teilweise aus identischen Straßen bestehen und doch unterschiedlicher nicht sein könnten …

Der Polizeiinspektor Borlú aus Beszél wird mit einem Mordfall betraut, bei dem es sich um eine junge, hübsche und unbekannte Frau handelt. Seine Recherche führt zu einem ungesetzlichen Telefonat mit einem Mann aus Ul Quoma, wo dieser zugibt, über die Grenze hinweg Plakate der Frau gesehen zu haben und sie zu erkennen – eindeutig Grenzbruch, das schwerste Verbrechen in den Städten, doch gibt es den ersten Hinweis auf die Herkunft der Frau. Borlú vermutet ein grenzüberschreitendes Verbrechen unter Grenzbruch und versucht, die Ermittlungen an die über-/zwischengeordnete Macht Ahndung abzugeben, die die Grenze zwischen den Städten bewacht und aufrecht erhält, indem sie Grenzbrecher grundsätzlich und radikal bestraft.

Plötzlich tauchen jedoch Videoaufnahmen auf, die den Grenzbruch ausschließen und damit wieder Borlú und seinen Ul Quoma’schen Kollegen Dhatt zu den verantwortlichen Ermittlern machen. Borlús Misstrauen ist geweckt, er scheint mit seinem Vorgehen einem größeren Verbrechen auf der Spur zu sein, als es bisher den Anschein machte. Was er schließlich entdeckt, sprengt all seine Vorstellungen; hier geht es um Dinge, die das sensible Gleichgewicht der Städte aushebeln und zum absoluten Chaos führen können, und das zwischen Macht- und Geldgier, dem Streben nach Anerkennung und der fanatischen Suche nach einer unsichtbaren dritten Stadt

Was sich in der einfachen Inhaltsangabe wie ein recht unspektakulärer Krimi anhört, liest sich mit einem ganz anderen Schwerpunkt. Wie bei dem Titel nicht anders zu erwarten, liegt die Stadt im Mittelpunkt des schöpferischen Interesses. Borlús Ermittlungen führen den Leser kreuz und quer durch die Städte und konfrontieren ihn immer wieder mit den absurdesten und faszinierendsten Situationen, die eine solche Stadtstaatenkonstruktion mit sich bringen würde. Anfangs glaubt man noch an eine irgendwie geartete phantastische zweite Stadt, die die reale Stadt hin und wieder überlagert oder nur manchen ausgewählten Menschen Zutritt gewährt, doch weit gefehlt.

Beszél und Ul Quoma sind zwei Städte auf einem Terrain. Man nehme sich eine beliebige Stadt (für die Vorstellung vorzugsweise eine, die man kennt) und teile sie folgendermaßen: Das Zentrum mit seinen Parks, Marktplätzen, Straßen und Gassen gehört zu beiden Städten und wird als „deckungsgleich“ bezeichnet. Je weiter man nach außen kommt, desto seltener werden die sogenannten Deckungsgleichen und desto mehr Stadtteile werden „total“ einer Stadt zugeordnet. Und die Trennung der beiden besteht ausschließlich in der Psyche der Bewohner: Quomani leben nur in ihren Bereichen, sehen nur ihre Landsleute und Fahrzeuge und Häuser und Straßen, während die Besz genichtsehen werden, wie auch ihre Fahrzeuge, Kneipen, Straßenbahnen, Autos und Häuser … Das Nichtsehen ist dabei der Knackpunkt: Von Kindesbeinen an lernen die Bewohner, sich auf bestimmte Arten zu bewegen, zu kleiden, bestimmte Farben zu meiden und alle anders charakterisierten Details zu nichtsehen. Das ist weit mehr als es nicht zu beachten, es ist ein psychischer Prozess, bei dem die Aspekte weitgehend aus dem Wahrnehmungsspektrum ausgeschlossen werden. Im Straßenverkehr auf Deckungsgleichen ist das besonders interessant …

Diese Konstruktion ist es, die Miéville in den faszinierendsten Farben beleuchtet und ein unglaubliches, weil eigentlich unvorstellbares Bild dieser speziellen Stadt vor den Leseraugen ausbreitet. Die möglichen Konflikte bieten seiner Geschichte dabei Ansatzpunkte, ebenso wie die spezielle Art, die Grenze zu überschreiten: Es gibt ein Gebäude in der Stadt, das von beiden Seiten durchfahren werden kann und als Grenzübergang fungiert. Unvorstellbar, dass jemand, der eben noch die Gerüche der quomanischen Kaffees genichtrochen hat und sie, sobald er die Grenze durchschritten hat, in ihrem vollen Aroma wahrnimmt, ebenso wie alles andere auf dieser Seite der Stadt.

Unvorstellbar, dass sich jemand an diese Zustände halten würde, doch auch dafür hat Miéville eine Lösung: Eine annähernd allmächtige Zuständigkeit in Form der Organisation Ahndung, die jeden Grenzbruch (also zum Beispiel, wenn ein Besz ohne Umweg über das Grenzgebäude in eine total in Ul Quoma liegende Straße geht oder, weniger offensichtlich, ein Quomani einen Gegenstand in einer deckungsgleichen Gegend ablegt und ein Besz ihn an sich nimmt) unnachgiebig und radikal ahndet.

Die Geschichte an sich ist eine durchaus spannende, unterhaltsame und wendungsreiche Ermittlungsgeschichte, deren Auflösung sich aber nicht einfach auf eine Kriminalgeschichte beschränkt, sondern eng verwoben mit den besonderen Zuständen der Stadt ein unausweichliches und anspruchsvolles Gesamtbild hinterlässt. Man kann das teilweise skurrile Flair und das Charisma der Schöpfung kaum beschreiben, und so bleibt als einzige Möglichkeit die uneingeschränkte Leseempfehlung!

Taschenbuch: 428 Seiten
Originaltitel: The City & The City
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3404243938

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)


 

Schwartz, Gesa – Erbe des Lichts, Das (Grim 2)

_|Grim:|_

Band 1: [„Das Siegel des Feuers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6348
Band 2: _“Das Erbe des Lichts“_

_Ein Jahr nachdem Grim und Mia_ den bedrohlichen Magier Seraphin besiegten, sind der Gargoyle und die junge Hartidie ein Paar und leben in Paris.

Mia bereitet im Louvre eine „Anderwelt“-Ausstellung vor und geht in dieser Tätigkeit vollkommen auf. Die junge Frau verfolgt ehrgeizig den Plan ihres verstorbenen Bruders, den Menschen die Anderwelt und ihre magischen Möglichkeiten wieder näherzubringen und den „Zauber des Vergessens“ unnötig zu machen. Der Prinz der Vampire ist Mia behilflich, immerhin besitzt er viele wertvolle und magische Artefakte, die er Mia zur Verfügung stellt.

Auch Grim, mittlerweile der Chef der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei, hat alle Hände voll zu tun: Eine mysteriöse Mordserie sorgt für Angst und Entsetzen in der Pariser Oberwelt. Die aufgefundenen Leichen sind völlig blutleer und ihnen fehlen die Augen. Dafür kann nur ein Anderwesen verantwortlich sein, und Grim und die ihm unterstellten Gargoyles fahnden unter Hochdruck, um den Mörder zu stellen.

Schnell findet Grim heraus, dass es sich bei den brutalen Mördern um die vor Jahrhunderten verbannten Schattenalben handelt. Auf der Eröffnungsfeier von Mias Ausstellung kommt es zu einem Anschlag der Schattenalben, und großes Chaos bricht aus. Grim und Mia gelingt die Flucht, und die beiden finden heraus, dass die erbarmungslosen Schattenalben nur die Vorhut einer uralten und unerbittlichen Macht sind, die die Welt für immer von den Menschen „säubern“ will.

So ist es wieder an dem Gargoyle Grim und seiner menschlichen Freundin Mia und den gemeinsamen Freunden, die Welt der Menschen vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Werden sie gegen diese uralte und gnadenlose Macht bestehen können?

_Kritik_

Mit „Grim 2 – Das Erbe des Lichts“ hat die deutsche Autorin Gesa Schwartz einmal mehr bewiesen, dass in ihr ein großes Talent und viel Fantasie schlummern. Der zweite Teil um den Gargoyle Grim und seine sterbliche Freundin Mia ist, wie auch schon der erste Teil, großartige Fantasy.

Mit einem flüssigen und leicht zu lesenden Schreibstil fesselt die Autorin den Leser an ihr Werk und kommt dabei ohne jegliche Umgangssprache aus. Gesa Schwartz‘ Erzählstil kommt in manchen Sätzen sogar schon poetisch daher. Ausdrucksstark und fast schon greifbar, beschreibt die Autorin die jeweilige Umgebung der Handlungen, ohne in zu viele Erklärungen abzudriften.

Magie, Vertrauen, Hoffnung, der Glaube an Unmögliches und enge Familienbande sind wichtige Zutaten in der actiongeladenen Geschichte. Kleinere Nebenhandlungen passen perfekt zum Plot und ergänzen diesen sinnvoll. Neben vielen atemberaubenden Kampfszenen entführt die Autorin uns Leser in eine Welt voller Magie, Sagen und alter Legenden. Nicht nur in Frankreichs märchenhaftem Louvre, auch im sagenumwobenen Irland oder im düsteren Schwarzwald haben die vielfältigen Charaktere ihre kleinen und großen Abenteuer zu bestehen und einige Rätsel zu lösen. Viele bekannte Sagengestalten, wie, um nur einen zu nennen, der sagenhafte Zwergenkönig Laurin, haben ihren eigenen Auftritt. Dabei greift die Autorin nicht nur auf bekannte Sagen zurück, auch webt sie geschickt eine Sage um die Krieger des ersten Lichts in die Geschichte ein. Die Kreativität und der Einfallsreichtum der Autorin scheinen keine Grenzen zu kennen.

Gleich zu Beginn ist der Leser mitten im Geschehen, und der gleich hoch angesetzte Spannungsbogen flacht kaum einmal ab. Atemlos werden die Protagonisten von einer actiongeladenen Szene in die nächste gejagt. Pausen zum Luftholen gönnt die Autorin weder ihren Figuren noch dem Leser. Teilweise wird der Level da etwas sehr hochgehalten und der Wunsch nach ein paar ruhigeren Szenen kommt immer mal wieder an die Oberfläche. Hier hätten ein paar ruhigere Momente wirklich das ganze Werk perfekt abgerundet.

Geschrieben wurde aus der Perspektive eines Beobachters, der sich auf Grim und Mia konzentriert. In den Teilen, in denen die beiden gemeinsam ihre Abenteuer bestehen, konzentriert sich der Erzähler dabei meist auf Grim. Teilweise haben Mia und Grim einige Gefahren auch getrennt voneinander erleben müssen, sodass diese Kapitel im Wechsel zwischen Grim und Mia erzählt werden. Diese erhöhen die Spannung noch mal zusätzlich.

Neben altbekannten Protagonisten, die lebendig konzipiert sind und sich weiterhin entwickeln, kommen auch unbekannte Figuren hinzu, die diese Geschichte sehr abwechslungsreich machen.

Grim ist mittlerweile zum Chef der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei, aufgestiegen. Gerade zum Anfang der Geschichte hat Grim mit furchterregenden Albträumen zu kämpfen. Trotz seiner Beziehung zu Mia kann er immer noch nicht an die Menschen glauben; auch wenn er gemeinhin als Menschenfreund gilt, hat er dennoch seine Probleme. Dass er selber einen menschlichen Kern hat, hilft ihm dabei wenig.

Mia trauert immer noch sehr um Jacob, ihren verstorbenen Bruder. In der Hoffnung, ihn wiederzusehen, begeht sie einen großen Fehler. Voll Hoffnung stürzt sie sich wieder in ein gefahrvolles Abenteuer, um die Menschheit zu retten.

Auch der Kobold Remis und der Feenkrieger Theryon spielen, neben vielen anderen Sagengestalten wie zum Beispiel Zwerge, Feen, Vampire, Dämonen und Alben, erneut eine große Rolle. Eine tragende Rolle spielt zudem der letzte Krieger des ersten Lichtes, der für so manchen Zweifel, aber auch so manche Überraschung sorgt.

Zwischen den „Rettern“ der Menschheit wachsen die freundschaftlichen Bande, die sehr anziehend dargestellt werden. In Romantik wird auch der zweite Teil um Grim und Mia nicht versinken. Auch wenn die beiden mittlerweile ein Paar sind, kommt dies lediglich in wenigen Umarmungen und den Gedanken zueinander zum Tragen.

Sehr unrealistisch dagegen kommen die Gegenspieler, die Schattenalben, daher. Was auch immer unsere Helden versuchen, die Schattenalben sind nicht kleinzukriegen. Egal, ob sie verbrannt, erstochen oder auf jede sonst erdenkliche gewaltsame Art zu Tode gebracht werden sollen, es macht diesen Wesen nichts aus. Immer wieder regenerieren sich diese teuflischen Wesen.

Die letzte Gegnerin der Menschenfreunde dagegen ist wieder sehr glaubwürdig konzipiert. Nachvollziehbar ist dadurch auch das, was sie antreibt.

Die Covergestaltung ist ein absoluter Eyecatcher; diesmal wird Grim bei Nacht gezeigt. Einsam steht er im Vordergrund und blickt auf die Welt, die ihm zu Füßen liegt. Auch im Innenteil wird der Leser nochmals mit einem wunderschön gestalteten Bild verwöhnt. Aufgewertet wird das Ganze von einem farblich passenden Lesebändchen.

_Fazit_

Mir „Grim 2 – Das Erbe des Lichts“ hat Gesa Schwartz erneut bewiesen, dass sie in die obere Liga der deutschen Fantasy-Autoren gehört. Mit dem zweiten Teil um den Gargoyle Grim hat die Autorin ein imposantes Fantasy-Epos geschaffen, das nicht nur durch atemlose Spannung besticht, auch die leisen Zwischentöne, die von Freundschaft, Mut, Hoffnung und Magie erzählen, wissen die Leser zu überzeugen.

Gesa Schwartz hat eine fantastische Welt entworfen, in der alte Sagen und Legenden wieder Wirklichkeit werden. Ungewöhnliche Charaktere, die ihre Werte hochhalten, gepaart mit atemloser Spannung wissen hier zu unterhalten.

_Die Autorin_

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Sie lebt in der Nähe von Hamburg.

|Gebundene Ausgabe: 716 Seiten
ISBN-13: 978-3802583049|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[Leseprobe]http://www.egmont-lyx.de/mediadaten/images/lyx/Leseproben/Gesa__Schwartz__Grim02__LYX__LP.pdf

Goodkind, Terry – Gesetz der Neun, Das

_Romantischer Actionthriller_

Als der Kunstmaler Alex Rahl eines Tages eine Frau davor bewahrt, überfahren zu werden, erfährt sein Leben eine drastische Wendung. Denn Jax behauptet, aus einer anderen Welt zu stammen und ihn vor den Mördern, die jene Welt ausgesandt hat, beschützen zu wollen. Denn Alex sei einer der letzten Überlebenden eines uralten Herrschergeschlechts, das aus jener Welt stamme. Wie sonst könnte er Landschaften malen, deren Schönheit sich nicht auf seiner Welt wiederfindet, sondern in der anderen? Schon bald zeigt sich, dass Alex den Schutz, den Jax gewähren kann, bitter nötig hat …

_Der Autor_

Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 in Nebraska geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Heute lebt er in Neuengland.

Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.

Der Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“ umfasst ein Dutzend Romane (in ersten deutschen Ausgaben jeweils aufgeteilt) und ist vorerst mit „Konfessor“ beendet worden. Mit „The Omen Machine“ scheint die Saga einen Neustart zu erleben.

Der Zyklus „Das Schwert der Wahrheit“:

Band 0: „Das Verhängnis der Schuld – Die Vorgeschichte von ‚Das Schwert der Wahrheit'“
Band 1: „Das erste Gesetz der Magie“ („Wizard’s First Rule 1“)
Band 2: [„Der Schatten des Magiers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1179 („Wizard’s First Rule 2“)
Band 3: „Die Schwestern des Lichts“ („Stone of Tears 1“)
Band 4: „Der Palast des Propheten“ („Stone of Tears 2“)
Band 5: „Die Günstlinge der Unterwelt“ („Blood of the Fold 1“)
Band 6: „Die Dämonen des Gestern“ („Blood of the Fold 2“)
Band 7: [„Die Nächte des roten Mondes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6895 („Temple of Winds 1“)
Band 8: „Der Tempel der vier Winde“ („Temple of Winds 2“)
Band 9: „Die Burg der Zauberer“ („Soul of Fire 1“)
Band 10: „Die Seele des Feuers“ („Soul of Fire 2“)
Band 11: „Schwester der Finsternis“ („Faith of the Fallen 1“)
Band 12: „Der Palast des Kaisers“ („Faith of the Fallen 2“)
Band 13: „Die Säulen der Schöpfung“ („The Pillars of Creation“)
Band 14: [„Naked Empire: Das Reich des dunklen Herrschers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6896 (2003; dt. im Sept. 2004)
Band 15: „Die Magie der Erinnerung“ („Chainfire“, 2004, dt. im Mai 2006)
Band 16: „Das Ende der Welten“ („Phantom“, 2006, dt. im April 2007)
Band 17: „Konfessor“ („Confessor“, 2008)
Band 18: „The Omen Machine“ (August 2011)

_Handlung_

Der siebenundzwanzigjährige Alexander Rahl ist ein friedliebender Kunstmaler, der in Orden, Nebraska, vom mageren Ertrag seiner Gemäldeverkäufe lebt. Nach dem Tod seines Vaters und der Einweisung seiner Mutter in eine psychiatrische Klinik hat Alex nur noch seinen Großvater Ben, ein früherer Kämpfer der Special Forces, der ihm beigebracht hat, wie man sich verteidigt.

|Die geheimnisvolle Fremde|

Diese Fähigkeit erweist sich als sehr hilfreich, als Alex auf der Straße eine Katastrophe quasi in zeitlupe beobachtet: Ein Lieferwagen schießt aus einer Seitenstraße hervor, überquert die Hauptstraße und droht eine sonderbar gekleidete Frau zu überfahren, die keineswegs das Auto anschaut, sondern Alex. Was wird er tun?

Alex sieht wie in Zeitlupe das boshaft grinsende Gesicht des Beifahrers im Lieferwagen, ein Gesicht, das genau zum Piratenlogo der Firma passt. Aber es ist nicht bloß Boshaftigkeit, sondern blanker Hass auf ihn, Alex, der in ihm etwas auslöst. Schnell packt er die Frau und schiebt sie aus dem Weg des heranschießenden Wagens. Dieser stoppt sofort und die zwei Fahrer steigen aus. Alex macht sich kampfbereit. Da intervenieren jedoch zwei Streifenpolizisten. Für Alex ist der Fall damit erledigt. Doch schon bald soll er die zwei Typen wiedersehen.

Er lädt die Frau zu einem Kaffee ein und zeigt ihr in der nahen Galerie eines seiner Bilder. Sie findet es wunderschön. Er findet seinerseits Jax, so nennt sie sich, wunderschön: wallende blonde Haare, ein schwingendes Kleid bis zu den Füßen, das altertümlich geschnitten ist, sowie ein Umhang, den sie um ihre Schultern geschlungen hat. Doch kaum hat sich Alex mal umgedreht, ist sie schon verschwunden.

Sein Großvater Ben gratuliert ihm zum 27. Geburtstag und weist ihn daraufhin, dass auch Alex‘ Mutter an ihrem 27. Geburtstag verrückt wurde – hoffentlich passiert das nicht auch seinem Enkel. Dass Alex‘ Vater bei einem Autounfall ums Leben kam, lastet auf seiner Seele – die Rahl scheinen eine mit Verhängnis beladene Familie zu sein.

|Das Erbe|

Großvater gibt ihm ein ganz besonderes Geschenk: Die Urkunde für ein riesiges Stück Land in Maine. Alex, der sich nicht mal einen neuen Anlasser für seinen Cherokee kaufen kann, ist, wenn er den Vertrag erfüllt, der stolze Besitzer von 40.000 Morgen Land! Dieser Vertrag bestimmt, dass nur er der berechtigte Erbe ist – und auch das nur dieses eine Jahr lang. Merkwürdig, findet Alex. Er besucht seine Mutter in der Klinik, doch ist wie immer so sediert, dass sie ihn kaum erkennt. Sie rät, alle Spiegel zu verhängen, denn man beobachte ihn mit Hilfe der Spiegel. Alex seufzt.

Auch Bethany gratuliert ihm zum Geburtstag und lädt ihn zu einem ganz besonderen Abend ein. Sie will ihn mit den nicht unbeträchtlichen Reizen ihres üppigen Körpers verwöhnen. Welcher Mann könnte zu einem solchen Angebot nein sagen? Alex tut es, denn er findet Bethanys oberflächliche Art des Empfindens und Denkens abstoßend, vielleicht ist er aber auch nur mehr an Jax interessiert, der geheimnisvollen Fremden.

|“Ärger wird dich finden“|

Dass er an dieser Wahl recht getan hat, erweist sich schon im Verlauf des nächsten Monats. Im Fernsehen hört er, dass die beiden Streifenpolizisten, die ihm halfen, mit gebrochenem Genick gefunden worden seien. Und er muss an Jax‘ Worte denken, dass die beiden „Piraten“ nicht wie andere Menschen gewesen seien.

Mr Martin, der Besitzer der Galerie ruft ihn an: Er habe alle seine Bilder verkaufen können, aber er habe eine Bitte. Als Alex Mr Martin besucht, erlebt er einen Schock: Ein Fremder habe zwar alle seine Bilder zum doppelten Preis gekauft, sie dann aber mit schwarzem Markierstift verunstaltet. Einer der Sprüche verunglimpft Alex persönlich aufs Gröbste. Woher kennt ihn der Kerl? Mr. Martin hat Angst. Er gibt Alex die 24.000 Dollar und will ihn nie wiedersehen.

Etwas Sonderbares geht hier vor, und es beunruhigt Alex. Wenn er nur Jax wiedersähe! Als er von den Piraten angegriffen wird, taucht sie aus dem Nichts auf, um ihn zu schützen: Mit einem Messer kann sie sehr gut umgehen. Sie weist ihn diesmal darauf hin, dass sie nicht aus seiner Welt stamme und er Landschaften male, die sie selbst nur aus ihrer eigenen Welt kenne. Er sei der Schlüssel zu einem Geheimnis, das mit dem Gesetz der Neunen zu tun habe. 27 sei die Summe 9 aus 2 und 7. Am 27. Geburtstag erfuhren er und seine Mutter von ihrem Erbe.

|Ein weiteres Opfer|

Er glaubt ihr nicht. Wie auch? Bei einem weiteren Treffen beleidigt er Jax, obwohl sie sehr nett zu ihm ist und seine Hilfe benötigt. Sie verschwindet spurlos. Als Nächstes schockiert ihn der Brand des Hauses, in dem sein Großvater lebte. Ben ist fast zur Unkenntlichkeit verbrannt, doch er war bereits vorher tot. Was geht hier nur vor? Wer sind diese geheimnisvollen Nichtmenschen, die ihm nach dem Leben trachten, fragt sich Alex. Sind es jene Wesen, die seine Mutter aus den Spiegeln beobachten? Und jene Stimme, die aus seinem Handy knurrt? Er hat es auf Jax‘ Anraten zerstört, sodass man ihn nicht mehr damit verfolgen kann.

|Die Königin|

Einen Monat später hat er sich soweit beruhigt, dass er wieder malen kann. Es ist eine sehr stürmische Nacht voll Regen, Blitz und Donner, als Punkt Mitternacht seine Türklingel ertönt. Genervt geht er zur Haustür: Durch den Türspion sieht er Bethany in ihrer üppigen weiblichen Pracht. Er seufzt und öffnet die Tür. Sofort hebt sie den Arm, und er spürt einen schmerzhaften Schock: Starkstrom jagt durch seinen Körper und lässt ihn sich in Qualen winden. Bethany, die angeblich so dumme Tussi, hat ihn mit einem Taser niedergestreckt. Zwei muskelbepackte Kerle tragen ihn ins Haus. Sie sehen genauso aus wie die Piraten, die ihn angegriffen haben.

Alex besinnt sich darauf, was ihm sein Großvater Ben beigebracht hat, und kann einen der beiden ausschalten, doch als Strafe dafür jagt ihm Bethany erneut einen Stromstoß durch den Leib. Erst als er mit reißfesten Fesseln ans Bett gebunden ist, rückt sie mit ihrer wahren Absicht heraus. Sie stammt aus der anderen Welt, Jax‘ Welt, und er soll die mittlerweile entkleidete Bethany schwängern. Sie braucht sein Kind, um den einzig wahren Erben der Familie Rahl auszutragen!

Alex ist völlig klar, dass sie ihn umbringen wird, sobald ihr dies gelungen ist. Wenn jetzt doch nur Jax hier wäre. Doch so viel Glück soll Alex in Bethanys gierigen Armen nicht beschieden sein. Zumindest vorerst …

_Mein Eindruck_

Wie man sieht, ist Goodkind seinen Themen treu geblieben: Ein junger Mann – in „Schwert der Wahrheit“ war es Richard Rahl – wird aufgrund seiner Herkunft mit Aufgaben betraut, deren Größe zunächst seine Vorstellungen übersteigt. Doch er hat mindestens einen Lehrmeister, hier heißen sie Ben Rahl und Jax Amnell. Natürlich muss er sich auf eine kleine Odyssee machen. Doch schon hier gibt es den ersten Unterschied: Die Odyssee findet in Alex‘ Heimatstadt statt. Diese wird quasi auf den Kopf gestellt.

|Apokalypse daheim|

Statt in weite Fernen abzuschweifen wie Richard Rahl, erstrecken sich Alex‘ Abenteuer aufs Überleben in der eigenen Stadt. Orden, so scheint es, wird gerade belagert, von jenen Schergen des Befehlshabers der anderen Welt: Radell Cain heißt der Spitzbube, der sich an Skrupellosigkeit und Entschlossenheit nur mit Hitler und Stalin vergleichen lässt.

Wie Jax erzählt, hat es der Anführer einer wachsenden Anhängerschaft darauf abgesehen, alle Magie aus seiner Welt zu verbannen. Und da er für alle Übel die Träger der Gabe verantwortlich macht, erfreut sich seine Bewegung regen Zulaufs. Was wiederum alle Magier, wie etwa Jax, nicht nur an sich gefährdet, sondern auch zu Verfolgten macht.

|Anti-Magie-Bewegung|

Natürlich gilt es herauszufinden, was Radell Cain von unserer Welt will. Schließlich gibt es hier keinerlei Magie, die zu bestrafen wäre. Nein, Cain – ein unheilvoller Name, wenn es je einen gab – will Technik, von der wir nicht nur im Überfluss besitzen – und sie wie Magie benutzen -, sondern ohne die wir schon gar nicht mehr leben können. Ohne Technik, die Medikamente und Lebensmittel herstellt, würde unsere Industriekultur in kürzester Zeit zusammenbrechen. Dieses Szenario malt Jax in einer Szene genüsslich aus.

Es gibt nur einen Haken bei dieser Geschichte, weiß Jax: Man kann keine Gegenstände von hier nach dort mitnehmen, denn sie gehen in der Großen Leere dazwischen verloren. Deshalb besteht das oberste Ziel aller Schergen und Helfer Radell Cains darin, den DURCHGANG zu finden und herauszufinden, wie er geöffnet wird.

Laut einer Prophezeiung kann dies nur einer tun, der nicht von Cains Welt stammt: Alex Rahl, der Nachfolger jenes Mannes, der einst die Welten voneinander trennte und die nicht mit Magie Begabten in unsere Welt verbannte. Man braucht keine Kristallkugel, um sich ausrechnen zu können, dass der Durchgang, den Cain will, sich auf Alex Rahls frisch geerbtem Land befinden muss – irgendwo im Stephen King Country.

|Nachgefragt|

Mich wunderte nur die ganze Zeit, dass Cains Helfer nicht gleich auf Alex losgehen, sondern sich erst seine Mutter schnappen und dann seinen Großvater (der, da er ihrer Folter als Ex-Marine widerstand, getötet wurde). Die Erklärung für diese Reihenfolge ist simpel: Jax hat den Gegner mit ihrem Auftauchen daran gehindert, Alex zu fangen und zu foltern, um ihm das Geheimnis zu entreißen. Dafür haben sie es bereits mehrfach bei seiner Mutter versucht.

|In der Falle|

Es ist daher logischerweise Alex‘ Aufgabe, seine Mutter zu fragen, ob sie dem Gegner etwas verraten hat und wenn ja, wie viel. Doch als sie den neunten (!) Stock der psychiatrischen Klinik besuchen, tappen Alex und Jax mitten in eine Falle. Es gehört zum großartigen Wendepunkt dieses Romans, dass Alex und Jax, gerade noch kurz davor triumphierend aus Orden abzureisen, zu gefangenen des Feindes werden. Wie sie dies überleben, soll nicht verraten werden. Dass sie es tun, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Geschichte weitergeht. Nur soviel: Dieser mittlere Akt ist absolut großartig inszeniert: Actionreich, dramatisch und voller Spannung.

Wieder einmal zeigt uns Goodkind die Elemente, die seine SCHWERT-Saga so erfolgreich gemacht haben: Das zentrale Liebespaar wird der ultimativen Belastung seiner Beziehung unterworfen, indem sich Alex, der Held, bewähren muss, um seine Liebe, Jax, vor einem denkbaren schändlichen Schicksal zu bewahren.

|Good girl, bad girl|

Was die Frauen angeht, so wiederholen sich auch hier die Schemata. Die gute Frau ist hingebungsvoll, aber eine Kriegerin, die mit vollem Einsatz kämpft – genau wie Kahlan. Die böse Frau, beispielsweise Bethany, ist die ultimative Egoistin, die nur an sich denkt, alles von ihrer Beute verlangt und dem jeweiligen Männchen keine Chance lässt. Allerdings hat Bethany diesmal die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das wird sie noch bedauern.

_Die Übersetzung _

Die Übersetzung durch Caspar Holz, der praktisch alle SCHWERT-Romane ins Deutsche übertragen hat, ist gewohnt flüssig zu lesen, fehlerlos und dem deutschen Umgangston angepasst, sodass die Redeweise der Figuren unserer Welt natürlich wirkt. Nur die Fremden, die reden etwas gestelzt und sonderbar.

Der einzige Druckfehler, der mir auffiel, findet sich auf Seite 468. Statt „Verfolgungswahn“ heißt es da „VORfolgungswahn“.

Auf den Innenseiten des Umschlags ist die Landkarte von D’Hara etc. abgedruckt. Sie wird jedoch überhaupt nicht benötigt. An keiner Stelle wird ein Ortsname von dort genannt, sodass man keine Vorkenntnisse aus der SCHWERT-Saga benötigt, um „Gesetz der Neun“ verstehen zu können.

Der einzige genannte Ort ist der „Palast des Volkes“, der sich auf der Karte mitten in der Weite von D’Hara befindet. Er hat sein Gegenstück in jenem sonderbar geformten Berg, der als Schauplatz für das Grande Finale in Maine dient: Castle Mountain (und nicht etwa Castle Rock, ähem.)

_Unterm Strich_

„Das Gesetz der Neun“ ist perfekt konstruiertes und erzähltes Lesefutter, das ich in nur drei Tagen verschlungen habe. Man kann es auch in einem Tag schaffen. Die Handlung spielt sich ausschließlich in unserer Welt ab, weist nur sehr wenige übernatürliche Elemente auf (vor allem im Finale), besticht aber durch eine tiefgehende Charakterzeichnung im Falle von Alex und Jax, dem perfekten keuschen Liebespaar. Wer nun an Richard Rahl und Kahlan denkt, liegt völlig, doch das ist keine Voraussetzung zum Verständnis. Unser Verdacht, dass Kahlan nur eine ausgebildete Messerkämpferin ist, sondern eine Konfessor, wird lediglich genährt, jedoch nie bestätigt.

Die beste Szene ist für mich mit Abstand nicht die (gottlob) scheiternde Vergewaltigung durch Königin Bethany, sondern Alex‘ und Jax‘ unfreiwilliger Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik, ausgerechnet im neunten Stock. Hier muss Alex durch List und Entschlossenheit nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch seine Liebe in Gestalt von Jax retten. Die Schauplätze sind so anschaulich geschildert, dass ich überzeugt bin, dass Goodkind selbst an einem solchen Ort recherchiert hat.

Der Vergleich mit Richard Rahls Gefangenschaft und sexueller Folter im „Palast des Volkes“ liegt nahe. Nur manche Sätze, die Alex sagt, klingen nicht so, als würde sie von einem schwer mit Thorazin sedierten Menschen stammen, sondern von einem hellwachen Burschen, der weiß, was er vorhat. An diesen Stellen bewegt sich der Autor am Rande der Plausibilität.

Natürlich darf auch eine Geheimgesellschaft der Guten nicht fehlen: Die Treuhandgesellschaft für das Erbe der Rahls hat das Land durch die Jahrhunderte geschützt, was die Frage beantwortet, wie im Zeitalter der Satellitenüberwachung der Durchgang zur anderen Welt so lange unentdeckt bleiben konnte.

Wer also Goodkind mal entdecken möchte, ohne Kenntnisse von der SCHWERT-Saga mitbringen zu wollen, findet hier einen Einstieg, der mit Action, Drama, viel Romantik und Spannung aufzuwarten weiß.

|Taschenbuch: 543 Seiten
Originaltitel: The Law of Nines (2009)
Aus dem US-Englischen von Caspar Holz
ISBN-13: 978-3442376469|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

Salvatore, R.A. – Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger

R. A Salvatore ist eigentlich eher bekannt für seine Fantasy-Romane, insbesondere die über den Dunkelelfen Drizzt. Doch auch im „Star Wars™“ Universum ist der vielseitige Autor anzutreffen. Hier sogar an besonders prominenter Stelle, denn ein Roman zum Film, stellt immer etwas Besonderes dar – in einer solchen Kultreihe sowieso. Apropos Besonderheiten und Film: Schon in der gebundenen Erstausgabe von |Blanvalet| finden sich, zusätzlich zur Novelle, 16 Seiten mit durchgängig farbigen Bildern der Leinwandfassung aus der zweiten Episode der inzwischen berühmten Weltraum-Saga.

_Zur Story_

Senatorin Padmé Amidala gilt nach dem Anschlag auf dem Flugfeld, der ihrem Double Cordé statt ihrer das Leben kostet, erst fälschlicherweise als tot – was im Senat mit Trauer und Bestürzung bedacht wird, als Kanzler Palpatine diese Nachricht dort verkündet. Die Opposition und politischen Gegner Padmés reiben sich natürlich die Hände. Freude und Erleichterung auf der einen Seite und Missmut auf der Anderen, als Padmé überaus lebendig doch im Senat auftaucht und die Gerüchte über ihren Tod Lügen straft. Meister Yoda hat das dumpfe Gefühl, dass sich noch etwas weitaus Dunkleres zusammenbraut und fürchtet um Padmés Sicherheit. Zwei Jedi werden zu ihrem Schutz abgestellt.

Selbstverständlich handelt es sich dabei um Meister Obi-Wan Kenobi und seinen inzwischen neunzehnjährigen Padawan-Schüler Anakin Skywalker. Immerhin kennt Padmé die beiden noch aus der Zeit, als sie noch Königin auf ihrem Heimatplaneten Naboo war. Das Verhältnis der beiden ist an sich sehr gut, sie sind ein perfekt eingespieltes Team – und doch belasten einige Dinge ihre Meister-Schüler-Beziehung mittlerweile ernsthaft. Anakins immer schlimmer werdende Alpträume betreffs seiner Mutter zum Beispiel. Aus Furcht Obi-Wan könne ihm dies als Schwäche auslegen, schweigt er über die wahre und bedrohliche Intensität und kehrt stattdessen den wilden Draufgänger raus. Genau das wiederum missfällt Obi-Wan.

Als sie dann Padmé gegenüberstehen, ist es um den jungen Erwachsenen dann vollends geschehen. Doch zum Verliebtsein bleibt ihm im Moment allerdings keine Zeit, denn schon gilt es, die Senatorin vor einem weiteren Attentat zu schützen. Bei einer wilden Verfolgungsjagd durch das nächtliche Coruscant, finden die beiden Jedi heraus, dass es um wesentlich mehr gehen muss, als nur Padmé allein. Obi-Wan wird diese frische Spur weiter verfolgen, während sein Schüler die protestierende, aber dennoch einsichtige, Senatorin heimlich auf ihren idyllischen Heimatplaneten schaffen soll, wo man sie in Obhut des fähigen Anakin in Sicherheit wähnt. Bis Anakin weitere Alpträume heimsuchen und er sich auf eigene Faust aufmacht, seiner Mutter beizustehen.

_Eindrücke_

Gerade das Meister-Schüler-Verhältnis gerät hier wesentlich runder und nicht so einseitig. Obi-Wan beschleicht oft ein vages Gefühl von Gefahr, was Anakin angeht (wie schon seinem alten Meister Qui-Gon Jinn gegenüber in Episode I geäußert), doch auch Obi-Wan ist nicht ganz eins mit sich und der Macht, er zweifelt nämlich an seinen Fähigkeiten als Lehrer. Er war immerhin der jüngste Jedi, der jemals einen Padawan zur Ausbildung anvertraut bekam. Da er Anakin wirklich sehr mag, schiebt er diese dunklen Vorahnungen auf seine mangelnde Erfahrung als Mentor. Von den inneren Konflikten Obi-Wans ist im Film kaum etwas übrig geblieben, dort wirkt das viel einseitiger.

Es wird wesentlich besser auf das Umfeld eingegangen, seien es die politischen Umstände oder die Reibereien im Jedi-Rat. Die gesamte Vorgeschichte und familiären Gegebenheiten auf Tatooine, bis hin zu Shmi Skywalkers Entführung und dem Rettungsversuch der Farmer, sie von den Tusken zu befreien. So erfährt der Leser, wie fürsorglich in der Familie Lars miteinander umgegangen wird und wie sehr Shmi ihren „Annie“ vermisst und sich nicht mehr wünscht, als ihn bei dem liebevollen Familien-Leben dabei zu haben. Auch wie C3-PO zu seiner Außenhülle bekam, findet kurze Erwähnung. All das geht im Film ziemlich unter oder ist etwas anders dargestellt.

Obi-Wans Recherchen sind viel weitreichender und führen ihn nicht sofort zu seinem alten Kumpel Dex, sondern er befragt erst die Analyse-Droiden des Jedi-Archivs, nach dem Giftpfeil. Die können ihm aber nicht weiterhelfen – vermutlich war dieser Teil ursprünglich auch im Film vorhanden, wurde aber wieder rausgeschnitten: Überbleibsel dessen ist wohl der komische, unzusammenhängend wirkende Satz von Dex: „[…]Eure Analyse-Droiden verlassen sich nur auf Symbole[…]“. Wer den Roman liest, versteht diese recht kryptische Einlassung aus der Filmszene endlich: Obi-Wan kommt gerade von dort und berichtet Dex, dass die Droiden nichts finden konnten.

Anakin lernt auf Naboo seine Schweigereltern sowie seine Schwägerin in spe kennen, welche die beiden zuerst besuchen, bevor sie zur amtierenden Königin und danach in das Versteck auf der Insel kommen. Diese Zwischenstation wird vom Film komplett ignoriert. Anakin fühlt sich sichtlich wohl bei diesen Leuten und es wird auch deutlich, dass Padmé sich eine eigene Familie wünscht, aber sich von der Pflicht als Senatorin manchmal zu sehr einnehmen lässt. Padmés Eltern sehen in ihm fast schon von Beginn an als so was, wie einen Schwiegersohn. Anakin lernt auf der anderen Seite ein Familienleben kennen, welches er nie kannte.

Jango und Boba Fett kommen ebenfalls ausführlicher weg. Das seltsame Vater-Sohn-Duo bekommt so was, wie eine Familiengeschichte und somit angemessene Tiefe ihrer Charaktere. Jango ist nicht so abgrundtief böse, wie im Film gezeigt, er hat sogar eine sehr väterliche Ader seinem Klon-„Sohn“ Boba gegenüber, den er anscheinend wirklich über alles liebt. Umgekehrt würde Boba alles für seinen Vater tun und ist ganz begierig darauf diesen stolz auf sich zu machen. Eine höchst gefährliche Mischung, wie die weitere Geschichte noch zeigen wird.

Padmé und Anakin werden nicht sofort in die Arena auf Geonosis geworfen, Count Dooku heuchelt vorher noch den hilfsbereiten Freund, der Padmé mit geschliffenen und einschmeichelnden Lügen anbietet Obi-Wan und Anakin freizulassen, sollte sie als Repräsentantin Naboos und Senatorin des großen Rates einen Vertrag unterzeichnen, der Naboo auf die Seite der Separatisten bindet. Erst als sie das Gespinst durchschaut und ablehnt, lässt er seine freundliche Maske fallen und schickt die beiden zu Obi-Wan, der bereits in der Arena zur Exekution angekettet ist.

Zu bemängeln gibts lediglich die Übersetzung, so sind der mit der Thematik bzw. „Star Wars“ offenbar nicht vertrauten Übersetzerin ein paar kleine Fehler unterlaufen. So wird aus den Astromech-Droiden (wie R2-D2 einer ist) stattdessen „Nav(igations)-Droiden“. Was sinngemäß zwar stimmt, dem sonst in der Serie durchgängig verwendeten Terminus aber nicht entspricht. An einer Stelle wird behauptet, Anakin wünschte, dass Shmi Padmé kennengelernt hätte. Das ist so nicht korrekt, denn die beiden kennen sich bereits (vgl. Episode I: „The Phantom Menace“). Hier ist stark zu vermuten, dass ein Adjektiv schlicht vergessen wurde. Fügt man gedanklich nämlich das kleine Wörtchen „näher“ oder „besser“ hinzu, liest sich der Satz plötzlich stimmig.

_Fazit_

Das ausführliche, aber nicht langweilige Drumherum macht aus der Story einen lesenswerten Stoff, der einen den (Kino-)Film mit anderen Augen sehen lässt. Einige der zusätzlichen Handlungen schafften es schließlich auf die DVDs, dennoch ist der Roman weiterhin klar im Vorteil. Alle Hauptfiguren bekommen mehr Aufmerksamkeit und man kann sogar den zwiegespaltenen Anakin nun viel besser verstehen und mitfühlen, in welchem Dilemma er steckt. R. A Salvatore schafft eine höchst dichte Atmosphäre, die das Buch zu einem rasch konsumierten Pageturner werden lassen.

|Taschenbuch: 349 Seiten
Originaltitel: STAR WARS: Episode 2 – Attack of the Clones
Nach der Idee und Figuren von George Lucas
LucasBooks / DelRey – Ballantine Publishers Group Inc.
Deutsche Lizenz: Blanvalet Verlag München – April 2002
Übersetzung: Regina Winter
ISBN: 978-3442357611|

auch erschienen als:

|Hardcover: 352 Seiten
ISBN: 978-3764500887|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

Mehr als 40 Rezensionen rund um das „Star Wars“-Universum gibts in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

Brandon Sanderson – Der Weg der Könige (Die Sturmlicht-Choniken 1, Teil 1)

Die Sturmlicht-Chroniken:

Band 1: „Der Weg der Könige“
Band 1 (Teil 2): „Der Pfad der Winde“
Band 2: „Die Worte des Lichts“
Band 3: „Die Stürme des Zorns“

Die Handlung:

Dies ist die Geschichte von Dalinar, Heerführer von Alethkar und Bruder des ermordeten Königs. Seit dem Tod des Königs sind die Fürsten des mächtigsten Reiches von Roschar zerstritten, und der Krieg mit dem Barbarenvolk im Osten zieht sich länger hin als erwartet. Dabei trägt Fürst Dalinar nicht nur schwer an dem Vermächtnis seines toten Bruders, sondern auch an den unheimlichen Visionen, die ihn des Nachts überfallen: Visionen aus einem vergangenen Zeitalter, als die Völker von Roschar vereint waren, als die Menschen noch Seite an Seite mit den Göttern kämpften und die magischen Schwerter dem Schutz des Lebens dienten. Visionen, die in Fürst Dalinar nicht nur eine neue Hoffnung auf Einheit unter den Menschen wecken, sondern auch eine tiefe Furcht. Denn noch weiß keiner, welches Schicksal die Zukunft von Roschar für all jene bereithält, die das Rätsel der Vergangenheit lösen können … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Verlage halten sich ungern zurück, wenn es um das Bewerben eines neuen Titels geht. Gern wird auch mal ein Fantasy-Roman aus dem eigenen Programm als neuer „Herr der Ringe“ vorab gefeiert. Einige Romane können dem standhalten, einige nicht. „Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson scheint ein Weg zu werden, den einige sicher gern mitgehen werden. Ich schreibe „werden“, da dieses Buch der Auftakt einer geplant zehnbändigen Reihe und noch nicht abzusehen ist, womit der Autor noch aufwartet.

In diesem Buch wartet er auf jeden Fall mit sehr vielen Erklärungen auf, um seine neue Welt zu erklären. Auf knapp 900 Seiten wird der Leser überwiegend in die Welt eingeführt, statt mit abenteuerlicher Handlung konfrontiert. Es wird sicher nicht wenige Leser geben, die sich gute 500 Seiten dieses Buch hätten schenken wollen, um dem interessanten Ende schneller näher zu kommen oder um einfach wieder ein wenig neuer Action zu begegnen. Gegen Ende nimmt der Roman dann aber endgültig Fahrt auf und hinterlässt auch den allseits bekannten leicht faden Beigeschmack eines ersten Teils einer Reihe.

Freunde der epischen Fantasy werden allerdings durch die ausführliche, einbändige Einführung in alles rund um Roschar belohnt. Wie sieht die Tier- und Pflanzenwelt aus? Warum bauen die Bewohner ihre Unterkünfte in Höhlen oder aus Stein und alle zeigen in die gleiche Richtung? Was kann man mit den Edelsteinen noch so alles anstellen, außer sie als Währung zu gebrauchen? Geschichte, Religion, Mythologie, alles wird vom Autor erklärt, der sich offenbar richtig lange und richtig viele Gedanken darüber gemacht hat. Nach eigener Aussage seit Mitte der 1990er und teilweise noch weit davor.

Welcher der vielen Charaktere, die im Buch auftreten, wird später noch eine wichtige Rolle spielen? Kaladin, Schallan, Dalinar oder einer der anderen? Jasnah oder Szeth vielleicht? Wer ist hier eigentlich der Hauptgegner und was haben die Könige mit den magischen Schwertern vom Prolog mit allem zu tun? Was sagen die Visionen aus, die Dalinar quälen? Es sind eine Menge Infos und Fragen, die der Leser zu verarbeiten hat. Einige Fragen werden beantwortet, einige nicht. Fortsetzung folgt, wie das oftmals so ist.

Und so werden sich bei diesem Buch sicher die Lager teilen. Den einen wird zu viel erklärt und beschrieben anstatt eine Handlung voranzutreiben, so sie denn eine erkennen konnten und den anderen hat genau diese langsame und ausführliche Einführung in die neue Welt gefallen.

Die zum Teil farbigen Illustrationen und Karten im Buch sind wirklich schön anzusehen und das „Ars Arcanum“ am Ende gibt einen tabellarischen Überblick über die zehn Essenzen und ihre Eigenschaften.

Die Teilung von Romanen für den deutschen Sprachraum

Leider hat der Verlag nicht auf eine Teilung des Romans verzichtet und so ist der Roman zwar ein Brocken, dennoch aber nur die Hälfte von dem, was er hätte sein können. Leider wird dieses Vorgehen im Fantasy-Bereich gerne praktiziert, um den geneigten Fan mehrfach zur Kasse zu bitten. Beim „Rad der Zeit“ zum Beispiel hatte man sogar zum Teil drei Bücher aus einem gemacht.

Wo ich gerade beim „Rad der Zeit“ bin, einer von vielen Fantasy-Fans geliebten Reihe, kann ich direkt die Verbindung zu Brandon Sanderson herstellen. Denn nach dem Tod des Schöpfers Robert Jordan hat Brandon Sanderson den Auftrag bekommen, dessen vorgeschriebene Manuskripte aufzuarbeiten, um die Reihe so zum Abschluss zu bringen. Und das Material ist so umfangreich, dass es für drei Bücher reicht. Auf Englisch wohlgemerkt, denn auf Deutsch werden sie jeweils wie gehabt geteilt.

Und da Sanderson erstmal das letzte „Rad der Zeit“-Buch fertigstellen will, dauert es noch mindestens anderthalb Jahre, bis in den USA der zweite Band dieser Reihe erscheinen wird. Schade, aber, das Warten lohnt sich auf jeden Fall für alle, die eine lange Lese-Reise nicht scheuen oder bevorzugen.

Der Autor

Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit phantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Sein Debütroman „Elantris“ avancierte in Amerika auf Anhieb zum Bestseller. Seit seinen Jugendbüchern um den jungen Helden Alcatraz und seiner großen Saga um die „Kinder des Nebels“ gilt der junge Autor auch in Deutschland als einer der neuen Stars der Fantasy. Er wurde auserwählt, Robert Jordans großen Fantasy-Zyklus „Das Rad der Zeit“ fortzuschreiben. Brandon Sanderson lebt mit seiner Familie in Provo, Utah. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Der Auftakt zu einer epischen Fantasy-Reihe, die sich eine Menge Zeit lässt, so gut wie alles und jeden ausführlich vorzustellen. Wer nicht von einer Schlacht zur nächsten hetzen muss, kann hier eine schöne und interessante Zeit verbringen und richtig tief abtauchen. Und Roschar ist absolut eine Reise wert.

Hardcover: 896 Seiten
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive 1 (Teil 1)
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Mit zehn Schwarzweiß-Abbildungen
ISBN: 978-3-453-26717-6
www.randomhouse.de/heyne
www.brandonsanderson.com

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)

Moore, Christopher – Ein Biss sagt mehr als tausend Worte

_Inhalt_

Abby wird mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Biologiekurs nicht bestehen. Das ist zwar nicht schön, aber noch lange nicht ihr einziges Problem. Mindestens genauso bedenkenswert ist die Tatsache, dass sie ihre Dienstherren, die Vampire Gräfin Jody und Tommy, während ihres Tagesschlafs in Bronze gegossen hat. Und jetzt sind sie vermutlich stinksauer. Wie es dazu kommen konnte, ist eine komplizierte Geschichte, vor allem, wenn man soviel anderen Kram um die Ohren hat. Etwa die Forschungen ihres Freundes Fu, der an einem Mittel arbeitet, mit dem man Vampire wieder zurückverwandeln kann.

Er hält das für eine schrecklich gute Sache, Abby ist sich da nicht so sicher. Sie ist schon sehr düster, komplex und mysteriös, und die Sache mit dem Blutsaugen und der Unsterblichkeit fände sie ausgesprochen cool.

Allerdings gibt es besorgniserregende Neuigkeiten: Auch wenn die einzigen Vampire San Franziskos gerade in Bronze gebannt sind, gehen draußen seltsame Dinge vor sich. Zum Beispiel werden jede Menge Klamotten auf der Straße gefunden, in denen nur noch grauer Staub liegt. Und das ist für die Eingeweihten ein sicheres Zeichen dafür, dass dort draußen etwas ist, das Menschen austrinkt.

Und dieses Etwas heißt Chet. Chet war ein fetter Vampirkater, der Tommy und Jody als Nahrungsquelle gedient hatte und nun die Straßen unsicher macht. Naturgemäß vergreift er sich zuerst an seinen Artgenossen, und Abby und Fu haben es plötzlich mit einer ausgewachsenen, schlecht organisierten Armee von Vampirkatzen zu tun.

Als wäre das nicht schon genug Ärger, tauchen plötzlich andere Vampire in der Stadt auf. Es handelt sich um eine ältere Generation, und sie sind wirklich wütend über das Durcheinander, das hier angerichtet wurde. Irgendjemand würde dafür bezahlen müssen …

_Kritik_

Zitat
|Und ich so: „Oh, oh.“
Und die Gräfin voll so: „Jep.“|
Zitat Ende

Das ist der Stil Abbys, wenn sie selbst mit dem Berichten an der Reihe ist. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, sehr schräg, durchsetzt mit Internetabkürzungen und zum Brüllen komisch. Wie dieses halbwüchsige Gothicgör in tiefschwarzer Romantik schwelgt, ihren Studentenfreund Fu um den Finger wickelt und zwei hart arbeitende Polizisten das Fürchten lehrt, ist einmalig geschildert.

Christopher Moore wird sich nicht untreu: Wer es nicht zu deftig mag, sollte seine Finger lieber von diesem Buch lassen. Aber Achtung, Feingeister, ihr werdet etwas verpassen! Der Mann hat schon mehrfach und zu verschiedensten Thematiken sein komisches Genie unter Beweis gestellt, und nun, auf dem Höhepunkt der „Twilight“-Welle, schreibt er seine Vorstellung einer Vampirgeschichte auf. Und die ist nicht nur zwerchfellerschütternd und stilistisch ausgesprochen konsequent, sie steckt nebenher auch noch voller Ideen, die so unglaublich schräg und krank sind, dass man manchmal erst den eigenen Unterkiefer wieder hochschieben muss, ehe man weiterlachen kann.

Bis ins kleinste Detail sind die Charaktere ausgearbeitet, menschliche wie tierische, und alle haben sie ihren kleinen und vor allem großen Macken. Abby selbst ist ein Orkan an Absurditäten, und der Kaiser, ein alter Obdachloser, der schon lange in der Stadt lebt, geht nebst seinen zwei Hunden direkt ans Herz.

_Fazit_

Wie nicht weiter verwunderlich bei einem Werk Christopher Moores lautet das Fazit: Der Wahnsinn, unendlich witzig, Lachgarantie, alter Schwede. Allerdings nur, wenn man nicht sehr zart besaitet ist, möglicherweise könnten Menschen mit Sinn für Finesse und leise Töne sich abgestoßen fühlen. Für alle anderen gilt: Zugreifen, lesen, wimmern vor Lachen und ein bisschen neidisch sein, dass man selbst auf solche Ideen einfach nicht kommt.

Christopher Moore ist ein Meister mit Narrenkappe, ein Genie in Sachen Humor und nebenher nicht nur gebildet, sondern darüber hinaus am Puls der Zeit.

|Broschiert: 320 Seiten
Originaltitel: Bite me
Ins Deutsche übertragen von Jörn Ingwersen
ISBN-13: 9783442312436|
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann
[www.chrismoore.com]http://www.chrismoore.com

_Christopher Moore bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Bibel nach Biff“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=846
[„Ein todsicherer Job“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3310
[„Fool“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6795

Harris, Charlaine – Grabeshauch (Harper Connelly 4)

_Die |Harper Connelly|-Reihe:_

Band 1: [„Grabesstimmen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4704
Band 2: [„Falsches Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5608
Band 3: [„Ein eiskaltes Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6318
Band 4: [„Grabeshauch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7031

Wenn man Charlaine Harris Glauben schenken mag, dann ist „Grabeshauch“ nicht nur der vierte, sondern auch der letzte und abschließende Teil ihre Reihe um Harper Connelly, die die Gabe besitzt, Tote zu finden. Die Erwartungen sind also entsprechend hoch, wenn der geneigte Leser die erste Seite aufschlägt. Doch 300 Seiten später, nach einem ziemlich abstrusen Krimiplot und einer mehr als fragwürdigen und uninspirierten Auflösung, ist man enttäuscht, dass die Reihe nicht mit mehr Feuerwerk zu Ende geht.

Positiv anzumerken ist, dass sich Harris für diesen letzten Band vorgenommen hat, lose Enden zu verknoten und die dunklen Flecken in Harpers und Tollivers Vergangenheit zu beleuchten. Und so ist der vordergründige Fall, in dem Harper die Todesursache des texanischen Patriarchen Rich Joyce klärt und bei der Gelegenheit feststellt, dass seine Pflegerin im Kindbett und nicht an einem Blinddarmdurchbruch starb, eher eine Nebensache, die allerdings im Verlauf des Romans auf reichlich abenteuerliche (und extrem zufällige) Weise mit dem eigentlich zentralen Konflikt von „Grabeshauch“ verknüpft wird. Denn zurück in heimatlichen Gefilden nehmen Harper und Tolliver Kontakt zu ihren beiden Geschwistern auf, treffen sich mit Tollivers Bruder und stellen fest, dass dessen Vater Matthew aus dem Knast entlassen wurde und nun Buße tun will. Außerdem führen neue Erkenntnisse Harper und Tolliver auf die lange erkaltete Spur ihrer verschwundenen Schwester Cameron, die sie tatsächlich am Ende von „Grabeshauch“ finden werden. Doch wie das alles mit Matthew, der Familie Joyce und den Mordversuchen auf Harper zusammenhängt, wird zwar im Verlauf der Handlung deutlich. Besonders logisch ist diese Auflösung allerdings nicht.

_Klingt nach viel_ Stoff für einen so schmalen Roman? Das könnte es auch sein, wenn sich Charlaine Harris auf die zentralen Punkte ihres Plots konzentrieren würde. Das scheint ihr jedoch ausgesprochen schwer zu fallen. Stattdessen ergeht sie sich in Nebensächlichkeiten und Banalitäten, sodass im ersten Drittel des Romans praktisch gar nichts passiert. Viel lieber erklärt sie dem Leser noch einmal haargenau, wie grauenhaft Harpers und Tollivers Kindheit war, wie drogensüchtig deren Eltern, wie aussichtslos die Situation der Kinder. Das hat sie bereits in den vergangenen drei Bänden mit genüsslicher Detailverliebtheit vor dem Leser ausgebreitet – der einzige Mehrwert, der sich in „Grabeshauch“ noch bietet, ist die Tatsache, dass sie nun die ganze Geschichte noch einmal geballt wiedergibt. Gleiches gilt für die Rekapitulation der Ereignisse um den Blitzschlag, der Harper ihre ungewöhnliche Gabe verliehen hat. In bisher jedem Band der Reihe hat sie dem Leser diese Zeilen zur Erklärung an die Seite gestellt und langsam wird es wirklich öde. Sicher sind diese Wiederholungen auch der Tatsache geschuldet, dass ein unbedarfter Leser die Reihe vielleicht nicht in der richtigen Reihenfolge – oder aus dem Zusammenhang gerissen liest. Charlaine Harris verpackt ihre Expositionen allerdings so idiotensicher, dass man wirklich die ersten drei Bände nicht gelesen haben muss, um den vierten zu verstehen. Das ist für neue Leser vielleicht praktisch, für Fans der Serie ist es extrem langweilig und enttäuschend. Man fragt sich zwangsläufig, welchen Mehrwert die älteren Bände denn bieten, wenn man immer wieder dieselben Erklärungen lesen muss und die Autorin immer wieder beim Urschleim beginnt, bevor sie überhaupt so etwas wie Handlung oder Konflikte entwickelt.

Schreibt Harris nicht gerade über Dinge, die der Leser schon weiß, dann schreibt sie über unglaublich Banales: Sie erklärt dem geneigten Leser, dass Harper zur Polizeistation geht und den Schirm aufspannt, weil es anfängt zu regnen. Sie räumt jeder Mahlzeit ihrer Heldin ausreichend Platz ein (hauptsächlich isst sie Salat und Suppe), sie erwähnt wirklich jeden Anruf beim Zimmerservice und beschreibt sogar, wie Harper in den Waschsalon geht. Nichts davon hat irgendeine Relevanz für die eigentliche Handlung. Es dient einzig als Füllsel, wahrscheinlich, um beim Leser so etwas wie Realitätstreue hervorzurufen. Charlaine Harris allerdings, und da sollte sie ehrlich mit sich sein, ist eine Autorin von Unterhaltungsliteratur und besitzt daher nicht die schriftstellerische Größe, um Banalem eine Tiefe zu verleihen, die für den Leser interessant sein könnte. In ihren Romanen bleibt sie oberflächlich und so weisen all die Alltagsbeschreibungen eben nicht über sich hinaus, sondern füllen einfach nur Seiten mit nebensächlichen Szenen. Dass Harper auch mal was essen muss, setzt man eigentlich voraus – das muss nicht ständig aufs Genaueste beschrieben werden. Anstatt sich en detail für Harpers Alltag zu interessieren, wäre es wohl sinnvoller gewesen, die Auflösung um das große Geheimnis von Camerons Verschwinden besser zu durchdenken und logischer zu präsentieren. Vor allem wäre es nötig gewesen, dem Bösewicht genügend Platz einzuräumen, anstatt ihn unter ferner liefen abzuhandeln. Denn das einer routinierten Autorin wie Charlaine Harris nichts Besseres einfällt, als den Bösewicht erzählen zu lassen, warum er so böse ist, während die White Hats andächtig lauschen, das ist dann eine billige und – gelinde gesagt – faule Auflösung. Dass selbiger Bösewicht sich dann netterweise gleich selbst erschießt, damit auch niemand irgendwelche Probleme mit ihm hat, das mutet dann sehr nach Seifenoper an und ist einer Charlaine Harris einfach nicht würdig.

Schade ist vor allem, dass eine Autorin, die ein immenses Talent dafür hat, interessante und außergewöhnliche Charaktere zu schreiben, von dieser Gabe in „Grabeshauch“ kaum Gebrauch macht. Die Charaktere stehen auf der Stelle, es gibt keine Entwicklung mehr und auch der konfliktgeladenen Beziehung zwischen Harper und Tolliver gewinnt sie keine neuen Seiten ab – stattdessen driftet sie ins Süßliche ab, sodass deren Liebe nur noch dadurch transportiert wird, dass sie sich regelmäßig „Schatz“ nennen und in gesellschaftlich akzeptablen Abständen miteinander Sex haben.

_Man kann sich_ des Eindrucks nicht erwehren, dass Charlaine Harris keine rechte Lust mehr auf Harper hatte. Zumindest lässt der uninspirierte und in Teilen abstruse Abschlussband dies vermuten. Dass auch die Prosa überaus simpel und schnell dahingeschrieben daherkommt, passt ins Bild, erhöht aber in keinem Fall das Lesevergnügen. „Grabeshauch“ ist leider kein würdiger Abschluss für die Abenteuer um Harper und Tolliver. Es ist der schlechteste Band der Reihe und nach der Lektüre ist man fast froh, es hinter sich zu haben.

|Taschenbuch: 317 Seiten
Originaltitel: Grave Secret
Deutsch von Christinane Burkhardt
ISBN-13: 978-3423212687|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de

_Charlaine Harris bei |Buchwurm.info|:_

|Sookie Stackhouse|:
Band 1: [„Vorübergehend tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=788
Band 2: [„Untot in Dallas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=939
Band 3: [„Club Dead“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1238
Band 4: [„Der Vampir, der mich liebte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2033
Band 5: [„Vampire bevorzugt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3157
Band 6: [„Ball der Vampire“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4870
Band 7: [„Vampire schlafen fest“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5450
Band 8: [„Ein Vampir für alle Fälle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6161
Band 9: [„Vampirgeflüster“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6593