Band 1: [„Für die Krone“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6640
Band 2: _“Gegen die Zeit“_
Band 3: „In den Abgrund“ (September 2011)
_Nach den dramatischen_ Ereignissen am Ende des Vorgängerbandes sitzen Jonathan und Holmes ganz schön in der Patsche. Wellington hat die beiden zusammen mit all den anderen Magiern, die ihm die Gefolgschaft verweigerten, im untersten Keller der Guildhall einsperren lassen. Da es dort keinen Whiskey gibt, mach Holmes sich unverzüglich daran, das Schloß zu knacken …
Unterdessen hat Wellington bemerkt, das an der Hand des aufgebahrten Dunholm der silberne Siegelring fehlt. Sofort lässt er nach Dunholms Kutscher und Freund, Randolph Brown, suchen, dem es gelungen ist, während Wellingtons Putsch aus der Bibliothek zu verschwinden. Wellington glaubt, Randolph habe den Ring als Andenken an Dunholm eingesteckt. Randolph seinerseits ist derweil damit beschäftigt, einen Plan zur Befreiung von Wellingtons Gefangenen in die Tat umzusetzen. Und als sei das alles noch nicht Trubel genug, ist eine junge Italienerin namens Lionida Diodato unterwegs nach London. Sie ist Agentin einer Spezialtruppe der Inquisition …
_Lionida Diodato ist_ der bisher wichtigere von zwei erwähnenswerten Neuzugängen. Sie ist nicht nur in der Fadenmagie bewandert, sondern auch ansonsten sehr schlagkräftig. Außerdem ist sie eine sehr schöne Frau, keine Wunder also, dass man ihr nicht gerade mangelndes Selbstbewusstsein nachsagen kann. Ihr Kollege Emilio Scarcatore ist eigentlich der Interessantere von beiden, denn er ist – nun, man könnte sagen, magisch antibegabt. Fadenmagie gleitet einfach an ihm ab. Echte Persönlichkeit kann man den beiden bisher allerdings nicht bescheinigen. Scarcatore kommt zu wenig vor, und war bisher hauptsächlich zurückhaltend, und auch Lionida war bisher vor allem kompetent und pragmatisch. Es ist aber davon auszugehen, dass beide im dritten Band noch eine größere Rolle spielen werden, was ich sehr begrüßen würde.
Die Handlung ist diesmal etwas weniger kompakt ausgefallen als das letzte Mal. Die Aufteilung der Gruppe um Jonathan, die beiden Neuzugänge aus Italien, sowie eine stärkere Gewichtung der Ereignisse um Wellington haben aus zwei dicken Handlungssträngen vier schlankere gemacht, die Bernd Perplies geschickt umeinander herumgewunden hat wie in einem komplizierten Knoten. Das hatte zwar zur Folge, dass mein Lieblingscharakter Holmes nicht mehr so im Mittelpunkt stand, doch das hat der Geschichte nicht geschadet. Diverse Ausbruchversuche, Kidnapping, eine Verfolgungsjagd über die Dächer und ein weiteres mehr oder weniger magisches Duell sorgen dafür, dass die Handlung immer wieder aufs Neue spannend und abwechslungsreich bleibt. Angenehm auch, dass der Autor es seinen Helden niemals allzu leicht gemacht hat.
Jetzt, wo Jonathan sozusagen mit beiden Beinen in der magischen Welt steht, ist das Flair des historischen London etwas in den Hintergrund getreten, dafür bekam die |Nautilus| Gesellschaft von |Gladius Dei|, einem magisch etwas aufgepeppten Zeppelin mit deutscher Besatzung, was der Autor für ein paar kleine Seitenhiebe auf preußischen Militarismus und deutsche Pedanterie genutzt hat. Desgleichen wurde der Aspekt um die Magie ein wenig ausgebaut, nicht nur im Hinblick auf Scarcatore, der eher eine vielversprechende Aussicht auf den nächsten Band bedeutet, sondern auch in Bezug auf Dunholms Ring. Und dann ist da natürlich auch noch Rupert, der ein wenig für zusätzlichen Schmunzeleffekt sorgt.
Sprachlich eher schnörkellos und nicht unbedingt sehr detailliert, aber trotz allem stets ideenreich und immer wieder mit recht trockenem Humor führt der Autor den Leser durch seine turbulente, abwechslungsreiche und auch spannende Geschichte. Allein an einer Stelle bin ich diesmal über einen Knacks in der Logik gestolpert: Obwohl sämtliche Handlanger Wellingtons den magischen Riegel der Gefängnistür von außen einfach innerhalb von Sekunden öffnen konnten, war das dem draußen versteckten Verbündeten der Gefangenen nicht möglich, statt dessen musste er das Fadennetz mühsam und langwierig aufknoten oder unter großem Kraftaufwand abreißen. Trotzdem habe ich auch diesen Band mit Vergnügen gelesen, und das Warten auf den Abschluss wird sicherlich nicht ohne Ungeduld abgehen.
_Bernd Perplies studierte_ Germanistik und Filmwissenschaften und arbeitet seither als Redakteur für filmportal.de sowie als Übersetzer. Bereits mit seiner |Tarean|-Trilogie hatte er großen Erfolg. Der letzte Band zu seinem neuen Zyklus |Magierdämmerung| unter dem Titel „In den Abgrund“ soll im September dieses Jahres erscheinen.
Teil 1: „Gefährlich wie ein Engel“
Teil 2: „Verlockend wie ein Dämon“
Teil 3: „Zärtlich wie ein Krieger“
_Vor Jahrhunderten lebte Lachlan MacGregor_ glücklich mit seiner Familie in den schottischen Highlands. Bis zu dem Tag, als er durch eine falsche Entscheidung das Leben seines Clans und seiner Familie aufs Spiel setzt und er selbst stirbt.
Nach dieser Tat wird er zum Wächter der Seelen, diese waren nicht böse genug, um in der Hölle zu landen, haben aber auch eine Sünde begangen, die es ihnen nicht möglich macht in den Himmel zu kommen. So müssen die Wächter der Seelen sich bewähren und der Herrin des Todes dienen. Die Wächter der Seelen begleiten die Seelen Verstorbener, je nach Reinheit der Seele, in den Himmel oder die Hölle. Seit 400 Jahren muss Lachlan nun gegen Dämonen kämpfen, die die Seelen für ihre finsteren Zwecke nutzen wollen.
Der Glaube an Hexen ist weltweit verbreitet. Zauberkenntnisse und der Pakt mit dem Teufel waren ideale Vorwände, um in der Epoche des Mittelalters europaweit Frauen der Hexerei zu bezichtigen, sie mit der Folter zu unsinnigen und unmöglichen Geständnissen zu erpressen, um sie anschließend durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen grausam zu ermorden.
Der Hexenglaube ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, und in manchen Gegenden wird Frauen, die man als „Hexe“ betitelt, noch immer mit ungewöhnlicher Feindseligkeit oder Misstrauen begegnet.
Magische Fähigkeiten oder das Wissen um alternative mit der Natur verbundene Behandlungsmöglichkeiten sind meistens artverwandt. Es gibt wahre Hexenkulte, Hexenversammlungen, Hexenreligionen und Traditionen, und auch noch in unserer Zeit organisieren sich die magiebegabten Frauen in Hexenzirkeln.
Der (Aber-)Glaube hat mit Sicherheit einen wahren Kern und auch seine Geheimnisse um längst verlorenes Wissen, das man zum Guten oder auch zum Bösen einzusetzen vermag. Die Mythologie hat ihren Ursprung wohl in der griechisch-römischen Zeit, dort wurden die Hexen als Medea oder als Circe betitelt.
In der Esoterikszene wird häufig von der Wicca-Religion gesprochen, die gerade in den USA weit verbreitet ist und sich als Naturreligion sieht. In der magisch-paranormale Welt gibt es aber auch Männer, die als Hexer oder Magier gelten können und ebenso „Zauberformeln“ aus Büchern und Schriften verwenden. Solche „Grimoires“ sind Zauberbücher mit magischem Wissen.
Beschwörungsformeln, Rituale, Listen von namentlich kenntlichen Dämonen, Engeln und anderen Kreaturen sind wohl die wichtigsten Inhalte, aber auch Rezepte für medizinische Heilmittel und Tränke können dort aufgeführt sein. Und wie immer und überall gibt es weiße und schwarze „Zauberbücher“, die sich mit Magie und Wissen beschäftigen.
Auch in der Literatur, gerade in der fantastischen, gibt es eine Vielzahl von Hexen und Zauberern mit ganz unterschiedlicher Gesinnung. Die kanadische Autorin Kelley Armstrong hat mit „Nacht der Hexen“, der im Verlag |Knaur| erschienen ist, einen spannenden und abwechslungsreichen Roman zu dieser Thematik verfasst.
Inhalt
Paige Winterbourne ist die Tochter einer Hexe und selbst eine magisch begabte Frau, auch wenn sie nicht über solch großartige talentierte Fähigkeiten wie die Frau Mama verfügt. Streng und gewissenhaft versucht sie motiviert und angestrengt, ihr Potenzial zu steigern, indem sie aus ihren Grimoires ihre Formeln lernt und versucht praktisch anzuwenden.
In der menschlichen Welt ist sie Vormund und vom Beruf Webdesignerin. Gerade Ersteres verlangt ihr einiges ab, denn die 13-jährige Savannah ist wie Paige selbst eine Hexe, wenn auch eine sehr junge, und schon jetzt trägt sie eine außergewöhnliche Kraft in sich. Hinzu kommt noch, dass Savannah recht eigensinnig und stur sein kann, und neben ihrer pubertierenden Art kann das schon anstrengend werden.
Paige ist nebenbei noch ein nicht unumstrittenes Oberhaupt des amerikanischen Hexenzirkels, trotz ihrer noch jungen Jahre. Ihr Leben gerät aber durch einen Sorgerechtsstreit des leiblichen Vaters, eines mächtigen Magiers, etwas aus den Fugen. Unterstützt von einer Halbdämonin – Leah, einer Erzfeindin von Paige – wird die Bedrohung durch Einschüchterungsversuche mit weltlichen und magischen Mitteln stetig lebensgefährlicher. Vom Hexenzirkel auf weiter Flur alleine gelassen, vom Gesetz her auf schwachen Säulen fundiert, scheint jeglicher Widerstand zunächst zwecklos zu sein. Da sie in der menschlichen Welt um das Sorgerecht kämpfen muss, nimmt sie sich einen Anwalt, der wenig später grausam ermordet wird. Und natürlich wird Paige dafür verantwortlich gemacht. Hinzu kommt noch, dass die Polizei einen satanisch anmutenden Altar in ihrem Garten findet und Heerscharen von Journalisten und neugierigen Personen gar nicht daran denken, von ihrem Haus abzuziehen.
Noch unwahrscheinlicher und undurchsichtiger wird die spektakuläre Lage, als sich ein magischer Anwalt an die Seite von Paige und Savannah stellt – Lucas Cortez, jüngster Sohn der mächtigsten Magierfamilie des Landes.
Arrogant und selbstsicher und magisch gar nicht so unbegabt, wird Cortez zum Verbündeten des Duos, aber Paige fragt sich, was er mit seiner selbstlosen Art bezweckt …
Kritik
Kelley Armstrong hat mit ihrem dritten phantastischen Band „Nacht der Hexen“ einen wirklich „zauberhaften“ Roman verfasst. Vielschichtig und ungemein sarkastisch erzählt Paige die Handlung aus ihrer Perspektive. Armstrongs magische Welt ist eine bunte, paranormale Mischung aus Menschen und Magie, Hexen und Magiern und zudem tummeln sich noch Dämonen auf der Bühne. Moderne Zeiten und alte magische Traditionen mit urfeindlichen Vorurteilen werden miteinander verflochten, sodass ein imposanter Schauplatz entsteht mit viel Raum für Ideen, die eine spannende Handlung immer wieder magisch vorantreiben.
Am Anfang gestaltet sich die Geschichte recht undurchsichtig und unübersichtlich, auch wenn man die Spannung immer als ansteigend empfindet. Der Ursprung der Magie um Hexen und Zauberern bleibt etwas im Unklaren, auch für die wechselseitige und etwas komplizierte Beziehung bleibt trotz einiger Erklärungen noch viel Raum, um vielleicht in späteren Romanen aufgearbeitet zu werden. Charmant und humorvoll bewegen sich alle Protagonisten durch die Handlung. Paiges Gedankengänge und zynische Dialoge verfolgt der Leser immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Ihre Ziehtochter Savannah ist ziemlich direkt und forsch, doch hilflos agieren und pubertieren kann eben auch ein besonders begabtes dreizehnjähriges Mädchen.
Lucas Cortez wirkt mit seiner Vergangenheit noch am interessantesten. Auch wenn er quasi nicht die Hauptrolle einnimmt, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass sich in Bälde alles um den jüngsten Spross der Familie Cortez drehen kann. Paige und Lucas stellen sich als Team dar. Paige ist eher hoch emotional und immer am Rand der Hysterie, immer in Sorge um Savannah und immer mit dem Gefühl gerade heraus. Lucas dagegen ist immer Herr der Situation und findet, egal wie verzwickt die Konfrontation mit den Gegnern auch ist, immer einen Ausweg. Eine Aura des Geheimnisvollen umgibt den jungen Mann, ein Hauch von Zauber und Macht.
Savannah ist der Schlüssel, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber selbstbewusst und dickköpfig, dazu ausgestattet mit magischen Kräften, die sie noch längst nicht begreifen und steuern kann, wirkt sie etwas verloren und muss sich ständig behaupten, gegen wen auch immer.
Wer hier „gut“ und „böse“ ist, ist nicht ganz einfach zu erkennen, weil jede Partei Interessen hat, die man durchaus verstehen kann. Die Magier sind eher an politischer und wirtschaftlicher Macht interessiert und setzen ihre magischen Fähigkeiten ein, um an Einfluss und Reichtum zu gelangen. Die Hexen aber wirken unsicher und nicht wirklich gut organisiert. Zerrissen und ängstlich, wissen sie nicht, wie sie mit ihren Fähigkeiten umzugehen haben, auch wenn sie nach Höherem streben und das Wohl aller im Vordergrund sehen.
„Nacht der Hexen“ ist stimmig und gradlinig geschrieben. Es gibt nur einen Handlungsstrang, der sich aber kontinuierlich entwickelt und immer aus der Perspektive von Paige geschildert wird. Die Dialoge zwischen den Protagonisten und auch Paiges Gedankengänge sind originell und witzig. Nicht albern, sondern der Unterton ist immer gewollt ironisch, was der ganzen Geschichte gut tut, denn es mindert nicht im Geringsten die dramatische und durchaus ernste Handlung.
Kelley Armstrong hat einen imponierenden Roman geschrieben, der eindeutig auf Erwachsene ausgerichtet ist. Auch in „Nacht der Hexen“ wird getötet und gemordet, aus Rache, Habgier und wahrer Bösartigkeit. Armstrongs sprachlicher Stil ist ausgereift und der Geschichte angepasst, keine Übertreibungen oder inhaltlich logisch Fehler trüben das Lesevergnügen. Einzig und allein als Kritikpunkt sei zu verwerken, dass die magisch geschilderte Welt unstrukturiert wirkt, die Vergangenheit von Hexen und Zauberern wird zwar angerissen und macht neugierig, geht aber (noch) nicht in die Tiefe.
Fazit
„Nacht der Hexen“ kann ich sehr empfehlen. Der Roman hat alles, was eine spannende und vor allem unterhaltsame Geschichte auszeichnet. In sich abgeschlossen, bleibt trotzdem viel Raum für weitere Ereignisse und Handlungsräume, und auch die Protagonisten wirken inhaltlich und charakterlich noch weiter ausbaubar. Ich bin neugierig auf viele weitere Teile aus Kelley Armstrongs Feder und freue mich schon auf den nächsten Teil.
Autorin
Die kanadische Fantasy-Autorin Kelley Armstrong wurde 1968 in Sudbury, Ontario, als älteste von vier Geschwistern geboren. Als sie neun Monate war, zog ihre Familie nach London, Ontario. Sie studierte Psychologie und Informatik an der University of Western Ontario, bevor sie Schriftstellerin wurde. Sie lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ontario, Kanada.
Die Mein sind besiegt, doch Aliver hat den Kampf gegen die Besatzer mit seinem Leben bezahlt. Nun sitzt Corinn auf dem Thron, und es scheint sich kaum etwas verändert zu haben, zumindest nicht zum Besseren. Das Volk, das inzwischen von seiner Abhängigkeit vom Nebel geheilt ist, murrt, und mehr als das. Corinn bleibt das nicht verborgen.
Mena ist derweil damit beschäftigt, die Nebenwirkungen des magischen Wutausbruchs der Santoth zu beseitigen. Eine ganze Reihe von Ungeheuern hat sie bereits erschlagen, doch das letzte der magisch veränderten Geschöpfe, das auf ihrer Liste steht, scheint irgendwie anders zu sein als die bisherigen …
Kelis, Alivers Jugendfreund, wird plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass Aliver vor seinem Tod ein Kind gezeugt hat: Eine Tochter, die nun von den Santoth gerufen wird, und ausgerechnet Kelis wird als ihr Beschützer erwählt!
Dariel wiederum ist mit Aufbauarbeit beschäftigt. Bis Corinn ihn zusammen mit einem Vertreter der Gilde auf eine diplomatische Mission nach Westen schickt. Doch die Gilde hat nicht vergessen, dass Dariel einst ihre schwimmenden Plattformen in die Luft gejagt hat …
Dariels Reise in die Anderen Lande erweitert die Handlung um ein gutes Stück. Zum einen natürlich um eine andere Kultur. Die Auldek sind ein Volk von Kriegern, und das Töten scheint ihr einziger Lebensinhalt zu sein. Für alle anderen Tätigkeiten haben sie Sklaven. Gleichzeitig sind diese todesmutigen Kämpfer erstaunlich ängstlich: Sie fürchten sich sowohl vor dem Meer als auch vor dem Landesinneren ihres eigenen Kontinents. Nahezu das gesamte Volk der Auldek scheint sich an einem schmalen Küstenstreifen zusammenzudrängen.
Zum anderen bedeutet ein neuer Ort auch neue Charaktere: Der wichtigste ist Mór, die einst als Quotenkind in die Anderen Lande kam. Die junge Frau ist eine Anführerin des Untergrunds, misstrauisch, zornig und voller Hass auf die Familie Akaran, denen sie die Schuld an ihrer Lage gibt. Ein weiterer ist Devoth, der mächtigste der Auldek, ein Mann, der im einen Augenblick voller Begeisterung das Gemetzel bei einer Art Gladiatorenkampf beobachten und im nächsten mit einer Schar zahmer Kolibris spielen kann.
Vor allem aber stellt diese Reise eine Menge Zusammenhänge her. So erfährt der Leser endlich, was mit den Quotenkindern geschieht und was genau es mit den Numrek auf sich hat, mit denen Corinn sich verbündet hat, um Hanish Mein zu stürzen. Außerdem offenbart sie das wahre Ausmaß der Machenschaften der Gilde.
Allein die Bedrohungen durch Gilde und Auldek, die der Autor in diesem Teil der Geschichte aufbaut, drehen gehörig an der Spannungsschraube. Aber damit ist es nicht getan. Auch in Acacia tut sich einiges, was sich im Laufe der Handlung immer mehr zur Gefahr entwickelt. Dabei wirken die einzelnen Bestandteile der Entwicklung gar nicht mal so schlimm. Das Volk ist unzufrieden und plant einen Aufstand; die Gilde hat als Ersatz für den Nebel eine neue Droge entwickelt, die mit Wein vermischt unters Volk gebracht werden soll, deren Langzeitfolgen aber noch völlig unbekannt sind; das Klima hat sich verändert, sodass große Teile der Provinz Talay unter jahrelanger Dürre leiden. Das sind zwar ernste Schwierigkeiten, mit denen man aber durchaus fertig werden könnte. Die zunehmende Spannung wird weniger durch diese Einzelheiten als solche bewirkt als viel mehr dadurch, wie Corinn darauf reagiert. Denn Corinn ist nicht wirklich stark, obwohl sie ihre Unsicherheit nach außen perfekt verbirgt. Sie ist im ersten Band mehrmals verraten worden, deshalb traut sie kaum jemandem, aber auch ihr Misstrauen kann sie nicht gegen erneuten Verrat schützen. Corinn nimmt immer öfter Zuflucht zur Magie, die sie aus dem Buch von Elenet erlernt hat. Doch die Magie ist ein zweischneidiges Schwert in mehr als einer Hinsicht.
Der Handlungsteil, der in Acacia spielt, zeigt deshalb besonders gut, wie geschickt der Autor das Wechselspiel zwischen seinen Figuren und den äußeren Umständen gestaltet hat. Alles ergibt sich aus sich selbst, vollkommen fließend, ohne Hänger, logische Knicke oder ähnliches Geholper. Selbst die Verbindung der Geschehnisse von einem Kontinent zum andern ist glatt wie Seide geraten. Und natürlich hat der Autor sein Buch nicht beendet ohne ein paar vage Andeutungen, die noch einiges an Enthüllungen versprechen. Einziger Wermutstropfen: Ein paar grobe Schnitzer im Lektorat.
Damit ist „Die fernen Lande“ ein würdiger Nachfolger des bereits sehr gelungenen ersten Bandes der Acacia-Trilogie. Natürliche, glaubwürdige und interessante Charaktere verbunden mit einer spannenden, vielschichtigen und kaum vorhersehbaren Handlung füllen locker die knapp achthundert Seiten, sodass der Leser eine detaillierte Ausarbeitung des Hintergrundes überhaupt nicht vermisst. Ich bin jetzt schon gespannt auf den letzten Band. Wenn er genauso gut wird wie der Erste, nehme ich auch gerne eine weitere Wartezeit von drei Jahren in Kauf.
David Anthony Durham wurde 1969 in New York geboren, war aber viel in Europa unterwegs. Unter anderem hat er mehrere Jahre in Schottland verbracht. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat er an verschiedenen Universitäten gelehrt. Zu seinen Werken gehören außer einigen Kurzgeschichten die Romane „Gabriel’s Story“ und „Walk through Darkness“, sowie der Historienroman „Pride of Karthage“ über den zweiten punischen Krieg, von denen bisher jedoch keines ins Deutsche übersetzt wurde. Der dritte Band des Acacia-Zyklus trägt den Titel „The Sacred Band“, und ist derzeit noch in Arbeit.
Nach den turbulenten Ereignissen im Sorgerechtsstreit um ihre Stieftochter Savannah hat die Hexe Paige Winterbourne noch immer alle Hände voll zu tun. Da sie aus dem Hexenzirkel ausgeschlossen wurde und nun in der paranormalen Welt etwas verloren dasteht, versucht sie selbst eine zauberhafte Vereinigung von Hexen ins Leben zu rufen, was gar nicht so einfach ist.
Doch es gibt auch viel Neues und Positives in ihrem persönlichen Umfeld. Paige hat nun einen Mann an ihrer Seite, und dieser ist alles andere als normal. Lucas Cortez ist Magier, Rechtsanwalt und Erbe des wohl mächtigsten Magierclans. Bisweilen ist er ein wenig eigensinnig, sieht sich als glorreicher Ritter und bekämpft Ungerechtigkeiten, wo er sie nur finden kann, doch er hat ungeahnte Talente und ein Selbstbewusstsein, das nur schwer zu erschüttern ist.
Die Ruhe findet ein plötzliches Ende, als Lucas Vater Benicio, das Oberhaupt des Magierclans, während der Abwesenheit seines Sohnes bei Paige erscheint. Indirekt bittet Benicio Cortez Paige und Lucas um Hilfe. In Miami, dem Sitz des Cortez-Clans, gibt es einen Mörder, der die Kinder der Magierfamilien bedroht. Es ist schon zu ersten Todesfällen gekommen und ein Mädchen liegt noch im Koma. Paiges innerliche Alarmglocken schlagen schon an, und gemeinsam mit Lucas und Savannah reist sie nach Miami.
In der sonnigen Stadt erwartet sie aber das „Böse“. Nicht nur der Cortez-Clan hat mit der Bedrohung durch den Killer Angst und Schrecken erlebt, auch der Boyd- und der Nast-Clan sind schon von ersten Angriffen eines höchstwahrscheinlich paranormalen Mörders bedroht.
Lucas und Paige, die beide Angst davor haben, dass auch Savannah getötet werden könnte, vertraut ihren Freunden Elena und Clay Savannah an – beides Werwölfe und damit durchaus imstande, jegliche Bedrohung auszuschalten.
Gemeinsam mit einer Nekromantin und einer schon sehr alten Vampirin, die Lucas und Paige bei ihren gefährlichen Ermittlungen unterstützen, werden auch sie selbst das Ziel des Killers und geraten in tödliche Gefahr …
Kritik
„Pakt der Hexen“ von Kelley Armstrong ist der vierte Teil der Reihe „Woman of the Otherworld“. Armstrongs Protagonisten sind zumeist Frauen, die in den Geschichten ihren Mann stehen müssen. Waren es in den ersten beiden Romanen weibliche Werwölfe, so spielt in dem dritten und vierten Teil Paige Winterbourne in ihrem Wesen als Hexe die Hauptrolle, im fünften Teil wird Eve, die verstorbene Mutter von Savannah, als Geist die Geschicke lenken.
Sicherlich ist „Pakt der Hexen“ unabhängig von den anderen Teilen zu lesen, doch empfehle ich, bei Band eins anzufangen, da alle Protagonisten, weibliche wie auch männliche, in fast allen Bänden manchmal sogar eine tragende Rolle spielen. Manche Dialoge und Rückblenden sind also erst für den Leser verständlich, wenn er die Vergangenheit der Figuren nachvollziehen kann.
Gerade das etwas schwierige und angespannte Verhältnis zwischen Lucas und seinem Vater Benicio findet in Band 3 eine erste Erklärung, die in diesem Band weiter vertieft wird. Lucas im Schutze und Schatten seines mächtigen Vaters aufgewachsen, weiß um die Strukturen und Gesetze des Magierclans, sieht aber in vielen Situationen Ungerechtigkeiten, die das ganze System für seine Augen als unglaubwürdig darstellen. Sein Vater dagegen, der das rebellische Verhalten seines Lieblingssohnes eher für jugendlichen Übermut hält, unterstützt ihn finanziell und behindert ihn auch nicht.
In Kelley Armstrongs magischer Welt geht es natürlich auch wie im realen Leben der Menschen nicht ohne Konfrontationen zu. Auf der einen Seite gibt es die Magier, die sich arrogant und selbstsicher als Denker und Lenker verstehen; daneben existieren die Hexen, die mit den Magiern seit den Anfängen konkurrieren, aber aus verschiedenen Ängsten nicht an Boden gewinnen können. Innerhalb dieser Welt mischen dann noch Nekromanten, Schamanen, Druiden und natürlich auch Dämonen, die den Magiern zumeist dienen, mit. Etwas abseits davon und für sich selbst verantwortlich, trennen sich die Vampire und Werwölfe von den anderen Gruppierungen und haben ihre ganz eigenen Probleme. Schon als Minderheit und vom „Aussterben“ bedroht, beteiligen sich diese nicht an den Vorherrschaftskämpfen und magischen Auseinandersetzungen um wirtschaftliche und politische Macht.
Man erkennt also: Kelley Armstrongs magische Welt ist komplex und kompliziert, was in den Handlungen der einzelnen Romane die Spannung und Abwechslung sehr nach vorne treibt.
„Pakt der Hexen“ ist ein magischer Thriller mit vielen unterschiedlichen Ansätzen, was den Protagonisten positiv anzurechnen ist. Jede Spezies hat so ihre eigenen Fähigkeiten und Eigenarten und selbst erschaffenen menschlichen Probleme. Paige Winterbourne, eine noch junge, aber talentierte Hexe, ist eher überheblich und aufbrausend, wohingegen ihr Freund Lucas als Magier ruhig und sachlich versucht, die Situationen zu entschärfen. Eine Mischung im Duo, die sich wunderbar ausgleicht und ergänzt.
Aber sie kommt nicht ohne Konfliktpotential in der Beziehung aus. Paiges Ziehtocher hat enormes magisches Potential, was sie ihrer verstorbenen Mutter Eve zu verdanken hat, aber mit ihren jungen Jahren und ihrer noch lange nicht abgeschlossenen Ausbildung bietet sie ein leichtes und viel beachtetes Ziel für einige Interessenten.
Kelley Armstrong hat in „Pakt der Hexen“ der Spannung, die auch schon im dritten Teil konstant und sogar steigend war, einen weiteren Schubs nach vorne geben können. Da sich die Charaktere und ihre einzelnen Geschichten immer weiter vertiefen, nehmen der Anspruch und die Spannung auch weiter linear zu. Zwar gibt es immer den gleichen engeren Kreis paranormaler Personen und es kommen auch immer einige dazu, doch gibt es auch Opfer, die nach ihrem (un)natürlichen Tod wohl nicht wieder auferstehen werden.
„Pakt der Hexen“ ist spannend und weiß zu überraschen. In diesem Thriller, auch mit seinen phantastischen Elementen, verfolgt der Leser die Serienmorde eines paranormalen Killers und die Ermittlungen unserer zwei mit magischen Fähigkeiten gesegneten Protagonisten. Der Leser ist zwar versucht, auch selbst den Täter zu ermitteln, aber aus Unkenntnis der nicht menschlichen Verdächtigen kann das gar nicht gelingen. Trotz allem, die Spannung steigt, für Action ist vielfach gesorgt und als besonderes Schmankerl kommt der Humor erst recht nicht zu kurz. Paiges etwas aufbrausendes Temperament und ihre erzählerische Perspektive sind gleichsam zynisch lustig wie auch ansprechend der Situation abgestimmt.
Der Roman ist zwar in sich abgeschlossen, doch weiß man als Leser nach der letzten Seite, dass es noch weitergehen muss. Allein schon die Familienverhältnisse innerhalb des Clans der Cortez geben viel Handlungsspielraum und Ideen für zukünftige Projekte.
Fazit
„Pakt der Hexen“ kann ich sehr empfehlen. Nicht nur für Frauen wird der Roman spannend, vielseitig und interessant sein, auch wenn in den Romanen jedes Mal der weibliche Part die Zügel in der Hand hält. Sicherlich ist hier auch für Romantik gesorgt, und auch wenn die Protagonisten untot, unheimlich und irreal agieren, so sind sie – oder waren es zumindest – auch menschlich. Für Leser, die komplexe Verflechtungen, Intrigen und Magie lieben, wird dieser Roman viele Überraschungen bereithalten.
Kelley Armstrong schreibt erstaunlich frisch und flüssig, sie hält sich nicht lange in Beschreibungen auf, sondern legt viel Wert auf prickelnde, zynische Dialoge und ansteigender Spannung.
Der Roman sollte, und das empfehle ich wärmstens, nicht als erstes Buch der Serie gelesen werden. Der vorherige Titel – „Nacht der Hexen“ – in dem auch die Hexe Paige die Hauptrolle spielt, sollte zumindest schon gelesen sein. Besser noch, man fängt gleich mit den beiden Romanen „Blut der Wölfin“ und „Rückkehr der Wölfin“ an, denn damit beginnt die magische Saga. Somit ist dem Leser gewährleistet, dass er einige Personen, die dort auftauchen, wie eben die Werwölfe, schon kennen und lieben gelernt hat.
Im September des Jahres 2436 musste Perry Rhodan, Großadministrator des „Solaren Imperiums“, sein Flaggschiff CREST IV in der Galaxis M 87 zurücklassen. Die Maschinen sollten das gewaltige, 2500 Meter durchmessende Schiff knapp unter Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und automatisch in die weit entfernte Heimat-Milchstraße zurücksteuern – ein Ziel, das erst in 27 Mio. Jahren erreicht sein würde.
Doch Rhodan hat die CREST IV nie vergessen. Als ein Jahrtausend später die Technik soweit fortgeschritten ist, dass einst unermessliche Entfernungen mit Ultra-Langstreckentriebwerke gemeistert werden können, schickt der dank seines Zellaktivators unsterbliche und weiterhin amtierende Großadministrator 3437 das Spezial-Raumschiff HAMPTON T aus. Unter dem Kommando von Major Lennox Hatt soll die Besatzung die CREST IV suchen und bergen.
Erst 1000 Lichtjahre hat das Schiff seit 2436 zurückgelegt. Doch als die HAMPTON T jenen Sektor im Randgebiet von M 87 erreicht, den es inzwischen erreicht haben müsste, ist es verschwunden. Hatt nimmt die Spur dort auf, wo die CREST IV zu ihrer letzten Reise startete: auf dem Planeten Homeside. Dort war es 2436 noch zum Gefecht zwischen den Raumfahrern und den Rrhaal gekommen, die das Schiff an sich bringen wollten.
Was die kristallinen, an große Felsbrocken erinnernden Rrhaal mit der CREST IV planten, konnte damals nicht mehr ermittelt werden. Offensichtlich sind die seltsamen Wesen in einem zweiten Anlauf erfolgreicher gewesen und haben das alte Schiff an sich gebracht. An dem neuen Besitzverhältnis wollen sie nicht gerüttelt wissen, wie Hatt und die 200-köpfige Besatzung der HAMPTON T leidvoll erfahren – oder gibt es vor allem ein massives Kommunikationsproblem …?
_Interessante Fußnote zu einer endlosen Zukunfts-Historie_
1968 schilderte Kurt Mahr im „Perry-Rhodan“-Heftroman 368 („Von Galaxis zu Galaxis“), wie Perry Rhodan und seine Mitstreiter im Zuge der Auseinandersetzungen mit den „Konstrukteuren des Zentrums“ von Bord der CREST IV gehen mussten. Während diese noch über weitere 31 Hefte tobten, geriet das Flaggschiff der solaren Flotte in Vergessenheit; es landete mit unzähligen anderen ungelösten Rätseln im Windschatten einer SF-Serie, die im Jahre 2011 ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte.
Dies bedeutet: 50 x 52 Hefte, denn „Perry Rhodan“ erschien und erscheint wöchentlich. Hinzu kommen zahlreiche weitere Serien, die im PR-Kosmos spielen. Dazu gehören insgesamt 415 „Planetenromane“, die zwischen 1964 und 1998 veröffentlicht wurden. Hier fanden die Autoren die Gelegenheit, offene Fragen der Heft-Handlung aufzugreifen und im Rahmen eines Taschenbuches zu beantworten.
„Geisterschiff CREST IV“ erschien erstmals 1979. Kurt Mahr selbst kam auf die elf Jahre zuvor geschilderten Ereignisse zurück. Er verfasste einen Roman, der problemlos 2011 neu veröffentlicht werden konnte, da er die Handlung nicht eng an die Vorgeschichte anschloss, sondern eine weitgehend neue Geschichte ersann, die sogar mit der PR-Historie nur locker verzahnt ist, was sie als ’normales‘ Science-Fiction-Abenteuer goutierbar macht.
|2,5-km-Stahlkugel als MacGuffin|
Was einerseits von Vorteil ist, da Mahr auf diese Weise das Korsett einer weitgehend in Vergessenheit geratenen Serien-Vergangenheit sprengt, ärgert andererseits durch den ‚Missbrauch‘ einer Episode, die offensichtlich nur als Anreiz dient, Leser für ein ansonsten anspruchsarmes SF-Garn zu interessieren. Die CREST IV ist das Pendant zum „MacGuffin“ der Alfred-Hitchcock-Thriller: Sie wird zum Auslöser einer Handlung, für die sie selbst ohne große Bedeutung bleibt.
Fast ist die gesamte Geschichte schon erzählt, als endlich die CREST IV gefunden wird; ganz nebenbei, nachdem der Verfasser zuvor viele Seiten mit Schilderungen füllte, wie man im unendlichen Weltall nach einem riesigen Raumschiff fahndet. Es überrascht leider nicht, dass Mahr für das CREST-Mysterium eine denkbar lapidare, den Leser in keiner Hinsicht zufriedenstellende ‚Auflösung‘ findet: Nachdem aufwendig eine Expedition organisiert wurde, deren Kostspieligkeit mehrfach Erwähnung findet, um ein zwar altes aber unbeschädigtes und wertvolles Schiff zu bergen, wird dieses quasi als Andenken verschenkt. Irrationaler oder dümmlicher geht es kaum, was die Auftraggeber Hatt & Co. nach der Rückkehr zweifellos klargemacht haben dürften …
Das Urteil fällt gnädiger aus, ruft man sich ins Gedächtnis, dass „Perry Rhodan“ und damit auch „Geisterschiff CREST IV“ pure Trivial-SF ist. Hier geht es nur bedingt um Handlungstiefe. Die Schilderung eines bunten, simpel strukturierten, auch im Halbschlaf zu genießenden Abenteuers war das Primär- und Alleinziel des Verfassers. Die CREST wird zum Aufhänger, der das Interesse des Ziel- gleich Kaufpublikums wecken soll: So funktioniert die Welt der (deutschen) Trivial-Unterhaltung, die zudem von Autoren bedient wird, die keine Zeit haben, Themen oder Figuren zu vertiefen, da sie nicht selten monatlich oder gar wöchentlich ein neues Taschenbuch oder einen neuen Heftroman produzieren.
|Von A nach B nach C nach D …|
„Geisterschiff CREST IV“ liest sich als Folge wenig harmonisch aufeinander aufbauender Episoden, die in ihrer Gesamtheit einen Roman von Taschenbuchlänge ergeben. Den roten Faden bildet die CREST IV, und die spielt wie schon erwähnt kaum eine Nebenrolle. Stattdessen spult Mahr ein SF-Routineprogramm ab, das zusätzlich darunter leidet, dass er Bekanntes aufwärmt und das ‚Neue‘ sich als ranzige Routine erweist. Die Suchfahrt in die immerhin 32 Mio. Lichtjahre entfernte Galaxis M 87 wirkt wie ein Wochenendausflug, auf dem Planeten Homeside verteilt man Glasperlen (!!) an ‚primitive Eingeborene‘ und nimmt endlos an einer obskuren Zeremonie teil, bevor der Verfasser auch diesen Handlungsstrang hastig abhakt und eine neuerliche Spritztour ins All ansetzt, wo die Untersuchung des Rrhaal-Ursprungs-‚Felsens‘ eher knapp ausfällt, weil die vorgeschriebene Zahl von 160 Romanseiten beinahe erreicht ist.
Wie üblich in der Trivial-SF ist die Exotik der Zukunft hauptsächlich Behauptung. Der Physiker Mahr schlägt sich in diesem Umfeld relativ wacker; er beschreibt plastisch und nicht ganz anspruchslos Phänomene, die eine Suche nach der CREST IV, die sich im Dilationsflug befindet, stark verkomplizieren. Das Schiff treibt nicht bewegungslos im All, sondern bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die sich entsprechend Einsteins Relativitätstheorie auf Zeit und Raum nachhaltig auswirkt. Auch über die Verbreitung von Funk- und Ortungssignalen macht sich der Kommunikations-Spezialist Mahr Gedanken, die in der physikalischen Realität verwurzelt sind. Vor diesem Hintergrund fällt die Eindimensionalität des Geschehens umso stärker und negativer auf.
|Bootsmänner und -frauen der Zukunft|
Ungeachtet der Tatsache, dass man vermutlich auch zukünftig die geistige Elite der Menschheit in die Tiefen des Universums hinausschicken wird, verhalten sich die drei Hauptfiguren unserer Geschichte – ihre 179 Begleiter/innen bleiben gänzlich unerwähnt oder anonyme Statisten – wie müßige Gäste auf dem Raumschiff, das sie angeblich kommandieren. Wenn sie Befehle geben, dann zeichnen sich diese eher durch Geistesblitze oder den berühmt-berüchtigten „gesunden Menschenverstand“ als durch Fachkenntnis aus.
Zwischendurch bleibt mehr als genug Zeit für Zwischenmenschlichkeit jener besonders plumpen Art, für die der deutsche Heftroman gefürchtet ist. Mahr achtet insofern auf Gleichberechtigung, als er Männlein und Weiblein denselben pubertären Umgangston aufzwingt. Für sein Geschick in der Gestaltung glaubwürdiger Gefühlsregungen war er nie berühmt. Glücklicherweise war ihm dies bewusst; er hielt sich in der Regel zurück und beschränkte sich darauf, Menschen in exotischen Umgebungen zu schildern; einfach beschreiben, was sie taten und dabei dachten, konnte Mahr gut – und besser als hier, was „Geisterschiff CREST IV“ trotz (und letztlich wegen) des vielversprechenden Titels als holprige Plätscher-SF enttäuschen lässt.
_Autor_
Kurt Mahr wurde am 8. März 1934 als Klaus Otto Mahn geboren. Nach dem Abitur und einem unterbrochenen Studium der Physik begann er zu schreiben. Die blühende Leihbuch- und Heftroman-Szene dieser Jahre bot dem Anfänger Möglichkeiten. Mahn war ein fleißiger Autor. Die Einkünfte ermöglichten es ihm, sein Studium abzuschließen. Parallel dazu schrieb er weiter; um bei seinen Dozenten nicht in Misskredit zu geraten, wählte er als neues Pseudonym „Kurt Mahr“. Unter diesem Namen erschien 1961 „Atom-Alarm“, der fünfte Band der gerade gestarteten Heftroman-Serie „Perry Rhodan“. Kurt Bernhardt, Cheflektor des Moewig-Verlags, und Chef-Autor K. H. Scheer hatten das Nachwuchstalent in jenes Team aufgenommen, das diese Serie nach festen Exposé-Vorgaben schrieb.
Mahr blieb PR-Stammautor, obwohl er noch im Dezember 1962 in die USA übersiedelte. In den nächsten zehn Jahren arbeitete er für verschiedene Unternehmen 1972 kehrte er nach Deutschland zurück, schrieb wieder und verstärkt nur noch für „Perry Rhodan“. Dabei blieb es, obwohl Mahn 1977 erneut in die USA ging. Nach dem Tod von Willi („William“) Voltz übernahm er 1985 gemeinsam mit Ernst Vlcek bis 1991 die Exposé-Redaktion. Kurt Mahr blieb PR-Autor bis zu seinem frühen Tod am 27. Juni 1993; er starb an den Folgen eines schweren Sturzes.
Die Verbindung von trivialer aber spannender Handlung vor einem aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht gar zu unlogischen Hintergrund war Mahrs Markenzeichen. Typisch waren allerdings auch die Eindimensionalität der Figuren und das Beharren auf konservativen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodellen. Mahr-Figuren wirken dort ‚lebendig‘, wo sie in wissenschaftlicher Arbeit aufgehen. Wenn die Mischung stimmte, gelangen dem Verfasser solide Unterhaltungsromane, die der Zeit erstaunlich gut standhalten.
|Taschenheft: 161 Seiten
Deutsche Erstausgabe: Januar 1979 (Erich Pabel Verlag/Perry-Rhodan-Planetenroman 191)
Cover: Johnny Bruck
[keine ISBN]
Diese Neuausgabe: Januar 2011 (Pabel-Moewig Verlag/Perry-Rhodan-Planetenromane, Taschenheft 10)
Cover: Dirk Schulz
ISBN-13: 419-1-5975-0390-9 10010|
[Autorenhomepage]http://www.vpm.de
Wilhelmina, genannt Mina, ist die Tochter eines Gutsbesitzers. Ihr Lieblingsort ist der Dachboden, wo sie am liebsten ganze Stunden damit verbringen würde, zur zarten Melodie einer alten Spieluhr zu tanzen. Doch ihre Eltern sehen dieses Verhalten gar nicht gern. Und auch der freundliche Doktor nicht, der so oft bei ihren Eltern zu Gast ist. Doch erst, als sie ein Gespräch zwischen Eltern und Doktor belauscht, findet sie heraus, in welche Schwierigkeiten ihr Verhalten sie tatsächlich gebracht hat …
Der Titel des Buches täuscht ein klein wenig. Zwar spielen Schwäne eine Rolle, und Mina träumt auch einmal davon, dass sie Kinderkleider stricken muss aus Wolle, die ihr die Hände verletzt. Ansonsten aber ähnelt die Geschichte mehr der Geschichte der sieben Raben. Obwohl die Zahl sieben hier völlig fehl am Platz ist, denn selbst bei aller Mühe kommt der Leser bestenfalls auf drei, von denen einer nicht mal ein Bruder ist, sondern „nur“ ein Cousin. Aber fangen wir vorne an …
Für die Charakterzeichnung sind zwei Personen besonders wichtig:
Mina ist ein verträumtes, empfindsames Mädchen. Das Licht unter dem Dachboden, die alten Möbel und Kleider, die sanfte Musik der Spieluhr, all das verzaubert sie, entrückt sie. Mina ist empfänglich für Dinge, die nicht offensichtlich sind, für die Geheimnisse unter der dünnen Oberfläche dessen, was die Menschen sonst als Wirklichkeit bezeichnen. Sie liebt diese Geheimnisse, die der Welt jenen Zauber verleihen, ohne den der dröge Alltag unerträglich wäre.
Für den Doktor dagegen sind diese Geheimnisse und dieser Zauber nichts als Hirngespinste, ein Wahn, den es zu kurieren gilt, und zwar mit allen Mitteln! Dabei ist er selbst nicht unbedingt unempfänglich für die Dinge jenseits der gewohnten Welt, doch sie entziehen sich seiner Kontrolle, verwirren die starre Ordnung, in der das Leben der Menschen sich seiner Ansicht nach zu bewegen hat.
Außerdem gibt es da noch die Taterfamilie, bei der Mina Zuflucht findet, und die ihr auf ihrem Weg beisteht. Alle Familienmitglieder wirken ziemlich sympathisch, selbst Viorel, der offenbar nicht nur positive Eigenschaften besitzt. Und dann wäre da noch als kleines Schmankerl der Kater Herr Tausendschön, der mich in seiner Art ein wenig an den Kater aus dem letzten Einhorn erinnerte: Er gibt niemals eine klare Antwort.
Eigentlich hat mir die Darstellung aller Figuren recht gut gefallen. Die Tater sind nicht allzu intensiv gezeichnet, aber trotzdem hat jedes Familienmitglied seine Eigenheiten, die ihm Persönlichkeit verleihen. Der Doktor taucht nicht so oft auf, und seine Darstellung wirkte auf mich weniger wie die einer Person als vielmehr die einer Institution. Seltsamerweise empfand ich das nicht als Manko. Denn von diesem Konflikt lebt die gesamte Geschichte.
Minas Umfeld ist ein strenges, steifes Umfeld, gezwängt in ein Korsett. Zum Picknick wird die halbe Einrichtung mitgenommen, selbst Tisch und Stühle, als wollte man mit der Natur eigentlich gar nicht in Berührung kommen. Von Mina wird erwartet, dass sie sich mit Mädchendingen wie Sticken und Zeichnen beschäftigt. Abweichungen von dieser Rolle wie Phantasie oder gar eigene Ansichten, ein eigener Wille, sind bei Mädchen zu dieser Zeit höchst unerwünscht.
Den Gegensatz zu der bürgerlichen Gutsidylle bietet die Welt der Tater. Sie haben kein Dach über dem Kopf, nicht einmal das von Zigeunerwagen. Sie ziehen umher und bleiben nirgendwo lange, dafür sind sie mit dem gesamten Land verbunden. Und nicht nur mit dem, auf das auch die Gadsche, die Nicht-Zigeuner, ihre Füße setzen. Hinter der „normalen“ Welt gibt es eine weitere voller Wunder und Magie, in der die Tater ebenso zu Hause sind. Dabei ist es nicht so, dass beide Welten getrennt voneinander existieren würden. Eher ist es so, dass die magische Welt wie eine zweite Haut über der Welt der Gadsche liegt, die Gadsche können sie aber weder sehen noch erreichen.
Mina kann das, und das ist der Grund, warum der Doktor sie unbedingt mitnehmen will. So, wie er bereits ihre Brüder mitgenommen hat. Und Mina ist sich durchaus nicht sicher, ob der Doktor nicht recht hat, wenn er sie als verrückt bezeichnet. Trotzdem läuft sie davon und macht sich auf die Suche nach ihren verlorenen Brüdern. Und gleichzeitig auch auf eine Suche nach sich selbst. Diese Suche ist kein Zuckerschlecken. Mina muss viel opfern, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Und nicht alle Hilfe, die ihr geboten wird, ist auch ehrlich. Sie wird getäuscht, einmal sogar verraten. Doch sie geht unbeirrt weiter.
Der Weg führt durch beide Welten. Aber vor allem die magische hat Lilach Mer sehr eindringlich und intensiv beschrieben. Das ist vor allem ihrer poetischen und bildhaften Sprache zu verdanken, die ohne jede Übertreibung oder Schwülstigkeit den Leser zutiefst verzaubert. So lebendig ist die Darstellung, dass der Wald, der Brutsee, das Haus des Pug ebenso wirklich erscheinen wie die Realität. Tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen beiden umso mehr, je weiter die Geschichte sich entwickelt, bis hin zur Unkenntlichkeit, bis zu dem Punkt, an dem Mina in der magischen Welt so zu Hause ist, dass beide Dimensionen sich nicht mehr voneinander trennen lassen.
Mancher mag vielleicht anmerken, dass die Lebensumstände der Tater ein wenig romantisiert und beschönigt wirken. Tatsächlich war es wohl kaum immer spaßig, bei Wind und Wetter unter freiem Himmel zu sein. Andererseits macht die Autorin durchaus deutlich, dass die Tater auf ihre Weise ebenso wegen ihres Andersseins unter Verfolgung zu leiden hatten wie Mina, und letztlich ist der Kern der Geschichte ja Mina auf ihrer Reise. Diese hat die Autorin auf jeden Fall außerordentlich gut umgesetzt, sowohl von der sprachlichen Seite her als auch im Hinblick auf die Einbindung alter Sagen und Märchen oder geschichtlicher Details. Lilach Mer hat mit dieser Geschichte einen Schleier gewoben, so fein und zart wie ein Windhauch, und gleichzeitig so dicht und hautnah, dass man sich seinem Zauber unmöglich entziehen kann. Sehr lesenswert!
Lilach Mer ist Juristin und Fachjournalistin und hauptsächlich im akademischen Bereich tätig. „Der siebte Schwan“ ist ihr erster Roman, der es im Rahmen des Schreibwettbewerbs von Heyne Magische Bestseller 2009 unter die fünf Finalisten schaffte.
Seit der Grundschule kannten sie sich schon, Jasmyn und Liam. Für Liam war Jasmyn, die an Albinismus erkrankt ist, immer die Schneeprinzessin, während andere von Jasmyns weißem Haar und der alabasterfarbenen Haut abgestoßen sind und nicht mehr als einen Freak in ihr sehen.
Nun steht Jasmyn als 27 Jahre junge Witwe am Grab ihres innig geliebten Liam, als sich plötzlich die Wolken öffnen und fünf tote, schwarze Schwäne auf Liams Grab fallen. In ihrer Trauer ist Jasmyn zwar erschrocken, misst der Sache aber nicht allzu viel Bedeutung bei.
Sie verkriecht sich im gemeinsamen Haus und gibt sich der Trauer ganz und gar hin. Bis eines Tages ein Fremder, Jaxon Thope, vor ihr steht und Liam sprechen will. Auf ihre Aussage hin, dass Liam an einem Aneurysma gestorben sei, reagiert der düstere Jaxon ungläubig. Jaxon Thorpe kann und will dies nicht glauben und stürmt an Jasmyn vorbei in ihr Haus. Als Jaxson tatsächlich feststellen muss, dass Liam tot ist, tobt er, verlässt aber umgehend das Haus.
Dies bleibt nicht das einzig Seltsame, das Jasmyn widerfährt, und nach einem Einbruch in ihr Haus, wobei zwar nichts gestohlen wird, dafür aber viel zerstört, flieht sie zu einer Freundin nach Amerika. Dort taucht plötzlich der Bruder Liams auf, und um die Geheimnisse um Liam zu lüften, brechen Ben und Jasmyn nach Deutschland auf. Dort hat Liam in der Zeit vor seinem Tod viel Zeit verbracht, besonders in der Nähe von Schloss Neuschwanstein.
Für Jasmyn und Ben beginnt ein magisches Abenteuer voller Mythen und Märchen und eine Reise in Liams Vergangenheit, die voller Gefahren ist.
_Kritik_
Mit der märchenhaften Geschichte um „Jasmyn“ hat die englische Autorin Alex Bell einen Roman geschrieben, in dem das Schloss des bayrischen „Märchenkönigs“ Ludwig II., Neuschwanstein, und dessen geheimnisvolle Mythen eine große Rolle spielen.
Die Geschichte beginnt sehr traurig, nimmt aber nach einigen seltsamen und geheimnisvollen Abschnitten einen spannenden und sehr unterhaltsamen Verlauf. Durch einen geschickt in den einzigartigen Plot eingeflochten Spannungsbogen wird der Leser schnell an die märchenhafte Geschichte der Sagen und Mythen rund um Schloss Neuschwanstein gefesselt. Der Erzählstil der Autorin ist dabei fließend und mühelos verständlich.
Sehr lebendig und detailliert werden die Figuren und die Umgebung geschildert; lediglich das wunderschöne Schloss Neuschwanstein hätte gerne noch präziser beschrieben werden dürfen. Trotzdem entsteht schnell ein genaues Bild vor dem inneren Auge und man hat das Gefühl, durch die Protagonisten diese einzigartige Landschaft mitzuerleben.
Sehr glaubwürdig wird die Trauer der jungen Protagonistin beschrieben, und die Gefühle von Jasmyn nehmen einen guten Teil der Geschichte in Anspruch. Durch Rückblenden in das gemeinsame Leben von Jasmyn und Liam nimmt der Leser an Jasmyns Trauer, aber auch am vergangenen Glück teil.
Durch die Trauer gefangen, nimmt die Geschichte erst langsam an Geschwindigkeit auf. Mit dem Auftauchen des düsteren Charakters Jaxson Thorpe und den Geheimnissen, die langsam an die Oberfläche drängen, wird der Spannungsbogen dann angenehm angezogen und steigert sich stetig bis in ein außergewöhnliches und atemberaubendes Finale.
Auch ist die Grundstimmung der Geschichte eher düster zu nennen. Die finsteren Wintertage und die Umgebungen, in denen „Jasmyn“ spielt, werden atmosphärisch sehr dicht beschrieben. Das passt sehr gut zu dem außergewöhnlichen Plot und der Geschichte um den „Märchenkönig“ und die Umgebung von Neuschwanstein.
Die Protagonisten sind sehr authentisch und glaubwürdig konzipiert. Jeder wird durch etwas anderes angetrieben, und die Entwicklung, der sich die einzelnen Charaktere unterziehen, wirkt gut begründet.
Mit Jasmyn leidet der Leser schnell mit; die Trauer, die Jasmyn am Anfang der Geschichte gefangen hält, und die verschiedenen Rückblicke in eine glückliche Zeit machen die Figur sehr sympathisch und glaubwürdig. Jasmyn leidet sehr unter ihrer Andersartigkeit aufgrund des Albinismus‘, trotzdem macht sie gerade das geheimnisvoll und liebenswürdig.
Trotz der Trauer ist Jasmyn bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzuklären und dabei eventuell das perfekte Bild von Liam geraderücken zu müssen.
Unersetzlich ist auch der Charakter Ben. Bis zum Ende hin bleibt so manches von ihm im Dunklen, und nicht immer ist klar, auf welcher Seite er steht. Jasmyn gegenüber tritt er sehr mürrisch auf, dabei ist sich Jasmyn nicht bewusst, woran das liegen könnte. Vor der Hochzeit mit Liam hatten Ben und Jasmyn noch ein sehr gutes Verhältnis zueinander, erst ein Streit der Brüder kurz vor der Hochzeit zerstörte die zarten Freundschaftsbande.
Auch die Neben- und Randfiguren der Geschichte tragen zum Verständnis bei und deren Verhalten klärt sich zum Ende auf, sodass kein Geheimnis offenbleibt.
Das Cover ist sehr geheimnisvoll gestaltet: Im Vordergrund sind schwarze Federn zu sehen, während im Hintergrund Schloss Neuschwanstein zu erkennen ist.
_Fazit_
Alex Bell hat mit „Jasmyn“ eine bezaubernd magische Geschichte geschrieben, die lange in Erinnerung bleibt. Ihre Wahl, die Geschichte an die Sagen rund um den deutschen „Märchenkönig“ und das prächtige Neuschwanstein anzulehnen, ist, gerade für eine englische Autorin, auffällig.
Die Kombination aus düsterer Magie, geheimnisvoller Legenden, einem unschlagbaren Handlungsort und des Verlustes eines geliebten Menschen hat die Autorin fantastisch umgesetzt, und Leser, die von magischen und düsteren Märchen nicht genug bekommen können, sind mit „Jasmyn“ von Alex Bell bestens beraten.
Ich hoffe, von dieser talentierten Autorin noch viel zu lesen.
_Autorin_
Alex Bell, geboren 1986, träumte schon als Kind davon, Schriftstellerin zu werden. Um einen Plan B zu haben, studierte sie aber erst einmal Jura. Nebenbei schrieb sie an ihrem ersten Roman. Heute lebt sie als freie Schrifstellerin zusammen mit fünf Katzen, zwei Schildkröten und einem Hund in Hampshire. „Jasmyn“ ist der erste Roman von ihr der auf Deutsch erscheint. (Verlagsinfo)
01 _“Auf den Spuren der Nebelfee“_
02 „Das Geheimnis der schwarzen Hütte“
_Im Unkrautland, Distelpfad 13_, zwischen den Schwefelzinnen und dem Finsterwald lebt Primus in seinem windschiefen Turm. Etwas einsam, aber nicht verlassen geht Primus seinen beschaulichen Tagesablauf nach. Auf Bucklewhee, den staatlich geprüften Präzisionswecker, der mit seiner Pendeluhr pünktlich den gemütlichen Turmbewohner weckt, allerdings erst um 14 Uhr, und der gern intellektuelle Diskussionen führt, ist immer Verlass. Ebenso auf Snigg, den gemütlichen Kürbis, der auf dem Komposthaufen neben dem alten Turm haust und im Sommer schneller braun wird als andere.
Es gibt viele Legenden und Geheimnisse im Finsterwald. Im nahegelegen Dorf Klettenheim geht die Angst um, des Nachts fliegt eine Fledermaus in Frack und Zylinder um den Kirchturm und verbreitet Angst und Schrecken unter den ängstlichen Einwohnern. Ist es ein blutrünstiger Vampir, der hier sein Unwesen treibt? Nein, es ist Primus, der sich immer gerne einen Spaß erlaubt und eher Himbeertorten in der Konditorei hinterherjagt als alles andere. Doch die Dorfbewohner haben die nächtlichen Überfälle satt und installieren am Kirchturm eine überdimensionale Fliegenklatsche, um die nervige Fledermaus/Primus auszuschalten.
Opfer dieser Falle wird aber nicht Primus, sondern die Hexe Plim, die auf ihrem motorisierten Besen den verwandelten Primus als Zutat für einen Zaubertrank nachstellt. Als Primus die anhängliche Hexe Plim in einer nächtlichen Verfolgungsjagd in die Falle der Klettenheimer Bewohner lockt und diese von der Klatsche im vollen Flug getroffen und in den Wald katapultiert wird, hat der listige Turmbewohner seinen größten Spaß.
Entspannt und amüsiert möchte Primus in seinem superbequemen Sessel den Zauberzirkel lesen, das wissenschaftliche Monatsmagazin für Alchemie, Hexenkunst und Zauberei, als er den Prospekt eines Spielzugladens entdeckt, der seine angeborene Neugierde erneut weckt. Inhaber des Spielzugladens ist niemand anderer als die nervige Hexe Plim, und als Primus in der Gestalt einer Fledermaus den Laden aufsucht, erwischt ihn die junge Hexe und sperrt Primus kurzerhand in ein unbequemes, lächerlich kleines Einmachglas.
Gefangen versucht Primus der Hexe klarzumachen, dass er ein Mensch ist und verspricht Plim, ihr auf der Suche nach einer geheimnisvollen Mondsichel zu helfen, denn Primus besitzt offensichtlich eine kleine Scherbe. Angeblich sollen Teile der Sichel den Besitzern endlose Macht versprechen, wie Schönheit, Klugheit, Unsterblichkeit. Besonders angetan von dieser Legende ist Plim, wenn es um ihre Schönheit geht, denn ihr trügerischer Spiegel zeigt ihr alles andere als ein ansehnliches Antlitz.
Primus ist ebenso fasziniert von dieser Legende und zusammen mit Plim forscht er nach weiteren Bruchstücken der Mondsichel, die einst über dem Finsterwald gehangen haben soll. Behilflich ist dem Duo Primus‘ Spiegel, der Hinweise gibt und es stellt sich heraus, dass Primus‘ Vergangenheit Teil dieses Rätsels sein muss …
_Kritik_
Stefan Seitz, der Autor dieses fantastischen Kinderbuches „Das Unkrautland – Auf den Spuren der Nebelfee“, hat eine wunderbare Geschichte für Groß und Klein erzählt. Es ist sein Debütroman und wirkt mit seinen skurrilen Figuren bezaubernd. Schon in den ersten Kapiteln mit Einführung von Primus und seinen Nachbarn, dem intellektuellen Präzisionswecker und dem Kürbis Snigg überzeugt der Roman mit seinen Protagonisten und seinem oftmals tiefgründigen Humor und den flotten Sprüchen.
Der Charme der Geschichte und seine Figuren bestehen aus vielen kleinen Details, die das Unkrautland mit unserer bildlichen Vorstellungskraft in eine bunte, vielfältige Welt verwandeln.
Die Atmosphäre der Geschichte ist nicht nur spannend, sondern auch vielseitig geprägt von Überraschungen und immer wieder der Einbringung neuer Charaktere. Primus hat in seinem Turm genauso Gesellschaft wie die naive Plim in ihrem Hexenhaus. Dort tummeln sich zwei schadenfrohe Frösche und eine modebewusste Vogelscheuche namens Chuck, die gerne gruppentherapeutische Sitzungen und Kaffeekränzchen genießt, sowie die verschlafene Rätselrübe, die Flötenmusik und Kerzenlicht bevorzugt.
Stefan Seitz hat seine Geschichte geschickt konzipiert. Mit jedem Kapitel fügt sich die Handlung Stück für Stück zusammen, sodass viele versteckte Hinweise am Ende ein überzeugendes Ende bilden. Manchmal ist das Tempo der Handlung ein wenig langsam, wie in einem Zeitraffer erzählt, doch der Leser bekommt gerade in dem letzten Drittel des Romans einen abwechslungsreichen und mit einer Prise Action versehenden Showdown präsentiert, den man vorher gar nicht für möglich gehalten hat.
Der Autor hat sprachliches Talent, das er eindrucksvoll einzusetzen vermag. Situationskomik begegnet dem Leser in jedem Kapitel, Primus und Plim sind nicht auf den Mund gefallen und alles andere erledigen dann die vielen verstreuten Hinweise, die es einzusammeln gilt.
Auch nach den letzten Kapiteln bleiben viele Fragen offen, nicht nur zu Primus‘ Vergangenheit oder die der anderen Personen. Somit sind nachfolgenden Geschichten viel Platz und Raum geboten für mehr Abenteuer im Unkrautland.
_Fazit_
„Das Unkrautland – Auf den Spuren der Nebelfee“ ist mit absoluter Garantie ein willkommener Geheimtipp in der Welt der Fantasy.
Das Unkrautland besitzt den eigentümlichen Zauber von geheimnisvollen und merkwürdigen magischen Figuren, deren Charakterisierung einzigartig und vor allen entwicklungsfähig ist. Primus und Plim wird man schnell ins Herz schließen und auch an die Nebenfiguren, z. B. an die arbeitslose, modebewusste Chuck wird man sich gerne erinnern.
Sefan Seitz hat aber nicht nur seinen Debütroman in seinem eigens gegründeten Cleon Verlag erscheinen lassen, sondern auch seinem Unkrautland auf der Homepage [www.unkrautland.de]http://www.unkrautland.de eine vielversprechende Bühne gegeben. Hier findet der Leser nicht nur einen Trailer zum Buch, sondern auch die Bewohner, die Ortschaften und allerlei Gerümpel des Unkrautlands wieder. Und wer wissen möchte, wie Primus oder Buckelwhee in der Fantasie des Autors aussehen, sollte diese Seite aufs Dringlichste aufsuchen.
„Das Unkrautland“ wird sich mit der Zeit zum Kult entwickeln. Spätestens dann, wenn die Abenteuer um Primus und Plim verfilmt werden sollten, wird es Fans von jung bis alt geben.
Überraschend frisch, abwechslungsreich und vor allem wegen der vielen abgefahrenen Figuren eine andere Art von Fantasy, die ver- und bezaubert.
|Hardcover: 304 Seiten
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 10-11 Jahre
ISBN-13: 978-3000202957|
[www.cleon-verlag.de]http://www.cleon-verlag.de
„Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells ist ein Klassiker der Literatur und wir erinnern uns noch gerne an die Verfilmung und Figuren der Elois und Morlocks, in der die Hauptrolle damals von Rod Taylor gespielt wure.
Träumen wir nicht immer davon, die Zeit zurückzudrehen? Wünschen wir uns nicht oft Fehler, die wir gemacht haben, wieder zu relativieren oder gar nicht erst gemacht zu haben? Wären wir nicht gerne mal Zeitzeugen bei dem Bau der Pyramiden oder der Geburt oder Kreuzigung Christi oder an dem einen oder anderen historischen Moment, der wichtig war und die Menschheit entscheidend geprägt hat?
Physik, gerade die Quantenphysik erklärt uns inzwischen eine ganz andere Perspektive einer mehrdimensionalen Raum/Zeit-Umgebung, die wie wir aber noch lange nicht erforscht, oder gar begriffen haben! Vielleicht sind wir einfach noch nicht so weit entwickelt.
Doch wenn es möglich wäre, in die Vergangenheit oder die Zukunft zu reisen, welche Auswirkungen hätten dann diese Reisen auf unsere Zivilisation und für uns unmittelbar? Würden wir uns ggf. selbst, aufgrund eines dummen Zufalls exekutieren? Wie würden sich diese zeitlichen Wellen auf unsere Gegenwart auswirken? Wahrscheinlich wären wir wie ein kleiner Stein, den ein Junge ins Wasser wirft, die Wellen wären um ein Vielfaches größer, und mit so viel Unbekanntem kombiniert, das wir gar nicht erst berechnen können.
Der in Madrid lebende Autor Félix J. Palma erzählt in seinem Roman „Die Landkarte der Zeit“ eine Geschichte, in der die Bedeutung der Zeit die wesentliche Rolle spielt und den Leser auf eine Reise durch Vergangenheit und Zukunft schickt.
_Inhalt_
London 1896 – Das Zeitalter der Industrialisierung, aber auch der Armut und der sozialen Ungerechtigkeiten. Eine Zeit, in der ein Menschenleben in den Armenvierteln rund um Whitechapel keine drei Pennies wert war. Andrew Harrington, der Sohn eines großen Unternehmers sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben. Im Wohnzimmer seines Vaters stehend, begutachtet er die Waffensammlung seines Vaters. Noch immer macht er sich Vorwürfe, weil er seine Liebe zu der Prostituierten Marie sich nicht selbst eingestehen wollte, und nun gibt es auch keine Möglichkeit mehr, ihr seine Liebe zu gestehen. Marie wurde auf bestialische Art und Weise von Jack the Ripper umgebracht. Von Schuldgefühlen geplagt, auch acht Jahre nach ihrem Tode, findet der junge Mann keine Ruhe und so nimmt die Überlegung, Selbstmord zu wählen, immer mehr Bestand an.
Allerdings hält ihn sein Cousin in letzter Minute von seinem Vorhaben ab. Denn laut seinen Worten gibt es eine Möglichkeit, Marie zu retten. H.G. Wells hat eine Zeitmaschine gebaut und Andrew möchte um jeden Preis zurück, um Marie vor dem Killer retten zu können.
Claire Haggerty, eine junge Frau, die vom Leben gelangweilt ist, sehnt sich nach der Liebe ihres Lebens. Neugierig, wie die junge Frau ist, lässt sie sich darauf ein, eine Zeitreise ins Jahr 2000 zu unternehmen.
Abenteuerlustig, wie sie ist, möchte sie sich nicht an starre Zukunftspläne gewöhnen, die ihre Eltern traditionsbewusst für sie von langer Hand geplant haben. Die „Agentur für Zeiteisen Murray“ organisiert mit großem Elan und noch größeren Versprechen diese Reisen in eine Zukunft, in der die Menschen kurz vor einer Vernichtung stehen. Durch Zufall lernt sie im Jahre 2000 den Mann kennen, der die Welt retten soll und verliebt sich unsterblich in ihn. Und auch dieser Held tritt für sie eine Reise an, die ihn in Claires Zeit, das viktorianische London führt.
Ganz andere Probleme bekommt der Scotland-Yard-Inspekter Colin Garett. Innerhalb weniger Tage wurden in London drei Leichen gefunden. Die Wunden weisen darauf hin, dass keine bekannte Waffe dies verursacht haben kann. Also bleibt nur die Möglichkeit übrig, dass jemand aus der Zukunft diese drei Menschen ermordet hat. Garett ist bereit den oder die Verantwortlichen in der Zukunft zu suchen….
_Kritik_
„Die Landkarte der Zeit“ von Palma beruht auf den Theorien, dass es Parallelwelten geben muss und diese auch besucht und verändert werden können. Erinnern wir uns an die vielen verschiedenen Filme und Bücher, so ist das Verständnis für die Zukunft immer auch ein wenig verwirrend.
Auch in diesem Roman ist es so, schlimmer noch – beim Lesen wird die freudige Erwartungshaltung, die man vielleicht beim Lesen des Klappentextes hatte, schnell brutal gebremst. Trotz aller Fantasie kann der Leser der Erzählung nicht folgen. Worauf der Autor mit der Story eigentlich hinaus will, was er uns mitteilen möchte, bleibt im Dunkeln. Da hilft es auch nicht, dass Spannung zwar aufgebaut, aber auf den nächsten Seiten sofort terminiert wird.
Die Idee der Zeitreise in die Vergangenheit oder in die Zukunft bleibt so schräg, dass trotz aller philosophischer Gedankengänge, dann doch nur noch Schall und Rauch übrigbleiben. Palma bedient sich natürlich bei H.G. Wells und lässt die Zeitmaschine aufleben und im zweiten Teil begegnet uns dann eventuell der „Krieg der Welten“?!
Dass beide Werke den Leser oder den Cineasten mehr faszinieren werden, ist leider traurig, aber auch Fakt.
Alle drei Handlungsstränge und die abschließende Erklärung sind derartig an den Haaren herbeigezogen, dass man hier nicht von feinster Erzählkunst reden kann, sondern eher von Überheblichkeit und falscher Selbsteinschätzung. Eine Vielzahl an Metaphern gibt sich hier so unstrukturiert die Hand, dass der Leser auch die Spannung nicht mehr wahrnimmt, sondern sich über die logischen Fehler und Ideen schwarz ärgern wird.
Dichtung und Wahrheit können ja Geschwister sein, hier aber leben sie Lichtjahre voneinander entfernt. Einzig und allein die Konzeption der Charaktere ist lobend zu erwähnen. Ihre Motivation und ihr streben nach Glück, Liebe, Respekt und Sinn ist zu loben. Der Leser erfährt viel über die vielen ungesagten Worte, die sich in den jeweiligen Charakteren entfalten. Der Leser wird sich mit dem einen oder anderen Protagonisten identifizieren können, wenn aber auch weiterhin die Ideen des Autors ins Negative abdriften.
_Fazit_
Auch wenn der Autor den Sinn fürs Detail offensichtlich begriffen hat, so ist er weit über das Ziel hinausgeschossen, einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Roman zu schreiben. Den Stil des Autors kann man als „ausschmückend“ bezeichnen, doch verirrt er sich in den Irrungen und Wirrungen seiner eigenen Gedankenwelt, sodass er zu guter Letzt einen Ausweg gar nicht findet.
„Die Landkarte der Zeit“ kann ich überhaupt nicht empfehlen. Weder ist er besonders packend erzählt, noch gibt es eine anhaltende Spannung, die mich fesseln konnte. Stattdessen einen tumbe Enttäuschung, die mich abschrecken könnte, jemals wieder ein Buch des Autors in die Hand zu nehmen. Lesen Sie lieber H.G. Wells‘ Werk „Die Zeitmaschine“, denn dieses Werk ist zeitlos gut.
_Autor_
Felix J. Palma wurde 1968 in Sanlucar de Barrameda geboren und lebt heute in Madrid. Er absolvierte eine Ausbildung als Werbefachmann in Sevilla, bekam jedoch für seine ersten Erzählungen und Romane bereits so viele Stipendien und Preise, dass er den erlernten Beruf nie ausübte.
„Die Landkarte der Zeit“ war ein Bestseller in Spanien und wird in über zwanzig Sprachen übersetzt. Palma erhielt dafür den Premio Ateneo de Sevilla. (Verlagsinfo)
|Hardcover: 720 Seiten
Originaltitel: El mapa del tiempo
Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
ISBN-13: 978-3463405773|
[www.rowohlt.de/verlag/kindler]http://www.rowohlt.de/verlag/kindler
_Félix da Palma bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Landkarte der Zeit“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6708
Band 1: „Hexenlicht“
Band 2: _“Vampirdämmerung“_
Band 3: „Seelenkuss“ (07.06.2011)
Band 4: „Höllenherz“ (12.09.2011)
|Die Burg ist kein gewöhnliches Gefängnis.
Sie ist eine eigene kleine Welt, vor Jahrtausenden geschaffen, um Vampire, Werwölfe, Dämonen und andere übernatürliche Geschöpfe von der Erde zu verbannen – ein Ort voller Magie, Gewalt und Intrigen. Doch nun wurde ein Tor geöffnet … |
Conall Macmillian, besser bekannt als Mac, ist nach einem Jahr der „Burg“ entkommen. Er geht gerade auf dem St.-Andrews-Friedhof spazieren, als er wieder einmal von Alessandro Caravelli angegriffen wird. Seit Mac von der Dämonin Geneva geküsst wurde und damit zu einem Dämon wurde der Seelen frisst, hat der Vampir Alessandro eine Rechnung mit Mac offen. So schnell wie möglich will Alessandro Mac wieder in der Burg wissen, wo Mac keinen Schaden anrichten kann.
Dass die Hexe Holly Mac weitgehend von den dämonischen Spuren geheilt hat, interessiert Alessandro nur wenig, er sieht in Mac eine Gefahr, die gebannt werden muss. Dass Mac um seine Menschlichkeit kämpft und die dämonischen Reste in ihm gut unter Kontrolle hält, ist dem Vampir egal, er kennt nur sein Ziel: Mac muss zurück in die Burg.
Unterdessen in der Burg, die junge Vampirin Constance muss Schreckliches miterleben. Ihr Ziehsohn, der Inkubus Sylvius, wird von den Wachen der Burg in einen Dämonenwürfel gesperrt. Ihr Meister, der Zauberer Atreus, ist nicht bereit Constance und Sylvius zu helfen, dabei sollte er doch seine Untertanen schützen.
Allerdings sollte man eine Mutter auch keinen Moment unterschätzen, auch wenn Constance nie Blut getrunken hat und so nicht viel stärker ist als ein normaler Mensch, ist sie bereit alles für die Rettung ihres Ziehsohnes zu tun. Sogar ihre Unschuld würde sie opfern und menschliches Blut trinken und endgültig zu einem vollwertigen Vampir werden.
Constance läuft durch die finsteren Gänge der Burg, als ihr Mac über den Weg läuft, Constance weiß nicht, dass sie keinem reinen Menschen gegenüber steht. Besteht trotzdem die Chance Sylvius zu retten und kann Mac seine Menschlichkeit bewahren?
_Kritik_
„Vampirdämmerung“ ist der zweite, originelle Roman der geheimnisvollen und düsteren „Dark Magic“-Serie von Sharon Ashwood.
Gleich zu Beginn macht der Leser wieder Bekanntschaft mit schon bekannten Figuren und die Autorin schafft es, direkt an das Geschehen zu anzuknüpfen. Die Autorin verbindet wieder einen spannenden Plot mit der genau richtigen Dosierung spritzigem Humor und einer gefährlichen Liebe. Mit ihrem klar verständlichen, originellen und flüssigen Erzählstil baut sie einen Spannungsbogen auf, der den Leser an das Geschehen fesselt und ihn mit den Protagonisten mitfühlen lässt. Stetig, bis zum Finale steigend, entwickelt sich dieser Spannungsbogen und flaut auch nach dem Finale nur langsam ab.
Das Geschehen findet in „Vampirdämmerung“ an zwei Orten statt, einmal in der realen Welt und ebenso in der „Burg“, dem Gefängnis aller magischen Wesen. Die reale Welt wird von der Autorin recht blass gezeichnet. Beschreibungen, die das innere Auge ansprechen, gibt es hier kaum. Um so detaillierter ist dann die Burg beschrieben, die einzelnen Gänge, Räume und besondere Orte werde von der Autorin so lebendig beschrieben, dass der Leser hier keinerlei Probleme hat, diesen düsteren und mystischen Irrgarten zu erleben. Die düstere Stimmung, die Sharon Ashwood schafft, hält sich durch die ganze Geschichte und macht diesen Roman aus. Trotzdem schafft die Autorin es, eine überzeugende und glaubwürdige Romanze in die düstere Handlung einzubauen.
Die Geschehnisse werden von einem Beobachtungspunkt aus erzählt, der zwischen den Protagonisten wechselt. Die wichtigsten Charaktere sind hierbei Constance und Mac, aber auch Alessandro, Holly und andere für die Geschichte wichtigen Figuren werden genügend behandelt und so bleibt keine Frage offen.
Ihre Protagonisten entwickelt die Autorin mit viel Liebe zum Detail, nicht nur das Aussehen, auch Charaktereigenschaften, die Ziele und persönliche Motivation sind bei jeder Figur erkennbar. Bereits bekannte Charaktere entwickeln sich weiter und noch unbekannte Darsteller werden überzeugend konzipiert.
Mac und Constance kämpfen beide darum menschlich zu bleiben, jeder muss dabei mit eigenen Dämonen kämpfen, sei es ein wirklicher Dämon, oder der Blutdurst, der einsetzen könnte, sollte Constance zu einer vollständigen Vampirin gewandelt werden.
Auch die aus dem ersten Teil bekannten Figuren Holly und Alessandro, tragen wieder zu dem Geschehen bei und nehmen wichtige Rollen ein. Besonders Alessandro lernt aus seinen Fehlern und wird anderen gegenüber offener und lässt einige Vorurteile irgendwann außer Acht.
Auch die Nebendarsteller und Widersacher sind ausreichend erklärt, die Motivation, die hinter diesen steht, ist erkennbar und für den Leser daher nachvollziehbar.
Überflüssige Charaktere gibt es hier nicht, ein jeder trägt zu der Geschichte bei.
Das Cover ist wieder ein echter Hingucker, mit metallischem Druck und einem größeren Format fällt es ins Auge. Die Gestaltung passt zu den Ereignissen, besonders interessant ist dabei der Hintergrund gewählt.
_Fazit_
Mit dem Roman „Vampirdämmerung“ hat die Autorin eine hervorragende Fortsetzung zum ersten Teil der „Dark Magic“-Serie „Hexenlicht“ vorgelegt. Dieses Buch aus der Hand zu legen, dürfte den Lesern schwerfallen, zu sehr ist man dabei an die Geschichte gefesselt.
Wieder schafft es Sharon Ashwood, den Leser mir düsterer Spannung, einer ordentlichen Portion Humor und einer sinnlichen Lovestory zu unterhalten und zu begeistern. Ihre Mischung aus sympathischen Figuren, geheimnisvollen Schauplätzen und einem reizvollen Plot kann nur weiterempfohlen werden.
Bei dieser Autorin kann der Leser sich nach „Vampirdämmerung“ schon auf den 07. Juni 2011 freuen, wenn es mit „Seelenkuss“ weitergeht.
_Autorin_
Sharon Ashwood lebt in der kanadischen Provinz British Columbia und arbeitet seit ihrem Universitätsabschluss in Englischer Literatur als freie Schriftstellerin und Journalistin. Schon als Kind war sie an Mythen und Märchen interessiert. Heute setzt die Autorin ihre Faszination für alles Seltsame, Unheimliche und Phantastische in erfolgreichen Romantic-Fantasy-Romanen um. Mehr Informationen im Internet unter: www.sharonashwood.com (Verlagsinfo)
|Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Knaur HC (10. Januar 2011)
ISBN-13: 978-3426652442
Originaltitel: Scorched|
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de
Eine junge Frau aus der Provinz macht sich mit einem Gefährten auf den Weg, um herauszufinden, wer sie ist. Daraufhin macht sie sich auf den Weg, den Tyrannen zu töten: Richard Rahl, den Helden der Serie „Das Schwert der Wahrheit“. Hoffentlich hat sie etwas missverstanden, sonst reißt nämlich Goodkinds Erfolgsserie nach zehn Jahren plötzlich ab.
_Der Autor_
Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.
Im 14. Roman um das Schwert der Wahrheit befindet sich das Reich D’Hara kurz vor der Invasion durch den Kaiser Jagang, dessen Imperiale Ordnung alle Personen gleichschalten will. Doch wo treibt sich der Herrscher D’Haras herum? Richard Rahl, der Träger des Schwertes der Wahrheit, stolpert mit seinem Gefolge durch die Wüste, wird Opfer von Überfällen und Giftanschlägen. Derweil geraten seine Verbündeten in die Hände seiner Widersacher. Es sieht gar nicht gut aus für die Guten …
_Der Autor_
Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.
Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 in Nebraska geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Heute lebt er in Neuengland. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.
|Das Schwert der Wahrheit|:
Band 1: „Das erste Gesetz der Magie („Wizard’s First Rule 1“)
Band 2: [„Der Schatten des Magiers („Wizard’s First Rule 2“)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1179
Band 3: „Die Schwestern des Lichts („Stone of Tears 1“)
Band 4: „Der Palast des Propheten („Stone of Tears 2“)
Band 5: „Die Günstlinge der Unterwelt („Blood of the Fold 1“)
Band 6: „Die Dämonen des Gestern („Blood of the Fold 2“)
Band 7: „Die Nächte des roten Mondes („Temple of Winds 1“)
Band 8: „Der Tempel der vier Winde („Temple of Winds 2“)
Band 9: „Die Burg der Zauberer („Soul of Fire 1“)
Band 10: „Die Seele des Feuers („Soul of Fire 2“)
Band 11: „Schwester der Finsternis („Faith of the Fallen 1“)
Band 12: „Der Palast des Kaisers („Faith of the Fallen 2“)
Band 13: „Die Säulen der Schöpfung („The Pillars of Creation“)
Band 14: „Das Reich des dunklen Herrschers“ („Naked Empire“)
Band 15: „Die Magie der Erinnerung“ („Chainfire“)
Band 16: „Am Ende der Welten“ („Phantom“)
Band 17: „Konfessor“ („Confessor“]
„Das Verhängnis der Schuld“ – Die Vorgeschichte von „Das Schwert der Wahrheit“
_Vorgeschichte_
Im ersten Band, „Wizard’s First Rule“ („Der Schatten des Magiers“, 1994), gerät der Serienheld Richard, ein bis dahin unscheinbarer Provinzjüngling, in den Sog größerer Ereignisse, als sein Ziehvater ermordet und er selbst von menschlichen und nichtmenschlichen Agenten verfolgt wird, die der dunkle Herrscher Darken Rahl gegen ihn ausgesandt hat. Im Verlauf seiner Quest, um diesen Gefahren zu begegnen, erlebt Richard sowohl größtes Leid als auch größte Liebe: Er verliebt sich in die wunderschöne Kahlan, mit der er noch in „Säulen der Schöpfung“ zusammen ist.
Im zweiten Band muss Richard die magischen Konsequenzen, die sich aus seinem Sieg über Darken Rahl ergeben haben, wieder ausbügeln, doch zeigt sich, dass dafür ein hoher Preis zu bezahlen ist. Das Universum, in dem die Romane um das „Schwert der Wahrheit“ spielen, basiert nämlich auf verschiedenen Balancen aus polaren Gegengewichten: Leben und Tod, Gut und Böse, Schöpfer (Gott) und Hüter (der Widersacher), Schwestern des Lichts und Schwestern der Finsternis.
Diese manichäische Welt ist auch die Grundlage für „Säulen der Schöpfung“, doch nun tritt ein interessantes neues Element auf: Menschen, die für Magie unempfänglich sind. Sie sind „Lücken in der Schöpfung“. „Das Reich des dunklen Herrschers“ schließt nahtlos an „Die Säulen der Schöpfung“ an.
_Handlung_
Richard Rahl, der Sucher und der Träger des Schwertes der Wahrheit, Herrscher von D’Hara, schleppt sich mit seinem Gefolge durch die Wüste. Seine Gefolge besteht aus der geliebten Kahlan, der Konfessorin, Cara, einer Mord-Sith, die Richard mit ihrem Leben beschützt, Jennsen, eine für Magie unempfängliche Halbschwester Richards, und zwei männlichen Gefährten. Nach dem Zwischenfall bei den „Säulen der Schöpfung“ ist Richard auf der Hut, doch den Augen der Riesenkrähen, die über ihm kreisen, entgeht er nicht. Wer hat sie geschickt und wem berichten sie?
Ein seltsamer junger Mann, der sich Owen nennt, stolpert ebenfalls auf die wüste Ebene, doch er kommt aus den Bergen. Das mancht Richard misstrauisch, denn dort verläuft eine Grenze, die niemand übertreten darf. Doch wie es die Gastfreundschaft gebietet, gibt er Owen zu trinken. Owen bittet ihn, den Lord Rahl von D’Hara, seinem Volk zu helfen, denn es werde von Truppen der Imperialen Ordnung, die Kaiser Jagang dienen, unterjocht. Doch Richard will sich nicht aufhalten lassen, denn eben dieser Jagang greift auch die Pässe seines eigenen Reiches an.
Wenig später erhält er von einem Boten namens Sabar eine Nachricht von einer konvertierten Hexenmeisterin namens Nicci. Die Dinge stehen nicht gut in D’Hara, und sie gibt ihm vorsichtshalber eine magische Warnstatuette mit. Kaum zeigt sich deren Warnsignal, erfolgt auch schon der Angriff. Es sind 28 Krieger einer Spezialtruppe der Imperialen Ordnung. Richard, Kahlan und Cara können 27 davon töten, doch den letzten zwingt Kahlan durch ihre Konfessorinnenmagie unter ihren Willen, bis er alles tut, um ihr zu gefallen. Er berichtet, dass seine Spezialtruppe nur Richard und Kahlan gefangen nehmen sollte, damit sie zu einem Mann namens Nicholas der Schleifer gebracht würden.
Cara ertappt den seltsamen jungen Mann namens Owen erneut beim Anschleichen. Er sagt, er habe das Gegenmittel für das Gift, unter dessen Einfluss sich Richard krümmt und Blut erbricht. Nachdem ihm Kahlan das Gegengift verabreicht hat – es ist leider nicht genug, um länger als vier Wochen zu wirken -, berichtet Owen bereitwillig dem stets nach der Wahrheit suchenden Richard.
Owen gehört dem friedliebenden Volk des Landes Bandakar, wurde aber verbannt. Das Besondere an seinem Volk: Seine Angehörigen sind alle nicht für Magie empfänglich, ihre Vorväter wurden vor 3000 Jahren in eine abgeschiedene, magisch verborgene Region hinter den nahen Bergen verbannt. Doch Kahlan hob diese magische Schutzbarriere aus gewissen Notwendigkeiten heraus auf. In der Folge konnten Truppen der Imperialen Ordnung in Bandakar eindringen, alle gebärfähigen Frauen zu Zuchtzwecken verschleppen und alle kräftigen Männer versklaven.
Die wenigen Rebellen, denen sich Owen anschloss, wurden, fing man sie ein, schwer bestraft. Doch dann kam ein Mann, der für den Kaiser Informationen sammelte. Er werde Nicholas der Schleifer genannt, berichtet Owen. Wir wir erfahren, ist ein „Schleifer“ ein Magiebegabter, der einem Lebenden die Seele entreißen und sie zu seinen Zwecken missbrauchen kann. Nicholas schickt Richard die Riesenkrähen und die Spezialkommandos auf den Hals, um Richard zu töten und die Mutter Konfessor Kahlan zu seinem Sexspielzeug zu machen. Für diese beiden Trophäen will Nicholas von Jagang mit dem Reich D’Hara belohnt werden. Ob das klappt?
|Zedds Schicksal|
Unterdessen fällt die Burg der Zauberer, jedoch nicht vor dem Ansturm eines Heeres, sondern durch eine kleine Kommandotruppe, die aus Magie-Unempfänglichen gebildet wird. Folglich nützen Zedd, dem Obermagier, seine magischen Alarmsignale nichts. Ein Halsring fesselt die Quelle seiner magischen Kraft, und er ist einer Hexenmeisterin hilflos ausgeliefert. Strackts bringt man ihn zum Kaiser. Der Traumwandler wird schon Verwendung für einen Ex-Obermagier haben ….
|Im Palast des Volkes |
Auch die Prälatin der Schwestern des Lichts, die knapp tausend Jahre alte Annalina, fällt in die Hände eines Feindes. Unvorsichtigerweise hat sie sich in die Höhle des Löwen begeben: in den Palast des Volkes, wo seit jeher ein Lord Rahl zu herrschen pflegt. Doch das Design der Architektur des Palastes ist ein Bannspruch, der die Magie der Rahls stärkt, gleichzeitig aber die Magie anderer Sterblicher schwächt. Sie erkennt die Gefahr zu spät und von Mord-Sith verhaftet und in ein tiefes Verlies gesperrt. Es ist jedoch durchaus ein Rahl, dem sie nun gehört, allerdings nicht Richard, sondern Nathan – der Prophet. Und er weiß genau, was sie nun zu tun versuchen wird …
|Nach Bandakar |
Richard Rahl sieht sich gezwungen, Bandakar vom Joch der Imperialen Ordnung zu befreien, um das Gegenmittel zu Owens Gift zu bekommen. Doch auf diesem Weg läuft er genau in jene Falle, die Nicholas der Schleifer für ihn aufgestellt hat.
_Mein Eindruck_
Ich habe von diesem 14. Roman aus der Reihe „Das Schwert der Wahrheit“ das Schlimmste erwartet. Umso angenehmer war meine Überraschung, als sich die Spannung, nach einem langsamen Mittelteil, bis zu einem actionreichen Maximum steigerte. Der Mittelteil dient lediglich dazu, beim Leser eine andauernde Beklemmung auszulösen, denn Richard verliert zunehmend seine magische Gabe, zudem machen sich die Folgen der Vergiftung durch Owen immer heftiger bemerkbar. Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Richard befürchtet es.
Und der Leser muss zunehmend um das Leben seines Lieblingshelden bangen. Der Leser wird dabei vertreten durch Kahlan, die Richard wie ihr eigenes Leben liebt und alles für ihn täte – und es schließlich auch tun muss, als Nicholas der Schleifer es verlangt. Dass auch Cara und Jennsen um ihn bangen, versteht sich von selbst, aber sie bringen nicht das Opfer, zu dem Kahlan bereit ist: ihr Leben.
Bevor der Knoten dieser Beklemmung platzt, fügt der Autor, als wäre dies noch nicht genug, ein weiteres retardierendes Element ein. Wie soll Bandakar befreit werden, wenn nicht durch seine Rebellen? Doch erstens sind das nur lumpige 50 Mann und zweitens wurden sie zeit ihres Lebens zu Pazifisten erzogen, die Gewalt, Töten und Krieg grundsätzlich ablehnen. Daher muss Richard sie in einem langwierigen Prozess, der einer Gehirnwäsche gleichkommt, umpolen. Gut, dass er das „Buch der Prophezeiungen“ über diese „Säulen der Schöpfung“ gelesen hat. So kann er ihnen erklären, wer sie sind: ein vor 3000 Jahren zu Unrecht verbanntes Volk von Menschen, die (wie die Juden im Dritten Reich) selektiert, deportiert und wie in einem riesiges KZ eingepfercht wurden. Die Statue des dafür verantwortlichen Zauberers Kara-Jang ist der richtige Ort für diese Rede.
Diese Wahrheit ist ein echter Schocker, reicht aber noch nicht, um sie zum bewaffneten Kampf zu motivieren. Daher muss ihnen Richard eine viele Seiten lange Rede über die Natur des Bösen und die Pflicht, es zu bekämpfen, halten, die ihn völlig erschöpft. Doch hätte er diesen Rat selbst beherzigt, dann wäre die eigene magische Gabe wieder zu ihm zurückgekehrt. Ach ja: die Magie. Was soll das überhaupt sein, fragen die Bandarakaner. Und das ist gar nicht so einfach zu demonstrieren. Wieder kostet es ihn Kraft. Es grenzt an eine Wunder, dass sich Richard überhaupt noch nach Bandakar schleppen kann.
Doch dann geht die Post ab, und es ist, als wäre ein Knoten geplatzt: Es folgen fast 200 Seiten Non-stop-Action – nicht nur in Bandakar, sondern auch in Jagangs Heerlager, wo Zauberer Zedd um sein Leben bangen muss. Gewisse Momente, an denen die Kavallerie in letzter Sekunde erscheint, erhöhen die emotionale Achterbahnfahrt dieses furiosen Finales.
Ganz besonders gefiel mir jedoch ein bestimmter Trick, den der Autor einsetzt. Dem Leser und der Hauptfigur ein Rätsel aufzugeben und es dann über viele Seiten hinweg nicht zu lösen, ist zwar der älteste Kniff im Buch, aber er ist nichtsdestotrotz einer der wirkungsvollsten. Die Frage lautet ganz einfach: Woher weiß Nicholas immer so genau, welche Pläne Richard verfolgt und wo er sich befindet? Die Antwort wird nie gegeben, aber der Leser kann es sich nach ein paar Perspektivenwechsel zusammenreimen – und hat so einen wunderbaren Aha-Moment. Erst nach dieser Erleuchtung ist er nicht mehr völlig von den Socken, wenn Richard im Privatzimmer von Nicholas auftaucht, um „hallo“ zu sagen.
|Die Übersetzung|
Caspar Holz bildet die Diktion des Originals recht getreu ab – zu getreu für meinen Geschmack, aber das ist Ansichtssache. Ein ziemlich nervendes Stilmerkmal Goodkinds sind nämlich a) ellenlange vor ein Substantiv geschobene Adjektivkonstruktionen (Q.E.D.) und b) Einschübe, die eine Satzkonstruktion zwar nicht auseinanderreißen, aber doch komplizierter machen als nötig.
Druckfehler gibt es natürlich, wie in fast jedem Taschenbuch, massenhaft. Aber es gibt ein paar besonders Schlimme. Auf Seite 75 heißt es unten auf einmal „scheidend“ statt „schneidend“, wenn es um eine Stimme geht. Auf Seite 100 heißt es unten „in freundlichen, kontrastieren Tönen“, doch es müsste korrekt natürlich „in … kontrastierenden Tönen“ heißen. Und so weiter und so fort.
_Unterm Strich_
Endlich werden die Goodkind-Romane nicht mehr in zwei Teile aufgespalten! Das ist eine wahre Wohltat für den deutschen Leser. Dafür fängt nun der Verlag an, die alten halbierten Romane wieder zusammenzufügen und erneut zu günstigen Preisen auf den Markt zu werfen. Das ist reine Geldmacherei, aber ich bin sicher, Blanvalet alias Bertelsmann betrachtet dies als gutes Marketing.
Wie auch immer: Dies war jedenfalls ein nach langer Durststrecke wieder mal ein sehr guter Goodkind. Die verschachtelte Struktur mit (mindestens!) drei Handlungssträngen ist man ja von ihm gewöhnt, und so kann es nicht verwundern, dass die Szenen ständig wechseln. Das ist aber nicht so wild, wie es klingt. Im letzten Drittel, also auf nicht weniger als 200 Seiten, steigert sich die Spannung mit der Action zu einem langen Finale mit mehrfachen Höhepunkten, sodass der Leser aus dem Nägelkauen kaum herauskommt. Die Episode in Bandakar ist keineswegs unnötig, denn Richard, die Hauptfigur, lernt eine sehr wichtige Lektion. Erst dann ist er dazu in der Lage, es mit seinem größten Widersacher, Kaiser Jagang und seinen „Schwestern der Finsternis“, aufzunehmen.
Das Titelbild und der deutsche Titel haben herzlich wenig mit dem Inhalt des Romans zu tun. Die antike Seeschlacht, die auf dem Cover zu sehen ist, ist dermaßen weit hergeholt, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Davon soll sich der Leser aber nicht abschrecken lassen, denn mit dem Roman kommt er auf jeden Fall voll auf seine Kosten, wenn es um spannende und actionreiche Fantasy geht – und das betrifft auch weibliche Leser, denn Richards Frau Kahlan gerät ebenfalls in höchste Gefahr. Lediglich die Predigt über die Natur des Bösen und die Pflicht, ihm entgegenzutreten, finde ich bedenklich, aber ein Amerikaner ist diesbezüglich sicher anderer Meinung als ein Europäer.
|Hardcover: 607 Seiten
Originaltitel: Naked Empire (2003)
Aus dem US-Englischen übersetzt von Caspar Holz
ISBN-13: 978-3809024934|
[www.randomhouse.de/limes]http://www.randomhouse.de/limes
Science-Fiction-Romane erscheinen selten bis nie zwischen echten Pappdeckeln, doch um vom Kuchen überhöhter Buchpreise etwas abzuzwacken, verlegen sich die Verlage bei den Erstausgaben bekannter Autoren vermehrt darauf, sie in Form der sogenannten „Tradepaberbacks“ zu produzieren. Die Bücher erhalten dadurch die Maße und Ausmaße eines Hardcovers, ohne mit ihrem Inhalt diesem Umfang gerecht zu werden – die Täuschung des Kunden, der hier ein unhandliches Taschenbuch in Übergröße teuer bezahlen muss. Iain Banks‘ Romane eignen sich besonders für diese Art der Veröffentlichung, da man von ihm traditionell dicke und umfangreiche Romane erwartet. So hält sich die Augenwischerei in Grenzen.
Obwohl er sich mit der Space Opera „Der Algebraist“ in faszinierender Weise ein neues Universum schuf, kehrte er mit „Die Sphären“ in seine KULTUR zurück, konnte damit aber nicht überzeugen. Sein vorliegender neuester Roman entfaltet trotzdem nicht neue Facetten des Algebrauniversums, sondern entwirft erneut was eigenständiges, das zusammenhangslos in dem Kosmos Banks’scher Erzählungen steht. Trotz seines augenscheinlichen, paperbackinduzierten Umfangs ein schneller, intensiver Roman ohne die typischen ausufernden Längen Banks’schen Erzählstils.
Der Mann, dessen wahrscheinlichster und gebräuchlichster Name Temudschin Oh ist, hat ein besonderes Talent: Er kann mit Hilfe einer Droge zwischen den unendlichen Realitäten der Erde wechseln, in die Körper ausgesuchter Personen springen und dort eigenständig handeln. So erfüllt er im Auftrag des Konzerns (einer realitätsumfassenden Organisation) verschiedene Aufträge, deren Erfüllung Einfluss auf die Entwicklung der jeweiligen Realität nimmt und sie positiv lenkt. So denkt er.
Im Hintergrund arbeiten jedoch Strippenzieher, die neben der persönlichen Macht und Unsterblichkeit auch andere, den Forscherdrang der Menschen unterdrückende Ziele verfolgen und Temudschin und seinesgleichen für ihre Zwecke benutzen. Bis Tem eines Tages neue Talente entdeckt, die ihn der Kontrolle des Konzerns entziehen …
Adrian Cubbish hat offenbar gerade eine Glückssträhne: Er steigt vom gerissenen Drogendealer zu einem der mächtigsten Finanzmanager der Welt auf. Doch als sich ihm seine Mittelsmänner offenbaren, kann er es kaum glauben. Denn es gibt neben unserer Realität noch eine Vielzahl weiterer Welten, die von einem mächtigen Konsortium überwacht werden. Ehe sich Adrian versieht, ist er in ein weitreichendes Komplott zwischen diesen Welten verstrickt – und nicht nur sein Leben, sondern unsere gesamte Realität steht auf dem Spiel …
(Verlagsinfo)
Und wieder ein Beispiel für das ungeschickte Händchen, mit dem die Heyne-Redaktion die Klappentexte ihrer Romane gestaltet. Der erwähnte Adrian ist nicht viel mehr als eine Nebenfigur, die weder großen Einfluss auf die Geschichte nimmt, noch die im Klappentext suggerierte Erkenntnis der Zusammenhänge erlangt. Vielmehr thematisiert die Geschichte Intrigen, Machtgelüste, Geschlechtsverkehr in allen möglichen Spielarten, Folter, Solipsismus und Mord sowie den kleinen Menschen, der zwischen den Fronten steht und außergewöhnliche Leistungen erbringen muss, um nicht zerquetscht zu werden.
Banks nutzt in bisher unbekannter Ausführlichkeit sexuelle Begegnungen als erzählerische Untermalung für signifikante Dialoge, Stützpfeiler der Erzählung und Entwicklungs- und Wendepunkte. Selten sitzen die Entscheidungsträger und Protagonisten im stillen Kämmerlein zur Besprechung, sondern ergehen sich meist in ausschweifenden, durch die Realitätswechsel teils spektakulären Sexspielen, während ihre Unterhaltungen die Geheimnisse der Geschichte zu entschleiern suchen. Ob damit die Charaktere glaubwürdig geschildert werden, mag strittig sein, doch bezieht sich Banks dabei meist auf Temudschin Oh, der dadurch ja eine gewisse Charakterisierung erhält, die scheinbar auf beiden Seiten der Gegner bekannt ist und ausgenutzt werden soll. Andererseits erzählen sich die Figuren auch von ihren Erfolgen, die sie per Sex (in Hinsicht auf die Weltenwechsel) erzielten, sodass es ein Charakterzug des Konzerns wird und damit übertragbar auf jeden Angehörigen.
Banks zeigt aber mit den beiden wichtigsten Methoden zur Erzeugung starker Gefühle (Sex und Folter), wie in der Geschichte der Realitätswechsel funktioniert und beschreibt dadurch glaubwürdig, dass für dieses Talent die stärksten Gefühle nötig sind. Damit gewinnt der allgegenwärtige Sex eine neue Bedeutung, er ist quasi ein Resultat, eine logische Folge und Bedingung des Grundgedankens von „Welten“, denn wer würde sich für die andere Methode des induzierten Weltenwechsels entscheiden, wenn man es auch so kann?
Der Roman bewegt sich auf einigen unterschiedlichen Ebenen, die im ständigen Wechsel eine fast kaleidoskopische Reise durch die Erzählung darstellen und den Leser erstens rasch und intensiv in sich hinein ziehen (quasi den Realitätswechsel für uns erzeugen), zweitens von ihm auch geistige Beweglichkeit und Zusammenhangsgefühl fordern. So schleudert Banks den Leser zwischen den Ebenen hin und her und man kann nicht genau festlegen, auf welcher sich die Fäden endlich verbinden, um die Geschichte zum nötigen Zentrum zu leiten.
Es bleibt also überall gleichermaßen spannend und fordert beim Leser mehr Konzentration, um die oft angedeuteten Verbindungen zu erfassen und richtig einzuordnen. Gerade zum Ende muss man sich der Anfänge neuerlich gewärtig sein.
Während sich alles gut aus der Geschichte entwickelt, wirkt eine Figur fast wie ein Deus ex machina: die übermächtige, Realitäten kontrollierende und darüber verrückte Entität Bisquitine, derer sich der Konzern bedienen will, ohne die Folgen überblicken zu können. Zwar bemüht sich Banks um eine Einführung und man könnte sie als Produkt geheimer Forschungen sehen, doch in ihrer Wirkung drängt sich der leichte Verdacht einer Notlösung auf. Zum Glück gewinnt die Geschichte dadurch noch eine gute Seite: Sie lässt den Protagonisten nicht als Superhelden da stehen, sondern relativiert seine Talente wieder.
Trotz manchen abschreckender Dicke und unnütz aufgeblähtem Format als Tradepaperback einer der wertvollsten phantastischen Romane des Jahres. Banks hält seine Ausführlichkeit im Zaum zu Gunsten einer komplexen, faszinierenden Weltenschöpfung und intensiver Unterhaltung – eigenständig, einbändig und abgeschlossen.
Taschenbuch: 560 Seiten ISBN-13: 978-3453527102 Originaltitel: Transition Deutsch von Friedrich Mader
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (5 Stimmen, Durchschnitt: 2,20 von 5)
Nachdem entsprechende Untersuchungen ergaben, dass die Sonne sich, das Sonnensystem und damit die Erde zerstören wird, wurde das riesige Raumschiff „Hoffnung der Menschheit“ gebaut. Seine Insassen sollen sich auf einem der Planeten des mehr als vier Lichtjahre entfernten Alpha-Centauri-Systems niederlassen und auf diese Weise die Menschheit vor der völligen Vernichtung bewahren.
Aufgrund eines Konstruktionsfehlers erreicht die „Hoffnung der Menschheit“ nie die vorgesehene Reisegeschwindigkeit. Bis das Ziel erreicht ist, vergehen viele Jahrzehnte. Das Raumschiff verwandelt sich in eine fliegende Stadt. Neue Generationen wachsen heran. Sie kennen die Erde nur aus Filmen und den Erzählungen ihrer Eltern. Der eigentliche Zweck der Reise droht in Vergessenheit zu geraten. Meuterei droht, aber Captain John Lesbee hält die Zügel mit straffer Hand.
Endlich ist Alpha Centauri erreicht. Allerdings sind die Planeten dieses Sternsystems für eine Besiedlung untauglich. Statt umzukehren, lässt Lesbee den fernen Sirius ansteuern. Auch dort ist die Irrfahrt nicht zu Ende. Im Inneren der „Hoffnung“ herrscht längst ein mühsam kontrollierter Bürgerkrieg. Der Stuhl des Kommandanten wird in der Regel durch die Ermordung des Vorgängers neu besetzt. Intrigen und Misstrauen bestimmen den Schiffsalltag.
Nach der Begegnung mit einem intelligenten Robotervolk kann die „Hoffnung“ endlich wie vorgesehen Lichtgeschwindigkeit erreichen. Nach mehr als einem Jahrhundert ist der Rückflug möglich, aber aufgrund der dabei auftretenden Zeitverzögerung kehrt man nur sechs Jahre nach dem Start auf die Erde zurück und löst dort eine globale Krise aus …
_Problemen fliegt man nicht davon_
Das Generationsraumschiff ist als Motiv der Sciencefiction so beliebt, dass es dort ein eigenes Subgenre mit bemerkenswerter Titelanzahl darstellt. Das Thema selbst ist älter, weil nicht von der Platzierung in der Zukunft abhängig. Die Isolation einer einsamen Insel genügt, sodass mit einigem Wagemut ein roter Faden zwischen „Robinson Crusoe“ und „Das unheimliche Raumschiff“ gespannt werden kann.
Unabhängig vom abenteuerlichen oder utopischen Beiwerk geht es in erster Linie um den Menschen oder, um genau zu sein, den Menschen in einer Krise, die ihn auf die Grundsätzlichkeiten des Lebens zurückwirft. Das Raumschiff wird zum perfekten Versuchslabor, denn während Robinson immerhin hoffen konnte, eines Tages von einem Schiff gerettet zu werden, ist man im Weltall von dieser Möglichkeit abgeschnitten. Auch die Besatzung der „Hoffnung der Menschheit“ – ein Name voller unfreiwilliger Ironie, wie die Handlung belegt – ist auf sich allein gestellt.
Wie werden sich die auf sich konzentrierten Menschen verhalten, wie wird ihre Gesellschaft sich entwickeln? Van Vogt wählt die pessimistische (oder realistische?) Variante: Die Besatzung schleppt einerseits die unbewältigten Probleme der Erde mit sich, während sie andererseits neue Bedrückungen ausbrütet.
|Autorität wird zu Absolutismus|
Van Vogt postuliert eine Raumfahrt, die sich in einen unendlichen Kleinkrieg verwandelt. Die Generationen kämpfen gegeneinander, und als die Älteren ausgeschaltet sind, beginnen sich ihre Nachfahren zu bekriegen. Sie sind so beschäftigt mit ihren Konflikten, dass sie kaum registrieren, wenn sich außerhalb ihrer fliegenden Heimat Wichtiges ereignet. Jeder Zwischenstopp bringt die „Hoffnung der Menschheit“ an ferne Orte, die von fremden Zivilisationen bevölkert werden. Diese werden entweder ignoriert, beschossen oder anderweitig vor die Köpfe – falls vorhanden – gestoßen. Kommunikation schließt van Vogt beinahe kategorisch aus; eine seltsame Haltung für einen SF-Autoren.
Freilich geht es ihm bevorzugt um andere Dinge. Mit bemerkenswerter Detailtreue entwirft van Vogt ein Gesellschaftsmodell, das wie selbstverständlich der Demokratie eine Abfuhr erteilt. Bereits der erste Captain mutiert zum Monarchen, der absolutistisch die Geschicke seines ‚Volkes‘ – der Besatzung – lenkt, seinen Sohn als Erb-Nachfolger einsetzt und Widerstand scheinbar legal aber tatsächlich brutal bricht.
Der moralische Verfall beschleunigt sich: Schon Lesbee III. wird zum Usurpator, der seinen Thron – den Kapitänsstuhl – gewaltsam an sich reißt. So geht es weiter; jeder Captain umgibt sich mit einer Privatarmee, während er die Frau (oder Frauen) seines Vorgängers übernimmt: Eine weibliche Selbstbestimmung ist in van Vogts Konzept der Zukunft erst recht nicht vorgesehen.
Die ständigen Revolten sind für den Leser ermüdend, weil sie stets nach demselben Muster ablaufen. Erst im letzten Drittel weitet van Vogt die Geschichte zur ‚echten‘ Sciencefiction. Die „Hoffnung der Menschheit“ verwandelt sich in „Das unheimliche Raumschiff“ des deutschen Titels. Endlich kommt jener Einfallsreichtum zum Vorschein, der den frühen van Vogt auszeichnete. Er schert sich nicht oder nur scheinbar um physikalische Realitäten, sondern schildert fantasievoll Phänomene, die den Zustand der Überlichtgeschwindigkeit begleiten könnten.
|Aus drei mach einen …|
Während der Leser diesen Teil der Geschichte als triviales aber unterhaltsames Spektakel genießt, mag er sich wundern, wie wenig das letzte Drittel zum Rest der Handlung passt. Schon die Begegnung mit der Roboter-Zivilisation stellt einen Bruch dar. In der Tat lesen wir mit „Das unheimliche Raumschiff“ eine jener berühmten bzw. berüchtigten |fix-up-novels|, in denen van Vogt ältere Kurzgeschichten kombinierte und durch neue Zwischentexte mehr oder weniger kunstvoll miteinander verleimte.
Für „Das unheimliche Raumschiff“ vergriff er sich an „Centaurus II“ (1947, kein dt. Titel), „The Expendables“ (1963, dt. „Rebellion im Sternenschiff“ bzw. „Die Entbehrlichen“) und „Rogue Ship“ (1950, auch: „The Twisted Man“, dt. „Das verhexte Schiff“). Den zeitlich wie thematisch schlecht miteinander korrespondierenden Storys setzte er ein originalverfasstes Finale an, das allerdings an eine am Boden hastig zusammengedrehte Papiertüte erinnert, die ihren Inhalt nur notdürftig hält.
So bleibt „Das unheimliche Raumschiff“ eher als Kuriosum denn als gelungener SF-Roman in Erinnerung. Van Vogt klebt einerseits an der Wunder-‚Wissenschaft‘ der „Goldenen Ära“ dieses Genres, während er andererseits die durchaus erkannten Veränderungen nicht nachvollziehen kann. Eine |fix-up-novel| ist wohl nicht der richtige Schritt auf diesem Weg, aber van Vogt blieben zwanzig weitere Schriftsteller-Jahre, in denen er erschütternd überzeugend unter Beweis stellte, dass er noch wesentlich schlechtere Romane schreiben konnte.
_Autor_
Alfred Elton van Vogt wurde am 26. April 1912 im kanadischen Winnipeg als Sohn eines aus den Niederlanden immigrierten Rechtsanwalts geboren. Als der Vater seinen Job verlor, ging Alfred von der Schule ab und verdiente Geld als Hilfsarbeiter. Nebenbei schrieb er Hörspiele, melodramatische Kurzgeschichten und Romane sowie Ende der 1930er Jahre auch Sciencefiction. Seine erste Kurzgeschichte „Vault of the Beast“ (dt. „Der Turm der Bestie“) erschien 1939 in „Astounding Science Fiction“.
Ebenfalls 1939 heiratete van Vogt die Autorin Edna Mayne Hull (1905-1975), mit der er eng zusammenarbeitete. Einen ersten Erfolg feierte er 1939 mit der Story „Black Destroyer“, dem er 1940 den zunächst in Magazin-Fortsetzungen erschienenen Roman „Slan“ folgen ließ. „Slan“ ist programmatisch für van Vogts Werk. Immer wieder stellt er Einzelgänger mit besonderen geistigen und körperlichen Fähigkeiten in den Mittelpunkt, die einen zunächst aussichtslosen Kampf gegen übermächtige Gegner, das Schicksal oder die Naturgesetze führen. Sein Einfallsreichtum und sein Talent, diese an sich simplen Supermann-Geschichten in einen flamboyanten Stil zu fassen, ließen ihn zu einem Top-Autoren des |Goldenen Zeitalters| der Sciencefiction aufsteigen.
Doch auf dem Höhepunkt seiner Popularität wandte sich van Vogt Ende der 1940er Jahre von der SF ab. Er wurde zu einem frühen Jünger des Sekten-Gurus L. Ron Hubbard (1911-1986), dessen Dianetik-‚Lehre‘ er zunächst unterstützte, bis Hubbard sie als Grundlage seiner |Scientology|-Sekte instrumentalisierte. Van Vogt kehrte 1957 zur Literatur zurück, doch er fand den Anschluss an eine inzwischen stark veränderte SF nicht mehr. Übel nahm man ihm auch das Prinzip der |fix-up-novel|: Van Vogt fasste ältere Storys zu Romanen zusammen und ging dabei oft recht brachial vor.
Obwohl van Vogt bis 1987 regelmäßig veröffentlichte, blieb sein Spätwerk tief im Schatten der frühen Jahre. Das Wissen um die Tatsache, dass wenig später die Alzheimer-Krankheit bei ihm festgestellt wurde, wirft ein neues Licht auf diesen Niedergang. Van Vogts letzter ‚Erfolg‘ war die erfolgreiche Klage gegen das Filmstudio |20th Century Fox|, das ihm 50.000 Dollar für die unrechtmäßige Aneignung der Figur Ixtl aus dem Roman „The Voyage of the Space Beagle“ (1950; dt. „Die Weltraumexpedition der „Space Beagle“) als Vorlage für den Blockbuster „Alien“ (1979; „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“) zahlte. Am 26. Januar 2000 starb van Vogt an den Folgen einer Lungenentzündung.
|Taschenbuch: 222 Seiten
Originaltitel: Rogue Ship (Garden City/New York : Doubleday 1965)
Deutsche Erstausgabe: 1966 (Wilhelm Heyne Verlag/SF 06/3078)
Übersetzung: Wulf H. Bergner
176 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe (geb.): 1983 (Hohenheim Verlag/Edition SF)
Übersetzung: Thomas Schlück
232 S.
ISBN-13: 978-3-8147-0032-8
Derzeit letzte (TB-) Ausgabe: 1986 (Bastei-Lübbe-Verlag/SF Bestseller 22093)
ISBN-13: 978-3-404-22093-9|
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_Band 12: Alarm für die Erde_
Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.
Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Originalserie noch einmal mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.
_Vorgeschichte_
Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und – seit dessen Ende – endlich wieder in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt.
_Zur Story_
Trotz aller Bemühungen, die nuklearen Altlasten vom Kilimandscharo mit eilig umgebauten Frachtraumschiffen auf Nimmerwiedersehen in die Sonne zu schicken, ist der Super-GAU eingetreten (vgl. Band 11 – Operation Sonnenfracht). Der inaktiv geglaubte Vulkan ist im Zuge der tektonischen Unruhen in der Planetenkruste doch ausgebrochen und bläst neben Lava nun auch, wie von den Wissenschaftlern prophezeit, massiv radioaktiv verseuchte Asche in die Atmosphäre. Große Teile Afrikas sind bereits entvölkert, Mensch und Tier an der Strahlenkrankheit krepiert. Die Fall Outs nähern sich auch weiter unaufhaltsam dem Süden Europas. Die anfangs noch planvoll durchgeführten Evakuierungsmaßnahmen der EAAU sind längst in eine heillose Massenflucht mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen gewichen. Gewaltsames Chaos herrscht.
Doch es besteht Hoffnung. Zumindest eine Atempause liegt im Bereich des Möglichen – sofern es gelingt, den Tod und Vernichtung speienden Berg mittels gezielter Sprengungen zur Ruhe zu bringen. So jedenfalls eine sehr gewagte Theorie – aber die einzige derzeit durchführbar scheinende. Der Meinung sind auch die Stabschefs sowie die Regierungsrepräsentanten der EAAU. Denen sitzt zu allem Übel noch die VOR im Nacken, welche die Gelegenheit nutzen, territoriale und politisch-militärische Vorteile aus dem Desaster zu ziehen. Man beauftragt die VEGA mit dieser heiklen Aufgabe, denn um den Kilimanjaro dicht zu bekommen, muss ein bis zum Rand mit Sprengstoff gefüllter Raumer in einer der kurzen Eruptionspausen an einer ganz exakt definierten Position gelandet und zur Detonation gebracht werden.
Das allein ist schon ein absolutes Himmelfahrtskommando mit wenig Überlebenschancen für die entsprechende Crew, da diese mit dem Beiboot innerhalb von rund anderthalb Minuten ausschleusen und buchstäblich aus der Todeszone abzischen müssen. Noch dazu kommt es auf sehr gutes Timing an, denn gleichzeitig wird an anderer Stelle eine Entlastungsöffnung in die gigantische Magmakammer gesprengt. Selbstverständlich ist VEGAs bester Mann dazu angedacht das Kind zu schaukeln, doch Brandis leidet derzeit unter unerträglichen Kopfschmerzen und ist flugunfähig. Ohnehin ist er der Ansicht, das Ganze habe weniger mit Fliegerei als mit Akrobatik zu tun. Freund und Kollege Robert Monnier soll’s nun für die Menschheit richten.
_Eindrücke_
Dieser Band setzt nahtlos am Vorgänger an und bildet somit die Fortsetzung der so unglücklich geendeten „Operation Sonnenfracht“. Dementsprechend finden sich hier eine Menge Figuren wieder ein, die schon dort anzutreffen waren. Brandis‘ Konterpart Pionier-Colonel Friedrich Chemnitzer etwa – und somit auch ein erneuter Schlagabtausch der beiden. Medizinmann John Malembo und seine renitente Guerillatruppe „Fliegende Löwen“ (kurz: FL) sorgen erneut durch ihre Sabotage- und Störaktionen für andauernde Spannungen. Zudem fügen sie der Geschichte einen gewissen Mystery-Faktor hinzu, denn offensichtlich sind die FL, trotz Verzichts auf jegliche Art von Schutz, gegen die Strahlung seltsamerweise immun. Außerdem haben sie – bzw. ihr Anführer Malembo – mit Brandis seit jenen Tagen des Vulkanausbruchs noch eine persönliche Rechnung offen.
Dieses Setup sorgt für ein hohes Tempo. Einzig und allein die ominösen Kopfschmerzepisoden von Mark Brandis bremsen die Pace herunter und erlauben ihm und dem Leser eine distanziertere Sicht. MB ist überdies verhältnismäßig lange zur Untätigkeit verdammt, was durchaus eine neue Komponente in der Serie darstellt. Überhaupt ist die Erzählweise diesmal ein wenig anders gestaltet und erweitert die in der Serie übliche Ich-Form von MB als Erzähler zusätzlich auf Ruth O’Hara, die hier aus ihren – fiktiven – Memoiren („Die Pilotenfrau“) zitiert. Auch VEGA-Chef John Harris streut zwischenzeitlich immer wieder seinen Beitrag ein („Harris-Report“). Diese Kapitel sind kurioserweise allerdings in der dritten Person bzw. aus der Perspektive eines externen, nüchtern-neutralen Beobachters abgefasst. Das erscheint stilistisch etwas inkonsequent.
Wie immer übertrifft die menschliche Komponente die Science Fiction. Während man Nikolai von Michalewsky für den Mut, seinen Heldenvor Angst regelrecht krank und damit untätig werden zu lassen, bis es fast zu spät ist, Respekt zollen muss, kränkelt mal wieder mal die physikalisch-technische Seite. So richtig plausibel ist der Plot diesbezüglich nicht. Insbesondere was Tektonik sowie Radioaktivität angeht, herrscht eine gewisse Naivität vor. NvM macht es sich hinsichtlich solcher gerade für eine glaubwürdige SciFi-Story wichtigen Dinge grundsätzlich zu leicht oder biegt sich die Elemente im Namen der Handlung oft soweit zurecht, sodass sie manchmal arg konstruiert wirken. Spannung aufzubauen gelingt ihm damit allerdings, spätestens beim zweiten Blick sollte man häufig jedoch generös die Augen zudrücken. Kenner der Serie sind darin geübt.
_Spoilerwarnung!_
Selbstverständlich bekommt die Hauptfigur Brandis letztendlich doch noch die Kurve, rettet (wieder mal sowie wenig überraschend) die Menschheit und sich selbst samt Crew, denkbar knapp. Einen kräftigen Schluck aus der Pathos-Pulle muss man – zumindest im Finale – schon verdauen, doch das gehört einfach zu einem MB-Roman. Dabei schafft NvM es auch gleich die noch offenen Nebenhandlungen zu einem halbwegs befriedigenden Abschluss zu bringen. Nur die vielleicht vom einen oder anderen Leser mit Freude erwartete erneute Konfrontation mit dem schmierig-arroganten Colonel Chemnitzer fällt ziemlich zahnlos aus. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, die beiden vertagen ihre Zwistigkeiten auf den nächsten Band. Die nächste Baustelle wartet nämlich schon auf die Streithammel und so endet der „Alarm für die Erde“ mit einem Cliffhanger.
_Fazit_
„Alarm für die Erde“ bietet solide, action- sowie temporeiche MB-Kost mit allen bekannten Stärken und Schwächen, welche die Serie so sympathisch machten. Dabei überwiegen die positiven Aspekte. Obschon prinzipiell eigenständig, ist dieser Band der mehr oder weniger inoffizielle zweite Teil des gelungenen „Operation Sonnenfracht“ und gleichwohl der Brückenschlag zu „Countdown für die Erde“. Ohne den Vorgänger zu kennen ist das Buch kaum sinnvoll, daher ist es für Quer- wie Neueinsteiger in die Serie eigentlich nicht geeignet.
Band 1: _“Der letzte Traumwanderer“_
Band 2: „Die Stadt der Seelen“ (Februar 2011)
Band 3: „Phoenixfeuer“ (Oktober 2011)
In Bradost gärt es. Seit die Lordkanzlerin vor fünf Jahren den Magistrat entmachtet hat, um allein über die Stadt zu herrschen, wächst die Unzufriedenheit im Volk, viele wollen die alte Republik zurück.
Liam und Jackon kümmert das alles wenig. Vorerst. Bis Jackon von Lady Sarka in ihren Palast aufgenommen wird, wo sie ihn im Gebrauch seiner Gabe schulen kann. Denn Jackon ist ein Traumwanderer …
Und bis Liam zusehen muss, wie sein Vater vom Chef der Geheimpolizei ermordet wird!
Plötzlich stecken beide mittendrin in einem Machtkampf, der nicht allein auf ihre eigene Welt beschränkt ist …
_Die Charakterzeichnung ließ_ ein wenig zu wünschen übrig.
Liam zum Beispiel ist durchaus sympathisch, so, wie man jemanden sympathisch findet, dem man gelegentlich auf der Straße begegnet, und der immer gut gelaunt und freundlich grüßt. Aber mehr als dieser oberflächliche Eindruck bleibt nicht zurück.
Auch Jackon fehlt es an Ausstrahlung, zudem wirkt er in seiner fast kindlichen Bewunderung für Lady Sarka wesentlich jünger als ein Fünfzehnjähriger. Von jemandem, der von Kindesbeinen an täglich um sein Überleben kämpfen musste, hätte ich etwas mehr geistige Reife erwartet.
Weitere Figuren wie der Erfinder Quindal, die Alben Lucien und Aziel oder die Gehilfen der Lordkanzlerin, besitzen kaum eigenes Profil.
Wesentlich stimmungsvoller ist Christoph Lodes Darstellung seiner Welt ausgefallen. Die Gassen sind eng und schmutzig, die Häuser schäbig und rußgeschwärzt. Licht scheint es fast ausschließlich außerhalb von Gebäuden zu geben, aber selbst in den Gärten der Lordkanzlerin, die von einem Gärtner gepflegt werden, ist alles voller Ruinen, sind die Statuen fleckig und schadhaft. Viele magische Geschöpfe sind einfach verschwunden, so wie der Phönix, der einst die Stadt bewachte. Es ist eine verfallende, sterbende Welt. Der Lärm und der Ätherdampf aus den zahllosen Fabriken und Manufakturen, die Geschäftigkeit in Quindals Erfinderwerkstadt wirken vor dieser Kulisse wie der klägliche Versuch, kunstvolle Musik durch andere Geräusche und den dadurch entstehenden Mangel an Klang durch noch mehr Geräusche zu ersetzen.
Dennoch gibt es noch immer Magie. Dabei scheint es nicht so zu sein, dass Magie eine universelle Kunst ist, zu der jemand befähigt ist oder nicht. Sie äußert sich – zumindest bei den Menschen – in unterschiedlichen Gaben, so wie Jackons Fähigkeit, durch die Träume anderer Menschen zu wandern. Eine Ausnahme bildet die Alchymie, die ganz offensichtlich eine Menge mit Magie zu tun hat, für die man aber anscheinend keine magische Gabe benötigt.
In dieser düsteren Umgebung hat der Autor seinen Plot entwickelt. Die Grundidee dieses Plots ist nicht neu: Eine kleine, zusammengewürfelte Gruppe mehr oder weniger junger und heldenhafter Personen setzt sich gegen einen übermächtigen Diktator zur Wehr. Was dabei ein wenig stört, ist, dass die Darstellung ein wenig löchrig wirkt. Details darüber, wie die Lordkanzlerin die alleinige Macht an sich gerissen hat, wie sie die städtischen Soldaten auf ihre Seite gebracht hat, und vor allem, warum sie das tut, sind vornehmer Zurückhaltung zum Opfer gefallen. Sicher, die neue Machthaberin lässt ihre Untertanen ununterbrochen bespitzeln und unterdrückt jeden Widerstand sofort auf brutale Weise. Aber was war zuerst da? Die Unterdrückung oder der Widerstand? Und im Falle des Letzteren: Wo kam er her und warum?
Hier lässt der Autor den Leser völlig in der Luft hängen, was ich schade fand. Die Motive aller Beteiligten bleiben dadurch bruchstückhaft, es fehlt eine stabile Basis, auf der die weitere Entwicklung des Plots aufbauen könnte.
Dazu kommt, dass die sich die Handlung weder durch viel Bewegung noch durch Komplexität auszeichnet. Bis alle Personen in Stellung gebracht sind, vergehen einige Seiten, und obwohl der Autor sich darauf beschränkt hat, Gedanken und Gefühle seiner Figuren direkt festzustellen, anstatt sie indirekt durch Beschreibung zu verdeutlichen, nehmen die Entwicklung von Liams und Jackons Freundschaft oder die der Beziehung zwischen Liam und Vivana eine Menge Raum ein. Das wäre nicht unbedingt ein Problem, so denn die Charaktere lebendig und greifbar genug wären, um diese Passagen mit Präsenz zu füllen, was sie leider nicht sind.
Außerdem ist von Anfang an klar, was die Lordkanzlerin vorhat, und auch die Frage, woher der Harlekin die magische Lampe hatte, kann der Leser in dem Moment beantworten, in dem sie gestellt wird. Damit ist der Plot eigentlich schon aufgedeckt, und der Leser fragt sich nur noch, ob es den Protagonisten gelingt, den Plan zu vereiteln oder nicht. Nun, nicht ganz, er fragt sich auch, was es nun eigentlich mit diesem so wichtigen Gelben Buch von Yaro D’ar auf sich hat, aber diese Antwort hat sich der Autor wohlweislich noch aufgehoben.
Letztlich sind es kleine Randfragen, die die Geschichte auch darüber hinaus interessant halten: Was hat es mit der Vergangenheit von Lady Sarkas Leibwächterin auf sich, die einmal so beiläufig, aber sicherlich nicht ohne Absicht erwähnt wurde? Welche Geheimnisse hüten die Manusch, die als fahrendes Volk durchs Land ziehen und von denen Vivana teilweise abstammt? Und woher hat die Lordkanzlerin ihre so außergewöhnlichen Fähigkeiten?
An diesen kleinen Rätseln kann der Leser herumpuzzlen, bis es endlich zum Showdown kommt. Und der wiederum ist nicht nur turbulent, sondern auch durchaus spannend geraten und wartet für alle, die ein paar Seiten zuvor noch dachten: „Das ging jetzt aber leicht!“, mit einer kleinen Überraschung auf. Zusammen mit dem Besuch des Alben Lucius beim Alchemysten Silas Torne ist das die beste Szene des Buches.
_Zurück bleibt ein durchwachsener Eindruck._ Vieles hat mir sehr gut gefallen, so zum Beispiel die einzelnen magischen Gaben, die Darstellung der Stadt Bradost oder die Manusch, die vielleicht nicht unbedingt überaus originell geraten sind, dafür aber ein wenig Farbe mitbringen. Die Charaktere dagegen blieben mir zu blass und zu flach, und auch der Handlung fehlte es bisher noch an Biss und an Tempo. Vielleicht bessert Letzteres sich ja in den Folgebänden, jetzt, wo wir die Aufstellung der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander hinter uns haben.
_Christoph Lode_ stammt aus dem Rheinland und ist seit Jahren freiberuflicher Schriftsteller. Nach den Historienromanen „Der Gesandte des Papstes“ und „Das Vermächtnis der Seherin“ ist die |Pandaemonia|-Trilogie sein erster Ausflug ins Fantasy-Genre. Der zweite Band unter dem Titel „Die Stadt der Seelen“ erscheint Mitte Februar, außerdem ist für Mitte April die Veröffentlichung eines weiteren Historienromanes vorgesehen, „Die Bruderschaft des Schwertes“.
Band 1: [„Kinder des Judas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4306
Band 2: [„Judassohn“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4306
Band 3: _“Judastöchter“_
Die mehrere hundert Jahre alte Sia, mit „bürgerlichem“ Namen Theresia Sarkowitz, ist eine Vampirin und wahrscheinlich die letzte Überlebende der so genannten „Judaskinder“, einer der mächtigsten Gruppe der Vampire.
Als „Mutter“ Ihrer Kinder liegt ihr das Wohl derer, die sie liebt, am toten Herzen. Für Emma und Elena würde sie alles tun und ist bereit sich selbst für die dunkelsten Mächte einzusetzen. Mit all ihren Mittel möchte sie verhindern, dass der Fluch der Judaskinder an die Menschen, die sie liebt, weitergegeben wird, andernfalls müsste Theresia beide persönlich töten.
Eine Gruppe, die sich geheimnisvoll „Sidhe“ nennt, erpresst Theresia. Die Sidhe haben die im Koma liegende Emma und ihre Tochter Elena entführt und erpressen Sia nun, einen Auftrag für diese geheimnisvolle Gruppe auszuführen. Um ihre Familie zu schützen, sieht sich Sia nun gezwungen den Auftrag anzunehmen, auf der grünen Insel Irland einige Gestaltwandler umzubringen. Erst nach Erledigung dieses Mordauftrages werden Emma und Elena unversehrt freigelassen.
In diesem mörderischen Wettlauf begegnet sie auch Eric von Kastell, einem ehemaligen Werwolf und damit ein natürlicher Feind der Gestaltwandler. Nach anfänglichem Misstrauen verbünden sich Theresia und Eric und geraten in einen erbarmungslosen Machtkampf zwischen den Wandlern und der Sidhe.
Als Theresia Irland betritt, ist die letzte der Judastöchter bereit, ihren Zorn gegenüber den Entführern freien Lauf zu lassen …
_Kritik_
Mit dem Vampirthriller „Judastöchter“ hat Markus Heitz den vorerst letzten Band um Vampire, Gestaltwandler und anderen dämonischen Wesen geschrieben. Hier laufen die Fäden aus den vorangegangenen „Pakt der Dunkelheit“-Romanen zusammen und bekannte Figuren kommen zu einem letzten Finale zusammen.
Lange muss der Leser nicht warten, bis der Roman an Fahrt aufnimmt, schnell wird nach einer kurzen Einführung der Level hochgefahren und der Roman wird von einem actionreichen Ereignis zum nächsten katapultiert. Viel Platz für Hintergrundwissen der neuen Wesen wird hier nicht gegeben, diese agieren nur im Hintergrund, und bis auf die Tatsache, dass die Sidhe die Herrschaft über Irland übernehmen wollen, bleibt vieles hinsichtlich dieser Rasse unklar.
Im Gegensatz zu den anderen Büchern der Reihe verzichtet der Autor hier auf Rückblicke in die Vergangenheit und das frühere Leben der Charaktere und legt den Fokus ganz auf die gegenwärtigen Ereignisse. Lediglich in den Dialogen der Protagonisten kommt es zu Anspielungen auf die früheren Bände. Wer diese gelesen hat, ist hier durchaus im Vorteil und kann auch die Hintergründe spielend leicht nachvollziehen und kommt in den Genuss, die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen.
Markus Heitz‘ Schreibstil ist flüssig zu lesen und anfängliche Rätsel löst er im Verlauf der Handlung auf und webt dabei gekonnt Elemente der Vorgängertitel ein, die die vielschichtige Handlung hervorhebt. Am Anfang des Buches ist allerdings die überhandnehmende Vulgärsprache zu kritisieren, diese wirkte irgendwann einfach etwas zu viel des Guten. Glücklicherweise hat der Autor den Absprung aber geschafft und der Lesespaß konnte ungetrübt weitergehen. Der Spannungsbogen lässt nie nach, sondern wird durch immer neue Wendungen gekonnt angeheizt und endet in einem wahrhaft explosiven Finale.
Die Kämpfe der verschiedenen in Irland ansässigen Vampire und der Clans der Wandelwesen sind actionreich erzählt und das aus Deutschland kommende Duo Sia und Eric gerät mitten hinein in die Kämpfe um die Vorherrschaft in Irland. An Geschöpfen mangelt es hier nicht, Wandler der unterschiedlichsten Formen, verschiedene Vampirrassen und Dämonen, bei Markus Heitz ist alles möglich. Daher wird auch munter mit Silbergeschossen, Schwertern und sogar goldenen Tortenhebern gemordet und gemetzelt, was durchaus ein verschlagenes Lächeln auf die Lippen des Lesers bringen wird.
Erzählt wird das Geschehen aus der Sicht eines Beobachters, der das Zusammenspiel der Begebenheiten erzählt und so jede Gruppe zu Wort kommen lässt, lediglich die Gedanken der komatösen Emma werden von ihr selbst wiedergegeben.
Die Charaktere sind facettenreich und mit arttypischen Merkmalen beschrieben. Altbekannte haben sich weiterentwickelt und auch die neu Dazugekommenen sind meist plausibel erklärt. Die stärksten Figuren sind hier Sia und Eric, beide sind kongeniale Partner in einem Kampf um das Leben von Sias Nachfahren. Auch wer die anderen „Pakt der Dunkelheit“-Bücher nicht kennt, wird schnell Sympathien für diese charaktervollen Charaktere entwickeln und einem glücklichen Ende entgegenfiebern. Auch haben Sia und Eric Anteil an der Dramaturgie, da sich eine Beziehung entwickeln will, diese aber unmöglich scheint.
Auch die weiteren, für die Geschichte unverzichtbaren Charaktere, wie Justine, Elena, der Butler Wilson sind lebendig und komplex konzipiert.
_Fazit_
„Judastöchter“ von Markus Heitz ist ein würdiger Abschlussband seiner „Pakt der Dunkelheit“-Reihe. Zwar scheint er sich ein Hintertürchen offengelassen zu haben, nicht alle Fragen konnten vollständig aufgeklärt werden, diese dürften den Lesern aber keine schlaflosen Nächte bereiten.
Die Mischung aus Horror- und Fantasyelementen beherrscht der Autor perfekt und so sind seine Romane eine Bereicherung für Leser der düsteren Fantasy.
„Judastöchter“ ist durchaus als Einzeltitel lesbar, für den vollendeten Genuss sei dennoch empfohlen, zumindest die „Judas“-Bücher „Kinder des Judas“ und „Judassohn“ zu lesen, besser noch man fängt mit „Ritus“ und „Sanctum“ an und liest auch „Blutportale“.
_Autor_
Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und lebt mit seiner Familie in Zweibrücken. Seit er mehrfach mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde, gilt er zu Recht als „die deutsche Geheimwaffe für fantastischen Horror und herausragende Fantasy“ (Bild am Sonntag). Mit seiner Bestsellerserie um „Die Zwerge“ drückte er der klassischen Fantasy seinen Stempel auf und eroberte mit seinen Werwolf- und Vampirthrillern „Ritus“, „Sanctum“, „Kinder des Judas“, „Blutportale“, „Judassohn“ und „Judastöchter“ auch die Urban Fantasy.
Eine Leseprobe bietet der Verlag unter [dieser Adresse]http://www.pakt-der-dunkelheit.de/LP__Judastoechter.pdf an.
Band 01: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
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Band 04: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
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Band 08: [Raumsonde Epsilon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [Salomon 76]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [Aktenzeichen: Illegal]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
_Band 11: Operation Sonnenfracht_
Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit der gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.
Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Originalserie noch einmal mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.
_Vorgeschichte_
Der Weltraum unseres Solsystems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und – seit dessen Ende – endlich wieder in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt.
_Zur Story_
Mutter Erde rebelliert im Herbst des Jahres 2076. Beim Tag der offenen Tür der VEGA in San Francisco, wird die Stadt von einem katastrophalen Erdbeben heimgesucht. Es wird nicht das einzige bleiben – Wissenschaftler haben derartiges schon lange erwartet und befürchtet, wurden jedoch in der Vergangenheit weitgehend ignoriert und als Miesepeter diffamiert. Jetzt ist man bereit ihnen etwas besser zuzuhören, und was sie zu verkünden haben ist nicht gerade erbaulich. Man rechnet planetenweit mit vermehrten Beben und Vulkanausbrüchen schweren und schwersten Kalibers. Das allein ist bereits Besorgnis erregend genug, doch das dicke Ende kommt noch. Wie so oft.
Die Mitgift, eigentlich sollte es hier vielleicht besser DAS Mitgift heißen, welches Amerika damals in die Union mitbrachte, könnte bald zu einem massiven Problem für die gesamte Menschheit werden: Millionen Liter radioaktiven Abfalls aller Coleur lauern unter dem Kilimanjaro – seines Zeichens nicht nur der höchste Berg Afrikas, sondern auch ein für erloschen gehaltener Vulkan. Damals hat man den gesamten Nuklearmüll dort oben in einem natürlichen, durch permanente Schnee-und Eiskälte stets gut gekühlt gewähnten Kavernensystem untergebracht und mit einer gigantischen Betonplatte verschlossen. Für immer und ewig, hoffte man. Ein Trugschluss, denn Mutter Natur hat den Zünder dieser Zeitbombe um ein Vielfaches vorgestellt.
Nun droht akut der Austritt der radioaktiven Brühe durch die tektonischen Unruhen. Schlimmer noch, es mehren sich die Anzeichen für erneute vulkanische Aktivitäten des Kilimanjaro. Sollte dieser GAU eintreten, währen die Folgen für die gesamte Erde verheerend. Der Rettungsplan sieht vor, das Reservoir anzuzapfen und die gefährliche Suppe in alte, eigens dafür umgebaute Altraumschiffe zu pumpen. Diese sollen dann unbemannt en route in die Sonne geschossen werden. VEGA-Chef Harris beauftragt dazu natürlich seinen besten Mann: Brandis. Der und seine handverlesene Crew haben dabei nicht nur mit der Zeit, der Logistik und Tücken der Technik zu kämpfen. Der Faktor Mensch spielt auch eine sehr große Rolle.
_Eindrücke_
Mit „Operation Sonnenfracht“ zeigt NvM nach zwischenzeitlich zwei eher schwachen Bänden („Testakte Kolibri“ und „Raumsonde Epsilon“) erneut, dass er es doch wesentlich besser kann. Schon der direkte Vorgänger „Aktenzeichen: Illegal“ wies bereits eine deutliche Steigerung auf. Bezeichnenderweise handelt es sich auch diesmal wieder um ein heikles Gesellschaftsthema, das auf der Basis der Siebziger und Achtziger des 20. Jahrhunderts beruht und da kennt er sich bestens aus. Ganz im Gegensatz zur SciFi, das war eigentlich nie so sein Ding. Daher stolperte er gelegentlich in physikalisch-technische Plotholes, wenn er versuchte „reine“ Science Fiction – insbesondere mit zu viel technischem Schnickschnack – zu schreiben. Die Gefahr, sich damit zu verzetteln, besteht bei dieser Story zum Glück nicht so sehr.
Das Sci-Fi-Element ist zwar auch ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil, dient aber im Prinzip lediglich als nötige Kulisse. Es geht wie eigentlich immer, wenn ein MB-Roman besonders gelungen ist, in erster Linie um Menschen und eine mehr oder weniger gesellschaftskritische Message. In diesem Falle sogar zwei: Rassismus sowie der Umweltschutz und die Pflicht einer jeden Generation, den nachfolgenden keinen Schweinestall zu hinterlassen – erst recht keinen nuklear verseuchten. Gerade vor dem Hintergrund der jüngst am Bundesrat vorbei beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atommeiler in Deutschland und die umstrittenen Zwischen- bzw. Endlager Asse und Gorleben gewinnt dieser weitsichtige Roman aus dem Jahr 1975 erneut eine unglaubliche hohe Aktualität.
Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, ist auch das Ende höchst konsequent und – bei allem Hang von NvM zum Pathos, der auch in diesem Band nicht fehlen darf – nicht wirklich Happy. Er macht es seinem Alter Ego wieder einmal nicht leicht, schafft es aber trotz des sehr ernsten Themas sogar, einen gewissen auflockernden Humor mit einzubauen. Dieser (be-)trifft hauptsächlich den Pionier-Oberst Friedrich „Fritz“ Chemnitzer. Dieser muss als Zielscheibe für NvM/Brandis‘ Abneigung gegenüber dem Militär herhalten und ist das Sinnbild des hochnäsigen Komisskopps – gleichzeitig baggert er ausgerechnet Ruth O’Hara an, Brandis‘ Ehefrau und sozusagen die heilige Kuh der Serie. Offenbar gefiel ihm die Figur so gut, dass er sie auch gleich als den Konterpart in die beiden Folgebände einbaute. Diese bilden somit eine kleine Trilogie – auch thematisch.
Im Anhang dieses Bandes findet sich mal wieder ein Extrabeitrag zur Serie. Diesmal kommt Hörspielmacher Balthasar von Weymarn auf rund acht Seiten zu Wort, der nachvollziehbar erklärt, warum er bei den unlängst erschienenen MB-Hörspielen gewisse Dinge änderte bzw. teils drastisch umstricken musste, da sie dort sonst nicht funktionieren würden. Wer die Hörspiele kennt, wird ihm vermutlich beipflichten, wer nicht, bekommt vielleicht Lust einmal rein zu hören und sich selbst ein Bild zu machen. So ist dieser Beitrag für Fans wie Newbies gleichermaßen interessant.
_Fazit_
Der Plot hat durchaus erschreckenden Realitätsbezug und ist gar nicht mal so abwegig. Die Geschichte ist trotz ihrer kleinen Nebenhandlungen geradlinig und vor allem spannend erzählt. Sie kommt lobenswerterweise auch einmal ohne große Logiklücken und Phrasendrescherei daher. Wenn es darum ginge, MB-Romane zu nennen, welche die Reihe positiv repräsentieren und für ihren Erfolg stünden, „Operation Sonnenfracht“ würde ganz sicher einen der oberen Plätze einer solchen Liste einnehmen. Dementsprechend erfolgt eine klare Empfehlung für Neu- und Quereinsteiger, die sich auch ohne jegliches Vorwissen bestimmt zurecht finden und wohl fühlen werden.
Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 4: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 5: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 6: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 7: [Testakte Kolibri]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 8: [Raumsonde Epsilon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 9: [Salomon 76]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
_Band 10: Aktenzeichen: Illegal_
Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit der gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch, und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.
Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Originalserie noch einmal mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.
_Vorgeschichte_
Der Weltraum unseres Solsystems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Usurpator Smith, der sich im Jahr 2069 an die Macht putschte (vgl. Band 1 bis 4), ist Geschichte. Nicht zuletzt auch durch den tüchtigen Einsatz von Commander Mark Brandis und des Widerstandes. Die Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA), für die Brandis & Co. ihre Testflüge brandneuer Raumschiffprototypen durchführen, ist längst wieder eine zivile Institution, worauf man stolz ist.
_Zur Story_
Es ist das Jahr 2077. Commander Mark Brandis hat derzeit etwas Leerlauf, was den Testbetrieb bei VEGA angeht. Eigentlich sollte er mit seiner Crew die „Ares II“ in die Mangel nehmen, doch die ist noch nicht fertiggestellt. Im Moment dreht sich in der EAAU-Hauptstadt Metropolis alles um die „Nativa 77“ – diese sorgt dafür, dass auch die VEGA personell wie technisch an ihren Ressourcen knabbern muss und viele ihrer Projekte zurückgestellt hat, um einen reibungslosen Ablauf dieser wichtigen Weltbevölkerungskonferenz zu gewährleisten. Denn das Ziel ist ein Höheres: Die Erde platzt aus allen Nähten. Selbst eine Delegation der Intimfeinde von der VOR sitzen mit am Tisch, um Lösungen für die Problematik der kritisch werdenden Überbevölkerung zu diskutieren.
Die haben seit 2055 den so genannten „Henkerparagraphen“ als Instrument der Geburtenkontrolle, welcher besagt, dass Paare nur noch maximal zwei Kinder in die Welt setzen dürfen. Jedes weitere ist „illegales Leben“ und wird eliminiert, sprich: in der Regel abgetrieben. In der EAAU scheint solcherlei undenkbar, dennoch mehren sich die Stimmen, diese Vorgehensweise zumindest in Betracht zu ziehen. Brandis verfolgt die Debatte zwar, doch ist die Thematik für ihn vergleichsweise weit weg. Er freut sich lieber auf einige Tage (viel zu seltenen) Jahresurlaub, die er mit seiner Frau Ruth unter anderem in Acapulco verbringt. Zurück in Metropolis wartet statt irgendwelcher Testflüge jede Menge Schreibtischarbeit auf ihn. Während seiner Abwesenheit hat sich allerdings etwas ereignet, was ihn von diesem alsbald aufscheucht.
Sein Pilot Grischa Romen ist verliebt. Das ist erfreulich. Weniger dagegen, dass es sich dabei um eine der VOR-Delegierten handelt: Die Astrophysikerin Ko Ai. Normalerweise ist selbst das kein größeres Problem. Die Verträge zwischen EAAU und VOR decken auch Mischehen ausreichend ab. Eigentlich reine Formsache. Auf der Verlobungsfeier kommt es dann zum Eklat. Beim Suchen nach ihrer Geburtsurkunde im Pekinger Zentralregister stellt sich heraus, dass sie das dritte Kind eines Verwaltungsbeamten ist, welcher sie mittels falscher Papiere quasi legalisiert hat. Die VOR verlangt unnachgiebig die Auslieferung Ko Ais. Bei ihr greift der Henkerparagraph. Als wäre das noch nicht schlimm genug, lehnt die Ausländerbehörde der EAAU das Asylgesuch ab.
_Eindrücke_
Nikolai von Michalewsky, sprich: Mark Brandis, bedient sich in seinen Büchern ja gerne des Vorgriffs als Stilmittel. Das ist zumindest Serienkennern sattsam bekannt. Hier entschied er sich für eine leichte Variation, indem er den Beginn der Jagd nach seinem Freund und Piloten, Grischa Romen, zunächst als Mitschnitt eines Verhörprotokolls aufzieht – quasi eine Retrospektive in der Retrospektive. Als Erläuterung sei hierzu angemerkt, dass Brandis direkt zu Beginn an ein Gedankenlesegerät angeschlossen wird, welches die Ausländerbehörde „Department A“ offensichtlich höchst illegal betreibt. Über diesen „Sententor“-Auszug erfahren wir Leser die Vorgeschichte, bis dieser Erzählstrang im letzten Drittel endet und Brandis wieder in gewohnter Manier über die Ereignisse berichtet. Selbstverständlich – auch das ist Usus – in der Ersten Person.
Das Schöne an dieser Story ist, dass das eigentliche Science Fiction Element fast vollkommen zurücksteht und es hier um menschliches Schicksal geht. Das tut es bei Brandis zwar sonst auch immer, doch „Aktenzeichen: Illegal“ dürfte mit Abstand die anrührendste Geschichte der Serie sein. Sie verrät überdies viel über den Privatmenschen Brandis, selten war man der Figur näher, insbesondere bei seinem unfreiwilligen „Verrat“ an Grischa Romen und Ko Ai. Seine Scham und seine Wut darüber dem „Department A“ ausgeliefert zu sein, sind für den Leser – sofern er auch nur einen Funken Empathie besitzt – höchst real und nachvollziehbar. Auch das ist selbstverständlich auch zu einem gewissen Grad der Ich-Form zuzurechnen. Damit ist die Identifikation mit der (Haupt-)Figur per se sehr viel einfacher. Zudem ist er im Prinzip jemand wie Du und Ich: Das heißt, mit allerlei Macken.
Brandis hat ohnehin so seine ganz speziellen Eigenheiten, die einem immer wieder begegnen. Zum einen sind da Michalewskys übliche Lieblingsmetaphern, Klischees und Standardphrasen wieder kräftig vertreten. Zusätzlich fällt auf, dass Brandis seine Frau stets „Ruth O’Hara“ (NB: Ihr Mädchenname, den sie bei der Heirat offensichtlich nicht in „Brandis“ geändert hat) nennt. Das wirkt zumindest stilistisch unglücklich, wenn dieser Name vier- oder fünfmal auf einer einzigen Seite auftaucht. Wenn wir Leser aber gerade hier einen besonders intimen Blick – nämlich via Sententorprotokoll – in seine innerste Gedankenwelt bekommen, erscheint es doch höchst fragwürdig, dass er dann nicht schlicht „Ruth“ oder „meine Frau“ denkt (schreibt) sondern jedes Mal Vor- und Zuname verwendet. Das will irgendwie nicht ganz einleuchten.
Auch in Sachen Technik ist nicht alles immer hundertprozentig logisch. Klar, ohne die futuristischen Elemente würde die Story stellenweise entweder nicht funktionieren – oder wäre nur halb so spannend. Über manches mag man mittlerweile schmunzeln, da es bereits heute überholt wirkt, andere Ideen hingegen waren und sind nicht nur originell, sie wurden entweder tatsächlich realisiert oder sind selbst in modernen SciFi-Stories häufig noch wieder zu finden. Alles in allem ist die Technik aber nicht zu abgehoben und bleibt verständlich sowie meist nachvollziehbar. Aber doch nicht immer. Es gibt so manche Plausibilitätslücken, welche sich durch die gesamte Serie ziehen, sie aber nichtsdestotrotz gerade dadurch sympathisch machen, weil eben nicht alles so geleckt und bis ins kleinste Schräubchen durchgestylt ist – wie etwa bei STAR TREK & Co.
_Fazit_
Der originale Untertitel des 1975 erstmals erschienenen Buches bringt es – vielleicht ein wenig reißerisch – auf den Punkt: „Menschenjagd im Weltraum“. Dabei spielt das All eine eher untergeordnete Rolle, in der Hauptsache findet dieser Politthriller vor futuristischer Kulisse auf der Erde statt und ist ein rühriger Appell an die Menschlichkeit sowie die Freundschaft. Gleichzeitig festigt Band 10 die Beziehung zwischen den etablierten Figuren untereinander und gleichwohl in Richtung Leser auf spannende Art. Er eignet sich zudem auch für Quereinsteiger, denen zwar sicherlich einige Feinheiten der Vorgeschichte fehlen, aber der Story problemlos folgen können dürften.